11. Frage: Nikodemus sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen

Das nächtliche Gespräch Jesu mit Nikodemus kann zu einem der längsten und intensivsten evangelistischen Gesprächen gerechnet werden. Nach all dem, was Jesus bis dahin über die Notwendigkeit einer Wiedergeburt gesagt hatte, stellt Nikodemus voller Verwunderung  seine zweite Frage: „Wie kann dies geschehen?“ (Joh 3,9a). Jesus  fragt ebenso  verwundert zurück: „Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht?“ (Joh 3,9b). Und Jesus fährt fort mit einer weiteren Bildsprache: „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ Damit macht er deutlich, dass diese Wiedergeburt ausschließlich geistlicher und göttlicher Natur ist. Nikodemus hätte wissen können, was Gott zum Beispiel durch den Propheten Hesekiel gesagt hatte: „Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.“ (Hes 36,26-27).  Oder das Gebet von David, der bittet: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ (Ps 51,12).

Danach gibt Jesus Nikodemus Einblick in seine Herkunft und den Grund seines Kommens in diese Welt. Im weiteren Gespräch erinnert er an die Geschichte mit der kupfernen Schlange in der Wüste.

Abbildung: Auf dem Berg Nebo im heutigen Jordanien. Erinnerung an die kupferne Schlange in der Wüste (Foto am 4. November 2014 ).

In 4Mose 21,8-9 lesen wir: „Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine kupferne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.“. Jesus bezieht diese Anweisung Gottes auf sich mit den Worten: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat.“ (Joh 3,14-15). Damit weist er auf seinen Kreuzestod hin. Die Hingabe seines Lebens bildete die Grundlage, auf der ewiges Leben vermittelt wird.  Dank diesem nächtlichem Gespräch und der Fragen des Nikodemus ist uns die zentralste Aussage des Evangeliums in Johannes 3,16 überliefert worden: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

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10. Frage: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?

Diese Frage richtete der Pharisäer Nikodemus an Jesus bei seinem nächtlichen  Besuch in Jerusalem. Er ist einer der Obersten der Juden und gehört zu denen, die Jesus mit Respekt und Wertschätzung begegnen. „Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ (Joh 3,2).

Abbildung: Trautes Gespräch bei Kerzenlicht.

Doch Jesus kennt sein Herz, er weis genau was ihm fehlt und was er braucht. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem (von oben) geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3,3). Diese Aussage löst in Nikodemus gleich mehrere Fragen aus. Voller Unverständnis fragt er nach: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? (Joh 3,4). Bildersprache dient eigentlich dazu, den Sachverhalt besser zu verstehen. Seine erste Aussage ergänzt Jesus mit den Worten: „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes hineinkommen.“ (Joh 3,5). Mit dem `Geist` ist der lebendig machende   Geist Gottes und mit dem `Wasser` ist die reinigende Wirksamkeit des Wortes Gottes gemeint (Joh 15,3; Eph 5,26; Tit 3,5). Beim Hören des Wortes Gottes bewirkt der Heilige Geist Sündenerkenntnis und das Verlangen nach Umkehr. Wenn der Mensch sich vor Gott beugt / demütigt, seine Schuld (Sünde des Unglaubens) bekennt und um Vergebung bittet, geschieht Reinigung seines Herzens. Und der Geist Gottes bewirkt in dem Augenblick die Erneuerung des menschlichen Geistes. Dies ist, was Jesus mit `von neuem oder von oben geboren werden` gemeint hat. Durch diese von Gott gewirkte geistliche Geburt  (unabhängig vom Alter) wird ein Mensch in den Stand `Gottes Kind` versetzt. Und damit wechselt er vom Reich der Finsternis in den Herrschaftsbereich Gottes. Faszinierend, wie Jesus Nikodemus Fragen entlockt, auf die er anschließend Antworten gibt. Das Ergebnis dieses nächtlichen Gespräches führte später zu einem öffentlichen Bekenntnis. Zusammen mit dem gottesfürchtigen Ratsherrn Josef aus Arimathea erweist er Jesus den letzten Liebesdienst mit der Salbung und  Grablegung. Durch die Fragen des Nikodemus gab Jesus Auskunft über das wichtigste Ereignis im Leben eines Menschen.

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9. Frage: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du dies tun darfst?

Diese Frage stellten die führenden Juden an Jesus, nachdem er die Geldwechsler und Taubenverkäufer aus dem Tempelhof vertrieben hatte mit den Worten: „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!“ Das Kaufen von Opfertieren in Jerusalem war vom Gesetz her legitim, dass der Handel aber im Tempelhof stattfand, was der Tempelbehörde zusätzliche Einnahmen verschaffte, entsprach nicht seiner Bestimmung. Dieser Bereich im Tempel glich einem Markt. Die Bestimmung des Tempels war nach Jesaja 56,7: »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«. Dieser radikale Eingriff in die Praxis der Tempelbehörde geschah bei seinem (ersten) Pessahbesuch in Jerusalem  Auf die herausfordernde Frage der Juden antwortete Jesus mit: „Brecht diesen Tempel ab (oder: ihr brecht diesen Tempel ab) und in drei Tagen richte ich ihn auf“ (Joh 2,18-19).

Abbildung: Modell des Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holyland Hotels in Jerusalem (Foto im April 1986).

Aber, wie so oft, wurde auch hier der Sinn dieser bildhaften Rede nicht verstanden. Entsprechend ist auch ihre Reaktion: „Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“ (Joh 2,20). Hier wurde offensichtlich auf zwei unterschiedlichen Sprachebenen geredet. Das traditionelle alttestamentliche, mit all seinen  Einrichtungen (Tempel, Opferrituale) auf der einen Seite  und das neutestamentliche, denn „Er (Jesus) aber redete von dem Tempel seines Leibes.“ Diese Zuordnung verstanden die Juden zunächst nicht, aber später nach dem Tod und Grablegung von Jesus erinnerten sie sich daran. Denn der Tempel von dem Jesus sprach, wurde durch das Urteil des Hohen Rates und durch die Hände der Römer buchstäblich abgebrochen. Die Auferstehung Jesu aus den Toten am dritten Tag, bildete das größte messianische Zeichen für Israel. Jesus wurde von seinem Vater bevollmächtigt zu diesem Eingreifen in die korrupte Tempelpraxis. Bei dem jüdischen Aufstand, im Jahre 70 n.Chr. wurde auch der steinerne Tempel durch die Römer abgebrochen und nicht mehr aufgebaut. Doch der neutestamentliche Tempel (der Leib Christi, die Gemeinde) als Gottes neue Wohnstätte wird niemals zerstört werden. Viele von denen, die damals nach einem Zeichen gefragt hatten, ignorierten bewusst die Auferstehung von Jesus. Wie reagieren wir heute, wenn Gott in unsere gewohnte und oft auch fragwürdige  Lebensweise hineinredet und hineinwirkt?

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8. Frage: Warum tun deine Jünger was am Sabbat nicht erlaubt ist?

Der Evangelist Lukas schreibt: „Und es geschah am Sabbat, dass er durch die Saatfelder ging und seine Jünger die Ähren abpflückten und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben.“ (Lk 6,1).

Abbildung: Fruchtfeld bei Herrenberg (Foto am).

Ein Lehrer ist verantwortlich für seine Schüler, daher richteten die Pharisäer ihre kritische Frage an Jesus. „Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?“ (Mk 2,24). So genannter `Mundraub` war in Israel nach 5Mose 23,26 erlaubt: „Wenn du in das Kornfeld deines Nächsten gehst, so darfst du mit der Hand Ähren abrupfen, aber mit der Sichel sollst du nicht dreinfahren.“ Was die Pharisäer beanstandeten war nur das Abpflücken und Zerreiben der Ähren an einem Sabbat und dies sah nach Arbeit aus. Das Sabbatgebot steht an vierter Stelle in den Zehn Geboten (2Mose 20,7-11). Da die Missachtung dieses Gebotes so leicht zu erkennen war, wurde es von den Rabbinern immer mehr und im Detail definiert.

Für Jesus sind diese Fragen willkommen, denn so kann er konkret auf Missstände in Lehre und Leben aufmerksam machen. Er gibt den Pharisäern Antwort mit mehreren Begründungen aus der Schrift und der Praxis.

Erste Begründung: „Habt ihr nicht gelesen im Gesetz, dass die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld? Ich sage euch aber: Hier ist Größeres als der Tempel.“ (Mt 12,5-6; Joh 7,22).

Zweite Begründung: „Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte und als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjatars, des Hohen Priesters, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch denen gab, die bei ihm waren?“ (Mk 2,25-26). Damit nimmt  Jesus seine Jünger in Schutz. Und ergänzend dazu sagt er: „Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt (Hosea 6,6): »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer«, dann hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt.“ (Mt 12,7). Die Barmherzigkeit ist dem Buchstaben des Gesetzes vorzuziehen.

Die alles überragende und umfassende Begründung lautet: „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen; somit ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbats.“ (Mk 2,27-28). Jesus, der den Sabbat geschaffen hat, bestimmt wie damit umgegangen werden soll. Der praktische Umgang der Apostel mit dem Sabbatgebot ist auch für uns heute Maßstab und Vorbild.

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7. Frage: Warum fasten deine Jünger nicht?

Diese Frage stellten  die Pharisäer zusammen mit den Jünger des Täufers an Jesus (Mt 9,14). So lesen wir in Markus 2,18: „Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?

Abbildung: Der neue Flicken an das alte Tuch – das kann nicht gut gehen.

Die vielen Fragen, welche an Jesus gerichtet wurden, machen deutlich, dass es Differenzen gab zwischen ihm, seiner Lehre und der Lebensweise der  frommen Juden. In Bezug auf das Fasten gab es nach dem Mosaischen Gesetz nur eine konkrete Anweisung. So heißt es in 3Mose16,29: „Auch soll euch dies eine ewige Ordnung sein: Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun …“. Alle anderen  Fastenzeiten waren freiwillig und situationsbedingt. Bekannt ist, dass zur Zeit Jesu Pharisäer als Zeichen besonderer Frömmigkeit zweimal pro Woche fasteten (Lk 18,12). Jesus tadelt das zur Schau gestellte Fasten (Mt 6,16). Die Antwort Jesu an die Pharisäer lautete: „Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag, werden sie fasten.“ (Mk 2,19-20). Die Gegenwart Jesu als Messias ist Grund zur Freude und zum Jubel (Lk 2,10). Doch Jesus ist nicht gegen das Fasten, hat er doch selber 40 Tage in der Wüste gefastet (Mt 4,1-11).

Abbildung: Der neue Wein braucht auch einen neuen Behälter.

Mit den folgenden zwei Beobachtungen aus dem häuslichen und landwirtschaftlichen Bereich macht Jesus klar, dass das Evangelium (neuer Stoff, neuer Wein) auch eine neue Verpackung braucht. „Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Gewand; sonst reißt das Eingesetzte von ihm ab, das Neue vom Alten, und ein schlimmerer Riss entsteht. Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der Wein die Schläuche zerreißen, und der Wein und die Schläuche verderben; sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche.“ (Mk 2,21-22). Das Leben im Sinne des Evangeliums von Jesus Christus kann nicht in die (starren) Formen des Ritualgesetzes gepresst werden. Das Verhalten soll sich nach dem Geist des Evangeliums richten und nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes. Das Fasten sollte nicht dem Selbstzweck dienen, auch nicht wegen einer Tradition praktiziert werden, sondern einen Grund  und Zweck haben. Es soll nicht äußerlicher Art sein, sondern die Herzenseinstellung zu Gott zum Ausdruck bringen.

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