DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI – 4.TEIL

4. Teil:  Das Lamm öffnet das siebte Siegel – die sieben Posaunengerichte und die Vollendung des Geheimnisses Gottes

Einleitung zu den Posaunengerichten

Obwohl Kapitel 7 mit der vollendeten  Gemeinde in der Herrlichkeit vor dem Thron Gottes endet, enthält das siebte Siegel noch weitere Informationen, welche in den Kapiteln 8 bis 22 enthalten sind.

Jesus hat für seine Knechte noch viele wichtigen Details mitzuteilen.

Unter dem sieben Posaunen werden  in verschiedenen Visionen und unter anderen Gesichtspunkten Gottes Gerichte über die Schöpfung und die Menschen geschildert. Im Rahmen der sechsten Posaune gibt es zwei Einschübe über die besondere Botschaft des starken Engels, sowie die zwei Zeugen, ihren Dienst, ihr Leiden und ihre Entrückung. Mit der siebten Posaune wird erneut das Ende (die Vollendung) eingeleitet (Offb 11,15-19).

Die sieben Posaunengerichte werden sorgfältig und auf eine besondere Weise vorbereitet. Und als es das siebente Siegel öffnete, entstand ein Schweigen im Himmel, etwa eine halbe Stunde. 2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen; und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. 3 Und ein anderer Engel kam und stellte sich an den Altar, und er hatte ein goldenes Räucherfass; und es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, damit er es für die Gebete aller Heiligen auf den goldenen Altar gebe, der vor dem Thron ist. 4 Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen auf aus der Hand des Engels vor Gott. 5 Und der Engel nahm das Räucherfass und füllte es von dem Feuer des Altars und warf es auf die Erde; und es geschahen Donner und Stimmen und Blitze und ein Erdbeben.“ (Offb 8,1-5).

Immer noch ist das Lamm in Aktion, es öffnet das siebte Siegel. Was als erstes geschieht, es geschieht nichts, oder doch? Es entstand eine Stille im Himmel bei einer halben Stunde. Für `Stille` steht im Griechischen das Wort `σιγὴ –  sig¢ – Schweigen` (Apg 12,17; 1Kor 14,28-30). Man könnte auch sagen, alle hielten den Atem an, alle schwiegen  in der spannenden Erwartung dessen, was nun kommen wird. Zu der Stille wird immer wieder aufgerufen (2Mose 14,14: „Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet still sein“; Ps 46,11: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“). Dieses Schweigen dauerte etwa eine halbe Stunde. Diese Zeitspanne im himmlischen Bereich ist nicht mit 30 Minuten zu bemessen. Es erinnert uns auch an das Verhalten der Kinder Israel vor der Einnahme der Stadt Jericho. Josua aber gebot dem Volk und sprach: Ihr sollt kein Kriegsgeschrei erheben noch eure Stimme hören lassen, noch soll ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, an dem ich zu euch sage: »Macht ein Kriegsgeschrei!« Dann sollt ihr das Kriegsgeschrei erheben.“  (Jos 6,10). Davon ableiten lässt sich, dass bevor Gott in Aktion tritt, muss alles und alle zunächst verstummen. So lesen wir in Hab 2,20: „Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei stille vor ihm alle Welt!

Von den sieben Engeln wird gesagt, dass sie vor Gott stehen und dass ihnen sieben Posaunen gegeben wurden. Aus der Geschichte Israels wissen wir bereits, dass Posaunen zu verschiedenen Zwecken geblasen wurden.

  • 2Mose 19,16: Zum Schall der Posaune auf dem Berg Sinai.
  • Jos 6,4-13: Sieben Priester trugen sieben  Schofahörner (Posaunen)während der sieben Tage.
  • Auch Jesus erwähnt Posaunen, ebenso Paulus (Mt 24,31; 1Tes 4,16; 1Kor 15,52).

Doch bevor diese sieben Engel mit ihren Gerichten beginnen, wird ein besonderer Dienst am goldenen Räucheraltarr vollzogen.

Anmerkung: Wenn in der Offenbarung vom Altar gesprochen wird, dann ist es immer der goldene Räucheraltar, welcher im Inneren des Heiligtums stand (2Mose 30,1.27; Lk 1,10-11; Offb 5,8; 6,9; 8,3.5; 11,1; 14,18; 16,7).

Die Gläubigen werden durch Gebet in die Entwicklung der Geschichte mit einbezogen (vgl. dazu Offb 5,8; Röm 8,26). Diese Gebete werden auf dem goldenen Altar mit den glühenden Kohlen vermengt und so steigt der Rauch (Wohlgeruch) zu Gott empor. Danach wird das Räuchergefäß mit den glühenden Kohlen auf die Erde ausgeschüttet. Gott reagiert, antwortet auf die Gebete der Heiligen mit Donner, Stimmen, Blitzen und (einem) Erdbeben. Ähnliches geschah auch in:

  • (Offb 4,5: „Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron.
  • Offb 11,19: „es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.“
  • ; Offb 16,18: „Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind.“
  • Bereits zur Zeit des AT lies Gott seine Stimme erschallen mit Donner und antwortete damit auf das Gebet (Opfer) von Samuel  (1Sam 7,10; 12,18).
  • Auf das Gebet von Elia: „Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben.“ Anschließend werden die Priester des Baal rgerichtet und das Volk anerkennt Gott als den Herrn. (1Kön 18,38).
  • Auf das Gebet von Jesus antwortete Gott der Vater mit einer donnerähnlichen Stimme (Joh 12,28-29). Auffallend ist dabei was Jesus anschließend sagte: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt“.

Dass Jesus seine Nachfolger in das Reichgottesgeschehen mit einbezieht, wird in seinem Auftrag an die Jünger sehr deutlich. „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ (Mt 6,9-10).

Weitere Ereignisse, die durch die Gebete der Gläubigen beeinflusst worden sind:

  • Abraham bittet für Sodom, Lot wird gerettet vor der Vernichtung durch Feuer und Schwefel (1Mose 18-19).
  • Auf das Gebet der Gemeinde in Jerusalem und am Pfingsttag sandte Gott den Heiligen Geist entsprechend der Verheißung, welche Jesus seinen Jüngern hinterlassen hatte (Apg 1,5.; 1,13-2,4).
  • Gebet der Gemeinde für Petrus und Gott sendet einen Engel und öffnet die Gefängnistore. Dies führt letztlich zum  Gericht über Herodes Agrippa den Ersten (Apg 12,23).
  • Nach dem Lobpreis des Paulus und Silas antwortet Gott mit einem großen Erdbeben, so dass die Gefängnistüren geöffnet werden (Apg 16,25ff). Dies hatte Auswirkungen für die Familie des Gefängniswärters, die Stadtbehörden und die neu entstandene Gemeinde.

Die ersten vier Posaunengerichte bilden in sich eine Gruppe, ähnlich wie auch die Vierergruppe der Reiter in Offb 6,1-8. Diese Gerichte werden über die Erde, das Meer, die Wasserquellen und schließlich die Himmelskörper ergehen (Offb 8,6-12). Diese Symbolischen Darstellungen können sowohl buchstäblich (materiell / physisch) als auch im übertragenen Sinne gedeutet werden. Dazu weisen die Posaunengerichte einige Parallelen auf zu den Schalen der Zornesgerichte aus Kapitel 16,1-9. Anders als bei den Siegeln scheint es hier um  aufeinander folgende Gerichte zu gehen. Die Aussage des durch den Himmel fliegenden Adlers legt dies nahe (Offb 8,13). Die Ähnlichkeiten zu den Bildern aus den Strafgerichten in Ägypten unterstützen diese Annahme. Doch es gibt keinerlei zeitlichen Anhaltspunkte, wann die Engel ihre Posaunen blasen und wie lange die jeweiligen Gerichte andauern werden (Ausnahme bildet das fünfte Posaunengericht). Daher wird es wohl eher um die Summe von Ereignissen gehen, welche durch die jeweiligen Symbole dargestellt werden.  Doch alles was hier geschieht ist keineswegs losgelöst von den Ereignissen aus Kapitel 6 und steht ebenso in einem Zusammenhang mit den Ereignissen, welche später in Kapitel 12-20 beschrieben werden. „Und die sieben Engel, welche die sieben Posaunen hatten, machten sich bereit, um zu posaunen.“ (Offb 8,6). Während beim öffnen der Siegel die vier lebendigen Wesen in Aktion treten, werden bei den Posaunen sieben Engel einbezogen. Es scheint, dass es mehrere siebener Gruppen von Engeln gibt, welche verschiedene Dienste versehen (Offb 1,20; 15,1.6.8).

4.1 Das erste Posaunengericht

Und der erste posaunte: und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermischt, und wurde auf die Erde geworfen. Und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume ,verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte. (Offb 8,7).

Das Gericht durch die erste Posaune erstreckt sich auf den dritten Teil der Erde, den dritten Teil der Bäume und das gesamte grüne Gras. Erde und besonders Bäume und das Gras werden in den biblischen Texten sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinne auf Menschen bezogen.  Die drei genannten Elemente (Hagel, Feuer mit Blut vermengt) richten in ihrer Auswirkung Zerstörung und Verbrennungen an, sowohl in der Natur als auch an Menschen.

  • Hagel kommt in der Bibel 34 Mal vor und hat immer negative zerstörerische Auswirkungen. Er richtet meistens großen materiellen und physischen Schaden an. In der Offenbarung wird Hagel drei Mal (bzw. 4 Mal) genannt, ebenfalls als Gericht über das Land aber auch über Menschen  (Offb 8,7; 11,19; 16,21).
  • Feuer kommt in der Bibel nahezu 450 Mal vor und steht meistens für Zerstörung, Vernichtung oder Gericht. In einigen Texten aber auch als Element zur Läuterung. In der Offenbarung kommt Feuer als Strafgericht 12 Mal vor: 8,5.7; 9,17.18; 11,5; 14,10.18; 16,8; 17,16; 18,8; 20,9; 21,8. Doch wie wir sehen werden, ist das Element Feuer auf irgend eine Weise in allen vier ersten Posaunengerichten dabei.
  • Blut kommt in der Offenbarung als Strafgericht 7 Mal vor: 8,7.8; 11,6; 14,20; 16,3.4.6.

Um einem Verständnis der Siegelgerichte näher zu kommen, schauen wir uns Texte an in denen Gott bereits zur alttestamentlicher Zeit diese und ähnliche Elemente eingesetzt hatte. In 2Mose 24,17 wird von ihm gesagt:„Und die Herrlichkeit des HERRN war anzusehen wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges vor den Augen der Israeliten.“ Und in 5Mose 4,24 heißt es von Gott:  „Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“ (Gott ist derselbe auch in neutestamentlicher Zeit Hebr 12,29). Und bereits in der Zeit der Patriarchen setzte der Herr verschiedene Gerichtselemente ein.

Gerichte Gottes durch die Elemente Hagel und Feuer mit Blut

Der Einsatz dieser Elemente erinnert uns an die Plagen in Ägypten (2Mose 9,18-34). So lesen wir in 2Mose 9,23: „Da streckte Mose seinen Stab gen Himmel, und der HERR ließ donnern und hageln und Feuer schoss auf die Erde nieder. So ließ der HERR Hagel fallen auf Ägyptenland.“ Feuer steht da im Zusammenhang mit den zuckenden Blitzen, welche Feuer auslösten. Zu dieser Palette kam noch Blut hinzu (2Mose 7,19-21).

  • So lesen wir von der zerstörenden Kraft des Hagels: „Und der Hagel erschlug in ganz Ägyptenland alles, was auf dem Felde war, Menschen und Vieh, und zerschlug alles Gewächs auf dem Felde und zerbrach alle Bäume auf dem Felde.“ (2Mose 9,25). Hier ist physisch / materieller Schaden den Menschen, den Vieh und dem Land zugefügt worden.
  • An dieses Geschehen erinnert auch David in Psalm 18,14 und 105,32. In Psalm 78,48 lesen wir: „Er gab ihr Vieh dem Hagel preis und ihre Herden dem Wetterstrahl.“
  • 4Mose 11,1-3: Gott straft das Volk mit Feuer in der Wüste (Tabeera): wegen ihres Murrens „Und das Volk wehklagte vor den Ohren des HERRN, dass es ihm schlecht gehe. Und als es der HERR hörte, entbrannte sein Zorn, und das Feuer des HERRN loderte auf unter ihnen und fraß am Rande des Lagers.“
  • Die Rotte Korahs in 4Mose 26,10: „Und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie mit Korach, während die Rotte starb, indem das Feuer zweihundertfünfzig Männer fraß und sie zum Zeichen wurden.
  • Hagel als lokales Strafgericht drohte Gott später dem Volk Israel wegen ihres Ungehorsams an: „Darum, so spricht Gott der HERR: Ich will einen Wirbelwind losbrechen lassen in meinem Grimm und einen Platzregen in meinem Zorn und Hagel wie Steine im Grimm, um alles zu vernichten.“ (Hes 13,13).
  • Ähnlich auch im Rückblick durch Haggai 2,17: „Ich schlug euch mit Dürre, Getreidebrand und Hagel in all eurer Arbeit; doch keiner von euch hat sich zu mir bekehrt, spricht der HERR.“
  • Joe 2,3: „Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen.“
  • 5Mose 32,22: „Denn ein Feuer ist entbrannt durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste Tiefe und wird verzehren das Land mit seinem Gewächs und wird anzünden die Grundfesten.“
  • Von den Ammonitern spricht Gott in Hesekiel 21,37: „Du sollst dem Feuer zum Fraß werden, und dein Blut soll im Lande vergossen werden, und man wird nicht mehr an dich denken; denn ich, der HERR, habe es geredet.“
  • Und im Blick auf das Endgericht sagt Gott voraus: „Denn der HERR wird durchs Feuer richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERRN Getöteten werden viele sein.“ (Jes 66,16).

All diese Texte sprechen von Gottes Gerichten die sich sowohl auf die Natur als auch auf Menschen erstrecken.  Gegenüber den Siegeln ist hier eine Steigerung zu erkennen, weil es nun um den dritten Teil geht. Und diese Steigerung wirft auch neue Fragen auf.

Doch gegen  Ende der Zeit wird durch die Schalengerichte des Zornes Gottes in sieben Schritten die gesamte Schöpfung betroffen sein (Offb 16). Im Endgericht wird Gott über Gog (Sammelbegriff für die Feinde des Volkes Gottes) all diese Elemente ausschütten. So lesen wir in Hesekiel 38,22: „Und ich will ihn richten mit Pest und Blutvergießen und will regnen lassen Platzregen, Hagel wie Steine, Feuer und Schwefel über ihn und sein Heer und über die vielen Völker, die mit ihm sind.“ (vgl. auch Offb 20,9: „Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie.“).

Die Deutung dieser Elemente im Übertragenen Sinne:

  • Jes 33,14: „In Zion sind die Sünder erschrocken, Zittern hat die Heuchler befallen, und sie sprechen: »Wer ist unter uns, der bei verzehrendem Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann?«“

Was zerstört der Herr durch den Hagel im übertragenen Sinne?

  • Die Gottlosen in Jerusalem sprechen: „Wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht. 16 Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht. Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die Zuflucht in der Lüge zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen.“ (Jes 28,15-17).In der Tat hat Jesus als der Eckstein durch sein kraftvolles Wort alle Lüge und Heuchelei entlarvt und zerstört (Lk 20,18; Röm 9,33; 1Petr 2,4-8).
  • Joel 3,3: „Und ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchsäulen.“ (Apg 2,19). Das Zitat aus dem Propheten Joel verwendet Petrus mit dem Kommen des Heiligen Geistes am Pfingsttag. Jesus sagte seinen Jüngern: „Wenn dieser kommt, wird er die Welt überführen von der Sünde“ (Joh 16,7-8). Die Auswirkungen waren gewaltig, denn an diesem  Tag sind durch die Predigt und das Wirken des Geistes etwa drei Tausend Menschen von ihrer Sünde überführt und gerettet worden.

Wofür steht Gras im übertragenen Sinne?  

Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so.“ (1Mose 1,11-12.29). Doch die Fruchtbarkeit dieser Gewächse knüpfte Gott an Bedingungen (3Mose 26,1-20). Gras und Bäume haben neben ihrer natürlichen Bestimmung auch Bedeutung im übertragenen Sinne. Hier einige davon.

  1. Es steht für die Vielzahl alles Lebendigen, auch der Menschen: Hi 5,25; Ps 72,16; Jes 44,4).
  2. Es steht auch für die Vergänglichkeit alles Fleisches: Jes 40,6-7: „Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!“ (vgl. dazu auch 1Petr 1,24-25;Jak 1,10; 2Kön 19,26; Hi 8,12; Ps 90,5; 102,5.12; 103;15).
  3. Es steht für die Vergänglichkeit der gottlosen: „Die Gottlosen grünen wie das Gras, / und die Übeltäter blühen alle – nur um vertilgt zu werden für immer!“ (Ps 92,8; 129,6; Jes 37,27; Jak 1,11).

Und die Vegetation wird vernichtet werden wegen der Gottlosigkeit der Menschen: (Jer 12,4).

Wofür stehen Bäume im übertragenen Sinne?

Gott unterscheidet zwischen Bäumen, welche essbare Früchte tragen und den übrigen Bäumen des Feldes (5Mose 20,19-20

Androhung der Vernichtung der Vegetation bei Ungehorsam (5Mose 28,39-40).

  • Menschen im Vergleich mit Bäumen: (Ri 9,7-15: Ölbaum, Feigenbaum, Weinstock).
  • Jes 7,2: Menschen mit ängstlichen Herzen gleichen rauschenden Bäumen im Walde).
  • Jes 61,3: „dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit“.
  • Hes 17,24: „Und alle Bäume auf dem Felde sollen erkennen, dass ich der HERR bin: Ich erniedrige den hohen Baum und erhöhe den niedrigen; ich lasse den grünen Baum verdorren und den dürren Baum lasse ich grünen. Ich, der HERR, rede es und tue es auch.“
  • Weitere Stellen, in denen Menschen mit Bäumen verglichen werden: Hes 21,3; 30,5-9; Jak 1,12; Mt 3,10; 7,17;  Lk 6,44).

Fragen zum Nachdenken

Wo und wie gab es Gottesgerichte mit Hagel und Feuer mit Blut vermischt sowohl im natürlichen als auch im übertragenen Sinne auf Menschen bezogen? Können wir die Vulkanausbrüche dazu zählen? Und wie ist es mit den Waldbränden, die es auch schon früher gab und die in den letzten Jahrzehnten vermehrt auftreten, leider auch oft durch menschliches Versagen und Habgier.

Auf jeden Fall haben diese Strafgerichte auch Langzeitauswirkungen auf Natur und Menschen.

 

4.2 Das zweite Posaunengericht

Und der zweite Engel posaunte: Und etwas wie ein großer feuerflammender Berg wurde ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut. Und es starb der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört.“ (Offb 8,8-9).

Auf den ersten Blick erinnert solch ein feuerflammender Berg an einen der gewaltigen Vulkanausbrüche der Geschichte, den Vesuv im Jahre 79 n.Chr. bei dem die beiden Städte Herkulanum und Pompeji  verbrannt und verschüttet wurden. Die abfließende Lava löste im Golf von Neapel einen Tsunami aus, bei dem viele Schiffe zerstört wurden und Fische im Meer starben. Und in den darauf folgenden Jahrhunderten gab es hunderte weitere große Erdbeben mit gewaltigen Vulkanausbrüchen, welche große Zerstörungen an Land, im Meer und auch an Menschen angerichtet haben. Auf unserem Planeten werden etwa 1500 aktive Vulkane gezählt, von denen jährlich etwa 50 ausbrechen.

Im Text heißt es: „wie ein großer Berg mit Feuer brennend“.Dies erinnert uns an den Berg Gottes Sinai von dem es heißt, dass er mit Feuer brannte (2Mose 19,18; 5Mose 5,23; oder an die Vision in Daniel 2,35.45). Das vergleichende `wie` im Text macht deutlich, dass es sich nicht um einen buchstäblichen Berg handelt.

Doch die Auswirkung ist enorm, ein drittel der lebendigen Kreaturen und der Schiffe wurde vernichtet, bzw. zerstört.

Laut einer vorsichtigen Berechnung der Unterwasserforscher liegen auf dem Meeresgrund ungefähr 3 Millionen kleinere und größere Schiffe mit einem unermesslichen Wert an materiellen Gütern. Dadurch starben auch unzählig viele Menschen.

Schiffe kommen in der Bibel 56 Mal (Boote 51 Mal) vor und stehen für Handel, Personentransport,  Kriegsführung und Fischerei.

  • Schiffe für Handel und Personentransporte: 1Kön 9,26-27; 1Kön 10,11; 2Chr 8,18; 9,21; Hes 27,9; Offb 18,19; Apg 13,4; 16,26; 21,3; 27,10.37). Aktuell befahren tausende Schiffe die Weltmeere und befördern Menschen und Wahren in unermesslichem Umfang. Immer wieder kommt es auch dabei zu Katastrophen und Verlusten an Waren und Menschen.
  • Kriegsführung mit Hilfe der Schiffe: (Hi 9,26; 4Mose 24,24; Dan 11,30). Die Geschichte kennt unzählige Kriegshandlungen durch Flottenverbände. Und besonders in den letzten Jahrhunderten nahmen die Kriegshandlungen auf dem Meer zu mit entsprechenden dramatischen Folgen.
  • Schiffe kommen in Gefahr, werden zerstört oder vernichtet wegen dem Übermut und Ungehorsam der Menschen: Ps 48,9; 2Chr 20,36-37; Jona 1,3-5; Offb 8,9; 18,19). Hier ist besonders der Aspekt betont, dass Gottmenschliches Unternehmen wegen ihres Übermuts und Stolzes zerstört. Auch dazu gibt es in neuerer Zeit zahlreiche Beispiele.
  • Schiffe (Boote) für Fischerei und Personenbeförderung (Mt 4,21-22; 8,23-24; Joh 6,22).

Fische im natürlichen Sinne

Das Fischsterben in Ägypten war ein spürbarer Einschnitt in die Versorgung der Menschen des Landes: „Darum spricht der HERR: Daran sollst du erfahren, dass ich der HERR bin: Siehe, ich will mit dem Stabe, den ich in meiner Hand habe, auf das Wasser schlagen, das im Nil ist, und es soll in Blut verwandelt werden. 18 Die Fische im Strom werden sterben, und der Strom wird stinken. Und die Ägypter wird es ekeln, das Wasser aus dem Nil zu trinken.“ (2Mose 7,17-18). Fische aus dem Nil bildeten einen wertvollen Anteil an der Versorgung der Bevölkerung des Landes. Die Evangelien bestätigen den erheblichen Versorgungsanteil aus dem Meer in Israel zur Zeit von Jesus. Auch heute machen Fische einen erheblichen Teil der Nahrungsmittel für Menschen aus.

Fazit: Durch den Eingriff in diesen Bereich wird den Menschen ein drittel ihrer Lebensgrundlage weggenommen. Doch immer sind Menschen betroffen, auch bei den Eingriffen in die Natur.

Fische im übertragenen Sinne

In Hesekiel 29,3-9 gibt es einen ungewöhnlichen Vergleich zwischen den Lebewesen des Nil und dem Pharao samt seinem Volk. „Rede und sprich: : „So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großer Drache, der in seinem Strom liegt und spricht: »Der Nil ist mein und ich habe ihn mir gemacht.« 4 Aber ich will dir Haken ins Maul legen und die Fische in deinem Strom an deine Schuppen hängen und will dich aus deinem Strom herausziehen samt allen Fischen in deinem Strom, die an deinen Schuppen hängen. 5 Ich will dich und alle Fische aus deinem Strom in die Wüste werfen; du wirst aufs Land fallen und nicht wieder aufgelesen und gesammelt werden, sondern ich gebe dich den Tieren auf dem Land und den Vögeln des Himmels zum Fraß. 6 Und alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, dass ich der HERR bin. Weil du dem Hause Israel ein Rohrstab gewesen bist – 7 wenn sie dich mit der Hand anfassten, so brachst du und stachst sie in die Seite; und wenn sie sich auf dich lehnten, so brachst du entzwei und alle Hüften wankten –, 8 darum, so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will das Schwert über dich kommen lassen und Menschen und Vieh in dir ausrotten. 9 Und Ägyptenland soll zur Wüste und Öde werden, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin.“

Ja, die Lebewesen im Wasser können durchaus als Anschauungsmaterial für Menschen in Betracht gezogen werden, wie auch das Gleichnis vom Schleppnetz deutlich macht. So sagte Jesus: „Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische aller Art fing. 48 Als es voll war, zogen sie es heraus an das Ufer, setzten sich und lasen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten warfen sie weg. 49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden 50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 51 Habt ihr das alles verstanden?“ (Mt 13,47-51). Aber auch im übertragenen Sinne als Menschenfischer (Lk 5,6-10; Joh 21,11).

 Was ist mit dem Blut gemeint?

Zunächst erinnert es uns an das Strafgericht Gottes in Ägyptenland 2Mose 7,19-21: Und der HERR sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Ströme und Kanäle und Sümpfe und über alle Wasserstellen, dass sie zu Blut werden, und es sei Blut in ganz Ägyptenland, selbst in den hölzernen und steinernen Gefäßen. Und die Fische im Strom starben und der Strom wurde stinkend, sodass die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten; und es war Blut in ganz Ägyptenland.“ (vgl. mit Ps 78,44). Besteht zwischen diesem Strafgericht und der Tötung der Knaben der Israeliten ein Zusammenhang? (2Mose 1,22: „die Töchter lasst leben aber die Knaben werft in den Nil“). Dazu gibt es deutliche Parallelen zu den Zornschalen aus Offenbarung 16,1-9: „Und der zweite goss aus seine Schale ins Meer; und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben.“ (Offb 16,6). Während es bei den Posaunengerichten nur der dritte Teil zu Schaden kam, ist hier die totale Vernichtung die Folge des Schalengerichtes Gottes. In dem dritten Zorngericht gibt es eine Erklärung zum Blut (Offb 16,4-7: „Und der dritte goss aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserquellen; und es wurde Blut. 5 Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, dass du dieses Urteil gesprochen hast; 6 denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind’s wert. 7 Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht.“

Gott vergilt mit dem, was sie vergossen haben, sie müssen auskosten, erleiden, was es heißt Menschen das Leben zu nehmen. Dies sieht nach einem göttlichen Prinzip aus, denn was der Mensch sät, wird er ernten. Wer das Schwert nimmt, kommt durchs Schwert um.  In diesem Sinne könnte auch die Vergeltungsaktion an den Menschen aus Offb 8,7 gedeutet werden. Weitere Stellen zu dieser Vergeltung, welche denen droht, die Blut vergießen: (1Mose 9,5-6; 41,22; Jos 2,19; 1Kön 2,33; 2Kön 9,7; Mt 27,25).

Jesus sagte der bösen Menschenart in Israel: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35; „Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht (dieser Art).“ Lk 11,51).

Sowohl die Erde als auch das Meer sind von Blut getränkt und dies wird der gerechte Richter von den Verantwortlichen fordern. Zu allen Zeiten ist Blut vergossen worden auf dieser Erde (Meer) doch das Maß des Blutes welches im 20. Jh. vergossen wurde, übertraf alles bis dahin geschehene.  Aber was letztlich die Deutung dieses Posaunengerichtes im Detail betrifft und in welchem Zeitraum es sich erfüllt, ist vorerst Zurückhaltung angebracht. Schauen wir uns zunächst die weiteren Posaunengerichte an.

 

4.3 Das dritte Posaunengericht

Und der dritte Engel posaunte: Und es fiel vom Himmel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf den dritten Teil der Ströme und auf die Wasserquellen. 11 Und der Name des Sternes heißt „Wermut“; und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele der Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren. (Offb 8,10-11).

Was versinnbildlicht dieser große Stern brennend wie eine Fackel? Wenn Sterne vom Himmel fallen, dann hat es was mit Gericht zu tun (Offb 6,13: „Sterne fielen auf die Erde wie wenn ein Feigenbaum, der seine Feigen abwirft“). Oder der Stern aus Offb 9,1 der auch Unheil bringt.

Es gibt auch Ähnlichkeiten zu dem großen Berg aus dem vorhergehenden Posaunengericht. Hier brennt der Stern wie eine Fackel, dazu wird präzisiert. dass dieser Stern vom Himmel herab auf den dritten Teil der Flüsse und Wasserquellen fiel. Es handelt sich um eine gezielte Einschränkung der Trinkwasservorräte, die für die Menschen lebenswichtig sind. Dieser Stern wird Wermut genannt. Wermut ist eine Pflanze, deren bittere Substanz in kleineren Mengen in verschiedenen Bereichen verwendet wird. Doch enthält die Wermutspflanze auch eine Giftsubstanz `Thujon` die hoch dosiert für den Menschen gefährlich ist. Darum wird sie auch mit Gift in Zusammenhang gebracht. Der gr. Begriff dazu ist ` Ἄψινθος  – apsinthos`. Die Auswirkung davon war: Die Wasser wurden bitter, gr. `ἐπικράνθησαν – epikranth¢san`

Hier Texte zu Wermut und Bitterkeit im wörtlichen und auch übertragenem Sinne:

  • 2Mose 15,23: „Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man den Ort Mara.“ Der Kontext lässt den Schluss zu, dass der Genuss dieses Wassers zu Krankheiten geführt hätte. Die Lektion Gottes an das Volk ist sehr klar: „Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr dein Arzt“ (2Mose 15,26-27).
  • 5Mose 29,17: „Lasst ja nicht einen Mann oder eine Frau, ein Geschlecht oder einen Stamm unter euch sein, dessen Herz sich heute abwendet von dem HERRN, unserm Gott, dass jemand hingehe und diene den Göttern dieser Völker. Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.“ Gift und Wermut sind hier als Bestandteile der Wermutspflanze im übertragenen Sinne gemeint. Und sie machen auch den Zusammenhang mit Götzendienst deutlich. Der Stamm Dan (aber auch Ephraim) hat wesentlichen Anteil an der Einführung des Götzendienstes in Israel mit gravierenden negativen Folgen auch für die nachfolgenden Generationen (Ri 17).
  • Spr 5,3-4: „Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.“  Hier ist der Sinn eindeutig, es geht um die Verführung zur Unzucht mit all den bitteren Folgen.
  • Amos 5,7: „die ihr das Recht in Wermut verwandelt und die Gerechtigkeit zu Boden gestoßen habt.“ Dann fügt er noch ein Bild hinzu: „Wer kann auf Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern das Meer pflügen?“ Doch ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut.“ (Amos 6,12). Die Gesetzlosigkeit führt zur totalen Unvernunft. Und die Folgen bleiben nicht aus.
  • Jer 9,14: „darum spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will dies Volk mit Wermut speisen und mit Gift tränken.“ Ähnliches droht Gott auch den falschen Propheten an: „Darum spricht der HERR Zebaoth über die Propheten: Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Gift tränken; denn von den Propheten Jerusalems geht Ruchlosigkeit aus ins ganze Land.“ (Jer 23,15). Die Ruchlosigkeit der falschen Propheten ist gleich Wermut. Durch ihren Einfluss haben sie das Volk innerlich vergiftet. Und der Herr lässt sie ernten, was sie gesät haben.

Anmerkung: Doch auch die Gerechten müssen oft mit leiden wegen der Ungerechtigkeit der Gottlosen. So lesen wir in den Klageliedern Jeremias: „Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt und mit Wermut getränkt.“ (3,15). Oder: „Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Bitterkeit getränkt bin!“ (Kla 3,19). Der Prophet leidet mit, ohne selbst schuldig geworden zu sein. Das leiden wegen der Gerechtigkeit gehört zum Leben in der Nachfolge Jesu.

Auch bei dieser Plage war nur der dritte Teil der Flüsse und Wasserquellen betroffen. Sie wurden Bitter (giftig) gleich Wermut. Wenn wir zunächst an die ganz natürliche Verschmutzung der Trinkwasserreserven denken, stellen wir fest welch gravierende Auswirkungen dies auf die Menschen hat. Viele Menschen starben von den bitteren Wassern. Und diese Texte erhellen auch die symbolhafte Darstellung des dritten Posaunengerichtes. Die reinen Wasserquellen des lebendigen Wortes Gottes werden durch falsche Lehren und Ideologien vergiftet zum Schaden vieler Menschen. Ja, mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen, wenn sich dieses Gericht im geistigen Bereich durchsetzen wird? was ist erst, wenn Gott ihnen die Kraft des Irrtums schickt (2Thes 2,11; Röm 1,24). Diese Teilgerichte gehen dem Endgericht voraus und daher können sie als Warnungen Gottes gesehen werden.

 

4.4 Das vierte Posaunengericht

Und der vierte Engel posaunte: Und es wurde geschlagen der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne, so dass der dritte Teil von ihnen verfinstert wurde und der Tag seinen dritten Teil kein Licht hatte und ebenso die Nacht.“ (Offb 8,12).

Es wurde geschlagen“, der dritte Teil der himmlischen Leuchtkörper mit Finsternis, ohne dass irgendeinen Gegenstand genannt wird. Auffallend ist bei diesem Posaunengericht, dass nichts konkretes über die Folgen solcher Verfinsterung gesagt wurde. Dies lässt Raum für verschiedene Spekulationen. Ein gewisses Maß an Zurückhaltung bei dem Versuch einer Interpretation. Ist daher geboten.

Die Himmelskörper schuf Gott ursprünglich zu bestimmten Zwecken: „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre. und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde  und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1Mose 1,14-18). Ihre Zweckbestimmung ist:

  • Die da scheinen auf die Erde. Sie stehen im Bezug zu der Erde und sind auf diese ausgerichtet. Die Erde ist von den Leuchtkörpern abhängig. Was wären die natürlichen Folgen bei deren teilweisem Ausfall?
  • Die da scheiden Tag und Nacht: Ihre Funktion ist unter anderem auch die Trennung von Licht und Finsternis. Was passiert, en diese Funktion eingeschränkt wird?
  • Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre: Was für Folgen hätte ein teilweiser Ausfall auf den Jahresverlauf?

Hat Gott nicht gesagt: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1Mose 8,22). Warum denn diese Einschränkung in der Offenbarung 8,12 und wie ist sie zu verstehen?

Wir haben eine gewisse Parallele in der vierten Zornesschale aus Kapitel 16,8  doch dort ist nur die Sonne erwähnt und zwar als sengende Hitze. Hier jedoch wird den Menschen etwas Wesentliches entzogen, wenn auch nur teilweise. Auf was bezieht sich das 1/3 Verfinsterung? Wir fragen, wo in der Schrift gibt es zu diesem Phänomen Parallelen oder ähnliche Erscheinungen?

  • In der Zeit des Volkes Israel in Ägypten (2Mose 10,21ff). Die Plage der Finsternis dauerte drei Tage. Sie war partiell und erstreckte sich nur auf das Land Ägypten.
  • In der Zeit und im Zusammenhang mit dem Sterben von Jesus trat eine Finsternis ein über das Land für drei Stunden (Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44-45).
  • In der Voraussage von Jesus: „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, …“ (Lk 21,25). Diese angekündigten Zeichen könnten im Zusammenhang der Geschehnisse aus Offb 8,12; 9,1-2; 16,8 stehen. Doch diese Zeichen sind noch nicht das totale Erlöschen aller Himmelskörper, wovon Jesus erst in Lk 21,26-27 spricht (dazu auch Mt 24,29; Mk 13,24).

Doch wo gibt es Hinweise für eine  Deutung im übertragenen Sinne?

  • Amos 8,9: „Zur selben Zeit werde ich die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen.“ Auf wen ist es bezogen und was bedeutet dies? Der Kontext des Kapitels gibt die Erklärung zu dieser Strafandrohung Gottes über das Nordreich Israel.
  • Hes 32,7-8:  „Und wenn du ganz dahin bist, so will ich den Himmel verhüllen und seine Sterne verfinstern und die Sonne mit Wolken überziehen, und der Mond soll nicht scheinen. Alle Lichter am Himmel lasse ich über dir dunkel werden und bringe eine Finsternis über dein Land, spricht Gott der HERR.“ Und wer ist hier gemeint? Der Kontext des gesamten Kapitels spricht vom Untergang Ägyptens.
  • Mi 3,6 „Darum kommt Nacht über euch statt Gesicht und Finsternis statt Wahrsagung. Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden.“ Auch hier macht der Kontext deutlich, was mit der Verfinsterung gemeint ist. Wegen der Bosheit Israels und Judas kommt das Gericht über sie mit Zerstörung.
  • Jer 15,9: „Die sieben Kinder hatte, welkte dahin; sie hauchte ihr Leben aus. Ihre Sonne ging unter am hellen Tag; sie fiel in Schande und Schmach. Und was von ihnen übrig ist, will ich dem Schwert hingeben vor ihren Feinden, spricht der HERR.“ Auch hier hat der Herr beschlossen, das Gericht über Juda kommen zu lassen mit all den  schrecklichen Folgen.
  • Dem gegenüber gibt Gott den Gerechten die Verheißung: „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“ (Mal 3,20).
  • Joh 12,40: „er hat ihre Augen verblendet“;
  • Röm 1,20-21: Darum hat Gott sie auch hingegeben“;
  • Eph 4,18: „Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist“.
  • 2Thess 2,11: „Und darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, dass sie der Lüge glauben“.

Geistliches Licht wird teilweise entzogen, dadurch breitet sich geistliche Finsternis mehr aus.

Erkenntnis und Unterscheidungsvermögen wird eingeschränkt, dadurch breitet sich die Gesetzlosigkeit aus mit entsprechenden gravierenden Folgen.

 

Überleitung zu den letzten drei Posaunengerichten

Und ich sah: Und ich hörte einen Adler hoch oben am Himmel fliegen und mit lauter Stimme sagen: Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Stimmen der Posaune der drei Engel, die posaunen werden! (Offb 8,13).

Johannes sieht und hört, er hat eine Audiovision. Aber  wen versinnbildlicht der Adler, welcher hoch am Himmel fliegt? Warum kündigt er noch drei Wehen an?

Anmerkung: Es handelt sich durchaus um einen himmlischen Boten, daher übersetzen Einige gleich mit Engel. Doch macht es Sinn über die Charakterzüge und Verhaltensweisen dieses Raubvogels nachzudenken. Die dafür verwendete griechische Bezeichnung `ἀετος – aetos – Adler` ist an dieser Stelle nicht willkürlich verwendet worden. Bereits durch die Beschreibungen in Offb 4,7 und Hes 1,10 aber auch Ps 103,5; 5Mose 32,11;  Jes 40,31 haben wir ein positives Bild von Adlern bekommen. Doch er wird auch angeführt, um die Schnelligkeit eines Gerichtes zu veranschaulichen. (5Mose 28,49; Jes 46,11; Jer 48,40). Dieser Adler spricht drei Weherufe aus. Dieses dreimalige Wehe ist einmalig in der Bibel. Es ist ein klarer Hinweis auf die drei folgenden Posaunengerichte. Diese Weherufe künden Schlimmeres an als bis jetzt geschehen war. Sie sind also nichts neues in der Geschichte, sie gab es bereits zur Zeit des Alten Testaments. Weherufe kommen mehr als 200 Mal vor in der Schrift. Sie sind vielseitig in ihren Inhalten. Doch wenn sie von Gott ausgesprochen werden, sind sie Ausdruck seines Missfallens über das sündige Verhalten der Menschen, verbunden mit einer  offensichtlichen Androhung der Vergeltung durch vorläufiges oder auch Endgericht. Hier einige Stellen: Jes 1,4; 1,24; 3,9-11; 10,ff; 66,4; Jer 50,27; Hes 6,11; 24,6. Sie erinnern uns auch an die Weherufe von Jesus, der bereits:

  • über die Reichen, Lachenden und Satten aussprach (Lk 6,24-25).
  • damals Gericht über die unbußfertigen Städte voraussagte (Mt 10,15; 11,21).
  • Über die Menschen, welche anderen einen Fallstrick legen (Lk 17,1).
  • Oder an die sieben Weherufe über die theologische Elite Israels (Mt 23,13-29).
  • Ebenso über den Verräter Judas (Mt 26,24).
  • Jesus sagt Wehe und große Not voraus für das jüdische Volk während der Belagerung von Jerusalem (Lk 21,20-24).
  • Es erinnert uns auch an die Endzeitreden von Jesus als er vom Anfang der Wehen spricht (Mt 24,8; Mk 13,8).
  • Doch auch die Apostel sprachen von Wehen über bestimmte Menschen oder Gruppen von Menschen (Jak 1,11; 1Tim 6,10). Weitere Stellen in der Offb: 12,12; 16,10.16.

Aufschlussreich ist die Aussage des Ap. Petrus in 1Petr 4,17: „Denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt bei dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst bei uns, was wird es für ein Ende nehmen mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben?

Und die Weherufe des Adlers kündet schwere Zeiten an, welche über die Menschen kommen werden die auf Erden wohnen. Offensichtlich ist, dass bei all den Weherufen es sich nur um die Menschen handelt, welche sich gegen Gott auflehnen. Ausdrücklich heißt es hier, dass die Menschen betroffen sein werden, welche `auf der Erde wohnen`. Diese Formulierung in der Offenbarung kommt zwölf Mal vor und dabei sind immer nur die Menschen gemeint, welche sich gegen Gott auflehnen, bzw. deren Bürgertum nur hier auf Erden ist. Es geht um die Menschen, welche keinen Anteil haben am Bürgerrecht im Himmel, im Gegensatz zu den Gläubigen an Jesus Christus (Lk 10,20; Kol 1,13; 3,1; Phil 3,20; 4,3; Eph 2,12).

  • Offb 3,10:„Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“
  • Offb 6,10: „Und sie schrien mit großer Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?
  • Offb 8,13: „Und ich sah, und ich hörte, wie ein Adler mitten durch den Himmel flog und sagte mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen wegen der anderen Posaunenstöße der drei Engel, die noch blasen sollen.“
  • Offb 11,10: „Und die auf Erden wohnen, freuen sich darüber und sind fröhlich und werden einander Geschenke senden; denn diese zwei Propheten hatten gequält, die auf Erden wohnten.“
  • Offb  13,8: „Und alle, die auf Erden wohnen, werden ihn anbeten, alle, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist.“
  • Offb 13,12: „Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war.“
  • Offb 13,14: „und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war.“
  • fOffb 14,6: „Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.“
  • Offb 17,2: „mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei.“
  • Offb 17,8: „Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen aus dem Abgrund und in die Verdammnis fahren. Und es werden sich wundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht im Buch des Lebens vom Anfang der Welt an, wenn sie das Tier sehen, dass es gewesen ist und jetzt nicht ist und wieder sein wird.“

Weitere Stellen: Jer 44,8;  Zef 1,18; Mal 3,18.

Dass dabei auch die Knechte Gottes mit leiden, haben wir bereits festgestellt, allerdings gereicht es ihnen zur Bewährung und sie werden geistlich gesehen in diesen Situationen von Gott bewahrt (Offb 3,20; 6,9-11).

Dass die drei letzten Wehen (Gerichte) durch einen himmlischen Boten, der in Gestalt eines Raubvogels (Adler) angekündigt werden, ist nicht zufällig, sondern es hat zu tun mit denen, gegen die die Posaunen sprechen werden.

 

4.5 Die fünfte Posaune – das erste Wehe

Das fünfte Posaunengericht ist deutlich vom vierten abgesetzt, denn mit ihm beginnen die drei letzten Wehen, welche in Vers 13 angekündigt wurden. Während die ersten vier Posaunengerichte sich vorrangig auf die materielle Schöpfung bezogen mit entsprechenden Auswirkungen für alle Menschen, wird das folgende Wehe nur über Menschen kommen, die  nicht versiegelt sind.

Und der fünfte Engel posaunte: Und ich sah einen Stern⟨, der⟩ vom Himmel auf die Erde gefallen ⟨war⟩; und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund (Brunnen) des Abgrundes gegeben.(Offb 9,1)

Was oder wer ist unter diesem Stern zu verstehen?

  1. Natürlicherweise denkt man da zunächst an einen Meteoriten, der in die Erde einschlägt, eine gewaltige Explosion auslöst mit entsprechenden Naturphänomenen.
  2. Sterne fallen vom Himmel (Mt 24,29; Mk 13,25; Offb 6,13).
  3. Sterne stehen gelegentlich im übertragenen Sinne für Engel (Hiob 38,7).
  4. Nach Offb 12,4 sind 1/3 durch den Drachen mitgerissen worden, aber 2/3 sind im himmlischen Bereich verblieben.
  5. Doch an den Stellen, wo heilige Engel vom Himmel herabkommen die Rede ist, werden diese nicht mit Sternen verglichen. Und von ihnen heißt es nicht, dass sie gefallen sind, sondern sie werden gesandt, steigen herab oder erscheinen, manchmal fliegen sie (Lk 1,26; Apg 12,11; Offb; 22,6.16; 10,1; 18,1; 20,1;  Mt 28,2; Lk 1,11; 22,43; Offb 8,13; 14,6).
  6. , Sterne stehen auch für die bösen Engel, denn von ihnen heißt es, dass sie gefallen sind. So sagte Jesus: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen (gr. πεσόντα –  pesonta), wie einen Blitz (Lk 10,18-20). Oder in  Joh 12,31 sagte Jesus: „Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden nach draußen“; 2Petr 2,24; „Engel, die gesündigt haben, hat er verstoßen“. Wir können davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt der Offenbarung im himmlischen Bereich keine bösen Engel mehr gab (Offb 12,7-10). Erstens: Diese Engel haben ihren hohen Stand verlassen. Zweitens: Diese Engel wurden von Gott mit Fesseln in die Finsternis verstoßen. Drittens: Der Satan als Fürst  dieser Welt wurde gerichtet und nach draußen geworfen.
  7. Sterne stehen gelegentlich auch für Könige, die von der Höhe ihrer Macht gestürzt wurden. So heißt es vom König von Babel:  „Wie bist du vom Himmel gefallen du schöner Morgenstern“ (Jes 14,11-12).  Oder vom König zu Tyrus (Hes (28,1-19). Allerdings kann der Sturz dieser Könige auch als eine Anspielung auf den Sturz des Satans angesehen werden.

Das gr. Verb `πεπτωκότα – peptökota – gefallen seiend` (Elbf Üs.: gefallen war) ist ein Partizip und steht im Aorist. Die Tatsache seines Falls wird ohne eine Zeitform zu nennen, unterstrichen und dieser gefallene Zustand hält an. Dies könnte auch bedeuten, dass ihm der Schlüssel zum Abgrund zu einem Zeitpunkt gegeben wurde, nachdem sein Fall längst vollzogen war.

Dieser Stern  hat den Schlüssel des Abgrundes. Schlüssel steht für Macht, Doch diese Macht wurde ihm von einem Höherem gegeben. Immer wieder heißt es im Buch der Offenbarung: `wurde gegeben, gegeben hat, er gab oder  ich werde geben`, davon nur ein Mal ausdrücklich vom Drachen, der dem Tier seine Macht gab. Letztlich ist es Gott, der gibt, anordnet, zulässt, gewährt (Hiob 1,12; 2,6; Jes 46,11). Vielleicht kommen wir einer Lösung der Identität s Sterns erst später näher, wenn die anderen Details geklärt werden können.

Der Abgrund, was ist es oder wo ist er zu lokalisieren?

Und er öffnete den Schlund (Brunnen) des Abgrundes; und ein Rauch stieg auf aus dem Schlund (Brunnen) wie der Rauch eines großen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauch des Schlundes verfinstert. (Offb 9,2).

Der gr. Begriff für Abgrund ist `ἄβυσσος – abyssos`. Außer in Offb 9,1-2 kommt dieser Begriff noch an folgenden Stellen vor:

  • Offb 9,11: „sie hatten über sich einen König, den Engel des Abgrunds `abyssos`; sein Name heißt auf Hebräisch Abaddon, und auf Griechisch hat er den Namen Apollyon.“ Dieser Engel (König des Abgrunds) weist eine gewisse Ähnlichkeit auf zu dem vom Himmel gefallenen Stern (Offb 9,1).
  • Offb 11,7: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund `abyssos`  aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten.“ Es handelt sich wohl um das Tier aus Offenbarung 17,8.
  • Offb 17,8: „Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen aus dem Abgrund `abyssos`  und in die Verdammnis fahren. Und es werden sich wundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht im Buch des Lebens vom Anfang der Welt an, wenn sie das Tier sehen, dass es gewesen ist und jetzt nicht ist und wieder sein wird.“ Das Tier verschwindet und erscheint wieder für eine Zeit und fährt dann in die Verdammnis, ist also endgültig verurteilt.
  • Offb 20,1-3: „Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund `abyssos`  und eine große Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund `abyssos`  und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit.“
  • Lk 8,31: „Und sie (die Dämonen) baten ihn, dass er ihnen nicht gebiete, in den Abgrund `abyssos`  zu fahren.“  Denn dort hätten sie Qualen erlitten anstatt selber andere zu quälen (Mt 8,29). Etwas anders wäre ihre Situation nach  Mt 12,43 wonach sie eine weitere Wirkungsmöglichkeit gehabt hätten.

Doch dieser Abgrund scheint nicht identisch zu sein mit dem Hades (Totenreich), wo die Gottlosen nach ihrem Tod aufbewahrt werden (Lk 16,19-31). Es ist eher ein Ort von dem Wiederkehr möglich ist und zwar nach Gottes Zulassung entsprechend seinem Plan. Eine Art vorübergehende Verwahrung von gottfeindlichen Mächten in einem Gefängnis (Offb 20,7).

Rauch verdunkelte die Luft und die Sonne – Heuschreckenplagen

Auch dies hört sich zunächst nach einem gewaltigen Vulkanausbruch an, durch den die Luft verpestet und Sonne und Mond zeitweise verfinstert werden. Und dies gab es schon oft in der Geschichte der Menschheit. Solche Katastrophen verursachten gewaltige Zerstörungen an Natur und Menschen (der Vesuv: 0079; Tambora: 1815; Krakatau: 1883; der Mount Pele: 1902-1929; der Vesuv: 1944; der Sankt Helen: 1980; der Pinatobu: 1991; Montserat: 1993-1995).

Doch die folgenden Bilder meinen etwas anderes. So heißt es weiter im Text:

Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf die Erde, und es wurde ihnen Macht gegeben, wie die Skorpione der Erde Macht haben. Und es wurde ihnen gesagt, dass sie nicht dem Gras der Erde, auch nicht irgendetwas Grünem, auch nicht irgendeinem Baum Schaden zufügen sollten, sondern den Menschen, die nicht das Siegel Gottes an den Stirnen haben. (Offb 9,3-4).

Aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor“. Das Auftreten der Heuschrecken ist seit tausenden von Jahren bekannt. Die erste Erwähnung davon ist im Zusammenhang der Gerichte in Ägypten beschrieben und zwar mit gravierenden Folgen für die Ägypter (2Mose 10,1-19). Die Heuschrecken fraßen alles auf, was der Hagel übriggelassen hatte, alles Grüne und alle frischen Triebe an den Bäumen und alle übriggebliebenen Früchte auf den Bäumen.

Weitere Stellen zu Heuschecken Plagen:

  • 5 Mose 28,38: Bei Ungehorsam droht Gott an:“… aber die Heuschrecken werden es abfressen“. Ähnlich auch in 2Chr 7,13: „Wen ich Heuschrecken kommen lasse“.
  •  Und in Amos 4,9 erinnert Gott das Volk: „ich plagte euch mit Heuschrecken“. So auch in Joel 1,4ff: Erinnerung an die Heuschreckenplage in Israel. In all den Fällen handelte es sich um natürliche Heuschreckenplagen als lokale Gerichte (Jes 26,8-9).

Doch ausgehend aus dem Text der Offenbarung stellt sich die Frage, ob Heuschreckenplagen auch eine sinnbildliche Bedeutung haben können? Denn im Text der Offenbarung werden die Heuschrecken nur als Vergleich beschrieben. Beachten wir die vergleichenden Worte `gleich` und `wie` in diesem Text (8 Mal). Das heißt: es handelt sich hier nicht um buchstäbliche Heuschrecken samt all ihrer Ausstattung. Es geht hier auch nicht um die buchstäblicher Vernichtung all des Grünen. Denn von ihrer Natur sind Heuschrecken Fresser all des Grünen und gerade dies wird ihnen untersagt. Aber auch unter Gras, Grünem und Bäumen können im übertragenen Sinne Menschen gemeint sein (siehe die Erklärungen dazu im ersten Posaunengericht). Durch die Plagen in diesem Text sind jedoch nur die Menschen betroffen, welche nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Das heißt: Die Gläubigen werden in diesem Gericht bewahrt (vgl. dazu auch Offb 7,1-4; 16,2).

Weitere Merkmale der Heuschreckenplagen im übertragenen Sinne:

  • Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden“ Was für eine Bildersprache! Pferde stehen für Schnelligkeit und Unerschrockenheit im Kampf (vgl. dazu Jer 8,16; Joel 2,4-5).
  • und auf ihren Köpfen ⟨war es⟩ wie Siegeskränze gleich Gold“ Dies ist die einzige von den etwa 20  Textstellen in der Bibel, in der Siegeskränze in einem feindlichem Lager erwähnt werden. Das `wie` hebt die Unechtheit dieser zur Schau getragenen Insignien hervor.
  • und ihre Angesichter ⟨waren⟩ wie Menschenangesichter“  Sie zeigten sich in einer Art  menschlichen Humanität.
  • und sie hatten Haare wie Frauenhaare,“ Sie hatten den Anschein von etwas Anmutigem.
  • und ihre Zähne waren wie die von Löwen“ Es deutet auf ihre Grausamkeit und Vernichtung hin (vgl. mit Joel 1,6).
  • Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer“. Brustpanzer stehen für Schutz im Kampf, sie sind demnach unverletzlich.
  • und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen mit vielen Pferden, die in den Kampf laufen.“ (Hab 1,8).
  • und sie haben Schwänze gleich Skorpionen und Stacheln, und ihre Macht ist in ihren Schwänzen, den Menschen fünf Monate zu schaden. (Offb 9,7-10). Was könnte in übertragenen Sinne gemeint sein?

In dem Propheten Joel 2,3-11 wird in krassen Bildern eine Heuschrecken Plage beschrieben. In jenen Texten werden zum Teil die gleichen Bilder verwendet wie auch in Offenbarung 9,1-11, Dort lesen wir:

Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen. 4 Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse. 5 Sie sprengen daher über die Höhen der Berge, wie die Wagen rasseln und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist. 6 Völker entsetzen sich vor ihm, und jedes Angesicht erbleicht. 7 Sie laufen wie Helden und ersteigen die Mauern wie Krieger; ein jeder geht stracks seinen Weg, weicht nicht von seinen Pfaden. 8 Keiner drängt den andern, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher; sie durchbrechen die feindlichen Waffen und dabei reißt ihr Zug nicht ab. 9 Sie stürzen sich auf die Stadt, laufen auf der Mauer, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster. 10 Vor ihm erzittert das Land und bebt der Himmel, Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. 11 Und der HERR lässt seinen Donner vor seinem Heer erschallen. Denn sein Heer ist sehr groß; denn es ist mächtig und richtet seinen Befehl aus. Ja, der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen.“ (Joel 2,3-11).

Unübersehbar sind die Parallelen zu den Schilderungen aus der Offenbarung 9,1-11. Es ist eine Schilderung eines Angriffes, das sich offensichtlich in dem geistigen Bereich abspielt. Doch schauen wir die weitere Schilderung aus Offenbarung an.

  • Und es wurde ihnen ⟨der Befehl⟩ gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden; und ihre Qual war die Qual eines Skorpions, wenn er einen Menschen sticht. (Offb 9,5).

 

Das Wesen der Skorpione

Die Bildersprache ist faszinierend und lenkt unsere Aufmerksamkeit zunächst auf das Äußere, die Plage ähnlich einem Skorpionen Stich. Es gibt sehr viele Skorpionen Arten und viele von ihnen sind für den Menschen sehr gefährlich. Das Gift ihrer Schwanzstachel ist oft tödlich, in den meisten Fällen jedoch sehr schmerzlich. Jährlich werden viele Hunderttausend Menschen von Skorpionen gestochen und die Zahl der Todesfälle schwankt zwischen eintausend und fünftausend.

Skorpione sind in der Bibel sowohl im buchstäblichen als auch in ihrer Sinnbildlichkeit oft erwähnt und immer als etwas Negatives, Schaden anrichtendes:

  • 5Mose 8,15 und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen.“ Dort stellten die Skorpione für das Volk eine physische Gefahr dar.
  • Hes 2,6: „Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen.“ Hier stehen Skorpione für Böse und hinterlistige Menschen

Doch auch schon früher hat Gott seinen Propheten Schutz versprochen.  Hes 2,6 Und wie den Propheten damals verspricht auch Jesus seinen Jüngern Schutz vor feindlichen Mächten (Lk 10,19: „Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.“ Auch durch diesen Vergleich können die Plagen den boshaften und geistigen Mächten des Feindes zugeschrieben werden.

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. (Offb 9,6).

Das ist zwar unnatürlich, doch verstärkt es die Tatsache, dass die Qualen unerträglich sein werden.

Wann, warum, auf welche Weise und für wie lange werden den Menschen solche Plagen auferlegt?

Interessant ist, dass die Zeitspanne `fünf Monate lang` der durchschnittlichen Lebensdauer einer Wanderheuschrecke entspricht. Obwohl die Zeitspanne der Qualen begrenzt ist, dauert sie wesentlich länger als die Prüfungszeit der Gläubigen in der Gemeinde Smyrna (Offb 2,10).

Im Rahmen der 42 Monate (Offb 11,2; 13,5), wäre diese Zeitspanne jedoch begrenzt. Gut möglich, dass es sich bei diesen Plagen um Qualen, welchen den Menschen von Dämonen direkt oder auch indirekt zugefügt werden handelt, denen sie hilflos und schutzlos ausgeliefert sind. Durch folgende Aussagen würde diese Art der Plage begründet sein:

  • Mt 15,22: „Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“
  • n. 28 Da er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und rief laut: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, du Sohn des höchsten Gottes? Ich bitte dich: Quäle mich nicht! 29 Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln an den Füßen gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriss seine Fesseln und wurde von dem Dämon in die Wüste getrieben.“ (vgl. den Parallelbericht in Mk 5,5: „er schlug sich mit Steinen“). Dies macht deutlich, dass dieser Mensch durch den Einfluß des Dämons gequält wurde, ohne ihn dabei zu töten.
  • : Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren; und alle wurden geheilt.“
  • : Apg 10,38: „wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

Im Text der fünften Zornesschale (Offb 16,10-11) gibt es eine gewisse Parallele zu der fünften Posaune. Dort lesen wir: „Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11 und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und taten nicht Buße für ihre Werke.“ Der Thron des Tieres ist betroffen und damit sein  Reich.  Nach Offb 13,1-5 steht das Tier aus dem Meer für die Reiche dieser Welt. Weil Menschen das Tier und seine Nachbildungen anbeten, fordern sie geradezu die Mächte der Finsternis heraus.

Zauberei, Wahrsagerei, Geisterbeschwärung oder Befragung, Spiritismus und allerlei Arten der okkulten Praktiken haben zur Folge, dass Menschen geängstigt, belastet und gequält werden (5Mose 18,9-14; 2Kön 1,1-6; Lk 11,26-27). Am Ende des neunten Kapitel heißt es: „Doch die Menschen taten dennoch nicht Buße“ (Offb 9,20).

Weitere Beispiele und Texte aus den Berichten der Evangelien und den Briefen der Apostel: (Apg 19,16-19; 2Tim 3,13; Mt 12,45; Röm 1,19ff; 2Petr 2,1).

Diese Aussagen machen deutlich, dass zu allen Zeiten Menschen durch dämonische Mächte beeinflusst und gequält wurden. Doch hier scheint es sich um  ein globales Gericht zu handeln, wenn auch zeitlich begrenzt.

Sie haben über sich einen König, den Engel des Abgrundes; sein Name ist auf Hebräisch Abaddon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyon. (Offb 9,11).

Was bedeuten diese Decknamen? Gibt es in der Schrift ähnliche Bezeichnungen? Der Name `apollyön` hat die Bedeutung Verderber, jemand der umbringt. Dies entspricht auch der Aussage von Jesus in Joh 10,10: `ἀπολέσῃ – apoles¢ – umzubringen. (vgl. auch mit Lk 13,5)). Der hebräische Ausdruck wird wohl dasselbe bedeuten. Dieser Verderber wird als Engel bezeichnet und trägt den Titel König. Es gibt keine ausdrückliche Stelle in der Schrift in welcher der Satan als König bezeichnet würde, doch Jesus nennt seinen Wirkungsbereich als `sein Reich – basilea` im Zusammenhang in Mt 12,26; Lk 11,18.

Es könnte sein, dass in diesem fünften Posaunengericht der Satan bereits wieder freigelassen wurde aus seinem Gefängnis und geht umher um die Völker zu versammeln (Offb 20,7ff). Doch dies führt letztlich zu deren Untergang.

 

Das eine Wehe ist vorüber; siehe, es kommen noch zwei Wehe nach diesen Dingen. (Offb9,12).

Nach diesem Wortlaut sind diese Wehen von einander abgesetzt. Doch wie sie im Detail auf einander aufbauen, ist wohl nicht so einfach festzustellen. Daher sind wir zurückhaltend mit endgültigen Schlusßfolgerungen.

4.6 Die sechste Posaune – das zweite Wehe

Die sechste Posaune läutet das zweite Wehe ein, welches in Kap 9,12 angekündigt wurde.

Und der sechste Engel posaunte: Und ich hörte eine Stimme aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist, zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte, sagen: Löse die vier Engel, die an dem großen Strom Euphrat gebunden sind. Und die vier Engel wurden losgebunden, die auf Stunde und Tag und Monat und Jahr gerüstet waren, den dritten Teil der Menschen zu töten.“ (Offb 9,13-15).

Während die fünfte Posaune Plagen (Qualen) enthielt, welche 1/3 der Menschen zugefügt wurden, die nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen hatten, werden in diesem Gericht der dritte Teil der Menschen getötet. Es ist eine deutliche Steigerung der Gerichte erkennbar. Oben haben wir feststellen können, dass die Weherufe sich nur auf die Menschen beziehen, welche außerhalb des Willens Gottes leben.

Eine auffallende Reihenfolge der Auftragsübermittlung ist auch hier zu beobachten. Eine (Zahlwort) Stimme ertönt gleichzeitig aus allen vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist. Obwohl nicht gesagt wird, wer hinter der Stimme steht, handelt es sich um eine übergeordnete Person, welche diesen Auftrag gibt. Bis jetzt haben wir gesehen, dass am goldenen Altar ein bestimmter Engel Dienst versieht (Offb 8,3-5). Da der goldene Altar mit seinem Räucherwerk für die Gebete der Heiligen steht, kann jene Stimme als Antwort Gottes auf diese Gebete angesehen werden.

Diese Stimme richtet sich an den Engel mit der sechsten Posaune. Der wiederum soll die vier Engel loslösen, welche an dem großen Strom Euphrat gebunden waren. Um einer geistlichen Deutung näher zu kommen, fangen wir wieder mit den natürlichen Bildern an, welche im Text verwendet werden.

Der große Strom Euphrat

Der Fluss Euphrat ist mit seinen zwei Zuflüssen Karasu so wie Murat und der Gesamtlänge von 3380 km  in der Tat der größte Fluss im vorderen Orient. Er entspringt im Taurusgebirge (Osttürkei). Auf seinem Lauf durchfließt er die Länder Syrien und Irak und mündet in den Persischen Golf. Im Altertum befand sich an seinen Ufern die berühmte Stadt Babylon. Die Ruinen dieser Stadt liegen etwa 90 km südlich der Stadt Bagdad, östlich des Euphrat.

Der große Strom Euphrat wird in der Bibel etwa vierzig Mal erwähnt und spielte nicht nur im Altertum, sondern auch in der Geschichte Israels eine bedeutende Rolle. Zum ersten Mal wird dieser Fluss in 1Mose 2,14 erwähnt. Dort lesen wir: „Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.“ Er fließt westlich des Tigris und dadurch wird das so genannte Zweistromland gebildet.

In den folgenden Texten wird er im Zusammenhang mit Abraham und Jakob genannt (1Mose 15,18; 31,21). Danach im Zusammenhang des Territoriums, welches der Herr Israel verheißen hatte (5Mose 1,7; 11,24). Doch nur unter Salomo beherrschte Israel das gesamte Territorium vom Bach Ägyptens an bis zum Strom Euphrat (1Kön 5,1-4). Das Beherrschen bedeutet nicht zwingend besiedeln. Somit bildete dieser Fluss die östlichste Grenze des israelitischen Einflusses unter Salomo.

Das Gebiet im Zweistromland wurde seit dem Altertum von den Sumerern und den Babyloniern beherrscht. Danach bildete sich das Großreich Assyrien, welches von dem neubabylonischem Reich (612 v.Chr.) abgelöst wurde. Diesem folgte das  Medo-Persische Reich und schließlich das Griechische. Sowohl die Assyrer wie auch die Babylonier galten als Feinde des Volkes Israel. Unter den Medo-Persern hatte Israel immerhin eine autonome Verwaltung. Doch unter den Griechen (Seleukiden) mussten die Israeliten viel erleiden. Diese vier Großreiche spielten nicht nur eine wichtige Rolle in der israelitischen Geschichte, sondern beherrschten zeitweise alle Kulturen des Nahen Ostens und zwar in einer chronologischen Abfolge. Verständlich, dass durch diese Eroberungskriege in dieser Zeit sehr viele Menschen ums Leben kamen.

Die Bedeutung des Euphrat lag sowohl in seiner geopolitischen Lage als auch seinem Wasserreichtum (wirtschaftliche Aspekt).

Der Euphrat wird später in der Offenbarung noch einmal erwähnt im Zusammenhang der sechsten Zornesschale Offb 16,12). Dort steht: „Und der sechste goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne.“ Dies spricht zum einen für den Niedergang seiner zentralen und natürlichen Bedeutung und der dort ansässigen Großmächte. Zum anderen deutet es eine Veränderung in den Machtverhältnissen an, welche das Weltgeschehen deutlich beeinflussen werden, sowohl im geistigen als auch im physischen Bereich gegen Ende der Zeit und zwar im globalen Umfang.

Gibt es in der Israelitischen Geschichte weitere Abläufe, die als Vorbildung die Symbole aus der sechsten Posaune und der sechsten Zornesschale erhellen könnten?

Durch Veränderung des natürlichen Wasserlaufs des Euphrat, wurde die Stadt Babylon kampflos eingenommen. Der Perserkönig Kyrus gestattete den Juden die Rückkehr nach Juda und den Wiederaufbau des Heiligtums in Jerusalem. Dies ist einer der positiven Ereignisse in der Geschichte Israels. Ob es zum Ende der Zeit eine ähnliche Bewegung geben wird, bei der das Volk Gottes durch wirtschaftliche und  Weltpolitische Wirren hindurch eine geistliche  Rückkehr aus Babylon erleben werden? Der Text in Offb 18,4 „Geht aus von ihr mein Volk“ deutet es an. Doch mehr darüber im 5. Teil (Offb 18,4).

Wer oder was ist unter den vier Engeln, die am großem Strom gebunden waren zu verstehen?

Die vier gebundenen (gefesselten) Engel können bezogen auf die damalige Zeit (als eine Art Rückblende) auf die vier aufeinander folgenden Großmächte hinweisen, so dass diese nacheinander losgebunden wurden.

Diese vier Großreiche konnten nur dann in Aktion treten, nachdem sie losgebunden wurden.

Zeitlich ist das losbinden abgestimmt: Stunde, Tag, Monat und Jahr. Dies hatte sich damals in der Geschichte im natürlichen genau so abgespielt, allerdings in einer chronologischen abfolge (Dan 2,21: „Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein.“ Oder Dan 7,12: „Und mit der Macht der andern Tiere war es auch aus;“ denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.“). Damit handelt es sich bei den Tieren um Großreiche (Dan 2 und 7).

Etwas anders heißt es von den vier Winden, welche an den vier Ecken der Erde stehen die nicht gebunden sind, einfach nur bereit für ihren Einsatz (Offb 7,1-3). Es besteht zwar eine Ähnlichkeit zwischen den beiden vierer Gruppen von Engeln. Aber jene vier Winde (Engel) sind mit diesen vier am Euphrat gebundenen nicht  zwingend identisch. Geht es doch bei diesen um einen lokalen Einsatz und bei jenen um einen globalen. Ähnlich verhält es sich auch zwischen der sechsten Posaune (1/3 ist betroffen) und der sechsten Zornesschale (globaler Angriff aber auch globale Vernichtung der feindlichen Heere).

Diese Engel (bzw. die Reiterheere) sind bereit den dritten Teil der Menschen zu töten. Wird nicht bereits der vierte Teil der Menschen getötet durch Schwert, Hunger, Todespest und durch die wilden Tiere der Erde (Offb 6,8)? Wie oder auf welche Weise werden hier Menschen getötet? Durch die vier Großreiche sind damals viele Menschen getötet worden. Doch was sich damals in Vorderasien geschichtlich im lokalen Rahmen ereignet hat, wird sich möglicherweise zum Ende der Zeit im globalen Umfang im geistigen und physischen Bereich abspielen.

Nun schauen wir uns diese feindlichen Heere an, wie sie Johannes sah und beschrieb:

Und die Zahl der Truppen zu Pferde ⟨war⟩ zweimal zehntausend mal zehntausend; ich hörte ihre Zahl. (Offb 9,16).

Johannes sieht eine mächtige Reiterei und hört ihre Zahl, es sind zweihunderttausend (andere Übersetzung: zweihundert Millionen). Diese Zahl hätte er mit dem sehen nicht ermitteln können. Niemals gab es in der Geschichte eine zahlenmäßig so große Reiterei.

Und so sah ich in der Erscheinung die Rosse und die, welche auf ihnen saßen: Sie hatten feurige und hyazinthfarbene und schwefelgelbe Panzer; und die Köpfe der Rosse waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern geht Feuer und Rauch und Schwefel hervor. (Offb 9,17).

Bemerkenswert ist, dass die Reiter nicht identifiziert werden. Es wird nur beschrieben, wie ihre Panzer aussahen. Auffallend ist auch die Übereinstimmung der Farben von den Panzern der Reiter mit dem, was aus den Löwenartigen Mäulern der Pferde herausging. Man stelle sich eine Feuer, Rauch und Schwefel speiende Reitermacht vor. Niemand kann lange dem Feuer, Rauch und Schwefel trotzen. Diese drei Elemente sind einfach tödlich.

Von diesen drei Plagen wurde der dritte Teil der Menschen getötet, von dem Feuer, den Rauch und dem Schwefel der aus ihren Mäulern herausging. (Offb 9,18).

Im Vergleich zu dem Reiter auf dem feurigen Ross aus Offb 6,3-4 dem ein großes Schwert in seine Hand gegeben wurde, hatten diese Reiter keine Angriffswaffen.

Erinnern wir uns an die Bildersprache in der fünften Posaune. Auch dort handelte es sich um eine Reitermacht, welche Menschen in ihrem Geist angreift. Und zu diesem kommt hier noch ein Aspekt der Tötungsmaschinerie hinzu: „Denn die Macht der Rosse ist in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit ihnen fügen sie Schaden zu. (Offb 9,19).

Die Pferde haben schlangenähnliche Schwänze mit Köpfen, eigentlich ungewöhnlich für Schlangen, die sozusagen an die Pferde von hinten angebracht sind. Schlangen mit Köpfen weisen im übertragenen Sinne auf dämonische Geister hin (ähnlich wie im ersten Wehe, dort hatten die Rosse Schwänze wie Skorpione). Es handelt sich also um eine Heeresmacht, die ausgestattet ist um zu vernichten. Man kann sich vorstellen, dass hier Menschen physisch getötet werden unter dem geistigen Einfluss durch dämonische Mächte. Sie töten ja mit der Macht, welche aus ihren Mäulern und von ihren Schwänzen ausgeht.

Schauen wir uns noch die drei Elemente an: Feuer, Rauch und Schwefel.

Zunächst werden wir an den  physischen Untergang von Sodom und Gomorra erinnert, welche durch Feuer und Schwefel (einschließlich Rauch) vernichtet wurden (1Mose 19,24; dazu auch Lk 17,29). Weitere Stellen zu Schwefel und Feuer: Ps 11,6; Jes 34,1-9; Hes 38,1-23; Offb 14,10; 19,20; 20,10; 21,8. Diese Elemente werden zur umfassenden Vernichtung eingesetzt.

 

Aus dem Ergebnis dieser Gerichte lässt sich ableiten, wie und auf welche Weise so viele Menschen getötet wurden. So lesen wir:

Und die Übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände, nicht ⟨mehr Anzubeten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die bronzenen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können. 21 Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten noch von ihren Zaubereien noch von ihrer Unzucht noch von ihren Diebstählen. (Offb 9,20-21).

Was für eine Reaktion! Es sieht nach einer totalen Verstockung aus. Ausgehend von dem, was von den Überlebenden und deren Werken gesagt wird, können wir erfahren, womit sich die Getöteten während ihres Lebens beschäftigten.

  • Anbetung von Dämonen: Durch Götzen aus Gold, Silber, Kupfer, Stein und Holz (Hab 2,19; Röm 1,20ff).
  • Sie ließen nicht ab von ihren Mordtaten: Sie gehen den Weg Kains, welcher aus dem Bösen war (1Joh 3,12; Jak 1,11). Hinter dem Mord an Abel durch dessen Bruder Kain stand der eigentliche Menschenmörder, welchen Jesus Teufel nennt (Joh 8,44). Kinderopfer für die Gottheiten des Altertums sind Satanischen Ursprungs (Jer 19,4-5). Heute hat es nur eine andere Bezeichnung. Das Massenmorden von ungeborenen Säuglingen geht jährlich in die Millionen. Kriege tragen ebenso dazu bei, wie Selbstmorde.
  • Sie beschäftigten sich auch weiter mit Zaubereien: Das gr. Wort dafür ist `Farmakia`, es beschrieb die Praxis des Giftmischens. Drunter fällt jegliche Art von Rauschtrank, Drogen. (Jes 5,22; Hab 2,15), aber auch die Vermischung der Wahrheit mit der Lüge (Röm 1,25). Auch dahinter steht der Teufel als Lügner (Joh 8,44)
  • Unzucht: Mit dem gr. Wort `Porneia` werden alle Arten von Missbrauch der Gabe der Sexualität beschrieben. Auch das zuchtlose Verhalten wurde durch den Götzendienst gefördert (4Mose 25;1-18; Offb 2,14; 11Kor 10,8). Seitdem dasAIDS Virus aufgekommen ist, sind weit mehr als 36 Millionen Menschen daran

Dieberei: Mit List oder Gewalt nehmen, was einem nicht gehört. Häufig geht der Dieberei Mord einher. Dies geschieht sowohl im Einzelnen, als auch im großen Umfang durch Eroberungskriege.

Aus der Liste der verschiedenen und doch so grundlegenden Gräueltaten lässt sich folgende Schlussfolgerung  ableiten:

Die vielen getöteten Menschen sind durch den Einfluss und Wirkung dämonischer Geister in und durch Menschen zustande gekommen. Was wir heute beobachten können in unserer Welt, entspricht den Schilderungen in der fünften und sechsten Posaune.

Doch inmitten dieser Plagen geht Christus mit seiner Gemeinde in dieser Welt. Darüber werden wir durch die Visionen in Kapitel 10,1-11,14 näheres erfahren.

Ergänzung: Paralleltext aus Offb 16,12 Und der sechste goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. 13 Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; 14 es sind Geister von Dämonen, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen“ (Offb 16,). –

Was hier für ein Heer zusammengezogen wird, ist sehr ähnlich mit dem Aufmarsch der Mächtigen dieser Welt unter dem offensichtlichen und globalem Einfluss des Satans (Offb 20,7-9).

Dort wird der letzte große Kampf beschrieben, der mit den Worten endet: Und sie umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie“ (Offb 20,10).

Die Ähnlichkeiten zu der sechsten Posaune sind unübersehbar, Doch hier wird das Finale Aufkommen der feindlichen Mächte beschrieben. Dazu später mehr.

 

Fortsetzung folgt

 

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