Wann kam der Schächer ins Paradies?

 

 

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, lautet: Wie soll die Aussage von Jesus an den Schächer am Kreuz gelesen und verstanden werden?

  1. Wahrlich, ich sage dir: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ Oder:
  2. Wahrlich, ich sage dir heute: „du wirst mit mir im Paradies sein“.

Diese Unsicherheit entsteht zum einen, weil es in den Handschriften des Urtextes und natürlich auch in den Abschriften (Kopien) keinerlei Interpunktionen (Satzzeichen) gab, zum anderen, weil eine vorgefasste Meinung durch eine bestimmte Auslegung zu Grunde gelegt wird.

Die Schriftforscher wurden natürlich vor eine große Herausforderung gestellt. Sie mussten den fortlaufenden Text in einzelne Sätze aufteilen und auch innerhalb eines Satzes entsprechende Satzzeichen setzen.

Im Text des altgriechischen Neuen Testamentes von Nestle Aland wurde ein Komma nach „ich sage dir“ gesetzt. „καὶ εἶπεν αὐτῷ· ἀμήν σοι λέγω, σήμερον μετ᾽ ἐμοῦ ἔσῃ ἐν τῷ παραδείσῳ“. Die zehn gängigen deutschen Bibelübersetzungen haben nach dem „ich sage dir“ einen Doppelpunkt gesetzt. Damit wird betont, dass der Schächer (nach Jesu Wort) noch am selben Tag (heute) zusammen mit Jesus im Paradies sein wird.

 

In Markus 14,30 haben wir eine ähnliche Formulierung: „Und Jesus sprach zu ihm (zu Petrus): Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

In beiden Fällen brauchte Jesus ja nicht extra betonen, dass er diese Aussage `heute` macht, wozu denn auch? Wie klingt es denn: „Wahrlich, ich sage dir heute: In dieser Nacht …“. Zwischen der Aussage und der Erfüllung lagen gerade mal 4-5 Stunden, da das `Heute` mit dem Sonnenuntergang begann und in derselben Nacht (Donnerstag auf Freitag) Petrus seinen Herrn nach dem zweiten Hahnenschrei verleugnete.

Ähnlich auch auf Golgatha. Bevor der Tag (Freitag)  mit Sonnenuntergang zu Ende war, starb Jesus und ging ins Paradies (die göttliche Sphäre) ein (Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände). Nach kurzer Zeit, ebenfalls noch am selben Tag vor Sonnenuntergang, wurden den beiden Gekreuzigten die Beine gebrochen, so dass sie starben. Der (erlöste und geistlich auferweckte) Geist des Schächers ging dorthin, wo Jesu Geist war – im Paradies Gottes.

Fazit: Das `Heute` bezieht sich also auf den Inhalt der Aussage von Jesus, auf das, was noch am gleichen Tag mit dem Schächer und der gleichen Nacht mit Petrus geschehen wird.. Dass Jesus diese Aussage `heute` macht, brauchte er nicht extra betonen.

Auch bei allen anderen Aussagen, die Jesus gemacht hat, lässt sich immer nach dem „ich sage dir“ oder: „Ich sage euch“ ein Doppelpunkt setzen, erst danach kommt die inhaltliche Aussage.

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Jesus lehrt in der Synagoge von Kapernaum

7.7 Jesus lehrt in der Synagoge von Kapernaum

(Bibeltext: Joh 6,22-65)

 

7.7.1 Die Verbindung zwischen der Brotvermehrung und der Brotrede

Nach dem Text des Ev. Markus, ordnet Jesus seinen Jüngern an ins Boot zu steigen und vor ihm nach Bethsaida zu fahren (Mk 6,53-56), Doch dort kamen sie, warum auch immer, nicht an. Nach dem Text des Ev. Matthäus, gehen die Jünger, bereits mit Jesus im Boot, am nächsten Morgen in Gennesaret an Land (Mt 14,34-36, – gemeint ist wahrscheinlich die Gegend im Nordwesten des Sees). Doch letztlich landeten sie in Kapernaum, wie der Ev. Johannes berichtet (Joh 6,24-25.59).

Viele vom Volk, die jenseits des Sees durch die Danksagung des Herrn satt geworden waren, übernachteten dort im Freien. Noch am Abend haben sie beobachtet, dass die Jünger ohne Jesus ins Boot gestiegen und abgefahren waren (Joh 6,22-24). Am nächsten Morgen kamen weitere Boote aus Tiberias und legten in der Nähe der Stelle am Ostufer an.

 

Abbildung 11 Unten am Ufer von Tiberias-Stadt. Der Wasserspiegel könnte mindestens 4 Meter höher sein. Ein Fischerboot mit einigen Fischern schaukelt unweit des Ufers (Foto: 30. Januar 2019).

Diese unscheinbare Bemerkung ist ein deutlicher Hinweis auf einen regen Boots- und Schiffsverkehr auf dem See zur Zeit von Jesus. Tiberias, am Westufer des Sees gelegen, war die Winterresidenz des Vierfürsten Herodes Antipas.

Viele Menschen erlebten für sich oder ihnen Nahestehenden umfassende Zuwendung durch Jesus – Heilung von körperlichen Gebrechen, Lehre vom Reich Gottes und am Ende der Versammlung eine sättigende Mahlzeit mit Brot und Fisch. Doch, das Einzige, was vom Messias Gottes an jenem Tag (zumindest von Einigen) erkannt wurde war, dass es sich um den Propheten aus 5Mose 18,15 handeln könnte, der in die Welt kommen soll. Und als sie am Morgen Jesus nicht fanden, stiegen sie in Boote und fuhren hinüber nach Kapernaum. Dort suchten sie Jesus und fanden ihn in der Synagoge lehrend.

 

7.7.2 Jesus ist das vom Himmel gekommene Brot des ewigen Lebens

Erste Frage der Juden:Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen“? (Joh 6,25). Was sie mit ihrer Frage meinen, erfahren wir erst aus der Erklärung von Jesus. Denn hinter ihrer Frage, die nach Neugier aussieht, verbirgt sich das Begehren nach ständiger materieller Versorgung. Jesus deckt die wahren Absichten und Gedanken ihres Herzens auf.

Antwort von Jesus: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“ (Joh 6,26).

Aufforderung von Jesus: „Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters.“ (Joh 6,27). Jesus nutzt das materielle Begehren der Menschen nach Brot, um auf sein geistliches Angebot hinzuweisen. Mit der Aufforderung: „Speise wirken (aufnehmen, verarbeiten, essen) die da bleibt“ weist Jesus auf eine nicht materielle Nahrung hin, welche der Menschensohn ihnen zu geben vermag. Denn auf ihm ist Gottes Siegel, der Heilige Geist, die Salbung, er ist der Bevollmächtigte vom Vater (Jes 61,1-3; Mt 3,17; Joh 1,31-34). Wenn sie am Vortag in ihm den durch Mose verheißenen Propheten erkannten (5Mose 18,15), dann hat er absoluten Anspruch, um gehört zu werden (5Mose 18,19). Und er fordert sie heraus, ihre Denkweise und Denkrichtung

  • mit Hilfe von Mose auf ihn den wahren Propheten,
  • und mit Hilfe des materiellen Brotes auf das göttliche, geistliche Brot zu lenken.

Sie aber wollten nur die natürlichen Vorteile, nicht aber den Geber (Menschensohn) mit  seinem geistlichen Angebot. Sie wollten ihn für ihre Bedürfnisse und ihre Zwecke einspannen, ja, einen König nach ihrer Vorstellung könnten sie gebrauchen, der sie umfassend versorgt und äußere Sicherheit gibt.

 

Zweite Frage der Juden: „Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken?“ (Joh 6,28). Das gesamte Erlösungskonzept der Juden war fälschlicherweise auf das eigene `Tun, bzw. Lassen` von bestimmten Vorschriften ausgerichtet und nicht auf die gnadenvolle Zuwendung Gottes, die auch  in den alttestamentlichen Ritualen erkennbar war.

Antwort von Jesus: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ (Joh 6,29). Jesus kehrt die Dinge um, bzw. er stellt sie wieder richtig – es handelt sich nicht um die Leistung oder Vorleistung des Menschen durch Gott Opfer darbringen nach alter Vorschrift, sondern um Gottes Werk, welches sich im Glauben, also der Annahme dessen, den er gesandt hat, ausdrückt. Der Glaube ist demnach ein demütiges und dankbares ANNEHMEN der Gabe Gottes – Jesus Christus als Lamm Gottes, Retter und Erlöser der Welt. (Joh 1,29; 1,12: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“, demnach ist glauben gleich aufnehmen).

 

Dritte Frage der Juden: „Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« (Joh 6,30-31).

 

Abbildung 12 Die Synagoge in Kapernaum (aus dem 4. Jh.) erinnert uns an die Synagoge aus der Zeit von Jesus, welche damals mit Unterstützung des römischen Hauptmanns erbaut wurde. In der Regel baute man die nachfolgenden Synagogen auf den Fundamenten älterer Synagogen. (Foto: 23. Januar 2019).Abbildung 12 Die Synagoge in Kapernaum (aus dem 4. Jh.) erinnert uns an die Synagoge aus der Zeit von Jesus, welche damals mit Unterstützung des römischen Hauptmanns erbaut wurde. In der Regel baute man die nachfolgenden Synagogen auf den Fundamenten älterer Synagogen. (Foto: 23. Januar 2019).

Die Juden in der Synagoge lassen sich auf das Gespräch ein. Sie stellen eine weiterführende Frage, bzw. Doppelfrage. Es ist eine klare Herausforderung, im Sinne von: unsere Väter bekamen das Manna vom Himmel, was für ein Zeichen gibst du uns, welches erkennbare Werk vollbringst du, damit wir sehen und glauben. Dabei zitieren sie einen Psalm, in dem an das Manna in der Wüste erinnert wird. Ihre dreißte Herausforderung erstaunt schon, wenn man bedenkt, dass sie erst am Tag zuvor bei der Brotvermehrung in Jesus den durch Mose verheißenen Propheten erkannten (vgl. Joh 6,14 mit 5Mose 18,15). Was für Zeichen als Beweis wollen sie noch sehen?

Antwort von Jesus:Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. (Joh 6,32-33). Jesus bleibt geduldig. Zum einen korrigiert er ihr Verständnis in Bezug darauf, dass damals nicht Mose der Geber des Manna war und zum anderen lenkt er ihren rückwärts gewandten Blick auf das Heute, den heutigen Geber des Himmelsbrotes – es ist der Vater von Jesus. Dieses Brot ist für das Leben der Welt bestimmt.

 

Vierte Frage/Bitte der Juden:Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.“ (Joh 6,34). Es scheint, als ob sie nun bereit wären, das von Jesus angebotene Brot des Lebens anzunehmen, doch eigentlich sind sie nicht weiter im Verstehen der Worte Jesu, als zuvor die Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,15: „Herr, gib mir von diesem Wasser, damit ich nicht dürste und nicht mehr herkommen muss um zu schöpfen“). Auch sie befinden sich immer noch im materiellen Denken. Ja, die Wundergabe des Brotes, der Brotvermehrung hätten sie gerne angenommen. Paradiesische Zustände: nicht mehr im Schweiße des Angesichts das Brot verdienen zu müssen. Es scheint so, als ob hier in zwei unterschiedlichen Sprachen gesprochen würde.

Antwort von Jesus:Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ (Joh 6,35-40). Nun folgt eine Lehreinheit mit weiteren Erklärungen zum Thema `Brot des Lebens`, Offenlegung der wahren Haltung der Zuhörer, aber auch der Einblick in Gottes wunderbaren Willen (Ratschluss) und dessen Wirken.

  • Tatbestand: Jesus ist in Person das Brot des Lebens!
  • Die Einladung: Wer zu ihm kommt, den wird  nicht hungern,
  • wer an ihn glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
  • Der Vorwurf: „Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht“. Sie sahen die Herrlichkeit Jesu in der einzigartigen Brotvermehrung, aber auch in den vorangegangenen Wundern und Heilungen aller Art. Ja, sie erkannten sogar in der Person von Jesus den durch Mose verheißenen Propheten (5Mose 18,15). Gesehen, erkannt und doch nicht angenommen, doch nicht geglaubt.
  • Hinter den Kulissen: „Alles, was mir der Vater gibt, kommt zu mir“. Welch göttliches, souveränes und auch geheimnisvolles Wirken des Vaters im Hintergrund! Er gibt seinem Sohn Menschen und diese kommen zu ihm. Und wer zu ihm kommt, wird nicht ausgestoßen, sondern aufgenommen.
  • Die wahre Herkunft von Jesus und seine Unterordnung unter den Vater: Im Vergleich zu allen vorangegangenen Propheten ist Jesus von himmlischer, ja, göttlicher Herkunft. Als Sohn des Vaters hat er zwar die Fähigkeit zu einem eigenen Willen, doch freiwillig und bewusst tut er den Willen seines Vaters. Welch eine Größe, welch ein Vorbild!
  • Gottes Absicht: Der Wille (Ratschluss) des Vaters für seinen Sohn war und ist, dass er nichts verliert von dem was ihm der Vater gegeben hat. Ja, dass er es (diese Menschen) auferwecke am jüngsten Tage.
  • Was will der Vater noch? Eingeschlossen in diesen Vater-Willen ist auch: Wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe und der Sohn ihn am jüngsten Tage auferwecke. Das ewige Leben beginnt mit der Aufnahme Jesu durch den Glauben (Joh 1,11-12; 5,24). Die Auferweckung, bzw. die Gabe des neuen Körpers bekommt der Gläubige bei der Auferstehung der Toten am jüngsten Tage (Joh 5,28-29).

 

Das Murren und die fünfte Frage der Juden: „Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel gekommen?“ (Joh 6,41-42). Immer wieder rufen die Worte von Jesus nicht nur Erstaunen, sondern oft auch Empörung aus. Diesmal ist es die Aussage über seine Herkunft. Es macht zum einen deutlich, dass zum damaligen Zeitpunkt die eigentliche Herkunft von Jesus höchstens im kleinen Familienkreis bekannt war und zum anderen, dass sich wohl niemand ernsthaft Gedanken gemacht hat darüber, wo Jesus wirklich geboren wurde. Anstatt Jesus direkt zu fragen, wie er das meint „ich bin vom Himmel gekommen“, ärgern sie sich darüber. Zu fest sitzt in ihnen die Vorstellung, dass der Messias nur eine irdische Abstammung hat, nämlich: `Sohn Davids`.

Antwort von Jesus:Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte; nur der, der von Gott ist, der hat den Vater gesehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt“ (Joh 6,43-51). Geistliche Rede wirkt anstößig, weil sie sich natürlicher Worte und Redewendungen bedient, die manchmal keinen (logischen) Sinn ergeben. Doch Jesus entschied sich, die menschliche Sprache zu verwenden, auch wenn sie der weiteren Erklärung bedarf. Hätte er sich einer himmlischen Redeweise bedient, wäre es für die Menschen noch schwieriger gewesen ihn zu verstehen (Joh 6,61-63; vgl. dazu auch den Dialog mit Nikodemus und der Bemerkung von Jesus in Joh 3,12). Wenn Jesus seine Zuhörer tadelt und sagt: „Murrt nicht untereinander“, dann hat er das Recht dazu. Denn nichts ist so hinderlich für Gottes Wirken, als die sofortige und ständige Ablehnung ohne ehrliches Nachfragen. Und wieder greift Jesus den Gedanken auf, dass die erste Initiative von Gott dem Vater ausgeht. Und er tut alles, damit niemand sich seiner Verantwortung entziehen kann. Jesus zitiert den Propheten Jesaja: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein.“ Und er interpretiert es mit: „Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.“ Vom Vater hören und lernen ist also die Verantwortung des Menschen. Wie und wann hat sich Gott kundgetan? Er tat es seit Beginn durch Mose und die Propheten (Joh 5,46-47). Doch seit den Tagen des Zacharias hat Gott auf besondere Weise das Volk Israel auf das Kommen des Messias vorbereitet (Lk 1,76-79). Mit dem Auftreten des Johannes blieb wohl niemand mehr in Unkenntnis darüber, dass das Kommen des Messias kurz bevorsteht. Und Johannes wies alle Israeliten darauf hin, an den (nach ihm) Kommenden zu glauben (Lk 3,4-6;; Jes 40,1-5; Joh 1,7: „Der (Johannes) kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten“. (dazu auch Joh 1,19-34). Damit war das Volk Israel in Kenntnis gesetzt und herausgefordert zu `lernen` also, hinhörende und aufnehmende Schüler zu sein. Und Jesus sagt: „Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir“.

Dann fügt Jesus noch eine wichtige Bemerkung hinzu. Niemand hat den Vater gesehen, nur der Sohn (vgl. dazu auch Joh 1,18). Nochmal erinnert Jesus an das Manna in der Wüste und daran, dass jene die das Manna gegessen haben gestorben sind. Im Gegensatz dazu gibt es keinen Tod für die, welche von dem Brot des Lebens essen werden. Dann eröffnet er eine weitere Seite der geistlichen Rede. Das Brot bezieht er auf sein Fleisch (Körper), den er für das Leben der Welt hingeben wird. Es ist ein Hinweiss auf sein stellvertretendes Sterben als Lamm Gottes (Joh 1,29). Wenn Jesus vom essen seines Fleisches spricht, dann ir Anlehnung auf das Opferlamm in Ägypten, welches ganz aufgegessen werden musste. Dies diente zur Errettung des Volkes Israels (2Mose 12,1ff).

 

Sechste Frage der Juden: „Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52). Immer verwirrter scheinen die Juden zu reagieren, weil sie nur auf der Ebene des natürlich/physischen denken.

Antwort von Jesus:Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.“ (Joh 6,53-59). Was für eine Rede! Die Schere zwischen der bildhaften Rede von Jesus und dem Missverstehen der Menschen, ging immer weiter auseinander. Jesus führt seine Zuhörer in die tiefsten Geheimnisse des Erlösungsplanes ein, sie jedoch werden immer ärgerlicher und ablehnender gegenüber Jesus.

Das Manna, welches Gott den Israeliten in der Wüste gab, ist ein Vorbild auf das wahrhaftige, Leben spendende Brot aus dem Himmel in der Person von Jesus. Ebenso ist die Brotvermehrung jenseits des Sees ein Zeichen/Hinweis, dass Jesus selbst das lebendig machende Brot Gottes ist. Mit der Aufforderung von Jesus: „Wirkt nicht Speise, die vergänglich ist, sondern Speise, die zum ewigen Leben führt“ (V. 37) ist der Glaube an den vom Vater gesandten Menschensohn Jesus gemeint. Jesus fordert die Menschen auf:

  • auf ihn zu hören
  • ihm zu gehorchen
  • ihm zu glauben
  • ihn aufzunehmen
  • ihm nachzufolgen
  • in ihm zu bleiben.

Dies ist Gottes Wille für uns Menschen, dies ist Gottes Werk in uns – dies ist der einzige Weg zum ewigen Leben.

Jesus legt sein geistliches Rettungskonzept vor. Dafür benutzt er Materielles, um auf das Immaterielle hinzuweisen. Sie aber sind in der Tradition gefangen und wollen nichts Neues, Anspruchsvolleres. Sie beharren auf dem Standpunkt: „Der Alte (Wein) ist milder“. (Lk 5,39).

So fragen wir uns bei der Betrachtung dieses Tages – wie können so großartige Dinge wie Speisung einer großen Menschenmenge und die Heilung von vielen Menschen so wenig im geistlichen Bereich auslösen? Wenn dies bei Jesus geschieht – dann darf scheinbare Erfolglosigkeit alle späteren Nachfolger nicht aus der Bahn werfen.

 

Besondere Aussagen:

Das hebräische `Amen, Amen` = Wahrlich, wahrlich wird ins griechische an allen Stellen unverändert übertragen (ἀμὴν ἀμὴν – ), auch im deutschen, wenn es am Ende eines Grußes steht. Zu Beginn einer Aussage jedoch wird es überwiegend mit `wahrlich` übersetzt. Es hat die Bedeutung einer betonten Bestätigung. In diesem Text beginnt Jesus viermal einen Abschnitt mit dem doppelten `Amen, amen` (6,26. 32. 47. 53).

Joh 6,39 auferwecke am Jüngsten Tage.Joh 6,4

Joh 6,40 auferwecken am Jüngsten Tage.

Joh 6,44 auferwecken am Jüngsten Tage.

Joh 6,54 am Jüngsten Tage auferwecken.

 

Fragen / Aufgaben:

 

  1. Wo und wann lehrte Jesus vom Brot des Lebens?
  2. Welche Lehrart benutzt Jesus in dieser Situation?
  3. Warum benutzt Jesus Bilder aus dem Alltag und dem Alten Testament? Wie können wir heute Bilder nutzen?
  4. Was ist das Anstößige bei den Bildern, die Jesus benutzte? Was geschieht, wenn bestimmte Worte und Bildreden von Jesus buchstäblich ausgelegt und angewendet werden (V. 61-63)?
  5. Woran denken wir heute beim Brotessen? In welcher Weise ist Jesus heute unser Brot?
  6. Wenn Jesus das Brot des (ewigen) Lebens ist, was bedeutet dies für Menschen die Jesus ablehnen?
  7. Warum verließen viele Jünger Jesus?

 

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Nur fünf Brote und zwei Fische

7.5 Jesus speist die Fünftausend (+Frauen und Kinder)

(Bibeltexte: Mt 14,13b-21; Mk 6,33-44; Lk 9,11-17; Joh 6,2-15)

Zweimal hat Jesus eine große Menschenmenge mit Brot und Fisch gespeist. Bei der ersten Speisung waren es ungefähr 5000 Männer. Man könnte demnach noch einige Tausend Menschen hinzurechnen. Es war nicht üblich in Israel, dass Frauen und Kinder bei Zählungen mitgerechnet wurden (2Mose 12,37). Beim zweiten Mal waren es ungefähr 4000 Männer ohne Frauen und Kinder (Mt 15,29-39; Mk 8,1-10). In Matthäus 16,6-12 und Markus 8,17-21.nimmt Jesus noch einmal Bezug auf beide Wunder/Zeichen.

Im Vordergrund der Geschichte steht die Stillung des natürlichen Bedürfnisses – der Hunger der vielen Menschen. Neben diesen mehr äußerlichen Details werden uns besonders die geistliche Botschaft und die Bedeutung dieses Zeichens beschäftigen.

 

7.5.1 Der Ort der ersten Brotvermehrung

Der Ev. Johannes schreibt: „Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißtUnd es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.“ (Joh 6,1-2) (Joh 6,1-2).

Abbildung 7 Der Nordostabsschnitt des Sees vom sogenannten Berg der Seligpreisungen aus gesehen. Bethsaida lag zur Zeit Jesu westlich der Jordanmündung, also noch in Galiläa. Heute liegen die Ruinenreste von Bethsaida  östlich des Jordan, weil der Fluss im Mündungsbereich seinen Lauf geändert hat. Das dahinter liegende Land im Nordosten des Sees war auch schon im Altertum wenig besiedelt (Foto: Juli 1994)

Jesus befand sich vor der Abfahrt irgendwo am Nordwestufer des Sees, entweder in Kapernaum oder westlich davon. Viele Menschen, die das Wunder der Brotvermehrung erlebten, waren Bürger aus der Stadt Kapernaum, so die Hinweise aus Johannes 6,24.59. Das Volk, welches ihm daraufhin nachfolgte, war nicht mit Booten, sondern zu Fuß unterwegs. Das heißt, sie gingen am Ufer entlang in die gleiche Richtung, wohin auch das Boot mit Jesus fuhr, so die Bemerkung des Ev. Matthäus: „Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.“ (Mt 14,13). Der Ev. Markus ergänzt: „Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.“ (Mk 6,31-33). Die Menschen hatten eine gute Übersicht über den See und die Richtung, in welcher das Boot mit Jesus fuhr. Sie machten sich also zu Fuß auf den Weg und viele von ihnen kamen dort vor Jesus an. Der Ev. Lukas nennt den Ort in dessen Nähe dieses Speisungswunder geschah: „Und er (Jesus) nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida..“ (Lk 9,10). Die Evangelisten betonen, dass es ein einsamer Ort, bzw. unbewohnte Gegend war, in der Jesus das Volk speiste. Aus all diesen Hinweisen können wir mit einiger Sicherheit sagen, dass sich der Ort der Brot- und Fischvermehrung in der Gegend südöstlich von Bethsaida befand. Dies wäre in der Trachonitis, also im Herrschaftsgebiet des Herodes Philippus (Lk 3,1; vgl. dazu auch Joh 6,16).

Abbildung 8 Das Mosaik mit Brot und Fisch in der Kapelle bei Tabgha, westlich von Kapernaum gelegen. Es oll an die wunderbare Brot- und Fischvermehrung für die 5000 erinnern (Foto: April 1986).

Bereits im 4./5. Jh. entstand eine Tradition, der zufolge die Brot- und Fischvermehrung für die 5000 am Nordwestufer des Sees stattgefunden haben soll. Dort wurde über den Resten frühchristlicher Bauten eine neue Kirche erbaut. Seit 1888 gehört das Gelände der Deutschen Katholischen Palästinamission. Für die Verlegung der Tradtion vom Nordostufer auf das Nordwestufer könnten folgende Gründe angeführt werden:

  • Unzureichende Textkenntnisse der Evangelienberichte.
  • Der Bau einer Kirche mitten im Niemandsland in unbewohnter Gegend wäre aufwendig gewesen.
  • Praktische Überlegungen in Bezug auf die Pilger, welche mit dem beginnenden 4. Jh. vermehrt nach Palästina strömten, um die Stätten, die mit dem Wirken von Jesus in Verbindung gebracht wurden, aufzusuchen. So wurde hier in unmittelbarer Nähe zu Kapernaum, Tabgha, dem Berg der Seligpreisungen, auch der Brotvermehrungstradition ein Denkmal gestiftet. Auf dem Weg ans Nordostufer musste man das Joprdandelta überqueren oder die weiter oben gelegene Brücke benutzen. So ähnlich geschah es auch mit der Taufstelle von Jesus, die in den späteren Jahrhunderten auf das Westufer des unteren Jordan verlegt wurde (Siehe 3. Kapitel, Abschnitt: „Die Taufe von Jesus im Jordan“).

 

7.5.2 Die zeitliche Einordnung

Nach Johannes 2,13 und 5,1(?) war Jesus bereits zweimal in Jerusalem beim jährlichen Passafest gewesen. Nach Johannes 6,4 stand das seit Beginn der Wirksamkeit von Jesus (dritte ?) jüdische Passafest kurz bevor, d.h. Jesus wirkte bereits etwa 2 ¾ (2 ¼) Jahre. Vor ihm lag also noch ein Jahr des Dienstes. Übrigens sagt Johannes nichts über den dritten Passabesuch von Jesus (Joh 6,4). Es ist durchaus möglich, dass er zu diesem Passa nicht gegangen ist, sondern erst im Herbst zum Laubhüttenfest (Joh 7,1ff). Jesus begann mit seiner Wirksamkeit etwa im Sommer 29 des 1. Jh.. Im Jahr 32 fiel der 14. Nisan auf Montag den 14. April. Das Speisungswunder hatte damit etwa Ende März, Anfang April stattgefunden.

 

7.5.3 Die Details des Wunders

Bei der Schilderung des Speisungswunders ergänzen sich die Evangelisten, so dass die folgende Reihenfolge der Geschehnisse vorstellbar wäre:

  • Jesus steigt mit seinen Jüngern am Nordostufer des Sees aus dem Boot. Doch bereits davor konnte man Menschen sehen, die am Nordostufer entlang gingen. Eigentlich wollte er sich mit seinen Jüngern an einem einsamen Ort ein wenig ausruhen. Doch er nimmt die vielen Menschen wahr, die zu Fuß zu ihm geeilt waren. Einige sind bereits schon da und erwarten ihn. Er geht auf den nahe gelegenen Berg/Anhöhe (Joh 6,3) und setzt sich dort mit seinen Jüngern.
  • Er beobachtet, wie viele Menschen sich ihm nahen und empfindet Erbarmen mit ihnen. Für ihn sind sie wie Schafe, die keinen Hirten haben (Mt 14,14b; Mk 6,34b).
  • Er heißt sie willkommen (Lk 9,11a).
  • In einer langen Lehreinheit spricht er zu ihnen über das Reich Gottes und heilt Kranke (Lk 9,11b; Mk 6,34c).
  • Mittlerweile ist es schon spät geworden (Lk 9,12a; Mk 6,35a). Matthäus beschreibt den Zeitpunkt des Herantretens der Jünger zu Jesus: „Als es aber schon Abend geworden war (…)“ (Mt 14,15a). Der Ev. Johannes, nennt den Zeitpunkt des Abschlusses des Mahls: „Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See.“ (Joh. 6,16).
  • Der lichte Tag endet nach damaliger Auffassung mit dem Sonnenuntergang, um diese Jahreszeit ist dies etwa 18.30-19 Uhr.
  • Matthäus berichtet, dass die Zwölf mit der Bitte zu Jesus kommen, die Menschen doch zu entlassen, damit sie in die nahe gelegenen Orte gehen könnten, um sich Speise zu kaufen (Mt 14,15; Mk 6,35-36; Lk. 9,12).
  • Jesus entgegnet ihnen: „Es ist nicht nötig, dass sie hingehen, gebt ihr ihnen zu essen“ (Mt 14,16; Mk 6,37a; Lk 9,13a).
  • Jesus fragt Philippus, der aus dem benachbarten Bethsaida stammte (Joh 6,5; 1,44; 12,21): „Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese essen können“? „Aber dies sagte er, um ihn zu versuchen (prüfen), denn er wusste, was er tun wollte“ (Joh 6,6).
  • Nun ist Philippus der weitere Sprecher der Jünger, obwohl es heißt, dass sie sich alle am Gespräch beteiligten.
  • In Lukas 9,13 stellen zunächst alle die Frage: „sollen wir denn hingehen und für diese alle Brot kaufen“?

Philippus argumentiert (Joh 6,7): „Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, dass jeder auch nur ein wenig bekomme“. Ein ´δημαριος – d¢narios – Denarius/Denar/Dinar (röm. Währung) entsprach dem Tageslohn eines Tagelöhners (Mt 20,2. 9). Zweihundert Tageslöhne (bei Leiharbeiter) würden heute (pro Tag 60,- €) ca. 12.000 € ausmachen. Ein Kilo Brot kostet heute zwischen 2,50 bis 4,00 €. Demnach könnte man heute für zweihundert Tageslöhne rund 4000 kg Brot kaufen. Laut Berechnung der Jünger konnte man damals für zweihundert Denare bei weitem nicht so viele Brote kaufen, dass ein jeder nur ein wenig davon bekommen hätte. An der Berechnung und vorläufigen Aussage haben alle teilgenommen (Mk 6,37;  Lk 9,13b).

  • Jesus fragt sie: „Wie viele Brote habt ihr hier, geht hin und erkundigt euch“ (Mk 6,38).
  • Nach der Erkundigung übernimmt das Wort Andreas, der Bruder des Simon Petrus: „Es ist ein Junge hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, aber was ist dies für so viele“ (Joh 6,9; siehe Mt 14,17;  Mk 6,38b)? Rechnet man pro Person etwa ein ½ kg Brot, dann sind die fünf Brote von Jesus mehr als tausendfach vermehrt worden. Die griechische Bezeichnung `’παιδάριον – paidarion`  meint einen kleinen Jungen zwischen acht und zehn Jahren.
  • Jesus aber sagt: „Lasst die Leute sich lagern auf das Gras“ (Joh 6,10a). Ende März ist noch Regenzeit in Israel. Darum ist besonders diese Region rund um den See Gennesaret mit einem grünen Grasteppich und bunten Feldblumen übersät. Fern vom Lärm der Städte, mitten in Gottes wunderschöner Natur erleben Tausende durch den Dienst von Jesus und seinen Jüngern Erquickung an Leib und Seele. Lukas ergänzt: „In Gruppen zu je fünfzig“ (Lk 9,15). Markus präzisiert: „In Gruppen zu je hundert und je fünfzig“ (Mk 6,40). Jesus legt also großen Wert auf Ordnung durch Übersicht.
  • Jesus dankt (Joh 6,11) segnet das Brot und die Fische (Mt 14,19; Mk 6,41; Lk 9,16), bricht sie, gibt sie den Jüngern und diese teilen alles aus.
  • Nach dem Essen ordnet Jesus an, dass die übrigen Brocken eingesammelt werden. Der Vergleich von Mt 15,27 mit 14,20 macht deutlich, dass hier die übriggebliebenen Brocken gemeint sind,- gr.´κλάσματων – klasmaton´, nicht ´Brohsamen gr. ´πσιχιων – psichion´.Zwölf Körbe voll mit Resten bleiben übrig (Mt 14,20; Mk 6,43; Lk 9,17; Joh 6,13). Die griechische Bezeichnung `κόφινοςkophinos` für Handkorb, nutzte man in Galiläa. Dagegen bezeichnete man diese Art von Körben im Osten des Sees `σπύρις – spyris`, was bei der Speisung der viertausend eine Bedeutung hat (Mk8,8). Diese Zahl Zwölf kann man zunächst als einen Hinweis auf die zwölf Stämme Israels verstehen, welche Jesus auf eine neue und geistliche Weise zusammenführen wollte (Mt 15,24). Vielleicht auch auf die zwölf Apostel des Herrn, sozusagen, jeder hatte am Ende einen Korb in der Hand, was aus einer vorhergehenden Aussage von Jesus „gebt ihr ihnen zu essen“ abzuleiten wäre. Alle vier Evangelisten verstehen dies wohl als einen besonderen Hinweis darauf, dass mit Jesus die geistliche Sammlung des Gottes Volkes beginnt (siehe auch Jes 49,6).

 

7.5.4 Die Bedeutung des Speisungswunders

Wie wir bereits bei dem Wasser/Wein-Wunder gesehen haben, deutet auch die Brotvermehrung zeichenhaft auf den Messias hin. „Als die Menschen das Zeichen sahen, sprachen sie: „Dies ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 6,14). Das griechische Wort `shmei/on s¢meion` übersetzen wir als Hinweis. Die Taten von Jesus weisen darauf hin, dass er der von Gott gesandte Gesalbte/Messias ist. Die Menschen erkennen in Jesus den von Gott durch Mose verheißenen Propheten. Dies kann ein Anklang an 5Mose 18,15 sein: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen“. Doch wie setzen die Menschen ihre Erkenntnis um? Es folgt eine politische Reaktion der Masse – sie wollen Jesus zu ihrem (Gegen-) König machen. Doch Jesus weicht dieser menschlichen Ehre und Verantwortung aus. Er ist nicht an einem irdischen Königreich interessiert – er will auch mit keinem politischen Würdenträger verglichen werden – auch mit keinem Revolutionsführer.

Jesus gibt der Menge reichlich Brot zum Leben, Darüber hinaus ist er in Person das Brot des Lebens (Joh 6,33-35) – was für eine überreiche Gabe!

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Durch welche Zeitangaben im Johannesevangelium lässt sich das Speisungswunder im Leben von Jesus einordnen und zu welcher Jahreszeit fand es statt?
  2. Wo fand diese Speisung statt? Aufgrund welcher Textaussagen können wir den ungefähren Ort, bzw. Gegend des Geschehens feststellen?
  3. Wer waren die vielen Menschen, woher kamen sie? Warum wurden damals die Frauen und Kinder nicht mitgezählt?
  4. An welche alttestamentlichen Geschichten erinnert uns diese Brotvermehrung (2Mose 16,31; 5Mose 8,3.16; 1Kön 17,12-16)?
  5. Was steht im Vordergrund, wenn Jesus Menschen dient?
  6. Was beschäftigte die Jünger gegen Abend in erster Linie?
  7. Welche Jünger von Jesus werden in Johannes 6 namentlich genannt?
  8. Was denken wir über den nicht namentlich genannte Jungen mit seinen fünf Broten und zwei Fischen?
  9. Löse die Rechenaufgaben in dieser Geschichte. Wie viele Gerstenbrote hätte man gebraucht, wie viel Geld wäre dafür nötig gewesen? Wie viel Brot stand am Ende dem Einzelnen zur Verfügung?
  10. Warum legt Jesus so großen Wert auf Sitzordnung und sorgfältigen Umgang mit Übriggebliebenem, was bedeutet es heute für uns?
  11. Wie viele Körbe mit Brocken wurden aufgehoben und auf was könnten sie hindeuten?
  12. Wozu dienen die Wunder von Jesus, welchen Zweck erfüllen sie?
  13. Wo nimmt Jesus noch Bezug auf das Brot? Welche geistliche Bedeutung kommt dem Brot zu?
  14. Warum lehnt Jesus ein politisches Amt ab? (selbst die Ehrenbezeichnung!)
  15. Wie schließt Jesus diese Tagesversammlung ab?
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Jesus verordnet seinen Jüngern eine Ruhepause

7.4 Die Ruhepause nach dem Missionsdienst der Jünger

(Bibeltexte: Mt 14,13a; Mk 6,30-32; Lk 9,10-11; Joh 6,1-4; 16-17)

Jesus befindet sich an einem bestimmten Ort in Seenähe irgendwo zwischen Magdala und Kapernaum.

Abbildung:  Botsfahrt bei spiegelglatter See zwischen Tiberias und Magdala (Foto am 23. Januar 2019).

Die Rückkehr seiner Jünger und die Nachricht über den Tod von Johannes dem Täufer sind zeitlich ineinander verflochten. Gut möglich, dass es eine Absprache gegeben hatte bezüglich Zeit und Ort des Treffens. Ob gleichsam oder nach und nach treffen die Jünger bei Jesus ein.

Der Ev. Markus schreibt dazu:

Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein“ (Mk 6,30-32). Und der Ev. Lukas ergänzt: „Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida.“ (Lk 9,10).

Die zwölf Jünger (in diesem Zusammenhang werden sie Apostel genannt) kehren von ihrem mehrere Wochen dauerndem Missionseinsatz zurück (kommen bei Jesus zusammen) und berichten ihrem Lehrer alles, was sie während dieser Zeit getan und gelehrt hatten. Die Evangelisten nennen keine Details, doch wohl sind ihre Erfahrungen ähnlich gewesen wie die der 70, welche Jesus später aussandte (Lk 10,17). Jesus selbst ordnet seinen Jüngern eine Ruhepause an. Folgende Gründe werden dafür angegeben:

  • Sie sollten sich ein wenig ausruhen. Das griechische Verb ´ἀναπαύσασθε ὀλίγον – anapausesthe oligon` kann wörtlich mit `pausiert ein wenig` übersetzt werden (Mk 6,31).
  • Viele Menschen kamen mit ihren Anliegen und Fragen, so dass sie nicht einmal Zeit (Gelegenheit) hatten zu essen (Mk 6,31).
  • Die Nachricht vom Tod des Johannes fällt auch in diese Phase und wird auch als Grund für seinen Weggang genannt (Mt 14,12-13a).

Das Treffen mit den zurückgekehrten Jüngern fand wahrscheinlich am NW-Ufer des Sees statt. Alle drei synoptischen Evangelien berichten, dass Jesus zusammen mit seinen Jüngern in einem Boot weggefahren ist.

Abbildung: Von Magdala aus reicht der Blick weit hinais auf den See (Foto: 23. Januar 2019).

 

Nach Matthäus und Markus steuern sie eine einsame Gegend an. Lukas nennt den Ort, wohin Jesus sich mit seinen Jüngern im Boot zurückzieht: Betsaida. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Angaben kann sein, dass die Jünger während der Bootsfahrt aus bestimmten Gründen die Richtung änderten und so weiter östlich der Stadt Betsaida an Land gingen. Der Ort der darauffolgenden Brotvermehrung ist also weiter östlich von Betsaida zu suchen. Das Nordostufer war im Vergleich zum Nordwest- und Westufer wenig besiedelt. Nach Übereinstimmung aller vier Evangelisten fand die Speisung in der „Wüste“ statt. Das Wort Wüste hat jedoch auch die Bedeutung von „einsamer Ort“, „unbewohnte Gegend“ (Mt 14,13.15; Mk 6,31.32.35; Lk 9,12; Joh 6,1-14 u.a.).

Aber schon beim Ablegen am (Nordwestufer) merken sich viele Menschen die Richtung – so berichtet es der Ev. Markus. Man sieht vom Ufer weit auf den See hinaus. Viele Menschen beeilen sich daher zu Fuß am Nordufer entlang in Richtung Osten zu gehen. Einige kommen sogar vor dem Jünger-Team ans andere Ufer. Während der relativ ‚langsamen’ Bootsfahrt (es war Frühling – Vorpassazeit Joh 6,4) können sich Jesus und seine Jünger nicht nur ausruhen, sondern auch die Erlebnisse der letzten Wochen und Tage in aller Ruhe reflektieren. Wer einmal mit einem Ruder oder Segelboot (ohne Motor) unterwegs war weiß, wie erholsam solch eine Fahrt sein kann (Nachahmung empfohlen). Nach dem Landgang steigt Jesus mit seinen Jüngern auf einen nahe gelegenen Berg (Hügel) und setzte sich dort (Joh 6,3). Auch der Ev. Johannes berichtet: „Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.“ (Joh 6,1-4). Aus Johannes 6,16-17 geht eindeutig hervor, dass die Jünger mit dem Boot unterwegs waren.

 

Fragen Aufgaben:

  1. Warum legt Jesus Wert auf Ruhepausen und wie werden sie begründet? Welche Arbeit oder Aufgaben strengen dich an und machen dich müde?
  2. Wohin zieht sich Jesus mit seinen Jüngern zurück? Hast du schon mal eine Bootsfahrt gemacht auf ruhiger See?
  3. Wie erleben die Jünger diese Zeit des Rückzugs in die Stille? Wie gestaltest du deine Ruhepausen, deinen Urlaub?
  4. Wie lange können Jesus und die Jünger unter sich bleiben? Musstest du auch mal unerwartet deinen Liegestuhl im Garten verlassen oder gar deinen Urlaub abbrechen?
  5. Achtung! Je bewusster und aktiver wir unsere Ruhepausen (Urlaub) gestalten, um so erholter und fähiger kehren wir zu unseren täglichen und regulären Aufgaben zurück.
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Warum musste Johannes der Täufer sterben?

7.3 Der Tod Johannes des Täufers

(Bibeltexte: Mt 14,6-12;  Mk 6,21-29)

Die Geburtstagsparty des Herodes Antipas wurde zum Todestag für Johannes den Täufer – welch eine Ironie! Herodes Antipas bekam die Herrschaft über Galiläa und Peräa und trug den Titel „Tetrarch“ Vierfürst, da er nur etwa den vierten Teil des Herrschaftsgebietes seines Vaters zugeteilt bekam. Wenn er gelegentlich mit dem hohen Titel König bezeichnet wird, so entsprach es keineswegs dem offiziellen römischen Standart (Lk 3,1ff), sondern eher dem Wunschdenken des Herrschers und seiner Anhänger. Manche Details aus dem Leben des Herodes’ sind uns vom jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius überliefert (Jüdische Altertümer 18).

Der Evangelist Markus schreibt:

Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein seine Tochter, die von Herodias, und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen der Eide und derer, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht abweisen. Und alsbald schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen, und das Mädchen gab’s seiner Mutter. Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. (Mk 6,21-29; vgl. mit Mt 14,6-12).

 

7.3.1 Der zeitliche Aspekt

Die Dienstzeit des Johannes kann in drei Perioden unterteilt werden.

Die erste Dienstperiode beginnt mit dem Taufdienst am Jordan und geht bis zur Taufe von Jesus, verbunden mit dem öffentlichen Zeugnis über den Messias. Damit erreicht sein Dienst ihren Höhepunkt. Seine Aussagen über Jesus sind sein wichtigster und spezieller Auftrag, den er erfüllen sollte. Der Ap. Paulus unterstreicht dies in der Apostelgeschichte 13,25: „Als aber Johannes seinen Lauf (seinen Auftrag) erfüllte, sagte er: ich bin nicht der, den ihr vermutet …“. Die erste Dienstperiode könnte ein halbes Jahr gedauert haben, was dem Altersunterschied zu Jesus entspräche.

 

Die zweite Dienstperiode kann als die Periode des Abnehmens bezeichnet werden, wie er selber  sagte: „Jener (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30). Diese zweite Periode wird etwas weniger als ein Jahr (ca. zehn Monate) gedauert haben (Joh 3,23). Die erste Dienstperiode des Johannes (ein halbes Jahr) lehnt sich an den Altersunterschied zu Jesus an. Die zweite Dienstperiode des Johannes ist durch folgende Etappen im Paralleldienst von Jesus markiert. Wenn wir annehmen, dass Jesus etwa im Sommer des Jahres 29 n. Chr. getauft wurde, ging er nach sieben Wochen nach Galiläa, begann seinen Dienst und ging zum nächsten Passa (30 n. Chr.) hinauf nach Jerusalem (Joh 2-3). Danach ging er an den Jordan (Joh 4,1ff). Erst in dieser Zeit wird Johannes gefangen genommen (vgl. Joh 3,24 mit 4,3) und Jesus begibt sich wieder und nun schon zum zweiten Mal nach Galiläa, diesmal über Samarien. Dies geschah etwa Ende Mai, Anfang Juni des Jahres 30 n. Chr. (Joh 4,35). Daher lässt sich die zweite Dienstperiode des Johannes auf etwa zehn Monate berechnen.

 

Den dritten Abschnitt seines Dienstes, der mit etwa 1 ¾ Jahre auch der längste ist, verbringt er im Gefängnis. So fixieren wir den Tod des Johannes auf die Vorpassazeit des Jahres 32 n. Chr. (vgl. Joh 6,1ff mit Mt 14,12.13ff). Diese Zeitangabe ist ziemlich sicher, wenn angenommen wird, dass das nicht namentlich genannte Fest der Juden in Johannes 5,1 ein Passafest war.

Demnach dauerte die gesamte Dienstzeit des Täufers etwas mehr als drei Jahre.

 

7.3.2 Wo starb Johannes der Täufer?

Es kommen hauptsächlich drei Orte in Betracht. Sowohl Herodes der Große als auch sein Sohn Herodes Antipas hielten sich selten an einem Ort lange auf. Sephoris (etwa 6 km NNW von Nazaret) war die eigentliche Residenz des Vierfürsten. Die Stadt Tiberias am See Genesaret benutzte er als Winterresidenz wegen des milden Klimas. Auch die Landschaft Peräa gehörte zu seinem Herrschaftsgebiet, sie lag östlich des Jordan, gegenüber Jericho und erstreckte sich bis etwa zur Mitte des Ostufers vom Toten Meer. Im Süden grenzte Peräa an das Nabatäerreich. In Grenznähe lag die Festung Machärus. Welche Gründe sprechen für den Aufenthalt des Johannes im Gebiet von Peräa und welche für einen Gefängnisaufenthalt in Galiläa?

  1. Für Galiläa (Sephoris) spräche, dass hier die Hauptresidenz war. Dort konnte Herodes Antipas mit voller Macht und Pracht die große Geburtstagsfeier ausrichten, zu der er alle seine Großen einlud. Dort kann man sich die Anwesenheit von Herodias mit ihrer Tochter als selbstverständlich vorstellen. Was für die abgelegene Festung Machärus nicht so einfach gewesen wäre.
  2. Für Machärus spräche, dass Johannes am Ostufer des Jordan, also in Peräa mit seiner Tauftätigkeit begann und sie später in der Jordangegend fortsetzte. Also eine Tätigkeit oder Aufenthalt in Galiläa nicht ausdrücklich bezeugt ist. Da das Grenzgebiet zu den Nabatäern unruhig war musste Herodes sich oft in jener Gegend aufhalten.
  3. Für Tiberias, der Winterresidenz des Herrschers spräche, dass Johannes einige Wochen vor dem Passafest (also Februar) enthauptet wurde. In dieser Zeit konnte sich Herodes dort aufgehalten haben.
  4. Abbildung 4: Das Gelände des Termalbades in Tiberias-Hamat. Seit Jahrtausenden sprudelt hier eine heiße Quelle. In dieser Gegend hatte Herodes Antipas seine Winterresidenz (Foto: 28. Januar 2019).

    In dieser Zeit konnte sich Herodes dort aufgehalten haben. Auch hierher hätten die meisten seiner geladenen Gäste binnen ein bis zwei Tagen kommen können.

    Wir ziehen das Gebiet von Galiläa (Sephoris oder noch eher Tiberias) aus folgenden Gründen der Festung Machärus vor. Der Ev. Markus betont, dass Herodes alle seine Edlen (die Großen, die Hauptleute über tausend und die Ersten von Galiläa) zu seinem Fest einlud (Mk 6,21). Für die meisten bedeutete dies höchstens ein bis zwei  Tagereisen. Die gesamte Elite von Galiläa nach Machärus (4-6 Tagereisen) einzuladen wäre wesentlich komplizierter gewesen. Dazu noch im Grenzgebiet zum verfeindeten Nabatäerreich ein großes Fest zu veranstalten scheint nicht so richtig zu passen. Tiberias befand sich nicht weit vom Jordantal entfernt, in dessen gesamter Gegend Johannes seine Tauftätigkeit ausübte (Lk 3,3).

     

    Das Reich nach Herodes dem Großen

    Das Reich nach Herodes dem Großen

     

    Herodes Archelaus, nach 6 Provinz Judäa

    Herodes Antipas

    Herod Philip II

    Salome I. (Jabneh, Azotas, Phaesalis)

    Römische Provinz Syria

    Unabhängige Städte (Dekapolis)

     

    7.3.3 Was war der Auslöser für den Tod von Johannes?

    Herodes lebt eine ungesetzliche Beziehung öffentlich aus. Diese Beziehung kann nicht als eine legitime Ehe bezeichnet werden, es war eher eine Ehebruchsbeziehung. Herodias war die Ehefrau von Philippus, dem Halbbruder des Herodes Antipas, der in Rom lebt. Herodes warb ihm dessen Frau anlässlich eines Rombesuchs ab. Herodias brachte dann ihre Tochter Salome in diese neue Beziehung mit.

    Herodes ruft häufiger Johannes zu sich, um ihn zu hören. Dabei kommt auch das Thema „Ehe“ zur Sprache. Johannes schmeichelt seinem Fürsten nicht, sondern tadelt dessen unverantwortlichen Lebensstil. Da am Fürstenhof kaum etwas verborgen bleibt, kommt dieser Gesprächsinhalt Herodias zu Ohren. Sie kann keine Kritik in dieser Hinsicht vertragen und entschließt sich das Problem nach der Sitte ihres Standes aus der Welt zu schaffen: das Todesurteil für Johannes wird beschlossen (Mk 6,19). Doch Johannes steht noch unter dem direkten Schutz ihres Lebenspartners. Herodes ist hin und her gerissen – die Texte lassen uns diese Labilität deutlich erkennen:

    • Er fürchtete (Ehrfurcht) Johannes, wissend, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Auch rief er ihn oftmals und hörte ihn gern (Mk 6,20),
    • Herodes schützte Johannes vor Herodias, die ihn gerne getötet hätte (Mk 6,19).
    • Er hätte ihn gern getötet, fürchtete jedoch das Volk (Mt 14,5),
    • Er war (sehr) traurig (betrübt) über die Forderung seiner Stieftochter (Mt 14,9; Mk 6,26).

    Die Unentschlossenheit des Herodes ist Teil des Plans der Herodias zur Beseitigung des unbequemen ‚Moralpredigers’ Johannes.

    In der fortgeschrittenen Feststimmung macht Herodes eine gefährliche Aussage, bzw. ein Versprechen an die tanzende Tochter der Herodias: Bitte von mir, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreichs, ich will es dir geben (Mk 6,22-23). Das Versprechen war mit einem Eid bekräftigt worden und deshalb sah Herodes sich gebunden, sein Wort zu halten. Ungewöhnlich, wenn man seine Wankelmütigkeit im Vorfeld betrachtet! Jetzt zeigt er Charakterstärke, er will das Mädchen nicht enttäuschen. War er so verblendet, dass er die Intrige der Herodias nicht mehr durchschauen konnte? Dies ist jedoch unwahrscheinlich, war es doch nicht schwer zu erahnen, warum das Mädchen hinausging, dann aber eilends wieder hereinrannte und eine Bitte aussprach, die niemals von ihr selber hätte kommen können. Doch Sünde macht blind und schwach, sie trübt klares Denken und gerechtes Urteilsvermögen. Menschengunst tritt ins Zentrum und Gottesfurcht in den Hintergrund. Die Festgesellschaft des Herodes lässt sich die reichhaltigen Speisen und Getränke, natürlich auch Wein – gut schmecken. Angeheitert lassen sie sich durch Tänzerinnen weiter aufreizen. Meist haben diese Tänzerinnen keinen besonders guten Ruf – oft sind sie Sklavinnen. Der Auftritt eines Mitglieds des königlichen Hauses bei solch einem Fest ist ungewöhnlich – wir kommen nicht umhin zu vermuten, dass es sich um eine öffensichtliche Intrige der Herodias handelt. Skizzieren wir noch einmal die Reihenfolge des Geschehens. Der Ev. Matthäus schreibt kurz: „Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers!“ Wann fand diese Anstiftung von Seitens der Mutter statt? Der Ev. Markus ergänzt und präzisiert: „Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers.“ Die bereits zuvor erfolgte Anstiftung von der Matthäus spricht, erfolgte nach dem klärenden Text des Markus während die Tochter zwischendurch bei ihrer Mutter draußen war. Wie gut, dass die Evangelisten sich auf diese Weise ergänzen und es uns erleichtern, die Vorgänge und Abläufe richtig einzuordnen.

    An dieser Stelle wollen wir folgender Frage nachgehen: Hätte Herodes sich von seiner, unter Eid ausgesprochenen Zusage an das Mädchen, wieder lösen können oder war er total an sein Versprechen gebunden? (lies dazu 3Mose 19,12; 4Mose 30,3).

    • Ein Eid konnte aufgelöst (bzw. musste nicht eingelöst) werden wenn es irgend eine Abweichung oder Veränderung im Verhalten der in den Eid einbezogenen Personen gegeben hätte (1Mose 24,8.41; Josua 2,14-20). Dies war bei Rebekka und Rahab nicht der Fall, wohl aber bei der Tochter der Herodias. Um eine Bitte zu formulieren, hatte sie ihre Mutter zu Rate gezogen, es war also nicht ihre eigene Bitte. Dies war eindeutig eine Abweichung  vom Wortlaut des Versprechens „Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest“ (nicht deine Mutter). Lies dazu die Geschichte aus 1Könige 2,13-25). Dort verweigert der König Salomo seiner Mutter Bat Seba deren Fürbitte zugunsten Adonias, obwohl er ihr (auf seinem Thron sitzend) zusagte, sie mit ihrem Anliegen nicht zu beschämen. Allerdings hatte Salomo (wohl weislich) seiner Mutter die Zusage „sie nicht zu beschämen, nicht zu enttäuschen“ ohne Eid gemacht. Hier galt das Prinzip: Zur Abwendung eines größeren, ja, gravierenderen Übels kann und soll ein König seine Zusage zurücknehmen, bzw. entkräften.
    • Waren nicht auch die Berater des Vierfürsten in der Pflicht gewesen, damit Herodes nicht in weitere Blutschuld gerate? Lies die Geschichte aus 1Samuel 24,18-45: das Vplk (die Kriegsleute) lösen den Schwur von König Saul auf, zugunsten des Lebens von Jonatan.
    • Wenn der Eid inhaltlich gegen eins der schwerwiegenderen Gebote Gottes verstieß. Grundsätzlich galt das Gebot: „Töte nicht“ (2Mose 20,13), doch unter bestimmten Voraussetzungen wurde sogar nach Anweisung Gottes getötet (2Mose 21,12). Was von Gott absollut verboten war, seinen Zorn und Vergeltung hervorrief war – unschuldiges Blut zu vergießen (5Mose 19,10; 24,27; 27,25; 1Sam 25,31; 2Kön 21,16; Ps 94,21; Jer 26,15; Mt 23,35; Lk 11,51). Daher hätte Herodes das Leben eines unschuldigen Menschen seinem Worthalten (wenn auch unter Eid ausgesprochen) vorziehen können und müüssen. Sein Gesichtsverlusst und die Enttäuschung der Bittenden wogen unendlich mal weniger als das Leben eines gerechten und heiligen Mannes (Mk 6,20).

    Ein unüberlegtes Versprechen – wahrscheinlich im angetrunkenen Zustand – im Zusammenhang mit einer erotischen Darbietung führte Herodes in eine Falle. Wir werden später sehen, wie er gegen besseres Wissen, Jesus zu Pilatus zurückschickt, anstatt ihn frei zu lassen (was in seiner Vollmacht stand Lk 23,6-12).

    Herodes schickt den Scharfrichter (gr. Spekulator) ins Gefängnis und lässt dort Johannes enthaupten. So rächt sich Herodias an Johannes. Und was sagt Gott dazu? Schweigt er? Schaut er tatenlos zu oder weg? Lässt er zu, dass seine Propheten auf solch grausame Weise ihr Leben verlieren? Was empfand Johannes, als er ahnungslos von einigen Soldaten niedergestreckt wurde? Viele, ja die meisten Fragen bleiben hier unbeantwortet. Das Leben eines Propheten geopfert für eine blutige „Party-Überraschung“.

    Das heißt aber keineswegs, dass Gott tatenlos dem Treiben der ungerechten Herrscher zuschaut. Noch wenige Monate oder sogar Wochen vorher hatte sich Jesus klar und eindeutig vor dem Volk zu Johannes gestellt und seinen Freund mit einer persönlichen Botschaft ermutigt (Mt 11,4-19). Ja, das Zeugnis des Herrn lautete: „Er ist der Größte unter den Propheten“.

    In all dem Schrecklichen ist der treue Dienst der Jünger des Täufers bemerkenswert, die auch im Gefängnis ihn besuchen, und nach seiner Enthauptung seinen Leichnam ehrenvoll bestatten. Sie kommen später zu Jesus und berichten ihm das Geschehene (Mt 14,12). So starb Johannes der Täufer, der größte unter allen Propheten, der Glücklichste, weil er dem Messias den Weg vorbereiten konnte? Er sah das erlösende Lamm Gottes mit eigenen Augen und teilte mutig den Weg und das Los der Propheten: den Tod um des Reiches Gottes willen.

     

     

    Fragen / Aufgaben:

    1. Johannes, der Täufer, in welche drei Perioden kann seine Dienstzeit eingeteilt werden?
    2. Wie lange hatten diese Dienstperioden gedauert?
    3. Nenne einige persönliche Details aus dem Leben von Herodes, seinem Privatleben, seine religiöse Einstellung, seiner Herrschaft, seinem Charakter.
    4. Was war der Anlass des Todes von Johannes?
    5. Wie verliefen die Festgelage in den Herrscherhäusern jener Zeit?
    6. Wie stand es mit einem Versprechen unter Eid in Israel nach dem Gesetz?
    7. Ist Herodes ein Vorbild im Wort halten? Welche Praxis in Bezug auf das Schwören war unter den Juden zur Zeit von Jesus üblich? Lies dazu Mt 23,16-22.
    8. Konnte Herodes sich von seinem Versprechen unter Eid lösen? Hätte er anders handeln können oder sollen?
    9. Wo geht Jesus auf den Gedanken ein, dass unter gewissen Umständen das Gebot der Liebe und Barmherzigkeit einer anderen Verordnung (Gebot) vorzuziehen ist? Lies dazu Mt 12,1-10; Hosea 6,6; Joh 7,22-24.
    10. Beschreibe die Haltung von Jesus zu Johannes vor und nach dessen Enthauptung?
    11. Wie war das Los der meisten Propheten und wie steht Gott dazu?
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Als aber die Leute das Wunder-Zeichen sahen

7.5 Jesus speist die Fünftausend (+ Frauen und Kinder)

(Bibeltexte: Mt 14,13b-21; Mk 6,33-44; Lk 9,11-17; Joh 6,2-15)

 

Zweimal hat Jesus eine große Menschenmenge mit Brot und Fisch gespeist. Bei der ersten Speisung waren es ungefähr 5000 Männer, wobei Frauen und Kinder nicht mitgerechnet wurden. Man könnte demnach noch einige Tausend Menschen hinzurechnen. Beim zweiten Mal waren es ungefähr 4000 Männer ohne Frauen und Kinder (Mt 15,29-39; Mk 8,1-10). In Matthäus 16,6-12 und Markus 8,17-21.nimmt Jesus noch einmal Bezug auf beide Wunder/Zeichen.

Im Vordergrund steht die Stillung des natürlichen Bedürfnisses – der Hunger der vielen Menschen. Neben diesen mehr äußerlichen Details werden uns besonders die geistliche Botschaft und die Bedeutung dieses Zeichens beschäftigen.

 

7.5.1 Der Ort der ersten Brotvermehrung

Der Evangelist Johannes schreibt: „Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißtUnd es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.“ (Joh 6,1-2).

 

 

Abbildung:  Der Nordostabsschnitt des Sees vom sogenannten Berg der Seligpreisungen aus gesehen. Bethsaida lag zur Zeit Jesu westlich der Jordanmündung, also noch in Galiläa. Heute liegen die Ruinenreste von Bethsaida östlich des Jordan, weil der Fluss seinen Lauf geändert hat. Das dahinter liegende Land im Nordosten des Sees war auch schon im Altertum wenig besiedelt. (Foto: Juli 1994)..

Jesus befand sich vor der Abfahrt irgendwo am Nordwestufer des Sees, entweder in Kapernaum oder westlich davon. Viele Menschen, die das Wunder der Brotvermehrung erlebten, waren Bürger aus der Stadt Kapernaum, so die Hinweise aus Johannes 6,24.59. Das Volk, welches ihm daraufhin nachfolgte, war nicht mit Booten, sondern zu Fuß unterwegs. Das heißt, sie gingen am Ufer entlang in die gleiche Richtung, wohin auch das Boot mit Jesus fuhr, so die Bemerkung des Ev. Matthäus: „Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.“ (Mt 14,13). Der Ev. Markus ergänzt: „Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.“ (Mk 6,31-33). Die Menschen hatten eine gute Übersicht über den See und die Richtung, in welcher das Boot mit Jesus fuhr. Sie machten sich also zu Fuß auf den Weg und viele von ihnen kamen dort vor Jesus an. Der Ev. Lukas nennt den Ort in dessen Nähe dieses Speisungswunder geschah: „Und er (Jesus) nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida..“ (Lk 9,10). Die Evangelisten betonen, dass es ein einsamer Ort, bzw. unbewohnte Gegend war, in der Jesus das Volk speiste. Aus all diesen Hinweisen können wir mit einiger Sicherheit sagen, dass sich der Ort der Brot- und Fischvermehrung in der Gegend südöstlich von Bethsaida befand. Dies wäre in der Trachonitis, also im Herrschaftsgebiet des Herodes Philippus (Lk 3,1; vgl. dazu auch Joh 6,16).

Abbildung 8 Das Mosaik mit Brot und Fisch in der Kapelle bei Tabgha, westlich von Kapernaum gelegen. Es oll an die wunderbare Brot- und Fischvermehrung für die 5000 erinnern (Foto: April 1986).

Abbildung 8 Das Mosaik mit Brot und Fisch in der Kapelle bei Tabgha, westlich von Kapernaum gelegen. Es oll an die wunderbare Brot- und Fischvermehrung für die 5000 erinnern (Foto: April 1986).

 

Bereits im 4./5. Jh. entstand eine Tradition, der zufolge die Brot- und Fischvermehrung für die Fünftausend am Nordwestufer des Sees stattgefunden haben soll. Dort wurde über den Resten frühchristlicher Bauten eine neue Kirche erbaut. Seit 1888 gehört das Gelände der Deutschen Katholischen Palästinamission. Für die Verlegung der Tradtion vom Nordostufer auf das Nordwestufer könnten folgende Gründe angeführt werden:

  1. Unzureichende Textkenntnisse der Evangelienberichte
  2. Der Bau einer Kirche mitten im Niemandsland in unbewohnter Gegend wäre aufwendig gewesen
  3. Praktische Überlegungen in Bezug auf die Pilger, welche mit dem beginnenden 4. Jh. vermehrt nach Palästina strömten, um die Stätten, die mit dem Wirken von Jesus in Verbindung gebracht wurden, aufzusuchen. So wurde hier in unmittelbarer Nähe zu Kapernaum, Tabgha, dem Berg der Seligpreisungen, auch der Brotvermehrungstradition ein Denkmal gestiftet. Auf dem Weg ans Nordostufer musste man das Joprdandelta überqueren oder die weiter oben gelegene Brücke benutzen. So ähnlich geschah es auch mit der Taufstelle von Jesus, die in den späteren Jahrhunderten auf das Westufer des unteren Jordan verlegt wurde (Siehe 3. Kapitel, Abschnitt: „Die Taufe von Jesus im Jordan“).

 

7.5.2 Die zeitliche Einordnung

Nach Johannes 2,13 und 5,1(?) war Jesus bereits zweimal in Jerusalem beim jährlichen Passahfest gewesen. Nach Johannes 6,4 stand das seit Beginn der Wirksamkeit von Jesus (dritte ?) jüdische Passahfest kurz bevor, d.h. Jesus wirkte bereits etwa 2 ¾ (2 ¼) Jahre. Vor ihm lag also noch ein Jahr des Dienstes. Übrigens sagt Johannes nichts über den dritten Passahbesuch von Jesus. Es ist durchaus möglich, dass er zu diesem Passah, welches in Johannes 6,4 genannt wird, nicht gegangen ist, sondern erst im Herbst zum Laubhüttenfest (Joh 7,1ff). Jesus begann mit seiner Wirksamkeit etwa im Sommer 29 des 1. Jh.. Im Jahr 32 fiel der 14. Nisan auf Montag den 14. April. Das Speisungswunder hatte damit etwa Ende März, Anfang April stattgefunden.

 

7.5.3 Die Details des Wunders

Bei der Schilderung des Speisungswunders ergänzen sich die Evangelisten, so dass die folgende Reihenfolge der Geschehnisse vorstellbar wäre:

  • Jesus steigt mit seinen Jüngern am Nordostufer des Sees aus dem Boot. Noch vom Boot aus konnte man Menschen sehen, die am Nordostufer entlang gingen. Eigentlich wollten er sich mit seinen Jüngern an einem einsamen Ort ein wenig ausruhen. Doch er nimmt die vielen Menschen wahr, die zu Fuß zu ihm geeilt waren. Einige sind bereits schon da und erwarten ihn. Er geht auf den nahe gelegenen Berg/Anhöhe (Joh 6,3) und setzt sich dort mit seinen Jüngern.
  • Er beobachtet, wie viele Menschen sich ihm nahen und empfindet Erbarmen mit ihnen. Für ihn sind sie wie Schafe, die keinen Hirten haben (Mt 14,14b; Mk 6,34b).
  • Er heißt sie willkommen (Lk 9,11a).
  • In einer langen Lehreinheit spricht er zu ihnen über das Reich Gottes und heilt Kranke (Lk 9,11b; Mk 6,34c).
  • Mittlerweile ist es schon spät geworden (Lk 9,12a; Mk 6,35a). Matthäus beschreibt den Zeitpunkt des Herantretens der Jünger zu Jesus: „Als es aber schon Abend geworden war (…)“ (Mt 14,15a). Der Evangelist Johannes, nennt den Zeitpunkt des Abschlusses des Mahls: „Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See.“ (Joh. 6,16).
  • Der lichte Tag endet nach damaliger Auffassung mit dem Sonnenuntergang, um diese Jahreszeit ist dies etwa 18.30-19 Uhr.
  • Matthäus berichtet, dass die Zwölf zu Jesus mit der Bitte kommen, die Menschen doch zu entlassen, damit sie in die nahe gelegenen Orte gehen könnten, um sich Speise zu kaufen (Mt 14,15; Mk 6,35-36; Lk. 9,12).
  • Jesus entgegnet ihnen: „Es ist nicht nötig, dass sie hingehen, gebt ihr ihnen zu essen“ (Mt 14,16; Mk 6,37a; Lk 9,13a).
  • Jesus fragt Philippus, der aus dem benachbarten Bethsaida stammte (Joh 6,5; 1,44; 12,21): „Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese essen können“? „Aber dies sagte er, um ihn zu versuchen (prüfen), denn er wusste, was er tun wollte“ (Joh 6,6).
  • Nun ist Philippus der weitere Sprecher der Jünger, obwohl es heißt, dass sie sich alle am Gespräch beteiligten.
  • In Lukas 9,13 stellen zunächst alle die Frage: „sollen wir denn hingehen und für diese alle Brot kaufen“?
  • Philippus argumentiert (Joh 6,7): „Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, dass jeder auch nur ein wenig bekomme“. Ein ´dhna,riojd¢narios – Denarius/Denar/Dinar (röm. Währung) entsprach dem Tageslohn eines Tagelöhners (Mt 20,2.9). Zweihundert Tageslöhne (bei Leiharbeiter) würden heute (pro Tag 60,- €) ca. 12.000 € ausmachen. Ein Kilo Brot kostet heute zwischen 2,50 bis 4,00 €. Demnach könnte man heute für zweihundert Tageslöhne rund 4000 kg Brot kaufen. Laut Berechnung der Jünger konnte man damals für zweihundert Denare bei weitem nicht so viele Brote kaufen, dass ein jeder nur ein wenig davon bekommen hätte. An der Berechnung und vorläufigen Aussage haben alle teilgenommen (Mk 6,37;  Lk 9,13b).
  • Jesus fragt sie: „Wie viele Brote habt ihr hier, geht hin und erkundigt euch“ (Mk 6,38).
  • Nach der Erkundigung übernimmt das Wort Andreas, der Bruder des Simon Petrus: „Es ist ein Junge hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, aber was ist dies für so viele“ (Joh 6,9; siehe Mt 14,17;  Mk 6,38b)? Rechnet man pro Person etwa ein ½ kg Brot, dann sind die fünf Brote von Jesus mehr als tausendfach vermehrt worden. Die griechische Bezeichnung `paida,rionpaidarion`  meint einen kleinen Jungen zwischen acht und zehn Jahren.
  • Jesus aber sagt: „Lasst die Leute sich lagern auf das Gras“ (Joh 6,10a). Ende März ist noch Regenzeit in jener Gegend. Darum ist besonders diese Region rund um den See Gennesaret mit einem grünen Grasteppich und bunten Feldblumen übersät. Fern vom Lärm der Städte, mitten in Gottes wunderschöner Natur erleben Tausende durch den Dienst von Jesus und seinen Jüngern Erquickung an Leib und Seele. Lukas ergänzt: „In Gruppen zu je fünfzig“ (Lk 9,15). Markus präzisiert: „In Gruppen zu je hundert und je fünfzig“ (Mk 6,40). Jesus legt also großen Wert auf Ordnung.
  • Jesus dankt (Joh 6,11) segnet das Brot und die Fische (Mt 14,19; Mk 6,41; Lk 9,16), bricht sie, gibt sie den Jüngern und diese teilen alles aus.
  • Nach dem Essen ordnet Jesus an, dass die übrigen Brocken eingesammelt werden. Der Vergleich von Mt 15,27 mit 14,20 macht deutlich, dass hier die übriggebliebenen Brocken gemeint sind,- gr.´κλάσματων – klasmaton´, nicht die ´Brohsamen gr. ´psiciw?n – psichion´. Zwölf Körbe voll mit Resten bleiben übrig (Mt 14,20; Mk 6,43; Lk 9,17; Joh 6,13). Die griechische Bezeichnung `ko,finoj – kophinos` für Handkorb, nutzte man in Galiläa. Dagegen bezeichnete man diese Art von Körben im Osten des Sees (der Dekapolis) `spuri,j spyris`, was bei der Speisung der viertausend eine Bedeutung hat (Mk 8,8). Diese Zahl Zwölf kann man zunächst als einen Hinweis auf die zwölf Stämme Israels verstehen, welche Jesus auf eine neue und geistliche Weise zusammenführen wollte (Mt 15,24). Alle vier Evangelisten verstehen dies wohl als einen besonderen Hinweis darauf, dass mit Jesus die geistliche Sammlung des Gottes Volkes beginnt (siehe auch Jes 49,6).

 

7.5.4 Die Bedeutung des Wunders

Wie wir bereits bei dem Wasser/Wein-Wunder gesehen haben, deutet auch die Brotvermehrung zeichenhaft auf den Messias hin. „Als die Menschen das Zeichen sahen, sprachen sie: „Dies ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 6,14). Das griechische Wort `shmei/on s¢meion` übersetzen wir als Hinweis. Die Taten von Jesus weisen darauf hin, dass er der von Gott gesandte Gesalbte/Messias ist. Die Menschen erkennen in Jesus den von Gott durch Mose verheißenen Propheten. Dies kann ein Anklang an 5Mose 18,15 sein: „Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen“.

Es folgt eine politische Reaktion der Masse – sie wollen Jesus zu ihrem (Gegen-) König machen. Doch Jesus weicht dieser menschlichen Ehre und Verantwortung aus. Er ist nicht an einem irdischen Königreich interessiert – er will auch mit keinem politischen Würdenträger verglichen werden – auch mit keinem Revolutionsführer.

Jesus gibt der Menge reichlich Brot zum Leben, Darüber hinaus ist er in Person das Brot des Lebens (Joh 6,33-35) – was für eine überreiche Gabe!

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Durch welche Zeitangaben im Johannesevangelium lässt sich das Speisungswunder im Leben von Jesus einordnen und zu welcher Jahreszeit fand es statt?
  2. Wo fand diese Speisung statt? Aufgrund welcher Textaussagen können wir den ungefähren Ort, bzw. Gegend des Geschehens feststellen?
  3. Wer waren die vielen Menschen, woher kamen sie?
  4. An welche alttestamentlichen Geschichten erinnert uns diese Brotvermehrung (2Mose 16,31; 5Mose 8,3.16; 1Kön 17,12-16)?
  5. Was steht im Vordergrund, wenn Jesus Menschen dient?
  6. Was beschäftigte die Jünger gegen Abend in erster Linie?
  7. Welche Jünger von Jesus werden in Johannes 6 namentlich genannt?
  8. Wie kommt bei uns der nicht namentlich genannte Junge mit seinen fünf Broten und zwei Fischen an?
  9. Löse die Rechenaufgaben in dieser Geschichte. Wie viele (Fladen)Brote hätte man gebraucht, wie viel Geld wäre dafür nötig gewesen? Wie viel Brot stand am Ende dem Einzelnen zur Verfügung?
  10. Warum legt Jesus so großen Wert auf Sitzordnung und sorgfältigen Umgang mit Übriggebliebenem, was bedeutet es heute für uns?
  11. Wie viele Körbe mit Brocken wurden aufgehoben und auf was deuten sie hin?
  12. Wozu dienen die Wunder von Jesus, welchen Zweck erfüllen sie?
  13. Wo nimmt Jesus noch Bezug auf das Brot? Welche geistliche Bedeutung kommt dem Brot zu?
  14. Warum lehnt Jesus ein politisches Amt ab? (selbst die Ehrenbezeichnung!)
  15. Wie schließt Jesus diese Tagesversammlung ab?

 

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Bestattungsgeschichten in der Bibel

Bestattungsberichte in der Bibel

Bestattungsberichte in der Bibel

Bestattungsberichte in der Bibel

 

 

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Abbildung 1 Im Inneren dieses Bauwerkes in Hebron befindet sich laut jüdischer Tradition das Grab Abrahams. Laut biblischen Texten ist dort zuerst Sara begraben worden, danach Abraham, Rebekka, Isaak, Jakob und Lea  (Foto: April 1986).

 

Danach begrub Abraham Sara, seine Frau, in der Höhle des Ackers in Machpela östlich von Mamre, das ist Hebron, im Lande Kanaan. So ging der Acker mit der Höhle darin als Erbbegräbnis von den Hetitern auf Abraham über.“ (1Mose 23,19-20).

 

Einleitung

Diese Bibelstudie über die verschiedenen Bestattungsgeschichten in der Bibel enstand aufgrund einer Anfrage der Gemeindeleitung Pforzheim-Büchenbronn. Dabei geht es nicht um eine Beweisführung über die biblische Bestattungsart, sondern zunächst um eine Bestandsaufnahme der meisten in der Bibel beschriebenen Todesfälle und Bestattungen danach. Das Ziel jedoch ist, bewusst zu machen, auf was es am Ende des Lebens und danach letztlich ankommt. Und auch, dass ein klares Zeugnis für Jesus Christus erkennbar wird. Nicht zuletzt auch, damit es den Hinterbliebenen in den Detailfragen der Bestattung leichter fällt, eine angemessene Entscheidung zu treffen.

 

Inhaltsverzeichnis

Bestattungsberichte in der Bibel 1

Einleitung. 1

Inhaltsverzeichnis. 2

  1. Wie starben die Menschen vor der Sintflut und wie wurden sie bestattet?. 4
  2. Der Tod und die Bestattung in der Zeit der Patriarchen. 4

2.1 Der Tod und die Bestattung von Sara. 4

2,2 Der Tod und die Bestattung von Abraham.. 5

2.3 Der Tod von Debora und ihre Bestattung. 5

2.4 Der Tod Rahels und ihre Bestattung. 6

2.5 Der Tod Isaaks und seine Bestattung. 6

2.6 Der Tod und die Bestattung von Jakob. 7

2.7 Das Vermächtnis und der Tod Josefs. 9

2.8 Das Sterben und die Bestattungen der Israeliten in Ägypten. 9

2.9 Mose erschlägt einen ägyptischen Beamten und vergräbt ihn im Sand. 10

  1. Das Sterben und die Bestattungen in der Zeit der Wüstenwanderung. 10

3.1 Der Tod und die Bestattung der Erstgeburt in Ägypten. 10

3.2 Der Tod der Ägypter im Schilfmeer 11

3.3 Gott bestraft das murrende Volk. 11

3.4 Der Tod und die Beerdigung der Rotte Korahs. 11

3.5 Der Tod der Israeliten in der Wüste. 12

3.6 Der Tod und das Begräbnis von Mirjam.. 13

3.7 Der Tod und die Bestattung von Aaron dem Priester 13

3,8 Moses Tod und Begräbnis. 14

  1. In der Richterzeit 15

4,1 Josuas Tod und Begräbnis. 15

4.2 Der Tod Eleasars des Priesters und sein Begräbnis. 15

4,3 Der Tod Elis des Priesters. 16

4,4 Der Tod und das Begräbnis von Samuel 16

  1. Zur Zeit der Könige Israels. 16

5.1 Der Tod und die Bestattung des Königs Saul und seiner drei Söhne. 16

5.2 Der Tod und die Bestattung des Königs David. 18

5.3 Der Tod und die Bestattung des Königs Salomo. 18

5.4 Der Tod und die Bestattung des Königs Rehabeam.. 19

5.5 Der Tod und die Bestattung des Königs Asa. 19

5.6 Der Tod und die Bestattung des Königs Hiskia. 19

5.7 Der Tod und die Bestattung des Propheten Elisa. 20

5.8 Der Tod und die Bestattung des Propheten Jeremia. 21

  1. Zur Zeit von Jesus. 21

6.1 Der Tod und die Auferweckung des 12-jährigen Mädchens. 21

6.2 Der Tod und die Bestattung von Johannes dem Täufer 22

6.3 Der Tod, bzw. Auferweckung des Jünglings von Nain. 22

6.4 Die Bestattung des reichen Mannes. 23

6.5 Die Bestattung, bzw. Auferweckung von Lazarus. 23

6.6 Was sagt Jesus über Gräber und Bestattete Leichname. 24

  1. Der Tod von Jesus und seine Bestattung. 25
  2. In der Zeit der Apostel und ersten Gemeindegeneration. 28

8.1. Der Töpferacker zum Begräbnis für die Fremden. 28

8.2. Der Tod und die Bestattung von Stefanus. 29

8.3. Der Tod des Jakobus. 29

8.4. Der Tod des Apostel des Herrn. 30

  1. Schlussfolgerungen. 30

 

 

 

1. Wie starben die Menschen vor der Sintflut und wie wurden sie bestattet?

 

Und Gott der Herr sprach zu Adam: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“ (1Mose 3,19). Jahrtausende später nimmt der Prediger darauf Bezug: „Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.“ (Pred 12,7). Im Kapitel 5-11 des ersten Mosebuches unterstreicht der Autor mindestens 11 Mal das Lebensende der Urväter mit dem Satz: „und starb“ (1Mose 5,5.8.11.14,17.20.27.31;  9,29;  11,28.32). Sicher wurden damals die Verstorbenen bestattet, doch für jene Epoche sind uns keine Hinweise auf Bestattungen der Toten überliefert worden. Nur die Tatsache, dass alle zur Zeit vor der Sintflut noch lebenden Menschen (ausgenommen der Familie von Noah) in den Fluten der Wasser ertranken. Jesus nimmt auf das tragische Ende dieser vielen Menschen Bezug (Mt 24,39; Lk 17,27). Die Fluten der Wasser wurden ihnen zum Grab.

 

 

2. Der Tod und die Bestattung in der Zeit der Patriarchen

2.1 Der Tod und die Bestattung von Sara

Die erste und ausführliche Erzählung von der Bestattung einer Toten finden wir in 1Mose 23,1-20.

Sara wurde hundertsiebenundzwanzig Jahre alt. So lange lebte Sara. Und Sara starb in Kirjat-Arba – das ist Hebron – im Lande Kanaan. Da kam Abraham, dass er sie beklagte und beweinte. Danach stand er auf von seiner Toten und redete mit den Hetitern und sprach: Ich bin ein Fremdling und Beisasse bei euch; gebt mir ein Erbbegräbnis bei euch, dass ich meine Tote hinaustrage und begrabe. Da antworteten die Hetiter Abraham und sprachen zu ihm: Höre uns, lieber Herr! Du bist ein Fürst Gottes unter uns. Begrabe deine Tote in einem unserer vornehmsten Gräber; kein Mensch unter uns wird dir wehren, dass du in seinem Grabe deine Tote begräbst. Da stand Abraham auf und verneigte sich vor dem Volk des Landes, vor den Hetitern. Und er redete mit ihnen und sprach: Gefällt es euch, dass ich meine Tote hinaustrage und begrabe, so höret mich und bittet für mich Efron, den Sohn Zohars, dass er mir gebe seine Höhle Machpela, die am Ende seines Ackers liegt; er gebe sie mir um Geld, soviel sie wert ist, zum Erbbegräbnis unter euch. Efron aber saß unter den Hetitern. Da antwortete Efron, der Hetiter, dem Abraham vor den Ohren der Hetiter, vor allen, die beim Tor seiner Stadt versammelt waren, und sprach: Nein, mein Herr, sondern höre mir zu! Ich schenke dir den Acker und die Höhle darin und übergebe dir’s vor den Augen der Söhne meines Volks, um deine Tote dort zu begraben. Da verneigte sich Abraham vor dem Volk des Landes und redete mit Efron, sodass das Volk des Landes es hörte, und sprach: Hör mich doch, bitte, an! Ich gebe dir Geld für den Acker. Nimm es von mir, so will ich meine Tote dort begraben. Efron antwortete Abraham und sprach zu ihm: Mein Herr, höre mich doch! Das Feld ist vierhundert Schekel Silber wert; was ist das aber zwischen mir und dir? Begrabe nur deine Tote! Abraham hörte auf Efron und wog ihm die Summe dar, die er genannt hatte vor den Ohren der Hetiter, vierhundert Schekel Silber nach dem Gewicht, das im Kauf gang und gäbe war. So ging Efrons Acker in Machpela gegenüber von Mamre in Abrahams Eigentum über, der Acker und die Höhle (gr. διπλῷ σπηλαίῳ – Doppelhöhle) darin mit allen Bäumen auf dem Acker ringsum, vor den Augen der Hetiter und aller, die beim Tor seiner Stadt versammelt waren. Danach begrub Abraham Sara, seine Frau, in der Höhle des Ackers in Machpela östlich von Mamre, das ist Hebron, im Lande Kanaan. So ging der Acker mit der Höhle darin als Erbbegräbnis von den Hetitern auf Abraham über.“ (1Mose 23,1-20).

ANMERKUNGEN:

  • Das erste wovon uns im Zusammenhang des Todes von Sara berichtet wird, ist ihr Alter. Sie wurde einhundertsiebenundzwanzig Jahre alt. Man bedenke, dass Abraham 10 Jahre älter war als sie und Isaak bereits schon 37 Jahre alt war.
  •  Sara starb in Kirjat Arba (der Stadt des Arba – Josua 14,15), später Hebron.
  • Abraham beklagte und beweinte seine Frau Sara. Er empfand tiefe Trauer über Sara, hatte sie ihn doch auf all den neuen Wegen treu begleitet. t.
  • Die Hetiter hatten Höhlengräber, es waren Familiengräber.
  • Als Fremdling und Beisasse bittet Abraham um den Kauf einer natürlichen Felsenhöhle zum Erbbegräbnis, darin er seine verstorbenen Frau Sara bestatten wollte.
  • Da er wusste und glaubte der Verheißung Gottes –  einst das Land Kanaan zu erben, beginnt er mit dem Kauf eines Stück Landes mit einer Doppelhöhle darauf zum Erbbegräbnis. Vierhundert Silberstücke investiert er in diesen Acker mit einer Doppelhöhle darauf.
  • Er rechnete damit, dass er in diesem Lande bleiben wird und seine Nachkommen das Land bekommen werden.
  • Er passt sich an die Bestattungsart der einheimischen Bevölkerung an.
  • Doch auch für die Hetiter spielten bei der Bestattung die geo- und topographischen Gegebenheiten des Landes Kanaan eine rolle.

 

2,2 Der Tod und die Bestattung von Abraham

In 1Mose 25 lesen wir vom Tod Abrahams:

Das ist aber Abrahams Alter, das er erreicht hat: hundertfünfundsiebzig Jahre. Und Abraham verschied und starb in einem guten Alter, als er alt und lebenssatt war, und wurde zu seinen Vätern versammelt. Und es begruben ihn seine Söhne Isaak und Ismael in der Höhle von Machpela auf dem Acker Efrons, des Sohnes Zohars, des Hetiters, die da liegt östlich von Mamre auf dem Felde, das Abraham von den Hetitern gekauft hatte. Da ist Abraham begraben mit Sara, seiner Frau. (1Mose 25,7-10).

ANMERKUNGEN:

  • Abraham starb als er einhundertfünfundsiebzig Jahre alt war er starb alt und lebenssatt.
  • Zum Zeitpunkt seines Todes war Ismael (Sohn von der Magd Hagar) etwa 88 Jahre und Isaak (Sohn von der Sara) 75 Jahre alt.
  • Die vielen Kinder aus der Ehe mit Ketura (mit der Abraham etwa 27 Jahre verheiratet war)  wurden noch zu Lebzeiten mit Geschenken nach Osten weggeschickt.
  • Abraham wurde von seinen beiden Söhnen Ismael und Isaak bestattet. Hier könnte die Frage aufkommen, wie konnte Ismael, der weit weg im Süden wohnte, rechtzeitig zur Bestattung seines Vaters kommen? Abraham starb nicht plötzlich, sondern als er alt und lebenssatt war. Er konnte also Boten zu Ismael schicken mit der Mitteilung ihn vor seinem Tode noch einmal sehen zu wollen. So ähnlich wie es auch bei Jakob später der Fall war. Auch er hat alle seine Söhne an sein Sterbelager gerufen, ihnen Anweisungen gegeben und sich von ihnen verabschiedet.
  • Er wurde in der zwiefachen Höhle Machpela östlich von Hebron beigesetzt (beigelegt).

 

2.3 Der Tod von Debora und ihre Bestattung

In 1Mose 35,8 wird uns der Tod von Debora der Amme Rebekkas  beschrieben:

Da starb Debora, die Amme der Rebekka, und wurde begraben unterhalb von Bethel unter der Eiche; die wurde genannt die Klageeiche.“

ANMERKUNGEN:

  • Debora, Amme Rebekkas – es ist nicht klar, wie diese Frau in die Sippe des Jakob gekommen ist.
  • Sie genoss anscheinend hohes Ansehen im Hause Jakob.
  • Nach ihrem Tod wurde sie nicht in einer Höhle beigesetzt, sondern unterhalb des Ortes Betel unter einer Eiche begraben. Dies sagt etwas aus über die Markierung der Begräbnisstätte.
  • Man nannte diese Eiche – die Klageeiche. Diese Bezeichnung verrät die tiefe Trauer der Familie über diese treue Frau mit ihrem lebenslangen Dienst.
  • Ob es sich dabei um eine Bestattung direkt in der Erde handelte, ist nicht sicher aber möglich.
  • Dieser Fall macht deutlich, dass es nicht nur eine Bestattungsvariante gab, sondern je nach Situation und den Umständen gehandelt wurde.
  • Doch die Bestattungen wurden mit Würde und Respekt gegenüber den Verstorbenen vollzogen.

 

2.4 Der Tod Rahels und ihre Bestattung

Wir lesen weiter von Jakobs Reisen durchs Land Kanaan:

Und sie brachen auf von Bethel. Und als es noch eine Strecke Weges war bis Efrata, da gebar Rahel. Und es kam sie hart an über der Geburt. Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben. Als ihr aber das Leben entwich und sie sterben musste, nannte sie ihn Ben-Oni, aber sein Vater nannte ihn Ben-Jamin. So starb Rahel und wurde begraben an dem Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt. Und Jakob richtete einen Stein auf über ihrem Grab; das ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag. (1Mose 35,16-20).

 

Abbildung 2 Das sogenannte Grabdenkmal Rahels am Wege nach Bethlehem, das von Pilgern aller drei Religionen besucht wird (Foto: April 1986).

 

ANMERKUNGEN:

  • Der Grund ihres vorzeitigen Todes war die schwere Geburt ihres Sohnes Benjamin. Und diese war möglicherweise verursacht durch die Strapazen der Reise. Jakob beeilte sich wohl zu seinem Vater nach Hebron zu kommen.
  • Obwohl das Höhlengrab (Familiengrab) in Mamre bei Hebron nur etwa 40 Kilometer entfernt war, zog Jakob es vor seine Lieblingsfrau Rahel hier am Wege nach Efrata/Bethlehem zu bestatten.
  • Es fällt auf, dass das Grab nicht abseits, sondern am Wegesrand war. Der Gedanke könnte gewesen sein, dass die Reisenden an die Person und die damit verbundene Geschichte erinnert werden.
  • Oben drüber (oder davor) richtete er einen Stein auf als Gedenkmal (gr. στήλη – stélē – Säule).
  • Mindestens bis zur Abfassung des ersten Mosebuches war diese Grabstätte mit dem Grabstein-Stele allgemein bekannt.
  • Im zusammenhang des Kindermordes in Bethlehem (Mt 2) wird an Rahel gedacht.

 

2.5 Der Tod Isaaks und seine Bestattung

In 1Mose 35,27-28 wird mit knappen Worten das Lebensende von Isaak beschrieben: „Und Jakob kam zu seinem Vater Isaak nach Mamre, nach Kirjat-Arba, das ist Hebron, wo Abraham und Isaak als Fremdlinge gelebt hatten. Und Isaak wurde hundertachtzig Jahre alt, verschied und starb und wurde versammelt zu seinen Vätern, alt und lebenssatt. Und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn.“ (1Mose 35,27-28).

ANMERKUNGEN:

  • Rebekkas Tod wird nicht ausdrücklich erwähnt, doch geht aus dem Text hervor, dass sie bei der Rückkehr von Jakob höchstwahrscheinlich nicht mehr lebte. Sie wurde ebenfalls in der Höhle Machpela bestattet, wie aus einem späteren Text deutlich hervorgeht (1Mose 49,31).
  • Isaak starb mit einhundertundachtzig Jahren in Hebron als er alt und lebenssatt war.
  • Er wurde von seinen beiden Söhnen Esau und Jakob in der zwiefachen Höhle Machpela bestattet. Auch hier kann begründet angenommen werden, dass Isaak im Anblick des nahenden Lebensendes, seinen Sohn Esau von dessen Wohnstätte auf dem Gebirge Seir hatte rufen lassen.
  • Bei Isaaks Tod waren seine Söhne 120 Jahre alt. Wie gut, dass sie sich bereits vorher versöhnt haben.
  • Bereits in Ägypten und kurz vor seinem Tod erinnerte Jakob seine Söhne an den Bestattungsort Machpela in Hebron mit den Worten: „Da haben sie Abraham begraben und Sara, seine Frau. Da haben sie auch Isaak begraben und Rebekka, seine Frau. Da habe ich auch Lea begraben.“ (1Mose 49,31).

Die Bestattung von Rebekka und Lea im Familiengrab Machpela, wird durch diese Erinnerungsrede Jakobs bestätigt.

 

2.6 Der Tod und die Bestattung von Jakob

Jakob lebte in Ägypten 17 Jahre und als die Zeit kam, dass er sterben sollterief er seine 12 Söhne zu sich. So lesen wir in 1Mose 49,29-33:

Und Jakob gebot ihnen und sprach zu ihnen: Ich werde versammelt zu meinem Volk; begrabt mich bei meinen Vätern in der Höhle auf dem Acker Efrons, des Hetiters, in der Höhle auf dem Felde von Machpela, die gegenüber von Mamre liegt im Lande Kanaan, die Abraham kaufte samt dem Acker von Efron, dem Hetiter, zum Erbbegräbnis. Da haben sie Abraham begraben und Sara, seine Frau. Da haben sie auch Isaak begraben und Rebekka, seine Frau. Da habe ich auch Lea begraben in dem Acker und der Höhle, die von den Hetitern gekauft ist. Und als Jakob dies Gebot an seine Söhne vollendet hatte, tat er seine Füße zusammen auf dem Bett und verschied und wurde versammelt zu seinen Vätern. (1Mose 49,29-33).

ANMERKJUNGEN:

  • Der ausdruck: „Ich werde versammelt zu meinem Volk“ oder: „zu meinen Vätern“, hat etwas geheimnisvolles in sich. Doch diese Sammlung wird eher auf dem Geist als den Körper bezogen. Sicher haben sie im Angesicht des Todes auf ein Leben nach dem physischen Tod gehofft und vertraut.
  • Jakob lebte in Ägypten noch 17 Jahre und sah Josef und dessen Kinder Manasse und Ephraim.
  • Als er spürte, dass er sterben würde, versammelte er seine Söhne
  • Sein letzter Wunsch war ein Gebot an seine Söhne: in dem Familiengrab seines Vaters und Großvaters beigesetzt zu werden. Begründet war dieser Wunsch durch die Verheißung, welche Gott seinen Vätern aber auch ihm selbst gegeben hat, nämlich, das Land Kanaan zu erben.
  • Diese Geschichte macht auch deutlich, dass Jakob die Erbangelegenheiten vor seinem Tode klar und deutlich ausgesprochen, bzw. geregelt hat. Damit hat er seinen Kindern so manchen Ärger erspart

Der weitere Text berichtet von den Vorbereitungen und der Überführung seines Leichnams nach Kanaan und die Beisetzung in der Höhle Machpela östlich von Hebron.

Da warf sich Josef über seinen Vater und weinte über ihm und küsste ihn. Und Josef befahl seinen Dienern, den Ärzten, dass sie seinen Vater zum Begräbnis salbten. Und die Ärzte salbten Israel, bis vierzig Tage um waren; denn so lange währen die Tage der Salbung. Und die Ägypter beweinten ihn siebzig Tage. Als nun die Trauertage vorüber waren, redete Josef mit den Leuten des Pharao und sprach: Hab ich Gnade vor euch gefunden, so redet mit dem Pharao und sprecht: Mein Vater hat einen Eid von mir genommen und gesagt: Siehe, ich sterbe; begrabe mich in meinem Grabe, das ich mir im Lande Kanaan gegraben habe. So will ich nun hinaufziehen und meinen Vater begraben und wiederkommen. Der Pharao sprach: Zieh hinauf und begrabe deinen Vater, wie du ihm geschworen hast. Da zog Josef hinauf, seinen Vater zu begraben. Und es zogen mit ihm alle Großen des Pharao, die Ältesten seines Hauses und alle Ältesten des Landes Ägypten, dazu das ganze Haus Josefs und seine Brüder und die vom Hause seines Vaters. Allein ihre Kinder, Schafe und Rinder ließen sie im Lande Goschen. Und es zogen auch mit ihm hinauf Wagen und Gespanne, und es war ein sehr großes Heer. Als sie nun nach Goren-Atad kamen, das jenseits des Jordans liegt, da hielten sie eine sehr große und feierliche Klage. Und Josef hielt Totenklage über seinen Vater sieben Tage. Und als die Leute im Lande, die Kanaaniter, die Klage bei Goren-Atad sahen, sprachen sie: Die Ägypter halten da große Klage. Daher nennt man den Ort Abel-Mizrajim; er liegt jenseits des Jordans. Und Jakobs Söhne taten, wie er ihnen befohlen hatte, und brachten ihn ins Land Kanaan und begruben ihn in der Höhle auf dem Felde von Machpela, dem Acker, den Abraham zum Erbbegräbnis gekauft hatte von Efron, dem Hetiter, gegenüber Mamre. Als er ihn begraben hatte, zog Josef wieder nach Ägypten mit seinen Brüdern und mit allen, die mit ihm hinaufgezogen waren, seinen Vater zu begraben. (1Mose 50,1-14).

ANMERKUNGEN:

  • Als Jakob starb, warf sich Josef über ihn und küsste ihn.
  • Jakob wurde auf Josefs Befehl von den ägyptischen Ärzten und nach der Weise der Ägypter vierzig Tage lang einbalsamiert (Mumifiziert).
  • Die Ägypter beweinten ihn siebzig Tage lang. Immerhin war Jakob der Vater ihres Lebensretters Josef.
  • Danach wurde er höchstwahrscheinlich in eine Lade gelegt, wie man es später auch mit dem Leichnam von Josef gemacht hatte.
  • Die Überführung des Leichnams von Goschen nach Hebron (etwa 400km je nach Route) fand mit allen nur erdecklichen Ehren statt. Dort wurde der Leichnam im Höhlengrab Machpela beigesetzt.
  • Anschließend fand ein Bekenntnis und Aussprache der Brüder Josefs statt, welche wegen der Gottesfrucht von Josef zur Versöhnung führte:

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte. Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. So wohnte Josef in Ägypten mit seines Vaters Hause und lebte hundertzehn Jahre und sah Ephraims Kinder bis ins dritte Glied. Auch die Söhne von Machir, Manasses Sohn, wurden dem Hause Josefs zugerechnet. (1Mose 50,15-23).

 

2.7 Das Vermächtnis und der Tod Josefs

Von den zwölf Söhnen Jakobs wird nur das Alter von Josef erwähnt, nämlich 110 Jahre (1Mose 50,23). Auch nur von ihm ist eine Art Vermächtnis an seine Brüder schriftlich festgehalten worden, sowie eine Beschreibung seines Todes und der nachfolgenden Bestattung.

Und Josef sprach zu seinen Brüdern: Ich sterbe; aber Gott wird euch gnädig heimsuchen und aus diesem Lande führen in das Land, das er Abraham, Isaak und Jakob zu geben geschworen hat. Darum nahm er einen Eid von den Söhnen Israels und sprach: Wenn euch Gott heimsuchen wird, so nehmt meine Gebeine mit hinauf von hier.  Und Josef starb, als er hundertzehn Jahre alt war. Und sie salbten ihn und legten ihn in einen Sarg (gr. ἐν τῇ σορῷen t¢ sorö) in Ägypten. (1Mose 50,23-26). Und in Josua 24,32 wird ergänzt, bzw. bestätigt: „Die Gebeine Josefs, die die Israeliten aus Ägypten gebracht hatten, begruben sie zu Sichem auf dem Stück Feld, das Jakob von den Söhnen Hamors, des Vaters von Sichem, für hundert Goldstücke gekauft hatte und das das Erbteil der Söhne Josef ward.“ (Josua 24,32).

ANMERKUNGEN:

  • Auch Josefs Leichnam wurde nach ägyptischer Art einbalsamiert (mumifiziert) und in eine Lade gelegt.
  • Die Nachkommen der Israeliten nahmen beim Auszug aus Ägypten diese Lade mit dem Leichnam Josefs mit auf ihre Reise nach Kanaan. Einige Zeit nach ihrer Ankunft im Gelobten Land, bestatteten sie diesen Leichnam mit der Lade auf dem Felde bei Sichem. (Josua 24,32).
  • Mit der Überführung des Leichnams wurde ausdrücklich die Hoffnung und der Glaube verbunden, dass Gott zu gegebener Zeit die Israeliten in das verheißene Land zurückbringen wird.
  • Das Stück Land bei Sichem kostete den Jakob damals 100 Goldstücke. Es fällt auf, wie lange sich solch eine Tradition von Grundstückserwerb im Bewusstsein der Landbevölkerung halten konnte.

 

2.8 Das Sterben und die Bestattungen der Israeliten in Ägypten

Wie die Nachkommen Jakobs in Ägypten ihre Toten bestatteten, ist uns aus den Schriften nicht bekannt. Da jedoch die geo- und topographischen Bedingungen im Lande Goschen anders waren als in Kanaan, wird es wohl auch eine andere Bestattungsart gewesen sein. Aus der Zeit der Unterdrückung durch die Ägypter gibt es Hinweise zur Tötung, bzw. Ermordung der männlichen Kinder in den israelitischen Familien. So lesen wir in 2Mose 1,15-22:

Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: Wenn ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt helft, dann seht auf das Geschlecht. Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter, so lasst sie leben. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben. Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und weil die Hebammen Gott fürchteten, gab er auch ihnen Nachkommen. Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben. (2Mose 1,15-22).

ANMERKUNGEN:

  • Tötung, bzw. Ermodrung von Kindern ist nichts Neues, auch wenn die Beweggründe dazu unterschiedlich waren und sind. In Ägypten waren es politisch-strategische Gründe.
  • Nur Gott weiss, wie viele Neugeborene damals in Israel auf diese Weise ums Leben gebracht wurden und denen eine menschenwürdige Bestattung versagt blieb.

 

2.9 Mose erschlägt einen ägyptischen Beamten und vergräbt ihn im Sand

Diese Geschichte im Leben von Mose ist typisch für menschliches Gerechtigkeitsempfinden auf der einen Seite und eigenmächtigem Handeln, sich zum Richter aufspielen. Wir lesen in 2Mose 2,11-:

Zu der Zeit, als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihre Lasten und nahm wahr, dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug. Da schaute er sich nach allen Seiten um und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande. Am andern Tage ging er wieder hinaus und sah zwei hebräische Männer miteinander streiten und sprach zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen Nächsten? Er aber sprach: Wer hat dich zum Aufseher oder Richter über uns gesetzt? Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da fürchtete sich Mose und sprach: Es ist also doch bekannt geworden! (2Mose 2,11-14).

ANMERKUNGEN:

  • In der Eile und um nicht entdeckt zu werden, verscharrt Mose sein Opfer im Sand.
  • Eine typische folgereaktion bei Kriminellen – ihr Opfer verschwinden zu lassen und die Spuren zu verwischen.
  • Nein, auch wenn es Mose war – es war keine Heldentat. Gott wollte nicht auf solche Weise seinem Volk Rettung geben. (Apg 7,25: „Er (Mose) meinte aber, seine Brüder sollten’s verstehen, dass Gott durch seine Hand ihnen Rettung bringe; aber sie verstanden’s nicht“).

3. Das Sterben und die Bestattungen in der Zeit der Wüstenwanderung

Es gibt einige Informationen darüber wie tausende Menschen während der Wüstenwanderung gestorben sind, aber nur von Wenigen wird etwas über deren Bestattung gesagt.

 

3.1 Der Tod und die Bestattung der Erstgeburt in Ägypten

Man bedenke, dass es so gut wie kein Haus, bzw. Familie in Ägypten gab, die nicht betroffen gewesen wäre. So lesen wir in 2Mose 12,29-31:

Und zur Mitternacht schlug der HERR alle Erstgeburt in Ägyptenland vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis und alle Erstgeburt des Viehs. Da stand der Pharao auf in derselben Nacht und alle seine Großen und alle Ägypter, und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht ein Toter war. (2Mose 12,29-31).

Am Ende der Wanderung erinnert Mose daran: „Sie zogen aus von Ramses am fünfzehnten Tag des ersten Monats, dem zweiten Tage des Passa, durch eine starke Hand, dass es alle Ägypter sahen, als sie eben die Erstgeburt begruben, die der HERR unter ihnen geschlagen hatte.“ (4Mose 33,5-6).

ANMERKUNGEN:

  • Es bleibt kein Zweifel daran, dass Gott als Schöpfer und Richter die Vollmacht hat Menschen ins Leben zu rufen und auch ihnen ihr Leben wieder zu entziehen.
  • Auch in Ägypten wurden die Verstorbenen am gleichen Tag bestattet.
  • Die Bestattungsriten in Ägypten sind durch zahlreiche Reliefs in den Grabstätten dokumentiert worden.
  • Es gab eine allgemeine Vorstellung über das Weiterleben nach dem Tode, wenn diese Vorstellung auch sehr kurios war.. Daher war der Bestattungsaufwand besonders bei denen, welche es sich leisten konnten, sehr groß.
  • Diese Tatsache führte hernach zu wiederholtem Grabraub, der bist heute andauert und dessentwegen es viel Streit gibt.

 

3.2 Der Tod der Ägypter im Schilfmeer

Wenig Beachtung schenkt man beim Bibellesen der großen Streitmacht des Pharao, welche den ausziehenden Israeliten nachjagten und letzlich in den Fluten des Schilfmeeres ertranken. Ihnen wurde eine Wasserbestattung zuteil. So lesen wir in 2Mose 14,23:

Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der HERR auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärtskamen. Da sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen vor Israel; der HERR streitet für sie wider Ägypten. Aber der HERR sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Reiter. 27 Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. (2Mose 14,23-29). Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen. 31 So sah Israel die mächtige Hand, mit der der HERR an den Ägyptern gehandelt hatte. (2Mose 14,30-31). Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. Fluten haben sie bedeckt, sie sanken in die Tiefe wie Steine. HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschlägt den Feind. (2Mose 15,4-6).

Sogar der Hebräerbriefschreiber erinnert an dieses Ereignis in Hebr 11,29: „Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über trockenes Land; das versuchte durchten die Ägypter auch und ertranken.“

Anmerkungen:

  • Besonders bei militärischen Handlungen sind viele Menschen ums Leben gekommen und dabei waren meistens geordnete und würdevolle Bestattungen nicht möglich.

 

3.3 Gott bestraft das murrende Volk

Eine der traurigen Geschichten ereignete sich, als das Volk nach einem Jahr am Horeb auf den Befehl des Herrn aufbrach, um ins Land Kanaan zu ziehen. Bereits nach einigen Tagen begannen viele vom Volk zu murren gegen Mose und Aaron wegen mangel an Fleisch-Speisen. Gott gab ihnen zwar ein Übermaß an Fleisch, doch kostete es ihr Murren vielen das Leben. So lesen wir in 4Mose 11,33-34: „Als aber das Fleisch noch zwischen ihren Zähnen war und ehe es ganz aufgebraucht war, da entbrannte der Zorn des HERRN gegen das Volk, und er schlug sie mit einer sehr großen Plage. Daher heißt die Stätte »Lustgräber«, weil man dort das lüsterne Volk begrub.“

Anmerkungen:

  • Gott strafte viele aus dem Volk, wegen ihres Murrens.
  • Die Bestattungsart richtete sich hier entsprechend den Gegebenheiten der Wüste.

 

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3.4 Der Tod und die Beerdigung der Rotte Korahs

Eine der ungewöhnlichsten Geschichten lesen wir in 4Mose 11,25-:

Und Mose stand auf und ging zu Datan und Abiram, und die Ältesten Israels folgten ihm nach; und er redete mit der Gemeinde und sprach: Weicht von den Zelten dieser ruchlosen Menschen und rührt nichts an, was sie haben, damit ihr nicht auch umkommt durch all ihre Sünde. Da kehrten sie sich ab von der Wohnung Korachs, Datans und Abirams. Datan aber und Abiram gingen heraus und traten an die Tür ihrer Zelte mit ihren Frauen und Söhnen und kleinen Kindern. Und Mose sprach: Daran sollt ihr merken, dass mich der HERR gesandt hat, alle diese Werke zu tun, und dass ich sie nicht tue aus meinem eigenen Herzen: Werden sie sterben, wie alle Menschen sterben, oder heimgesucht, wie alle Menschen heimgesucht werden, so hat mich der HERR nicht gesandt; wird aber der HERR etwas Neues schaffen, dass die Erde ihren Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was sie haben, dass sie lebendig hinunter in das Totenreich fahren, so werdet ihr erkennen, dass diese Leute den HERRN gelästert haben. Und als er alle diese Worte beendet hatte, zerriss die Erde unter ihnen und tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Sippen, mit allen Menschen, die zu Korach gehörten, und mit all ihrer Habe. Und sie fuhren lebendig in das Totenreich hinunter mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu und sie kamen um, mitten aus der Gemeinde heraus. (4Mose 11,25-33).

Anmerkungen:

  • Wieder ist ein Teil der Gemeinde unzufrieden mit der Leitung durch Mose und der Herr reagiert sofort, damit sich das Böse nicht weiter ausbreitet.
  • Viele Menscn, mehrere Sippen werden wegen der Lästerung des Herrn durch ihre Familienvorstände lebendig unter der Erde Begraben.

 

3.5 Der Tod der Israeliten in der Wüste

Die Wüste im heutigen Nordostsinai wurde zur größten Bestattungsgegend in der Geschichte Israels.

So lesen wir in 4Mose 14,28-35:

So wahr ich lebe, spricht der HERR: Ich will mit euch tun, wie ihr vor meinen Ohren gesagt habt. Eure Leiber sollen in dieser Wüste verfallen. Alle, die ihr gezählt seid von zwanzig Jahren an und darüber, die ihr gegen mich gemurrt habt, wahrlich, ihr sollt nicht in das Land kommen, über das ich meine Hand zum Schwur erhoben habe, euch darin wohnen zu lassen, außer Kaleb, dem Sohn Jefunnes, und Josua, dem Sohn Nuns. Eure Kinder aber, von denen ihr sagtet: Sie werden ein Raub sein, die will ich hineinbringen, dass sie das Land kennenlernen, das ihr verwerft. Aber eure eigenen Leiber sollen in dieser Wüste verfallen. Und eure Kinder sollen Hirten sein in der Wüste vierzig Jahre und eure Untreue tragen, bis eure Leiber aufgerieben sind in der Wüste. Nach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt – je ein Tag soll ein Jahr gelten –, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf dass ihr innewerdet, was es sei, wenn ich mich abwende. Ich, der HERR, habe es gesagt und wahrlich, das will ich auch tun mit dieser ganzen bösen Gemeinde, die sich gegen mich empört hat. In dieser Wüste sollen sie aufgerieben werden und dort sterben. (4Mose 14,28-35).

In seiner Abschiedsrede erinnert Mose die Nachfolgegeneration an diese traurige Geschichte mit den Worten: „Als aber der HERR euer Geschrei hörte, wurde er zornig und schwor und sprach: Es soll keiner von diesem bösen Geschlecht das gute Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe, außer Kaleb, dem Sohn Jefunnes; der soll es sehen. Ihm und seinen Nachkommen will ich das Land geben, das er betreten hat, weil er dem HERRN treu gefolgt ist!“ (5Mose 1,34-37).

Der Hebräerbriefschreiber erinnert seine Landsleute an diesen Teil der Geschichte: „Und wem zürnte Gott vierzig Jahre lang? Waren’s nicht die, die sündigten und deren Leiber in der Wüste zerfielen?“ (Hebr 3,17).

ANMERKUNGEN:

  • Dass viele Tausend Israeliten wegen ihrer Sünde (Unglaube und Emphörung) in der Wüste sterben mussten, ist eine Tatsache. Es heißt aber noch nicht zwingend, dass sie alle verloren gingen, ein Urteil darüber steht uns nicht an.
  • Wie sie von ihren Familienangehörigen nach ihrem Tod bestattet wurden, ist nicht überliefert worden. Wahrscheinlich ist, dass die Bestattungen den Gegebenheiten der Wüste, oft auch der Stein- und Felswüste angepasst wurden.   
  • Insgesamt mussten die Toten auf schnellstem Wege aus dem Lager gebracht (und bestattet) werden. Alle, die mit dem Toten in Körperkontakt kamen, galten als unrein und mussten sich bestimmten Reinigunsritualen unterziehen, bevor sie sich wieder in der Gemeinschaft frei bewegen konnten.
  • Für die Priester galt das absolute Verbot einen Toten zu berühren oder zu bestatten So lautete das Gebot in 3Mose 21,1: „Und der HERR sprach zu Mose: Sage den Priestern, den Söhnen Aarons, und sprich zu ihnen: Ein Priester soll sich an keinem Toten seines Volks unrein machen“. Oder 3Mose 21,11: „und soll zu keinem Toten kommen und soll sich weder an Vater noch an Mutter unrein machen.“

 

3.6 Der Tod und das Begräbnis von Mirjam

Wir lesen in 4Mose 20,1 „Und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Zin im ersten Monat, und das Volk lagerte sich in Kadesch. Und Mirjam starb dort und wurde dort begraben.“

ANMERKUNGEN:

  • Der Ort der Bestattung von Mirjam und die Zeit sind festgehalten worden – sie starb in Kadesch-Barnea (nordöstlicher Sinai und südlichster Grenzpunkt des Gelobten Landes) im ersten Monat (etwa April) im neununddreißigsten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten.
  • Auch zu ihrer Bestattung wurden keine näheren Details genannt, obwohl sie als Prophetin und älteste Schwester von Aaron und Mose im Volk hohes Ansehen genossen hatte.

 

3.7 Der Tod und die Bestattung von Aaron dem Priester

Aaron der erste Hohepriester starb nach dem Willen Gottes auf dem Berge Hor an der westlichen Grenze der Edomiter. So lesen wir in 4Mose 20,22-29:

Und die Israeliten brachen auf von Kadesch und kamen mit der ganzen Gemeinde an den Berg Hor. Und der HERR redete mit Mose und Aaron am Berge Hor an der Grenze des Landes der Edomiter und sprach: Aaron soll versammelt werden zu seinen Vätern; denn er soll nicht in das Land kommen, das ich den Israeliten gegeben habe, weil ihr meinem Munde ungehorsam gewesen seid bei dem Haderwasser. Nimm aber Aaron und seinen Sohn Eleasar und führe sie auf den Berg Hor und zieh Aaron seine Kleider aus und zieh sie seinem Sohn Eleasar an. Und Aaron soll dort zu seinen Vätern versammelt werden und sterben. Da tat Mose, wie ihm der HERR geboten hatte, und sie stiegen auf den Berg Hor vor der ganzen Gemeinde. Und Mose zog Aaron seine Kleider aus und zog sie seinem Sohn Eleasar an. Und Aaron starb dort oben auf dem Berge. Mose aber und Eleasar stiegen herab vom Berge. Und als die ganze Gemeinde sah, dass Aaron tot war, beweinten sie ihn dreißig Tage, das ganze Haus Israel. (4Mose 20,22-29).

ANMERKUNGEN:

  • Der Herr ordnete an, dass Aaron sterben sollte. Der Wortlaut ist: „Aaron soll zu seinen Vätern versammelt werden“. Natürlich nicht körperlich, sondern dem Geiste nach, dorthin, von wo Gott spricht: „ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs (2Mose 3,6) und Jesus erklärt: Gott ist nicht ein Gott der Toten sondern der Lebenden, denn sie leben ihm alle“ (Lk 20,38).
  • Aaron, als älterer Bruder des Mose, wurde einhundertdreiundzwanzig Jahre alt.
  • Zum Sterben hieß ihn Gott auf den Berg Hor steigen. Dieser Berg ist ungefähr lokalisierbar durch die Beschreibung aus 1Mose 14,6: „und die Horiter auf ihrem Gebirge Seïr bis El-Paran, das an die Wüste stößt.“ Und die Angaben in 1Mose 36,20-21: „Die Söhne aber von Seïr, dem Horiter, die im Lande wohnten, sind diese: Lotan, Schobal, Zibon, Ana, Dischon, Ezer und Dischan. Das sind die Stammesfürsten der Horiter, Söhne des Seïr, im Lande Edom.“ Noch heute wird auf dem sogenannten Aaronsberg westlich von Petra und oberhalb der Aravasenke (im Südwesten Jordaniens) das Grab Aarons verehrt. Ob es nun dieser Berg war ist nicht sicher, doch in der Gegend wird es gewesen sein.
  • Aarons Tod ist wie auch bei seiner Schwester Mirjam im neununddreißígsten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten zu datieren.
  • Nur Mose und Eleasar waren Zeugen seines Todes.
  • Auch wenn über die Bestattung nichts geschrieben wurde, so ist doch höchstwahrscheinlich, dass Mose als Bruder, diesen Liebesdienst übernahmen. Eleasar, nun im Priestergewand durfte sich an dem Toten nicht verunreigigen (siehe oben).
  • Aaron wurde anschließend von der ganzen Gemeinde Israel dreißig Tage lang beweint, solange dauerte damals die Trauerzeit für besonders herausragende Persönlichkeiten.
  • Gott selbst verkürzte die Lebensdauer des Aaron wegen seines und Moses Umgehorsam und Umglaubens am sogenannten Haderwasser (4Mose 20,24).
  • Wir haben keine Hinweise darüber, dass die Israeliten zu irgendeinem Zeitpunkt das Grab Aarons aufgesucht und verehrt hätten.

3,8 Moses Tod und Begräbnis

Der wohl ungewöhnlichste Tod, bzw. Bestattung wurde Mose zuteil. Wie bereits vorher bei seinem Bruder Aaron, so ordnete Gott selbst an, wann und wo Mose zu sterben hat, nämlich auf dem Berge Nebo im Lande Moab. So lesen wir in 5Mose 32,48-50:

Und der HERR redete mit Mose am selben Tage und sprach: Geh auf das Gebirge Abarim, auf den Berg Nebo, der da liegt im Lande Moab gegenüber Jericho, und schaue das Land Kanaan, das ich den Israeliten zum Eigentum geben werde. Dann stirb auf dem Berge, auf den du hinaufgestiegen bist, und lass dich zu deinem Volk versammeln, wie dein Bruder Aaron starb auf dem Berge Hor und zu seinem Volk versammelt wurde. (4Mose 32,48-50).

Der Grund auf den Berg Nebo zu steigen, war folgender: Mose wurde das Betreten des Gelobten Landes untersagt, er sollte es aber überblicken dürfen. So lesen wir weiter in 5Mose 34,1-12:

Und Mose stieg aus den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der HERR zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan und das ganze Naftali und das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der HERR sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen. So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. Und Mose war hundertzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. Und die Israeliten beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war. Josua aber, der Sohn Nuns, wurde erfüllt mit dem Geist der Weisheit; denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt. Und die Israeliten gehorchten ihm und taten, wie der HERR es Mose geboten hatte. Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht, mit all den Zeichen und Wundern, mit denen der HERR ihn gesandt hatte, dass er sie täte in Ägyptenland am Pharao und an allen seinen Großen und an seinem ganzen Lande, und mit all der mächtigen Kraft und den großen Schreckenstaten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel. (5Mose 34,1-12).

ANMERKUNGEN:

  • Mose wurde 120 Jahre alt, genau das Alter, welches Gott den Menschen nach der Sintflut als gewisses Maß zugemessen hat. „Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Leenszeit geben hundertzwanzig Jahre.“ (1Mose 6,3).
  • Er starb nicht weil er alt und lebenssatt oder lebensmüde war. Er behielt seine volle Kraft und Sehstärke. Mose starb nach dem Willen Gottes und wurde versammelt zu seinen Vätern.
  • Kein Mensch war Zeuge seines Todes.
  • Er wurde auch nicht von Menschen bestattet, sondern der Herr sorgte für seine Bestattung. Ein ungewöhnlicher Hinweis aus Judas 1,9 wirft Rätsel auf: „Als aber Michael, der Erzengel, mit dem Teufel stritt und mit ihm rechtete um den Leichnam des Mose, wagte er nicht, ihn für die Lästerung zu verurteilen, sondern sprach: Der Herr strafe dich!
  • Seine Grabstätte blieb verborgen, obwohl man danach suchte. Der Ort des Begräbnisses wird nur ungefähr angegeben – im Tal gegenüber Bet-Peor im Lande Moab. Damit bewahrte Gott seine Grabstätte nicht nur vor Grabverehrung und Wallfahrt, sondern auch vor Grabschändung durch Feinde im Feindesland Moab.
  • Auch Mose wurde wie zuvor sein Bruder Aaron dreißíg Tage lang vom gesamten Volk Israel beweint. Das war damals die angemessene Zeitdauer des Klagens und Weinens für hervorragende Persönlichkeiten.

 

 

4. In der Richterzeit

Diese Eposche in der Geschichte Israels, die einige Jahrhunderte dauerte, reicht von Josua bis zu dem Propheten Samuel.

4,1 Josuas Tod und Begräbnis

Wir lesen in Josua 24,29: „Und es begab sich nach diesen Geschichten, dass Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN, starb, als er hundertzehn Jahre alt war. Und man begrub ihn in dem Gebiet seines Erbteils in Timnat-Serach, das auf dem Gebirge Ephraim liegt, nördlich vom Berge Gaasch. Und Israel diente dem HERRN, solange Josua lebte und die Ältesten, die noch lange Zeit nach Josua lebten und alle Werke des HERRN kannten, die er an Israel getan hatte.“ (Jos 24,29-31).

ANMERKUNGEN:

  • Ungewöhnlich kurz ist die Passage über den Tod und das Begräbnis von Josua.
  • Sein Alter wird mit einhundertzehn Jahren angegeben.
  • Auch der Ort des Begräbnisses ist festgehalten worden.
  • Bedeutend war sein Lebenswerk, das mit dem Landttag von Sichem seinen Höhepunkt erreichte. (Josua 24). Die wohl bedeutende persönliche Aussage und Bekenntnis von Josua war: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen. (Josua 24,15).
  • Auch hier wird deutlich, dass man in dieser Zeit die Verstorbenen in der Regel in ihrem Erbteil bestattete.
  • Es gibt keine Hinweise in der Geschichte Israels, dass die Grabstätte Josuas zu einem Wallfahrtsort geworden wäre.  Jos 24,

 

4.2 Der Tod Eleasars des Priesters und sein Begräbnis

Auch über den Tod von Eleasar, dem Sohn Aarons, des Pristers wird nur die Tatsache seines Begräbnisses beschrieben. So lesen wir in Josua 24,33: „Auch Eleasar, der Sohn Aarons, starb, und sie begruben ihn in Gibea, der Stadt seines Sohnes Pinhas, die ihm gegeben war auf dem Gebirge Ephraim.“ (Josua 24,33).

ANMERKUNGEN:

  • Auffällig ist, dass er in der Stadt seines Sohnes bestattet wurde. Vielleicht weil sein Sohn Pinhas bereits Priesterdienst versah in Gibea auf dem Gebirge Ephraim.

 

4,3 Der Tod Elis des Priesters

Wir lesen in 1Samuel 4,18: „Als er aber die Lade Gottes nannte, fiel Eli rücklings vom Stuhl am Tor und brach sich den Hals und starb, denn er war alt und ein schwerer Mann. Er richtete aber Israel vierzig Jahre.“

ANMERKUNGEN:

  • Ein trauriges Ende war dem Priester Eli beschieden worden.
  • Bekannt wurde er wegen seiner Weichheit gegenüber seinen boshaften und gottlosen Söhnen und der Freigabe der Bundeslade als Motivation für die Streitmacht Israels.
  • Er war alt und wenig beweglich.
  • Was jedoch bemerkenswert ist, dass er den Weg für Samuel zu dessen besonderem Dienst neidlos mitgestaltete.
  • Er richtete Israel 40 Jahre.
  • Über sein Begräbnis ist nichts bekannt.

 

4,4 Der Tod und das Begräbnis von Samuel

Bei der Größe und Bedeutung des Propheten Samuel ist es sehr auffällig, dass über seinen Tod und Begräbnis nur wenige Worte geschrieben wurden. So steht in 1Samuel 25,1: „Und Samuel starb, und ganz Israel versammelte sich und hielt ihm die Totenklage. Und sie begruben ihn in seinem Hause zu Rama.“ (1Sam 25,1).

ANMERKUNGEN:

  • Der Ort des Begräbnisses ist überliefert – Rama auf dem Gebirge Ephraim und zwar in seinem Haus, was auf ein Begräbnis auf dem Gelände des Hauses hinweisen könnte.
  • Auch er richtete Israel 40 Jahre.
  • Um seinetwillen versammelte sich Israel um ihm die totenklage zu halten (vermutlich auch mehrere Tage lang).
  • Seit Jakob und Josef sind bis jetzt keine Bestattungsriruale erwähnt. So wenig Bedeutung maßen die biblischen Autoren diesen bei.

 

 

5. Zur Zeit der Könige Israels

 

Die Periode der Könige Israels ist die längste (etwa 1030 – 586 v.Chr.) und ub dieser Zeit werden die meisten Bestattungen genannt, aber sehr kurz. Ausnahme bildet dabei die Geschichte des Todes und der Beisetzung der Gebeine von Saul und seinen Söhnen.

5.1 Der Tod und die Bestattung des Königs Saul und seiner drei Söhne

In 1Samuel 31,1-13 lesen wir vom tragischen Ende Sauls und seiner drei Söhne. Denn sie fielen im Kampf gegen die Philister auf dem Gebirge Gilboa.

Die Philister aber kämpften gegen Israel, und die Männer Israels flohen vor den Philistern und blieben erschlagen liegen auf dem Gebirge Gilboa. Und die Philister verfolgten Saul und seine Söhne und erschlugen Jonatan und Abinadab und Malkischua, die Söhne Sauls. Und der Kampf tobte heftig um Saul, und die Bogenschützen fanden ihn, und er wurde schwer verwundet von den Schützen. Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und erstich mich damit, dass nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und treiben ihren Spott mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein. Als nun sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, stürzte auch er sich in sein Schwert und starb mit ihm. So starben Saul und seine drei Söhne und sein Waffenträger und alle seine Männer miteinander an diesem Tage. Als aber die Männer Israels, die jenseits der Ebene und gegen den Jordan hin wohnten, sahen, dass die Männer Israels geflohen und Saul und seine Söhne tot waren, verließen sie die Städte und flohen auch. Da kamen die Philister und wohnten darin. Am andern Tage kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuplündern, und fanden Saul und seine drei Söhne, gefallen auf dem Gebirge Gilboa. Da hieben sie ihm sein Haupt ab und nahmen ihm seine Waffen ab und sandten sie im Philisterland umher, um es zu verkünden im Hause ihrer Götzen und unter dem Volk. Und sie legten seine Waffen in das Haus der Astarte, aber seinen Leichnam hängten sie auf an der Mauer von Bet-Schean. Als die Leute von Jabesch in Gilead hörten, was die Philister Saul angetan hatten, machten sich alle streitbaren Männer auf und gingen die ganze Nacht hindurch und nahmen die Leichname Sauls und seiner Söhne von der Mauer zu Bet-Schean und brachten sie nach Jabesch und verbrannten sie dort. Und sie nahmen ihre Gebeine und begruben sie unter dem Tamariskenbaum zu Jabesch und fasteten sieben Tage. (1Sam 31,1-13).

ANMERKUNGEN:

  • Der König Saul und seine drei Söhne Jonathan, Abinadab und Malchischua starben im Kampf gegen die Philister auf dem Gebirge Gilboa (im südöstlichen Teil von Galiläa).
  • Nach seiner Verwundung durch die Bogenschützen der Philister, beging Saul Selbstmord,
  • Die Philister enthaupteten Saul und liesen sein Haupt ihrem Volk vorführen.
  • Die Leichname von Saul und seinen Söhnen hingen sie auf der Mauer zu Bet-Schean auf. Diese Zurschaustellung der Leichname sollte dem Zweck dienen, Israel zu schmähen, zu demütigen (3Mose 21,23).
  • Die mutigen und streitbaren Männer von Jabesch in Gilead (östlich des Jordan) marschierten die ganze Nacht durch und nahmen die Leichname von der Mauer zu Bet-Schean ab und brachten sie nach Jabesch.
  • Dort verbrannten sie die Leichname, aber die Gebeine (Knochen) begruben sie unter einem Tamariskenbaum. Diese Leichenverbrennung wäre ungewöhnlich im israelitischen Kontext, sie wird aber (zum Beispiel von David) nicht beanstandet. Für ihre mutige und humane Tat, ernteten die Jabeschiten Lob von David (2Sam 2,4-7).
  • Die Jabeschiter drückten ihre Trauer durch ihr Fasten aus und zwar sieben Tage lang.
  • Eins der größten Klagelieder wurden von David verfasst und aufgeschrieben. Sie galten dem König Saul und seinem Sohn Jonatan. (2Samuel 1,17-27).
  • Später wurden die Gebeine (Knochen) von Saul und seinen Söhnen auf Anordnung Davids von Jabesch heraufgeholt und im Grabe seines Vaters Kisch im Lande Benjamin beigesetzt. Es fand eine Umbettung der Gebeine statt. So lesen wir in 2Samuel 21,12-14: „Und David ging hin und nahm die Gebeine Sauls und die Gebeine seines Sohnes Jonatan von den Bürgern von Jabesch in Gilead. Die hatten sie vom Platz in Bet-Schean heimlich weggenommen, wohin die Philister sie gehängt hatten zu der Zeit, da die Philister Saul schlugen auf dem Berge Gilboa. Und David brachte die Gebeine Sauls und die Gebeine seines Sohnes Jonatan von dort herauf, und sie sammelten die Gebeine derer, die man hingerichtet hatte, und begruben sie mit den Gebeinen Sauls und seines Sohnes Jonatan im Lande Benjamin in Zela im Grab seines Vaters Kisch und taten alles, wie der König geboten hatte. Danach wurde Gott dem Lande wieder gnädig. (2Sam 21,12-14).
  • Die letzte Bemerkung ist auffällig, so als ob Gott erst mit der letzten Ruhestätte der Gebeine Sauls in dessen Erbteil zufrieden war. Vielleicht geht es auch darum, dass der Fluch wegen dem aufgehängt sein, nun entkräftet wurde. Auf jeden Fall aber wird in dieser Geschichte deutlich, dass die Leichname der Verstorbenen oder auch Getöteten bestattet werden. David hatte als Motivation bei dieser Tat, deutlich zu machen, dass er mit Ehrfurcht und Respekt dem Hause Sauls auch nach dessen Tode begegnet. Er wollte das Gedächtnis an seinen Vorgänger und natürlich dessen Sohn Jonatan aufrecht erhalten, was durch eine Bestattung im Stammeserbteil (Benjamin) und Familiengrab (Kisch in Zilo) seinen Ausdruck fand.

 

5.2 Der Tod und die Bestattung des Königs David

Über den Tod und Begräbnis des bekanntesten Königs in der Geschichte Israels – den König David, ist sehr wenig aufgeschrieben worden. So lesen wir in 2Samuel 2,1-4: „Als nun die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und sei ein Mann und bewahre den Dienst des HERRN, deines Gottes, dass du wandelst in seinen Wegen und hältst seine Satzungen, Gebote, Rechte und Ordnungen, wie geschrieben steht im Gesetz des Mose, damit dir alles gelinge, was du tust und wohin du dich wendest; damit der HERR sein Wort erfülle, das er über mich geredet hat: Werden deine Söhne auf ihre Wege achten, dass sie vor mir in Treue und von ganzem Herzen und von ganzer Seele wandeln, so soll dir’s niemals fehlen an einem Mann auf dem Thron Israels. (2Sam 1,1-4). Und 2Samule 2,10-12: „Also legte sich David zu seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids. Die Zeit aber, die David König gewesen ist über Israel, ist vierzig Jahre: Sieben Jahre war er König zu Hebron und dreiunddreißig Jahre zu Jerusalem. Und Salomo saß auf dem Thron seines Vaters David, und seine Herrschaft hatte festen Bestand.  (10-12).

ANMERKUNGEN:

  • Vor seinem Tod formulierte David eine Art Vermächtnis an seinen Sohn Salomo.
  •  „Dreißig Jahre war David alt, als er König wurde, und regierte vierzig Jahre.“ (2Sam 5,4).
  • In seinem Vermächtnis an Salomo macht David auch Anweisungen zur Vergeltung an Menschen, die nach seiner damaligen Haltung ihm und damit auch der Gesamtgemeinschaft Israels Schaden zugefügt hatten (1Kön 2,10-12).
  • Und er starb in gutem Alter, satt an Leben, Reichtum und Ehre.“ (2Sam 1,28).
  • David wurde in der Stadt Davids (südlich des Tempelgeländes) bestattet.
  • Auch von ihm heißt es: „Er legte sich zu seinen Vätern.“
  • Der Ap. Petrus bestätigt in seiner Predigt zu Pfingsten: „Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag.“. (Apg 2,29),
  • Petrus bestätigt auch: „Denn nachdem David den Menschen seiner Zeit gedient hatte, ist er nach dem Willen Gottes entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen.“ (Apg 13,36).
  • Doch David lebte mit der Auferstehungshoffnung (Ps 16,8-11: „auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung“).

 

5.3 Der Tod und die Bestattung des Königs Salomo

Salomo hat gut angefangen, aber bereits gegen Ende seines Lebens musste er die Folgen seines Götzendienstes ernten. Er bekam Widersacher durch die er sein Reich bedroht sah und sie deswegen verfolgte. In 1Kön 11,42-43 gibt es eine kurze Notiz über das Ende und die Bestattung von Salomo: „Die Zeit aber, die Salomo König war zu Jerusalem über ganz Israel, ist vierzig Jahre. Und Salomo legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids, seines Vaters. Und sein Sohn Rehabeam wurde König an seiner statt.“

ANMERKUNGEN:

  • Auch Salomo regierte 40 Jahre über ganz Israel (2Chr 9,30).
  • Zu seinen Lebzeiten volbrachte er viele große Taten – das größte und bedeutende davon war der Bau des Tempels.
  • Zum Ende seines Lebens gibt es viele traurige und bedrückende Aussagen – das Schlimmste davon war Abgötterei durch die fremden Frauen. Seine Popularität beim Volk wegen hoher Abgaben lies stark nach, sowie die Anerkennung Seitens einiger Nachbarstaaten.
  • Er übergab die Regierung seinem Sohn Rehabeam und wurde nach seinem Tod (über den nichts weiteres gesagt wird) in der Stadt Davids bestattet.

Die Aussage: „Er legte sich zu seinen Vätern“, steht jedoch auch über seinem Tod.

 

5.4 Der Tod und die Bestattung des Königs Rehabeam

Eine sehr kurze Notiz ist über das Ende von Rehabeam in 1Könige 14,21überliefert worden: „Und Rehabeam, der Sohn Salomos, wurde König in Juda. Einundvierzig Jahre alt war Rehabeam, als er König wurde; und er regierte siebzehn Jahre zu Jerusalem, in der Stadt, die der HERR erwählt hatte aus allen Stämmen Israels, dass er seinen Namen dort hinstellte. Seine Mutter hieß Naama, eine Ammoniterin.“1Kön 14,31

Und Rehabeam legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben bei seinen Vätern in der Stadt Davids.“

ANMERKUNGEN:

  • Rehabeams Regierungszeit betrug 17 Jahre. Insgesamt wurde er 58 Jahre alt.
  • Seine Mutter war eine Ammomitim (wahrscheinlich war auch der Einfluss der Mutter maßgebend für die Charakterprägung von Rehabeam).
  • Und Rehabeam legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben bei seinen Vätern in der Stadt Davids.“ (1Kön 14,31). Die Aussage: „legte sich zu seinen Vätern“, wird hier wohl zu einer Standartaussage. Die Aussage: „und wurde begraben bei seinen Vätern in der Stadt Davids“, unterstreicht die Lokalität der Bestattung, die sich auf fast alle nachfolgenden Könige Juda`s beziehen wird.
  • Sein Sohn Abia wurde König an seiner Statt.“

 

5.5 Der Tod und die Bestattung des Königs Asa

Der König Asa begann seine lange Herrschaft recht gut, aber gegen Ende wandte er sich von Gott ab. Wir lesen von seinem Tod: „So legte sich Asa zu seinen Vätern und starb im einundvierzigsten Jahr seiner Herrschaft. Und man begrub ihn in seinem Grabe, das er sich in der Stadt Davids hatte aushauen lassen. Und sie legten ihn auf sein Lager, das man mit gutem Räucherwerk und allerlei kunstvoll zubereiteter Spezerei gefüllt hatte, und sie machten ihm zu Ehren einen sehr großen Brand. (2Chr 16,13-14).

ANMERKUNGEN:

  • Noch zu Lebzeiten lies er sich in der Stadt Davids ein Grab (aus dem Felsen) aushauen.
  • In seinen letzten Jahren war er sehr krank. Die Notiz: In seiner Krankheit suchte er nicht den Herrn, sondern die Ärzte“, hebt seine ausdrückliche Distanz zu Gott hervor.
  • Dass man bei seiner Bestattung (wahrscheinlich auf seine Anordnung hin) sein Lager besonders kunstvoll schmückte, wird extra betont, aus welchem Grunde auch immer.
  • Zu seinen Ehren machte man einen sehr großen Brand. Aus 2Chr 21,19 ist ersichtlich, dass dies bei Bestattungen der Könige eine übliche Ehrung war. Wenn es wie in 2Chr 21,19 ausblieb, dann war es eher eine Ausnahme.

 

5.6 Der Tod und die Bestattung des Königs Hiskia

Eine der bekanntesten Geschichten aus der Königszeit ist die Lebensgeschichte des Königs Hiskia. Besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf seinem zweifachen Lebensende. So lesen wir in

2Kön 20,1-7:

Zu dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Und der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. Er aber wandte sein Antlitz zur Wand und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, gedenke doch, dass ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gewandelt bin und getan habe, was dir wohlgefällt. Und Hiskia weinte sehr. Als aber Jesaja noch nicht zum mittleren Hof hinausgegangen war, kam des HERRN Wort zu ihm: Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volks: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen – am dritten Tage wirst du hinauf in das Haus des HERRN gehen –,und ich will fünfzehn Jahre zu deinem Leben hinzutun und dich und diese Stadt erretten vor dem König von Assyrien und diese Stadt beschirmen um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. Und Jesaja sprach: Bringt her ein Pflaster von Feigen! Und als sie das brachten, legten sie es auf das Geschwür, und er wurde gesund. (2Kön 20,1-7).

Zu dem Zeitpunkt war Hiskia 39 Jahre alt. Menschlich gesehen verständlich, dass Hiskia noch eine Weile leben wollte. Gott hörte auf sein Gebet und sah sein Weinen und die Sehnsucht nach diesem Leben und heilte ihn von seiner tödlichen Krankheit. Er fügte ihm noch weitere fünfzehn Jahre zu seiner Lebensdauer hinzu.

ANMERKUNG;

  • Wäre es nicht besser gewesen, wenn sich Hiskia dem Willen Gottes gefügt hätte?
  • Bestelle dein Haus“, wie wichtig ist es, rechtzeitig alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit die Hinterbliebenen weniger Sorgen und Arbeit haben müssen? Ja, sogar mancher Streit unter den Nachkommen vermieden werden kann?
  • Was für ein Privileg, wenn der Herr sich ankündigt, denn in der Regel werden die Menschen werden sehr unerwartet aus dem Leben gerissen.
  • Doch Gott kennt sich auch aus in weiteren Varianten des Lebens. Und so fügt er noch eine bestimmte Lebensdauer hinzu. Diese Verlängerung soll aber einem bestimmten Zweck dienen, nämlich: „Ich will diese Stadt beschirmen“, das heißt: Hiskia hat etwas Konkretes zu tun, eine konkrete Aufgabe zur Ehre des Namens Gottes.
  • Was wäre der Stadt Jerusalem erspart geblieben, wenn Hiskia in der Verlängerung den Rat Jesajas eingeholt hätte, bevor er den freundlichen `Feinden` voller Stolz die Schätze seines Hauses gezeigt hätte?
  • Doch Gott kennt sich auch aus in weiteren Varianten des Lebens. Und so fügt er noch eine bestimmte Lebensdauer hinzu. Diese Verlängerung soll aber einem bestimmten Zweck dienen, nämlich: „Ich will diese Stadt beschirmen“, das heißt: Hiskia hat was konkretes zu tun, eine konkrete Aufgabe zur Ehre des Namens Gottes.

In .2Chr 32,33 gibt es eine kurze aber positive Notiz vom Lebensende Hiskias: „Und Hiskia legte sich zu seinen Vätern, und sie begruben ihn, wo man hinaufgeht zu den Gräbern der Söhne Davids. Und ganz Juda und die Einwohner von Jerusalem gaben ihm Ehre bei seinem Tod.“

ANMERKUNGEN:

  • Eine ehrenvolle Bestattung wurde Hiskia von seinem Volk zuteil.
  • Auffällig, dass jedoch keine speziellen Details der Ehrerbietung genannt wurden.

5.7 Der Tod und die Bestattung des Propheten Elisa

Am Ende seines Lebens bekam der Prophet Elisa Besuch vom König Israels. So lesen wir in 2Könige 13,14-21:

Als aber Elisa an der Krankheit erkrankte, an der er sterben sollte, kam Joasch, der König von Israel, zu ihm hinab und weinte vor ihm und sprach: Mein Vater, mein Vater! Du Wagen Israels und seine Reiter! Elisa aber sprach zu ihm: Nimm Bogen und Pfeile! Und als er den Bogen und die Pfeile nahm, sprach er zum König von Israel: Spanne mit deiner Hand den Bogen! Und er spannte ihn mit seiner Hand. Und Elisa legte seine Hand auf des Königs Hand und sprach: Tu das Fenster auf nach Osten! Und er tat’s auf. Und Elisa sprach: Schieß! Und er schoss. Elisa aber rief: Ein Pfeil des Siegs vom HERRN, ein Pfeil des Siegs gegen Aram! Du wirst die Aramäer schlagen bei Afek, bis sie aufgerieben sind. Und er sprach: Nimm die Pfeile! Und als er sie nahm, sprach er zum König von Israel: Schlag auf die Erde! Und er schlug dreimal und hielt inne. Da wurde der Mann Gottes zornig auf ihn und sprach: Hättest du fünf- oder sechsmal geschlagen, so hättest du die Aramäer geschlagen, bis sie aufgerieben wären; nun aber wirst du sie nur dreimal schlagen. Als aber Elisa gestorben war und man ihn begraben hatte, fielen streifende Rotten der Moabiter ins Land Jahr um Jahr. Und es begab sich, dass man einen Mann zu Grabe trug. Als man aber eine dieser Scharen sah, warf man den Mann in Elisas Grab. Und als er die Gebeine Elisas berührte, wurde er lebendig und trat auf seine Füße.“ (2Kön 13,14-21).

Anmerkungen:

  • Der Prophet elisa starb an einer Krankheit, die jedoch nicht näher beschrieben wurde.
  • Sein tod wird aber nicht im Detail beschrieben, dafür aber eine spannende Begegnung mit dem König Israels kurz vor seinem Tode.
  • Die Bibel verschweigt nicht solche Geschichten, die für uns heute einige Fragen aufwerfen.
  • Auch in der christlichen Tradition pflegt man das ‚Aufbewahren von Körperteilen sogenannter verstorbener Heiliger. Im Glauben oder genauer gesagt im Aberglauben darauf, dass diese Körperteile besondere heilende Wirkung haben.
  • Man bedenke jedoch, dass jenes Wunder im Grab Elisas ein plötzlich unerwartetes Geschehen von Gott war. Gott ist souverän und kann und tut manchmal sehr ungewöhnliche Dinge. Sobald aber der Mensch sich aufmacht, diese Ausnahmen im Wirken Gottes, eigenmächtig nachzuahmen, wird Aberglaube gefördert.
  • Diese kurze Episode zeigt aber auch, dass Elisa keineswegs in einem prunkvollen Grab beigesetzt wurde. Es schien sogar offen gewesen zu sein.

 

5.8 Der Tod und die Bestattung des Propheten Jeremia

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5.9 Der Tod und die Bestattung des Propheten

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6. Zur Zeit von Jesus

Die Evangelien berichten über mehrere Geschichten von Verstorbenen, welche entweder bestattet wurden und oder von Jesus auferweckt wurden.

 

6.1 Der Tod und die Auferweckung des 12-jährigen Mädchens

In Kapernaum spielte sich eine ungewöhnliche Geschichte ab. Der Ev. Markus schreibt dazu:

21 Und als Jesus im Boot wieder ans andre Ufer gefahren war, versammelte sich eine große Menge bei ihm, und er war am Meer. 22 Da kam einer von den Vorstehern der Synagoge, mit Namen Jaïrus. Und als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen 23 und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm und lege ihr die Hände auf, dass sie gesund werde und lebe. 24 Und er ging hin mit ihm. Und es folgte ihm eine große Menge, und sie umdrängten ihn. (Mk 5,21-24). Markus schreibt weiter: 35 Als er noch redete, kamen Leute vom Vorsteher der Synagoge und sprachen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du weiter den Meister? 36 Jesus aber hörte nicht auf das, was da gesagt wurde, und sprach zu dem Vorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemanden mit sich gehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und sie kamen in das Haus des Vorstehers, und er sah das Getümmel und wie sehr sie weinten und heulten. 39 Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. 40 Und sie verlachten ihn. Er aber trieb sie alle hinaus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren, und ging hinein, wo das Kind lag, 41 und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! – das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 42 Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich sogleich über die Maßen. 43 Und er gebot ihnen streng, dass es niemand wissen sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben. (Mk 5,35-42).

Der Ev. Matthäus ist etwas kürzer in seiner Beschreibung: „18 Als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam einer der Oberen, fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben gestorben, aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. 19 Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.  (Mt 9,18-19). Und erfährt fort: 23 Und als Jesus in das Haus des Oberen kam und sah die Flötenspieler und das Getümmel des Volks, 24 sprach er: Geht hinaus! Denn das Mädchen ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. 25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff es bei der Hand. Da stand das Mädchen auf. 26 Und diese Kunde erscholl durch dieses ganze Land.“ (Mt 9,23-26).

ANMERKUNGEN;

  • Die Totenklage nahm im Judentum große  Ausmape an.
  • Bereits vor oder kurz nach dem Tod versammelten sich die Flötenspieler und Sängerinnen und begannen mit der totenklage (Weinen, Heulen und Klagen).
  • Jesus nennt dies Getümmel und treibt sie alle hinaus, eine ungewöhnliche Geste.
  • Für ihn ist das Mädchen eingeschlafen, ähnliche Redeweise wie bei Lazarus: Er schläft.
  • Jesus ruft das Mädchen aus dem Tod zurück ins Leben. Und ihr Geist kam wieder.
  • Gebt ihr zu essen, fordert er die Eltern auf
  • Die Trauer der Eltern ist in Freude verwandelt worden. Sie braucht noch nicht bestattet werden.

 

6.2 Der Tod und die Bestattung von Johannes dem Täufer

Der Ev. Matthäus schreibt: „Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten das Jesus.“ (Mt 14,12). Der Ev. Markus ergänzt: „Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab (gr. ἔθηκαν αὐτὸ ἐν μνημείῳ – d ).“ (Mk 6,29). Das Begraben bei Matthäus wird von Markus ergänzt mit „sie legten ihn (den Leichnam) in ein Grab“. Grab (gr. μνημείον – mn¢meion).

ANMERKUNGEN:

  • Der Mut und die Treue der Jünger zu ihrem Meister ist bemerkenswert.
  • Eine würdige Bestattung erfolgt seitens der Jünger des Johannes.
  • In der Regel handelte es sich um eine Felsenhöhle oder in den Felsen gehauenes Grab.
  • Sie teilen es Jesus mit.

 

6.3 Der Tod, bzw. Auferweckung des Jünglings von Nain

Der Ev. Lukas schreibt:

Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und diese Kunde von ihm erscholl im ganzen jüdischen Land und in allen umliegenden Ländern. (Lk 7,11-17).

ANMERKUNGEN:

  • Der Tote wurde auf einer Tragbahre zur Stadt hinaus getragen. Geschlossene Särge (Sarkophage) waren in Israel nicht üblich.
  • Wegen der besonders verlustvollen familiären Situation (Witwe, einziger Sohn) nahmen sehr viele Menschen Anteil am Leid der Witwe.
  • Die Friedhöfe befanden sich immer außerhalb einer Siedlung.
  • In der Nähe des vermuteten Ortes Nain entdeckte man Felsengräber ().

 

6.4 Die Bestattung des reichen Mannes

Der Ev. Lukas schreibt:

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seiner Tür, der war voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tisch fiel, doch kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.“ (Lk 16,19-23).

ANMERKUNGEN:

  • Im Gegensatz zu dem reichen Mann, nennt Jesus den Armen bei seinem Namen – Lazarus.
  • Von beiden wird gesagt, dass sie sterben.
  • Lazarus wird von den Engeln (in der Mehrzahl) emporgetragen in den Schoß Abrahams, wo er getröstet wird. Aber wo ist sein Leichnam? Jesus erwähnt seine Bestattung nicht. Spielt sie für Lazarus (der eigentlich in Abrahams Schoß ist) noch eine Rolle? Arme wurden eher notdürftig begraben.
  • Der Reiche (sein Leichnam) wird begraben (höchstwahrscheinlich in einem vornehmen Felsengrab). Doch, oh weh, eigentlich befindet er sich in der Hölle und litt Qualen. Spielt für ihn die Bestattungsart noch eine Rolle?

 

6.5 Die Bestattung, bzw. Auferweckung von Lazarus

Der Ev. Johannes schreibt:

Da ergrimmte Jesus abermals und kommt zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. Jesus spricht: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sagte ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! (Joh 11,38-44).

ANMERKUNGEN:

  • Lazarus war bereits vier Tage im Grab.
  • Damals wie heute wurden die Verstorbenen noch am gleichen Tag bestattet.
  • Der griechische Text spricht von einem Grab innerhalb einer Höhle, die mit einem Stein bedeckt war. „τὸ μνημεῖον· ἦν δὲ σπήλαιον καὶ λίθος ἐπέκειτο ἐπ αὐτῷ – kto mn¢meion ¢n de sp¢laion kai lithos epekeito ep autö“.
  • Der Leichnam des Lazarus war von Kopf bis zu den Füßen in Leinentücher eingewickelt.
  • Als Jesus nach Betanien kam, befanden sich Maria und Martha in tiefer Trauer.
  • Viele Juden aus der Umgebung, besonders aus Jerusalem, kamen um diese beiden Frauen zu trösten.
  • Dabei wurde das Grab immer wieder aufgesucht, um dort zu weinen (Joh 11,).

6.6 Was sagt Jesus über Gräber und Bestattete Leichname

Es ist auffallend, dass Jesus auf Gräber und deren Inhalte zu sprechen kommt im Zusammenhang des heuchlerischen Lebensstils der Schriftgelehrten, der Pharisäer und Gesetzeslehrer. So sagt er in Matthäus 23,27-31:

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat (Unreinheit)! So auch ihr: Von außen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz (Gesetzlosigkeit). Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und schmückt die Gräber der Gerechten und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! Damit bezeugt ihr von euch selbst, dass ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.“ (Mt 23,27-31). Bei einer anderen Begegnung ergänzt Jesus diesen Vergleich mit den Worten: „Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten Gräber, die Leute laufen darüber und wissen es nicht.“ (Lk 11,44).

ANMERKUNGEN:

  • Man bekommt den Eindruck, dass es bei den Juden eine Tendenz gab, die alten, vielleicht ganz einfachen Gräber der Propheten aufzubereiten und zu schmücken. Diese Tendenz ist aber ursprünglich bei den Patriarchen nicht zu erkennen. Dort dienten die Grabhöhlen dem nüchternen Faktum – die räumliche und verschließbare Trennung und Distanz der Verstorbenen von den Lebenden.
  • Mit dem Aufbau und Schmücken der Gräber Seitens der Pharisäer erkennt Jesus deren streben: sich von der Handlungsweise ihrer Väter zu distanzieren. Nach dem Motto: Wir sind nicht so wie Jene.
  • Jesus wertet nicht die Grabpflege an sich, sondern offenbart und tadelt die unlauteren Motive der Pharisäer und Schriftgelehrter.
  • Mit dieser aufwendigen Grabpflege lässt sich auch im Judentum zur Zeit von Jesus, eine Art Verehrung der Verstorbenen erkennen. Diese hat sich in den folgenden Jh. deutlich ausgeweitet. Diese Verehrung ist unter heidnischen Kulturen, aber auch in der christlichen Tradition deutlich erkennbar.
  • Sehr nüchtern sind die Äußerungen von Jesus über den Inhalt der Gräber – „voller toter Knochen und Unreinheit“. In der Tat, bezogen auf Menschen, ein sehr krasser Vergleich
  • Einen weiteren Vergleich macht Jesus indem er von Gräbern spricht, die verdeckt und überwuchert sind, so dass Menschen darüber laufen ohne zu wissen, was darunter verborgen liegt. Vielleicht will Jesus damit sagen: Wenn die Leute nur wüssten, was sich hinter der Abdeckung befindet, würden sie diese Stelle, bzw. diese Menschen weiträumig umgehen.
  • Das Kidrontal war übersät von Gräbern, ebenso das Hinnomtal, Jesus nahm wohl wahr, welchen Bedeutung seine Landsleute dem Bereich `Bestattung` beimaßen. Umso auffallender ist, dass er für sich selbst (obwohl er genau wusste, wann er sterben würde) keine Vorsorge traf, auch nichts anordnete, wie seine Jünger oder Verwandte mit seinem Körper umgehen sollen.

 

7. Der Tod von Jesus und seine Bestattung

Die Bestattung von Jesus nimmt in unserer Bibelstudie einen besonderen Platz ein. Sie erfolgte nach Landesüblicher Tradition, hatte aber auch Züge der Einmaligkeit. Zunächst schauen wir uns die Texte aller vier Evangelien an. Der Ev. Markus schreibt:

Aber Jesus schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied (gr. ἐξέπνευσενexepneusen – aushauchte, den Geist aufgab), sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren. Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. Und als er’s erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam. Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. Abeer Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war. (Mk 15,36-47).

Der Ev. Lukas schreibt über deb Tod und die Grablegung von Jesus folgendes:

Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an (strahlte auf). Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz. (Lk 23,46-56).

Der Ev. Johannes bestätigt und ergänzt: „Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war.“ (Joh 19,39.41).

ANMERKUNGEN:

  • Für den Tod von Jesus ist nicht nur der genaue Wochentag, sondern auch die Stunde des Tages festgehalten worden. Es war Rüsttag (der unserem Freitag entspricht) und es war gegen 15h nachmittags.
  • Der Tod des Gekreuzigten Jesus musste von den römischen Behörden bestätigt und der Leichnam freigegeben werden.
  • Ein reicher Ratsherr: Josef aus dem Ort Arimathäa bittet den Statthalter Pilatus um eine würdige Bestattung des gehenkten Jesus von Nazaret.
  • Er will Jesus einen letzten Liebesdienst erweisen, um ihn nach jüdischer Sitte möglichst schnell aber auch würdevoll zu bestatten.
  • Keine Zeit ist nun zu verlieren, denn der Tag neigt sich dem Ende zu und mit Sonnenuntergang bricht der Sabbat an.
  • Pilatus ist erstaunt über den ungewöhnlich schnellen Tod von Jesus und lässt sich diesen vom herbeigerufenem Hauptmann bestätigen. Dann erteilt er die Erlaubnis zur Herausgabe des Leichnams (Mk 15,44).
  • In der Eile vor dem anbrechenden Sabbat entschließt sich Josef zur Bestattung in seine, eigentlich für ihn selbst, vorgesehene Grabhöhle in der niemand zuvor bestattet war. So schreibt der Ev. Matthäus: „(…) und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.“ (Mt 27,60).
  • In der Regel wurden Grabhöhlen für Familienangehörige über Generationen hinweg benutzt.
  • Jesus war als erster in dieser neu in den Felsen gehauenen Grabhöhle bestattet worden.
  • Josef  (wahrscheinlich mit Hilfe von Nikodemus) nahm den Leichnam von Jesus vom Kreuz, indem sie die  Nägel aus den Händen und den Füßen herausziehen.
  • Sie tragen ihn zur Grabhöhle in den nahegelegenen Garten. In einem Eilverfahren wird er dort gereinigt, gesalbt und in ein Leinentuch gewickelt, sein Haupt mit einem Kopftuch umbunden wie später der Ev. Johannes beschreibt (Joh 20,7).
  • Sie legen ihn auf eine flache Erhebung.
  • Die Frauen, die Jesus treu auch auf der letzten Strecke begleiteten sind dabei – Maria aus Magdala und Maria, Mutter des Joses, Salome und andere Frauen beobachteten aus nächster Nähe, wo und wie der Leichnam bestattet wird. So schreibt der Ev. Lukas: „Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an (strahlte auf). Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.“ (Lk 23,54-56).
  • Sie beschließen schon dort am Grab, später zu einer ordentlichen Salbung des Körpers hierher zurück zu kommen (denn die Männer hatten es unter Zeitdruck gemacht).
  • Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch Johannes der Jünger an der Abnahme des Leichnams vom Kreuz und der Bestattung beteiligte, hatte er sich bis jetzt nicht geschämt für seinen Meister, warum hätte er bei diesem Dienst tatenlos den anderen nur zugeschaut?
  • Zuletzt wird ein großer Stein vor den Grabeingang gerollt.

 

Abbildung 3 Ein großer Grabstein im sogenannten Gartengrab in Jerusalem. Dieses Grab in den Felsen gehauen wurde bei Ausgrabungen im Norden der Stadt entdeckt. Im krassen Gegensatz zu dem geschäftigen Treiben in der Grabeskirche, findet der Pilger hier Ruhe und Andacht (Foto: April 1986).

Auch über die Bestattung des Messias hat der Prophet Jesaja eine Aussage gemacht: „Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.“ (Jes 53,9). Allerdings stellen wir zwischen der Prophetie des Jesaja und der Erfüllung einen Unterschied fest, denn Josef war zu diesem Zeitpunkt nicht gottlos und auch kein Übeltäter, es sei denn, dass damit die allgemeine Sündhaftigkeit und Gottferne aller Menschen (auch des Josef) hervorgehoben wird.

Bei Gottlosen“ (im Plural) meint vielleicht auch das allgemeine Umfeld der Begräbnisstätte `Golgotha – Schädelstätte` und nicht den Josef als Einzelnen, der mit seiner Tat seine Glaubensbeziehung zu Jesus bezeugte.

Auch der Apostel Paulus bestätigt später, dass Jesus begraben wurde gemäß den Schriften (1Kor 15,4). Jesus hat bereits während seines Dienstes in Galiläa den kritisch eingestellten Pharisäern von seiner Grablegung vorausgesagt und erinnert an die einmalige Geschichte des Jona (Mt 12,40; Jona 2,1). Dann erklärte er, dass der Menschensohn ebenso drei Tage und drei Nächte inmitten der Erde sein wird. Die Wendung „drei Tage und drei Nächte“ bedeutet nicht zwingend volle 72 Stunden. Jeder noch nicht zu Ende gegangener Nacht/Tag sowie gerade begonnener Nacht/Tag wird als voller Nacht/Tage gerechnet (der Vergleich von Mt 16,21 mit Mk 8,31 sowie Mt 27,63 macht dies deutlich).

Für den Bibelleser kann es etwas verwirrend sein, wenn es um die Tageszeiten geht, welche die Evangelisten angeben. Folgende Erklärung kann eine Orientierung geben. Der jüdische Tag beginnt (auch heute noch) mit dem Sonnenuntergang. So lesen wir in 1Mose 1,2ff: „Da war aus Abend und Morgen der erste Tag.“ Den lichten Teil des Tages zählte man von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, was etwa 12 Stunden ausmachte. So sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Hat nicht der Tag zwölf Stunden?“  (Joh 11,9). Daher geben die meisten Autoren der neutestamentlichen Schriften diese lichte Tageszeiten an. So ist die dritte Stunde des Tages = ca. 9 Uhr morgens, die elfte Stunde ca. 17 Uhr (Mt 20,3-9; Apg 2,15). Ähnlich rechnete man auch für die zwölf Stunden der Nacht, so in Apostelgeschichte 23,23: „dritte Stunde der Nacht“ = zwischen 21-22 Uhr. Nur der Evangelist Johannes scheint gelegentlich von dieser Tageszählweise wegzukommen (Joh 19,14).

 

Demnach war Jesus nur ca. 38 Stunden Tot und verbrachte ca. 35 Stunden im Grab. Schon der Psalmist David sagte durch den Heiligen Geist voraus dass der Messias nicht wie andere Menschen der Verwesung überlassen wird: „Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe (verwese).“ (Psalm 16,9-10; Apg 2,25; 13,35).

 

Der Evangelist Matthäus hat noch einen ergänzenden Bericht aufgeschrieben:

Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.“ (Mt 27,62-66).

Am folgenden Tag (das heißt am Sabbat) melden sich noch mal die jüdischen Leiter (Hohepriester und Pharisäer) bei Pilatus. Sie erinnern sich an Worte des getöteten Rabbis Jesus: „Ich will nach drei Tagen auferstehen.“ (Mt 27,63). Woher haben sie diese Information? Wenn Jesus über seinen Tod und Auferstehung sprach, tat er es meistens im Kreis seiner Jünger. Seine bildhafte Rede in Bezug auf seinen Tod und Auferstehung aus Johannes 2,19 haben sie ja nicht verstanden. Doch bei einer anderen Gelegenheit bekamen sie von Jesus selbst (wenn auch nur einen indirekten) Hinweis zu seinem Begräbnis und seiner Auferstehung: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein“ (Mt 12,39-40; 16,1.4; Mk 8,11-12; Lk 11,29-30). Natürlich glaubten sie nicht daran, doch aus der Verdorbenheit ihres eigenen Herzens lasten sie den arglosen und völlig verängstigten Jüngern etwas an, was sie wahrscheinlich in deren Situation selber tun würden. Sie wollen damit einer für sie bösen Überraschung vorbeugen. Dass sich ihre Vorsorge und Sicherheitsmaßnahme gegen sie selbst als Falle heraustellen wird, kam ihnen zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn.

Für die Bewachung des Grabes hätten sie genug eigenes Wachpersonal von der Tempelwache beauftragen können, doch die Gekreuzigten sind von den Römern verurteilt worden und somit waren diese auch für deren Leichname zuständig. Pilatus zeigt sich auch hier großzügig, lässt sich nicht auf Diskussionen ein und stellt den jüdischen Führern eine Wachmannschaft zur Verfügung. Die Soldaten werden vor dem Grab postiert und zusätzlich wird der Stein am Eingang zum Grab versiegelt. Die ganze Aktion, einschließlich der Versiegelung des Grabes, ist eigentlich Arbeit am Sabbat, doch gegenüber sich selbst sind die Pharisäer und Hohenpriester nachsichtig, nicht so gegen andere (Joh 5,10). Im Gegensatz zu ihnen ist das Verhalten der Frauen gesetzeskonform (Lk 23,56).

ANMERKUNGEN:

  • Jesus hatte zu Lebzeiten für seine Bestattung keinerlei Vorbereitungen getroffen.
  • Das Felsengrab wurde ihm von Josef zur Verfügung gestellt. Daher ist es nicht korrekt vom `Grab Jesu` zu sprechen.
  • Seit Abraham war in Israel die Bestattungsart in Felshöhlen bekannt und in vielen Fällen auch praktiziert worden. Diese Bestattungsart war auch für Jesus die optimale.
  • Auch für die vorgezogene (einzigartige) Auferstehung vieler Gläubigen gleich nach der Auferstehung von Jesus, war diese Bestattungsart in Felshöhlen optimal, denn dort heißt es, dass die Felsen zerbarsten und die Gräber sich öffneten.
  • Nur die Frauen besuchten das Grab in dem Jesus bestattet war, zweimal am ersten Tag der Woche. Ebenso Petrus und Johannes waren einmal zum Grab gelaufen (vielleicht auch noch einige andere Jünger). In den folgenden vierzig Tagen begegnete der Auerstandene immer wieder seinen Jüngern. Grabesbesuch war für sie nicht mehr relevant. Umso auffälliger ist die später eingesetzte Entwicklung der Pilgerschaft zum Grab und sogar der Streit um das Grab.

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8. In der Zeit der Apostel und ersten Gemeindegeneration

 

8.1. Der Töpferacker zum Begräbnis für die Fremden

Es ist schon eine Auffälligkeit, dass mit dem sogenannten Blutgeld ein Acker gekauft wurde, auf dem man Pilger oder Fremde, wenn sie in Jerusalem verstarben, bestattet werden konnten. So schreiben die Evangelisten:

Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging davon und erhängte sich. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir sie in den Tempelschatz legen; denn es ist Blutgeld. Sie beschlossen aber, den Töpferacker davon zu kaufen zum Begräbnis für die Fremden. Daher heißt dieser Acker Blutacker bis auf den heutigen Tag. 9 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: »Sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis, der geschätzt worden war – den hatten einige von den Israeliten geschätzt –, 10 und gaben sie für den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hat.« (Mt 27,3-11).

Und der Ap. Petrus erinnert an diesen Vorgang bei seiner Einleitung zur Wahl des 12en Apostels an Judas Stelle in der Apostelgeschichte 1,3-19 mit den Worten:

Und in diesen Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen; denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor. Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker.“ (Mt 27,3-19).

ANMERKUNGEN:

  • Diese traurige Episode macht deutlich, dass der Raum für Bestattungen um Jerusalem knapp war, besonders für Fremde und Pilger, die dort starben.
  • Dieser Acker bekam den Namen Hakeldama, das heißt `Blutacker`.
  • Diese Begräbnisstätte wählte sich niemand freiwillig.

 

8.2. Der Tod und die Bestattung von Stefanus

Der Ev. Lukas schreibt:

Als sie das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie knirschten mit den Zähnen über ihn. Er aber, voll Heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes, der hieß Saulus, und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ (Apg 7,54-60). Saulus aber hatte Gefallen an seinem Tode. Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle übers Land, über Judäa und Samarien, nur die Apostel nicht. Es bestatteten aber den Stephanus gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn. (Apg 8,1-2).

ANMERKUNGEN:

  • Stefanus war der erste Märthyrer, der wegen dem Zeugnis von Jesus Christus sein Leben hingeben musste.
  • Steinigung war die übliche Todesstrafe im Judentum bei GGotteslästerung.
  • Es gab mutige Männer, welche sich vor der aufgebrachten Menge und für Stefanus nicht schämten. Es wird sehr knapp vermerkt, dass gottesfürchtige Männer Stefanus den Liebesdienst einer würdigen Bestattung erwiesen.
  • Und sie hielten nach jüdischer Sitte, eine große Klage über ihn, aber auch dies war ein Zeugnis für Jesus.
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8.3. Der Tod des Jakobus

In der Apostelgeschichte 12,1 schreibt der Ev. Lukas:

Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Abteilungen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Passafest vor das Volk zu stellen. (Apg 12,1-4).

ANMERKUNGEN:

  • Von den zwölf Aposteln ist Jakobus der erste, welcher den Märtyrertod erleidet.
  • Aus der kurzen Information des Lukas erfahren wir nur, dass er mit dem Schwert getötet wurde, das kann bedeuten, dass er enthauptet wurde.
  • Dies geschah etwa im Jahre 44 n. Chr..

 

8.4. Der Tod der Apostel des Herrn

Es ist geradezu offensichtlich, dass es in den neutestamentlichen Schriften vom Tod, geschweige denn der Bestattung der zwölf Apostel des Herrn keinerlei Informationen gibt. Nur wenige Hinweise lassen erahnen, wie zum Beispiel das Lebensende von Petrus oder Johannes gewesen sein mag.

Dem Petrus sagte Jesus voraus: „Wenn du aber alt wirst, so wird ein anderer dich führen wohin du nicht willst“

Die Bemerkung von Jesus in die Adresse des Johannes: „Wenn ich will, dass er bleibe, was geht es dich an“, bedeutete keineswegs, dass er nicht sterben würde.

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8.5. Niemand bleibt im Tod, alle werden auferweckt

Nach den klaren Aussagen von Jesus und der Apostel, werden alle jemals gelebte und verstorbene Menschen auferweckt werden.

Joh 5,26-29: 26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 28 Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 29 und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“

 

Offb 20,13 Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren, und der Tod und die Hölle gaben die Toten heraus, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.

  1. Das Meer gab die Toten

 

Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzählen sollte von Gideon und Barak und Simson und Jeftah und David und Samuel und den Propheten. 33 Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, 34 des Feuers Kraft gelöscht, sind der Schärfe des Schwerts entronnen, aus der Schwachheit zu Kräften gekommen, sind stark geworden im Kampf und haben fremde Heere in die Flucht geschlagen. 35 Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen. Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, auf dass sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten. 36 Wieder andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. 37 Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erlitten. 38 Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Klüften der Erde. 39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt, 40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne u-

 

 

9. Schlussfolgerungen

Am Anfang: Was ist klar, Grundsätzliches, was steht im Vordergrund:
Hoffnung der Auferstehung mit einem vollkommen neuen Leib, Zeugnis für Jesus als den Sieger über Tod und Sünde. Der neue Leib besteht nicht aus alter Materie.

Trotzdem stellen sich Fragen zu nebensächlichen Themen, die dennoch wichtig sind.

 

Kremation

  • geschichtlicher Abriss, kulturelles
  • Gegenargumentation im Abriss
  • Leib der Auferstehung >>> Phil / 2Kor. Äußere Mensch zerfällt… Herrlichkeit des neuen Bundes, neuen Leibes. Verwandlung des sterblichen Leibes und verklärten Leibes Christi. Leib ist hier Tempel des Geistes, aber nur vorübergehende Hütte, nur Fremdling
  • Der neue Leib besteht nicht aus alten organischen Materialien.
  • Verwesung hat jeder Mensch gesehen, auch David Apg 13,36f ( Denn nachdem David den Menschen seiner Zeit gedient hatte, ist er nach dem Willen Gottes entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen. 37 Der aber, den Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen.)
  • Verbrennen ist beschleunigte Verwesung
  • Gegenargumentation zu Amos 2,1
  • Gegenargumentation zu Feuer als komplett negativ?
  • Vorbild nicht automatisch Norm – Freiheit des neuen Bundes,
  • Alle werden am jüngsten Tag vor dem Menschensohn und König Jesus erscheinen, egal wie sie gestorben und wo sie bestattet wurden. – Offb. 20 „Das Meer gab die Toten…“ Joh 5 „Es kommt die Stunde, in der alle Toten seine Stimme hören werden…“ – Bildhafte Sprache der Apokalyptischen Texte (Sterne auf Erde…). Vor Jesus stehen, vor Jesus Knie beugen – es geht nicht um einen Totenleib. Menschliche Sprache für Himmlisches ist begrenzt und führt bei falscher Wörtlichkeit zu Widersprüchen, Fehldeutungen etc.

 

 

 

Klare biblische Prinzipien zur Bestattung und Tod selbst

  • Gottes klare Aussage gegenüber Adam lautete: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück“. Die Verstorbenen sollen von den Lebenden getrennt werden.

Bestattet wurde außerhalb des bewohnten Raumes – eine klare Distanzierung der Toten von den Lebenden. Der Tote ist nicht mehr unter den Lebenden und der Leichnam, sollte auch nicht so behandelt werden, geschweige denn verehrt.

  • Für Feuerbestattung (Einäscherung) gibt es im AT nur eine Geschichte (Der König Saul und seine drei Söhne, bei Am 2,1 geht es um Leichenschändung). Diese Bestattungsart wird nicht kommentiert, bzw. von David nicht beanstandet. Er lässt diese Gebeine (Knochen) aus bestimmten Gründen umbetten, David lobt die Bestatter und Gott segnet daraufhin sein Volk (Gott war wieder gnädig). Verflucht ist der, der am Holz hängt – aber nicht der Verbrannte.
  • Die Bestattungen wurden mit Würde und Respekt gegenüber den Verstorbenen vollzogen.

Amos 2,1: Schmähung, Schändung verdammt Gott. – Motivation ist entscheidend

  • Mit Toten in Kontakt treten, Opfer für Tote, Totenbeschwörung, Nekrophilie (Todesstrafe) – negativ! Die Mami schaut herab? Nein. Keine Rede mit dem Geist des Verstorbenen. Mit dem Leichnam – sinnlos. Totenbefragung verboten. Mit den Toten reden ist sinnlos.

 

 

Relative Form

  • Die geo- und topographischen Gegebenheiten einer Region spielten bei der Bestattung eine Rolle
  • Die Praxis der Bestattung in einer Kultur spielten eine Rolle (Siehe Jakob und Josef in Ägypten – höchstwahrscheinlich Organentnahme zur Einbalsamierung)
  • Bestattet wurde in natürlichen Höhlen und auch in dem Felsen ausgehauene Höhlen, gelegentlich unter Bäumen – keine dieser Formen wird  negativ bewertet, einschl. Sauls Verbrennung
  • Wir haben keine Hinweise darüber, dass die Israeliten zu irgendeinem Zeitpunkt das Grab Aarons aufgesucht und verehrt hätten.

à Unwichtigkeit von Gräbern als Ort der Trauer, des Gedenkens.

Unterwegs gestorben, unterwegs begraben. à Rahel, Wegesrand, ca 40km von Hebron, wäre möglich gewesen.

Nicht im Interesse Gottes, dass Totenstätten verehrt werden, Jesus hatte kein Grab, Moses Grab unbekannt,

Seit Jesus wird uns im NT keine Bestattungsgeschichte mehr im Detail erzählt. Das war für die Apostel kein Thema. Höchstwahrscheinlich aber haben sie nach landesüblicher Tradition auch die Gläubigen an Jesus bestattet.

  • Das Schweigen der Bibel fällt auf im Kontrast zu heidnischen Praktiken und Zentralität der Bestattung (z.B. Ägypten).

 

Andere Themen um Tod und Bestattung

  • Bei Isaaks Tod waren seine Söhne 120 Jahre alt. Wie gut, dass sie sich bereits vorher versöhnt haben. Ebenso bei Jakobs Tod.

– Diese Geschichte macht auch deutlich, wie wichtig es ist, dass Eltern ihr Vermächtnis rechtzeitig zu Lebzeiten regeln, damit den Kindern viel Ärger erspart bleibt. Die Aussage des Herrn an Hiskia: „So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.“ unterstreicht diesen Bereich.

– Dass Jakob die Erbangelegenheiten vor seinem Tode klar und deutlich ausgesprochen hat ersparte den Söhnen viel Streit.

  • Die Überführung eines Leichnams vom Ort des Todes zu der Stätte in der Heimat kann aus den AT Geschichten für uns Christen nicht abgeleitet werden

Die Umbettung der Gebeine von König Saul und seinen Söhnen, hatte ihre Begründung unter dem Aspekt der Loyalität des David zum Hause Sauls und dem Aspekt des Erbbegräbnisses (aus Stamm Benjamin im Stammesgebiet bestattet).

 

Aussage wichtiger als Form

  • Bescheidenheit, Schlichtheit bei Bestattungen ist angebracht
  • Das Zeugnis für den Glauben an Jesus Christus sollte hohe Priorität haben
  • Schlichtheit und Inhalt als Zeugnis, nicht Prunk. Das ist Zeugnis für den Menschen.
  • Zeugnis der Glaubensbeziehung zu Jesus Christus, Leben feiern
  • Gott selbst verkürzte die Lebensdauer des Aarons wegen seines und Moses Ungehorsams und Umglaubens am so genannten Haderwasser (4Mose 20,24). Eine „Elle“ dazu oder wegnehmen – allein Gott.
    Hängen am diesseitigen Leben ist Mangel an Vertrauen und Zukunftshoffnung.
  • Jesu Aussagen zu Begräbnis und Grabehrung der Propheten

 

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