Ist es egal wie oder was wir essen? Jesus und die Apostel antworten auf die Fragen über dem Umgang mit Lebensmitteln

7.8 Jesus bezieht Stellung zu den Reinheitsvorschriften der Ältesten und tadelt die Pharisäer wegen der Missachtung der Gebote Gottes

(Bibeltexte: Mt 15,1-20; Mk 7,1-23)

7.8.1 Der Vorwurf der Pharisäer und die Stellungnahme von Jesus

In der Zeit zwischen der bedeutenden Rede von Jesus in der Synagoge zu Kapernaum und dem Ausflug nach Syro-Phönizien, berichtet sowohl Matthäus als auch Markus über eine heftige Diskussion mit den religiösen Leitern des Volkes. Pharisäer und einige Schriftgelehrte waren aus Jerusalem angereist. Diese Diskussion fand in der Öffentlichkeit statt und zwar bei einer Gelegenheit, während Jesus zum Volk redete (Mk 7,14a).Wahrscheinlich befand sich Jesus noch in Kapernaum.

Abbildung 13 Ein Teil der Stadt Kapernaum wurde freigelegt. Hier sind Fundamentreste von Wohnhäusern zu erkennen. In den Evangelien werden die Häuser von: Petrus, Matthäus, Jairus, vom römischen Hauptmanns, dem königlichen Beamten erwähnt und sicher hatte die Familie des Zebedäus dort auch ein Haus (Foto am 23. Januar 2019).

Die pauschale Anklage der Pharisäer lautete: die Jünger von Jesus missachten die Überlieferungen der Ältesten. Der konkrete Punkt ist die Unterlassung der rituellen Waschung der Hände vor dem Essen. So schreibt der Ev. Markus:

Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die aus Jerusalem gekommen waren. Und sie sahen, dass einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt ungewaschenen Händen das Brot aßen. Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht die Hände mit einer Handvoll Wasser gewaschen haben, und halten so an der Überlieferung der Ältesten fest; und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, bevor sie sich gewaschen haben. Und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie: Becher und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen. Da fragten ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen (gemeinen) Händen?“ (Mk 7,1-6).

Die Pharisäer wussten sich zuständig für die Einhaltung des Gesetzes (entsprechend der Auslegung der Ältesten) sowie deren genauen Anwendung im Alltag. In diesem Fall haben sie die Jünger von Jesus beim Essen, bzw. vor dem Essen genau beobachtet und gemerkt, dass einige von ihnen ihre Hände nicht gewaschen hatten. Dies nehmen sie zum Anlass, um bei Jesus (der als Rabbi für seine Jünger verantwortlich war) vorzusprechen. „Warum übertreten deine Jünger die Überlieferungen der Ältesten; denn sie waschen ihre Hände nicht wenn sie Brot essen.“ Wir merken sofort, worauf sie ihren Vorwurf gründen. Nicht auf die Vorschriften Gottes im Mosaischen Gesetz, sondern auf die Überlieferungen der Ältesten (gr.  παράδοσιν των πρεσβυτερων paradosin tön presbyterön). Das im Deutschen oft verwendete Wort `Tradition`, kommt aus dem Lateinischen  und meint auch `Überlieferung`. Oft handelte es sich dabei um eine erweiterte Erklärung bestimmter Aussagen aus dem Gesetz Moses.

Der griechische Begriff `κοινόν – koinon – gemein`,

wird in den meisten Übersetzungen mit `unrein` wiedergegeben, dadurch ist der Text einfacher zu verstehen. Doch eigentlich steht dort nicht `un-rein`, sondern `gemein`. womit der absolute Gegensatz von `rein` exakt herausgestellt wird. Natürlich bedarf dieses Wort der Erklärung. Die Kriterien im Gesetz Moses für `rein` oder `gemein` waren für alle Lebensbereiche festgelegt. Sie sind jedoch durch die Überlieferungen der Ältesten erweitert worden. So war etwas oder jemand `gemein`, wenn es (er, sie) dem rituellen Reinheitsstandart nicht entsprach. Wenn es sich außerhalb der für Gott geweihten, geheiligten Sphäre befand und daher unbrauchbar, verwerflich, unrein wurde (3Mose 11,2-22; Apg 10,15.28; 11,3-9; 21,28: „diese Stätte gemein gemacht und daher entweiht“). 

Als nächstes fragen wir, ob der Vorwurf der Pharisäer berechtigt ist? Die Formulierung: „mit unreinen (gemeinen), das heißt mit ungewaschenen Händen“, war laut dem Verständnis der Pharisäer: ungewaschen = gemein/unrein, auch wenn die Hände an sich sauber sind. Die Folge: Wenn die nicht gewaschenen Hände als gemein angesehen werden, dann hat es Auswirkungen auch auf die ansonst reinen Speisen, weil diese mit der Hand in den Mund geführt werden. Denn nach dem Gesetz wurde die Unreinheit durch Berührung übertragen (4Mose 19,22: „Und alles, was der Unreine berührt, wird unrein werden, und wer ihn berührt, soll unrein sein bis zum Abend.“ Es ist jedoch nicht vorstellbar, dass sich Jesus und seine Jünger bewusst und absichtlich mit schmutzigen Händen an den Tisch gesetzt hätten. So bezeugt Petrus noch Jahre später: „O nein, Herr; denn es ist nie etwas Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen.“ (Apg 11,8). Der Vorwurf an die Jünger traf bei einer anderen Gelegenheit auch Jesus selbst. So lesen wir in Lukas 11,38: „Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, dass er (Jesus) sich nicht vor dem Essen gewaschen hatte.“ Es bestand demnach für Jesus (und zwar konkret in diesem Fall) nicht die Notwendigkeit zur Waschung, denn bei einer anderen Gelegenheit hätte Jesus sehr gerne eine Waschung (Fußwaschung) in Anspruch genommen, doch dort wurde diese ihm verweigert (Lk 7,44).

Eigentlich deckt der von den Pharisäern ausgesprochene Vorwurf an die Adresse der Jünger, die Oberflächlichkeit der überlieferten Vorschrift auf. Weil dabei nicht die Frage nach der Notwendigkeit des Händewaschens gestellt wurde, sondern, nach der äußeren Befolgung der Vorschrift – eine handvoll Wasser und der Buchstabe ist erfüllt. Die Verordnung `Hände waschen` ist in den Reinheitsvorschriften des Mosaischen Gesetzes explizit für die rituelle Reinheit und Dienstbereitschaft der Priester vorgeschrieben worden (2Mose 30,19-20; 2Mose 40,32 u.a.m.). Ansonsten ist öfters von `Füße waschen` die Rede, aber auch Waschungen zum Zwecke der rituellen Reinheit (1Mose 18,4; 24,32; 3Mose 15,11 u.a.m.). Vielleicht kommt die Verordnung für das Händewaschen nicht so oft vor, weil beim Waschen anderer Körperteile, Kleider oder Gegenstände, die Hände gleichzeitig auch gewaschen wurden. Jedoch ist das Waschen der Hände `vor dem Essen` im Gesetz Moses nicht ausdrücklich vorgeschrieben. Aus rein praktischen, gesundheitlichen Überlegungen und zum Zwecke der Erfrischung, nutzte man gerne die Gelegenheiten für körperliche Hygiene (1Mose 43,31; 2Sam 12,20; Hes 16,9; Joh 2,6).

Es fällt auf, dass Jesus in diesem Fall auf den Vorwurf der Pharisäer zunächst nicht eingeht. Doch bei einer anderen Gelegenheit (bei der Jesus selbst das Händewaschen unterlassen hatte) tadelt er sehr bewusst die Pharisäer mit den Worten: „Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit. Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das Innere geschaffen? Doch gebt als Almosen von dem, was da ist; siehe, dann ist euch alles rein.“(Lk 11,37-41; vgl. auch mit Mt 23,25-26). Mit dem „Äußeren“ meint Jesus sehr wahrscheinlich den Körper, mit dem „Inneren“ das Herz, den inneren Menschen. Der Ev. Markus erläutert im Detail die von Jesus angesprochene Praxis der Pharisäer. „Wenn die Juden vom Einkaufen nach Hause kommen, waschen sie mit einer Hand voll Wasser ihre Hände vor dem Essen. Auch achteten sie sorgfältig darauf, ihre Trinkgefäße, Kessel und Tonkrüge zu waschen (Mk 7,3-4). Auf diese Weise entwickelte sich im Laufe der Zeit aus einer durchaus sinnvollen Waschungspraxis eine feste Tradition, bei der nicht mehr der tiefe Sinn, sondern die äußere Form im Vordergrund stand. Und dies tadelte Jesus, nicht jedoch die Waschung an sich, wenn die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit dazu bestand.

 

7.8.2 Jesus tadelt die Pharisäer wegen der Auflösung der Gebote Gottes

Jesus nennt die Pharisäer „Heuchler“ (Schauspieler), weil er ihr Herz sieht und weiß, was sie denken und aus welchem Grund sie seine Jünger anklagen. Denn die Anklage der Jünger ist auch eine Anklage an deren Lehrer. Seine Antwort, die er mit einem Jesajazitat belegt, macht dies deutlich: „Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote“ (Jes 29,13).

Jesus hat sicherlich nichts gegen persönliche Hygiene einzuwenden, hatte er doch selber beim Besuch des Pharisäers Simon bemängelt, dass jener ihm kein Wasser gegeben hatte, um seine Füße zu waschen (Lk 7,44). Er will aber deutlich machen, dass die Pharisäer die Praxis dieses Rituals nicht wegen der Liebe zu Gott, sondern wegen ihres eigenen Ansehens einhalten und von anderen einfordern (Joh 5,42; Lk 11,46). Durch die penible (legalistische – gesetzliche) Einhaltung dieser äußerlichen Verordnungen, traten die viel wichtigeren Gebote Gottes in den Hintergrund. Durch die einseitige Überbetonung, wurde die Absicht der Gebote Gottes falsch verstanden und sogar verdreht, wie das nächste Beispiel von Jesus zeigt.

Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen“. Und er sprach zu ihnen: „Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet! Denn Mose hat gesagt (2Mose 20,12; 21,17): »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.« Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban – das heißt: Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht -, so lasst ihr ihn nichts mehr tun für seinen Vater oder seine Mutter und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel“ (Mk 7,10-13).

Jesus will das die Pharisäer ihr Denken und ihre Lebenspraxis korrigieren, indem er ihre Lehr- und Lebensweise im Lichte der alttestamentlichen Schriftaussagen bewertet. Seit der Zeit von Jesaja hat sich wohl nichts geändert, denn was Gott vor Jahrhunderten durch seinen Propheten dem Volk vorgeworfen hat, bezieht Jesus ebenfalls auf seine Landsleute und Zeitgenossen. Dabei greift er aus der Vielzahl ein konkretes Beispiel heraus und beleuchtet es. Das Stichwort ist `Korban (hebr.)`, so ist es auch in die griechische und deutsche Sprache übernommen worden. Glücklicherweise wird der Begriff entweder durch Jesus selbst oder den Evangelisten erklärt, mit: „Opfergabe ist (soll sein), was ich (euch Eltern) schulde“. Im Gesetz verankert war nicht nur das Verbot, was Kinder niemals tun sollten, nämlich: den Eltern `fluchen`, sondern auch das Gebot `Eltern zu ehren`. Dies schloss nicht nur Unterordnung und Respekt ein, sondern bei Bedarf auch jede Art Hilfeleistung. Ehre und Achtung der Eltern bestand eben auch darin, dass die Kinder (Söhne) ihre Eltern im Alter materiell versorgten. Die `Korban–Opfergabe` wollte Gott nicht, aber die Priester im Tempel nahmen diese gern an, weil dadurch der Tempelschatz zusätzlich aufgefüllt wurde.

Jesus selbst ist im Bereich „Ehre Vater und Mutter“ uns ein Vorbild:

  • Jesus rief Simon zwar von der Familie weg in seine Nachfolge, doch er kümmerte sich für dessen Schwiegermutter, heilte sie und „sie stand auf und diente ihnen“ (Lk 4,39).
  • Dort wo kein Mann und Sohn mehr da war, kümmerte er sich um die Witwe: „Und als der Herr sie (die Witwe) sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; die Träger aber standen still. Und er sprach: Junger Mann, ich sage dir: Steh auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter.“ (Lk 7,13-15).
  • Sorgte er sich noch um seine Mutter, als er sich selbst in großen Schmerzen und Leiden des Todes befand: „Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ (Joh 19,27).
  • In der Situation, in der die Witwen (meist waren es Frauen) von ihren Familienangehörigen (aus welchen Gründen auch immer) nicht versorgt wurden, übernahm die Gemeinde diese Fürsorgepflicht (Apg 6,1ff).
  • Auch der Ap. Paulus hebt die Verantwortung der Kinder und sogar Enkel gegenüber ihren Eltern und Großeltern hervor: „Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so sollen diese zuerst lernen, am eigenen Haus gottesfürchtig zu handeln und den Eltern Empfangenes zu vergelten; denn das ist gut und wohlgefällig vor Gott., sich um die verwitwete Mutter zu kümmern“ (1Tim 5,4).

Werden sich die Pharisäer von Jesus überzeugen und korrigieren lassen? Werden sie einsichtig und Jesus recht geben? Werden sie sich demütigen unter das Wort Gottes und die Autorität von Jesus?

 

7.8.3 Jesus wendet sich an das Volk und disqualifiziert die Pharisäer

Bis jetzt hatte sich Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten zugewandt, doch als er merkt, dass sie sich nicht belehren lassen wollen, wendet er sich von ihnen ab und dem Volk wieder zu. So schreibt der Ev. Matthäus:

Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Hört zu (Mk: Hört mir alle zu) und begreift: Nicht (Mk: nichts) was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein (gemein); sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein (gemein). Da traten die Jünger hinzu und sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass die Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten? Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube.“ (Mt 15,10-14).

Wir merken gleich, dass Jesus, wie bereits bei anderen Vergleichen, sehr scharfkantige Aussagen macht. Doch das Volk ist mit der kurzen Aussage herausgefordert nachzudenken und sich darüber selbst ein Urteil zu bilden. Aber wir fragen: meint Jesus wirklich buchstäblich, dass es egal ist, was sich ein Mensch in den Mund steckt? Sicherlich nicht, denn er bewegt sich mit der scheinbar weitreichenden Aussage im Rahmen der angesprochenen Thematik und auch im Rahmen des Gesetzes? An anderer Stelle warnt er eindringlich vor Maßlosigkeit gerade beim Essen und Trinken: „Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit zu kommen, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen,“ (Lk Lk 12,45).

Doch wer sich laut zu Wort meldet, sind die Pharisäer. Sie tun es aber nicht so offensichtlich vor Jesus, sondern sprechen sich wohl eher untereinander aus. Ihre Reaktion ist `Verärgerung, gr. eskandalisth¢san – sie nahmen Anstoß` an der Aussage  von Jesus. Es wundert darum nicht, dass sie Jesus vorwarfen `Fresser und Weinsäufer` zu sein“ (Mt 11,19). Die Reaktion der Pharisäer als Verärgerung, übermitteln die Jünger ihrem Lehrer. Doch Jesus bleibt gelassen. Menschen, die sich Gott und seinem Wort verschließen und sogar widersetzen, sind gleich dem Unkraut, welches zu seiner Zeit entfernt wird (Mt 13,30). Jesus bezeichnet sie als blinde Blindenführer, das ist ein hartes Wort und ein denkbar schlechtes Zeugnis, damit disqualifiziert er sie ihrer theologischen Kompetenz und ihres Amtes als Hirten des Volkes (Hes 34; Joh 10,1ff; Mt 23).

7.8.4 Jesus erklärt seinen Jüngern den tiefen Sinn dieses Gleichnisses

So schreiben die Evangelisten Markus und Matthäus weiter:

Markus: „Und als er von dem Volk ins Haus ging, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis.“ Matthäus: „Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis! Er sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig? Versteht ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert? Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein (gemein). Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein (gemein) machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein (gemein).“ (Mt 15,15-20).

Als Jesus mit seinen Jüngern allein im Hause ist, meldet sich Petrus (in Absprache mit den anderen Jüngern) bei seinem Lehrer: Deute uns dies Gleichnis. Jesus ist nicht ungeduldig, doch will er schon mal von seinen Jüngern etwas mehr Mitdenken und Verstehen erwarten. Trotzdem wiederholt er seine Sicht, dass alles, was zum Munde eingeht, den Menschen nicht unrein (gemein) macht. Und die Ergänzung bei Markus: „denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein.“ (Mk 7,19). Das griechische Wort: `afedröna` kommt zwar nur in diesem Zusammenhang vor, doch beschreibt es die Grube (den Abort), entsprechend der Vorschrift im Gesetz Moses (5Mose 23,14).

Und dann fügt der  Ev. Markus noch hinzu: „Damit erklärte er (Jesus) auch alle Speisen für rein“ (Mk 7,19b). Der griechische Text ist an dieser Stelle sehr kurz und nicht ganz eindeutig: „καθαρίζων πάντα τὰ βρώματα katharizön panta ta brömata – reinigend alle Speisen“.

Diese Deutung haben die meisten deutschen Übersetzungen. Damit hätte Jesus (zumindest andeutungsweise) die Einschränkungen im jüdischen Speiseplan, bzw. Teilung in `rein und gemein`, aufgehoben (3Mose 11,1-47). Dies wäre für die Pharisäer durchaus ein Grund gewesen, sich über Jesus zu ärgern. Aber hat Jesus dies gemeint oder sagen wollen? Wollte er für die Juden diese Begrenzungen aufheben?

Allerdings gibt es auch eine andere Variante der Übersetzung dieses Textes, wie zum Beispiel

  1. Schlachter 2000: „und wird auf dem natürlichen Weg, der alle Speisen reinigt, ausgeworfen“, oder
  2. Menge: „und auf dem natürlichen Wege, der alle Speisen reinigt, wieder ausgeschieden wird“, ähnlich auch
  3. Elberfelder in der Fußnote.

Dies ergibt dann einen anderen Sinn, weil sich der Zusatz ` katharizönreinigend` auf den Verdauungsprozess und die Ausscheidung in die Grube bezieht. Damit hätte Jesus die Vorschriften für reine und unreine Speisen (Tiere, Vögel, Fische aus 3Mose 11,1-47) nicht aufgehoben. Hat er doch erst gerade den Pharisäern vorgeworfen, die Gebote Gottes aufgehoben zu haben. Doch eigentlich geht es Jesus nicht um die Aufhebung der Speiseverordnungen Gottes an Israel, auch nicht um die Frage: was ist für den menschlichen Körper mehr oder weniger bekömmlich, was ist mehr oder weniger gesund oder sogar giftig, sondern es geht um dass Grundprinzip, nämlich: die Speisen, welche den Mund passieren (mit oder ohne Handwäsche) gehen in den Bauch und nicht ins Herz. Damit spielen alle Speisen, im Vergleich zu den Ausscheidungen des Herzens, eine untergeordnete Rolle und können (wie wir später sehen und erkennen werden) in dem jeweiligen zeitlichen und kulturellen Kontext angemessen bewertet und angewandt werden. In dem aktuellen Kontext geht es zunächst um die Waschung der Hände vor einer Mahlzeit und indirekt auch um die vom Gesetz definierten reinen Speisen. Hat sich doch Jesus selbst an alle Vorgaben des Gesetzes gehalten, sicher auch an die Speisevorschriften. Es geht hier in erster Linie und vordergründig um die Frage: Werden Speisen, Körper und sogar das Herz gemein/unrein, wenn jemand seine Hände vor dem Essen nicht gewaschen hat? Und Jesus sagt: „Aber mit ungewaschenen Händen essen, das verunreinigt den Menschen nicht“, oder: „das macht ihn nicht gemein“ (Mt 15,20).

 

Trotzdem wollen wir uns in diesem Zusammenhang mit der Frage beschäftigen, wie sich Christen damals in Bezug auf Speisen verhalten haben? Gibt es in Bezug auf Speisen in der Bibel eine Kontinuität – Festlegung für alle Zeiten und für alle Menschen, oder erkennen wir eine Diskontinuität, eine Vielfalt nach dem Motto: „Alles ist mir erlaubt — aber nicht alles ist nützlich! Alles ist mir erlaubt — aber ich will mich von nichts beherrschen lassen! Die Speisen sind für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird diesen und jene wegtun.“ (1Kor 6,12-13). Aber nun der Reihe nach.

Was steht im Anfang, bevor das Gesetz durch Mose gegeben wurde, in Bezug auf die Speisen für den Menschen? Im Garten Eden konnte sich der Mensch (von einer Ausnahme abgesehen) nach Belieben von den Früchten der Bäume ernähren (1Mose 2,15-17). Bei der Aufnahme der Tiere in den Kasten (die Arche) machte Gott einen Unterschied zwischen reinen und unreinen Lebewesen – sieben Paare, bzw. zwei Paare (1Mose 7,2). Nach der Flut brachte Noah Gott Brandopfer (Ganzopfer) dar von reinem Vieh und reinen Vögeln (1Mose 8,20; vgl. 1Mose 4,4). Danach lesen wir  in Bezug auf die Nahrung für den Menschen folgendes: „Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. Nur dürft ihr das Fleisch nicht essen, während sein Leben, sein Blut, noch in ihm ist!“ (1Mose 9,3-4). Für die Opferung kamen auch nach der Sintflut nur reine Tiere in Frage (1Mose 8,20; 4,4). Aber für den allgemeinen Verzehr gab der Herr eine große Auswahl an Fleischspeisen frei. Es gab nur eine Einschränkung – kein Blut, bzw. kein Fleisch, in dem noch Blut ist, dies bedeutete auch kein Fleisch erstickter Tiere. Auf dem Speiseplan standen auch allerlei Kräuter.

In 3Mose 11,1-47 jedoch listet Gott Tiere, Vögel und Fische auf und nennt bestimmte Kriterien, anhand derer die Israeliten die reinen von unreinen unterscheiden können. Seit der Zeit gibt es in Israel ein eingeschränktes aber doch ausreichendes Menüangebot für gesunde Ernährung. Diese Einschränkung könnte ihre Begründung im Gesamtkontext der vielseitigen Absonderung des Volkes Israel von den Heiden und deren Gebräuchen, haben (5Mose 18,9-15; Esra 9,11). Dazu gab es in der Geschichte Israels weitere Einschränkungen für Menschen in bestimmten Diensten (Ri 13,1-14; Dan 11,1-14; Lk 1,15). Doch häufig hilten sich die Israeliten nicht an die Vorgaben des Herrn (Jes 65,4; 66,17).

Doch Petrus hat sich noch Jahre später an die jüdischen Speiseeinschränkungen gehalten (Apg 10,14-15; 11,9). Die Stimme aus dem Himmel: „Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein“ bezog sich im übertragenen Sinne auf Menschen nicht jüdischer Herkunft, wie die Interpretation des Petrus bei Kornelius deutlich macht (vgl. Apg 10,15 mit 10,28.34-35). Aber steckt da vielleicht auch schon ein indirekter Hinweis darauf, dass Gott die Einschränkung (bei den Israeliten) um des Evangeliums willen (den Nationen) nicht auflegen wird? Sicher ist, dass diese Speiseeinschränkungen bei dem Aposteltreffen in Jerusalem im Jahre 48 n.Chr. den Heidenchristen nicht auferlegt wurden (unter Verbot stand weiterhin: Blut oder Fleisch in dem noch das Blut ist und Ersticktes, so wie Götzenopferfleisch und Unzucht Apg 15,5.23-29). Damit haben sich die Apostel und Älteste in Jerusalem sehr wahrscheinlich auf 1Mose 9,3-4 bezogen, also auf die Praxis, die vor dem Mosaischen Gesetz für alle Menschen üblich war. Das Verbot des Verzehrs von Götzenopferfleisch wurde später von dem Ap. Paulus in 1Kor 8,1-13 detailiert erklärt. Er gibt die meisten Erklärungen zu diesem Thema in seinen Briefen (vgl. Röm 14,1-23; 1Tim 4,3-5. In Kolosser 2,16-17 schreibt er: „So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, 17 die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber der Christus das Wesen hat.“ Ähnlich schreibt auch der Autor des Hebräerbriefes: „allein mit Speise und Trank und verschiedenen Waschungen. Dies sind irdische Satzungen, die bis zu der Zeit der Besserung auferlegt sind.“ (Hebr 9,10).

Fazit: Die Gläubigen an Jesus Christus aus den Nichtjuden bekamen, was die Äußerlichkeiten wie zum Beispiel: (Essen, Trinken, Kleidung, Waschungen, sonstige Rituale) betrafen, große Freiheit. Doch wurden sie angehalten, Rücksicht zu nehmen auf ihre Glaubensgeschwister aus den Juden und ebenso Rücksicht auf die Schwachen im Glauben. Auch für uns heute gilt: weises und rücksichtsvolles Verhalten in dem jeweiligen Kulturkreis um des Evangeliums willen, nach dem Vorbild des Apostels Paulus: „Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne. 20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen unter dem Gesetz bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die unter dem Gesetz gewinne. 21 Denen ohne Gesetz bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin im Gesetz vor Christus –, damit ich die ohne Gesetz gewinne. 22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. 23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich an ihm teilhabe.“ (1Kor 9,19-23).

Jesus geht insbesondere auf die Frage seiner Jünger ein, denn auch sie hatten den Kern der Aussage nicht verstanden. Es geht um das verdorbene Herz des Menschen, aus dem viele böse Dinge durch den Mund herauskommen und den Menschen unrein (gemein) machen. Die Liste bei Markus ist lang und wird von Matthäus noch ergänzt:

Böse Gedanken – οἱ διαλογισμοὶ οἱ κακοὶ – oi dialogismoi oi kakoi (jm Plur., auch bei Mt). An für sich ist dieses Wort `dialogismos` wertneutral. Die Vorsilbe `dia – durch`, hat teilende Wirkung; die Wortwurzel `logis`, erinnert an Logik; die Endung `moi` bezeichnet die Mehrzahl. So kann das griechische Wort besser mit einem `Dialog in Gedanken, Überlegungen` wiedergegeben werden. In diesem Text werden böse Gedanken im Herzen hin und her bewegen um anschließend eine innere Teilung vorzunehmen und eine bewusste Entscheidung zu treffen (Beispiele: Lk 2,35; Mk 2,6;  Lk 5,22; 6,8; 9,46; Mt 16,8; Lk 24,38; Röm 1,21). Und nun folgen die einzelnen bösen Dinge, welche Jesus beim Namen nennt:

 

  1. Unzucht – πορνεῖαι – porneiai (im Plur., auch bei Mt). Sexualität gehört nach Gottes Wort und Willen in die Ehe zwischen Mann und Frau. Der Begriff `porneia`, (im Text Plural) umfasst alle Arten und Formen von geschlechtlicher (sexueller) Entgleisungen, immer beginnend in Gedanken des Herzens (Mt 5,32; 19,9; 21,31.32; Lk 15,30; Joh 4,17-18; 8,41; Apg 15,20; 21,25; Röm 1,27-31; 1Kor 5,1.9.10.11; 6,9.13.15.16.18; 7,2.21; 10,8; 2Kor 12,21; Gal 5,19; Eph 5,3.5; Kol 3,5; 1Thes 4,3; 1Tim 1,10; Hebr 11,31; 12,16; 13,4; Jak 2,25; Offb 2,14.20.21; 9,21; 14,8; 17,1.2.4.5.15.16; 18,3.9; 19,2; 21,8; 22,15).
  2. Diebstähle – κλοπαί – klopai (im Plur., auch bei Mt). Auch dieser Begriff ist umfassen und bezeichnet die verschidenen Arten von `an sich nehmen`, was einem nicht gehört oder `zurückbehalten`, was einem  nicht zusteht (Joh 10,1.8.10; 12,6; Röm 2,21; 1Kor 6,10; Eph 4,28; 1Petr 4,15).
  3. Morde – φόνοι – fonoi (im Plur., auch bei Mt). 2Mose 20,13; Mt 5,21: „töte nicht – οὐ φονεύσεις – ou foneuseis“. Mord ist Tötung mit bewusster und gezielter Absicht (Mk 15,7: Mt 22,7;  Apg 9,1; Der Teufel wird von Jesus `gr. anthropoktonos – Menschenmörder genannt (Joh 8,44); Wer seinen Bruder hasst, ist auch Menschenmörder (1Joh 3,15; 2Petr 4,15).
  4. Ehebruch – μοιχεῖαι – moicheiai (im Plur., auch bei Mt). Ehebruch ist wie Treuebruch mit schwerwiegenden Folgen.
  5. Habgier – πλεονεξίαι – pleonexiai (im Plur.). Lk 12,15: „hütet euch vor jeder Art von Habgier“; Röm 1,29; 1Kor 9,5; Eph 4,19; 5,3; Kol 3,5; 1Thes 2,5: 2Petr 2,3.14.
  6. Bosheit – πονηρίαι – pon¢riai (im Plur.). Auch die Bosheit, gleich Schlechtigkeit äußert sich in verschiedenen Varianten des menschlichen Verhaltens: Mt 5,11.37.39.45; 6,13.23; 7,11.17.18: 9,4; 12,34.35.39.45;13,19.38.49; 16,4; 18,32; 20,15; 22,10.18; 25,26.
  7. Arglist – δόλος – dolos . Arglistig, tückisch, hinterhältig, Falschheit, in den Rücken fallen (Joh 1,47: ohne falsch; Apg 13,10: voller Arglist; Röm 1,29: voller Arglist; 2Kor 4,2: ohne falsch; 1Petr 2,1: voller Arglist; 1Petr 2,22: Jesus war frei davon; 3,10: „der hüte seine Zunge, dass sie nicht Falsches redet“),
  8. Ausschweifung – ἀσέλγεια – aselgeia. Maßlosigkeit, hemmungslose Hingabe an Genüsse: Lk 21,34; 2Kor 12,21; Gal 5,19; Eph 4,19; 2Petr 2,7; 1Kor 15,32-33.
  9. Missgunst – ὀφθαλμὸς πονηρός – ofthalmos pon¢ros (wörtlich – böses Auge. So auch in Mt 20,15). Weitere Beispiele: 1Mose 26,14; 37,4 (Apg 7,9); 1Sam 18,8-9).
  10. Lästerung – βλασφημία – blasf¢mia (auch bei Mt). 3Mose 24,11; Mt 12,31; 26,65; 27,39; Mk 2,7; 3,28-29; 15,29; Lk 12,10; 23,39; Joh 10,33.36; Apg 6,11; 13,45; 18,6; 19,37; 26,11; Röm 2,24; 3,8; 14,16; 1Kor 10,30; Eph 4,31; Kol 3,8; 1Tim 1,13.20; 6,1.4; 2Tim 3,2; Tit 2,5; 3,2; Jak 2,7; 1Petr 4,4; 2Petr 2,2.10.11.12; Jud 8.9.10; Offb 2,9; 13,1.5.6; 17,3;
  11. Hochmut – ὑπερηφανία – yper¢fania. Selbstüberschätzung, Überheblichkeit (Spr 16,18; 2Chr 21,26; 2Chr 32,25; Dan 5,20;  Lk 1,51; Röm 1,30; 2Tim 3,2; Jak 4,6; 1Petr 5,5)
  12. Unvernunft – ἀφροσύνη – afrosyn¢. Unvernünftig, unverständig, unkluug (Mt 6,24; 7,24; 10,16; Lk 11,40; Röm 1,31;; 2Kor 11,1.16.17.19.21; Eph 5,17; 2Petr 2,15). Im Gegenteil dazu steht die Vernunft, die Klugheit, der Kluge, Vernünftige: Mt 24,45; 25,2.4.8.9;  Mk 5,15.
  13. Falsche Zeugnisse – ψευδομαρτυρίαι – pseudomartyriai (im Plur., nur bei Mt). 2Mose 20,16; 1Kön 21,1-20; Mt 19,18; 26,60; Apg 6,13.

Alle diese bösen Dinge kommen aus dem Inneren des menschlichen Herzens heraus und machen den Menschen gemein/unrein (Mk 7,21-23;  Mt 15, 19-20).

Alle diese bösen Dinge kommen aus dem Inneren des menschlichen Herzens heraus und machen den Menschen gemein/unrein (Mk 7,21-23;  Mt 15, 19-20).

Fragen / Aufgaben:

  1. Wo fand diese Diskussion statt und wer war dabei beteiligt?
  2. Was war der Anlass zu dieser Diskussion?
  3. Warum beachtete Jesus und seine Jünger gelegentlich nicht die Waschung ihrer Hände vor einer Mahlzeit? Hat Jesus etwas gegen körperliche Reinheit oder Körperpflege?
  4. Wie ist die Motivation der Pharisäer und Schriftgelehrter bei ihrer Fragestellung einzuschätzen? Um was ging es ihnen eigentlich?
  5. Welche Kenntnisse hast du über die Reinheitsvorschriften im Alten Testament und wozu wurden sie gegeben?
  6. Warum reagiert Jesus mit solch einer Schärfe? In welchen Situationen ist Klarheit und Eindeutigkeit heute gefragt?
  7. Die speisevorschriften, bzw. Einschränkungen nahmen in Israel einen breiten Raum ein. Wurden diese immer eingehalten?
  8. Welche zusätzliche Sonderregelungen gab es in Israel im Bereich essen und trinken?
  9. Hielt sich Jesus selbst an die regulären Einschränkungen aus 3Mose 11,2-22?
  10. Wie verstehst du die Erklärung des Evangelisten Markus: „damit erklärte er alle Speisen für rein“? Wären durch diese Aussage die alttestamentlichen Speisevorschriften aufgehoben? Gibt es auch eine Alternative zu dieser Übersetzung und mit welchem Ergebnis?
  11. Wie wurde dieser Bereich in der neutestamentlichen Gemeinde geregelt? Was blieb, was wurde verändert?
  12. Wie gehen wir heute mit den verschiedenen Ansichten in Bezug auf Speisevorschriften um? Welche Hilfestellung gibt uns der Apostel Paulus dazu?
  13. Erstelle eine Liste von den bösen Dingen, welche Jesus beim Namen nennt und vergleiche diese mit den Sündenlisten bei den Aposteln.
  14. Wie ist es zu erklären, dass im Herzen des Menschen so viele bösen Dinge verborgen sind?
  15. Welche Hilfestellung gibt es, um von diesen Dingen loszukommen?
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Jesus lehrt in der Synagoge von Kapernaum

7.7 Jesus lehrt in der Synagoge von Kapernaum

(Bibeltext: Joh 6,22-65)

 

7.7.1 Der Zusammenhang zwischen der Brotvermehrung und der Rede über das Brot des Lebens

Nach dem Text des Ev. Markus, ordnet Jesus seinen Jüngern an ins Boot zu steigen und vor ihm nach Bethsaida zu fahren (Mk 6,53-56), Doch dort kamen sie, warum auch immer, nicht an. Nach dem Text des Ev. Matthäus, gehen die Jünger, bereits mit Jesus im Boot, am nächsten Morgen in Gennesaret an Land (Mt 14,34-36, – gemeint ist wahrscheinlich die Gegend im Nordwesten des Sees). Doch letztlich landeten sie in Kapernaum, wie der Ev. Johannes berichtet (Joh 6,24-25.59).

Viele vom Volk, die jenseits des Sees durch die Danksagung des Herrn satt geworden waren, übernachteten dort im Freien. Noch am Abend haben sie beobachtet, dass die Jünger ohne Jesus ins Boot gestiegen und abgefahren waren (Joh 6,22-24). Am nächsten Morgen kamen weitere Boote aus Tiberias und legten in der Nähe der Stelle am Ostufer an.

 

Abbildung 11 Unten am Ufer von Tiberias-Stadt. Der Wasserspiegel könnte mindestens 4 Meter höher sein. Ein Fischerboot mit einigen Fischern schaukelt unweit des Ufers (Foto: 30. Januar 2019).

Diese unscheinbare Bemerkung ist ein deutlicher Hinweis auf einen regen Boots- und Schiffsverkehr auf dem See zur Zeit von Jesus. Tiberias, am Westufer des Sees gelegen, war die Winterresidenz des Vierfürsten Herodes Antipas.

Viele Menschen erlebten für sich oder ihnen Nahestehenden umfassende Zuwendung durch Jesus – Heilung von körperlichen Gebrechen, Lehre vom Reich Gottes und am Ende der Versammlung eine sättigende Mahlzeit mit Brot und Fisch. Doch, das Einzige, was vom Messias Gottes an jenem Tag (zumindest von Einigen) erkannt wurde war, dass es sich um den Propheten aus 5Mose 18,15 handeln könnte, der in die Welt kommen soll. Und als sie am Morgen Jesus nicht fanden, stiegen sie in Boote und fuhren hinüber nach Kapernaum. Dort suchten sie Jesus und fanden ihn in der Synagoge lehrend.

 

7.7.2 Jesus ist das vom Himmel gekommene Brot des ewigen Lebens

Dieser lange Lehrabschnitt ist gekennzeichnet durch Fragen und Antworten. Eine nicht untypische Lehrart im Judentum. Sowohl die Fragen als auch die Antworten sind spontan. Das Ganze fand in der Synagoge zu Kapernaum statt.

 

Erste Frage der Juden:Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen“? (Joh 6,25). Was sie mit ihrer Frage eigentlich meinen, erfahren wir erst aus der Erklärung von Jesus. Denn hinter ihrer Frage, die nach Neugier aussieht, verbirgt sich das Begehren nach ständiger materieller Versorgung. Daher geht Jesus nicht auf den oberflächlichen Wortlaut ihrer Frage ein, sondern deckt die wahren Absichten und Gedanken ihres Herzens auf.

 

Antwort von Jesus: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“ (Joh 6,26). Jesus ist die Wahrheit in Person und er liebt und fördert die Wahrhaftigkeit bei den Menschen. Die Fragesteller müssen überrascht gewesen sein über diese schonungslose Offenlegung ihrer eigentlichen Absichten. Sie wollten nur die natürlichen Vorteile, nicht aber den Geber (Menschensohn) mit  seinem geistlichen Angebot. Sie wollten ihn für ihre Bedürfnisse und ihre Zwecke einspannen, ja, einen König nach ihrer Vorstellung könnten sie gebrauchen, der sie umfassend versorgt und äußere Sicherheit gibt.

 

Aufforderung von Jesus: „Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters.“ (Joh 6,27). Doch Jesus nutzt das materielle Begehren der Menschen nach Brot, um auf sein geistliches Angebot hinzuweisen. Mit der Aufforderung: „Speise wirken (aufnehmen, verarbeiten, essen) die da bleibt“ weist Jesus auf eine immaterielle Nahrung hin, welche der Menschensohn ihnen zu geben vermag. Denn auf ihm ist Gottes Siegel, der Heilige Geist, die Salbung, er ist der Bevollmächtigte vom Vater (Jes 61,1-3; Mt 3,17; Joh 1,31-34). Wenn sie am Vortag in ihm den durch Mose verheißenen Propheten erkannten (5Mose 18,15), dann hat er absoluten Anspruch, um gehört zu werden (5Mose 18,19). Und er fordert sie heraus, ihre vom Materiellen durchdrungene Denkweise zugunsten einer wesentlich höheren und geistvollen zu  verändern.

  • Mit Hilfe von Mose auf ihn den wahren Propheten zu hören,
  • Mit Hilfe des materiellen Brotes an die geistliche Speise, das `Wort Gottes`  zu denken.

 

Zweite Frage der Juden: „Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken?“ (Joh 6,28). Das gesamte Erlösungskonzept der Juden war fälschlicherweise auf das eigene `Tun, bzw. Lassen` von bestimmten Vorschriften ausgerichtet und nicht auf die gnadenvolle Zuwendung Gottes, die auch  in den alttestamentlichen Ritualen erkennbar war.

 

Antwort von Jesus: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ (Joh 6,29). Jesus kehrt die Dinge um, bzw. er stellt sie wieder richtig – es handelt sich nicht um die Leistung oder Vorleistung des Menschen durch Gott Opfer darbringen nach alter Vorschrift, sondern um Gottes Werk, welches sich im Glauben, also der Annahme dessen, den er gesandt hat, ausdrückt. Der Glaube ist demnach ein demütiges und dankbares ANNEHMEN der Gabe Gottes – Jesus Christus als Lamm Gottes, Retter und Erlöser der Welt. (Joh 1,29; 1,12: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“, demnach ist glauben gleich aufnehmen).

 

Dritte Frage der Juden: „Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« (Joh 6,30-31).

 

Abbildung 12 Die Synagoge in Kapernaum (aus dem 4. Jh.) erinnert uns an die Synagoge aus der Zeit von Jesus, welche damals mit Unterstützung des römischen Hauptmanns erbaut wurde. In der Regel baute man die nachfolgenden Synagogen auf den Fundamenten älterer Synagogen. (Foto: 23. Januar 2019).Abbildung 12 Die Synagoge in Kapernaum (aus dem 4. Jh.) erinnert uns an die Synagoge aus der Zeit von Jesus, welche damals mit Unterstützung des römischen Hauptmanns erbaut wurde. In der Regel baute man die nachfolgenden Synagogen auf den Fundamenten älterer Synagogen. (Foto: 23. Januar 2019).

Die Juden in der Synagoge lassen sich auf das Gespräch ein. Sie stellen eine weiterführende Frage, bzw. Doppelfrage. Es ist eine klare Herausforderung, im Sinne von: unsere Väter bekamen das Manna vom Himmel – das war doch ein deutliches Zeichen von Gott in Gegenwart von Mose. Was für ein Zeichen gibst du uns, welches erkennbare Werk vollbringst du, damit wir sehen und dir glauben? Dabei zitieren sie einen Psalm, in dem an das Manna in der Wüste erinnert wird. Ihre dreißte Herausforderung erstaunt schon, wenn man bedenkt, dass sie erst am Tag zuvor bei der Brotvermehrung in Jesus den durch Mose verheißenen Propheten erkannten (vgl. Joh 6,14 mit 5Mose 18,15). Was für Zeichen als Beweis wollen sie noch sehen? 

Antwort von Jesus:Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. (Joh 6,32-33). Jesus bleibt geduldig. Zum einen korrigiert er ihr Verständnis in Bezug darauf, dass damals nicht Mose der Geber des Manna war und zum anderen lenkt er ihren rückwärts gewandten Blick auf das Heute – den Geber des Himmelsbrotes – es ist der Vater von Jesus. Dieses Brot ist für das Leben der Welt bestimmt.

 

Vierte Frage/Bitte der Juden:Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.“ (Joh 6,34). Es scheint, als ob sie nun bereit wären, das von Jesus angebotene Brot des Lebens anzunehmen, doch eigentlich sind sie nicht weiter im Verstehen der Worte Jesu, als zuvor die Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,15: „Herr, gib mir von diesem Wasser, damit ich nicht dürste und nicht mehr herkommen muss um zu schöpfen“). Auch sie befinden sich immer noch im materiellen Denken. Ja, die Wundergabe des Brotes, der Brotvermehrung hätten sie gerne angenommen. Paradiesische Zustände: nicht mehr im Schweiße des Angesichts das Brot verdienen zu müssen. Es scheint so, als ob hier in zwei unterschiedlichen Sprachen gesprochen würde.

 

Antwort von Jesus:Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ (Joh 6,35-40).

Nun folgt eine Lehreinheit mit weiteren Erklärungen zum Thema `Brot des Lebens`, Offenlegung der wahren Haltung der Zuhörer, aber auch der Einblick in Gottes wunderbaren Willen (Ratschluss) und dessen Wirken.

  • Tatbestand: Jesus ist vom Himmel gekommen und in Person das Brot des Lebens!
  • Die Einladung: Wer zu ihm kommt, den wird  nicht hungern, wer an ihn glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
  • Der Vorwurf: „Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht“. Sie sahen die Herrlichkeit Jesu in der einzigartigen Brotvermehrung, aber auch in den vorangegangenen Wundern und Heilungen aller Art. Ja, sie erkannten sogar in der Person von Jesus den durch Mose verheißenen Propheten (5Mose 18,15). Gesehen, erkannt und doch nicht angenommen, doch nicht geglaubt. Welche Härte des Herzens!
  • Hinter den Kulissen: „Alles, was mir der Vater gibt, kommt zu mir“. Welch göttliches, souveränes und auch geheimnisvolles Wirken des Vaters im Hintergrund! Er gibt seinem Sohn Menschen und diese kommen zu ihm. Und wer zu dem Sohn kommt, wird nicht ausgestoßen, sondern aufgenommen.
  • Die wahre Herkunft von Jesus: Im Vergleich zu allen vorangegangenen Propheten ist Jesus von himmlischer, ja, göttlicher Herkunft.
  • Seine Unterordnung unter den Vater: Als Sohn des Vaters hat er zwar die Fähigkeit zu einem eigenen Willen, doch freiwillig und bewusst tut er den Willen seines Vaters. Welch eine Größe, welch ein Vorbild!
  • Gottes Absicht: Der Wille (Ratschluss) des Vaters für seinen Sohn war und ist, dass er nichts verliert von dem was ihm der Vater gegeben hat. Ja, dass er es (diese Menschen) auferwecke am jüngsten Tage.
  • Was will der Vater noch? Eingeschlossen in diesen Vater-Willen ist auch: Wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe und der Sohn ihn am jüngsten Tage auferwecke. Das ewige Leben beginnt mit der Aufnahme Jesu durch den Glauben (Joh 1,11-12; 3,16-17; 5,24). Die Auferweckung, bzw. die Gabe des neuen Körpers bekommt der Gläubige bei der Auferstehung der Toten am jüngsten Tage (Joh 5,28-29).

 

Das Murren und die fünfte Frage der Juden: „Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel gekommen?“ (Joh 6,41-42). Immer wieder rufen die Worte von Jesus bei den Zuhörern nicht nur Erstaunen, sondern wie hier Unzufriedenheit und Empörung aus. Diesmal ist es die Aussage über seine Herkunft. Es macht zum einen deutlich, dass zum damaligen Zeitpunkt die eigentliche Herkunft von Jesus höchstens im kleinen Familienkreis bekannt war, aber es ist fraglich, ob seine eigenen Brüder es geglaubt haben (Lk 1,31-36; Joh 7,6) und zum anderen, dass sich wohl niemand ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, wo Jesus wirklich geboren wurde. Anstatt Jesus direkt zu fragen, wie er das meint „ich bin vom Himmel gekommen“, murren sie darüber. Zu fest sitzt in ihnen die Vorstellung, dass der Messias nur eine irdische Abstammung hat, nämlich: `Sohn Davids` zu sein.

 

Antwort von Jesus:Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte; nur der, der von Gott ist, der hat den Vater gesehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt“ (Joh 6,43-51). Geistliche Rede wirkt anstößig, weil sie sich natürlicher Worte und Redewendungen bedient, die manchmal keinen (logischen) Sinn ergeben. Doch Jesus entschied sich, die menschliche Sprache zu verwenden, auch wenn sie der weiteren Erklärung bedarf. Hätte er sich einer himmlischen Redeweise bedient, wäre es für die Menschen noch schwieriger gewesen ihn zu verstehen (Joh 6,61-63; vgl. dazu auch den Dialog mit Nikodemus und der Bemerkung von Jesus in Joh 3,12). Wenn Jesus seine Zuhörer tadelt und sagt: „Murrt nicht untereinander“, dann hat er das Recht dazu. Denn nichts ist so hinderlich für das Verstehen und das Wirken Gottes, als die sofortige Blokade und ständige Ablehnung ohne ehrliches Nachfragen. Und wieder greift Jesus den Gedanken auf, dass die erste Initiative von Gott dem Vater ausgeht. Und er tut alles, damit niemand sich seiner Verantwortung entziehen kann. Jesus zitiert den Propheten Jesaja: „Sie werden alle von Gott gelehrt (gr. διδακτοὶ, didaktoi – unterrichtet, unterwiesen) sein.“ Und er interpretiert es mit: „Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.“ Vom Vater hören und lernen ist also die Verantwortung des Menschen. Wie und wann hat Gott seinen Willen (didaktisch) mitgeteilt? Er tat es seit Beginn durch Mose und die Propheten (Joh 5,46-47). Doch seit den Tagen des Zacharias hat Gott auf besondere Weise das Volk Israel auf das Kommen des Messias vorbereitet (Lk 1,76-79). Mit dem Auftreten des Johannes blieb wohl niemand mehr in Unkenntnis darüber, dass das Kommen des Messias kurz bevorsteht. Und Johannes wies alle Israeliten darauf hin, an den (nach ihm) Kommenden zu glauben (Lk 3,4-6;; Jes 40,1-5; Joh 1,7: „Der (Johannes) kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten“. (lies dazu auch Joh 1,19-34). Damit war das Volk Israel grundsätzlich in Kenntnis gesetzt und herausgefordert zu `lernen` also, hinhörende und aufnehmende Schüler zu sein. Und Jesus sagt: „Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir“.

Dann fügt Jesus noch eine wichtige Bemerkung hinzu. Niemand hat den Vater gesehen, nur der Sohn (vgl. dazu auch Joh 1,18; 5,37). Damit wird seine einzigartige Beziehung zu Gott dem Vater hervorgehoben.

Nochmal erinnert Jesus an das Manna in der Wüste und daran, dass jene die das Manna gegessen haben gestorben sind. Im gegensätzlichen Vergleich dazu gibt es keinen Tod für die, welche von dem Brot des Lebens essen werden. Dann eröffnet er eine weitere Seite der geistlichen Rede. Das Brot, welches er geben will, bezieht er auf sein Fleisch (Körper), den er für das Leben der Welt hingeben wird. Es ist ein Hinweis auf sein stellvertretendes Sterben als Lamm Gottes (Joh 1,29. 36). Wenn Jesus vom essen seines Fleisches spricht, dann tut er dies in Anlehnung auf das Opferlamm in Ägypten, welches von den Israeliten (jedem Haus) ganz aufgegessen werden musste. Dies diente zur Errettung des Volkes Israels (2Mose 12,1-10).

 

Sechste Frage der Juden: „Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52).

Immer verwirrter scheinen die Juden zu reagieren, weil sie nur auf der Ebene des natürlich/physischen denken.

 

Antwort von Jesus:Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.“ (Joh 6,53-59). Was für eine Rede! Nicht genug mit „sein Fleisch essen“, nun bietet er auch noch an „sein Blut zu trinken“. Die Schere zwischen der bildhaften Rede von Jesus und dem Missverstehen der Menschen, ging immer weiter auseinander. Dabei führt Jesus seine Zuhörer in die tiefsten Geheimnisse des Erlösungsplanes ein, Sie jedoch werden ihm gegenüber immer ärgerlicher und ablehnender.

  • Im Vergleich zu „Fleisch essen“, gibt es zu „Blut trinken“ in der Passageschichte nur einen indirekten Bezug. Insgesamt war das `Blut trinken` ein absolutes Tabu (3Mose 7,26; 3Mose 17,12; 5Mose 19,26). Dafür gab Gott zwei Gründe an: „Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch für den Altar gegeben, dass ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut wirkt Entsühnung, weil das Leben in ihm ist.“ (3Mose 17,11). Der Gedanke dabei könnte sein: Die Trennung des Blutes vom Körper hat im allgemeinen gesehen, den Tod zur Folge. Wenn aber das Blut des Opfertieres nach Anordnung Gottes auf den Altar kam, bewirkte es Sühnung. Diese Gesetzmäßigkeit hatte ihre Wirkung im endgültigen Sinne bei Jesus. So lesen wir in Hebräer 9,12: „Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt.“ Und die Teilhabe am Leib und Blut Christi (im Brot und Kelch vorgebildet Mt 26,26) wirkt Leben – EWIGES LEBEN!
  • Das Manna, welches Gott den Israeliten in der Wüste gab, kam von oben und ist ein deutlicher Hinweis, dass das physische Überleben der Israeliten nur durch die spezielle Brotgabe aus dem Jimmel, möglich war.
  • Die Brotvermehrung jenseits des Sees ist ein Zeichen/Hinweis darauf, dass in der Person von Jesus die Leben spendende Quelle verborgen liegt. Er ist der LOGOS aus Gott, das Wort Gottes. Denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein …“ (5Mose 8,3; Mt 4,4).
  • Allein in diesem Text betont Jesus mindestens sechs Mal, dass er aus dem Himmel gekommen ist. Durch die Erklärung über seine Herkunft und Bestimmung, bekommen die Ereignisse wie `das Manna` und `die Brotvermehrung` ihre endgültige Bedeutung – sie weisen auf den von Gott vom Himmel her gesandten Messias als Lamm Gottes.

Jesus fordert die Menschen heraus:

  • auf ihn zu hören
  • ihm zu gehorchen
  • ihm zu glauben
  • ihn aufzunehmen
  • ihm nachzufolgen
  • in ihm zu bleiben.

Dies ist Gottes Wille für uns Menschen, dies ist Gottes Werk in uns – dies ist der einzige Weg zum ewigen Leben.

 

Besondere Aussagen und Merkverse:

  • Brot“ kommt 15 Mal vor, überwiegend im übertragenen Sinne auf den Menschensohn bezogen (6,26. 32; 43-51; 53 und weitere). Später verbindet Jesus die geistliche Speise „Brot“ mit seinem Körper, seinem „Fleisch – gr. „sarx“, welches er dahingeben wird für das Leben der Welt.
  • Vom „Manna“ ist mindestens viermal die Rede
  • Das Verb „glauben“ an den Menschensohn kommt häufig vor
  • Das hebräische `Amen, Amen` = „Wahrlich, wahrlich“ wird an allen Stellen unverändert ins Griechische übertragen (ἀμὴν ἀμὴν – am¢n), auch im Deutschen, wenn es am Ende eines Ausrufsatzes oder Grußes steht. Zu Beginn einer Aussage jedoch wird es überwiegend mit `wahrlich` übersetzt. Es hat die Bedeutung einer betonten Bestätigung. In diesem Text beginnt Jesus viermal einen Abschnitt mit dem doppelten `Amen, amen` (6,26. 32. 47. 53).
  • Viermal „Auferwecke am Jüngsten Tage“ (Joh 6,39. 40. 44. 54)
  • 6,40: „Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und glaubt an ihn, ewiges Leben habe, und ich werde ihn auferweckcn am jüngsten Tage.“
  • 6,44 „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir zieht und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage“.
  • 6,47 „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: der Glaubende hat ewiges Leben.
  • 6,48 „Ich bin das Brot des Lebens.“

Fragen / Aufgaben:

  1. Wo und wann lehrte Jesus vom Brot des Lebens?
  2. Was war der Auslöser für diese lange Lehreinheit?
  3. Welche Lehrart benutzt Jesus in dieser Situation?
  4. Warum benutzt Jesus Bilder aus dem Alltag und dem Alten Testament? Wie können wir heute Bilder nutzen?
  5. Was ist das Anstößige bei den Bildern, die Jesus benutzte? Was geschieht, wenn bestimmte Worte und Bildreden von Jesus buchstäblich ausgelegt und angewendet werden (V. 61-63)?
  6. Woran denken wir heute beim Brot essen? In welcher Weise ist Jesus heute unser Brot?
  7. Wie verstehen und empfinden wir die Hinweise auf Blut und Fleisch?
  8. Wenn Jesus das Brot des (ewigen) Lebens ist, was bedeutet dies für Menschen die Jesus ablehnen?
  9. Wie konnten so großartige Dinge wie Speisung einer großen Menschenmenge und die Heilung von vielen Menschen so wenig im geistlichen Bereich auslösen? Wenn dies bei Jesus geschieht – dann darf scheinbare Erfolglosigkeit alle späteren Nachfolger nicht aus der Bahn werfen.
  10. Warum verließen viele Jünger Jesus?

 

7.7.3 Die Entscheidung der Jünger und das Bekenntnis zu Jesus

(Bibeltext: Joh 6,63-71)

Der Ev. Johannes beschreibt die Reaktion im erweiterten jüngerkreis und das Bekenntnis des Petrus:

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf.“ (Joh 6,60-71).

Schon bei der vorherigen Brotpredigt  kann man die Zuhörer in mindestens drei Gruppen einteilen:

  • Menschen mit falschen Erwartungen und unlauteren Motiven
  • Jünger/Nachfolger im erweiterten Sinne
  • die Zwölf
  • Im Text nicht ausdrücklich genannte Bürger von Kapernaum und Umgebung, Menschen unterschiedlicher Einstellungen zu Jesus. Da waren Sympathisanten, Hilfesuchende und Unbußfertige.

Die erste Gruppe ist diskussionsfreudig und stellt Fragen, allerdings aus einem materialistischen Denken heraus. Die zweite und dritte Gruppe überschneidet sich, aber dennoch dürfen wir damit rechnen, dass es Hunderte sind, die Jesus in Galiläa folgen. Nach dem Ende der Lehreinheit sind viele Jünger aus dem erweiterten Kreis (wahrscheinlich sogar auch Judas Iskariot) mit Jesus unzufrieden und murren. In Bezug auf die Rede sagen und fragen sie: „Es ist eine harte (gr. σκληρός skl¢ros) Rede, wer kann sie hören?Hart im Sinne von, nicht verständlich, nicht verdaulich, sogar im Widerspruch zu bestimmten Aussage Gottes in Bezug auf die Unantastbarkeit des menschlichen Körpers (1Mose 9,4-5). Natürlich war ihnen nicht nur die Rede von Jesus, sondern er selbst anstößig. Sie waren entsetzt! Mit dem `Brot essen`, konnten sie noch was anfangen, aber menschliches Fleisch essen und menschliches Blut trinken? Welche Sprache spricht dieser Rabbi, woher bezieht er seine Theologie?

Jesus fragt daraufhin die Jünger direkt: „Ärgert euch dies?“ Hier lesen wir im Grundtext `(σκανδαλίζει  skandalizei`. Dies Wort bedeutet im Griechischen: sich ärgern, anstoßen, in eine Falle zu leiten – also: verärgert diese Rede die Menschen, ist sie anstößig, leitet sie  zur Falle/Sünde? Doch sind es nicht die harten Worte von Jesus, sondern die harten Herzen, die diese Jünger bewegen, die Jesusnachfolge aufzugeben? Der tiefere Sinn der Worte erschließt sich nur wenigen – das buchstäbliche Verständnis ist in der Tat entsetzlich. Ein geistliches Verständnis seiner Worte gibt das Leben – das rein materielle Denken führt in eine Falle (Joh 6,63). Viele verlassen Jesus! Sie sind noch nicht reif für das angebrochene Königreich Gottes. Die Massen gehen – auch viele vom erweiterten Jüngerkreis.

Folgende Aussage von Jesus wird leicht übersehen und überlesen: „Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war?“ Das noch Kommende ist für Jesus gegenwärtig. Er ist nicht gekommen, um hier zu bleiben.  Nach Vollendung seines Werkes – wenn er sein Leben hingegeben hat – will und wird  er zu seinem Vater wieder zurückgehen – hinaufsteigen. Damit enttäuscht er noch mehr die Jünger, welche auf seine irdische Thronbesteigung hofften. Eine weitere Bemerkung des Ev. Johannes über Jesus lautet: „Er kannte die, welche nicht glaubten“. Welche Tragkraft, Geduld und Langmut, trotz der Ablehnung, sich weiter diesen Menschen zuzuwenden.

Jesus fragt nun die zwölf: „Wollt ihr etwa auch weggehen?“ Aus der Art der Fragestellung können wir entnehmen, dass er seine Jünger sehr direkt herausfordert, eine erneute und bewusste Entscheidung zu treffen. Wieder ist es Simon Petrus, der als Sprecher der Zwölf, diesmal die äußerst bemerkenswerte prägnante Antwort gibt: „Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte (Aussprüche) ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist“ (Joh 6,68-69). Wir Menschen brauchen jemanden, zu dem wir gehen können, jemand der Worte des Lebens hat. Was für ein einzigartiges Bekenntnis: Jesus gehört zu Gott, er ist der Heilige, der Ausgesonderte, der Gesalbte. Jesus weiß allerdings auch, dass sich nicht alle Jünger diesem Bekenntnis des Petrus anschließen. Und so sagt er: „Habe ich nicht euch zwölf auserwählt (gr. ἐξελεξάμην exelexam¢n?“ Dieses Verb, drückt die souveräne Willensentscheidung von Jesus aus, bestimmte Menschen für bestimmte Dienste auszuwählen und zu berufen. Doch auch diese, für bersondere Dienste ausgewählte Personen werden immer wieder  herausgefordert, sich bewusst für Jesus zu entscheiden.

Jesus fährt fort: „und einer von euch ist ein (διάβολός diabolos Verleumder“. Verborgen bleibt uns, wieso Jesus in den Kreis der Auserwählten einen Verräter beruft und aufnimmt? Er gibt hier einen versteckten und warnenden Hinweis auf den Verräter im Jüngerkreis. Der Ev. Johannes, der ja so viele Jahre später diesen Bericht niederschreibt, erklärt seinen Lesern, dass Jesus damit den Jünger Judas Iskariot meint. Zwar berichtet uns der Ev. Johannes keine Reaktion auf diesen Hinweis, aber es treffen wohl alle Zwölf die Entscheidung Jesus weiter zu folgen.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Was ist für uns im Worte Gottes anstö0jg? Was empfinden wir in der Jesusnachfolge als Skandal? Was ist für uns schwierig zu verstehen und zu verdauen?
  2. Was empfinden Menschen, die weggehen und was empfinden Jünger die bleiben?
  3. Was können wir nach Jahren der Jesusnachfolge rückblickend sagen? Hat es sich gelohnt?
  4. Was empfinden wir beim Gedanken, dass ein „schwarzes Schaf“ im Kreis lange geduldet wird?
  5. Können auch Auserwählte fallen, ausbrechen?
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Nur fünf Brote und zwei Fische

7.5 Jesus speist die Fünftausend (+Frauen und Kinder)

(Bibeltexte: Mt 14,13b-21; Mk 6,33-44; Lk 9,11-17; Joh 6,2-15)

Zweimal hat Jesus eine große Menschenmenge mit Brot und Fisch gespeist. Bei der ersten Speisung waren es ungefähr 5000 Männer. Man könnte demnach noch einige Tausend Menschen hinzurechnen. Es war nicht üblich in Israel, dass Frauen und Kinder bei Zählungen mitgerechnet wurden (2Mose 12,37). Beim zweiten Mal waren es ungefähr 4000 Männer ohne Frauen und Kinder (Mt 15,29-39; Mk 8,1-10). In Matthäus 16,6-12 und Markus 8,17-21.nimmt Jesus noch einmal Bezug auf beide Wunder/Zeichen.

Im Vordergrund der Geschichte steht die Stillung des natürlichen Bedürfnisses – der Hunger der vielen Menschen. Neben diesen mehr äußerlichen Details werden uns besonders die geistliche Botschaft und die Bedeutung dieses Zeichens beschäftigen.

 

7.5.1 Der Ort der ersten Brotvermehrung

Der Ev. Johannes schreibt: „Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißtUnd es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.“ (Joh 6,1-2) (Joh 6,1-2).

Abbildung 7 Der Nordostabsschnitt des Sees vom sogenannten Berg der Seligpreisungen aus gesehen. Bethsaida lag zur Zeit Jesu westlich der Jordanmündung, also noch in Galiläa. Heute liegen die Ruinenreste von Bethsaida  östlich des Jordan, weil der Fluss im Mündungsbereich seinen Lauf geändert hat. Das dahinter liegende Land im Nordosten des Sees war auch schon im Altertum wenig besiedelt (Foto: Juli 1994)

Jesus befand sich vor der Abfahrt irgendwo am Nordwestufer des Sees, entweder in Kapernaum oder westlich davon. Viele Menschen, die das Wunder der Brotvermehrung erlebten, waren Bürger aus der Stadt Kapernaum, so die Hinweise aus Johannes 6,24.59. Das Volk, welches ihm daraufhin nachfolgte, war nicht mit Booten, sondern zu Fuß unterwegs. Das heißt, sie gingen am Ufer entlang in die gleiche Richtung, wohin auch das Boot mit Jesus fuhr, so die Bemerkung des Ev. Matthäus: „Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.“ (Mt 14,13). Der Ev. Markus ergänzt: „Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.“ (Mk 6,31-33). Die Menschen hatten eine gute Übersicht über den See und die Richtung, in welcher das Boot mit Jesus fuhr. Sie machten sich also zu Fuß auf den Weg und viele von ihnen kamen dort vor Jesus an. Der Ev. Lukas nennt den Ort in dessen Nähe dieses Speisungswunder geschah: „Und er (Jesus) nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida..“ (Lk 9,10). Die Evangelisten betonen, dass es ein einsamer Ort, bzw. unbewohnte Gegend war, in der Jesus das Volk speiste. Aus all diesen Hinweisen können wir mit einiger Sicherheit sagen, dass sich der Ort der Brot- und Fischvermehrung in der Gegend südöstlich von Bethsaida befand. Dies wäre in der Trachonitis, also im Herrschaftsgebiet des Herodes Philippus (Lk 3,1; vgl. dazu auch Joh 6,16).

Abbildung 8 Das Mosaik mit Brot und Fisch in der Kapelle bei Tabgha, westlich von Kapernaum gelegen. Es oll an die wunderbare Brot- und Fischvermehrung für die 5000 erinnern (Foto: April 1986).

Bereits im 4./5. Jh. entstand eine Tradition, der zufolge die Brot- und Fischvermehrung für die 5000 am Nordwestufer des Sees stattgefunden haben soll. Dort wurde über den Resten frühchristlicher Bauten eine neue Kirche erbaut. Seit 1888 gehört das Gelände der Deutschen Katholischen Palästinamission. Für die Verlegung der Tradtion vom Nordostufer auf das Nordwestufer könnten folgende Gründe angeführt werden:

  • Unzureichende Textkenntnisse der Evangelienberichte.
  • Der Bau einer Kirche mitten im Niemandsland in unbewohnter Gegend wäre aufwendig gewesen.
  • Praktische Überlegungen in Bezug auf die Pilger, welche mit dem beginnenden 4. Jh. vermehrt nach Palästina strömten, um die Stätten, die mit dem Wirken von Jesus in Verbindung gebracht wurden, aufzusuchen. So wurde hier in unmittelbarer Nähe zu Kapernaum, Tabgha, dem Berg der Seligpreisungen, auch der Brotvermehrungstradition ein Denkmal gestiftet. Auf dem Weg ans Nordostufer musste man das Joprdandelta überqueren oder die weiter oben gelegene Brücke benutzen. So ähnlich geschah es auch mit der Taufstelle von Jesus, die in den späteren Jahrhunderten auf das Westufer des unteren Jordan verlegt wurde (Siehe 3. Kapitel, Abschnitt: „Die Taufe von Jesus im Jordan“).

 

7.5.2 Die zeitliche Einordnung

Nach Johannes 2,13 und 5,1(?) war Jesus bereits zweimal in Jerusalem beim jährlichen Passafest gewesen. Nach Johannes 6,4 stand das seit Beginn der Wirksamkeit von Jesus (dritte ?) jüdische Passafest kurz bevor, d.h. Jesus wirkte bereits etwa 2 ¾ (2 ¼) Jahre. Vor ihm lag also noch ein Jahr des Dienstes. Übrigens sagt Johannes nichts über den dritten Passabesuch von Jesus (Joh 6,4). Es ist durchaus möglich, dass er zu diesem Passa nicht gegangen ist, sondern erst im Herbst zum Laubhüttenfest (Joh 7,1ff). Jesus begann mit seiner Wirksamkeit etwa im Sommer 29 des 1. Jh.. Im Jahr 32 fiel der 14. Nisan auf Montag den 14. April. Das Speisungswunder hatte damit etwa Ende März, Anfang April stattgefunden.

 

7.5.3 Die Details des Wunders

Bei der Schilderung des Speisungswunders ergänzen sich die Evangelisten, so dass die folgende Reihenfolge der Geschehnisse vorstellbar wäre:

  • Jesus steigt mit seinen Jüngern am Nordostufer des Sees aus dem Boot. Doch bereits davor konnte man Menschen sehen, die am Nordostufer entlang gingen. Eigentlich wollte er sich mit seinen Jüngern an einem einsamen Ort ein wenig ausruhen. Doch er nimmt die vielen Menschen wahr, die zu Fuß zu ihm geeilt waren. Einige sind bereits schon da und erwarten ihn. Er geht auf den nahe gelegenen Berg/Anhöhe (Joh 6,3) und setzt sich dort mit seinen Jüngern.
  • Er beobachtet, wie viele Menschen sich ihm nahen und empfindet Erbarmen mit ihnen. Für ihn sind sie wie Schafe, die keinen Hirten haben (Mt 14,14b; Mk 6,34b).
  • Er heißt sie willkommen (Lk 9,11a).
  • In einer langen Lehreinheit spricht er zu ihnen über das Reich Gottes und heilt Kranke (Lk 9,11b; Mk 6,34c).
  • Mittlerweile ist es schon spät geworden (Lk 9,12a; Mk 6,35a). Matthäus beschreibt den Zeitpunkt des Herantretens der Jünger zu Jesus: „Als es aber schon Abend geworden war (…)“ (Mt 14,15a). Der Ev. Johannes, nennt den Zeitpunkt des Abschlusses des Mahls: „Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See.“ (Joh. 6,16).
  • Der lichte Tag endet nach damaliger Auffassung mit dem Sonnenuntergang, um diese Jahreszeit ist dies etwa 18.30-19 Uhr.
  • Matthäus berichtet, dass die Zwölf mit der Bitte zu Jesus kommen, die Menschen doch zu entlassen, damit sie in die nahe gelegenen Orte gehen könnten, um sich Speise zu kaufen (Mt 14,15; Mk 6,35-36; Lk. 9,12).
  • Jesus entgegnet ihnen: „Es ist nicht nötig, dass sie hingehen, gebt ihr ihnen zu essen“ (Mt 14,16; Mk 6,37a; Lk 9,13a).
  • Jesus fragt Philippus, der aus dem benachbarten Bethsaida stammte (Joh 6,5; 1,44; 12,21): „Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese essen können“? „Aber dies sagte er, um ihn zu versuchen (prüfen), denn er wusste, was er tun wollte“ (Joh 6,6).
  • Nun ist Philippus der weitere Sprecher der Jünger, obwohl es heißt, dass sie sich alle am Gespräch beteiligten.
  • In Lukas 9,13 stellen zunächst alle die Frage: „sollen wir denn hingehen und für diese alle Brot kaufen“?

Philippus argumentiert (Joh 6,7): „Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, dass jeder auch nur ein wenig bekomme“. Ein ´δημαριος – d¢narios – Denarius/Denar/Dinar (röm. Währung) entsprach dem Tageslohn eines Tagelöhners (Mt 20,2. 9). Zweihundert Tageslöhne (bei Leiharbeiter) würden heute (pro Tag 60,- €) ca. 12.000 € ausmachen. Ein Kilo Brot kostet heute zwischen 2,50 bis 4,00 €. Demnach könnte man heute für zweihundert Tageslöhne rund 4000 kg Brot kaufen. Laut Berechnung der Jünger konnte man damals für zweihundert Denare bei weitem nicht so viele Brote kaufen, dass ein jeder nur ein wenig davon bekommen hätte. An der Berechnung und vorläufigen Aussage haben alle teilgenommen (Mk 6,37;  Lk 9,13b).

  • Jesus fragt sie: „Wie viele Brote habt ihr hier, geht hin und erkundigt euch“ (Mk 6,38).
  • Nach der Erkundigung übernimmt das Wort Andreas, der Bruder des Simon Petrus: „Es ist ein Junge hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, aber was ist dies für so viele“ (Joh 6,9; siehe Mt 14,17;  Mk 6,38b)? Rechnet man pro Person etwa ein ½ kg Brot, dann sind die fünf Brote von Jesus mehr als tausendfach vermehrt worden. Die griechische Bezeichnung `’παιδάριον – paidarion`  meint einen kleinen Jungen zwischen acht und zehn Jahren.
  • Jesus aber sagt: „Lasst die Leute sich lagern auf das Gras“ (Joh 6,10a). Ende März ist noch Regenzeit in Israel. Darum ist besonders diese Region rund um den See Gennesaret mit einem grünen Grasteppich und bunten Feldblumen übersät. Fern vom Lärm der Städte, mitten in Gottes wunderschöner Natur erleben Tausende durch den Dienst von Jesus und seinen Jüngern Erquickung an Leib und Seele. Lukas ergänzt: „In Gruppen zu je fünfzig“ (Lk 9,15). Markus präzisiert: „In Gruppen zu je hundert und je fünfzig“ (Mk 6,40). Jesus legt also großen Wert auf Ordnung durch Übersicht.
  • Jesus dankt (Joh 6,11) segnet das Brot und die Fische (Mt 14,19; Mk 6,41; Lk 9,16), bricht sie, gibt sie den Jüngern und diese teilen alles aus.
  • Nach dem Essen ordnet Jesus an, dass die übrigen Brocken eingesammelt werden. Der Vergleich von Mt 15,27 mit 14,20 macht deutlich, dass hier die übriggebliebenen Brocken gemeint sind,- gr.´κλάσματων – klasmaton´, nicht ´Brohsamen gr. ´πσιχιων – psichion´.Zwölf Körbe voll mit Resten bleiben übrig (Mt 14,20; Mk 6,43; Lk 9,17; Joh 6,13). Die griechische Bezeichnung `κόφινοςkophinos` für Handkorb, nutzte man in Galiläa. Dagegen bezeichnete man diese Art von Körben im Osten des Sees `σπύρις – spyris`, was bei der Speisung der viertausend eine Bedeutung hat (Mk8,8). Diese Zahl Zwölf kann man zunächst als einen Hinweis auf die zwölf Stämme Israels verstehen, welche Jesus auf eine neue und geistliche Weise zusammenführen wollte (Mt 15,24). Vielleicht auch auf die zwölf Apostel des Herrn, sozusagen, jeder hatte am Ende einen Korb in der Hand, was aus einer vorhergehenden Aussage von Jesus „gebt ihr ihnen zu essen“ abzuleiten wäre. Alle vier Evangelisten verstehen dies wohl als einen besonderen Hinweis darauf, dass mit Jesus die geistliche Sammlung des Gottes Volkes beginnt (siehe auch Jes 49,6).

 

7.5.4 Die Bedeutung des Speisungswunders

Wie wir bereits bei dem Wasser/Wein-Wunder gesehen haben, deutet auch die Brotvermehrung zeichenhaft auf den Messias hin. „Als die Menschen das Zeichen sahen, sprachen sie: „Dies ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 6,14). Das griechische Wort `shmei/on s¢meion` übersetzen wir als Hinweis. Die Taten von Jesus weisen darauf hin, dass er der von Gott gesandte Gesalbte/Messias ist. Die Menschen erkennen in Jesus den von Gott durch Mose verheißenen Propheten. Dies kann ein Anklang an 5Mose 18,15 sein: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen“. Doch wie setzen die Menschen ihre Erkenntnis um? Es folgt eine politische Reaktion der Masse – sie wollen Jesus zu ihrem (Gegen-) König machen. Doch Jesus weicht dieser menschlichen Ehre und Verantwortung aus. Er ist nicht an einem irdischen Königreich interessiert – er will auch mit keinem politischen Würdenträger verglichen werden – auch mit keinem Revolutionsführer.

Jesus gibt der Menge reichlich Brot zum Leben, Darüber hinaus ist er in Person das Brot des Lebens (Joh 6,33-35) – was für eine überreiche Gabe!

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Durch welche Zeitangaben im Johannesevangelium lässt sich das Speisungswunder im Leben von Jesus einordnen und zu welcher Jahreszeit fand es statt?
  2. Wo fand diese Speisung statt? Aufgrund welcher Textaussagen können wir den ungefähren Ort, bzw. Gegend des Geschehens feststellen?
  3. Wer waren die vielen Menschen, woher kamen sie? Warum wurden damals die Frauen und Kinder nicht mitgezählt?
  4. An welche alttestamentlichen Geschichten erinnert uns diese Brotvermehrung (2Mose 16,31; 5Mose 8,3.16; 1Kön 17,12-16)?
  5. Was steht im Vordergrund, wenn Jesus Menschen dient?
  6. Was beschäftigte die Jünger gegen Abend in erster Linie?
  7. Welche Jünger von Jesus werden in Johannes 6 namentlich genannt?
  8. Was denken wir über den nicht namentlich genannte Jungen mit seinen fünf Broten und zwei Fischen?
  9. Löse die Rechenaufgaben in dieser Geschichte. Wie viele Gerstenbrote hätte man gebraucht, wie viel Geld wäre dafür nötig gewesen? Wie viel Brot stand am Ende dem Einzelnen zur Verfügung?
  10. Warum legt Jesus so großen Wert auf Sitzordnung und sorgfältigen Umgang mit Übriggebliebenem, was bedeutet es heute für uns?
  11. Wie viele Körbe mit Brocken wurden aufgehoben und auf was könnten sie hindeuten?
  12. Wozu dienen die Wunder von Jesus, welchen Zweck erfüllen sie?
  13. Wo nimmt Jesus noch Bezug auf das Brot? Welche geistliche Bedeutung kommt dem Brot zu?
  14. Warum lehnt Jesus ein politisches Amt ab? (selbst die Ehrenbezeichnung!)
  15. Wie schließt Jesus diese Tagesversammlung ab?
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Jesus verordnet seinen Jüngern eine Ruhepause

7.4 Die Ruhepause nach dem Missionsdienst der Jünger

(Bibeltexte: Mt 14,13a; Mk 6,30-32; Lk 9,10-11; Joh 6,1-4; 16-17)

Jesus befindet sich an einem bestimmten Ort in Seenähe irgendwo zwischen Magdala und Kapernaum.

Abbildung:  Botsfahrt bei spiegelglatter See zwischen Tiberias und Magdala (Foto am 23. Januar 2019).

Die Rückkehr seiner Jünger und die Nachricht über den Tod von Johannes dem Täufer sind zeitlich ineinander verflochten. Gut möglich, dass es eine Absprache gegeben hatte bezüglich Zeit und Ort des Treffens. Ob gleichsam oder nach und nach treffen die Jünger bei Jesus ein.

Der Ev. Markus schreibt dazu:

Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein“ (Mk 6,30-32). Und der Ev. Lukas ergänzt: „Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida.“ (Lk 9,10).

Die zwölf Jünger (in diesem Zusammenhang werden sie Apostel genannt) kehren von ihrem mehrere Wochen dauerndem Missionseinsatz zurück (kommen bei Jesus zusammen) und berichten ihrem Lehrer alles, was sie während dieser Zeit getan und gelehrt hatten. Die Evangelisten nennen keine Details, doch wohl sind ihre Erfahrungen ähnlich gewesen wie die der 70, welche Jesus später aussandte (Lk 10,17). Jesus selbst ordnet seinen Jüngern eine Ruhepause an. Folgende Gründe werden dafür angegeben:

  • Sie sollten sich ein wenig ausruhen. Das griechische Verb ´ἀναπαύσασθε ὀλίγον – anapausesthe oligon` kann wörtlich mit `pausiert ein wenig` übersetzt werden (Mk 6,31).
  • Viele Menschen kamen mit ihren Anliegen und Fragen, so dass sie nicht einmal Zeit (Gelegenheit) hatten zu essen (Mk 6,31).
  • Die Nachricht vom Tod des Johannes fällt auch in diese Phase und wird auch als Grund für seinen Weggang genannt (Mt 14,12-13a).

Das Treffen mit den zurückgekehrten Jüngern fand wahrscheinlich am NW-Ufer des Sees statt. Alle drei synoptischen Evangelien berichten, dass Jesus zusammen mit seinen Jüngern in einem Boot weggefahren ist.

Abbildung: Von Magdala aus reicht der Blick weit hinais auf den See (Foto: 23. Januar 2019).

 

Nach Matthäus und Markus steuern sie eine einsame Gegend an. Lukas nennt den Ort, wohin Jesus sich mit seinen Jüngern im Boot zurückzieht: Betsaida. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Angaben kann sein, dass die Jünger während der Bootsfahrt aus bestimmten Gründen die Richtung änderten und so weiter östlich der Stadt Betsaida an Land gingen. Der Ort der darauffolgenden Brotvermehrung ist also weiter östlich von Betsaida zu suchen. Das Nordostufer war im Vergleich zum Nordwest- und Westufer wenig besiedelt. Nach Übereinstimmung aller vier Evangelisten fand die Speisung in der „Wüste“ statt. Das Wort Wüste hat jedoch auch die Bedeutung von „einsamer Ort“, „unbewohnte Gegend“ (Mt 14,13.15; Mk 6,31.32.35; Lk 9,12; Joh 6,1-14 u.a.).

Aber schon beim Ablegen am (Nordwestufer) merken sich viele Menschen die Richtung – so berichtet es der Ev. Markus. Man sieht vom Ufer weit auf den See hinaus. Viele Menschen beeilen sich daher zu Fuß am Nordufer entlang in Richtung Osten zu gehen. Einige kommen sogar vor dem Jünger-Team ans andere Ufer. Während der relativ ‚langsamen’ Bootsfahrt (es war Frühling – Vorpassazeit Joh 6,4) können sich Jesus und seine Jünger nicht nur ausruhen, sondern auch die Erlebnisse der letzten Wochen und Tage in aller Ruhe reflektieren. Wer einmal mit einem Ruder oder Segelboot (ohne Motor) unterwegs war weiß, wie erholsam solch eine Fahrt sein kann (Nachahmung empfohlen). Nach dem Landgang steigt Jesus mit seinen Jüngern auf einen nahe gelegenen Berg (Hügel) und setzte sich dort (Joh 6,3). Auch der Ev. Johannes berichtet: „Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.“ (Joh 6,1-4). Aus Johannes 6,16-17 geht eindeutig hervor, dass die Jünger mit dem Boot unterwegs waren.

 

Fragen Aufgaben:

  1. Warum legt Jesus Wert auf Ruhepausen und wie werden sie begründet? Welche Arbeit oder Aufgaben strengen dich an und machen dich müde?
  2. Wohin zieht sich Jesus mit seinen Jüngern zurück? Hast du schon mal eine Bootsfahrt gemacht auf ruhiger See?
  3. Wie erleben die Jünger diese Zeit des Rückzugs in die Stille? Wie gestaltest du deine Ruhepausen, deinen Urlaub?
  4. Wie lange können Jesus und die Jünger unter sich bleiben? Musstest du auch mal unerwartet deinen Liegestuhl im Garten verlassen oder gar deinen Urlaub abbrechen?
  5. Achtung! Je bewusster und aktiver wir unsere Ruhepausen (Urlaub) gestalten, um so erholter und fähiger kehren wir zu unseren täglichen und regulären Aufgaben zurück.
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Warum musste Johannes der Täufer sterben?

7.3 Der Tod Johannes des Täufers

(Bibeltexte: Mt 14,6-12;  Mk 6,21-29)

Die Geburtstagsparty des Herodes Antipas wurde zum Todestag für Johannes den Täufer – welch eine Ironie! Herodes Antipas bekam die Herrschaft über Galiläa und Peräa und trug den Titel „Tetrarch“ Vierfürst, da er nur etwa den vierten Teil des Herrschaftsgebietes seines Vaters zugeteilt bekam. Wenn er gelegentlich mit dem hohen Titel König bezeichnet wird, so entsprach es keineswegs dem offiziellen römischen Standart (Lk 3,1ff), sondern eher dem Wunschdenken des Herrschers und seiner Anhänger. Manche Details aus dem Leben des Herodes’ sind uns vom jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius überliefert (Jüdische Altertümer 18).

Der Evangelist Markus schreibt:

Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein seine Tochter, die von Herodias, und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen der Eide und derer, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht abweisen. Und alsbald schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen, und das Mädchen gab’s seiner Mutter. Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. (Mk 6,21-29; vgl. mit Mt 14,6-12).

 

7.3.1 Der zeitliche Aspekt

Die Dienstzeit des Johannes kann in drei Perioden unterteilt werden.

Die erste Dienstperiode beginnt mit dem Taufdienst am Jordan und geht bis zur Taufe von Jesus, verbunden mit dem öffentlichen Zeugnis über den Messias. Damit erreicht sein Dienst ihren Höhepunkt. Seine Aussagen über Jesus sind sein wichtigster und spezieller Auftrag, den er erfüllen sollte. Der Ap. Paulus unterstreicht dies in der Apostelgeschichte 13,25: „Als aber Johannes seinen Lauf (seinen Auftrag) erfüllte, sagte er: ich bin nicht der, den ihr vermutet …“. Die erste Dienstperiode könnte ein halbes Jahr gedauert haben, was dem Altersunterschied zu Jesus entspräche.

 

Die zweite Dienstperiode kann als die Periode des Abnehmens bezeichnet werden, wie er selber  sagte: „Jener (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30). Diese zweite Periode wird etwas weniger als ein Jahr (ca. zehn Monate) gedauert haben (Joh 3,23). Die erste Dienstperiode des Johannes (ein halbes Jahr) lehnt sich an den Altersunterschied zu Jesus an. Die zweite Dienstperiode des Johannes ist durch folgende Etappen im Paralleldienst von Jesus markiert. Wenn wir annehmen, dass Jesus etwa im Sommer des Jahres 29 n. Chr. getauft wurde, ging er nach sieben Wochen nach Galiläa, begann seinen Dienst und ging zum nächsten Passa (30 n. Chr.) hinauf nach Jerusalem (Joh 2-3). Danach ging er an den Jordan (Joh 4,1ff). Erst in dieser Zeit wird Johannes gefangen genommen (vgl. Joh 3,24 mit 4,3) und Jesus begibt sich wieder und nun schon zum zweiten Mal nach Galiläa, diesmal über Samarien. Dies geschah etwa Ende Mai, Anfang Juni des Jahres 30 n. Chr. (Joh 4,35). Daher lässt sich die zweite Dienstperiode des Johannes auf etwa zehn Monate berechnen.

 

Den dritten Abschnitt seines Dienstes, der mit etwa 1 ¾ Jahre auch der längste ist, verbringt er im Gefängnis. So fixieren wir den Tod des Johannes auf die Vorpassazeit des Jahres 32 n. Chr. (vgl. Joh 6,1ff mit Mt 14,12.13ff). Diese Zeitangabe ist ziemlich sicher, wenn angenommen wird, dass das nicht namentlich genannte Fest der Juden in Johannes 5,1 ein Passafest war.

Demnach dauerte die gesamte Dienstzeit des Täufers etwas mehr als drei Jahre.

 

7.3.2 Wo starb Johannes der Täufer?

Es kommen hauptsächlich drei Orte in Betracht. Sowohl Herodes der Große als auch sein Sohn Herodes Antipas hielten sich selten an einem Ort lange auf. Sephoris (etwa 6 km NNW von Nazaret) war die eigentliche Residenz des Vierfürsten. Die Stadt Tiberias am See Genesaret benutzte er als Winterresidenz wegen des milden Klimas. Auch die Landschaft Peräa gehörte zu seinem Herrschaftsgebiet, sie lag östlich des Jordan, gegenüber Jericho und erstreckte sich bis etwa zur Mitte des Ostufers vom Toten Meer. Im Süden grenzte Peräa an das Nabatäerreich. In Grenznähe lag die Festung Machärus. Welche Gründe sprechen für den Aufenthalt des Johannes im Gebiet von Peräa und welche für einen Gefängnisaufenthalt in Galiläa?

  1. Für Galiläa (Sephoris) spräche, dass hier die Hauptresidenz war. Dort konnte Herodes Antipas mit voller Macht und Pracht die große Geburtstagsfeier ausrichten, zu der er alle seine Großen einlud. Dort kann man sich die Anwesenheit von Herodias mit ihrer Tochter als selbstverständlich vorstellen. Was für die abgelegene Festung Machärus nicht so einfach gewesen wäre.
  2. Für Machärus spräche, dass Johannes am Ostufer des Jordan, also in Peräa mit seiner Tauftätigkeit begann und sie später in der Jordangegend fortsetzte. Also eine Tätigkeit oder Aufenthalt in Galiläa nicht ausdrücklich bezeugt ist. Da das Grenzgebiet zu den Nabatäern unruhig war musste Herodes sich oft in jener Gegend aufhalten.
  3. Für Tiberias, der Winterresidenz des Herrschers spräche, dass Johannes einige Wochen vor dem Passafest (also Februar) enthauptet wurde. In dieser Zeit konnte sich Herodes dort aufgehalten haben.
  4. Abbildung 4: Das Gelände des Termalbades in Tiberias-Hamat. Seit Jahrtausenden sprudelt hier eine heiße Quelle. In dieser Gegend hatte Herodes Antipas seine Winterresidenz (Foto: 28. Januar 2019).

    In dieser Zeit konnte sich Herodes dort aufgehalten haben. Auch hierher hätten die meisten seiner geladenen Gäste binnen ein bis zwei Tagen kommen können.

    Wir ziehen das Gebiet von Galiläa (Sephoris oder noch eher Tiberias) aus folgenden Gründen der Festung Machärus vor. Der Ev. Markus betont, dass Herodes alle seine Edlen (die Großen, die Hauptleute über tausend und die Ersten von Galiläa) zu seinem Fest einlud (Mk 6,21). Für die meisten bedeutete dies höchstens ein bis zwei  Tagereisen. Die gesamte Elite von Galiläa nach Machärus (4-6 Tagereisen) einzuladen wäre wesentlich komplizierter gewesen. Dazu noch im Grenzgebiet zum verfeindeten Nabatäerreich ein großes Fest zu veranstalten scheint nicht so richtig zu passen. Tiberias befand sich nicht weit vom Jordantal entfernt, in dessen gesamter Gegend Johannes seine Tauftätigkeit ausübte (Lk 3,3).

     

    Das Reich nach Herodes dem Großen

    Das Reich nach Herodes dem Großen

     

    Herodes Archelaus, nach 6 Provinz Judäa

    Herodes Antipas

    Herod Philip II

    Salome I. (Jabneh, Azotas, Phaesalis)

    Römische Provinz Syria

    Unabhängige Städte (Dekapolis)

     

    7.3.3 Was war der Auslöser für den Tod von Johannes?

    Herodes lebt eine ungesetzliche Beziehung öffentlich aus. Diese Beziehung kann nicht als eine legitime Ehe bezeichnet werden, es war eher eine Ehebruchsbeziehung. Herodias war die Ehefrau von Philippus, dem Halbbruder des Herodes Antipas, der in Rom lebt. Herodes warb ihm dessen Frau anlässlich eines Rombesuchs ab. Herodias brachte dann ihre Tochter Salome in diese neue Beziehung mit.

    Herodes ruft häufiger Johannes zu sich, um ihn zu hören. Dabei kommt auch das Thema „Ehe“ zur Sprache. Johannes schmeichelt seinem Fürsten nicht, sondern tadelt dessen unverantwortlichen Lebensstil. Da am Fürstenhof kaum etwas verborgen bleibt, kommt dieser Gesprächsinhalt Herodias zu Ohren. Sie kann keine Kritik in dieser Hinsicht vertragen und entschließt sich das Problem nach der Sitte ihres Standes aus der Welt zu schaffen: das Todesurteil für Johannes wird beschlossen (Mk 6,19). Doch Johannes steht noch unter dem direkten Schutz ihres Lebenspartners. Herodes ist hin und her gerissen – die Texte lassen uns diese Labilität deutlich erkennen:

    • Er fürchtete (Ehrfurcht) Johannes, wissend, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Auch rief er ihn oftmals und hörte ihn gern (Mk 6,20),
    • Herodes schützte Johannes vor Herodias, die ihn gerne getötet hätte (Mk 6,19).
    • Er hätte ihn gern getötet, fürchtete jedoch das Volk (Mt 14,5),
    • Er war (sehr) traurig (betrübt) über die Forderung seiner Stieftochter (Mt 14,9; Mk 6,26).

    Die Unentschlossenheit des Herodes ist Teil des Plans der Herodias zur Beseitigung des unbequemen ‚Moralpredigers’ Johannes.

    In der fortgeschrittenen Feststimmung macht Herodes eine gefährliche Aussage, bzw. ein Versprechen an die tanzende Tochter der Herodias: Bitte von mir, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreichs, ich will es dir geben (Mk 6,22-23). Das Versprechen war mit einem Eid bekräftigt worden und deshalb sah Herodes sich gebunden, sein Wort zu halten. Ungewöhnlich, wenn man seine Wankelmütigkeit im Vorfeld betrachtet! Jetzt zeigt er Charakterstärke, er will das Mädchen nicht enttäuschen. War er so verblendet, dass er die Intrige der Herodias nicht mehr durchschauen konnte? Dies ist jedoch unwahrscheinlich, war es doch nicht schwer zu erahnen, warum das Mädchen hinausging, dann aber eilends wieder hereinrannte und eine Bitte aussprach, die niemals von ihr selber hätte kommen können. Doch Sünde macht blind und schwach, sie trübt klares Denken und gerechtes Urteilsvermögen. Menschengunst tritt ins Zentrum und Gottesfurcht in den Hintergrund. Die Festgesellschaft des Herodes lässt sich die reichhaltigen Speisen und Getränke, natürlich auch Wein – gut schmecken. Angeheitert lassen sie sich durch Tänzerinnen weiter aufreizen. Meist haben diese Tänzerinnen keinen besonders guten Ruf – oft sind sie Sklavinnen. Der Auftritt eines Mitglieds des königlichen Hauses bei solch einem Fest ist ungewöhnlich – wir kommen nicht umhin zu vermuten, dass es sich um eine öffensichtliche Intrige der Herodias handelt. Skizzieren wir noch einmal die Reihenfolge des Geschehens. Der Ev. Matthäus schreibt kurz: „Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers!“ Wann fand diese Anstiftung von Seitens der Mutter statt? Der Ev. Markus ergänzt und präzisiert: „Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers.“ Die bereits zuvor erfolgte Anstiftung von der Matthäus spricht, erfolgte nach dem klärenden Text des Markus während die Tochter zwischendurch bei ihrer Mutter draußen war. Wie gut, dass die Evangelisten sich auf diese Weise ergänzen und es uns erleichtern, die Vorgänge und Abläufe richtig einzuordnen.

    An dieser Stelle wollen wir folgender Frage nachgehen: Hätte Herodes sich von seiner, unter Eid ausgesprochenen Zusage an das Mädchen, wieder lösen können oder war er total an sein Versprechen gebunden? (lies dazu 3Mose 19,12; 4Mose 30,3).

    • Ein Eid konnte aufgelöst (bzw. musste nicht eingelöst) werden wenn es irgend eine Abweichung oder Veränderung im Verhalten der in den Eid einbezogenen Personen gegeben hätte (1Mose 24,8.41; Josua 2,14-20). Dies war bei Rebekka und Rahab nicht der Fall, wohl aber bei der Tochter der Herodias. Um eine Bitte zu formulieren, hatte sie ihre Mutter zu Rate gezogen, es war also nicht ihre eigene Bitte. Dies war eindeutig eine Abweichung  vom Wortlaut des Versprechens „Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest“ (nicht deine Mutter). Lies dazu die Geschichte aus 1Könige 2,13-25). Dort verweigert der König Salomo seiner Mutter Bat Seba deren Fürbitte zugunsten Adonias, obwohl er ihr (auf seinem Thron sitzend) zusagte, sie mit ihrem Anliegen nicht zu beschämen. Allerdings hatte Salomo (wohl weislich) seiner Mutter die Zusage „sie nicht zu beschämen, nicht zu enttäuschen“ ohne Eid gemacht. Hier galt das Prinzip: Zur Abwendung eines größeren, ja, gravierenderen Übels kann und soll ein König seine Zusage zurücknehmen, bzw. entkräften.
    • Waren nicht auch die Berater des Vierfürsten in der Pflicht gewesen, damit Herodes nicht in weitere Blutschuld gerate? Lies die Geschichte aus 1Samuel 24,18-45: das Vplk (die Kriegsleute) lösen den Schwur von König Saul auf, zugunsten des Lebens von Jonatan.
    • Wenn der Eid inhaltlich gegen eins der schwerwiegenderen Gebote Gottes verstieß. Grundsätzlich galt das Gebot: „Töte nicht“ (2Mose 20,13), doch unter bestimmten Voraussetzungen wurde sogar nach Anweisung Gottes getötet (2Mose 21,12). Was von Gott absollut verboten war, seinen Zorn und Vergeltung hervorrief war – unschuldiges Blut zu vergießen (5Mose 19,10; 24,27; 27,25; 1Sam 25,31; 2Kön 21,16; Ps 94,21; Jer 26,15; Mt 23,35; Lk 11,51). Daher hätte Herodes das Leben eines unschuldigen Menschen seinem Worthalten (wenn auch unter Eid ausgesprochen) vorziehen können und müüssen. Sein Gesichtsverlusst und die Enttäuschung der Bittenden wogen unendlich mal weniger als das Leben eines gerechten und heiligen Mannes (Mk 6,20).

    Ein unüberlegtes Versprechen – wahrscheinlich im angetrunkenen Zustand – im Zusammenhang mit einer erotischen Darbietung führte Herodes in eine Falle. Wir werden später sehen, wie er gegen besseres Wissen, Jesus zu Pilatus zurückschickt, anstatt ihn frei zu lassen (was in seiner Vollmacht stand Lk 23,6-12).

    Herodes schickt den Scharfrichter (gr. Spekulator) ins Gefängnis und lässt dort Johannes enthaupten. So rächt sich Herodias an Johannes. Und was sagt Gott dazu? Schweigt er? Schaut er tatenlos zu oder weg? Lässt er zu, dass seine Propheten auf solch grausame Weise ihr Leben verlieren? Was empfand Johannes, als er ahnungslos von einigen Soldaten niedergestreckt wurde? Viele, ja die meisten Fragen bleiben hier unbeantwortet. Das Leben eines Propheten geopfert für eine blutige „Party-Überraschung“.

    Das heißt aber keineswegs, dass Gott tatenlos dem Treiben der ungerechten Herrscher zuschaut. Noch wenige Monate oder sogar Wochen vorher hatte sich Jesus klar und eindeutig vor dem Volk zu Johannes gestellt und seinen Freund mit einer persönlichen Botschaft ermutigt (Mt 11,4-19). Ja, das Zeugnis des Herrn lautete: „Er ist der Größte unter den Propheten“.

    In all dem Schrecklichen ist der treue Dienst der Jünger des Täufers bemerkenswert, die auch im Gefängnis ihn besuchen, und nach seiner Enthauptung seinen Leichnam ehrenvoll bestatten. Sie kommen später zu Jesus und berichten ihm das Geschehene (Mt 14,12). So starb Johannes der Täufer, der größte unter allen Propheten, der Glücklichste, weil er dem Messias den Weg vorbereiten konnte? Er sah das erlösende Lamm Gottes mit eigenen Augen und teilte mutig den Weg und das Los der Propheten: den Tod um des Reiches Gottes willen.

     

     

    Fragen / Aufgaben:

    1. Johannes, der Täufer, in welche drei Perioden kann seine Dienstzeit eingeteilt werden?
    2. Wie lange hatten diese Dienstperioden gedauert?
    3. Nenne einige persönliche Details aus dem Leben von Herodes, seinem Privatleben, seine religiöse Einstellung, seiner Herrschaft, seinem Charakter.
    4. Was war der Anlass des Todes von Johannes?
    5. Wie verliefen die Festgelage in den Herrscherhäusern jener Zeit?
    6. Wie stand es mit einem Versprechen unter Eid in Israel nach dem Gesetz?
    7. Ist Herodes ein Vorbild im Wort halten? Welche Praxis in Bezug auf das Schwören war unter den Juden zur Zeit von Jesus üblich? Lies dazu Mt 23,16-22.
    8. Konnte Herodes sich von seinem Versprechen unter Eid lösen? Hätte er anders handeln können oder sollen?
    9. Wo geht Jesus auf den Gedanken ein, dass unter gewissen Umständen das Gebot der Liebe und Barmherzigkeit einer anderen Verordnung (Gebot) vorzuziehen ist? Lies dazu Mt 12,1-10; Hosea 6,6; Joh 7,22-24.
    10. Beschreibe die Haltung von Jesus zu Johannes vor und nach dessen Enthauptung?
    11. Wie war das Los der meisten Propheten und wie steht Gott dazu?
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JESUS – der Fremdling

 

JESUS – der Fremdling

 

Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht Gottes Kinder zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,11-12:).

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1 Ismailia – die Stadt liegt am Westufer des Suezkanals. Der Verlauf des Suezkanals vom Mittelmeer bis zum Roten Meer markiert den Übergang von der Wüstenlandschaft des nördlichen Sinai zur fruchtbareren Landschaft des östlichen Nildeltagebietes, wo das Land (Landschaft) Gosen zu suchen ist (Foto: Juli 1985).

Im Lande Gosen, einer Art Provinz im Alten Ägypten, lebten die Israeliten lange Zeit als Fremdlinge (2Mose  Kapitel 1-12). So sollte auch Jesus einige Zeit als Fremdling in Ägypten verbringen, weil der damalige König Herodes im Lande Israel aus Angst vor Konkurrenz, Jesus bereits als Kind umbringen wollte (Matthäus Kapitel 2).

Ob Jesus heute in unserem Land und unseren Häusern (Familien) willkommen ist? Doch er hat ein ZUHAUSE, er ist bei seinem Vater im Himmel und er lädt uns zu sich ein wenn er sagt: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“ (Joh 14,1-6).

 

Wir wünschen euch als Familie, dass Jesus durch den Glauben in eurer Familie und euren Herzen gegenwärtig sein möge und dass ihr auch in seinem Zuhause zu Hause seid.

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Jona, wohin fliehst du?

Jona, wohin fliehst du?

Die faszinierende Geschichte eines Mannes, der von Gott fliehen wollte und durch den Gott letztlich viele Tausend Menschen rettete.

Hier die Audio-Predigt:

Hier zum nachlesen:

Abbildung 1 Ein Zweimaster im östlichen Mittelmeer. In der Antike reiste niemand mit dem Schiff zum Vergnügen, zu beschwerlich und gefährlich waren Schiffsreisen. Aber oft kam man mit dem Schiff schneller ans Ziel als über Land. Dies traf besonders auf den Großraum des Mittelmeeres zu  (Foto: 17. April 1011).

Beltexte: Jona 1,14-2,11:

„Da riefen sie (die Schiffsleute) zum HERRN und sagten: Ach, HERR, lass uns doch nicht umkommen um der Seele dieses Mannes willen und bringe nicht unschuldiges Blut über uns! Denn du, HERR, hast getan, wie es dir gefallen hat. 15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da ließ das Meer ab[ von seinem Wüten. 16 Und die Männer fürchteten den HERRN mit großer Furcht, und sie brachten dem HERRN Schlachtopfer dar und gelobten ihm Gelübde.“

2,1-11: „Aber der Herr bestellte (bestimmte) einen großen Fisch, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte.

2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches

3 und sprach:

„Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme.

4 Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich,

5 dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.

6 Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.

7 Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.

Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!

8 Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.

9 Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.

10 Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen. Hilfe ist bei dem HERRN.

 

11 Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.“

Abbildung 2 Zu dieser Jahreszeit kann es im Mittelmeer sehr stürmisch werden. Doch Jona befand sich auf einem Schiff in der Jahreszeit der sicheren Schifffahrt. Doch damals wurde der Sturm vom Herrn geschickt, dem sich Wind und Wellen unterordnen (Auf dem Foto vom 5. Februar 2007 sieht die Südküste auf Zypern sehr bedrohlich aus).

 

Jon 4,2 „und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen.“

 

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Wann kam der Schächer ins Paradies?

 

 

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, lautet: Wie soll die Aussage von Jesus an den Schächer am Kreuz gelesen und verstanden werden?

  1. Wahrlich, ich sage dir: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ Oder:
  2. Wahrlich, ich sage dir heute: „du wirst mit mir im Paradies sein“.

Diese Unsicherheit entsteht zum einen, weil es in den Handschriften des Urtextes und natürlich auch in den Abschriften (Kopien) keinerlei Interpunktionen (Satzzeichen) gab, zum anderen, weil eine vorgefasste Meinung durch eine bestimmte Auslegung zu Grunde gelegt wird.

Die Schriftforscher wurden natürlich vor eine große Herausforderung gestellt. Sie mussten den fortlaufenden Text in einzelne Sätze aufteilen und auch innerhalb eines Satzes entsprechende Satzzeichen setzen.

Im Text des altgriechischen Neuen Testamentes von Nestle Aland wurde ein Komma nach „ich sage dir“ gesetzt. „καὶ εἶπεν αὐτῷ· ἀμήν σοι λέγω, σήμερον μετ᾽ ἐμοῦ ἔσῃ ἐν τῷ παραδείσῳ“. Die zehn gängigen deutschen Bibelübersetzungen haben nach dem „ich sage dir“ einen Doppelpunkt gesetzt. Damit wird betont, dass der Schächer (nach Jesu Wort) noch am selben Tag (heute) zusammen mit Jesus im Paradies sein wird.

 

In Markus 14,30 haben wir eine ähnliche Formulierung: „Und Jesus sprach zu ihm (zu Petrus): Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

In beiden Fällen brauchte Jesus ja nicht extra betonen, dass er diese Aussage `heute` macht, wozu denn auch? Wie klingt es denn: „Wahrlich, ich sage dir heute: In dieser Nacht …“. Zwischen der Aussage und der Erfüllung lagen gerade mal 4-5 Stunden, da das `Heute` mit dem Sonnenuntergang begann und in derselben Nacht (Donnerstag auf Freitag) Petrus seinen Herrn nach dem zweiten Hahnenschrei verleugnete.

Ähnlich auch auf Golgatha. Bevor der Tag (Freitag)  mit Sonnenuntergang zu Ende war, starb Jesus und ging ins Paradies (die göttliche Sphäre) ein (Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände). Nach kurzer Zeit, ebenfalls noch am selben Tag vor Sonnenuntergang, wurden den beiden Gekreuzigten die Beine gebrochen, so dass sie starben. Der (erlöste und geistlich auferweckte) Geist des Schächers ging dorthin, wo Jesu Geist war – im Paradies Gottes.

Fazit: Das `Heute` bezieht sich also auf den Inhalt der Aussage von Jesus, auf das, was noch am gleichen Tag mit dem Schächer und der gleichen Nacht mit Petrus geschehen wird.. Dass Jesus diese Aussage `heute` macht, brauchte er nicht extra betonen.

Auch bei allen anderen Aussagen, die Jesus gemacht hat, lässt sich immer nach dem „ich sage dir“ oder: „Ich sage euch“ ein Doppelpunkt setzen, erst danach kommt die inhaltliche Aussage.

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