DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI

DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI

 

„welche ihm Gott gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was schnell geschehen muss“

Vorwort

Zu allen Zeiten bewegte dieses letzte Buch der Bibel die Christen. Die Motivation für uns ist, darin Jesus zu begegnen, seine Sicht der himmlischen und irdischen Welt kennenzulernen. Das Ziel ist, eine klare Position zu beziehen  für Jesus, seine Gemeinde und sein Reich.  Ganz bewusst sind viele Bibeltexte ausgeschrieben, damit die Zusammenhänge der biblischen Wahrheiten nachvollziehbar und verständlich werden.

Abbildung 1 Eine kleine christliche Kapelle auf dem Kastelli oberhalb des Hafenortes Skala auf der Insel Patmos (Foto: 10. Mai 2015)

1. Teil: Die letzte Botschaft Jesu an seine Gemeinde

 

Einleitung

Das letzte Buch des Neuen Testamentes bildet auch das letzte Buch der gesamten Schriftoffenbarung Gottes. Es weist Parallelen auf zum 5. Buch Mose, dem Abschluss der Thora (vgl. Offb 22,18 mit 5Mose 4,2 und Joh 20,30-31 als Abschlus der Evangelien), Die Offenbarung ist ein propherisches Buch, sie enthält aber auch Briefelemente, Grußworte, Segenswünsche. Die Offenbarung ist auch klar verortet, die Insel Patmos und die kleinasiatischen Gemeinden. Der Inhalt dieses Bilderreichen Buches kann nur im Kontext der gesamten Bibel verstanden werden. Die Hautperson ist Jesus Christus, der in der Vollmacht seines Vaters redet und handelt. Ihm zur Seite stehen der Heilige Geist und alle himmlischen Geistwesen. Neben vielen Zahlensymbolen fällt die Zahl sieben auf. Daher kann das gesamte Buch auch in sieben Teile (Kapitel) von unterschiedlicher Textlänge eingeteilt werden. Die Strucktur des Buches ist grundsätzlich chronologisch, sie beginnt mit der Thronbesteigung von Jesus und endet mit seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Doch werden im Buch mehrere parallel verlaufende Bilderreihen dargestellt, die dieselbe zeitliche Periode umfassen und zwar unter verschiedenen Perspektiven. Zum Beispiel Kaptel 6 endet mit dem Weltgericht, ebenso Kapitel 11, 19 und 20. Es handelt sich dabei nicht um verschiedene Endgerichte, sondern jedes Mal werden andere Aspekte des einen Weltgerichtes gezeigt.

Der erste von den 7 Abschnitten (1. Kapitel) umfasst Offenbarung 1,1-3,27. Darin wird hervorgehoben um wen es geht und welches das zentrale Thema des Buches ist. Und so beginnt sie, die Offenbarung:

Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan,  der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. (Offb 1,1-2).

Die allgemein bekannte Überschrift `Offenbarung des Johannes` ist nicht Teil des Textes. Der Genetiv macht klar, dass diese Offenbarung Jesus Christus gehört. Er ist das Hauptthema dieses Buches, er, als der Lebendige, siegreiche König und Herr. Er bringt Gottes Heilsplan zur Vollendung.

1.1 Die Offenbarung – von wem ist sie und für wen ist sie bestimmt?

Das gr. Wort `κάλυμμα – kalymma` bedeutet Decke. Die Decke über der Stiftshütte (2Mose 26,14). Die Decke Moses (2Mose 34,33 und 2Kor 3,15-16). Die Wolke bedeckte/verhüllte die Stiftshütte (2Mose 40,34). Die Bedeutung der Aussage von Jesus über sein Leiden blieb den Jüngern verhüllt (Lk 9,45). In Lk 12,2 sagt Jesus: „es ist nichts ver-hüllt, was nicht ent-hüllt würde“. Die Vorsilben bei  diesen Verben bestimmen, ob das Objekt erkennbar ist oder nicht, ob eine Aussage verstanden wird oder nicht. Das gr. Substantiv `άποκάλυψις. apokalypsis` kann demnach mit Enthüllung übersetzt werden. Die Vorsilbe `άπο – apo` nimmt die Decke weg, sie deckt auf, so dass das Verdeckte zum Vorschein kommt (Mt 11,25-27; 16,17; Lk 10,21; 1Kor 2,10; Gal 1,12.16; Phil 3,15). Im Kontext von Offenbarung 1,1 werden Dinge enthüllt, die bis dahin in Gott verborgen waren. Bis auf eine Aussage in Offb 10,4 (was die sieben Donner geredet haben) soll Johannes nichts versiegeln,  sondern aufschreiben, also offenbaren, enthüllen. Damit ist das letzte Buch der Bibel ein offenbartes Buch. Jesus, das Lamm Gottes war allein würdig es zu enthüllen (Offb 5,5).

 

Gleich zu Beginn stellt sich die Frage, ob Jesus bereits wusste, was in der versiegelten Buchrolle an Inhalt verborgen war? Diese Frage stellt sich wegen der Formulierung: „(…) die Gott ihm gab“.

  1. Es heißt nicht „die Gott ihm enthüllte“, sondern, „die Gott ihm gab“.
  2. Es heißt nicht, um ihm (Jesus) zu zeigen, was bald geschehen muß, sondern, „um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muß“(die gleiche Formulierung wird in Offb 22,6 wiederholt).
  3. Die darauf folgende Aussage lautet: „und er (Jesus) hat sie seinem Knecht Johannes kundgetan“. Das gr. Verb `ἐσήμανεν – es¢manen` kommt noch in Apg 11,28 vor. Dort deutete (es¢manen) der Prophet Agabus eine Hungersnot an. (weitere Stellen, in denen dieses Verb verwendet wird: Apg 25,27: „… ohne die Schuld anzudeuten“; Joh 12,33: „… damit deutete Jesus an …“ (so auch in Joh 18,32); Joh 21,19: „… damit deutete Jesus an …“). Siehe auch die Bedeutung des altgr. Wortes `σημαίνειν – sēmaínein` in Wikipedia. Damit hat Jesus die Offenbarung nicht nur kundgetan im Sinne der Übermittlung, sondern auch im Sinne der Deutung (Offb 1,19-20: Kap 2-3 und 5). Jesus, als Mitschöpfer (Joh 1,1-3; Kol 1,15ff; Hebr 1,1-3) und Mitgestalter der Geschichte hatte auch Einblick in das Weltgeschehen bevor er von seinem Vater die Vollmacht zur Enthüllung bekam (Joh 1,18; Mt 11,25-27; 24,1-25,46; 28,18; 1Kor 10,4; 15,25; Offb 5,5ff).

 

Die Aussage: „seinen Knechten zu zeigen was bald geschehen muß“ erinnert an Amos 3,7: „Gott der HERR tut nichts, er offenbarte (apokalypssē) denn seinen Ratschluss seinen Knechten, den Propheten.“ Die Bezeichnung `Knechte – δούλοις – doulois` ist eine typische Anrede der Gläubigen in der Offenbarung. Selbst Johannes, der Apostel und Jünger, den Jesus liebte, wird so in der Einleitung bezeichnet (Offb 1,1b). Mindestens 11 Mal kommt diese Bezeichnung in diesem Buch vor und bezieht die Gläubigen aller Zeiten mit ein, auch die Engel (1,1; 2.20; 6,11; 7,3; 10,7; 19,2.5.10; 22,3.6.9). Dabei handelt es sich um einen Ehrentitel, wie wir es bereits aus den Apostelbriefen kennen (Röm 1,1; Tit 1,1 Jak 1,1; 2Petr 1,1; Jud 1,1). Im Gegensatz zum Umgang der weltlichen Herrscher mit den Sklaven, ist die Beziehung von Gott dem HERRN zu seinen Untertanen eine von Fürsorge geprägte. Die Untertanen  ihrerseits dienen ihrem HERRN  freiwillig und mit Freuden (Lk 1,38; Mt 25,21-23; Röm 6,22; 12,11; Gal 1,10; Kol 3,24; 4,12; 1Petr 2,16). Das Ganze geht zurück auf die Anweisung Gottes in Bezug auf Sklaven, die aus freiem Willen ihrem Herrn lebenslang dienen wollen (2Mose 21,1ff). Selbst Jesus als HERR und KÖNIG, erniedrigte sich und nahm die Gestalt eines Knechtes (wörtl. Sklaven) an (Jes 53,10-12; Hes 34,24; 37,24-25; Joh 13,14; Phil 2,7). Es tut uns gut, diese Ebene der Beziehung zu unserem Herrn neu zu erkennen und unser Verhalten entsprechend zu korrigieren.

 

Eine weitere Besonderheit bildet der griechische Ausdruck `ἐν τάχει – en tachei`,  welcher im Buch acht Mal vorkommt (1,1; 2,16; 3,11; 11,14; 22,6.7.12.20). Am Anfang und am Ende wird er besonders hervorgehoben. Ins Deutsche wird dieses Wort mit `bald, in Bälde, in kürze, rasch, schnell, in Schnelligkeit` übersetzt. Der Ausdruck `en tachei` beschreibt mehr das `wie` etwas oder jemand eintrifft und seltener `wann` sich etwas ereignet. Unser Wort Tachometer enthält diesen Begriff. Beispiele: Offb 11,14: „das dritte Wehe kommt schnell“;  Lk 15,22: „Schnell bringt das beste Kleid“; Apg 17,15: „schnellstens zu ihm kämen“; Apg 22,18: „beeile dich und in Schnelligkeit verlasse Jerusalem)“. Weitere Stellen: Lk 18,8; Joh 11,29.31; 13,27; 20,4; 2Thes 2,2; 1Tim 3,14; 5,22; 2Tim 4,9; Jak 1,19; 2Petr 2,1.

Den Hinweis über Johannes in der Einleitung: „der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah“, schrieb Johannes im Rückblick auf, nachdem er die Offenbarung bekommen hatte. Betont wird sein Zeugnis von Jesus Christus, alles was er sah. Es ist sehr auffällig, dass Johannes diese Enthüllung in Form von Visionen bekam. Er sah Bilder, oft in Bewegung (Offb 1,2.12.17; 4,1; 5,1.2.6.11; 6,1.2.5.8.9.12; 7,1.2.9; 8,2.13; 9,1.17; 10.1.5; 13,1.2.3.11; 14,1.6.14; 15,1.2.5; 16,13; 17.3.6; 18,1; 19,11.17.19; 20,1.4.11.12; 21,1.2.22 – 47 Mal, andere Zählung 53 Mal). Diese Bilder wurden ihm durch einen Engel (oder von Jesus selbst) gezeigt und erklärt (Offb 1,17-20; 4,1; 17,1; 21,9-10; 22,1).

 

Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe.

Es ist die erste von sieben Seligpreisungen in diesem Buch. (1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14). Der griechische Begriff `μακάριος – makarios` ist uns von den Seligpreisungen aus Matthäus 5,1-11 wohl vertraut. Dort und auch hier geht es um einen Zuspruch, der in Kraft kommt oder einhergeht beim praktizieren der Aufforderungen – lesen, hören und bewahren.

 

Abbildung 2 Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Wunderbar hat der Schöpfer das menschliche Gehör geschaffen. Und er will gehört werden. Die Reihenfolge ist: Zuerst hören, dann gehorchen. (Zeichnung: 2016)

Diese drei Tätigkeiten beziehen sich vordergründig auf die Worte der Weissagung (der Prophetie) dieses Buches, doch haben sie auch allgemeine Gültigkeit. Lesen konnten nicht alle, es musste vorgelesen werden. Doch alle sollten hören, zuhören, hinhören Offb 2,7.11.17.29; 3,6.13.22; 13,9; Mt 11,15; 13,9.43; Lk 14,35). Und alle sind aufgefordert zu bewahren, halten, festhalten. Jesus sagte: „Glückselig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ (Lk 11,28; auch Mt 28,19; Offb 3,3.10.11; 22,9).

Prophetie ist hier im umfassenden Sinne zu verstehen. Im Rückblick auf die Vergangenheit wird in der Gegenwart gesprochen und die Zukunft enthüllt. Begründet werden diese Aufforderungen mit der Aussage: „denn die Zeit ist nahe“. Hier wird der griechische Zeitbegriff `καιρὸς – kairos ` verwendet (ebenso in Offb 22,10). Doch was meint Jesus mit diesem Zeitbegriff?

  • Der kairos wird häufig von Gott her definiert, weil er die Zusammenhänge kennt und die richtige Einordnung eines oder mehrerer Ereignisse in den chronos  einfügt. (Mk 1,15; Mt 26,18). Einfach ausgedrückt – Gott hat seinen eigenen Kalender, nachden er sich richtet (1Tim 6,15: „zu seiner Zeit“) so auch Jesus (Joh 7,7: „meine Zeit ist noch nicht da“).
  • Der kairos drückt manchmal eine nicht klar definierte Zeitspanne oder Zeitpunkt aus (Offb 12,14: „wo sie ernährt werden sollte eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“; so auch in Dan 7,25; 12,7; Lk 21,24: „und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind“; 1Tim 4,1: „in den letzten Zeiten“).
  • Der kairos steht für die Qualität der chronos, wie die Geschehnisse sind (Jes 49,8: „Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen“; Lk 19,44: „weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist“; Apg 14,17: „vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben“; 2Tim 3,1: „in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden“).
  • Der kairos  von Gottes Sicht aus unterscheidet sich von dem kairos der Menschen (Joh 7,6) oder gar vom kairos des Feindes (Lk 4,13).

Denn die Zeit (kairos) ist nahe“. Das meint, die von Gott vorausgesehenen oder auch festgelegten Abläufe der geschilderten Ereignisse werden nicht lange auf sich warten lassen, sondern exakt nach dem Zeitkalender Gottes eintreffen (1Petr 4,7; 1Joh 2,18). Es ist sinnvoll über die Bedeutung der verschiedenen Zahlenangaben in der Offenbarung nachzudenken, doch eignen sie sich nicht für Berechnungen zur Wiederkunft Jesu.

 

1.2 Verfasser und Grußworte an die sieben Gemeinden

Und nun kommen die Grußworte an die sieben Gemeinden mit grundsätzlichen Aussagen über Gott den Vater, über den Heiligen Geist und Jesus Christus.

Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern vor Gott und seinem Vater, dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb 1,4-6).

Bereits zum zweiten Mal wird der Name des Johannes genannt. Ja, hier stellt er sich selber mit Namen vor (so auch in 1,9 und 22,8). Er ist der Sohn des Zebedäus und der Salome, von Beruf Fischer, später Jünger und Apostel von Jesus Christus. Er hatte eine andere Lebensgeschichte als sein Bruder Jakobus. Jener wurde bereits im Jahre 44 n. Chr. von Herodes Agrippa II in Jerusalem mit dem Schwert getötet (Apg 12,1f). Die letzte Erwähnung vom Aufenthalt des Johannes in Jerusalem ist während der Apostelversammlung (Apg 15; siehe auch Gal 2,7-10), Dies war etwa im Jahre 48 n.Chr. Unter welchen Umständen und wann Johannes Jerusalem verlassen hatte, ist nicht bekannt. Doch es entsprach dem Auftrag von Jesus (Apg 1,8). So wirkte Johannes in seinen späteren Dienstjahren in der römischen Provinz Asia (heute Westtürkei), wahrscheinlich in Ephesus und Umgebung. Während sein Evangeliumsbericht und die drei Briefe in einem einfachen und auch leicht verständlichen Griechisch geschrieben wurden, gilt doch das Buch der Offenbarung als das Schwerverständliche.

 

Die sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asia werden später namentlich vorgestellt. Doch bereits hier ist eine bestimmte Vorgehensweise Gottes erkennbar. Gott, der Vater gibt die Offenbarung an Jesus seinen Sohn (Offb 1,1a), bzw. die Vollmacht diese zu enthüllen Offb 5,5). Jesus bezieht  einen Engel ein, um diese Offenbarung an Johannes, den Jünger und Apostel zu übermitteln. Und Johannes soll sie in schriftlicher Form an die Gemeinden senden. Gott ist nicht Alleinakteur, er bezieht ein und zwar sorgfältig der Reihe nach in gewisser Staffelung. So werden alle beteiligt an der Verwirklichung des Willens Gottes. Doch einige Textpassagen am Anfang und Ende, sowie die Bewertung der sieben Gemeinden teilt Jesus seinem Jünger direkt mit (Offb 1,16-20; 2,1-3,22; 22,12-20).

 

Die Segenswünsche: Gnade und Frieden sind uns bekannt aus den Begegnungen von Jesus mit seinen Jüngern (Lk 24,36; Joh  20,19.21.26). Sie sind uns vertraut auch aus den Briefen der Apostel (Röm 1,7; 1Kor 1,3; 2Kor 1,2; Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; 2Thes 1,2; 1Tim 1,2). Gnade und Frieden sind Ausdruck göttlicher Wesenszüge mit denen sich der Vater und der Sohn und der Heilige Geist seinen Kindern zuwenden (Röm 15,33; 16,20; 1Kor 11,33; 13,11; Phil 4,9; 1Thes 5,20; 1Petr 5,10). Diese Grüße kommen von dem dreieinen Gott

1.2.1 Von dem der ist und der war und der Kommende

Es ist Gott, der ewig Seiende (Offb 1,8; 4,8). Und wir werden  erinnert an 2Mose 3,14-16 wo Gott sich dem Mose als der `Ich bin – JaHWeH vorstellt.

 

1.2.2 Und von den sieben Geistern, die vor dem Thron stehen

Die Zahl 7 ist in diesem Text nicht buchstäblich, sondern symbolisch zu verstehen. Sie umschreibt die göttlich / geistliche Vollkommenheit, Vollständigkeit aber auch Vielseitigkeit der Charakterzüge und Dienste des einen Heiligen Geistes Gottes. Zunächst suchen wir nach ähnlichen Umschreibungen in den Texten des Buches der Offenbarung. Danach suchen wir nach Hinweisen aus den übrigen Schriften.

  • Offb 4,5: „und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind“. Achten wir darauf, dass hier die sieben Geister Gottes vor dem Thron sind und bildhaft durch 7 Feuerfackeln dargestellt werden.
  • Offb 3,1: „Dies sagt der, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat“. Die sieben Geister Gottes in der Rechten von Jesus bedeutet, dass er der Auftraggeber ist und sie die Ausführenden.
  • Offb 5,6: „Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.“ Hier gehen  die sieben Geister Gottes vom Lamm (das inmitten des Thrones ist) aus zum Dienst über die ganze Erde.
  • Sach 4,10: „Die werden doch mit Freuden sehen den Schlussstein in Serubbabels Hand. Jene sieben sind des HERRN Augen, die alle Lande durchziehen.“ (vgl. mit Sach 3,9).

Es handelt sich hier um eine Bildersprache, denn nirgendwo in der Schrift werden real existierende sieben (Heilige) Geister Gottes erwähnt. Immer ist es `der Geist Gottes, der Geist des Herrn, der Heilige Geist`. Denn in 1Kor 12,11 schreibt der Ap. Paulus: „Dies alles aber wirkt derselbe eine (Zahlwort) Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.“

Doch woher und wozu das Bild von den sieben Geistern? Es gab einen wichtigen Gegenstand im vorderen Teil des Heiligtums der Stiftshütte. Und dieser könnte die Formulierung `sieben Geister Gottes` erklären helfen. Während im Allerheiligsten die Bundeslade mit dem Sühnedeckel stand, befand sich an der rechten Seite (der Nordseite)  der Schaubrottisch (Sinnbild für Jesus, das Brot des Lebens Joh 6,35.48). Auf der linken Seite (der Südseite) stand der siebenarmige goldene Leuchter. Dieser musste täglich mit frischem, reinem Olivenöl gefüllt werden und durfte nie verlöschen (2Mose 25,31-34; 27,20). Dass das Öl in der Bibel  ein Sinnbild für den Heiligen Geist ist, wird durch folgende Textstellen bestätigt: Jes 61,1; Apg 10,38;1Joh 2,20.27. Der siebenarmige goldene Leuchter wurde aus einem Stück geformt und damit könnte er als eine Erklärung dienen für die Vision von den sieben Fackeln, sieben Augen und sieben Geistern Gottes in den Texten der Offenbarung. (ähnlich wie in Sach 4,1-6)

Eine auffällig vielseitige Beschreibung der Wesenszüge und Eigenschaften des Geistes Gottes wird in Jesaja 11,1-3 beschrieben: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN.“ Viermal wird in diesem Text `der Geist des Herrn` genannt und in drei Zweiergruppen werden seine Wesenszüge oder Eigenschaften beschrieben. Manche Ausleger sehen hier sogar eine siebenfache Beschreibung des einen Geistes Gottes.

Auffallend ist auch, was Jesus über die vielfachen (mindestens sieben) Tätigkeiten des Heiligen Geistes sagt:

  1. „(…) und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Joh 14,16; vgl. Mt 3,11b mit Apg 1,4-5; 2,1-4; Eph 1,13).
  2. „(…) den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ (Joh 14,17; 7,37).
  3. „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14,26; dazu auch Lk 12,12).
  4. Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.“ (Joh 15,26; 1Petr 1,11).
  5. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“ (Joh 16,8-11).
  6. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“ (Joh 16,13). Merken wir den engen Zusammenhang zwischen Jesus dem Sohn (dem Lamm aus Offb 3,1; 4,5; 5,6) und dem Geist Gottes?
  7. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.“ (Joh 16,14-15).

Was Jesus den einzelnen Gemeinden zu sagen hat (Offb 2-3) wird von ihm verstärkt mit: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“. So umfassend ist der Dienst des Heiligen Geistes.

 

1.2.3 Und von Jesus Christus

 

  1. welcher ist der treue (glaubwürdige) Zeuge“ Die gr. Begriffe: ` ὁ μάρτυς, ὁ πιστός – o martys o pistos` ist der Zeuge (auch als Märtyrer oder Blutzeuge) und er ist der treue, der glaubwürdige, der wahrhaftige, der zuverlässige Zeuge Gottes für die Welt und auch für seine Gemeinde..(Offb 22,16; Jes 55,3-5 mit Apg 13,32-33; Joh 1,18; 7,7; 8,14.38; 15,15; Mt 17,5),

 

  1. der Erstgeborene aus den Toten“ Der gr. Begriff ` πρωτότοκος –pr÷totokos` setzt sich aus den Wörtern: `Erster und Geborener` zusammen. Auf Jesus bezogen, meint in diesem Textzusammenhang, dass er der Erste ist, der aus dem physischen Tod in einem verherrlichten Körper auferstanden ist, also Geburt = Auferstehung. Folgende Stellen bestätigen dies göttlichen Vorgang bei Jesus: Kol 1,18: „Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei.“ (Röm 8,,29; Ps 2,7 mit Apg 13,32-33; 1Kor 15,22-23; Phil 3,20-21),

 

  1. Der Fürst der Könige auf Erden“ Jesus ist der `ὁ ἄρχων – o arch÷n – der Erste, der Fürst`. Dem entgegen steht der Fürst (o arch÷n) dieser Welt (Joh 12,30-31; 14,30; 16,11). Doch diesen hat Jesus besiegt. Demnach ist Jesus als der Sohn wie auch der Vater „KÖNIG der Könige“ Offb 17,14; 19,16; 1Tim 6,15-17; Ps 72,8; Jes 11,10; mit Röm 15,12; Dan 2,21; 7,13-14; Sach 9,9-10; Joh 18,37; Eph 1,21). Wer ist gemeint unter der summarischen Zusammenfassung „die Könige der Erde“? Folgende Texte machen deutlich, dass damit die verschiedenen Herrscher dieser Welt gemeint sind (Mt 17,25; Ps 2,1-2 mit Apg 4,26-27; Offb 6,15; 17,.2.18; 18,9; 19,19).

 

  1. Ihm, der uns liebt (der Liebende uns)“ Die grammatische Form im Griechischen hebt die Beständigkeit der Liebe Jesu hervor. Die Jünger haben ihn so erlebt (Joh 13,1; 15,9.13; Eph 5,25-26),

 

  1. Und uns erlöst hat von unseren Sünden durch sein Blut“. Die Rettung des Menschen aus dem geistlichen Tod und der Gottferne wird durch Erlösung erwirkt (1Mose 3,21; Eph 1,7; 21ff). Der Preis für die Erlösung ist sehr hoch, es kostete Leben. Das Blut steht für Leben (1Mose 9,3-4). Blut auf dem Altar steht für Sühnung (3Mose 17,11 mit Hebr 9,12; Mk 10,45; 1Kor 5,7; Kol 1,20; 1Joh 2,1-2; Offb 5,9; 7,14; 14,3-4). In diesen Texten wird in Kürze das gesamte Erlösungswerk Christi zusammengefasst und begründet.

 

  1. Und uns zu einem Königreich (βασιλείαν – basileian – Königtum) (zu) Priestern gemacht hat vor Gott seinem Vater.“ Das `mit-regieren` mit Christus in seinem Königreich (bereits auf dieser Erde) ist fester Bestandteil der Kinder Gottes. Doch dieses `mit-regieren` ist an das `mit-leiden, mit-erdulden` geknüpft (2Tim 2,12; Offb 1,9; 5,10; 20,4-6). Das `mit-regieren` hat zwei Seiten. Zum einen ist es auf das herrschen über die Sünde ausgerichet (1Mose 4,7: „du aber herrsche über sie, behaupte dich gegen sie“). Es bedeutet auch das beherrschen des sogenannten `sündigen Fleisches` (Röm 8,3; 1Kor 9,27; Gal 5,17). Es bedeutet jedoch nicht das beherrschen der Menschen. Auf der anderen Seite bedeutet es die Anwendung der Reichsgottesprinzipien gegenüber den Menschen (auch den Mächigen dieser Welt) entsprechend der Art und Weise von Jesus (Joh 18,33-37; 19,11; Lk 23,7-12). Es bedeutet auch den Kampf gegen die finsteren Mächte des Satans und seiner Dämonen (Mt 4,4-11; Eph 6,11-17).

 

  1. Und uns zu einem Königreich (zu) Priestern (ἱερεῖς – iereis) gemacht hat vor Gott seinem Vater.“ Das `mit-regieren` ist zwar fester Bestandteil der Kinder Gottes, doch diese göttliche Art des Regierens steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem allgemeinen Priesterdienst des Volkes Gottes (vgl. 1Petr 2,9 mit 2Mose 19,5-6; Jes 61,6-10; Röm 15,16; 1Kor 5,20; Kol 4,12; Eph 6,20; 2Kor 1,11; 1Tim 2,1). Die Gläubigen an Jesus sind berufen für einander und diese verlorene Welt vor Gott in der Fürbitte einzutreten.

Erster Hymnus

„Dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!“

Dies ist der erste von sieben Hymnen in diesem Buch (Offb 4,8-9; 10-11; 5,8-14; 7,10-12; 15,3-4; 19,1-7). In diesem Hymnus wird die Herrlichkeit und Gewalt Gottes besungen für alle Ewigkeit und mit dem Amen, d. h. so ist es,  bekräftigt. Es gilt dem Vater, dem Heiligen Geist und Christus dem Sohn. Welch eine Würdigung des EINEN wahren Gottes!

1.2.4 Die Ankündigung der Wiederkunft von Jesus

  • „Siehe, er kommt mit den Wolken,“  (Offb 1,7a). Dieses große Ereignis mit der Begleiterscheinung (Wolken) ist von Jesus selbst vorausgesagt worden. (Mt 24,30; 26,64; Mk 14,62; ebenso von den himmlischen Boten Apg 1,11; und von Ap. Paulus 1Thes 4,17).
  • „und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben,“ (Offb 1,7b). Niemand wird bei der Ankunft des Menschensohnes fehlen, alle werden dabei sein. Dies setzt die allgemeine Auferstehung der Toten voraus (Joh 5,27-29; Mt 13,41; 25,31ff; Sach 12,10 mit Joh 19,37; 11-15; Mt 24,31  Offb 6,12-17; 11,18; Offb 20).
  • „und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ (Offb 1,7c). Das Wehklagen erstreckt sich auf alle, die das Angebot der Rettung durch Jesus nicht angenommen haben. (Offb 6,15-16; Mt 13,42.50; 24,30; Lk 13,28; 23,30). Die Wiederkunft von Jesus und das damit verbundene (Wel)Gericht bilden den Abschluss dieser Weltgeschichte.
  • Ja, Amen!“ Das hebräische Amen unterstreicht die Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit der vorangegangenen Aussagen.

1.2.5 Die Selbstbezeichnung Gottes

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb 1,8).

Der, auf den sich das A und das O (Alpha und Omega) bezieht, der ist auch der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb 1,4; 4,8). Es ist richtig, diese Umschreibungen zuerst auf Gott den Vater zu beziehen. Schauen wir uns diese  und ähnliche Aussagen der Heiligen Schrift genau an.

  • Jes 44:,6:So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott.“ Im Kontext der Vielgötterei hebt Gott seine  Einmaligkeit hervor. (vgl. Jes 41,4; Joh 17,4: „dass sie dich, der du allein wahrer Gott bis und den du gesandt hast – Jesus Christus erkennen“). Siehe auch das Sch`ma Israel (5Mose 6,4; Mk 12,29; Eph 4,3-6). Damit wir diese Aussage klar verstehen – der Erste ist gleichzeitig auch der Letzte, vor dem Ersten gab es keinen und nach dem Letzten wird es keinen geben.
  • Jes 48,12: „Höre auf mich, Jakob, und Israel, mein Berufener! Ich bin, der da ist, ich der Erste, ich auch der Letzte.“ Die Formulierung: „Ich bin, der da ist“ erinnert an 2Mose 3,14-16 – der Eigenname Gottes als der SEIENDE. Damit bezeichnen die Worte `Erster und Letzter` seine Ausschließlichkeit und sein immer währendes SEIN.
  • Offb 1,8: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ Diese und die Jesaja Aussagen kommen von höchster Instanz. Aber gelten sie nicht auch dem Sohn? Ist er nicht gerade vom Vater mit allen Vollmachten ausgestattet worden? (Mt 11,25-27; Joh 17,2-4; Mt 28,17-18; 1Kor 15,25). Wenden wir uns nun den weiteren Texten aus der Offenbarung zu.
  • Offb 1,17-18: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in die Ewigkeiten der Ewigkeiten und habe die Schlüssel des Todes und des Hadesch.“
  • Offb 2,8: „Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde:“ Der Sohn (als der Menschensohn) war tot und wurde wieder lebendig. Doch was Gott der Vater für sich in Anspruch nimmt (Jes 41,4; 44,6; 48,12), bezieht Jesus (als präexistenter Sohn Gottes) auch auf sich. Was für eine Würde für den Sohn!
  • Offb  21,6: „Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Der auf dem Thron sitzende sagt, wer er ist und was er tun wird. Dies erinnert auch an die Aussage aus Offb 7,17 und an das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,13-15; und auch an Joh 7,37; 5,19).
  • Offb 22,13: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ In Kapitel 22, ab Vers 12 spricht Jesus von seinem schnellen Kommen und auch die folgenden Aussagen (einschliesslich Vers 13) stammen von ihm. Wir sehen, dass die Selbstbezeichnungen  von Vater  und Sohn identisch sind (Joh 10,30-36; 5,26; 16,15). Daher ist der Sohn dem Vater wesensgleich und anbetungswürdig (Offb 5,13; 7,17).

Jesus handelt im Auftrag seines Vaters um den Heilsplan Gottes zur Vollendung zu bringen.

 

Die Bezeichnung `der Allmächtige` ist eine Umschreibung der uneingeschränkten Gewalt, Macht und Kraft Gottes. Der gr. Begriff  `παντοκράτωρ – pantokratör` würde wörtlich übersetzt `der Allgewaltige` heißen. Er vereinigt in such alle Gewalten (Offb 4,8; 21,6.22; 1Mose 17,1; 28,3; 43,14; 48,3; 2Mose 16,3).

1.3  Warum ist Johannes auf Patmos?

Schon der Ort der Abfassung dieses letzten Buches des Neuen Testamentes ist ungewöhnlich. Der Verfasser der Offenbarung macht klare Angaben über sich selbst, den Ort und Grund seines Aufenthaltes auf der Insel Patmos. Johannes schreibt:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königreich und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen..“ (Offb 1,9).

Dies schrieb Johannes vermutlich in der Zeit der Herrschaft des römischen Kaisers Domitian (81-96 n. Chr.). Die Insel Patmos liegt etwa 90 km südwestlich von der damaligen Provinzhauptstadt Ephesus entfernt. Die Lage und Beschaffenheit der Insel eigneten sich gut als natürlicher Verbannungsort für Andersdenkende.

 

Abbildung 3 Insel Patmos mit dem heutigen Hafenort Skala, der am Ende einer tief eingeschnittener und daher auch geschützten Bucht liegt. Heute zählt die Insel etwa 3000 Einwohner, die vom Pilgertourismus, vom Fischfang und teilweise der Landwirtschaft leben. Dank der Offenbarung wurde diese von der Lage her unbedeutende Ägäische Insel weltbekannt (Foto: 10. Mai 2015).

Wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses von Jesus wurde Johannes auf diese unwirtliche Insel verbannt. Dies setzt eine offensichtliche evangelistische Tätigkeit im Raum Ephesus voraus. Unter dem Kaiser Domitian dem auch in Ephesus eine Kultstätte eingerichtet wurde, fand eine systematische Verfolgung der Christen statt. Es erfüllte sich, was Jesus seinen Jüngern beim Abschied aufgetragen hatte (Apg 1,8: „Ihr werdet meine Zeugen sein“). Er bezeichnet sich als euer Bruder und Teilhaber

  • an der Bedrängnis (Joh 16,30: „In der Welt habt ihr Bedrängnis“). Indirekter Hinweis für eine Verfolgung in der gesamten Provinz Asia.

und dem Reich (Königreich – Röm 14,17: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“

  • und dem Ausharren in Jesus. Das gr. Wort `ὑπομονῇ ypomon¢ ` bedeutet wörtlich: darunter bleiben, unter der Belastung (dem Joch des Christus) bleiben, nicht ausbrechen, durchhalten. Zu diesem standhaften Durchhalten werden die Gläubigen immer wieder ermutigt (Offb 13,10; 14,12). Man bedenke, dass  Johannes zu der Zeit (vermutlich) der letzte noch lebende Apostel war und doch keine Spur von Überheblichkeit zeigte, er ist Bruder und Mitknecht. Welch ein Kontrast zu der Überheblichkeit, Machtstreben und sogar Machtmissbrauch des Diotrephes (1Joh 1,9-10) oder der späteren Kirchenfürsten.

Was auch immer die römischen Behörden mit der Verbannung des Johannes bezwecken wollten, Gott hatte für ihn noch einen wichtigen Auftrag an die Gemeinden. Es war seine Wüste, aus der er den Gemeinden damals und für alle Zeiten eine Botschaft des auferstandenen und erhöhten Christus mitteilen sollte.

Abbildung 4 Insel Patmos, Blick von Chora aus über die Küstenregion. Die Insel ist sehr hügelig und teilweise bewaldet. Da die höchste Erhebung nur etwa 260 Meter hoch ist, verfügt sie über nur wenig Wasserquellen. (Foto am 11. Mai 2015).

2. Der Menschensohn mitten unter den sieben goldenen Leuchtern

Wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses von Jesus wurde Johannes auf diese unwirtliche Insel verbannt. Dies setzt eine offensichtliche evangelistische Tätigkeit im Raum Ephesus voraus. Unter dem Kaiser Domitian dem auch in Ephesus eine Kultstätte eingerichtet wurde, fand eine systematische Verfolgung der Christen statt. Es erfüllte sich, was Jesus seinen Jüngern beim Abschied aufgetragen hatte (Apg 1,8: „Ihr werdet meine Zeugen sein …“). Johannes bezeichnet sich als `euer Bruder und Teilhaber`

  • an der Bedrängnis“. Es ist ein indirekter Hinweis für eine Verfolgung in der Provinz  Asia. Jesus hat Bedrängnis vorausgesagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis …“ ((Joh 16,30).
  • und dem Reich“ (Königreich). Das Mitregieren mit Christus in dieser Welt orientiert sich am Beispiel von Jesus während seines irdischen Lebens. Doch „das Rei2,ch Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17).
  • und dem Ausharren in Jesus“. Das gr. Wort `ὑπομονῇ ypomon¢ ` bedeutet wörtlich: darunter bleiben, unter der Belastung (dem Joch des Christus) bleiben, nicht ausbrechen, durchhalten. Zu diesem standhaften Durchhalten werden die Gläubigen immer wieder ermutigt (Offb 13,10; 14,12). Man bedenke, dass  Johannes zu der Zeit (vermutlich) der letzte noch lebende Apostel war und doch keine Spur von Überheblichkeit zeigte, er ist Bruder und Mitknecht. Welch ein Kontrast zu der Überheblichkeit, Machtstreben und sogar Machtmissbrauch des Diotrephes (1Joh 1,9-10) oder der späteren Kirchenfürsten.

Was auch immer die römischen Behörden mit der Verbannung des Johannes bezwecken wollten, Gott hatte für ihn noch einen wichtigen Auftrag an die Gemeinden. Es war seine Wüste, aus der er den Gemeinden damals und für alle Zeiten eine Botschaft des auferstandenen und erhöhten Christus mitteilen sollte.

Die Aussage „ich war“ auf der Insel Patmos, könnte den Eindruck erwecken, dass Johannes nicht mehr dort ist und die Offenbarung erst nach Verlassen der Insel aufgeschrienen hatte. Nun, es ist gut möglich, dass er nach dem Tod des Kaisers Domitian im Jahre 96 wieder frei kam und Patmos verlassen konnte. Aber warum hält sich die Überzeugung fest, dass die Offenbarung auf der Insel verfasst wurde?

Das gr. Verb `ἐγενόμηνegenom¢n`, wird meistens einfach mit `ich war` übersetzt. An einigen Stellen wäre es treffender mit `ich ward`, `ich wurde` oder mit, `ich bin geworden` zu übersetzen. In der Offenbarung kommt es noch an folgenden Stellen vor:

  • Offb 1,10 und 4,2: „ich war im Geist“, dies schreibt Johannes natürlich im Rückblick. Ein Erlebnis, das in der Vergangenheit liegt und abgeschlossen ist. An ihm vollzog sich etwas und er wurde in einen Zustand versetzt, bei dem er die göttlich-geistlichen Visionen imstande ist zu schauen.
  • Offb 1,18: „ich war tot“, ein Zustand in den Jesus hineinging und den er durchlitt und durchlief. An ihm vollzog sich das Tot sein, er ward tot (Phil 2,8).

Weitere Stellen: Apg 20,18: „wie ich bei euch die ganze Zeit war (im Sinne: mich bei euch verhalten habe)“; Apg 26,19: „ich war (ich ward) nicht ungehorsam“; Röm 10,20: „Ich war (ich bin) erschienen“; 1Kor 2,3: „ich war (wurde) bei euch“; 1Kor 9,20: „den Juden war (wurde) ich…“; 1Kor 9,22: „den Schwachen war (wurde) ich …“; Kol 1,23: „.dessen Diener ich, Paulus wurde, geworden bin“ (Kol 1,25).

In all diesen Texten wird das Verb `ἐγενόμηνegenom¢n  – ich war` unverändert geschrieben. Die Endung `m¢n` weist immer auf die 1. Person hin. Das `e` am Anfang drückt die Vergangenheitsform aus  Die Wortwurzel `gen` drückt aus, dass etwas geworden war (an, mit oder durch) Jesus, Johannes oder Paulus. Der Verlauf dieses Geschehens kann sich über einen Zeitraum hinziehen (bei Jesus 3 Tage im Tot sein, bei Paulus 3 Jahre Wirksamkeit in Ephesus, bei Johannes eine unbestimmte Zeit im Geist und ein Aufenthalt auf der Insel. Ein Aufenthalt, der möglicherweise noch anhielt, nachdem er das Buch schon geschrieben hatte.

1.4 Der Menschensohn in der Mitte der sieben goldenen Leuchter

(Bibeltext: Offb 1,10-20).

1.4.1 Johannes im Geist am Tag EINS (1) der Woche

Johannes schreibt: „Ich war an des Herrn Tag im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie von einer Posaune, die sprach“ (Offb 1,10).

Johannes befand sich im Geist am Tag des Herrn (gr. ἐν τῇ κυριακῇ ἡμέρᾳ – en t¢ kyriak¢ ¢mera – (am (dem) Herrn (gehörenden) Tag` (Dativ). Diese Bezeichnung ist einmalig, doch es ist naheliegend, dass es sich um den ersten Tag der Woche handelt. Dagegen weist die Formulierung: `der Tag des Herrn` (Genetiv) auf den letztem Tag (Joh 6,39.40.44.54), bzw. den Gerichtstag  hin (1Thes 5,2; 2Thes 2,2; 2Petr 3,10). Hier  aber geht es um den Wochentag an dem Jesus von den Toten auferstanden ist (Mt 28,1; Joh 20,1.19. 26; Lk 24,36). Neben der Versammlung an den Sabbaten (im jüdischen Kontext), trafen sich die Gläubigen unter Leitung des Ap. Paulus auch in der Diaspora am ersten Tag der Woche (Apg 20,7; 1Kor 16,1). Und bis heute heißt der erste Tag der Woche im griechischen Kulturraum nicht Sonntag, sondern `kyriak¢ `, genau wie in Offb 1,10.. Insgesamt gesehen, wurde von der Ostkirche die lateinische Bezeichnung für den `Sonntag` nicht übernommen.

Die Bemerkung `im Geist`, meint nicht im eigenen Geist des Johannes, denn dies käme einer Einbildung oder Halluzination gleich. Diese Aussage meint `im Geiste Gottes, im Heiligen Geist`. Der Vergleich mit folgenden Texten legt dies nahe (Offb 2,7.11.17.29; 3,6.13.22;  21,10;  22,17; Hes 37,1).

Johannes hört hinter sich eine gewaltige Stimme wie von einer Posaune. Es handelte sich nicht um einen undefinierbaren lauten Ton, sondern um Worte mit klarem Auftrag (so auch in Offb 4,1; Jes 58,1). Trotzdem werden wir an den gewaltigen Posaunenton auf dem Berg Sinai erinnert (2Mose 19,16+19).  Allerdings war hier dieser Ton die gewaltige Stimme dessen, der einem Menschensohne glich. Johannes wendet sich um und sieht (und hört) die Stimme, „die sprach: Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea!“ (Offb 1,11). Johannes bekommt einen doppelten Auftrag, alles was er sieht (und hört) in ein Buch zu schreiben und an die sieben namentlich genannten Gemeinden zu senden.

Man stelle sich das Ganze als ein Rundschreiben vor, es galt allen, enthielt aber auch direkte und aktuelle Hinweise an die zu der Zeit bestehenden Gemeinden. Dieser Auftrag setzte voraus, dass  Johannes  trotz Verbannung die Möglichkeit zum schreiben hatte und Kontaktpersonen zum Festland hin. Es entsteht nicht der Eindruck, dass er eingekerkert war, sondern relative Bewegungsfreiheit hatte, Die Tradition von der `Apokalypsishöhle` und das Johanneskloster stammen aus dem Mittelalter (Ende des 11. Jh.).

 

„Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und inmitten der Leuchter einen, gleich (ähnlich) einem Menschensohn“ (Offb 1,12b-13a).

 

Abbildung 5 Der Menschensohn in der Mitte der sieben goldenen Leuchter. Auf der Zeichnung wird er als leuchtend dargestellt, obwohl es im Text nicht ausdrücklich gesagt wird. (Zeichnung von J.S. 24. Dezember 2020).

Als erstes fällt der Blick des Johannes auf sieben goldene Leuchter, Diese Leuchter sind mit Sicherheit von dem einen siebenarmigen goldenen Leuchter aus der Stiftshütte abgeleitet (2Mose 25,31ff). Dort wird der gr. Begriff `λυχνίαν – lychnian` verwendet, der uns auch aus den Gleichnis Jesus vertraut ist (Mt 5,15). Diese Leuchter sind eher  im Kreis angeordnet und nicht auf einer geraden Linie. Für diese Annahme sprächen folgende Texte:  Offb 2,1: „in der Mitte“; Offb 4,3.4.6;  5,11; Mk 3,34: „die um ihn im Kreise saßen“). In dem Bild des Menschensohnes erkennt Johannes eindeutig Jesus den Herrn und das Haupt der Gemeinde (Offb 1,17a). Als Jesus auf Erden war, sprach er von sich als dem Menschensohn, wahrscheinlich in Anlehnung an Daniel 7,13-14 und 1Mose 3,15. Insgesamt kommt diese Bezeichnung mehr als 80 Mal vor (Mk 10,45; Lk 19,10 u.a.m.). Diese Standesbezeichnung behält er auch nach seiner Erhöhung (Mt 24,27.30.37.39;  25,31;  Apg 7,56). Er ist (er wandelt) in der Mitte der sieben goldenen Leuchter und zu allen pflegt er geistliche Beziehung.

1.4.2 Das Aussehen des Menschensohnes

  1. Er war bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand, und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel“ (Offb 1,13b).

Das lange Gewand und der goldene Brustgürtel (nicht Hüftgürtel) weisen ihn aus als Hohenpriester, denn diese Bekleidung ist identisch mit der in 2Mose 28,4 für den Hohenpriester  Aaron vorgeschriebenen Bekleidung. In Offb 1,13b beschreibt das gr. Wort `ποδήρη – pod¢r¢` das bis zu den Füßen reichende Obergewand des Menschensohnes. Das gleiche Wort `pod¢r¢` in 2Mose 8,4.31;  29,5 (LXX) wird ausschließlich für das Obergewand des Hohenpriesters Aaron verwendet. So wird deutlich, dass der Menschensohn priesterlichen Dienst versieht und dieser war und ist vielseitig (Joh 17,1ff;  1Tim 2,5;  Hebr 7-8;  12,24).

Der goldene Brustgürtel, mit dem der Menschensohn umgürtet war, erinnert an den mit Goldfäden bestückten Gürtel bei Aaron aus 2Mose 28,4. Der Priesterdienst von Jesus schließt auch richterliche Funktionen ein (Joh 5,22-23.27;  1Petr 4,17;  2Kor 5,10;  Offb 19,11). Jesus ist in Person die Wahrheit und die Gerechtigkeit (Joh 14,6; 1Kor 1,30).

  1. „sein Haupt aber und die Haare waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee“ (Offb 1,14a).

Das erinnert an die Vision, die der Prophet Daniel sah und weist auf die Würde, Autorität und Erhabenheit des Höchsten hin (Dan 7,9-10; 3Mose 19,32;  Spr 20,29). Weiße Wolle, weiß wie Schnee steht auch für Reinheit (Jes 1,18). Weiß steht auch für Gerechtigkeit (Offb 20,11).

  1. „und seine Augen wie eine Feuerflamme,“ (Offb 1,14b).

Augen, die alles durchdringen und sehen (Offb 5,6;  Sach 3,9;  4,10;  1Sam 16,7;  Ps 11,4; Jer 23,14;  Jes 66,2;  Mt 9,4;  Lk 22,60-61). Niemand vermag sich vor seinem Blick verbergen. Aber auch niemand wird von ihm übersehen.

  1. „und seine Füße gleich glänzendem Erz, als glühten sie im Ofen,“ (Offb 1,15a). Andere übersetzen mit `Golderz`. Die Elbf. 1871 übersetzt mit `Kupfer`. Das gr. Wort `χαλκολιβάνῳ – chalkolibanö` ist ein zusammengesetztes Wort. `chalkos` ist eindeutig Kupfer. Der Zusatz `libanö` beschreibt wie das Kupfer aussieht. Die Bedeutung des Wortes `Libanon` ist `der/die Weiße`.  Auch das hebräische Wort `Laban` (auch als Name bekannt) meint `weißer`. So könnte das zusammengesetzte Wort als leuchtendes, glänzendes Kupfer übersetzt werden. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass es wie im Ofen (Kamin) glühend aussah  Der Brandopferaltar war mit Kupfer überzogen, die Geräte für den Altar waren aus Kupfer gefertigt (2Mose 27,2-3). Das Waschbecken war auch aus Kupfer geferigt (2Mose 30,18). Ebenso waren die Füße (Untersetzer) der fünf Säulen am Eingang der Stiftshütte aus Kupfer angefertigt (2Mose 26,37). Das Kupfer wird wie `glühend / glänzend im Ofen` beschrieben. Es war nicht glühend flüssig, es sah so glänzend aus. Das glänzende Kupfer könnte demnach für das Leiden und den Opfertod des Chrustzs stehen. Es entspräche dem `geläutert sein` im Glutofen des Leidens (Jes 48,10;  Hebr 2,9-10;  5,7). Im Gegensatz zu den Füßen des Bildes aus Daniel 2,33 ,welche aus Eisen und Ton waren, geht es hier um Lauterkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit (vgl. auch mit Dan 10,6). Die Füße sind nicht nur zum stehen, sondern auch zum gehen bestimmt. Auf Jesus trifft in vollkommenem Maße zu was in Jes 52,7 geschrieben steht; „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ Doch der Gedanke aus Psalm 7,8;  110,1 könnte da auch mitschwingen, begründet mit Offb 19,15.

 

  1. „und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser,“ (Offb 1,15b).

Die Insel Patmos ist relativ klein und so wird Johannes des Öfteren die Meeresbrandung gehört haben. Daher passt dieser Vergleich (5Mose 4,36;  Hebr 12,26-27; wenn schon von den Engeln gesagt wird, dass sie mit starker Stimme redeten, wie viel mehr von Jesus;  Offb 14,9.18;  Mt 27,46.50). Wenn er im Gericht reden wird, verstummt vor ihm jeder Mund (Mt 22,12).

  1. „und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, “ (Offb 1,16a).

Später erklärt Jesus das Geheimnis der sieben Sterne, in dem er sagt: „es sind Engel der sieben Gemeinden“ (Offb 1,20).

  1. „und aus seinem Mund ging ein zweischneidiges, scharfes Schwert hervor,“ (Offb 1,16b).

Das Bild mag erschrecken, doch Gott benutzt diese von Menschenhand gefertigten Waffen als Anschauungsmaterial, um die Wirksamkeit des Wortes Gottes und seiner Aussprüche hervorzuheben. An dieser Stelle wird für Schwert der gr. Begriff `ῥομφαία  – romfaia`` verwendet mit dem Zusatz `δίστομος ὀξεῖα – distomos oxeia – zweischneidiges, durchdringendes, zerteilendes, scharfes` (Offb 2,12.16; ähnlich auch in Offb 19,15). In Hebr 4,12 wird die vielseitige Wirksamkeit des Wortes Gottes ebenfalls mit einem alles durchdringenden, zerteilenden Schwertes beschrieben. Nach Eph 6,17 ist das Schwert des Geistes `τὴν μάχαιραν τοῦ πνεύματος – t¢n machairan tou  pneumatos`  (ein anderer Begriff für Schwert)  der Ausspruch Gottes – ῥῆμα θεοῦ – r¢ma theou`. Mit dieser göttlichen Waffe kämpfte Jesus gegen den Satan und siegte (Mt 4,4-11). Damit kein Missverständnis entsteht, erklärte Jesus, was diese geistliche Waffe (das Wort des Evangeliums) bewirken wird (Mt 10,34-36; vgl. dazu auch Lk 12,51). Ebenso wird damit die richterliche Funktion des Wortes Gottes (des Wortes Jesu) symbolisiert. So sagte Jesus: „Wer mich verachtet und nimmt meine Worte (ῥῆμata) nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort (logos), das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tage.“ (Joh 12,48). Dass Menschen zum Teil auch im Namen Gottes das Schwert in die Hände nahmen, ist Verrat am Evangelium von Jesus Christus.

  1. „und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft.“ (Offb 1,16c).

Diese und ähnliche Beschreibungen gibt es auch an anderen Stellen (Mt 17,2;  Lk 9,29;   Offb 21,23). Der Vergleich ist verständlich, da niemand mit bloßem Auge direkt in die Sonne schauen kann. Die Strahlkraft Jesu übersteigt die der Sonne bei weitem (Apg 26,13; Joh 8,12).

1.4.3 Jesus – der Erste und der Letzte und der Lebendige

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war (ward, wurde) tot, und siehe, ich bin lebendig von (in die) Ewigkeit(en)  zu (der) Ewigkeit(en) und habe die Schlüssel des Todes und des Hades .(Offb 1,17-18).

Im Augenblick des Anschauens des Menschensohnes fällt Johannes zu seinen Füßen und ist wie tot (vgl. 5Mose 9,19 mit Hebr 12,21 – Mose;  Jes 6,5 – Jesaja;  Mt 17,6.  Lk 9,32 – Petrus, Jakobus und Johannes;  Apg 22,7 – Saulus). Als Jesus noch unter den Jüngern war, lag Johannes bei den Mahlzeiten in unmittelbarer Nähe zu Jesus. Die Begegnung des auferstandenen, verherrlichten und erhöhten Christus mit Johannes im Geist, löst eine unerklärliche Furcht und ein Bewusstsein der Nichtigkeit und Ohnmacht aus. Ganz zu schweigen, wie es den römischen Soldaten erging bei der Erscheinung des Engels in Lichtglanz. Auch sie fielen nieder und waren wie tot. Jene hatten keinen Zuspruch bekommen. (Mt 28,2-8). Jesus legte seine Rechte auf Johannes und sprach ihm zu:

„fürchte dich nicht“.

Was für ein Zuspruch! Diese Ermutigung kommt in der Schrift mehr als 300 Mal vor. Wie oft hat Jesus dies seinen Jüngern zugesprochen (Mt 8,26;  10,26.28.31;  Joh 6,20;  Mt 14,27;  17,7;  28,10). Dieser Zuspruch ist nicht als Empfehlung ausgesprochen worden, er steht im Imperativ, wörtl.: „nicht fürchte dich“ Dann begründet Jesus seinen Zuspruch mit:

„Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige“.

 Was wir bereits in den Versen 4 und 8 über das Selbstzeugnis Gottes  erkannt haben – das bezieht Jesus hier auf sich selbst. Dies tut er mit jener Bestimmtheit, die uns aus seiner Selbstbezeugung aus den Evangelien vertraut ist (Joh 8,24.28.58;  13,13.19;  Lk 24,39). Er und der Vater sind eins, sie bilden eine Wesenseinheit. Als Sohn des Vaters ist Jesus der immer Währende Seiende, in dem nach dem Willen des Vaters ewiges, immer währendes Leben ist (Joh 5,26).

„und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in die Ewigkeiten der Ewigkeiten“.

Als Sohn des Menschen starb Jesus und wurde wieder lebendig am dritten Tag. Mit seiner Auferstehung in einem neuen unverweslichen und unvergänglichen Körper lebt er  „ in die Ewigkeiten (Plural.) der Ewigkeiten“ Mit dem `Plural` unterstreicht Jesus sein unendliches Sein, es gleicht einem Kreis, der kein Ende hat.

 

Abbildung 6 Golgatha und das leere Gartengrab erinnern an den Tod und die Auferstehung von Jesus (Zeichnung von J.S 2020).

In der Regel bilden in der apostolischen Verkündigung das Sterben von Jesus und seine Auferstehung den Mittelpunkt. (Apg 2,29-34;  Apg 4,10;  Röm 8,34;   1Kor 15,3-5;  2Kor 5,15;  1Thess 4,14).

 

„und habe die Schlüssel des Todes und des Hades“.

Nachdem Jesus gesagt hat wer er ist, was und wie er ward und wer er in alle Ewigkeiten sein wird, macht er klar, was er hat, nämlich die Schlüssel (Schlüsselgewalt) des Todes und des Hades. Dies spricht von seinem Sieg über den Tod (das Sterben) und damit auch von der Vollmacht andere aus dem Tod herauszuführen. Physischer Tod tritt ein wenn der Geist des Menschen seinen Körper verlässt (Lk 23,46;  Apg 5,5.10;  7,59;  12,23). Tod = Übergang in einen anderen Zustand und entsprechend in einen anderen Existenzbereich. Während der Tod in biblischen Texten in gewissem Sinne personifiziert wird,  ist `tot sein` ein Zustand, den ein Mensch von sich aus (Ausnahme ist Jesus – Joh 10,17-18) nicht ändern kann (Ps 90,3;   104,27).

Was meint Jesus aber  mit `Hades`? In den deutschen Übersetzungen wird dieser Begriff gelegentlich auch mit `die Hölle, das Totenreich` wiedergegeben. In folgenden Texten kommt der griechische Begriff `ὁ ᾅδης – o ad¢s` vor; Offb 1,18;  6,8;  20,13.14;  Mt 11,23;  16,18;  Lk 10,15;  16,23;  Apg 2,27.31. Demnach ist der Hades:

  • Der krasse Gegensatz zu Paradies (Lk 16,22ff;  23,43.46).
  • Er ist als Zustand (und Ort) unüberbrückbar zum Paradies hin (Lk 16,26).
  • Er ist ein Herrschaftsbereich der Finsternis (Mt 16,18: „Pforten, Tore des Hades“ ).

Jesus war im Tod, aber war er auch im Hades? Ist es nicht in Psalm 16,8-11 durch diesen Begriff angedeutet? Immerhin hat er die Schlüsselgewalt (die Macht) auch über den Hades (Offb 20,13-14;  Joh 5,27-29). Er wird alle aus dem Tod (Totenreich) herausrufen. Nachdem Jesus in seinem letzten Ausruf seinen Geist in die Hände seines Vaters übergeben hatte, trat sein physischer Tod ein. Sein Leichnam wurde in eine Felsenhöhle gelegt, aus der er am dritten Tag auferstanden ist. Es ist also müßig darüber zu spekulieren, ob er in dieser Zeit den Toten (Geistern im Gefängnis) das Evangelium gepredigt hätte (1Petr 3,19).  Den Sieg über den Tod und das Totenreich errang er ja erst mit seiner Auferstehung.

1.4.4 Das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben goldenen Leuchter

Schreibe nun, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem geschehen wird! (Offb 1,19).  

Ein zweites Mal wird Johannes von Jesus aufgefordert zu schreiben. Hier wird bestätigt, dass es Gottes grundsätzliche Absicht war, dass seine Worte aufgeschrieben werden sollten (2Mose  24,4: „da schrieb Mose“; 31,18: „die zwei Tafeln waren beschrieben von dem Finger Gottes“ ebenso in 34,1;  4Mose 33,2: „Und Mose schrieb auf nach dem Befehl des Herrn“; Jer 36,2: „Nimm eine Schriftrolle und schreibe darauf alle Worte“; Joh 20,30: „diese aber sind geschrieben“;  Mt 4,4: „es steht geschrieben“). Johannes soll aufschreiben,

  • was er bereits gesehen (und auch gehört) hat – den erhöhten Menschensohn in seiner Herrlichkeit und Vollmacht.
  • was da ist – die sieben Gemeinden, deren gegenwärtigen Zustand, wie Christus sie bewertet.
  • und was danach geschehen wird – die Voraussagen für die Gemeinden, deren geistlichen Kampf, die Bewährung in den Prüfungen und Versuchungen, sowie deren Aussicht beim überwinden.
  • Ebenso soll Johannes die Entfaltung der feindlichen Mächte in ihrer bildhaften Darstellung aufschreiben und den endgültige Sieg Gottes durch Christus bei dessen Wiederkunft.

 

Was das Geheimnis der sieben Sterne, die du auf meiner Rechten gesehen hast, und      die sieben goldenen Leuchter betrifft: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden  (Offb 1,20).

Zunächst gehen wir der Frage nach: Was oder wen symbolisieren die sieben Sterne in (auf) der Rechten des Menschensohnes? Nach der Zuordnung, die Jesus vornimmt, symbolisieren Sterne Boten, gr. `ἀγγέλοουςangelous`. Der im Deutschen verwendete Begriff `Engel` wird in der Bibel in mindestens fünffacher Hinsicht verwendet. In dieser Studie betrachten wir nur drei Zuordnungen.

Erste Zuordnung: Als himmlische Geistwesen, welche von Gott zu verschiedenen Diensten ausgesandt werden (Zum Dienst an den Kindern des Reiches: Mt 18,10-11; Hebr 1,6.14;  Apg 12,11;  27,23; und um die Strafgerichte Gottes auszuführen: 1Mose 19,1ff;  Apg 12,23; Offb 16,1ff). Der Dienst der Engel an den Gläubigen vollzieht sich in der Regel im verborgenen, sozusagen hinter den Kulissen. In der Offenbarung im direkten Auftrag von Jesus an die Gemeinden durch die schriftliche Vermittlung des Johannes (Offb 22,16). Da ihr Dienst in den bildhaften Darstellungen der Offenbarung oft zum Einsatz kommt, gibt es eine Auslegung, wonach es sich bei den Sternen (Engeln) in der Rechten des Menschensohnes um tatsächliche himmlische Geistwesen handelt.  Diese Engel wären dann zuständig für die jeweiligen Ortsgemeinden. Bei dieser Zuordnung gibt es allerdings auch Schwachpunkte. Erstens:. Johannes soll dem für die jeweilige Gemeinde zuständigen Engel schreiben, was Jesus ihm diktiert. Für solch eine Übermittlung göttlicher Botschaften gibt es kein Beispiel in der gesamten Schrift. Die übliche Reihenfolge bei der Übermittlung göttlicher Botschaften ist: Gott der Vater – Jesus der Sohn (oder Heiliger Geist) – Engel (oft, aber nicht immer) – Propheten (Apostel) – das Volk (die Gemeinde). In der Offenbarung ist die Reihenfolge: Jesus – Engel – Johannes – Gemeinden (Offb 1,1: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und indem er (sie) durch seinen Engel sandte, hat er (sie) seinem Knecht Johannes kundgetan, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah“. Offb 1,4: „Johannes an die sieben Gemeinden“. Offb 22,16:„Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden.“ Diese Botschaft des Engels an die Gemeinden übermittelte letztlich Johannes  und zwar in schriftlicher Form. Es wäre unlogisch, das Johannes an einen Engel (himmlischen Boten) schreiben sollte. Zweitens: Der Aufruf zur Umkehr kann nur an Menschen gerichtet werden, die in Sünde gefallen sind, nicht aber an die heiligen Engel. Drittens: In Offb 1,16.20 werden die Engel zunächst  als Sterne bezeichnet. Diese Sterne stellen Engel (Boten) dar. Und sowohl Sterne als auch Engel (Boten) können auch auf Menschen bezogen werden. Dass ein oder mehrere Engel für die sieben Gemeinden (ohne Vermittlung des Johannes) im Hintergrund Dienst versehen haben, ist jedoch unbestritten.

 

Zweite Zuordnung: Eine weitere Deutung wäre, dass es sich bei den Engeln um den oder die Gemeindeleiter handelt. Solch eine Zuordnung könnte abgeleitet werden, weil Gott zu allen Zeiten bestimmte Menschen beauftragt hatte seine Botschaft an andere Menschen zu übermitteln. Der Begriff `angelos` wird auch auf Propheten angewendet (2Chr 36,15-16). Der Vergleich von Maleachi 3,1 mit Mt 11,10;  Mk 1,2 und  Lk 7,27 weist auf  Johannes den Täufer hin. In Lukas 9,52 sandte Jesus Boten (angelous) voraus. Und in Matthäus 10,5 sendet Jesus seine Jünger, damit sie  ev-angel-isieren). Und daher gibt es auch die Ansicht, dass die `angelous ` die jeweiligen Gemeindeleiter  symbolisieren könnten. Immerhin hatte Jesus selbst Leitungsdienste in der Gemeinde eingesetzt. Das markanteste Beispiel ist die Beauftragung von Petrus mit dem Hirtendienst (Joh 21,15-17). Der Ap. Petrus, als Mitältester, ermahnt und ermutigt die Ältesten der Gemeinden in der Diaspora zum  vorbildlichen Hirtendienst (1Petr 5,1-4). Ebenso tut es der Ap. Paulus im Abschiedsgespräch mit den Ältesten der Gemeine Ephesus (Apg 20,28;  dazu auch 1Tim 3,1-5). Leitung durch verschiedene Gabenträger  in der Gemeinde ist ein fester Bestandteil für die Stabilität und das gesunde geistliche Wachstum der Gläubigen (Eph 4,11ff). Doch auch diese Zuordnung scheint nicht einwandfrei aufzugehen. Zum einen, weil das so genante `Ein Mann` Leitungssystem nicht der neutestamentlichen Gemeindepraxis entsprach. Damit hätte Jesus den negativen Trend der Entwicklung jener Zeit und auch der späteren Kirchenpraxis legitimiert, was unwahrscheinlich ist (3Joh 1,9ff).

 

Dritte Zuordnung: Jesus wendet sich zwar in der `Du-Form` an den jeweiligen Engel (Boten) der Gemeinde, meint jedoch die ganze Gemeinde. Bereits Zion und Jerusalem ist die Verkünderin `ev-angel-izomenos` der Frohen Botschaft (Jes 40,9). In der Vision von Offb 21,12 sind auf den 12 Toren 12 Engel postiert und die Erklärung dazu, sie stehen für die 12 Stämme der Israeliten, also für das gesamte Volk. Auch später heißt es immer wieder: „was der Geist den Gemeinden sagt“. Oder: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden.“ (Offb 22,16). Daher kann unter dem Symbol des Engel-Boten auch die ganze Gemeinde gemeint sein. Die meisten Briefe des NT sind ebenfalls an Gemeinden geschrieben worden (Phil 1,1-2; 1Kor 1,1f). Näheres dazu später in den Sendschreiben.

Die Bestimmung der Sterne

Fixsterne erfüllen zum Beispiel die Funktion als natürliche Wegweiser (1Mose 1,16-18; Ps 136,9). In Psalm 147,4 steht: „Er zählt die Zahl der Sterne, er ruft sie alle mit Namen“. Doch bereits seit 1Mose 15,5 stehen Sterne symbolhaft auch für Menschen des Volkes Gottes. So verhieß Gott Abraham:  „so zahlreich sollen deine Nachkommen sein“. Und am Ende der vierzigjährigen Wanderung erinnerte Mose das inzwischen zahlreich gewordene Volk an jene Verheißung Gottes (5Mose 1,10; 10,22). Nach 1Mose 37,9 stehen Sterne auch symbolhaft für die Erzväter. Und in Daniel 12,3 lesen wir: „Und die Verständigen werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ Die Leuchtkraft  der Gerechten vergleicht Jesus sogar mit dem Glanz der Sonne (Mt 13,43). Doch bereits jetzt sind sie durch Jesus das Licht der Welt (Joh 8,12;  Mt 5,14).  Und an die Philipper schreibt Paulus: „Ihr seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter (gr. phost¢res) in der Welt,“ (Phil 2,15).

Der 12 Sternenkranz in Offenbarung 12,1 symbolisiert in Verbindung mit Offb 21,12-14 sowohl die 12 Stämme Israels als auch die 12 Apostel des Lammes. Damit wäre auch die Verbindung zwischen dem alt- und neutestamentlichem Volk Gottes als  geistliche Einheit bestätigt. Siehe auch (Hebr 11,12: „Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel“). Damit wird deutlich, Sterne symbolisieren das gesamte Volk Gottes. Warum nicht auch einzelne Ortsgemeinden?

Beeindruckend ist, dass diese Sterne in der Rechten Hand des Menschensohnes festgehalten werden. Die Rechte des Herrn steht für seine Stärke und Wirksamkeit. So spricht der Herr durch den Propheten Jesaja 41,10: „fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ (vgl. Jes 48,13). Der gute Hirte Jesus sagte: „und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (Joh 10,28-29; vgl. dazu auch Jes 49,16: „Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet“). Damit wird durch das Symbol der Sterne in der Rechten des Menschensohnes der Aspekt hervorgehoben, dass die Gemeinden als Ganzes (Leitungsdienste eingeschlossen) in Jesu Hand  geborgen sind. Sie werden von ihm festgehalten, geprägt und in seiner Vollmacht zum Dienst in dieser finsteren Welt beauftragt. Diese Zuordnung scheint zutreffender zu sein. Dadurch wird der Dienst und Auftrag der Gemeinden nach außen hin hervorgehoben.

 

und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden (Offb 1,20c).

Wie Jesus erklärt, symbolisieren die sieben goldenen Leuchter:

vordergründig sieben historische Lokalgemeinden in der damaligen römischen Provinz Asia. Diese sieben Gemeinden sind in einer bestimmten geographischen und wohl auch inhaltlichen Reihenfolge beschrieben und zwar im Uhrzeigersinn.

Sie stehen auch für alle Gemeinden jener Epoche, denn überall zeichneten sich ähnliche Entwicklungen ab.

Sie stehen für die Gemeinde aller Zeiten, denn durch die Zahl 7 wird die Vollständigkeit ausgedrückt (Mt 16,18;  Eph 1,23;  4,4). Durch das Symbol der Leuchter wird das Innenleben der Gemeinde betont, die Anbetung Gottes und die Gemeinschaft untereinander.

 

1.5 Die sieben Sendschreiben

(Bibeltexte: Offb 2-3)

Allgemeines

Beim sorgfältigem lesen fällt auf, dass die Sendschreiben eine bestimmte Reihenfolge aufweist. Sie sind geographisch im Uhrzeigersinn angeordnet. Es beginnt mit Ephesus und schließt mit Laodizea. Während Thyatira in der Mitte vom Inhalt her den meisten Text aufweist, stehen sich die Ortsgemeinden Ephesus und Laodizea mit den meisten Mängeln gegenüber. Ebenso Pergamon und Sardes, bei denen Jesus noch lobenswertes oder lebendes vprfindet. Nur die Gemeinden Smyrna und Philadelphia bekommen ausschließlich Lob und Zuspruch.

Allen Sendschreiben ist typisch:

  • „Das sagt der …“
  • „Ich kenne (ich weis) …“
  • „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: …“
  • „Wer überwindet …“

Jesus hat keine dieser Gemeinden aufgegeben. Jede Gemeinde bekommt mit, was den anderen gesagt wird.

 

1.5.1 An die Gemeinde in Ephesus schreibe

(Bibeltext: Offb 2,1-7)

Die Entstehungsgeschichte der Gemeinde in Ephesus ist uns aus der Apostelgeschichte bekannt. Etwa im Frühling des Jahres 53 n.Chr. kam Paulus nach Ephesus (Apg 19,1-7). Nach seinen eigenen Worten, verbrachte er dort drei Jahre. Dabei wurde eine gute Glaubensgrundlage gelegt. Durch den treuen Dienst des Apostels bekamen sie den gesamten Ratschluß Gottes vermittelt (Apg 20,27ff). Von Ephesus aus breitete sich das Evangeium in der ganzen Provinz Asia aus (Apg 19,10). Auch durch den treuen Dienst von Timotheus wurde die Gemeinde im Glauben gefestigt (1Tim 1,5).

Ende des 1. Jh. steht die Gemeinde bereits in der dritten Generation und es scheint alles gut zu funktionieren.

Und nun beauftragt Jesus Johannes:

„Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe:“

Bereits zum dritten Mal hören wir den Auftrag von Jesus an Johannes zu schreiben.  In der Zeit gab es bereits pseudo Schriften (2Thes 2,2). Jesus wusste, dass die mündliche Überlieferung sehr bald verdreht werden konnte (Lk 1,1).

Jesus  stellt sich zunächst der Gemeinde vor:

„Dies sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten festhält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt:“

Jeder Gemeinde stellt sich Jesus mit speziellen Eigenschaften vor, wobei `die sieben Sterne` auvh im Schreiben an die Gemeine Sardes erwähnt werden.  Diese veiden gelten den Ephesern, schließen aber auch alle anderen mit ein. Das ist auch logisch, weil es Sinn macht am Anfang gesagt zu werden. Alle sieben Boten als Gemeinden sind in seiner rechten Hand, sie sind in seinem Blickfeld und seiner Reichweite. Er wandelt, geht umher, er ist unterwegs wirksam, tärig.

Und dann beginnt Jesus mit der Inventur bei den Ephesern, dabei macht er als erstes eine Bestandsaufnahme. Hier die Liste:

  1. „Ich kenne deine Werke“ genauer: „ich weis um deine Werke“
  2. „und deine Mühe (Mühsal, Anstrengun, Arbeit)

und du hast Ausharren“

3.ggg. und hast vieles getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden

4.ggg

1Joh 4,7-16

Eph 2,4

Röm 5,5

1Tim 1,5

Gal 5,6

Röm 13,10

Joh 13,33

1Thes 1,3

1Kor 13,1-13

 

 

 

Der Bote der Gemeinde ist angesprochen und damit die Gemeinde. Gleich zu Beginn wird deutlich gemacht, wer das Sagen hat. Es ist Jesus der Menschensohn, der sich davor in all seiner Autorität vorgestellte hatte. Es ist immer noch der, welcher in Vollmacht sagte: „Ich aber sage euch“ (Mt 5). Und es ist der, über den die himmlische Stimme des Vaters aussprach: „Auf ihn höhrt“ (Mt 17,5).  Er ist der umhergehende unter den Gemeinden, denn sie kommen von ihm, er ist ihr Gründer, ihr Haupt aber auch ihr Herr.

 

Wer ist der Kompetente, der genau bewerten lann? Was vedeutet es, in der rechten Hand des Menschensoshbes gehalten zu werden? Was meint er mit: inmitten der sieben goldenen Leuchter zu wandeln“. Wir werden zu euch kommen. Ich komme zu euch. Ich bin bei euch alle Tage…

 

 

4 Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5 Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich zu dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.

Die erste Liebe! Röm 5,5; 1Joh 2, „Gott ist Liebe“; Joh 13,33: „Liebt einander, wie ich euch heliebt habe“; Joh 11,9.13; „d“ 1Kor 13,1-13: „und hätte der Liebe nucht“; 1Thes 1,1-3: „Werk im Glauben, Arbeit in der Liebe, Geduld in der Hoffnung“.    dd

6 Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten[2] hasst, die auch ich hasse.

 

7 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist.“

Lk Lk 22,50; Joh 18,10 das rechte Ohr ab

Jes 50,4 weckst mir das Ohr

1Sam 20,13: deinem Ohr enthüllen

Ps 34,16 seine Ohren auf ihr

1.5.2 An die Gemeinde in Smyrna schreibe

(Bibeltext: Offb 2,8-11)

Die Hafenstaadt Smyrna (heute Izmir) liegt etwa 80 km nprdoich von Ephesus entfernt. Neben Pergamon im Nordpsten und Ephesus im Süden war sie die drittbedeutendste Metropole im Westen Kleinasiens.Wie auch in den anderen zwei Städten blühte auch hierneben vielen heidnischen Kulten auch  der Kaiserkult. Auch die jüdische Gemeinschaft war hier anerkannt und ünte ihren Einfluss aus.

Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war (ward) und wieder lebendig wurde: (Offb 2,8).

Jersus nimmt zwar Bezug auf seine Aussage in Kapitel 1,17-18. Er erinnert aber dadurch an Golgatha. Anders als alle andere Menschen war er sündlos, d.h. er war lebendig. Wir alle jedoch tot in inseren S+nden und Übertretungen (Eph 2,1-5). Und es sagt der Erste und der Letzte, dasist eine Art  Wiedererkennungszeichen (Jes 44,6; 48,12; Offb 1,17; 22,13). Und diese Vorstellung passt auf die Situation der Gemeinde und deren Perspektive, die Jesus ihnen gibt.

Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans“ (Offb 2,9).

Drei Bereiche von denen Jesus der Gemeinde sagt, ich weis, ich kenne:

  1. „Ich weiss um deine Bedrängnis“ (Offb 1,9; Joh 16,30).
  2. „Ich weiss um deine Armut, du bist aber reich“ (Jak 2,5; 1Tim 6,9).
  3. „Ich weiss um die Lästerungen derer, die sagen …“ (Apg 13,45; 18,6).

 „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst!“ (Mk 13,9-11; Apg 4,1ff; 21,11-13; 1Thes 2,14).  

„Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Bedrängnis haben zehn Tage.“

Der Satan – Gegner, der Teufel – Durcheinanderbringer (Lk 22,31).

10 Tage – es ist eine begrenzte Zeit, sicher nicht alle auf einmal, sondern etliche. Zum Zeugnis

um geprüft zu werden, nicht versucht. Prüfung ist auch eine Art von Leuterung. (Lk 11,49;  22,31).

„Sei treu bis zum Tod! Und ich werde dir den Siegeskranz des Lebens geben.“

Der Siegeskranz: Im griechischen wird zwischen Krone – Diadem und Kranz – Stefanos unterschieden. In diesem Text wird der Begriff ` στέφανος –  stefanos – Siegeskranz` verwendet.

Der Ap. Paulus entnahm das Bild vom Siegeskranz aus dem Sportkampf der Athleten im Stadion: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz (Siegeskranz) empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“ (1Kor 9,24-25).

In den Texten des NT wird der Kranz meistens mit einem Zusatz versehen. Beispiele:

  • `Kranz aus Dornen` also `Dornenkranz` bei der Kreuzigung Jesu (Mk 15,17; Mt 27,29; Joh 19,2-5). Dieser wurde ihm zur Verspottung und Entwürdigung aufgesetzt.  Jesus wurde zum größten Sieger aller Zeiten, denn er gab den Kampf nicht auf bis in den Tod und siegte dadurch. Er legte den Grund für den wahren und unvergänglichen Siegeskranz für alle, die an ihn glauben.
  • Als `Kranz des Sieges` (2Tim 2,5; Offb 3,11; 6,2).
  • Als `Kranz der Gerechtigkeit` (2Tim 4,8). Dieser ist bereitet allen, die wie Paulus den guten Kampf bis zum Ende kämpfen.
  • Als `Kranz des Lebens` (Offb  2,10; Jak 1,12). Der Kranz des Lebens ist das geistliche Leben aus Gott durch den Glauben an Jesus Christus.
  • Als `goldene Kränze` (Offb 4,4.10) die 24 Älteste tragen sie; ebenso der himmlische Bote, gleich einem Menschensohn (Offb 14,14).
  • Als `unvergänglicher Kranz der Herrlichkeit` (1Petr 5,4; verheißen den treuen Hirten).
  • Als `Ruhmeskranz` (1Thes 2,19; Phil 4,1).

Siegeskranz (Kränze) werden im NT 16 Mal erwähnt. Und nur 1 Mal ausdrücklich bezogen auf feindliche Heere, allerdings mit dem Zusatz wie oder als ob.  Zitat: „Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen (war es) wie Siegeskränze dem Gold gleich (ähnlich), …“  (Offb 9,7). Diese Siegeskränze sind eine Täuschung. Bei allen anderen Textstellen geht es um echte Siegeskränze.

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod. (Offb 2,11).

Wer ein Ohr hat … (Jes 50,4). Was den Gläubigen in der Gemeinde Smyrna gesagt wird, das vermittelt der Geist Gottes auch an alle anderen Gemeinde.

Dem Siegenden wird kein Leid geschehen von dem `zweiter Tod`  (Offb 20,6.14; 21,8; Mt 25,46; 2Thes 1,9).

 

1.5.3 An die Gemeinde Pergamon

(bibeltext: Offb 2,12-17)

Pergamon, der Name der Stadt ist in dem dort erfundenem Schreibmaterial Pergament wiederzufinden. Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück. Die Lage von Pergamon war mit ausschlaggebend für ihre Entwicklung und Bedeutung. Bis heute hat sie ihren Namen bewahrt.

Johannes bekommt den Auftrag von Jesus auch dieser Gemeinde im Rahmen der Gesamtoffenbarung  einen Brief zu schreiben. Über die Gründungszeit und Umstände gint es zwar keine Informationen, doch es liegt nahe, dass diese Gemeinde im Zusammenhamg der Asienmission des Ap. Paulus entstanden ist (Apg 19,1ff). Möglich ist auch, dass sie von Alexandrea Troas aus erreicht wurde.

Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe: Dies sagt der, der das zweischneidige, scharfe Schwert hat: Das sogenannte zweischmeidige scharfe Schwert ist das Wort Gottes. Es geht aus dem Mund von Jesus hervor und ist sowohl treffsicher als auch wurksam (Offb 1,16; 2,16; 19,15; Eph 6,17; Hebr 4,12). Mit dieser Vorstellung wird gleich zu Beginn angedeutet was die Kernproblematik in dieser Gemeinde ist.

 

13 Ich weiß, wo du wohnst; wo der Thron des Satans ist“

Was bedeutet die Bezeichnung: `Satans Thron? In der Offenbarung kommt dieser nur 3 Mal vor: Offb 2,13; 13,2;  16,10). Auch er hat Macht, jedoch ist diese begrenzt in jeder Hinsichz (räumlich: Hiob; Offb 13,1-5; zeitlich: Hiob; Lk 4,13; Offb 2,10; 201-4;  und inhaltlich: Hebr 2,14). Lk 4,6; Mk 3,27; Mt 12,29; Lk 10,18; Joh 8,44; 12,30; 16,11.

 

„und du hältst meinen Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen des Antipas, meines treuen Zeugen, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist.

Der Satan ist in Pergamon zu Hause, er wohnt dort. Es gibt viele Altäre und Tempel,die verschiedenen Göttern gewidmet wurden. Paulus schreint: „Was die Völker opfern, das opfern sie den Dämonen“ (1Kor 10,21). Wenn die Gläubigen bei diesen Festen teilnahmen, waren sie auch in deren Gemeinschaft.

 

Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Fallstrick vor die Söhne Israel zu legen, sodass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben.“ (2,14).

So lesen wir in 4Mose 25,1: „Und Israel blieb in Schittim. Und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moabs“. Paulus schreibt: „Auch lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend.“ (1Kor 10,8)

 

So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten.“ (2,15).

Die Lehre der Nikolaiten ist von der Gemeinde Ephesus erkannt und erfolgreich abgelehnt worden. Hier in Pergamon hatte sie Angänger bekommen. Da sie sonst in keinem Text der Bibel erwähnt wird, sind wir auf Vermutungen angewiesen.

 

16 Tu nun Buße! Wenn aber nicht, so komme ich ⟨zu⟩ dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwert meines Mundes.“

 

17 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weißen Stein geben und, auf den Stein geschrieben, einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt.

 

1.5.4 An die Gemeinde Thyatira

(Bibeltext: Offb 2,18-29)

Die Gemeinde in Thyatira ist die vierte von den sieben und hat den größten Textumfang. Die Stadt Thyatira, das heutige Akhisar in der Türkei, war in der Antike eine bedeutende Handels- und Industriestadt in der kleinasiatischen Landschaft Lydien. Sie lag im Lykostal, an der Straße von Pergamon nach Sardes. Erwähnt wird sie in der Apostelgeschichte 16,14: „Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira,“ Dieser Bezug bestätigt die Bedeutung der Stadt, in der die Textilindustrie florierte.

 

„Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe: Dies sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und Füße  gleich glänzendem Erz: (Kupfer)“ (Offb 2,18).

Der Menschensohn aus Kapitel 1,10-20 stellt sich dieser Gemeinde vor als Sohn Gottes. Es wird klar, durch seine Menschwerdung hat Jesus seinen Stand (Status) als `Sohn Gottes` nicht aufgegeben (Joh 10,36; Lk 22,70; Phil 2,6-11).

Seine Augen durchdringen alles (Offb 1,14; 19,12) und seine Füße (wie im glühenden Ofen) glänzendes Kupfer, weisen auf seinen durch Leiden des Todes geläuterten festen Stand hin (Offb 1,14-15; Hebr 2,9).

 

„Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und dein Ausharren und weiß, dass deine letzten Werke mehr sind als die ersten.“  (Offb 2,19).

Die Vestandsaufnahme ist positiv:

  • Ich kenne deine Werke,
  • Ich kenne deine Liebe,
  • Ich kenne deinen Glauben,
  • Ich kenne deinen Dienst,
  • Ich kenne deine Geduld.
  • Ich weis dass deine letzten Werke mehr sind als die ersten..

 

„Aber ich habe gegen dich, dass du das Weib Isebel gewähren lässt, die sich eine Prophetin nennt und meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.“ “(Offb 2,20).

Isebel, die phänizische Prinzessin und Frau von dem gottlosen König Ahab in Samaria (1Kön 16,31-2Kön 9,37). In jenen Texten wird die wohl berüchtigste Frau in der Israelitische Geschichte beschrieben. Götzendienst war in der Regel mit sexueller Ausschweifung verbunden. Unzucht auch im Sinne von Gemeinschaft mit Götzen. Der Ap. Paulus erklärt es so: „waman da opfert, das opfert man den Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr mit den Dämonen Gemeinschaft habt“(1Kor 10,20-21).

 

„Und ich gab ihr Zeit, damit sie Buße tue (umdenkt, umkehrt) und sie will nicht Buße tun ((umdenken, umkehren) von ihrer Unzucht. Siehe, ich werfe sie aufs Bett und die, welche Ehebruch mit ihr treiben, in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun (umdenken, umkehren) von ihren Werken. 23 Und ihre Kinder werde ich mit dem Tod töten, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht; und ich werde euch einem jeden nach euren Werken geben.“ “(Offb 2,21-23)..

 Was ist Götzendienst? 1Sam 15,23; Lk 16,13; 1Tim 6,10; Kol 3,5; 1Petr 4,3.

 

„Euch aber sage ich, den Übrigen in Thyatira, allen, die diese Lehre nicht haben, welche die Tiefen des Satans, wie sie es nennen, nicht erkannt haben: Ich werfe keine andere Last auf euch.  Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme! “ (Offb 2,24-25).

Bewahren: Mt 28,19; 2Tim 1,14

„Und wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben.“ “(Offb 2,26-28).  

  • Macht über die Nationen: (Ps 2,9; Offb 12,5; 19,15).
  • Der Morgenstern ist Jesus selbst (2Petr 1,19; Offb 22,16).

 „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 2,29).

Jesus spricht und der Heilige Geist teilt jedem Gläubigen und jeder Gemeinde mit: Lehre, Ermahnung, zurechtweisung, Trost, Zuspruch.

 

1.5.5 An die Gemeinde in Sardes schreibe

(Bibeltext: Offb 3,1-6)

Die Stadt Sardes befand sich etwa 80 km östlich von Smyrna (in der heutigen Westtürkei). Sie war Hauptstadt von Lydien. Die Archäologen entdeckten im Stadtgebiet von Sardes Fundamente einer jüdischen Synagoge von beträchtlichen Ausmaßen. Die Entstehung der christlichen Gemeinde geht höchstwahrscheinlich auf den Verkündigungsdienst des Apostels Paulus, bzw. seiner Mitarbeiter zurück (Apg 19,10. 20-22). Inzwischen sind etwa 40 Jahre vergangen und nun meldet sich Jesus zu Wort.

 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Dies sagt der, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot.“  (Offb 3,1).

Jesus stellt sich zunüchst in der 3. Person vor, Es sagt der:

  • Der die sieben Geister Gottes hat (1,4; 3,1; 4,5; 5,6; 2Mose 25,31-39; Jes 11,1-3; 42,1-2; 61,1; Sach 3,9; 4,1-6.10; Joel 3,1-2; Eph 4,1-4). Wie kam Jesus dazu? Zuerst sagt Jesus was dazu, dann der Ap. Petrus (Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16; Joh 1,33; 16,6; 20,22; Apg 1,5; 11,16; 2,33. 38-39).
  • Der die sieben Sterne (in seiner Rechten) hat (Offb 1,16.20; 2,1; 3,1; Jes 41,10; 49,16; Joh 10,27-28).

Nachdem sich Jesus vorgestellt gatte, kommt er sehr schnell auf das Kernproblem in der Gemeinde Sardes zu sprechen. Die Gemeinde zeichnet sich zwar aus durch ihr Namensbekenntnis, doch Jesus bescheinigt ir geistlich tot zu sein. Was bedeutet geistlich tot sein? Zu diesem Thema hat Jesus schon früher etwas gesagt (Mt 15,8). Ebenso der Ap. Paulus (1Tim 5,3-8; 2Tim 3,1-9). Die Neigung zum geistlichen Schlaf ist ein Grundproblem bei den Gläubigen (Mt 24,42; 25,13; 26,41; 1Petr 5,8).

Doch dann kommt auch gleich die Aufforderung: „Wach auf und stärke das Übrige, das im Begriff stand zu sterben! Denn ich habe vor meinem Gott deine Werke nicht als völlig befunden.“ (Offb 3,2). Dier Aufruf, wach zu werden ist an die Gläubigen bereits zur Apostelzeit ergangen (Eph 5,14; Röm 13,11-14). Und dann sollen sie die aufritteln, welche im Begriff sind einzuschlafen (geistlich zu sterben). Warun diese Reihenfolge?

„Denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße! Wenn du nun nicht wachst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb 3,3).

Das Bild oder der Vergleich mit dem Dieb in der Nacht finden wir auch in Offb 16,15; Mk 13,35-37;  Mt 24,43; 1Petr 3,10; 1Thes 5,1-4). Es hört sich nach einer Drohung an, doch diese Angelegenheit ist so wichtig, dass Jesus hier sehr deutliche Worte gebraucht.

„Aber du hast einige wenige Namen  in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, der wird so mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen und seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ (Offb 3,4-5).

Wer schützt nicht seine neue und saubere Kleider vor Verschmutzung? Wie viel größer sollte unsere Sorge sein, die von Gott so teuer erkaufte Gerechtigkeit vor Verschmutzung durch Sünde zu schützen? Überwinden kostet Kraft, kein Sieg ohne Kampf. Weiße Kleider sind ein Symbol für Reinheit und Gerechtigkeit (Offb 3,18; 4,4; 7,9.13-14; 19,8; 6,11; Jes 1,18).

Das Buch des Lebens ist ein Thema, dass sich durch die gesamte Heilige Schrift zieht. Bereits Mose wusste davon: 2Mose 32,32f; Ebenso der König David: Ps 69,29; Und Jesus spricht von der wahren Freude derer, deren Namen im Himmel eingetragen sind  Lk 10,20). Weitere Stellen: Phil 4,3;  Offb 17,8; 20,12-15).

Weiter sagt Jesus: Ich werde seinen Namen bekennen vor dem Vater und seinen Engeln (Mt 10,32; Lk 12,8).

„Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,6).

Gilt dieses Sendschreiben auch uns heute? Trifft es auch auf uns (teilweise) zu?

 

1.5.6 An die Gemeine in Philadelphia schreibe

Die Stadt Philadelphia (heute Allahsehir) war etwa 130 km östlich von Smyrna (heute Izmir)  gelegen. Sie lag an der Verbindungstrasse zwischen Sardes im Westen und Kolossä im Osten. Der Name der Stadt bedeutet Bruderliebe. In dieser Gemeinde gibt es nichts zu tadeln. Mit Smyrna als zweitgenannte hat sie als sechste einiges gemeinsam  Doch Jesus hat auch für sie  eine besondere Botschaft. Schauen wir uns die Detailaussagen genauer an.

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige; (Offb 3,7a).

Der `Heilige` bedeutet auch der Ausgesonderte, der Geweihte.  (Lk 1,36; Joh 10,36; Apg 3,14; 4,27+30; 13,35;  Hebr 7,26). „Der Wahrhaftige“ sagt von sich selbst: „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6). Oder:„dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1Joh 5,20; Jer 10,10). Er ist „der wahrhaftige Zeuge“ (Offb 3,14).

 

Der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schließen, und schließt, und niemand wird öffnet. (Offb 3,7b)

Das Bild vom Schlüssel hat mit Machtbefugnis zu tun, aber auch mit Verantwortung. David hatte als König die Vollmacht, das letzte Wort. Jesus als der Spross (Nachkomme) Davids hat alle Vollmachten übertragen bekommen von seinem Vater (Mt 28,18; Dan 7,13-14; Lk 1,31-33). Er selbst bezeugte: „Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades.“ (Offb 1,18). Jesus hat zwar auch Petrus und die übrigen Apostel (und die 70) mit besonderen Vollmachten ausgestattet (Mt 16,19; 18,19; Lk 10,19), doch seine Schlüsselgewalt (das letzte Wort) hat er niemals aus der Hand gegeben. Missbrauch der Schlüsselgewalt hat Konsequenzen: (Lk 11,52).  

Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. (Offb 3,8).

Ich kenne deine Werke“ steht im Zusammenhang mit: „du hast eine kleine Kraft“

Was bedeutet die offene Tür?

Es handelt sich um Möglichkeiten, die Jesus wirkt (1Kor 16,9; 2Kor 2,12; Kol 4,3), Es sind Zugänge, neue Perspektiven,(Offb 4,1). Möglichkeiten, die Gott gibt. Doch wenn Jesus die Tür schließt, kann niemand öffnen (Mt 25,10-11; Lk 13,25). Was bedeutet, den Namen Jesu nicht verleugnen?  (Mt 10,33; Lk 12,9).

Siehe, ich gebe Leute aus der Synagoge des Satans, von denen, die sich Juden nennen und es nicht sind, sondern lügen; siehe, ich werde sie dahin bringen, dass sie kommen und sich niederwerfen vor deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.“ (Offb 3,9). Es gab auch in dieser Stadt eine jüdische Synagoge. Ähnlich wie Jesus, so definiert auch der Ap. Pauslus wer ein wahrer Jude ist (Röm 2,28-29). Was bei den Menschen unmöglich scheint kann Jesus machen. Die verhärteten Fronten aufbrechen. Doch dies tut Jesus nur in dieser Gemeinde, warum nicht in den anderen Gemeinden?  Philadelphia ist von Jesus geliebt!

Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.“ (Offb 3,10). Die Stunde der Versuchung, wann war sie oder steht sie noch aus? Trifft sie alle Erdbewohner auf einmal oder erlebt jede Generation, ja jeder Mensch dies aif seine Weise? (Offb 2,10; Jak 1,13; 1Thess 3,5; Lk 22,31; Offb 20,7-8; Offb 8,13; 9,4; 11,10; 13,8; 13,14;  14,6;  17,2; 17,8 Mt 24,13; 2Thess 2,10).  

„Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!“ (Offb 3,11).  Zu `Siegeskranz – stefanos` siehe den Abschnitt 4,1.

Wer überwindet, den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.“ (Offb 3,12).

Warum zur Süule? (Gal 2,10: die als Säulen angesehen wurden“ Tragende Funktionen innehaben und dies für immer).

Der Name meines Gottes (Jesus als Menschensohn sagt zu seinem Vater „mein Gott“): der Name Gottes: JHWH – der Ewige, Seiende, sozusagen dem Ewigseienden gehörend.

Der Name der Stadt Gottes, das Neue Jerusalem (Gal 4,26; Hebr 11,10; 12,22; Offb 21,2; 20,9).

Wird Jesus einen neuen Namen tragen? (Offb 19,12).

 „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,13).

(Zuerst redet Jesus zu Johannes, dann schreibt Johannes den Inhalt den Gemeinden und dann sollen die Gläubigen hören, was der Heiliege Geist jedem Einzelnen zu sagen hat. Wie das Gesagte und geschriebene im Einzelfall angewendet werden soll (Joh 14,26).

 

Offb 1,18; Jes 22,22), ὁ ἀνοίγων καὶ οὐδεὶς κλείσει καὶ κλείων καὶ οὐδεὶς ἀνοίγει·

8 οἶδά σου τὰ ἔργα, ἰδοὺ δέδωκα ἐνώπιόν σου θύραν ἠνεῳγμένην (1Kor 16,9), ἣν οὐδεὶς δύναται κλεῖσαι αὐτήν, ὅτι μικρὰν ἔχεις δύναμιν καὶ ἐτήρησάς μου τὸν λόγον (Lk 11,28) καὶ οὐκ ἠρνήσω τὸ ὄνομά μου.

9 ἰδοὺ διδῶ ἐκ τῆς συναγωγῆς τοῦ σατανᾶ τῶν λεγόντων ἑαυτοὺς Ἰουδαίους εἶναι, καὶ οὐκ εἰσὶν ἀλλὰ ψεύδονται. ἰδοὺ ποιήσω αὐτοὺς ἵνα ἥξουσιν καὶ προσκυνήσουσιν ἐνώπιον τῶν ποδῶν σου καὶ γνῶσιν ὅτι ἐγὼ ἠγάπησά σε.

10 ὅτι ἐτήρησας τὸν λόγον τῆς ὑπομονῆς μου, κἀγώ σε τηρήσω ἐκ τῆς ὥρας τοῦ πειρασμοῦ τῆς μελλούσης ἔρχεσθαι ἐπὶ τῆς οἰκουμένης ὅλης πειράσαι τοὺς κατοικοῦντας ἐπὶ τῆς γῆς. (Offb 8,13; 11,10; 13,8; 13,14;  14,6;  17,2; 17,8)

11 ἔρχομαι ταχύ· κράτει ὃ ἔχεις, ἵνα μηδεὶς λάβῃ τὸν στέφανόν σου. (1Kor 9,25;Phil 4,1; 2Tim 2,5; 2Tim 4,8; Jak 1,12; 1Petr 5,4; Offb 2,10; 6,2; 4,4; 4,10; 9,7; 14,14)

12 Ὁ νικῶν ποιήσω αὐτὸν στῦλον ἐν τῷ ναῷ τοῦ θεοῦ μου (Gal 2,10) καὶ ἔξω οὐ μὴ ἐξέλθῃ ἔτι καὶ γράψω ἐπ᾽ αὐτὸν τὸ ὄνομα τοῦ θεοῦ μου καὶ τὸ ὄνομα τῆς πόλεως τοῦ θεοῦ μου, τῆς καινῆς Ἰερουσαλὴμ ἡ καταβαίνουσα ἐκ τοῦ οὐρανοῦ ἀπὸ τοῦ θεοῦ μου (Eph 2,19-20; Gal 4,26; Hebr 11,10; 12,22; 1Petr 2,3-4;  Offb 21,2; 20,9), καὶ τὸ ὄνομά μου τὸ καινόν  (Offb 19,12).

13 Ὁ ἔχων οὖς ἀκουσάτω τί τὸ πνεῦμα λέγει ταῖς ἐκκλησίαις.

 

1.5.7 An die Gemeinde in Laodizea schreibe

(Bibeltext: Offb 3,14-22)

Laodizea, der Name bildet ein zusammengesetztes Wort. `laos` bedeutet Volk und `dikia` bedeutet Gerechtigkeit, es könnte etwa mit `Volksgerechtigkeit` übersetzt werden. Die Stadt lag im Lykostal an der Hauptroute von Epheseus in das Anatolische Hochland nach Antiochien und Ikonion.

Bereits in den fünfziger Jahren des 1. Jh. schrieb der Ap. Paulus einen Brief an die Gläunigen in Laodizea. Leider ist dieser Brief nicht erhalten geblieben (Kol 4,16). Da jedoch der uns bekannte Brief an die Kolosser auch in der Gemeinde der Laodizeer vorgelesen wurde, ist es sinnvoll diesen in unssere Betrachtuung miteinzubeziehen.

Kolosser 2,1 „Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich für euch und für die in Laodizea und für alle führe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben,“ Laodizea lag östlich, Kolossä lag südlich und Hierapoliss lag nördlich in einem Dreiek etwa 180-200 km von Ephesus entfernt. Der Apostel schreint weiter: „Ich bezeuge ihm (Epaphras), dass er viel Mühe hat um euch und um die in Laodizea und in Hierapolis.“  (Kol 4,13). Aus der Gemeinde der ersten Generation sind uns durrch den Kolosserbrief neben einer Vielzahl an Gäubigen auch eine Hausgemeinde mit der Hausvorsteherin Namens Nympha überliefert worden. Sp schreibt der Apostel: „Grüßt die Brüder und Schwestern in Laodizea und Nympha und die Gemeinde in ihrem Hause.“ (Kol 4,15). Zwischen Kolossä und Laodizea gab es regen Austausch. „Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde von Laodizea gelesen wird und dass ihr auch den von Laodizea lest.“ (Kol 4,16). Es gibt sogar Hinweise dafür, dass der Ap. Paulus in jener Gegend war und zwar zum Ende seines Asiendienstes (Apg 19,22; Phlm 1,22).

Und bereits nach etwa 40 Jahren war der geistliche Stand der Gemeinde auf dem Tiefpunkt.

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, „der Amen“, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes“ (Offb 3,14).

Es fällt auf, dass Jesus ist `der Amen` (Hosea 12,1;  2Kor 1,20), Das hebräische Wort wirde in die griechische Sprache übernommen. In den Evangelien kommt dieses bestätigende Wort 65 Mal vor und zwar immer von Jesus ausgesprochen und wird übersetzt mit `wahrlich`. Im Johannesevangelium als Doppelte Bestätigung und immer um eine wichtige Aussage einzuleiten. Doch auch die Apostel und NT Autoren benutzen dieses bestätigende Wort in ihren Briefen. Es ist wie eine Unterschrift, wie ein Stempel als Bestätigung des vorher gesagten, aber auch dem, was gesagt wird.

Und er stellt sich vor mit: `der treue und wahrhaftige Zeuge` (Offb 1,5a; Jes 55,3-5; 1Thess 5,24; 1Joh 1,9; 1Joh 5,20).

Mit ihm und durch ihn begann die Schöpfung Gottes (ἡ ἀρχὴ τῆς κτίσεως τοῦ θεοῦ (1Mose 1,1ff; Hebr 1,1-3;  Joh 1,1-3;  Kol 1,15-17).

Die Gläubigen in Laodizea müssten sich noch erinnern, was der Ap. Paulus un dem Kolosserbrief schrieb: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei.“ (Kol 1,15-18).

 

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ (Offb 3,15-16).

Ist `lau / warm` nicht besser als kalt?  Auf was nimmt Jesus Bezug oder auf was spielt er an mit dieser Feststellung? Was bedeutet von Jesus ausgespuckt zu werden?  

 

„Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts!, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß (nackt) bist,“ (Offb 3,17).

Etwa im Jahre 60 wurde Laodizea durch ein Erdbeben zerstört, doch die Stadtbewohber waren materiel so gut ausgestattet, dass sie ohne fremde Hilfe ihre Stadt noch prächtiger ausgebaut haben, als sie vereits zuvor war. Dies könnte sich auch auf die Christen ausgewirkt haben. Sozusagen in Eigenleistung alles selber geschafft. Solch eine Haltung kann sich auch im Leben der Christen einschleichen. Die Folgen sind gravierend. Selbstzufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit, Stolz und Hochmut. Das alles macht blind für die geistliche Realität.

Doch Jesus bringt Licht in die geistliche Finsternis und bringt ans Licht, was verborgen ist. Und dies tut er aus Liebe. Er klärt auf: du bist elend, bemitleidenswert, arm, blind und nackt.

 

„rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.“ (Offb 3,18).

Jesus bietet an

  1. Im Feuer geleutertes Gold. Der Ap. Petrus gibt die Erklärung dazu: „auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.“ (1Petr 1,7:.
  2. Weiße Kleider: (Offb 3,4-5; 7,9-13).
  3. Augensalbe: Ps 119,18 Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.“ Mt 13,13-14; Eph 1,18: „Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“

 

Jes 55,1: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

 

„19 Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!“

 

„20 Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ (Jak 5,9;  Lk 12,36; 13,25).

 

21 Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ Offb 3,19-21).

Die Macht teilen, bzw. in das Regieren einbeziehen (Offb 1,9; 20,6;  Mt 19,28;  Lk 22,30;  2Tim 2,12).

 22 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,19-22).

Sind wir heute auch angesprochen?

 

 

2. Teil: Der Thron Gottes und seine Umgebung

(Bibeltext: Offb 4,1-5,14).

2.1 Der Blick in das himmlische Heiligtum

Dieses Kapitel umfasst die Visionen in Offenbarung 4-5. Nachdem Johannes den ersten großen Auftrag für die sieben Gemeinden erhalten hatte, wurde er erneut im Geist, diesmal in den himmlischen Bereich gerufen. So heißt es in Offb 4,1:

„Nach diesem sah ich: Und siehe, eine Tür, geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie die einer Posaune, die mit mir redete, sprach: Komm hier herauf! Und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“

 

Die geöffnete Tür

Johannes sieht eine geöffnete Tür im Himmel. Das Bild von der Tür begleitet den Bibelleser buchstäblich von 1Mose bis zur Offenbarung (1Mose 4,7 – Offb 3,20; 4,1). Etwa 67 Mal wird sie erwähnt und zwar sowohl im wörtlichen Sinne, als auch sinnbildlich. Hier einige Beispiele:

  • Joh 10,1-9:  „Ich bin die Tür der Schafe, …“.
  • Lk 13,25: „Wenn einmal der Hausherr aufgestanden ist und die Türe verschlossen hat …“.( ähnlich auch Mt 25,10).
  • 1Kor 16,9: „denn eine große und wirksame Tür ist mir geöffnet worden“ (ähnlich auch in 2Kor 2,12;  Kol 4,3; Offb 3,8).
  • Offb 3,20: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“

Die geöffnete Tür steht für freien Zugang, für Möglichkeiten. Für Johannes ist es  das Betreten eines himmlischen Raumes, ein Einblick in den himmlische Heiligtum. Bereits vor ihm bekamen andere Diener Gottes Einblick in diesen himmlischen Bereich (Mose: 2Mose 33,18; Jesaja: Jes 6,1-10; Hesekiel: Hes 1,4-28; Stefanus: Apg 7,56; Paulus: 2Kor 12,1ff). Johannes bekommt vieles zu sehen, was bereits seine Abbildung im irdischen Heiligtum hatte und ihm aus den Propheten vertraut war. Doch er bekommt auch neue Perspektiven. Und erst von dort aus wird ihm der Ausblick gezeigt über das, was bis zurVollendung geschehen muss.

 

Die erste Stimme

Die erste Stimme, ähnlich einer Posaune, erinnert an Kapitel 1,10. Dort ist es eindeutig die Stimme des Menschensohnes Jesus. So können wir annehmen, dass es auch hier dieselbe Stimme war, obwohl er als das Lamm Gottes auf dem Thron erst in einer späteren Vision erscheint.

Diese Stimme fordert Johannees auf heraufzusteigen, das heißt durch die geöffnete Tür in den himmlischen Bereich einzutreten. Anmerkung: Für die Gläubigen ist der Zugang zum Thron der Gnade bereits jetzt im Glauben immer frei (Eph 2,18; Hebr 4,16).

 

Die Aussage: „Und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muß“, baut auf das bereits gesagte und geschehene auf (Offb 1,20b). Es geht um Ereignisse, weche nach den Thronszeben (Offb 4-5) durch Bilder gezeigt werden und sich in Raum und Zeit vollziehen weden. Das nach diesem sollte jedoch nicht überbetont werden, so als ob es noch in der Zukunft läge. Denn in den vom Lamm geöffneten Siegeln werden auch Ereignisse bildhaft dargestellt, die bereits vorher ihren Anfang nahmen und sich nun fortsetzen. Die bildhafte Darstellung in der Offenbarung umfasst die gesamte Zeitspanne zwischen der Menschwerdung Jesu, seinem Erlösungswerk, der  Thronbesteigung und seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Es gibt sogar Aussagen, welche Geschehnisse aus der frügeschichte der Menschheit einbeziehen (Offb 18,24).

 

Der Thron Gottes

Sogleich war (ward) ich im Geist: Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. Und der da saß, war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sarder, und ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd. (Offb 4,2-3).

Johannes „war (ward) im Geist“,  (vgl. (Offb 4,2 mit 1,10.18). Dies könnte so verstanden werden, dass er nicht körperlich / physisch dort war, sondern im Heiligen Geist. Siehe auch die Parallelen dazu (Jes 6,1-8; Hes 1,1-28; Dan 7,9-14; Apg 7,56; 2Kor 12,1-5). Und nach Empfang der Offenbarung ist Johannes wieder zurück, sozusagen im physisch-geistigen Zustand.

Johannes bekommt Einblick in den himmlischen und göttlichen Bereich, in die Schaltzentrale Gottes. Die bildhafte Beschreibung der Herrlichkeit des Gottes Thrones durch kostbare materielle Dinge stößt an ihre Grenzen. Die Beschreibung dessen, was Johannes sieht folgt einer bestimmten Abfolge.

Allein in der Offenbarung kommt der Thron (Gottes) 40 Mal vor: 1,4; 3,21; 3,21; 4,2; 4,2; 4,3; .4,4; 4,5; 4,5; 4,6; 4,6; 4,6; 4,9; 4,10; 4,10; 5,1; 5,6; 5,7; 5,11; 5,13; 6,16; 7,9; 7,10; 7,11; 7,11; 7,15; 7,15; 7,17;  8,3;  12,5;  14,3; 16,17; 19,4; 19,5; 20,11; 20,12;  21,3; 21,5; 22,1; 22,3.  In den übrigen Texten des NT  mindestens weitere 9 Mal: Mt 5,34; 23,22; 25,31; Apg 2,30; 7,49; Hebr 1,8; 4,16; 8,1; 12,2. Es handelt sich um die Machtzentrale des gesamten Universums. Jes 40,22: „Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt“.

Johannes sieht keine Gestalt auf dem Thron. Mindestens acht Mal wird in der Heiligen Schrift betont, dass Gott von niemandem jemals gesehen wurde (2Mose 33,20; Joh 1,18; 6,46; 14,9; Röm 1,20;  1Tim 6,15-16). Die schönsten und wertvollsten Edelsteine (Jaspis, Sarder) werden als Vergleiche benutzt, um die Herrlichkeit dessen zu beschreiben, der auf dem Thron sitzt. Ausdrücklich wird betont, dass er sitzt, nicht steht (vgl. mit Dan 7,9),

 

Der Regenbogen rings um den Thron

ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd.

In 1Mose 9,13 sagte Gott zu Noah: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ 1Mose 9,14: „Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.“ 1Mose 9,16: „Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.“ Der Prophet Hesekiel bekommt Einblick in den Thronbereich Gottes: „Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.“ (Hes 1,28). Der Regenbogen in den Wolken ist ein Abbild (eine Projektion) des himmlischen Regenbogens, der schon vorher den Thron Gottes umgab. Dieser wurde zum Zeichen seines Bundes nach der Sinflut mit Noah und seinen Nachkommen. Was für ein Gott, der an sich erinnern lässt (vgl. auch mit Sirach 43,12; 50,7). In der Offenbarung kommt das Bild des Regenbogens neben 4,3 auch noch in 10,1 vor. An beiden Stellen wird er mit dem gr. Begriff  `ἶρις – iris` bezeichnet, kommt uns da etwas bekannt vor? Aus unserer Perspektive sehen wir den Regenbogen nur als Halbkreis, daher auch die Verwendung des Wortes `Bogen`. Bei Gott umgibt er den Thron als geschlossener Kreis. Ähnlich kreisförmig kann der Regenbogen unter einem bestimmten Winkel vom Flugzeug aus gesehen werden. Man kann daher sich vorstellen, dass Gott seine Schöpfung durch diesen ihn umgebenden `IRIS` des Bundes sieht.

 

Die vierundzwanzig Ältesten um den Thron

Und rings um den Thron sah ich vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, bekleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Siegeskränze. (Offb 4,4).

Wer sind diese 24 Ältesten um den Thron Gottes und was ist ihre Bestimmung? Um zu einer begründeten Erklärung zu kommen, untersuchen wir alle Texte, in denen diese Ältesten als Gruppe oder als Einzelne beschrieben werden und in Aktion treten. Danach suchen wir nach Parallelen in den übrigen Schriften. Zunächst aber die Statusbezeichnung `Älteste`, Der gr. Begriff dafür ist `πρεσβυτέροι – presbyteroi`, sie sind in der biblischen Offenbarung: Vorstände der Stämme und Sippen (5Mose 29,9; 1Kön 8,1); Der Rat der Siebzig (4Mose 11,16-25); Stadtälteste (5Mose 21,6);  Verantwortlich für das Gesetz, die Lehre (5Mose 31,9; 32,7); Gesamtleitung des Volkes Israels (Jos 8,33); Die Priesterschaft und der Rat der Ältesten (Mt 26,3); Im Neuen Bund erstreckt sich die Priesterschaft auf alle Gläubigen (1Petr 2,9). Die Leitung des Volkes Gottes obliegt nun den Aposteln und Ältesten (Apg 15,6. 22-23; Apg 20,28; 1Petr 5,1-4; Phil 1,1).

  • Die 24 Ältesten sitzen zunächst auf 24 Thronen im Kreis um den Thron Gottes. Das hebt ihre besondere Stellung hervor. Sie sind zuerst und vor allem dem Thron Gottes zugewandt.
  • Auf ihren Häuptern tragen sie goldene Siegeskränze. Ihre Beziehung zu Gott ist lauter / rein, sie sind geläutert, sie hielten Gott die Treue und sie haben ewiges Leben. Auch in Offb 14,14 ist ein Engel mit einem goldenen Siegeskranz geschmückt. Das Heer des Feindes dagegen trägt nur zum Schein goldene Siegeskränze (Offb 9,7).
  • Sie sind bekleidet mit weißen Gewändern. Diese Bekleidung ziert nicht nur die Erlösten, sondern auch die  Engel (Offb 3,4.5.18; 7,9.13; 15,6; 19,14; Lk 2,13; Mt 28,1-8; Mk16,2ff; Lk 24,4).
  • Sie werfen sich und ihre Kränze nieder und beten den an der auf dem Thron sitzt. Dies ist ein innerer und äußerer Ausdruck für Anerkennung der Hoheit, Würde und Macht Gottes. Ihm verdanken sie ihre Existenz und ihre hohe Stellung.

 

Älteste in Aktion

  • Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht!“ (Offb 5,5). Einer der Ältesten vor dem Thron spricht zu Johannes dem Apostel, der noch nicht im verklärten Körper dort ist und daher auf diese Information angewiesen war.
  • Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder.“ (Offb 5,8).
  • Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen?“ (Offb 7,13). In diesem Text spricht ein Ältester von den Erlösten eindeutig in der 3. Person (auch bei Schlachter), d.h. er gehört nicht zu der Gruppe derer, welche erlöst wurden.
  • „Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Wesen und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde.“ (Offb 14,3). Auch hier scheint es eine deutliche Unterscheidung zu geben zwischen den 144000 als Erlösten von der Erde und den vier lebendigen Wesen samt den 24 Ältesten, die als himmlische Geistwesen der Erlösung nicht bedurften.

 

Parallelen und Vergleiche aus den übrigen Schriften

Im 1. Chronikbuch lesen wir von den 24 Abteilungen der Priester, die abwechselnd Dienst versahen am Hause des Herrn. Ebenso von den 24 Abteilungen der Sänger / Musiker aus den Leviten und 24 Abteilungen der Torhüter ebenfalls aus den Leviten (1Chr 24-27). Die Initiative dieser Ordnungen ging auf David zurück (2Chr 8,14; 2Chr 23,8). Diese 24 Abteilungen der Priester wurden nach dem Exil und beim Wiederaufbau des Tempels wieder eingesetzt (Esra 6,18). Sie waren noch  im Dienst zur Zeit der Geburt Jesu (Lk 1,5).

 

Als himmlische Geistwesen repräsentieren die 24 Ältesten durch ihre Zahl und ihren Status vor Gott die Gemeinde. Sie bilden sozusagen ein himmlisches Muster für die entstehende Gemeinde auf Erden. Dabei werden wir erinnert an die 12 Stämme + 12 Apostel des Lammes als Repräsentanten des gesamten erlösten Volkes Gottes auf Erden (Offb 21,12-14). In Hebräer 8,5 lesen wir von einer wichtigen Anordnung Gottes an Mose, bei der es um den Bau das irdischen Heiligtums mit deren Einrichtungen ging:  .Sie (diese Einrichtungen) dienen aber als Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er das Zelt errichten sollte (2. Mose 25,40): »Sieh zu«, heißt es, dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.“ Das heißt: Im Himmel gibt es eine reale geistliche Vorlage, ein Muster göttlicher Schöpfung für das, was Gott in dieser Welt entfaltet. Dabei ist Israel mit seinem Priestertum, Stiftshütte, Opferdienst und auch seinem Königtum als vorläufige Einrichtung zu sehen. Die Gemeinde, welche das gesamte Volk Gottes umfasst als Neuschöpfung, die bei der Wiederkunft von Jesus vollendet wird und für immer bestehen bleibt.

 

Blitze, Stimmen, Donner

 Und aus dem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner;“ (Offb 4,5).

Es erinnert an die Offenbarung Gottes am Sinai (2Mose 20,18. An die gewaltige Stimme Gottes aus der Höhe (Jer 25,30). „Und der HERR donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen“ (Ps 18,14). „Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.“ (Joh 12,29). Es sind Ausdrucksformen des Redens Gottes (Offb 8,5.13; 10,3.4; 11,15.19; 14,3; 16,18; 19,6). Dabei kommt etwas Konkretes in Bewegung, denn wenn er spricht, so geschieht`s (Ps 33,9).

 

Die sieben Feuerfackeln

und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind.  (Offb 4,5).

Dieses Bild weist auf den Heiligen Geist Gottes hin und ist uns bereits aus Kapitel 1,4; 3,1; 5,6 bekannt. Es ist auch ein Hinweis auf die Allgegenwart des Heiligen Geistes, der alles durchleuchtet und durchdringt (Joh 16,8-11).

 

Das kristallne Meer

Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. (Offb 4,6).

Das Bild vom gläsernen Meer kommt noch zweimal in Kapitel 15,2 vor. Dort wird es beschrieben als „mit Feuer vermengt“. Die Umschreibung mit `gläsern` weist auf seine Durchsichtigkeit und Reinheit hin, wie die zwei Stellen aus Offenbarung 21,18 und 21,21 erkennen lassen. Auch dafür gibt es eine Entsprechung im Bereich der Stiftshütte und zwar in dem kupfernen Waschbecken zwischen dem Brandopferaltar und dem Eingang in das Heilige. Es kann als ein Abbild des gläsernen Meeres gesehen werden (2Mose 38,8; 30,18-20). „Wenn sie in die Stiftshütte gehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, dann werden sie nicht sterben, so soll es auch sein, wenn sie an den Altar treten, um zu dienen und ein Feueropfer zu verbrennen für den HERRN.“ (2Mose 30,19-20). Das dem Kristall ähnliche Meer erstreckt sich rund un den Thron. Das ist ein Hinweis dafür, wer dem Thron nahen will, muss durch dieses Meer hindurch, so wie der Priester, wenn er sich Gott im Heiligtum nahen wollte. Der Hebräerbriefschreiber greift diesen Gedanken auf: „gewaschen am Leib mit reinem Wasser“ (Hebr 10,22; ähnlich auch Eph 5,26: „gereinigt im  Wasserbad des Wortes“; Tit 3,5 „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung durch den Heiligen Geist“).

 

Die vier lebendigen Wesen rings um den Thron

und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier lebendige Wesen, voller Augen vorn und hinten. Und das erste lebendige Wesen war gleich einem Löwen und das zweite lebendige Wesen gleich einem jungen Stier, und das dritte lebendige Wesen hatte das Angesicht wie das eines Menschen, und das vierte lebendige Wesen war gleich einem fliegenden Adler. Und die vier lebendigen Wesen hatten, eines wie das andere, je sechs Flügel und sind ringsum und inwendig voller Augen, und sie hören Tag und Nacht nicht auf zu sagen: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt!“ (Offb 4,6b-8).

Das Wesen und die Bestimmung dieser vier lebendigen Wesen zu verstehen ist ebenfalls eine Herausforderung. Wir beginnen mit den Hinweisen aus der Offenbarung und dann suchen wir nach Parallelen aus den übrigen Schriften.

Die gr. Bezeichnung für diese vier lebendigen Wesen ist `ζῷα – Zöa – Lebewesen` im Plural. Der Begriff wird für alle Lebewesen verwendet, in denen Odem / Hauch oder Geist des Lebens ist (1Mose 6,17; 7,15.22).

Diese vier lebendigen Wesen werden in der Offenbarung als Gruppe oder als Einzelne insgesamt 21 Mal genannt (4,6.7.8.9; 5,6.8.14; 6,1.3.5.6.7; 7,11; 14,3; 15,7; 19,4). Was sie tun, zeugt von ihrem Wesen und Stand.

 

Der zweite Hymnus

Der vorrangige Dienst der vier Lebewesen besteht in der ununterbrochenen Anbetung Gottes und des Lammes. So heißt es von ihnen: „und sie hören Tag und Nacht nicht auf zu sagen: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt!“ (Offb  4,8; ähnlich auch in  4,9; 5,8.14; 7,11; 19,4). Unwillkürlich werden wir dabei an das drei Mal `heilig` aus Jesaja 6,3 erinnert. Der Herr, Gott ist der Allmächtige (Pantokrator – Allgewaltiger) der immer Seiende und der Kommende (1Mose 21,33; Röm 16,26; 1Tim 6,15-16; Offb 1,4).

 

Sie haben Augen vorne und hinten und je sechs Flügel

Diese Ausstattung ermöglicht ihnen den Blick sowohl zum Thron hin als auch in den Außenbereich. Die Flügel deuten auf ihre Bewegungsfreiheit für ihren Dienst. Sie sind aufmerksame Wächter der Heiligkeit Gottes. Ungewöhnlich scheint, dass diese vier Lebewesen nicht nur um den Thron stehen, sondern sich auch in der Mitte des Thrones  befinden. Sie haben demnach unmittelbaren Zugang zu Gott.

Zur weiteren Identifizierung dieser Wesen suchen wir nach Parallelen in den Texten des AT. Beginnen wir ganz am Anfang der Geschichte Israels. Der Bau der Stiftshütte wurde nach einem bestimmten Muster gefertigt (2Mose 26,30; 27,8; Hebr 8,5). Dabei geht es uns um die Details, welche sich im Innersten des Heiligtums befanden. Es war die Bundeslade mit dem Sühnedeckel darauf und die beiden Cherubime darüber (2Mose 25,18-22; 26,1.31; 37,7-9; 4Mose 7,89). Die Bundeslade mit dem Sühnedeckel darauf ist ein Abbild für den Thron der Gnade Gottes, die durch Sühnung der Sünden wirksam wird (Eph 2,18; Hebr 4,16; 9,7; 2,17). Die zweo Cherubime der Herrlichkeit  mit den ausgebreiteten Flügeln, einander zugewandt, jedoch auf den Sühnedeckel blickend, sind ein Abbild für die himmlischen lebendigen Wesen (Hebr 9,5). Es ist die Gruppe der Engel, die ständig um den Thron Gottes sind, auch wenn ihre Anzahl varriert. Bemerkenswert ist auch, dass sowohl die Teppiche über der Stiftshütte, als auch die Vorhänge am Eingang zahlreiche Muster von Cherubimen aufwiesen. Ähnliche Parallelen finden wir auch im Tempel Salomos (1Kön 6,23-32; 7,29-32; 8,6-7;  2Kön 19,15; Ps 99,1).

Weitere Parallelen zu den vier Lebewesen aus der Offenbarung finden wir auch in der Vision, die Gott dem Propheten Jesaja gegeben hatte (Jes 6,1-8). Auch hier ist der Herr (HERR) auf dem Thron umgeben von mindestens zwei `Serafimen` mit jeweils sechs Flügeln. Ihr Rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ lässt die Parallele zu Offb 4,8 deutlich erkennen (dazu auch Jes 37,16: Cherubim).

Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede sehen wir in den Visionen des Propheten Hesekiel (Hes 1,1-28; 10,1-20; Hes 41,18). Dies alles lässt eine Kontinuität erkennen in Bezug auf die Beschreibung der unmittelbaren Umgebung des Thrones Gottes.

 

Die vergleichende Darstellung der himmlischen Lebewesen im Aussehen wie Löwe, Jungstier, Mensch, fliegender Adler, weist auf Gott den Schöpfer und seine Schöpfung hin.

  • Gleich einem Löwen, dieser kommt etwa 128 Mal in der Bibel vor. Wegen seiner besonderen Stellung unter den Tieren des Feldes und seiner Eigenschaften ist er Sinnbild für den Stamm Juda (1Mose 49,9-10; Offb 5,5). Für das Volk Israel (4Mose 23,24). Er ist bekannt für seine Unerschrockengeit (Jes 31,4). Sinnbild für den Herrn: „Der HERR wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung. Er wird brüllen über seine Fluren hin; wie einer, der die Kelter tritt, wird er seinen Ruf erschallen lassen über alle Bewohner der Erde hin“ (Jer 25,30). Er ist nicht zu überhören: „Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Gott der HERR redet, wer sollte nicht Prophet werden?“ (Am 3,8). Weitere Stellen: Hos 5,14; Mi 5,7). Der Kerngedanke hier ist die absolute Herrschaft, höchste Autorität (Amos 1,2; 2Mose 15,18).
  • Gleich einem Jungstier. Der Stier kommt etwa 105 Mal vor. in den meisten Texten als Opfertier (2Mose 29,3-11;  3Mose 4,4- 22,27). „Auch sollst du täglich einen Stier zur Sühnung als Sündopfer darbringen und den Altar entsündigen, indem du Sühnung an ihm vollziehst, und du sollst ihn salben, um ihn zu heiligen.“ (2Mose 29,36).  Der Kerngedanke ist hier Erlösung durch Sühnung (/2.or. 5,19).
  • Gleich einem Menschen. Der Mensch, Krone der Schöpfung Gottes wird etwa 931 Mal genannt. So lesen wir in 1Mose 1,26: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen[20] machen als unser Bild, uns ähnlich!“ Weotere Stellen für die besondere Stellung des Menschen, besonders in der Person des Menschensohnes (Ps 8,5-10; Hebr 2,6-7; Offb 1,11).
  • Gleich einem fliegendem Adler. Der Adler kommt in der Bibel etwa 29 Mal vor. Selbst Gott der Herr und die, welche auf Gott vertrauen, werden wegen seiner besonderen Eigenschaften mit dem Adler verglichen. 5Mose 32,11: „Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln.“ Ps 103,5 – vom Frommen; Jes 40,31: „aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Weitere Textstellen zu Adler: Offb. 12,14; Offb 8,13; Hes 1,10 und 10,14. Die Kerngedanken sind: Erhabenheit, Weitblick, Schnelligkeit, Kraft, Fürsorge.

Damit stehen die vier lebendigen Geistwesen repräsentativ für die Schöpfung Gottes. In ihnen werden die zentralen schöpferischen und heilsgeschichtlichen Gedanken Gottes deutlich erkennbar.

Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!“ (Ps 150,6).

2.2 Die Anbetung Gottes des Schöpfers (2. Hymnus)

Und wenn die lebendigen Wesen Herrlichkeit und Ehre und Danksagung geben werden dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, so werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, und werden ihre Siegeskränze niederwerfen vor dem Thron und sagen: Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu nehmen, denn du hast alle Dinge erschaffen, und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden. fOffb 4,9-11).

Die Anbetung Gottes ist die höchste Form des Gottesdienstes. Die vier lebendigen Wesen, welche sich in der unmittelbaren Nähe zu Gott befinden, beginnen mit der Anbetung als Erste, danach die 24 Ältesten. Die Reihenfolge ist: Herrlichkeit, Ehre, Danksagung, bzw. Herrlichkeit, Ehre und Macht dem zugerufen, der alle Dinge geschaffen hat und durch dessen Willen alles besteht.

 

2.3 Wer ist würdig die sieben Siegel zu lösen

(Bibeltext: Offb 5,1-6)

Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Thron saß ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt. Offb 5,1).

Es handelt sich um eine Schriftrolle (Buchrolle), die Buchform (Kodex) fand erst später ihre Verbreitung (Offb 6,14; Lk 4,17.20). Dass sie innen und außen beschrieben war, spricht für ihre Vollständigkeit. (Offb 22,18; Jes 34,4). Ungewöhnlich ist auch die siebenfache Versiegelung der Schriftrolle,  was sowohl auf den verborgenen Inhalt hinweist, als auch die Unlösbarkeit derselben betont.

 

Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter (starker) Stimme ausrie: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen (lösen)? Und niemand in dem Himmel, auch nicht auf der Erde, auch nicht unter der Erde konnte das Buch öffnen noch es anblicken (heinschauen). (Offb 5,2-3).

Die Tatsache, dass niemand imstande war die Buchrolle zu öffnen und hineinzuschauen betont die Begranztheit und die Ohnmacht der Geschöpfe (Engel, Menschen,Dämonen), den Plan Gottes von sich aus zu begreifen.

 

Der Löwe aus Juda, die Wurzel Davids

Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen noch es anzublicken. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen. Offb 5,4-5).

Wieder tritt einer der Ältesten in Aktion und tröstet Johannes mit den Worten: „es hat gesiegt der Löwe aus dem Stamm Juda“. Im himmlischen Bereich weiß man bereits seit der Auferstehung und Thronbesteigung des Menschensohnes, wer der Sieger ist.  Mit dem für Johannes bekannten Bild – Löwe aus dem Stamm Juda – erkennt er seinen Herrn und König (1Mose 43,9; 49,9-10; Ps 78,68; Am 1,2; 3,8; Micha 5,1; Mt 1,2; 2,6; Hebr 7,14 Offb 5,5).

Der Ausdruck „die Wurzel Davids“„ kommt besonders häufig in den Propheten vor und deutet auf die menschliche Herkunft des Messias aus dem Hause Davids hin (Offb 22,16; Jes 11,1.10; Röm 15,12;  2Sam 7,11-14a; Ps 2,1-12; Hosea 3,5; Jer 23,5; 30,9; Hes 37,24). Hier verstehen wir, warum im biblischen Kontext die sogenannten Geschlechstregister eine so wichtige Rolle gespielt haben (Mt 1,1-17; Lk 3,23-38; 1Chr 1-12). Sie bildeten den juristischen Nachweis für den erwarteten Messias aus dem Königshause Davids. Doch wie und wodurch siegte der Löwe aus Juda, der Nachkomme Davids?

 

Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde. (Offb 5,6).

Nach der akustischen Information wird der Blick des Johannes wieder auf die Mitte des Thrones gelenkt. Er sieht ein Bild von einem Lamm, man stelle sich ein männliches einjähriges Schaf vor (2Mose 12,1-6). Es sieht aus wie geschlachtet, aber es steht (Tod und Auferstehung). Deutlicher kann es nicht ausgedrückt werden. Zu offensichtlich ist der Hinweis auf Jesus, das Lamm Gottes (Jes 53,4-12; Joh 1,29; Mk 10,45; 1Kor 5,7; Hebr 2,14; Offb 1,18). Löwe und Lamm vereint in einer Person. Auf zwei Besonderheiten bei seinem Aussehen fällt der Blick des Johannes. Es hat sieben Hörner, ein Ausdruck seiner Vollmacht und Kraft (1Sam 2,10). Es hat sieben Augen, Hinweis auf Allwissenheit, denn er sieht alles. Die sieben Augen werden auf den Geist Gottes gedeutet, der von Jesus ausgeht und überall gegenwärtig iwirksam ist (4Mose 23,22; 24,8; Ps 18,3; Ps 132,17; Offb 1,4.14; 3,1; 4,5; 5,6). Mit der Thronbesteigung wird der Geist Gottes im Auftrag von Jesus in diese Welt gesandt (Mt 3,11-12; Joh 16,7; Lk 24,49; Apg 2,33).

2.4 Die Anbetung des Lammes auf dem Thron (Dritter Hymnus)

Und es kam und nahm (das Buch) aus der Rechten dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und sie hatten ein jeder eine Harfe und goldene Schalen voller Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. (Offb 5,7-8).

Als Jesus noch auf Erden war, sagte er: „Alles, was der Vater hat, das ist mein“ (Joh 16,15). „Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen,“ (Joh 5,20). Dies hat sich erfüllt mit der Thronbesteigung.

Zum Zeichen der Anerkennung der Würde und Hoheit des Lammes fallen die vier lebendige Wesen und die 24 Ältesten anbetend nieder vor dem Lamm. An dieser Stelle ist es wichtig die Bedeutung des Begriffes Anbetung zu erfassen. Die gr. Begriffe ` ἔπεσαν καὶ προσεκύνησαν – epesan kai prosekyn¢san – sie fielen nieder und beteten an`. Das Niederfallen kommt auch bei Knechten gegenüber ihren Herren vor, doch die Anbetung gebührt nur Gott. Der umfassendste Text zur Anbetung finden wir in Johabbes 4,20-24. Im Gespräch mit der Samariterin wird der Anbetungsbegriff 10 Mal gebraucht. Dort ist die anzubetende Person Gott der Vater. In Matthüus 28,17 beten die Jünger Jesus an. (Mt 2,11: die Weisen; Phil 2,9-11: Alle; Hebr 1,6: die Engel; Offb 5,8. 13-14; 7,10-11; 11,16; 19,4; nur Gott ist anbetunswürdig: Offb 19,10; 22,8-9). Es gibt jedoch auch Ausnahmen, wo dieser Begriff in einem anderen Bezug gebracht wird (Offb 3,9). Und dort, wo Götzenbilder oder Menschen angebetet werden (Offb 13).

 

Für den bevorstehenden Lpbgesang haben sie Harfen (kitara) und goldene Schalen voll Räucherwerk, ein bekanntes Bild für Gebet und Anbetung (Lk 1,9-21; 18,10; Apg 3,1; Offb 8,3-5).

Und sie singen ein neues Lied und sagen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast durch dein Blut (Menschen) für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen! (Offb 5,9-10).

In der Aussage: „du hast erkauft“ ist das gesamte Werk der Erlösung enthalten. Die Opfer während des Aaronitischen Pristerordnung als hinweisende Einrichtung und dann das vollgültige Opfer Jesu am Kreuz.

Und zu einem  Königreich und zu Priestern gemacht (vergleiche die Kommentare zu Kaitel 1,5-6).

Der Auftrag: Sie werden herrschen auf Erden oder über die Erde. (1Mose 1,26; Ps 8,1-10; Mt 5,7).

Anmerkung: Anstelle „Menschen“ übersetzen andere mit „uns“. Der Grund dafür liegt darin, dass es im Griechischen verschiedene Lesarten gibt. Dieser Text wird unterschiedlich übersetzt, je nach der griechischen Vorlage. Zum Beispiel die Schlachter Übersetzung stützt sich auf den Textus Receptus, die anderen auf Nestle Aland, welchem ältere Handschriften zugrunde liegen. In Letzteren spricht der Älteste in der 3. Person, d.h. er gehört nicht zu der Schar der Erkauften.

Ausdrücklich ird gesagt: aus jedem Stamm, jeder Sprache (Zunge) jedem Volk und jeder Nation werden Menschen vor Gott und dem Lamm stehen.

Es ist ein neues Lied, das zunächst die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten anstimmen. Sie singen einen Lobpreis auf das Sühneopfer von Jesus. Damit bringen sie auch ihr Staunen zum  Ausdruck (1Petr 1,12). Erst später stimmen die unübersehbare Menge der himmlischen Engel in den Lobpreis mit ein, dann zusammen mit allen übrigen Geschöpfen.

 

Dritter Hymnus

Und ich sah: Und ich hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron her und um die lebendigen Wesen und um die Ältesten; und ihre Zahl war Zehntausende mal Zehntausende und Tausende mal Tausende, 12 die mit lauter Stimme sprachen: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu nehmen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit (Pl.) 14 Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an. (Offb 5,11-14).

Welch ein Lobpreis auf das Lamm, bei dem wiederum sieben Strophen gesungen werden (Phil 2,9-11).

 

3.Teil: Das Lamm öffnet die ersten sechs Siegel – die Weltgeschichte im Überblick

Nach dem Einblick in den himmlischen Bereich (Kap. 4-5), bekommt Johannes gezeigt, was auf Erden geschieht, bzw. geschehen wird. Der Textteil in Kap. 6,1-8 enthält die Öffnung der ersten vier Siegel. Unter ihnen erscheinen die sogenannten vier apokalyptischen Reiter. Unter dem fünften Siegel (Offb 6,9-11) bekommt Johannes einen Einblick in das himmlische Heiligtum zu den Seelen der Zeugen Jesu. Da unter dem sechsten Siegel (Offb 6,12-17) bereits der Beginn des Weltgerichts und die Auflösung der materiellen Schöpfung gezeigt und beschrieben wird, kann der gesamte Abschnitt in Kapitel 6 als die Weltgeschichte im Überblick überschrieben werden.

Es sind markante, parallel verlaufende, zum Teil ineinander verwobene Grundlinien von Ereignissen in der Entfaltung der Geschichte zu erkennen. Vom Kontext der Offenbarung beginnen die geschilderten Ereignisse seit der Macht Übergabe an den Sohn Gottes Jesus Christus (Mt 28,17-20) und seiner Thronbesteigung (Lk 24,51; Apg 1,9-11). Da jedoch viel von dem Bildmaterial  aus der vorchristlichen Zeit stammt, gibt es offensichtliche Parallelen zu Ereignissen aus der Frühgeschichte.

Einleitung zu den ersten vier Pferden mit ihren Reitern

Das Bild des ersten Reiters bietet Raum für verschiedene Interpretationen. Bei den anderen drei Reitern überwiegen die Übereinstimmungen im Verständnis. Es ist hier nicht die Absicht die unterschiedlichen Sichtweisen nebeneinander oder gar gegeneinander aufzustellen.

Bei den vier Rossen mit ihren Reitern besteht eine Ähnlichkeit zu den Bildern aus Sacharia 1,8-11 und 6,1-7. Dort geht es um Gespanne mit Angabe von Farben, Herkunft und Bestimmung. Die Reihenfolge in Sacharia 6,3-7 ist: Feuerrote (feurige), schwarze, weiße, scheckige. In Sacharia 1,8: feuerrote (feurige),  hellrote (braune), weiße. Anscheinend wechselt die Reihenfolge. Diese vier Gespanne sind dem Herrn der ganzen Erde unterstellt und führen seine Befehle aus (Sach 1,10-11). Sie werden mit den vier Winden des Himmels verglichen, was auch eine Verbindung zu Offb 7,1-2 erkennen lässt. Allerdings sind es hier die vier Winde der Erde (vgl. dazu Jer 49,36; Dan 7,2; 11,4; Sach 2,10).

Trotz der Ähnlichkeiten mit den Pferden in Offb 6,1-8 gibt es auch Unterschiede:

In Sacharia sind es vier Gespanne, in Offb vier einzelne Rosse und zwar mit Reitern.

In Sacharia ist  das vierte Gespann scheckig, in Offb ist das vierte Pferd grün.

In Sacharia ziehen die Gespanne zum Teil in die verschiedene Himmelsrichtungen aus, in Offb wirken die vier Pferde mit Reitern global umfassend.

In Sacharia stehen die vier Gespanne für die vier Winde des Himmels, in Offb 6,1-6 fehlt diese Zuordnung.

Die Aktionen der Gespanne müssen zunächst in jenem zeitgeschichtlichen Kontext gedeutet werden.  Diese Visionen wurden in nachexilischer Zeit Sacharia gegeben, sie sprechen von dem Wiederaufbau des Tempels (522-516) und der Verheißung der Wiederherstellung Jerusalems. In neutestamentlicher Zeit kommt die Errichtung des Reiches Gottes hinzu, welches durch das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird (Mt 4,23; 9,35). Ansonsten gibt es im AT wenig positives Anschauungsmaterial durch Pferde, die den Text aus Offb 6,1-8 erhellen könnten. In den Evangelien und den Briefen der Apostel kommen Pferde (außer in Jak 3,5) gar nicht vor. Das Bild des Pferdes mit seinem Reiter und der ihm nachfolgenden Heere aus Offb 19,11-15 ist somit die naheliegendste Quelle für das Verständnis des Bildes unter dem ersten Siegel.

3.1 Das Lamm öffnet das erste von den sieben Siegeln – Das weiße Pferd  und sein Reiter

Und ich sah, als das Lamm eins von den sieben Siegeln öffnete, und hörte eins von den vier lebendigen Wesen wie mit einer Donnerstimme sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen. (Offb 6,1-2).

Das erste Siegel wird mit der Grundzahl `EINS` beziffert und die anderen sechs Siegel sind mit den Ordnungslzahlen (zweites, drittes, … siebtes) versehen. Dies führt uns zum Schöpfungsbericht in  1Mose 1,5. Dort steht: „Und es wurde Abend und es wurde Morgen, Tag EINS“ (als Grundzahl)“. Alle anderen Tage sind mit Ordnungszahlen (zweiter, … siebter) versehen. Das gleiche Muster ist auch in anderen Texten erkennbar, in denen Wochentage genannt werden. So wird der erste Tag der Woche immer mit der Grundzahl EINS beziffert (Mt 28,1;Mk 16,2;  Lk 24,1; Joh 20,1; Apg 20,7; 1Kor 16,2). Die anderen Wochentage werden mit  Ordnungszahlen  beschrieben (am dritten Tag: 1Mose 22,4; 2Mose 19,1.6; Hos 6,2; Mt 16,21; Joh 2,1; am siebten Tag: 2Mose 20,11; Hebr 4,4).

Somit hat der Tag EINS der Woche eine besondere Grundausstattung, sowohl bei der ersten Schöpfung (1Mose 1,1-5) als auch bei dem Beginn der zweiten  Schöpfung durch die Auferstehung von Jesus Christus (2Tim 1,10). Im Tag `EINS` ist natürlich `erster Tag` impliziert. Wird damit auch dem Reiter auf dem weißen Pferd unter dem Siegel EINS eine besondere Stellung einberaumt, eine Grundausstattung, die Neubeginn und Neuschöpfung darstellt?

Weil in allen himmlischen Wesen der eine Geist Gottes wirkt, weiß jeder was er zu tun oder zu sagen hat. Die Stimme, welche Johannes hört ist nicht zu überhören. Der Ruf kommt von  einem (ebenfalls Grundzahl) das heißt vom `ersten` der vier lebendigen Wesen, die in unmittelbarer Nähe um den Thron stehen. Die vier lebendigen Wesen, als Repräsentanten der gesamten Schöpfung treten hier in Aktion. Die Stimme hört sich an wie die Stimme / Ton des Donners: „Komm“. Doch wem gilt der Ruf? Da Johannes bereits da ist, gilt der Ruf dem Reiter, durch den die von Gott vorgesehenen Ereignisse bildhaft dargestellt werden. Neben Offb 6,1.3.5.7 kommt das gr. Verb `ἔρχου – erchou` noch in Mt 8,9; Lk 7,8; Offb 22,17+20 vor. Auch dort ist das „komm“ als Rufform verwendet, es schwingt aber auch der Akzent des Befehls mit. Auf jeden Fall aber ist der Ruf oder die Aufforderung stark betont. Daraufhin sieht Johannes das Bild von einem weißen Pferd `ἵππος λευκός – ippos leukos` mit seinem Reiter, wie im Text beschrieben. Bei diesem Bild dachten damals die Leser und Hörer an einen Herrscher oder Heerführer, der als Sieger von einem Krieg zurückkehrt. In den biblischen Geschichten werden Pferde als Kampfrosse eingesetzt. Wir betrachten Texte in denen Bilder von weißen Pferden (Rossen), von Bogen (Pfeilen) und von Siegeskränzen vorkommen. Erst danach versuchen wir die Identität und den Auftrag des Reiters zu deuten.

 

Abbildung 14 Der Reiter auf dem weißen Pferd. Bewusst ist das Gesicht des Reiters unkenntlich. Doch die gesamte Haltung strahlt Siegesgewissheit aus. (Zeichnung von J.S. 28. März 2021).

Das weiße Pferd

Wir halten uns an das Auslegungsprinzip – die Schrift wird mit der Schrift ausgelegt. Und die unklaren Stellen werden im Licht der eindeutig klaren Stellen gedeutet. Zuerst schauen wir Texte im Buch der Offenbarung an. Danach in den übrigen Schriften.

In Kapitel 19,11-15 ist das weiße Pferd (Kampfross) dem gerechten Richter der Welt zugeordnet. Der erste positive Eindruck wird noch verstärkt durch das Bild der ihm nachfolgenden himmlischen Heere, die ebenfalls auf weißen Rossen sitzen. Dort lesen wir: „Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen (Diademe); und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. Und er war angetan mit einem Gewand, das in Blut getaucht war, und sein Name ist: Das Wort Gottes. Und ihm folgten die Heere im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Seide. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage.“ In den Bildern aus Kap. 19 und Kap. 6 gibt es neben den Übereinstimmungen auch Unterschiede.

  1. Die eindeutigste optische Übereinstimmung ist die weiße Farbe des Pferdes, bzw. der Pferde. Das `weiß` des Pferdes aus Kap. 19 steht in Übereinstimmung mit dem, der auf dem Pferd als gerechter Richter der Welt sitzt. (Offb 19,8; 20,11; Ps 45,5-7; Jes 42,1-2; 48,1; Dan 7,9; Joh 5,27; 2Kor 6,7). Das weiß, die weiße Farbe wird in der Schrift überwiegend mit etwas Positivem in Verbindung gebracht: mit Reinheit (Offb 1,14; 3,18; 6,11; 7,13; 19,14), mit wahrer Identität (Offb 2,17; Mt 17,2; Mk 9,3) oder mit Herrlichkeit (Offb 14,14; 20,11; Mt 25,31; 17,2; Mk 9,3). Dies spricht dafür, dass auch durch die weiße Farbe des Pferdes in Offb 6,1-2 etwas Positives dargestellt wird.
  2. Aus dem Munde des Weltrichters geht ein zweischneidiges Schwert hervor, es ist das lebendige, richtende Wort Gottes (Hebr 4,12; Joh 12,48). In Offb 6,2 hat der Reiter einen Bogen (als Waffe), doch wie dieser eingesetzt wird, ist auf den ersten Blick noch nicht erkennbar. Da es im NT dafür keine bildhafte Entsprechung gibt, sind wir auf das AT angewiesen. Später mehr dazu unter dem Stichwort `der Bogen`.
  3. Der Richter der Welt trägt auf seinem Haupt viele Kronen (Diademe), königliche und priesterliche Insignien (2Mose 29,6; 39,30; 2Sam 1,10; Jes 62,3; Sach 9,16). Dem Reiter auf dem weißen Pferd in Kap 6,2 wird ein Siegeskranz (Stefanos) gegeben. Ein Unterschied auf den zu achten ist. Doch beides sind herrliche und ehrenvolle Insignien sowohl der Macht als auch des Sieges. Dieser Aspekt spricht ebenfalls für eine positive Bestimmung des Reiters auf dem weißen Pferd.
  4. Der Richter der Welt kämpft, bzw. richtet mit Gerechtigkeit und siegt, der Reiter auf dem weißen Pferd zieht aus siegreich (kämpfend) und um zu siegen. Eine Niederlage ist bei beiden ausgeschlossen. Auch dieser Vergleich spricht für eine positive Bestimmung bei dem Reiter auf dem weißen Pferd.

Die Parallelen in diesen beiden Bildern und Texten sind zwar offensichtlich, aber für eine eindeutige Identifizierung des Reiters  auf dem weißen Pferd mit Christus selbst scheinen sie noch nicht auszureichen. Da wundert es nicht, dass es gerade bei diesem Bild die kontrastvollsten Auslegungen gibt.

Weiße Pferde kommen nur noch in den Visionen des Propheten Sacharia vor. Inwieweit können diese Visionen unseren Text erhellen? Dort lesen wir: „Und ich hob meine Augen abermals auf und sah, und siehe, da waren vier Wagen, die kamen zwischen den zwei Bergen hervor; die Berge aber waren aus Kupfer. Am ersten Wagen waren rote (feurige) Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, allesamt stark. Und ich hob an und sprach zum Engel, der mit mir redete: Mein Herr, wer sind diese? Der Engel antwortete und sprach zu mir: Es sind die vier Winde des Himmels, die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher der ganzen Erde. Die schwarzen Rosse zogen in das Land des Nordens, die weißen zogen hinter ihnen her, und die scheckigen zogen in das Land des Südens. Diese starken Rosse also zogen aus und wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: Geht hin und durchzieht die Lande! Und sie durchzogen die Lande. Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: Sieh, die in das Land des Nordens ziehen, lassen meinen Geist ruhen (andere Üs:  lassen meinen Zorn nieder)  im Lande des Nordens.“ (Sach 6,1-8; vgl. auch mit Sach 1,8-11).

Es gibt Ähnlichkeiten zu den Texten aus Offb 6,1-8. Doch diese Visionen müssen zunächst im Gesamtkontext der göttlichen Offenbarung gesehen werden, dann aber auch im Kontext der heilsgeschichtlichen Periode jener Zeit gedeutet werden. Darin kann man folgendes erkennen:

  1. Diese vier Gespanne symbolisieren die vier Winde des Himmels (vgl. dazu Hebr 1,7; Ps 104,4 Engel / Geistwesen oder Gruppen von Geistwesen).
  2. Sie haben zunächst den Auftrag die Lande zu durchziehen, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Dann aber auch auf Befehl des Herrn in die Machtbereiche der Herrscher dieser Welt einzugreifen (Sach 1,8-11; 6,8). Dies geschah auch in der Zeit vor, während und nach dem babylonischem Exil (Visionen des Sacharia etwa 520-516 v.u.Z). Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Wiederherstellung Israels, wie folgender Text deutlich macht. „Da hob der Engel des HERRN an und sprach: HERR Zebaoth, wie lange noch willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über die Städte Judas, über die du zornig gewesen bist diese siebzig Jahre? Und der HERR antwortete dem Engel, der mit mir redete, freundliche Worte und tröstliche Worte. Und der Engel, der mit mir redete, sprach zu mir: Predige und sprich: So spricht der HERR Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer.“ (Sach 1,12-14). Wenn wir die Symbole aus Sacharia für das Verständnis über Offb 6 heranziehen, dann dürfen wir das zentrale Thema Gottes, die Gemeinde, nicht aus dem Blickfeld verlieren. Gott ist auf Gerechtigkeit bedacht und er begann mit seinem  Gericht damals an seinem Volk und seinem Haus um sie zur Umkehr zu bewegen. Dadurch sollte der Rest gerettet werden (Hes 28,25-26; Sach 3,8; 8,11-12; 12,8-9). Danach wendet er sich mit seinen Gerichten den Völkern zu. Weil sie ihre Macht missbraucht haben, wird er sie zur Rechenschaft ziehen (Sach 2,10-13).
  3. Auf dem Hintergrund der Bestimmung des Gespanns mit den weißen Rossen (Sach 6,6), die eindeutig im Dienst des Herrn stehen, würde auch dem Reiter auf dem weißen Pferd (Offb 6,2) eine positive Funktion zukommen. Das könnte bedeuten, dass Gott sein Gericht (in  Gerechtigkeit und Wahrheit) unter die Nationen bringt und zwar in neutestamentlicher Zeit durch das Evangelium von dem Reich Gottes (Sach 9,9ff; vgl. dazu auch Jes 42,1ff mit Mt 12,18-20; 24,14; 28,19-20; Apg 1,6-8). Wir stellen fest, dass sich die Visionen mit den Pferdegespannen aus Sacharia nicht eins zu eins auf Offb 6,1-8 übertragen lassen. Daher benötigen wir auch andere Texte aus dem Gesetz und den Propheten Mehr dazu unter den folgenden Siegeln.

 Der Bogen (in der Hand des Reiters)

Der Reiter auf dem weißen Pferd hatte einen Bogen. Pfeil und Köcher werden in diesem kurzen Text nicht erwähnt. Natürlich sollte ihr Fehlen nicht unbeachtet gelassen werden, denn Bogen als Waffe ohne Pfeil wäre wirkungslos, es sei denn es würde auf friedliche Zeiten hinweisen. Doch der Hinweis, dass der Reiter auszieht um zu siegen, setzt Kampf voraus. Dazu gibt es viele Textstellen in denen der Bogen als Waffe genannt ist ohne dass der Pfeil erwähnt wurde (Jes 13,18; Sach 10,3-6; Neh 4,7). Und oft ist von Pfeilen die Rede, ohne dass der Bogen erwähnt wird (Ps 45,6; Jes 49,2). Im NT kommt der Bogen als Waffe nur in Offb 6,2 vor, die Pfeile einmal und zwar als „feurigen Pfeile des Bösen“ (Eph 6,16). Von den etwa 76 Stellen im AT in denen der Bogen erwähnt wird (Pfeil etwa 66 Mal), beschreiben viele von ihnen physische Kampfhandlungen. Doch schauen wir uns einige Stellen an, in denen der Bogen und Pfeil auch in einem anderen Sinne eingesetzt wird. Zunächst jedoch zum Begriff selbst. Im Griechischen wird für Bogen das Wort `τόξον – toxon` verwendet, auch für den Regenbogen (1Mose 9,13-17). In der Offenbarung wird der Regenbogen jedoch mit dem Begriff `ἶρις – iris` beschrieben (vgl. Hes 1,28; mit Offb 4,3; 10,1). Zu erklären ist der Unterschied damit, dass von unserer Perspektive aus der Regenbogen immer nur als Halbkreis zu sehen ist. Aus der himmlischen Perspektive gesehen ist er ein Vollkreis, so die Beobachtung aus dem Flugzeug über den Regenwolken. Im Gegensatz zu Offb 4,3 und 10,1 handelt es sich in Offb 6,2 um den Bogen als Waffe.

Ursprünglich wurde mit Pfeil und Bogen Wild gejagt (1Mose 21,20: Ismael; 27,3; Esau). Doch wie bereits erwähnt, wurde Bogen und Pfeil für Kampfhandlungen eingesetzt (Jer 51,11; Sach 9,10). Es gibt jedoch auch mehrere  Texte, in denen diese Waffe im Dienst Gottes steht, allerdings sinnbildlich. So sagt der Herr durch den Propheten Sacharia: „Denn ich habe mir Juda zum Bogen gespannt und Ephraim darauf gelegt und will deine Söhne, Zion, aufbieten gegen deine Söhne, Griechenland, und will dich zum Schwert eines Helden machen.“ (Sach 9,13). In Jesaja 49,2 spricht der Messias von Gott in der 3. Person: „Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt.“ (Jes 49,1-6). Hier kann die bildhafte Anwendung des Schwertes und Pfeiles im Köcher (mit Bogen) durch den Messias gesehen werden. Ähnlich auch in dem messianischen Text aus Psalm 45,5-8: „Scharf sind deine Pfeile, dass Völker vor dir fallen; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs. Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter. Du liebst Gerechtigkeit und hassest Frevel; darum hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.“ (vgl. mit Hebr 1,8 wo diese Prophetie auf den Sohn Gottes bezogen wird).  Weitere Stellen 1Mose 48,22; Hab 3,9.

Gott verheißt: „Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“ (Sach 9,10). Nur in der Hand des Herrn (und seiner auserwählten Zeugen) werden die genannten Waffen richtig und zweckmäßig eingesetzt (Mk 3,5; Joh 18,4-6: „als Jesus sagte: ich bins, fielen sie zu Boden“; Apg 2,37a: „es stach sie ins Herz und sie sprachen: Männer Brüder, was sollen wir tun?“; Apg 5,4-10;  5,33; 7,54; 8,23; 9,3-4; 12,23; 13,10; 22,7; 24,25).

Darum kann in Offb 6,2 der Bogen (wenn auch der Pfeil nicht erwähnt wurde) als geistliche Waffe gesehen werden, ähnlich wie das Bild vom scharfen Schwert (Jes 49,2). Es bedeutet, dass dieser Bogen niemals zerbrechen wird und seine Pfeile treffsicher sind, sie verfehlen nie das Ziel.

Anmerking: Auffallend ist der Vergleich der Pfeile mit Blitzen (plötzlich, unerwartet, schnell), so in 2Sam 22,15: „Er schoss seine Pfeile und zerstreute die Feinde, er sandte Blitze und erschreckte sie.“; (ähnlich auch Ps 77,18; Sach 9,14; 5Mose 32,23). Dies lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Aussagen in der Offenbarung, in denen Blitze von Gottes Thron ausgehen und Gerichte ankündigen (Offb 4,5; 8,5; 11,19; 16,18). Gott wendet diese Waffen auf seine Weise an.

Aufgrund dieser Textaussagen lässt sich bei  dem Bild des Reiters mit dem Bogen der Einsatz im Auftrag Gottes begründen. Es bedeutet Rettung für die, welche mit Umkehr darauf reagieren und Gericht für die, welche sich seinem Wirken widersetzen.

 Der Kranz (Siegeskranz) auf dem Haupt des Reiters

Dem Reiter wurde ein Kranz (auf sein Haupt) gegeben. In der Offenbarung wird zwischen Krone – Diadem und Kranz – Stefanos unterschieden. In diesem Text wird der Begriff  `στέφανος –  stefanos – Kranz` verwendet. Der Kranz war seit Urzeiten bekannt (Hiob 31,36; Spr 1,9; 4,9; Jes 28,5 ). Der erste, der im NT einen Kranz trägt ist Jesus. Der Ap. Paulus entnahm das Bild vom Kranz aus dem Sportkampf der Athleten im Stadion. An die Korinther scheibt er: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz (Siegeskranz) empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“ (1Kor 9,24-25).

In den Texten des NT wird der Kranz meistens mit einem Zusatz versehen. Beispiele:

  1. `Kranz aus Dornen` also `Dornenkranz` (Mk 15,17; Mt 27,29; Joh 19,2-5). Dieser wurde ihm zur Verspottung und Entwürdigung aufgesetzt.  Jesus wurde zum größten Sieger aller Zeiten, denn er gab den Kampf nicht auf bis in den Tod und siegte dadurch. Er legte den Grund für den wahren und unvergänglichen Siegeskranz für alle, die ihm vertrauen.
  2. Als `Kranz des Sieges` (1Kor 9,24-25; 2Tim 2,5; Offb 3,11; 6,2).
  3. Als `Kranz der Gerechtigkeit` (2Tim 4,8). Dieser ist bereitet allen, die wie Paulus den guten Kampf bis zum Ende kämpfen.
  4. Als `Kranz des Lebens` (Offb  2,10; Jak 1,12). Der Kranz des Lebens ist das geistliche Leben aus Gott durch den Glauben an Jesus Christus (Joh 5,24-25).
  5. Als `goldene Kränze` (Offb 4,4.10) die 24 Älteste tragen sie; ebenso der himmlische Bote, gleich einem Menschensohn (Offb 14,14).
  6. Als `unvergänglicher Kranz der Herrlichkeit` (1Petr 5,4; verheißen den treuen Hirten).
  7. Als `Ruhmeskranz` (1Thes 2,19; Phil 4,1).
  8. Als `Kranz aus 12 Sternen` (Offb 12,1). Die Frau mit der Sonne bekleidet trägt diesen Ehrenkranz.

Siegeskranz (Kränze) werden in der Schrift mindestens 20 Mal erwähnt. Und nur 1 Mal ausdrücklich bezogen auf ein feindliches Heer, allerdings mit dem Zusatz `wie`.  Zitat: „und auf ihren Köpfen (war es) wie Siegeskränze dem Gold gleich (ähnlich), …“  (Offb 9,7). Diese Siegeskränze sind eine Fälschung, sie täuschen durch ihre äußere Erscheinung. Bei den 18 anderen Textstellen geht es um echte Kränze. Daher handelt es sich in Offb 6,2 um einen echten und von Gott verliehenen Siegeskranz.

Der siegende Reiter

Von diesem Reiter wird gesagt, dass er auszog „siegend und um zu siegen“. Da ihm auch noch der Siegeskranz gegeben wurde, ist eine Niederlage ausgeschlossen. Nicht vorstellbar, dass Gott solch einen Siegeszug dem Feindeslager zubilligen würde. Doch mit wem oder womit lässt sich dieser Sieger identifizieren? Unter den Auslegern sind die Positionen zum Teil gegensätzlich. Die Sichtweisen reichen von Christus bis zum Antichristen, dazu noch verschiedene Zwischenvarianten.

Seit dem Sündenfall scheint das Böse sich immer wieder durchzusetzen. Der Stärkere besiegt den Schwächeren (1Mose 4; 6; 10-11; 14; 19). Die Lügenpropheten hatten und haben in allen Kulturen und Epochen Hochkonjuktur. Die Gesetzlosigkeit nimmt hier und da immer mehr zu. Ja, der Drache, das Tier, der falsche Prophet erringen scheinbar immer mehr Siege. So lesen wir in Offb 13,7-8: „Und es wurde ihm (dem Tier) gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden (besiegen); und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, (jeder) dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt.“ (ähnlich auch Offb 11,7). Aber ist das schon eine Begründung für den Sieg des Tieres und aller finsterer Mächte an allen Fronten? Dem scheinbaren Sieg der Mächte der Finsternis steht der Sieg des Christus gegenüber, beginnend in der Verheißung (1Mose 3,15) und abschließend im Endgericht (Offb 20,10-15).

In dem Bild des Reiters auf dem weißen Pferd (Offb.6,1-2; 19,11-15) wird der siegreiche Beginn, die Entfaltung  und Vollendung des Reiches Gottes mit Jesus Christus als König und Herr  dargestellt. In Daniel 7,9-14 wird dieses Reich und die Herrschaft dem Menschensohn übergeben. „Ihm wurde gegeben Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“  Und Dan 7,27: „Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.“ Dieses Reich Gottes kam in diese Welt durch und in der Person von Jesus Christus, dem menschgewordenem Gottessohn (Joh 18,36-37). Demnach ist Jesus, der Retter, bereits als König und Herr geboren worden. So verkündigte der Engel Gabriel Maria: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ (Lk 1,33). Jesus macht klar: „Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt,“ (Lk 16,16; dazu auch Mt 4,23; 9,35; 24,14). Während seines Dienstes sagte Jesus zu seinen Gegnern: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Mt 12,28; ähnllich auch Mk 3,27; Lk 10,18-20; Kol 2,15).

Anders als in Offb 19,11-15 wo Jesus als Weltrichter für alle sichtbar einherzieht , scheint er sich in Offb 6,1-2 nicht so offensichtlich zu erkennen geben. Er regiert von seinem Thron aus, doch hier auf Erden hat er sein Volk, das geleitet und ausgestattet ist mit dem Heiligen Geist (Apg 1,8; 2Kor 10,4-5). Jesus legte die Grundlage für diesen siegreichen Kampf. Er sagte seinen Jüngern: „Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33). Und in Offb 5,5 sagt einer der Ältesten zu Johannes: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden (gesiegt) der Löwe aus dem Stamm Juda“.

Das Bild des Reiters auf dem weißen Pferd symbolisiert auch den Siegeszug des Evangeliums (Mt 24,14; 28,17-20; Lk 24,47; Apg 1,8; 2-12; 13-28; Röm 1,17; 15,19). Für die Glaubenden dient es zur Rettung, für die, welche es ablehnen, zum Gericht. „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.  Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“ (Joh 3,18-19).

Der Reiter auf dem weißen Pferd ist auch ein Bild für alle, die durch den Glauben an Jesus Christus und durch die Kraft des Heiligen Geistes siegend voranschreiten im Kampf gegen Sünde und die finsteren Mächte des Satans. „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.“ (Eph 6,12). Johannes schreibt: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet (besiegt) die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“ (1Joh 5,4). Oder: „Wer aber ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1Joh 5,5). Und in 1Kor 15,57 schreibt Paulus::„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ Und in Röm 8,37 steht: „Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“ (dazu auch 2Kor 2,14).

Seit Beginn des Kampfes zwischen Gott und dem Feind, dem Satan, dem Drachen, der alten Schlange (1Mose 3,15) steht der Sieg durch den Retter, König und Richter Jesus Christus fest. Und mit ihm siegen die Gläubigen aller Zeiten Zu diesen zählen auch alle Überwinder und Blutzeugen seit Abel (Lk 11,51). Es ist die Überwinderschar, deren Namen im Buch des Lebens stehen und die das Tier nicht angebetet haben. „Und sie haben ihn (den Drachen) überwunden (besiegt) wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!“ (Offb 12,11). Ja, die Verfolgungen und das Märtyrertum ist in diesem geistlichen Siegeszug eingeschlossen.  „Und ich sah, wie sich ein gläsernes Meer mit Feuer vermengte, und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen.“ (Offb 15,2).

Ja, der Kampf ist zwar noch nicht zu Ende, doch der Siegende (die Siegenden) stehen bereits fest: „und das Lamm wird sie überwinden (besiegen); denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue.“ (Offb 17,14; ebenso 19,11-15). Somit ist die gesamte Heilsgeschichte von zwei sehr ähnlichen Bildern (Offb 6,1-2 und 19,11-15 ), die einen Siegeszug darstellen eingerahmt.

 

 

 

 

3.2 Das Lamm öffnet das zweite Siegel – Das feuerrote Pferd und sein Reiter

Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich das zweite Lebewesen sagen: Komm! Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.“ (Offb 6,3-4).

Nach der Öffnung des zweiten Siegels durch das Lamm, tritt das zweite lebendige Wesen in Aktion und ruft: „Komm“. Und sogleich sieht Johannes ein zweites Pferd. Während das erste (weiße) Pferd durch eine eindeutige  Farbbezeichnung beschrieben wird,das zweite Pferd als feuerrot (genauer als feurig) beschrieben. Die farbliche Komponente `rot, gr. kokkino` kommt hier im Text nicht vor. Im griechischen steht dafür `πυρρός – pyrros`, (Adj.) abgeleitet von `pyr` für Feuer (Offb 9,17: feurige Panzer; 12,3: feuriger Drache; 19,20 und 20,14: feuriger See; 4Mose 14,14: feurige Säule; 21,6 und 5Mose 8,15: feurige Schlangen; 2Kön 2,11: feuriger Wagen; 2Kön 6,17: feurige Rosse: Sach 1,8: feuriges Pferd:  2,9: feurige Mauer).

Abbildung 15 Der Reiter auf dem feurigen Pferd, mit einem großen Schwert in der Hand (Zeichnung von J.S. am 25. April 2021).

Das Pferd ist nicht feurig im Sinne, dass es lodernd brannte, aber es steht für etwas Bedrohliches, Verzehrendes und Vernichtendes wenn es sich auf den buchstäblichen physischen Bereich bezieht. Feuer steht aber auch für Gericht. Mit Feuer wurden Häuser, Städte und Getreidefelder verbrannt (1Mose 19,24; 2Mose 9,23; Ri 15,5; 18,27; Jes 1,7; Mt 22,7). Diesem Reiter „wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten.“ Die Formulierung: ihm wurdeMacht gegeben“ erinnert an Jesus, der Pilatus sagte: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre.“ (Joh 19,11). Gott verleiht Macht, doch er ist nicht der Urheber und Förderer der Ungerechtigkeit (vergleiche dazu auch: Hiob 1,8ff; 2,3ff; Dan 2,21; 7,25; Lk 22,53; Jak 1,13). Der Frieden wurde von der Erde genpmmen, die Ursachen dafür liegen in der verdorbenen Natur des Menschen (Jak 4,1). Habgier führt zum Streit und weil keiner nachgibt, kommt es zum Streit und Krieg. Und dies geschah unter anderem durch den Einsatz der kriegerischen Waffe `Schwert ` (gr. (μάχαιρα – machaira). Betont wird, dass dem Reiter ein Großes Schwert gegeben wurde. Es gab verschiedene Arten, Formen und Größen deser Waffenart. Hier einige Stellen in denen diese Waffe im buchstäblichen Sinne gemeint ist: Offb 13,10.14; Hebr 11,34.37; Röm 13,4; 8,35; Apg 16,27; 12,1-2;  Lk 22,36-38. 49-52; Mt 26,47.51-55. Doch diese Waffe wird auch im übertragenen Sinne gebraucht (Mt 10,34; Hebr 4,12; Eph 6,17). Für die Waffe Schwert gibt es auch eine andere Bezeichnung `ῥομφαία – romfaia`, welches auch im übertragenen Sinne verwendet wird (Offb 1,16; 2,16; 19,15.21; Lk 2,35). Doch auch diese Schwertart ist ursprünglich als Waffe zum physischen töten geschaffen worden wie der Vergleich von Offb 6,4 mit 6,8 nahelegt. Hier wird noch mal deutlich wie wichtig es ist, den Kontext zu beachten. Und wie gefährlich es werden kann, wenn die Schrift nur buchstäblich ausgelegt wird.

Die gr. Formulierung `ἀλλήλους σφάξουσιν – allelous sfaxousin`  heißt eigentlich `einander schlachteten, abschlachteten. Das gr. Verb `sfaxousin ` wird häufig im liturgischen Bereich (schlachten der Opfertiere) verwendet (2Mose 12,6 u.a.m.), auch bezogen auf das Lamm Gottes (Offb 5,6.12; 13,8; Jes 53,7; Apg 8,32). Der Begriff wird auch für das Abschlachten der Zeugen von Jesus verwendet (Offb 6,9). Der Tötungsbegriff `schlachten` wird auch bei Kriegshandlungen mit dem Einsatz von Schwert verwendet (Hes 21,15.20.33). In 2Sam 11,25 und Jer 12,12 wird vom Schwert gesagt, dass es frisst (gr. fagetai), es handelt sich um die gleiche Wortwurzel wie auch in den oben genannten Stellen von Offb 6,4. Dazu heißt es, dass sie einander schlachteten, man kann sogar sagen einander (mit dem Schwert) auffraßen (vgl. dazu Sach 8,10). Das doeses Verb sogar im Wort `sarkofagos – Fleischfresser` seinen Niederschlag fand.  Zeigt seine breite verwendung.

Im Bild vom Reiter auf dem feurigen Pferd geht es um Kriege und Zerstörung  aller Art, wie sie seit Kain gab und wie sie Jesus vorausgesagt hat in seiner Ölbergrede (Mt 24,7-9; Mk 13; Lk 21)  Damit geht einher, dass der Frieden genommen wird sowohl im lokalen als auch im globalen Umfang. Dass die Gäubigen an Jesus unter diesen Umständen oft genauso leiden wie alle anderen Menschen liegt auf der Hand. Doch um des Reiches Gottes willen und der Verbreitung des Evangeliums, erleben Gläubige auch besonderen Schutz. Beispiele: Durch die rechtzeitige Flucht aus Jerusalem und Judäa, entgingen viele Christen der notvollen Belagerung durch die Römer in den Jahren 66-70 n.Chr., der Hungersnot, dem physischen Tod oder der Gefangenschaft. Selbst Jesus mied in der Regel Gefahrenzonen (Joh 7,1). Ebenso seine Nachfolger (Apg 12: 16; 17: 20). Obwohl durch dieses Bild eindeutig zerstörerische, also negative Geschehnisse dargestellt werden, geschieht es unter der Zulassung und Kontrolle dessen, der auf dem Thron ist.

Das Reiterheer aus Offb 9 ist ebenfalls eine feindliche Macht, doch durch sie wird uns eine andere Perspektive gezeigt. Daher wenden wir uns wieder an den Propheten Sacharia (Kapitel 1 und 6) und schauen ob und welche Parallelen darin zu erkennen sind. „Ich sah in dieser Nacht, und siehe, ein Mann saß auf einem roten (feurigen) Pferde, und er hielt zwischen den Myrten in der Tiefe, und hinter ihm waren rote (feurige), braune und weiße Pferde.“ (Sach 1,8 ähnlich auch in 6,2; feurige Pferde). Wie bereits in dem Abschnitt 4.1 beschrieben, handelt es sich um die vier Winde (Geistwesen), die vor dem Herrn der Erde stehen und in seinem Auftrag ausziehen. Der genaue Auftrag für das Pferdegespann mit den feurigen Rossen ist nicht erkennbar. Auch der Reiter auf dem einzelnen feurigen Pferd (Sach 1,8) hat eine andere Funktion als der aus Offb 6,3-4. Trotz einiger Ähnlichkeiten zu Sacharia 1 und 6 ist die Wirksamkeit des Reiters auf dem feurigen Pferd aus Offb 6,3-4 konkreter beschrieben. Vom Gesamtkonzept des Buches Sacharia  ist ersichtlich, dass der Herr durch Gericht und Gnade die Wiederherstellung Israels (Jerusalem, Tempel) im Auge hat. Gleichzeitig aber die Völker durch Gericht zur Rechenschaft ziehen wird, um auch diese zur Umkehr zu rufen (Sach 1,13-17; 2,1-17; 8,20-22).

Doch auch die Texte aus den Büchern Jeremia und Hesekiel werfen Licht auf die Bilder aus Offb 6,3-8.

Noch in der Zeit vor dem babylonischen Exil war der Tenor der von Gott berufenem Propheten Jeremia und Hesekiel, dass das Gericht über Jerusalem durch Schwert, Hunger und Pest bevorsteht. Mehr als 20 Mal werden diese Gerichts Geiseln allein durch diese beiden Propheten für Juda und Jerusalem angekündigt ((Zum Beispeil: Jer 14,11-17; 16,4; 21,6-9; 24,10; 27,8-10; 29,18; 32,24.36; 34,17; 38,2; 42,17.22; 44,13;  Hes 5,12.17; 6,11-12; 7,15; 12,16; 14,21).

Danach und zu seiner Zeit wird der Herr die Völker zur Rechenschaft ziehen (Jer 25,29). Es ist geradezu auffallend, dass Jesus gleiches sagt wie die früheren Propheten wenn er über Jerusalem Krieg und Zerstörung voraussagt (Mt 24,15; Lk 21,20-22). Und ebenso im globalen Ausmaß. „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere.“ (Mt 24,6-7). Bereits hier erkennen wir eine Kontinuität, indem Gott aufgrind seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit in die Geschichte seines Volkes und der Nationen eingreift. Sein Zorn äußert sich in der Rache, das heißt in gerechter Vergeltung. Damit wird eindeutig auch der Entfaltung des Bösen Einhalt geboten. Folgende Texte erhellen diesen Sachverhalt: 1Mose 6,1ff: Gericht durch die Sinflut;  1Mose 15,14ff: Gericht über Ägypten; 3Mose 26,33; 5Mose 4,27;  7,15;  28,60-64;  32,35: Androhung des Gerichtes; ebenso Hab 1,5-8; Jes 45,7; 46,11. Dabei kann man sehen, dass Gott in der Regel zunächst an seinem Volk handelt, danach an den übrigen Völkern (Jer 25,29; 1Petr 4,17: denn das Gericht beginnt am Hause Gottes). Dabei steht immer die Reinigung und Heiligung seines Volkes im Vordergrund. Doch diese Gerichte Gottes werden auf unterschiedliche Weise durgeführt:

  • Gott greift direkt ein (1Mose 6,1ff: Sintflut über die ganze Welt, 1Mose 19: Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra, Adama und Zeboim);
  • Durch seine Engel (2Mose 12,23.29; 2Kön 19,35);
  • Durch Weltherrscher (Jes 46,11; Jer 25,9: Nebukadnezar; Jes 44,28: Kyrus);
  • Durch jemand, der nicht direkt von Gott gerufen wurde, aber Gott gewähren ließ (Dan 9,26; Mt 24,15; Lk 21,20-22). Wenn Gott seine Gegenwart zurückzieht, ist ein Volk der Bosheit von Menschen ausgeliefert. Dies gilt auch für den einzelnen Menschen.

Mit dem Kommen des Reiches Gottes in diese Welt durch Jesus Christus kommt noch eine weitere Ebene des Gerichtes hinzu (Dan 7,13-14.27; Lk 1,31-33 mit 2Sam 7,11-13). Gegen dieses neue Reich Gottes stellen sich nicht nur die Könige der Erde, sondern auch die Führung Israels. (Ps 2,1ff mit Apg 4,24ff). In der Person von Jesus kam dieses himmlische Gottesreich auf die Erde. Bereits die Predigt des Evangeliums war Gericht für die Menschen (Joh 3,17-19; 5,22-24.27; Jes 42,1ff).

Jesus ist demnach der Richter der Welt, der seine richterliche Funktion ausübt. 1Petr 3,22: „welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und es sind ihm untertan die Engel und die Gewalten und die Mächte.“ Dabei beginnt er in seiner Gemeinde (1Petr 4,17). Beispiele: Offb 2,16: Tue nun Buße; wenn aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und gegen sie streiten mit dem Schwert meines Mundes.“ (Offb 19,11-15).

Im Reich der Finsternis und des Satans sind alle Mittel recht und geistliche Dunkelheit liegt über den Völkern. „… unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.“ (Eph 2,2b). Doch Gottes übergeordnetes Ziel ist jedoch durch seine globalen Gerichte auch die Völker zur Umkehr zu bewegen. Dies ist auch einer der Grundtöne in der Offenbarung und wird bestätigt duch das Evangelium von Jesus Christus.

 

3.3 Das Lamm öffnet das dritte Siegel – Das schwarze Pferd und sein Reiter

(Bibeltext: Offb 6,5-6)

Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte etwas wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu! (Ofb 6,5-6).

Ein schwarzes Pferd

 

Abbildung 16 Der Reiter auf dem feurigen Pferd, mit einem großen Schwert in der Hand (Zeichnung von J.S. am 25. April 2021).

Die gr. Bezeichnung für die Farbe schwarz ist `μέλας – melas` In einigen Texten ist die Farbe schwarz neutral, stellt also nichts Negatives dar (2Joh 1,12: schwarze (Tinte); Mt 5,36: schwazes Haar).

In anderen Texten weist das schwarze, finstere auf etwas Unheilbringendes hin (Sach 6,2.6: schwarze Rosse; Offb 6,12: Sonne wurde schwarz; Joel 2,1ff: finsterer, dunkler Tag). Der Reiter hat eine Waage in seiner Hand. Die gr. Bezeichnung dafür ist ` ζυγὸν – zygon` (Akk.). Dieses Wort kommt im Substantiv ungefähr 78 Mal (und oft als Verb) an verschiedenen Stellen des AT vor und wird sowohl für Waage als auch für Joch gebraucht.

Als Waage: 1Mose 23,16; 3Mose 19,36: Jes 46,6; Jer 32,9-10: „Und ich schrieb einen Kaufbrief und versiegelte ihn und nahm Zeugen dazu und wog das Geld dar auf der Waage.“.

Als Joch: 1Mose 27,40; 4Mose 19,2). In den Texten des NT jedoch wird der Begriff (außer von Offb 6,5) durchweg mit Joch übersetzt: Mt 11,29+30; Apg 15,10; Gal 5,1; 2Kor 6,14; 1Tim 6,1. Dass den beiden Gegenständen dasselbe griechische Wort zugrunde liegt, hat wohl mit deren Beschaffenheit und Bestimmung zu tun. Wie bei einer Waage das Gewicht bestimmt wird, so kann auch bei einem Joch die  Last  gleich verteilt werden. Im jeweiligen Kontext wird klar, was gemeint ist. Da es in Offenbarung 6,5-6 um Verkauf und Kauf  von Nahrungsmitteln geht (Weizen und Gerste) ist es verständlich, dass `zygon` mit Waage übersetzt wird.

Anscheinend wurde nicht das Getreide, sondern nur das Geld (Gold, Silber, Kupfer) mit der Waage abgewogen (Jes 46,6; Jer 32,10). Das Getreide jedoch wurde mit einem Hohlmaß gemessen. Der Verkauf von alltäglichen, notwendigen Lebensmitteln zum hohen Preis (1 Maß Weizen und 3 Maß Gerste = 1 Denar = Tageslohn) ist ein Hinweis für Mangel an diesen wichtigen Grundnahrungsmitteln. Der Begriff für die Maßeinheit im Text ist `χοῖνιξ – choinix`, er kommt  nur an dieser Stelle des NT vor. Dieses Holmaß variiert je nach Landschaft und Periode. Das (kleinste) Choinix = etwa 1 Liter, wäre ein realistischer Anhaltspunkt. Dies entspäche etwa einer Tagesration Weizen für eine Person, bei drei Choinix Gerste eben für drei Personen. Einige Ausleger nehmen an, dass es sich dabei um eine achtfache (oder mehr) Verteuerung dieser Grundnahrungsmittel handeln könnte.

Die Geschichte aus 2Kön 7,1 bei der man für einen Scheckel etwa 7 (13) Liter Holmaß (gr. metron) feinstes Weizenmehl kaufen konnte spricht dagegen für Überfluß.

Die äußeren Ursachen für den Mangel an den genannten Grindnahrungsmitteln sind Kriege, Dürre, Heuschreckenplagen, Hagel oder auch Feuersbrände (1Mose 12,10; 26,1; 41-47; 2Mose 9,25; 2Sam 21,1; 1Kön 18,2; 2Kön 6,25; Hes 14,13; Apg 11,28). Aber die eigentlichen Gründe für Hunger liegen tiefer, wie folgende Textstellen nahelegen (Ri 6,1-6; 1Chr 21,12; Jer 12,9; 14,11-17; 16,4; 21,6-9; 24,10; 27,8-10; 29,18; 32,24.36; 34,17; 38,2; 42,17.22; 44,13;  Hos 2,14; 4,16-17; 5,12.17; 6,11-12; 7,15; 12,16; 14,14.21; 33,27; 34,28).

Mit dem Begriff `λιμοὶ – limoi` (Pl.) sagt Jesus in seinen Endzeitreden Hungersnöte voraus ((Mt 24,7; Mk 13,8;  Lk 21,11). Unter dem Kaiser Klaudius (41-54) traf eine große Hungersnot ein (Apg 11,28). Diese traf auch die Gläubigen in Judäa und Jerusalem. Wie Jesus, so ermutigt auch der Ap. Paulus zur Furchtlsosigkeit in solchen Zeiten (Röm 8,35).

Dem Öl und dem Wein soll kein Schaden zugefügt werden. Diese sind davon ausgespart. Diese beiden Produkte wurden unter anderem auch im medizinischem Bereicht verwendet. Einige Ausleger sehen in ihnen Luxusprodukte, welche in erster Linie den Reichen zugänglich waren. Ölbäume und die Reben wachsen auch ohne besondere Pflege, sie sind auch nicht derart auf das Wetter (Frühregen und Spätregen) angewiesen. Auch in den Dürreperioden tragen sie Früchte. Was das bedeutet? Gott nimmt nicht alles weg. Bis zum Endgericht ist in den Zwischengerichten immer auch noch die Barmherzigkeit Gottes erkennbar. Sein Ziel ist, dass die Menschen sich ihm zuwenden. Dass die Gläubigen  vor solchen Notzeiten verschont bleiben, hat Jesus nicht versprochen. Doch sie lernen dabei mit anderen zu teilen (Mt 25,35; Apg 11,28; 2Kor 9-10).

 

3.4 Das Lamm öffnet das vierte Siegel – Das fahle Pferd und sein Reiter

(Bibeltext: Offb 6,7-8)

Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist Tod; und der Hades folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde.“ (Offb 6,7-8).

Der Wortlaut zum Einstieg in die vierte Szene ist der gleiche wie auch bei den drei vorhergehenden, nur dass der Ruf `komm` jetzt vom vierten lebendigen Wesen erschallt. Das vierte Pferd wird in den meisten Übersetzungen als fahl bezeichnet, Der gr. Begriff im Text ist `χλωρός – chloros – grün`. Nach Wikipedia ist das Chlorophyll die grüne Substanz im Gras und `chloros` wird mit `gelblich-grün` übersetzt. Demnach könnte dieser Farbton den charakterisieren, der darauf sitzt. Nach Offb 8,7; 9,4 und Mk 6,39; 1Mose 1,30; 2Mose 10,15 wird `chloros` mit grün übersetzt und zwar im Zusammenhang mit Gras. In Ps 37,2 werden die Gottlosen (Menschen) mit der Kurzlebigkeit des grünen Graßes verglichen. „Denn wie das Gras werden sie bald (schnell) verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.“ (ähnlich auch 2Kön 19,26; Jes 37,27; Jer 14,6; und allgemein für die Vergänglichkeit des Menschen: Mt 6,30; Jak 1,11; 1Petr 1,24). Damit würde durch die optische Erscheinung des Pferdes die Kurzlebigkeit und Vergänglichkeit des Menschen zum Ausdruck gebracht. Dies passt zu seinem Reiter, dem Tod.

Nahezu 300 Mal kommt der Begriff `Tod` in der Bibel vor, Er ist keine Person, kein Wesen, er ist sozusagen eine Machtgröße.(Offb 2,10.11.23; 6,8; 9,6; 18,8; 20,6.13.14; 21,4.8; 1Kor 15,21.26,54). Sein Name ist Tod, doch über sein Aussehen wird nichts gesagt, nur das ihm der Hades (Totenreich) wie im Schlepptau folgte. Während es bei den ersten zwei Reitern heißt: „ihm wurde gegeben“ (Sing.), steht hier: „ihnen wurde gegeben“ (im Pl.). Bezieht sich das ihnen auf alle vier Reiter oder auf den zweiten, dritten und vierten oder nur auf den letzten, dem der Hades folgte? Wäre der Tod und Hades nicht direkt davor im Doppelpack genannt worden, würde das „ihnen“ die vorhergehenden Reiter miteinschließen. Der Satzbau legt es jedoch nahe, dass sich das „ihnen“ auf den Tod und den ihm nachfolgenden Hades bezieht. Auch in Offb  1,18; und 20,13-14 werden Tod und Hades im Gespann als zwei Machtgrößen genannt (vgl. dazu auch Röm 5,14; Mt 16,18). Doch ihre Macht ist begrenzt und auch eingeschränkt, eben nur über den vierten Teil der Erde (vgl. auch mit Offb 9,17-20).

Vier sogenannte Werkzeuge (Waffen) werden durch sie zum töten eingesetzt:

  1. Schwert (Kriege, Aufstände, Hinrichtungen aller Art, auch die der Zeugen Jesu)
  2. Hunger (Hungersnöte, Mangel an Nahrung durch Missernten oder Zerstörung derselben)
  3. Todespest (Seuchen aller Art, tödliche Krankheiten)
  4. Wilde Tiere der Erde (durchaus auch kleinerer giftiger Tiere oder Insekten).

Anmerkung: Nach einer Auslegungsvariante werden die `wilden Tiere` dem Bild des ersten Reiters zugeordnet und zwar im übertragenen Sinne als Verführer (2Kor 11,14; Mt 24,4-5). In der Tat vergleicht Jesus Verführer mit reisenden Wölfen (Mt 7,15). Auch bei Paulus finden wir diese Vergleiche (Apg 20,29). Diesen Vergleich gab es auch schon in Israel (Hes 22,27). Doch ist dieser Vergleich auch für Offb 6,2 und 6,8 anwendbar?

Da jedoch im Text das Schwert, Hunger und (Todespest) zum physischen töten eingesetzt werden, warum nicht auch buchstäblich durch wilde Tiere? Auch die wilden Tiere sind für Menschen eine lebensbedrohliche Gefahr. In der Natur ist dies zu beobachten und die binlische Geschichte bestätigt es. Hier einige Beispiele:

  • 1Mose 9,4-5: wilde Tiere stellen eine reale Gefahr für den Menschen dar, so die Schutzmaßnahme Gottes.
  • 2Mose 23,29: wilde Tiere;
  • 2Mose 9,15: Todespest; den Tiere, Schwert, Pest, Hunger; 4Mose 21,6: Schlangen;
  • 5Mose 32,25: Schwert;
  • 1Kön 8,37ff: Hungersnot, Getreidebrand, Krankheit, Heuschrecken;
  • 1Chr 21,12: 7 Jahre Hunger oder drei Monate Schwert oder 3 Tage Pest. David wählte 3 Tage Pest, obwohl diese Plage die schlimmste war, denn er sagte: lieber in die Hände Gottes fallen als in die Hände der Feinde.
  • Ps 91,6: Pest, Seuche;
  • Jer 14,15-16: Schwert, Hunger; Jer 16,4: böse Krankheiten, Schwert, Hunger; Jer 21,6-9: Pest, Schwert, Hunger; Jer 24,10: Schwert, Hunger, Pest; Jer 27,8-10: Schwert, Hunger, Pest; Jer 29,18: Schwert, Hunger, Pest; Jer 32,24.36: Schwert, Hunger, Pest; Jer 34,17: Schwert, Pest, Hunger; Jer 38,2: Schwert, Hunger, Pest; Jer 42,17.22: Schwert, Hunger, Pest; Jer 44,13: Schwert, Hunger, Pest.
  • Hes 5,12; Pest, Hunger, Schwert; Hes 5,.17: Hunger, böse Tiere, Pest; Hes 6,11-12: Schwert, Hunger, Pest; Hes 7,15: Schwert, Hunger, Pest; Hes 12,16: Schwert, Hunger, Pest.
  • Hes14,21: „Denn so spricht Gott der HERR: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh,“ (Hes 14,14-21). Dies sind genau die vier Bestandteile, die auch in Offb 6,8 eingesetzt werden.
  • Hes Hes 33,27: Wilde Tiere, Schwer, Pest.
  • Mt 24,6-7: Schwert (Kriege), Hungersnot, Erdbeben.
  • Lk 21,11: Schwert (Kriege), große Erdbeben, Hunger, Seuchen.
  • Lk 21,20-22: Große Not, Schwert, Gefangenschaft. Unübersehbar scheinen diese Aussagen die Texte von Offb 6,3-8 zu erhellen. Das weiße Pferd steht dazu in einem starken Kontrast.

Der Tod und das Totenreich machen reiche Beute durch die verschiedenen Werkzeuge, auch Menschen sind dabei beteiligt. Diese Texte geben Einblick in das aktive, aber auch in das zulassende Handeln Gottes. Sein Ziel war es damals dasVolk Israel durch Gerichte zur Umkehr zu bewegen und gleichzeitig  seine Gerechtigkeit unter den Völkern zu offenbaren. Gott allein weiß genau, wie viele Menschen (auch Unschuldige und Zeugen Jesu) täglich, jährlich und im Laufe der Jahrtausende eines unnatürlichen, oft sehr frühen Todes gestorben sind, bzw. umgebracht wurden. Dabei handelt es sich um den vierten Teil (1Mose 4,1ff).

 

3.5 Das Lamm öffnet das fünfte Siegel – Die Seelen der Zeugen unter dem Altar

(Bibeltext: Offb 6,9-11)

Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten.“ (Ofb 6,9-11).

Nach der Öffnung des fünften Siegels sieht Johannes ein ganz anderes Bild. Es wird eine Szene gezeigt, die sich im Himmel in unmittelbarer Nähe Gottes abspielt. Was er sieht sind die Seelen derer, die um des Wortes Gottes und des Zeugnisses willen das sie hatten, umgebracht worden sind.

Folgende Fragen stellen sich uns aus diesem Text:

  1. Wie ist die Bezeichnung Seelen zu verstehen? Wie ist ihr Stand und in welchem Zustand befinden sie sich?
  2. Wo befinden sie sich? Welcher Altar ist im Text gemeint?
  3. An wen wenden sie sich und wonach fragen sie? Ist ihr Ruf nach Rache berechtigt?
  4. Was bekommen sie zugeteilt und was wird ihnen zugesagt?
  5. Welche indirekte Botschaft wird den Gläubigen auf der Erde vermittelt?

 

Die Seelen der Zeugen

Die deutsche Bezeichnung `Seele` ist nicht ganz einfach zu definieren. Der Grund liegt darin, dass  im griechischen Wort ` psych¢ ` mehrere Aspekte des Lebens enthalten sind.

  1. Mit `psych¢  – Seele` wird ein (lebendiges) Wesen, eine lebendige Person beschrieben (1Mose 2,7: der Mensch wurde zu einem lebendigen Wesen; 5Mose 10,22: „Siebzig Seelen gleich siebzig (lebendige) Menschen oder Personen; Apg 2,41: dreitausend Seelen, gemeint sind ,Menschen, Personen.
  2. Mit `psych¢  – Seele` wird auch (physisches) Leben des Menschen beschrieben (1Mose 9,3-4 und 3Mose 17,11: „denn im Blut ist das Leben“; Joh 10,11: „der gute Hirte gibt sein Leben hin“ (Joh 10,.17); Apg 20,24: ich achte mein Leben nicht wert“; Offb 12,11: „und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod“).

Damit sind mit `τὰς ψυχὰς – tas psychas die Seelen` Menschen / Personen bezeichnet, denen Ihr physisches Leben auf der Erde genommen wurde und deren Geist beim Herrn ist (Lk 23,46: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Ps 31,6); Apg 7,59: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“; Hebr 12,23: „wir sind gekommen zu den Geistern der vollendeten Gerechten“;).

Von diesen Zeugen heißt es, dass sie geschlachtet wurden. Die Tötungsbezeichnung: `τῶν ἐσφαγμένων – t÷n erfagmen÷n` (Pl.) ist die gleiche wie sie auch für Jesus, das Lamm Gottes verwendet wird (Offb 5,6.8; 13,8; Jes 53,7; Apg 8,32). Allerdings wird der Tötungsbegriff `schlachten` auch bei Kriegshandlungen mit dem Einsatz von Schwert verwendet (Hes 21,15.20.33). In 2Sam 11,25 und Jer 12,12 wird vom Schwert gesagt, dass es frisst (gr. fagetai), es handelt sich um die gleiche Wortwurzel wie auch in den oben genannten Stellen von Offb 6,4. Dazu heißt es, dass sie einander schlachteten, man kann sogar sagen einander (mit dem Schwert) auffraßen (vgl. dazu Sach 8,10). Das dieses Verb sogar im Wort `sarkofagos – Fleischfresser` seinen Niederschlag fand, zeigt seine breite verwendung (Daher kommt auch das deutsche Wort Schlachtfeld). Auch hier entscheidet der Kontext über die Verwendung dieses Begriffes.

 

Der Altar

Von diesen Seelen wird gesagt, dass sie sich unter dem Altar befanden. Der Altar kommt in der Bibel mehr als 300 Mal vor, davon sieben Mal in der Offenbarung. In Kapitel 8,3-5 werden Details genannt, die eindeutig auf den goldenen Räucheraltar hinweisen. Dort heißt es: „Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron. Und der Rauch des Räucherwerks mit den Gebeten der Heiligen stieg von der Hand des Engels hinauf vor Gott. Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde.“ Auch in Offb 9,13 heißt es: „ich hörte eine Stimme aus den vier Ecken des goldenen Altars vor Gottes Thron“.Auch in Offb 14,18; 16,7 ist aufgrund des Textzusammenhangs derselbe Altar gemeint. Ebenso weist das Räucherwerk aus Offb 5,8 auf diesen Altar hin). Weitere Stellen zu dem goldenen Räucheraltar; Hebr 9,3: das Räuchergefäß; Lk 1,10-11: Räucheraltar; 2Mose 30,1.27; 31,8; 35,15; 37,24; 40,5; 3Mose 4,7). Der große kupferne Brandopferaltar wird zum jetzigen Zeitpunkt im (bzw. außerhalb   des) himmlischen Heiligtums  nicht erwähnt, denn Jesus hat durch sein einmaliges Opfer am Kreuz alle Sünden gesühnt ( Offb 1,5; 5,9; Hebr 10,10; 13,10).

 

Die Verortung der Seelen `unter` dem Räucheraltar, gr. `ὑποκάτω – ypokatö –darunter`, ist weniger eine räumliche als eine dem jetzigen Zustand der Seelen entsprechende Beschreibung. Sie dürfen sich ausruhen von ihren physischen Leiden. Das gr. Verb `ἀναπαύσονται – anapausontai – sie sollen ausruhen`, ist das gleiche wie auch in Offb 14,13: „sie tuhen aus von ihren Mühen“. Derse Art von Ruhe verspricht Jesus denen, die bereits hier zu ihm kommen (Mt 11,28-30). Dieses Ruhen ist jedoch kein Schlafen, kein unbewuster zustand, denn sie nehmen wahr, was geschieht, bzw. was noch nicht geschieht. Jesus, der am besten Bescheid wusste sagte: „Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle“ (Lk 20,38).

Sie rufen (schreien) mit lauter Stimme indem sie sich an an den wenden, der auf dem Thron ist und nennen ihn Herrscher gr. `δεσπότης – despot¢s ` „du Heiliger und Wahrhaftiger, bis wann richtest du nicht und rächst unser Blut an denen die auf Erden sind?“ Zunächst fällt uns die ungewönliche Andere `Despot` auf, weil er so negativ besetzt ist. Dieser Herrscherbegriff wird noch an folgenden Stellen verwendet und meistens auf Gott und auch den Herrn Jesus angewandt (Judas 1,4: „Herrn und Herrscher Jesus Christus“; 2Petr 2,1: „und verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat“; 2Tim 2,21: „der wird ein Gefäß sein zu ehrenvollem Gebrauch, geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet.“; Apg 4,24: „Herr, du hast Himmel und Erde“; Lk 2,29: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast“. Diese Gerrschaftsbezeichnung wird aber auch auf Herren dieser Welt in ihrer Stellung gegenüber ihren Sklaven verwendet: 1Petr 2,18: „Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter“, so auch Tit 2,9; 1Tim 6,1-2). Diese Hoheitsbezeichnung unterstreicht auf besondere Weise den Stand des Herrschers gegeüber seinen Knechten / Sklaven), was in der Offenbarung deutlich zum Ausdruck kommt. Mit höchster Ererbietung und doch völlig angstfrei und vertrauensvoll wenden sich diese Seelen an ihren Herrn und Gebieter mit den Worten: „Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?

Und dies ist die Antwort ais dem Thron: „Und jedem von ihnen wurde ein weißes Kleid gegeben.“ Die weiße `στολὴ – stol¢ ` ist ein sehr wertvolles,langes Festgewand, Festbekleidung (Lk 15,22; Mk 16,5). Das bedeutet doch, dass ihre durch den Glauben an Jesus Christus zugesprochene Gerechtigkeit  bestätigt wurde (Offb 7,13; Offb 19,8).

 

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Ruf nach Vergeltung berechtigt ist? Man denkt dabei an die Grundaussage Gottes aus 5Mose 32,35 und die Zitate der Apostel: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«  (Röm 12,19; so auch Hebr 10,30).

Jene Gläubigen (Seelen) rächten sich nicht als sie auf Erden waren, genauso wie Jesus stellten sie es dem anheim „der da recht richtet“(1Petr 2,23). Weiter schreibt Paulus: „Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses angetan; der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken.“ (2Tim 4,14). Das Unrecht kann und soll genannt werden, doch Selbstjustiz kommt für Kinder Gottes nicht in Frage. Genaus dies taten auch die Seelen unter dem Altar, eben nur in Form einer Frage. Der Ruf nach Vergeltung der Seelen war nichts Unrechtes. Denken wir an die Ermordung Abels. Gott sagte Kain: „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ (1Mose 4,10). Und Jesus sagte voraus: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35). Das Gott jedoch sein Gericht zurückhält spricht für seine Weisheit und Langmut, die alles menschliche bei weitem übertrifft.

 

Die Aussage: „die auch noch getötet werden sollen“ ist wahrscheinlich im allgemeinen Sinne gemeint, denn Jesus selbst sagte: „und etliche werden sie töten“, das heißt alle werden leiden müssen auf verschiedene Weise. Denn oft ist ein Leben in ständiger Verfolgung genauso ein Marthyrium wie ein gewaltsamer Tod.

 

Welche Fragen sind noch offen?

 

 

ὑποκάτω τοῦ θυσιαστηρίου τὰς ψυχὰς τῶν ἐσφαγμένων διὰ τὸν λόγον τοῦ θεοῦ καὶ διὰ τὴν μαρτυρίαν ἣν εἶχον.

10 καὶ ἔκραξαν φωνῇ μεγάλῃ λέγοντες· ἕως πότε, ὁ δεσπότης ὁ ἅγιος καὶ ἀληθινός, οὐ κρίνεις καὶ ἐκδικεῖς τὸ αἷμα ἡμῶν ἐκ τῶν κατοικούντων ἐπὶ τῆς γῆς;

11 καὶ ἐδόθη αὐτοῖς ἑκάστῳ στολὴ λευκὴ καὶ ἐρρέθη αὐτοῖς ἵνα ἀναπαύσονται ἔτι χρόνον μικρόν, ἕως πληρωθῶσιν καὶ οἱ σύνδουλοι αὐτῶν καὶ οἱ ἀδελφοὶ αὐτῶν οἱ μέλλοντες ἀποκτέννεσθαι ὡς καὶ αὐτοί.

 

3.6 Das Lamm öffnet das sechste Siegel – Die erste Beschreibung des Weltgerichts

(Bibeltext: Offb 6,12-17)

Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: Und es geschah ein großes Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft. Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch (Schriftrolle), das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt. Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen?“ (Offb 6,12-17).

Johannes sieht wie das Lamm das sechste Siegel öffnet. Was ihm jetzt gezeigt wird, weist auf das Endgericht hin. Diese  Details sind uns bereits aus anderen Texten vertraut, insbesondere werden wir dabei an die Endzeitreden von Jesus erinnert, die er seinen Jüngern auf dem Ölberg gehalten hat (Mt 24,24-33; Lk 21,25-28; 34-36; Mk 13,24-32). Wir werden sehen, dass im Buch der Offenbarung noch an weiteren Stellen das Endgericht beschrieben wird und dabei auch weitere Aspekte dazukommen (Offb 11,15-19; 14,16ff; 16,19; 19,11-21; 20,10-15). Und nun die einzelnen Details aus diesem Textabschnitt.

 

Zeichen auf der Erde: Ein großes Erdbeben

Und es geschah ein großes Erdbeben

Das Erste was Johannes wahrnimmt ist ein großes Erdbeben. Wir dürfen uns durchaus vorstellen, dass die gewaltigen Naturereignisse Johannes in einer Art Audio-Videoformat gezeigt wurden. Die griechische Bezeichnung für Erdbeben ist `σεισμὸς – seismos`, daher das Fachwort Seismologie. In den biblischen Berichten werden Erdbeben mehr als zwanzig Mal erwähnt (1Kön 19,11-12; Hes 3,12-13; 38,19; Am 1,1; Sach 14,5; Mt 27, 51.54; 28,2; Mk 13,8; Apg 16,26). Und Jesus hat weitere Erdbeben vorausgesagt (Mt 24,7; Mk 13,8; Lk 21,11). Dieses Naturphänomen hat Menschen seit je her in Angst und Schrecken versetzt (Ps 68,9; 77,19; Mt 27,51,54). Viele Bauwerke und ganze Städte sind durch Erdbeben zerstört worden. Im Buch der Offenbarung sind Erdbeben Begleiterscheinungen sowohl der vorläufigen Gerichte Gottes als auch des Endgerichtes (Jes 13,13; Offb 6,12; 8,5; 11,13.19; 16,18). Im Text wird betont, dass es ein großes (starkes) Erdbeben war mit globalen Auswirkungen. In unserer Zeit werden jährlich Hunderttausende kleinere und größere Erdbeben registriert. Häufig sind Erdbeben mit Vulkanausbrüchen verbunden.  So faszinierend diese aus der Ferne aussehen, so verhehrende Auswirkungen haben sie in ihrer unmittelbaren Umgebung. Sie machen die Ohnmacht des Menschen offensichtlich. Eines Tages wird die Neugier der Schaulustigen ein Ende haben.

 

Zeichen am Himmel: An Sonne, Mond und Sternen

und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft,“ (Offb 6,12-13).

Diese Beschreibungen wecken in uns Erinnerungen an Geschichten aus der biblischen Offenbarung. Zunächst jedoch zu der einmaligen Formulierung „schwarz, wie ein härener Sack“. Bekannt ist, dass Teppiche für das Zelt des Zeugnisses aus Ziegenhaar hergestellt wurden (2Mose 31,20). Sehr wahrscheinlich wurden auch Mäntel und Säcke daraus gewoben (2Kön 1,8; Sach 13,4). Bis heute sind schwarzhaarige Ziegenherden im Orient ein häufiges Bild (1Mose 30,32-35). In solch grobes, aber auch stabiles Sacktuch hüllte man sich zum Zeichen der Trauer. Häufig setzte man sich dabei in Asche zum Zeichen der Demütigung und auch der Buße vor Gott (Est 4,1; Dan 9,3; Jona 3,6; 2Kön 19,1; 2Sam 3,31; Mt 11,21; Lk 10,13). Demnach wäre der Ausdruck: „schwarz, wie ein härener Sack“ ein passender Vergleich für die Verdunkelung der Sonne. Die Reaktion wird sein, große Trauer und Entsetzen, vorbei mit dem Leben in Luxus (Amos 8,10; Offb 18,10.17.19). Der Vergleich „und der ganze Mond wurde wie Blut“ kommt auch in anderen Texten vor und steht immer im Zusammenhang mit den Veränderungen an der Sonne.

Die erste Erwähnung einer partiellen Sonnenfinsternis während drei Tagen in Ägypten wirft zwar Fragen für die Astronomen auf, nicht aber für die Glaubenden an den Schöpfer Gott (2Mose 10,21-23). Auch während der letzten drei Lebenstunden von Jesus wurde es finster über dem ganzen Land, so alle drei synoptischen Evangelisten ((Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44-45). Die Aussagen der Propheten über Verdunkelung der Sonne und des Mondes sind zahlreich. In der Regel werden Sonne, Mond und Sterne als die von Gott geschaffenen Lichter zusammen genannt.

  • In Hiob 9,7 steht: „Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel.
  • Und in Jesaja 13,10 steht:: „Ja, die Sterne des Himmels und seine Sternbilder werden nicht mehr glänzen; die Sonne wird sich bei ihrem Aufgang verfinstern und der Mond sein Licht nicht leuchten lassen.“ Der Kontext weist auf das Gericht Gottes hin und zwar über den Erdkreis (Jes 13,11).
  • Jesaja 24,23: „Da wird der Mond erröten und die Sonne schamrot werden; denn der HERR der Heerscharen herrscht dann als König auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und vor seinen Ältesten ist Herrlichkeit.“ Auch hier ist im Kontext vom Gericht über diese Erde die Rede und zwar mit dem Ausblick auf die neue Schöpfung (Jes 24,20ff).
  • Und der Prophet Joel schreibt in Kap 2,10: „Vor ihnen erbebt die Erde, der Himmel erzittert; Sonne und Mond verfinstern sich, und die Sterne verlieren ihren Schein.“ (ähnlich auch in Kap 3,4: „die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.“ (so auch Joel 4,15; Apg 2,20; ähnlich auch Amos 8,9).
  • Und Jesus sagte voraus: „Bald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden.“ (Mt 24,29;:Mk 13,24).

Die Zusammengänge zwischen den partiellen Naturereignissen mit der Sonne, dann uch die Voraussagen der Proheten und des Herrn Jesus Christus in Bezug auf das Endgericht, sind offensiclich.

 

Der Himmel entschwand

Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch (Buchrolle), das zusammengerollt wird,“ (Iffb 6,13).

Auch dafür gint es bereits im Alten Testament Voraussagen:

  • Jes 51,6: „Erhebt eure Augen zum Himmel und schaut auf die Erde drunten; denn die Himmel werden vergehen wie ein Rauch, und die Erde wird wie ein Kleid zerfallen, und ihre Einwohner werden auf dieselbe Weise umkommen; aber mein Heil wird ewig bleiben und meine Gerechtigkeit nicht zugrunde gehen.“ (Jes 34,4; Ps 102,26-27; Hebr 1,10-11).
  • Jesus bestätigte: „Himmel und Erde werden vergehen“ (Mt 24,35; Mk 13,31; Lk 21,33).
  • Lk 21,26: „und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“
  • Und Ap. Petrus präzisiert, wie sie vergehen werden: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein. 11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, wenn die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen. 13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt..“ (2Petr 3,10-13; Jes 65,17).
  • Was sieht Johannes?: „Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.“ (Offb 21,1).
  • Dies bedeutet die vollständige Auflösung des Universums, der materiellen Schöpfung und die Schaffung einer neuen Wohnstätte (Himmel und Erde vereint) in denen Gerechtigkeit wohnt.

 

Der Schrei nach Hilfe: Ihr Berge verbergt uns

und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten. Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; 16 und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! 17 Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns.“

Das Scheien  nach Hilfe geht ins Leere, weil es den Schutz der Berge nicht mehr gibt. Über diesen Ruf in der Verzweiflung gibt es auch Aussagen in den Propheten und von Jesus.

  • Hosea 10,8: „Die Höhen des Frevels werden verwüstet, auf denen sich Israel versündigte; Dornen und Disteln wachsen auf ihren Altären. Dann werden sie sagen zu den Bergen: Bedeckt uns!, und zu den Hügeln: Fallt über uns!
  • Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man das tut am grünen (feuchten) Holz, was wird am dürren werden?“ (Lk 23,28-31).

In dieser ersten Darstellung des Gerichtstages wird nur das Schicksal der Ungläubigen beschrieben. Was mit den Erlösten geschieht, wird in anderen Visionen beschrieben. Bereits im 1. Kapitel Vers 7 lsesen wir: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ (Mt 24,30).

 

Der Tag des Zornes Gottes

Dieses Thema und diese Realität werden oft ausgeblendet in der Verkündigung. Was wäre aber, wenn es keine gerechte Vergeltung geben würde? Der gr. Begriff `ὀργῆ – org¢ – Zorn` kommt in der Bibel mehr als dreihundert Mal vor, sowohl vom Menschen ausgehend als auch von Gott. Was für viele ungewöhnlich erscheint ist, dass auch der Sohn Gottes als das Lamm Gottes zorn empfindet und entsprechend reagiert. Während seiner Dienstzeit zeigte Jesus nur ein Mal seinen Zorn, wobei er jedoch nicht mit Vergeltung reagierte (Mk 3,5). Doch nur Gott und der Sohn Gittes Jesus Christus sind imstande ihr Gerechtigkeitsempfinden angemessen anzuwenden. Mit anderen Worten, der Zorn Gottes und des Lammes äußert sich in der gerechten Vergeltung an denen, die Unrecht tun.

  • Zef 2,2: „ehe denn das Urteil ergeht – wie Spreu verfliegt der Tag –, ehe denn des HERRN grimmiger Zorn über euch kommt, ehe der Tag des Zorns des HERRN über euch kommt!
  • Lk 3,7: „Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet“
  • Röm 1,18: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“
  • Röm 2,5: „Du aber, mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen, häufst dir selbst Zorn an für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,“
  • 1Thes 1,10: „und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns errettet von dem zukünftigen Zorn.“ (Offb 14,10; 15,1; 16, 19; 18,25; 19,15).

Dies ist die erste visionäre Beschreibung des großen Tages Gottes, der als großer Tag des Zorns, d.h. der Vergeltung beschrieben wird. Das ist auch der Tag des Gerichtes Gottes durch den Menschensohn Jesus Christus.

Es folgen noch weitere 3 ausführliche Beschreibungen dieses Tages in den Kapiteln 11;19 und 20. Dort werden einige Aspekte bezüglich des Gericzstages wiederholt und weitere kommen hinzu. In der Wiederholung dieser Thematik erkennen wir auch die Konzeption des Buches, bei der die gesamte Entwicklung der Geschichte mehrmals aus verschiedenen Persprektiven gezeigt wird.

 

 

Wer kann bestehen vor dem Zorn des Lammes?

Kapitel 6 endet mit der Frage: „Wer kann bestehen?“  Diese Frage wird in Offb 7,1-17 beantwortet. Da bekommt Johannes einen erneuten Einblick in den himmlischen Bereich. Solch ein Ausblick ist eine Ermutigung für die leidende Gemeinde auf Erden, sich in dieser Vision  als das erlöste und damit versiegelte Volk Gottes bereits am Endziel zu sehen.

(Bibeltext: Offb 7,1-17)

Dieses Kapitel enthält zwei herrliche Visionen, in denen die Antwort gegeben wird auf die vorher gestellte Frage „und wer vermag zu bestehen?“.

3.7 Die 144000 Versiegelten und die unzählbare Schar der Erlösten

(Bibeltext: Offb 7,1-17)

Das 7. Kapitel enthält Visionen, in denen die Antwort gegeben wird auf die vorher gestellte Frage „und wer vermag zu bestehen?“

 

3.7.1 Die Zurückhaltung des Gerichtes bis zur Versiegelung der Knechte Gottes

Die Einleitung zu der Vision von den 144000 Versiegelten ist in den ersten drei Versen des 7. Kapitels beschrieben. Dort steht geschrieben:

Nach diesem sah ich vier Engel auf den vier Ecken der Erde stehen; die hielten die vier Winde der Erde fest, damit kein Wind wehe auf der Erde noch auf dem Meer noch über irgendeinen Baum. Und ich sah einen anderen Engel von Sonnenaufgang heraufsteigen, der das Siegel des lebendigen Gottes hatte; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen gegeben worden war, der Erde und dem Meer Schaden zuzufügen, und sagte: Schadet nicht der Erde noch dem Meer noch den Bäumen, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben. (Offb 7,1-3).

Johannes beginnt mit den Worten: „Nach diesem sah ich“. Diese Vision ist noch Teil des sechsten Siegels und in ihr wird in symbolischen Zahlen zusammengefasst wer und wie viele Menschen im Laufe der Geschichte als Gottes Volk hier auf Erden versiegelt wurden. Demnach wird diese Versiegelung bis zum Endgericht abgeschlossen sein. Bis dahin heißt es: „schadet der Erde und dem Meer nicht“. Mit dem gleichen Ausdruck „nach diesem sah ich“ beginnt auch die nächste Vision in Kapitel 7,9-17. Dort sieht Johannes aus himmlischer Perspektive das gesamte Volk Gottes bereits in seinem vollendeten Zustand als am Ziel angekommen. Was für eine Ermutigung für die bedrängte und verfolgte Gemeinde in dieser Welt.

Doch nun zu den Details dieser ersten Vision. Wer sind die vier Engel, welche an den vier Ecken der Erde stehen? In Hebräer 1,7 lesen wir etwas Grundsätzliches über die Engel: „Und von den Engeln zwar spricht er: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme“. (vgl. mit Ps 104,4; Hebr 1,14). In Sacharia 1,8-11 und 6,1-7 stehen die vier Gespanne symbolisch für die vier Winde des Himmels. Sie sind ausgesandt für bestimmte Dieste, nachdem sie vor dem Herrn der ganzen Erde gestanden haben. Es besteht eine Ähnlichkeit zu den vier Engeln, welche an den vier Ecken der Erde stehen und ebenfalls für Winde zuständig sind. Ob es nun dieselben Engel sind oder andere, sicher wirken auch diese im Auftrag Gottes.

Die Aussage „vier Enden (Ecken) der Erde“ kommt noch in Offenbarung 20,8 vor. An anderen Stellen der Bibel  werden diese mit den jeweiligen Himmelsrichtungen beschrieben, so zum Beispiel in 1Mose 28,14, 4Mose 35,5; 5Mose 3,27; 1Chr 9,24; Ps 107,3; Jes 11,12; Lk 13,29. Diese vier Engel sind ausgestattet mit der Macht über Erde, Meer und Vegetation. Auffallend bei diesen Engeln ist, obwohl sie bereit sind, handelt keiner von ihnen eigenmächtig.

Und nun tritt ein anderer Engel vom Sonnenaufgang her auf, ausgestattet mit dem Siegel des lebendigen Gottes. Sonnenaufgang steht für den Tagesbeginn. Er zeigt aber auch eine segensvolle Zuwendung Gottes an (Mal 3,16-20). Die Anweisung an die vier Engel lautet:  Die Erde, das Meer und die Bäume nicht zu beschädigen „bis wir versiegelt haben die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.“ Mit dem „wir “ wird hervorgehoben, der  Engel ist nicht allein bei der Ausführung der Versiegelung. Die Bezeichnung „Knechte Gottes“ für die Gläubigen ist typisch im Buch der Offenbarung. Seine Aussage erinnert uns auch:

  • An eine ähnliche Handlung die in Hesekiel 9,3-6 beschrieben wird. „Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels, und er rief dem, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite. Und der HERR sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen. Zu den andern Männern aber sprach er, sodass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und nicht verschonen. “ Die Gerechten werden bewahrt bleiben und fallen nicht unter das Gericht zur Verdammnis.
  • Aufschlussreich ist auch die Aussage von Jesus in Matthäus 13,27-30: „Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.“

Weitere Stellen, welche von der zurückhaltung des Gerichtes sprechen:Mk 13,27;  Mt 28,14; Röm 11,25; 2Petr 3,7-9; Offb 6,11.

 

Das Zeichen an der Stirn und Hand im Alten Testament

Die Stirn des Menschen wird gelegentlich mit seinem Herzen in Verbindung gebracht. Harte Stirn gleich verstocktes Herz (Hes 3,7; Jes 48,4). Hand steht in der Regel für das Handeln des Menschen, aber auch für das Handeln Gottes (1Mose 5,29; Ps 102,26; 128,2; 1Kor 4,12).  Im AT finden wir einige Hinweise zu einem Zeichen an Hand und Stirn:

  • 2Mose 39,30: „Sie machten auch das Stirnblatt, den heiligen Kronreif, aus feinem Gold und schrieben darauf wie in ein Siegel geschnitten: »Heilig dem HERRN«.“ Dem Herrn geweiht, den Herrn gehörend.
  • 2Mose 13,9: „Darum soll es dir wie ein Zeichen sein auf deiner Hand und wie ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, damit des HERRN Gesetz in deinem Munde sei; denn der HERR hat dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.“ (2Mose 13,16).
  • 5Mose 6,4-8: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein,“
  • 5Mose 11,18: „So nehmt nun diese Worte zu Herzen und in eure Seele und bindet sie zum Zeichen auf eure Hand und macht sie zum Merkzeichen zwischen euren Augen.“

Bedeutungen solcher Merkzeichen:

  • Als Gedächtnisstütze zur Erinnerung an den EINEN wahren Gott.
  • Erinnerung an das erste und höchste Gebot.
  • Erinnerung an die wunderbare Rettung und Erlösung aus ägyptischer Sklaverei.
  • Als Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Gott.
  • Als Zeichen und Zeugnis für die Kinder.

Dabei ist dieses äußere Zeichen nur ein Hilfsmittel um Gottes Wort im Herzen zu bewahren, bewegen (Stirn) und anzuwenden (Hand).

Doch wenn diese äußeren Zeichen bei den Israeliten auch eingehalten wurden, so sind sie doch mit ihrem Herzen immer wieder von Gott abgefallen und anderen Götzen gedient. Zur Zeit des Propheten Hesekiel griff Gott hart durch. Er brachte Gericht über die Bewohner Jerusalems und die Priesterschaft (Hes 9,5-6). Doch einen gläubigen Rest verschonte er.  So lesen wir: „Und der HERR sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen.“ (Hes 9,4).

Aber in jener Zeit verhieß Gott sein Gesetz in die Herzen zu schreiben. Dazu versprach er ein neues Herz und einen neuen Geist. „und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“  (Hes 36,25-27). Und durch den Propheten Jeremia verhieß Gott einen Neuen Bund (Jer 31,31-34). Dieser wurde von Jesus gestiftet (Mt 26,26ff). Spätestens jetzt wird klar, dass mit der Stirn der unsichtbare, innere und doch so reale Geist des Menschen gemeint ist. Die Stirn, dahinter das Gehirn, als physisch materielles Werkzeug für den Geist. Das Herz, nicht als Blutpumpe, sondern als Schaltzentrale unseres Denkens, Willens und Empfindens.

 

Das Zeichen der Versiegelung im Neuen Testament

Jesus und die Apostel verwendeten die äußeren Zeichen an Stirn und Hand nicht, doch sie predigten Umkehr im Denken und Handeln (Mt 4,17; Lk 8,15; Apg 2,37-38; 3,19; Röm 12,1-2; Phil 2,5).

Es gibt einige Hinweise im Neuen Testament zur Versiegelung durch den Heiligen Geist. Bereits Johannes der Täufer sagte von dem Messias: „der wird euch mit dem Heiligen Geist taufen“ (Mt 3,11). Und vor seiner Himmelfahrt sagt Jesus: „denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden“ (Apg 1,5). Das erlebten die Jünger auch am Pfingsttag in Jerusalem. Und nach ihnen auch etwa 3000 Menschen jüdischer Herkunft (Apg 2,1-18; 38-41). Doch auch Menschen aus den Nationen wurden mit dem Heiligen Geist versiegelt (Apg 8; 10-11; 19; Gal 3,1-14). Der Apostel Paulus schreibt an die Epheser: „In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist,“ (Eph 1,13).  Oder: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.“ (Eph 4,30; In Römer 8,16 schreibt er_ „Der Heilige Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“. Übrigens ist auch den Gläubigen des AT ihre Zugehörigkeit zu Gott bezeugt worden (Hebr 11,1.4.39). Dies entspricht der Versiegelung der Knechte Gottes in Offenbarung 7,1-8. Diese Versiegelung wird an jedem Menschen vollzogen, der durch den Glauben an Jesus Christus Vergebung seiner Sünden empfängt, erlöst wird und dadurch die Wiedergeburt erlebt (Joh 3,3-7; 2Kor 3,3; Tit 3,5). Sie wird abgeschlossen sein, wenn das Evangelium vom Reich Gottes allen Völkern verkündigt sein wird (Mt 28,14; Mk 13,13). Weitere Stellen zu der Versiegelung und den Versiegelten:

  • Offb 9,4: „Und es wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht Schaden tun dem Gras auf Erden noch allem Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.“ Sie stehen unter Gottes Schutz.
  • Offb 14,1: „Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn.“
  • Offb 3,12: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.“ Offb 22,4: „und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein.“ Was für eine Aussicht!
  • 2Tim 1,14: „Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.“

 

3.7.2 Die Aufzählung der Versiegelten aus den 12 Stämmen der Kinder Israels

(Bibeltext: Offb 7,4-8)

Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144 000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels. Aus dem Stamm Juda 12 000 Versiegelte, aus dem Stamm Ruben 12 000, aus dem Stamm Gad 12 000, aus dem Stamm Asser 12 000, aus dem Stamm Naftali 12000, aus dem Stamm Manasse 12 000, aus dem Stamm Simeon 12 000, aus dem Stamm Levi 12 000, aus dem Stamm Issaschar 12 000, aus dem Stamm Sebulon 12 000, aus dem Stamm Josef 12 000, aus dem Stamm Benjamin 12 000 Versiegelte.“ (Offb 7,4-8).

Nun hört Johannes die Zahl der Versiegelten. Die vorhandenen Namenslisten der Söhne Jakobs zeigen Unterschiede auf, die keineswegs willkürlich sind. Nach menschlichen Kriterien hatte der Erstgeborene, aber auch der Erstgenannte in der Regel Vorrang. Die Kinder der rechtsmäßigen Frauen von Jakob haben auch Vorrang vor den Kindern der Bebenfrauen. Anders ist es bei Gott, der nach seinen eigenen Kriterien bewertet und urteilt, siehe die 5. Spalte in der Tabelle.

 

1Mose 29-30 1Mose 49 2Mose 1 1Chr 2 Offb 7,4-8
1. Ruben (Lea)

2. Simeon (Lea)

3. Levi (Lea)

4. Juda (Lea)

5. Dan (Bilha)

6. Naftali (Bilha)

7. Isaschar (Lea)

8. Sebulon (Lea)

9. Josef (Rahel)

10. Gad (Silpa)

11. Asser (Silpa)

12. Benjamin (Rahel)

 

  1. Ruben
  2. Simeon
  3. Levi
  4. Juda
  5. Dan
  6. Naftali
  7. Isaschar
  8. Sebulon
  9. Josef
  10. Gad
  11. Asser
  12. Benjamin
  1. Ruben
  2. Simeon
  3. Levi
  4. Juda
  5. Isaschar
  6. Sebulon
  7. Benjamin
  8. Dan
  9. Naftali
  10. Gad
  11. Asser

Josef bereits in Äg.

  1. Ruben
  2. Simeon
  3. Levi
  4. Juda
  5. Isaschar
  6. Sebulon
  7. Dan
  8. Josef
  9. Benjamin
  10. Naftali
  11. Gad
  12. Asser
1. Juda (Lea)

2. Ruben (Lea)

3. Gad (Silpa)

4. Asser (Silpa)

5. Naftali (Bilha)

6. Manasse (Asenat)

7. Simeon (Lea)

8. Levi (Lea)

9. Isaschar (Lea)

10. Sebulon (Lea)

11. Josef (Rahel)

12. Benjamin (Rahel)

 

Einige Beobachtungen zu der Stammeslisten und mögliche Schlussfolgerungen.

  • Nicht Ruben der Erstgeborene, sondern Juda führt in Offenbarung 7,4-8 die Stammesliste an. Dies wurde bereits von Jakob in seiner Segnung vorausgesagt (1Mose 49,1-4; 8-12). Diese führende Aufgabe des Stammes Juda zeigte sich bereits während der Wüstenwanderung, ebenso bei der Landverteilung (4Mose 2,3; Jos 15). Aus dem Stamm Juda kam der König David von dem Gott sagte: „er soll meinen Willen zun“ (1Sam13,14) Diese führende Rolle des Stammes Juda mündet letztlich in der Person von Jesus als Messias / König (Mt 1; Lk 3; Hebr 7,14; Offb 5,5). In Betracht kommt noch der besondere Einsatz von Juda als Bürge für den jüngsten Sohn Benjamin. Auch Jesus ist Bürge geworden, allerdings bezahlte er mit seinem Leben für die Schuld aller Menschen (vgl. 1Mose 43,9; 44,32 mit Hebr 7,22).
  • Die Stämme Gad und Asser, geboren von Silpa, Leas Magd, rücken in der letzten Liste nach oben (1Mose 49,19-20; 5Mose 33,20). Die Mgd musste herhalten für den Ergeiz von Lea. Gott erhöht die Niedrigen. Auch dieser Stamm ist im NT im zusammenhang mit der Propherin Hanna genannt (Lk 2,36).
  • Es folgt der Stamm Naftali, geboren von Bilha, Rahels Magd. Auch er wird in der letzten Liste den leiblichen Söhnen Rahels vorgezogen (1Mose 49,21; Jes 8,23; Mt 4,15).
  • Manasse ist der erstgeborene Sohn von Josef. Seine Mutter Asenat ist Priestertochter in Ägypten (1Mose 41,51; 48,5.15.20; Jos 17,7ff).
  • Es folgen die beiden Söhne von Lea, Simeon und Levi (1Mose 34,25-30; 49,5-7). Simeon bekam sein Erbteil im südlichen Teil des Stammesgebietes von Juda (Jos 19,1; 21,4). Er war aber auch zerstreut in Israel (2Chr 15,9). Der Stamm Levi hatte in Israel kein Erbteil bekommen. Er sollte am Heiligtum Dienst versehen, anstelle aller Erstgeborener in Israel (1Mose 49,4-7; 5Mose 10,8; 18,1; 4Mose 3,12). Doch im Reiche Gottes bekommt er sein Erbteil. Auch er ist im NT im Hebräerbrief genannt (Hebr 7,14).
  • Isaschar und Sebulon, ebenfalls Söhne von Lea (1Mose 49,13-15; Jes 8,23; Mt 4,15).
  • Die Liste wird von Josef und Benjamin, zwei Söhne von Rahel, der Lieblingsfrau von Jakob abgeschlossen (1Mose 49,22-26;. 27). Josef, dessen Leben viele Parallelen zu Jesus aufweist. Auch er ist im NT erwähnt (Apg 7,9-22). Benjamin an letzter Stelle in allen Listen. So wird diese abschließende und von Jesus festgelegte Reihenfolge von den Stämmen Juda und Benjamin flankiert. Beide Stämme hatten ihre Stammesgebiete nebeneinander, Jerusalem und der Zionsberg verbanden die beiden miteinander. Auch im NT ist der Stamm Benjamin wegen der Person des Ap. Paulus erwähnt (Phil 3,5).

Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass zwei Stämme fehlen. Efraim,  der jüngere Sohn von Josef wurde doch bei der Segnung durch Jakob seinem älterem Bruder Manasse vorgezogen (1Mose 48,18-19). Und warum felht er in der Liste in Offenbarung, was könnten die Günde dafür sein? Ist es weil Gott gesagt hat: „Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und das Haupt von Damaskus ist Rezin – und in fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien“ (Jes 7,8)? Lag es an Jerobeam, der als erster König des Nordreiches den Götzendienst eingeführt hatte (1Kön 11-14)? Doch bereits in der Richterzeit wurde in diesem Stamm der Götzendienst eingeführt (Richter 17). Aber auch der König Salomo hat zum Götzendienst in Israel beigetragen (Neh 13,26; 1Kön 11,1ff).

Und warum fehlt der Stamm Dan, Sohn der Bilha, Rahels Magd? Hat es damit was zu tun, wie Rahel zu diesem Sohn kam, was ging dem voraus (1Mose 30,1ff)? Was bekam er von Jakon mit auf seinen Lebensweg? Jakob sagte seinem Sohn Dan  nichts Gutes voraus (1Mose 49,16-18). Als der Stamm Dan sein Erbteil ganz im Norden des Landes in Besitz nahm, führten sie zeitgleich den Götzendienst ein (Richter 18,1-30). Dies bedeutet jedoch nicht, dass es in diesen beiden Stämmen niemand gab, der Gott die Treue gehalten hätte (Röm 11,4).

Wir erkennen, dass das Verhalten der Väter und Mütter Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen hatte. Sicher bezieht Gott alle diese menschlichen Schwachpunkte mit ein. Doch letztlich handelt er nicht nach Verdienst der Werke, sondern nach der Gnade dessen der beruft (2Tim 1,9). Unter diesen Gesichtspunkten kann die Stammesliste gesehen werden. Sicher ist, dass die Versiegelten nicht nach menschlichen Kriterien (Fleisch und Blut) zu der auserwählten Schar gehören. Ebenso ist die Zahl nicht buchstäblich, sondern symbolisch zu deuten. Hatte doch Gott zu jeder Zeit seine 7000, welche ihre Knie nicht gebeugt hatten vor dem Baal. So klärt Gott den Propheten Elia darüber auf. Un der Ap. Paulus zitiert Gottes Worte in Röm 11,2-6: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht (1. Könige 19,10): 3 »Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen. Ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben«? 4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? (1. Könige 19,18): »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal.« 5 So geht es auch jetzt zu dieser Zeit: Ein Rest ist geblieben, der erwählt ist aus Gnade. 6 Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade.“

Diese Zahl steht für die Vollständigkeit und Vollzähligkeit der Erlösten aus Israel und allen Nationen (Hebe 10,18). Und wenn es ein Israel nach dem Fleisch gibt, dann gibt es auch ein Israel nach dem Geist (Gal 6,16; Röm 3-4; 11,25). Denken wir daran, was Jesus in Johannes 10,14-16 gesagt hat: „14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ Auf diese Weise wird erfüllt , was Gott durch seinen Messias verheißen hat (Jes 49,6).

Und auch der Ap. Paulus schreibt in Röm 4,1-17: „Das Zeichen der Beschneidung aber empfing er als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er ein Vater werden aller, die glauben, ohne beschnitten zu sein, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde; 12 und ebenso ein Vater der Beschnittenen, wenn sie nicht nur beschnitten sind, sondern auch gehen in den Fußstapfen des Glaubens, den unser Vater Abraham hatte, als er noch nicht beschnitten war. 13 Denn die Verheißung, dass er der Erbe der Welt sein sollte, ist Abraham oder seinen Nachkommen nicht zuteilgeworden durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens. 14 Denn wenn jene, die aus dem Gesetz leben, Erben sind, dann ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist dahin. 15 Denn das Gesetz richtet Zorn an; wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung. 16 Deshalb muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, damit sie aus Gnaden sei und die Verheißung festbleibe für alle Nachkommen, nicht allein für die, die aus dem Gesetz leben, sondern auch für die, die aus Abrahams Glauben leben. Der ist unser aller Vater – 17 wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat,.“ Nach Röm 11,22-26 werden die Gläubigen aus den Nationen in den jüdischen LÖlbaum eingepfropft und bilden am Ende das gante Israel. Vergleiche dazu auch Eph 2,11-21; Gal 3,26-27; 1Petr 2,4-9; Offb 14,1ff). Gott hat nur ein Volk und Christus hat nur eine Gemeinde.

So wie es ein klares Zeichen der Zugehörigkeit zu Gott gibt, so gibt es auch ein deutlich erkennbares Zeichen bei denen, die auf der Seite des Tieres und des falschen Propheten stehen. Dazu detailiert im Abschnitt das Malzeichen des Tieres.

 

3.7.3.Die unzählbare Schar der Erlösten vor dem Thron Gottes und des Lammes

In Offenbarung 7,9-17 lesen wir:

9 Nach diesem sah ich: Und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. 10 Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil  unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm! 11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an 12 und sagten: Amen[2]! Den Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit[3]! Amen[4]. 13 Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen? 14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes. 15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 16 Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut; 17 denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie hüten und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“

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Die Tatsache der Auferstehung von Jesus Christus und ihre Auswirkungen

Die Tatsache der Auferstehung

von Jesus Christus

und ihre Auswirkungen

Abbildung 1-2: Der Grabstein und das leere Grab erinnern an die Auferstehung von Jesus Christus am ersten Tag der jüdischen Woche (Foto: April 1986).

Hinweis: Leider ist die Aufnahme nicht vollständig. Dafür aber die schriftlichen Ausführungen.

Einleitung

 

Die Auferstehung von Jesus Christus bildet die zentrale Botschaft in der Verkündigung der Apostel. Das Jesus in Bethlehem geboren wurde, in Nazareth aufgewachsen ist, öffentlich im ganzen Land Israel gewirkt hat, war allen bekannt. Dass er zum Ende seines Dienstes gefangen genommen und durch den Hohen Rat zum Tode verurteilt wurde, anschließend unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben wurde ist nie von den Juden abgestritten worden. Aber seine Auferstehung war sogar für die Jünger unfassbar und zunächst unglaublich. Nicht weil sie an der Auferstehung von den Toten nicht geglaubt hätten, sondern weil nach ihrem Verständnis und der allgemeinen Auffassung im Volk der Messias nicht sterben würde. So lesen wir in Johannes 12,34: „Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?“.

 

Nun, was tat Gott, um die Auferstehung seines Sohnes den Menschen glaubhaft zu machen? Die folgenden Ausführungen können uns helfen, Gottes Offenbarung in seinem Sohn besser zu verstehen und unseren Glauben an den auferstandenen Messias/Christus zu festigen.

 

 

1. Vorbilder, welche auf die Auferstehung von Jesus hinweisen

1.1 Die Opferung Isaaks und seine Rückgabe an Abraham

In 1Mose 22,1-18 lesen wir von der ungewöhnlichen und einmaligen Geschichte dieser Art, der Opferung Isaaks. „Und es geschah nach diesen Dingen, da prüfte Gott den Abraham. Und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn  dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde! Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von fern. Da sagte Abraham zu seinen Knechten: Bleibt ihr mit dem Esel hier! Ich aber und der Junge wollen dorthin gehen und anbeten und zu euch zurückkehren.“ (1Mose 22,1-5). Beachten wir die Aussage von Abraham: Nach der Anbetung wollen „wir“ zu euch zurückkehren. „Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sagte: Siehe, das Feuer und das Holz! Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Da sagte Abraham: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.“ (1Mose 22,7-8). Gott bezieht Abraham mit ein in sein eigenes Handeln mit seinem Sohn. „Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.“ (1Mose 22,11-12). Anmerkung: Die Bezeichnung `der Engel des Herrn`ist der Messias selbst. Beachten wir die Formulierung des Boten des Herrn, dass die Bereitschaft des Abraham als vollendete Tat gerechnet wurde (ebenso in V. 16: „Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen …“). Und in Hebräer 11,17-19 wird diese Glaubens- und Gehorsamstat von Abraham kommentiert mit den Worten: „Durch den Glauben hat Abraham den Isaak dargebracht, als er versucht (geprüft) wurde, und gab den einziggeborenen Sohn dahin, als er schon die Verheißungen empfangen hatte, von dem gesagt worden war (1. Mose 21,12): »Nach Isaak wird dein Geschlecht genannt werden.«  Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; als ein Gleichnis (gr. παραβολήparabol¢) dafür bekam er ihn auch wieder.“ Ein Gleichnis steht nie allein für sich selbst, sondern hat auch den Zweck auf etwas tieferes und vollkommeneres hinzuweisen (Mt 13,3.13.10.18). Die Hinweise auf Jesus, den Einziggeborenen und Geliebten des himmlischen Vaters, sein stellvertretendes Opfer, aber auch seine Auferweckung aus den Toten sind in dieser Geschichte unübersehbar vorgebildet. Weiterlesen

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12. Kapitel: Die Auferstehung

Abbildung 2. Das sogenannte Gartengrab und Grabstein in Jerusalem (Foto: April 1986).

 

12.1 Jesus ist auferstanden gemäß seinen Worten und gemäß der Heiligen Schriften

(Bibeltexte: Mt 28,6; Mk 16,6; Lk 24,6; Joh 20,11-18)

  1. Frage: Mit welchen Begriffen wird die Auferstehung beschrieben und was sagen diese darüber aus?

Jesus wird von seinem Vater in den frühen Morgenstunden des ersten Tages der Woche von den Toten auferweckt. In Bezug auf das Jahr und Datum der Auferstehung von Jesus gibt es zwar unterschiedliche Datierungen (30 – 33), doch nehmen wir vorerst an, dass es der 5. April des Jahres 33 n. Chr. war. Es wird nur die Tatsache der Auferstehung bezeugt und beschrieben. Wie sich diese körperliche Verwandlung vollzog bleibt ein göttliches Geheimnis.

Beachten wir die übereinstimmende und vollmächtige Kraftwirkung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bei der Auferweckung/Auferstehung von Jesus.

Im Griechischen gibt es zwei Begriffe, mit denen die Auferstehung von den Toten beschrieben wird:

  1. Das griechische Substantiv „anastasis´ bedeutet `die Auferstehung`. Die Vorsilbe ´ana – auf, hinauf´ weist nach oben und die Wortwurzel ´stas´ hat immer etwas mit stehen zu tun. Die Bedeutung des Wortes ist seitdem auch in einigen Eigennamen zu erkennen wie: Anastasia, Anastas, Anesti. Der Begriff wird auch für das natürliche Aufstehen verwendet.
  2. Das griechische Substantiv `egersis ` bedeutet `die Auferweckung` (Mt 27,53). Auch dieser Begriff wird im natürlichen Bereich für Aufrichten verwendet.

Im Epheserbrief werden beide Begriffe verwendet und zwar in einer logischen Reihenfolge: egeire o katheudön kai anasta ek tön nekrön – wach auf du Schlafender und steh auf von den Toten“ (Eph 5,14).

  1. Frage: Wann, wo und wie sprach Jesus selbst von seiner Auferstehung?

Jesus selbst hat viermal direkt und vier Mal indirekt seine Auferweckung – Auferstehung vorausgesagt:

  1. Johannes 2,19: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten (egerö).“
  2. Matthäus 12,40: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Indirekt sagt Jesus damit aus, dass er nach drei Tagen von den Toten auferstehen wird.
  3. Jesus sagt von sich selbst: „Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich’s wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht ( exousia – Vollmacht, Berechtigung), es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.“ (Joh 10,17-18).
  4. Von sich selbst sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben  ist (Joh 11,25).
  5. Matthäus 16,21: „und am dritten Tag auferweckt werden müsse.“
  6. Matthäus 17,23: „und am dritten Tag wird er auferweckt werden
  7. Matthäus 20,19: „und am dritten Tag wird er auferweckt werden .“
  8. Markus 14,28: „Nachdem ich aber auferweckt sein werde , werde ich euch voran nach Galiläa gehen.“. Die oben verwendete Verbform beschreibt das `Aufrichten, Auferwecken` von Jesus aus den Toten, als  ein  noch ausstehendes Ereignis.

 

  1. Frage: Wie wurde die Auferstehung von Jesus reflektiert?

Die selben Begriffe werden auch nach der Auferstehung verwendet, allerdings immer in der Vergangenheitsform.

  • Das Zeugnis des Engels: „er ist auferweckt worden.“ (Mt 28,6; so auch in Mk 16,6; Lk 24,6.34. In Lk 24,7.46 verwenden die Engel bzw. Jesus den Begriff `anasthenai ` im Sinne von Christus musste ja `auferstehen.
  • Johannes bezeugt, dass Jesus: „egertheis – auferweckt war“ von den Toten (Joh 21,14).
  • Apostelgeschichte 2,24: „Den hat Gott auferweckt (anest¢sen – aufstehen lassen), nachdem er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, wie es denn nicht möglich war, dass er von ihm behalten würde.“ (So auch in Apg 13,34; 17,31).
  • Apostelgeschichte 4,10: „so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten.“ (So auch in Apg 10,40; 13,30).
  • Römer 8,11: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat (egeirantos), in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat ( egeiras), auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.“ In diesem Text wird die Wirksamkeit des Heiligen Geistes (in der Vergangenheitsform) bei der Auferweckung des Christus eindeutig beschrieben. Und er wird auch wirksam sein bei der Auferweckung der Gläubigen am jüngsten Tag.
  • 1Korinther 6,14: „Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken (exegerei) durch seine Macht.“

 

  1. Frage: Was beginnt mit der Auferstehung von Jesus?

Jesus wird am dritten Tag nach seinem Sterben und am ersten Tag der anbrechenden neuen Woche durch die Kraftwirkung des Vaters, des Heiligen Geistes (und die Rückkehr seines eigenen Geistes) von den Toten auferweckt und er steht in einem verwandelten Körper auf von den Toten. Unwillkürlich werden wir an den ersten Schöpfungstag der Geschichte aus 1Mose 1,1-2 erinnert, an dem Gott das Licht aus der Finsternis hervorrief (vgl. dazu auch 2Kor 4,6). Hier jedoch ruft Gott das wahre Licht aus der Finsternis des Todes hervor. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Neuschöpfung. Mit dem Tod von Jesus ist die Vergangenheit geklärt, mit seiner Auferstehung beginnt die Zukunft. Christus ist somit der Erstling aus den Toten (1Kor 15,23). Zu beachten ist hier: Es gab schon vorher Totenauferweckungen, allerdings nur zurück in den früheren physischen Zustand des Körpers. Doch Christus ist der erste Mensch, der in einem neuen, verherrlichten und unvergänglichen Leib auferstanden ist (Phil 3,21). Bereits am Auferstehungstag erklärt Jesus den zwei Jüngern aus Emmaus, dass nicht nur das Leiden des Christus, sondern auch die Herrlichkeit danach in den Schriften des Mose und der Propheten vorhergesagt wurde, ohne jedoch konkrete Zitate zu nennen; zumindest hat der Ev. Lukas solche nicht aufgezeichnet (Lk 24,27; vgl. auch Lk 24, 44-46).

Nach Pfingsten ist die Überzeugung der Apostel in Bezug auf die Auferstehung des Christus nicht nur aus ihrem eigenem Erleben absolut sicher, sondern, sie wissen diese auch durch die Heiligen Schriften zu begründen. So sagt Petrus dem Volk Israel am Pfingsttag über Jesus, den Christus: „Den hat Gott auferweckt und hat ihn befreit aus den Wehen des Todes, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. Denn David spricht von ihm (Psalm 16,8-11): »Ich habe den Herrn (JHWH) allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. Denn du wirst meine Seele nicht dem Reich des Todes überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.“ (Apg 2,24-27).

In der Auferweckung Jesu von den Toten erfüllt sich auch die Prophetie aus Psalm 2,7: „Kundtun will ich den Ratschluss des HERRN (JHWH). Er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (wörtl: geboren).« Und der Ap. Paulus bezieht diese Aussage, in seiner Predigt an die Juden im pisidischen Antiochia, eindeutig auf die Auferstehung von Jesus, dem Christus, wenn er spricht: „(…) dass Gott sie (die Verheißung) uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (wörtl: geboren).« (vgl. dazu auch Hebr 1,5; 5,5). Der gr. Begriff ` gegenn¢ka se – ich habe dich geboren` bezieht sich in diesem Zusammenhang eindeutig auf die Auferweckung Jesu. Ebenso bezieht  der Apostel die Aussage in Kolosser 1,18 auf die Auferweckung des physisch verstorbenen Menschensohnes – Jesus. „Und er (Jesus) ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene ( prötotokos) von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei.“ Als Sohn Gottes ist er in Ewigkeit Erstgeborener vor aller Schöpfung, wie der selbe Apostel an die Kolosser schreibt: „Er ist das Ebenbild ( eikön) des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene ( prötotokos) vor aller Schöpfung.“ (Kol 1,15).

Der Ap. Johannes schreibt: Jesus sei der „ monogen¢s theos – einziggeborener Gott (Sohn).“ (Joh 1,18). Und dieser, vor aller Zeit und Schöpfung erstgeborener und einziggeborener Gottes Sohn, wurde in diese Welt eingeführt, wie in Hebräer 1,6 geschrieben steht: „Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er (Psalm 97,7): »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« Gottes Sohn legt seine Göttlichkeit ab, wie der Ap. Paulus an die Philipper schreibt: „Welcher in der Gestalt ( morf¢) Gottes seiend (sich befindend), hielt das Gottgleichsein ( isa theö) nicht wie einen Raub fest, sondern entäußerte sich selbst (…).(Phil 2,6-8). Er wird also Mensch, nimmt Menschengestalt an, damit er als Mensch stellvertretend für alle Menschen sterben kann. So erkennen wir, dass durch die Begriffe:  Einziggeborener, Erstgeborener, sowohl seine göttliche „Herkunft“ in der Ewigkeit, als auch seine Auferweckung als Menschensohn aus physischem Tod beschrieben wird.

Jesus hat sich zwar immer wieder bewusst dem Willen seines Vaters unterstellt, doch bestand für ihn auch die Möglichkeit nicht zu sterben, wie folgende Texte andeuten: „Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?“ Oder die Aussage: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (vgl. auch mit Mt 16,22-23). Es war aber unmöglich, dass er im Tode geblieben wäre. Der Grund dafür liegt im Wesen Gottes – Gott ist Leben und er macht lebendig ( 2. Mose 3, 6,16; Joh 1,4;  5,21; Lk 20,38; Apg 1,3; 2,24-27; Offb 1,18).

Der Ap. Paulus schreibt Jahre später in seinem ersten Brief an die Korinther nicht nur über das Sterben und Begraben werden des Messias, sondern auch speziell über seine Auferstehung. In der Zeit gab es in der Gemeinde Korinth Menschen, welche die Auferstehung von Jesus leugneten. Der Apostel schreibt daher: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach (gemäß, entsprechend) der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen (…).“ (1Kor 15,3-6). In diesem Zusammenhang zitiert der Apostel keine konkreten Aussagen aus den Schriften, nennt jedoch mehrere Zeugen der Auferstehung von Jesus (Kephas, Jakobus, die zwölf Apostel, danach mehr als fünfhundert Brüder, welche Jesus gleichzeitig als Auferstandenen gesehen haben, danach nennt er sich selbst als Zeuge, dem Jesus als der Lebendige erschienen ist). Außer der Aussage in Psalm 2,7, welche er im pisidischen Antiochia nennt (Apg 13,34), gibt es von ihm keine weiteren Zitate als Beleg für die Auferstehung von Jesus. Wir können jedoch davon ausgehen, dass er durchaus mehrere dieser Belege in mündlicher Form, besonders in den Gesprächen mit Juden angeführt hat (Apg 17,1ff; 18,5).

Daher suchen wir nach weiteren Hinweisen in den Schriften des Alten Testamentes, welche die Auferstehung des Messias andeuten oder vorhersagen.

  1. Die Verheißung an Eva: „ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.“ (vgl. 1Mose 3,15 mit Gal 4,4: Röm 16,20).
  2. Abraham bekam seinen einzigen Sohn Isaak wieder zurück und zwar am dritten Tag, 1Mose 22,1-18. Die Entsprechung im NT: „Durch den Glauben hat Abraham den Isaak dargebracht, als er versucht (geprüft) wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, als er schon die Verheißungen empfangen hatte, von dem gesagt worden war (1. Mose 21,12): »Nach Isaak wird dein Geschlecht genannt werden.« Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; als ein Gleichnis dafür bekam er ihn auch wieder.“ (Hebr 11,17-19).
  3. Gott offenbart sich dem Mose als der Lebendige: „Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ (vgl. (2Mose 3,6 mit Lk 20,38).
  4. Am dritten Tag kam der HERR hernieder auf den Gipfel des Berges Sinai, umgeben mit unbeschreiblicher Herrlichkeit (2Mose 19,11). Der Hinweis auf den dritten Tag und die Erscheinung der Herrlichkeit Gottes als Beginn des Bundesschlusses mit dem Volk Israel ist bemerkenswert.
  5. In 2Samuel 7,11-13 lesen wir: „seit der Zeit, da ich Richter über mein Volk Israel bestellt habe. Ich will dir Ruhe geben vor allen deinen Feinden. Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will. 12 Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. 13 Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich.“ Und der Engel Gabriel wiederholt diese Verheißung im Gespräch mit Maria und bezieht sie eindeutig auf den kommenden Erlöser  (Lk 1,31-33). Wenn das Reich dieses Nachkommen Davids ein ewiges ist, dann muss er (auch wenn er stirbt) wieder auferstehen.  Und der Ap. Petrus bestätigt: „Und alle Propheten von Samuel an und danach, wie viele auch geredet haben, die haben diese Tage verkündet.“ (Apg 3,24).
  6. In Psalm 110,1 lesen wir: „»Ein Psalm Davids. Der HERR sprach zu meinem Herrn: / »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.« Wie könnte der Messias sich zur Rechten Gottes setzen, wenn er nicht auferweckt worden wäre? (vgl. mit Mt 22,44; Apg 2,34; Hebr 1,13).
  7. In Hosea 6,1-3 steht geschrieben: »Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten (a,nasthso,meqa anast¢sometha – auferwecken), dass wir vor ihm leben. Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; so gewiss wie die schöne Morgenröte bricht er hervor und kommt über uns wie der Regen, wie Spätregen, der das Land feuchtet.« Hier wird ein Auferstehen am dritten Tag verheißen, auch wenn es nicht ausdrücklich auf den Messias bezogen wird.
  8. Die Jonageschichte ist eine der bekanntesten und Jesus begründet indirekt seine Auferstehung mit dieser Geschichte (Jona 2,1-11; Mt 12,40).
  9. Paulus schreibt: „Dass er ihn aber von den Toten auferweckt hat und ihn nicht der Verwesung überlassen wollte, hat er so gesagt (Jesaja 55,3): »Ich will euch die Gnade, die David verheißen ist, treu bewahren.« (Apg 13,33-34). Anschließend zitiert der Apostel Psalm 16,8-11.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Jesus hat seinen Jüngern mehrmals seine Auferstehung am dritten Tag vorausgesagt. Wie und wo sprach Jesus darüber und seine Apostel?
  2. Was waren die Gründe weshalb sie es nicht verstehen und auch nicht glauben wollten?
  3. Wie lässt sich die Auferstehung von Jesus aus den Schriften des Ersten Bundes begründen?
  4. Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Schriftkenntnis und der Offenbarung Gottes durch seinen Geist?
  5. Welches ist der Hauptgrund für die Auferstehung von Jesus aus den Toten?
  6. Ein großer Teil der Christen glaubt, dass Jesus leibhaftig auferstanden ist. Warum ist ihr Zeugnis trotzdem oft so schwach?
  7. Wie lässt sich die Auferstehung von Jesus aus den Schriften des Ersten Bundes begründen?
  8. Welche Auswirkungen hatte die Auferstehung von Jesus auf die Entwicklung der Menschheitsgeschichte?

 

12.2 Begleiterscheinungen bei der Auferstehung von Jesus

(Bibeltexte: Mt 28,2-4; Mt 27,52-53)

Der Evangelist Matthäus überliefert drei Begleiterscheinungen bei der Auferstehung von Jesus. Auch wenn diese nur Bruchstücke darstellen, bilden sie doch einen konkreten Rahmen in dem Gott auf übernatürliche Weise wirkt. So schreibt der Evangelist: „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“ (Mt 28,2). Mit diesen knappen Worten schildert Matthäus als Einziger, das erste sichtbare, hörbare und spürbare Ereignis des Auferstehungstages. Gleich stellt sich die Frage, woher hatte der Evangelist diese Detailinformationen? Erstens: Einer der Wachsoldaten, der bereits bei der Kreuzigung von Jesus positiv gesprochen hatte, konnte es an die Jünger weitererzählt haben (Mt 27,54). Zweitens: Als zuverlässigste Quelle gilt immer noch Jesus selbst, denn in den folgenden 40 Tagen hat sich Jesus durch viele Beweise seinen Jüngern als der Lebendige gezeigt (Apg 1,3).

Mit dem Erscheinen eines himmlischen Boten  (gr. άγγελος  – angelos) geschieht zeitgleich ein großes Erdbeben. Dieses Erdbeben (gr. σεισμός seismos) wird mit Sicherheit von den meisten Menschen in der Stadt Jerusalem und Umgebung wahrgenommen worden sein. Es könnte auch mit der Auslöser für den frühen und ersten Grabesbesuch der Frauen gewesen sein, von dem nur der Evangelist Johannes kurz berichtet (Joh 20,1-2). Namentlich genannt ist Maria die Magdalenerin, doch sie war dort nicht allein (Mk 16,1-2). Eindeutig wird das starke Erdbeben mit dem Herabkommen des Engels in Verbindung gebracht und natürlich mit der Auferstehung von Jesus.

Abbildung 3 Grabstein im sogenannten Gartengrab in Jerusalem (Foto: April 1986).

Eine zeitliche Präzision im Eingreifen Gottes, ähnlich wie bei dem Tod von Jesus auf Golgatha (Mt 27,52). Doch das neue Felsengrab stürzt weder ein, noch rollt der große Grabstein davon.

Der Engel wälzt den durch die Hohenpriester versiegelten runden Stein von dem Eingang des Grabes und setzt sich auf ihn. Was für ein Bild der Ruhe und Überlegenheit über die menschlichen Sicherheitsmaßnahmen und die bewaffneten römischen Wachen. Kein Handgemenge, kein Anschreien oder gar Vertreiben der Soldaten, sie werden von dem Engel, so scheint es, gar nicht beachtet. Der Evangelist Matthäus schreibt, dass diese wie tot niederfielen. Wann sie wieder zu sich kamen, wird nicht gesagt.

Dass der Engel sich auf den Grabstein setzt, macht zweierlei deutlich. Erstens: für das Geschehen im Inneren des Grabes ist er nicht zuständig und zweitens: die Überwachung des jetzt bereits leeren Grabes übernimmt er – die Soldaten werden dafür nicht mehr gebraucht. Dies ist keineswegs ironisch gemeint. Obwohl von den Hohenpriestern bestellt, tun sie für Gott, ohne es zu wissen, einen  wertvollen Dienst. Sie bezeugen als erste und zwar unvoreingenommen, die Erscheinung des Engels in Blitzgestalt, dessen Aktion mit dem Wegrollen des Grabsteines und dass das Grab danach leer war. Begründung: „Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.“ (Mt 28,11).

Ab jetzt übernimmt der himmlische Bote die Regie, denn an diesem Tag stehen ihm und anderen Engeln noch weitere Aufgaben bevor. Nach Hebräer 1,14 sind Engel dienstbare Geister, die im Auftrag Gottes zum Teil ganz unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen.

Abbildung 4 Das Leuchten des Blitzes über dem Meer (Foto mit freundlicher Genehmigung von Viktor Karpowitsch).

Dieser Engel wird wie folgt beschrieben: „Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.“ (Mt 28,3-4). Der Blitz, besonders in der Dunkelheit der Nacht, löst bei den Menschen immer eine Faszination, bei gleichzeitigem Donner oft auch einen Schreck aus. Das glänzende Weiß des Engels wird mit dem in der Sonne strahlendem Schnee verglichen. Die Erscheinung himmlischer Boten haben Menschen immer wieder in Furcht und Schrecken versetzt (Lk 1,12.29; 2.9). Die mutigen Soldaten fallen bei der Erscheinung des Engels nieder und sind wie bewusstlos. Sie sind völlig handlungsunfähig, nehmen eine Zeitlang nichts mehr wahr.

Das Erdbeben ist eine Begleiterscheinung der Auferstehung von Jesus, so wie auch bei seinem Tod (Mt 27,52). Der Evangelist Matthäus schreibt: „Und die Gräber öffneten sich und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt und herausgekommen aus den Gräbern nach seiner Auferweckung  gingen hinein in die Heilige Stadt und erschienen vielen.“ (Mt 27,52-53). Diese Bemerkung des Evangelisten wird oft übersehen oder in zeitlichen Zusammenhang mit dem Tod von Jesus gebracht, weil sie im Text gleich nach Jesu Sterben folgt. Doch nicht nur beim Tod von Jesus gab es ein Erdbeben (Mt 27,51.54), sondern auch bei seiner Auferstehung (Mt 28,2). Und der Hinweis des Evangelisten, dass diese Auferweckten Gläubigen erst nach seiner (Jesu) Auferstehung hervorgingen und vielen erschienen, klärt die Sachlage und unterstreicht gleichzeitig die göttliche Reihenfolge, wie sie der Apostel Paulus später darlgelegt hatte: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind“.  „Zuerst Christus, danach (wenn er kommen wird) die Christus angehören.“ (1Kor 15,20.23). Doch schon am Auferstehungstag seines geliebten Sohnes, wirkt Gott die Auferstehung vieler Gläubigen aus alter Zeit. Dass diese in der Heiligen Stadt (Jerusalem) noch vielen erschienen, verstärkt nur um so mehr Gottes Eingreifen in den Tod. Er ist ein Gott des Lebens und er macht lebendig! Es erübrigt sich jede Spekulation betreff dieser, in einem neuen verklärten Leib auferweckten Heiligen, da es später in den apostolischen Schriften darüber keinerlei konkreten Hinweise gibt.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Nenne die drei Begleiterscheinungen bei der Auferstehung von Jesus.
  2. Wie wirken diese sich auf die betroffenen Menschen aus?
  3. Sind Erdbeben immer in Verbindung mit göttlichem Eingreifen zu sehen?
  4. Worin besteht der Dienst von Engeln? Sind sie heute auch noch tätig (im Dienst)?
  5. Wie ist die Auferweckung vieler Gläubigen im Zusammenhang der Auferstehung von Jesus zu erklären oder einzuordnen?
  6. Welche Bedeutung hat es für uns heute, bzw. für unsere Zukunft?

 

12.3 Die Wachsoldaten bezeugen das leere Grab

(Bibeltexte: Mt 28,4. 11-15)

Durch das Erdbeben und die Erscheinung des Engels in Lichtgestalt wie der Blitz, erschrecken die Wachen, fallen zu Boden und sind (zunächst) wie tot (Mt 28,4). Doch nach einiger Zeit kommen sie wieder zu sich, sehen den abgewälzten Stein und überzeugen sich vom leeren Grab. Furcht und Schrecken erfüllt die sonst so mutigen Legionäre und einige von ihnen gehen in die Stadt und zu ihren Auftraggebern – den Hohenpriestern und verkündigen ihnen, was geschehen war. So schreibt der Evangelist Matthäus:

Als sie (die Frauen) aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Und die kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld  und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu fürchten habt. Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und dies Gerücht hat sich bei Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag. (Mt 28,11-15).

Man bedenke, dass die oberste Führung des Volkes Israel als erste die Information von dem plötzlichen Verschwinden des Leichnams mitgeteilt bekamen und zwar aus dem Mund mehrerer offizieller vertrauter und zuverlässiger Personen. Die Soldaten ihrerseits hatten keinen Grund, um den Hohenpriestern irgendeine falsche Version für das plötzliche Verschwinden des Leichnams zu erzählen. Sie müssen ja um ihr Leben bangen. Und die Hohenpriester zweifelten keineswegs den Bericht der Soldaten an. Das starke Erdbeben hat die Hohenpriester genauso aus dem Schlaf gerissen, wie viele der Jerusalemer Bürger, wahrscheinlich auch die Frauen, die sich sehr früh auf den Weg zum Grab machen. Im Text steht von den Soldaten: „(…) sie verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.“ (Mt 28,11). Was für ein Zeugnis für die Auferstehung von Jesus! Gott kommt zu Ehren und die Auferstehung von Jesus bekommt eine weitere Verbreitung und zwar unter den Gegnern.

Spätestens hier hätten die Obersten ihre Fehleinschätzung und Fehlverhalten einsehen und ihr unrechtes Urteil korrigieren müssen. Dieser Vorgang macht deutlich, wie gefährlich eine Verhärtung des Herzens ist. Je länger ein Mensch entgegen besseres Wissen die Wahrheit ignoriert, ja sich sogar bewusst gegen sie auflehnt, desto mehr steht er in der Gefahr und Versuchung sich in weitere Unwahrheiten und Ungerechtigkeiten zu verstricken.

Nach Beratung mit den Ältesten aus dem Hohen Rat, zahlen sie aus der Tempelkasse den Soldaten viel (Schmier)Geld, um sie zu einer Falschaussage zu überreden. Diese Falschaussage beinhaltet die Tatsache, dass die Soldaten einschliefen, denn sie waren ja durch die Engelerscheinung wie tot, also in einer Art Schlaf versunken. Der Rest der Aussage: „Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen“, war eine üble und falsche Unterstellung. Die Jünger waren so sehr verängstigt, dass ihnen so etwas gar nicht eingefallen wäre.

Diese Version gründete sich auf ihre Unterstellung gegenüber den Jjüngern, welche sie dem Statthalter tags davor vorgetragen hatten, als sie diesen um die Bewachung des Grabes baten. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme brachten sie sich selbst in große Erklärungsnot. Das Zudecken der Wahrheit mit der Zahlung eines Scweigegeldes (aus Steuergeldern, Opfergeldern), gewährt zudem einen weiteren Einblick in die korrupten Machenschaften der Tempelbehörde jener Zeit.

Die Zusicherung an die Soldaten des Statthalters lautete: „Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu fürchten habt.“ (Mt 28,13). Damals wie heute spielte Geld und Macht für das Verhalten von Menschen eine große Rolle. Die Führenden in Israel hatten darin Erfahrung (Mt 26,14-16) und wussten, wie mangelhaft die einfachen Soldaten für ihren oft lebensgefährlichen Dienst besoldet wurden. So heißt es weiter von den Soldaten: „Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und dies Gerücht hat sich bei Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag.“ (Mt 29,14-15). Die Soldaten verbreiten diese falsche Version so intensiv, dass der Evangelist Matthäus noch Jahre später bemerkt: „dies Gerücht hat sich bei Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag.“ Es war also noch im Umlauf zur Zeit der Abfassung des Evangelienberichtes durch Matthäus vor 70 n. Chr..

Öffentliche Propaganda ist ein wesentliches Mittel, das zur Meinungsbildung in einer Gesellschaft benutzt und oft auch missbraucht wird.

Die Vorsichtsmaßnahme, welche die Hohenpriester tags zuvor getroffen hatten, wendete sich letztlich gegen sie selbst. Sie haben sich bereits so sehr selbst geschadet, dass von ihnen keine weiteren Aufklärungsaktionen dieses Falles eingeleitet werden. Ein Untersuchungsausschuß zur juristischen Aufarbeitung und Klärung des mysteriösen Verschwindens des Leichnams, hätte nicht nur die Wachsoldaten, sondern auch sie selbst in weitere Erklärungsnot gebracht.

Hier erfüllte sich, was in Psalm 2,4 geschrieben steht: „Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ (Vgl auch Apg 4,23-28; Ps 2,1-2).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Die Wachsoldaten geraten in große Verlegenheit. Wie bewertest du ihr Handeln und ihre Berichterstattung vor den Hohenpriestern?
  2. Wie kam die Unterredung der Wachsoldaten mit den Hohenpriestern ans Licht, zum Beispiel bis zu den Jüngern?
  3. Schildere die Verlegenheit der Führung Israels und deren verfehlten Politik. Was können wir daraus ableiten?
  4. Welchen Eindruck hinterließen die Führenden Israels bei ihrem Volk und den Römern durch ihr korruptes Verhalten?
  5. Ist es möglich, Gottes Plan und dessen Durchführung zu verhindern?

In den folgenden Abschnitten wollen wir versuchen anhand aller Texte der vier Evangelien eine chronologische Abfolge der Ereignisse am ersten Tag der Woche zu erstellen. Diese Mühe lohnt sich, weil am Ende unser Glaube an den auferstandenen Jesus Christus gestärkt und gefestigt wird.

 

Auflistung der Texte aller vier Evangelisten:

Matthäus 28,1-8

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

Markus 16,1-8:

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Lukas 24,1-12:

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.  Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am ritten Tage auferstehen Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen anderen Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

Johannes 20,1-13:

Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die beiden miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam als Erster zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen, und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der als Erster zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. Da gingen die Jünger wieder zu den anderen zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

In den frühen Morgenstunden des ersten Tages der Woche, als es noch finster war, ist Maria die Magdalenerin unterwegs zum Grab, so der Ev. Johannes. Auf den ersten Blick bekommen wir den Eindruck, dass Maria ganz allein unterwegs ist. Doch schon aus einer logischen und praktischen Überlegung heraus, wäre es unverständlich, wenn sich eine einzelne Frau bei Dunkelheit außerhalb der Stadt Jerusalems begeben würde und zwar mit dem Ziel, den Leichnam von Jesus (der nicht ihr Verwandter ist) zu salben. Ist sie wirklich allein unterwegs oder wird sie von weiteren Frauen begleitet, ohne dass der Evangelist dies vermerkt? Bereits am Vorabend, nach Ende des Sabbats (am Samstagabend nach Sonnenuntergang), haben drei namentlich genannten Frauen kostbares Salböl eingekauft, so schreibt der Ev. Markus:

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle (arömata), um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. (Mk 16,1-4).

Wenn der Ev. Markus mindestens drei Frauen namentlich nennt, die am Vorabend gemeinsam Salb-Öle eingekauft hatten, mit dem Ziel am nächsten Morgen zum Grab zu gehen, dann liegt es nahe, dass sie auch gemeinsam am frühen Morgen des ersten Tages zum Grabe gingen. Diese drei, von Markus namentlich genannten Frauen sind:

  1. Maria aus Magdala (Joh 20,1; Mk 16,1-2; Lk 8,3).
  2. Maria, die Mutter des Jakobus (und Josef); sie ist mit Sicherheit die Mutter von Jesus (vgl. Mk 15,40 und Mt 27,56 mit Mt 13,55).
  3. Salome ist die Frau des Zebedäus und Mutter von Jakobus und Johannes, den Jüngern von Jesus. Der Vergleich von Mt 27,56 mit Mk 15,40 und Mk 16,1 legt dies nahe. Nimmt man noch Johannes 19,25 hinzu, bekommt man ein noch vollständigeres Bild über die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Salome und Maria, der Mutter von Jesus. Demnach wären diese beiden Frauen Schwestern.

Der Ev. Matthäus schreibt: „Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.“ (Mt 28,1). Dass dieser Evangelist im Vergleich zu Markus nur zwei Frauen namentlich nennt, macht doch deutlich, dass jeder von ihnen nicht alle Details in seiner Berichterstattung aufgeschrieben hat. Die zwei Namen bei Matthäus sind:

  1. Maria aus Magdala,
  2. Maria, die Mutter von Jesus

Der Ev. Lukas schreibt: „Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab (…).“ (Lk 24,1-2). Welche und wie viele Frauen meint er mit dem „sie“?

  • Es waren die Frauen, welche Jesus bereits aus Galiläa gefolgt waren
  • Welche in der Nähe des Kreuzes standen
  • und bei der Bestattung durch Josef aus Arimathea in Grabesnähe waren.

So schreibt der Evangelist: „Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und sahen das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. (…).“ (Lk 23,55-56a). Und in Kapitel 24,10 schreibt er: „Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln.“ Lukas nennt drei Frauen mit Namen:

    1. Maria aus Magdala
    2. Johanna (sie ist die Frau des Chuzas eines Verwalters des Herodes Antipas), (Lk 8,3; 24,10)
    3. Maria, des Jakobus Mutter (sie ist die Mutter von Jesus)

Der Ev. Lukas fügt hinzu, dass noch andere Frauen (im Plural) dabei waren (Lk 24,10b).

Fazit: Im Zusammenhang der Texte aller vier Evangelien zu den Grabesbesuchen von Frauen (Mt 28,1; Mk 16,1-2a; Lk 24,1.10; Joh 20,1. 9ff), sind folgende Frauen namentlich genannt:

  1. Maria aus Magdala
  2. Maria, die Mutter von Jesus
  3. Salome, die Schwester von Maria
  4. Johanna
  5. Maria des Kleophas Frau

Wir nehmen nun an, dass diese Frauen (mehr oder weniger vollzählig) als Gruppe  zum Grab gehen. Unterwegs sprechen die Frauen zueinander: Wer wälzt uns den Stein vom Grab?“ (Mk 16,3). Als sie jedoch zum Grab kommen, stellen sie fest, dass der Stein weggewälzt ist.

Anmerkung: Der Ev. Johannes beschreibt als Einziger, dass Maria aus Magdala zweimal das Grab besuchte (Joh 20,1.11). Die Ev. Markus, Matthäus und Lukas schreiben nur von einem Grabesbesuch der Frauen (Mk 16,2b).

 

Maria aus Magdala, welche in der gesamten Aktion eine führende Rolle hat, wird von dem Evangelisten Johannes in seinem Auferstehungsbericht hervorgehoben. Die Tatsache, dass sie in allen Listen immer an erster Stelle genannt wird, hebt ihre besondere Stellung hervor. Der Ev. Johannes berichtet aus der Sicht der Magdalenerin. Beim Anblick des offenen Grabes sind alle Frauen entsetzt. Wenn wir dem Bericht des Johannes folgen, dann kehrte Maria die Magdalenerin gleich wieder zurück in die Stadt zu Petrus und Johannes (Joh 20,1-2). Dort sage sie als Sprecherin der Frauengruppe zu Petrus und dem Jünger, welchen Jesus liebte: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.(Joh 20,2). Mit dem „Sie“ ist für uns nicht klar, wen oder welche Personengruppe die Magdalenerin damit meint. Falls bei diesem ersten Grabesbesuch einige Soldaten noch am Grab waren, könnte Maria diese gemeint haben. Wir müssen auch bedenken, dass bis dahin weder die Frauen, noch die Jünger von der Überwachungsaktion vor dem Grab wussten. Hätten die Frauen es gewusst, wäre es nicht vorzustellen, dass sie sich noch bei Dunkelheit allein dorthin gewagt hätten.

Dass die anderen Frauen die Magdalenerin bei deren frühem Grabesbesuch begleiteten, wird durch das „wir“ in Joh.20,2 bestätigt.

Mit diesen spärlichen, aber für die Jünger sensationellen Aussagen der Maria kommen Petrus und Johannes in Bewegung. Nichts und niemand kann sie aufhalten, sie wollen mit eigenen Augen sehen was geschehen ist.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Welche Stellung hatten Frauen in römischer Zeit (auch in Israel)?
  2. Warum sind so viele Frauen an diesem frühen Morgen unterwegs zum Grab? Was ist ihr eigentliches Anliegen?
  3. Wie viele und welche Frauen sind Zeugen des leeren Grabes?
  4. Beschreibe die Reaktion der Frauen beim Anblick des leeren Grabes.

12.4 Erster Gabesbesuch der Frauen – Der Stein ist weg, das Grab ist leer

(Bibeltexte: (Joh 20,1-2; Mk 16,1-4; Lk 24,1-2)

In den folgenden Abschnitten wollen wir den Versuch unternehmen, anhand aller Texte der vier Evangelien eine chronologische Abfolge der Ereignisse am ersten Tag der Woche zu erstellen. Die Mühe bei diesem Unternehmen lohnt sich, weil am Ende unser Glaube an den auferstandenen Jesus Christus gestärkt und gefestigt wird.

 

Tabelle mit den Texten aller vier Evangelisten:

 

 

In den frühen Morgenstunden des ersten Tages der Woche, als es noch finster war, ist Maria die Magdalenerin unterwegs zum Grab, so schreibt der Evangelist Johannes:

Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. (Joh 20,1-2).

Auf den ersten Blick bekommen wir den Eindruck, dass Maria ganz allein unterwegs war. Doch schon aus einer logischen und praktischen Überlegung wäre es unverständlich, wenn sich eine einzelne Frau bei Dunkelheit außerhalb der Stadt Jerusalems begeben würde und zwar mit dem Ziel, den Leichnam von Jesus (der nicht ihr Verwandter war) zu salben. War sie wirklich allein unterwegs oder wurde sie von weiteren Frauen begleitet, ohne dass der Evangelist dies vermerkt? Bereits am Vorabend, nach Ende des Sabbats (am Samstagabend nach Sonnenuntergang), haben drei namentlich genannten Frauen kostbares Salböl eingekauft, so schreibt der Evangelist Markus:

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle (gr. αρώματα arömata), um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.“ (Mk 16,1-4).

Wenn der Evangelist Markus mindestens drei Frauen namentlich nennt, die am Vorabend gemeinsam Salb-Öle eingekauft hatten mit dem Ziel am nächsten Morgen zum Grab zu gehen, dann läge es nahe, dass sie auch gemeinsam am folgenden frühen Morgen des ersten Tages zum Grabe gingen. Diese drei, von Markus namentlich genannten Frauen sind:

  1. Maria aus Magdala (Joh 20,1; Mk 16,1-2; Lk 8,3).
  2. Maria, die Mutter des Jakobus (und Josef), sie ist mit Sicherheit die Mutter von Jesus (vgl. Mk 15,40 und Mt 27,56 mit Mt 13,55).
  3. Salome ist die Frau des Zebedäus und Mutter des Jakobus und Johannes, der Jünger von Jesus. Der Vergleich  von Mt 27,56 mit Mk 15,40 und Mk 16,1 legt dies nahe. Nimmt man noch Johannes 19,25 hinzu, bekommt man ein noch vollständigeres Bild von den Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Salome und Maria, der Mutter von Jesus. Demnach wären diese beiden Frauen Schwestern.

Der Evangelist Matthäus schreibt: „Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.“ (Mt 28,1). Das dieser Evangelist im Vergleich zu Markus nur zwei Frauen namentlich nennt, macht doch deutlich, dass jeder von ihnen nicht alle Details in seiner Berichterstattung aufgeschrieben hat. Die zwei Namen bei Matthäus sind:

  1. Maria aus Magdala,
  2. Maria, die Mutter von Jesus

Der Evangelist Lukas schreibt: „Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab (…).“ (Lk 24,1-2). Wen und wie viele Frauen meint er unter dem „sie“?

  • Es waren die Frauen, welche Jesus bereits aus Galiläa gefolgt waren,
  • Welche in der Nähe des Kreuzes standen
  • und bei der Bestattung durch Josef aus Arimathea in Grabesnähe waren.

So schreibt der Evangelist: „Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und sahen das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. (…).“ (Lk 23,55-56a). Und in Kapitel 24,10 schreibt er: „Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln.“ Lukas nennt drei Frauen mit Namen:

    1. Maria aus ‚Magdala
    2. Johanna (sie ist die Frau des Chuzas eines Verwalters des Herodes Antipas (Lk 8,3; 24,10)
    3. Maria des Jakobus Mutter (sie ist die Mutter von Jesus)

Der Evangelist Lukas fügt noch hinzu, dass noch andere Frauen (im Plural) dabei waren (Lk 24,10b).

Fazit: Im Zusammenhang der Texte aller vier Evangelien zu den Grabesbesuchen von Frauen (Mt 28,1;  Mk 16,1-2a;  Lk 24,1.10;  Joh 20,1. 9ff), sind folgende Frauen namentlich genannt:

  1. Maria aus Magdala,
  2. Maria, die Mutter von Jesus,
  3. Salome, die Schwester von Maria,
  4. Johanna,
  5. Maria, des Kleopas Frau,

Wir nehmen nun an, dass diese Frauen (mehr oder weniger vollzählig) als Gruppe zweimal zum Grab gingen. Unterwegs dorthin (bei ihrem ersten Grabesbesuch Joh 20,1als es noch finster war) sprechen die Frauen zueinander: Wer wälzt uns den Stein vom Grab?“ (Mk 16,3). Als sie jedoch zum Grab kommen, stellen sie fest, dass der Stein weggewälzt ist.

Anmerkung: Der Evangelist Johannes beschreibt als Einziger, dass die Frauen zweimal das Grab besuchten (Joh 20,1.11). Da der Evangelist Markus (sowie auch Matthäus und Lukas) nur von einem Grabesbesuch der Frauen schreiben (in der Zeit als die Sonne aufging Mk 16,2b), hat er die Frage der Frauen: Wer wälzt uns den Stein vom Grab“, die logischerweise nur beim ersten Grabesbesuch gestellt werden konnte. in seinen allgemeinen Bericht reingenommen (Mk 16,1-4). Denn diese Frage zu stellen bei dem zweiten Grabesbesuch wäre sinnlos, denn bereits beim ersten Besuch, wie der Evangelist Johannes es beschreibt, sah die Magdalenerin (sicher auch die anderen Frauen) dass der Stein weggewälzt war (Joh 20,1-2).

Maria aus Magdala, welche in der gesamten Aktion eine führende Rolle hatte, wird von dem Evangelisten Johannes in seinem Auferstehungsbericht hervorgehoben. Er berichtet aus der Sicht der Magdalenerin. Beim Anblick des offenen Grabes sind alle Frauen so sehr erschrocken, dass sie auf der Stelle kehrt machen und  zurück in die Stadt laufen. Dort sagten sie, bzw. die Magdalenerin, als Sprecherin zu Petrus und dem Jünger, welchen Jesus liebte (Johannes): Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.(Joh 20,2). Mit dem „Sie“ ist für uns nicht klar, wen oder welche Personengruppe die Magdalenerin damit meint. Falls bei diesem ersten Grabesbesuch einige Soldaten noch am Grab waren, könnte Maria diese gemeint haben. Wir müssen auch bedenken, dass bis dahin weder die Frauen, noch die Jünger von der Überwachungsaktion vor dem Grab wussten. Hätten die Frauen es gewusst, nicht vorzustellen, dass sie sich noch bei Dunkelheit allein dorthin gewagt hätten.

Dass die anderen Frauen die Magdalenerin bei deren erstem Grabesbesuch begleiteten, wird durch das „wir“ in Joh.20,2 bestätigt. Mit diesen spärlichen aber für die Jünger sensationellen Aussagen der Frauen kommen Petrus und Johannes in Bewegung. Nichts und niemand kann sie aufhalten, sie wollen es mit eigenen Augen sehen was geschehen war.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Welche Stellung hatten Frauen in römischer Zeit, auch in Israel?
  2. Warum sind so viele Frauen an diesem frühen Morgen unterwegs zum Grab? Was war ihr eigentliches Anliegen?
  3. Wieviele und welche Frauen sind Zeugen des leeren Grabes?
  4. Beschreibe ihre Reaktion beim Anblick des leeren Grabes.

 

12.5 Die Engel bezeugen den Frauen die Auferstehung von Jesus

(Bibeltexte: Mt 28,1-8; Mk 16,2-8; Lk 24,1-9)

 

Während der Abwesenheit von Maria der Magdalenerin könnte die Begegnung der übrigen Frauen mit den Engeln stattgefunden haben. Es ist der Versuch wert, anhand der vorhandenen Texte eine logische Reihenfolge zu erstellen. Denn obwohl jeder Evangelist seinen Bericht spezifisch entfaltet, sehen wir diese als einander ergänzend an. Im Garten angekommen, gehen diese sofort in das Innere der Grabkammer hinein. Inzwischen ist auch die Sonne aufgegangen (Mk 16,2b). Ihr Verhalten sagt etwas über ihre beharrliche Liebe zu ihrem Herrn aus. Wir versuchen einen möglichen chronologischen Ablauf der Begegnungen mit Engeln und anschließend mit dem Herrn selbst herzustellen.

Der Ev. Lukas vermerkt, dass sie (alle Frauen) nun in das Grab hineingehen (Lk 24,3). „Und als sie in Verlegenheit gerieten, siehe, da standen zwei Männer in glänzenden Kleidern bei ihnen.“ (Lk 24,4). Der Evangelist Markus hält fest, dass sie einen (kein Zahlwort) jungen Mann bekleidet mit einem weißen langen Gewand sehen, welcher zur Rechten sitzt. Beim Anblicka der Engel erschrecken die Frauen (Mk 16,5). Auch der Evangelist Matthäus spricht von einem Engel (Mt 28,5), der allerdings zu dieser Zeit nicht mehr auf dem Stein draußen vor dem Grabeingang sitzt, sondern sich jetzt in der Grabkammer aufhält.

Die Gruft muss ziemlich geräumig gewesen sein, sodass sich alle Frauen im Inneren aufhalten konnten und dazu noch die beiden himmlischen Boten. Wir können uns kein objektives Bild davon machen, wie die beiden Engel mit den Frauen reden, ob gleichzeitig oder nacheinander. Es ist sozusagen der erste Zeugnisgottesdienst zur Auferstehung von Jesus Christus, den praktisch die beiden Engel leiten.

Nach Matthäus sagt einer der himmlischen Boten: Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her, seht die Stätte, wo er gelegen hat. (Mt 28.5-6). Der Evangelist Markus hält ähnlich fest: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hingelegt hatten.(Mk 16,6). Der Evangelist Lukas berichtet ein wenig ausführlicher: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, indem er sagte: Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. (Lk 24,5b-7; 9,22). Die Engel fahren fort mit: Und geht schnell hin und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferstanden ist! Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.(Mt 28,7). Und Markus ergänzt mit den Worten:Aber geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.(Mk 16,7; 9,31). Lukas fügt noch hinzu:Und sie gedachten an seine Worte. (Lk 24,8). Es fällt auf, dass Jesus in Galiläa die entsprechenden Voraussagen auf sein Leiden und Auferstehung nicht nur an seine Jünger richtet, sondern auch die Frauen, welche ihm nachfolgen, darüber informiert (Lk 8,1-3).

Abbildung 4. Das sogenannte Gartengrab in Jerusalem. Es ist nicht das Grab von Jesus, doch hier findet der Pilger Ruhe und kann sich im Gegensatz zu der Grabeskirche, auf das Geschehen auf Golgatha und die Auferstehung von Jesus, besinnen. (Foto: April 1986).

Bei Markus hört sich der Schluss seines Evangeliums sehr dramatisch an: Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft. Denn Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen, und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich. (Mk 16,8). `Niemand` bedeutet hier wohl, während sie sich auf dem Weg zu den Jüngern befanden. Matthäus ergänzt mit den Worten: Und sie gingen schnell von der Gruft weg mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkünden.(Mt 28.8). Diese unterschiedlichen Empfindungen und Wahrnehmungen passen sehr gut auf Frauen, die in ihrem subjektiven Erleben mit einer bunten Mischung von Emotionen reagieren.

  Fragen /Aufgaben:

  1. Die Frauen verharren am Grab. Was sagt es über sie aus, was bewegt sie?
  2. Womit werden sie für ihre „Wer sucht, der findet“ belohnt?
  3. Wie gut kennen sich die Engel im Plan Gottes und dessen Verwirklichung aus?
  4. Was ist das Ergebnis der Engelbegegnungen?
  5. Welchen Eindruck erwecken die Evangelientexte, die über das leere Grab und die Auferstehung von Jesus berichten, in dir?
  6. Gib acht, wie sich die Evangelisten trotz lückenhafter Berichterstattung ergänzen.

 

12.6 Petrus und Johannes bestaunen das leere Grab

(Bibeltext: Joh 20,2-10; Lk 24,12)

 

Im Folgenden sind die Paralleltexte der Evangelisten Johannes und Lukas, die vom Grabesbesuch des Petrus und Johannes berichten, nacheinander aufgelistet.

Johannes 20,3-10:

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die beiden miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam als Erster zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen, und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der als Erster zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. Da gingen die Jünger wieder zu den anderen zurück.

Lukas 24,12:

Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

Nun machen sich die zwei Jünger Petrus und Johannes auf den Weg zum Grab. Sie laufen, wobei Johannes schneller ist als Petrus (Joh 20,4). Er schaut ins Grab und sieht die Leinentücher liegen, geht aber nicht hinein, lässt sozusagen Petrus den Vortritt. Petrus eilt nun herbei und geht sofort in das Innere der Grabkammer hinein und sieht ebenfalls die Leinentücher liegen. Zweimal vermerkt der Evangelist Johannes, dass die Leinentücher im Grab lagen, ein wichtiger Beleg dafür, dass die Behauptung der Frauen, der Leib von Jesus wurde weggenommen, nicht stimmte (Joh 20,2). Im Falle eines Diebstahls wären die Leinentücher nicht mehr geordnet oder überhaupt nicht mehr im Grab geblieben. Der Evangelist Johannes vermerkt jedoch, dass das Schweißtuch, welches Jesus um den Kopf gewickelt wurde, nicht mit den übrigen Leinentüchern zusammen, sondern getrennt (und zwar ordentlich zusammengewickelt) an einer besonderen Stelle lag (Joh 20,7). Grabräuber hätten Spuren verwischt oder Chaos hinterlassen. Der Herr aber lässt seine zeitweilige Ruhestätte aufgeräumt und in völliger Ordnung zurück. Nach Petrus geht auch Johannes in die Grabkammer hinein und als er dies alles sieht glaubt er, denn sie kannten die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste.(Joh 20,9). So gehen die beiden wieder zurück zu den Ihren (Joh 20,8-9).

Anmerkung: Es gibt keinen Hinweis aus diesen Texten oder apostolischen Schriften dafür, dass die Jünger oder später die Frauen die Leinentücher und das Kopftuch als Beweismaterial oder als Reliquien mit sich genommen hätten. Die vielfach verbreitete Meinung, dass das Leichentuch und Kopftuch von Jesus erhalten geblieben seien und aufbewahrt werden, gehört ebenso in die Kategorie der mittelalterlichen Überlieferungen, wie auch die vielen sogenannten Überreste von Kreuzen und Körperteilen sogenannter Heiligen.

Der Evangelist Lukas hat den Grabesbesuch des Petrus (ohne Johannes zu erwähnen) sehr kurz beschrieben. Wir ordnen den Grabesbesuch von Petrus dem von dem Evangelisten Johannes beschriebenem zu. Da Lukas den Jünger Johannes aus irgendeinem (für uns nicht nachvollziehbarem Grund) nicht nennt, entsteht der Eindruck, dass Petrus bereits zum zweiten Mal zum Grab eilt. Doch könnte es sich bei Lukas auch um einen kurzen Einschub handeln, sodass bei dem gemeinsamen Grabesbesuch mit Johannes nur von Petrus gesprochen wird. Wir denken da an Johannes, der nur von Maria der Magdalenerin berichtet, obwohl sie in Begleitung mehrerer Frauen war.

Zweierlei wird über das Ergebnis dieses Besuches ausgesagt:

Als Johannes das sah, glaubte er“ und: denn sie kannten die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen sollte.(Joh 20,9). Ob Petrus in diesem Augenblick auch glaubt, bleibt offen, denn Lukas schreibt von ihm, dass er sich verwundert über das Geschehene. Es scheint, als ob sie die wiederholten Hinweise von Jesus über sein Leiden und die anschließende Auferstehung nicht begriffen und auch nicht geglaubt hätten. In den vorhandenen Schriften des Alten Testamentes war es auch nicht einfach, die Auferstehung des Messias von den Toten zu erkennen. Die Jünger bleiben im Gegensatz zu den Frauen nicht lange im Grab oder in Grabesnähe. Sie bekommen keine Engel zu sehen und so gehen die beiden mit Verwunderung, Staunen und offenen Fragen wieder zurück in die Stadt.

Fragen /Aufgaben:

  1. Wie reagieren Petrus und Johannes auf die Nachricht von Maria der Magdalenerin?
  2. Die beiden Jünger inspizieren sorgfältig das leere Grab – mit welchem Ergebnis?
  3. Welche Schlüsse kann man aus dem Zustand des verlassenen Grabes ziehen?
  4. Warum ist es für die Jünger so schwierig zu glauben, dass der Messias von den Toten auferstehen sollte/musste?
  5. Mit welchem Ergebnis kehren beide Jünger wieder zurück in die Stadt?

 

 

12.7 Maria aus Magdala begegnet Jesus in Grabesnähe

(Bibeltexte: Joh 20,11-18)

 

Maria aus Magdala ist, so scheint es, den beiden Jüngern zum Grab gefolgt. Dies ist bereits ihr zweiter Grabesbesuch (Joh 20,1.11). Und nachdem diese wieder weg sind, bleibt sie am Grabeingang stehen und weint. Der Ev.t Johannes berichtet:

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. (Joh 20,11-13).

Der Eingang zum Grab hatte solche Maße, dass Maria sich bücken muss, um in das Grabesinnere hineinschauen zu können. Und jetzt wird sie überrascht. Was sie nun sieht, belohnt ihre Beharrlichkeit und Liebe zu ihrem Herrn. Die Beschreibung dessen, was sie zu sehen bekommt, ist sehr detailliert und präzise (Joh 20,12). Erinnern wir uns noch an die Aufmerksamkeit der Frauen, welche genau zugeschaut haben, wie Jesus von Josef und Nikodemus bestattet wurde (Lk 23,55). Die Frage der Engel „Frau, was weinst du?“, ist für sie wie ein Türöffner. Sie wiederholt ihre naive Vermutung, so sehr ist sie mit sich selbst, ihrem Leid und ihrem Verlust beschäftigt. Doch ehe sie von den weiß gekleideten himmlischen Boten eine Antwort bekommt, verspürt oder hört sie hinter sich Schritte, denn im Text steht weiter geschrieben:

Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn ingelegt? Dann will ich ihn holen. (Joh 20,14-15).

Fast kindlich hört sich ihre Anfrage an, doch sie macht deutlich, wie schlicht, einfach und lauter ihr Herz ist. An der äußeren Erscheinung erkennt sie Jesus nicht, nicht mal an seiner Stimme, es bedarf einer Offenbarung von Jesus selbst.

Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. (Joh 20,16-17).

Maria aus Magdala ist in Jerusalem nicht bekannt. Dass der vermeintliche Gärtner sie bei ihrem Namen nennt, ist für sie auffällig und sie erkennt augenblicklich den lebend vor sich, dessen Leichnam sie so vergeblich sucht. Wieder wendet sie ihren Blick auf Jesus und ruft auf Hebräisch:Rabbuni, das heißt: Meister/Lehrer!“ Anscheinend versucht Maria Jesus zu berühren, woraufhin Jesus mit den Worten: Fasse mich nicht an (berühre mich nicht)!“ reagiert. Die Begründung: „Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Das griechische Verb `aptou` hat die Bedeutung von berühren, anfassen (Mk 1,41; 5,27-30). In welchem Zusammenhang die versuchte Berührung des Körpers von Jesus durch die Magdalenerin mit seiner Begründung steht, ist nicht einfach zu erklären. Sicher ist, dass die Berührung seines auferstandenen Körpers grundsätzlich erlaubt war, wie die spätere Episode mit Thomas zeigt (Joh 20,27; vgl dazu auch Mt 28,9-10: „Sie (die Frauen) fassten ihn an den Füßen). Das begründende „denn ich bin noch nicht aufgefahren“, könnte auch heißen, „jetzt nicht, ich bin noch da, wir sehen uns noch, jetzt keine Zeit verlieren, schnell zu meinen Brüdern“. Aus dem Text geht nicht hervor, dass sie ihn berührt, geschweige denn, dass sie ihn umarmt wie gelegentlich in Büchern behauptet und in Filmen gezeigt wird. Daher lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die Aussagen von Jesus.

Abbildung 6. Der Haupteingang zur Grabeskirche in Jerusalem die auch als die Auferstehungskirche gesehen wird (Foto: April 1986).

 

Erstens: Jesus kündigt sein Hinaufgehen zu seinem Vater an. Durch die Aussage: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“, macht Jesus deutlich, dass seine Beziehung zum Vater im Himmel eine spezielle, einmalige ist, denn er ist der Einziggeborene aus dem Vater (Joh 1,14.18; 3,16-18). Für die Beziehung der an Jesus Glaubenden ist der himmlische Vater „euer Vater“, „unser Vater“ (vgl. dazu auch Mt 6,9; 2Kor 6,16; Offb 7,10). Trotz ihrer besonderen tiefen Liebe und Ergebenheit zu ihrem Herrn hat Maria aus Magdala keinen speziellen Anspruch auf Jesus, ihn anzufassen oder vorrangig für sich in Anspruch zu nehmen. Denken wir doch an ihre Aussage: „Sie haben meinen Herrn weggenommen“ oder „dass ich ihn hole“. Jesus ordnet sie in die Gemeinschaft seiner anderen Jünger/Brüder ein. Die Aussage: „zu meinem Gott und zu eurem Gott“ ist sehr wohl auf dem Hintergrund seiner menschlichen Natur zu verstehen, welche er mit der Auferstehung aus den Toten keineswegs abgelegt hat, sondern zusammen mit seiner göttlichen Natur in Ewigkeit behalten wird.

Zweitens: Jesus ist noch hier und ein Wiedersehen mit den Jüngern in Galiläa ist fest eingeplant (Mt 26,32; Mk 14,28). Denn am Vorabend seines Todes sagt er seinen Jüngern: „Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.“. Nun erinnert er an sein Versprechen und er wird es zu gegebener Zeit einlösen.

Drittens: Maria hat einen Verkündigungsauftrag der eilends ausgeführt werden soll. Und sie tut, wozu Jesus sie beauftragt hat. Maria, die Magdalenerin geht hin und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen und dies habe er ihr gesagt.“

 Fragen /Aufgaben:

  1. Warum bekommt gerade Maria aus Magdala eine besondere Engel- und Jesusbegegnung?
  2. Gib eine Beschreibung über die Person von Maria und ihrer Charakterzüge.
  3. In der Christenheit gibt es viele spannende Erzählungen über Maria aus Magdala. Warum gibt es von dieser besonderen Frau aus der Zeit der Apostel keine weiteren Informationen? Warum wird sie von den neutestamentlichen Autoren später nicht mehr erwähnt?

 

 

 

12.8 Die Frauen begegnen Jesus auf dem Weg in die Stadt

(Bibeltexte: Mt 28,9-10; Lk 24,9)

 

Als die Frauen das Grab verlassen und sich auf den Weg zu den Jüngern machen, begegnet ihnen Jesus selbst. Nur der Evangelist Matthäus berichtet von dieser Begegnung (Mt 28,9-10). Die Frauen harren bis ans Ende bei Jesus aus und dürfen ihn als die Ersten sehen. Der Bericht des Evangelisten Matthäus weist zu dem von Johannes zwar einige Ähnlichkeiten auf, beinhaltet jedoch auch eine Reihe von Unterschieden. Dies spräche für eine gesonderte Begegnung, die nicht in Grabesnähe, wie im Falle von Maria der Magdalenerin, sondern bereits auf dem Weg in die Stadt stattfindet. Auch bei dieser Begegnung fängt Jesus das Gespräch an, er ist also auf der Suche nach den Seinen. So schreibt Matthäus: „Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten zu ihm, umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder.  Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa! Und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,9-10).

Jesus begrüßt die Frauen und damit gibt er sich ihnen zu erkennen. Nach dem Zeugnis der Engel zweifeln diese nicht an der Echtheit der Person des auferstandenen Jesus. Sie huldigen ihm kniefällig und umklammern dabei fest seine Füße. Das gr. Verb `e,kra,thsan ekratisan` bedeutet eindeutig: „sie hielten fest“, wie auch folgende Stellen bei Matthäus deutlich machen: Mt 14,3; 18,28; 21,46; 22,6;  26,50.

Diese Frauen lässt Jesus gewähren, im Gegensatz zu Maria der Magdalenerin, der Jesus die Berührung nicht gestattet. Diese Frauen werden mit dem Zuspruch: „Fürchtet euch nicht“ ermutigt. Und auch für sie hat er einen klaren Auftrag: „Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“

Der Evangelist Lukas, der die Begegnung der Frauen mit Jesus nicht aufgeschrieben hat, beschreibt jedoch die Momente, als die Frauen bei den Jüngern ankommen und ihnen die frohe Botschaft von der Auferstehung ihres Herrn mitteilen. Die Reaktionen der Jünger sind auffällig und auch unterschiedlich. So betont Lukas: „Und diese Worte erschienen vor ihnen gleichsam als leeres Geschwätz und sie glaubten ihnen nicht. (Lk 24,11). Das Zeugnis der Frauen, es spielt dabei keine Rolle wie viele es waren, galt bis dahin bei den Männern nicht viel.

Kleophas und sein Freund sind am frühen Vormittag im Kontakt mit den anderen Jüngern und bekommen mit, was die Frauen erzählen. Sie beschreiben ihre Reaktion mit den Worten: „Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.“ (Lk 24,22-24). Hier fällt uns auf, dass Kleophas die Erzählung der Frauen durchaus positiv bewertet. Er spricht nicht von Unglauben oder leerem Geschwätz, sondern: „die Frauen haben uns erschreckt“. Er spricht von Engelerscheinungen, lässt aber die Details der Jesusbegegnungen aus und fügt hinzu, dass einige von ihnen (wahrscheinlich meinen sie Petrus und Johannes) hingingen und sich vom leeren Grab überzeugten, „aber ihn sahen sie nicht“.

Mit der Beauftragung der Frauen, den Jüngern seine Auferstehung zu bezeugen, hebt Jesus sie zu gleichberechtigten Zeugen bzw. Zeuginnen hervor – was für eine Würdigung der bis dahin Benachteiligten.

Fragen /Aufgaben:

  1. Warum bevorzugte Jesus die Frauen als erste Zeuginnen seiner Auferstehung?
  2. Was sind die Erkennungsmerkmale des auferstandenen Jesus? Woran erkannten die Frauen ihn letztlich?
  3. Wie reagieren diese Frauen? Was steht in den Texten, was nicht?
  4. Warum glaubten die Jünger dem Zeugnis dieser vielen Frauen zunächst nicht?

 

 

12.9 Jesus erscheint dem Simon Petrus

(Bibeltext: Lk 24,34)

 

Im Laufe des Tages begegnet Jesus dem Simon Petrus, was die übrigen Jünger vor den zurückkgekehrten Emmausjüngern bezeugen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.“ (Lk 24,34). Bis dahin wurde die Auferstehung von Jesus durch die Magdalenerin und etwas später durch mehrere Frauen bezeugt. Doch die Reaktion der Jünger auf diese Zeugnisse war nicht zurückhaltende Freude, sondern offener Unglaube. Im Kontrast dazu hört sich die Aussage der Jünger mit dem besonderen Prädikat: „der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ befreiend und begeisternd an. Obwohl das einzelne Zeugnis des Petrus auch nicht rechtskräftig gewesen wäre, galt es in diesem Fall, weil er damit die Aussagen der Frauen bestätigte. Die überzeugende Aussage: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ markiert den deutlichen Übergang vom Unglauben zum Glauben. Ab jetzt gilt auch das Zeugnis der Frauen. Mit dieser fest verwurzelten und ebenso falschen Einstellung zu den Frauen, hat Jesus an diesem ersten Tag der Woche aufgeräumt.

Petrus bekommt also vom Herrn eine besondere, persönliche Begegnung. Schön, dass bei den übrigen Jüngern kein Neid aufkommt, sondern helle Freude. Der Evangelist nennt keine weiteren Details von dieser Erscheinung. Ziemlich sicher ist jedoch, dass bei dieser ersten Begegnung mit Simon, das Gespräch über die zerbrochene Beziehung, noch nicht geführt wurde. Jesus ist der perfekte Seelsorger und Wiederhersteller von Beziehungen. Er trägt Petrus dessen klägliches Versagen nicht nach, bzw. bestraft ihn deswegen nicht mit Ignoraanz. Im Gegenteil, gerade diesen sucht er ganz persönlich auf, weil sich Simon in seiner Reue und Traurigkeit nach Ermutigung durch Wiederannahme sehnt. Welch eine Liebe des Meisters! Erst später am Ufer des Sees Genezaret kommt es zu einer ausführlichen Aussprache zwischen Jesus und Simon Petrus. Die Tatsache, dass es zu solch persönlicher Begegnung bereits am Auferstehungstag kommt, scheint für die übrigen Jünger sehr wichtig gewesen zu sein.

Sogar der Apostel Paulus berichtet Jahre später in seinem ersten Brief an die Korinther über diese Sonderbegegnung von Jesus mit Petrus, wenn er schreibt: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“ (1Kor 15,3-5). Kephas ist die hebräisch-aramäische Bezeichnung des uns bekannten griechischen Namens Petros, lateinisch `Petrus`.

Anmerkung: Es fällt dabei auf, dass der Apostel Paulus die Begegnungen von Jesus mit den Frauen nicht erwähnt.

Petrus bekommt also doch den Vorrang vor den anderen Jüngern, aber nicht weil er es verdient hätte. Es bleibt also unserem Herrn überlassen, wem er wann und warum begegnet.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Versuche zu erklären, warum Jesus dem Versager Simon eine extra Begegnung einräumt?
  2. Wie reagierten die anderen Jüngern auf den Bericht des Petrus?
  3. Welche Bedeutung könnte diese besondere Begegnung für die anderen Jünger gehabt haben?
  4. Wie begegnet Jesus heute seinen Nachfolgern und auch suchenden Menschen?
  5. Wie drückt sich bei uns geistliche Reife aus?

 

12.10 Jesus begegnet Kleopas und seinem Freund auf dem Weg nach Emmaus

(Bibeltext: Lk 24,13-35)

Der Evangelist Lukas hat wieder eine Sondergeschichte über eine Begegnung von Jesus mit zwei Jüngern, die am Spätnachmittag desselben ersten Tages der Woche von Jerusalem nach Emmaus unterwegs sind (Lk 24,13.21b). Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. (Lk 24,13). Der Ort Emmaus ist ein Dorf im Großraum Jerusalem. Die Distanz wird mit etwa 60 Stadien angegeben. Rechnet man ein Stadion mit etwa 185 Metern, so lag Emmaus umgerechnet knapp elf Kilometer von Jerusalem entfernt. Über die Ortslage von Emmaus gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse, daher lenken wir unsere Aufmerksamkeit gleich auf die inhaltlichen Details der Geschichte. Die Tatsache jedoch, dass die beiden Männer noch am gleichen Abend nach Jerusalem zurückgekehrt sind und die Jünger von Jesus hell wach angetroffen hatten, spricht für eine Entfernung, die in 2-3 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden konnte (Lk 24,33).

Das Gesprächsthema auf dem Weg war vorgegeben durch die aktuellen Ereignisse der letzten Tage. So schreibt Lukas weiter:

Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten (unter sich bewegten), da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge (Worte, Reden, Geschichten), die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.“ (Lk 24,14-24).

In dem auferstandenen und verklärten Körper konnte sich Jesus, unbemerkt von anderen, frei bewegen – er nähert sich beiden Wanderern unauffällig. Auch sah er äußerlich anders aus als davor. Er hatte nicht mehr seine früheren Kleider. Dazu wurden ihre Augen gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten. Der griechische Begriff  `εκρατούντο – ekratounto`, wörtlich: festgehalten, bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Jesus sich sowohl ihren äußeren als auch inneren Augen nicht zu erkennen gab. Es geht hier nicht vordergründig um eine natürliche Einschränkung des Sehvermögens, auch nicht dass sie von der untergehenden Sonne geblendet wurden, sondern um die Einschränkung im Zusammenhang mit ihrer inneren Wahrnehmung, die Gott ihnen auf ihre Augen gelegt hatte (vgl. 2Kön 6,14-17). 

Ganz unauffällig steigt Jesus in das Gespräch der beiden Jünger mit ein und zwar mit einer Frage zum Thema. Was für ein weiser Zugang? Die Verwunderung der Jünger über die angebliche Unkenntnis des Fremden, in Bezug auf die, für alle offensichtlichen Ereignisse der letzten Tage, ist sehr groß. Kleopas ist der Name des einen Jüngers.

Anmerkung: Aus Johannes 19,25 erfahren wir, dass die Frau des Kleopas den Namen Maria trägt. Sie stand zusammen mit Maria, der Mutter von Jesus, der Salome, dem Jünger Johannes und Maria aus Magdala in der Nähe des Kreuzes. Aus dem Textzusammenhang von Lukas 23,55-24,10 geht hervor, dass Maria, die Frau des Kleopas auch zu den Augenzeuginnen des leeren Grabes und der Erscheinung der Engel gehörte. Aus dem Zusammenhang von Lukas 24,22-24 geht hervor, dass sich die Informationen des Kleopas auf eine Kurzfassung der beiden Grabesbesuche der Frauen und den Besuch des Petrus und Johannes am leeren Grab, bezogen. Er erwähnt auch, dass die Frauen (einschließlich seiner eigenen) von Engelerschenungen berichteten, Was er auslässt ist, dass die Frauen auch Jesus selbst begegneten. Sie glaubten den Frauen nicht und es war für sie leeres Geschwätz, welches zu wiederholen nicht der Rede Wert war. Im Vergleich dazu erwähnen sie, dass einige von „uns“ (gemeint sind Männer wie Petrus und Johannes) ebenfalls dort waren, aber niemand sahen. Nur das erste Zeugnis der Frauen über das leere Grab fanden sie bestätigt durch den Besuch einiger Männer und das erzählten sie ihrem Begleiter (Joh 20,1-18).

Aus der Aussage: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde“ erkennt man deutlich ihre Messiaserwartung und gleichzeitig ihre Enttäuschung darüber, dass sich ihre Hoffnungen nicht erfüllt hatten. Sie dachten die ganze Zeit über an eine materielle, physische Erlösung, eine Befreiung von dem Joch der Römer. Die alte Sicht und Hoffnung ist zusammengebrochen, eine Neue hatten sie noch nicht. In diese Ratlosigkeit der Jünger kommt Jesus hinein als der perfekte Lehrer und Ausleger der Heiligen Schriften.

Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. (Lk 24,25-27).

Was für eine Lehrstunde während einer Wanderung! Allzu germe wüssten wir Einzelheiten der Schriftauslegung von Jesus, doch er schickt uns auf die Suche nach diesen prophetischen Aussagen über den leidenden und verherrlichten Christus. Hier einige davon:

  • 1Mose 3,21: Der Eva verheißt Gott einen Nachkommen als Retter (Jes 7,14; Mt 1,23; Gal 4,1-2);
  • 1Mose 22,1-18: Dem Abraham verspricht Gott einen Nachkommen, weil dieser bereit war, seinen einzigen Sohn zu opfern – ein Vorbild auf den leidenden und sterbenden Messias (Gal 3,16: „welcher ist Christus“);
  • 2Mose 12,1ff: Durch das Blut des Lammes geschieht Erlösung (Joh 1,29: „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegträgt.“);
  • Ps 22,1-20: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen (…).“; „!Sie haben meine Hände und Füße durchgraben.“ „Du legst mich in des Todes Staub.“ (Mt 27,46; Joh 19);
  • 2Sam 7,12-14: „(…) Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“ (Lk 1,31-33);
  • Ps 2,1-7: „(…) Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“;
  • Ps 16,8-11: „(…) Du wirst nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verweseung sehe (…).“;
  • 69,10: „(…) denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“ (Joh 2,17);
  • Jes 53,1-12: „(…) Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen“;
  • Jona 1-4: „Denn göeich wie Jona (…).“ (Mt 12,40);
  • Ps 110,1-2: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.

Das sicherste Merkmal, an dem Israel hätte den wahren Messias erkennen können, war sein Leiden und Sterbem, denn herrschen wollten alle sogenannte Messiasse vor und nach Jesus Christus. Doch sie alle dachten und erwarteten eine irdisch/physische Erlösung.

Lukas fährt fort in seinem Bericht:

Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen (gr. άφαντοςafantos – wurde unsichtbar). Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? (Lk 24,28-32).

Jesus drängt sich nicht auf hier im Haus des Kleopas einzukehren. So haben die Jünger die Möglichkeit von sich aus ihn einzuladen und dies tun sie mit Nachdruck. Jesus willigt ein zu bleiben, das war auch sein Plan. Gastfreundschaft der Jünger von Jesus schließt immer auch eine Mahlzeit mit ein. So entstehen gute und tiefe Gespräche. Nach seiner Auferstehung ist Jesus nicht mehr auf die irdisch-materielle Bedürfnisse angewiesen. Essen und Trinken braucht er nicht mehr. Doch seine Gegenwart während der Tischgemeinschaft hinterlässt tiefe Spuren. Jesus, der von Kleopas noch auf dem Weg als Fremder bezeichnet wurde, verhält sich hier als der eigentliche Gastgeber. Er handelt dreifach.

  1. Er dankt für das Brot;
  2. Er bricht das Brot;
  3. Er teilt es unter die Jünger.

Was für ein Dienst mit Symbolkraft! Diese Jünger waren oft mit Jesus am Tisch und vielleicht auch Zeugen der Brotvermehrungen, bei denen Jesus immer für die Speisen dankte und diese segnete, sie brach und austeilte oder austeilen ließ. Durch diese Handlungen erkennen sie ihn und natürlich auch, weil ihnen in diesem Augenblick die Augen geöffnet wurden. Nachdem sie ihn erkannten, wurde er für sie unsichtbar (gr. άφαντος afantos – wurde unsichtbar)..

Und sie standen zur gleichen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt, die sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. Und sie erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie er von ihnen erkannt worden war am Brechen des Brotes. (Lk 24,33-35).

Am gleichen Abend kehren die beiden Jünger zurück nach Jerusalem, denn an Schlafen war nicht zu denken. Dort treffen sie nicht nur die elf, bzw. zehn  Jünger an, sondern auch noch andere mit ihnen. Thomas war laut Johannes 20,24 an diesem Abend nicht dabei. Hier werden nun die erlebten Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus lebhaft und begeistert ausgetauscht. Für die Jünger war die Begegnung des Auferstandenen mit Simon Petrus so wichtig, dass diese ins besondere Blickfeld gerückt wird. So ist Jesus, der sich dem am weitesten Entfernten, besonders widmet (Mt 18,12; Lk 15,4). Wie schön, dass unter den Jüngern kein Unwille oder gar Neid aufkommt, wegen der Bevorzugung des Simon und der beiden Emmausjüngern.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Geographische Angaben sind hilfreich und unterstreichen die Historizität der geschilderten Ereignisse. Was erfahren wir aus dem Text des Lukas über das Dorf Emmaus?
  2. Was ist das Thema des Tages zwischen Kleopas und seinem Freund auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus?
  3. Warum erkannten die beiden Jünger Jesus zunächst nicht?
  4. Wie gefällt dir der Gesprächseinstieg von Jesus und die Reaktion der Beiden darauf?
  5. Welchen Eindruck hinterlässt bei dir die Aufklärung von Jesus während dieser Wanderung und wozu motiviert sie dich?
  6. Woran lässt sich der wahre Messias/Erlöser am deutlichsten erkennen?
  7. Welche Bedeutung haben für uns auch heute die Schriften des Alten Testamentes?
  8. Wie hälst du es mit der Gastfreundschaft? Wen lädst du gerne und langfristig ein, wen spontan?
  9. Woran erkannten schließlich die zwei Jünger Jesus und wie reagierten sie darauf?
  10. Was können wir über den auferstandenen und verklärten Körper von Jesus erkennen?
  11. Wie gestaltete sich die Begegnung mit den Jüngern in Jerusalem nach ihrer Rückkehr?
  12. Wie erklärst du die Freude der Jünger über die Begegnung von Jesus mit Simon?
  13. Waren nun alle ganz sicher und fest überzeugt, dass Jesus wirklich auferstanden war?

 

12.11 Jesus begegnet seinen Jüngern am Abend des ersten Tages

(Bibeltexte: Joh 20,19-23; Lk 24,34-49).

Am gleichen Abend, während des Berichtes der Emmausjünger erscheint Jesus den elf, bzw. den zehn Jüngern. Der Evangelist Lukas ergänzt, dass an diesem Abend noch weitere Jünger dabei waren (Lk 24,33). Nach dem Bericht des Evangelisten Johannes war Thomas der Zwilling nicht dabei (Joh 20,24). Die Begegnung findet in einem Haus in Jerusalem statt. In Bezug auf das wo, in welchem Haus fand das Treffen statt, könnten folgende Möglichkeiten in Betracht gezogen werden:

  • Das Haus der Maria, der Mutter des Johannes-Markus (Apg 12,12).
  • Das Haus in dem Jesus mit seinen Jüngern das Passahlamm aß, ihnen die Füße wusch und  das Mahl des Neuen Bundes einführte (Lk 22,8-20; Mk 14,14).

Ausdrücklich betont der Evangelist Johannes auch, dass sich die Jünger aus Furcht vor den Juden eingeschlossen hatten (Joh 20,19). Doch Jesus klopft nicht an die verschlossene Tür, er erscheint plötzlich und unerwartet in ihrer Mitte. Seine Begrüßung lautet: Friede (sei) euch. (Lk 24,36). Der Evangelist Johannes überliefert den gleichen Gruß (Joh 20,19). Der Evangelist Lukas schreibt weiter:

Sie erschraken aber und wurden voll Furcht, weil sie meinten einen Geist zu sehen. Und er sagt zu ihnen: Warum seid ihr verwirrt und warum steigen Bedenken auf in eurem Herzen? Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin! Betastet mich und seht, weil ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr an mir seht, dass ich habe. Und als er dies sagte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße. (Lk 24,38-40).

Nach der Auferstehung wird Jesus dem Äußeren nach anders ausgesehen haben als davor.

  • Hat sich der Klang seiner Stimme verändert?
  • Was für Kleider hatte er an?
  • Trug er noch Sandalen?

Die berechtigte Doppelfrage von Jesus „Warum seid ihr verwirrt und warum steigen Bedenken auf in eurem Herzen?“, ist hier angebracht. Menschen, die zweifeln, die sich ängstigen lassen und sich auch noch einschließen, sind automatisch negariv eingestellt (Mt 8,25; 14,26). Die Aufforderung von Jesus, seine Hände und Füße anzuschauen, ja, sogar  zu betasten, ist ein besonderes Entgegenkommen für die ängstlichen und zweifelnden Jünger. Johannes ist hier ein wenig kürzer, ergänzt jedoch mit: Als er aber dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite, da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.(Joh 20,20).

Nach Psalm 22,17 waren nicht nur die Hände von Jesus, sondern auch seine Füße durchbort. Dort steht geschrieben: „Denn Hunde haben mich umgeben, / und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.“ Lukas ergänzt: „Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und staunen, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas Essbares hier? Sie aber gaben ihm ein Stück eines gebratenen Fisches. Und er nahm und aß vor ihren Augen.“ (Lk 24,41-43).

Es ist gut möglich, dass einige Jünger ihn beim Wort nahmen und seine Hände und Füße abgetastet haben, denn so schreibt der Evangelist Johannes später: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens.“ (1Joh 1,1).

Nach Lukas gibt Jesus sich noch durch das Essen von einem gebratenem Fisch zu erkennen. Ausdrücklich macht er es wegen ihres Zweifels, bzw. Kleinglaubens, nicht weil er hungrig wäre. So konnten sie zuschauen, wie er aß und sich überzeugen, dass er es wirklich ist – was für ein Bild!

Nach Johannes wiederholt Jesus seinen Friedensgruß und fügt dann noch einen Auftrag hinzu:

Friede euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so schicke ich auch euch. Und als er dies sagte: hauchte er sie an und sagt zu ihnen: Empfangt (den) Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben, wenn ihr sie jemand festhaltet, denen sind sie festgehalten. (Joh 20,21-24).

Das Anhauchen der Jünger ist hier wahrscheinlich nicht im Sinne eines Luftstromes zu verstehen. Er ist wohl leibhaftig seinen Jüngern erschienen, aber er war nicht mehr gefangen in der Sphäre von Raum und Zeit. Daher hatte er nicht mehr den lebensnotwendigen Bedarf an Atmung der Luft und Essen der Speisen. Er haucht sie an mit dem Geist, der in ihm ist und von ihm ausgeht. Die Vollmacht, mit der Jesus hier seine Jünger betraut, ist bereits schon früher mit ähnlichen Worten ausgesprochen worden (Mt 16,19; 18,18).

Der Evangelist Lukas berichtet, dass Jesus auch an diesem Abend seine Jünger über den wunderbaren Ratschluß Gottes aufklärt, ähnlich wie er es bereits bei der Begegnung mit den zwei Emmausjüngern getan hatte.

Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht’s geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe. (Lk 24,44-49). Die letzten Anweisungen von Jesus, welche Lukas in seinem Bericht an dieser Stelle beschreibt, sind von Jesus später noch mal ausgesprochen worden. Oder diese Aussagen hat Jesus später gemacht und Lukas hat sie hier in diesem Zusammenhang aufgeschrieben, weil er ja die Begegnung auf dem Berg in Galiläa nicht beschrieben hat.

Das Unfassbare ist Realität geworden. „Der Herr ist wirklich auferstanden!“ An diesem Tag wurde auch der Grundstein gelegt für einen neuen Tag der Versammlung der Gemeinde. Ein Versammlungstag, an dem die Frohe Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird, bis dass er wiederkommt in Macht und Herrlichkeit.

Der Herr ist auferstanden! Er ist wirklich auferstanden !!!

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wer war an diesem ersten Abend zusammen hinter verschlossenen Türen?
  2. Warum hatten die Jünger Furcht vor den Juden? War diese Furcht begründet?
  3. Warum fiel es den Nachfolgern von Jesus immer noch so schwer zu glauben, dass ihr Meister von den Toten auferstehen wird, obwohl er ihnen davon mindestens fünfmal gesagt hatte und er an diesem Tag bereits einigen erschienen war?
  4. Wie lautete der Gruß von Jesus an seine Jünger am ersten Abend und was bewirkte er? Haben wir auch bestimmte Grußformel?
  5. Welche Hinweise oder Zeichen gab Jesus als Auferstandener seinen Jüngern?
  6. Wie hättest du reagiert auf die Aufforderung von Jesus: „betastet mich“.
  7. Jesus haucht seine Jünger an und vermittelt ihnen den Geist und bevollmächtigt sie zur Sündenvergebung, wie ist dies zu verstehen? Gilt diese Vollmacht auch uns?
  8. Was lässt sich von den mehrfachen Begegnungen Jesu mit seinen Jüngern am Auferstehungstag ableiten?

 

12.12 Jesus begegnet seinen Jüngern am achten Tag

(Bibeltext: Joh 20,24-30)

 

Der Evangelist Lukas schreibt in seinem zweiten Bericht, der Apostelgeschichte: „Ihnen (den Jüngern) zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.“ (Apg 1,3).

Drei wichtige Punkte hebt der Evangelist hervor:

  1. Jesus zeigte sich seinen Nachfolgern vielmals, auf unterschiedliche Weise, und an verschiedenen Plätzen in einem Zeitraum von 40 Tagen.
  2. Er zeigte sich durch vielerlei Beweise als der Lebendige.
  3. Sein Thema war – das Reich Gottes.

Wir müssen uns jedoch auf die von den Evangelisten festgehaltenen Aufzeichnungen beschränken. Das zweite Treffen mit seinen Jüngern als Gruppe fand gerade eine Woche nach der Auferstehung statt. Die Jünger sind noch in Jerusalem, obwohl Jesus sie angewiesen hatte nach Galiläa zu gehen, warum? Wir erinnern uns an die Verordnung bezüglich der Feier des Passah und der Tage der ungesäuerten Brote, die sich vom Passahabend des vierzehnten Tages bis zum einundzwanzigsten Tage des ersten Monats hinzogen (2Mose 12,17-18; 5Mose 16,16). Wieder sind die Jünger in einem verschlossenen Raum zusammen, wahrscheinlich in demselben Haus in Jerusalem. Diesmal ist auch Thomas der Zwilling dabei, der am Abend vor acht Tagen aus einem nicht genannten Grund fehlte. Auch diese Begegnung überliefert nur der Evangelist Johannes:

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20,24-30).

Es fällt geradezu auf, dass die Evangelisten ganz reale Erlebnisse mit Jesus aufgeschrieben haben. Die Begegnung mit Jesus wird nicht glorifiziert, die Aussagen nicht übertrieben, die Schwachpunkte der Jünger nicht verschwiegen.

Für die Jünger gilt wieder oder immer noch die höchste Sicherheitsstufe, sie befürchten, dass der Sanhedrin sie sucht, was höchstwahrscheinlich gar nicht der Fall war. Solange die Jünger sich nicht zeigten, galten sie in der offiziellen Stellungnahme der Hohenpriester als flüchtig mit dem Leichnam von Jesus. Den Hohenpriestern wäre es also gar nicht eingefallen, die Jünger bzw. den Leichnam von Jesus bei den Jüngern zu suchen, wussten sie doch, dass diese ihn nicht entwendet haben konnten. Immerhin glaubten sie den Aussagen der Soldaten, welche von ungewöhnlichen Ereignissen berichteten.

  • Helles Licht, einem Blitz gleich leuchtete auf,
  • Erdbeben, das wie auch beim Tod von Jesus, die Felsengräber erschütterte,
  • Die sonst furchtlosen Soldaten fielen zu Boden und waren wie tot, – eine bestimmte Zeit Handlungsunfähig).
  • Als sie wieder zu sich kamen, war das Grab offen und leer, alledings deutete nichts auf einen Raub, im Gegenteil, die Leinentücher lagen geordnet und zusammengewickelt auf der Leichenbank.

Thomas, der Zwilling genannt wurde, stellte die von seinen Mitjüngern gehörten Geschichten nicht nur in Frage. Er sagt ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich’s nicht“. Er ist also nicht der Zweifler, der unsicher ist, sondern in diesem Fall der Ungläubige. Doch was tut Jesus nicht alles, um auch noch den Letzten von dessen Unglauben zu überführen und überzeugen? Er bekommt nun einen extra Beweis durch den plötzlichen Besuch von Jesus. Es scheint so, als ob Jesus gerade seinetwegen dieses Treffen vorgesehen hätte, da ja fast das gesamte nachfolgende Gespräch sich um diesen Jünger dreht.

Doch zuerst kommt der schon bekannte Gruß von Jesus: „Friede sei mit euch“. Welch ein Gruß! In ihm ist eigentlich alles enthalten, was die Jünger benötigten, ihnen in der gegenwärtigen Situation jedoch fehlte – Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit, Glaube, Mut, Gemeinschaft. Nun ist er wieder da unter ihnen und mit seiner Gegenwart ändert sich die Stimmung der Jünger schlagartig. Die Reaktion (zumindest bei den zehn Jüngern) ist nicht mehr, wie bei der Begegnung am ersten Tag. Jetzt kommen nicht mehr Gefühle der Furcht und Gedanken des Zweifels in ihnen auf.

Dann wendet sich Jesus an Thomas und fordert ihn auf zu tun, was er als Beweiß erwartete und seinen Unglauben aufzugeben. Denn Jesus hatte mitgehört, was Thomas aussprach.

Als aber Thomas die Nägelmale in den Händen und Füßen von Jesus sieht, auch die Narbe an seiner Seite, ist er so sehr überwältigt, ja, von dem stolzen ungläubigen Gehabe ist nichts mehr zu spüren und er ruft voller gläubigen Staunens aus: „Mein Herr und mein Gott“. Jesus nimmt diese Ehrung von Thomas an, denn er ist in Wahrheit HERR und er ist GOTT! Jesus liegt viel daran klarzustellen, wie Gott den Glauben bewertet, was er eigentlich erwarten könnte – einen Glauben ohne Beweise liefern zu müssen. Darum die Seligpreisung all derer, die ohne Bedingungen zu stellen kindlich glauben: „Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Dies gilt all den späteren Generationen von Menschen, welche ihren Glauben auf die mündliche und auch schriftliche Berichte der Augenzeugen gründen werden. Jesus fordert zum Glauben auf, er gibt eine eindeutige Grundlage dafür, doch die Entscheidung zu glauben nimmt er dem Thomas nicht ab. Der Mensch ist also fähig zu glauben und daher steht er in der Verantwortung.

Doch stellen wir fest, dass durch den Unglauben des Thomas die Nachwelt einen zusätzlichen Beweiss von dem auferstandenen Jesus erhalten hat. Zum Schluß der Beschreibung dieser besonderen Begegnung schreibt Johannes: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30-31).

Natürlich würden uns auch die anderen Zeichen interessieren, doch Tatsache ist, dass der durchschnittliche Bibelleser weit nicht alle Wunder und Zeichen,  welche die Evangelisten überliefert haben, kennt. Auch hier gilt, nicht das Quantum der Berichte, sondern die Qualität der durch die Evangelisten aufgezeichneten Geschichten über Jesus und seine Worte, sind für seinen Glauben ausschlaggebend.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum sind die Jünger nicht sofort nach Galiläa gegangen, wohin Jesus sie nach dem Matthäusbericht hingeschickt hatte? Statt dessen blieben sie in Jerusalem noch mindestens eine Woche (Joh.20,26).
  2. Von wie vielen Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus berichten die Evangelisten und Apostel in den Schriften des Neuen Testamentes?
  3. Was war der Hauptgrund bei der Begegnung am Abend des achten Tages?
  4. War die Furcht der Jünger vor den Juden begründet?
  5. Thomas wird manchmal als der Zweifler bezeichnet. Hatte er Grund nicht zu glauben?
  6. Wie nennt Jesus seine Einstellung? Welche Abstufungen gibt es zwischen dem Zweifel, dem Kleinglauben und dem Unglauben?
  7. Wie, auf welche Weise korrigiert Jesus den Thomas?
  8. Welchen Vorteil haben wir wegen dem Unglauben des Thomas?
  9. Warum beschränkten sich die Evangelisten auf eine Auswahl von Zeichen, Wundern und Worten von Jesus?
  10. Welche Identitätsbezeichnungen (Titel, Status oder Ämter) werden in diesem Abschnitt Jesus zugeschrieben – WER IST ER?

12.13 Jesus offenbart sich seinen Jüngern am See von Tiberias

(Bibeltexte: Mt 26,32; 28,7; Mk 14,28; 16,7; Joh 21,1-30)

Nach der Zählweise des Evangelisten Johannes ist dies die dritte Begegnung mit einer Gruppe aus seinem Jüngerkreis. So schreibt er: „Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.“ (Joh 21,14).

Wie kommen die Jünger an den See, der hier von Johannes `See von Tiberias` genannt wird? Hat Jesus sie nicht auf einen Berg in Galiläa bestellt, wie der Evangelist Matthäus berichtet (Mt 28,16)? Ja, aber jene Begegnung folgt nach dieser und sie wird auch noch nicht die letzte sein.

Das Treffen mit seinen Jüngern in Galiläa hatte Jesus vorausgesagt, im Zusammenhang der Ankündigung seiner Auferstehung, am Vorabend seines Leidens. Der Evangelist Matthäus zitiert die Worte von Jesus: „Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.“ (Mt 26,32; Mk 14,28). Auch die Engel, die sich im Grabesbereich aufhielten, erinnerten die Frauen an die Worte von Jesus: „(…) und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.“ (Mk 14,7; Mt 28,7). Den Frauen, welchen Jesus am Auferstehungstag begegnete, sagte er: „Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,10). Diese wiederholten Anweisungen, welche in Jerusalem gemacht wurden, enthielten noch nicht den konkreten Treffpunkt auf einem Berg in Galiläa, wie der Evangelist Matthäus berichtet (Mt 28,16). Und daher treffen wir die Jünger zunächst am See Genezaret. Der Evangelist Johannes hat die Anordnung von Jesus: die Jünger sollten nach Galiläa gehen, zwar nicht aufgeschrieben, dafür aber einen detaillierten Bericht über die Begegnung von Jesus mit mehreren seiner Jünger am Ufer des Sees von Tiberias überliefert.

Der Offenbarungsbericht beginnt so: „Danach offenbarte sich Jesus wieder seinen Jüngern am See von Tiberias, er offenbarte sich aber so.“ (Joh 21,1). Das griechische Zeitwort: `μετα ταύτα meta tauta – nach diesen (Dingen, Ereignissen)` Damit gibt der Evangelist eine gewisse Reihenfolge an, die jedoch keineswegs lükenlos ist (2,12; 5,1).

Abbildung 7 Der See Genezaret wird auch See von Tiberias genannt. Im Vordergrund der Uferstreifen um Kapernaum (Foto: Juli 1994).

Folgende sieben Jünger waren diesmal zusammen:

  1. Simon Petrus,
  2. Thomas, der Zwilling genannt wird,
  3. Nathanael aus dem Galiläischen Kana,
  4. Die Söhne des Zebedäus,- Jakobus
  5. und Johannes,
  6. Nicht namentlich genannter Jünger.
  7. Nicht namentlich genannter Jünger.

Bei all den Begegnungen ist Jesus der Iniziator, er sucht seine Jünger und Brüder auf. Er stellt die Beziehung, welche durch Verleugnung, Zweifel, Unglaube oder Feigheit gelitten hat, wieder her indem er an seinen Jüngern Seelsorge übt. Vorher war es Thomas der Zwilling, der seinen Unglauben aufgab, diesmal wird es Simon Petrus sein, mit dem der Meister ein sehr persönliches Gespräch führen wird. Natürlich werden die anderen Jünger auch miteinbezogen.

Nach den Begegnungen in Jerusalem, gehen die Jünger wieder zurück nach Galiläa. Was ist naheliegender, als dass sie in die Stadt zurückkehren, von wo sie mit ihrem Meister ausgezogen waren und woher mehrere seiner Jünger kommen – es ist Kapernaum am Nordufer des Sees. Petrus und Andreas sind hier zu Hause bei ihren Familien, auch die Zebedäiden wohnen mit ihren Familien hier. Die Ereignisse der letzten zwei Wochen in Jerusalem sind wohl das Gesprächsthema unter den Verwandten und Freunden in der Heimatstadt Kapernaum. Seitdem sie Jerusalem verlassen hatten und nach mehreren Tagen in Kapernaum angekommen waren, hatten sie keinen Kontakt zu Jesus gehabt. Diesen gesamten Abschnitt teilen wir aus thematischen Gründen in drei Teile ein

 

12.13.1 Jesus lädt seine Jünger zum Frühstück ein

Petrus hat immer noch hier am Ufer sein Fischerboot liegen, das vermutlich von einem seiner Verwandten in der Zwischenzeit benutzt wurde. Solange es von Jesus keine weiteren Anweisungen gibt, tut er das Naheliegende, das was seinem Beruf entspricht. Und so sagt er zu seinen Mitjüngern: „Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.“ (Joh 21,3). Dass sie gerade in dieser Nacht nichts fingen, kann objektiv gesehen als eine Vorsehung Gottes gewertet werden, so ähnlich wie bei der ersten Berufung (Lk 5,1-11). Doch für diese Fischer-Fachleute, die sich für die Versorgung ihrer Familien verantwortlich wussten, muss der Misserfolg schon sehr deprimierend gewesen sein. Was sie dachten ist nicht bekannt, doch für uns können wir folgende Überlegungen anstellen.

  • Wie werden die Kollegen am Ufer reagieren?
  • Mit welchen enttäuschten Gesichtern begegnen ihnen ihre Familienangehörigen?
  • Was ist mit dem Selbstbewustsein der Fachmänner?
  • Haben sie voreilig und eigenwillig gehandelt?

Doch ganz gleich was immer sie dachten, das waren unnötige Sorgen, denn was sie nicht wussten und woran sie nicht dachten – Jesus beobachtete sie die ganze Nacht, der Herr war dabei, er konnte jetzt überall gegenwärtig sein und selbst ungesehen bleiben. Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, was in den Jüngern in jener Nacht vor sich ging, wie sie (besonders aber Petrus als Initiator) ihren Misserfolg bewerteten und verarbeiteten. Doch ihr Meister ist ein MEISTER in Fragen des Misserfolges. Gerade in der Schwachheit des Menschen (dazu zählen auch die Misserfolge von Fachleuten) erweist Gott seine Macht und Herrlichkeit. So schreibt Johannes weiter:

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. (Joh 21,4-6).

Nicht neugierige Blicke der Frühaufsteher, nicht die Familienangehörigen der Fischer, sondern Jesus, ihr treuer Meister erwartet sie am Ufer mit ihrem Misserfolg. Und auch hier beginnt er das Gespräch, er holt sie dort ab, wo sie sich gerade befinden – beim NICHTS gefangen. „Kinder, habt ihr nichts zu essen“? Die Anrede `Kinder` scheint ungewöhnlich zu sein, doch für Johannes ein erster Hinweis auf die Person seines Meisters, denn im Laufe ihrer Nachfolge wurden sie von Jesus des öfteren als Kinder angeredet (Mk 10,24; Mt 9,22; Joh 12,36; 13,33; vgl. Hebr 2,13 mit Jes 8,18). Ihre Antwort lautete – nein. Das Gespräch entsteht, die Kommunikation ist hergestellt. Die Frage des Meisters soll nicht demütigen, sondern aufblicken lassen. Er spricht nicht ihren Misserfolg an, sondern ihren Hunger nach einer arbeitsreichen Nacht. Wie nahe ist er doch als Menschensohn den menschlichen Bedürfnissen. Sie werden erwartet, das Frühstück ist schon vorbereitet – was für eine Aussicht für sieben hungrige Männer!

 

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Abbildung 8 Sonnenaufgang über dem See Genezaret – hinter der Landzunge ein Fischerboot (Foto: Juli 1994).

Es wird nicht nur heller durch die aufgehende Sonne über dem See, sondern auch in ihren Herzen wird es wieder Licht. Auf Geheiß des Mannes, der am Ufer steht lassen sie ihr Netz zur Rechten des Bootes hinab ins Wasser und spüren wie es sich mit Fischen füllt. „Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr!“ (Joh 21,7). Warum klingt diese Aussage so überzeugend? Ist es eine Offenbarung oder hat er sich bereits seit seinem Grabesbesuch (Joh 20,8) umgestellt auf die neue Beziehung mit Jesus und erkennt die Stimme seines Herrn und Meisters? „Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.“ (Joh 21,7). Welch ein Kontrast zwischen diesen beiden Jüngern? Johannes bleibt im Boot, er bewahrt die Ruhe und kann warten. Petrus überlässt den Fischfang seinen Kollegen. Die Fische, der plötzliche Erfolg sind jetzt zweitrangig, dem Herrn als erster zu begegnen ist für ihn ALLES!

Anmerkung: Die Nebenbemerkung des Evangelisten Johannes, dass Petrus sich das Obergewand umgürtete bevor er sich ins Wasser warf um zu Jesus zu kommen, lässt den Schluss zu, dass er beim Fischfang nicht ohne jegliche Bekleidung war, sondern der Situation und Arbeit angepasste Unterkleider trug. Aber vor seinem Herrn wollte er so spärlich bekleidet nicht stehen.

Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.“ (Joh 21,8). Das sind die Pragmatiker, die sachlich Denkenden, die Besonnenen, die ihre Emotionen zügeln können. Wie gut, dass nicht alle wie Petrus sind, sondern sachgemäß die letzten einhundert Meter mit Boot und vollem Netz ans Ufer rudern.

Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. (Joh 21,9-11).

Die Jünger sind überrascht, denn das Frühstück ist für sie schon bereit. Ihr Meister ist der Gastgeber und erwartet sie, denn er ist immer noch im Dienst. Doch Jesus bezieht sie ein wenn er sagt: „Bringt von den Fischen die ihr jetzt gefangen habt“. Der Erfolg, das Gelingen der Jünger ist ebenfalls Gabe Gottes und deshalb soll auch diese Gabe auf den Tisch des Herrn kommen. Petrus fühlt sich angesprochen, vorbei ist die Enttäuschung über den nächtlichen Misserfolg, die volle Lebensfreude ist zurückgekehrt und damit auch neue Kraft mit der er das Netz mit den 153 großen Fischen ans Land zieht.

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl“ (Elbf.: „Kommt her, frühstückt!“). Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische. (Joh 21,12-13).

Die Aufforderung von Jesus: kommt und „haltet das Mahl“, nehmt Teil an der Mahlzeit, ist im Griechischen mit dem Verb: `αριστήσατε – arist¢sate wiedergegeben. Damit liegt die Betonung auf dem gemeinsamen essen. Die zwei griechischen Mahlzeitbezeichnungen: άριστον – ariston und δείπνον – deipnon` in Lukas 14,12 werden dort mit Mittag- bzw. Abendmahl übersetzt. Obwohl es im Neuen Testament keine spezielle Bezeichnung für `Frühstück` gibt, ist es sinnvoll und der Tageszeit angepasst, hier mit: „kommt, frühstückt“ zu übersetzen. Bis heute hat das Abendessen bei den Kulturen in den Ländern des Orients einen wichtigeren Stellenwert als das frühstücken. Doch die Jünger hatten eine arbeitsschwere Nachtschicht hinter sich und sind hungrig. Jesus erweist sich dabei als der wahre Gastgeber. Das allgemein bekannte Tischgebet: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast“, ist nicht ganz richtig. Die Jünger wissen sich geborgen in der Gegenwart ihres Herrn, denn niemand hat mehr Zweifel an der Wahrhaftigkeit seiner Person. Was bei diesem Frühstück geredet wurde, ist nicht überliefert, doch schweigsam waren sie bestimmt nicht, war doch das Hauptthema in diesen vierzig Tagen `das Reich Gottes`, wie der Evangelist Lukas berichtet: „Ihnen (seinen Jüngern) zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.“ (Apg 1,3). Doch bevor Jesus mit dem für diesen Tag vorgesehenem wichtigen Seelsorgedienst an seinen Jüngern beginnt, versorgt er sie mit Brot und Fisch. Noch Jahre später im Hause des Kornelius in Cäsarea erinnert Petrus an die gemeinsamen Mahlzeiten mit ihrem Herrn: „(…) die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.“ (Apg 10,41).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wie viele Tage zeigte sich Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung als der Lebendige?
  2. Welche und wie viele Offenbarungsberichte, bzw. Begegnungen haben uns die neutestamentlichen Autoren überliefert?
  3. Wo fand diese, nach Johannes 21,14 dritte Begegnung statt?
  4. Welche Jünger waren bei der Begegnung am See von Tiberias dabei?
  5. Warum geht Petrus wieder zu seinem Boot und seinen Netzen, wie bewertest du diese Tätigkeit in diesem neuen Kontext? War es richtig, dass er fischen ging, oder hätte er dies nicht tun sollen?
  6. Welcher der Jünger steht bei dieser Begegnung besonders im Mittelpunkt und warum?
  7. Woran erinnert uns das Wunder des Fischfangs auf das Geheiß von Jesus?
  8. Woran erkannte der Jünger, welchen Jesus liebte, dass der Mann am Ufer Jesus ist?
  9. Wer zählte die Fische und warum?
  10. Wer lädt wen zum Frühstück ein? Wer ist der wahre Gastgeber auch bei unseren Mahlzeiten? Wie gestalten sich unsere Gespräche am Tisch, worüber reden wir gerne?
  11. Welche Seelsorgerlichen Aspekte erkennst du aus dieser Begegnung mit Jesus?
  12. Welches Ziel verfolgt Jesus und wie erreicht er es?
  13. Welche positiven Erfahrungen hast du mit Menschen bei Mahlzeiten gemacht?

 

12.13.2 Jesus stellt die Beziehung des Petrus zu sich wieder her

(Bibeltext: Joh 21,15-23)

Nach dem Frühstück beginnt die Klärung der Beziehung mit Simon Petrus und dies in Gegenwart der Anwesenden Jünger.

Abbildung 9 Der vermutete Ort westlich von Kapernaum, an dem Jesus mit seinen Jüngern frühstückte und anschließend das Gespräch mit Petrus führte. Auch wenn die originalität des Ortes fraglich ist, ist es dennoch ein Ort der Ruhe, der noch heute zur Andacht und Zwiegesprächen einlädt (Foto: April 1986).

Wie Jesus hier vorgeht, ist höchst beeindruckend, Nach einer anstrengenden und doch so erfolglosen Nachtschicht auf See, sind die Jünger physisch und emotional am Ende ihrer Kräfte. In solcher Verfassung seelsorgerliche Themen anzusprechen, wäre nicht effektiv. Jesus ist auch nach seiner Auferstehung immer noch der Menschensohn, der seinen Jüngern zugewandt ist. Der Einstieg in das Gespräch über die Beziehung braucht einen Vorhof. Ausdrücklich wird im Text betont: „Als sie nun gefrühstückt hatten“. Der Stellenwert der Tischgemeinschaft ist nicht zu unterschätzen, hebt doch Jesus selbst durch die Vorbereitung der Mahlzeit, deren Bedeutung hervor. Das Gespräch mit Petrus  führt Jesus vor allen anderen Jüngern, denn auch die anderen haben ihm vor der Festnahme die Treue geschworen und als es ernst wurde, sind sie alle geflohen (Mt 26,35). Ein öffentlicher Treueschwur gefolgt von einer öffentlichen Verleugnung erfordert auch eine öffentliche Klärung. „Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus:

  1. Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich (αγαπάς μεagapas me) mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe (φιλώ σεphilö se). Spricht er zu ihm: Weide (βόσκε boske) meine Lämmer! Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm:
  2. Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich (αγαπάς μεagapas me)? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe (φιλώ σε philö se). Spricht er zu ihm: Hüte (ποιμαίνε poimaine) meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm:
  3. Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb (φιλείς με phileis me)? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb (φιλείς με phileis me)? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe (φιλώ σε philö se). Jesus spricht zu ihm: Weide (βόσκε boske) meine Schafe!“ (Joh 21,15-17).

Das Verhalten des Petrus im Vorfeld der Festnahme von Jesus warf seine Schatten auf sein ganzes vorhergehendes Leben in der Nachfolge. Mit der Absage von Jesus, ja sogar der Leugnung unter Schwur ihn zu kennen, riss er sozusagen all das nieder, was in mehreren Jahren durch Jesus mühevoll aufgebaut wurde. Um das wieder herzustellen musste nach Einsicht und Reue (Mt 26,75) nun auch ein öffentliches Bekenntnis folgen. Diese Gelegenheit gab ihm Jesus in einem geschützten Rahmen. Betrachten wir folgende Details aus dem Gespräch mit Petrus, den Jesus hier immer nur Simon Sohn des Johannes nennt.

  • Jesus geht mit Petrus zurück in die Anfänge – „Simon, Sohn des Johannes“. Die Anrede mit dem Vaternamen ist nicht willkürlich, erinnert sie doch an die erste Begegnung am Jordan. Dort schreibt Johannes: „Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; Du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels“ (gr. pe,troj petros – Joh 1,42). Jesus erinnert den Petrus nicht direkt an dessen Versagen, denn was Gott einem Menschen aufgrund von Reue und Umdenken/Umkehr vergeben hat, daran erinnert er nicht mehr (Jer 31,31-34; Hebr 8,10-12). Vielmehr geht es Jesus darum, dem Petrus bewusst zu machen, dass er an die erste Begegnung am Jordan denken soll, an seine erste Berufung am Ufer des Sees vor Kapernaum, das alles soll nicht vergeblich gewesen sein. Er soll nicht verzagen, denn was im Glauben getan wurde, bleibt bestehen. Er sollte neuen Mut fassen, seine Berufung zum Petrus wieder anzunehmen.
  • Die dreimalige herausfordernde Frage: „liebst du mich“, ist ebenso bemerkenswert. Die zwei Verben: `agapas` und `phileis ` – welche hier jedes Mal mit `liebst du` übersetzt sind, werden von Jesus an dieser Stelle als Synonyme verwendet. Trotzdem können sie in diesem Textzusammenhang auch die lückenlose Liebes- und freundschaftsbeziehung ausdrücken (Joh 15,14-15).
  • Jesus geht es dabei auch um die vollkommen geordnete, angstfreie Beziehung des Schülers zum Meister (Lk 5,10). Eine Beziehung, in welcher der Schüler dem Meister zugewandt und auf ihn ganz ausgerichtet ist. Eine Beziehung des Vertrauens und der Hingabe. Eine Beziehung, welche den Eigennutz, die Ichsucht  und die Überheblichkeit überwunden hat.
  • Weniger bekannt ist die Bedeutung, bzw. der Unterschied zwischen den Begriffen `weide meine Lämmer`,  `hüte meine Schafe`,  `weide meine Schafe`. Das gr. `,βόσκε boske – weide` steht mehr für die Versorgung der Lämmer und Schafe mit den nötigsten Nahrungsmitteln. Das gr. Verb `ποιμαίνε poimaine – hüte` ist in seinem Wortlaut dem Substantiv `ποιμέμπςpoimenos – Hirte` und `ποιμνηνpoimn¢n – Herde` ähnlich und steht für hüten, bewachen, schützen, leiten, verarzten. Im Auftrag von Jesus an Petrus liegt umfassende Verantwortung für seine Mithünger, Anfänger und Fortgeschrittene. Mit dieser Verantwortung ging er später auch sorgfältig um (1Petr 5,1-4).

Nun folgt eine Voraussage (spezielle Prophetie) an Petrus:

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, um anzudeuten, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach. (Joh 21,18-19).

Was Petrus vor der Festnahme Jesu in überheblicher, eigenwilliger Selbstüberschätzung bereit war zu tun: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen“. (Lk 22,33), das erwartete ihn tatsächlich nach den Worten und dem Willen von Jesus gegen Ende seines Lebens. So konnte er später die Mitchristen ermutigen: „wenn er aber als Christ leidet, schäme er sich nicht, sondern verherrliche Gott in diesem Namen.“ (1Petr 4,16). Ob die Tradition recht hat, nach der Petrus den Kreuzestod erlitt? Auf jeden Fall war er nun darauf vorbereitet.

Das: „folge mir nach“ an Petrus ist sowohl Erneuerung der Berufung, als auch Ermahnung und Ermutigung, nicht mehr in eigener Regie Jesus vorauszueilen.

Johannes fährt fort mit den Worten:

Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert? Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! Es ging nun dieses Wort hinaus unter die Brüder: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach nicht zu ihm, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? (Joh 21,20-23).

Die Frage des Petrus in Bezug auf den nachfolgenden Johannes (wörtlich: „dieser aber was“) ist nicht ganz leicht zu verstehen. Mögliche Übersetzungen: „was soll aber dieser“ oder „was wird aber mit diesem“? Im Zusammenhang der erneuerten Beziehung des Petrus zu Jesus und ebenso dessen freundschaftlicher und vertrauensvoller Beziehung zu Johannes, scheint die Frage des Petrus in sich einen positiven, sogar fürsorglichen Aspekt zu bergen. Für Petrus ist nun in Bezug auf seine Zukunft eine Andeutung gemacht worden. Wenn er seinen Mithjünger Johannes schätzt, wird er sich nun auch um ihn kümmern und sich für dessen Zukunft fragend einsetzen. Auch die positive, wenn auch rätselhafte Antwort von Jesus „wenn ich will, dass er bleibe“ verstärkt diesen Aspekt. Übrigens hat das Verb `μένειν – menein – bleiben` im Johannesevangelium häufig die Bedeutung des mit Jesus geistlich gesehen untrennbar verbunden zu sein (Joh 6,56; 15,4.5.6.7.10). Diese Episode mit der etwas rätselhaften Redeweise von Jesus war für die Jünger Anlass zu einer diesseits bezogenen Deutung und so entstand und verbreitete sich eine Rede, die Johannes zur Zeit der Abfassung seines Evangelienberichtes korrigieren musste. Durch die Antwort von Jesus an Petrus „was geht es dich an“, die scheinbar hartem Vorwurf gleicht, konnte Petrus seine Motivation prüfen. Zeigt er aufrichtiges Interesse an seinem Mithünger, ist er einfach neugierig, oder gar fürsorglich? Doch Petrus muß erkennen, er ist nicht für alle und alles zuständig, die eigentliche Bezugsperson ist Jesus, der Meister und Herr. Darum: „folge du mir nach“!

 

Einige Parallelen zur ersten Berufung:

  • Der Ort des Geschehens – am Seeufer, Nähe Kapernaum.
  • Der Misserfolg beim nächtlichen Fischfang (sie fingen gar nichts).
  • Der über die Maßen große Fischfang auf das Wort Jesu hin.
  • Der Aufruf: „Folge mir nach“.
  • Die Berufung: „Ich will dich zum Menschenfischer machen“ und „Weide, hüte meine Lämmer und Schafe“.

 

Fragen / Aufgaben:

    1. Stelle die Verbindung zwischen der Tischgemeinschaft und der Wiederherstellung der Beziehung des Petrus zu Jesus her?
    2. Wie spricht er ihn an, bedeutet es etwas?
    3. Warum klärt Jesus die Beziehung des Petrus zu sich vor den anderen Jüngern und nicht unter vier Augen?
    4. Warum und wann ist öffentliches Bekenntnis und öffentliche Korrektur angebracht?
    5. Welche Rolle spielt der Zeitfaktor bei Klärungen von Beziehungsfragen?
    6. Warum fragt Jesus dreimal das Gleiche? Oder gibt es Unterschiede in der jeweiligen Frage? Was bedeuten die Begriffe `agape und philia`?
    7. Welche Prinzipien lassen sich beim Vorgehen von Jesus für unsere heutige Seelsorge ableiten?
    8. Warum beruft Jesus erneut den Petrus in seine Nachfolge und was bedeutet es für uns?
    9. Warum deutet Jesus dem Petrus an mit welchem Tod er Gott verherrlichen würde?
    10. Dürfen wir jemand hervorheben? Sind nicht alle Jünger gleich?
    11. Warum fragt Petrus wegen Johannes? Wie gehen wir mit Mitjüngern um, die in unserer Umgebung oder unserm Umfeld tätig sind oder sein wollen?
    12. Die Jünger haben Jesus wieder mal missverstanden. Liegt es an Jesus, oder an der Überlegungsfähigkeit der Jünger? Warum räumte Jesus dieses Missverständnis nicht sofort aus?
    13. Wie lassen sich Verantwortung und Kompetenzen eines Leiters sinnvoll eingrenzen?

 

12.13.3 Die Bedeutung der schriftlichen Überlieferung des Johannesevangeliums

(Bibeltext: Joh 21,24-25; 20,30-31)

Das Johannesevangelium schließt mit den Worten:

Das ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dies geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, scheint mir, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen. (Joh 21,24-25).

Der Autor des Johannesevangeliums nennt sich an keiner Stelle namentlich. Immer wird von ihm in der dritten Person gesprochen (Joh 13,23; 19,26; 20,2; 21,7.20). Der Epilog (das Nachwort) beginnt mit den Worten: „Das ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dies geschrieben hat“, – dadurch wird deutlich, dass es sich bei dem Autor des Evangeliums nicht nur um einen der Jünger von Jesus handelt, sondern um den ‚Jünger, von dem es heißt, dass Jesus ihn liebte. Der gesamte Evangelienbericht mit den vielen Details der persönlichen Aussagen von Jesus kann nur von einem stammen, der von Anfang an dabei war, also Augen- und Ohrenzeuge gewesen war. Ja, es muss einer gewesen sein, der sogar betasten konnte, wie es im ersten Johannesbrief heißt (1Joh 1,1-2). Der Jünger, welcher zusammen mit Petrus Jesus nachfolgte, ist derselbe, welcher den Petrus auf Jesus hingewiesen hat (Joh 21,7). Die freundschaftsbeziehung des Petrus zu Johannes dem Bruder des Jakobus und Sohn des Zebedäus war so intensiv, dass sie an verschiedenen Stellen zusammen genannt werden:

  • Im Rahmen des inneren Dreierkreises der Jünger (Mt 17,1; Mk 5,37; 14,33),
  • Im Zweierkreis bei der Vorbereitung des Passahmahles (Lk 22,8),
  • Nebeneinander  genannt im Obersaal des Hauses in Jerusalem (Apg 1,13),
  • Miteinander im Tempel (Apg 3,1.3.11.
  • Gemeinsam im Gefängnis und beim gemeinsamen Zeugnis vor dem Hohen Rat (Apg 4.13.19),
  • Zusammen im Missionsdienst in Samarien (Apg 8,14),
  • Zusammen als Säulen der Gemeinde (Gal 2,9).

Diese zusammenhänge legen nahe, dass Johannes der Bruder des Jakobus auch der Autor des Johannesevangeliums ist.

In seinem Nachwort betont der Evangelist die Vielzahl der Taten und Worte von Jesus, die nicht schriftlich erfasst wurden und begründet dies mit: „die Welt würde die Bücher nicht fassen“. Bei seiner Aussage in Kapitel 20,30-31 hebt der Autor ebenfalls die Vielzahl der nicht aufgezeichneten Werke von Jesus hervor mit den Worten: „Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30-31). Bei dem Evangelienbericht handelt es sich um eine Auswahl von Wunder-Zeichen, welche die Person von Jesus als den Messias und Gotteessohn bestätigen sollen. Das Johannesevangelium beschreibt die meisten Begegnungen von Jesus mit seinen Jüngern nach dessen Auferstehung.

Die Neigung zur Neugier der Menschen führte in nachapostolischer Zeit zur Verfassung verschiedener sogenannter Apokryphenschriften. Dabei stellen wir auch noch in unseren Tagen fest, dass viele Gläubigen nicht einmal die in den vier Evangelien aufgeschriebenen Geschichten kennen. Was, wenn es hundertmal so viele Schriften gäbe? Die Schlussfolgerung aus Johannes 21,24-25 und 20,30-31 wäre, dass zur Erlösung eines gottsuchenden Menschen bereits das Johannesevangelium genügen würde. Doch damals waren bereits die anderen drei Evangelienberichte im Umlauf. Die allerdings ursprünglich an bestimmte Gruppen oder Kulturkreise gerichtet wurden. Erst nach und nach begann man die Schriften der Apsotel zu sammeln.

Desweiteren würde uns interessieren, wie die Schreiber auf die Idee kamen, die Geschichten über Jesus aufzuschreiben?

  • Hat Jesus selbst ihnen diesen Auftrag gegeben?
  • Hat später der Heilige Geist sie dazu bewegt?
  • Oder war das Vorhandensein der Heiligen Schriften des Alten Testamentes, welche auf Anordnung Gottes entstanden sind, maßgebend und motivierend für ihre schriftlichen Aufzeichnungen?

Während das Volk Israel sich am Fuße des Berges Sinai aufhielt, übergab Gott selbst dem Mose zwei steinerne Tafeln. Die sogenannten `Zehn Gebote` waren mit dem Finger Gottes beschrieben, bzw. eingraviert worden (2Mose 31,18; 34,1; 5Mose 5,22; 9,10; 10,3-4). Zusätzlich schrieb Mose auf Anordnung Gottes alle Worte des Gesetzes in ein Buch (2Mose 34,27; 5Mose 31,24). Der König Israels sollte für sich eine Abschrift des Gesetzbuches anfertigen lassen (5Mose 17,18). David schrieb viel, ebenso die Propheten, besonders Jeremia wurde von Gott aufgefordert, zu schreiben (Jer 30,2). Was Jesus schrieb, ist nicht überliefert worden (Joh 8,6), doch sehr oft und mit Nachdruck berief er sich auf die Heiligen Schriften (Mt 12,3.5; 19,4; 22,31; 22,42-44; Joh 5,46). Das erste Schriftstück verfassten die Apostel und Ältesten in Jerusalem (Apg 15,23-29). Die ausdrückliche Anordnung des Herrn an Johannes, die Offenbarung von Jesus Christus aufzuschreiben, macht deutlich, dass der eigenliche Hinweiss oder Anstoß zum Schreiben von Gott kam. Und so verfasste der Jünger und Apostel Johannes einen Evangelienbericht, der sich jedoch von den anderen drei synoptischen Evangelien unterscheidet. Damit stand er in der Tradition der Schreiber des Alten Testamentes, ja im Willen Gottes selbst. Die Bemerkung: „und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist“, macht deutlich, dass es viele Zeugen gab, welche diese schriftliche Abfassung prüfen und bestätigen konnten. Auch die Autoren hielten sich an das göttliche Prinzip der zwei/drei Zeugen (Mt 18,16; Joh 5,32; 8,18).

Der Zweck der schriftlichen Form der Überlieferung des Evangeliums von Jesus Christus war

  • zum einen, die authentischen Worte und Taten von Jesus unverfälscht den nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen
  • und zum anderen, den Glauben zu wecken und Glauben zu stärken, wie der Text aus Johannes 20,30-31 hervorhebt: „Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“

Aus der Fülle der Wunder-Zeichen, die Jesus getan hatte, schrieb Johannes gerade mal acht oder neun auf, je nach dem was zu einem Zeichen gezählt wird. Hier eine Auflistung der Zeichen:

  1. Das Wunderzeichen – die Verwandlung des Wassers in Wein (Joh 2,1-11),
  2. Das Wunderzeichen – die Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten in Kapernaum von Kana aus (Joh 4,46-53),
  3. Das Wunderzeichen – die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda in Jerusalem und zwar an einem Sabbat (Joh 5,1-18),
  4. Das Wunderzeichen – die Brotvermehrung am Nordostufer des Sees von Genezaret im Gebiet der Trachonitis (Joh 6,1-15),
  5. Das Wunderzeichen – Jesus geht auf dem Wasser des Sees Genezaret, der Sturm legte sich und die Jünger waren plötzlich am Ziel angekommen (Joh 6,16-21),
  6. Das Wunderzeichen – die Heilung des Blindgeborenen lm Jerusalem an einem Sabbat (Joh 9,1-41),
  7. Das Wunderzeichen – die Auferweckung des Lazarus in Bethanien (Joh 11,1-45),
  8. Das Wunderzeichen – auf die Bitte hin von Jesus redet Gott der Vater aus dem Himmel laut und hörbar für alle, die sich zu der Stunde im Tempel befanden (Joh 12,28),
  9. Das Wunderzeichen – durch die Selbstbezeichnung von Jesus „Ich bin`s“ fallen die Soldaten der Tempelwache zu Boden nieder (Joh 18,6).

Alle von Johannes aufgeschriebenen Wunderzeichen (ausgenommen das der Brotvermehrung und gehen auf dem Wasser) sind Sondergut des Johannesevangeliums, sie sind nicht in den anderen drei Evangelien erwähnt.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Woher kommt der Gedanke, die Idee, Worte und Taten von Jesus aufzuschreiben?
  2. Warum ist auch im Neuen Testament die schriftliche Form der Überlieferung der Taten und Worte von Jesus so wichtig, ja unbedingt notwendig gewesen?
  3. Warum schränkt sich der Autor des Johannesevangeliums in der Auswahl der Berichte so sehr ein?
  4. Nenne die Wunderzeichen, die Johannes aufgeschrieben hat.
  5. Erinnere dich, wo und wann sich Jesus aber auch Johannes auf die Schrift beziehen?
  6. Was wäre aus den Geschichten über Jesus geworden, ohne die schriftliche Überlieferung?

12.14 Jesus begegnet seinen Jüngern auf einem Berg in Galiläa

(Bibeltexte: Mk 14,28; Mt 26,32; 28,6-10; 16-20)

Alle vier Evangelisten berichten über die verschiedenen Begegnungen und Ereignisse nach der Auferstehung von Jesus. Der Evangelist Matthäus konzentriert sich auf eine Begegnung der Jünger mit ihrem auferstandenen Herrn. Diese Begegnung fand auf einem Berg in Galiläa statt. So schreibt er in Kapitel 28,16: „Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, welchen Jesus ihnen bestimmt hatte.“ Sicher wusste man in apostolischer Zeit um die Lokalität dieses Berges. Dass der Evangelist ganz bewusst den Namen des für sie bekannten Berges nicht nennt, könnte man so verstehen, dass der Heilige Geist diese besondere Begegnungsstätte vor den zukünftigen Pilgern geheim halten wollte (vgl. auch Mt 17,1ff). Viel zu oft verdrängten die äußeren Aspekte den Inhalt eines wichtigen Ereignisses. Auch die nächsten Generationen der Christen werden um die Örtlichkeit dieses besonderen Ereignisses gewusst haben, doch für sie barg dieses Wissen keine Gefahr der Verehrung dieses Ortes (vgl. auch 2Petr 1,18), wie es bei den späteren Generationen leider der Fall war und bis heute der Fall ist. Das deutlichste Beispiel dafür sind die abstoßenden Zustände in der Grabeskirche. Der Hinweis über das Treffen in Galiläa wurde von Jesus bereits vor seinem Tod gegeben, allerdings noch ohne Angabe des genauen Treffpunkts. So lesen wir in Matthäus 26,32: „Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich vor euch hingehen nach Galiläa.“ (vgl. auch Mk 16,7 mit 14,28). Der Engel (bzw. zwei Engel), welche im leeren Grab Wache halten, wiederholen bzw. erinnern die Frauen an diese Voraussage von Jesus mit den Worten: „(…) und geht schnell hin und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferweckt worden ist! Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.“  (Mt 28,6-7).

Kurz danach begegnete ihnen Jesus selbst und wiederholt seine Anweisung an die Jünger, nach Galiläa zu gehen: „Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa! Und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,10).

Es fällt geradezu auf, dass bei all den Vorankündigungen nichts über einen Berg gesagt wird, sondern lediglich „geht nach Galiläa“. Aus den Berichten der Evangelisten Johannes und Lukas wissen wir, dass es bereits in Jerusalem am ersten und achten Tag nach der Auferstehung zu mehreren Begegnungen mit Jesus gekommen war (Joh 20,1-29; Lk 24,13-33). Danach fand die Begegnung am See von Tiberias statt (Joh 21,1-23), von der nur Johannes berichtet. Dies wäre das dritte Treffen als Gruppe der Jünger (Joh 21,14). Das Treffen der Jünger mit Jesus auf dem Berg in Galiläa ist demnach das vierte Treffen. Nun sprach es sich schon recht schnell in Galiläa unter den Gläubigen herum, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. So wäre auch die Aussage des Apostels Paulus in 1Korinther 15,1-5 zu erklären, wonach mehr als fünfhundert Brüder den Auferstandenen auf einmal (das heißt gleichzeitig) gesehen haben. Da außer der letzten Begegnung auf dem Ölberg in den Evangelien keine weitere Begegnung erwähnt wird, ordnen wir die Aussage des Apostels Paulus über die Begegnung von über fünfhundert Brüdern mit Jesus, in dieses Berg-Treffen ein. Damit schließen wir es nicht aus, dass es sich bei jener Begegnung auch um ein gesondertes Treffen gehandelt haben könnte.

Abbildung 10 Von der Anhöhe Gadara am Südufer des Flusses Jarmuk hat man einen weiten Blick über den See Genezaret und nach dem nördlichen Bergland Nordgaliläas. Auf einem der galiläischen Berge fand das von Jesus selbst geplante und vorausgesagte Treffen mit den Jüngern statt (Foto: 3. November 2014).

Und so schreibt der Ev. Matthäus: „Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, welchen Jesus ihnen bestimmt hatte.“ (Mt 28,16). Es wäre nun müßig, den von Jesus selbst bestimmten Berg in Galiläa, zu suchen, gibt es doch in dieser Region sehr viele Berge, die geeignet wären für solch ein besonderes Treffen. Doch wählt Jesus ganz bewusst einen Berg und nicht eine Ebene oder Seeufer, wo er neugierigen Blicken ausgesetzt gewesen wäre. Er sucht also bewusst die Abgeschiedenheit, um ganz unter seinen Nachfolgern zu sein. Ein Berg mit einem Gipfel und der Aussicht in alle Himmelsrichtungen, wäre sehr geeignet für die Botschaft, welche er seinen Jüngern vermitteln will. Wie Mose vom Berggipfel Nebo aus eine umfassende Aussicht über das Gelobte Land hatte, so könnten die Jünger von diesem Berge aus in alle Himmelsrichtungen sehen können, denn es gilt die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu allen Völkern zu bringen. Ein Treffen also an einem Ort mit Symbolkraft.

 

Der Evangelist schreibt weiter: „Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten (gr. οι δέ έδίστασαν – oi de edistasan – aber einige zögerten).“ (Mt 28,17). Der von Matthäus verwendete Begriff: `έδίστασανedistasan`, kommt nur noch in Matthäus 14,31 vor, dort bezogen auf Petrus in der Frageform: „warum hast du gezögert?“. Für zweifeln, bzw. Zweifelnder wird der Begriff: `διακριμένοςdiakrinomenos` verwendet, so in Römer 14,23; Jakobus 1,6; ähnlich auch in Matthäus 21,21; Röm 4,20. Zweifeln heißt: geteilten Herzens oder geteilter Seele zu sein, ähnlich wie wenn die Wellen vom Wind hin und her bewegt werden Jak 1,6-8.

Bei dem Bergtreffen zögerten jedoch einige niederzufallen und Jesus als den Auferstandenen anzubeten. Man bedenke in diesem Zusammenhang auch den jüdischen theologischen Kontext, in dem die Anbetung einer Menschengestalt absolut Tabu war.

Anmerkung: Die Bemerkung über jene, welche zögerten ihm zu huldigen und ihn anzubeten, kann sich schwerlich auf einige aus dem Elferkreis beziehen. Denn alle elf Jünger haben Jesus bereits mehrmals gesehen, persönlich erlebt und nach der Thomas-Begegnung dürfte wohl bei keinem ein Rest von Usicherheit bestaqnden haben. Daher liegt die Vermutung nahe, dass bei diesem Treffen auch noch viele andere Jesusnachfolger dabei gewesen sein konnten. Wir denken dabei:

  • an seine leiblichen Brüder (Mt 28,10; Joh 20,17; 1Kor 15,5-7);
  • an die 70, welche zum zweiten Jüngerkreis gehörten (Lk 10,1ff);
  • und andere mehr, welche noch in seiner Dienstzeit an ihn gläubig wurden (Joh 2,23; 4,53; 12,1-2; 19,38-39).

 

Zögern heißt jedoch nicht, die Anbetung völlig verweigern, sondern kann eine abwartende Haltung ausdrücken. Von den anderen aber nimmt Jesus die Ehrung an. Bereits in der Zeit vor seiner Auferstehung wurde ihm als dem von Gott gesandten Messias und Sohn Gottes kniefällig gehuldigt:

  • Die Weisen aus dem Morgenland: „(…) und sie fielen nieder und huldigten ihm (beteten es (das Kind) an).“ (Mt 2,11);
  • Die Jünger im Boot auf dem See Genezareth: „Die aber in dem Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“ (Mt 14,33);
  • Der sehendgewordene Mann in Jerusalem: „Er aber sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.“ (Joh 9,38);
  • Auch die Frauen, welchen Jesus nach seiner Auferstehung begegnete: „Sie aber traten zu ihm, umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder“ (Mt 28,9);
  • Die Jünger bei der Himmelfahrt von Jesus: „Und sie warfen sich vor ihm nieder.“ (Lk 24,52).

In all den oben erwähnten Texten (einschließlich Matthäus 28,17) wird der griechische Begriff   `προσεκύνησανprosekyn¢san` verwendet: Er bedeutet: kniefällige Huldigung, Anbetung von Jesus, dem Messias und Sohn Gottes. Dieser Begriff wird auch vom Ap. Paulus in Phillipper 2,10 verwendet; ebenso in Hebräer 1,6; Offb 7,11). Im Gegensatz dazu wird dieser Begriff gebraucht um Johannes von der Anbetung des Engels zurückzuhalten: Offb 19,4.10; 22,9), ebenso die Weigerung der drei jüdischen Beamten des Königs Nebukadnezars, vor dem goldenen Bild niederzufallen und es anzubeten (Dan 3,18). Aber Jesus ist als Menschgewordener Gottessohn würdig der Huldigung und Anberung (Offb 5,12).

Bei dieser Bergbegegnung gab Jesus seinen Jüngern die Anweisung zur Völkerevangelisation. Es ist eine Art Vermächtnis mit der Verheißung seiner ununterbrochenen Gegenwart. So schreibt der Evangelist Matthäus: „Und hinzutretend redete Jesus mit ihnen sagend:

  • Mir ist gegeben alle Vollmacht im Himmel und auf Erden.
  • Hingehend nun macht zu Jüngern alle Völker:
  •  Sie taufend in (hinein oder auf) den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
  •  lehrend sie zu halten (bewahren) alles, was ich euch befohlen habe.
  • Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Mt 28,18-20 Elbf. mit Ergänzungen in Klammern).

Folgende Aspekte aus den Worten von Jesus hebt der Evangelist Matthäus hervor:

  1. Die rechtsmäßige (legale) Bevollmächtigung von Jesus durch den Vater. Erinnern wir uns daran, wie der Fürst dieser Welt, der Satan/Teufel schon zu Beginn in der Wüste, Jesus die Vollmacht und Herrlichkeit dieser Welt auf freche Art und Weise anbot? Jesus hat durch den Dienst der Hingabe seines Lebens die tatsächliche Vollmachten über das gesamte Universum vom Vater selbst übertragen bekommen und er ist der wahre Beherrscher des Alls. Das Wissen um seine Vollmacht, ist eine gute Voraussetzung für die Jünger, angstfrei und furchtlos das Evangelium zu verkündigen.
  2. Der Auftrag `alle Völker zu Jüngern zu machen`, bedarf einer Erklärung, die vom Gesamtkontext der Beauftragung zur Evangelisation ausgeht. Das griechische aktive Verb `maqhteu,sate – math¢teusate`, kommt noch in der Apostelgeschichte 14,21 vor. Dort lesen wir, dass Paulus und Barnabas viele zu Jüngern gemacht haben. Die Umsetzung dieses Verbs in der Evangelisationspraxis führte jedoch zu mancherlei Missverständnissen. So wurden später tatsächlich Menschen (auch unmündige Kinder) zu Christen gemacht, ganz zu schweigen von der gewaltsamen Christianisierung ganzer Volksstämme im Mittelalter. Doch dies hat Jesus mit Sicherheit nicht angeordnet. Bei dem Verb `μαθητεύσατε – math¢teusate` könnte es sich eher um den Auftrag handeln: `unterrichtet, unterweist, schult, lernt an, macht die Evangeliumsbotschaft bekannt.` unter allen Völkern. Auch in Matthäus 13,52 wo dieses Verb gebraucht wird (allerdings im passiv), kommt der Gedanke des `unterwiesen sein, unterrichtet sein, geschult sein` deutlich zum Ausdruck. „Jeder Schriftgelehrte unterwiesene (μαθητευθείςmath¢teutheis – geschulte) im Reich Gottes (…)“. Es geht dabei um alle Völker mit der Frohen Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus intensiv und detailiert bekannt zu machen, also sie unterrichten, unterweisen, schulen. So dass Menschen nach dieser klaren Unterweisung zur Umkehr und Glauben aufgefordert werden können (Apg 2,21-40). Oder ein Beispiel aus der Verkündigungspraxis des Ap. Paulus: „Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich mit ihnen unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. Als aber einige sich verhärteten und ungehorsam blieben und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. Dies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten.“ (Apg 19,8-10). Dies ist vornehmlich die Aufgabe der Apostel und Evangelisten. Das taten sie auch und der Herr tat hinzu (zu der Gemeinde Apg 2,37-42). Wenn wir verstehen wollen, wie Jesus `Jünger machte – μαθητάς ποιεί, – math¢tas poiei ` (Joh 4,1-hier steht wirklich das Verb `machen`), dann müssen wir seine Evangelisationsweise beachten.
  3. Der Auftrag, die Gläubigen (im oder mit Wasser) zu taufen zum Zeugnis ihres Glaubens, ist der nächste Schritt.
  4. Erst dann folgt der Auftrag durch `gr. διδάσκοντεςdidaskontes – lehrend` alles von Jesus Christus Gebotene einzuhalten, zu bewahren – hier tritt die aktive Lehr- und Versorgungstätigkeit der Hirten und Lehrer in den Vordergrund. Es macht also Sinn, die Gläubiggewordenen zunächst mit den Inhalten der vier Evangelien vertraut zu machen. Ausgehend von den Berichten über das Leben und den Dienst bon Jesus, können all die Vorgeschichten der Bibel besser verstanden werden.
  5. Die Verheißung der beständigen, ununterbrochenen Gegenwart von Jesus (durch den Heiligen Geist und sein Wort.

Hätten wir nicht den Bericht des Lukas über die Himmelfahrt von Jesus vom Ölberg aus, könnte leicht der Eindruck entstehen, dass Jesus von diesem Berg in Galiläa zum Vater ging. Im nächsten Abschnitt wollen wir die Jünger mit Jesus zurück nach Jerusalem und anschließend auf den Ölberg begleiten.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Jesus hat das Treffen mit seinen Jüngern auf einem bestimmten Berg in Galiläa vorausgesagt. Was bedeutet dies?
  2. Warum überlieferte der Evangelist nicht den Namen des Berges?
  3. Warum sollte das Treffen auf einem Berg stattfinden?
  4. Erinnere dich an vorhergehende Bergerlebnisse der Jünger oder früherer Männer Gottes.
  5. Warum gab es unter den Anwesenden Zweifler?
  6. Wer wurde außer den Jüngern höchstwahrscheinlich zu diesem Treffen mit eingeladen?
  7. Was waren die Inhalte des Vermächtnisses von Jesus an seine Jünger?
  8. Wem gilt heute diese Herausforderung, dieser Auftrag?

Warum beschreibt Matthäus nicht wie Jesus in den Himmel aufgefahren ist?

 

12.15 Erneutes Treffen in Jerusalem – Abschied auf dem Ölberg

(Bibeltexte: Lk 24,48-50a; Apg 1,4-9)

Nach dem besonderen Bergtreffen in Galiläa, gingen die Jünger (sicher auf Anordnung von Jesus) wieder nach Jerusalem. Dort hielten sie sich in einem Haus auf. Dies wird indirekt durch die Formulierung in Lukas 24,50a: „Er (Jesus) führte sie aber hinaus bis nach Betanien.“, angedeutet. Das „hinaus“ meint wohl raus aus der Stadt Jerusalem. Desweiteren erfahren wir etwas über diesen Aufenthalt der Jünger in Jerusalem aus der Apostelgeschichte 1,13: „Und als sie (nach Jerusalem) hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten.“ Dieses Haus gehörte höchstwahrscheinlich einer wohlhabenden Familie, denn es war zweistöckig und großräumig. Auch während der Passahtage hielten sie sich dort auf (Joh 20,19.26). Vielleicht war es dasselbe Haus, in dem sie mit Jesus das letzte Passahmahl aßen. Auch jenes Haus war großräumig und zweistöckig (Mk 14,14; Lk 22,12).

Wir betrachten nun den Inhalt des Gesprächs von Jesus mit seinen Jüngern. Dieses Gespräch führte Jesus entweder in diesem Haus in Jerusalem oder auf dem Weg zum Ölberg. Jesus sagt seinen Jüngern über den verherrlichten Christus in der dritten Person:

(…) und sprach zu ihnen: So steht geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten und in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem. Ihr seid Zeugen hiervon; und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr bekleidet werdet mit Kraft aus der Höhe! Er führte sie aber hinaus bis gegen Betanien und hob seine Hände auf und segnete sie.  (Lk 24,46-50a).

Ergänzend zu diesem Text schreibt der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte 1,4-8:

Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Die Texte sind voller wichtiger Aussagen und wir wollen diese im einzelnen betrachten.

  • Die Anordnung: „Jerusalem nicht zu verlassen“, hat Jesus erst jetzt, kurz vor seinem endgültigen Weggehen, sagen können, eben erst nach dem sie in Galiläa bereits waren.
  • Der Doppelbefehl – Jerusalem zunächst nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Erfüllung der Verheißung des Vaters. Es sollten also bis dahin keinerlei öffentlichen Aktionen unternommen werden. Die Sendung des Heiligen Geistes sollte nach den Worten von Jesus „nach nicht vielen Tagen“ erfolgen. Wie es sich dann herausstellte waren es genau zehn Tage nach der Himmelfahrt von Jesus.
  • Im Zusammenhang mit dem Kommen des Heiligen Geistes würde auch die von Johannes und Jesus vorausgesagte `Taufe mit dem Heiligen Geist` stattfinden (Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16; Joh 1,33; 14,16; 14;26; 15,26; 16,7; Lk 24,49). Es fällt auf, dass Gott zu bestimmten Zeitpunkten seine Heilsgeschichte offenbart, so geschah das Kommen des Heiligen Geistes am fünfzigsten Tag (Wochenfest – 3Mose 23,15-16) nach dem jüdischen Passah-Sabbat. Bei dem Wochenfest desselben Jahres fiel der fünfzigste Tag, wie auch bei der Auferstehung von Jesus, auf den ersten Tag der Woche (im Westen des Römischen Reiches war es der Sonntag).
  • Der Auftrag zur Verkündigung der „Buße (Sinneswandlung) zur (und) Vergebung der Sünden unter allen Nationen“, ist ähnlich wie auch bei Matthäus 28,19 und macht deutlich, dass Jesus sich an verschiedenen Orten wiederholte, bzw. Ähnliches gesagt hat.
  • Auf die Frage der Jünger nach der „Wiederherstellung (wiedereinsetzung) des Reiches für Israel“ gibt Jesus eine merkwürdige und rätselhafte Antwort. „Es ist nicht eure Sache zu wissen  (gr. χρόνους και καιρούςchronous kai kairous  – Zeitpunkte oder Zeitinhalte – wann und wie) welche der Vater in seiner Vollmacht bestimmt hat.“  Erinnern wir uns an Kleopas und seinen Freund aus Emmaus, welche ebenfalls in Jesus den (irdischen) Erlöser Israels sahen (Lk 24,21 – „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde“). Faktum ist, dass die zur Zeit von Jesus noch vorhandene Selbständigkeit (Autonomie) Israels bereits im Jahre 70 n. Chr. verloren ging. In den zurückliegenden etwa 18 Jahrhunderten hat Gott nichts zur Erlösung oder Wiederherstellung des Israelreiches unternommen. Der 1948 proklamierte Staat Israels, welcher bis heute eher friedlos um seine Existenz kämpfen muß, kann schwerlich der vollmächtigen Wirksamkeit des himmlischen Vaters zugeschrieben werden. Die gegenwärtige Staatsform ist keineswegs monarchisch, wie es dem alttestamentlichen Israel entsprechen würde, Auch ist diese Staatsform nicht geistlicher Natur. Nach der Aussage eines der bekanntesten jüdisch-messianischen Missionare unserer Zeit, ist das heutige Israel „ein Staat wie viele andere Staaten“. Ich teile aber den Wunsch vieler Christen, dass Gott eine geistliche Erweckung gäbe unter diesem Volk (Röm 9,1-5; 11,23-24: „Wenn sie nicht bleiben im Unglauben“).
  • Jesus lenkt aber den Blick und die Aufmerksamkeit seiner Jünger vielmehr auf die Ausstattung oder Ausrüstung mit der Kraft aus der Höhe und befähigt sie für die weltweite Evangelisation. Doch beginnen soll die Ausbreitung des Reiches Gottes (nicht Reich für Israel) in Jerusalem mit dem gläubigen Rest aus den Juden (Jes 10,22-23; Röm 9,27). Das ewige Reich, welches Gott dem David, bzw. seinem Nachkommen  verheißen hatte (2Sam 7,11-14a), das dann der Maria, bzw. deren Sohn durch den Engel Gabriel bestätigt wurde (Lk 1,31-33), hat mit Jesus begonnen. Die Jünger (12 – 120) haben es nach Pfingsten zunächst unter Juden in Jerusalem und Judäa verkündigt (Apg 2,16-8,2). Bereits nach kurzer Zeit breitete es sich in Samarien aus (Apg 8,4-25) und nach wenigen Jahren überschritten die Jünger die nationalen und kulturellen Grenzen des Judentums und verkündigten das Reicht Gottes den Nationen (Apg 9-12; 13-28). Es ist also müßig, die Frage der Jünger nach fast zweitausend Jahren wieder aufzuwerfen. Bis heute hat Jesus den Fokus von der Ausbreitung seines geistlichen Reiches nicht abgewendet (Joh 18,36 – mein Reich ist nicht von dieser Weltalso nicht physisch materieller oder nationaler Natur). Den größten Dienst, den wir Menschen jüdischer Abstammung erweisen können ist, an Jesus den Messias/Christus zu glauben und ihn sowohl den Juden als auch den übrigen Völkern zu verkündigen.

 

Der Abschied von Jesus mit seinen Jüngern ist von dem Evangelisten Lukas ziemlich genau lokalisiert worden. Der sogenannte Ölberg, genauer `Berg der Ölbäume` genannt, liegt östlich des Tempelberges in 816 Meter Höhe, dabei handelt es sich nicht um einen Berg mit einer Spitze oder Gipfel. Er bildet mit dem nördlich gelegenen Skopusberg (826  Meter hoch) eine Hügelkette in Nordsüdrichtung.

Zwischen dem Ölberg und der Ostmauer von Jerusalem verläuft das Kidrontal mit dem Bach Kidron (2Sam 15,23; Joh 18,1). Am Westhang des Ölberges wachsen noch heute in einem eingezäunten Garten (Getsemane) einige uralte Ölivenbäume..

 

Abbildung 11 Blick über über das Kidrontal zum Ölberg hin (Foto: April 1986).

In Richtung Osten fällt der Ölberg zunächst sanft ab. Unweit des Weges, der nach Jericho hinabführt, liegen die Dörfer Bethfage und Bethanien (Lk 19,29). Der Evangelist Lukas, der Augenzeugen befragte, macht zwei geographische Angaben für das letzte Treffen der Jünger mit Jesus. Er schreibt in Kapitel 24,50a: „Er (Jesus) führte sie aber hinaus bis nach Betanien.“ Das Dorf Bethanien befand sich knapp drei km entfernt von Jerusalem am Osthang des Ölberges. In der Apostelgeschichte 1,12 schreibt er: „Da kehrten sie (die Jünger) nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.“ Da die Angabe `Ölberg` ein größeres Gebiet umfasst, das Dorf Bethanien jedoch genau lokalisierbar ist in seinen Grenzen, können wir annehmen, dass das letzte Treffen mit dem Abschieds- und  Segnungsgottesdienstes am Ostabhang des Ölbergs in unmittelbarer Nähe des Dorfes Bethanien stattgefunden hatte. Mit den elf Jüngern waren noch viele andere dabei, die Jesus erneut von Galiläa nach Jerusalem begleiteten (Apg 1,13; 2,1-6). So waren sie zwar in der Nähe von Jerusalem, doch den Blicken der Jerusalemer Bürger entzogen, an einem Ort angekommen, in dem das größte Wunder-Zeiches vollbracht wurde – die Auferweckung des Lazarus (Joh 12,9). Hier fasst sich der Evangelist sehr kurz, es gibt keine lange Abschiedszeremonie. Alles was für die Jünger wichtig war, sagte Jesus in den letzten 40 Tagen. Alles was die Jünger noch wissen müssen, wird ihnen der Heilige Geist an Ort und Stelle mitteilen (Joh 14,26). Jesus hat seinen Dienst auf der Erde vollendet (Joh 17,4). In wenigen Augenblicken wird er dorthin zurückkehren, von wo er ausgegangen war (Joh 8,42; 16,28). Der Evangelist schreibt: „(Jesus) hob die Hände auf und segnete sie (die Jünger)“. Segnen heißt etwas gutes zusprechen – eine Verheißung, ein Zuspruch. Es kann sich um die Verheißung gehandelt haben aus Matthäus 28,20: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, oder der Wiederholung einer Verheißung aus den Abschiedsreden (Joh 14-17). Was für ein Abschied !

Fragen / Aufgaben:

  1. Was könnte der Grund gewesen sein, dass Jesus sich nach der Auferstehung an verschiedenen Orten gezeigt hatte?
  2. Wo hielten sich die Jünger zusammen mit Jesus auf, bevor sie hinüber zum Ölberg nach Bethanien gingen?
  3. Was war der Haptinhalt der Gespräche bei diesem Treffen in Jerusalem oder auf dem Weg zum Ölberg?
  4. Welche Verheißung wiederholt Jesus bei diesem Treffen?
  5. Warum fragen die Jünger den auferstandenen Jesus nach der Aufrichtung des Israelreiches? Warum beschäftigt sie dieses Thema?
  6. Wie antwortet Jesus auf ihre Frage, was nimmt er ihnen weg und was gibt er ihnen?
  7. Worauf lenkt Jesus den Blick und die Aufmerksamkeit seiner Jünger?
  8. Beachte die missiologischen Kreise. Wie kann deine Ortsgemeinde sie in ihrem Umfeld anwenden?
  9. Was bedeutet es für dein persönliches Leben in deinem Umfeld?
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Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation

Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation

Einleitung

Die Gläubigen an Jesus Christus sind aufgerufen zu einem Verhalten, welches der Gesinnung, den Worten und dem Verhalten von Jesus und der Apostel entspricht. Wir sind aufgerufen zu einem Verhalten, welche den Prinzipien des Reiches Gottes entspricht.

Kriege sind Folgen der Bosheit des menschlichen Herzens. Es begann mit dem Brudermord (1Mose 4,1-13; Jak 4,1). Jesus hat Kriege, Aufstände (Revolutionen) und Epidemien (Seuchen) Hungersnöte, Erdbeben (oft mit Vulkanausbrüchen) mit den Worten: „denn es muss so geschehen“ vorausgesagt (Mt 24,6-8; Mk 13,7-8; Lk 21,9-11; vgl. dazu auch(Hes 14,14-21; Offb 6,3-8). Doch nicht Gott, sondern Menschen machen Kriege. Und Gott lässt die Menschen gewähren , setzt ihnen aber auch Grenzen. Alle diese Reiche stehen unter dem direkten Einfluss des Teufels (Durcheinanderbringer) (Offb 13,1-7). Er ist zwar der Fürst dieser Welt, doch Jesus hat ihn mit samt dieser Welt besiegt (Joh 12,29; 16,11; 14,33). Kriege offenbaren die Grundtiefe der menschlichen Bosheit. Und während die Christen Kriege und Kriegshandlungen der Großen dieser ,Welt verurteilen, handeln manche von ihnen lieblos in ihrem kleinen Verantwortungsbereich. Streit, Gewalt und Machtmissbrauch  in Familien, in der Nachbarschaft, auf dem Arbeitsplatz, ja sogar unter Kindern zeugt von der verdorbenen Natur des Menschlichen Herzens (1Mose 8,21). Kriege können auch ein  Weckruf an alle Menschen zur Umkehr zu Gottsein. Die Christen sollten als erste damit beginnen.

Inmitten dieser weltlichen Reiche, errichtete Jesus sein himmlisches und ewiges Gottesreich, welches nicht materieller sondern geistlicher Natur is. Es ist ein Reicht des Friedens und der Gerechtigkeit (Jes 9,6; Dan 7,13-14; Lk 1,33). In diesem Reich herrschen andere Grundsätze und Prinzipien als in den Machtsystemen der Reiche dieser Welt. Jesus sagte Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.“ (Joh 18,36). Paulus schrieb an die Gläubigen in Rom: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

 Grundsätze und Prinzipien für Das Verhalten der Gläubigen in dieser Welt:

  1. Eine Möglichkeit ist Flucht ( (Mt 10,23; 24,16; Mk 13,14; Lk 21,21; Apg 8,1; 12,17).Die jüdische Widerstandsbewegung rief die Menschen auf zu den Waffen zu greifen. Jesus ordnete seinen Nachfolgern an zu fliehen. Viele Menschen sind auch heute auf der Flucht
  2. Bitte um Gottes Führung bei der Flucht (Mt 24,20). Dies bedeutet: Gott gewährt seinen Kindern auf deren bitte hin auf verschiedene Weise Fluchtkorridore
  3. Für Christen, welche bleiben oder bleiben müssen, ergeben sich viele Möglichkeiten zur humanitären Hilfe an Notleidenden oder Verletzten. Pastoren haben zusätzlich die Möglichkeit zum Dienst als Seelsorger.
  4. Keine Gewalt anwenden: Jesus sagte dem Petrus: „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um“ (Mt 26,52). Paulus schreibt: „Unser Kampf ist nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph 6,12).
  5. Keine Rache oder Vergeltungsaktionen: Jesus wies seine Jünger Jakobus und Johannes scharf zurecht mit den Worten: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ Und begründet dies mit den Worten: „„Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen die Seelen (Leben) der Menschen zu verderben, sondern zu retten. Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9,53-56 ST Üs.). Petrus folgt seinem Herrn und schreibt an die Christen in der Zerstreuung: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.“ (1Petr 3,9). Und Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«. 20 »Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,19-21). Das heißt auch: „lieber das Unrecht erdulden, als Unrecht tun“ (1Petr 2,19). Gerade in Kriegszeiten ist solch ein Verhalten bemerkenswert für Christen.
  6. Gebet für die Feinde: Bitte und Fürbitte zur Umkehr der Verblendeten, auch derer, die ganz oben an der Macht sind: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,43-45). Und noch am Kreuz betete er: : „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Dies ist das größte und kraftvollste Zeugnis der Gläubigen für Christus an diese Welt.
  7. Einheit des Volkes Gottes in der Gesinnung Christi. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht — euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.“ (1Petr 2,9-10; vgl. dazu auch Gal 3,26-27: „ihr alle seid eins in Christus“). Die Gläubigen sollen sich nicht mehr von den machtpolitischen und schon gar nicht militärischen Strukturen dieser Welt gefangen nehmen lassen. Sie sind alle Kinder Gottes, haben einen Vater im Himmel und sind daher untereinander Geschwister.
  8. Unsere Heimat Bürgertum) ist im Himmel: „Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland (Retter), den Herrn Jesus Christus, der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann“ (Phil 3,20-21). Egal welchen Pass wir haben, in welchem Land wir leben und welchem Volk wir entstammen. In Christus sind wir durch den einen Geist Gottes versiegelt und in das himmlische Lebensbuch des Lammes eingetragen (vgl dazu auch Eph 2,11-21). Jesus und die Apostel haben ihr Leben nicht als Patrioten ihres jüdischen Landes geopfert, sondern für das Reich Gottes.
  9. Darum „fürchtet euch nicht“: Diesen Zuspruch gibt Gott seinen Kindern mehr als Hundert Mal und er deckt alle Situationen des Lebens ab.
  10. Und am Vorabend seines Leidens uns Sterbens hinterließ Jesus seinen Jüngern das Vermächtnis des wahren Friedens: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14,27). Die Gemeinde darf dieses kostbare Gut des göttlichen Friedens nicht verschleudern.

Schlussfolgerung

Die Zeiten der Kriege, Hungersnöte, Epidemien sind für die Gläubigen Prüfungszeiten in denen ihr Glaube geläutert und gefestigt wird. Am Ende des Buches Daniel steht geschrieben: „Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen.“ (Dan 12,10). Und Jesus sagte: „Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig (gerettet). Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Mt 24,12-14). Darum: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,9-10).

Abbildung: Der Vollmond bezeugt, dass die Sonne nicht erloschen ist.

 

 

 

 

 

 

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Wer ist auf der Seite von Jesus?

 

Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation in Europa

Ein Pastor aus einer Gemeinde in Astrachan ruft die Gläubigen auf zu einem Verhalten, welches der Gesinnung und den Worten von Jesus und der Apostel entspricht. Er ruft auf zu einer eindeutigen Position der Gläubigen an Jesus Christus, welche den Prinzipien des Reiches Gottes entspricht.

Er ist in einer russisch / ukrainischen Familie geboren . Sein Vater verließ seine Familie als er drei Jahre alt war. Er wurde von seinem russischen Stiefvater großgezogen, dessen Namen er heute trägt. Er ist mit einer ukrainischen Frau verheiratet. Er weiß wovon er redet. Er wendet sich in erster Linie an die Christen in der Ukraine mit vielen ermutigenden Worten. Doch er sagt auch: „Jetzt seid ihr dran in der Prüfung standzuhalten, aber auch wir bleiben nicht verschont“.

Die Inhalte seiner auffordernden Predigt finden ihren Niederschlag in dieser Ausführung. Welche von uns der russischen Sprache mächtig sind, können sich diese kurze Predigt im Originalton anhören. https://youtu.be/ey0VxTSeQjg

 

Einleitung

Kriege sind Folgen der Bosheit des menschlichen Herzens. Es begann mit dem Brudermord (1Mose 4,1-13; Jak 4,1). Jesus hat Kriege, Aufstände (Revolutionen) und Epidemien (Seuchen) Hungersnöte, Erdbeben (oft mit Vulkanausbrüchen) mit den Worten: „denn es muss so geschehen“ vorausgesagt (Mt 24,6-8; Mk 13,7-8; Lk 21,9-11). Es fällt gerade zu  auf, dass Jesus mit keinem Wort seine Jünger aufgefordert hatte zu beten und zu bitten, dass es nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Völkern kommen soll. Auch nicht, dass die Seuchen ausbleiben sollen. Gott selber lies durch seine Propheten dutzende Mal seinem Volk sagen, dass er das Schwert, den Hunger, die Pest kommen lassen wird wegen ihrer Sünde des Götzendienstes und dem moralischen Zerfall (Hes 14,14-21; Offb 6,3-8). Doch nicht Gott, sondern Menschen machen Kriege, doch Gott lässt die Menschen gewähren , setzt ihnen aber auch Grenzen. Alle diese Reiche stehen unter dem direkten Einfluss des Satans (Offb 13,1-7). Er ist zwar der Fürst dieser Welt, doch Jesus hat ihn mit samt dieser Welt besiegt (Joh 12,29; 16,11; 14,33). Kriege offenbaren die Grundtiefe der menschlichen Bosheit. Und während die Christen Kriege und Kriegshandlungen der Großen dieser Welt verurteilen, handeln viele von ihnen lieblos in ihrem kleinen Verantwortungsbereich. Krieg, Gewalt und Machtmissbrauch  in Familien, in der Nachbarschaft, auf dem Arbeitsplatz, ja sogar unter Kindern zeugt von der verdorbenen Natur des Menschlichen Herzens (1Mose 8,21). Kriege können auch ein  Weckruf an alle Menschen zur Umkehr zu Gottsein. Die Christen sollten als erste damit beginnen.

Inmitten dieser weltlichen Reiche, errichtete Jesus sein himmlisches und ewiges Gottesreich, welches nicht materieller sondern geistlicher Natur is. Es ist ein Reicht des Friedens und der Gerechtigkeit (Jes 9,6; Dan 7,13-14; Lk 1,33). In diesem Reich herrschen andere Grundsätze und Prinzipien als in den Machtsystemen der Reiche dieser Welt. Jesus sagte Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.“ (Joh 18,36). Paulus schrieb an die Gläubigen in Rom: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

 

Grundsätze und Prinzipien für Das Verhalten der Gläubigen in dieser Welt (auch in Kriegszeiten):

  1. Eine Möglichkeit ist Flucht ( (Mt 10,23; 24,16; Mk 13,14;  Lk 21,21; Apg 8,1; 12,17).Die jüdische Widerstandsbewegung rief die Menschen auf zu den Waffen zu greifen. Jesus ordnete seinen Nachfolgern an zu fliehen. Ein Pastor einer Gemeinde in Mariupol befolgte mit seiner Gemeinde den Hinweis von Jesus.
  2. Bitte um Gottes Führung bei der Flucht (Mt 24,20). Dies bedeutet: Gott gewährt seinen Kindern auf deren bitte hin auf verschiedene Weise Fluchtkorridore
  3. Für Christen, welche bleiben oder bleiben müssen, ergeben sich viele Möglichkeiten zur humanitären Hilfe an Notleidenden oder Verletzten. Pastoren haben zusätzlich die Möglichkeit zum Dienst als Seelsorger.
  4. Keine Gewalt anwenden: Jesus sagte dem Petrus: „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um“ (Mt 26,52). Paulus schreibt: „Unser Kampf ist nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph 6,12).
  5. Keine Rache oder Vergeltungsaktionen: Jesus wies seine Jünger Jakobus und Johannes scharf zurecht mit den Worten: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ Und begründet dies mit den Worten: „„Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen die Seelen (Leben) der Menschen zu verderben, sondern zu retten. Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9,53-56 ST Üs.). Petrus folgt seinem Herrn und schreibt an die Christen in der Zerstreuung: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.“  (1Petr 3,9). Und Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«. 20 »Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,19-21). Das heißt auch: „lieber das Unrecht erdulden, als Unrecht tun“ (1Petr 2,19). Gerade in Kriegszeiten ist solch ein Verhalten bemerkenswert für Christen.
  6. Gebet für die Feinde: Bitte und Fürbitte zur Umkehr der Verblendeten, auch derer, die ganz oben an der Macht sind: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,43-45). Und noch am Kreuz betete er: : „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Dies ist das größte und kraftvollste Zeugnis der Gläubigen für Christus an diese Welt.
  7. Einheit des Volkes Gottes in der Gesinnung Christi. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht 10 — euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.“ (1Petr 2,9-10; vgl. dazu auch Gal 3,26-27: „ihr alle seid eins in Christus“). Die Gläubigen sollen sich nicht mehr von den machtpolitischen und schon gar nicht militärischen Strukturen dieser Welt gefangen nehmen lassen. Sie sind alle Kinder Gottes, haben einen Vater im Himmel und sind daher untereinander Geschwister.
  8. Insere Heimat Bürgertum) ist im Himmel: „Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland (Retter), den Herrn Jesus Christus, 21 der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann“ (Phil 3,20-21). Egal welchen Pass wir haben, in welchem Land wir leben und welchem Volk wir entstammen. In Christus sind wir durch den einen Geist Gottes versiegelt und in das himmlische Lebensbuch des Lammes eingetragen (vgl dazu auch Eph 2,11-21). Jesus und die Apostel  haben ihr  Leben nicht als Patrioten ihres jüdischen Landes geopfert, sondern für das Reich Gottes.
  9. Darum „fürchtet euch nicht“: Diesen Zuspruch gibt Gott seinen Kindern mehr als Hundert Mal und er deckt alle Situationen des Lebens ab.
  10. Und am Vorabend seines Leidens uns Sterbens hinterließ Jesus seinen Jüngern das Vermächtnis des wahren Friedens: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14,27). Die Gemeinde darf dieses kostbare Gut des göttlichen Friedens nicht verschleudern.

 

Schlussfolgerung

Die Zeiten der Kriege, Hungersnöte, Epidemien sind für die Gläubigen Prüfungszeiten in denen ihr Glaube geläutert wird. Am Ende des Buches Daniel steht geschrieben: „Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen.“ (Dan 12,10). Und Jesus sagte: „Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. 13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig (gerettet). 14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Mt 24,12-14). Darum: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,9-10).

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1.2 Göttlicher Ursprung von Jesus Christus

(Bibeltexte: Mt 1,18-25;  Lk 1,26-38;  Joh 1,1-18)

Nach dem Betrachten der „menschlichen“ Abstammung und der ewigen Herkunft verbinden wir diese Aussagen mit der Geburt von Jesus.

Schon der Prophet Micha sagt über den Ursprung des Messias folgendes:

Und du Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll, und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her (Micha 5,1). Die Schriftgelehrten konnten sofort und aus dem Stehgreif dem König Herodes Auskunft geben (Mt 2,5-6).

In Lukas 1,31-32 sagt der Engel Gabriel zu Maria:

Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.

HINWEIS: Der Engel Gabriel wird außer in Lukas 1 nur in Daniel 8,16. 17; 9,21 erwähnt. Gabriel erklärt Daniel die Visionen und deren Bedeutung und überbringt dann zur Zeit des NT Zacharias die Botschaft von der Geburt des Johannes (Lk 1,19). Zur Maria wird er von Gott gesandt, um ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes zu übermitteln.

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Abbildung 5 Die katholische Verkündigungskirche in Nazaret. Die Ursprünge des Kirchenbaus an dieser Stelle gehen in das 4. Jh. zurück in Erinnerung an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die früheren Kirchengebäude wurden durch Eroberungen und auch Erdbeben immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Basilika stammt aus dem Jahre 1955 (Foto:  Juli 1994).

Der Himmel und besonders die davon gesandten Engel spielen eine entscheidende Rolle bei der Darstellung vom Leben Jesu in den Evangelien.

Die verständliche Nachfrage der Maria: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß (Lk 1,34), gibt uns einen Einblick in ihr korrektes Verhalten als Verlobte. Siehe 5Mose 22,16 (bedenke den polygamen Hintergrund des Kapitels). Das Zeichen der Jungfräulichkeit der Frau war das Laken/Decke, das in der Hochzeitsnacht genutzt wurde. Wenige biblische Hinweise finden wir für die Jungfräulichkeit des Mannes vor der Ehe. Als Grundtext für diese Thema gilt: Eph 5,23f (der reine Christus und seine reine Braut = die Gemeinde). Ihr keusches Verhalten unterstreicht gleichzeitig, wenn auch nur indirekt, den göttlichen Ursprung von Jesus Christus.

Natürlich kannte Maria Josef, ihren Verlobten, aber sie hatten als Verlobte keinen Geschlechtsverkehr miteinander. Aus der großen Perspektive Gottes ist es nicht vorgesehen, dass zwei junge Menschen, auch wenn sie schon verlobt sind, sexuell miteinander verkehren. Wenn Gott dies in die Beliebigkeit der Einzelnen gestellt hätte, wäre der biblische Hinweis auf die Jungfrauengeburt noch schwieriger nachzuvollziehen. Gott hatte von Beginn an die Geburt seines Sohnes durch eine Jungfrau geplant, so bekommt auch die Ordnung für Verlobte einen Sinn (siehe 5Mose 22,14).

Der Engel Gabriel ließ Maria natürlich nicht im Ungewissen über die Art und Weise der Zeugung, wenn er erklärt:

Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten (= Gott) wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden (Lk 1,35). Thiede bemerkt hierzu: „Sie (Maria) muss genauso verwirrt gewesen sein, wie die Leser es seither sind, und die Erklärung, die der Engel gibt, zielt nicht darauf ab, Gynäkologen zufrieden zu stellen.“

Abbildung 6 Das unendliche Blau des Himmels, die Wolken und Berggipfel erinnern an die himmlische Sphäre, von der aus sich Gott im Laufe der Geschichte den Patriarchen, den Propheten Mose, Samuel, David, aber auch der Maria in Nazareth offenbart hat (Foto: Petra im Süden von Jordanien 5. November 2014).

Ob Maria es verstanden hat, ist nicht sicher, geglaubt hat sie es:

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort (Lk 1,38).

Kritiker des Neuen Testamentes behaupten, dass Götter und Söhne von Göttern in der heidnischen Antike auf ähnliche Weise geboren wurden. Doch wir weisen auf den unübersehbaren Unterschied zu den so genannten religionsgeschichtlichen „Parallelen“ hin. Der biblische Bericht ist zurückhaltend, nüchtern und beschreibt nicht den Vorgang der Empfängnis im Detail. Somit ist die Jungfrauengeburt tatsächlich ohne jegliche biblische oder gar religionsgeschichtliche Ähnlichkeit. Vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis ist lediglich der alttestamentliche Gedanke des Wohnens (schakanti = Schechinah die Einwohnung) Jahwes bei den Menschen z. B. in der Stiftshütte (2Mose 25,8-9). (Hier zwei Beispiele für antike Mythen über Jungfrauengeburten: 1. Alexander der Große sei durch einen Blitzstrahl gezeugt worden, den seine Mutter in der Hochzeitsnacht empfing. 2. Platons Neffe Speusippos, Sohn seiner Schwester, berichtet von einer in Athen verbreiteten Sage, wonach Platon ein Sohn des Gottes Apoll gewesen sei. Bis zu Platons Geburt habe Platons Vater Ariston sich des (Geschlechts)Verkehrs mit der Gattin Periktione, der Mutter Platons, enthalten).

Der Engel Gabriel hat noch eine wichtige Zusatzbotschaft an Maria zu verkünden, nämlich:

Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit und seines Königtums wird kein Ende sein (Lk 1,32b-33).

Diese Prophezeiung ist nicht neu, sie wurde schon rund eintausend Jahre vorher David gegeben (2Sam 7,13b-16).

Und ich werde den Thron seines Königtums festigen für ewig.

 14 Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen.

 15 Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul habe weichen lassen, den ich vor dir weggetan habe.

 16 Dein Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.

Sie galt zuerst Davids Nachkommen (bei Ungehorsam mit Ruten schlagen), hatte aber die Ewigkeit zur Aussicht. Gott hielt beide Zusagen – als die Zeit erfüllt war (Gal 4,4).

Der Evangelist Matthäus schreibt:

Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so; Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger gefunden von dem Heiligen Geist (Mt 1,18).

Das Ungewöhnliche, das Besondere, das Einmalige wird hier betont. Maria wurde schwanger, ehe sie (Maria und Josef) zusammenkamen“. Hier betont auch der Evamgelist Matthäus, dass Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht üblich war – Jesus also nicht natürlich gezeugt wurde. Für diese ungewöhnliche Zeugung fand er eine alttestamentliche Prophezeiung:

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen. (Jes 7,14).

Diese Prophezeiung ist wie viele alttestamentliche Prophezeiungen mehrschichtig. Das Zeichen, dass eine junge Frau schwanger würde, bezog sich zuerst auf Jesajas Zeitgenossen Ahas und das Volk Juda. Aber wie viele andere Verheißungen des Alten Testamentes barg auch diese eine noch in der Zukunft liegenden Erfüllung. Der hebräische Begriff:  ha almah, bedeutet allgemein: die junge Frau im heiratsfähigen Alter, kann aber auch die weibliche Person bezeichnen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, was in Israel die Regel war. Bei der Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes in die griechische Sprache wurde an dieser Stelle der Begriff „παρθέμος – parthenos` Jungfrau gewählt. „Die griechische Übersetzung des AT aus dem 2. Jh. vor Chr. wird Septuaginta/LXX (=Siebzig/lateinische Zahlen für 70) genannt, da angeblich 72 Übersetzer nach 72 Tagen diese Übersetzung im 2Jhd. v. Chr. anfertigten“ (Aristeasbrief 9-11.41.46.50.121.301f.307-311). Dieser griechische Begriff meint im Neuen Testament eine junge Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, bzw. Jungfräuligkeit (1Kor 7,25-40;  2Kor 11,2). Matthäus will, geleitet durch den Heiligen Geist, mit diesem Begriff die Jungfräulichkeit Marias unterstreichen und die weitere und endgültige Erfüllung jener alttestamentlichen Verheißung aus Jesaja 7,14 hervorheben.

Der Evangelist Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit”. Johannes (der Täufer) zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich” (Joh 1,1.14-15)…

Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist (Joh 1,34).

Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: Anfang des Evangeliums Jesu Christi (des Sohnes Gottes).

Weitere Bibelstellen zum göttlichen Ursprung von Jesus Christus: vgl. Ps 110,1 mit Mt 22,42; Joh 8,58; 20,28; 1Joh 5,20; vgl. Ps 2,7 und 2Sam 7,14 mit Hebr 1,3-5ff; Röm 9,5.

In den folgenden Abschnitten unserer Bibelstudien wollen wir die verschiedenen Details der Menschwerdung und Geburt von Jesus zeitlich-chronologisch betrachten und zwar in dem historischen, geographischen und kulturellen Umfeld der damaligen Zeit.

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Gott spricht zu Josef im Traum

1.3 Gott spricht zu Josef im Traum

            (Bibeltext: Mt 1,18-25)

Gott sucht sich einen Mann namens Josef, als Adoptivvater für seinen Mensch gewordenen Sohn. Josef,- der Name bedeutet: Gott möge hinzufügen. Der Evangelist Markus und der Apostel Paulus erwähnen Josef nicht. Es könnte sein, dass der Evangelist Matthäus seine Information über Josef von Jakobus, dem Bruder von Jesus erhielt. Der Evangelist Lukas könnte Jakobus selbst befragt haben. Josef übernimmt die Fürsorgepflicht und die Verantwortung für die leibliche und materielle Versorgung von Jesus.Josef stammt vom Haus Davids ab, hat aber irgendwann die Heimatstadt Bethlehem wahrscheinlich aus beruflichen Gründen verlassen. So wohnt und arbeitet er in Nazaret, einer Kleinstadt im südlichen Galiläa. Schätzungen gehen von 200-2000 Einwohner (Malina spricht sich für 200 Einw. aus Malina 2003, 7).

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Abbildung 7 Die arabisch-christliche Stadt Nazaret in Südgaliläa ist bis heute weltbekannter Pilgerort für viele Menschen, die aus aller Welt nach Israel kommen. Damals lebte Josef hier und arbeitete als Häusererbauer (Foto:  Juli 1994).

In Nazaret geht Josef seinem Beruf nach und baut Häuser (Mt 13,55;  Mk 6,3).

Der griechische Begriff für diesen Beruf ist `τέκτων tektön`, einer der Häuser baut. Die Wortwurzel ist noch im deutschen “Archi-tekt” herauszuhören. Ludwig Schneller, lebte und arbeitete Ende des 19. Jh. in Bethlehem und weist daraufhin, dass die Bewohner Bethlehems unter anderem gute Meister im Häuser bauen waren. Er nimmt an, dass es in Bethlehem nicht genug Arbeit gab und Josef mit anderen Berufskollegen außerhalb Bethlehems Arbeit suchte (Schneller 1890, 58ff). Die europäische/nordatlantische Vorstellung, dass er Zimmermann war und mit Holz arbeitete, ist vor dem Hintergrund des Waldreichtums in Nordeuropa zu sehen. Zur Zeit Luthers baute man Häuser zum größten Teil aus Holz. In Palästina gab es allerdings schon im Altertum wenige Wälder und damit wenig Holz. Schon König David und dessen Sohn Salomo ließen Holz aus dem Libanon für den Bau des Tempels in Jerusalem importieren (1Kön 5,15).

Josef wird von den Evangelisten Matthäus und Lukas als `δίκαιος – dikaios` gerecht charakterisiert (Mt 1,19; Lk 1,27). Gerecht bedeutet im Neuen Testament grundsätzlich: dem Standard, Willen und Charakter Gottes entsprechend. Hier dürfen wir wenigstens feststellen: Josef lebt in einer aufrichtigen Beziehung zu Gott. Maria ist mit ihm verlobt, und sie warten auf den geeigneten oder auch schon bestimmten Termin für ihre Hochzeit. Die Partnerwahl und dann die Verlobung wurden meistens durch die Eltern vermittelt. Der Begriff Hochzeit oder Heirat, griechisch `γάμος – gamos`, kommt zwar in diesen Texten nicht vor, wird aber umschrieben mit: `συνελθείν – synelthein` zusammenkommen; andere Übersetzer weniger passend: heimholen. Der Satz: „ehe sie zusammengekommen waren” (Mt 1,18) lässt sogar die Vermutung zu, dass der Hochzeitstermin schon feststeht. Dem Evangelisten Matthäus liegt viel daran zu betonen, dass die Schwangerschaft ohne Zutun des Josef zustande kam.

Gerecht in diesem Zusammenhang bedeutet für einen jüdischen Mann auch: er löst die Verlobung, um so dem Vater des Kindes die Möglichkeit zur Heirat zu geben.

Es gibt nur eine Möglichkeit, wie Josef von der Schwangerschaft Marias erfährt. Nur sie selbst kann es ihm gesagt haben. Es entsteht der Eindruck, dass er ihr erst nicht glaubt und sie entlassen will, natürlich ohne Aufsehen und ohne sie bloß zu stellen (Mt 1,19). „Eine Verlobung aufzulösen, wurde wie eine Scheidung betrachtet = eine rechtlich wirksame Entlassung geschah meist schriftlich. Hier wird deutlich, dass Josef wirklich eine ehrenwerte Persönlichkeit ist. Nach dem Gesetz hätte Maria bei ungenauer Untersuchung des Falles im Extremfall die Todesstrafe durch Steinigung gedroht (5Mose 22,20-27). Im 1. Jahrhundert wurde allerdings dieses Extrem meist vermieden“ (Strack 1982, 45f). Josef hat das Recht Maria anzuzeigen, da sie seine Verlobte ist. In dieser für Josef und Maria schwierigen Situation greift Gott ein. Ein Engel erscheint Josef im Traum und nimmt ihm Furcht und Zweifel:

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau zu dir zu nehmen, denn das in ihr gezeugte ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden (Mt 1,20b-21). Mehrfach offenbarten sich Gott Josef  durch Engel im Traum: Mt 1,20. 24; 2,13. 19.

Gut möglich, dass derselbe Engel Gabriel auch die Botschaft für Josef überbrachte. Auch Josef wird beauftragt, dem Kind den Namen Jesus zu geben. Josef, vom Schlaf erwacht, ändert sofort seine Einstellung und Meinung in Bezug auf Maria, seine Frau. Vom Engel wird Maria zu diesem Zeitpunkt die Frau von Josef genannt (Mt 1,20). Diese Bezeichnung für eine Verlobte entspricht der Aussage in 5Mose 22,24. „Niemand konnte ihnen etwas tun, da Josef das Kind Jesus legitimiert hatte, indem er Maria geheiratet und ihren Sohn adoptiert hatte“ (Thiede 2006, 67).

Er zeigt sofortigen Gehorsam dem Wort des Herrn gegenüber.

Josef aber, vom Schlaf erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich (Mt 1,25a).

Für Matthäus war noch wichtig zu betonen, dass Josef seine Frau nicht erkannte, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte (Mt 1,25b). Das Verb „erkannte“ `εγίνωσκεν eginösken` meint auf dem Gebiet der Ehe den Geschlechtsverkehr, das Ein-Fleisch-Werden. Vielleicht hat Matthäus dies deswegen betont, damit bei den Lesern keine unnötigen Fragen oder Zweifel in Bezug auf die übernatürliche Schwangerschaft der Maria aufkommen – zwei Menschen mit einem großen Geheimnis! Es sieht nicht danach aus, dass sie das Erlebte nun allen erzählt hätten. Denn auch später herrscht die Meinung, dass Jesus der Sohn Josefs ist. In Lukas 3,23 (auch Joh 1,45; 6,42) heißt es:

Und er selbst, Jesus, …war, wie man meinte, ein Sohn des Josef.

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26. Frage: Ist dieser nicht der Zimmermann Sohn der Maria?

Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Wundertaten geschehen durch seine Hände? Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?“ (Mk 6,1-3).

Die vollmächtige Verkündigung von Jesus in seiner Vaterstadt erregt großes Aufsehen bei den Bewohnern von Nazaret. Nach dem ausführlicheren Parallelbericht des Lukas sind sie zunächst begeistert von dem Sohn ihrer Stadt (Lk 4,22). Doch nachdem Jesus auf ihre wahre Herzenseinstellung zu sprechen kommt, wechselt die anfängliche Euphorie bald in offene Ablehnung.

Durch ihre Fragen erhalten wir wertvolle Informationen über den Beruf von Jesus und seine Familie, Die gr. Berufsbezeichnung `tektonos` schließt zwar die Holzarbeiten mit ein, doch wäre sie mit `Baumeister` vollständiger übersetzt. Diesen Beruf erlernte er von Josef. Man kennt Jesus in Nazaret als den Sohn Josefs (Lk 4,22) und Sohn von Maria. Das Geheimnis der Menschwerdung ist ihnen jedoch nicht bekannt. Er hat vier weitere namentlich genannte Brüder und mindestens zwei Schwestern, die nach wie vor in Nazaret wohnen.

In den Fragen der Nazarener schwingt Unzufriedenheit und Missgunst mit. Ihre ablehnende Haltung gegen Jesus wird durch die Bemerkung verstärkt: „Und sie ärgerten sich an ihm.“ (Mk 6,4). Jesus wurde für sie zum Anstoß, denn was er sagt, passt ihnen nicht. Darauf antwortet Jesus mit einer Feststellung:„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in seinem Hause.“ Diese Feststellung entspricht der uralten Verhaltensweise des Menschen (1Mose 3,1ff).  Ähnliche Ablehnung erfuhren auch die Propheten Mose und Elia.   Wundert es uns, wenn auch wir heute ähnliche Erfahrungen machen? Man hört und achtet eher auf eine fremde oder weniger bekannte Stimme als auf die vertraute Stimme des von Gott gesandten Propheten Jesus Christus. Dieses Verhalten nennt Jesus Unglauben. „Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte. Und er wunderte sich über ihren Unglauben.“ (Mk 6,5-6).

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