Christ und Karriere – geht das?

Ja, das geht, aber! Hör dir das Video an und du wirst feststellen, was die Bibel dazu zu sagen hat.

Die Prinzipien:

 

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Wer ist der FELS – Petrus oder Jesus?

Abbildung 1 Felsmassiv in Petra der sogenannten Felsenstadt im heutigen Südwestjordanien (Foto: 5.11. 2014).

Einleitung

Diese Fragestellung ergibt sich aus der nicht leicht verständlichen Aussage von Jesus in Matthäus 16,18: „Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.“ Diese Aussage steht in einem bestimmten Zusammenhang. Jesus befindet sich mit seinen Jüngern in der Gegend von Cäsarea Philippi. So lesen wir in Matthäus 16,13-20:

„Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Was sagen die Menschen, wer der Sohn des Menschen ist? Sie aber sagten: Einige: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und andere wieder: Jeremia oder einer der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein. Dann gebot er den Jüngern, dass sie niemand sagten, dass er der Christus sei.“

Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungen dazu mit den entsprechenden Auswirkungen. Die eine, welche sich im Laufe der Kirchengeschichte für viele Jahrhunderte (besonders in der Westkirche) durchgesetzt hatte, ist die, dass Petrus der von Jesus genannte Fels wäre, auf dem die Gemeinde aufgebaut wird. Die zweite Deutung ist, dass Jesus auf den Inhalt des Petrusbekenntnisses Bezug genommen hat und damit (wenn auch nur indirekt) auf sich selbst. Er ist der Fels auf dem er seine Gemeinde aufbauen wird. Petrus (zusammen mit den anderen Aposteln) ist in diesen Bau an einer bestimmten Stelle eingefügt und mitbeteiligt.

 

1. Die Bedeutung des Begriffes Fels

Im Hebräischen: „Die beiden Wörter צוּר ṣûr und סֶלַע sæla‘, die in der Hebräischen Bibel 74- bzw. 56-mal vorkommen, bedeuten „Fels“ im Sinne von Felsmassiv, Felsblock und Felsgestein (vgl. צר ṣor „Kiesel / Steinmesser“). חַלָּמִישׁ challāmîš (5-mal), meint einen Kiesel oder harten Stein. Schließlich bedeutet auch כֵּף kef (2-mal) „Fels“. (Fels – Lexikon :: bibelwissenschaft.de).

Im Griechischen heißt der Fels `η πετρά – ¢ petra (Fem.)`, der Stein `ο λιθος – lithos`. Geologisch besteht der Fels aus Gestein, aber nicht jeder Stein ist gleich Fels. Mit Fels wird in der Regel ein Steinmassiv beschrieben, auch Felsmassiv genannt. Es ist ein Sinnbild für Unverrückbarkeit. So könnte man sagen: „Hart wie ein Stein und unverrückbar wie ein Fels“. Doch wie wir sehen werden, können diese Begriffe gelegentlich auch als Synonyme gebraucht werden.

 

2. Woher kommt der Name Petrus?

Im neutestamentlichen Kontext ist dieser Name einmalig. Er wurde von Jesus selbst dem Simon, (Bruder des Andreas) bereits bei der ersten Begegnung am Jordan, gegeben. So schreibt der Evangelist Johannes: „Und er (Andreas) führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Petros (Fels).“ Das hebräische Wort Kef (Fels) bekommt die Endung `as` und wird so zu dem Beinamen `Kefas, oder Kephas` für Simon. Johannes, der seinen Bericht in Griechisch schrieb, fügt ebenfalls dem griechischen `petra` (Fem.) die männliche Endung `os` hinzu. Petrus ist somit die Übertragung (nicht Übersetzung) des griechischen Namens `Petros` in die lateinische Sprache. Äußerlich betrachtet hört sich `i petra` und `o petros` an wie ein Wortspiel, doch Jesus legt in den Beinamen für Simon einen tiefen Inhalt hinein. Von Natur aus ist Simon eher wankelmütig, mal oben, mal unten, mal hoch begeistert, mal tief frustriert. Doch Jesus macht aus ihm etwas, was ihm von Natur aus nicht eigen war. So sagte Jesus zu ihm: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder!“ (Lk 22,32). Dies tat Petrus auch in seinem Lebensdienst an seinen Brüdern. Auffallend ist auch, dass er als Person in den Schriften des Neuen Testamentes mehr als 180 Mal genannt wird. Seitdem ist dieser Eigenname in vielen Kulturen verbreitet, sowohl unter Männern als auch unter Frauen.

 

3. Fels – im Alten Testament bezogen auf Gott den Herrn

Es ist erstaunlich, wie oft und wie eindeutig `Fels`  auf Gott den Herrn bezogen wird. Hier einige Beispiele:

  • Im Zusammenhang der Segnungen, mit denen Jakob seine 12 Söhne segnete, fällt besonders der Segen für Josef auf (1 Mose 49,22-26). So heißt es in Vers 24: „so bleibt doch sein Bogen fest und seine Arme und Hände stark durch den Mächtigen in Jakob. Von dort kommt der Hirte, der Fels Israels.“ Gott ist der Fels Israels. Denn er hat seine Treue dem Josef gehalten.
  • Und Mose bezeugt von Gott in 5 Mose 32,4: „Er ist der Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alle seine Wege sind recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm,“ Ein Fels steht für Stärke, Stabilität und Treue, Zuverlässigkeit.
  • Und Mose sagt prophetisch voraus, dass Israel seinen Gott gering schätzen wird. So lesen wir in 5 Mose 32,15: „Als aber Jeschurun fett ward, wurde er übermütig. Er ist fett und dick und feist geworden und hat den Gott verworfen, der ihn gemacht hat. Er hat den Fels seines Heils gering geachtet.
  • In Psalm 18,3 listet David bildhaft verschiedene Eigenschaften Gottes auf: „HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!
  • In Psalm 31,4 begründet David seine Zuversicht zu Gott mit den Worten: „Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.“
  • In Psalm 62,3 steht: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde.“                                                                               Psalm 62,8: „Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.
  • In Psalm 92,16 wird aufgefordert „das sie verkündigen, dass der HERR gerecht ist; er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.
  • Auch der Prophet Habakuk stellt hoffnungsvoll die Frage: „Aber du, HERR, bist du nicht mein Gott, mein Heiliger, von Ewigkeit her? Lass uns nicht sterben; sondern lass sie uns, o HERR, nur eine Strafe sein, und lass sie, o unser Fels, uns nur züchtigen.“ (Hab 1,12).

Damit wird Gott der Herr allgemein und konkret  oft mit dem Felsen verglichen. Eigenschaften wie: Stabilität, Zuverlässigkeit, Treue, Unwandelbarkeit, Festigkeit, Unverrückbarkeit kommen dadurch zum Ausdruck. Auf Ihn ist Verlass, auf Ihn kann man bauen, bei Ihm kann man sich bergen.

4. Fels – bereits im Alten Testament bezogen auf den Messias

Was Gott dem Vater eigen ist, wird auch im Sohn erkennbar. Der Messias wird zum Felsen der Entscheidung. Folgende Texte aus dem Alten Testament werden auf Ihn, den Christus bezogen.

  • In Jesaja 8,14-15 wird von dem Messias gesagt: „Und er wird ein Heiligtum sein und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses für die beiden Häuser Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge für die Bewohner Jerusalems, dass viele von ihnen sich daran stoßen, fallen, zerschmettern, verstrickt und gefangen werden.“ Der Ap. Paulus sieht diese Aussagen erfüllt durch den Dienst von Jesus (Röm.9,33). Er zitiert: „wie geschrieben steht (Jesaja 8,14; 28,16): „Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.“
  • Auch Jesus selbst bezieht Psalm 118,22-23 in der Diskussion mit den Schriftgelehrten und Pharisäern eindeutig auf sich: „Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und er ist ein Wunder vor unsern Augen«?“ (Mt 21,42; vgl. Mk 12,10). Und er kündigt die Folgen an für die, welche diesen Stein verwerfen werden, bzw. sich gegen diesen auflehnen werden. „Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.“ (Mt 21,44).

In 2 Mose 17,6 wird uns von einer wunderbaren Versorgung Israels mit Wasser berichtet. Da sagte Gott zu Mose: „Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel.“ Die Versorgung des Volkes Israel in der Wüste mit Wasser, wäre für uns nur eine Geschichte über einen wunderbaren Eingriff Gottes zur Rettung seines Volkes, wenn der Ap. Paulus in ihr nicht  eine  tiefere geistliche Bedeutung sehen würde. So schreibt er in 1Kor 10,4: „und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; denn sie tranken von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus.“ (vgl. auch 4Mose 20,8+10-11; Jes 48,21).

Jesus selbst weißt auf sich als den Felsen hin, wenn auch indirekt, so sagt er: : „Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.“ (Mt 7,24-25). Bereits hier ist die Zuordnung des Felsens auf Christus eindeutig.

Doch lassen wir noch mal Petrus selbst zu Wort kommen, wenn er die Prophetie aus Jesaja 14 und 28 in Verbindung mit Psalm 118,22-23 auf Christus bezieht. So schreibt er in seinem ersten Brief:

Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar. Für die aber, die nicht glauben, ist er »der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein geworden« (Psalm 118,22) und »ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Jesaja 8,14). Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.(1Petr 2,4-8).

Damit wird klar: Der von den Bauleuten verworfene Stein ist in der Person von Jesus als dem verworfenen Messias zu sehen. Für die Glaubenden ist er zum Fels des Heils, der Rettung und Auferstehung, für die Ungläubigen zum Ärgernis und Fall geworden ( Lk 2,34; Röm 9-11).

 

 

5. Auf den Grund der Apostel und Propheten, bei dem Jesus der Eckstein ist

Zunächst schreibt der Ap. Paulus in 1Kor 3,10-11: „Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Paulus bezeichnet sich als einen weisen Baumeister (gr. ἀρχιτέκτων –  architektön), der durch das Evangelium den Grund (θεμέλιον – themelion) gelegt hat. Dieser Grund oder Fundament ist Jesus Christus. Doch derselbe Apostel schreibt in Eph 2,19-21: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund (themeliö) der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein (gr. ἀκρογωνιαίου – akrögoniou) ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“  Damit bilden die Apostel und Propheten  zusammen mit Christus die unterste Schicht – das Fundament (Apg 2,42; Offb 21,14).

Die Gläubigen sind mit Steinen verglichen und zwar mit lebendigen Steinen (vgl. auch  Lk 3,8; 1Petr 2,3ff).

 

6. Schlussfolgerung

Von keinem Autor des NT wird Petrus Fels genannt, er selbst nennt sich auch nicht so. Das er vom Herrn besondere Verantwortung für seine Mitjünger und die erste Gemeindegeneration übertragen bekam, ist unstrittig (Lk 22,32;Joh 21,1; Gal 2,9 ), doch diese Verantwortung endete mit seinem Tod. Das Petrus und  die anderen Apostel weitere Mitarbeiter berufen haben, ist ebenso bekannt, doch gibt es im NT keinen Hinweis dafür, dass das Apostelamt an die nächste Generation von Leitern übertragen worden wäre.

Die Folgen der Fehlinterpretation von Mt 16,18 sind offensichtlich verheerend für eine gesunde Entfaltung der Gemeinde. Es erstaunt, wie sich jene Lehrauffassung hartnäckig halten konnte.  „So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN.“ (Jer 17,5). Bewahre uns Gott, auf Menschen oder Institutionen zu bauen.

Es gibt eine logische Unterscheidung zwischen einem Felsen und dem Haus, das darauf gebaut wird. Jesus ist der Fels auf den das Haus Gottes, die Gemeinde aufgebaut wird. Und er ist auch das Fundament des Hauses, bzw. der Grund- und Eckstein dieses Hauses.

 

 

 

 

 

 

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12. Kapitel: Die Erhöhung von Jesus Christus.

  1. Kapitel: Die Erhöhung von Jesus Christus. 1

12.1 Die Erhöhung des Christus wurde vorausgesagt

Die Himmelfahrt ist die letzte Etappe im Werk Christi, das mit der Menschwerdung, also mit dem Verlassen des Himmels begonnen hatte und mit dem sich setzen zur Rechten der Majestät in den Himmeln, abgeschlossen war. Das Ereignis der Himmelfahrt ist durch Augenzeugen bestätigt und in zahlreichen Texten des Neuen Testamentes überliefert worden. In den Schriften des Alten Testamentes ist die Erhöhung des Christus vorhergesagt worden. Neben der Prophetie aus Daniel 7, 13-14 ist die  in Psalm 110,1 wohl die bekannteste: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache«. (vgl. Mt 22,42-44). Im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus sagte Jesus von sich: „Und niemand ist gen Himmel aufgefahren (anabebhken anabeb¢ken) außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.“ (Joh 3,13). Jesus kam vom Vater und ging wieder zu ihm zurück. Er sprach am Vorabend seines Todes von der Vollendung des Werkes auf der Erde, welches der Vater ihm gegeben hatte, damit er es tue, so lesen wir in Johannes 17,4: „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.“ Er ist vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen und nun verlässt er wieder diese Welt und geht zurück zum Vater (Joh 16.28).

Nach seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche, begegnete Jesus der Maria aus Magdala und beauftragte sie seinen Jüngern zu sagen: „Ich fahre auf (anabainw anabainö – steige auf) zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh 20,17). Doch blieb Jesus noch 40 Tage bei seinen Jüngern und erschien ihnen immer wieder an verschiedenen Orten und unter unterschiedlichen Umständen (Apg 1,3-8; Joh 20,1-21,25; Lk 24,1-51; Mt 28,1-20; Mk 16,1-8; 1Kor 15,3ff). Diese Zeit war ausgefüllt mit lehren über das Reich Gottes. Die letzten Anordnungen von Jesus an seine Jünger finden wir aufgeschrieben in Apostelgeschichte 1,4-8; Lukas 24,46-49; Matthäus 28,18-20.

Das für die Jünger sichtbare Ereignis der Himmelfahrt von Jesus ist nur von Lukas festgehalten worden (Lk 24,50-51; Apg 1,9-11). Doch bergen diese Texte in sich wichtige Details, welche wir der Reihe nach betrachten wollen.

 

 

12.2  Der Ort, von wo aus Jesus in den Himmel zurückging

 

Wenn wir dem Text des Matthäus folgen, könnte der Eindruck entstehen, dass Jesus von einem bestimmten Berg in Galiläa in den Himmel gegangen ist (Mt 28,7.10.16). Doch dieser Text sagt nichts aus über die Himmelfahrt von Jesus. Der Berg in Galiläa kann eher der Ort gewesen sein, wo mehr als 500 Brüder den Herrn gleichzeitig sahen (1Kor 15,6). Der historisch interessierte Ev. Lukas, gibt als Ortsangabe für die Himmelfahrt einmal

  • die Nähe zu Betanien an (Lk 24,50 – „Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien“) und zum anderen
  • die Nähe zu Jerusalem („Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.“ Apg 1,12).

Der Ölberg oder genauer `Berg der Ölbäume` (etwa 816 Meter hoch) liegt zwischen Jerusalem im Westen und Betanien im Osten. Am Westhang des Ölbergs hat sich Jesus oft in einem Garten aufgehalten, der Gethsemane genannt wurde. Und nun wählt er diesen Berg, der etwa 60 Meter höher ist als der Tempelberg, um von dort aus in den Himmel zu seinem Vater zurückzukehren. Im Leben und dem Dienst von Jesus gibt es nichts Zufälliges, auch der Ort des Verlassens dieser Erde (dieser Welt) ist bewusst gewählt worden. Die vier wichtigsten Geschehnisse im Leben von Jesus ergeben ein geographisches Dreieck:

  • Bethlehem: Nur acht Kilometer südlich vom Tempel in Jerusalem ist Jesus geboren worden.
  • Golgatha: ca. ein bis zwei Kilometer nordwestlich des Tempels und zwar außerhalb der damaligen Stadtmauer ist Jesus gestorben, begraben worden und glorreich auferstanden aus den Toten.
  • Ölberg/Betanien: Und nur etwa 2-3 Kilometer östlich des Tempels verließ er diese Welt/Erde, um zu seinem Vater in den Himmel zurückzukehren.

Und all das geschah außerhalb der Heiligen Stadt Jerusalem!

Im Jahre 1910 wurde auf dem Ölberg die so genannte Himmelfahrtskirche eingeweiht, die mit ihrem hohen Glockenturm von weitem sichtbar ist und erinnert die Bewohner der Stadt, sowie die Pilger heute noch an die Erhöhung des Christus.

 

 

12.3 Die Begriffe mit denen die Erhöhung von Jesus beschrieben wird

Es gibt zahlreiche Texte, welche die Erhöhung Christi in den Himmel erwähnen und beschreiben. Dabei stellen wir fest, dass dieses Ereignis durch verschiedene Begriffe beschrieben wird. Diese Begriffe wollen wir in diesem Abschnitt in ihrem jeweiligen Textzusammenhang der Reihe nach kennenlernen.

  • Bereits in seinen Abschiedsreden machte Jesus deutlich, dass er zum Vater zurückgehen werde. So sagte er seinen Jüngern: „Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin (upagw ypagö) und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai); denn der Vater ist größer als ich.“ (Joh 14,28). Aus diesem Text ist noch nicht erkennbar, wie, auf welche Weise Jesus zu seinem Vater zurückgehen wird.
  • Nach seiner Auferstehung beauftragte der auferstandene Jesus Maria aus Magdala mit den Worten: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren (anabebhka anabeb¢ka) zum Vater.  Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17). Jesus steigt aus eigener Kraft/Vollmacht auf in den Himmel.
  • Zum Ende seiner letzten Anweisungen auf dem Ölberg breitete er seine Hände über seine Jünger aus um sie zu segnen. „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich) und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt) gen Himmel.“ (Lk 24,51). Es gab also einen Augenblick in dem er für die Jünger sichtbar und buchstäblich von der Erde abhob. Er verschwand also nicht plötzlich vor ihren Augen, bzw. wurde nicht plötzlich unsichtbar vor ihnen, wie es zum Beispiel im Falle der Emmausjünger geschah. Dort wird der griechische Begriff `afantoj egeneto afantos egeneto – er wurde unsichtbar` verwendet.
  • Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).“ (Apg 1,9). Durch dieses Verb in der Passivform wird die Kraftwirkung des Vaters unterstrichen, ähnlich wie auch bei der Auferstehung von Jesus – „er wurde auferweckt“, eben durch seinen Vater. (Apg 2,24; 3,15; 4,10).
  • Lukas schreibt in der Einleitung zur Apostelgeschichte von dem Wirken Jesu in Tat und Wort: „(…) bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)). Apg 1,2). Auch hier wirkt der Vater beim Aufnehmen seines geliebten Sohnes. Was für ein Augenblick für den Vater im Himmel ! Was für ein Jubeln der Engel in den Himmeln !
  • Die Blicke der Jünger sind nach oben gerichtet: „Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging. (Apg 1,10). Sie konnten sein Emporsteigen eine bestimmte Zeit sichtbar mitverfolgen.
  • Auch die beiden himmlischen Boten sprechen von der Kraftwirkung Gottes des Vaters: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde (analhmfqeij anal¢mfteis).“ Apg 1,11.
  • Petrus erinnert Jahre später an dieses erstaunliche Ereignis der Erhöhung von Jesus in seinem Brief an die Gläubigen in der Zerstreuung: „(…) welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen) gen Himmel.“ (1Petr 3,22).

Ein Begriff reichte also nicht aus, um dieses gewaltige Geschehen der Himmelfahrt von Jesus zu beschreiben.

  1. Ich gehe hin (upagw ypagö)
  2. dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai)
  3. aufgefahren (anabebhka anawew¢ka) zum Vater.
  4. Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater.
  5. schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich)
  6. und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt).
  7. aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).
  8. er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)).
  9. er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging.
  10.  aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen).

Die Jünger sind Augenzeugen eines Ereignisses, welches weit über das hinausging, was ihnen aus dem Alten Testament bekannt war – die Aufnahme des Elia oder des Henoch,

 

 

12.4 Begleiterscheinungen bei der Himmelfahrt von Jesus

Der Ev. Lukas schreibt:

(…) und eine Wolke (νεφελη – nefele) nahm ihn auf  vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg 1,9-11).

Gott verwendet immer wieder die gleichen Elemente, in diesem Fall die Wolke, ähnlich auch bei der Verklärung auf einem hohen Berg, oder die Wolkensäule in der Wüste. Es ist ein Bergen und auch Verbergen des Göttlichen, Herrlichen, eine Begrenzung des Einblicks für den Menschen in die göttliche Sphäre. Die beiden Männer in weißen Gewändern sind himmlische Boten. Engel sind dienstbare Geister (Hebr 1,14), die aber bei ihrer Erscheinung immer in männlicher Gestalt auftreten. Ihr Auftrag besteht aus zwei Teilen:

Erstens wollen sie die Blickrichtung der Jünger ändern „was seht ihr gen Himmel?“ Der Auftrag ihres Meisters ist erfüllt, der ihre wird erst beginnen. Sie müssen zurück nach Jerusalem.

Zweitens kündigen die Boten die Wiederkunft von Jesus an: „dieser ‚Jesus wird wiederkommen“ und zwar `so` (ουτος – outos – auf diese Weise, auf eine Weise) wie ihr ihn habt gesehen gen Himmel fahren.“

Hat nicht schon Jesus selbst ähnliche Voraussagen gemacht? Im Rahmen der Antworten auf die Fragen seiner Jünger spricht Jesus von seinem Wiederkommen: „Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Mt 24,30). Und auf die Frage des Hohenpriesters Kaiphas: „Bist du der Christus der Sohn des Hochgelobten antwortet Jesus: „Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,62; vgl. Mk 13,26; auch Dan 7,13-14). Damit alle Geschlechter der Erde Ihn sehen können, werden sie alle zuerst auferweckt werden (Joh 5,28-30).

Auch der Ap. Paulus sagt in 1Thessalonicher 4,17 voraus: „Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen (den Auferweckten Gläubigen) entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ Die Aussage des Apostels macht auch deutlich, dass die Begegnung mit dem Herrn in den Wolken des Himmels, also in der Luft stattfinden wird. Das heißt, dass Jesus, um seine Gemeinde abzuholen, nicht mehr auf die Erde (Ölberg) herabkommt wird, sondern sie in der Luft in Empfang nehmen wird.

Ja, Jesus kommt wieder und zwar auf ähnliche Weise wie er von hier gegangen ist.

  • Er kommt als der Menschensohn,
  • Er kommt sichtbar und erkennbar für alle,
  • Er kommt mit oder in den Wolken des Himmels,
  • Er kommt in Begleitung der Engel.

Die Jünger waren so überwältigt von dem was sie sahen, hörten und erlebten, dass es sie in die Anbetung zog, die Anbetung ihres Meisters, den sie als Gottes Sohn und ihren Herrn anerkannten. „Sie aber beteten ihn an (proskunhsantej auton proskyn¢santes auton – kniefällig anbeten) und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ (Lk 24,52-53).

 

12.5 Jesus zur Rechten des Vaters – das ist eine Tatsache

 

Die Erhöhung von Jesus zur Rechten des Vaters, ist die letzte Wegstrecke im Heilswerk Christi. Die Himmelfahrt selbst dauerte vielleicht nur wenige Minuten, doch das sich setzen zur Rechten des Vaters hat bis heute gewaltige Auswirkungen.

Die folgenden Textaussagen machen einiges deutlich. Beginnen wir mit der Voraussage des Heiligen Geistes durch den König David aus Psalm 110,1: „Ein Psalm Davids.“ Der HERR sprach zu meinem Herrn: / »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« Und damit kein Zweifel entsteht, wem nun diese Aufforderung gilt, hören wir uns die Auslegung von Jesus selbst und seinen Aposteln an. Zum Ende seines Dienstes, bereits in Jerusalem, fragt Jesus die versammelten Pharisäer:

Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?Sie antworteten: Davids. Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege«? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten. (Mt 22,42-46).

Welche Vollmacht in der Auslegung des Wortes der Prophetie aus dem Alten Testament! So weit dachten die Schriftgelehrten aus der Pharisäerpartei wohl doch nicht. Folgendes wird hier deutlich:

  • Der Christus/Messias ist auch Herr (hebr. adonai, gr. kyrios). Dass mit diesem Begriff sowohl im hebräischen als auch im griechischen Sprachgebrauch allgemein auch geachtete Männer angeredet wurden, ändert nichts an der Tatsache, dass Jesus (wenn auch nur indirekt) mit diesem Titel seine Gottessohnschaft hervorhebt.
  • Wenn der Christus nicht Davids Sohn ist, dann ist er Sohn Gottes, denn im zweiten Psalm sagt Gott vom Messias: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (γεγεννηκα σε – dich gezeugt, auferweckt).“ (Apg 13,33-37; Kol 1,18) Jesus ist nicht der Geschaffene durch oder mittels des Wortes Gottes, sondern er ist das Wort Gottes selbst, das von Gott ausgeht. (Joh 1,1-2; Kol 1,15).

Diese Stelle muß dem Hohenpriester bekannt gewesen sein, denn: „Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,61-62; vgl. Dan 7,13-14).

  • Jesus ist der Christus,
  • Jesus ist der Sohn Gottes,
  • Jesus ist zur Rechten der Kraft (Gottes),
  • Von dort wird er wiederkommen.

In seiner Pfingstbotschaft bezeugt Petrus die Erhöhung des Christus mit dem gleichen Psalmwort und folgt damit der Auslegung seines Meisters: „Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist (υψωθεις – ypsotheis) und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört, Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (Apg 2,33-36).

Zum Abschluß der Geschichtspredigt vor dem Hohen Rat sieht Stefanus in einer besonderen Vision Jesus als den erhöhten Herrn und ruft voller Begeisterung aus: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,56). Im Augenblick des Märtyrertodes seines treuen und mutigen Dieners steht Jesus vom Thron auf – welche Ermutigung und Ehre für Stefanus den ersten Blut-Zeugen um Jesu Willen!

Jesus ist zur Rechten des Vaters im Himmel – das ist eine Tatsache !

 

Weitere Stellen, welche den erhöhten Christus beschreiben: Phil 2,9-11; Hebr 1,8 (Psalm 45,7-8); Offb 3,21; 20,1.3

12.6 Jesus zur Rechten des Vaters – das bedeutet absolute Vollmacht

 

Es gibt außergewöhnlich viele Textaussagen, welche die hervorragende Stellung des Christus beschreiben. Selbst Jesus betonte gegenüber seinen Jüngern auf dem Berg in Galiläa: „Mir ist gegeben alle Vollmacht (gr. exousi,a exusia) im Himmel und auf Erden.“ (Mt 28,18). Besonders auffällig und inhaltsvoll sind die so genannten Christushymnen der Apostel in denen konkrete Aspekte der Majestät und die erhabene Stellung des Christus hervorgehoben wird.

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Petrus verkündigt gegenüber dem gesamten Volk Israel: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat.“ (Apg 2,36). Der Titel `HERR oder Herr, hebr. Jachwe oder Adonai, gr. ku,rioj kyrios` bezogen auf Gott und den Gesalbten, kommt im Alten Testament mehr als 6000 mal vor. Wenn Petrus diesen Titel auf Jesus bezieht, dann bedeutet es, dass er die absolute Vollmacht besitzt (Ps 110,1). Er ist der von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbte, mit Vollmacht ausgestattete (Jes 42,1ff; 61,1-3).

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Paulus hebt die hohe Stellung des Christus hervor wenn er im Brief an die Philipper schreibt:

  • Darum hat ihn auch Gott erhöht
  • und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
  • dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel
  • und auf Erden und unter der Erde sind,
  • und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9-11).

– Auch hier wird der Titel `Herr` für Jesus hervorgehoben.

– Ebenso sein Name, der über allen Namen ist.

– Er ist würdig der Anbetung.

 

  1. Christushymnus

Paulus schreibt an die Epheser und hebt einige weitere Aspekte der Vollmacht des Christus hervor:

  • (…) und was die überragende Größe seiner Kraft (gr. duna,mewj dynameös) an uns, den Glaubenden, ist,
  • nach (gemäß oder entsprechend) der Wirksamkeit (gr. energei,an energeian) der Macht (gr. kra,touj kratus) seiner Stärke (gr. iscu,oj ischyos). Die hat er in Christus wirksam (gr. enh,rghsen en¢rg¢sen) werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat,
  • hoch über jede Gewalt (gr. arch,j arch¢s)
  • und Macht (gr. exousi,aj exusias)
  • und Kraft (gr. duna,mewj dynameös)
  • und Herrschaft (gr. kurio,thtoj kyriot¢tos)
  • und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird.
  • Und alles hat er seinen Füßen unterworfen
  • und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 
  • die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.“ (Eph 1,19-23 – nach der Elberfelder Übersetzung).

 

  1. Christushymnus

Einen weiteren Lobgesang auf Christus finden wir im Brief an die Hebräer. Er ist der umfassendste und hat zum Hauptinhalt die Gottheit des Christus.

  • Er (Jesus) ist der Abglanz (gr. carakth,r charakt¢r – Charakter, Abdruck) seiner Herrlichkeit
  • und das Ebenbild (gr. eiko,na eikona – Bild) seines Wesens
  • und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort
  • und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden
  • und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe
  • und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum (2.Samuel 7,14): »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«?
  • Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er (Psalm 97,7): »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 
  • Von den Engeln spricht er zwar (Psalm 104,4): »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, aber von dem Sohn (Psalm 45,7-8):
  • » Dein Thron, Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit,
  • und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches.
  • Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit (Gesetzlosigkeit); darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.«
  • Und (Psalm 102,26-28): »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« (Hebr 1,3-12).
  1. Christushymnus
  • Auch der Apostel Petrus fast die Vollmacht des Christus kurz zusammen mit den Worten:
  • Welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel,
  • und es sind ihm untertan die Engel (gr. agge,lwn angelön)
  • und die Gewaltigen (gr. exousi,wn exusiön)
  • und die Mächte (gr. duna,mewn dynameön).“ (1Petr 3,22).

 

  1. Christushymnus

An die Korinther schreibt Paulus, dass Christus nach seiner Erhöhung die absolute Herrschaft angetreten hat und sie erfolgreich abschließen wird nach seiner Wiederkunft und dem Endgericht. Der Text beginnt mit der von Gott festgelegten Reihenfolge der Auferstehung.

Ein jeder aber in seiner Ordnung:

  • als Erstling Christus;
  • danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
  • danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird,
  • nachdem er alle Herrschaft
  • und alle Macht
  • und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, „alles“ sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,23-28).

Jesus zur Rechten der Majestät im Himmel bedeutet – absolute Vollmacht !

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Johannes schreibt in der Offenbarung von Jesus und nennt drei seiner Titel: „Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum wird so selten von dem erhöhten Christus gesprochen oder gepredigt?
  2. Welche Auswirkungen wird es auf die Gläubigen haben, wenn sie sich der Majestät und Erhabenheit des Christus bewusst werden?
  3. Wo kann heute die Vollmacht des Christus erkannt werden? Wie herrscht er und was oder wen beherrscht er?
  4. Welche seiner Vollmachten werden bei seiner Wiederkunft offenbar?

12.7 Jesus zur Rechten des Vaters – sein Mittlerdienst

(Bibeltexte: )

 

Der Dienst von Jesus ist mit seiner Erhöhung keineswegs zu Ende, denn der Schreiber des Hebräerbriefes hebt hervor: „Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester (gr. arciere,aarchierea), der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät (gr. megalosu,nhjmegalosyn¢s – Hoheit, Größe) in den Himmeln.“ (Hebr 8,1). Jesus hat diese höchste Stellung in Gottes Reich nicht zum Selbstzweck eingenommen, sondern um von dort aus seinen vollmächtigen und  alles umfassenden priesterlichen Dienst auszuüben. Damit ist er „ein Diener (gr. leitourgo,jleitourgos – Diener) am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ (Hebr 8,2). Erinnern wir uns an das Geschehen im inneren des Tempels beim Tod von Jesus? Matthäus und Markus vermerken: „Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.“ (Mt 27,51; Mk 15,38). In diesem Augenblick ist Jesus als der wahre Hohepriester mit seinem eigenen Blut als eines unschuldigen und makellosen Lammes (1Petr 1,19) in das himmlische Heiligtum eingegangen, so lesen wir in Hebräer 9,24: „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild (gr. a,nti,tupaantitypa) des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen.“ Ergänzt wird diese Aussage mit: „Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.“ (Hebr 9,12). Damit ist die Bestimmung des aaronitischen Priestertums als eine vorläufige Ordnung, zu Ende gekommen, weil Gott nun eine neue Dienstordnung eingeführt hat, so lesen wir weiter: „Nun aber hat er ein höheres Amt (gr. leitourgi,aj leitourgias – Dienst am Heiligtum) empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. Denn Gott tadelt sie und sagt (Jeremia 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn (gr. dia,noian dianoian – Denken, Verstand), und in ihr Herz (gr. kardi,ajkardias) will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken (gr. mnhstw,mn¢stö).« Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebr 8,6-13). Es ist nicht nur zwecklos für die Zukunft die Errichtung des Tempels in Jerusalem zu erwarten mit all den Opferdiensten durch die Nachkommen Aarons, sondern solch eine Erwartung schmälert den gegenwärtigen Dienst von Jesus, als des von Gott eingesetzten wahren und ewigen Hohenpriesters, der mit seinem Dienst für alle Nationen (beginnend mit Israel) und deren Bedürfnisse als Mittler eintritt. Der ewige  Priesterdienst des Messias wurde schon im Alten Testament, also während der aaronitischen Priesterordnung vorausgesagt: „Denn es wird bezeugt (Psalm 110,4): »Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war; denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen -, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen.“ (Hebr 7,17-19). Dieser Dienst beinhaltet seine Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen, so bestätigt der Apostel Paulus es in 1Timotheus 2,5-6: „Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.

Durch die Predigt des Evangeliums kommen Menschen zum Glauben an Jesus und er kann ihnen als Vermittler, die Rettung durch seine Erlösung zuteilen. „Daher kann er auch für immer selig machen (retten), die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.“ (Hebr 7,25). Die Betonung: „ein Mittler“ (als Zahlwort) schließt alle weiteren sogenannten Heilsvermittler/Vermittlerinnen aus. Nirgendwo in der Schrift wird ein aktiver Vermittlerdienst von verstorbenen Gläubigen erwähnt, doch die noch lebenden Gläubigen an Christus Jesus haben den Auftrag priesterliche Dienste auszuüben, wie Petrus schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1Petr 2,9).

Genau dies tat der Apostel Paulus, der von sich selbst bezeugt: „damit ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden sei, um das Evangelium Gottes priesterlich auszurichten, damit die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den Heiligen Geist.“ (Röm 15,16). Christus teilt, bzw. bezieht seine Nachfolger in seine (priesterlichen) Dienste ein, so lesen wir auch in Offenbarung 1,4-6: „Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen !“ (Weitere Texte, die den Dienst der Fürbitte der ‚Gläubigen hervorheben: Kol 4,12; 1Joh 5,16; Eph 3,14-21;1Tim 2,1; 2Kor 1,11).

Und der Apostel Petrus bezeugte vor dem Hohen Rat: „(…) Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.“ (Apg 5,31).

 

Christus – zur Rechten des Vaters in Priesterwürde und Priesterdienst und dies für alle Ewigkeit !7

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum war der aaronitische Priesterdienst begrenzt? Was war ihm nicht möglich?
  2. Warum ist der priesterliche Mittlerdienst von Jesus so wichtig und was schließt er alles ein?
  3. Hat Jesus bereits zu seinen Lebzeiten diesen Mittlerdienst versehen? Wenn ja, wo ist er erkennbar?
  4. Warum suchen Menschen Mittlerdienste von Verstorbenen?
  5. Inwieweit bezieht Christus die lebenden Gläubigen in seinen Priesterdienst mit ein?
  6. Bleibt der Priesterdienst von Jesus in Ewigkeit oder wird er dort überflüssig sein?

 

12.8 Jesus zur Rechten des Vaters – er herrscht als König und Herr

 

Das Königsein des Messias wurde schon im Alten Testament im Rahmen des Segens an Juda angekündigt, so lesen wir in 1Mose 49,10: „Nicht weicht das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo kommt (der Herrscher kommt, dem der Stab gehört), dem gehört der Gehorsam der Völker.“ (4Mose 24,17; Mt 2,1-2).

Und dem König David (Nachkommen von Juda) ließ der Herr sagen:

Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will. Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. (2Sam 7,11-13; vgl. Jes 9,5-6; Jer 23,5; 30,9; Hes 34,23; 37,24-25; Hos 3,5; Micha 5,1; Mt 2,5-6).

Bei der Ankündigung der Geburt von Jesus verkündigte der Engel Gabriel der Maria:

Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,31-33).

Doch während Jesus seinen Dienst auf dieser Erde versah, vermied er sorgfältig seinen Anspruch auf das Königtum, wahrscheinlich wegen der falschen Erwartung Israels. In nur wenigen Fällen wird der Königstitel offen erwähnt, so nennt ihn Nathanael aus Kana schon bei seiner ersten Begegnung am Jordan: „Rabbi, Du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“ (Joh 1,49). Jesus lehnt weder das eine, noch das andere ab in diesem so spontanem wie auch aufrichtigem Bekenntnis. Nach der Speisung der Fünftausend östlich des Sees von Genezaret, als die Menge ihn zum König küren wollte, wich er dem entschieden aus (Joh 6,14-15). Doch fünf Tage vor seinem Todespassah erfüllte sich die Prophetie des Propheten Sacharia, der da spricht: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9). Dabei konnte ganz Israel seinen König erkennen, denn Jesus ließ die Ehrung zu und nahm die Huldigung vom Volk bewusst an: „Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ (Joh 12,13).

Und im Prozess vor Pilatus bekennt sich Jesus zu seinem Status als König: „da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König.“ (Joh 18,35). Und Jesus fügt hinzu: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36). Aber auch die Schuldtafel am Kreuz über dem Haupt Jesu bezeugte ihn als den König Israels (König der Juden – Lk 23,38). Seine Königsherrschaft drückte sich aus im Sieg

  • über den Satan und seine Dämonen,
  • über die Sünde,
  • über das Böse in jeder Form und Áusprägung,
  • über Krankheiten aller Art,
  • über den Tod !

So gesehen, bestieg Jesus, als der Nachkomme Davids, dessen Thron, allerdings nicht um ein weltliches Reich aufzurichten, sondern das Reich Gottes, das himmlische Königreich und zwar hier und jetzt im inneren des menschlichen Herzens (Lk 17,20-21) welches jedoch große Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat.

Mit seiner Erhöhung zur Rechten des Vaters übt er seither uneingeschränkte Herrschaft aus und wird wie auch Gott der Vater „König aller Könige und Herr aller Herren“ genannt (1Tim 6,15-16: – „welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.“

Und von dem Sohn heißt es: „Die werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie überwinden (besiegen), denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

Und in Offenbarung 19,16 wird von ihm gesagt: „und (er) trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren.“

Jesus bezieht seine Nachfolger in seine Vollmachten mit ein, wenn von ihnen gesagt wird: „(…) und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Offb 1,4-6).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welchen Texten des Alten Testamentes wird das Königtum des Messias vorausgesagt?
  2. Stelle die Verknüpfung von Prophetie und Erfüllung in Bezug auf die Königsherrschaft des Christus her.
  3. Wie sah die Herrschaft des Christus während seines Menschseins aus?
  4. Was und wen beherrscht der Christus heute, während er zur rechten des Vaters ist?
  5. Wie und inwieweit bezieht Jesus seine Nachfolger in seine Herrschaft mit ein?

 

12.9 Jesus zur Rechten des Vaters – die Schöpfung betet an

 

Sechster Christushymnus

Ein sehr bewegender Hymnus auf Christus das Lamm Gottes hat Johannes im Buch der Offenbarung aufgeschrieben.

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied:

Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig,

  • zu nehmen Kraft
  • und Reichtum
  • und Weisheit
  • und Stärke
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Lob.

Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm

  • sei Lob
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier Gestalten sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.“ (Offb 5,6-14).

 

12.10 Jesus zur Rechten des Vaters – Er kommt als Weltrichter

 

Den ersten Hinweiß zum Richteramt Christi finden wir im Judasbrief (14-15), dort wird Bezug genommen auf die Zeit des Henoch und dessen Weissagung:

Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der Siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben.

Im Zusammenhang der Begegnung Abrahams mit dem HERRN in 1Mose 18,25 und der klärenden Aussage von Jesus dazu in Joh 8,56-58 wird deutlich, dass der dem Abraham erschienene HERR, Jesus selbst war in einer Menschengestalt. Dort tritt Abraham vor den Herrn und sagt: „Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?“

Von dem Messias heißt es in Jesaja 2,4: „Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker.

In Jes 42,1 spricht Gott dem Christus richterliche Aufgaben zu: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht (das Gericht) unter die Heiden bringen.

Weitere Stellen aus dem Alten Testament: Psalm 7,9; 9,9; 96,13; 98,9; Jes 33,22.

 

Gerechtigkeit liegt im Wesen Gottes und Gott hat zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise seine Gerechtigkeit durch Urteilen und Richten hergestellt.

 

Die Hinweise auf das Richteramt von Jesus im Neuen Testament:

  • Joh 5,22-24 „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
  • Joh 5,27 „und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.
  • Mt 25,31-46 „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken (Ziegenböcke) scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke (Ziegenböcke) zur Linken.
  • Apg 17,31 „Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
  • 2Tim 4,1 „So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reic.“ (Vergleiche dazu auch 1Petr 4,5).

 

Die Jünger/Apostel Jesu werden in besonderer Weise auch in den Richterdienst des Christus einbezogen:

  • Mt 19,28 „Jesus aber sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

 

In sein richterliches Handeln bezieht Christus auch seine Gemeinde mit ein. Es ist geradezu auffällig, dass die Nachfolger Jesu sogar in diese hohe und verantwortungsvolle Aufgabe miteinbezogen werden, natürlich in einem durch Christus überwachten Rahmen.

  • 1Kor 6,2-3 „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Wie viel mehr über Dinge des täglichen Lebens.“ Doch Vorsicht und Zurückhaltung sind für diese Zeit geboten, denn in 1Kor 4,5 schreibt Paulus:
  • Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.
  • 2Kor 5,10 „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

 

Jesus, als Richter der Welt,- für die einen ist es Trost, weil ihr Recht hergestellt wird, für die anderen Furcht, weil sie ihre gerechte Strafe erhalten werden.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Suche nach Hinweisen im Alten Testament, die sich auf den Richterdienst des Christus beziehen.
  2. Woher wissen wir, dass der Richterdienst im Kompetenzbereich des Christus ist?
  3. Inwieweit sind die Apostel, aber auch die Gemeinde in den Richterdienst einbezogen?
  4. Warum ist Gericht unbedingt notwendig?
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12. Kapitel: Die Erhöhung von Jesus Christus

Vorwort

12.1 Die Erhöhung des Christus wurde vorausgesagt

 

Die Himmelfahrt ist die letzte Etappe im Werk Christi, das mit der Menschwerdung, also mit dem Verlassen des Himmels begonnen hatte und mit dem sich setzen zur Rechten der Majestät in den Himmeln, abgeschlossen war. Das Ereignis der Himmelfahrt ist durch Augenzeugen bestätigt und in zahlreichen Texten des Neuen Testamentes überliefert worden. In den Schriften des Alten Testamentes ist die Erhöhung des Christus vorhergesagt worden, so zum Beispiel in Psalm 110,1: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache«. (vgl. Mt 22,42-44). Im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus sagte Jesus von sich: „Und niemand ist gen Himmel aufgefahren (anabebhken anawew¢ken) außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.“ (Joh 3,13). Jesus kam vom Vater und ging wieder zu ihm zurück. Er sprach am Vorabend seines Todes von der Vollendung des Werkes auf der Erde, welches der Vater ihm gegeben hatte, damit er es tue, so lesen wir in Johannes 17,4: „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.“ Er ist vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen und nun verlässt er wieder diese Welt und geht zurück zum Vater (Joh 16.28).

Nach seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche, begegnete Jesus der Maria aus Magdala und beauftragte sie seinen Jüngern zu sagen: „Ich fahre auf (anabainw anawainö – steige auf) zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh 20,17). Doch blieb Jesus noch 40 Tage bei seinen Jüngern und offenbarte sich ihnen immer wieder an verschiedenen Orten und unter unterschiedlichen Umständen (Apg 1,3-8; Joh 20,1-21,25; Lk 24,1-51; Mt 28,1-20; Mk 16,1-8; 1Kor 15,3ff). Diese Zeit war ausgefüllt mit lehren über das Reich Gottes. Die letzten Anordnungen von Jesus an seine Jünger finden wir aufgeschrieben in Apostelgeschichte 1,4-8; Lukas 24,46-49; Matthäus 28,18-20.

Das für die Jünger sichtbare Ereignis der Himmelfahrt von Jesus ist nur von Lukas festgehalten worden (Lk 24,50-51; Apg 1,9-11). Doch bergen diese Texte in sich wichtige Details, welche wir der Reihe nach betrachten wollen.

 

 

12.2  Der Ort, von wo aus Jesus in den Himmel zurückging

 

Wenn wir dem Text des Matthäus folgen, könnte der Eindruck entstehen, dass Jesus von einem bestimmten Berg in Galiläa in den Himmel gegangen ist (Mt 28,7.10.16). Doch dieser Text sagt nichts aus über die Himmelfahrt von Jesus. Der Berg in Galiläa kann eher der Ort gewesen sein, wo mehr als 500 Brüder den Herrn gleichzeitig sahen (1Kor 15,6). Der historisch interessierte Evangelist Lukas, gibt als Ortsangabe für die Himmelfahrt einmal

  • die Nähe zu Betanien an (Lk 24,50 – „Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien“) und zum anderen
  • die Nähe zu Jerusalem („Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.“ Apg 1,12).

Der Ölberg oder genauer `Berg der Ölbäume` (etwa 816 Meter hoch) liegt zwischen Jerusalem im Westen und Betanien im Osten. Am Westhang des Ölbergs hat sich Jesus oft in einem Garten aufgehalten, der Getsemane genannt wurde. Und nun wählt er diesen Berg, der etwa 60 Meter höher ist als der Tempelberg, um von dort aus in den Himmel zu seinem Vater zurückzukehren. Im Leben und dem Dienst von Jesus gibt es nichts Zufälliges, auch der Ort des Verlassens dieser Erde (dieser Welt) ist bewusst gewählt worden. Die drei wichtigsten Geschehnisse im Leben von Jesus ergeben ein geographisches Dreieck:

  • Bethlehem: Nur acht Kilometer südlich vom Tempel in Jerusalem ist Jesus geboren worden.
  • Golgatha: ca. ein bis zwei Kilometer nordwestlich des Tempels und zwar außerhalb der damaligen Stadtmauer ist Jesus gestorben, begraben worden und glorreich auferstanden aus den Toten.
  • Ölberg/Bethanien: Und nur etwa 2-3 Kilometer östlich des Tempels verließ er diese Welt/Erde, um zu seinem Vater in den Himmel zurückzukehren.

Und all das geschah außerhalb der Heiligen Stadt Jerusalem!

Im Jahre 1910 wurde auf dem Ölberg die sogenannte Himmelfahrtskirche eingeweiht, die mit ihrem hohen Glockenturm von weitem sichtbar ist und erinnert die Bewohner der Stadt, sowie die Pilger heute noch an die Erhöhung des Christus.

 

 

12.3 Die Begriffe mit denen die Erhöhung von Jesus beschrieben wird

Es gibt zahlreiche Texte, welche die Erhöhung Christi in den Himmel erwähnen und beschreiben. Dabei stellen wir fest, dass dieses Ereignis, bzw. dieser Vorgang auch durch verschiedene Begriffe beschrieben wird. Diese Begriffe wollen wir in diesem Abschnitt in ihrem jeweiligen Textzusammenhang der Reihe nach kennenlernen.

  • Bereits in seinen Abschiedsreden machte Jesus deutlich, dass er zum Vater zurückgehen werde. So sagte er seinen Jüngern: „Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin (upagw ypagö) und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai); denn der Vater ist größer als ich.“ (Joh 14,28). Aus diesem Text ist noch nicht erkennbar, wie, auf welche Weise Jesus zu seinem Vater zurückgehen wird.
  • Nach seiner Auferstehung beauftragte der auferstandene Jesus Maria aus Magdala mit den Worten: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren (anabebhka anawew¢ka) zum Vater.  Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17). Jesus steigt aus eigener Kraft/Vollmacht auf in den Himmel.
  • Zum Ende seiner letzten Anweisungen auf dem Ölberg breitete er seine Hände über seine Jünger aus um sie zu segnen. „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich) und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt) gen Himmel.“ (Lk 24,51). Es gab also einen Augenblick in dem er für die Jünger sichtbar und buchstäblich von der Erde abhob. Er verschwand also nicht plötzlich vor ihren Augen, bzw. wurde nicht plötzlich unsichtbar vor ihnen, wie es zum Beispiel im Falle der Emmausjünger geschah. Dort wird der griechische Begriff `afantoj egeneto afantos egeneto – er wurde unsichtbar` verwendet.
  • Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).“ (Apg 1,9). Durch dieses Verb in der Passivform wird die Kraftwirkung des Vaters unterstrichen, ähnlich wie auch bei der Auferstehung von Jesus – „er wurde auferweckt“, eben durch seinen Vater. (Apg 2,24; 3,15; 4,10).
  • Lukas schreibt in der Einleitung zur Apostelgeschichte von dem Wirken Jesu in Tat und Wort: „(…) bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)). Apg 1,2). Auch hier wirkt der Vater beim Aufnehmen seines geliebten Sohnes. Was für ein Augenblick für den Vater im Himmel ! Was für ein Jubeln der Engel in den Himmeln !
  • Die Blicke der Jünger sind nach oben gerichtet: „Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging. (Apg 1,10). Sie konnten sein Emporsteigen eine bestimmte Zeit sichtbar mitverfolgen.
  • Auch die beiden himmlischen Boten sprechen von der Kraftwirkung Gottes des Vaters: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde (analhmfqeij anal¢mfteis).“ Apg 1,11.
  • Petrus erinnert Jahre später an dieses erstaunliche Ereignis der Erhöhung von Jesus in seinem Brief an die Gläubigen in der Zerstreuung: „(…) welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen) gen Himmel.“ (1Petr 3,22).

Ein Begriff reichte also nicht aus, um dieses gewaltige Geschehen der Himmelfahrt von Jesus zu beschreiben.

  1. Ich gehe hin (upagw ypagö)
  2. dass ich zum Vater gehe (pareuomai pareuomai)
  3. aufgefahren (anabebhka anawew¢ka) zum Vater.
  4. Ich fahre auf (anabainw anawainö – ich steige auf) zu meinem Vater.
  5. schied er von ihnen (diesth diest¢ – er entfernte sich, er trennte sich)
  6. und fuhr auf (anefereto anefereto – hinaufgetragen, emporgehoben, hinaufgebracht, hinaufgeführt).
  7. aufgehoben (epirqh epirth¢ – er wurde emporgehoben).
  8. er aufgenommen wurde (anelhmfqh anel¢mft¢)).
  9. er gen Himmel fuhr“ – pareuomenon pareuomenon – hinging, wegging.
  10.  aufgefahren (pareuqeij pareutheis – hingegangen).

Die Jünger sind Augenzeugen eines Ereignisses, welches weit über das hinausging, was ihnen aus dem Alten Testament bekannt war – die Aufnahme des Elia oder des Henoch,

 

 

12.4 Begleiterscheinungen bei der Himmelfahrt von Jesus

Der Evangelist Lukas schreibt:

(…) und eine Wolke (νεφελη – nefele) nahm ihn auf  vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg 1,9-11).

Gott verwendet immer wieder die gleichen Elemente, in diesem Fall die Wolke, ähnlich auch bei der Verklärung auf einem hohen Berg, oder die Wolkensäule in der Wüste. Es ist ein Bergen und auch Verbergen des Göttlichen, Herrlichen, eine Begrenzung des Einblicks für den Menschen in die göttliche Sphäre. Die beiden Männer in weißen Gewändern sind himmlische Boten. Engel sind dienstbare Geister (Hebr 1,14), die aber bei ihrer Erscheinung immer in männlicher Gestalt auftreten. Ihr Auftrag besteht aus zwei Teilen:

Erstens wollen sie die Blickrichtung der Jünger ändern „was seht ihr gen Himmel?“ Der Auftrag ihres Meisters ist erfüllt, der ihre wird erst beginnen. Sie müssen zurück nach Jerusalem.

Zweitens kündigen die Boten die Wiederkunft von Jesus an: „dieser ‚Jesus wird wiederkommen“ und zwar `so` (ουτος – outos – auf diese Weise, auf eine Weise) wie ihr ihn habt gesehen gen Himmel fahren.“

Hat nicht schon Jesus selbst ähnliche Voraussagen gemacht? Im Rahmen der Antworten auf die Fragen seiner Jünger spricht Jesus von seinem Wiederkommen: „Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Mt 24,30). Und auf die Frage des Hohenpriesters Kaiphas: „Bist du der Christus der Sohn des Hochgelobten antwortet Jesus: „Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,62; vgl. Mk 13,26). Damit alle Geschlechter der Erde Ihn sehen können, werden sie alle zuerst auferwekt werden (Joh 5,28-30).

Auch der Apostel Paulus sagt in 1Thessalonicher 4,17 ähnliches voraus: „Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen (den Auferweckten Gläubigen) entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ Die Aussage des Apostels macht auch deutlich, dass die Begegnung mit dem Herrn in den Wolken des Himmels, also in der Luft stattfinden wird. Das heißt, dass Jesus, um seine Gemeinde abzuholen, nicht mehr auf die Erde (Ölberg) herabkommt wird, sondern sie in der Luft in Empfang nehmen wird.

JA, Jesus kommt wieder und zwar auf ähnliche Weise wie er von hier gegangen ist.

  • Er kommt als der Menschensohn,
  • Er kommt sichtbar und erkennbar für alle,
  • Er kommt mit oder in den Wolken des Himmels,
  • Er kommt in Begleitung der Engel.

Die Jünger waren so überwältigt von dem was sie sahen, hörten und erlebten, dass es sie in die Anbetung zog, die Anbetung ihres Meisters, den sie als Gottes Sohn und ihren Herrn anerkannten. „Sie aber beteten ihn an (proskunhsantej auton proskyn¢santes auton – kniefällig anbeten) und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ (Lk 24,52-53).

 

12.5 Jesus zur Rechten des Vaters – das ist eine Tatsache

 

Die Erhöhung von Jesus zur Rechten des Vaters, ist die letzte Wegstrecke im Heilswerk Christi. Die Himmelfahrt selbst dauerte vielleicht nur wenige Minuten, doch das sich setzen zur Rechten des Vaters hat bis heute gewaltige Auswirkungen.

Die folgenden Textaussagen machen einiges deutlich. Beginnen wir mit der Voraussage des Heiligen Geistes durch den König David aus Psalm 110,1: „Ein Psalm Davids.“ Der HERR sprach zu meinem Herrn: / »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« Und damit kein Zweifel entsteht, wem nun diese Aufforderung gilt, hören wir uns die Auslegung von Jesus selbst und seinen Aposteln an. Zum Ende seines Dienstes, bereits in Jerusalem, fragt Jesus die versammelten Pharisäer:

Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?Sie antworteten: Davids. Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege«? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten. (Mt 22,42-46).

Welche Vollmacht in der Auslegung des Wortes der Prophetie aus dem Aten Testament! So weit dachten die Schriftgelehrten aus der Pharisäerpartei wohl doch nicht. Folgendes wird hier deutlich:

  • Der Christus/Messias ist auch Herr (hebr. adonai, gr. kyrios). Dass mit diesem Begriff sowohl im hebräischen als auch im griechischen Sprachgebrauch allgemein auch geachtete Männer angeredet wurden, ändert nichts an der Tatsache, dass Jesus (wenn auch nur indirekt) mit diesem Titel seine Gottessohnschaft hervorhebt.
  • Wenn der Christus nicht Davids Sohn ist, dann ist er Sohn Gottes, denn im zweiten Psalm sagt Gott vom Messias: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt (γεγεννηκα σε – dich gezeugt).“ Jesus ist nicht der Geschaffene durch oder mittels des Wortes Gottes, sondern er ist das Wort Gottes selbst, das von Gott ausgeht. (Joh 1,1-2).

Diese Stelle muß dem Hohenpriester bekannt gewesen sein, denn: „Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“ (Mk 14,61-62).

  • Jesus ist der Christus,
  • Jesus ist der Sohn Gottes,
  • Jesus ist zur Rechten der Kraft (Gottes),
  • Von dort wird er wiederkommen.

In seiner Pfingstbotschaft bezeugt Petrus die Erhöhung des Christus mit dem gleichen Psalmwort und folgt damit der Auslegung seines Meisters: „Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist (υψωθεις – ypsotheis) und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört, Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (Apg 2,33-36).

Zum Abschluß der Geschichtspredigt vor dem Hohen Rat sieht Stefanus in einer besonderen Vision Jesus als den erhöhten Herrn und ruft voller Begeisterung aus: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,56). Im Augenblick des Märtyrertodes seines treuen und mutigen Dieners steht Jesus vom Thron auf – welche Ermutigung und Ehre für Stefanus den ersten Blut-Zeugen um Jesu willen !

Jesus ist zur Rechten des Vaters im Himmel – das ist eine Tatsache !

 

Weitere Stellen, welche den erhöhten Christus Beschreiben: Phil 2,9-11; Hebr 1,8 (Psalm 45,7-8); Offb 3,21; 20,1.3

12.6 Jesus zur Rechten des Vaters – das bedeutet absolute Vollmacht

 

Es gibt außergewöhnlich viele Textaussagen, welche die hervorragende Stellung des Christus beschreiben. Selbst Jesus betonte gegenüber seinen Jüngern auf dem Berg in Galiläa: „Mir ist gegeben alle Vollmacht (gr. exousi,a exusia) im Himmel und auf Erden.“ (Mt 28,18). Besonders auffällig und inhaltsvoll sind die sogenannten Christushymnen der Apostel in denen konkrete Aspekte der Majestät und die erhabenen Stellung des Christus hervorgehoben wird.

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Petrus verkündigt gegenüber dem gesamten Volk Israel: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat.“ (Apg 2,36). Der Titel `HERR oder Herr, hebr. Jachwe oder Adonai, gr. ku,rioj kyrios` bezogen auf Gott und den Gesalbten, kommt im Alten Testament mehr als 7000 mal vor. Wenn Petrus diesen Titel auf Jesus bezieht, dann bedeutet es, dass er die absolute Vollmacht besitzt (Ps 110,1). Er ist der von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbte, mit Vollmacht ausgestattete (Jes 42,1ff; 61,1-3).

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Paulus hebt die hohe Stellung des Christus hervor wenn er im Brief an die Philipper schreibt:

  • Darum hat ihn auch Gott erhöht
  • und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
  • dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel
  • und auf Erden und unter der Erde sind,
  • und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9-11).

– Auch hier wird der Titel `Herr` für Jesus hervorgehoben.

– Ebenso sein Name, der über allen Namen ist.

– Er ist würdig der Anbetung.

 

  1. Christushymnus

Paulus schreibt an die Epheser und hebt einige weitere Aspekte der Vollmacht des Christus hervor:

  • (…) und was die überragende Größe seiner Kraft (gr. duna,mewj dynameös) an uns, den Glaubenden, ist,
  • nach (gemäß oder entsprechend) der Wirksamkeit (gr. energei,an energeian) der Macht (gr. kra,touj kratus) seiner Stärke (gr. iscu,oj ischyos). Die hat er in Christus wirksam (gr. enh,rghsen en¢rg¢sen) werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat,
  • hoch über jede Gewalt (gr. arch,j arch¢s)
  • und Macht (gr. exousi,aj exusias)
  • und Kraft (gr. duna,mewj dynameös)
  • und Herrschaft (gr. kurio,thtoj kyriot¢tos)
  • und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird.
  • Und alles hat er seinen Füßen unterworfen
  • und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 
  • die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.“ (Eph 1,19-23 – nach der Elberfelder Übersetzung).

 

  1. Christushymnus

Einen weiteren Lobgesang auf Christus finden wir im Brief an die Hebräer. Er ist der umfassendste und hat zum Hauptinhalt die Gottheit des Christus.

  • Er (Jesus) ist der Abglanz (gr. carakth,r charakt¢r – Charakter, Abdruck) seiner Herrlichkeit
  • und das Ebenbild (gr. eiko,na eikona – Bild) seines Wesens
  • und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort
  • und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden
  • und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe
  • und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum (2.Samuel 7,14): »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«?
  • Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er (Psalm 97,7): »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 
  • Von den Engeln spricht er zwar (Psalm 104,4): »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, aber von dem Sohn (Psalm 45,7-8):
  • » Dein Thron, Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit,
  • und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches.
  • Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit (Gesetzlosigkeit); darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.«
  • Und (Psalm 102,26-28): »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« (Hebr 1,3-12).
  1. Christushymnus
  • Auch der Apostel Petrus fast die Vollmacht des Christus kurz zusammen mit den Worten:
  • Welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel,
  • und es sind ihm untertan die Engel (gr. agge,lwn angelön)
  • und die Gewaltigen (gr. exousi,wn exusiön)
  • und die Mächte (gr. duna,mewn dynameön).“ (1Petr 3,22).

 

  1. Christushymnus

An die Korinther schreibt Paulus, dass Christus nach seiner Erhöhung die absolute Herrschaft angetreten hat und sie erfolgreich abschließen wird nach seiner Wiederkunft und dem Endgericht. Der Text beginnt mit der von Gott festgelegten Reihenfolge der Auferstehung.

Ein jeder aber in seiner Ordnung:

  • als Erstling Christus;
  • danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
  • danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird,
  • nachdem er alle Herrschaft
  • und alle Macht
  • und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, „alles“ sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,23-28).

Jesus zur Rechten der Majestät im Himmel bedeutet – absolute Vollmacht !

 

  1. Christushymnus

Der Apostel Johannes schreibt in der Offenbarung von Jesus und nennt drei seiner Titel: „Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum wird so selten von dem erhöhten Christus gesprochen oder gepredigt?
  2. Welche Auswirkungen wird es auf die Gläubigen haben, wenn sie sich der Majestät und Erhabenheit des Christus bewusst werden?
  3. Wo kann heute die Vollmacht des Christus erkannt werden? Wie herrscht er und was oder wen beherrscht er?
  4. Welche seiner Vollmachten werden bei seiner Wiederkunft offenbar?

12.7 Jesus zur Rechten des Vaters – sein Mittlerdienst

(Bibeltexte: )

 

Der Dienst von Jesus ist mit seiner Erhöhung keineswegs zu Ende, denn der Schreiber des Hebräerbriefes hebt hervor: „Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester (gr. arciere,aarchierea), der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät (gr. megalosu,nhjmegalosyn¢s – Hoheit, Größe) in den Himmeln.“ (Hebr 8,1). Jesus hat diese höchste Stellung in Gottes Reich nicht zum Selbstzweck eingenommen, sondern um von dort aus seinen vollmächtigen und  alles umfassenden priesterlichen Dienst auszuüben. Damit ist er „ein Diener (gr. leitourgo,jleitourgos – Diener) am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ (Hebr 8,2). Erinnern wir uns an das Geschehen im inneren des Tempels beim Tod von Jesus? Matthäus und Markus vermerken: „Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.“ (Mt 27,51; Mk 15,38). In diesem Augenblick ist Jesus als der wahre Hohepriester mit seinem eigenen Blut als eines unschuldigen und makellosen Lammes (1Petr 1,19) in das himmlische Heiligtum eingegangen, so lesen wir in Hebräer 9,24: „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild (gr. a,nti,tupaantitypa) des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen.“ Ergänzt wird diese Aussage mit: „Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.“ (Hebr 9,12). Damit ist die Bestimmung des aaronitischen Priestertums als eine vorläufige Ordnung, zu Ende gekommen, weil Gott nun eine neue Dienstordnung eingeführt hat, so lesen wir weiter: „Nun aber hat er ein höheres Amt (gr. leitourgi,aj leitourgias – Dienst am Heiligtum) empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. Denn Gott tadelt sie und sagt (Jeremia 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn (gr. dia,noian dianoian – Denken, Verstand), und in ihr Herz (gr. kardi,ajkardias) will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken (gr. mnhstw,mn¢stö).« Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebr 8,6-13). Es ist nicht nur zwecklos für die Zukunft die Errichtung des Tempels in Jerusalem zu erwarten mit all den Opferdiensten durch die Nachkommen Aarons, sondern solch eine Erwartung schmälert den gegenwärtigen Dienst von Jesus, als des von Gott eingesetzten wahren und ewigen Hohenpriesters, der mit seinem Dienst für alle Nationen (beginnend mit Israel) und deren Bedürfnisse als Mittler eintritt. Der ewige  Priesterdienst des Messias wurde schon im Alten Testament, also während der aaronitischen Priesterordnung vorausgesagt: „Denn es wird bezeugt (Psalm 110,4): »Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war; denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen -, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen.“ (Hebr 7,17-19). Dieser Dienst beinhaltet seine Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen, so bestätigt der Apostel Paulus es in 1Timotheus 2,5-6: „Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.

Durch die Predigt des Evangeliums kommen Menschen zum Glauben an Jesus und er kann ihnen als Vermittler, die Rettung durch seine Erlösung zuteilen. „Daher kann er auch für immer selig machen (retten), die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.“ (Hebr 7,25). Die Betonung: „ein Mittler“ (als Zahlwort) schließt alle weiteren sogenannten Heilsvermittler/Vermittlerinnen aus. Nirgendwo in der Schrift wird ein aktiver Vermittlerdienst von verstorbenen Gläubigen erwähnt, doch die noch lebenden Gläubigen an Christus Jesus haben den Auftrag priesterliche Dienste auszuüben, wie Petrus schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1Petr 2,9).

Genau dies tat der Apostel Paulus, der von sich selbst bezeugt: „damit ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden sei, um das Evangelium Gottes priesterlich auszurichten, damit die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den Heiligen Geist.“ (Röm 15,16). Christus teilt, bzw. bezieht seine Nachfolger in seine (priesterlichen) Dienste ein, so lesen wir auch in Offenbarung 1,4-6: „Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen !“ (Weitere Texte, die den Dienst der Fürbitte der ‚Gläubigen hervorheben: Kol 4,12; 1Joh 5,16; Eph 3,14-21;1Tim 2,1; 2Kor 1,11).

Und der Apostel Petrus bezeugte vor dem Hohen Rat: „(…) Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.“ (Apg 5,31).

 

Christus – zur Rechten des Vaters in Priesterwürde und Priesterdienst und dies für alle Ewigkeit !7

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum war der aaronitische Priesterdienst begrenzt? Was war ihm nicht möglich?
  2. Warum ist der priesterliche Mittlerdienst von Jesus so wichtig und was schließt er alles ein?
  3. Hat Jesus bereits zu seinen Lebzeiten diesen Mittlerdienst versehen? Wenn ja, wo ist er erkennbar?
  4. Warum suchen Menschen Mittlerdienste von Verstorbenen?
  5. Inwieweit bezieht Christus die lebenden Gläubigen in seinen Priesterdienst mit ein?
  6. Bleibt der Priesterdienst von Jesus in Ewigkeit oder wird er dort überflüssig sein?

 

12.8 Jesus zur Rechten des Vaters – er herrscht als König und Herr

 

Das Königsein des Messias wurde schon im Alten Testament im Rahmen des Segens an Juda angekündigt, so lesen wir in 1Mose 49,10: „Nicht weicht das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo kommt (der Herrscher kommt, dem der Stab gehört), dem gehört der Gehorsam der Völker.“ (4Mose 24,17; Mt 2,1-2).

Und dem König David (Nachkommen von Juda) ließ der Herr sagen:

Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will. Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. (2Sam 7,11-13; vgl. Jes 9,5-6; Jer 23,5; 30,9; Hes 34,23; 37,24-25; Hos 3,5; Micha 5,1; Mt 2,5-6).

Bei der Ankündigung der Geburt von Jesus verkündigte der Engel Gabriel der Maria:

Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,31-33).

Doch während Jesus seinen Dienst auf dieser Erde versah, vermied er sorgfältig seinen Anspruch auf das Königtum, wahrscheinlich wegen der falschen Erwartung Israels. In nur wenigen Fällen wird der Königstitel offen erwähnt, so nennt ihn Nathanael aus Kana schon bei seiner ersten Begegnung am Jordan: „Rabbi, Du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“ (Joh 1,49). Jesus lehnt weder das eine, noch das andere ab in diesem so spontanem wie auch aufrichtigem Bekenntnis. Nach der Speisung der Fünftausend östlich des Sees von Genezaret, als die Menge ihn zum König küren wollte, wich er dem entschieden aus (Joh 6,14-15). Doch fünf Tage vor seinem Todespassah erfüllte sich die Prophetie des Propheten Sacharia, der da spricht: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9). Dabei konnte ganz Israel seinen König erkennen, denn Jesus ließ die Ehrung zu und nahm die Huldigung vom Volk bewusst an: „Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ (Joh 12,13).

Und im Prozess vor Pilatus bekennt sich Jesus zu seinem Status als König: „da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König.“ (Joh 18,35). Und Jesus fügt hinzu: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36). Aber auch die Schuldtafel am Kreuz über dem Haupt Jesu bezeugte ihn als den König Israels (König der Juden – Lk 23,38). Seine Königsherrschaft drückte sich aus im Sieg

  • über den Satan und seine Dämonen,
  • über die Sünde,
  • über das Böse in jeder Form und Áusprägung,
  • über Krankheiten aller Art,
  • über den Tod !

So gesehen, bestieg Jesus, als der Nachkomme Davids, dessen Thron, allerdings nicht um ein weltliches Reich aufzurichten, sondern das Reich Gottes, das himmlische Königreich und zwar hier und jetzt im inneren des menschlichen Herzens (Lk 17,20-21) welches jedoch große Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat.

Mit seiner Erhöhung zur Rechten des Vaters übt er seither uneingeschränkte Herrschaft aus und wird wie auch Gott der Vater „König aller Könige und Herr aller Herren“ genannt (1Tim 6,15-16: – „welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.“

Und von dem Sohn heißt es: „Die werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie überwinden (besiegen), denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“ (Offb 17,14).

Und in Offenbarung 19,16 wird von ihm gesagt: „und (er) trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren.“

Jesus bezieht seine Nachfolger in seine Vollmachten mit ein, wenn von ihnen gesagt wird: „(…) und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Offb 1,4-6).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welchen Texten des Alten Testamentes wird das Königtum des Messias vorausgesagt?
  2. Stelle die Verkmüpfung von Prophetie und Erfüllung in Bezug auf die Königsherrschaft des Christus her.
  3. Wie sah die Herrschaft des Christus während seines Menschseins aus?
  4. Was und wen beherrscht der Christus heute, während er zur rechten des Vaters ist?
  5. Wie und inwieweit bezieht Jesus seine Nachfolger in seine Herrschaft mit ein?

 

12.9 Jesus zur Rechten des Vaters – die Schöpfung betet an

 

Sechster Christushymnus

Ein sehr bewegender Hymnus auf Christus das Lamm Gottes hat Johannes im Buch der Offenbarung aufgeschrieben.

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied:

Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig,

  • zu nehmen Kraft
  • und Reichtum
  • und Weisheit
  • und Stärke
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Lob.

Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm

  • sei Lob
  • und Ehre
  • und Preis (Verherrlichung)
  • und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier Gestalten sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.“ (Offb 5,6-14).

 

12.10 Jesus zur Rechten des Vaters – Er kommt als Weltrichter

 

Den ersten Hinweiß zum Richteramt Christi finden wir im Judasbrief (14-15), dort wird Bezug genommen auf die Zeit des Henoch und dessen Weissagung:

Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der Siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben.

Im Zusammenhang der Begegnung Abrahams mit dem HERRN in 1Mose 18,25 und der klärenden Aussage von Jesus dazu in Joh 8,56-58 wird deutlich, dass der dem Abraham erschienene HERR, Jesus selbst war in einer Menschengestalt. Dort tritt Abraham vor den Herrn und sagt: „Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?“

Von dem Messias heißt es in Jesaja 2,4: „Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker.

In Jes 42,1 spricht Gott dem Christus richterliche Aufgaben zu: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht (das Gericht) unter die Heiden bringen.

Weitere Stellen aus dem Alten Testament: Psalm 7,9; 9,9; 96,13; 98,9; Jes 33,22.

 

Gerechtigkeit liegt im Wesen Gottes und Gott hat zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise seine Gerechtigkeit durch Urteilen und Richten hergestellt.

 

Die Hinweise auf das Richteramt von Jesus im Neuen Testament:

  • Joh 5,22-24 „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
  • Joh 5,27 „und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.
  • Mt 25,31-46 „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken (Ziegenböcke) scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke (Ziegenböcke) zur Linken.
  • Apg 17,31 „Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
  • 2Tim 4,1 „So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reic.“ (Vergleiche dazu auch 1Petr 4,5).

 

Die Jünger/Apostel Jesu werden in besonderer Weise auch in den Richterdienst des Christus einbezogen:

  • Mt 19,28 „Jesus aber sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

 

In sein richterliches Handeln bezieht Christus auch seine Gemeinde mit ein. Es ist geradezu auffällig, dass die Nachfolger Jesu sogar in diese hohe und verantwortungsvolle Aufgabe miteinbezogen werden, natürlich in einem durch Christus überwachten Rahmen.

  • 1Kor 6,2-3 „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Wie viel mehr über Dinge des täglichen Lebens.“ Doch Vorsicht und Zurückhaltung sind für diese Zeit geboten, denn in 1Kor 4,5 schreibt Paulus:
  • Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.
  • 2Kor 5,10 „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

 

Jesus, als Richter der Welt,- für die einen ist es Trost, weil ihr Recht hergestellt wird, für die anderen Furcht, weil sie ihre gerechte Strafe erhalten werden.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Suche nach Hinweisen im Alten Testament, die sich auf den Richterdienst des Christus beziehen.
  2. Woher wissen wir, dass der Richterdienst im Kompetenzbereich des Christus ist?
  3. Inwieweit sind die Apostel, aber auch die Gemeinde in den Richterdienst einbezogen?
  4. Warum ist Gericht unbedingt notwendig?

 

 

 

 

Anhänge

Anhang

 

Beschnedung

 

Die Details einer Beschneidung heute:

Die Beschneidung muss am 8. Tag nach der Geburt des Jungen stattfinden, auch wenn Sabbat oder Jom Kippur ist, denn sie gilt als das wichtigste aller Gebote.

Rabbiner erklären im Talmud, dass die Beschneidung Vorrang vor allen anderen Geboten der Tora hat, dabei ist keine Ausnahme erlaubt. Während der Zeremonie müssen 10 jüdische Männer als Vertreter der Gemeinde anwesend sein. Der Prophet Elia ist als unsichtbarer Ehrengast dabei. Wenn der Junge nicht gesund oder eine Frühgeburt ist, wird die Beschneidung verschoben und am 8. Tag nach der Gesundung vollzogen. Nicht nur Säuglinge, sondern auch erwachsene Männer, die zum Judentum übertreten, müssen beschnitten werden. Bei der Beschneidung wird die Vorhaut des männlichen Gliedes entfernt.

Die Zeremonie beginnt, wenn der festlich gekleidete Knabe in die Synagoge getragen wird. Wenn dieser angekommen ist, erheben sich alle Anwesenden und rufen:

„Gesegnet, der da kommt!”

Der Mohel (religiöser und medizinischer Beschneidungsspezialist) legt das Kind auf den „Elias-Stuhl” und sagt:

„Dies sei der Stuhl für Elia, zum Guten sei seiner gedacht. – Auf deine Hilfe hoffe ich, Ewiger. Ich harre auf deine Hilfe, Ewiger, deine Gebote erfülle ich. Elia, des Bundes Engel, auf ihn sind wir vorbereitet. Er stehe zu meiner Rechten und stütze mich. Ich harre auf deine Hilfe, Ewiger. Ich freue mich über dein Wort wie einer, der reiche Beute gefunden. Reicher Friede denen, die deine Tora lieben, sie straucheln nicht. Heil dem, den du erwählst und dir nahen lässt, dass er in deinen Höfen wohne.”

Die Anwesenden antworten:

„Mögen wir erquickt werden mit der Seligkeit deines Hauses, der Heiligkeit deines Tempels.”

Danach übernimmt die Kvaterin (Patin) das Kind von der Mutter und übergibt es dem Kvater (Pate). Dieser reicht den Knaben dem Vater und er gibt den Jungen dem Sandak (2. Pate), der auf einen für ihn bereitgestellten Stuhl sitzt. Der Ehemann darf das Kind nicht unmittelbar aus den Händen der Mutter nehmen, da diese noch von der Geburt her als religiös/rituell unrein gilt.

Der Mohel spricht daraufhin:

„Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch deine Gebote und uns die Beschneidung befohlen.”

Dann entfernt er die Vorhaut am Penis des Knaben. Dazu verwendet er ein Beschneidungsmesser; einen Kamm zur Ablösung der Vorhaut von der Eichel und den Schild (Magen), der die Eichel vor Verletzungen schützt.
Nach der Beschneidung spricht der Vater des Kindes:

„Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, den Sohn in den Bund unseres Vaters Abraham aufzunehmen.”

Die Anwesenden sprechen dann:

„Wie er in den Bund eingeführt worden, so möge er in der Tora, in die Ehe und die Ausübung guter Werke eingeführt werden.”

Danach wird der hebräische Name des Knaben laut verkündet und das Pflichtmahl vollzogen. Hierbei wird das Neugeborene beschenkt und gesegnet mit dem Spruch:

„Er wachse heran zur Tora, zur Chuppa (dem „Traubaldachin” = die Hochzeit) und zu guten Werken.”

Dieser Spruch wird auf den Torawimpel gestickt oder gemalt. Der Wimpel wird aus der Beschneidungswindel hergestellt. Der Junge stiftet diesen bei seinem ersten Synagogenbesuch der Gemeinde.

 

Gebet

„Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde – sein Reich erstehe in eurem Leben in euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel, schnell und in nächster Zeit, sprecht: Amen! Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen und gerühmt, verherrlicht, erhoben, erhöht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei der Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch über jedem Lob und Gesang, jeder Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gesprochen wurde, sprecht Amen.

Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden, sprecht Amen.

Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, er stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprecht Amen.“

 

Hier möchten wir auch auf das bekannte 18-Bitten-Gebet der jüdischen Tradition sehen:

1.     Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs, großer starker und furchtbarer Gott, der du beglückende Wohltaten erweisest und Eigner des Alls bist, der du der Frömmigkeit der Väter gedenkst und einen Erlöser bringst ihren Kindeskindern um deines Namens willen in Liebe. König, Helfer, Retter und Schild! Gelobt seist du, Ewiger, Schild Abrahams!

2.     Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr, belebst die Toten, du bist stark zum Helfen. Du ernährst die Lebenden mit Gnade, belebst die Toten in großem Erbarmen, stützest die Fallenden, heilst die Kranken, befreist die Gefesselten und hältst die Treue denen, die im Staube schlafen. Wer ist wie du, Herr der Allmacht, und wer gleichet dir, König, der du tötest und belebst und Heil aufsprießen lässt. Und treu bist du, die Toten wieder zu beleben. Gelobt seist du, Ewiger, der du die Toten wieder belebst!

3.     Du bist heilig, und dein Name ist heilig, und Heilige preisen dich jeden Tag. Sela! Gelobt seist du, Ewiger, heiliger Gott!

4.     Du begnadest den Menschen mit Erkenntnis und lehrst den Menschen Einsicht, begnade uns von dir mit Erkenntnis, Einsicht und Verstand. Gelobt seist du, Ewiger, der du mit Erkenntnis begnadest!

5.     Führe uns zurück, unser Vater, zu deiner Lehre, und bringe uns, unser König, deinem Dienst nahe und lass uns in vollkommener Rückkehr zu dir zurückkehren. Gelobt seist du, Ewiger, der du an der Rückkehr Wohlgefallen hast!

6.     Verzeihe uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt, vergib uns, unser König, denn wir haben gefrevelt, denn du vergibst und verzeihst. Gelobt seist du, Ewiger, der du gnädig immer wieder verzeihst!

7.     Schaue auf unser Elend, führe unseren Streit und erlöse uns rasch um deines Namens willen, denn du bist ein starker Erlöser. Gelobt seist du, Ewiger, der du Israel erlösest!

8.     Heile uns, Ewiger, dann sind wir geheilt, hilf uns, dann ist uns geholfen, denn du bist unser Ruhm, und bringe vollkommene Heilung allen unseren Wunden, denn Gott, König, ein bewährter und barmherziger Arzt bist du. Gelobt seist du, Ewiger, der du die Kranken deines Volkes Israel heilst!

9.     Segne uns, Ewiger, unser Gott, dieses Jahr und alle Arten seines Ertrages zum Guten, gib Segen der Oberfläche der Erde, sättige uns mit deinem Gute und segne unser Jahr wie die guten Jahre. Gelobt seist du, Ewiger, der du die Jahre segnest!

10.   Stoße in das große Schofar zu unserer Befreiung, erhebe das Panier, unsere Verbannten zu sammeln, und sammle uns insgesamt von den vier Enden der Erde. Gelobt seist du, Ewiger, der du die Verstoßenene deines Volkes Israel sammelst!

11.   Bringe uns unsere Richter wieder wie früher und unsere Ratgeber wie ehedem, entferne uns von Seufzen und Klage, regiere über uns, Ewiger, allein in Gnade und Erbarmen und rechtfertige uns im Gericht. Gelobt seist du, Ewiger, König, der du Gerechtigkeit und Recht liebst!

12.   Den Verleumndern sei keine Hoffnung, und alle Ruchlosen mögen im Augenblick untergehen, alle mögen sie rasch ausgerottet werden, und die Trotzigen schnell entwurzle, zerschmettre, wirf nieder und demütige sie schnell in unseren Tagen. Gelobt seist du Ewiger, der du die Feinde zerbrichst und die Trotzigen demütigst!

13.   Über die Gerechten, über die Frommen, über die Ältesten deines Volkes, des Hauses Israel, über den Überrest ihrer Gelehrten, über die frommen Proselyten und über uns sei dein Erbarmen rege, Ewiger, unser Gott, gib guten Lohn allen, die auf deinen Namen in Wahrheit vertrauen, und gib unseren Anteil mit dem ihrigen zusammen in Ewigkeit, dass wir nicht zuschanden werden, denn auf dich vertrauen wir. Gelobt seist du, Ewiger, Stütze und Zuversicht der Frommen!

14.   Nach deiner Stadt Jerusalem kehre in Erbarmen zurück, wohne in ihr, wie du gesprochen, erbaue sie bald in unseren Tagen als ewigen Bau, und Davids Thron gründe schnell in ihr. Gelobt seist du, ewiger, der du Jerusalem erbaust!

15.   Den Sprößling deines Knechtes David lass rasch emporsprießen, sein Horn erhöhe durch deine Hilfe, denn auf deine Hilfe hoffen wir den ganzen Tag. Gelobt seist du, Ewiger, der das Horn der Hilfe emporsprießen lässt!

16.   Höre unsere Stimme, Ewiger, unser Gott, schone und erbarme dich über uns, nimm mit Erbarmen und Wohlgefallen unser Gebet an, denn Gott, der du Gebete und Flehen erhörst, bist du, weise uns, unser König, nicht leer von dir hinweg. Denn du erhörst das Gebet deines Volkes Israel in Erbarmen. Gelobt seist du, Ewiger, der du das Gebet erhörst!

17.   Habe Wohlgefallen, Ewiger, unser Gott, an deinem Volke Israel und ihrem Gebete, und bringe den Dienst wieder in das Heiligtum deines Hauses, und die Feueropfer Israels und ihr Gebet nimm in Liebe auf mit Wohlgefallen, und zum Wohlgefallen sei beständig der Dienst deines Volkes Israel. Und unsere Augen mögen schauen, wenn du nach Zion zurückkehrst in Erbarmen. Gelobt seist du, Ewiger, der seine Majestät nach Zion zurückbringt!

18.   Wir danken dir, denn du bist der Ewige, unser Gott und der Gott unserer Väter, immer und ewig, der Fels unseres Lebens, der Schild unseres Heils bist du von Geschlecht zu Geschlecht. Wir wollen dir danken und deinen Ruhm erzählen für unser Leben, das in deine Hand gegeben, und unsere Seelen, die dir anvertraut, und deine Wunder, die uns täglich zuteil werden, und deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit, abends, morgens und mittags. Allgütiger, dein Erbarmen ist nie zu Ende, Allbarmherziger, deine Gnade hört nie auf, von je hoffen wir auf dich. Für alles sei dein Name gepriesen und gerühmt, unser König, beständig und immer und ewig. Alle Lebenden danken dir, Sela, und rühmen deinen Namen in Wahrheit, Gott unserer Hilfe und unseres Beistandes, Sela! Gelobt seist du, Ewiger, Allgütiger ist dein Name, und dir ist schön zu danken!

19.   Verleihe Frieden, Glück und Segen, Gunst und Gnade und Erbarmen uns und ganz Israel, deinem Volke, segne uns, unser Vater, uns alle vereint durch das Licht deines Angesichts, denn im Lichte deines Angesichtes, gabst du uns, Ewiger, unser Gott, die Lehre des Lebens und die Liebe zum Guten, Heil und Segen, Barmherzigkeit, Leben und Frieden, und gut ist es in deinen Augen, dein Volk Israel zu jeder Zeit und jeder Stunde mit deinem Frieden zu segnen. Gelobt seist du, Ewiger, der du dein Volk Israel mit Frieden segnest! Das Gebet hat 19 Bitten, da die 14. Bitte auf zwei Bitten verteilt wurde – ohne den Titel des Gebets zu ändern.

Aus: Sidur Sefar Emet (Jüdisches Gebetsbuch), Basel 1964, S.40ff

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9. Kapitel: Die siebte Dienstperiode – Jesus in Jerusalem und Judäa

Vorwort

In diesen Abschnitten begleiten wir Jesus auf seiner Reise nach Jerusalem zum Laubhüttenfest

9.1 Jesus kommt auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem an

(Bibeltext: Joh 7,10-53)

 

Im Herbst des Jahres 32, als das Laubhüttenfest (3Mose 23,34) schon im Gange war, es ging eine Woche lang, kommt Jesus auf dem Weg durch Samarien mit seinen Jüngenr in Jerusalem an und geht sofort in den Tenpel (Joh 7,10f). Jesus kommt sozusagen in der Mitte des Festes ganz überraschend an. Im folgenden Text fällt auf, das das Hauptgesprächsthema auf dem Fest die Person Jesu ist. Die Menge der Festpilger setzt sich aus Menschen zusammen, die unterschiedliche, ja zum Teil gegensätzliche Positionen in Bezug auf die Person Jesu beziehen. Folgende Gruppen werden im Text genannt:

  • Die Juden allgemein,
  • Die Schriftgelehrten,, die kamen meist aus der Partei der Pharisäer,
  • Die Pharisäer,- fromme und strenggläubige Juden,
  • Die Ältesten aus dem Rat der siebzig,
  • Die Hohenpriester,- sie waren haptsächlich aus der Partei der Sadduzäer, also mehr eine politische und theologisch diesseits bezogene liberale Gruppeierung,
  • Die Diener oder Tempelwache,- sie unterstanden dem Hohenpriester,
  • Die Gruppe der Beführworter Jesu aus dem Volk,
  • Die Gruppe der Gegner Jesu aus dem Volk,
  • Nikodemus, frommer Pfarisäer und Ratsmitglied, der für Jesus eintritt,
  • Die Jünger Jesu und seine Brüder treten nicht in Erscheinung, bzw. beteiligen sich nicht an der Diskussion, werden gar nicht genannt, sie sind jedoch dabei.

 

Dass dieser Auftritt von Jesus während eines jüdischen Festes und dazu noch im Tempel in Jerusalem stattfindet, macht das Ganze zu einer öffentlichen und sogar offiziellen Veranstaltung.

Im Grunde geht es um die Frage: Wer ist dieser Jesus von Nazaret? Weil Jesus in Nazaret aufgewachsen ist, bestand die allgemeine Ansicht im Volk, er wäre auch dort geboren worden. Es gab wohl niemand, der sich noch an die Geburt dieses Jesus in Betlehem vor 32 Jahren erinnern konnte, oder wollte. Es gibt auch keinen Hinweiss in den Evangelien darüber, dass Jesus seinen Geburtsort aufgesucht hätte. Und auch Jesus selbst unternimmt keinen Versuch, seine (Geburtsurkunde) vorzuzeigen um vor aller Augen den Beweiß seiner messianischen Herkunft aus Betlehem zu belegen.

 

So endet die Debatte im höchsten jüdischen Gremium mit der Unklarheit über die Herkunft von Jesus sozusagen ergebnislos (Joh 7,53).

 

Bei diesem öffentlichem Auftreten von Jesus heißt es, dass Jesus lehrte. Und er lehrte aus den Schriften des Alten Testamentes. Damit löste er Verwunderung beim Volk aus über seine Kenntnisse, Erkenntnisse und die Weisheit, welche bei der Deutung der Schriften deutlich wurden (Joh 7,15).

Während er lehrt, unterhalten sich die Leute, stellen Fragen, reagieren, kurzum es geht sehr lebhaft zu. Jesus muss sich zum Teil laut rufend Gehör verschaffen (Joh 7,37).

 

Folgende Fragen helfen uns bei der Betrachtung des Textes:

  1. Warum suchten die Juden Jesus auf dem Fest (Vers 11)?
  2. Welche Meinungen vertraten die Menschen über Jesus (Vers 12)?
  3. Wie wird die Furcht der Menschen vor den Juden begründet (Vers 13)? Ist freie Menungsbildung nicht erlaubt?
  4. Warum geht Jesus erst zur Mitte der Festtage in den Tempel hinauf (Vers 14)?
  5. Auch wir fragen, woher hat Jesus solche Weisheit, wo hat er gelernt (Vers 15)?
  6. Jesu Lehre ist eng mit dem Verbunden, der ihn gesandt hat (Verse 16-17).
  7. Warum ist das Erkennen vom Tun des Willens Gottes abhängig?
  8. Wer sucht seine eigene Ehre, wer die Ehre dessen, der ihn gesandt hat? Welches Prinzip liegt dem Zugrunde (Vers 18)?

Jesus steht in einer Diskussion mit den Juden. Er bleibt beim Thema und geht zum Angriff über. Die Juden selbst, als Gesetzestreue (Bibeltreue) übertreten ständig das Gesetz mit dem sie sich rühmen. Ja, Jesus bescheinigt ihnen sogar, dass sie alle Gesetzesübertreter sind. Doch sie sind keine fäire Diskussionspartner, sie werden ausfällig mit ihrem groben und unberechtigtem Vorwurf. Doch Jesus bleibt ruhig, er lässt sich nicht provozieren (Vers 20). Es fällt auf, dass diese unbegründete Behauptung vom Volk ausgesprochen wird (du hast einen Dämon).

 

Vers 21 – Jesus wird nun konkret. Er verweist auf die Heilung eines Menschen (am Sabbat) und betont, dass eieser Mensch ganzheitlich gesund wurde. Die Juden beschneiden aber jeden Jungen wenn er acht Tage alt ist, ohne Rücksicht auf den Sabbat, an dem doch keine Arbeit erlaubt ist. Und Jesus fragt mit Recht, wo bleibt die Logik, wo bleibt das gerechte Urteil. Warum werden zweierlei Maß angelegt.

 

Nun wirkt sich diese offene Diskusion für Jesus positiv aus, denn einige Jerusalemer-Bürger fragen sich untereinander, warum denn die Oberen nicht eingreifen, kommt vielleicht doch die Erkenntnis durch, dass dieser der Christus sei? Doch sie geben sich selbst die Antwort: „Woher dieser ist, wissen wir, wenn aber der Christus kommen wird, wird niemand wissen, woher er kommt“.

Welche Vorstellung von Christus hatten diese Jerusalemer? Kannten sie nicht die Schriften über den Messias? Warum haben sie nicht nachgeforscht?

Jesus wird laut, er rief laut: „ihr kennt mich und wisst woher ich komme.? Und von mir selber bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt.“ Was! Die Menschen, die vor ihm stehen kennen Gott nicht?

Ein weiterer Versuch ihn zu greifen misslingt, vielleicht weil seine Stunde noch nicht gekommen war. Gott wacht über das Geschehen, es entgleitet ihm nichts aus der Hand.

 

Vers 31 Die Reaktion auf die Lehre (in Form eines Dialoges, Diskussion und Argumentation) bleibt nicht aus, sie fällt positiv aus, viele aus dem Volk öffnen sich und glauben an ihn als den Messias trotz der Gefahr von den Ältesten der Juden in den Bann getan zu werden. Die Wunderwerke Jesu und seine überzeugende Art in der Lehre weckte Glauben in ihnen.

 

Die Priester bekommen es mit, dass sich das Blatt wendet und viele vom Volk sich zu Jesus bekennen. Dies wollen sie mit allen Mitteln verhindern. Die Hohenpriester  schicken Diener mit dem klaren Auftrag Jesus zu ergreifen. Doch Jesus flieht nicht, er zieht sie in weitere geheimnisvolle Äußerungen ein. „Es dauert nicht mehr lange (kleine Zeit) dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat.“ „Ihr werdet mich suchen und nicht finden“.

Mit ihrem natürlichen Denken begreifen sie nicht, was Jesus meint. Es fällt geradezu auf, dass Jesus immer wieder rätzelhaft redet, für seine Zuhörer nicht eindeutig klar, verständlich. Sie müssen nachdenken, überlegen, was sagt er, wie meint er das, wie soll man ihn verstehen?

Nun wendet sich Jesus dieser neuen Gruppe von Gläubigen zu

 

Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen mitten auf den Feldern und will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen“ (Jes 41,18). „Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen“ (Jes 44,3),

 

 

9.2 Was kostet das ewige Leben und wer ist mein Nächster?

(Lk 10,25-37)

 

Diese Geschichte ist nicht zu verwechseln mit der aus Lukas 18,18 in der ebenfalls die Frage nach dem ewigen Leben gestellt wurde

9.2.1 Was muß ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18).

Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben“ (Lk 10,25-30).

 

9.2.2 Wer ist denn mein Nächster?

Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.

31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;

34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?

37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

 

Fragen:

1.

2.dd

3.

4.

5.

 

 

9.3 Jesus im Haus der Martha in Bethanien

(Bibeltext: Lk 10,38-42)

 

Der Evangelist Lukas schreibt:

Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, dass er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen Marta nahm ihn auf. Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. Marta aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfe! Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird. (Lk 10,38-42)

Diese Begebenheit zählt zu dem sogenannten Sondergut des Lukas. Während die Evangelisten Matthäus, Markus und Johannes auch noch von der Salbung in Bethanien durch Maria berichten, hat Letzterer auch noch das Wunder der Auferweckung des Lazarus in seinem  Bericht aufgezeichnet. Auch in diesem Fall ergänzen die Evangelisten einander so dass wir einen gewissen Einblick in die Familiensituation von Martha bekommen können.

Das Dorf Bethanien (heute Al-Eizariva) liegt am Weg, der hinab nach Jericho führt, etwa fünfzehn Stadien = 2,8 Kilometer südöstlich von Jerusalem entfernt (Joh 11,18; 12,1; Lk 19,29).

Wir ordnen diesen ersten Besuch in Bethanien in den Herbst 32 n. Chr. ein, also nach dem Laubhüttenfest (Joh 7,1ff), obwohl sich diese Geschichte auch bei einem der früheren Jerusalembesuchen ereignet haben könnte.

Von dem familiären Kontext der drei Geschwister in Bethanien erfahren wir wenig. Folgende Einzelheiten jedoch sind erkennbar:

  • Die Familie hatte wahrscheinlich keine Bediensteten im Haus, ihr sozialer Status erlaubte es ihnen nicht eine Magd als Haushaltshilfe anzustellen.
  • Martha ist wahrscheinlich die Älteste der drei Geschwister und organisiert den Haushalt.
  • Möglich oder sogar wahrscheinlich ist, dass Martha verheiratet war, denn Lukas bezeichnet sie als Frau gr. ´gunh`gyn¢`.
  • Die Evangelisten Matthäus und Markus notieren, dass die Salbung durch Maria im Hause Simons des Aussätzigen stattfand. Dieser Simon war früher aussätzig, den hat Jesus gesund gemacht/gereinigt und nun stellt er sein Haus Jesus und seinen Jüngern zur Verfügung (Mt 26,6;  Mk 14,3). Es wäre undenkbar gewesen, dass sich ein Aussätziger im Dorf und einem Haus hätte aufhalten können. Es geht hier also um eine frühere Heilungstat von Jesus an Simon, die jedoch nicht beschrieben wurde. Die Zusatzbezeichnung ´Simon der Aussätzige´ bekam er noch zur Zeit seiner Krankheit und er behielt sie wohl zur Erinnerung an seine frühere Geschichte und zur Unterscheidung von vielen anderen Männern gleichen Namens.
  • Es besteht also ein enger Zusammenhang zwischen dem Simon, der in Bethanien ein Haus besitzt und Martha, die bei den Jesusbesuchen in Bethanien immer die Dienende Hausfrau ist (Vgl. Mt 26,6; Mk 14,3 mit Joh 12,1-2;  Lk 10,38-40). Der griechische Begriff ´diakoni`a – diakonia´, meint in erster Lienie den Tischdienst. Vielleicht war Martha mit Simon sogar verheiratet? Überhaupt kam es eher selten vor, dass eine Frau in Israel unverheiratet blieb.
  • Maria ist vermutlich die jüngere Schwester, doch auch sie wird von Johannes als Frau bezeichnet.

Es geht aber Lukas nicht so sehr um die gesamte familiäre Verknüpfung, sondern vorrangig um die beiden Schwestern und deren Beziehung zu Jesus und auch zu einander. Dabei geht es ihm keineswegs darum, die eine gegen die andere auszuspielen. Folgende Einzelheiten im Ablauf des Besuches von Jesus können genannt werden:

  • Jesus ist mit seinen Jüngern und anderen Männern der Familie im Gastzimmer. Sie sitzen (halb liegend) im Kreis auf Polstern und Jesus spricht, erzählt, lehrt oder beantwortet Fragen.
  • Maria setzt sich sozusagen im zweiten äußeren Kreis zu den Füßen von Jesus. Sie sitzt also nicht vor ihm zu seinen Füßen, sondern hinter ihm, denn die Füße der zu Tisch Liegenden im damaligen Kontext sind nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet. Und doch ist das Verhalten der Maria ungewöhnlich im kulturellen Kontext der jüdischen Gesellschaft.

Für Jesus hingegen stellt die Nähe der Frauen zu ihm kein Problem dar, im Gegenteil, es gibt mehrere Berichte, die davon sprechen, dass er Frauen, die bei ihm Hilfe suchten, in ihrer Würde stärkte und dies oft im Beisein von Männern. Damit stellt er auch ganz bewusst die Weichen für die zukünftige Kultur des Verhaltens und Vertrauens zwischen Männern und Frauen in der Familie und Gemeinde. In seiner Versammlung dürfen Männer und Frauen gemeinsam auf Gottes Wort hören. Maria tut es unauffällig, ihre Motive sind lauter/rein. Jesus bescheinigt Maria das gute Teil erwählt zu haben, welches von ihr nicht weggenommen werden soll. Beachten wir die Betonung auf: „Sie hat das gute Teil erwählt“. Im neutestamentlichen Konzept von Jesus können Frauen ebenso frei wählen, auswählen wie die Männer es tun. Sie haben die gleiche Fähigkeit und den freien Willen in Eigenverantwortung für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Das `gute Teil` meint hier nicht einfach nur auf Gottes Wort zu hören im Gegensatz zum Tischdienst der Martha, sondern es definiert die innere Haltung und Beziehung der Maria zu Jesus.

Im Gegensatz zu Marias Schlichtheit und Zurückhaltung, setzt sich ihre (ältere) Schwester Martha sozusagen in Szene und offenbart damit einige ihrer Charakterschwächen.

Martha: „Herr, bemerkst du nicht (macht es dir nichts aus) dass meine Schwester mich allein gelassen hat mit dem dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll.“ Was offenbart sie durch ihr Verhalten, ihre Aussagen und sogar durch den Ton?

  • Sie stellt sich vor Jesus hin und zieht damit die Aufmerksamkeit aller Anwesenden Männer auf sich.
  • Sie unterbricht Jesus in seiner Rede, weil sie meint, etwas Wichtigeres sagen zu müssen – das ist überheblich und respektlos.
  • Indem sie nicht ihre Schwester direkt und unaufällig anspricht, sondern sich laut und vorwurfsvoll an Jesus wendet, lenkt sie die gesamte Aufmerksamkeit, die bis dahin allein Jesus galt, nun ganz auf  sich, – das ist Egoismus – bewusste Suche nach Anerkennung.
  • Durch ihren Vorwurf demütigt und verletzt sie zutiefst ihre eigene Schwester vor allen Anwesenden Männern.
  • Sie hebt lobend ihre eigene Leistung hervor.
  • Sie stellt ihren Dienst der Verpflegung über den Dienst von Jesus mit dem Wort Gottes, – das sind falsche Wertvorstellungen.
  • In ihrem Beschäftigtsein übersieht sie völlig den heilsamen (therapeutischen) Dienst von Jesus durch das Wort an den Anwesenden – das ist mindere Wertschätzung des Wortes Gottes.
  • Es mangelt ihr an gesundem Selbstbewustsein, sie fühlt sich übersehen, damit zeigt sie (für Jesus offensichtlich) ihre innere wunden Stellen.

Jesus nutzt diese Situation zur Korrektur und damit zur Therapie (Heilung). Dies tut er aus Liebe – „Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus.“ (Joh 11,5).

Er schiebt das Problem nicht auf später nach der Stubenversammlung (Gottesdienst). Was öffentlich falsch gesagt oder getan wird, soll auch öffentlich geklärt werden. Er bescheinigt ihr ein übertriebenes Maß an Sorge und Mühe mit ihrem Dienen. Natürlich hat Jesus nichts gegen gutes Essen einzuwenden, doch es muß nicht übertrieben werden. Wenn der Aufwand für die natürlichen Mahlzeiten so hoch ist und einen so breiten Raum einnimmt, dass das Geistliche zu kurz kommt oder gar verdrängt wird, dann meldet sich Jesus zu Wort und bringt seine Korrekturen an. Hier stellt sich die Frage nach der Priorität und der Ausgewogenheit der Versorgung von Leib und Geist.

Dass Jesus Martha zweimal bei ihrem Namen nennt, ist nicht ohne Grund und macht den Ernst der Lage deutlich. Es gibt zwei weitere Situationen, bei denen Jesus einmal Petrus (Lk 22,31) und später Paulus (Apg 9,4) mit der Doppelung ihres Namens anspricht. Jedes mal ist es mit einem großen Nachdruck ausgesprochen worden – die Lage ist sehr ernst.

Martha hat ein grundsätzliches Problem – die Frage nach dem „Wer bin ich?“ und was macht meinen Wert aus?“ war bis dahin nicht geklärt.

Und Jesus will ihr helfen, die Schwachpunkte in ihrem Charakter, die in ihrem Verhalten deutlich zum Vorschein kommen, zu erkennen und zu beheben.

 

Hat Martha Jesus verstanden, hat sie von ihm gelernt und sich verändern lassen? Ganz gewiß ja, denn später als Jesus sich ihrem Ort nähert wegen Lazarus, ist sie die erste, die unbemerkt und unaufgefordert Jesus entgegen geht (Joh 11,21f). Die theologischen Erkenntnisse und Einsichten, die sie dort äußert, machen deutlich, dass sie sehr genau hinhörte, was Jesus lehrte. Dagegen blieb Maria bei dieser Gelegenheit in ihre Trauer gehüllt und vielleicht auch gegenüber Jesus verärgert, zu Hause sitzen. So schreibt Johannes: „Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen.“ (Joh 11,20). Sie hat willentlich zugelassen, dass Ärger und Frustration gegenüber Jesus in ihrem Herzen Raum gewannen. Und so versank sie in ihrer Traurigkeit. Dadurch wurde zeitweise ihre bewusste Wahl des `Guten Teils` überdeckt.

Jesus musste sie ausdrücklich rufen, ja sogar herausrufen aus ihrer Verzagtheit, aus ihrer Verärgerung und Enttäuschung über das späte Eintreffen von Jesus. Aber auch sie hat es gelernt, Jesus wieder ganz neu zu vertrauen, denn die Salbung bei einem weiteren Besuch Jesu in Bethanien, macht dies sehr deutlich (Joh 12,1-6).

So hat Jesus durch seine Anwesenheit, sein heilsames Wort und die konkreten Korrekturen, der ganzen Familie zu einer gesunden Glaubensbeziehung zu sich selbst und auch der Geschwister untereinander verholfen.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum besucht Jesus bestimmte Orte, Häuser und Familien besonders gerne?
  2. Trage zusammen, was die vier Evangelisten über diese Familie berichten.
  3. Wie sind die Aufgaben (Rollen) in dieser Familie verteilt, beachte dabei den Kontext der damaligen Kultur? Inwieweit konnten sie sich selbst aussuchen, was sie gerne machen würden?
  4. Ist es für uns heute sinnvoll, dass jeder sich vielseitig ausprobiert und entfaltet?
  5. Neigen auch wir dazu wie Martha, andere in unsere Aufgabe hineinzuzwängen und dies nicht immer aus lauteren Motiven?
  6. Bist du mehr Martha oder Maria, oder gar Lazarus? Welche dieser Rollen passt mehr auf dich? Oder hast du von allen etwas?
  7. Bist du mit deinem Lebensstand, Lebensaufgabe zufrieden?

 

  1. Wie sind die Prioritäten bei den zwei Schwestern gesetzt? Was ist wichtiger, was kommt zuerst dran, was danach, was könnte man auf ein sinnvolles Maß reduzieren? Wie werten und ordnen wir sogenannte geistliche und natürliche Bereiche in unserem Alltag ein?
  2. Die Aufgaben in der Familie und Gemeinde, – sind sie gut und richtig den jeweiligen Personen zugeordnet?
  3. Wie greifen wir ein oder welche Hilfestellung geben wir Mitarbeitern bei deren  Unzufriedenheit in ihren Diensten?

 

 

9.4 Jesus macht frei (PS)

         (Joh 7,31-36)

 

Noch in Arbeit

 

9.5 Jesus ist das Wasser des Lebens

(Bibeltext: Joh 7,37-53)

 

 

9.6 Jesus vergibt der Ehebrecherin

(Bibeltext: Joh 8,1-11)

 

Es ist Herbst in Jerusalem, etwa Oktober 32 n.Chr. Die Feierlichkeiten zum Laubhüttenfest sind vorüber, aber in Jerusalem und besonders auf dem Tempelgelände versammeln sich täglich viele Menschen. Einige sind mit ihren Opfern beschäftigt und suchen die Nähe zu den Pristern, andere sind da weil sie hoffen Jesus anzutreffne, der seit dem Fest sich in Jerusalem und Umgebung aufhält.

Zu dieser Jahreszeit sucht Jesus mit seinen Jüngern den Ölberg a zur Übernachtung auf. Noch später heißt es, dass sich Jesus oft mit seinen Jüngern dort aufhielt (Joh 18,2). Am nächsten Morgen kommt Jesus wieder in den Tempel und setzte sich hin um zu lehren. Das Volk zu lehren empfand er als eine seiner wichtigen Aufgaben. Doch dann wird er  unterbrochen, denn schon aus der Ferne hört man wie eine Gruppe von Pharisäern und Schriftgelehrter eine Frau vor sich her führen. Sie kommen zu Jesus, stellen die Frau in die Mitte und tragen ihre Anklage vor:

  • Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber dies hörten, gingen sie, einer nach dem anderen, hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr“ (Joh 8,4-11)!

 

Nach dem Buchstaben des Gesetzes waren die Kriterien zu einer Verurteilung der Frau nicht erfüllt.

  1. Der mitbeteiligte Mann fehlte,
  2. Wo waren die Zeugen? Eventuell der rechtmäßige Ehemann dieser Frau?

Der Wortlaut des Gesetzes war: „Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden“ (3Mose 20,10).

Doch wurde solch ein Urteil in der Geschichte Israels selten vollstreckt. In dem Zusammenhang werden wir erinnert an den so tückischen Sündenfall von König David (2Sam 12,5-10). Die Tat war schlimm Genug und auch mit Folgen für die Nachkommen des Königs, doch wie handelte Gott mit David?

 

Fragen:

  1. Wo übernachtet Jesus am liebsten mit seinen Jüngern in der Zeit seiner Jerusalemaufenthalte?

 

  1. Was ist seine Hauptbeschäftigung am Tag, wenn er sich im Tempel in Jerusalem aufhält? Welchen Stellenwert hat für uns gesunde, biblische Lehre heute?

 

  1. Welche Gruppe von Menschen kümmerten sich um die Einhaltung des Mosaischen Gesetzes und der Aufsätze der Ältesten?

 

  1. Wie haben oder konnten sie die frische Tat des Ehebruchs bei dieser Frau feststellen? Und warum führen sie nicht auch den an der Tat beteilgten Mann vor Jesus?

 

  1. Welches Maß an Strafe ordnet das Gesetz Moses an für solche sexuellen Vergehenl?

 

  1. Worin bestand die Versuchung der Pharisäer?

 

  1. Was schrieb Jesus auf die Erde mit dem Finger? Von wem lesen wir im AT, der auch mit dem Finger geschrieben hat (2Mose 31,18; 5Mose 9,10)

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der …. Wer unter euch noch nie die Ehe gebrochen hat …

 

  1. Alle hatten ein belastetes Gewissen, keiner war ohne Sünde. Wie steht es heute mit den Christen?.

 

  1. Warum verurteilte Jesus nicht. Wie geht er vor? Was ist wirksamer, Gesetz oder Gnade, um den Menschen zur Buße und Umkehr zu bewegen?

 

  1. Sündige nicht mehr, heißt hier – gib deinen sündigen Lebensstil auf, ändere deine Gesinnung und dein Verhalten.

 

 

9.7. Jesus  – das Licht der Welt

(Joh 8,12-30)

ffffffffffffff

 

 

9.8 Die wahre Freiheit – Wer sind Abrahams Kinder? (Noch in Arbeit)

(Bibeltext: Joh 8,31-59)

 

9.9 Jesus heilt den Blindgeborenen

(Joh 9,1-41)

 

9.9.1 Meister, wer hat gesündigt?

(Bibeltext: Joh 9,39-41)

Auch diese Heilungstat Jesu beschreibt nur der Evangelist Johannes. Es gehört zu den sogenannten 7 Wunder-Zeichen des Messias im Johannesevangelium. Dafür verwendet der Evangelist ein ganzes Kapitel. Viele Personen sind in die Geschichte einbezogen:

  • Jesus und seine Jünger,
  • der Blindgeborene,
  • die Nachbarn und Bekannten,
  • die Eltern des Geheilten,
  • die Pharisäer.
  • Das Volk, welches jedoch nicht aktiv an der Geschichte teilnimmt,

Wenn wir bedenken, dass an diesem Tag Sabbat war (V. 14), wird uns einiges leichter verständlich, denn nicht zum erstenmal vollbringt er am Sabbat Heilungen, nein er tut dies bewusst oft und immer öffentlich. Damit will er bestimmte Zeichen setzen. Doch später gehen wir noch näher darauf ein.

Jesus ist immer sehr aufmerksam in seiner Umgebung und merkt Dinge oder Personen, die anderen entgehen oder nicht so wichtig erscheinen. Für viele Jerusalemer ist der Bettkler ein alltäglicher und daher gewohnter Anblick (V. 8). Doch für Jesus gehört er zu denen, die Gott in seinen Plan als aktiven Teilnehmer und Zeugen einbezogen hat.

Das Schicksal eines Blindgeborenen damals war von sehr vielen äußeren Einschränkungen gezeichnet. Aus der Frage der Jünger und auch der Beurteilung der Pharisäer geht ferner hervor, dass Menschen mit Behinderungen dazu noch unter dem Urteil standen von Gott bestraft worden zu sein (V. 2. 34). Doch der Mann konnte überleben, denn das Gesetz forderte auch die soziale Fürsorge von den Menschen gegenüber Schwachen und so konnte er täglich mit Almosen rechnen. Jesus verfolgt mehrere Ziele bei seiner Handlung:

  1. Er hat Erbarmen mit dem Blindgeborenen. Beim Vorübergehen sieht Jesus diesen Menschen. Sicher konnte er im Heiligen Geist die Geschichte des Bettlers wissen, doch genau so gut möglich ist auch, dass er nachgefragt hat (Vgl. dazu Joh 5,6).

 

  1. Daneben bietet sich für Jesus die Gelegenheit, eine einseitige Bewertung der Jünger in Bezug auf Krankheit zu korrigieren.

 

  1. Da er an einem Sabbat in aller Öffentlichkeit nicht nur heilt, sondern auch noch eine Arbeit verrichtet, ist ihm die Aufmerksamkeit und Konfrontation der Pharisäer sicher. Nicht dass er Konfrontation sucht, sondern er will bei ihnen konsequent das falsche Verständnis der Sabbatbestimmung korrigieren. Und gibt ihnen damit die Chance ihn als den Messias zu erkennen.

 

  1. Die gleiche Chance bekommen an diesem Tag die Eltern des Geheilten, die Nachbarn, die Bekannten und das übrige Volk.

Der Geheilte ist der Einzige, der bewusst Jesus als den Menschensohn und damit als den Messias angenommen hat. Welch ein Aufwand und was für ein Ergebnis!

 

9.9.2 Jesus das Licht (Gericht) der Welt. (Noch in Arbeit)

(Bibeltext: Joh 9,39-41)

 

Noch in Arbeit

Fragen / Aufgaben:

  1. Was war das Schicksal eines Blindgeborenen damals?

 

  1. Jesus wird aufmerksam auf einen Bettler. Wohin schaut er, was fällt ihm auf?

 

  1. Welche Zusammenhänge sahen die Jünger zwischen Krankheit und Sünde?

 

  1. Wie lautet Jesu Bewertung hier? Warum sagt Jesus in Joh 5,14 was anderes?

 

  1. Warum macht Jesus die Heilung so umständlich und nicht wie zum Beispiel in Lk 18,42.einfach durch ein machtvolles Wort?

 

  1. Welche Rolle spielen die Nachbarn und Bekannte in dieser Geschichte?

 

  1. Wie bewerten die Pharisäer diese Heilung? Zu welchem Ergebnis kommen sie? Sind alle Pharisäer der gleichen Meinung?

 

  1. Es handelt sich um eine Art geistlichen Gerichtsprozess. Welche Position nehmen die Eltern des Geheilten ein und warum?

 

  1. Welchen theologischen Standpunkt nimmt der Geheilte ein?

 

  1. Welches Ziel erreicht Jesus durch diese Heilungstat8?

 

 

9.10  Jesus ist der gute und wahre Hirte

(Bibeltext: Joh 10,1-39)

 

Abbildung 1 Eine Schafherde bei Jericho (Foto am 24. Januar 2019).

Gott hatte es vorausgesehen, dass Jesus, sein Sohn als der gute Hirte (gr. ο ποιμένος) sein Volk weiden wird. Diese Gedanken Gottes werden verständlich auf dem Hintergrund der Tatsache, dass der Hirtenberuf, das Hirte-Sein sich wie ein roter Faden durch die Heilige Schrift und die Geschichte des Volkes Gottes im Alten Testament hindurchzieht.

Abel war Hirte (1Mose 4,2),

Die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob waren Hirten,

Die Israeliten, alle 12 Stämme waren ein Hirtenvolk (1Mose 46,34; 47,3),

Mose weidete die Schafe seines Schwiegervaters in Midian 40 Jahre lang, bevor er das Volk Israel ebenfalls vierzig Jahre lang anführte (2Mose 3,1),

David war Hirte, bevor ihn Gott von der Schafherde wegholte, um sein Volk Israel zu weiden (2Samuel 7,8),

  • In Psalm 23 bezeichnet David seinerseits den Herrn als seinen fürsorgenden Hirten.

Die Nachfolger Davids auf dem Thron sollten das Volk Israel weiden, führen, schützen, bewahren, für sie sorgen, doch die meisten von ihnen haben sozusagen sich selbst geweidet, also ihren eigenen Vorteil gesucht und die ihnen anvertrauten Menschen vernachlässigt.

 

Auf dem Hintergrund der vielen falschen und treulosen Hirten des Volkes Israels zu seiner Zeit, verspricht Gott durch den Propheten Hesekiel einen einzigartigen guten Hirten zu erwecken (Hesekiel 34,1-31):

  • Und ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen ´Knecht David´. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein, und ich, der HERR, will ihr Gott sein, aber mein Knecht David soll der Fürst unter ihnen sein; das sage ich, der HERR“ (Hes 34,23-24).

 

Doch dieser Hirte muß durch das Leiden des Todes gehen, wie durch Sacharia vorausgesagt wurde:

  • Schwert, mach dich auf über meinen Hirten, über den Mann, der mir der nächste ist!, spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue“ (Sacharia 13,7).

In seiner Rede an die Juden in Jerusalem nennt Jesus das Hauptmerkmal des wahren und guten Hirten:

  • Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe“ (Joh 10,2).

Und was es bedeutet, zur ´Tür hineingehen´, erklärt er mit den folgenden Worten:

  • Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Joh 10,11.14.15).

Was nun Gott durch den Propheten Sacharia in Bezug auf den wahren Hirten vorausgesagt hatte, wendet Jesus auf sich an:

  • Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben“ (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.« (Mt 26,31).

 

In Anlehnung an Hesekiel 34 will Jesus als der wahre Hirte alle Zerstreuten Schafe aus dem Volk Israel und auch die aus den Völkern sammeln:

  • Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird „eine“ Herde und „ein“ Hirte werden“ (Joh 10,16).

Jesus als Hirte, hat Vollmacht vom Vater sein Leben für die Schafe hinzugeben und auch die Vollmacht es wieder zu nehmen:

  • Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater“ (Joh 10,18).

Im Hebräerbrief wird Jesus als der `große Hirte der Schafe` bezeichnet:

  • Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes“ (Hebr 13,20).

 

Und dieser Jesus als ´der Erzhirte´ (gr. o άρχιποιμένος), erscheint bei seiner Wiederkunft um seine Herde (sein Volk) zu sich in sein herrliches Reich zu nehmen.

  • So werdet ihr, wenn erscheinen wird ´der Erzhirte´, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen“ (1Petr 5,4;  vgl. dazu auch Mt 25,31ff).

 

Sogar in der Ewigkeit bleibt Jesus unser guter und treuer fürsorgender Hirte:

  • Denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offb 7,17; vgl. auch Psalm 23,2).

 

Wie wunderbar und einzigartig, – Jesus ist Hirte und Lamm zugleich und dies für alle Ewigkeit !

 

 

Nun, was Jesus ist und was er tut trifft in gewissem begrenzten Maß auch auf seine Jünger zu.

Sie sollen nun in seinem Namen und Auftrag sein Werk fortsetzen.

Dafür hat er sie ausgerüstet

  1. mit seinem Wort,
  2. seinem Geist und
  3. mit seiner Zusage bei ihnen zu sein alle Tage.

Er hat gelehrt, gepredigt, Korrigiert, aufgeklärt, getadelt, unterwiesen, erklärt, getröstet, ermutigt, geheilt, befreit, geeinigt, Wiederhergestellt, Aufgebaut – jetzt sind seine Jünger dran, dasselbe weltweit zu tun.

 

Und dies alles in seinem Auftrag, seinem Namen, durch die Autorität seines Wortes und durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Nicht alle alles, sondern jeder nach seiner Berufung und seiner Befähigung.

  • Die Ältesten für ganze Ortsgemeinden,
  • Die Diakone – Gruppenleiter für ihre Gruppen,
  • Die Eltern für ihre Kinder,
  • Die Älteren für die Jüngeren,
  • Die Geistlichen für die Schwachen.

Doch zuerst gilt – achte auf dich selbst !

 

 

9.11 Jesus zieht an den Jordan

(Joh 10,40-42)

 

Jesus verlässt Jerusalem überquert den Bach Kidron, den Ölberg und geht hinab in das Jordantal. Es war wohl der gleiche Weg, den einst der König David benutzte, als er vor seinem Sohn Absalom floh (2Sam 15-16. Jesus überquert den Jordan und hält sich an dem Ort auf, wo Johannes zuvor taufte. So berichtet der Evangelist Johannes:

Da suchten sie wieder ihn zu greifen, und er entging ihrer Hand. Und er ging wieder weg jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst taufte, und er blieb dort. Und viele kamen zu ihm und sagten: Johannes tat zwar kein Zeichen; alles aber, was Johannes von diesem gesagt hat, war wahr. Und es glaubten dort viele an ihn. (Joh 10,39-42).

Jesus entgeht dem Zugriff der Juden, verlässt Jerusalem und geht hinab an den Ort, wo Johannes zuvor taufte.

 

Abbildung 2 Die Gegend auf der Ostseite des Jordan mit ihren vielen Ereignissen aus biblischer Geschichte (Foto: 24. Januar 2019).

Hier an dieser Stelle knüpfen die Evangelisten Matthäus und Markus an, wenn sie schreiben:

  • Jesus kam nach Judäa, jenseits des Jordan Mk 10,1
  • Und es geschah, als Jesus diese Reden beendet hatte, begab er sich von Galiläa hinweg und kam in das Gebiet von Judäa, jenseits des Jordan“ (Mt 19,1)
  • d

Nun folgen wir wieder den Berichten von den Synoptikern:

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D

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum dd dddd
  2. d
    1. d

 

 

9.12 Jesus weckt Lazarus von den Toten auf

(Joh 11,1-46)

 

Hier folgen wir wieder der Erzählung von Johannes. Gut, dass er viele Details beschreibt, welche die synoptischen Evangelisten nicht erwähnen. Dieser Abschnitt ist sehr lang und daher soll er bewusst in Form von Fragen und kurzen Anmerkungen erhellt werden.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welcher Beziehung standen das Geschwister-Trio zu Jesus?
  2. Es war eine Beziehung der Liebe/Freundschaft,
  3. Beziehung des Vertrauens,
  4. Beziehung des Glaubens.

 

  1. Von wem ging die Liebe aus? Wer liebte wen?

 

  1. Wo hält sich Jesus auf, als der Hilferuf aus Betanien kommt?

 

  1. Warum geht Jesus nicht sofort los als er den Hilferuf hört? Zögert er immer so, oder handelt er individuell situationsbezogen?

 

  1. Warum verstehen die Jünger ihren Meister nicht in seiner Sprache/Bildrede?
  2. Lazarus schläft,
  3. Wer des Tages wandelt …

 

  1. Was drückt die Denkweise des Thomas, der Zwilling genannt wurde: „Lasst uns mit ihm gehen, damit wir mit ihm sterben“, aus?

 

  1. Nach der Meinung der Schwestern Martha und Maria kommt Jesus nicht nur zu spät, sondern er war nicht da, als sie ihn gebraucht hätten?

 

  1. Welche theologischen Kenntnisse hat Martha über Jesus? Woher hat sie diese Erkenntnisse? Hat sie nicht das Teil als Diakonin (Tischdienst) erwählt?

 

  1. Aber wo ist jetzt Maria, die doch das Gute Teil (zu den Füßen Jesu sitzen) erwählt hatte?
  2. Sind ihr die Tröster im Haus lieber?
  3. Ist sie von Jesus enttäuscht?
  4. Ist sie vielleicht sogar auf ihn beleidigt, oder verärgert, wie Johannes der Täufer im Gefängnis?
  5. Wäre sie zu Hause bei den hilflosen Tröstern sitzen gebliebne, wenn Jesus sie nicht gerufen hätte?
  6. War sie in der Gefahr ihr Gutes Teil zu verlieren? Ist Jesus schuld daran?

 

  1. Wie geht Jesus vor bei der Therapie der Schwestern?
  2. Für Jede und Jeden einen besonderen individuellen Zugang.
  3. Er kommt nie zu spät.
  4. Er will das Maximum an Möglichem erreichen.
  5. Er hat immer die Verherrlichung des Vaters im Auge.
  6. Er will Glauben und Vertrauen fördern, nicht nur bei seinen Jüngern.
  7. Die Wunder, die er tut, sind Zeichen.

 

  1. Wie reagieren die Menschen auf das einzigartige Zeichen der Auferweckung des Lazarus?

 

  1. Wohin geht Jesus anschließend zu seiner Sicherheit?

 

9.13 Der Beschluss der Hohenpriester Jesus zu töten (PS)

(Joh 11,47-57)

Jesus verlässt Bethanien (Jerusalem) in Richtung judäische Wüste nach Efraim

11,55 Das Passah der Juden naht und viele gehen hinauf nach Jerusalem um sich vor dem Fest reinigen zu lassen. Die Leute reden untereinander: Wird er sohl kommen auf das Fest? Die Hohenpriester haben eine Anordnung erlassen, dass, wer es weiß, wo er ist es melden solle.

 

 

9.14 Ehescheidung und Eheverzicht (HUL)

(Mt. 19,2-12; Mk. 10,2-12)

 

Sowohl Matthäus als auch Markus berichten, dass Jesus Galiläa endgültig verlassen hat und nach Judäa zog. Nach Johannes geht er zunähst zum Laubhütenfest, dort in Jerusalem bleibt und wirkt er bis zum Winter 32, danach zieht er wegen immer stärker werdenem Druck und Nachstellungen der Oberen des Volkes, hinab an den Jordan und zwar zum Ostufer,an den Platz, an dem Johannes zuerst taufte. Dieses Gebiet unterstand der Herrschaft des Herodes Antipas. Somit war Jesus hier weit weg vom direkten Zugriff der Juden, welche ihm nach dem Leben trachteten.

Doch dem Volk allgemein konnte sich Jesus keineswegs entziehen. Immer wieder waren darunter auch Pharisäer, die Jesus mit ihren Fragen eine Falle stellen wollten, so auch bei dieser Gelegenheit. Die Frage wird sehr gewählt mehrdeutig formuliert: „Ist es einem Menschen erlaubt, seine Frau zu entlassen wegen jeder Ursache“. Die Antwort Jesu ist zunächst eine Gegenfrage und zwar: „Was hat euch Mose geboten“? Diese Mosaische Regelung ist besonders den Männern bekannt: „Mose hat angeordnet, der Frau einen Scheidebrief in die Hand drücken und sie zu entlassen (Mk 10,3-4; 5Mose 24,1-3; Mt 5,31). Jesus als Gesetzgeber, kennt den Grund, warum diese Regelung gegeben wurde – nämlich die wegen der Hartherzigkeit der Männer.

Doch dann lenkt Jesus das Denken und die Überlegungsfähigkeit der Pharisäer auf die Anfänge der Schöpfung Gottes. Gott hat den Menschen als männlich und weiblich geschaffen und vorgesehen, dass diese sich von ihren Eltern loslösen und eine vollständig neue Einheit bilden sollen und zwar fürs ganze Leben (Verse 4-6; Vgl. 1Mose 2,24; Mt 19,5; Mk 10,8; Eph 5,31). Die Begründung, welche Jesus anführt ist logisch und beeindruckend zugleich: „Was nun Gott zusammengefüht hat, soll der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6). Die Betonung liegt also nicht darauf, wie kann ein Mann sich lösen, sondern wie kann er zusammenhalten, was zusammengehört.

 

  1. Frage: Wie schätzen wir die Situation in Bezug auf Ehe (Ein-Ehe) heute in unserer Gesellschaft ein?
  2. Frage: Welche Ausnahmeregelung macht Jesus bei der Frage der Ehescheidung?
  3. Frage: Was sollen wir von Eheverzicht halten? Unter welchen Umständen ist es besser nicht zu heiraten?

9.15 Das Gleichnis vom Richter und der Witwe

           (Lk 18,1-8)

 

Fragen:

 

  1. Was ist der Grund, warum Jesus dieses Gleichnis erzählt?

 

  1. Wofür wr der Richter i dr Stadt bkann?
  2. d

 

9.16 Das Gleichnis vom Gebet des Pharisäers und Zöllners (HUL)

(Lk 18,9-14)

 

Fragen:

 

  1. Jesus ist aufmerksam sowohl beim sehen, als auch beim hinhören. Was lehrt es uns?

 

  1. Die Lehrmethode durch Gleichnisse Wahrheiten ausdrücken, wie wirksam ist sie?

 

  1. Der Kontrast kann nicht größer sein – Pharisäer und Zöllner, welchen Status und Aufgaben hatten sie in der Bevölkerung?

 

  1. Beide gehen hinauf zum Hause des Herrn, nebeneinander, hintereinander und mit welchem Ziel?

 

  1. Die Gebetshaltung der Juden damals, was sagt sie aus über unser Gebetsanliegen?

 

  1. Der Inhalt der Gebete, was war die Motivation dabei?

 

  1. Wie bewertet Gott beide Gebete, wo erkennen wir uns?

 

  1. Schlussfolgerung, was ist die Kernaussage des Gleichnisses?

9.17 Jesus segnet die Kinder (PS)

(Mt. Mt 19,13-15; Mk 10,13-16; Lk 18,15-17)

 

Alle drei Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas) berichten von der Segnung der Kinder durch Jesus. Hier zunächst die Evangelientexte:

Matthäus 19,13-15                                                       

Darauf wurden Kinder[1] zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete, aber seine Jünger fuhren sie an. Aber Jesus sagte: „Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen. Denn solchen gehört das Reich der Himmel.“ Und als er ihnen die Hände aufgelegt hatte, ging er weg von dort.“

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Markus 10,13 – 16                                                              

Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie berühre; aber die Jünger fuhren sie an. Als Jesus aber dies hörte, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage Euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird keinesfalls hineinkommen.“ Und er schloss sie in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.“

Lukas 18,15 – 17                                                                   

Sie brachten aber auch zu ihm die Kinder[2]  damit er sie berühre; als aber die Jünger dies sahen, fuhren sie sie an. Aber Jesus rief sie zu sich und sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage Euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird keinesfalls hineinkommen!“

Mehrere wichtige Wahrheiten werden in diesen Texten angesprochen und auf die soll hier eingegangen werden, doch zunächst der Kontext. In der Regel waren es die Mütter, die ihre Kinder oder Säuglinge zu Jesus brachten. Es waren Mehrere Kinder und zwar in verschiedenem Alter. Jesus war immer umringt von seinen Jüngern und weiteren Zuhörern, so dass der Zugang versperrt war. Jesus befand sich wahrscheinlich im Gespräch oder Lehre, so dass wir uns in diesem Fall eine Unterbrechung derselben durch die Mütter vorstellen können, was die Jünger an völlig unangebracht ansahen.

 

9.17.1 Die Kinder stehen unter besonderer Beachtung von Jesus

Verwehrt den Kindern nicht den Weg zu Jesus! Er hat nicht nur Interesse an Kindern, sondern er nimmt sich auch Zeit für sie. Er ist sogar unwillig über das Verhalten seiner Jünger. Alles andere und auch alle anderen müssen warten – jetzt sind die Kinder dran. Eine wichtige Lektion für die Erwachsenen. Aussagen wie: „Geh weg, lass mich jetzt in Ruhe, beschäftige Dich selbst!“, rächen sich zu oft zu einem späteren Zeitpunkt  und decken sich nicht mit Jesu´ Verhalten.

9.17.2 Das Reich Gottes gehört den Kindern

Bei Kindern, die noch nicht selbst zwischen Gut und Böse unterscheiden und somit noch nicht zur vollen Verantwortung für ihre Taten herangezogen werden können, die also selbst noch nicht fähig sind, ihren sündigen und damit verlorenen Zustand zu erkennen, legt Jesus andere Maßstäbe an, als bei Erwachsenen.

Jesus nimmt die Kinder an. Er freut sich über ihren Gesang im Tempel und rügt die Hartherzigkeit und den Stolz der Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie erfüllten mit ihrem Singen und Rufen damals im Tempel, die Prophetie über Jesus und sollten vermehrt auch heute in den Gottesdienst mit einbezogen werden.

9.17.3 Erwachsene müssen werden wie die Kinder

Kinder werden naturgemäß wie Erwachsene. Jesus fordert die Erwachsenen auf gegen die menschliche Natur wie Kinder zu werden. Sicher meint Jesus es nicht im physisch-buchatäblichen Sinne.

„Wer das Reich Gottes nicht annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Mit dem „wie ein Kind“ ist die Art und Weise der Annahme des Reiches Gottes gemeint. Wer das Reich Gottes sucht, soll nicht altersmäßig wie die Kinder werden, sondern nach deren Art und Weise (vgl. dazu auch Nikodemus´ falschen Denkansatz in Johannes 3,4:„Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er zum zweiten Mal in seiner Mutter Leib hineingehen, um geboren zu werden?“)

Zu werden wie ein Kind, heißt also:

  • so klein,
  • so niedrig,
  • so hilflos,
  • so abhängig,
  • so führungsbedürftig,
  • so schutzbedürftig und
  • so vertrauensvoll zu werden.

Der Erwachsene jedoch lebt gewöhnlich in der Einstellung, er wüsste alles, er könne alles, er wäre jemand, er käme allein zurecht und bräuchte keine Hilfe, er schaffe es allein. In der Sache geht es um die Erniedrigung seiner Selbst, um einen Zerbruch von Geist und Seele und um das Bekenntnis, es doch nicht allein zu schaffen, sich nicht selbst retten zu können. Letztlich geht es um eine eigene Bankrott – erklärung vor Gott.

9.17.4 Jesus legt ihnen die Hände auf, betet und segnet sie

Wir praktizieren die Kindersegnung im Gottesdienst und auch zu Hause einfach deshalb, weil Jesus dies auch getan hat und weil wir zum Segnen berufen und beauftragt sind. Bei solchen Handlungen werden besonders die Eltern in die Pflicht genommen. Altlasten wie Beschwörungen durch Wahrsagerei, magische Heilungen u.ä. müssen bei und von den Eltern    offengelegt werden, damit die Kinder unter den Segen und Schutz Gottes kommen können.

In Hebräer 7,7 wird ein uraltes biblisches Prinzip für das Segnen deutlich gemacht: das/der Geringere wird von dem Höheren gesegnet.

  • Melchisedek segnete Abraham,
  • Die Priester sollten im Auftrag Gottes das Volk segnen,
  • Die Eltern sollen die Kinder segnen.

Wenn das gesamte Volk Gottes beauftragt wird, seine Feinde zu segnen, wieviel mehr gilt dies dann für die eigenen Hausgenossen!

In der Regel legt ein Stellvertreter aus der Leiterschaft der   Ortsgemeinde im Auftrag der Eltern dem entsprechenden Kind die Hände auf, betet und segnet das Kind im Namen Jesu. Auf Wunsch der Eltern werden auch Freunde der Familie, bzw. Vertrauenspersonen in das Segnungsgebet mit einbezogen.

Wir sehen die Praxis der Kindersegnung als eine in sich eigenständige und sowohl von der Bibel als auch durch das Handeln Jesu gedeckte Vorgehensweise an. Die Kinder gläubiger Eltern haben bestimmte Vorteile (siehe 1. Kor. 7,14: „Der ungläubige Mann ist jedoch geheiligt durch die gläubige Frau und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Bruder, denn sonst wären ja Eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“)

9.18 Der reiche Jüngling

           (Mt 19,16-30; Mk 10,17-27; Lk 18,18-30) (HUL)

 

Mt 19,16-26; Mk 10,17-27; Lukas 18,18-27)

 

Diese Geschichte erzählen alle drei Evangelisten. Jesus befindet sich noch in Peräa (östlich des Jordan) oder auf dem Weg nach Jericho. Der Mann, welcher auf Jesus zukommt, wird in den Texten als Jüngling, aber auch als Oberster bezeichnet.

 

Fragen:

  1. Wie bezeichnen die Evangelisten den Mann, der diese wichtige Frage stellt?

 

  1. Wie redet dieser Mann Jesus an? Warum weißt Jesus diese Anrede zurück?

 

  1. Kann ein Mensch ewiges Leben ererben durch das Halten des Gesetzes?

 

  1. Wie gut schneidet der Junge Mann ab? Ist Jesus mit ihm zufrieden?

 

  1. Warum stellt der Jüngling die Frage: „Was fehlt mir noch?“ Hat er ein schuldiges Gewissen, oder erwartet er noch eine Steigerung der Anerkennug?

 

  1. Warum fordert Jesus gerade in diesem Fall so viel?

 

  1. Warum nutzt der Jüngling nicht diese einzigartige Chance – EWIGES LEBEN IST GREIFBAR NAHE!

 

  1. Beschreibe das Entsetzen der Jünger. Wie viel haben sie verlassen?

 

  1. Was bedeutet dies alles für uns heute?

9.18. Der Lohn der Nachfolge (HUL)

(Mt.19,27-30; Mk. 10,28-31)

 

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9.19. Die Arbeiter im Weinberg (HUL)

(Mt 20,1-16)

 

1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.

2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen

4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.

5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.

6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?

7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.

9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.

10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen.

11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn

12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.

13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?

14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.

15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?

16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

9.20. Vierte Leidensankündungung (PS)

(Mt 20,17-19; Mk 10,32-34; Lk 18,31-34)

 

Jesus und seine Jünger werden von vielen Menschen auf dem Weg in Richtung Jericho begleitet. Er kennt die Gedanken seiner Jünger und wiederholt den Ausgang seines Dienstes in Jerusalem – es ist die vierte Leidensankündigung.

  • Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war“ (Lk 18,31-34).
  1. Leidensankündigung: Mt 16,21-22;
  2. Leidensankündigung: Mt 17,9-12;
  3. Leidensankündigung: Mt 17,22-23;
  4. Leidensankündigung: Mt 20,17-19;
  5. Leidensankündigung: Mt 26,2

 

Lukas betont, das die Jünger ihn nicht verstanden haben und der Sinn der Rede ihnen verborgen war.

 

Fragen:

  1. Wo befand sich Jesus und seine Jünger?

 

  1. Warum spricht Jesus so oft von seinem Leiden?

 

  1. Warum verstehen die Jünger ihren Meister nicht?

 

  1. Warum wollen bis heute viele Menschen keinen leidenden Messias?

 

9.21. Johannes und Jakobus bitten Jesus um Ehrenplätze (HUL)

(Mt 20,20-28; Mk 10,35-45)

 

  • Da trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?2 Sie antworteten ihm: Ja, das können wir“ (Mt 20,20-22).

 

Zwei der zwölf Jünger, Jakobus und Johannes, machten sich ihre eigenen Gedanken über ihre Zukunft im Reiche Gottes. Sie haben ein bestimmtes, vom Alten Testament geprägtes Verständnis über das kommende Königreich Gottes. Und da sie alles um Jesu Willen aufgegeben haben, meinten sie Anspruch zu haben auf gute und ehrenvolle Posten. Dazu kommt noch hinzu, dass ihre Mutter (Salome) Jesus ebenfalls nachfolgte und diente, vom verwandschaftlichem Bezug ganz zu schweigen, der bei ihnen eventuell auch eine Rolle gespielt hat. Erhellen wir die Geschichte anhand von folgenden Fragen.

 

Fragen:

  1. Woher kommt das Streben der Menschen (auch der Jesusnachfolger) nach oben, nach

Position, nach Ehrenplätzen?

 

  1. Welche Rolle spielte die Mutter in dieser Geschichte?

 

  1. Wie geht Jesus mit diesem Bruderpaar um? Welche Zusage macht er ihnen und wie hat sie sich in deren Leben erfüllt?

 

  1. Wie schätzt du die Reaktion der zehn übrigen Jünger ein?

 

  1. Welche Lektion erteilt Jesus seinen Nachfolgern? Er stelt sich uns als Vorbild, was bedeutet es für uns, kommen wir heute damit klar?

 

 

 

9.22 Jesus besucht Zachäus den Zöllner in Jericho

(Bibeltext: Lk 19,1-10)

 

Die folgende Geschichte der Begegnung Jesu mit Zachäus in Jericho wird nur von dem Evangelisten Lukas beschrieben. Sie gehört also zu dem sogenannten Sondergut des Autors.

 

Abbildung 3 Von einer Anhöhe im Westen der Stadt überblickt man die Palmenstadt Jericho und bis zum dahinter liegendem Jordantal. Die gesamte Gegend in und um Jericho ist reich an biblischen Ereignissen und ebenso an archäologischen Ausgrabungen aus den verschiedenen Epochen (Foto: 13. Juni 2016).

Jesus verließ die ruhige Gegend am Jordan und machte sich auf zum letzten Mal nach Jerusalem hinaufzugehen. Sein Weg führte durch die Stadt Jericho (damals gab es keine Umgehungsstrassen). Diese Stadt lag im Stammesgebiet von Benjamin (Jos 18,21). Zur Zeit von Jesus beherrschte Pontius Pilatus als römischer Statthalter die Provinz Judäa an deren östlichem Rand die Stadt Jericho lag.

 

Abbildung 4 Blick über die heutige Stadt Jericho von Nord nach Süd. Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 22000, meist arabische Palästinenser. Die Häuser der Stadt sind überwiegend ein- oder zweistöckig und umgeben von einem Hof und Garten. Jericho liegt heute etwa sieben Kilometer westlich des Jordan und etwa zehn Kilometer nördlich des Toten Meeres. Die Stadt mit ihrer Selbstverwaltung liegt also im Osten der sogenannten Autonomiegebiten von Palästina. Der größte Teil der Bevölkerung ist moslemischen Glaubens, doch es gibt auch eine Minderheit von koptischen Christen mit ihrer eigenen Kirche. (Foto: 26. Januar 2019).

 

Die Ursprünge der Stadt gehen zurück in das Altertum. Die erste Erwähnung in der Bibel finden wir in 4Mose 22,1 als die Kinder Israel nach ihrer vierzigjährigen Wanderung am Ostufer des Jordan gegenüber Jericho ihr Lager aufschlugen. Bei der darauffolgenden Landnahme wurde Jericho als erste kanaanitische Stadt erobert und zerstört. Damals überlebte nur Rahab und ihre Familie (Jos 2-6). Die Stadt wurde ungefähr im 9. Jh. durch Hiel von Beth-El wieder aufgebaut (1Kön 16,34). Vier Mal wird Jericho in der Bibel als die Palmenstadt bezeichnet (5Mose 34,3; Ri 1,16; 3,13; 2Chr 28,15), was auf den reichen Bestand von Dattelpalmen hinweist. Der Prophet Elia war hier, bevor ihn der Herr hinwegnahm. Und ebenso sein Nachfolger Elisa, der in der Stadt und Umgebung unter den Prophetenjüngern die dort lebten mehrere Wunder wirkte (2Kön 2,1-22; 4,38-42). Insgesamt wird Jericho in der Bibel mindestens 65 Mal erwähnt und steht damit nach Jerusalem und Hebron an dritter Stelle der am häufigsten genannten Städtenamen. Dies spricht für die Bedeutung der Stadt auch im biblischen Kontext.

Zur Zeit von Jesus muss die Stadt in ihrer Blüte gestanden haben, denn bereits Herodes der Große (36-1 v.Chr.) baute für sich und seinen Hof wegen des milden Klimas in den Wintermonaten, einige Paläste unweit der Stadt am Ausgang des Wadi Kelt. Wir sollten bedenken, dass für Jesus all diese Geschichten vertraut waren und er in den Gesamtzusammenhang ganz neue Akzente setzte. So schreibt der Evangelist Lukas:

Und er (Jesus) ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen (genannt)  Zachäus, der war Oberzöllner und war reich. Und er suchte (begehrte) Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt (Wuchs). Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. (Lk 19,1-4).

 

Abbildung 5 Eine Kamelkarawane trottet gemächlich durch das Dickicht im Jordantal. Auch wenn die Beduinen heute auf ein Auto oder Jeep nicht mehr auskommen können, bleibt das Kamel für sie ein unverzichtbares Transportmittel (Foto: 7. November 2014).

 

Die Stadt Jericho lag damals an einer wichtigen Karawanenroute, bzw. Kreuzung. Sie war also Grenz- und Zollstadt für die Händler, welche mit ihren Waren aus dem Ostjordanland nach Judäa herüberkamen. Ebenso waren die Zöllner auch verantwortlich für die regulären jährlichen Steuereinnahmen von den Bewohnern. Auch dieses Geld floss in die römische Staatskasse. Daher gab es hier eine beachtliche Zollstation, die vermutlich Zachäus als Oberzöllner leitete. Dies würde bedeuten, dass er eine ganze Anzahl Mitarbeiter als Zöllner beaufsichtigte und anleitete. Wie wir bereits aus der Berufungsgeschichte des Zöllners Matthäus/Levi wissen, standen die Zollbeamten im Dienst des Römischen Staates. Dadurch waren sie von ihren jüdischen Mitbürgern und besonders der frommen Juden verachtet (Lk 5,27-30; 15,1f; 18,11; 19,7). Doch  die Leitung des Zollamtes ermöglichte es Zachäus zum Wohlstand und Reichtum zu gelangen.

Jesus zieht also vom Jordan kommend in Jericho ein. Es folgen ihm, wie so oft, viele Menschen. Auch in Jericho wird er schon von vielen erwartet, bot doch die Lage der Stadt einen freien und weiten Blick in Richtung Osten zum Jordantal hin.

Ausgehend von dem großen Interesse, ja dem eifrigen Verlangen Jesus zu sehen, „wer er wäre“, können wir durchaus annehmen, dass Zachäus einiges von Jesus gehört hatte. Bereits zur Zeit der Tauftätigkeit des Johannes, erwähnt Lukas ganz bewusst Zöllner. Er schreibt: „Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun?“ (Lk 3,12). Warum könnten es nicht auch Zöllner aus dem nahe gelegenen Jericho gewesen sein, die nach ihrer Umkehr und Taufe ihre Arbeitsweise ordneten und so positives Zeugnis waren für Zachäus? Lukas macht deutlich, dass es Zachäus nicht einfach nur darum ging Jesus zu sehen, sondern „zu sehen wer er wäre“. Sein Verlangen richtete sich hier auf die Person von Jesus. Doch es gibt für ihn einige unüberwindbare Hindernisse, er ist klein von Wuchs und die Menge ist ihm gegenüber nicht gerade wohlgesonnen. In dieser Situation bekommt er eine geniale Idee, er läuft voraus und klettert auf einen Maulbeerbaum.

 

Abbildung 6 Ein Maulbeerbaum in Jericho, der die Besucher des russisch-orthodoxen Kulturzentrums an die Geschichte mit Zachäus erinnern soll. Der Maulbeerbaum kann bis zu 15 Meter hoch werden und hat ein dichtes Laubwerk. Maulbeerbäume haben bereits im Januar ein dichtes Laub. Die Maulbeeren, in unterschiedlichen Farben und Formen, werden gegen Mitte/Ende Mai reif und ähneln ein wenig den Brombeeren. Diese Bäume kommen im ganzen Land häufig vor und sind in der Bibel auch öfters erwähnt.  (Foto: 13. Juni 2016).

 

In Jericho wird Jesus von allen Seiten von Menschen umdrängt, so dass ein offener Zugang zu ihm oder in seine Nähe nicht möglich ist. Lukas betont ausdrücklich den Einfallsreichtum des Zachäus. Der hier im Text erwähnte Baum (gr. sukomore,an sykomorean) ist eine sehr große, dichte und verzweigte Maulbeerbaumart. Auf diesem Baum kann sich Zachäus vor neugierigen Menschenaugen gut versteckt halten. Doch Jesus sieht nicht nur das Äußere, sondern bis tief in die Gedanken und Motive des menschlichen Herzens hinein. An vielen Stellen der vier Evangelien wird ausdrücklich betont, dass Jesus Gedanken und Beweggründe von Menschen erkannte (Mt 9,4; Joh 2,25; Mk 12,15). Er bleibt unter dem Baum stehen, schaut hoch und ruft mit lauter Stimme: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren (wörtl. bleiben).“ (Lk 19,5). Damit wird folgendes deutlich:

  • Jesus nennt Zachäus bei seinem Namen und zwar in der Rufform (Vok.);
  • Alle bekommen es mit, um wen es da oben in dem Versteck geht, denn Jesus nennt seinen Namen;
  • Jesus fordert Zachäus zur Eile auf;
  • Jesus kennt Zachäus und die Sehnsucht seines Herzens;
  • Jesus lädt sich selber bei Zachäus ein in dessen Haus zu kommen und zu bleiben;
  • Das „ich muss“ ist für Jesus absoluter göttlicher Wille und schließt einen Alternativbesuch aus;
  • Das „ich muss heute“ macht deutlich, dass es keinen Aufschub gibt. Es ist die einzige Chance für Zachäus und seine Familie;
  • Dass Jesus sich selbst einlädt, ist nicht ganz ungewöhnlich für die Kultur jenes Volkes, bedeutete es doch für den Gastgeber eine große Ehre, eine Würdigung seines Hauses. Trotzdem beinhaltet diese Selbsteinladung mehr als die gewphnliche bitte um Gastrecht zu gewähren;
  • Und schließlich will Jesus dort nicht nur einkehren, sondern auch bleiben (zumindest für eine bestimmte Zeit) und im übertragenen Sinne für immer.

Zachäus ist überrascht, denn solche Anerkennung hatte er nicht erwartet. Doch er zögert keinen Augenblick, sondern beeilt sich herabzusteigen und Jesus mit Freuden aufzunehmen. Bereits bei vielen Gelegenheiten sahen wir, wie Jesus konträr zu den üblichen und allgemein anerkannten Verhaltensmustern im Judentum handelte. Nun überrascht er erneut die Menge. Die Reaktion von vielen (allen) im Volk ist nicht zu überhören, denn eine Welle der Entrüstung oder Emphörung macht sich breit: „Bei einem sündigen Mann ist er eingekehrt zu herbergen.“ (Lk 19,7). Da die Jünger bereits die Einstellung und Haltung von Jesus zu Sündern und Zöllnern kannten (hatten sie doch in ihren eigenen Reihen einen ehemaligen Zöllner), wird wohl die Unzufriedenheit nicht aus ihren Reihen gekommen sein. Wir suchen die Anstifter des Murrens eher unter den Pharisäern in der Volksmenge, besonders unter denen, welche in Jericho wohnten und Zachäus gut kannten. Denn auch bei anderen Situationen äußern diese sich gegenüber Zöllnern verächtlich (Lk 5,27-30; 15,1-2; 18,11). Dieser Unzufriedenheit hat sich die Menge des Volkes angeschlossen. In der Kultur des Orients, aber auch in Israel war es eher üblich, dass ein Ehrengast, der in eine Stadt kam bei dem `Ortsvorsteher` einkehrte, bzw. von diesem in sein Haus geladen wurde. Doch Jesus lässt sich niemals von der Meinung oder Stimmung von Menschen leiten oder beeiflussen. Er verhält sich mal wieder konträr zu den üblichen Gepflogenheiten seiner Zeitgenossen. Er bestimmt selber die Entwicklung und den Lauf der Ereignisse. Das nennt man Geschichte gestalten.

Hier wollen wir noch auf ein besonderes Wort aufmerksam machen, es geht um den griechischen Begriff `katalu,sai katalysau„, den manche Übersetzungen mit `herbergen` wiedergeben. Er schloss ein übernachten mit ein, so in 1Mose 19,2; 4Mose 22,8. Mit diesem Wort beschrieben die Murrenden ein Herbergen, welches alle Annehmlichkeiten,

  • wie das waschen der Füße,
  • sich auf bequemen Polstern entspannen,
  • reichhaltiges Abendmahl,
  • und natürlich ungestörten Schlaf mit einschloss.

Bei seinen früheren Jerusalembesuchen ist Jesus oft durch Jericho gezogen und höchst-wahrscheinlich hat er auch mal hier bei jemandem übernachtet. Doch dieses Mal bleibt er in Jericho zwei Tage, bzw. zwei Nächte, denn der folgende Tag ist ein Sabbat und so wird er erst am ersten Tag der Woche weiterreisen können um sechs Tage vor dem Passa in Bethanien anzukommen (Joh 12,1). Doch fällt uns auf, dass der Evangelist keinerlei Details zum eigenlichen Aufenthalt von Jesus im Hause des Zachäus nennt. Also liegt der Schwerpunkt im vorhandenen Text.

 

Zachäus freut sich sehr über die Beachtung und Wertschätzung des Herrn, denn sein Verlangen (Begehren, Suchen) nach Jesus wird nun voll befriedigt werden (Lk 19,3.6). Die Reaktion des Zachäus: „und er nahm ihn auf mit Freuden“ kann umfassend verstanden werden. Doch anscheinend spielte sich die folgende Szene auf der Strasse, bzw. außerhalb des Hauses und in Gegenwart aller Anwesenden ab, Gleich zu Beginn klärt Zachäus seine Angelegenheiten vor Jesus und das in aller Öffentlichkeit und Offenheit. Von einer Art Selbstrechtfertigung erkennen wir keine Spur, dafür wird durch sein Bekenntnis zum ungerechten Verhalten, seine Sinneswandlung deutlich.

  • Die Hälfte der (ehrlich) erworbenen materiellen Güter will er unter Armen verteilen.
  • Das durch Betrug Angesammelte will er den Betroffenen erstatten. Das Gesetz über die Erstattung von Gestohlenem oder Veruntreutem forderte ein `Zweifaches` des Wertes: 2Mose 22,3-8, Doch Zachäus stützt sich wohl auf die Festlegung des Königs David, wonach ein `Vierfaches` erstattet werden sollte: 2Sam 12,6.

Jesus reagiert ungewöhnlich auf das Bekenntnis und den Entschluss des Zachäus mit den Worten: „Heute ist diesem Haus Rettung (gr. swthri,a söt¢ria) geworden denn auch er ist Abrahams Sohn.“ Hier müssen wir sorgfältig hinhören, wie sich Rettung eines Menschen vollzieht, zustande kommt und der neue Status durch den Zuspruch des Herrn besiegelt wird.

Das wichtigste Identitätsmerkmal für die Juden damals wie heute ist – die Zugehörigkeit zu Abraham, bzw. Nachkommen Abrahams zu sein. Dabei wurde und wird in erster Linie an die Blutsmäßige Abstammung von Abraham über Isaak und Jakob gedacht. Selbst bei Jesus war es notwendig, seine menschliche Herkunft auf Abraham zurückführen zu können. So schreibt der Evangelist Matthäus: „Buch der Geschichte von Jesus Christus, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1,1). Zachäus bekommt von Jesus seine wahre Identität mit den Worten zugesprochen: „Denn er ist Abrahams Sohn.“ (Lk 19,9). Damit bestätigt Jesus nicht einfach nur dessen blutsmäßige Abstammung von Abraham, sondenr das viel Wichtigere, nämlich den Glauben an den, welcher dem Abraham als Nachkomme verheißen wurde, das ist Christus (1Mose 22,18; Gal 3,16). Die Tatsache, dass Zachäus Jesus mit Freuden aufnahm, birgt in sich in ihrer Tiefe und Vollkommenheit die Aufnahme Jesu als den Messias/Retter im Glauben in sein Herz und in sein Leben. Das bewirkte in ihm die Rettung und Freispruch von Schuld. Durch die Rettung konnte Jesus ihm seine wahre Identität nun in Wahrheit  als Abrahams Sohn zu gelten zusprechen.

ANMERKUNG: Das gilt auch für Frauen, so sagte Jesus, nachdem er eine verkrüppelte Frau in einer Synagoge heilte zu seinen Gegnern: „Musste dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?“ (Lk 13,16).

Dieses Gütesiegel ist von Jesus und vorher schon von Johannes dem Täufer nicht ohne weiteres vergeben worden. Hören wir was Jesus etwa fünf Monate vorher den Schriftgelehrten in Jerusalem bescheinigte, als diese sich auf Abraham als ihren Vater beriefen; „Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke.“ (Joh 8,37-39).

Und was sagt der Täufer zu den stolzen Pharisähern: „Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte des Umdenkens; und nehmt euch nicht vor zu sagen: „Wir haben Abraham zum Vater“. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.“ (Lk 3,8). Erinnern wir uns, dass zur gleichen Zeit auch viele Zöllner zur Taufe kamen. Waren sie die Steine, die Gott zum Leben erweckte und ihnen die Identität zurückgab, die sie durch ihr Fehlverhalten verloren hatten?

Zachäus: eigennützig, selbstliebend, geldgierig, habgierig, gewissenlos, unbarmherzig, listig. Was machte ihn empfänglich für die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus?

  • Waren es nicht ganz am Anfang die sichtbaren Veränderungen im Lebens- und Arbeitsstil einiger seiner Mitarbeiter, die bereits bei der Predigt des Täufers umdachten und umkehrten?
  • War es nicht der Heilige Geist, der Zachäus von seiner Schuld überführte?
  • War es nicht der Vater im Himmel, der Zachäus offenbarte, dass Jesus der Christus ist?

Und Zachäus war bereit und nutzte die Chance, die Gott ihm gegeben hat. Oft macht Jesus eine theologische Aussage und danach erklärt er diese durch eine Erzählung oder bestimmte Hndlung. Hier gestaltet er eine ungewöhnliche Geschiochte und am Ende begründet er sein Verhalten und sein Handeln mit diesem einprägsamen Wort über die Aufgabe des Messias. „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten (gr. zhth,sai kai sw,sai z¢t¢sai kai sösai) das Verlorene.“ (Lk 19,10).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. In welchem lokalen Umfeld spielt sich diese Begegnung ab? Suche diese Gegend auf einer biblischen Landkarte und informiere dich über die Besonderheit dieser Gegend und Landschaft.
  2. Was ist dir über die Stadt Jericho bekannt? Erinnere dich an die biblischen Geschichten, welche sich in Jericho und Umgebung zugetragen haben.
  3. Beschreibe die Situation des Zachäus, wer ist er, welche körperliche Einschränkung hat er und was bewegt ihn?
  4. Beschreibe die Kreativität des Zachäus und wo erkennst du diese besonders bei Menschen mit Behinderungen?
  5. Jesus sieht tief in das Innere des Menschen, was bedeutet es für uns?
  6. Wie ist die Reaktion der (Pharisäer?), der Frommen, warum nehmen sie Anstoß am Verhalten von Jesus?
  7. Welche Menschengruppen sind uns heute unsympatisch?
  8. Jesus lädt sich selbst ein, ist dies normal? Gibt es in unserem Leben Situationen, bei denen wir ähnlich handeln würden?
  9. Was ist hier unter dem Begriff `Haus` gemeint?
  10. Was danach im Hause des Zachäus geschah wird nicht erwähnt, denn das von Lukas beschriebene spielt sich noch auf der Strasse ab.
  11. Die Predigt von Jesus, ist sehr kurz. Wie können wir im Alltag Menschen mit einer Kurzfassung der Evangeliumsbotschaft erreichen?
  12. Was können wir vom Verhalten Jesu für unsere Besuche und Gespräche mit Menschen lernen?
  13. Warum ist Zachäus auch ohne Aufforderung bereit die Hälfte seiner Güter den Armen zu geben und sogar eine vierfache Erstattung des Geraubten (Gestohlenen)? Was bewegt ihn?
  14. Merkst du den Kontrast zum Reichen Jüngling?
  15. Was bekommt Zachäus und seine Familie an diesem Tag?
  16. Erkennst du den Kontrast zwischen der Landnahme unter Josua und der Landnahme unter Jesus?  Welches Land erobert Jesus und wie?
  17. Wie und wo ist Jesus heute auf der Suche, um Verlorene zu retten?

 

9.23. Der blinde Bartimäus und sein Freund (HUL)

(Mt 20,29-34; Mk 10,46-52; Lk 18,35-43)

 

Jesus wandert mit seiner Jüngerschar weiter zum damaligen Touristenort Jericho. Besonders die milden Winter, die gut ausgebaute Stadt und ihre Attraktivitäten wie Theater, Amphitheater, Villen und Bäder machen den Reiz dieser Stadt im 1. Jhd. aus. Doch wird Jesus hat kaum ein Auge für diese Attraktionen – wendet er sich doch hier hinauf nach Jerusalem (1000 Höhenmeter) wohl wissend was ihn dort erwartet.

Bei Lesen der drei Berichte der Evangelisten fallen uns Unterschiede auf: Warum berichtet Markus nicht von der Heilung eines zweiten Blinden neben Bartimäus? Wo fand die Heilung statt? Auf beide Fragen finden wir keine befriedigende Antwort, außer dass die Evangelisten jeder aus seinem Blickwinkel Material sammelte und Teile davon niederschrieben. Wir erkennen die Unterschiede halten sie aber nicht für wesentlich – ja sie stärken die Einsicht, dass jeder Evangelist in seiner eigenen begrenzten menschlichen Art Berichte verfasste – doch inspiriert vom Heiligen Geist ergeben sie eine Einheit, die wir nicht immer restlos nachvollziehen können.

Jesus zieht von Peräa wahrscheinlich mit einer Schar Passah – Pilger nach Jerusalem. Am Wege ziehen sie an zwei Blinden vorbei (einen ähnlichen Bericht finden wir Mt 9,27f). Die Blinden bekommen schnell mit wer der Mittelpunkt dieser Reisegruppe ist. Auch sind soweit informiert, dass sie Jesus mit einer alttestamentlichen Verheißung in Verbindung bringen. Sie ehren zwar Jesus damit, doch enthält ihr Ausruf auch die Verpflichtung Ihnen zu helfen: „… erbarme dich unser, HERR, Sohn Davids!“(Mt 20,30). Zwar fehlt in einigen wichtigen alten Handschriften des Matthäusevangeliums das Wort „HERR“, aber der Königstitel „Sohn Davids“ wird überall überliefert. Ihre Situation war prekär, da sie als Bettler auf die milden Gaben der Pilger angewiesen sind. Doch diese Pilger verschlimmern ihre Situation erst einmal, in dem sie die unerwünscht lauten Bettler weiter an den Rand drängen und versuchen sie zum Schweigen zu bringen. Die Pilger haben dafür mehrere Gründe: a) Bettler passen nicht zur Würde des Rabbis; b) die Reisegruppe ist auf dem Weg nach Jerusalem und kann nicht dauernd gestoppt werden; c) mancher in der Reisegruppe wird mit der Anrede: Sohn Davids nicht einverstanden gewesen sein. Doch die Blinden geben nicht auf – von wem, wenn nicht von IHM können sie noch Hilfe erwarten.

Jesus blieb stehen. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo sein Herrschaftsanspruch an die Öffentlichkeit gebracht wird – typisch Jesus: durch zwei blinde Bettler! In wenigen Tagen wird der Sohn Davids offenbar werden – allerdings am Kreuz. Jesus wendet sich als der erfahrene Seelsorger den Bettlern zu und fragt sie, was er ihnen tun soll? Die Hilfesuchenden müssen jetzt selbst formulieren was sie wollen: eine relative milde Gabe oder das Maximale: die Gabe des Sehens. Es ist wirklich überraschend, nach all den Jahren der Blindheit resignieren sie nicht: sie wollen das Maximale von einem durchreisenden Rabbi: „…HERR, dass unsere Augen geöffnet werden.“ Der Evangelist Matthäus berichtet hier sehr nahe vom Geschehen, denn er fügt einen kleinen Hinweis an, der uns Einblick in das Seelenleben von Jesus ermöglicht: „…Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an…“ (Mt 20,34). Jesus rührt in seiner typischen barmherzigen Art die Augen der Bettler an (Mt 8,3; Mt 8,15; Mt 9,29; Mk 1,41; Mk 7,33; Lk 5,13; Lk 22,51) und sie wurden sogleich sehend“ (Mt 20,34). Die spontane und vollständige Heilung stellt ihre Sicht wieder her – um als erstes in das Angesicht von Jesus zu schauen. Diese Heilung wird sicherlich das Gesprächsthema der Reisegruppe bis nach Jerusalem gewesen sein. Die dortige überwältigende Begrüßung mag auch das Erleben dieser Heilung reflektieren.

 

Fragen

  1. Was empfinden wir, wenn Bibeltexte beim Bericht über ein Ereignis Unterschiede aufweisen? Wie wollen wir damit umgehen?
  2. In Mt 8,4; 9,30; 17,9 lesen wir wie Jesus zum Schweigen auffordert. Er will seine Stellung, Autorität und Macht nicht vorschnell in der Öffentlichkeit verbreitet wissen. Warum fordert er die Geheilten hier nicht zum Schweigen auf?

 

  1. Wie und warum bringen wir Menschen die letztlich zu Jesus um Hilfe schreien, zum Schweigen?

 

  1. Muss jeder Behinderte lebenslang um Heilung schreien? Ist jeder Behinderte, der zu einem Leben mit seiner Behinderung Frieden fand, gleichzeitig glaubenslos? Dürfen wir ihm ohne Aufforderung ein Heilungsgebet anbieten?

 

  1. Warum fordert Jesus die Blinden auf, ihren Wunsch zu formulieren?

 

  1. Wir lesen von der spontanen und vollständigen Heilung der Blinden. Was sind die Kennzeichen einer göttlichen Heilung? Geschehen sie heute noch?

 

Mt Herr, Sohn Davids, erbarme dich unser

Mk- Sohn Davids, erbarme dich mein

Lk Jesus du Sohn Davids erbarme dich mein.

Anmerkung: Lukas erzählt von der Heilung des Blinden vor Jericho, Matthääus und Markus berichten davon als Jesus Jericho verlässt. Wir folgen in diesem Fall der Chronologie des Matthäus, da dieser Jünger selbst Augenzeuge der Ereignisse um Jericho war, während Lukas es von anderen gehört hat und aus, für uns unbekannten Gründen, die Blindenheilung des Bartimäus voranstellt.

 

 

Fragen:

  1. Wo und wann ereignete sich die Heilung des Blinden Bartimäus und seines Freundes?

 

  1. Wie ordnen wir es ein, dass Markus und Lukas nur von Bartimäus, Matthäus jedoch von zweien Blinden schreibt?

 

  1. Woher weiss der Blinde, dass Jesus der Sohn Davids ist und was bedeutete oder beinhaltete diese Anrede?

 

  1. Jesus ist unterwegs nach Jerusalem, doch er wird aufgehalten, was sagt es aus über die Person Jesu?

 

  1. Sucht Jesus Anhänger oder Jünger?

 

 

9.24 Das Gleichnis vom König, der sein Reich einnimmt (HUL)

(Lk 19,11-27)

 

Jesus verlässt die Palmenstadt Jericho am ersten Tag der jüdischen Arbeitswoche (Sonntag) und begibt sich nach Jerusalem. Sicher legen sie unterwegs auch Pausen ein. Und bei solch einer Gelegenheit, nicht weit von Jerusalem entfernt hält es Jesus für wichtig, auf die falschen Erwartungen der Menschen, die ihm nachfolgten, einzugehen.

  • „Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war, und sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte. Er sprach nun: Ein hochgeborener (edler) Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich4 für sich zu empfangen und wiederzukommen. Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme! Seine Bürger aber hassten ihn und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns König sei! Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, da sagte er, man solle diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm rufen, damit er erfahre, was ein jeder erhandelt habe. Der erste aber kam herbei und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde hinzugewonnen. Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben. Und der zweite kam und sagte: Herr, dein Pfund hat fünf Pfunde eingetragen. Er sprach aber auch zu diesem: Und du, sei über fünf Städte! Und der andere kam und sagte: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich in einem Schweißtuch verwahrt hielt; denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist; du nimmst, was du nicht hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe? Und warum hast du mein Geld nicht auf eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert? Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat! Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat ja schon zehn Pfunde! Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir“ (Lk1,11-27)!

 

Mehr als drei Jahre verkündigte Jesus das Hereinbrechen des Gottesreiches, doch vermochten seine Nachfolger, einschließlich seiner zwölf Jünger nicht begreifen, dass es sich um ein Reich handelt, welches von seiner Bschaffenheit nicht den Reichen dieser Welt entsprach, auch nicht dem von David errichteten Reich für Israel.

 

Fragen:

1 Wo befand sich Jesus, als er dieses Gleichnis erzählte und warum gerade hier?

 

  1. Wie viele Pfunde bekam jeder der zehn Knechte und mit welchem Auftrag und Verantwortung? Wie verlief die Abrechnung?

 

  1. Wo und wann hat sich die Aussage: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ über Jesus als dem König Israels ausgesprochen worden?

 

  1. Wen spricht Jesus mit diesem Gleichnis an?

 

  1. Wer ist mit den Feinden im Gleichnis gemeint?

 

 

[1]Der griechische Begriff ´παιδια-paidia´ bezeichnet Kinder bis etwa 12 Jahren. Er wird jedoch auch im übertragenen Sinne auf Erwachsene Kinder Gottes angewendet

[2]Der griechische Begriff `βρεφος-brefos` ist die Bezeichnung für einen Säugling und ein noch ungeborenes Kind.

 

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