13. Kapitel: Die Erhöhung von Jesus Christus

  1. Kapitel: Die Erhöhung von Jesus Christus. 1

12.1 Die Erhöhung des Christus wurde vorausgesagt

Die Himmelfahrt ist die letzte Etappe im Werk Christi, das mit der Menschwerdung, also mit dem Verlassen des Himmels begonnen hatte und mit dem sich setzen zur Rechten der Majestät in den Himmeln, abgeschlossen war. Das Ereignis der Himmelfahrt ist durch Augenzeugen bestätigt und in zahlreichen Texten des Neuen Testamentes überliefert worden. In den Schriften des Alten Testamentes ist die Erhöhung des Christus vorhergesagt worden. Neben der Prophetie aus Daniel 7, 13-14 ist die  in Psalm 110,1 wohl die bekannteste: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache«. (vgl. Mt 22,42-44). Im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus sagte Jesus von sich: „Und niemand ist gen Himmel aufgefahren (anabebhken anabeb¢ken) außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.“ (Joh 3,13). Jesus kam vom Vater und ging wieder zu ihm zurück. Er sprach am Vorabend seines Todes von der Vollendung des Werkes auf der Erde, welches der Vater ihm gegeben hatte, damit er es tue, so lesen wir in Johannes 17,4: „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.“ Er ist vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen und nun verlässt er wieder diese Welt und geht zurück zum Vater (Joh 16.28).

Nach seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche, begegnete Jesus der Maria aus Magdala und beauftragte sie seinen Jüngern zu sagen: „Ich fahre auf (anabainw anabainö – steige auf) zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh 20,17). Doch blieb Jesus noch 40 Tage bei seinen Jüngern und erschien ihnen immer wieder an verschiedenen Orten und unter unterschiedlichen Umständen (Apg 1,3-8; Joh 20,1-21,25; Lk 24,1-51; Mt 28,1-20; Mk 16,1-8; 1Kor 15,3ff). Diese Zeit war ausgefüllt mit lehren über das Reich Gottes. Die letzten Anordnungen von Jesus an seine Jünger finden wir aufgeschrieben in Apostelgeschichte 1,4-8; Lukas 24,46-49; Matthäus 28,18-20.

Das für die Jünger sichtbare Ereignis der Himmelfahrt von Jesus ist nur von Lukas festgehalten worden (Lk 24,50-51; Apg 1,9-11). Doch bergen diese Texte in sich wichtige Details, welche wir der Reihe nach betrachten wollen.

 

 

12.2  Der Ort, von wo aus Jesus in den Himmel zurückging

 

Wenn wir dem Text des Matthäus folgen, könnte der Eindruck entstehen, dass Jesus von einem bestimmten Berg in Galiläa in den Himmel gegangen ist (Mt 28,7.10.16). Doch dieser Text sagt nichts aus über die Himmelfahrt von Jesus. Der Berg in Galiläa kann eher der Ort gewesen sein, wo mehr als 500 Brüder den Herrn gleichzeitig sahen (1Kor 15,6). Der historisch interessierte Ev. Lukas, gibt als Ortsangabe für die Himmelfahrt einmal

  • die Nähe zu Betanien an (Lk 24,50 – „Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien“) und zum anderen
  • die Nähe zu Jerusalem („Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.“ Apg 1,12).

Der Ölberg oder genauer `Berg der Ölbäume` (etwa 816 Meter hoch) liegt zwischen Jerusalem im Westen und Betanien im Osten. Am Westhang des Ölbergs hat sich Jesus oft in einem Garten aufgehalten, der Gethsemane genannt wurde. Und nun wählt er diesen Berg, der etwa 60 Meter höher ist als der Tempelberg, um von dort aus in den Himmel zu seinem Vater zurückzukehren. Im Leben und dem Dienst von Jesus gibt es nichts Zufälliges, auch der Ort des Verlassens dieser Erde (dieser Welt) ist bewusst gewählt worden. Die vier wichtigsten Geschehnisse im Leben von Jesus ergeben ein geographisches Dreieck:

  • Bethlehem: Nur acht Kilometer südlich vom Tempel in Jerusalem ist Jesus geboren worden.
  • Golgatha: ca. ein bis zwei Kilometer nordwestlich des Tempels und zwar außerhalb der damaligen Stadtmauer ist Jesus gestorben, begraben worden und glorreich auferstanden aus den Toten.
  • Ölberg/Betanien: Und nur etwa 2-3 Kilometer östlich des Tempels verließ er diese Welt/Erde, um zu seinem Vater in den Himmel zurückzukehren.

Und all das geschah außerhalb der Heiligen Stadt Jerusalem!

Im Jahre 1910 wurde auf dem Ölberg die so genannte Himmelfahrtskirche eingeweiht, die mit ihrem hohen Glockenturm von weitem sichtbar ist und erinnert die Bewohner der Stadt, sowie die Pilger heute noch an die Erhöhung des Christus.

 

 

12.3 Die Begriffe mit denen die Erhöhung von Jesus beschrieben wird

Es gibt zahlreiche Texte, welche die Erhöhung Christi in den Himmel erwähnen und beschreiben. Dabei stellen wir fest, dass dieses Ereignis durch verschiedene Begriffe beschrieben wird. Diese Begriffe wollen wir in diesem Abschnitt in ihrem jeweiligen Textzusammenhang der Reihe nach kennenlernen.

  • Bereits in seinen Abschiedsreden machte Jesus deutlich, dass er zum Vater zurückgehen werde. So sagte er seinen Jüngern: „Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin (upagw ypagö) und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai); denn der Vater ist größer als ich.“ (Joh 14,28). Aus diesem Text ist noch nicht erkennbar, wie, auf welche Weise Jesus zu seinem Vater zurückgehen wird.
  • Nach seiner Auferstehung beauftragte der auferstandene Jesus Maria aus Magdala mit den Worten: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren (anabebhka anabeb¢ka) zum Vater.  Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17). Jesus steigt aus eigener Kraft/Vollmacht auf in den Himmel.
  • Zum Ende seiner letzten Anweisungen auf dem Ölberg breitete er seine Hände über seine Jünger aus um sie zu segnen. „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich) und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt) gen Himmel.“ (Lk 24,51). Es gab also einen Augenblick in dem er für die Jünger sichtbar und buchstäblich von der Erde abhob. Er verschwand also nicht plötzlich vor ihren Augen, bzw. wurde nicht plötzlich unsichtbar vor ihnen, wie es zum Beispiel im Falle der Emmausjünger geschah. Dort wird der griechische Begriff `afantoj egeneto afantos egeneto – er wurde unsichtbar` verwendet.
  • Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).“ (Apg 1,9). Durch dieses Verb in der Passivform wird die Kraftwirkung des Vaters unterstrichen, ähnlich wie auch bei der Auferstehung von Jesus – „er wurde auferweckt“, eben durch seinen Vater. (Apg 2,24; 3,15; 4,10).
  • Lukas schreibt in der Einleitung zur Apostelgeschichte von dem Wirken Jesu in Tat und Wort: „(…) bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)). Apg 1,2). Auch hier wirkt der Vater beim Aufnehmen seines geliebten Sohnes. Was für ein Augenblick für den Vater im Himmel ! Was für ein Jubeln der Engel in den Himmeln !
  • Die Blicke der Jünger sind nach oben gerichtet: „Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging. (Apg 1,10). Sie konnten sein Emporsteigen eine bestimmte Zeit sichtbar mitverfolgen.
  • Auch die beiden himmlischen Boten sprechen von der Kraftwirkung Gottes des Vaters: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde (analhmfqeij anal¢mfteis).“ Apg 1,11.
  • Petrus erinnert Jahre später an dieses erstaunliche Ereignis der Erhöhung von Jesus in seinem Brief an die Gläubigen in der Zerstreuung: „(…) welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen) gen Himmel.“ (1Petr 3,22).

Ein Begriff reichte also nicht aus, um dieses gewaltige Geschehen der Himmelfahrt von Jesus zu beschreiben.

  1. Ich gehe hin (upagw ypagö)
  2. dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai)
  3. aufgefahren (anabebhka anawew¢ka) zum Vater.
  4. Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater.
  5. schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich)
  6. und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt).
  7. aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).
  8. er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)).
  9. er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging.
  10.  aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen).

Die Jünger sind Augenzeugen eines Ereignisses, welches weit über das hinausging, was ihnen aus dem Alten Testament bekannt war – die Aufnahme des Elia oder des Henoch,

 

 

12.4 Begleiterscheinungen bei der Himmelfahrt von Jesus

Der Ev. Lukas schreibt:

(…) und eine Wolke (νεφελη – nefele) nahm ihn auf  vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg 1,9-11).

Gott verwendet immer wieder die gleichen Elemente, in diesem Fall die Wolke, ähnlich auch bei der Verklärung auf einem hohen Berg, oder die Wolkensäule in der Wüste. Es ist ein Bergen und auch Verbergen des Göttlichen, Herrlichen, eine Begrenzung des Einblicks für den Menschen in die göttliche Sphäre. Die beiden Männer in weißen Gewändern sind himmlische Boten. Engel sind dienstbare Geister (Hebr 1,14), die aber bei ihrer Erscheinung immer in männlicher Gestalt auftreten. Ihr Auftrag besteht aus zwei Teilen:

Erstens wollen sie die Blickrichtung der Jünger ändern „was seht ihr gen Himmel?“ Der Auftrag ihres Meisters ist erfüllt, der ihre wird erst beginnen. Sie müssen zurück nach Jerusalem.

Zweitens kündigen die Boten die Wiederkunft von Jesus an: „dieser ‚Jesus wird wiederkommen“ und zwar `so` (ουτος – outos – auf diese Weise, auf eine Weise) wie ihr ihn habt gesehen gen Himmel fahren.“

Hat nicht schon Jesus selbst ähnliche Voraussagen gemacht? Im Rahmen der Antworten auf die Fragen seiner Jünger spricht Jesus von seinem Wiederkommen: „Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Mt 24,30). Und auf die Frage des Hohenpriesters Kaiphas: „Bist du der Christus der Sohn des Hochgelobten antwortet Jesus: „Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,62; vgl. Mk 13,26; auch Dan 7,13-14). Damit alle Geschlechter der Erde Ihn sehen können, werden sie alle zuerst auferweckt werden (Joh 5,28-30).

Auch der Ap. Paulus sagt in 1Thessalonicher 4,17 voraus: „Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen (den Auferweckten Gläubigen) entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ Die Aussage des Apostels macht auch deutlich, dass die Begegnung mit dem Herrn in den Wolken des Himmels, also in der Luft stattfinden wird. Das heißt, dass Jesus, um seine Gemeinde abzuholen, nicht mehr auf die Erde (Ölberg) herabkommt wird, sondern sie in der Luft in Empfang nehmen wird.

Ja, Jesus kommt wieder und zwar auf ähnliche Weise wie er von hier gegangen ist.

  • Er kommt als der Menschensohn,
  • Er kommt sichtbar und erkennbar für alle,
  • Er kommt mit oder in den Wolken des Himmels,
  • Er kommt in Begleitung der Engel.

Die Jünger waren so überwältigt von dem was sie sahen, hörten und erlebten, dass es sie in die Anbetung zog, die Anbetung ihres Meisters, den sie als Gottes Sohn und ihren Herrn anerkannten. „Sie aber beteten ihn an (proskunhsantej auton proskyn¢santes auton – kniefällig anbeten) und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ (Lk 24,52-53).

 

12.5 Jesus zur Rechten des Vaters – das ist eine Tatsache

 

Die Erhöhung von Jesus zur Rechten des Vaters, ist die letzte Wegstrecke im Heilswerk Christi. Die Himmelfahrt selbst dauerte vielleicht nur wenige Minuten, doch das sich setzen zur Rechten des Vaters hat bis heute gewaltige Auswirkungen.

Die folgenden Textaussagen machen einiges deutlich. Beginnen wir mit der Voraussage des Heiligen Geistes durch den König David aus Psalm 110,1: „Ein Psalm Davids.“ Der HERR sprach zu meinem Herrn: / »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« Und damit kein Zweifel entsteht, wem nun diese Aufforderung gilt, hören wir uns die Auslegung von Jesus selbst und seinen Aposteln an. Zum Ende seines Dienstes, bereits in Jerusalem, fragt Jesus die versammelten Pharisäer:

Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?Sie antworteten: Davids. Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege«? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten. (Mt 22,42-46).

Welche Vollmacht in der Auslegung des Wortes der Prophetie aus dem Alten Testament! So weit dachten die Schriftgelehrten aus der Pharisäerpartei wohl doch nicht. Folgendes wird hier deutlich:

  • Der Christus/Messias ist auch Herr (hebr. adonai, gr. kyrios). Dass mit diesem Begriff sowohl im hebräischen als auch im griechischen Sprachgebrauch allgemein auch geachtete Männer angeredet wurden, ändert nichts an der Tatsache, dass Jesus (wenn auch nur indirekt) mit diesem Titel seine Gottessohnschaft hervorhebt.
  • Wenn der Christus nicht Davids Sohn ist, dann ist er Sohn Gottes, denn im zweiten Psalm sagt Gott vom Messias: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (γεγεννηκα σε – dich gezeugt, auferweckt).“ (Apg 13,33-37; Kol 1,18) Jesus ist nicht der Geschaffene durch oder mittels des Wortes Gottes, sondern er ist das Wort Gottes selbst, das von Gott ausgeht. (Joh 1,1-2; Kol 1,15).

Diese Stelle muß dem Hohenpriester bekannt gewesen sein, denn: „Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,61-62; vgl. Dan 7,13-14).

  • Jesus ist der Christus,
  • Jesus ist der Sohn Gottes,
  • Jesus ist zur Rechten der Kraft (Gottes),
  • Von dort wird er wiederkommen.

In seiner Pfingstbotschaft bezeugt Petrus die Erhöhung des Christus mit dem gleichen Psalmwort und folgt damit der Auslegung seines Meisters: „Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist (υψωθεις – ypsotheis) und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört, Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (Apg 2,33-36).

Zum Abschluß der Geschichtspredigt vor dem Hohen Rat sieht Stefanus in einer besonderen Vision Jesus als den erhöhten Herrn und ruft voller Begeisterung aus: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,56). Im Augenblick des Märtyrertodes seines treuen und mutigen Dieners steht Jesus vom Thron auf – welche Ermutigung und Ehre für Stefanus den ersten Blut-Zeugen um Jesu Willen!

Jesus ist zur Rechten des Vaters im Himmel – das ist eine Tatsache !

 

Weitere Stellen, welche den erhöhten Christus beschreiben: Phil 2,9-11; Hebr 1,8 (Psalm 45,7-8); Offb 3,21; 20,1.3

12.6 Jesus zur Rechten des Vaters – das bedeutet absolute Vollmacht

 

Es gibt außergewöhnlich viele Textaussagen, welche die hervorragende Stellung des Christus beschreiben. Selbst Jesus betonte gegenüber seinen Jüngern auf dem Berg in Galiläa: „Mir ist gegeben alle Vollmacht (gr. exousi,a exusia) im Himmel und auf Erden.“ (Mt 28,18). Besonders auffällig und inhaltsvoll sind die so genannten Christushymnen der Apostel in denen konkrete Aspekte der Majestät und die erhabene Stellung des Christus hervorgehoben wird.

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Petrus verkündigt gegenüber dem gesamten Volk Israel: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat.“ (Apg 2,36). Der Titel `HERR oder Herr, hebr. Jachwe oder Adonai, gr. ku,rioj kyrios` bezogen auf Gott und den Gesalbten, kommt im Alten Testament mehr als 6000 mal vor. Wenn Petrus diesen Titel auf Jesus bezieht, dann bedeutet es, dass er die absolute Vollmacht besitzt (Ps 110,1). Er ist der von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbte, mit Vollmacht ausgestattete (Jes 42,1ff; 61,1-3).

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Paulus hebt die hohe Stellung des Christus hervor wenn er im Brief an die Philipper schreibt:

  • Darum hat ihn auch Gott erhöht
  • und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
  • dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel
  • und auf Erden und unter der Erde sind,
  • und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9-11).

– Auch hier wird der Titel `Herr` für Jesus hervorgehoben.

– Ebenso sein Name, der über allen Namen ist.

– Er ist würdig der Anbetung.

 

  1. Christushymnus

Paulus schreibt an die Epheser und hebt einige weitere Aspekte der Vollmacht des Christus hervor:

  • (…) und was die überragende Größe seiner Kraft (gr. duna,mewj dynameös) an uns, den Glaubenden, ist,
  • nach (gemäß oder entsprechend) der Wirksamkeit (gr. energei,an energeian) der Macht (gr. kra,touj kratus) seiner Stärke (gr. iscu,oj ischyos). Die hat er in Christus wirksam (gr. enh,rghsen en¢rg¢sen) werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat,
  • hoch über jede Gewalt (gr. arch,j arch¢s)
  • und Macht (gr. exousi,aj exusias)
  • und Kraft (gr. duna,mewj dynameös)
  • und Herrschaft (gr. kurio,thtoj kyriot¢tos)
  • und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird.
  • Und alles hat er seinen Füßen unterworfen
  • und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 
  • die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.“ (Eph 1,19-23 – nach der Elberfelder Übersetzung).

 

  1. Christushymnus

Einen weiteren Lobgesang auf Christus finden wir im Brief an die Hebräer. Er ist der umfassendste und hat zum Hauptinhalt die Gottheit des Christus.

  • Er (Jesus) ist der Abglanz (gr. carakth,r charakt¢r – Charakter, Abdruck) seiner Herrlichkeit
  • und das Ebenbild (gr. eiko,na eikona – Bild) seines Wesens
  • und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort
  • und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden
  • und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe
  • und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum (2.Samuel 7,14): »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«?
  • Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er (Psalm 97,7): »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 
  • Von den Engeln spricht er zwar (Psalm 104,4): »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, aber von dem Sohn (Psalm 45,7-8):
  • » Dein Thron, Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit,
  • und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches.
  • Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit (Gesetzlosigkeit); darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.«
  • Und (Psalm 102,26-28): »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« (Hebr 1,3-12).
  1. Christushymnus
  • Auch der Apostel Petrus fast die Vollmacht des Christus kurz zusammen mit den Worten:
  • Welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel,
  • und es sind ihm untertan die Engel (gr. agge,lwn angelön)
  • und die Gewaltigen (gr. exousi,wn exusiön)
  • und die Mächte (gr. duna,mewn dynameön).“ (1Petr 3,22).

 

  1. Christushymnus

An die Korinther schreibt Paulus, dass Christus nach seiner Erhöhung die absolute Herrschaft angetreten hat und sie erfolgreich abschließen wird nach seiner Wiederkunft und dem Endgericht. Der Text beginnt mit der von Gott festgelegten Reihenfolge der Auferstehung.

Ein jeder aber in seiner Ordnung:

  • als Erstling Christus;
  • danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
  • danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird,
  • nachdem er alle Herrschaft
  • und alle Macht
  • und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, „alles“ sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,23-28).

Jesus zur Rechten der Majestät im Himmel bedeutet – absolute Vollmacht !

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Johannes schreibt in der Offenbarung von Jesus und nennt drei seiner Titel: „Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum wird so selten von dem erhöhten Christus gesprochen oder gepredigt?
  2. Welche Auswirkungen wird es auf die Gläubigen haben, wenn sie sich der Majestät und Erhabenheit des Christus bewusst werden?
  3. Wo kann heute die Vollmacht des Christus erkannt werden? Wie herrscht er und was oder wen beherrscht er?
  4. Welche seiner Vollmachten werden bei seiner Wiederkunft offenbar?

12.7 Jesus zur Rechten des Vaters – sein Mittlerdienst

(Bibeltexte: )

 

Der Dienst von Jesus ist mit seiner Erhöhung keineswegs zu Ende, denn der Schreiber des Hebräerbriefes hebt hervor: „Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester (gr. arciere,aarchierea), der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät (gr. megalosu,nhjmegalosyn¢s – Hoheit, Größe) in den Himmeln.“ (Hebr 8,1). Jesus hat diese höchste Stellung in Gottes Reich nicht zum Selbstzweck eingenommen, sondern um von dort aus seinen vollmächtigen und  alles umfassenden priesterlichen Dienst auszuüben. Damit ist er „ein Diener (gr. leitourgo,jleitourgos – Diener) am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ (Hebr 8,2). Erinnern wir uns an das Geschehen im inneren des Tempels beim Tod von Jesus? Matthäus und Markus vermerken: „Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.“ (Mt 27,51; Mk 15,38). In diesem Augenblick ist Jesus als der wahre Hohepriester mit seinem eigenen Blut als eines unschuldigen und makellosen Lammes (1Petr 1,19) in das himmlische Heiligtum eingegangen, so lesen wir in Hebräer 9,24: „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild (gr. a,nti,tupaantitypa) des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen.“ Ergänzt wird diese Aussage mit: „Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.“ (Hebr 9,12). Damit ist die Bestimmung des aaronitischen Priestertums als eine vorläufige Ordnung, zu Ende gekommen, weil Gott nun eine neue Dienstordnung eingeführt hat, so lesen wir weiter: „Nun aber hat er ein höheres Amt (gr. leitourgi,aj leitourgias – Dienst am Heiligtum) empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. Denn Gott tadelt sie und sagt (Jeremia 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn (gr. dia,noian dianoian – Denken, Verstand), und in ihr Herz (gr. kardi,ajkardias) will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken (gr. mnhstw,mn¢stö).« Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebr 8,6-13). Es ist nicht nur zwecklos für die Zukunft die Errichtung des Tempels in Jerusalem zu erwarten mit all den Opferdiensten durch die Nachkommen Aarons, sondern solch eine Erwartung schmälert den gegenwärtigen Dienst von Jesus, als des von Gott eingesetzten wahren und ewigen Hohenpriesters, der mit seinem Dienst für alle Nationen (beginnend mit Israel) und deren Bedürfnisse als Mittler eintritt. Der ewige  Priesterdienst des Messias wurde schon im Alten Testament, also während der aaronitischen Priesterordnung vorausgesagt: „Denn es wird bezeugt (Psalm 110,4): »Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war; denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen -, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen.“ (Hebr 7,17-19). Dieser Dienst beinhaltet seine Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen, so bestätigt der Apostel Paulus es in 1Timotheus 2,5-6: „Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.

Durch die Predigt des Evangeliums kommen Menschen zum Glauben an Jesus und er kann ihnen als Vermittler, die Rettung durch seine Erlösung zuteilen. „Daher kann er auch für immer selig machen (retten), die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.“ (Hebr 7,25). Die Betonung: „ein Mittler“ (als Zahlwort) schließt alle weiteren sogenannten Heilsvermittler/Vermittlerinnen aus. Nirgendwo in der Schrift wird ein aktiver Vermittlerdienst von verstorbenen Gläubigen erwähnt, doch die noch lebenden Gläubigen an Christus Jesus haben den Auftrag priesterliche Dienste auszuüben, wie Petrus schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1Petr 2,9).

Genau dies tat der Apostel Paulus, der von sich selbst bezeugt: „damit ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden sei, um das Evangelium Gottes priesterlich auszurichten, damit die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den Heiligen Geist.“ (Röm 15,16). Christus teilt, bzw. bezieht seine Nachfolger in seine (priesterlichen) Dienste ein, so lesen wir auch in Offenbarung 1,4-6: „Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen !“ (Weitere Texte, die den Dienst der Fürbitte der ‚Gläubigen hervorheben: Kol 4,12; 1Joh 5,16; Eph 3,14-21;1Tim 2,1; 2Kor 1,11).

Und der Apostel Petrus bezeugte vor dem Hohen Rat: „(…) Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.“ (Apg 5,31).

 

Christus – zur Rechten des Vaters in Priesterwürde und Priesterdienst und dies für alle Ewigkeit !7

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum war der aaronitische Priesterdienst begrenzt? Was war ihm nicht möglich?
  2. Warum ist der priesterliche Mittlerdienst von Jesus so wichtig und was schließt er alles ein?
  3. Hat Jesus bereits zu seinen Lebzeiten diesen Mittlerdienst versehen? Wenn ja, wo ist er erkennbar?
  4. Warum suchen Menschen Mittlerdienste von Verstorbenen?
  5. Inwieweit bezieht Christus die lebenden Gläubigen in seinen Priesterdienst mit ein?
  6. Bleibt der Priesterdienst von Jesus in Ewigkeit oder wird er dort überflüssig sein?

 

12.8 Jesus zur Rechten des Vaters – er herrscht als König und Herr

 

Das Königsein des Messias wurde schon im Alten Testament im Rahmen des Segens an Juda angekündigt, so lesen wir in 1Mose 49,10: „Nicht weicht das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo kommt (der Herrscher kommt, dem der Stab gehört), dem gehört der Gehorsam der Völker.“ (4Mose 24,17; Mt 2,1-2).

Und dem König David (Nachkommen von Juda) ließ der Herr sagen:

Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will. Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. (2Sam 7,11-13; vgl. Jes 9,5-6; Jer 23,5; 30,9; Hes 34,23; 37,24-25; Hos 3,5; Micha 5,1; Mt 2,5-6).

Bei der Ankündigung der Geburt von Jesus verkündigte der Engel Gabriel der Maria:

Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,31-33).

Doch während Jesus seinen Dienst auf dieser Erde versah, vermied er sorgfältig seinen Anspruch auf das Königtum, wahrscheinlich wegen der falschen Erwartung Israels. In nur wenigen Fällen wird der Königstitel offen erwähnt, so nennt ihn Nathanael aus Kana schon bei seiner ersten Begegnung am Jordan: „Rabbi, Du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“ (Joh 1,49). Jesus lehnt weder das eine, noch das andere ab in diesem so spontanem wie auch aufrichtigem Bekenntnis. Nach der Speisung der Fünftausend östlich des Sees von Genezaret, als die Menge ihn zum König küren wollte, wich er dem entschieden aus (Joh 6,14-15). Doch fünf Tage vor seinem Todespassah erfüllte sich die Prophetie des Propheten Sacharia, der da spricht: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9). Dabei konnte ganz Israel seinen König erkennen, denn Jesus ließ die Ehrung zu und nahm die Huldigung vom Volk bewusst an: „Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ (Joh 12,13).

Und im Prozess vor Pilatus bekennt sich Jesus zu seinem Status als König: „da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König.“ (Joh 18,35). Und Jesus fügt hinzu: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36). Aber auch die Schuldtafel am Kreuz über dem Haupt Jesu bezeugte ihn als den König Israels (König der Juden – Lk 23,38). Seine Königsherrschaft drückte sich aus im Sieg

  • über den Satan und seine Dämonen,
  • über die Sünde,
  • über das Böse in jeder Form und Áusprägung,
  • über Krankheiten aller Art,
  • über den Tod !

So gesehen, bestieg Jesus, als der Nachkomme Davids, dessen Thron, allerdings nicht um ein weltliches Reich aufzurichten, sondern das Reich Gottes, das himmlische Königreich und zwar hier und jetzt im inneren des menschlichen Herzens (Lk 17,20-21) welches jedoch große Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat.

Mit seiner Erhöhung zur Rechten des Vaters übt er seither uneingeschränkte Herrschaft aus und wird wie auch Gott der Vater „König aller Könige und Herr aller Herren“ genannt (1Tim 6,15-16: – „welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.“

Und von dem Sohn heißt es: „Die werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie überwinden (besiegen), denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

Und in Offenbarung 19,16 wird von ihm gesagt: „und (er) trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren.“

Jesus bezieht seine Nachfolger in seine Vollmachten mit ein, wenn von ihnen gesagt wird: „(…) und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Offb 1,4-6).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welchen Texten des Alten Testamentes wird das Königtum des Messias vorausgesagt?
  2. Stelle die Verknüpfung von Prophetie und Erfüllung in Bezug auf die Königsherrschaft des Christus her.
  3. Wie sah die Herrschaft des Christus während seines Menschseins aus?
  4. Was und wen beherrscht der Christus heute, während er zur rechten des Vaters ist?
  5. Wie und inwieweit bezieht Jesus seine Nachfolger in seine Herrschaft mit ein?

 

12.9 Jesus zur Rechten des Vaters – die Schöpfung betet an

 

Sechster Christushymnus

Ein sehr bewegender Hymnus auf Christus das Lamm Gottes hat Johannes im Buch der Offenbarung aufgeschrieben.

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied:

Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig,

  • zu nehmen Kraft
  • und Reichtum
  • und Weisheit
  • und Stärke
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Lob.

Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm

  • sei Lob
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier Gestalten sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.“ (Offb 5,6-14).

 

12.10 Jesus zur Rechten des Vaters – Er kommt als Weltrichter

 

Den ersten Hinweiß zum Richteramt Christi finden wir im Judasbrief (14-15), dort wird Bezug genommen auf die Zeit des Henoch und dessen Weissagung:

Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der Siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben.

Im Zusammenhang der Begegnung Abrahams mit dem HERRN in 1Mose 18,25 und der klärenden Aussage von Jesus dazu in Joh 8,56-58 wird deutlich, dass der dem Abraham erschienene HERR, Jesus selbst war in einer Menschengestalt. Dort tritt Abraham vor den Herrn und sagt: „Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?“

Von dem Messias heißt es in Jesaja 2,4: „Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker.

In Jes 42,1 spricht Gott dem Christus richterliche Aufgaben zu: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht (das Gericht) unter die Heiden bringen.

Weitere Stellen aus dem Alten Testament: Psalm 7,9; 9,9; 96,13; 98,9; Jes 33,22.

 

Gerechtigkeit liegt im Wesen Gottes und Gott hat zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise seine Gerechtigkeit durch Urteilen und Richten hergestellt.

 

Die Hinweise auf das Richteramt von Jesus im Neuen Testament:

  • Joh 5,22-24 „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
  • Joh 5,27 „und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.
  • Mt 25,31-46 „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken (Ziegenböcke) scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke (Ziegenböcke) zur Linken.
  • Apg 17,31 „Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
  • 2Tim 4,1 „So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reic.“ (Vergleiche dazu auch 1Petr 4,5).

 

Die Jünger/Apostel Jesu werden in besonderer Weise auch in den Richterdienst des Christus einbezogen:

  • Mt 19,28 „Jesus aber sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

 

In sein richterliches Handeln bezieht Christus auch seine Gemeinde mit ein. Es ist geradezu auffällig, dass die Nachfolger Jesu sogar in diese hohe und verantwortungsvolle Aufgabe miteinbezogen werden, natürlich in einem durch Christus überwachten Rahmen.

  • 1Kor 6,2-3 „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Wie viel mehr über Dinge des täglichen Lebens.“ Doch Vorsicht und Zurückhaltung sind für diese Zeit geboten, denn in 1Kor 4,5 schreibt Paulus:
  • Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.
  • 2Kor 5,10 „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

 

Jesus, als Richter der Welt,- für die einen ist es Trost, weil ihr Recht hergestellt wird, für die anderen Furcht, weil sie ihre gerechte Strafe erhalten werden.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Suche nach Hinweisen im Alten Testament, die sich auf den Richterdienst des Christus beziehen.
  2. Woher wissen wir, dass der Richterdienst im Kompetenzbereich des Christus ist?
  3. Inwieweit sind die Apostel, aber auch die Gemeinde in den Richterdienst einbezogen?
  4. Warum ist Gericht unbedingt notwendig?
Dieser Beitrag wurde unter UNTERWEGS MIT JESUS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert