Warum musste Johannes der Täufer sterben?

7.3 Der Tod Johannes des Täufers

(Bibeltexte: Mt 14,6-12;  Mk 6,21-29)

 

Die Geburtstagsparty des Herodes Antipas wurde zum Todestag für Johannes den Täufer – welch eine Ironie! Herodes Antipas bekam die Herrschaft über Galiläa und Peräa und trug den Titel „Tetrarch“ Vierfürst, da er nur etwa den vierten Teil des Herrschaftsgebietes seines Vaters zugeteilt bekam. Wenn er gelegentlich mit dem hohen Titel König bezeichnet wird, so entsprach es keineswegs dem offiziellen römischen Standart (Lk 3,1ff), sondern eher dem Wunschdenken des Herrschers und seiner Anhänger. Manche Details aus dem Leben des Herodes’ sind uns vom jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius überliefert (Jüdische Altertümer 18).

Der Evangelist Markus schreibt:

Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein seine Tochter, die von Herodias, und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen der Eide und derer, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht abweisen. Und alsbald schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen, und das Mädchen gab’s seiner Mutter. Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. (Mk 6,21-29; vgl. mit Mt 14,6-12).

 

7.3.1 Der zeitliche Aspekt

Die Dienstzeit des Johannes kann in drei Perioden unterteilt werden.

Die erste Dienstperiode begommt mit dem Taufdienst am Jordan und geht bis zur Taufe von Jesus, verbumden mit dem öffentlichen Zeugnis über den Messias. Damit erreicht sein Dienst ihren Höhepunkt. Seine Aussagen über Jesus sind sein wichtigster und spezieller Auftrag, den er erfüllen sollte. Der Ap. Paulus unterstreicht dies in der Apostelgeschichte 13,25: „Als aber Johannes seinen Lauf (seinen Auftrag) erfüllte, sagte er: ich bin nicht der, den ihr vermutet …“. Die erste Dienstperiode könnte ein halbes Jahr gedauert haben, was dem Altersunterschied zu Jesus entspräche.

 

Die zweite Dienstperiode kann als die Periode des Abnehmens bezeichnet werden, wie er selber  sagte: „Jener (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30). Diese zweite Periode wird etwas weniger als ein Jahr (ca. zehn Monate) gedauert haben (Joh 3,23). Die erste Dienstperiode des Johannes (ein halbes Jahr) lehnt sich an den Altersunterschied zu Jesus an. Die zweite Dienstperiode des Johannes ist durch folgende Etappen im Paralleldienst von Jesus markiert. Wenn wir annehmen, dass Jesus etwa im Sommer des Jahres 29 n. Chr. getauft wurde, ging er nach sieben Wochen nach Galiläa, begann seinen Dienst und ging zum nächsten Passa (30 n. Chr.) hinauf nach Jerusalem (Joh 2-3). Danach ging er an den Jordan (Joh 4,1ff). Erst in dieser Zeit wird Johannes gefangen genommen (vgl. Joh 3,24 mit 4,3) und Jesus begibt sich wieder und nun schon zum zweiten Mal nach Galiläa, diesmal über Samarien. Dies geschah etwa Ende Mai, Anfang Juni des Jahres 30 n. Chr. (Joh 4,35). Daher lässt sich die zweite Dienstperiode des Johannes auf etwa zehn Monate berechnen.

 

Den dritten Abschnitt seines Dienstes, der mit etwa 1 ¾ Jahre auch der längste ist, verbringt er im Gefängnis. So fixieren wir den Tod des Johannes auf die Vorpassazeit des Jahres 32 n. Chr. (vgl. Joh 6,1ff mit Mt 14,12.13ff). Diese Zeitangabe ist ziemlich sicher, wenn angenommen wird, dass das nicht namentlich genannte Fest der Juden in Johannes 5,1 ein Passafest war.

Demnach dauerte die gesamte Dienstzeit des Täufers etwas mehr als drei Jahre.

 

7.3.2 Wo starb Johannes der Täufer?

Es kommen hauptsächlich drei Orte in Betracht. Sowohl Herodes der Große als auch sein Sohn Herodes Antipas hielten sich selten an einem Ort lange auf. Sephoris (etwa 6 km NNW von Nazaret) war die eigentliche Residenz des Vierfürsten. Die Stadt Tiberias am See Genesaret benutzte er als Winterresidenz wegen des milden Klimas. Auch die Landschaft Peräa gehörte zu seinem Herrschaftsgebiet, sie lag östlich des Jordan, gegenüber Jericho und erstreckte sich bis etwa zur Mitte des Ostufers vom Toten Meer. Im Süden grenzte Peräa an das Nabatäerreich. In Grenznähe lag die Festung Machärus. Welche Gründe sprechen für den Aufenthalt des Johannes im Gebiet von Peräa und welche für einen Gefängnisaufenthalt in Galiläa?

  1. Für Galiläa (Sephoris) spräche, dass hier die Hauptresidenz war. Dort konnte Herodes Antipas mit voller Macht und Pracht die große Geburtstagsfeier ausrichten, zu der er alle seine Großen einlud. Dort kann man sich die Anwesenheit von Herodias mit ihrer Tochter als selbstverständlich vorstellen. Was für die abgelegene Festung Machärus nicht so einfach gewesen wäre.
  2. Für Machärus spräche, dass Johannes am Ostufer des Jordan, also in Peräa mit seiner Tauftätigkeit begann und sie später in der Jordangegend fortsetzte. Also eine Tätigkeit oder Aufenthalt in Galiläa nicht ausdrücklich bezeugt ist. Da das Grenzgebiet zu den Nabatäern unruhig war musste Herodes sich oft in jener Gegend aufhalten.
  3. Für Tiberias, der Winterresidenz des Herrschers spräche, dass Johannes einige Wochen vor dem Passafest (also Februar) enthauptet wurde. In dieser Zeit konnte sich Herodes dort aufgehalten haben.

Wir ziehen das Gebiet von Galiläa (Sephoris oder Tiberias) aus volgenden Gründen der Festung Machärus vor. Der Ev. Markus betont, dass Herodes alle seine Edlen (die Großen, die Hauptleute und die Ersten von Galiläa) zu seinem Fest einlud (Mk 6,21). Für die meisten bedeutete dies höchstens eine Tagereise. Die gesamte Elite von Galiläa nach Machärus (4-5 Tagereisen) einzuladen wäre wesentlich komplizierter gewesen. Dazu noch im Grenzgebiet zum verfeindeten Nabatäerreich ein großes Fest zu veranstalten scheint nicht so richtig zu passen.

 

Das Reich nach Herodes dem Großen

 

Herodes Archelaus, nach 6 Provinz Judäa

Herodes Antipas

Herod Philip II

Salome I. (Jabneh, Azotas, Phaesalis)

Römische Provinz Syria

Unabhängige Städte (Dekapolis)

 

7.3.3 Was war der Auslöser für den Tod von Johannes?

Herodes lebt eine ungesetzliche Beziehung öffentlich aus. Diese Beziehung kann nicht als eine legitime Ehe bezeichnet werden, es war eher eine Ehebruchsbeziehung. Herodias war die Ehefrau von Philippus, dem Halbbruder des Herodes Antipas, der in Rom lebt. Herodes warb ihm dessen Frau anlässlich eines Rombesuchs ab. Herodias brachte dann ihre Tochter Salome in diese neue Beziehung mit.

Herodes ruft häufiger Johannes zu sich, um ihn zu hören. Dabei kommt auch das Thema „Ehe“ zur Sprache. Johannes schmeichelt seinem Fürsten nicht, sondern tadelt dessen unverantwortlichen Lebensstil. Da am Fürstenhof kaum etwas verborgen bleibt, kommt dieser Gesprächsinhalt Herodias zu Ohren. Sie kann keine Kritik in dieser Hinsicht vertragen und entschließt sich das Problem nach der Sitte ihres Standes aus der Welt zu schaffen: das Todesurteil für Johannes wird beschlossen (Mk 6,19). Doch Johannes steht noch unter dem direkten Schutz ihres Lebenspartners. Herodes ist hin und her gerissen – die Texte lassen uns diese Labilität deutlich erkennen:

  • Er fürchtete (Ehrfurcht) Johannes, wissend, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Auch rief er ihn oftmals und hörte ihn gern,
  • Er hätte ihn gern getötet, fürchtete jedoch das Volk (Mt 14,5),
  • Er war traurig über die Forderung seiner Stieftochter (Mt 14,9).

Die Unentschlossenheit des Herodes ist Teil des Plans der Herodias zur Beseitigung des unbequemen ‚Moralapostels’ Johannes.

In der fortgeschrittenen Feststimmung macht Herodes eine gefährliche Aussage, bzw. ein Versprechen an die tanzende Tochter der Herodias: Bitte von mir, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreichs, ich will es dir geben (Mk 6,22-23). Das Versprechen war mit einem Eid bekräftigt worden und deshalb sah Herodes sich gebunden, sein Wort zu halten. Ungewöhnlich, wenn man seine Wankelmütigkeit im Vorfeld betrachtet! Jetzt zeigt er Charakterstärke, er will das Mädchen nicht enttäuschen. War er so verblendet, dass er die Intrige der Herodias nicht mehr durchschauen konnte? Ja, Sünde macht blind und schwach. Menschengunst tritt ins Zentrum und Gottesfurcht in den Hintergrund. Die Festgesellschaft des Herodes lässt sich die reichhaltigen Speisen und Getränke, natürlich auch Wein – gut schmecken. Angeheitert lassen sie sich durch Tänzerinnen weiter aufreizen. Meist haben diese Tänzerinnen keinen besonders guten Ruf – oft sind sie Sklavinnen. Der Auftritt eines Mitglieds des königlichen Hauses bei solch einem Fest ist ungewöhnlich – wir kommen nicht umhin zu vermuten, dass es sich um ein abgesprochenes „Spiel“ handelt.

Hätte Herodes sich von seiner unter Eid ausgesprochenen Zusage an das Mädchen wieder lösen können, oder war er total gebunden? Der Ev. Markus macht in seinem ergänzenden Bericht deutlich, dass das Mädchen hinausging um ihre Mutter zu fragen, worum sie bitten soll. Dieser Tatbestand wäre für Herodes ein legitimer Grund gewesen, sein Versprechen unter Eid aufzulösen. Sein Angebot um etwas zu bitten galt dem Mädchen, nicht ihrer Mutter.

Fazit: der Buchstabe des Gesetzes: „Du sollst keinen falschen Eid tun und dem Herrn deine Eide einlösen(3Mose 19,12) kann wirklich töten. Doch ließe sich hier auch argumentieren, dass Herodes sein Versprechen (mit einem Eid bekräftigt) an das Mädchen gerichtet hat und nicht an Gott den Herrn. Auf jeden Fall entsprach das Töten eines unschuldigen Menschen wegen eines Eides, nicht dem Geist des Gottesgebotes.

Ein unüberlegtes Versprechen – wahrscheinlich im angetrunkenen Zustand – im Zusammenhang mit einer erotischen Darbietung führte Herodes in eine Falle. Wir werden später sehen, wie er gegen besseres Wissen, Jesus zu Pilatus zurückschickt, anstatt ihn frei zu lassen (was in seiner Vollmacht stand Lk 23,6-12).

Herodes schickt den Scharfrichter (gr. Spekulator) ins Gefängnis und lässt Johannes dort enthaupten. So rächt sich Herodias an Johannes. Und was sagt Gott dazu? Schweigt er? Schaut er tatenlos zu oder weg? Lässt er zu, dass seine Propheten auf solch grausame Weise ihr Leben verlieren? Was empfand Johannes, als er ahnungslos von einigen Soldaten niedergestreckt wurde? Viele, ja die meisten Fragen bleiben hier unbeantwortet. Das Leben eines Propheten geopfert für eine blutige „Party-Überraschung“ – doch auch hier gilt: Menschen sterben nach Gottes Willen – nicht wegen einer Partylaune.

Das heißt aber keineswegs, dass Gott tatenlos dem Treiben der ungerechten Herrscher zuschaut. Noch wenige Monate oder sogar Wochen vorher hatte sich Jesus klar und eindeutig vor dem Volk zu Johannes gestellt und seinen Freund mit einer persönlichen Botschaft ermutigt (Mt 11,4-19).

In all dem Schrecklichen ist der treue Dienst der Jünger des Täufers bemerkenswert, die auch im Gefängnis ihn besuchen, und nach seiner Enthauptung seinen Leichnam ehrenvoll begraben. Sie kommen später zu Jesus und berichten ihm das Geschehene (Mt 14,12). So starb Johannes der Täufer, der größte unter allen Propheten, der Glücklichste, weil er dem Messias den Weg vorbereiten konnte? Er sah das erlösende Lamm Gottes mit eigenen Augen und teilte mutig den Weg und das Los der Propheten: den Tod um des Reiches Gottes willen.

Fragen / Aufgaben:

  1. Johannes, der Täufer, in welche drei Perioden kann seine Dienstzeit eingeteilt werden?
  2. Wie lange hatten diese Dienstperioden gedauert?
  3. Nenne einige persönliche Details aus dem Leben von Herodes, seinem Privatleben, seine religiöse Einstellung, seiner Herrschaft, seinem Charakter.
  4. Was war der Anlass des Todes von Johannes?
  5. Wie verliefen die Festgelage in den Herrscherhäusern jener Zeit?
  6. Wie stand es mit einem Versprechen unter Eid in Israel?
  7. Konnte Herodes sich davon lösen? Hätte er anders handeln können?
  8. Skizziere die Linie des sündigen Lebens bei Herodes.
  9. Beschreibe die Haltung von Jesus zu Johannes vor und nach dessen Enthauptung?
  10. Wie war das Los der meisten Propheten und wie steht Gott dazu?
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Nazaret – ist Jesus zu Hause willkommen?

Jesus besucht seine Heimatstadt Nazaret

(Bibeltexte: Mt 13,53-58; Mk 6,1-6a; Lk 4,16-30)

 

Der Ev. Markus schreibt: „Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände?“ (Mk 6,1-2).

Abbildung 2 Die heutige Stadt Nazaret in Südgaliläa mit ihrer überwiegend arabisch-christlicher Bevölkerung ist Anziehungspunkt für die meisten Pilger, welche aus aller Welt nach Israel kommen (Foto: Juli 1994).

Alle drei Evangelisten berichten uns dieses Ereignis. Lukas berichtet ausführlich über diesen Besuch am Anfang seines Evangeliums. Die Berichte des Matthäus und Markus sind sehr kurz und ergänzen sich. Lukas dagegen berichtet uns auch vom Inhalt der Predigt und der Reaktion der Bewohner Nazarets. Markus ergänzt noch, dass die Jünger von Jesus mit dabei waren. Wir folgen hier jedoch der Chronologie des Markus, bei dem sich der Bericht über die Aussendung der Zwölf an den Besuch in Nazaret anschließt.

 

Die Zeit, die Umstände und Details des Besuches

Der Evangelist schreibt: „Und er ging von dort weg und kommt in seine Vaterstadt..“ Zeitlich könnte dies im Jahr 32 n. Chr. also etwas 2 ½ Jahre nach Beginn seines öffentlichen Auftretens gewesen sein. Der Evangelist Matthäus jedoch bettet das Geschehen in Nazaret in den Kontext der Gleichnisse über das anbrechende Königreich Gottes ein. Die bitteren Konsequenzen das anbrechende Königreich Gottes zu verpassen – weisen so auf eine Realität hin, die wir auch heute bedenken sollten.

Nach dem Abschluss der Predigten über das anbrechende Königreich verlässt Jesus die Region des Sees Genesaret und wandert nach Nazaret. Die fachlichen Rückschlüsse aus archäologischen Funden aus jener Zeit sind verwirrend, besonders in Bezug auf ein Gräberfeld. Man schätzt die Einwohnerzahl Nazarets daher von ca. 200 bis 500 bis auf 1600-2000 Einwohner.

Zu Beginn wollen wir einige allgemeine, aber doch interessante Details beachten:

  • Die synoptischen Evangelisten berichten nur von einem Besuch in Nazaret während der Dienstzeit von Jesus.
  • Als Geburtsort wird für Jesus, obwohl in Bethlehem geboren, offiziell Nazareth genannt `gr. πατρίδι patridi`  Vaterstadt Lk 4,23.24).
  • Lukas betont, dass Jesus dort erzogen worden war (Lk 4,16).
  • Hier erlernte er von Josef seinen Beruf als Bauhandwerker `gr. τεκτών tektön` Mk 6,3; Mt 13,55; LÜ: Zimmermann).
  • Jesus hielt sich in Nazaret einige Tage auf und wohnte mit aller Wahrscheinlichkeit  bei seinen dort wohnenden Verwandten: seiner Mutter Maria, seinen  leiblichen Brüdern (mutterseits) Jakobus, Josef (Joses), Simon und Judas und mehreren namentlich nicht genannten leiblichen Schwestern mutterseits (Mk 6,3). Die recht genaue Einheitsübersetzung offenbart ihre Nähe zur Lehre der katholischen Kirche über die ewige Jungfrau Maria in der Fußnote zu Mt 12,46: Die Worte »Bruder« und »Schwester« können nach hebräischem, aramäischen und griechischem Sprachgebrauch auch als Kurzbezeichnung für Verwandte im weiteren Sinn gebraucht werden (vgl. Gen 13,8; 14,14; 24,48; u.ö).

Wir können uns vorstellen, dass eine erwartungsvoll-festliche Stimmung im Ort herrscht, besonders bei seiner Mutter Maria. Endlich ist er, den sie schon mal in Kapernaum suchten und zurechtweisen wollten (Mk 3,21) nach Hause gekommen. Doch eine innere Beziehung zu seinen Brüdern ist nicht da – sie glauben nicht an ihn (Joh 7,3). Keine gute Voraussetzung für eine gute Aufnahme seines Dienstes in seiner Heimatstadt.

In Nazaret trifft Jesus auf eine spannungsvolle Enge, viele Vorurteile, Bestrebungen der Mächtigen und Einflussreichen und die „lieben“ Angehörigen – hinzukommt natürlich die erweiterte Sippe. Mittlerweile ist das Ansehen von Jesus erheblich angewachsen. Viele Wundertaten waren auch Gesprächsstoff in den Gassen Nazarets. Nochmals hat der Ort seine letzte große Chance seinen „Sohn“ als Rabbi, Propheten und noch mehr als Messias zu erleben. Wie wenig war noch bekannt von den Worten des Zacharias, der Hirten, des Simeon, der Hanna oder der Mutter Maria – der Sand der Zeit überdeckte die Worte von der göttlichen Herkunft.

 

Inhalt der Predigt in der Synagoge von Nazaret

Entsprechend seiner Gewohnheit geht Jesus am Sabbat in die Synagoge. Dieses Versammlungshaus ist ihm sehr vertraut, hatte er doch fast 30 Jahre in Nazaret verbracht. Dort legt Jesus das Wort am Sabbat seinen oft namentlich bekannten Mitbürgern aus – noch einmal haben sie die Chance seine Bestimmung zu erkennen. Rabbis, die auf Besuch in einer Stadt sind, werden nach der damaligen Sitte gerne eingeladen, nach den Schriftlesungen eine Ansprache an die Versammelten zu halten. Zum Lesen des Textes steht ein Jude auf – zur anschließenden Auslegung dagegen setzt er sich. Eine feste Ordnung der im Jahreskreis zu lesenden Texte gibt es zurzeit von Jesus noch nicht. Wahrscheinlich entschied der `uphre,thj ypēpetēs` (hebr. Chazan) Synagogendiener aus welcher Rolle gelesen wurde. Jesus nahm die Schriftrolle in Empfang und rollte sie bis zur gewünschten Schriftstelle ab. Dann liest er Jes 61,1-2 in der Israels Zukunft mit dem Bild des Jubel- oder Erlassjahres aus 3. Mose 25 beschrieben wird (Keener 1998,320):

 

Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN“ (Jesaja 61,1-2).

Viele Theologen gehen davon aus, dass das Jesajabuch aus drei verschiedenen Zeiträumen stamme. Jesus habe dann einen Text des Trito-Jesaja (Kap 56-66) gelesen. Wir haben den Eindruck, dass Jesus diese Rolle als Einheit verstand und auslegte. Im Judentum gibt es keinen Hinweis auf diese drei unterschiedlichen Quellen.

Einige Details zum Kontext der Predigt:

  • Die Bewohner Nazarets hatten Erwartungen an ihn „Denn wie große Dinge haben wir gehört, die in Kapernaum geschehen sind! Tu` so auch hier in deiner Vaterstadt“ (Lk 4,23).
  • Es gibt keine besonderen Privilegien für die Bewohner Nazarets, höchstens eine größere Verantwortung. Es fällt geradezu auf, dass Jesus keineswegs versucht sich bei seinen Verwandten oder Heimatgenossen einzuschmeicheln, oder gar sie besonders privilegiert zu behandeln.
  • Die Verwunderung bei den Bewohnern Nazarets über die Weisheit und Wunder von Jesus macht indirekt deutlich, dass Jesus vor seinem Dienstbeginn in Nazaret keine Wunder oder Zeichen wirkte.

 

Einige Hinweise auf inhaltliche Aspekte:

Das angenehme Jahr des Herrn Mt 4,19; Jes 61,1ff; 3Mo 25,8ff wird auch als Erlassjahr, Halljahr oder Jobeljahr bezeichnet. Das Jobeljahr hat seinen alttestamentlichen Namen von dem Widderhorn (hebr. jôbel), durch dessen Blasen es eröffnet wurde. Im Lateinischen wurde daraus neben der unübersetzten Form iobeleus (so die Vulgata) später das ähnlich klingende Wort iubilaeus, das an iubilare „jubeln“ denken lässt. Davon sind dann „Jubiläum“ und „Jubeljahr“ abgeleitet. Luther, der wieder auf den „Hall“ der – wie er übersetzte – „Posaune“ zurückgeht, nannte das Jobeljahr „Halljahr“ (Kessler, 2009). Das Erlassjahr gehört zur sozialen und wirtschaftlichen Ordnung, die der Bundesgott seinem Volk befahl. Im Jahr nach 7 Sabbatjahren (7×7 + 1= 50Jahren) soll Grundbesitz und der Status der Sklaven wieder in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt werden. Hier wird Gottes Anspruch deutlich, d.h. Gott verfügt letztlich über Menschen und Land. Darum ist die Verfügungsgewalt des Mitmenschen über Grundstücke und Personen zeitlich begrenzt. Interessant ist hier, dass Jesus sich nur auf die Freiheit von Menschen bezieht. Die Verfügung über den Landbesitz erwähnt er nicht. Während das siebenjährliche Brach- und Erlassjahr in der Kulturgeschichte des Gottesvolkes eine wichtige Rolle spielt, haben wir in Bezug auf das Jobeljahr in der jüdischen Sozialgeschichte der persischen, hellenistischen und römischen Zeit keine Hinweise (Kessler, 2009). Darum sind wir unsicher ob der Brauch des Erlassjahres zurzeit von Jesus noch praktisch umgesetzt wurde. Doch hier in der Synagoge von Nazaret ruft Jesus dieses Erlassjahr aus. Die Aussage über das unmittelbar bevorstehende Hereinbrechen des Verheißenen markiert Jesus deutlich mit dem Wort sh,meron sēmeron heute! Dieses Wort ist der Auslöser für die immer deutlicher werdende Ablehnung von Jesus. Durch seine Person sind die ursprünglichen Absichten Gottes voll zur Entfaltung gekommen (3Mo 25; Jes 61,1ff). Die angesprochenen Inhalte des Erlassjahres sind:

  • Armen/Bettlern gute Botschaft zu bringen
  • Gefangenen Entlassung/Freilassung zu predigen. In Lukas 4,18 steht der griechische Begriff  `aivvcma,lwtoj aichmalötos  – Kriegsgefangener
  • Blinden das Augenlicht wieder herstellen
  • Gebrochene (Misshandelte, Unterdrückte) befreien, entlassen, freilassen;

Jesus weist in seiner prophetischen Rückschau auf Ereignisse während der Dienstzeit der Propheten Elia und Elisa hin. Damals gab es in Israel viele Witwen und viele Aussätzige, doch nur eine heidnische Witwe in Sarepta bei Sidon bekam von Elia Besuch und erhielt die damit verbundenen Segnungen (Speise und die Rückkehr ihres Sohns aus dem Tod). So wurde auch von den vielen Aussätzigen in Israel nur Naeman aus dem heidnischen Syrien gesund. Jesus gibt damit einen deutlichen Hinweis, dass das große Erlassjahr mit all seinen Segnungen Heiden mit einschließt und ungläubige Juden ausschließt.

 

Die Reaktion der Nazarener auf die Predigt von Jesus

Die Andeutung in seiner Predigt wird von den Bewohnern Nazarets sofort verstanden. Ihr anfängliches Verwundern und Staunen (Mt 13,54) weicht nach diesen Worten der Abneigung gegenüber Jesus, ja sogar Ärger und Zorn kommen auf. In Mt 13,57 finden wir das griechische Wort `skandali,zw skandalizö`. Ja das war ein Skandal, der die Bewohner ärgerte, schockierte und sogar in Wut versetzte. Seine Worte lösen ein Erstaunen aus – doch hier in Nazaret ist es ein Erstaunen des Unglaubens über den Sohn der Maria, den Sohn eines örtlich bekannten Bauhandwerkers. Hier ist die Bibelübersetzung das buch von Roland Werner recht präzis. Im 5 km entfernten griechischen Nachbarort Sepphoris (Hauptstadt Galiläas) wurden in dieser Zeit nach einer Brandschatzung durch die Römer viele Gebäude neu errichtet. Hier haben die Bauhandwerker wie Josef aus Nazaret wahrscheinlich viele Aufträge erhalten. Jesus war als Heranwachsender sicher oft in diesem Ort und kannte wohl auch die griechische Sprache.

 

Abbildung 3 Auf der Zeichnung sind alle in den Evangelien genannten Familienmitglieder von Josef und Maria anonym dargestellt. Auch die Aufgabenteilung könnte dem Alltag der Familie sehr nahe kommen (Zeichnung von Joela Schüle am 6. Oktober 2018).

In Matthäus13,55 sagen die Leute aus Nazaret verärgert über Jesus:  „Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns (Bauhandwerker) Heißt nicht seine Mutter Maria? Und seine Brüder: Jakobus und Josef, Simon und Judas? Und seine Schwestern (im Plural), sind sie nicht alle bei uns? Und sie ärgerten sich über ihn.“ Für die Mitbewohner ist Jesus in der Zeit vor seinem Auftreten nicht sonderlich aufgefallen. Er war einer unter seinen Geschwistern.

Am Ende staunt auch Jesus, allerdings über ihren Unglauben. In ihrem Verstehenshorizont sind die Weisheit und die Kraft zu den berichteten Wundertaten unerklärbar. Damals wie heute lehnen Zuhörer unerklärbare Zusammenhänge schnell und vehement ab. Die Weisheit können sie bei der Wortauslegung erkennen – doch die Kraft zu Heilungen bleibt den meisten verborgen – bleibt für sie nur eine Nachricht vom Hörensagen. Doch beides ist unerklärlich – dieser Sohn des Ortes hatte schließlich keine weiterführende Ausbildung genossen – er kam doch wie alle auch nur aus Nazaret.

Das Ergebnis dieses Besuches fällt sehr ernüchternd aus: Nur wenige Bewohner Nazarets schenken ihr Vertrauen Jesus, die meisten schließen sich dem zornerfüllten Mob an. Diese Menschen sind so verhärtet, dass ihr Ärger in offenen Zorn übergeht und sie beschließen Jesus umzubringen. Das Haus der Versammlung, der Schriftlesung und des Gebetes wird zu einem Haus in dem ein Mord geplant wird. Ein wütender Mob rennt aus der Synagoge und versucht ihn von einer Klippe zu stürzen (Lk 4,29). Heute führt in Nazaret ein so genannter Jesus-Trail zum Berg Kedumim, von wo aus man eine gute Aussicht über das Jesreel-Tal hat. Auch: Mount Precipice / precipitation, arab. Jabal qafzeh, hebr. har haqafizeh.

Der Glaube ist zwar oft nicht die Voraussetzung einer erfahrenen Heilung – doch wenigstens soviel kann man hier aussagen: Der Unglaube ist ein wesentliches Hindernis die Kraft von Jesus im eigenen Leben und Leib zu erfahren. Dass man Jesus hier so genau „kennt“, dass man meint über seine Familie Bescheid zu wissen, macht es den Menschen hier „unmöglich“ zu glauben. Offenbar gehört zu dem Menschen, der Gottes Wort ausrichten will und soll, eine gewisse Fremdheit; man will und soll gar nicht so viel über ihn wissen. Wer zu viel weiß, neigt dazu, den Boten Gottes kleiner zu machen, als er ist. Ist das der Grund dafür, weshalb wir im Johannesevangelium und bei Paulus so wenig Persönliches und Biografisches über Jesus erfahren (Berger 2004, 429)?  Hinzu können wir wohl eine Spur von Neid in den Worten: „Ist er denn nicht…“ Mk 6,3 erkennen. Der Unterton könnte sein: „Was macht er auch sich selbst“ (Joh 8,53?

Übrigens wird hier nur Maria als Mutter erwähnt – in einer Gesellschaft, in der Männer im Zentrum aller Überlegungen stehen, ist es schon ungewöhnlich. Die meisten Ausleger schließen aus dieser Lücke, dass Josef schon länger verstorben war. Seine schlichte Herkunft sagt in den Augen der Bürger Nazarets mehr aus, als alle anderen Weisheiten oder Berichte – im Sinne von: „… wir kennen ihn schon länger! Uns macht keiner was vor!“ Nun ist das „Sich wundern“ auf der Seite von Jesus zu finden. Er weist auf den allezeit gültigen Umstand hin, dass ein Prophet überall Ehre, Respekt und Echo erwarten kann, nur nicht in seinem Heimatort. Allerdings dürfen wir wenigstens in Bezug auf seine leiblichen Brüder in die Zukunft schauen: später erkennen sie ihren Bruder als den Messiaskönig und Retter (Apg 1,14). Das Thema des verfolgten, in seiner Heimat abgelehnten Propheten ist im Judentum gut bekannt und eng mit dem Propheten Jeremia verknüpft (Jer 1,1; 11,21-23.

Am Ende des Berichtes steht Jesus mit seinem Heilsangebot den Erwartungen der Bewohner Nazarets sehr konträr gegenüber. Die Reaktion in Nazaret ist aggressiv: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche. Lukas lässt die Begebenheit mit dem Hinweis enden, dass Jesus nach dem Herauswurf umkehrt und „…mitten durch sie hinweg ging.“ War es seine ruhige und hier wohl auch majestätische Reaktion, die seine potentiellen Mörder erstarren ließ?

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welcher Phase seines Dienstes besuchte Jesus Nazaret?
  2. Wie bewertest du den Besuch in Nazaret – warum ging Jesus dorthin?
  3. Beschreibe die Haltung der Verwandten von Jesus.
  4. Bewerte den Inhalt der Predigt von Jesus in der Synagoge von Nazaret.
  5. Was war das Ergebnis seines Besuches in Nazaret?
  6. Entdecken wir die Gefahr beim Sprechen/Singen über Jesus, wenn wir uns Jesus in verschiedenster Weise distanzlos als „Bruder“ oder gar als „Kumpel“ andienen?
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Die TAUFE im Wasser

Eine Bibelstudie über die Taufe, wie sie die Jünger von Jesus gelehrt

und praktiziert haben

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Abbildung 1 Der Jordan etwa 8-9 Kilometer nördlich des Toten Meeres ist hier zu dieser Jahreszeit nur etwa 8-9 Meter breit und bildet die Grenze zwischen Israel (Palästina) und Jordanien (Foto: 7. November 2014).

 

Abbildung 2 Blick über den Jordan zum Ostufer hin, wo die eigentliche Taufstelle, bei der auch Jesus von Johannes getauft wurde, vermutet wird (Foto: 24. Januar 2019).

Inhalt: Paul Schüle

Fotos: Paul Schüle und Vladimir Auinger

  1. Auflage: 1. Juli 2019

Abbildung 3 Überreste von mehreren antiken christlichen Kirchen am Ostufer des Jordan in unmittelbarer Nähe der vermuteten Taufstelle bei Betanien. Die Treppen führten damals zum Fluss hinab. Trotz der Nähe zum Fluss, wurden auch in diesen Kirchen Taufbecken eingebaut. Damit waren Taufen unabhängig von der Jahreszeit und dem Wasserstand des Jordans möglich. Dazu kam, dass die Kirchen und Baptisterien mit sauberem Quellwasser des Wadi El Kharrar gespeist wurden (Foto am 7. November 2014).

Johannes der Täufer setzte seine Tauftätigkeit noch etwa ein ¾ Jahr nach der Taufe Jesu fort, er blieb dabei nicht an einer Stelle, sondern wechselte die Orte an denen er taufte und predigte.

Abbildung 4 Der Jordan in seinem Lauf oberhalb der Mündung des Flusses Jarmuk. Diese Taufstelle wurde für christliche Pilger eingerichtet, weil der Zugang zur eigentlichen und ursprünglichen Taufstelle viele Jahre militärisches Sperrgebiet zwischen Israel und Jordanien war (Foto am 14. Juni 2016).

Von Johannes dem Täufer schreibt der Evangelist Lukas:Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden(Lk 3,3). Auch der Evangelist Johannes schreibt:  Johannes aber taufte auch noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen.“ (Joh 3,23).und predigte.

 

Einleitung

Die Fragen zur christlichen Taufe waren und bleiben immer aktuell. Dieser Schritt des Gehorsams wird in allen christlichen Kirchen und Gemeinden praktiziert. In dieser Bibelstudie soll neben der äußeren Form, besonders auf den Inhalt, bzw. die Bedeutung der christlichen Taufe eingegangen werden.

Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte mit  folgenden Worten ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!” (Mt 3,13-16).

In sieben Abschnitten soll hier das Thema `Taufe` erläutert werden.

 

 

A.   Die Taufe von Jesus im Jordan und ihre Bedeutung

 

  1. Jesus war knapp dreißig Jahre alt, als er sich von Johannes im Jordan taufen ließ

Der Ev. Lukas beziffert das Alter von Jesus zu Beginn seines Dienstes mit ´ungefähr oder knapp dreißig Jahren´, Johannes der Täufer (sein Verwandter mütterlicherseits) war sechs Monate älter (Lk 1,26). Er hat also seinen Dienst nach dem Befehl Gottes auch mit etwa dreißig Jahren begonnen. Dieses Alter entspricht der Anordnung Gottes für den Beginn der amtlichen Priesterdienste in Israel (4Mose 4,1-47). Dass Jesus von einem Priestersohn, der dazu noch von Gott autorisiert war, getauft wird, ist auffallend, aber auch angemessen. Auch Jesus, der wahre Hohepriester und Mittler des Neuen Bundes, beginnt seinen Dienst in einem von Gott für die Priester vorgeschriebenem Alter. Die angesprochene Taufstelle befindet sich ungefähr 8-9 Kilometer nördlich des Toten Meeres bei Bethanien (Joh 1,28; 3,26) am Ostufer des Jordan und liegt ungefähr 380 Meter unter NN.

 

  1. Die Taufe von Jesus im Jordan und die anschließende Bevollmächtigung

Auffallend ist, dass die Taufe von Jesus, seine  Ausrüstung mit dem Heiligen Geist und die Bestätigung durch seinen Vater aus dem Himmel, nicht auf einer Höhe (Jerusalem, Tempelberg) stattfindet, sondern an dem tiefsten Punkt unserer Erde. „Er erniedrigte sich selbst“, trifft somit auch hier bei den äußerlichen Umständen zu.

 

  1. Jesus ist im Wasser des Jordan voll untergetaucht worden

Sowohl der Ev. Matthäus als auch der Ev. Markus berichten, dass Jesus nach der Taufe aus dem Wasser heraufgestiegen sei. Das griechische Verb `βαπτίζω baptiz÷` bedeutet eintauchen, untertauchen, im Wasser begraben werden. Wir lesen zum Beispiel in 2Könige 5,14 „Da stieg er (Naeman) ab und tauchte unter (εβαπτίσατο ebaptisato) im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte.“

Anmerkung: Dieser Begriff wird aber auch für rituelle Waschungen ohne untertauchen verwendet.

 

  1. Mit dieser Taufe ordnet sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter

Als Einziger ohne Sünde stellt Jesus sich auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen. Das ist ungewöhnlich, denn der Mensch strebt immer nach Aufsteigen.

 

  1. Die Wassertaufe  – Symbol für seinen Tod und seine Auferstehung

Damit deutet Jesus bereits zu Beginn seines Dienstes das Ende, bzw. das Ziel seines Lebens an. Wie auch in allen anderen Bereichen, ist Jesus damit für seine Nachfolger Vorbild und  Beispiel.

 

B.   Die verschiedenen Taufen im Neuen Testament

 

  1. Die ´Taufe des Johannes´ oder auch ´Taufe zur Buße´ genannt

Diese Taufe praktizierte Johannes der Täufer auf Befehl Gottes. Nicht nur die späteren Jünger von Jesus, sondern Jesus selbst wurde von Johannes getauft (Joh 1,37; Mt 3,14). Bei dieser Taufe wies Johannes auf den kommenden Messias hin (Mt 3,11). Diese Taufe wurde noch Jahre später, als sich die Gemeinde schon längst unter den Heiden ausgebreitet hatte, von einigen Johannesjüngern weiterhin praktiziert (Mk 1,4;  Mt 21,25;  Lk 3,3;  Apg 19,1ff).

  1. Die `Taufe` mit der die Jünger Jesu tauften vor Pfingsten

Zu dieser Taufpraxis gibt es keinen deutlichen Hinweis, nur dass die Jünger im Auftrag von Jesus tauften (Joh 4,1ff). Sicher tauften sie die Menschen nach Einsicht und Umkehr auf den Namen von Jesus. Das waren dann Menschen, die im weiteren Sinne Jesus nachfolgten.

  1. Die ´Taufe auf den Namen des `Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes´

Von dieser Taufe schreibt der Apostel Paulus in Epheser 4,4-5, dass es die eine Taufe ist, welcher der  Glaube an Jesus, oder Bekehrung zu Gott immer vorausgeht (Mt 28,19;  Apg 2,38; 19,5). Allerdings finden wir in den Taufbeispielen der Jünger meistens die Kurzformel, nämlich `Auf den Namen Jesu`. Auf den Sinn und Bedeutung dieser Taufe gehen wir später detailliert ein.

  1. Die Taufe mit oder im Heiligen Geist

Johannes der Täufer sagte von Jesus voraus, dass dieser mit dem Heiligen Geist taufen wird (Mk 1,8; Joh 1,33; Apg 1,5; 2,1-3; Apg 2,38f; Apg 8,15-16; 10,44; 11,16; 19,1-5;  Röm 8,9;  Eph 1,13;  Tit 3,5).

  1. Die Taufe in den einen Körper (Leib von Christus)

Diese Taufe vollzieht sich in der Wiedergeburt eines Menschen. Es ist wie ein Eintauchen, eine Eingliederung in den Körper Christi, welcher ist die Gemeinde. „Denn in dem einen Geist sind wir alle in den einen Körper getauft: ob Juden oder Griechen, ob Sklaven oder Freie, wir sind alle mit dem einen Geist getränkt“ (1Kor 12,13).

  1. Die ´Leidenstaufe ´ von Jesus

Diese Taufe ist die schmerzlichste von allen, denn Jesus ist nicht symbolhaft, sondern real unter unendlich großen körperlichen und seelischen Schmerzen gestorben, als er die Schuld der ganzen Welt auf sich nahm (Mk 10,38;  Lk 12,50).

  1. Die ´rettende Taufe´

Noah und seine Familie wurden in der Arche durch das Wasser hindurch gerettet. Dieses Ereignis wird von Petrus als Vergleich oder Gegenbild unserer Rettung verwendet, so lesen wir in 1Petr 3,21: „Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

  1. Die ´Taufe mit dem Feuer´

Die ´Taufe mit Feuer´ wird (aufgrund von Matthäus 3,11-12 und Lukas 3,16) oft mit der ´Taufe des Heiligen Geistes´ gleichgesetzt. Doch dieser Zusammenhang wird von Jesus und den Aposteln nirgendwo im Neuen Testament bestätigt. Von den Gläubigen werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies sind Auswirkungen des Heiligen Geistes im Gläubigen, so Jesus in Johannes 7,38-39. Das Jesus mit Feuer taufen wird, ist eher ein Hinweis auf seinen richterlichen Dienst, der im Endgericht gipfelt wenn Er kommt um “in Feuerflammen, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus“, so Paulus in 2Thes 1,8; vgl. auch Mt 25,46;  Mt 3,11-12;  Lk 3,16;  Offb 19,20; 20,14.15).

  1. Die ´Taufe für die Toten´

Auf diese Art von Taufe (die nur in diesem Zusammenhang erwähnt wird) nimmt Paulus Bezug, als er den Korinthern die Realität der leiblichen Auferstehung erklärt (1Kor 15,29). Sie war niemals Bestandteil der Apostellehre. Sie war genauso sinnlos wie die heute noch verbreitete Praxis der Fürbitte oder Messe für die Verstorbenen.

 

C.   Die Taufpraxis der Jünger von Jesus

 

Vor seiner Himmelfahrt ordnete Jesus seinen Jüngern an, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (Mt 28,19). Dieser Taufpraxis begegnen wir gleich bei der allerersten Evangelisationspredigt des Petrus am Pfingsttag. Die zentrale Aufforderung an die Zuhörer lautete dort: „Tut Buße (denkt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes” (Apg 2,38). In der Urgemeinde..war die Taufe ein klares Bekenntnis zu Christus und seiner Gemeinde.

Abbildung 5 Die genaue Lage des Bethesda-Teiches wird seit 1888 in der Nähe der Kirche St. Anna(e) angegeben. Dort fand man die Überreste eines Freskos mit einem Engel, der die Wasser bewegt. Zur Zeit von Jesus gibt es dort wohl 5 überdachte Säulenhallen für kranke oder behinderte Menschen mit vielerlei Leiden (Foto: Juli 1986).

 

Die Taufe auf den Namen Jesu war der erste öffentliche Schritt des Gehorsams eines Gläubigen und somit auch ein Glaubensschritt in der Nachfolge Jesu, denn in der ersten Gemeindegeneration wurde nach Sinneswandlung und Umkehr sofort getauft: „Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen” (Apg 2,41). In Jerusalem gab es zwar keinen Fluss, dafür aber sind zwei Teiche, welche namentlich genannt sind, der Bethesda-Teich nördlich vom Tempel gelegen und der Teich Siloah, der sich südlich des Tempels befand. Diese Wasserspeicher wurden auch für rituelle Waschungen benutzt (Joh 5,1ff; 9,7). Daher ist es naheliegend, dass die vielen Gläubigen dort getauft wurden.

In Samarien ließen sich Männer und Frauen von Philippus, dem Evangelisten, taufen, nachdem sie an Jesus gläubig geworden waren (Apg 8,12ff). Hier gibt es keine näheren Angaben zu einer Taufstelle.

Abbildung 6 Uferbereich am Mittelmeer in Israel (Foto: April 1986).

Der Äthiopische Finanzminister bat Philippus, sofort nach seiner Bekehrung getauft zu werden (Apg 8,26-40). So schreibt der Ev. Lukas: „Sie kamen an ein Wasser und der Kämmerer sprach zu Philippus: Siehe, hier ist Wasser, was hinderts, dass ich mich taufen lasse“,- dies könnte am Mittelmeer im Gazabereich gewesen sein, da der Weg des Äthiopiers dort vorbeiführte. In diesem Uferbereich fällt der Strand flach ab und ist daher sehr gut geeignet für eine Taufe.

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Abbildung 7 Der Fluss Barada, welcher seinen Ursprung im südöstlichen Antilibanongebirge nimmt, durchfließt in mehreren Armen und Kanälen mitten durch die Stadt Damaskus (Foto: 11. April 2011).

 

Saulus wird in Damaskus von dem Jünger Ananias im Haus des Judas, der in der Geraden Gasse wohnte aufgesucht und nach Gebet und Auflegung der Hände aufgefordert, nicht zu zögern, sondern sich sofort taufen zu lassen (Apg 22,16). Nach seiner Begegnung vor Damaskus und seiner inneren Umkehr in den drei Tagen des Fastens, ist Saulus sofort bereit sich auf den Namen Jesu taufen zu lassen, indem er seinen Namen angerufen hatte. Im Alten Testamen wird der wasserreiche Fluss Amana (Abana) genannt (2Kön 5,12). Hier sind höchstwahrscheinlich die ersten Gläubigen an Jesus Christus und auch Paulus getauft worden.

Von einer besonderen Taufaktion, welche Petrus im Hause des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea angeordnet hatte, berichtet uns der Ev. Lukas in Apostelgeschichte 10,36b-48. Beachten wir dabei die Tatsache, dass Petrus die kulturellen und religiösen Grenzen seines Volkes überschritten hatte. Das brachte ihm einige Tage später in Jerusalem zunächst nicht Lob, sondern Tadel ein.

Abbildung 8 Blick auf das Mittelmeer durch einen der Bogen des acht Kilometer langen Aquäduktes in Cäsarea am Meer (Foto: April 1986).

Durch die Vision im Hause Simons des Gerbers in Joppe und die Bestätigung des Heiligen Geistes in den Gläubigen während seiner Predigt, konnte Petrus mit Überzeugung sagen: „Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir? Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. Da baten sie ihn, dass er noch einige Tage dabliebe.“ So wurden die Gläubigen aus den Heiden entweder im Meer oder auch in einem Bassin des Hauses von Kornelius getauft.

Die Jünger in Ephesus wurden ebenfalls sofort nach ihrem Gläubigwerden an Jesus, von Paulus  oder seinen Mitarbeitern getauft (Apg 19,3-5). An der Nordseite der Stadt floss der Fluss Kaystros vorbei, aber auch das Ägäische Meer war in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Möglich, dass auch dort die Gläubigen getauft wurden.

Abbildung 9 Ein sehr gut erhaltenes kreuzförmiges Taufbecken in der Marienkirche in Ephesus (Westtürkei). Die Ruinen der Kirche liegen in der Nähe der ehemaligen römischen Thermen und des alten Hafens. Die Reste der großen Kirche stammen aus dem 5. Jahrhundert. Diese Kirche ist auch bekannt wegen dem Konzil aus dem Jahre 431 (Foto am 6. März 2008).

Ab dem 4. Jahrhundert wurden auch in Ephesus und Umgebung christliche Kirchen mit Baptisterien gebaut.

In Philippi wurde Lydia und ihr Haus, das heißt Familienangehörige und Dienerschaft im Fluss getauft, gleich nachdem sie gläubig geworden waren (Apg 16,14-15).

Abbildung 10 Der Fluss Gangites, der im Südwesten an Philippi vorbeifließt. An dieser Stelle soll der Tradition nach Lydia und ihr Haus getauft worden sein (Foto: 31. Juli 2007).

Der römische Gefängniswärter in Philippi und seine Familienangehörigen wurden gleich nach ihrem Gläubigwerden, noch in der selben Nacht auf dem Gefängnisgelände getauft (Apg 16,31ff). Viele der  wohlhabenden römischen Bürger hatten in ihren Häusern Bassins, die sich auch sehr gut für Taufen eigneten. Die Gemeinde in Philippi wuchs sehr schnell an und erlangte bereits zu Beginn Anerkennung (mindestens jedoch Duldung) durch das mutige und weise Verhalten des Ap. Paulus.

Abbildung 11 Dieses kreuzförmige Taufbecken befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bischofskirche auf dem Ausgrabungsgelände von Alt-Philippi. Dies zeigt, dass man im 4. Jahrhundert gläubige Menschen in dafür gebauten Baptisterien taufte. Diese befanden sich in der Regel immer außerhalb des eigentlichen Kirchengebäudes. Von einem Mitarbeiter der Forschungsgruppe erhielt ich die Information, dass in Philippi Gläubige erst mit dreißig Jahren getauft wurden, wahrscheinlich in Anlehnung an das Alter von Jesus zum Zeitpunkt seiner Taufe (Foto: 27. August 2010).

Auch für die Evangelisation in Korinth sind Taufen bekannt (Apg 18,8) und in seinem ersten Brief an die Korinther nimmt der Ap. Paulus darauf Bezug indem er sogar einige Namen nennt (1Kor 1,15-17). Korinth war eine Hafenstadt mit Zugang zu zwei Meeren – dem Golf von Korinth nördlich der Stadt und am Saronischen Golf im Osten bei Kenchrea. Es gab also genug Möglichkeit, die Gläubigen dort zu taufen. Auch heute noch werden gläubige Menschen  in Korinth im Meer getauft.

D.   Der Sinn und die Bedeutung der Taufe

 

Die Taufe ist eine sichtbare und symbolhafte Darstellung der Bekehrung eines Menschen zu Gott sowie seiner Wiedergeburt durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist. Daher wurde die Taufe immer erst nach der Bekehrung vollzogen und sollte deshalb auch heute nicht vorweggenommen werden. So lesen wir in der Apostelgeschichte 18,8: „In der Folge kam ´kein Geringerer als Krispus, der Vorsteher der Synagoge, zum Glauben an den Herrn – er und alle, die in seinem Haus lebten. Auch viele andere Korinther, die Gottes Botschaft hörten, glaubten und ließen sich taufen.

  • In der Taufe verkündigen wir den Tod Jesu. “Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und sind daher auch mit ihm begraben worden.” (Röm 6,4). Es ist also eine Art Identifikation mit dem gekreuzigten und bestattetem Christus. Praktisch bedeutet es, dass wir den früheren sündigen Lebensstil aufgegeben haben, ihm gestorben sind, ihn begraben haben.
  • Die Taufe versinnbildlicht das Auferstehen mit Christus zu einem neuen Leben. Paulus schreibt: „Weil nun aber Christus durch die unvergleichlich herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, ist auch unser Leben neu geworden, und das bedeutet: Wir sollen jetzt ein neues Leben führen” (Röm 6,4). Der neue Lebensstil wird durch die Aufforderung des Apostels ausgedrückt wenn er an die Kolosser schreibt: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes“ (Kol 3,1). Es geht jetzt also darum, dass der zu Gott bekehrte und auf den Namen Jesu getaufte Mensch nun sein Leben nach dem Willen und der Gesinnung von Christus ausrichtet und danach lebt.
  • Die Taufe versinnbildlicht das Abwaschen der Sünden. In Damaskus sprach Ananias zu Saulus: „Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst” (Apg 22,16). Das Wasser ist ein Sinnbild auf das Wort Gottes (Joh 15,3; Eph 5,26).
  • In der Taufe bestätigen wir die Entscheidung, Jesus ganz praktisch nachzufolgen. Lukas schreibt von Lydia in Philippi: „Nachdem sie sich dann mit allen, die in ihrem Haus lebten, hatte taufen lassen, lud sie uns zu sich ein. »Wenn ihr überzeugt seid, dass ich jetzt eine Christin bin und an den Herrn glaube«, sagte sie, »dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste!« Sie drängte uns so, dass wir einwilligten”   (Apg 16,15). Gute Werke, Taten der Liebe und Barmherzigkeit sind nicht Voraussetzung, sondern dankbare Folge des neuen Lebens in und durch Christus.
  • Die Taufe ist nicht nur ein klares Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Jesus, sondern auch ein Zeichen der Aufnahme in die Familie Gottes. Die Taufformel: „Auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, macht es deutlich (Mt 28,19). Die Zugehörigkeit zur Familie Gottes gibt nun auch das Recht Kinder Gottes zu heißen (1Joh 3,1-2).
  • Durch die Taufe wird auch die Zuordnung zur lokalen Gemeinde sichtbar gemacht. „Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen“ (Apg 2,41). Wir werden aus der Einsamkeit in die große, aber auch die konkrete lokale Gemeinschaft hinein berufen und eingefügt.

 

 

E.   Missverständnisse und Barrieren in Bezug auf die Taufe

 

Aus Angst, die kleinen Kinder könnten verloren gehen (wegen dem sogenannten Erbsünde-Verständnis), begann man in der christlichen Kirche der Spätantike, auch Säuglinge und Kleinkinder zu taufen. Doch finden wir im Neuen Testament zur Säuglings- oder Kindertaufe im Gegensatz zur Glaubenstaufe keinen eindeutigen Beleg. In den vielen vorliegenden Berichten wird kein einziges Mal ein Kind (direkt) bei der Taufe erwähnt. Wenn es heißt, dass ganze ´Häuser´ – also ganze Familien – getauft wurden, so ist dies noch kein ausdrücklicher Beleg, dass auch die Säuglinge der Familie mitgetauft wurden. Vielmehr wird betont, dass die, „welche das Wort Gottes gerne annahmen”     (Apg 2,41) sich taufen ließen. Dies setzt eine bewusste Entscheidung voraus, was einem Säugling noch nicht möglich ist. Erfreulicherweise praktizieren immer mehr Pfarrer und Pastoren die Taufe von Kindern etwa ab dem zehnten oder zwölften Lebensjahr, also in einem Alter, in dem das betreffende Kind sich dafür schon bewusst entscheiden kann.

 

Wer als Kind getauft wurde, hat oft die Befürchtung, dass durch eine erneute bzw. bewusste Taufe die Kindertaufe außer Kraft gesetzt würde, in Bezugnahme auf die Aussage von Paulus im Epheserbrief Kapitel 4,4: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, ein Gott und Vater“. Tatsächlich gibt es viele, die “Götter” genannt werden, doch nur einer ist der wahre Gott. Auch gibt es viele Arten von Glauben, doch nur der eine Glaube an Jesus Christus ist der rettende und wahre Glaube. Entsprechend gibt es verschiedene Taufen, doch nur die eine ist die richtige und wahre: die Glaubenstaufe. So wurde zum Beispiel nach Pfingsten die Taufe des Johannes nicht mehr anerkannt (Apg 2,38; 19,1ff), sondern nur noch die Taufe auf den Namen Jesu, welcher ein bewusster Glaube an Jesus Christus vorausging. Obwohl es sich bei der Johannestaufe um eine Erwachsenentaufe handelte, mussten sich diese Personen laut Paulus noch mal taufen lassen (Apg 19,1-5). Das Argument: „Kleinkinder werden ja auch auf den Namen Jesu getauft“, zieht nicht, weil sie dies noch gar nicht wahrnehmen können.

 

Es kam vor, dass erwachsene Menschen, welche nicht echte Buße getan haben, getauft wurden (Apg 8,20ff), aber dies stellte sich bald heraus. Petrus fordert z.B. den ehemaligen Magier Simon in Samarien heraus, echte Buße zu tun, denn ohne echte Buße ist die Taufe nicht nur sinnlos und zwecklos, sondern bildet ein wahres Hindernis oder Barriere für geistliches Wachstum.

 

F.    Wo wurde getauft?

 

In den ersten zwei Jahrhunderten wurden die Christen in Flüssen, Teichen, Bade-Bassins oder im Meer getauft. Zu Beginn des 4. Jh. jedoch begann man Kirchen zu errichten oder römische Basiliken in Kirchengebäude umzuwandeln. Dabei baute man in den meisten Fällen kreuzförmige, oft mit Mosaiken verzierte oder mit Marmorplatten ausgelegte Taufbecken in Neben- bzw. Vorräumen, die dann auch ´Baptisterion´ genannt wurden. Dort wurden Menschen, die an Christus gläubig geworden waren, getauft und in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

Abbildung 12 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der Epiphania Kirche in Salamis auf Zypern, etwa 6 km nördlich der heutigen Hafenstadt Famagusta. Sie stammt aus dem 5. Jahrhundert. Die Ruinen der antiken Kirche liegen etwa 300 Meter nordwestlich der alten Hafenmole (Foto am 11. März 2008). Auf dem Ausgrabungsgelände von Salamis ist noch die größere Kirche `Kampanopetra` aus dem 5/6. Jahrhundert ausgegraben worden. Sie liegt weiter nördlich, direkt am Ufer der gleichnamigen Bucht. Diese Kirchenreste geben Zeugnis davon, dass die Predigt des Paulus und Barnabas (Apg 13,3-5) geistliche Frucht hervorbrachte. (Foto: 11. März 2008).

Es fällt auf, dass diese Taufräume zweckmäßig und in der Regel außerhalb des Kircheninneren errichtet wurden. Es gab den Umkleideraum, dann der Raum mit dem eigentlichen Taufbecken (meist in Kreuzform), von dort gelangte der Getaufte in einen Raum, wo er mit Öl gesalbt und neu angekleidet wurde. Erst danach betrat er das Innere der Kirche. Somit lassen sich auch in der Architektur bestimmte theologische Erkenntnisse der damaligen Epoche ablesen.

Abbildung 13 Das Taufbecken in der Bischofskirche in Stoboi (Nähe der heutigen Stadt Veles in Makedonien), aus dem 4. Jh. ist außerordentlich gut erhalten und zählt mit seinen bunten Verkleidungen sowie seiner Form zu den schönsten Taufbecken aus der Antike. Auf dem gepflegten Ausgrabungsgelände ist eine weitere Kirche mit einem Taufbecken entdeckt und ausgegraben worden (Foto: 8. September 2009).

Das Evangelium ist höchstwahrscheinlich bereits im 1. Jh. von Thessalonich aus nach Stoboi gebracht worden, wie aus der Bemerkung des Ap. Paulus indirekt hervorgeht (1Thes 1,8). Obwohl das Ausgrabungsgelände an der Hauptstrasse Thessaloniki – Skopje liegt und gut einsehbar ist, wird es nur von wenigen Besuchern aufgesucht.

Ähnlich kam das Evangelium auch nach Thrakien (heute Bulgarien) wahrscheinlich von Philippi oder Amfipolis aus.

Abbildung 14 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der sogenannten `Kleinen Basilika` in Plovdiv (Bulgarien). Diese christliche Basilika aus dem späten 5. Jahrhundert wurde bei Bauarbeiten in der Innenstadt im Jahre 1988 entdeckt und in den letzten Jahren ausgegraben und restauriert (Foto am 29. Mai 2016).

In Teilen der Ostkirche ist bis heute noch die Taufe Erwachsener aber auch Kinder (oft mit dreimaligem Untertauchen) in einem Fluss oder Bassin die übliche Taufform.

In der Spätantike und im Mittelalter setzte sich dann nach und nach die Kindertaufe durch (in der Westkirche durch Besprengen), daher sucht man oft vergeblich in den Kirchen aus jener Epoche ein richtiges tiefes Taufbecken.

 

In vielen Gemeinden unserer Stadt werden heute Menschen, die eine bewusste Umkehr zu Gott und den Glauben an Jesus Christus bezeugen, in der Sommerzeit in den Flüssen Nagold oder Enz getauft. In den kälteren Jahreszeiten werden dafür immer noch Bassins oder Taufbecken genutzt.

 

 

G.  Schlussfolgerung

 

Daher wollen wir nichts anderes praktizieren als das, was die Apostel des Herrn auf seinen Befehl hin auch taten, in dem wir die Gläubigen an Jesus Christus im Wasser auf den Namen von Jesus Christus taufen. Dabei wird die vollständige Taufformel aus Matthäus 28,19 verwendet. Eine verständliche Erklärung über den Sinn und Zweck der Wassertaufe sollte schon in den evangelistischen Predigten erfolgen. Auch in Seelsorgegesprächen bei denen es um Bekehrung zu Gott und den Glauben an Jesus Christus geht, ist der deutliche Hinweis auf die Taufe wichtig und sinnvoll.

Abbildung 15 Die Taufstelle an der Nagold – die so genannten Nagoldwiesen in Pforzheim-Dillweißenstein sind seit vielen Jahren zum beliebter Taufplatz geworden (Foto: 31. Juli 2007).

 

Deshalb tue diesen Schritt in vollem Bewusstsein und der Überzeugung tun, dass Jesus Christus dir deine Sünden vergeben hat und du bereit bist, Ihm von ganzem Herzen nachzufolgen.

 

 

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Die Aussendung der Zwölf Apostel

7.2 Die Aussendung der Zwölf Apostel

(Bibeltexte: Mt 10,5-15; Mk 6,7-13; Lk 9,1-6)

 

Alle drei synoptischen Evangelien berichten von der Aussendung der Jünger (Schüler) als Apostel (Gesandte). Für diese Aussendung gibt es mehrere Gründe:

  • Jesu Dienstzeit in Galiläa nähert sich ihrem Ende – Jesus drängt darauf, dass alle galiläischen Städte und Dörfer mit der Frohen Botschaft erreicht werden.
  • Die relativ unerfahrenen Apostel müssen noch unter seiner Anleitung praktische Erfahrungen sammeln.
  • Das ganze Volk Gottes (zunächst die zwölf Stämme Israels Jes 49,1-6) sollen geistlich gesehen gesammelt und unter einem Hirten vereint werden. Ursprünglich war das Volk Gottes nach den Söhnen bzw. Enkeln Jakobs in 12 Stämme eingeteilt. Jesus wählte sich darum auch zwölf Apostel aus.[136] Allerdings kamen im 5. Jahrhundert im wesentlichen nur die Stämme Juda, teilweise Levi und Benjamin aus dem Exil nach Palästina zurück. Dennoch blieb die Zahl 12 – die symbolische Zahl für das ganze Volk Gottes zu dem Jesus sich gesandt weiß.

Jesus betont, dass die Jünger nicht auf die Straßen zu den Heiden gehen sollen, sondern zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Diese Bezeichnung finden wir schon in Jeremia 50,6:

„Mein Volk war eine verlorengehende Schafherde: ihre Hirten leiteten sie irre auf verführerische Berge. Sie gingen von Berg zu Hügel, vergaßen ihre Lagerstätte.“

„Und sie zerstreuten sich, weil sie ohne Hirten waren, und wurden allen Tieren des Feldes zum Fraß. So zerstreuten sich und irrten umher meine Schafe. Auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel und über das ganze Land hin sind meine Schafe zerstreut worden, und da ist niemand, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht. (Hes 34,5-6).

Dies macht deutlich, wie sehr Jesus daran gelegen ist, zuerst das alttestamentliche Gottes Volk geistlich zu sammeln, bevor er dann später zur Heidenmission aufruft (Mt 15,24; Jesaja 49,6; Mt 28,19). Gottes Plan sieht vor: …den Juden zuerst (dann) auch den Griechen (Röm 1,16). Jesus beschränkt die Aufgabe der Apostel auf jüdische Siedlungen in Palästina, wohl wissend dass es viele griechische und samaritische Orte in der Nachbarschaft gibt.

Die Namen der Apostel sind:

  1. Simon (Simeon) Petrus (Kephas), Sohn des Johannes (Jonas),
  2. Jakobus des Zebedäus Sohn,
  3. Johannes, Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus,
  4. Andreas, Bruder des Simon Petrus,
  5. Philippus aus Betsaida,
  6. Bartholomäus (Nathanael aus Kana in Galiläa),
  7. Thomas, genannt Zwilling,
  8. Matthäus (Levi) der Zöllner,
  9. Jakobus der Sohn des Alphäus,
  10. Taddäus, (mit einem weiteren Namen `Judas`, er war Sohn des Jakobus),
  11. Simon der Kanaanäer (der Zelot, Eiferer),
  12. Judas, der Sohn von Simon Iskariot, der Verräter.

Sie alle wurden wohl mehrfach ausgesandt:

Mk 3,14 „Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen

Lk 22,35 „Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals“.

Für den evangelistischen Reisedienst gab Jesus seinen Jüngern den Auftrag:

  • die GUTE NACHRICHT zu predigen ( hier: κηρύσσω kēryssō laut proklamieren, öffentlich bekanntmachen, predigen). Dazu gehört das Hingehen, das mutige Auftreten, das laute Reden/Verkünden. Dabei denken wir an die Predigt von Johannes. Die Jünger sollen rufen: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen;“
  • alle Arten von Krankheiten zu heilen; nach dem Motto ihr habt gesehen was ich tat, nun geht und setzt dies Werk fort;
  • Tote aufzuwecken, Aussätzige zu reinigen und
  • in Vollmacht unreine Geister (Dämonen) auszutreiben (Mt 10,1. 8).

Jesus gibt bei der Aussendung konkrete Anweisungen und Einschränkungen für ihren Reisedienst:

  • Keine Reisetasche,
  • Kein Gold, Silber, Kupfer (Geld) in den Gürteln,
  • Kein Brot, Lebensmittel,
  • Keinen Stab, (bei Markus jedoch – allein einen Stab – möglicherweise wurde diese Anweisung bei einer nicht erwähnten Aussendung gemacht)
  • Keine Schuhe, (nach Markus – aber Sandalen an euren Füßen – möglich, dass auch  diese Anweisung im Markusevangelium bei einer anderen, nicht erwähnten Aussendung gemacht wurde, vielleicht abhängig von der Jahreszeit.
  • Nicht zwei Hemden

Die Begründung dafür gibt er in Matthäus 10,10 mit den Worten: „Denn ein Arbeiter ist seiner Speise (Lohnes) wert. Die Jünger müssen so lernen täglich in völliger Abhängigkeit von Gott und Menschen zu leben. Jesus möchte sicher gehen, dass seine Jünger sich trennen von Gier, cleveren Geschäften im Zusammenhang mit dem Evangelium, Habsucht und jede Form des Geizes. Alles dürfen sie frei empfangen und alles dürfen sie frei weitergeben. Prediger der Guten Nachricht, die durch ihren Dienst zu relativem Reichtum und Besitz gelangen, sind nach den Worten von Jesus in sich selbst ein Paradoxon.

Wir können uns vorstellen, dass die Zweierteams in eine Ortschaft kommen. Dort predigen sie am Tor, an einer Straßenecke, auf einem Platz oder auf Einladung sogar in der Synagoge. Unter den Zuhörern werden die aufrichtig Interessierten bald zu finden sein. Interessant sind hier die weiteren präzisen Anweisungen von Jesus:

  • Forscht nach einem Haus für die Unterkunft, das άξιος axios wert, würdig, passend ist und kehrt dort ein (Mt 10.11f). Wahrscheinlich werden dies Menschen sein, die auf den Trost Israels (Luk 2,25) oder auf die Erlösung Jerusalems (Lk 2,38) warten.
  • Bleibt in diesem Haus solange, bis ihr weiterzieht. Das heißt, zieht nicht von Haus zu Haus, um überall die anfänglich große Gastfreundschaft auszunutzen.
  • Sprecht diesem Haus den Frieden zu. Dies war zwar die übliche Begrüßung (shalom alechem = Friede auf euch) doch die Jünger wünschen nicht nur Frieden – sie bringen den Frieden als Abgesandte des Messias Jesus Christus. Darunter können wir auch verstehen: macht dieses Haus zu eurem Hauptquartier und Brückenkopf in die Ortschaft hinein. Von diesem Haus aus soll die GUTE NACHRICHT in die anderen Häuser des Ortes gebracht werden, sodass auch dort der Friede von Jesus Raum gewinnt.
  • Sollte dieser Friede nicht gewünscht werden, d.h. sollten die Jünger nicht aufgenommen werden, so wird dieser Friede auch nicht aktiv wirksam sein können. Die Jünger sollen dann das Haus oder gar den Ort verlassen und den Staub des Ortes von ihren Füssen schütteln und weiterziehen. Diese Geste des Staubabschüttelns hatte sich damals bei gesetzestreuen Juden nach der Durchquerung eines griechischen Ortes eingebürgert. So wollten sie alle unreinen Partikel von sich werfen. Diese Geste nach dem Verlassen eines jüdischen Hauses oder einer jüdischen Ortschaft ist die starke Aussage: die Ablehnung der GUTEN NACHRICHT wird wie die rituelle Unreinheit der Heiden betrachtet.

So ziehen die Jünger als Apostel aus und predigen das Reich Gottes, Buße (Sinnesänderung), heilen die Kranken und befreien viele Menschen von unreinen Geistern. Wenn wir bedenken, dass sie als Zweierteams gleichzeitig an sechs verschiedenen Orten sein können, dann hätten sie bei einer Woche Aufenthalt an jedem Ort, in 6 Wochen insgesamt 36 Städte und Dörfer besucht. Wir können bei Jesus ein strategisches Vorgehen erkennen, darum ist vorstellbar, dass er sich auch mit seinen Jüngern abspricht, wohin die Zweierteams gehen und wo und wann sie sich wieder treffen würden. Jesus sieht die Annahme dieser Botschaft – aber auch die massive Ablehnung voraus. Das klassische und sehr bekannte Beispiel für eine himmelschreiende Bosheit sind für jeden Zeitgenossen der Apostel die untergegangenen Orte Sodom und Gomorra. Jesus sieht die Verantwortung für die evangeliums-resistenten Orte noch gravierender. Ihr Gericht wird noch schrecklicher als das Gericht über Sodom und Gomorra sein (Mt 10,15).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wir fragen uns heute: Welche Anweisungen haben eine universale Gültigkeit und welche muss man in dem jeweiligen Kontext verstehen? Wir lesen u. a. Lk 10,7; 1Tim 5,18; 1Kor 9,14; Phil 4,16; Lk 22,26.
  2. Warum sollten die Jünger zu zweit unterwegs sein?
  3. Warum sollten sie niemand grüßen auf dem Weg?
  4. Warum sollten sie nicht zu den Heiden gehen?
  5. Was sind Häuser des Friedens, die würdig sind, dass die Apostel in ihnen einkehren?  (siehe Mt 10,13). Was sind heute „Häuser des Friedens; Männer/Frauen des Friedens die  als Brückenköpfe für die Verbreitung des Evangeliums dienen können?
  6. Was sollten die Apostel tun?
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Jesus begegnet Nichtjuden

Der biblische Hintergrund

 

1. Abram – Abraham – Vater vieler Völker

Und Gott sprach zu Abraham: „Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker.“ (1Mose 17,5).

Abbildung 1 Im tiefen Inneren dieses Gebäudes in HEbron befindet sich das Grab Abrahams, den Gott berufen hatte ein Vater vieler Völker zu werden (Foto: April 1986).

Und der Ap. Paulus bestätigt im Römerbrief den Eingriff Gottes in das Leben von Abraham. Damit wird auch die gesamte Geschichte in eine bestimmte Richtung von Gott gelenkt. „wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei.“ (Röm 4,17).

Gott verhieß Abraham, dass durch seinen Nachkommen (welcher ist Christus) sollen gesegnet werden ALLE Völker auf Erden (1Mose 22,18 und Galater 3,16). Damit wurde auch die gesamte Geschichte in eine bestimmte Richtung von Gott gelenkt.

2.  Der Tempel – ein Bethaus für alle Völker

Durch den Propheten Jesaja lässt Gott sagen: „die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus, und ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen mir wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker. Gott der HERR, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr sammeln zu der Schar derer, die versammelt sind.“ (Jes 56,7-8).

Abbildung 2 Modell des Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holy-Land Hotels in Jerusalem (Foto: April 1986).

Jesus wiederholt diese Verheißung Gottes mit den Worten: „Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ (Mk 11,17). Und in der letzten Passawoche wird beispielhaft diese Verheißung erkennbar gemacht: „Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“ (Joh 12,20-23).

3.  Auf dem Gebirge Ephraim – Samarien

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Abbildung 3 Die palästinensisch-arabische Stadt Nablus in Samaria. Es ist die Gegend, wl in alter Zeit die Stadt Sichem stand und zur Zeit die Stadt Sychar in der die Samariterin aus Johannes 4 stammte (Foto: 22. Januar 2019).Jesus begegnet den Samaritern in Sychar (Samarien)

Als nun Jesus erfuhr, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, dass Jesus mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes –

obwohl Jesus nicht selber taufte, sondern seine Jünger –, verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa. Er musste aber durch Samarien reisen. Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gegeben hatte. Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen.“ (Joh 4,1-8).

Abbildung 4 Der Berg Garizim in Samarien. Von diesem Berg aus wurde der Segen für Israel ausgesprochen. Auf diesem Berg richteten die Samariter ein Heiligtum ein mit Opferaltar (Foto: 22. Januar 2019).

Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, dass er bei ihnen bleibe; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen. Und sie sprachen zu der Frau: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.“ (Joh 4,40-42).

 

4.  Hesus begegnet einem römischen Offizier in Kapernaum

Nachdem Jesus seine Rede vor dem Volk vollendet hatte, ging er nach Kapernaum.“ (Lk 7,1).d

Abbildung 5 Das Gelände der ehemaligen Stadt Kapernaum am Nordwestufer des Sees von Tiberias (Foto: Juli 1994).

Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach, Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.“ (Lk 7,6-8).

Abbildung 6 Reste der Synagoge in Kapernaum aus dem 2-3. Jahrhindert. Diese Synagoge wurde höchstwahrscheinlich auf den Fundamenten der Synagoge erbaut, welche aus der Zeit Jesus stammte und vom römischen Hauptmann finanziert oder mitfinanziert wurde (Foto: Aprtil 1986).

Da Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden. Und als die Boten wieder nach Hause kamen, fanden sie den Knecht gesund.“ (Lk 7,9-10).

Abbildung 7 Die Frontseite der Synagoge von Kapernaum (Foto: 23. Januar 2019).

 

5.  Jesus befreit zwei von Dämonen belastete Menschen im Bereich der Dekapolis

Der Ev. Matthäus schreibt: „Und er kam ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener. Da liefen ihm entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich, sodass niemand diese Straße gehen konnte. Und siehe, sie schrien: Was haben wir mit dir zu schaffen, du Sohn Gottes? Bist du hergekommen, uns zu quälen, ehe es Zeit ist? Es war aber fern von ihnen eine große Herde Säue auf der Weide. Da baten ihn die Dämonen und sprachen: Willst du uns austreiben, so schick uns in die Herde Säue. Und er sprach: Weg mit euch! Da fuhren sie aus und fuhren in die Säue. Und siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinunter ins Meer, und sie ersoffen im Wasser. Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und berichteten das alles und wie es den Besessenen ergangen war. Und siehe, da ging die ganze Stadt hinaus Jesus entgegen. Und als sie ihn sahen, baten sie ihn, dass er ihr Gebiet verlasse.“ (Mt 8,28-33).

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Abbildung 8 Am Ostufer beginnt das Gebiet der Dekapolis-Zehnstädtegebiet (Foto: Juli 1994).

Der Ev. Markus, der nur von einem Besessenen spricht,  ergänzt: „Und als er in das Boot stieg, bat ihn, der zuvor besessen war, dass er bei ihm bleiben dürfe. Aber er ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Dinge der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat. Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, wie viel Jesus an ihm getan hatte; und jedermann verwunderte sich.“ (Mk 5,18-20). Dies Zeugnis breitete sich also in dem gesamten Gebiet aus, so dass die Verwunderung sehr groß war und die Menschen auf einen späteren Besuch von Jesus vorbereitet waren.

 

6.  Jesus begegnet 4000 Menschen im Gebiet der Dekapolis

Der Ev. Markus schreibt:  „Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.“ (Mk 7,31-37). Und der Ev. Matthäus ergänzt mit: „Und Jesus ging von dort weiter und kam an das Galiläische Meer und ging auf einen Berg und setzte sich dort. Und es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Lahme, Blinde, Verkrüppelte, Stumme und viele andere und legten sie ihm vor die Füße, und er heilte sie, sodass sich das Volk verwunderte, als sie sahen, dass die Stummen redeten, die Verkrüppelten gesund waren, die Lahmen gingen und die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels.“ (Mt 15,29-31).

Und gleich im Anschluss an diese Heilungsdienste im Bereich der Dekapolis, berichten beide Evangelisten über die Speisung der Viertausend Menschen. Wohlgemerkt außerhalb des Teritoriums von Israel.

Abbildung 9 Blick von Gadara aus über den See Genezaret und die Golanhöhen rechts im Bild (Foto: 3. November 2014).

Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Das Volk jammert mich; denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege. Da sprachen die Jünger zu ihm: Woher sollen wir so viel Brot nehmen in der Einöde, um eine so große Menge zu sättigen? Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben, und ein paar Fische. Und er ließ das Volk sich lagern auf die Erde und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt; und sie sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, sieben Körbe voll. Und die da gegessen hatten, waren viertausend Männer, ohne Frauen und Kinder. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er ins Boot und kam in das Gebiet von Magadan.“ (Mt 15,32-39).

 

 

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Die Tatsache der Auferstehung von Jesus Christus und ihre Auswirkungen

Die Tatsache der Auferstehung

von Jesus Christus

und ihre Auswirkungen

Abbildung 1-2: Der Grabstein und das leere Grab erinnern an die Auferstehung von Jesus Christus am ersten Tag der jüdischen Woche (Foto: April 1986).

Hinweis: Leider ist die Aufnahme nicht vollständig. Dafür aber die schriftlichen Ausführungen.

Einleitung

 

Die Auferstehung von Jesus Christus bildet die zentrale Botschaft in der Verkündigung der Apostel. Das Jesus in Bethlehem geboren wurde, in Nazareth aufgewachsen ist, öffentlich im ganzen Land Israel gewirkt hat, war allen bekannt. Dass er zum Ende seines Dienstes gefangen genommen und durch den Hohen Rat zum Tode verurteilt wurde, anschließend unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben wurde ist nie von den Juden abgestritten worden. Aber seine Auferstehung war sogar für die Jünger unfassbar und zunächst unglaublich. Nicht weil sie an der Auferstehung von den Toten nicht geglaubt hätten, sondern weil nach ihrem Verständnis und der allgemeinen Auffassung im Volk der Messias nicht sterben würde. So lesen wir in Johannes 12,34: „Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?“.

 

Nun, was tat Gott, um die Auferstehung seines Sohnes den Menschen glaubhaft zu machen? Die folgenden Ausführungen können uns helfen, Gottes Offenbarung in seinem Sohn besser zu verstehen und unseren Glauben an den auferstandenen Messias/Christus zu festigen.

 

 

1. Vorbilder, welche auf die Auferstehung von Jesus hinweisen

 

1.1 Die Opferung Isaaks und seine Rückgabe an Abraham

In 1Mose 22,1-18 lesen wir von der ungewöhnlichen und einmaligen Geschichte dieser Art, der Opferung Isaaks. „Und es geschah nach diesen Dingen, da prüfte Gott den Abraham. Und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn  dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde! Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von fern. Da sagte Abraham zu seinen Knechten: Bleibt ihr mit dem Esel hier! Ich aber und der Junge wollen dorthin gehen und anbeten und zu euch zurückkehren.“ (1Mose 22,1-5). Beachten wir die Aussage von Abraham: Nach der Anbetung wollen „wir“ zu euch zurückkehren. „Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sagte: Siehe, das Feuer und das Holz! Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Da sagte Abraham: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.“ (1Mose 22,7-8). Gott bezieht Abraham mit ein in sein eigenes Handeln mit seinem Sohn. „Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.“ (1Mose 22,11-12). Beachten wir die Formulierung des Engels, dass die Bereitschaft des Abraham als vollendete Tat gerechnet wurde (ebenso in V. 16: „Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR4, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen …“). Und in Hebräer 11,17-19 wird diese Glaubens- und Gehorsamstat von Abraham kommentiert mit den Worten: „Durch den Glauben hat Abraham den Isaak dargebracht, als er versucht (geprüft) wurde, und gab den einziggeborenen Sohn dahin, als er schon die Verheißungen empfangen hatte, von dem gesagt worden war (1. Mose 21,12): »Nach Isaak wird dein Geschlecht genannt werden.«  Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; als ein Gleichnis (gr. παραβολήparabol¢) dafür bekam er ihn auch wieder.“ Ein Gleichnis steht nie allein für sich selbst, sondern hat auch den Zweck auf etwas tieferes und vollkommeneres hinzuweisen (Mt 13,3.13.10.18). Die Hinweise auf Jesus, den Einziggeborenen und Geliebten des himmlischen Vaters, sein stellvertretendes Opfer, aber auch seine Auferweckung aus den Toten sind in dieser Geschichte unübersehbar vorgebildet.

 

1.2 Der Prophet Jona drei Tagnächte im Bauch des Fisches

Die einmalige und doch sehr bekannte Geschichte aus dem Alten Testament ist die Geschichte von Jona dem Propheten. So lesen wir in Jona 2,1: ,„Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte.“ Diese Geschichte ist für sich schon ungewöhnlich und spannend. Doch Jesus verwendet sie als ein Zeichen, als einen Hinweiss auf sein Sterben, begraben werden und (indirekt) auf seine Auferstehung am dritten Tag. So reagiert Jesus auf die Zeichenforderung der Schriftgelehrten und Pharisäer mit den Worten: „Er (Jesus) aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ (Mt 12,39-40). Und was geschieht nach drei Tagen und drei Nächten? Die logische Fortsetzung ist die Auferstehung von den Toten und das Verlassen des Grabes. Seine Gegner müssen ihn richtig verstanden haben, sonst wären sie nicht zu Pilatus gegangen mit der Bitte das Grab bis auf den dritten Tag zu bewachen (Mt 27,63-64). Die Tagebezeichnung „drei Tage und drei Nächte“ ist für uns Europäer etwas irreführend (wir sind geneigt dabei an 72 Stunden zu denken), nicht so die Zeitgenossen von Jesus. Jeder noch nicht zu Ende gegangener Tag und jeder erst begonnene Tag wurden als Ganztag gezählt wie der Vergleich von Matthäus 27,63 mit 27,64 deutlich macht (ebenso Mt 16,21; 17,23; 20,19 sagt Jesus: „und am dritten Tag wird er auferweckt“).

 

1.3 Die Taufe von Jesus im Jordan

Der Evangelist Matthäus schreibt: Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.“ (Mt 3,13-16). Sicher deutet die Aussage „alle Gerechtigkeit“ noch auf vieles andere hin, aber auch auf das Sterben, begraben werden und das Auferstehen von Jesus. Der Apostel Paulus erklärt den tiefen Sinn der Taufe mit den Worten: „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.“ (Röm 6,3-5). Hier sind es nicht mehr andere Personen, die als Vorbilder für die Auferstehung von Jesus gegeben wurden, sondern hier ist es Jesus selbst, der durch eine sehr anschauliche Handlung sein Sterben, begraben werden und seine Auferstehung vorbildet.

 

1.4 Der Tempel als Körper des Christus

Bei seinem ersten Besuch in Jerusalem (während seines öffentlichen Dienstes) stellt Jesus die Bestimmung des Tempels als `Bethaus` wieder her. „Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen der Vollmacht zeigst du uns, dass du dies tust? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: 46 Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.“ (Joh 2,18-22). Auch diese bildhafte Rede kommt von Jesus selbst und damit deutet er auf die Abläufe zum Ende seines Dienstes hin. Die Juden werden sich am Abbrechen seines Körpers beteiligen, aber er selbst wird sich wieder aufrichten. Die Zeitangabe „in drei Tagen“ meint innerhalb von drei Tagen. Ganz offensichtlich redet Jesus hier gleichnishaft, bildhaft und nicht direkt offen. Damit sagt er das Handeln der Juden zwar voraus, beeinflusst es jedoch nicht. Auf diese Weise wird der Glaube der Jünger hernach gestärkt.

 

1.5 Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt …

Wenige Tage vor seinem Leiden ist Jesus wieder im Tempel und lehrt. Griechische Festpilger wollen ihn sehen. Doch sie bekommen ganz ungewöhnliche Worte von Jesus in einer Bildrede zu hören. „Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,23-24). Die Verherrlichnung schließt hier sowohl das Leiden als auch die glorreiche Auferstehung mit ein. Diese bildhaften Hinweise stehen im scharfen Kontrast zu den Erwartungen des Volkes nach dem Einzug in Jerusalem. Während Jesus seit längerer Zeit ganz offen von seinem Leiden, Sterben und Auferstehen gesprochen hat, sipricht er vor der Menge in treffenden Bildern.

2. Das Zeugnis der Heiligen Schriften

 

2.1 Der Herr sprach zu Mose: „Ich bin der ich bin“

In 2Mose 3,6 lesen wir: „Und er (Gott) sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Und Jesus zitiert diese Worte in Lukas 20,38 und erklärt deren Tragweite: „Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.“ Erst in Jesus und durch seine Deutung werden die Schriftaussagen des Alten Testamentes in ihrer ganzen Fülle offenbart und richtig zugeordnet und angewendet. Gott ist ein lebendiger Gott, ein Gott des Lebens, dies ist auch die Grundausstattung für alle, die ihm glauben und gehorchen, allen voran Jesus.

 

2.2 Der Messias ist der Erstgeborene aus den Toten

In Psalm 2,7 lesen wir von einem Ausspruch und Offenbarung des Christus: „Kundtun will ich den Ratschluss des HERRN. Er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (gr. σήμερον γεγέννηκά σεs¢meron gegenn¢ka se – heute habe ich dich geboren, das heißt von den Toten auferweckt).“ Denn der Apostel Paulus zitiert in seiner Predigt in der Synagoge im Pisidischen Antiochia die Aussage aus Psalm 2,7 und bezieht sie eindeutig auf die Auferstehung von Jesus. „Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (geboren, auferweckt).« (vgl. dazu auch Kol 2,18: Jesus ist „der Erstgeborene aus den Toten“). Um bestimmte göttliche Prozesse zu erklären, bedient sich Gott menschlicher Begriffe. Wir dürfen dabei nicht unsere Wahrnehmung im menschlkichen, physischen Bereich auf Gott übertragen. Dies betrifft insbesondere den Bereich der Zeugung und der Geburt. Jesus ist nach Kolosser 1,15 der Erstgeborene vor aller Schöpfung und nach Kolosser 1,18 der Erstgeborene aus den Toten.

 

2.3 Der Messias wird die Verwesung nicht sehen

In Psalm 16,8-10 heißt es vom Messias: „Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; er steht mir zur Rechten, so wanke ich nicht. Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher  wohnen. Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe (verwese).“ Und der Apostel Petrus zitiert diese Aussage am Pfingsttag in Jerusalem und bezieht sie auf die Auferstehung von Jesus: „Den hat Gott auferweckt und hat ihn befreit aus den Wehen des Todes, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. Denn David spricht von ihm (Psalm 16,8-11): »Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. Denn du wirst meine Seele nicht dem Reich des Todes überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.“ (Apg 2,24-27; ebenso auch Paulus in Apg 13,35).

 

2.4 Die Frucht des leidenden Gottesknechtes wird Gerechtigkeit und Leben sein

Der Prophet Jesaja schreibt von den Leiden des Messias, seinem stellvertretenden Tod, aber auch seiner Auferstehung: „Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen1. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.“ (Jes 53,10-12). Zum Teil sehr offenkundig, zum Teil jedoch etwas verborgen spricht der Prophet von der Auferstehung des leidenden Gottesknechtes. Diese Schilderungen werden in der Bildrede Jesu vom Weizenkorn (Joh 12) sehr treffend zusammengefasst – echte Lebensfrucht entsteht nur durch Sterben.

 

2.5 Am dritten Tag

Im Buch des Popheten Hosea findet sich eine merkwürdige Aussage:  „Kommt und lasst uns zum HERRN umkehren! Denn er hat zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er wird uns nach zwei Tagen neu beleben, am dritten Tag uns aufrichten, dass wir vor seinem Angesicht leben. So lasst uns ihn erkennen, ja, lasst uns nachjagen der Erkenntnis des HERRN! Sicher wie die Morgenröte ist sein Hervortreten. Er kommt wie der Regen zu uns, wie der Spätregen, der die Erde benetzt.“ (Hosea 6,1-3). Auch wenn der Prophet hier zisammen mit den Gottesfürchtigen Zeitgenossen spricht, ist Heilung und Wiederbelebung nur durch den Messias möglich. Der Verweiss, dass die Wiederherstellung am dritten Tag geschehen wird, ist sehr merkwürdig. Vielleicht in Anlehnung an 4Mose 19,12; 2Kön 20,5. Doch gerade in Bezug auf die Auferstehung von Jesus wird der dritte Tag besonders hervorgehoben. Daher könnte diese Prophetie im Zusammenhang mit der Auferstehung von Jesus am dritten Tag in Zusammenhang gebracht werden.

3. Jesus sagt seine Auferstehung voraus

 

3.1 Bei Cesaräa Philippi

Nach dem sogenannten Petrusbekenntnis beginnt Jesus seine Jünger darauf vorzubereiten, was mit ihm in Jerusalem geschehen wird. So schreibt Matthäus: „Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse.“ (Mt 16,21; Lk 9,22). Markus ergänzt: „Und er fing an, sie zu lehren: Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern3 und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort mit Offenheit.“ (Mk 8,31-32a). Diese Ansage stößt auf völliges Unverständnis bei Petrus, der seinen Meister unter allen Umständen davor bewahren will. Ein leidender und sterbender Messias passt nicht in ihre Vorstellung von der Erlösung Israels und der Wiederherstellung des Davidischen Reiches. Doch Jesus lässt sich nicht beirren, das „muß“ bezieht nicht nur das Leiden und Sterben, sondern auch auf die Auferstehung am dritten Tag.

 

3.2 In Galiläa

Jesus kommt wieder nach Galiläa und wiederholt seine Voraussage in Bezug auf sein Sterben und Auferstehen. So berichtet Matthäus: „Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.“ (Mt 17,22-23). Da sie innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal diese Voraussage zu hören bekommen, ist die Reaktion völlig anders als beim erstenmal.

 

 

3.3 Auf dem Weg hinauf nach Jerusalem

Der Evangelist Matthäus schreibt: „Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm er die zwölf Jünger allein zu sich und sprach auf dem Weg zu ihnen: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen; und sie werden ihn den Nationen überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferweckt werden.“ (Mt 20,17-19; Lk 18,33). Jesus wird nicht müde, die Jüngern über den Ausgang seines Lebens in Jerusalem aufzuklären.

 

3.4 Im Winter des Jahres 33 in Jerusalem

In der bedeutenden Rede vor dem Volk im Tempel über den guten Hirten, sagte Jesus: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, um es wiederzunehmen. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder   zu nehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh 10,17-18).

Hier betont Jesus unter anderem, dass er selbst bei seiner Auferstehung mitbeteiligt ist. Ab jetzt spricht er offen vor dem gesamten Volk über seinen Ausgang.

 

3.5 Am letzten Abend nach dem Passamahl und der Stiftung des Neuen Bundes

Wäjrend seiner Abschgiedsreden kommt Jesus auch die kurze Trennung zu sprechen und merkt, dass die Jünger ihn nicht verstehen. „Jesus erkannte, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Forscht ihr darüber miteinander, dass ich sagte: Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen?  Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. Die Frau hat Traurigkeit, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie nicht mehr der Bedrängnis um der Freude willen, dass ein Mensch in die Welt geboren ist. Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.“ (Joh 16,19-23). Wie liebevoll und einfühlsam bereitet Jesus die Jünger auf seinen bevorstehenden Weggang und baldige Wiederkehr vor. Denn der schmerzliche Prozess des Verlustes wird schon bald (durch seine Auferstehung) in Freude verwandelt werden, die nicht mehr unterbrochen wird.

 

3.6 Auf dem Weg zum Garten Gethsemane

Der Evangelist Markus schreibt: „Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet euch alle ärgern, denn es steht geschrieben: Sacharia 13,7_ „Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.“ Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen.“ (Mk 14,27-28). Jesus weiß, was ihm bevorsteht und wie es ausgehen wird. Er pflegte zu seinen Jüngern zu sagen: „Schon jetzt sage ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin.“ (Joh 13,19). Oder:  „Und jetzt habe ich’s euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird.“ (Joh 14,29). Der Grund, die Motivation für die Voraussage ist: Glauben wecken, Glauben fördern und Glauben festigen.

 

4. Die Aufersweckung/Auferstehung von Jesus und die Begleiterscheinungen

4.1 Die Auferstehung von Jesus – ein Gottesgeheimnis

Über den Prozessverlauf der Auferweckung, bzw. Auferstehung von Jesus gibt es keine Detailinformationen. Aus verschiedenen Texten wird jedoch deutlich, dass der Körper von Jesus der Verwesung nicht preisgegeben wurde. Aber auch, dass Jesus nicht in den früheren physischen Körper zurückkehrte, sondern in einem verklärten, verwandelten Körper auferstand (Apg 2,31; 13,37; Phil 3,20-21; 1Kor 15,35-49).

 

4.2 Die Auferstehung von Jesus am ersten Tag der Woche – Beginn der Neuschöpfung

Die Auferweekung von Jesus geschieht am ersten Tag der jüdischen Woche und erinnert an den ersten Schöpfungstag, bei dem Gott das Licht aus der Finsternis hervorrief (1Mose 1,1-2). Hier jedoch wird das wahrhaftige Licht aus der Finsternis des Todes und Grabes herausgerufen. „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ (Joh 1,9). Hier erkennt man eine Kontinuität im Handeln Gottes. Zuerst das Physischmaterielle, danach das Geistliche, zuerst das Irdische, danach das Himmlische (1Kor 15,35-49).

 

4,3 Jesus verlässt seine vorübergehende Grabstätte

Ein wichtiger Aspekt, der nicht oft bedacht und erwähnt wird ist, dass Jesus kein eigenes Grab hesaß. Die Regel im Judentum war, noch zu Lebzeiten für sich und seine Familie eine Grabstätte zu erwerben. Dafür gibt es viele Beispiele in der Geschichte des Alten Testamentes (Abraham, Isaak, Jakob, Josef, David u. a. m.). Das Felsengrab, in das Jesus gelegt wurde, gehörte einem reichen Ratsherr mit Namen Josef aus Arimathäa. Seine Liebestat ist umso wertvoller, weil er ja nicht damit rechnete seine Begräbnisstätte zurückzubekommen.

  • Jesus war Häusererbauer, doch für sich selbst baute er kein eigenes Haus – Er erhob keinen Anspruch auf territorialen Besitz im Land in dem er lebte und wirkte;
  • Jesus liebte und schätzte die Familie in der er aufwuchs, doch für sich selbst gründete er keine eigene Familie – Er hegte keine Ambitionen auf eine Familiendynastie in dieser Welt;
  • Jesus besorgte sich zu seinen Lebzeiten auch kein eigenes Grab – denn für die drei Tage und drei Nächte (eigentlich nur etwa 37 Stunden) wurde ihm eine neue und noch nicht benutzte Grabstätte zur Verfügung gestellt.

Es ist also nicht korrekt, die Stätte, wo seit Jahrhunderten die sogenannte Grabeskirche (seltener die Auferstehungskirche genannt) steht, als das `Grab Jesu` zu bezeichnen. Um diese Grabstätte wurde im Laufe der Jahrhunderte viel Gekämft und viel Blut vergossen. Bis heute geht es mehreren Konfessionen um den territorialen Anspruch auf die Grabeskirche oder einen Teil davon. Dies kann keinesfalls im Sinne von Jesus sein. Mit aller Wahrscheinlichkeit hat Josef später seine Grabstätte für sich und seine Familienangehörigen benutzt, denn laut den Berichten des Neuen Testamentes gibt es keine Anhaltspunkte für die Pflege der Grabstätte in der der Körper von Jesus vorübergehend lag. Nein, Jesus hatte kein eigenes Grab!

 

4.4 Ein Engel erscheint in unbeschreiblichem Lichtglanz und die Erde bebt

Der Evangelist Matthäus schreibt: „„Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.“ (Mt 28,2-3). Erst vor zwei Tagen bebte die Erde und zwar zum Zeitpunkt des Todes von Jesus (Mt 27,51). Jetzt, in den frühen Morgenstunden des ersten Tages der Woche  wird Jerusalem und Umgebung erneut erschüttert. Zeitgleich werden durch das Erdbeben auch viele Felsenggräber geöffnet. Leicht vorstellbar, dass auch die Menschen in Jerusalem und Umgebung aus dem natürlichen Schlaf gerissen wurden.

Nach dem Text besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Erdbeben und dem Herabkommen des himmlischen Boten, es geschieht gleichzeitig. Doch der Stein an der Grabestür rollt nicht weg durch das Beben der Erde, wie es bei den anderen Felsengräbern der Fall war, sondern durch die Hände des Engels. Er wälzt diesen Stein davon und setzt sich darauf, was für ein Anblick der Souveränität in diesem Handeln? Nun übernimmt er die Regie, allerdings nicht für die Bewachung des Leichnams, sondern für die Bewachung des leeren Grabes. Eigentlich sind jetzt die Soldaten überflüssig geworden. Wahrscheinlich haben die Wachen diese Erscheinung mitbekommen, bevor sie wie tot hingefallen sind. Dadurch wurde für sie der übernatürliche Eingriff erkennbar.

 

4.5 Das Grab war leer – der Leichnam war nicht mehr da

Als die Wachen wieder zu sich kamen, stellten sie fest, dass das Grab leer war. Die Furcht und der Schrecken von vorher erfasst sie aufs neue. Denn sie haften mit ihrem Leben für die Sicherung des Grabes und der Unversehrtheit des Leichnams. Sie können jedoch feststellen, dass der Leichnam nicht geraubt wurde. Denn auch noch kurze Zeit später sind die Leinenen Tücher im Grab und zwar ordentlich zusammengerollt, so der Augenzeuge Johannes (Joh 20,4-7). Grabraub ist also völlig ausgeschlossen, denn Grabräuber hätten das Grab nicht in solch einer Ordnung zurückgelassen.

 

4.6 Viele verstorbene Heilige wurden auferweckt und erschienen vielen in Jerusalem

Die Informationen, welche Matthäus in Kapitel 27,51b-53 beschreibt, sind ein Einschub, bzw. eine Vorwegnahme dessen, was zeitlich erst im Anschluß an die Auferstehung Jesu geschehen ist. So schreibt er: „(…) und die Grüfte öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt,  und sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Grüften und gingen in die heilige Stadt und erschienen vielen..“ Beachten wir die zeitliche Angabe des Evangelisten „nach seiner Auferweckung“. Jesus musste der Erste sein in allem, wie später der Apostel Paulus hervorhebt: „Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der ntschlafenen;“ (1Kor 15,20). Dabei bekommt man den Eindruck, dass Jesus mit seiner Auferstehung aus den Toten viele mit sich nimmt. Später sagte er im Rückblick: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offb 1,17b-18). Er ist nun der Schlüsselberechtigte. Er hat einen Ausgang aus dem Reich des Todes geschaffen, ja er selbst ist der Ausgang aus dem Tod zum Leben. Dieses einzigartige Wirken Gottes ist in gewissem Sinne eine beispielhafte Vorwegnahme dessen, was bei der Wiederkunft Jesu am jüngsten Tag allen Gläubigen zugesichert wurde.

 

5. Hinweise (Indizien) für die Glaubwürdigkeit der Auferstehung von Jesus

 

5.1 Bedenken, Befürchtungen und Unruhe der Hohenpriester

Der Ev. Matthäus schreibt: „Am nächsten Tag aber, der auf den Rüsttag1 folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir haben uns erinnert, dass jener Verführer sagte, als er noch lebte: Nach drei Tagen stehe ich wieder auf. So befiehl nun, dass das Grab gesichert werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Und die letzte Verführung wird schlimmer sein als die erste. Pilatus sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben. Geht hin, sichert es, so gut ihr könnt! Sie aber gingen hin und sicherten, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, das Grab mit der Wache.“ (Mt 27,62-66). Am folgenden Tag, also dem Sabbat, können sich die Hohenpriester nicht so richtig auf ihren Tempeldienst konzentrieren. Zusammen mit den Pharisäern sind sie sehr unruhig in anbetracht dessen, was bereits am Vortag geschehen war. Verstärkt wurde diese Unruhe auch noch durch die Erinnerung an die Worte von Jesus über seine Auferweckung am dritten Tag (Mt 12,39-40). Es ist ziemlich sicher, dass sie dies zwar nicht glaubten, doch die dreiste Reaktion des Petrus mit dem Schwert im Garten Gethsemane, bringt sie auf die Idee (den Verdacht), die Jünger könnten in einer Nachtaktion den Leichnam aus dem Grab stehlen und behaupten, Jesus wäre auferstanden. Sie wollen unvorhersehbaren Entwicklungen vorbeugen. Und so erscheinen sie bei Pilatus dem Statthalter, den sie in ihre Überlegungen einbeziehen und von ihm eine Wache anfordern wollen. Hier stellen sich einige Fragen, wie zum Beispiel:

  1. Wer war zuständig für den Leichnam?
  2. Warum begaben sich die Hohenpriester in die Abhängigkeit des Statthalters, anstatt ihre eigene Tempelwache am Grab aufzustellen?

Wie der Ev. Markus berichtet, war der Statthalter auch für den Leichnam des Gekreuzigten Jesus  zuständig (Mk 15,43). Doch nachdem er dem Josef erlaubte den Leichnam von Jesus abzunehmen, endete auch seine Zuständigkeit. So schreibt Markus: „(…) kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der selbst auch das Reich Gottes erwartete, und er wagte es und ging zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon gestorben sein sollte; und er rief den Hauptmann herbei und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. Und als er es von dem Hauptmann erfuhr, schenkte er Josef den Leichnam.“ (Mk 15,43-45).

Nun gehörte der Leichnam von Jesus dem Josef und er sorgte für eine würdige Bestattung desselben und zwar in seinem eigenen, neu aus dem Fels gehauenem Grab. Diese öffentliche Tat konnte den Hohenpriestern nicht verborgen geblieben sein. Trozdem wollen sie nicht ihre eigene Tempelwache einsetzen, sondern die des Statthalters. Wollen sie ihm schmeicheln, oder ihre eigenen Leute schonen? Aus dem Bericht über die Festnahme von Jesus und der Apostelgeschichte 4,1 und 5,24 erfahren wir von der Einsatzbereitschaft der Tempelwache, welcher ein Hauptmann vorstand. Vermutlich wollten sie nicht ihre eigenen Leute dafür einsetzen, denn gegen einen befürchteten nächtlichen Überfall der Jünger, wären die römischen Wachsoldaten auf jeden Fall besser gerüstet. Und auf ihre Tempelwache längere Zeit zu verzichten, bedeutete auch Unsicherheit im Tempelbereich. Auf jeden Fall kann man aber der Tempelbehörde unterstellen, dass sie ihre eigenen Vorteile suchten. Ihre Anfrage an den Statthalter lautete: „So befiehl nun (ordne an), dass das Grab gesichert werde bis zum dritten Tag, (…)“. Das hört sich nach einer Aufforderung an. Die Antwort des Pilatus ist sehr kurz formuliert und daher für uns heute nicht ganz eindeutig. Zwei Varianten der Übersetzung untersuchen wir hier:

  1. Ihr habt `ἔχετε – echete` (eine) Wache. Geht hin, sichert es, wie ihr wisst.“

In diesem Fall würde Pilatus auf das Vorhandensein der Tempelwache anspielen, die unter dem Befehl der Tempelbehörde stand. Nach dem Motto: „Ihr habt ja eine Wache, geht hin, sichert ab, wie ihr denkt“. Pilatus hatte nicht mehr die Verantwortung für den Leichnam. Warum soll er den Juden auch noch diesen Gefallen tun, nachdem sie ihn bereits am Vortag so sehr unter Druck gesetzt hatten?

  1. Habt `ἔχετε – echete` (eine) Wache. Geht hin, sichert es, wie ihr denkt.

Wenn das gr. Verb `ἔχετε – echete` von Pilatus im Imperativ ausgesprochen wurde, dann wäre anzunehmen, dass er ihrer Aufforderung nachgab und ihnen eine Wache zur Verfügung stellte. Schließlich kann es auch nicht in seinem Interesse sein, dass wegen eines Leichnams der eventuell gestohlen wird, eine weitere Unruhe im Volk entsteht. Auch könnte es in seinem Interesse gewesen sein, den Juden einen weiteren Gefallen zu tun, der ihn nichts kostete außer einigen seiner Soldaten eine zusätzliche Beschäftigung zu verschaffen. Und nicht zuletzt, um mehr Kontrolle und Einfluss bei den Juden zu haben.

Bei der ersten Variante hätten die Juden weitere Begründungen für ihre Vorderung angeführt oder verärgert umgekehrt. Es deutet aber nichts darauf hin, sondern der Text geht fließend weiter mit: „Sie aber gingen hin und sicherten …“.

Die Bezeichnung der `Wache` gr. `κουστωδίαν – koustodian`, kommt insgesamt nur drei mal und nur in der Geschichte mit der Überwachung des Grabes vor. Es scheint also eine typische Bezeichnung zu sein für die römischen Wachen. In allen anderen Geschichten, wo von `Wachen` (aber auch vom Gefängnis Apg 5,25) im jüdischen Kontext die Rede ist, wird der Begriff `φυλακὴν – fylak¢n` verwendet (Neh 4,16.17; Apg 5,23; 12,10.19).

Wenn wir von der Situation, die uns in der Apostelgeschichte 12,4 geschildert wird ausgehen, so könnte auch die von Pilatus zur Verfügung gestellte Wache aus vier Viererschaften von Wachsoldaten bestanden haben.

In Begleitung der Wachsoldaten versiegelten die Hohenpriester das Grab (nachdem sie sich vergewissert hatten, dass der Leichnam im Grab ist). Sicher war den Hohenpristern bewusst, dass sie mit ihrer Handlung das Sabbatgebot übertreten, auch wenn sie andere Personen beauftragten die Arbeit zu machen (Joh 5,10-12). Die Wachsoldaten hafteten mit ihrem Leben für die Sicherheit des Grabes und des Leichnams (vgl. dazu Apg 12,19).

 

5.2 Die Soldaten sagen die Wahrheit

Matthäus schreibt weiter: „Als sie (die Frauen) aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.“ (Mt 28,11).

Es ist anzunehmen, dass die Wachen nicht ohne weiteres das Grab verlassen durften. Daher sind es nur einige von der Wache, die zu den Hohenpriestern ihren Auftraggebern gehen, um ihnen von dem Geschehenen zu berichten. Die soldaten hatten keinen Grund, nicht die Wahrheit zu sagen, denn jede andere, eilig erdachte Schilderung der Ereignisse, hätte sie in zusätzliche Erklärungsnot und noch größere Schwierigkeiten gebracht.

Ausdrücklich heißt es im Text, dass sie alles erzählten, was geschehen war. Demnach berichten sie auch von dem Zustand des durch den Engel geöffneten Grabes. Ganz offensichtlich ist der Leichnam von Jesus nicht entwendet worden. Dafür spricht der Umstand, dass die leinenen Tücher nicht nur im Grab blieben, sondern auch noch ordentlich zusammengerollt wurden, so der Augenzeugenbericht des Johannes, der später zusammen mit Petrus das Grab besuchte. „Es liefen aber die beiden miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam als Erster zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen, und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort.“ (Joh 20,4-7). Dieses Bild der völligen Ordnung zeigte sich auch den Soldaten. So konnten sie mit Sicherheit und Überzeugung berichten, dass der Leichnam nicht entwendet wurde, während sie eine zeitlang wie tot waren. Im Falle eines Dienstahls hätte man die Leinenen Tücher nicht vom Leibe genommen und schon gar nicht diese ordentlich zusammengewickelt.

 

5.3 Die Hohenpriester glauben der Schilderung der Soldaten

Die Hohenpriester ihrerseits glaubten dem Bericht der Wachsoldaten, denn nichts spricht dafür, dass sie die Schilderung der Soldaten angezweifelt hätten. Musste doch ihnen bewusst geworden sein, dass die dreistündige Finsternis vor zwei Tagen, das Erdbeben und der zerrissene Vorhang im Tempel im Zusammenhang mit der Kreuzigung von Jesus zu tun hat. Auch das Erdbeben an diesem frühen Morgen konnte leicht in Zusammenhang mit den von den Soldaten geschilderten Ereignissen gebracht werden. Nein, die glaubwürdige Schilderung der verängstigten Soldaten konnten sie nicht infrage stellen. Und spätestens jetzt hätten die Hohenpriester erkennen und zugeben müssen, dass sie offensichtlich gegen Gott kämpfen. Unglaube, Stolz, Machtgier, führten bei ihnen zur Verhärtung des Herzens und schließlich zur Verblendung. Mit ihrer Bitte bei Pilatus um eine Wache, haben sie sich selbst in Schwierigkeiten und in Erklärungsnot gebracht.

 

5.4 Durch Schweige- und Scmiergeldzahlungen soll die Wahrheit verdeckt werden

Matthäus schreibt weiter: „Und die (Hohenpriester) kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel (genug) Geld und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu fürchten habt.“ (Mt 28,12-14). Die Hohenpriester missbrauchten den Tatbestand in dem Bekenntnis der Soldaten, bei der Erscheinung des Engels – wie tot umgefallen zu sein – zu ihren Gunsten, um eine lügenhafte Version zu kreieren, nach der die Soldaten den Grabraub verschlafen hätten. Wie peinlich muss das für die Soldaten gewesen sein, solche Geschichte von sich in aller Öffentlichkeit erzählen zu müssen. Wie absurd doch diese Version ist – denn wie konnten sie im Schlaf mitbekommen haben, dass es die Jünger gewesen wären? Und dies öffentlich zuzugeben vor allen glich für die Soldaten dem eigenen Todesurteil. Doch sie haben keine Wahl.

Schweige- und Schmiergelder fließen reichlich und da die Besoldung der einfachen Soldaten sehr niedrig war, gehen sie auf den Diel mit den Oberpriestern ein. Zusätzlich bekommen sie die Zusicherung der Fürsprache beim Statthalter im Falle wenn die Sache ihm zu Ohren kommen sollte. Welche Klimmzüge werden da gemacht, um die Wahrheit zu verschleiern? Was für ein negatives Beispiel geben doch die Verantwortlichen in Israel den Heiden?

 

5.5 Es fand keine Suchaktion des Leichnams statt

Matthäus schließt diesen Teil mit den Worten: „Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet worden waren. Und diese Rede verbreitete sich bei den Juden bis auf den heutigen Tag.“ (Mt 28,15). Auch die römischen Soldaten sind nicht frei von Korruption und Lüge, hat doch schon ihr Vorgesetzter nicht ohne Ironie gefragt: „was ist Wahrheit?“ (Joh 18,38). Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich nicht alle Soldaten an diese Abmachung gehalten haben, bedenkt man die Reaktionen des Haupptmanns und seiner Untertanen am Kreuz kurz nach dem Sterben von Jesus (Mt 27,54).

Sicher hatten die Jünger von Jesus die Schilderung der Soldaten in den Strassen von Jerusalem mitbekommen. Dies könnte der Grund gewesen sein für ihre Furcht vor den Juden, die möglicherweise gerne auf Spurensuche gegangen wären (Joh 20,19). Nach logischem Denken aber, wäre es nicht im Interesse der Hohenpriester gewesen, eine Befragung der Jünger vorzunehmen oder gar eine Suchaktion des Leichnams zu veranlassen, wussten sie doch dass der Leichnam nicht gestohlen wurde und daher auch nicht auffindbar wäre. Die Tatsache also, dass die Hohenpriester den Jüngern nicht nachstellten und keine Suchaktion des Leichnams starteten, ist ein weiterer Beleg für die Tatsache der Auferstehung von Jesus.

 

5.6 Die Wahrheit bricht sich Bahn

Trotz der weit verbreiteten Lüge im Volk der Juden, glaubten bereits nach wenigen Wochen Tausende an den auferstandenen Jesus. Bald nach Pfingsten kamen sogar viele Priester zum Glauben an den auferstandenen Christus Jesus. So berichtet Lukas: „Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.“ (Apg 6,7).

 

6. Die Erscheinungen von Jesus während der vierzig Tage

  • Füh am Morgen des ersten Tages erschein der Auferstandene zuerst Maria der Magalena (Joh 20,15-18).
  • Danach erscheint Jesus einer Gruppe von Frauen, die auf die Anweisung der Engel das leere Grab verlassen hatten und sich auf dem Weg in die Stadt zu den Jüngern befinden (Mt 28,9-10).
  • Im Laufe des Tages erscheint Jesus dem Simon Petrus wie Lukas kurz festhält (Lk 24,34).
  • Am Spätnachmittag begegnet Jesus dem Kleopas und seinem Freund auf dem Weg nach dem Dorf Emmaus (Lk 24,13-33).
  • Spät am Abend des ersten Tages erscheint Jesus seinen Jüngern (einschließlich der zwei sogenannten Emmausjüngern) hinter verschlossenen Türen, allerdings ohne Thomas (Joh 20,19-24).
  • Nach einer Woche begegnete Jesus wieder seinen Jüngern in Jerusalem, diesmal war Thomas dabei (Joh 20,25-29).
  • Zwischendurch begegnete Jesus dem Jakobus, wie der Ap. Paulus schreibt (1Kor 15,7).
  • Eine weitere Begegnung Jesu mit sieben Jüngern findet am Ufer des Sees von Tiberias statt und zwar in unmittelbarer Nähe von Kapernaum (Joh 21,1-14).
  • Die bekannteste Begegnung beschreibt der Evangelist Matthäus – diese findet auf einem Berg in Galiläa statt (Mt 28,16-29). Bei dieser Begegnung gibt Jesus den Auftrag zur Evangelisation unter allen Völkern.
  • Wenig bekannt ist die Erscheinung von Jesus bei der mehr als fünfhundert Brüder auf einmal dabei waren, wie der Ap. Paulus in 1Korinther 15,6 bestätigt.
  • Danach trifft Jesus sich mit seinen Jüngern in Jerusalem in einem Haus (Lk 24,42-50; Apg 1,4-8).
  • Das letzte Treffen und die Erhöhung in den Himmel findet auf dem Ölberg statt (Lk 24,51-52; Apg 1,9-12).

Details zu diesem 6. Abschnitt unter dem Link: http://gottesgeheimnis.net/2017/04/15/die-tatsache-der-auferstehung-von-jesus/

7. Auswirkungen der Auferstehung von Jesus

  • Die mutige und vollmächtige Verkündigung der Apostel – „mit großer Kraft gaben die Aposteln Zeugnis von der Auferstehung Jesu“
  • Allein in der Apostelgeschichte wird von den Aposteln nahezu zwanzigmal auf die Auferstehung von Jesus Bezug genommen. Der Schwerpunkt in der Verkündigung ist also die Auferstehung von Jesus aus den Toten, als unbedingte Folge des Leidens und Sterbens von Jesus. Ebenso einen breiten Raum nimmt diese zentrale Botschaft in den Briefen der neutestamentlichen Autoren ein (Apg 1,3.21.22; 2,20-32. 34; 3,15.26; 4,1-2.10.33; 5,30; 10,40.41; 13,33.37; 17,31; 22,6; Röm 1,4; 6;4; 10,9; 1Kor 6,14; 15,4.16.17; Gal 1,1; Kol 2,12; 1Thes 4,14; 1Petr 1,21; 2Tim 2,8; Offb 1,18).

 

8. Schlussfolgerungen

8.1 Welche Auswirkungen hat die Auferstehung von Jesus in unserem persönlichen Leben?

8.2 In meiner Gebetsgemeinschaft mit Gott?

8.3 In unserem Dienst in der Gemeinde?

8.4 In unserem Zeugnis vor der Welt?

8.5 In Fragen der Lebensgestaltung?

8.6 In Zeiten des Älterwerdens?

´8.7 Im Anblick des Sterbens?

8.8  Ia, sogar in den Angelegenheiten der Bestattung?

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