III. Jesus – der Knecht Gottes

Immer tiefer steigt Jesus hinab in das Tal der Selbsterniedrigung. Der Knecht-Stand ist bekanntlich der niedrigste in der sozialen Staffel unter den Menschen. So musste oder wollte Jesus auch in diesem Stand den Menschen ähnlich werden.

Der Prophet Jesaja (ca. 700 v. Chr.) schreibt als erster von diesem Stand des Messias. So lesen wir in Kapitel 42,1 wie Gott sich in besonderer Zuneigung an seinen Knecht wendet.

Siehe, das ist mein Knecht (LXX: παιςpais) – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

Da Jesaja 42,1ff in Matthäus 12,18ff zitiert und eindeutig auf Jesus bezogen wird, ist der Bezug zum Messias/Christus eindeutig hergestellt. Der von Gott mit dem Heiligen Geist Gesalbte und Bevollmächtigte, nimmt Knechtsgestalt an. Im Text heißt es: „Mein Knecht“, – der Knechtsbezug ist zu Gott hin ausgerichtet, ihm allein ordnet er sich unter. Doch sein Dienst geschieht an und für die Menschen.

 

Begriffserklärung:

  • δούλος – doulos – Sklave, Leibeigener, der niedrigste soziale Stand ohne eigene Rechte, ohne Selbstbestimmung.
  • πάις, πάιδα – pais paida – Hausknecht (gelegentlich auch ´Junge´ im Teenalter) sonst Knecht mit eingeschränkten Rechten und eingeschränkter Selbstbestimmung.
  • διάκονος – diakonos – Diener, sehr oft auch Tischdiener.
  • υπηρέτης – yp¢ret¢s – Diener, Helfer, Begleiter in freiwilliger Verpflichtung.

Der Prophet Jesaja schrieb Gottes Worte in Bezug auf den umfassenden Dienst des Gottesknechtes in Kapitel 49,5-6 auf. Dort lesen wir:

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht (LXX: παιδά μουpaida mou) bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde, – darum bin ich vor dem HERRN wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke -, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht (παιδά μουpaida mou) bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil (Rettung) bis an die Enden der Erde.

Der Apostel Paulus zitiert diese Prophezeiung des Jesaja in der Synagoge im Pisidischen Antiochia (etwa im Jahr 45 n. Chr.) und bezieht sie auf Jesus (Apg 13,47). Damit erstreckt sich der Rettungsdienst des Gottesknechtes auf alle Nationen, beginnend mit Israel. Und in Jesaja 52-53 wird der Gottesknecht in der Vielfalt seines Dienstes und der Hingabe an sein Volk durch Erniedrigung, Leiden und Sterben, aber auch in seiner Erhöhung, detailiert beschrieben. Wir lesen auszugsweise:

Siehe, meinem Knecht (πάις μουpais mou) wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. (Jes 52,13). Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht (δούλος μουdoulos mou), der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. (Jes 53,11).

Im Gespräch mit dem Äthiopischen Schatzmeiser bezieht der Evangelist Philippus diese Prophezeiungen über den Dienst des Gottesknechtes aus Jesaja 53 eindeutig auf Jesus (Apg 8,28-35).

Auch der Prophet Sacharia (ca. 520 v. Chr.), der in der Zeit des Wiederaufbaus des Tempels in Jerusalem wirkte, macht eine Aussage über den kommenden Knecht Gottes:

Höre nun, Jeschua, du Hoherpriester: Du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen; denn siehe, ich will meinen Knecht (LXX: δούλονdoulon), »den Spross«, kommen lassen (aufgehen lassen). (Sach 3,8). Der Spross ist eindeutig der Messias. An mehreren Stellen in den Propheten wird der kommende Messias/Retter ´Sproß´genannt (Ps 132,17;  Jer 23,5.15). Der Apostel Paulus zitiert einen Text aus Jesaja 11,10 und bezieht ihn ebenfalls auf Jesus:

Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.« (Röm 15,12). Isai oder auch Jesse genannt, war der Vater von David dem späteren König Israels. Damit wird zum wiederholten Male hervorgehoben, dass der Dienst des Gottesknechtes sich nicht auf Israel allein beschränkt, sondern sich auf alle Nationen bezieht und zwar in der Reihenfolge – zuerst Israel, dann alle anderen Völker.

Auch die erste Christengemeinde in Jerusalem bezeichnet (in ihrem öffentlichen Gebet) Jesus  als den heiligen Knecht:

Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht (πάιδαpaida) Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels. (Apg 4,27; Ps 2,1f; Jes 42,1).

Der Apostel Paulus sieht den Dienst von Jesus in seiner tiefsten Erniedrigung (Knechtsgestalt) wie in dem Status eines Sklaven.

Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an (nahm die Gestalt eines Sklaven – ´δούλοςdoulos´ an), ward den Menschen gleich (ähnlich) und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. (Phil 2,6-7).

Jesus selbst beschreibt seinen Stand als Diener und zwar nicht nur als Tischdiener, sondern der sein Leben freiwillig  dahingibt als Lösegeld für viele.

Abbildung 4 Jesus ist der Tischdiener und macht so die Gemeinschaft möglich. Er wäscht seinen Jüngern die Füße und stellt sich somit zum Sklavendienst bereit (Zeichnung von J. S.).

„Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener (wie der Dienende – ο διακονώνo diakonön). (Lk 22,27). Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene (διακονήσαιdiakon¢sai) und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. (Mk 10,45; Vgl. mit Mt 20,28).

Dementsprechend und dem Beispiel Jesu folgend, nennen sich auch die Apostel und Mitarbeiter am Evangelium ´Diener, Knechte oder sogar Sklaven´ Gottes oder des Christus (Röm 1,1;  2Kor 3,6;  Pjil 1,1;  Kol 4,12;  Tit 1,1;  2Petr 1,1;  Judas 1;  Offb 1,1).

 

Jesus – Gottes Sohn, wurde Mensch und als Mensch erniedrigte Er sich selbst zum Knecht, Sklaven und Diener, darum erhöhte ihn Gott der Vater zum Herrn über alle und alles !

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Mit welchen Bezeichnungen wird die demütige Haltung von Jesus und sein Dienst in Erniedrigung  beschrieben? In welchen Lebensbereichen wurden diese im damaligen Kontext angewendet?
  2. Wo ist Jesus Diener, wo Knecht, wo sogar Sklave?
  3. Was geschieht, wenn Leiter und Pastoren den Diener-Stand verlassen?
  4. Welche Auswirkungen hat das Vorbild von Jesus auf seine Nachfolger?
  5. Inwieweit behält Jesus diese Diensteigenschaften auch für die Ewigkeit?
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