JESUS KOMMT WIEDER

JESUS KOMMT WIEDER

Abbildung 1  Kaum ein anderes Naturphänomen beeindruckt so stark wie der Blitz und der darauf folgende Donner.  Heftiges Gewitter über der Insel Thassos. Der Blitz leuchtet über der Ägäis. Der Mensch zuckt zusammen bei dem ohrenbetäubendem Donnerrollen und die Worte von Jesus kommen in Erinnerung: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“ (Lk 17,24). Foto von Joela Schüle August 2020

Bibelstudie über die Wiederkunft von Jesus in Macht und Herrlichkeit

Vorwort­

Für die Beschäftigung mit diesem Thema können folgende Gründe angeführt werden:

Jesus hat sehr viel und oft über sein Wiederkommen“ gesprochen und die Apostel haben sehr viel darüber geschrieben. Wie viel dringlicher ist diese Thematik heute, weil wir diesem Ereignis zeitlich näher stehen als damals die erste Gemeindegeneration.

Die Gläubigen sollten wenigstens wissen, was es im Neuen Testament in Bezug auf die Wiederkunft Jesu eindeutig zu verstehen gibt. Es gibt zwar einige Stellen, über die es unterschiedliche Erkenntnisse gibt, die zum Teil zu“ Spekulationen geführt haben. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Bibelarbeit auf die spezifischen, unklaren Stellen einzugehen.

Damit die Gläubigen an Christus diese Zeit nutzen, um bei der Wiederkunft Jesu in einem guten, geistlichen Stand angetroffen zu werden.

Für die, welche an Christus noch nicht glauben, damit sie ihre Beziehung zu Gott rechtzeitig ordnen.

Nicht zuletzt auch aus emotionalen Empfindungen, damit ist gemeint die Vorfreude und die Sehnsucht, Jesus zu sehen und mit ihm als unserem Retter und Erlöser die Ewigkeit zu verbringen.

Einleitung

Jesus sprach sehr viel über die Tatsache sowie die Begleitumstände seines Wiederkommens. Dabei machte er oft direkte Aussagen, oder er beschrieb verschiedene Aspekte seines Kommens in Gleichnissen und Bildern. Die vier Evangelien sind eine wahre Fundgrube zur Erschließung dieses großen Themas. Auch in allen übrigen neutestamentlichen Schriften wird“ dieses Thema aufgegriffen und detailliert behandelt. Jesus versprach wiederzukommen. Am Vorabend seines Leidens sagte Jesus zu seinen Jüngern:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe euch die Stätte zu bereiten, so komme ich wieder, um euch zu mir zu nehmen, damit ihr seid, wo auch ich bin. (Joh 14,1-3).

Folgende Aspekte werden hier betont:

  • Im Hause Gottes gibt es viel Platz zum wohnen (bleiben). (Hebr 11,16:“ „denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet„).
  • Obwohl es im Vaterhaus genug Wohnraum gibt, geht Jesus hin um die Stätte für seine Jünger vorzubereiten, was er damit meinte ist nicht eindeutig zu verstehen.

Er kommt wieder und holt die Seinen zu sich (Joh 17,24: damit sie seine Herrlichkeit sehen).

1.“Ein erster Überblick über die Ereignisse bis zum Ende der Weltzeit

In diesem Abschnitt gehen wir insbesondere auf die Texte der vier Evangelien ein, denn diese Aussagen stammen alle aus dem Munde von Jesus.

1.1 Faszination Tempel

In den Jahren 520-516 v.Chr. wurde unter der Leitung von Serubbabel, dem Statthalter von Judäa und Jeschua, dem Hohenpriester, der nachexilische Tempel aufgebaut. Unterstützt wurden sie durch die Propheten des Herrn Sacharia und Haggai.

Abbildung 2 Modell des so genannten Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holy Land Hotels in Jerusalem (Foto: April 1986).

Herodes der Große (37-1 v.Chr.) erweiterte diesen Tempel und baute ihn prachtvoll aus. Daher wird er auch als Herodianischer Tempel bezeichnet. Laut Aussage der Pharisäer wurde daran seit 46 Jahren gebaut (Joh 2,20). Er zählte zu den prachtvollsten Tempeln jener Zeit. Seit seinem zwölften Lebensjahr war Jesus mit diesem Tempel vertraut (Lk 2,47). Noch während der Passionswoche des Jahres 33, nachdem Jesus alle seine Reden an das Volk vollendet hatte, verließ er den Tempel (Mt 24,1; Mk 13,1). Diesen Tempel, den er als „das Haus meines Vaters“ bezeichnete und in dem er so oft und machtvoll lehrte, wird er wohl nicht mehr betreten. Während er sich nun von diesem prachtvollen Tempel distanziert, sind seine Jünger von der äußeren Pracht dieses Bauwerkes fasziniert.

So schreibt der Ev. Matthäus: „Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen.“

Der Ev. Lukas ergänzt: „Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei„.

Der Ev. Markus ergänzt: „Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude!“

Wie sehr waren die Jünger noch auf das Äußere gerichtet. Doch das, was vor Augen ist, verdeckt häufig den Blick in das Innere, den wahren Zustand der Herzen von Menschen. Aus den Worten von Jesus entnehmen wir, dass in der Führung Korruption herrschte (Joh 2,16).

Jesus nimmt die Hinweise der Jünger zum Anlass und eröffnet ein gewaltiges Thema. Lesen wir die Aufzeichnungen der drei synoptischen Evangelisten.

Matthäus: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Lukas: „Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird.“

Markus: „Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Wir können uns vorstellen, wie schockiert die Jünger sein mussten bei dieser Ankündigung. Dass es sie sehr beschäftigte und nicht mehr losließ, geht aus ihrem Nachfragen deutlich hervor. Dann folgt die berühmte ölbergrede von Jesus, die wiederum die drei Evangelisten festgehalten haben.

Matthäus: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ (Mt 24,1-3).

Lukas: „Sie fragten ihn aber und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,5-7).

Markus: „Und als er auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersaß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles vollendet werden soll?“ (Mk 13,1-4).

Schauen wir uns die Fragen der Jünger genauer an. Sie wollen wissen:

  1. Frage: Wann die Zerstörung des Tempels (und der Stadt) sein wird und welche Zeichen diesem Ereignis vorangehen werden?
  2. Frage; Wann das Ende der Weltzeit sein wird und welche Zeichen seiner Ankunft vorangehen werden?

Zu beiden Ereignissen hat Jesus bereits bei  einer früheren Gelegenheit etwas gesagt. In Bezug auf das Weltende in zwei Gleichnissen (Mt 13,36-43; 44-49). In Bezug auf die Zerstörung Jerusalems (Tempel mit eingeschlossen) bei seinem Einzug in die Stadt (Lk 19,41-44).

1.2 Jesus gibt einen ersten Überblick bis zum Weltende

Beim Lesen der entsprechenden Texte  stellen wir fest, dass Jesus zunächst auf die zweite Frage der Jünger eingeht indem er einen ersten Überblick bis zum Weltende gibt (Mt 24,4-14; Mk 13,4-13; Lk 21,7-19).

Matthäus: „Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen“ (Mt 24,5; ähnlich auch Mk 13,6-7). Lukas: „Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin’s, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8).

Dieses Zeichen wird zunächst im jüdischen Kontext erkennbar sein. Denn die Verwerfung von Jesus als Messias Israels, rief viele selbsternannte Messiasse auf den Plan, wodurch viele aus dem jüdischen Volk ihnen anhingen. Bis zur Zerstörung der Stadt (70 n.Chr.) und auch noch nach dem Aufstand unter Bar-Kochba (135 n.Chr.) gab es einige (Apg 5,36). Und bis heute steigt die Zahl der falschen Messiasse nicht nur im Judentum. Durch deren Auftreten werden viele verführt. Es ist eine traurige Tatsache, dass gerade unter der jüdischen Bevölkerung ein großer Teil verführt wurde zum Leidwesen des Volkes. Die Aufforderung von Jesus an seine Nachfolger lautete: „Hört nicht auf sie, folgt ihnen nicht nach“. Dieses Verführungszeichen wird zunehmen bis zur Wiederkunft von Jesus.

Matthäus: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.“ (Mt 24,6; ähnlich auch Mk 13,8)). Lukas:  „Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hört, erschreckt nicht.“ Die Worte von Jesus fordern die Gläubigen auf, sich nicht erschüttern zu lassen, nicht in Panik zu geraten. Folgende Aussage will uns nicht so recht passen: „denn es muss geschehen„. Gut möglich, dass Jesus zunächst an die Aufstände der Juden denkt und an die darauf folgenden Kriege mit den Römern. Es kann sich aber auch um eine Aussage handeln, die allgemeine Gültigkeit hat. Worauf Jesus jedoch deutlich hinweist ist, wie sich dabei seine Jünger zu verhalten haben. Und noch eine bemerkenswerte Aussage macht er, die leicht übersehen wird: „aber das Ende ist noch nicht da“ . Der gr. Begriff `telos` meint in diesem Falle das Weltende, so auch in Mt 24,14; Mk 13,7; Lk 21,9; 1Kor 15,24; 1Petr 4,7. In anderen Texten weißt er auch auf das Lebensende eines Menschen hin. (Mt 24,13). Das griechische verneinende Wörtchen `oupo` meint: noch nicht, keineswegs. Mit dieser Aussage will Jesus seine Jünger zum geduldigen Ausharren ermutigen. (Mt 24,6; Mk 13,9; Lk 21,8).  Möglich ist auch, dass Jesus die Jünger vor einer euphorischen Naherwartung warnte, die sich trotzdem einstellte (Apg 1,6; 2Thes 2,1ff).

Matthäus: „Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich,“ (Mt 24,7; ähnlich auch Mk und Lk).

Was Jesus hier sagt, ist nicht einfach eine Wiederholung des Vorhergehenden, sondern eine Steigerung. Natürlich gab es dies auch schon zur  Zeit vor Christus, doch mit dem Bevölkerungswachstum nahmen diese Kriege sehr große Dimensionen an. Dazu setzen sich die Königreiche der Welt von vielen Nationen zusammen. Die zwei Weltkriege des 20. Jh. belegen die Worte von Jesus.

Matthäus: „Und es werden Hungersnöte (Lk ergänzt: und Seuchen) und Erdbeben (Lk: große Erdbeben) da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“ (Mt 24,7-8; ähnlich auch Mk).

Hungersnöte und Seuchen haben verschiedene Ursachen. Es können Naturereignisse sein wie Dürreperioden oder auch Erdbeben (1Mose 41,31; 1Kön 8,1.37; Amos 1,1; Sach 14,5)). Doch häufig sind sie Folgen von Kriegen. Ja, Erdbeben gab es schon vor Christus,  doch in unserer Zeit nehmen sie zu. Heute zählt man jährlich über einhunderttausend kleinere und größere Erdbeben weltweit. Ebenso nimmt die Zahl der Vulkanausbrüche zu mit verheerenden Folgen. Noch mal zieht Jesus Zwischenbilanz und beschreibt diese Entwicklungen mit den Worten: „Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“. Hier wird von Jesus der Vergleich zu den Geburtswehen einer Frau gebraucht, die wellenartig immer intensiver werden (1Thes 5,3).

Lukas: „Auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.“  (Lk 21,11).

Der gr. Begriff `fob¢thra` könnte man auch mit `fürchterliche, also `Furcht und Schrecken erregende Dinge` wiedergeben. Ob Jesus mit der Aussage “ vom Himmel her große Zeichen geschehen“ das Gleiche meint wie später in Matthäus 24,29: als gewaltige Naturereignisse?

Matthäus: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 24,9). Lk ergänzt: „Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können. Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen. Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben (gr. Psychas – Seelen) gewinnen.“ (Lk 21,12-19; 9,24).

Dies begann mit der Verfolgung der ersten Gemeindegeneration und setzt sich bis heute fort. Es kommt zu Verrat und Auslieferung in Bedrängnisse, ja sogar getötet werden Gläubige und gehasst von allen Völkern. Matthäus ergänzt: „Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen.“ (Mt 24,10). Alle diese Aussagen haben sich unzählige Male erfüllt.

Matthäus: „und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit (gr. anomia)  überhandnimmt, wird die Liebe der Vielen erkalten.“ (Mt 24,11-12).

Ist dies bereits Abfall vom Glauben? Etwa sechzig Jahre später macht Jesus der Gemeinde in Laodizäa diesen Vorwurf (Offb 3,17). Gesetzlosigkeit meint in ihrer Ausdehnung Anarchie. Und nun macht Jesus wieder eine wichtige Zwischenaussage: „wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“ (Mt 24,13). Hier kann `Ende-telos` sich auch auf das treue Ausharren bis zum Lebensende verstanden werden.

Matthäus: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis (gr. oikoumen¢ – bewohnte Erde), allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“ (Mt 24,14).

Welch eine Aussicht für die Völker! Alle bekommen die Möglichkeit zur Rettung. Aber auch welch ein Auftrag an die Nachfolger von Jesus, seine Gemeinde! Und nun gibt Jesus seinen Jüngern die Antwort auf die Frage nach dem wann? Das gr. `tote – dann`, hier als Zeitangabe, bedeutet: danach kommt das Ende (Mt 24,14; 24,3; 1Kor 15,24). Das Ende, die Vollendung von diesem  Zeitalter ist demnach nicht an ein Datum gebunden, sondern an den Umstand, bis das Evangelium vom Reich Gottes allen Nationen verkündigt sein würde. Damit hat Jesus seinen Jüngern in einem ersten einprägsamen überblick eine Antwort auf deren zweite Doppelfrage gegeben. Diese von Jesus beschriebenen Ereignisse sollten als Zeichen gesehen werden in der Zeitspanne bis zum Weltende, dem Abschluss des jetzigen Zeitalters.

1.3 Das Gericht am Hause Gottes

Ab Matthäus 24,15; Mk 13,14; Lk 21,20 geht Jesus auf die erste Frage der Jünger ein. „Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,7). Diese erste Frage (die eigentlich eine Doppelfrage ist) bezog sich auf die Ankündigung von Jesus über die Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel. Dieses Thema ist so sehr verflochten mit dem Thema die Wiederkunft Jesu, dass es hier nicht ausgespart werden soll. Dazu enthält es deutliche Parallelen zum Thema die Wiederkunft Jesu. In seiner Antwort setzt Jesus den Schwerpunkt auf die Vorzeichen und beantwortet damit wenn auch indirekt die Frage nach dem: wann wird Jerusalem zerstört.

Matthäus: „Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,24-27; 11,31; 12,11) „wer das liest, der merke auf!“ (Mt 24,15; ähnlich auch Mk 13,14). Jesus verweist auf die Prophezeiung durch Daniel und fordert zum Nachlesen auf und darauf zu achten. Doch was meint er mit der Formulierung `Gräuel der Verwüstung`? Hier einige Beobachtungen:

Das Wort Gräuel kommt in den verschiedenen Textzusammenhängen mehr als 140 Mal vor. Und beschreibt immer eine negative Beurteilung einer Sache oder Handlung. Die Sache oder Handlung ist abscheulich oder ekelhaft, weil sie beschmutzt und entheiligt.

Die gr. Formulierung `bdelygma t¢s er¢moseös – Gräuel der Verwüstung` kommt sowohl in Mt 24,15 als auch in Mk 13,14 vor. Die gleiche Formulierung (Gräuel der Verwüstung) finden wir auch in Dan 11,31 und 12,11.  Dort seht geschrieben: „Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Bergfestung entweihen und werden das regelmäßige „‚Opfer“‚ abschaffen und den verwüstenden Gräuel (LXX: Gräuel der Verwüstung) aufstellen.“  ähnlich auch in Dan 12,11: „Und von der Zeit an, in der das regelmäßige „‚Opfer“‚ abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel(LXX: Gräuel der Verwüstung) einzusetzen, sind es 1 290 Tage.“

Oder weist Jesus auf die Prophezeiung in Dan 9,27 hin? Dort steht: „Überflutung; und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen. Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Gräueln „‚kommt“‚ ein Verwüster, bis fest beschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.“

Die Prophezeiungen in Dan 10 und 11 enthalten Detailinformationen, welche sich zunächst  auf die Periode der griechischen Herrschaft beziehen. Bereits unter Antiochus Epiphanes IV (167-164 v.Chr.) wurde der Tempel in Jerusalem entweiht  und das tägliche Opfer aufgehoben. Ob Jesus indirekt daran erinnert? Oder liegt es da nicht näher, dass er die im Jahre 70 eingetroffene Zerstörung des Tempels gemeint hat, immerhin haben seine Jünger danach gefragt. Um welche Gräuel der Verwüstung kann es sich handeln?

Anmerkung: Einige übersetzen mit „Gräuelbild der Verwüstung“, doch das Detail mit dem (Bild) fehlt in allen griechischen Texten. Gräuel ist der Verwüstung zugeordnet.

Doch auch die römischen Standarten (Banner) galten den Juden ebenfalls als Gräuel  im Umfeld der heiligen Stätten.

Im Jahre 66 kam es dann zum jüdischen Aufstand. Einer der Gründe war die Provokation seitens des römischen Statthalters Florus, der den Tempelschatz plünderte.

Im Text des Ev. Lukas (21,20) in dem Jesus auf  dieselbe Frage der Jünger eingeht, gibt er die Erklärung dazu. „Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.“ (Lk 21,20). Durch den Begriff `Verwüstung` ist der Bezug zu der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel deutlich erkennbar. Denken wir auch an die Schändung des Tempels durch die Römer, an die Entwendung der vorhandenen Tempelgeräte. Und damit ist auch der Tempelbetrieb zu Ende gegangen.

Doch die eigentlichen `Gräuel die zur Verwüstung  der Heiligen Stätten führten, sind die Gräuel in Israel selbst zu finden (Mt 21,13). Jesus wirft der Führung Israels vor: „Ihr aber habt es (das Haus meines Vaters) zu einer Räuberhöhle gemacht.“ (Mt 21,13). Parallelen zu der Verunreinigung des Heiligtums finden sich bereits in der Zeit vor der ersten Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 v.Chr. (Hes 8,1-9).

Verstärkt wird dies noch durch die Tatsache, dass auch nach dem Tod von Jesus das Blutvergießen der Heiligen in dieser Stadt fortgesetzt wurde (Lk 11,51; Apg 7,59; 12,2; 8,1). ähnliches geschah auch vor der ersten Zerstörung des Tempels (Jer 44,22; Hes 33,29). Das Gräuliche ging immer zuerst von den Bewohnern der Stadt Jerusalems aus ( (Mt 23,13-29; Lk 13,34). Doch auch der offene Kampf um die Macht der innerjüdischen Gruppierungen um den Tempelbezirk (66-70) kostete vielen im eigenen Volk das Leben.

Dann sagt Jesus im Detail, was die Jünger (die sich zu der Zeit in Jerusalem und Judäa befinden werden) zu tun haben.

Alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen.“ (Mt 24,16-18; ähnlich auch Mk 13,14ff). Lukas ergänzt: „Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“ (Lk 21,22; vgl. dazu auch 5Mose 28,64; Dan 9,24-27;). Ebenso Lk 19,43-44: „Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.“

Beim Herannahen der feindlichen Heere flüchteten die Menschen zu ihrem Schutz in die befestigte Stadt Jerusalem. Jesus fordert seine Nachfolger auf das Umgekehrte zu tun.

„Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!“ (Mt 24,19).

Während der Belagerung Jerusalems durch die Römer herrschte große Hungersnot in der Stadt, dies bekamen Jene Frauen besonders zu spüren.

„Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“ (Mt 24,20).

Am Sabbat wegen Einschränkungen beim Reisen, im Winter musste mit ungünstigen Wetterbedingungen gerechnet werden. Durch Wachsamkeit und Bitte im Gebet zu Gott, können die Gläubigen auf den Fluchtverlauf Einfluss nehmen. Dies geschah auch, denn die politischen Veränderungen in Rom veranlassten den römischen Befehlshaber Vespasian im Jahre 68 n.Chr. die Belagerung Jerusalems vorübergehend aufzuheben. In der Zeit konnten die verbliebenen Gläubigen an Jesus aus der Stadt fliehen. Herodes Agrippa II (50-100 n.Chr.) gewährte ihnen in seinem Herrschaftsbereich östlich des Jordans Zuflucht (Apg 26,1ff).

Anmerkung: Einige Aspekte aus dieser Periode werden in ähnlicher Weise von Bedeutung sein am Tage des Menschensohnes (siehe Lk 17,29ff).

Und Jesus fährt fort: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“ (Mt 24,21; ähnlich auch Mk). Die Ergänzung bei Lukas bringt auch etwas mehr Licht in die verkürzte Aussage bei Matthäus und Markus. „Denn es wird große Not auf Erden (im Land) sein und Zorn über dies Volk kommen, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.“ (Lk 21,23-24; lies auch 1Thes 2,15-16). Offensichtlich hat der Ev. Lukas den Schwerpunkt auf die große Not, welche das jüdische Volk treffen wird,  gelegt. In den Texten der Ev. Matthäus und Markus steht die große Bedrängnis auch im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus.

Die große Bedrängnis, große Trübsal oder große Not von der Jesus hier spricht, erstreckte sich nach dem lukanischen Text zunächst auf das jüdische Volk im Lande. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und Umgebung (auch in Galiläa) hat es voll getroffen. Diese große Bedrängnis erstreckte sich aber nicht nur partiell auf die schrecklichen Ereignisse während der Belagerung und Eroberung der Stadt Jerusalem, sondern umfasste auch die nachfolgenden Leiden durch Schwert, Gefangenschaft, Versklavung und Zerstreuung unter den Völkern der Welt. Die schwerwiegende Aussage von Jesus, dass es solche Trübsal (im Volk Israel) noch nicht gegeben hat, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Dass es jedoch solche Trübsal nicht mehr geben wird, ist im Blick auf Holocaust schwer nachvollziehbar. Doch Jesus konnte sich nicht geirrt haben. Dazu folgende Überlegung: Man sehe die große Trübsal als eine lange Periode an, denn alle nachfolgenden Bedrängnisse des jüdischen Volkes in der Diaspora (einschließlich Holocaust) sind letztlich Folgen der Zerstörung Jerusalems. Dass seit der Rückkehr der Juden in das Land ihrer Väter 1882 und seit Staatsgründung im Jahre 1948 eine sichtbare und spürbare Erleichterung eingetreten ist, liegt auf der Hand. Ob jedoch damit die Zeiten der Nationen bereits erfüllt sind ist fraglich. Denn der Tempelbereich, die heiligste Stätte des Judentums, ist nach wie vor von einem anderen Volk mit einer antigöttlichen Religion und deren Heiligtümern besetzt.

Abbildung 3 Seit dem Jahre 70 n.Chr. ist der Tempel in Jerusalem nicht mehr existent. Nach dem Bar-Kochba Aufstand im Jahre 135 n.Chr. ließ Kaiser Hadrian auf dem zerstörtem Tempelgelände ein Zeus Heiligtum errichten. Damit entheiligte er diese Stätte zusätzlich. Seit dem 7.Jh. steht an dessen Stelle der so genannte Felsendom und im südlichen Teil des Tempelgeländes steht die große Al-Aqsa Moschee. Inzwischen wurde auf diesem Gelände  eine weitere Moschee gebaut. (Foto: Juli 1994).

Noch ein Hinweis zu der Aussage von Jesus:   „bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind“ (Lk 21,22b). Für `Zeiten steht im gr. Text nicht `chronous`, sondern `kairous`. Mit diesem Begriff werden nicht Zeitpunkte markiert, sondern auf Zeitinhalte hingewiesen. Und diese Inhalte und Prozesse scheinen noch nicht ganz erfüllt zu sein. Jesus fährt fort:

„Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (wörtl: Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ (Mt 24,22).

Dies ist eine der am schwierigsten zu verstehende Aussage von Jesus in diesem Text. Die Formulierung `wenn diese Tage (gemeint sind die Tage der großen Bedrängnis) nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (Fleisch) gerettet werden`. Natürlich kann man da zunächst an die Verkürzung der Not während der Belagerung von Jerusalem, die ja zu Gunsten der Gläubigen unterbrochen wurde, denken. Und ebenso auch an die Begrenzung der Bedrängnis vor seiner Wiederkunft. Was mit Sicherheit gemeint sein kann ist: Wegen der Auserwählten setzt Gott Grenzen. Eine Begrenzung des Ausmaßes und der Intensität der Bedrängnisse. Das kann sich sowohl auf das Globale als auch das individuelle beziehen (Hiob; 1Kor 10,13; 1Kor 10,13; Offb 3,10). Da Bedrängnisse allen Gläubigen verordnet sind, kann sich `große Bedrängnis` damals auf das gesamte jüdische Volk bezogen haben und am Ende der Zeit wird es über die gesamte noch lebende Generation ausgedehnt werden (Offb ; 20,7-9).

2. Begriffe und Bezeichnungen, mit denen das Kommen von Jesus beschrieben wird

Hier machen  wir uns mit Begriffen und Bezeichnungen vertraut, welche die Wiederkunft von Jesus beschreiben. Sie alle ergänzen einander.

2.1 Die Ankunft von Jesus Christus

Die Ankunft, gr. `parousia`. Dieser Begriff kommt mindestens 16 Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Der Begriff meint aber nicht nur den Punkt des Ankommens, sondern auch das anschließende `da sein`, die Anwesenheit, das gegenwärtig sein. So der Zusammenhang in 1Kor 16,17: „Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn diese haben eure Abwesenheit ersetzt.“ (ähnlich auch in 2Kor 7,6-7; 10,10; Phil 1,26; 2,12). Mit diesem Begriff wird auch das erste Ankommen und Anwesenheit von Jesus beschrieben (Apg 7,52; 2Petr 1,16). Der Kontext macht klar, von wessen Ankunft die Rede ist.

  1. Mt 24,3: „was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters (synteleias tou aiönos)?“ Meinten die Jünger mit dieser Doppelfrage, dass bei der Ankunft von Jesus auch das Ende dieses Zeitalters sein wird, oder dachten sie an zwei verschiedene Ereignisse? Wie auch immer ihr Verständnis bis dahin war, für Jesus gibt es das `Jetzige` und das `Zukünftige` Zeitalter` (Mt 12,32; Mk 10,30; Lk 18,30). Den Zugang zu den Fragen der Jünger finden wir meistens in den Antworten des Herrn selbst. Und in der Tat, Jesus geht sehr detailliert auf ihre Fragen ein (siehe 1. Abschnitt)
  2. Mt 24,27: „Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Es blitzt nur bei Gewitter. Beim Anblick des aufziehenden Gewitters ist Blitz zu erwarten. Doch niemand kann den Augenblick des Blitzes voraussagen. Durch diese Bildersprache aus der Natur macht Jesus deutlich, dass seine Ankunft plötzlich, unerwartet und schnell sein wird.

3+4. Mt 24,37-39“: „Aber wie die Tage Noahs waren, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wie sie in jenen Tagen vor der Flut waren: – sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte -, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Die Menschen zu Noahs Zeiten achteten nicht darauf, was Noah tat und sagte. Sie gingen den alltäglichen Beschäftigungen nach. So ähnlich sagt Jesus, wird es auch vor und bei seiner Ankunft sein. Das Interesse der Vielen ist auf alles Mögliche ausgerichtet, nur nicht auf Gott und die Zeichen der Zeit. Wie der Vergleich zur Zeit Noahs zeigt, werden auch die Gläubigen bei der Ankunft von Jesus gesichert sein

  1. 1Kor 15,23: „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft.“Durch den Kontext wird deutlich, dass der Ap. Paulus hier nur von der Auferweckung der verstorbenen Gläubigen schreibt. Dies nehmen manche Ausleger zum Anlass, dass die Auferweckung der nicht Gläubigen später beim Gericht stattfinden wird. Doch dann müsste Jesus noch zweimal kommen. Oder es müsste zwei voneinander getrennte Auferstehungen geben.
  2. 1Thes 2,19: „Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Ruhmeskranz – nicht auch ihr? – vor unserem Herrn Jesus bei seiner Ankunft?“ Der Ap. Paulus freut sich im voraus auf die Ankunft von Jesus, bei der die Auswirkungen seines Dienstes und die seiner Mitarbeiter offenbart werden. Indirekt ist dadurch auch ein Wiedererkennen angedeutet.
  3. 1Thes 3,13: „um eure Herzen zu stärken, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.“ Auch der Dienst des Apostels durch seine Briefe trägt zur Stärkung im Glauben und tadelloser Lebensführung der Gläubigen bei. Und dies alles im Hinblick auf das Kommen von Jesus. Doch was meint der Apostel: „mit allen seinen Heiligen“, sind es die bereits entschlafenen Gläubigen oder die Engel? An anderen neun Stellen sind es ausdrücklich Engel, die Jesus bei seiner Wiederkunft begleiten (Mt 13,41; 16,27; 24,31; 25,31; Mk 8,38; 13,27; Lk 9,26; 1Thes 4,16; 2Thes 1,7). Ihr Dienst besteht darin, die Gläubigen zu sammeln, auch die Entschlafenen.
  4. 1Thes 4,15: „Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.“ Auch hier spricht der Apostel nur von den Gläubigen, darum kann der Eindruck entstehen, dass die anderen zu einem späteren Zeitpunkt auferweckt werden. Doch dies würde der Aussage von Jesus aus Joh 5,28-29 klar entgegenstehen, wonach sowohl die Gutes getan haben und die das Böse verübt haben gleichzeitig auferstehen werden (ähnlich auch Mt 13,41; 13,48-49; 25,31ff).
  5. 1Thes 5,23: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“ Völlige Heiligung, Hingabe, ganz dem Herrn zu gehören, ist das Ziel Gottes in Jesus Christus. Und auch hier ist der Bezug zu der Ankunft von Jesus deutlich.
  6. 2Thes 2,1: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm,“ Hier ist der Gedanke der Vereinigung mit Jesus (Durch Auferweckung und Entrückung) bei seiner Ankunft hervorgehoben. Doch der Anlass zu folgendem Text ist, das falsche Verständnis der Thessalonicher in Bezug auf die Wiederkunft von Jesus zu korrigieren.
  7. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft:“ Bei der Ankunft, bzw. Erscheinung von Jesus wird der Gesetzlose (die gesamte feindliche Macht) durch Jesus siegreich und vollständig vernichtet werden.

12+13. Jak 5,7+8: „Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange. Habt auch ihr Geduld, stärkt eure Herzen! Denn die Ankunft des Herrn ist nahegekommen (hat sich genaht). (vgl. mit 1Petr 4,7).  Der Aufruf zur Geduld / Langmut ist immer im Kontext zu sehen: es hat alles seine Zeit. Der Schwerpunkt für die Gläubigen ist, dranbleiben, nicht mutlos oder matt werden, durchhalten und dabei das Wiederkommen von Jesus (bei der die Ernte eingefahren wird) im Auge behalten (Mt 13,37-43).

  1. 2Petr 3,4: „und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.“ Bereits in der Generation der Apostel gab es Kritiker, Zweifler, Skeptiker und auch Spötter. Petrus hat dadurch einen Anlass, um mehr auf dieses Thema einzugehen. Siehe den folgenden Text.
  2. 2Petr 3,12: „indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden!“ Dabei kann sich Petrus auf die Aussagen von Jesus aus Matthäus 24,35 stützen: „Himmel und Erde werden vergehen“. Die Auflösung der materiellen Schöpfung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ankunft von Jesus, bzw. sie geht der Ankunft voran. Man bedenke, was dies bedeutet in Bezug darauf, was kommt danach? Wie wir später sehen werden, ist „Der Tag Gottes“ auch der Tag des Herrn Jesu Christi.
  3. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Merken wir, bei seiner Ankunft sind die Gläubigen noch hier. Ankunft ist sozusagen die Überschrift des großen bevorstehenden Ereignisses bei dem Jesus offenbart werden wird. Bei diesem Begriff geht es also um die Enthüllung des Inhaltes, um Jesus selbst und was durch seine Person gewirkt wird. Johannes nennt die Adressaten Kinder, das spricht nicht nur für sein Alter, sondern für seine geistliche Reife und Verantwortung diesen Gläubigen gegenüber. Und die Aufforderung ist wie auch schon bei Jesus in Johannes 15,4-5: „bleibt in mir“. So können sie mit Freude der Ankunft von Jesus entgegen sehen.

2.2 Die Offenbarung von Jesus Christus

Die Offenbarung oder Enthüllung (apokalypsis) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Aber auch sein erstes Kommen ist eine Offenbarung (1Tim 3,16). Bei seinem ersten Kommen offenbarte er sich als Retter und Erlöser der Welt, obwohl er auch alle anderen Titel in sich trug. Bei seiner Wiederkunft wird er sich offenbaren als König aller Könige und Richter der Welt (Offb 17,14; 19,11-16).

  1. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“ Der Vergleich ist das Geschick von Sodom. Im Kontext beschreibt Jesus weitere Details über die Zeit vor und während seiner Offenbarung und warnt vor der Bindung an materielle Dinge.
  2. 1Kor 1,7-8: „Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“ Der Tag des Herrn Jesus Christus ist der Tag der Offenbarung Jesu Christi.
  3. 2Thes 1,7: „und euch, den Bedrängten, mit Ruhe, zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht,“ Jesus offenbart sich bei seinem Kommen vom Himmel her. Seine Offenbarung ist öffentlich, er wird von seinen Engeln (himmlische Geistwesen) begleitet.
  4. 1Petr 1,7: „damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi;“ Auch hier ist der Ausblick nach vorne gerichtet auf das offenbart werden von Jesus
  5. 1Petr 5,4: „Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ Eine Ermutigung für die treuen Mitarbeiter und Leiter, denn die Krönung ist öffentlich.
  6. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Offenbarung und Ankunft sind Begriffe, durch die verschiedene Aspekte desselben Ereignisses beschrieben werden.

2.3 Die Erscheinung von Jesus Christus

Die Erscheinung (epiphania) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 24,30: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen, sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“ Erscheinen meint sichtbar werden, aus der Verborgenheit heraustreten. Die Wahrnehmung der Realität (alle werden Ihn sehen) wird bei den Menschen, die Jesus abgelehnt hatten, Wehklagen hervorrufen. Das Erscheinen mit „Macht und Herrlichkeit“ sticht immer wieder hervor.
  2. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft;“ Hier sehen wir, dass die Begriffe Erscheinung und Ankunft von demselben Ereignis handeln, der Wiederkunft von Jesus. Und dabei wird die Macht des Feindes (aller feindlichen Mächte) vernichtet werden.
  3. 1Tim 6,14: „dass du das Gebot unbefleckt, untadelig bewahrst bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus!“ Die folgenden Verse machen deutlich, dass es zu seiner Zeit (von Gott) bestimmten Zeit geschehen wird. Doch die Aufforderung das Gebot zu bewahren, gilt auch allen weiteren Generationen.
  4. 2Tim 4,1-2: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich. Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; …“ Das Richten der Lebenden und Toten weist eindeutig auf den Gerichtstag hin, wenn Jesus Christus erscheinen wird.
  5. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“ Der Hinweis auf jenen Tag, den Tag des Gerichtes, löst bei dem Apostel Freude aus. Denn bei der Erscheinung Jesu erwartet die Treuen der Siegeskranz der Gerechtigkeit.
  6. Tit 2,13: „indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.“ Was für ein Ausblick, was für eine Hoffnung und Erwartung. Eine Erscheinung die alles übertreffen wird, was heilige Menschen Gottes bis dahin sehen durften.

2.4 Er kommt (Jesus kommt wieder)

Er kommt – erchetai. Dieses Verb kommt mindestens 20 Mal im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 16,27: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.“ Jesus kommt wieder. Er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters. Er kommt in Begleitung seiner himmlischen Boten (Engel, Geistwesen). Er kommt und wird Gericht halten, bewerten, beurteilen und entsprechend vergelten. Der Kontext macht deutlich, dass es dabei um alle Menschen geht.
  2. Mt 24,30-31: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.“ Das Zeichen ist Jesus selbst, aber auch die Wolken des Himmels zeichnen das Kommen von Jesus aus (Mt 26,34; Apg 1,11; Offb 1,7). Die Engel versehen ihren Dienst und sammeln alle Auserwählten (Gläubigen). Niemand wird vergessen werden Das Wehklagen bezieht sich auf die, welche die Rettung durch Jesus nicht angenommen haben.
  3. Mt 24,44: „Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.“ (so auch Lk 12,40). Jesus kommt unerwartet, daher die Aufforderung zur Wachsamkeit.
  4. Mt 25,31-32: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken (Ziegen) scheidet.“ Jesus kommt in Begleitung aller Engel und ebenso wird betont, dass alle Nationen vor ihm versammelt werden. Er wird sie voneinander trennen nach seinen Kriterien. Der weitere Text spricht vom öffentlichen Gericht, nachdem die einen von den anderen getrennt worden sind (vgl. Mt 13,36-43).
  5. Mt 26,64: “ Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.“ (so auch Mk 14,62). Die Reihenfolge ist eindeutig. Die Erhöhung in einer Wolke zur Rechten Gottes (Dan 7,13-14; Apg 1,11), danach das Wiederkommen auf den Wolken des Himmels.
  6. Mk 13,26-27: „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Damit wird angedeutet, dass die entschlafenen Gläubigen, welche bereits im Paradies Gottes sind, in einem himmlischen Körper auferstehen werden und die hier noch lebenden gläubigen verwandelt und Jesus entgegen gerückt werden.
  7. Mk 13,35-36: „so wacht nun! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde.“ Jesus erzählt das Gleichnis, um die Bedeutung des Wachseins, der Bereitschaft auf sein Kommen hervorzuheben.
  8. Lk 9,26: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ Hier ist das mutige Bekenntnis im Blick auf die Wiederkunft von Jesus hervorgehoben.
  9. Lk 18,8: „Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ Jesus sieht die Zukunft realistisch. Doch durch die Geschichte mit der bittenden Witwe, ermutigt er zum Glauben und Vertrauen (dazu 1Tim 6,10.21).
  10. Lk 21,26-27: „während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.“
  11. Joh 14,3: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“ Diese Aussage machte Jesus am letzten Abend seines irdischen Lebens. Wie trostvoll sind doch die Worte: „Ich komme wieder“, aber nicht um hier zu bleiben, sondern um die Seinen zu sich in seine Herrlichkeit abzuholen.
  12. Apg 1,11: „siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ Das ` so` ist kein geographischer Terminus, sondern der Art und Weise, eben sichtbar und in Wolken (so auch Mt 26,34; Offb 1,7).
  13. 1Kor 4,5: „So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbaren wird! Und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.” (ähnlich auch 1Kor 3,12-14).
  14. 2Thes 1,10: „wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  15. Offb 1,7: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ Alle werden ihn bei seinem Kommen sehen.
  16. Offb 2,25: „Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme!
  17. Offb 3,11: „Ich komme bald (schnell). Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!

18+19+20. Offb 22,7+12+20: „Und siehe, ich komme bald (schnell). Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! 12 Siehe, ich komme bald (schnell) und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist. 20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald (schnell). Amen[; komm, Herr Jesus!“

Die Bezeichnungen: `Die Ankunft von Jesus; Die Offenbarung von Jesus Christus; Die Erscheinung von Jesus Christus.

Sein Selbstzeugnis: `Ich komme bald / schnell`; `Ich komme wieder`; `Er kommt wieder`; `Wenn der Menschensohn kommt`, weisen auf ein und dasselbe Ereignis hin. Bis dahin haben wir 48 Texte kennen gelernt, in denen dieses große Ereignis unter verschiedenen Aspekten beschrieben wird.

2.5 Der Jüngste / letzte Tag

Der Jüngste / letzte Tag kommt sechs Mal vor und wird von Jesus meistens selbst verwendet. An diesem Tag wird Jesus die entschlafenen Gläubigen auferwecken.

1+2. Joh 6,39-40: „Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“

  1. Joh 6,44: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“
  2. Joh 6, 54: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ Diese Aussagen von Jesus machen unmissverständlich klar, dass die an Jesus Gläubigen Entschlafenen erst am letzten Tag auferweckt werden. Demnach werden die bis dahin noch lebenden Gläubigen zeitgleich mit jenen verwandelt und dem kommenden Herrn entgegengerückt werden.
  3. Joh 11,23-24: „Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.“ Martha hatte diese Hoffnung und Gewissheit.
  4. Joh 12,48: „Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“ Diese Aussage von Jesus macht deutlich, dass der letzte Tag auch er Gerichtstag ist. Gerichtet, bzw. verurteilt werden die Menschen, welche Jesus abgelehnt haben. Dazu müssen auch diese Menschen zuerst auferweckt werden. Das bedeutet, dass am letzten Tag alle Verstorbenen gleichzeitig auferweckt werden. Die Gläubigen zum ewigen Leben, die Ungläubigen zum Gericht (so auch nach Joh 5,28-29; Offb 11,18).

2.6 Der Tag des Menschensohnes

Der letzte Tag wird auch `Tag des Sohnes des Menschen` genannt und kommt mindestens drei Mal vor:

  1. Lk 17,24: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“
  2. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“
  3. Lk 17,26: „Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen.“ In „den Tagen“ (Plural) bedeutet: vor dem letzten Tag, so der Kontext.

2.7 Des Herrn Tag, der Tag Jesu Christi

Dieser letzte Tag wird auch `des Herrn Tag`, `der Tag Christi` oder: `Christi Jesu` genannt und kommt im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus mindestens sieben Mal vor:

  1. 1Kor 1,8: „“der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“
  2. 1Kor 5,5: „einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.“
  3. 2Kor 1,14: „wie ihr auch uns zum Teil erkannt habt, dass wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus.“
  4. Phil 1,6: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“
  5. Phil 1,10-11: „damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.“
  6. 1Thes 5,2-3: „denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“
  7. 2Thes 2,1-2: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.“ Die Ankunft von Jesus markiert auch den Tag des Herrn.

2.8 Der Tag, jener Tag, jene Stunde

Der letzte Tag wird auch `jener Tag` oder einfach `der Tag` oder `jene Stunde` genannt. Mindestens acht Mal kommt diese Bezeichnung vor;

  1. Mt 7,22: „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!
  2. Mt 24,36: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.“ (Mk 13,32).
  3. Lk 10,12: „Ich sage euch, dass es Sodom an jenem Tag erträglicher ergehen wird als jener Stadt.“
  4. Lk 17,30-32: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird. An jenem Tag – wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebenso wenig zurück. Gedenkt an Lots Frau!.“
  5. Röm 2,16: „an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Christus Jesus.“
  6. 1Thes 5,4: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“
  7. 2Thes 1,9-10: „sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 10 wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  8. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“

2.9 Der Tag des Gerichts (das Gericht)

Diese Bezeichnung kommt mindestens 12 Mal vor:

  1. Mt 10,14-15: „Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.“
  2. Mt 11,22: „Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch.“ (Mt 11,24).
  3. Mt 12,36: „Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts.“
  4. Apg 17,30-31: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle Überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten.“
  5. 2Tim 4,1: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich.“
  6. 2Tim 4,8: „Im Übrigen ist mir der Kranz der Gerechtigkeit aufbewahrt, den mir der Herr, der gerechte Richter geben wird an jenem Tag, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung geliebt haben.“
  7. 2Petr 2,9: „der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden.“
  8. Hebr 9,27: „Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“
  9. 2Petr 3,7: „Die jetzigen Himmel und die jetzige Erde aber sind durch dasselbe Wort aufbewahrt und für das Feuer aufgehoben zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.“
  10. 1Joh 4,17: „Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.“
  11. Judas 1,6: „und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt.“ (2Petr 2,4).

2.10 Der Richterstuhl Christi

  1. Röm 14,10: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“
  2. 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“
  3. Offb 6,15-16: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen? Der Tag des Zornes ist auch der Tag der Vergeltung und damit der Tag des Gerichtes.
  4. Offb 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.“ Dies ist die letzte Beschreibung des Gerichtes im Neuen Testament. Wie es im Detail und in welcher Reihenfolge das Gericht gehalten wird, können wir aus anderen Texten erkennen (Mt 13,36-43; 13,49; 25,31-46 u.a.m.).

In den mehr als achtzig Stellen wird durch viele verschiedene Begriffe und Bezeichnungen das eine große Ereignis des zweiten und damit auch letzten Kommens Jesu beschrieben.

3. Wann und wie kommt der Tag, der Tag des Herrn?

In Bezug auf das `wann` gibt es eine eindeutige und klare Antwort, die von Jesus und den Aposteln sehr oft gegeben wurde. „Aber von dem Tag und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein mein Vater“ (Mk 13,32). Alle menschliche Versuche, den Zeitpunkt zu ermitteln scheiterten. Und Gott lässt jeden zuschanden werden, der sich anmaßt darüber Auskunft geben zu können. „Denn des Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint“ (Lk 12,40). Er, der die Gedanken der Menschen sehen kann, muss es ja wissen.

Nach einer seiner evangelistischen Predigten und dem Aufruf zur Umkehr, macht Petrus eine weitreichende Aussage: „damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus. Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.“ (Apg 3,20-21). Beachten wir, was Petrus sagt: Jesus bleibt Solange im Himmel, bis alles geschehen (erfüllt) sein wird, was Gott durch die heiligen Propheten vorausgesagt hat.

Auch in Bezug auf das `wie` geben Jesus und die Apostel treffende Antworten: „Aber was die Zeiten und Fristen () betrifft, Brüder, so ist es gar nicht notwendig, dass euch geschrieben wird, denn ihr wisst selbst ganz genau, dass der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit, dann tritt das Verderben plötzlich an sie heran“ (1Thes“ 5,1-3a).

Ein Dieb meldet sich nicht an, er kommt überraschend, unerwartet unauffällig. Jesus verwendet sogar solch ein negatives Geschehen, um damit sein plötzliches Kommen zu veranschaulichen (Offb 3,3; 16,15). Doch für die, welche wachsam sind, wird es keine böse Überraschung werden.

Durch ein weiteres Naturphänomen beschreibt Jesus sein plötzliches Kommen: „Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein“ (Mt 24,27). Auch der Blitz meldet sich nicht vorher an. Den Blitz kann niemand voraussagen, es ist etwas Plötzliches, Unerwartetes.“ Die Vorentladungen benötigen etwa 0,01 s. Die Hauptentladung des Blitzes dauert nur etwa 0,00003 s.

Insgesamt ist es eine große Zahl an Aussagen, welche die Tatsache der plötzlichen, ja sogar unerwarteten Wiederkunft Jesu bezeugen. Auffallend und hilfreich zugleich ist die Aussage von Jesus in Matthäus 24,14: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“

Doch es gibt Hinweise, sogenannte Zeichen der Zeit, welche diesem Tag unmittelbar vorangehen werden, so zum Beispiel:

Die Zeichen an Sonne, Mond und Sternen (Mt 24,29).

in Mt 24,32-33 sagt Jesus: „An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.“ Oder Lk 21,28:

Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“

4. Die zwei Zeitalter

Es ist auffallend, dass Jesus von zwei Zeitaltern spricht, dem Jetzigen und dem Zukünftigen. Das gr. Wort dazu ist `aiönos`. Da Jesus `dieses Zeitalter`  immer in der Einzahl verwendet, ist es eingeschränkt auf die Zeitspanne zwischen seinem ersten und zweiten Kommen. Hier einige Beispiele:

  • Mt 12,32: „das wird nicht vergeben weder in diesem Zeitalter noch in dem Zukünftigem.
  • Mt 13,22: „die Sorgen der Welt (des Zeitalters ersticken das Wort“.
  • Mt 13,39-43: „aber die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters. Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten Leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.
  • So auch in Mt 13,48b-49: „So wird es auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden.“ In diesen beiden Gleichnissen macht Jesus klar: Erst am Ende werden die Ungerechten von den Gerechten getrennt.
  • In Matthäus 24,3 fragt Petrus: ;Was wird das Zeichen sein deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters.“
  • Und in Mt 28,20 verspricht Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“.

Jesus spricht auch von `in dieser Zeit` und für Zeit steht da `kairos`. So in Mk 10,30: „der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit (kairos) Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen – und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben (so auch in Lk 18,30; Eph 1,21).“ In diesem Textzusammenhang wird `in dieser Zeit (kairos)` als Synonym für `dieses Zeitalter` verwendet. (Röm 8,1; 2Kor 6,2).

Auch wenn die Apostel von früheren Zeitaltern in der Mehrzahl sprechen, dann können darunter die Zeitepochen vor der Flut, dann bis zum Bundesschluss am Sinai und die Epoche bis zum Beginn des Neuen Bundes gemeint sein (1Kor 10,11; 1Tim 1,17; Hebr 9,26 ). Doch mit dem Kommen von Jesus in diese Welt, seinem Dienst, seinem Leiden, Sterben und Auferstehung begann die neue Schöpfung. Es begann die Zeit (kairos) der Gnade, welche parallel zu diesem letzten irdischen Zeitalter verläuft. (Röm 3,26: „in dieser Zeit-kairos“; ;Röm 8,18: „dieser Zeit (kairos) Leiden“; Röm 11,5: „Zeit (kairos) der Gnade“;).

“2Kor 6,2: „jetzt ist die Zeit (kairos) der Gnade“;Hebr 9,26: „sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an –; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben. “

Demnach ist mit der Vollendung der Zeitalter das letzte mit Jesus angebrochen. Das Kommende jedoch beginnt mit dem Ende des jetzigen Zeitalters. Sein Wiederkommen ist die Markierung zwischen diesen beiden `aiönen`.

Wenn Paulus in Eph 2,7 von den zukünftigen Zeitaltern (im Plural) spricht, dann kann es auf die Unendlichkeit hinweisen, ähnlich wie auch Jesus von seiner ewigen, immerwährenden Existenz spricht (Offb 1,17-18; dazu auch 22,5).

5. Reihenfolge der Ereignisse vor und bei der Wiederkunft Jesu

Jesus selbst gibt eine Reihenfolge der Geschehnisse kurz vor und während seiner Ankunft. Die neutestamentlichen Autoren haben in ihren Schriften darauf Bezug genommen und diese zum Teil detailliert beschrieben.

5.1 Der Wiederkunft von Jesus geht eine zeitlich begrenzte, jedoch große Bedrängnis voraus

In den deutschen Übersetzungen wird der griechische Begriff `thlypseös`, mit Trübsal, Drangsal oder Bedrängnis wiedergegeben. Es handelt sich dabei um Druck von außen, der ganz unterschiedliche Formen annehmen kann und in unterschiedlicher Intensität erlebt wird. Sehr viele Texte sprechen von Bedrängnis, doch für die Antwort auf unsere Frage suchen wir zunächst nach Texten, welche wörtlich und inhaltlich von großer Bedrängnis des Volkes Gottes sprechen.

  • In Daniel 12,1-2 wird gesagt: „Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelfürst, der für dein Volk einsteht. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. 2 Und viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“ Aus dieser Prophezeiung geht hervor, dass die Generation, welche vor der allgemeinen Auferstehung am Ende der Zeit noch hier auf Erden am Leben sein wird durch diese große Bedrängnis hindurch gehen wird. Für diese hat diese Bedrängnis den Zweck der Prüfung, Reinigung  und Läuterung (Dan 12,10). Von dieser allgemeinen Auferstehung spricht Jesus in Joh 5,28-29. Ebenfalls spricht Jesus von einer großen Bedrängnis.
  • Matthäus 24,21: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (kein Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ Die Ähnlichkeit mit Daniel 12,1-2 scheint hier offensichtlich zu sein (so auch in Mk 13,19-24). Allerdings wird dort zunächst von der großen ‚Bedrängnis gesagt, die im Zusammenhang der Zerstörung Jerusalems beschrieben wird. Lukas beschreibt dies mit „große Not und Zorn über dies Volk`“. Die Ergänzungen bei Lukas machen deutlich, dass diese große Bedrängnis sich zunächst auf die jüdischen Menschen in der Stadt Jerusalem aber auch auf das gesamte jüdische Volk bezieht. Dass Jesus diese Bedrängnis auch mit der Bedrängnis vor seinem Kommen verbindet ist auffällig: „Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren.

Jesus scheint zu unterscheiden zwischen Bedrängnissen, welche seine Nachfolger in der Zwischenzeit treffen werden und der oben genannten großen Bedrängnis, welche über Israel gehen soll und am Ende der Zeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird.

Nun schauen wir nach Texten, die von Bedrängnissen sprechen, welche Gottes Volk in der gesamten Zeit treffen werden::

  • Mt 24,9: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 10,22; Mk 13,13; Lk 21,12).
  • Joh 16,2: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.“
  • Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes ich habe die Welt besiegt.“
  • Apg 8,1: „An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde[1] in Jerusalem“ (dazu auch 11,19).
  • Apg 14,23: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und ⟨sagten⟩, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen
  • Röm 5,3: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,“ (dazu auch Röm 8,35; 12,12).
  •  2Kor 1,4: „der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.“ (2Kor 2,4; 4,17; 6,4).
  • 2Thes 1,4-6: „sodass wir selbst uns euer rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures Ausharrens und Glaubens in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet; 5 ⟨sie sind⟩ ein Anzeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr des Reiches Gottes gewürdigt werdet.“
  •  Offb 1,9: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“ (dazu auch Offb 2,10; 3,10; 6,9-11; 11,7; 12,11; 20,4-5) Dies kann bedeuten:
  1. Dass alle Gläubigen zu ihrer Zeit ein von Gott zugemessenes und begrenztes Maß an Bedrängnis erleiden werden (1Kor 10,13). Die große Bedrängnis in Offenbarung 7,13 umfasst damit alle gläubigen aller Zeiten.
  2. Die `große` Bedrängnis kann aber auch eine umfassende globale sein, welche am Ende der Weltzeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird, ähnlich wie jene große Bedrängnis das gesamte jüdische Volk traf.

In der Schilderung der Ereignisse über Jerusalem, geht Jesus nahtlos über und schildert weitere Details als Zeichen im Zusammenhang seiner Wiederkunft. Und er beginnt wieder mit einer Warnung:

Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: Da!, so sollt ihr’s nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.„ (Mk: „Ich habe euch alles zuvor gesagt!“). Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. 27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.“ (Mt 24,23-28; (siehe auch Mk 13,21-22).

Gleich nach der Warnung vor falschen Christussen und falschen Propheten die offensichtlich sich melden werden, vergleicht Jesus sein Kommen mit dem Bild des Blitzes um sein plötzliches Kommen zu verdeutlichen.

Es lässt sich beobachten, dass gerade in Zeiten der Not Menschen nach Rettern Ausschau halten. Und umgekehrt ist auch zu beobachten, dass sich in solchen Zeiten die falschen Messiasse melden und Rettung versprechen.

5.2 Der materielle Kosmos wird aufgelöst

Nach dem Lukasbericht schildert Jesus die dramatischen Ereignisse kurz vor seinem Erscheinen.

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde.“ (Lk 21,25ff).

Das Sonnensystem (Sonnensysteme) brechen zusammen. Dies bedeutet das Ende der Weltzeit. Denn ohne Sonne kein Licht und physisches Leben und keine Zeit mehr.

Nach Matthäus sagte Jesus: „Aber gleich (gr. eutheös – sofort) nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“  Der gesamte materielle Kosmos kollabiert sozusagen.

Abbildung 4 Sonnenuntergang im Westen der Insel Zypern. Eines Tages wird die Sonne zum letzten Mal und für immer untergehen (Foto am 7. Januar 2006).

In Anlehnung an die Worte Jesu beschreibt Petrus die Begleiterscheinungen des Kommens des Herrn mit den Worten: „Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel mit großem Krachen vergehen werden, die Elemente aber vor Glut verzehrt, werden sich auflösen, die Erde und die Werke auf ihr werden (im Gericht) gefunden werden (oder heimgesucht werden).“ (2Petr 3,10). Und als ob er nicht genug diese Begleiterscheinungen beschrieben hätte, führt er 2 Verse weiter fort: „Indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, an dem die Himmel in Brand gesetzt werden und die Elemente in Glut schmelzen und sich auflösen werden. (2Petr 3,12).

Auch der Hebräerbriefschreiber betont, dass die erschaffene materielle Welt aufgelöst wird (Hebr 12,26-28). Dabei stützt er sich auf ein Prophetenwort: „Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert, jetzt aber verheißt er und spricht (Haggai 2,6): „Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.“ Dieses „Noch einmal“ aber zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit allein das bleibe, was nicht erschüttert werden kann. Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.“ Und  der Ap. Johannes schreibt in Offenbarung 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den der darauf saß vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel und es wurde ihnen keine Stätte mehr gefunden.“

Sehr gut erinnerten sich also die Jünger an die Worte ihres Herrn, der sagte: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 24,35). Dies ist eine deutliche Herausforderung an alle die diese Welt (Himmel und Erde) retten oder erobern wollen. Auch an die, welche meinen, dass diese Erde runderneuert wird.

Anmerkung: Laut diesen Textaussagen wird Jesus bei seiner Ankunft diese Erde nicht mehr betreten, denn sie wird es dann nicht mehr geben, siehe die Beschreibung des Petrus. (vgl. auch Jes 34,4; Offb 6,13-14; 20,10-11).

5.3 Dies Geschlecht wird nicht vergehen

Und nun macht Jesus eine Aussage, welche den Lesern Kopfzerbrechen bereiten kann: Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ (Mt 24,34). Die hier verwendete gr. Bezeichnung `genea`, kann mit Geschlecht, mit Generation, aber auch mit der qualitativen Bezeichnung `diese Art` übersetzt werden.  Diese Aussage finden wir auch bei Markus (Mk 13,30). Bereits schon früher verwendete Jesus diese harte Bezeichnung für eine Menschenart in Israel, die sich ihm offensichtlich widersetzte.

Mt 12,41: „Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona.“ (Lk 11,29-31).

Mt 12,42: „Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören“ (Lk 11,32-33).

Mt 12,45: „Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger, als es vorher war. So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“

Mk 8,12: „Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden!

Mk 8,38: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“ Diese Aussage bestätigt, dass es diese Menschenart bis zum Kommen von Jesus geben wird.

Lk 11,50: „damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist.

Lk 11,51: „von Abels Blut an bis zum Blut Sacharjas, der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.“

Lk 17,25: „Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.“

Apg 2,40: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht.“

Damit wird klar, dass diese Bezeichnung auf die Menschen und Menschengruppen fällt, die gleich Kain und einschließlich der Menschen in Israel, welche sich bewusst gegen Gott und seinen Christus auflehnten. (weitere Stellen dazu: 5Mose 1,35; Ps 37,28; Jes 57,4; Mt 11,16; 23,36; Hebr 3,10). Dem gegenüber steht das Geschlecht der Gerechten (Ps 24,6; 73,15; Jes 65,23; 1Petr 2,9; Offb 12,17;22,16).

5.4 Die Auferstehung der Toten zum Leben oder zum Gericht

Jesus fährt fort nach Lukas: „Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,26-28). Im Text des Matthäus lesen wir: “Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen (großem Posaunenschall), und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ (Mt 24,29-31).

Abbildung 5 Eine Wolkendecke über Zypern erinnert an die wiederholten Aussagen von Jesus, dass er mit den Wolken des Himmels kommen wird. (Foto am 6. Januar 2006).

Wie gewaltig, wer kann es noch besser kommentieren? Mit dem Erscheinen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels in Macht und Herrlichkeit beginnt auch die Sammlung der Auserwählten durch den Dienst der Engel. Dies setzt deren Auferstehung voraus. Im Zusammenhang der Aussagen von Jesus in Matthäus 13,36-43 und 13,44-49 werden durch die Engel auch die Gottlosen eingesammelt. Dies setzt auch deren Auferstehung voraus. So sagt Jesus: „so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.“ (so auch in Mt 13,49).

Auch hier werden die Gerechten und Ungerechten erst am Ende voneinander getrennt. Davon spricht Jesus auch in Joh 5,28-29; ähnlich auch Dan 12,1-2). Dass alle gleichzeitig auferstehen werden, macht die Aussage in Offb 11,18 deutlich: „Und die Nationen sind zornig gewesen; und es ist gekommen dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten – die Kleinen und die Großen –, und zu vernichten, die die Erde vernichten.“ Ebenso in detaillierter Ausführung in Matthäus 25,31-46. Es sieht so aus, dass die Gerechten erst eingesammelt werden. Dies könnte mit deren  Entrückung zu Jesus im Zusammenhang stehen.

Von den Aposteln hat Paulus am meisten das Thema Auferstehung beschrieben. Er beschreibt dort nur von der Auferweckung und Verwandlung der Gläubigen. „Denn er selbst der Herr wird mit dem Befehlsruf und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt (arpag¢sometha, wörtl.: geraubt, entrissen) werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander. (1Thes 4,16-18). Denken wir daran, dass Paulus in diesem Zusammenhang die Frage der Thessalonicher beantwortet. Er beschreibt nur, was mit den entschlafenen und den noch lebenden Gläubigen geschehen wird bei der Ankunft Jesu (vgl. dazu 1Thes 4,13). ähnlich schreibt er an die Korinther, die in dieser Frage auch so manche Unklarheit hatten: „Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;“ und das plötzlich, in einem Augenblick (in einem unteilbaren des Augenblicks), zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. „Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): „Der Tod ist verschlungen vom Sieg.“ Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.“ Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“ (1Kor 15,50-57).

Paulus konnte sich dabei auch auf die Aussage von Jesus stützen: „Und er wird seine Engel senden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern“ (Mt 24,31; Mk ).

Anmerkung: Die verstorbenen  Gläubigen aller Zeiten, deren Seelen (geist) bereits beim Herrn sind, bekommen als erste den auferstandenen Leib, dann im selben Augenblick die Verwandlung der noch Lebenden gläubigen und deren Entrückung dem Herrn entgegen in die Luft. Und so werden sie bei dem Herrn sein allezeit.

Paulus schreibt in 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“

Nach dieser Allgemeinen Auferstehung werden laut Mt 25,31 und folgenden alle Völker vor dem Menschensohn versammelt werden. Jesus erscheint als König in all seiner Herrlichkeit und in Begleitung der Engel und wird als Richter das Endgericht halten. „Und er wird sie voneinander trennen, wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt, die einen zur Rechten und die anderen zur Linken.“ Und diesen wird Jesus sagen: “Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.“ Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?“ Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was11 ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan.“ Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Mt 25,41-46). Denen zur Rechten wird der König antworten: „Kommt her, ihr Gesegneten von meinem Vater, empfangt das Reich, welches bereitet ist seit Grundlegung der Welt.“ (Mt 25,34).

In Offb 20,11 und folgenden sieht Johannes dass  im Gericht Bücher aufgetan werden:

Und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches ist das Buch des Lebens. Und wer nicht gefunden wurde in dem Buch des Lebens der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl„. Dies ist der andere, der zweite  und somit der ewige Tod.

Paulus hebt das gerechte Urteil des Herrn bei dessen Ankunft für Gerechte und Ungerechte in 2Thes 1,6-10 hervor:

Bei Gott ist es gerecht Vergeltung zu üben über die, so euch bedrängen, euch aber, die ihr e bedrängt werdet Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel mit den Engeln seiner Macht, im Feuer einer Flamme, zu bestrafen die, die Gott nicht kennen und die, die der Frohbotschaft von Jesus Christus nicht gehorchen, welche als Strafe zahlen werden ewiges Verderben, weg vom Angesicht des Herrn und weg von der Herrlichkeit seiner Stärke, wenn er kommt um verherrlicht zu werden unter seinen Heiligen und bewundert zu werden von allen, die zum Glauben gekommen sind.“ (2Thes 1,6-10).

Anmerkung: Bei der allgemeinen Auferstehung wird deutlich unterschieden zwischen denen in Christus und denen die ohne Christus sind. Die in Christus werden mit einem verherrlichten, d.h. unvergänglichen (unverweslichen) Leib auferstehen zum ewigen Leben.

Die ohne Christus sind, werden auferstehen zum Gericht und Verdammnis, d.h. zum ewigem Tod (zweiter Tod). Nirgendwo lesen wir etwas darüber mit welchem Leib die Ungerechten auferstehen werden.

Wenn also Paulus in einer Kurzfassung an die Korinther (1Kor 15) und an die Thessalonicher (1Thes 4) nur von der Auferstehung der entschlafenen Gläubigen und der Verwandlung (einschließlich der Entrückung) der noch lebenden Gläubigen spricht, dann ist dieses Geschehen im großen Rahmen der allgemeinen Auferstehung der Gerechten und Ungerechten zu erwarten wie es Jesus in Joh 5,28-29 grundlegend vorausgesagt hat. Die Texte sollten nicht isoliert voneinander ausgelegt werden, sie alle greifen ineinander, beschreiben die verschiedenen Aspekte des einen gewaltigen Ereignisses.

Nun schließt sich der Kreis, wenn wir noch mal die Worte Jesu aus Johannes 14,3 zitieren: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnstätten, wenn es nicht so wäre“ aber es ist so, die gibt es schon, die hat Gott vorbereitet. Und er kommt, um die Seinen nach Hause zu holen.

5.5 Der Sohn übergibt das Reich zurück in die Hände des Vaters

Diese Übergabe beschreibt der Ap. Paulus in 1Kor 15,2ß-:

Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,20-28).

6. Der Neue Himmel und die Neue Erde

Dieser Abschnitt ist noch in Arbeit.

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DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI – 4.TEIL

4. Teil:  Das Lamm öffnet das siebte Siegel – die sieben Posaunengerichte und die Vollendung des Geheimnisses Gottes

Einleitung zu den Posaunengerichten

Obwohl Kapitel 7 mit der vollendeten  Gemeinde in der Herrlichkeit vor dem Thron Gottes endet, enthält das siebte Siegel noch weitere Informationen, welche in den Kapiteln 8 bis 22 enthalten sind.

Jesus hat für seine Knechte noch viele wichtigen Details mitzuteilen.

Unter dem sieben Posaunen werden  in verschiedenen Visionen und unter anderen Gesichtspunkten Gottes Gerichte über die Schöpfung und die Menschen geschildert. Im Rahmen der sechsten Posaune gibt es zwei Einschübe über die besondere Botschaft des starken Engels, sowie die zwei Zeugen, ihren Dienst, ihr Leiden und ihre Entrückung. Mit der siebten Posaune wird erneut das Ende (die Vollendung) eingeleitet (Offb 11,15-19).

Die sieben Posaunengerichte werden sorgfältig und auf eine besondere Weise vorbereitet. Und als es das siebente Siegel öffnete, entstand ein Schweigen im Himmel, etwa eine halbe Stunde. 2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen; und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. 3 Und ein anderer Engel kam und stellte sich an den Altar, und er hatte ein goldenes Räucherfass; und es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, damit er es für die Gebete aller Heiligen auf den goldenen Altar gebe, der vor dem Thron ist. 4 Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen auf aus der Hand des Engels vor Gott. 5 Und der Engel nahm das Räucherfass und füllte es von dem Feuer des Altars und warf es auf die Erde; und es geschahen Donner und Stimmen und Blitze und ein Erdbeben.“ (Offb 8,1-5).

Immer noch ist das Lamm in Aktion, es öffnet das siebte Siegel. Was als erstes geschieht, es geschieht nichts, oder doch? Es entstand eine Stille im Himmel bei einer halben Stunde. Für `Stille` steht im Griechischen das Wort `σιγὴ –  sig¢ – Schweigen` (Apg 12,17; 1Kor 14,28-30). Man könnte auch sagen, alle hielten den Atem an, alle schwiegen  in der spannenden Erwartung dessen, was nun kommen wird. Zu der Stille wird immer wieder aufgerufen (2Mose 14,14: „Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet still sein“; Ps 46,11: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“). Dieses Schweigen dauerte etwa eine halbe Stunde. Diese Zeitspanne im himmlischen Bereich ist nicht mit 30 Minuten zu bemessen. Es erinnert uns auch an das Verhalten der Kinder Israel vor der Einnahme der Stadt Jericho. Josua aber gebot dem Volk und sprach: Ihr sollt kein Kriegsgeschrei erheben noch eure Stimme hören lassen, noch soll ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, an dem ich zu euch sage: »Macht ein Kriegsgeschrei!« Dann sollt ihr das Kriegsgeschrei erheben.“  (Jos 6,10). Davon ableiten lässt sich, dass bevor Gott in Aktion tritt, muss alles und alle zunächst verstummen. So lesen wir in Hab 2,20: „Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei stille vor ihm alle Welt!

Von den sieben Engeln wird gesagt, dass sie vor Gott stehen und dass ihnen sieben Posaunen gegeben wurden. Aus der Geschichte Israels wissen wir bereits, dass Posaunen zu verschiedenen Zwecken geblasen wurden.

  • 2Mose 19,16: Zum Schall der Posaune auf dem Berg Sinai.
  • Jos 6,4-13: Sieben Priester trugen sieben  Schofahörner (Posaunen)während der sieben Tage.
  • Auch Jesus erwähnt Posaunen, ebenso Paulus (Mt 24,31; 1Tes 4,16; 1Kor 15,52).

Doch bevor diese sieben Engel mit ihren Gerichten beginnen, wird ein besonderer Dienst am goldenen Räucheraltarr vollzogen.

Anmerkung: Wenn in der Offenbarung vom Altar gesprochen wird, dann ist es immer der goldene Räucheraltar, welcher im Inneren des Heiligtums stand (2Mose 30,1.27; Lk 1,10-11; Offb 5,8; 6,9; 8,3.5; 11,1; 14,18; 16,7).

Die Gläubigen werden durch Gebet in die Entwicklung der Geschichte mit einbezogen (vgl. dazu Offb 5,8; Röm 8,26). Diese Gebete werden auf dem goldenen Altar mit den glühenden Kohlen vermengt und so steigt der Rauch (Wohlgeruch) zu Gott empor. Danach wird das Räuchergefäß mit den glühenden Kohlen auf die Erde ausgeschüttet. Gott reagiert, antwortet auf die Gebete der Heiligen mit Donner, Stimmen, Blitzen und (einem) Erdbeben. Ähnliches geschah auch in:

  • (Offb 4,5: „Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron.
  • Offb 11,19: „es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.“
  • ; Offb 16,18: „Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind.“
  • Bereits zur Zeit des AT lies Gott seine Stimme erschallen mit Donner und antwortete damit auf das Gebet (Opfer) von Samuel  (1Sam 7,10; 12,18).
  • Auf das Gebet von Elia: „Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben.“ Anschließend werden die Priester des Baal rgerichtet und das Volk anerkennt Gott als den Herrn. (1Kön 18,38).
  • Auf das Gebet von Jesus antwortete Gott der Vater mit einer donnerähnlichen Stimme (Joh 12,28-29). Auffallend ist dabei was Jesus anschließend sagte: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt“.

Dass Jesus seine Nachfolger in das Reichgottesgeschehen mit einbezieht, wird in seinem Auftrag an die Jünger sehr deutlich. „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ (Mt 6,9-10).

Weitere Ereignisse, die durch die Gebete der Gläubigen beeinflusst worden sind:

  • Abraham bittet für Sodom, Lot wird gerettet vor der Vernichtung durch Feuer und Schwefel (1Mose 18-19).
  • Auf das Gebet der Gemeinde in Jerusalem und am Pfingsttag sandte Gott den Heiligen Geist entsprechend der Verheißung, welche Jesus seinen Jüngern hinterlassen hatte (Apg 1,5.; 1,13-2,4).
  • Gebet der Gemeinde für Petrus und Gott sendet einen Engel und öffnet die Gefängnistore. Dies führt letztlich zum  Gericht über Herodes Agrippa den Ersten (Apg 12,23).
  • Nach dem Lobpreis des Paulus und Silas antwortet Gott mit einem großen Erdbeben, so dass die Gefängnistüren geöffnet werden (Apg 16,25ff). Dies hatte Auswirkungen für die Familie des Gefängniswärters, die Stadtbehörden und die neu entstandene Gemeinde.

Die ersten vier Posaunengerichte bilden in sich eine Gruppe, ähnlich wie auch die Vierergruppe der Reiter in Offb 6,1-8. Diese Gerichte werden über die Erde, das Meer, die Wasserquellen und schließlich die Himmelskörper ergehen (Offb 8,6-12). Diese Symbolischen Darstellungen können sowohl buchstäblich (materiell / physisch) als auch im übertragenen Sinne gedeutet werden. Dazu weisen die Posaunengerichte einige Parallelen auf zu den Schalen der Zornesgerichte aus Kapitel 16,1-9. Anders als bei den Siegeln scheint es hier um  aufeinander folgende Gerichte zu gehen. Die Aussage des durch den Himmel fliegenden Adlers legt dies nahe (Offb 8,13). Die Ähnlichkeiten zu den Bildern aus den Strafgerichten in Ägypten unterstützen diese Annahme. Doch es gibt keinerlei zeitlichen Anhaltspunkte, wann die Engel ihre Posaunen blasen und wie lange die jeweiligen Gerichte andauern werden (Ausnahme bildet das fünfte Posaunengericht). Daher wird es wohl eher um die Summe von Ereignissen gehen, welche durch die jeweiligen Symbole dargestellt werden.  Doch alles was hier geschieht ist keineswegs losgelöst von den Ereignissen aus Kapitel 6 und steht ebenso in einem Zusammenhang mit den Ereignissen, welche später in Kapitel 12-20 beschrieben werden. „Und die sieben Engel, welche die sieben Posaunen hatten, machten sich bereit, um zu posaunen.“ (Offb 8,6). Während beim öffnen der Siegel die vier lebendigen Wesen in Aktion treten, werden bei den Posaunen sieben Engel einbezogen. Es scheint, dass es mehrere siebener Gruppen von Engeln gibt, welche verschiedene Dienste versehen (Offb 1,20; 15,1.6.8).

4.1 Das erste Posaunengericht

Und der erste posaunte: und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermischt, und wurde auf die Erde geworfen. Und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume ,verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte. (Offb 8,7).

Das Gericht durch die erste Posaune erstreckt sich auf den dritten Teil der Erde, den dritten Teil der Bäume und das gesamte grüne Gras. Erde und besonders Bäume und das Gras werden in den biblischen Texten sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinne auf Menschen bezogen.  Die drei genannten Elemente (Hagel, Feuer mit Blut vermengt) richten in ihrer Auswirkung Zerstörung und Verbrennungen an, sowohl in der Natur als auch an Menschen.

  • Hagel kommt in der Bibel 34 Mal vor und hat immer negative zerstörerische Auswirkungen. Er richtet meistens großen materiellen und physischen Schaden an. In der Offenbarung wird Hagel drei Mal (bzw. 4 Mal) genannt, ebenfalls als Gericht über das Land aber auch über Menschen  (Offb 8,7; 11,19; 16,21).
  • Feuer kommt in der Bibel nahezu 450 Mal vor und steht meistens für Zerstörung, Vernichtung oder Gericht. In einigen Texten aber auch als Element zur Läuterung. In der Offenbarung kommt Feuer als Strafgericht 12 Mal vor: 8,5.7; 9,17.18; 11,5; 14,10.18; 16,8; 17,16; 18,8; 20,9; 21,8. Doch wie wir sehen werden, ist das Element Feuer auf irgend eine Weise in allen vier ersten Posaunengerichten dabei.
  • Blut kommt in der Offenbarung als Strafgericht 7 Mal vor: 8,7.8; 11,6; 14,20; 16,3.4.6.

Um einem Verständnis der Siegelgerichte näher zu kommen, schauen wir uns Texte an in denen Gott bereits zur alttestamentlicher Zeit diese und ähnliche Elemente eingesetzt hatte. In 2Mose 24,17 wird von ihm gesagt:„Und die Herrlichkeit des HERRN war anzusehen wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges vor den Augen der Israeliten.“ Und in 5Mose 4,24 heißt es von Gott:  „Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“ (Gott ist derselbe auch in neutestamentlicher Zeit Hebr 12,29). Und bereits in der Zeit der Patriarchen setzte der Herr verschiedene Gerichtselemente ein.

Gerichte Gottes durch die Elemente Hagel und Feuer mit Blut

Der Einsatz dieser Elemente erinnert uns an die Plagen in Ägypten (2Mose 9,18-34). So lesen wir in 2Mose 9,23: „Da streckte Mose seinen Stab gen Himmel, und der HERR ließ donnern und hageln und Feuer schoss auf die Erde nieder. So ließ der HERR Hagel fallen auf Ägyptenland.“ Feuer steht da im Zusammenhang mit den zuckenden Blitzen, welche Feuer auslösten. Zu dieser Palette kam noch Blut hinzu (2Mose 7,19-21).

  • So lesen wir von der zerstörenden Kraft des Hagels: „Und der Hagel erschlug in ganz Ägyptenland alles, was auf dem Felde war, Menschen und Vieh, und zerschlug alles Gewächs auf dem Felde und zerbrach alle Bäume auf dem Felde.“ (2Mose 9,25). Hier ist physisch / materieller Schaden den Menschen, den Vieh und dem Land zugefügt worden.
  • An dieses Geschehen erinnert auch David in Psalm 18,14 und 105,32. In Psalm 78,48 lesen wir: „Er gab ihr Vieh dem Hagel preis und ihre Herden dem Wetterstrahl.“
  • 4Mose 11,1-3: Gott straft das Volk mit Feuer in der Wüste (Tabeera): wegen ihres Murrens „Und das Volk wehklagte vor den Ohren des HERRN, dass es ihm schlecht gehe. Und als es der HERR hörte, entbrannte sein Zorn, und das Feuer des HERRN loderte auf unter ihnen und fraß am Rande des Lagers.“
  • Die Rotte Korahs in 4Mose 26,10: „Und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie mit Korach, während die Rotte starb, indem das Feuer zweihundertfünfzig Männer fraß und sie zum Zeichen wurden.
  • Hagel als lokales Strafgericht drohte Gott später dem Volk Israel wegen ihres Ungehorsams an: „Darum, so spricht Gott der HERR: Ich will einen Wirbelwind losbrechen lassen in meinem Grimm und einen Platzregen in meinem Zorn und Hagel wie Steine im Grimm, um alles zu vernichten.“ (Hes 13,13).
  • Ähnlich auch im Rückblick durch Haggai 2,17: „Ich schlug euch mit Dürre, Getreidebrand und Hagel in all eurer Arbeit; doch keiner von euch hat sich zu mir bekehrt, spricht der HERR.“
  • Joe 2,3: „Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen.“
  • 5Mose 32,22: „Denn ein Feuer ist entbrannt durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste Tiefe und wird verzehren das Land mit seinem Gewächs und wird anzünden die Grundfesten.“
  • Von den Ammonitern spricht Gott in Hesekiel 21,37: „Du sollst dem Feuer zum Fraß werden, und dein Blut soll im Lande vergossen werden, und man wird nicht mehr an dich denken; denn ich, der HERR, habe es geredet.“
  • Und im Blick auf das Endgericht sagt Gott voraus: „Denn der HERR wird durchs Feuer richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERRN Getöteten werden viele sein.“ (Jes 66,16).

All diese Texte sprechen von Gottes Gerichten die sich sowohl auf die Natur als auch auf Menschen erstrecken.  Gegenüber den Siegeln ist hier eine Steigerung zu erkennen, weil es nun um den dritten Teil geht. Und diese Steigerung wirft auch neue Fragen auf.

Doch gegen  Ende der Zeit wird durch die Schalengerichte des Zornes Gottes in sieben Schritten die gesamte Schöpfung betroffen sein (Offb 16). Im Endgericht wird Gott über Gog (Sammelbegriff für die Feinde des Volkes Gottes) all diese Elemente ausschütten. So lesen wir in Hesekiel 38,22: „Und ich will ihn richten mit Pest und Blutvergießen und will regnen lassen Platzregen, Hagel wie Steine, Feuer und Schwefel über ihn und sein Heer und über die vielen Völker, die mit ihm sind.“ (vgl. auch Offb 20,9: „Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie.“).

Die Deutung dieser Elemente im Übertragenen Sinne:

  • Jes 33,14: „In Zion sind die Sünder erschrocken, Zittern hat die Heuchler befallen, und sie sprechen: »Wer ist unter uns, der bei verzehrendem Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann?«“

Was zerstört der Herr durch den Hagel im übertragenen Sinne?

  • Die Gottlosen in Jerusalem sprechen: „Wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht. 16 Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht. Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die Zuflucht in der Lüge zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen.“ (Jes 28,15-17).In der Tat hat Jesus als der Eckstein durch sein kraftvolles Wort alle Lüge und Heuchelei entlarvt und zerstört (Lk 20,18; Röm 9,33; 1Petr 2,4-8).
  • Joel 3,3: „Und ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchsäulen.“ (Apg 2,19). Das Zitat aus dem Propheten Joel verwendet Petrus mit dem Kommen des Heiligen Geistes am Pfingsttag. Jesus sagte seinen Jüngern: „Wenn dieser kommt, wird er die Welt überführen von der Sünde“ (Joh 16,7-8). Die Auswirkungen waren gewaltig, denn an diesem  Tag sind durch die Predigt und das Wirken des Geistes etwa drei Tausend Menschen von ihrer Sünde überführt und gerettet worden.

Wofür steht Gras im übertragenen Sinne?  

Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so.“ (1Mose 1,11-12.29). Doch die Fruchtbarkeit dieser Gewächse knüpfte Gott an Bedingungen (3Mose 26,1-20). Gras und Bäume haben neben ihrer natürlichen Bestimmung auch Bedeutung im übertragenen Sinne. Hier einige davon.

  1. Es steht für die Vielzahl alles Lebendigen, auch der Menschen: Hi 5,25; Ps 72,16; Jes 44,4).
  2. Es steht auch für die Vergänglichkeit alles Fleisches: Jes 40,6-7: „Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!“ (vgl. dazu auch 1Petr 1,24-25;Jak 1,10; 2Kön 19,26; Hi 8,12; Ps 90,5; 102,5.12; 103;15).
  3. Es steht für die Vergänglichkeit der gottlosen: „Die Gottlosen grünen wie das Gras, / und die Übeltäter blühen alle – nur um vertilgt zu werden für immer!“ (Ps 92,8; 129,6; Jes 37,27; Jak 1,11).

Und die Vegetation wird vernichtet werden wegen der Gottlosigkeit der Menschen: (Jer 12,4).

Wofür stehen Bäume im übertragenen Sinne?

Gott unterscheidet zwischen Bäumen, welche essbare Früchte tragen und den übrigen Bäumen des Feldes (5Mose 20,19-20

Androhung der Vernichtung der Vegetation bei Ungehorsam (5Mose 28,39-40).

  • Menschen im Vergleich mit Bäumen: (Ri 9,7-15: Ölbaum, Feigenbaum, Weinstock).
  • Jes 7,2: Menschen mit ängstlichen Herzen gleichen rauschenden Bäumen im Walde).
  • Jes 61,3: „dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit“.
  • Hes 17,24: „Und alle Bäume auf dem Felde sollen erkennen, dass ich der HERR bin: Ich erniedrige den hohen Baum und erhöhe den niedrigen; ich lasse den grünen Baum verdorren und den dürren Baum lasse ich grünen. Ich, der HERR, rede es und tue es auch.“
  • Weitere Stellen, in denen Menschen mit Bäumen verglichen werden: Hes 21,3; 30,5-9; Jak 1,12; Mt 3,10; 7,17;  Lk 6,44).

Fragen zum Nachdenken

Wo und wie gab es Gottesgerichte mit Hagel und Feuer mit Blut vermischt sowohl im natürlichen als auch im übertragenen Sinne auf Menschen bezogen? Können wir die Vulkanausbrüche dazu zählen? Und wie ist es mit den Waldbränden, die es auch schon früher gab und die in den letzten Jahrzehnten vermehrt auftreten, leider auch oft durch menschliches Versagen und Habgier.

Auf jeden Fall haben diese Strafgerichte auch Langzeitauswirkungen auf Natur und Menschen.

 

4.2 Das zweite Posaunengericht

Und der zweite Engel posaunte: Und etwas wie ein großer feuerflammender Berg wurde ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut. Und es starb der dritte Teil der Geschöpfe im Meer, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört.“ (Offb 8,8-9).

Auf den ersten Blick erinnert solch ein feuerflammender Berg an einen der gewaltigen Vulkanausbrüche der Geschichte, den Vesuv im Jahre 79 n.Chr. bei dem die beiden Städte Herkulanum und Pompeji  verbrannt und verschüttet wurden. Die abfließende Lava löste im Golf von Neapel einen Tsunami aus, bei dem viele Schiffe zerstört wurden und Fische im Meer starben. Und in den darauf folgenden Jahrhunderten gab es hunderte weitere große Erdbeben mit gewaltigen Vulkanausbrüchen, welche große Zerstörungen an Land, im Meer und auch an Menschen angerichtet haben. Auf unserem Planeten werden etwa 1500 aktive Vulkane gezählt, von denen jährlich etwa 50 ausbrechen.

Im Text heißt es: „wie ein großer Berg mit Feuer brennend“.Dies erinnert uns an den Berg Gottes Sinai von dem es heißt, dass er mit Feuer brannte (2Mose 19,18; 5Mose 5,23; oder an die Vision in Daniel 2,35.45). Das vergleichende `wie` im Text macht deutlich, dass es sich nicht um einen buchstäblichen Berg handelt.

Doch die Auswirkung ist enorm, ein drittel der lebendigen Kreaturen und der Schiffe wurde vernichtet, bzw. zerstört.

Laut einer vorsichtigen Berechnung der Unterwasserforscher liegen auf dem Meeresgrund ungefähr 3 Millionen kleinere und größere Schiffe mit einem unermesslichen Wert an materiellen Gütern. Dadurch starben auch unzählig viele Menschen.

Schiffe kommen in der Bibel 56 Mal (Boote 51 Mal) vor und stehen für Handel, Personentransport,  Kriegsführung und Fischerei.

  • Schiffe für Handel und Personentransporte: 1Kön 9,26-27; 1Kön 10,11; 2Chr 8,18; 9,21; Hes 27,9; Offb 18,19; Apg 13,4; 16,26; 21,3; 27,10.37). Aktuell befahren tausende Schiffe die Weltmeere und befördern Menschen und Wahren in unermesslichem Umfang. Immer wieder kommt es auch dabei zu Katastrophen und Verlusten an Waren und Menschen.
  • Kriegsführung mit Hilfe der Schiffe: (Hi 9,26; 4Mose 24,24; Dan 11,30). Die Geschichte kennt unzählige Kriegshandlungen durch Flottenverbände. Und besonders in den letzten Jahrhunderten nahmen die Kriegshandlungen auf dem Meer zu mit entsprechenden dramatischen Folgen.
  • Schiffe kommen in Gefahr, werden zerstört oder vernichtet wegen dem Übermut und Ungehorsam der Menschen: Ps 48,9; 2Chr 20,36-37; Jona 1,3-5; Offb 8,9; 18,19). Hier ist besonders der Aspekt betont, dass Gottmenschliches Unternehmen wegen ihres Übermuts und Stolzes zerstört. Auch dazu gibt es in neuerer Zeit zahlreiche Beispiele.
  • Schiffe (Boote) für Fischerei und Personenbeförderung (Mt 4,21-22; 8,23-24; Joh 6,22).

Fische im natürlichen Sinne

Das Fischsterben in Ägypten war ein spürbarer Einschnitt in die Versorgung der Menschen des Landes: „Darum spricht der HERR: Daran sollst du erfahren, dass ich der HERR bin: Siehe, ich will mit dem Stabe, den ich in meiner Hand habe, auf das Wasser schlagen, das im Nil ist, und es soll in Blut verwandelt werden. 18 Die Fische im Strom werden sterben, und der Strom wird stinken. Und die Ägypter wird es ekeln, das Wasser aus dem Nil zu trinken.“ (2Mose 7,17-18). Fische aus dem Nil bildeten einen wertvollen Anteil an der Versorgung der Bevölkerung des Landes. Die Evangelien bestätigen den erheblichen Versorgungsanteil aus dem Meer in Israel zur Zeit von Jesus. Auch heute machen Fische einen erheblichen Teil der Nahrungsmittel für Menschen aus.

Fazit: Durch den Eingriff in diesen Bereich wird den Menschen ein drittel ihrer Lebensgrundlage weggenommen. Doch immer sind Menschen betroffen, auch bei den Eingriffen in die Natur.

Fische im übertragenen Sinne

In Hesekiel 29,3-9 gibt es einen ungewöhnlichen Vergleich zwischen den Lebewesen des Nil und dem Pharao samt seinem Volk. „Rede und sprich: : „So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großer Drache, der in seinem Strom liegt und spricht: »Der Nil ist mein und ich habe ihn mir gemacht.« 4 Aber ich will dir Haken ins Maul legen und die Fische in deinem Strom an deine Schuppen hängen und will dich aus deinem Strom herausziehen samt allen Fischen in deinem Strom, die an deinen Schuppen hängen. 5 Ich will dich und alle Fische aus deinem Strom in die Wüste werfen; du wirst aufs Land fallen und nicht wieder aufgelesen und gesammelt werden, sondern ich gebe dich den Tieren auf dem Land und den Vögeln des Himmels zum Fraß. 6 Und alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, dass ich der HERR bin. Weil du dem Hause Israel ein Rohrstab gewesen bist – 7 wenn sie dich mit der Hand anfassten, so brachst du und stachst sie in die Seite; und wenn sie sich auf dich lehnten, so brachst du entzwei und alle Hüften wankten –, 8 darum, so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will das Schwert über dich kommen lassen und Menschen und Vieh in dir ausrotten. 9 Und Ägyptenland soll zur Wüste und Öde werden, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin.“

Ja, die Lebewesen im Wasser können durchaus als Anschauungsmaterial für Menschen in Betracht gezogen werden, wie auch das Gleichnis vom Schleppnetz deutlich macht. So sagte Jesus: „Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische aller Art fing. 48 Als es voll war, zogen sie es heraus an das Ufer, setzten sich und lasen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten warfen sie weg. 49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden 50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 51 Habt ihr das alles verstanden?“ (Mt 13,47-51). Aber auch im übertragenen Sinne als Menschenfischer (Lk 5,6-10; Joh 21,11).

 Was ist mit dem Blut gemeint?

Zunächst erinnert es uns an das Strafgericht Gottes in Ägyptenland 2Mose 7,19-21: Und der HERR sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Ströme und Kanäle und Sümpfe und über alle Wasserstellen, dass sie zu Blut werden, und es sei Blut in ganz Ägyptenland, selbst in den hölzernen und steinernen Gefäßen. Und die Fische im Strom starben und der Strom wurde stinkend, sodass die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten; und es war Blut in ganz Ägyptenland.“ (vgl. mit Ps 78,44). Besteht zwischen diesem Strafgericht und der Tötung der Knaben der Israeliten ein Zusammenhang? (2Mose 1,22: „die Töchter lasst leben aber die Knaben werft in den Nil“). Dazu gibt es deutliche Parallelen zu den Zornschalen aus Offenbarung 16,1-9: „Und der zweite goss aus seine Schale ins Meer; und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben.“ (Offb 16,6). Während es bei den Posaunengerichten nur der dritte Teil zu Schaden kam, ist hier die totale Vernichtung die Folge des Schalengerichtes Gottes. In dem dritten Zorngericht gibt es eine Erklärung zum Blut (Offb 16,4-7: „Und der dritte goss aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserquellen; und es wurde Blut. 5 Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, dass du dieses Urteil gesprochen hast; 6 denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind’s wert. 7 Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht.“

Gott vergilt mit dem, was sie vergossen haben, sie müssen auskosten, erleiden, was es heißt Menschen das Leben zu nehmen. Dies sieht nach einem göttlichen Prinzip aus, denn was der Mensch sät, wird er ernten. Wer das Schwert nimmt, kommt durchs Schwert um.  In diesem Sinne könnte auch die Vergeltungsaktion an den Menschen aus Offb 8,7 gedeutet werden. Weitere Stellen zu dieser Vergeltung, welche denen droht, die Blut vergießen: (1Mose 9,5-6; 41,22; Jos 2,19; 1Kön 2,33; 2Kön 9,7; Mt 27,25).

Jesus sagte der bösen Menschenart in Israel: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35; „Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht (dieser Art).“ Lk 11,51).

Sowohl die Erde als auch das Meer sind von Blut getränkt und dies wird der gerechte Richter von den Verantwortlichen fordern. Zu allen Zeiten ist Blut vergossen worden auf dieser Erde (Meer) doch das Maß des Blutes welches im 20. Jh. vergossen wurde, übertraf alles bis dahin geschehene.  Aber was letztlich die Deutung dieses Posaunengerichtes im Detail betrifft und in welchem Zeitraum es sich erfüllt, ist vorerst Zurückhaltung angebracht. Schauen wir uns zunächst die weiteren Posaunengerichte an.

 

4.3 Das dritte Posaunengericht

Und der dritte Engel posaunte: Und es fiel vom Himmel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf den dritten Teil der Ströme und auf die Wasserquellen. 11 Und der Name des Sternes heißt „Wermut“; und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele der Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren. (Offb 8,10-11).

Was versinnbildlicht dieser große Stern brennend wie eine Fackel? Wenn Sterne vom Himmel fallen, dann hat es was mit Gericht zu tun (Offb 6,13: „Sterne fielen auf die Erde wie wenn ein Feigenbaum, der seine Feigen abwirft“). Oder der Stern aus Offb 9,1 der auch Unheil bringt.

Es gibt auch Ähnlichkeiten zu dem großen Berg aus dem vorhergehenden Posaunengericht. Hier brennt der Stern wie eine Fackel, dazu wird präzisiert. dass dieser Stern vom Himmel herab auf den dritten Teil der Flüsse und Wasserquellen fiel. Es handelt sich um eine gezielte Einschränkung der Trinkwasservorräte, die für die Menschen lebenswichtig sind. Dieser Stern wird Wermut genannt. Wermut ist eine Pflanze, deren bittere Substanz in kleineren Mengen in verschiedenen Bereichen verwendet wird. Doch enthält die Wermutspflanze auch eine Giftsubstanz `Thujon` die hoch dosiert für den Menschen gefährlich ist. Darum wird sie auch mit Gift in Zusammenhang gebracht. Der gr. Begriff dazu ist ` Ἄψινθος  – apsinthos`. Die Auswirkung davon war: Die Wasser wurden bitter, gr. `ἐπικράνθησαν – epikranth¢san`

Hier Texte zu Wermut und Bitterkeit im wörtlichen und auch übertragenem Sinne:

  • 2Mose 15,23: „Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man den Ort Mara.“ Der Kontext lässt den Schluss zu, dass der Genuss dieses Wassers zu Krankheiten geführt hätte. Die Lektion Gottes an das Volk ist sehr klar: „Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr dein Arzt“ (2Mose 15,26-27).
  • 5Mose 29,17: „Lasst ja nicht einen Mann oder eine Frau, ein Geschlecht oder einen Stamm unter euch sein, dessen Herz sich heute abwendet von dem HERRN, unserm Gott, dass jemand hingehe und diene den Göttern dieser Völker. Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.“ Gift und Wermut sind hier als Bestandteile der Wermutspflanze im übertragenen Sinne gemeint. Und sie machen auch den Zusammenhang mit Götzendienst deutlich. Der Stamm Dan (aber auch Ephraim) hat wesentlichen Anteil an der Einführung des Götzendienstes in Israel mit gravierenden negativen Folgen auch für die nachfolgenden Generationen (Ri 17).
  • Spr 5,3-4: „Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.“  Hier ist der Sinn eindeutig, es geht um die Verführung zur Unzucht mit all den bitteren Folgen.
  • Amos 5,7: „die ihr das Recht in Wermut verwandelt und die Gerechtigkeit zu Boden gestoßen habt.“ Dann fügt er noch ein Bild hinzu: „Wer kann auf Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern das Meer pflügen?“ Doch ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut.“ (Amos 6,12). Die Gesetzlosigkeit führt zur totalen Unvernunft. Und die Folgen bleiben nicht aus.
  • Jer 9,14: „darum spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will dies Volk mit Wermut speisen und mit Gift tränken.“ Ähnliches droht Gott auch den falschen Propheten an: „Darum spricht der HERR Zebaoth über die Propheten: Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Gift tränken; denn von den Propheten Jerusalems geht Ruchlosigkeit aus ins ganze Land.“ (Jer 23,15). Die Ruchlosigkeit der falschen Propheten ist gleich Wermut. Durch ihren Einfluss haben sie das Volk innerlich vergiftet. Und der Herr lässt sie ernten, was sie gesät haben.

Anmerkung: Doch auch die Gerechten müssen oft mit leiden wegen der Ungerechtigkeit der Gottlosen. So lesen wir in den Klageliedern Jeremias: „Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt und mit Wermut getränkt.“ (3,15). Oder: „Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Bitterkeit getränkt bin!“ (Kla 3,19). Der Prophet leidet mit, ohne selbst schuldig geworden zu sein. Das leiden wegen der Gerechtigkeit gehört zum Leben in der Nachfolge Jesu.

Auch bei dieser Plage war nur der dritte Teil der Flüsse und Wasserquellen betroffen. Sie wurden Bitter (giftig) gleich Wermut. Wenn wir zunächst an die ganz natürliche Verschmutzung der Trinkwasserreserven denken, stellen wir fest welch gravierende Auswirkungen dies auf die Menschen hat. Viele Menschen starben von den bitteren Wassern. Und diese Texte erhellen auch die symbolhafte Darstellung des dritten Posaunengerichtes. Die reinen Wasserquellen des lebendigen Wortes Gottes werden durch falsche Lehren und Ideologien vergiftet zum Schaden vieler Menschen. Ja, mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen, wenn sich dieses Gericht im geistigen Bereich durchsetzen wird? was ist erst, wenn Gott ihnen die Kraft des Irrtums schickt (2Thes 2,11; Röm 1,24). Diese Teilgerichte gehen dem Endgericht voraus und daher können sie als Warnungen Gottes gesehen werden.

 

4.4 Das vierte Posaunengericht

Und der vierte Engel posaunte: Und es wurde geschlagen der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne, so dass der dritte Teil von ihnen verfinstert wurde und der Tag seinen dritten Teil kein Licht hatte und ebenso die Nacht.“ (Offb 8,12).

Es wurde geschlagen“, der dritte Teil der himmlischen Leuchtkörper mit Finsternis, ohne dass irgendeinen Gegenstand genannt wird. Auffallend ist bei diesem Posaunengericht, dass nichts konkretes über die Folgen solcher Verfinsterung gesagt wurde. Dies lässt Raum für verschiedene Spekulationen. Ein gewisses Maß an Zurückhaltung bei dem Versuch einer Interpretation. Ist daher geboten.

Die Himmelskörper schuf Gott ursprünglich zu bestimmten Zwecken: „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre. und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde  und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“ (1Mose 1,14-18). Ihre Zweckbestimmung ist:

  • Die da scheinen auf die Erde. Sie stehen im Bezug zu der Erde und sind auf diese ausgerichtet. Die Erde ist von den Leuchtkörpern abhängig. Was wären die natürlichen Folgen bei deren teilweisem Ausfall?
  • Die da scheiden Tag und Nacht: Ihre Funktion ist unter anderem auch die Trennung von Licht und Finsternis. Was passiert, en diese Funktion eingeschränkt wird?
  • Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre: Was für Folgen hätte ein teilweiser Ausfall auf den Jahresverlauf?

Hat Gott nicht gesagt: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1Mose 8,22). Warum denn diese Einschränkung in der Offenbarung 8,12 und wie ist sie zu verstehen?

Wir haben eine gewisse Parallele in der vierten Zornesschale aus Kapitel 16,8  doch dort ist nur die Sonne erwähnt und zwar als sengende Hitze. Hier jedoch wird den Menschen etwas Wesentliches entzogen, wenn auch nur teilweise. Auf was bezieht sich das 1/3 Verfinsterung? Wir fragen, wo in der Schrift gibt es zu diesem Phänomen Parallelen oder ähnliche Erscheinungen?

  • In der Zeit des Volkes Israel in Ägypten (2Mose 10,21ff). Die Plage der Finsternis dauerte drei Tage. Sie war partiell und erstreckte sich nur auf das Land Ägypten.
  • In der Zeit und im Zusammenhang mit dem Sterben von Jesus trat eine Finsternis ein über das Land für drei Stunden (Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44-45).
  • In der Voraussage von Jesus: „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, …“ (Lk 21,25). Diese angekündigten Zeichen könnten im Zusammenhang der Geschehnisse aus Offb 8,12; 9,1-2; 16,8 stehen. Doch diese Zeichen sind noch nicht das totale Erlöschen aller Himmelskörper, wovon Jesus erst in Lk 21,26-27 spricht (dazu auch Mt 24,29; Mk 13,24).

Doch wo gibt es Hinweise für eine  Deutung im übertragenen Sinne?

  • Amos 8,9: „Zur selben Zeit werde ich die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen.“ Auf wen ist es bezogen und was bedeutet dies? Der Kontext des Kapitels gibt die Erklärung zu dieser Strafandrohung Gottes über das Nordreich Israel.
  • Hes 32,7-8:  „Und wenn du ganz dahin bist, so will ich den Himmel verhüllen und seine Sterne verfinstern und die Sonne mit Wolken überziehen, und der Mond soll nicht scheinen. Alle Lichter am Himmel lasse ich über dir dunkel werden und bringe eine Finsternis über dein Land, spricht Gott der HERR.“ Und wer ist hier gemeint? Der Kontext des gesamten Kapitels spricht vom Untergang Ägyptens.
  • Mi 3,6 „Darum kommt Nacht über euch statt Gesicht und Finsternis statt Wahrsagung. Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden.“ Auch hier macht der Kontext deutlich, was mit der Verfinsterung gemeint ist. Wegen der Bosheit Israels und Judas kommt das Gericht über sie mit Zerstörung.
  • Jer 15,9: „Die sieben Kinder hatte, welkte dahin; sie hauchte ihr Leben aus. Ihre Sonne ging unter am hellen Tag; sie fiel in Schande und Schmach. Und was von ihnen übrig ist, will ich dem Schwert hingeben vor ihren Feinden, spricht der HERR.“ Auch hier hat der Herr beschlossen, das Gericht über Juda kommen zu lassen mit all den  schrecklichen Folgen.
  • Dem gegenüber gibt Gott den Gerechten die Verheißung: „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“ (Mal 3,20).
  • Joh 12,40: „er hat ihre Augen verblendet“;
  • Röm 1,20-21: Darum hat Gott sie auch hingegeben“;
  • Eph 4,18: „Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist“.
  • 2Thess 2,11: „Und darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, dass sie der Lüge glauben“.

Geistliches Licht wird teilweise entzogen, dadurch breitet sich geistliche Finsternis mehr aus.

Erkenntnis und Unterscheidungsvermögen wird eingeschränkt, dadurch breitet sich die Gesetzlosigkeit aus mit entsprechenden gravierenden Folgen.

 

Überleitung zu den letzten drei Posaunengerichten

Und ich sah: Und ich hörte einen Adler hoch oben am Himmel fliegen und mit lauter Stimme sagen: Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Stimmen der Posaune der drei Engel, die posaunen werden! (Offb 8,13).

Johannes sieht und hört, er hat eine Audiovision. Aber  wen versinnbildlicht der Adler, welcher hoch am Himmel fliegt? Warum kündigt er noch drei Wehen an?

Anmerkung: Es handelt sich durchaus um einen himmlischen Boten, daher übersetzen Einige gleich mit Engel. Doch macht es Sinn über die Charakterzüge und Verhaltensweisen dieses Raubvogels nachzudenken. Die dafür verwendete griechische Bezeichnung `ἀετος – aetos – Adler` ist an dieser Stelle nicht willkürlich verwendet worden. Bereits durch die Beschreibungen in Offb 4,7 und Hes 1,10 aber auch Ps 103,5; 5Mose 32,11;  Jes 40,31 haben wir ein positives Bild von Adlern bekommen. Doch er wird auch angeführt, um die Schnelligkeit eines Gerichtes zu veranschaulichen. (5Mose 28,49; Jes 46,11; Jer 48,40). Dieser Adler spricht drei Weherufe aus. Dieses dreimalige Wehe ist einmalig in der Bibel. Es ist ein klarer Hinweis auf die drei folgenden Posaunengerichte. Diese Weherufe künden Schlimmeres an als bis jetzt geschehen war. Sie sind also nichts neues in der Geschichte, sie gab es bereits zur Zeit des Alten Testaments. Weherufe kommen mehr als 200 Mal vor in der Schrift. Sie sind vielseitig in ihren Inhalten. Doch wenn sie von Gott ausgesprochen werden, sind sie Ausdruck seines Missfallens über das sündige Verhalten der Menschen, verbunden mit einer  offensichtlichen Androhung der Vergeltung durch vorläufiges oder auch Endgericht. Hier einige Stellen: Jes 1,4; 1,24; 3,9-11; 10,ff; 66,4; Jer 50,27; Hes 6,11; 24,6. Sie erinnern uns auch an die Weherufe von Jesus, der bereits:

  • über die Reichen, Lachenden und Satten aussprach (Lk 6,24-25).
  • damals Gericht über die unbußfertigen Städte voraussagte (Mt 10,15; 11,21).
  • Über die Menschen, welche anderen einen Fallstrick legen (Lk 17,1).
  • Oder an die sieben Weherufe über die theologische Elite Israels (Mt 23,13-29).
  • Ebenso über den Verräter Judas (Mt 26,24).
  • Jesus sagt Wehe und große Not voraus für das jüdische Volk während der Belagerung von Jerusalem (Lk 21,20-24).
  • Es erinnert uns auch an die Endzeitreden von Jesus als er vom Anfang der Wehen spricht (Mt 24,8; Mk 13,8).
  • Doch auch die Apostel sprachen von Wehen über bestimmte Menschen oder Gruppen von Menschen (Jak 1,11; 1Tim 6,10). Weitere Stellen in der Offb: 12,12; 16,10.16.

Aufschlussreich ist die Aussage des Ap. Petrus in 1Petr 4,17: „Denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt bei dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst bei uns, was wird es für ein Ende nehmen mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben?

Und die Weherufe des Adlers kündet schwere Zeiten an, welche über die Menschen kommen werden die auf Erden wohnen. Offensichtlich ist, dass bei all den Weherufen es sich nur um die Menschen handelt, welche sich gegen Gott auflehnen. Ausdrücklich heißt es hier, dass die Menschen betroffen sein werden, welche `auf der Erde wohnen`. Diese Formulierung in der Offenbarung kommt zwölf Mal vor und dabei sind immer nur die Menschen gemeint, welche sich gegen Gott auflehnen, bzw. deren Bürgertum nur hier auf Erden ist. Es geht um die Menschen, welche keinen Anteil haben am Bürgerrecht im Himmel, im Gegensatz zu den Gläubigen an Jesus Christus (Lk 10,20; Kol 1,13; 3,1; Phil 3,20; 4,3; Eph 2,12).

  • Offb 3,10:„Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“
  • Offb 6,10: „Und sie schrien mit großer Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?
  • Offb 8,13: „Und ich sah, und ich hörte, wie ein Adler mitten durch den Himmel flog und sagte mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen wegen der anderen Posaunenstöße der drei Engel, die noch blasen sollen.“
  • Offb 11,10: „Und die auf Erden wohnen, freuen sich darüber und sind fröhlich und werden einander Geschenke senden; denn diese zwei Propheten hatten gequält, die auf Erden wohnten.“
  • Offb  13,8: „Und alle, die auf Erden wohnen, werden ihn anbeten, alle, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist.“
  • Offb 13,12: „Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war.“
  • Offb 13,14: „und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war.“
  • fOffb 14,6: „Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.“
  • Offb 17,2: „mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei.“
  • Offb 17,8: „Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen aus dem Abgrund und in die Verdammnis fahren. Und es werden sich wundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht im Buch des Lebens vom Anfang der Welt an, wenn sie das Tier sehen, dass es gewesen ist und jetzt nicht ist und wieder sein wird.“

Weitere Stellen: Jer 44,8;  Zef 1,18; Mal 3,18.

Dass dabei auch die Knechte Gottes mit leiden, haben wir bereits festgestellt, allerdings gereicht es ihnen zur Bewährung und sie werden geistlich gesehen in diesen Situationen von Gott bewahrt (Offb 3,20; 6,9-11).

Dass die drei letzten Wehen (Gerichte) durch einen himmlischen Boten, der in Gestalt eines Raubvogels (Adler) angekündigt werden, ist nicht zufällig, sondern es hat zu tun mit denen, gegen die die Posaunen sprechen werden.

 

4.5 Die fünfte Posaune – das erste Wehe

Das fünfte Posaunengericht ist deutlich vom vierten abgesetzt, denn mit ihm beginnen die drei letzten Wehen, welche in Vers 13 angekündigt wurden. Während die ersten vier Posaunengerichte sich vorrangig auf die materielle Schöpfung bezogen mit entsprechenden Auswirkungen für alle Menschen, wird das folgende Wehe nur über Menschen kommen, die  nicht versiegelt sind.

Und der fünfte Engel posaunte: Und ich sah einen Stern⟨, der⟩ vom Himmel auf die Erde gefallen ⟨war⟩; und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund (Brunnen) des Abgrundes gegeben.(Offb 9,1)

Was oder wer ist unter diesem Stern zu verstehen?

  1. Natürlicherweise denkt man da zunächst an einen Meteoriten, der in die Erde einschlägt, eine gewaltige Explosion auslöst mit entsprechenden Naturphänomenen.
  2. Sterne fallen vom Himmel (Mt 24,29; Mk 13,25; Offb 6,13).
  3. Sterne stehen gelegentlich im übertragenen Sinne für Engel (Hiob 38,7).
  4. Nach Offb 12,4 sind 1/3 durch den Drachen mitgerissen worden, aber 2/3 sind im himmlischen Bereich verblieben.
  5. Doch an den Stellen, wo heilige Engel vom Himmel herabkommen die Rede ist, werden diese nicht mit Sternen verglichen. Und von ihnen heißt es nicht, dass sie gefallen sind, sondern sie werden gesandt, steigen herab oder erscheinen, manchmal fliegen sie (Lk 1,26; Apg 12,11; Offb; 22,6.16; 10,1; 18,1; 20,1;  Mt 28,2; Lk 1,11; 22,43; Offb 8,13; 14,6).
  6. , Sterne stehen auch für die bösen Engel, denn von ihnen heißt es, dass sie gefallen sind. So sagte Jesus: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen (gr. πεσόντα –  pesonta), wie einen Blitz (Lk 10,18-20). Oder in  Joh 12,31 sagte Jesus: „Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden nach draußen“; 2Petr 2,24; „Engel, die gesündigt haben, hat er verstoßen“. Wir können davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt der Offenbarung im himmlischen Bereich keine bösen Engel mehr gab (Offb 12,7-10). Erstens: Diese Engel haben ihren hohen Stand verlassen. Zweitens: Diese Engel wurden von Gott mit Fesseln in die Finsternis verstoßen. Drittens: Der Satan als Fürst  dieser Welt wurde gerichtet und nach draußen geworfen.
  7. Sterne stehen gelegentlich auch für Könige, die von der Höhe ihrer Macht gestürzt wurden. So heißt es vom König von Babel:  „Wie bist du vom Himmel gefallen du schöner Morgenstern“ (Jes 14,11-12).  Oder vom König zu Tyrus (Hes (28,1-19). Allerdings kann der Sturz dieser Könige auch als eine Anspielung auf den Sturz des Satans angesehen werden.

Das gr. Verb `πεπτωκότα – peptökota – gefallen seiend` (Elbf Üs.: gefallen war) ist ein Partizip und steht im Aorist. Die Tatsache seines Falls wird ohne eine Zeitform zu nennen, unterstrichen und dieser gefallene Zustand hält an. Dies könnte auch bedeuten, dass ihm der Schlüssel zum Abgrund zu einem Zeitpunkt gegeben wurde, nachdem sein Fall längst vollzogen war.

Dieser Stern  hat den Schlüssel des Abgrundes. Schlüssel steht für Macht, Doch diese Macht wurde ihm von einem Höherem gegeben. Immer wieder heißt es im Buch der Offenbarung: `wurde gegeben, gegeben hat, er gab oder  ich werde geben`, davon nur ein Mal ausdrücklich vom Drachen, der dem Tier seine Macht gab. Letztlich ist es Gott, der gibt, anordnet, zulässt, gewährt (Hiob 1,12; 2,6; Jes 46,11). Vielleicht kommen wir einer Lösung der Identität s Sterns erst später näher, wenn die anderen Details geklärt werden können.

Der Abgrund, was ist es oder wo ist er zu lokalisieren?

Und er öffnete den Schlund (Brunnen) des Abgrundes; und ein Rauch stieg auf aus dem Schlund (Brunnen) wie der Rauch eines großen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauch des Schlundes verfinstert. (Offb 9,2).

Der gr. Begriff für Abgrund ist `ἄβυσσος – abyssos`. Außer in Offb 9,1-2 kommt dieser Begriff noch an folgenden Stellen vor:

  • Offb 9,11: „sie hatten über sich einen König, den Engel des Abgrunds `abyssos`; sein Name heißt auf Hebräisch Abaddon, und auf Griechisch hat er den Namen Apollyon.“ Dieser Engel (König des Abgrunds) weist eine gewisse Ähnlichkeit auf zu dem vom Himmel gefallenen Stern (Offb 9,1).
  • Offb 11,7: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund `abyssos`  aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten.“ Es handelt sich wohl um das Tier aus Offenbarung 17,8.
  • Offb 17,8: „Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen aus dem Abgrund `abyssos`  und in die Verdammnis fahren. Und es werden sich wundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht im Buch des Lebens vom Anfang der Welt an, wenn sie das Tier sehen, dass es gewesen ist und jetzt nicht ist und wieder sein wird.“ Das Tier verschwindet und erscheint wieder für eine Zeit und fährt dann in die Verdammnis, ist also endgültig verurteilt.
  • Offb 20,1-3: „Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund `abyssos`  und eine große Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund `abyssos`  und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit.“
  • Lk 8,31: „Und sie (die Dämonen) baten ihn, dass er ihnen nicht gebiete, in den Abgrund `abyssos`  zu fahren.“  Denn dort hätten sie Qualen erlitten anstatt selber andere zu quälen (Mt 8,29). Etwas anders wäre ihre Situation nach  Mt 12,43 wonach sie eine weitere Wirkungsmöglichkeit gehabt hätten.

Doch dieser Abgrund scheint nicht identisch zu sein mit dem Hades (Totenreich), wo die Gottlosen nach ihrem Tod aufbewahrt werden (Lk 16,19-31). Es ist eher ein Ort von dem Wiederkehr möglich ist und zwar nach Gottes Zulassung entsprechend seinem Plan. Eine Art vorübergehende Verwahrung von gottfeindlichen Mächten in einem Gefängnis (Offb 20,7).

Rauch verdunkelte die Luft und die Sonne – Heuschreckenplagen

Auch dies hört sich zunächst nach einem gewaltigen Vulkanausbruch an, durch den die Luft verpestet und Sonne und Mond zeitweise verfinstert werden. Und dies gab es schon oft in der Geschichte der Menschheit. Solche Katastrophen verursachten gewaltige Zerstörungen an Natur und Menschen (der Vesuv: 0079; Tambora: 1815; Krakatau: 1883; der Mount Pele: 1902-1929; der Vesuv: 1944; der Sankt Helen: 1980; der Pinatobu: 1991; Montserat: 1993-1995).

Doch die folgenden Bilder meinen etwas anderes. So heißt es weiter im Text:

Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf die Erde, und es wurde ihnen Macht gegeben, wie die Skorpione der Erde Macht haben. Und es wurde ihnen gesagt, dass sie nicht dem Gras der Erde, auch nicht irgendetwas Grünem, auch nicht irgendeinem Baum Schaden zufügen sollten, sondern den Menschen, die nicht das Siegel Gottes an den Stirnen haben. (Offb 9,3-4).

Aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor“. Das Auftreten der Heuschrecken ist seit tausenden von Jahren bekannt. Die erste Erwähnung davon ist im Zusammenhang der Gerichte in Ägypten beschrieben und zwar mit gravierenden Folgen für die Ägypter (2Mose 10,1-19). Die Heuschrecken fraßen alles auf, was der Hagel übriggelassen hatte, alles Grüne und alle frischen Triebe an den Bäumen und alle übriggebliebenen Früchte auf den Bäumen.

Weitere Stellen zu Heuschecken Plagen:

  • 5 Mose 28,38: Bei Ungehorsam droht Gott an:“… aber die Heuschrecken werden es abfressen“. Ähnlich auch in 2Chr 7,13: „Wen ich Heuschrecken kommen lasse“.
  •  Und in Amos 4,9 erinnert Gott das Volk: „ich plagte euch mit Heuschrecken“. So auch in Joel 1,4ff: Erinnerung an die Heuschreckenplage in Israel. In all den Fällen handelte es sich um natürliche Heuschreckenplagen als lokale Gerichte (Jes 26,8-9).

Doch ausgehend aus dem Text der Offenbarung stellt sich die Frage, ob Heuschreckenplagen auch eine sinnbildliche Bedeutung haben können? Denn im Text der Offenbarung werden die Heuschrecken nur als Vergleich beschrieben. Beachten wir die vergleichenden Worte `gleich` und `wie` in diesem Text (8 Mal). Das heißt: es handelt sich hier nicht um buchstäbliche Heuschrecken samt all ihrer Ausstattung. Es geht hier auch nicht um die buchstäblicher Vernichtung all des Grünen. Denn von ihrer Natur sind Heuschrecken Fresser all des Grünen und gerade dies wird ihnen untersagt. Aber auch unter Gras, Grünem und Bäumen können im übertragenen Sinne Menschen gemeint sein (siehe die Erklärungen dazu im ersten Posaunengericht). Durch die Plagen in diesem Text sind jedoch nur die Menschen betroffen, welche nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Das heißt: Die Gläubigen werden in diesem Gericht bewahrt (vgl. dazu auch Offb 7,1-4; 16,2).

Weitere Merkmale der Heuschreckenplagen im übertragenen Sinne:

  • Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden“ Was für eine Bildersprache! Pferde stehen für Schnelligkeit und Unerschrockenheit im Kampf (vgl. dazu Jer 8,16; Joel 2,4-5).
  • und auf ihren Köpfen ⟨war es⟩ wie Siegeskränze gleich Gold“ Dies ist die einzige von den etwa 20  Textstellen in der Bibel, in der Siegeskränze in einem feindlichem Lager erwähnt werden. Das `wie` hebt die Unechtheit dieser zur Schau getragenen Insignien hervor.
  • und ihre Angesichter ⟨waren⟩ wie Menschenangesichter“  Sie zeigten sich in einer Art  menschlichen Humanität.
  • und sie hatten Haare wie Frauenhaare,“ Sie hatten den Anschein von etwas Anmutigem.
  • und ihre Zähne waren wie die von Löwen“ Es deutet auf ihre Grausamkeit und Vernichtung hin (vgl. mit Joel 1,6).
  • Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer“. Brustpanzer stehen für Schutz im Kampf, sie sind demnach unverletzlich.
  • und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen mit vielen Pferden, die in den Kampf laufen.“ (Hab 1,8).
  • und sie haben Schwänze gleich Skorpionen und Stacheln, und ihre Macht ist in ihren Schwänzen, den Menschen fünf Monate zu schaden. (Offb 9,7-10). Was könnte in übertragenen Sinne gemeint sein?

In dem Propheten Joel 2,3-11 wird in krassen Bildern eine Heuschrecken Plage beschrieben. In jenen Texten werden zum Teil die gleichen Bilder verwendet wie auch in Offenbarung 9,1-11, Dort lesen wir:

Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen. 4 Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse. 5 Sie sprengen daher über die Höhen der Berge, wie die Wagen rasseln und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist. 6 Völker entsetzen sich vor ihm, und jedes Angesicht erbleicht. 7 Sie laufen wie Helden und ersteigen die Mauern wie Krieger; ein jeder geht stracks seinen Weg, weicht nicht von seinen Pfaden. 8 Keiner drängt den andern, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher; sie durchbrechen die feindlichen Waffen und dabei reißt ihr Zug nicht ab. 9 Sie stürzen sich auf die Stadt, laufen auf der Mauer, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster. 10 Vor ihm erzittert das Land und bebt der Himmel, Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. 11 Und der HERR lässt seinen Donner vor seinem Heer erschallen. Denn sein Heer ist sehr groß; denn es ist mächtig und richtet seinen Befehl aus. Ja, der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen.“ (Joel 2,3-11).

Unübersehbar sind die Parallelen zu den Schilderungen aus der Offenbarung 9,1-11. Es ist eine Schilderung eines Angriffes, das sich offensichtlich in dem geistigen Bereich abspielt. Doch schauen wir die weitere Schilderung aus Offenbarung an.

  • Und es wurde ihnen ⟨der Befehl⟩ gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden; und ihre Qual war die Qual eines Skorpions, wenn er einen Menschen sticht. (Offb 9,5).

 

Das Wesen der Skorpione

Die Bildersprache ist faszinierend und lenkt unsere Aufmerksamkeit zunächst auf das Äußere, die Plage ähnlich einem Skorpionen Stich. Es gibt sehr viele Skorpionen Arten und viele von ihnen sind für den Menschen sehr gefährlich. Das Gift ihrer Schwanzstachel ist oft tödlich, in den meisten Fällen jedoch sehr schmerzlich. Jährlich werden viele Hunderttausend Menschen von Skorpionen gestochen und die Zahl der Todesfälle schwankt zwischen eintausend und fünftausend.

Skorpione sind in der Bibel sowohl im buchstäblichen als auch in ihrer Sinnbildlichkeit oft erwähnt und immer als etwas Negatives, Schaden anrichtendes:

  • 5Mose 8,15 und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen.“ Dort stellten die Skorpione für das Volk eine physische Gefahr dar.
  • Hes 2,6: „Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen.“ Hier stehen Skorpione für Böse und hinterlistige Menschen

Doch auch schon früher hat Gott seinen Propheten Schutz versprochen.  Hes 2,6 Und wie den Propheten damals verspricht auch Jesus seinen Jüngern Schutz vor feindlichen Mächten (Lk 10,19: „Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.“ Auch durch diesen Vergleich können die Plagen den boshaften und geistigen Mächten des Feindes zugeschrieben werden.

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. (Offb 9,6).

Das ist zwar unnatürlich, doch verstärkt es die Tatsache, dass die Qualen unerträglich sein werden.

Wann, warum, auf welche Weise und für wie lange werden den Menschen solche Plagen auferlegt?

Interessant ist, dass die Zeitspanne `fünf Monate lang` der durchschnittlichen Lebensdauer einer Wanderheuschrecke entspricht. Obwohl die Zeitspanne der Qualen begrenzt ist, dauert sie wesentlich länger als die Prüfungszeit der Gläubigen in der Gemeinde Smyrna (Offb 2,10).

Im Rahmen der 42 Monate (Offb 11,2; 13,5), wäre diese Zeitspanne jedoch begrenzt. Gut möglich, dass es sich bei diesen Plagen um Qualen, welchen den Menschen von Dämonen direkt oder auch indirekt zugefügt werden handelt, denen sie hilflos und schutzlos ausgeliefert sind. Durch folgende Aussagen würde diese Art der Plage begründet sein:

  • Mt 15,22: „Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“
  • n. 28 Da er aber Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und rief laut: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, du Sohn des höchsten Gottes? Ich bitte dich: Quäle mich nicht! 29 Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln an den Füßen gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriss seine Fesseln und wurde von dem Dämon in die Wüste getrieben.“ (vgl. den Parallelbericht in Mk 5,5: „er schlug sich mit Steinen“). Dies macht deutlich, dass dieser Mensch durch den Einfluß des Dämons gequält wurde, ohne ihn dabei zu töten.
  • : Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren; und alle wurden geheilt.“
  • : Apg 10,38: „wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

Im Text der fünften Zornesschale (Offb 16,10-11) gibt es eine gewisse Parallele zu der fünften Posaune. Dort lesen wir: „Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11 und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und taten nicht Buße für ihre Werke.“ Der Thron des Tieres ist betroffen und damit sein  Reich.  Nach Offb 13,1-5 steht das Tier aus dem Meer für die Reiche dieser Welt. Weil Menschen das Tier und seine Nachbildungen anbeten, fordern sie geradezu die Mächte der Finsternis heraus.

Zauberei, Wahrsagerei, Geisterbeschwärung oder Befragung, Spiritismus und allerlei Arten der okkulten Praktiken haben zur Folge, dass Menschen geängstigt, belastet und gequält werden (5Mose 18,9-14; 2Kön 1,1-6; Lk 11,26-27). Am Ende des neunten Kapitel heißt es: „Doch die Menschen taten dennoch nicht Buße“ (Offb 9,20).

Weitere Beispiele und Texte aus den Berichten der Evangelien und den Briefen der Apostel: (Apg 19,16-19; 2Tim 3,13; Mt 12,45; Röm 1,19ff; 2Petr 2,1).

Diese Aussagen machen deutlich, dass zu allen Zeiten Menschen durch dämonische Mächte beeinflusst und gequält wurden. Doch hier scheint es sich um  ein globales Gericht zu handeln, wenn auch zeitlich begrenzt.

Sie haben über sich einen König, den Engel des Abgrundes; sein Name ist auf Hebräisch Abaddon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyon. (Offb 9,11).

Was bedeuten diese Decknamen? Gibt es in der Schrift ähnliche Bezeichnungen? Der Name `apollyön` hat die Bedeutung Verderber, jemand der umbringt. Dies entspricht auch der Aussage von Jesus in Joh 10,10: `ἀπολέσῃ – apoles¢ – umzubringen. (vgl. auch mit Lk 13,5)). Der hebräische Ausdruck wird wohl dasselbe bedeuten. Dieser Verderber wird als Engel bezeichnet und trägt den Titel König. Es gibt keine ausdrückliche Stelle in der Schrift in welcher der Satan als König bezeichnet würde, doch Jesus nennt seinen Wirkungsbereich als `sein Reich – basilea` im Zusammenhang in Mt 12,26; Lk 11,18.

Es könnte sein, dass in diesem fünften Posaunengericht der Satan bereits wieder freigelassen wurde aus seinem Gefängnis und geht umher um die Völker zu versammeln (Offb 20,7ff). Doch dies führt letztlich zu deren Untergang.

 

Das eine Wehe ist vorüber; siehe, es kommen noch zwei Wehe nach diesen Dingen. (Offb9,12).

Nach diesem Wortlaut sind diese Wehen von einander abgesetzt. Doch wie sie im Detail auf einander aufbauen, ist wohl nicht so einfach festzustellen. Daher sind wir zurückhaltend mit endgültigen Schlusßfolgerungen.

4.6 Die sechste Posaune – das zweite Wehe

Die sechste Posaune läutet das zweite Wehe ein, welches in Kap 9,12 angekündigt wurde.

Und der sechste Engel posaunte: Und ich hörte eine Stimme aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist, zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte, sagen: Löse die vier Engel, die an dem großen Strom Euphrat gebunden sind. Und die vier Engel wurden losgebunden, die auf Stunde und Tag und Monat und Jahr gerüstet waren, den dritten Teil der Menschen zu töten.“ (Offb 9,13-15).

Während die fünfte Posaune Plagen (Qualen) enthielt, welche 1/3 der Menschen zugefügt wurden, die nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen hatten, werden in diesem Gericht der dritte Teil der Menschen getötet. Es ist eine deutliche Steigerung der Gerichte erkennbar. Oben haben wir feststellen können, dass die Weherufe sich nur auf die Menschen beziehen, welche außerhalb des Willens Gottes leben.

Eine auffallende Reihenfolge der Auftragsübermittlung ist auch hier zu beobachten. Eine (Zahlwort) Stimme ertönt gleichzeitig aus allen vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott ist. Obwohl nicht gesagt wird, wer hinter der Stimme steht, handelt es sich um eine übergeordnete Person, welche diesen Auftrag gibt. Bis jetzt haben wir gesehen, dass am goldenen Altar ein bestimmter Engel Dienst versieht (Offb 8,3-5). Da der goldene Altar mit seinem Räucherwerk für die Gebete der Heiligen steht, kann jene Stimme als Antwort Gottes auf diese Gebete angesehen werden.

Diese Stimme richtet sich an den Engel mit der sechsten Posaune. Der wiederum soll die vier Engel loslösen, welche an dem großen Strom Euphrat gebunden waren. Um einer geistlichen Deutung näher zu kommen, fangen wir wieder mit den natürlichen Bildern an, welche im Text verwendet werden.

Der große Strom Euphrat

Der Fluss Euphrat ist mit seinen zwei Zuflüssen Karasu so wie Murat und der Gesamtlänge von 3380 km  in der Tat der größte Fluss im vorderen Orient. Er entspringt im Taurusgebirge (Osttürkei). Auf seinem Lauf durchfließt er die Länder Syrien und Irak und mündet in den Persischen Golf. Im Altertum befand sich an seinen Ufern die berühmte Stadt Babylon. Die Ruinen dieser Stadt liegen etwa 90 km südlich der Stadt Bagdad, östlich des Euphrat.

Der große Strom Euphrat wird in der Bibel etwa vierzig Mal erwähnt und spielte nicht nur im Altertum, sondern auch in der Geschichte Israels eine bedeutende Rolle. Zum ersten Mal wird dieser Fluss in 1Mose 2,14 erwähnt. Dort lesen wir: „Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.“ Er fließt westlich des Tigris und dadurch wird das so genannte Zweistromland gebildet.

In den folgenden Texten wird er im Zusammenhang mit Abraham und Jakob genannt (1Mose 15,18; 31,21). Danach im Zusammenhang des Territoriums, welches der Herr Israel verheißen hatte (5Mose 1,7; 11,24). Doch nur unter Salomo beherrschte Israel das gesamte Territorium vom Bach Ägyptens an bis zum Strom Euphrat (1Kön 5,1-4). Das Beherrschen bedeutet nicht zwingend besiedeln. Somit bildete dieser Fluss die östlichste Grenze des israelitischen Einflusses unter Salomo.

Das Gebiet im Zweistromland wurde seit dem Altertum von den Sumerern und den Babyloniern beherrscht. Danach bildete sich das Großreich Assyrien, welches von dem neubabylonischem Reich (612 v.Chr.) abgelöst wurde. Diesem folgte das  Medo-Persische Reich und schließlich das Griechische. Sowohl die Assyrer wie auch die Babylonier galten als Feinde des Volkes Israel. Unter den Medo-Persern hatte Israel immerhin eine autonome Verwaltung. Doch unter den Griechen (Seleukiden) mussten die Israeliten viel erleiden. Diese vier Großreiche spielten nicht nur eine wichtige Rolle in der israelitischen Geschichte, sondern beherrschten zeitweise alle Kulturen des Nahen Ostens und zwar in einer chronologischen Abfolge. Verständlich, dass durch diese Eroberungskriege in dieser Zeit sehr viele Menschen ums Leben kamen.

Die Bedeutung des Euphrat lag sowohl in seiner geopolitischen Lage als auch seinem Wasserreichtum (wirtschaftliche Aspekt).

Der Euphrat wird später in der Offenbarung noch einmal erwähnt im Zusammenhang der sechsten Zornesschale Offb 16,12). Dort steht: „Und der sechste goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne.“ Dies spricht zum einen für den Niedergang seiner zentralen und natürlichen Bedeutung und der dort ansässigen Großmächte. Zum anderen deutet es eine Veränderung in den Machtverhältnissen an, welche das Weltgeschehen deutlich beeinflussen werden, sowohl im geistigen als auch im physischen Bereich gegen Ende der Zeit und zwar im globalen Umfang.

Gibt es in der Israelitischen Geschichte weitere Abläufe, die als Vorbildung die Symbole aus der sechsten Posaune und der sechsten Zornesschale erhellen könnten?

Durch Veränderung des natürlichen Wasserlaufs des Euphrat, wurde die Stadt Babylon kampflos eingenommen. Der Perserkönig Kyrus gestattete den Juden die Rückkehr nach Juda und den Wiederaufbau des Heiligtums in Jerusalem. Dies ist einer der positiven Ereignisse in der Geschichte Israels. Ob es zum Ende der Zeit eine ähnliche Bewegung geben wird, bei der das Volk Gottes durch wirtschaftliche und  Weltpolitische Wirren hindurch eine geistliche  Rückkehr aus Babylon erleben werden? Der Text in Offb 18,4 „Geht aus von ihr mein Volk“ deutet es an. Doch mehr darüber im 5. Teil (Offb 18,4).

Wer oder was ist unter den vier Engeln, die am großem Strom gebunden waren zu verstehen?

Die vier gebundenen (gefesselten) Engel können bezogen auf die damalige Zeit (als eine Art Rückblende) auf die vier aufeinander folgenden Großmächte hinweisen, so dass diese nacheinander losgebunden wurden.

Diese vier Großreiche konnten nur dann in Aktion treten, nachdem sie losgebunden wurden.

Zeitlich ist das losbinden abgestimmt: Stunde, Tag, Monat und Jahr. Dies hatte sich damals in der Geschichte im natürlichen genau so abgespielt, allerdings in einer chronologischen abfolge (Dan 2,21: „Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein.“ Oder Dan 7,12: „Und mit der Macht der andern Tiere war es auch aus;“ denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte.“). Damit handelt es sich bei den Tieren um Großreiche (Dan 2 und 7).

Etwas anders heißt es von den vier Winden, welche an den vier Ecken der Erde stehen die nicht gebunden sind, einfach nur bereit für ihren Einsatz (Offb 7,1-3). Es besteht zwar eine Ähnlichkeit zwischen den beiden vierer Gruppen von Engeln. Aber jene vier Winde (Engel) sind mit diesen vier am Euphrat gebundenen nicht  zwingend identisch. Geht es doch bei diesen um einen lokalen Einsatz und bei jenen um einen globalen. Ähnlich verhält es sich auch zwischen der sechsten Posaune (1/3 ist betroffen) und der sechsten Zornesschale (globaler Angriff aber auch globale Vernichtung der feindlichen Heere).

Diese Engel (bzw. die Reiterheere) sind bereit den dritten Teil der Menschen zu töten. Wird nicht bereits der vierte Teil der Menschen getötet durch Schwert, Hunger, Todespest und durch die wilden Tiere der Erde (Offb 6,8)? Wie oder auf welche Weise werden hier Menschen getötet? Durch die vier Großreiche sind damals viele Menschen getötet worden. Doch was sich damals in Vorderasien geschichtlich im lokalen Rahmen ereignet hat, wird sich möglicherweise zum Ende der Zeit im globalen Umfang im geistigen und physischen Bereich abspielen.

Nun schauen wir uns diese feindlichen Heere an, wie sie Johannes sah und beschrieb:

Und die Zahl der Truppen zu Pferde ⟨war⟩ zweimal zehntausend mal zehntausend; ich hörte ihre Zahl. (Offb 9,16).

Johannes sieht eine mächtige Reiterei und hört ihre Zahl, es sind zweihunderttausend (andere Übersetzung: zweihundert Millionen). Diese Zahl hätte er mit dem sehen nicht ermitteln können. Niemals gab es in der Geschichte eine zahlenmäßig so große Reiterei.

Und so sah ich in der Erscheinung die Rosse und die, welche auf ihnen saßen: Sie hatten feurige und hyazinthfarbene und schwefelgelbe Panzer; und die Köpfe der Rosse waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern geht Feuer und Rauch und Schwefel hervor. (Offb 9,17).

Bemerkenswert ist, dass die Reiter nicht identifiziert werden. Es wird nur beschrieben, wie ihre Panzer aussahen. Auffallend ist auch die Übereinstimmung der Farben von den Panzern der Reiter mit dem, was aus den Löwenartigen Mäulern der Pferde herausging. Man stelle sich eine Feuer, Rauch und Schwefel speiende Reitermacht vor. Niemand kann lange dem Feuer, Rauch und Schwefel trotzen. Diese drei Elemente sind einfach tödlich.

Von diesen drei Plagen wurde der dritte Teil der Menschen getötet, von dem Feuer, den Rauch und dem Schwefel der aus ihren Mäulern herausging. (Offb 9,18).

Im Vergleich zu dem Reiter auf dem feurigen Ross aus Offb 6,3-4 dem ein großes Schwert in seine Hand gegeben wurde, hatten diese Reiter keine Angriffswaffen.

Erinnern wir uns an die Bildersprache in der fünften Posaune. Auch dort handelte es sich um eine Reitermacht, welche Menschen in ihrem Geist angreift. Und zu diesem kommt hier noch ein Aspekt der Tötungsmaschinerie hinzu: „Denn die Macht der Rosse ist in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit ihnen fügen sie Schaden zu. (Offb 9,19).

Die Pferde haben schlangenähnliche Schwänze mit Köpfen, eigentlich ungewöhnlich für Schlangen, die sozusagen an die Pferde von hinten angebracht sind. Schlangen mit Köpfen weisen im übertragenen Sinne auf dämonische Geister hin (ähnlich wie im ersten Wehe, dort hatten die Rosse Schwänze wie Skorpione). Es handelt sich also um eine Heeresmacht, die ausgestattet ist um zu vernichten. Man kann sich vorstellen, dass hier Menschen physisch getötet werden unter dem geistigen Einfluss durch dämonische Mächte. Sie töten ja mit der Macht, welche aus ihren Mäulern und von ihren Schwänzen ausgeht.

Schauen wir uns noch die drei Elemente an: Feuer, Rauch und Schwefel.

Zunächst werden wir an den  physischen Untergang von Sodom und Gomorra erinnert, welche durch Feuer und Schwefel (einschließlich Rauch) vernichtet wurden (1Mose 19,24; dazu auch Lk 17,29). Weitere Stellen zu Schwefel und Feuer: Ps 11,6; Jes 34,1-9; Hes 38,1-23; Offb 14,10; 19,20; 20,10; 21,8. Diese Elemente werden zur umfassenden Vernichtung eingesetzt.

 

Aus dem Ergebnis dieser Gerichte lässt sich ableiten, wie und auf welche Weise so viele Menschen getötet wurden. So lesen wir:

Und die Übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände, nicht ⟨mehr Anzubeten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die bronzenen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können. 21 Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten noch von ihren Zaubereien noch von ihrer Unzucht noch von ihren Diebstählen. (Offb 9,20-21).

Was für eine Reaktion! Es sieht nach einer totalen Verstockung aus. Ausgehend von dem, was von den Überlebenden und deren Werken gesagt wird, können wir erfahren, womit sich die Getöteten während ihres Lebens beschäftigten.

  • Anbetung von Dämonen: Durch Götzen aus Gold, Silber, Kupfer, Stein und Holz (Hab 2,19; Röm 1,20ff).
  • Sie ließen nicht ab von ihren Mordtaten: Sie gehen den Weg Kains, welcher aus dem Bösen war (1Joh 3,12; Jak 1,11). Hinter dem Mord an Abel durch dessen Bruder Kain stand der eigentliche Menschenmörder, welchen Jesus Teufel nennt (Joh 8,44). Kinderopfer für die Gottheiten des Altertums sind Satanischen Ursprungs (Jer 19,4-5). Heute hat es nur eine andere Bezeichnung. Das Massenmorden von ungeborenen Säuglingen geht jährlich in die Millionen. Kriege tragen ebenso dazu bei, wie Selbstmorde.
  • Sie beschäftigten sich auch weiter mit Zaubereien: Das gr. Wort dafür ist `Farmakia`, es beschrieb die Praxis des Giftmischens. Drunter fällt jegliche Art von Rauschtrank, Drogen. (Jes 5,22; Hab 2,15), aber auch die Vermischung der Wahrheit mit der Lüge (Röm 1,25). Auch dahinter steht der Teufel als Lügner (Joh 8,44)
  • Unzucht: Mit dem gr. Wort `Porneia` werden alle Arten von Missbrauch der Gabe der Sexualität beschrieben. Auch das zuchtlose Verhalten wurde durch den Götzendienst gefördert (4Mose 25;1-18; Offb 2,14; 11Kor 10,8). Seitdem dasAIDS Virus aufgekommen ist, sind weit mehr als 36 Millionen Menschen daran

Dieberei: Mit List oder Gewalt nehmen, was einem nicht gehört. Häufig geht der Dieberei Mord einher. Dies geschieht sowohl im Einzelnen, als auch im großen Umfang durch Eroberungskriege.

Aus der Liste der verschiedenen und doch so grundlegenden Gräueltaten lässt sich folgende Schlussfolgerung  ableiten:

Die vielen getöteten Menschen sind durch den Einfluss und Wirkung dämonischer Geister in und durch Menschen zustande gekommen. Was wir heute beobachten können in unserer Welt, entspricht den Schilderungen in der fünften und sechsten Posaune.

Doch inmitten dieser Plagen geht Christus mit seiner Gemeinde in dieser Welt. Darüber werden wir durch die Visionen in Kapitel 10,1-11,14 näheres erfahren.

Ergänzung: Paralleltext aus Offb 16,12 Und der sechste goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. 13 Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; 14 es sind Geister von Dämonen, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen“ (Offb 16,). –

Was hier für ein Heer zusammengezogen wird, ist sehr ähnlich mit dem Aufmarsch der Mächtigen dieser Welt unter dem offensichtlichen und globalem Einfluss des Satans (Offb 20,7-9).

Dort wird der letzte große Kampf beschrieben, der mit den Worten endet: Und sie umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie“ (Offb 20,10).

Die Ähnlichkeiten zu der sechsten Posaune sind unübersehbar, Doch hier wird das Finale Aufkommen der feindlichen Mächte beschrieben. Dazu später mehr.

 

Fortsetzung folgt

 

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DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI – 3.TEIL

3.Teil: Das Lamm öffnet die ersten sechs Siegel – die Weltgeschichte im Überblick

Nach dem Einblick in den himmlischen Bereich (Kap. 4-5), bekommt Johannes gezeigt, was auf Erden geschieht, bzw. geschehen wird. Der Textteil in Kap. 6,1-8 enthält die Öffnung der ersten vier Siegel. Unter ihnen erscheinen die so genannten vier apokalyptischen Reiter. Unter dem fünften Siegel (Offb 6,9-11) bekommt Johannes einen Einblick in das himmlische Heiligtum zu den Seelen der Zeugen Jesu. Da unter dem sechsten Siegel (Offb 6,12-17) bereits der Beginn des Weltgerichts und die Auflösung der materiellen Schöpfung gezeigt und beschrieben wird, kann der gesamte Abschnitt in Kapitel 6 als die Weltgeschichte im Überblick überschrieben werden.

Es sind markante, parallel verlaufende, zum Teil ineinander verwobene Grundlinien von Ereignissen in der Entfaltung der Geschichte zu erkennen. Vom Kontext der Offenbarung beginnen die geschilderten Ereignisse seit der Machtübergabe an den Sohn Gottes Jesus Christus (Mt 28,17-20) und seiner Thronbesteigung (Lk 24,51; Apg 1,9-11). Da jedoch viel von dem Bildmaterial  aus der vorchristlichen Zeit stammt, gibt es offensichtliche Parallelen zu Ereignissen aus der Frühgeschichte.

Einleitung zu den ersten vier Pferden mit ihren Reitern

Das Bild des ersten Reiters bietet Raum für verschiedene Interpretationen. Bei den anderen drei Reitern überwiegen die Übereinstimmungen im Verständnis. Es ist hier nicht die Absicht die unterschiedlichen Sichtweisen nebeneinander oder gar gegeneinander aufzustellen.

Bei den vier Rossen mit ihren Reitern besteht eine Ähnlichkeit zu den Bildern aus Sacharia 1,8-11 und 6,1-7. Dort geht es um Gespanne mit Angabe von Farben, Herkunft und Bestimmung.

  • Die Reihenfolge in Offb 6,1-8: Weißes, feuriges, schwarzes, grünes
  • Die Reihenfolge in Sacharia 6,3-7 ist: Feurige, schwarze, weiße, scheckige.
  • In Sacharia 1,8: Feurige,  hellrote, braune, weiße (bei dem zweiten und dritten Gespann sind die Farben nicht eindeutig).

Anscheinend wechselt die Reihenfolge. Diese vier Gespanne sind dem Herrn der ganzen Erde unterstellt und führen seine Befehle aus (Sach 1,10-11). Sie werden mit den vier Winden des Himmels verglichen, was auch eine Verbindung zu Offb 7,1-2 erkennen lässt. Allerdings sind es hier die vier Winde der Erde (vgl. dazu Jer 49,36; Dan 7,2; 11,4; Sach 2,10).

Trotz der Ähnlichkeiten mit den Pferden in Offb 6,1-8 gibt es auch Unterschiede:

  • In Sacharia sind es vier Gespanne, in Offb vier einzelne Rosse und zwar mit Reitern.
  • In Sacharia ist  das vierte Gespann scheckkig, in Offb ist das vierte Pferd grün.
  • In Sacharia ziehen die Gespanne zum Teil in die verschiedene Himmelsrichtungen aus, In Offb wirken die vier Pferde mit Reitern global umfassend.
  • In Sacharia stehen die vier Gespanne für die vier Winde des Himmels, in Offb 6,1-6 fehlt diese Zuordnung.

Die Aktionen der Gespanne müssen zunächst in jenem zeitgeschichtlichen Kontext gedeutet werden.  Diese Visionen wurden in nachexilischer Zeit Sacharia gegeben, sie sprechen von dem Wiederaufbau des Tempels (522-516) und der Verheißung der Wiederherstellung Jerusalems. In neutestamentlicher Zeit kommt die Errichtung des Reiches Gottes hinzu, welches durch das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird (Mt 4,23; 9,35). Ansonsten gibt es im AT wenig positives Anschaungsmaterial durch Pferde, die den Text aus Offb 6,1-8 erhellen könnten. In den Evangelien und den Briefen der Apostel kommen Pferde (außer in Jak 3,5) gar nicht vor.

Das Bild des Pferdes mit seinem Reiter und der ihm nachfolgenden Heere aus Offb 19,11-15 ist somit die naheliegendste Quelle für das Verständnis des Bildes unter dem ersten Siegel.

  3.1 Das Lamm öffnet das erste von den sieben Siegeln – Das weiße Pferd  und sein Reiter

Und ich sah, als das Lamm eins von den sieben Siegeln öffnete, und hörte eins von den vier lebendigen Wesen wie mit einer Donnerstimme sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen. (Offb 6,1-2).

Das erste Siegel wird mit der Grundzahl `EINS` beziffert und die anderen sechs Siegel sind mit den Ordnungszahlen (zweites, drittes, … siebtes) versehen. Dies führt uns zum Schöpfungsbericht in  1Mose 1,5. Dort steht: „Und es wurde Abend und es wurde Morgen, Tag EINS“ (als Grundzahl)“. Alle anderen Tage sind mit Ordnungszahlen (zweiter, dritter… siebter) versehen. Das gleiche Muster ist auch in anderen Texten erkennbar, in denen Wochentage genannt werden. So wird der erste Tag der Woche immer mit der Grundzahl EINS beziffert (Mt 28,1;Mk 16,2;  Lk 24,1; Joh 20,1; Apg 20,7; 1Kor 16,2). Die anderen Wochentage werden mit  Ordnungszahlen  beschrieben (am dritten Tag: 1Mose 22,4; 2Mose 19,1.6; Hos 6,2; Mt 16,21; Joh 2,1; am siebten Tag: 2Mose 20,11; Hebr 4,4). Somit hat der Tag EINS der Woche eine besondere Grundausstattung, sowohl bei der ersten Schöpfung (1Mose 1,1-5) als auch bei dem Beginn der zweiten  Schöpfung durch die Auferstehung von Jesus Christus (2Tim 1,10). Im Tag `EINS` ist natürlich `erster Tag` impliziert. Wird damit auch dem Reiter auf dem weißen Pferd unter dem Siegel EINS eine besondere Stellung einberaumt, eine Grundausstattung, dieeinen  Neubeginn darstellt? Spricht bereits diese Beobachtung für eine positive Deutung des Bildes unter dem ersten Siegel?

Weil in allen himmlischen Wesen der eine Geist Gottes wirkt, weiß jeder was er zu tun oder zu sagen hat. Die Stimme, welche Johannes hört ist nicht zu überhören. Der Ruf kommt von  einem (ebenfalls Grundzahl) das heißt vom `ersten` der vier lebendigen Wesen, die in unmittelbarer Nähe um den Thron stehen. Die vier lebendigen Wesen, als Repräsentanten der gesamten Schöpfung treten hier in Aktion. Die Stimme hört sich an wie die Stimme / Ton des Donners: „Komm“. Doch wem gilt der Ruf? Da Johannes bereits da ist, gilt der Ruf dem Reiter, durch den die von Gott vorgesehenen Ereignisse bildhaft dargestellt werden. Neben Offb 6,1.3.5.7 kommt das gr. Verb `ἔρχου – erchou` noch in Mt 8,9; Lk 7,8; Offb 22,17+20 vor. Auch dort ist das „komm“ als Rufform verwendet, es schwingt aber auch der Akzent des Befehls mit. Auf jeden Fall aber ist der Ruf oder die Aufforderung stark betont. Daraufhin sieht Johannes das Bild von einem weißen Pferd `ἵππος λευκός – ippos leukos` mit seinem Reiter, wie im Text beschrieben. Bei diesem Bild dachten damals die Leser und Hörer an einen Herrscher oder Heerführer, der als Sieger von einem Kampf zurückkehrt. In den biblischen Geschichten werden Pferde als Kampfrosse eingesetzt. Wir betrachten Texte in denen Bilder von weißen Pferden (Rossen), von Bogen (Pfeilen) und von Siegeskränzen vorkommen. Erst danach versuchen wir die Identität und den Auftrag des Reiters zu deuten.

Abbildung 14 Der Reiter auf dem weißen Pferd. Bewusst ist das Gesicht des Reiters unkenntlich. Doch die gesamte Haltung strahlt Siegesgewissheit aus. (Zeichnung von J.S. 28. März 2021).

3.1.1 Die weiße Farbe des Pferdes

Wir halten uns an das Auslegungsprinzip – die Schrift wird mit der Schrift ausgelegt. Und die unklaren Stellen werden im Licht der eindeutig klaren Stellen gedeutet. Zuerst schauen wir Texte im Buch der Offenbarung an. Danach in den übrigen Schriften.

In Kapitel 19,11-15 ist das weiße Pferd (Kampfross) dem gerechten Richter der Welt zugeordnet. Der erste positive Eindruck wird noch verstärkt durch das Bild der ihm nachfolgenden himmlischen Heere, die ebenfalls auf weißen Rossen sitzen. Dort lesen wir: „Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen (Diademe); und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. Und er war angetan mit einem Gewand, das in Blut getaucht war, und sein Name ist: Das Wort Gottes. Und ihm folgten die Heere im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Seide. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage.“ In den Bildern aus Kap. 19 und Kap. 6 gibt es neben den Übereinstimmungen auch Unterschiede.

  • Die eindeutigste optische Übereinstimmung ist die weiße Farbe des Pferdes, bzw. der Pferde. Das `weiß` des Pferdes aus Kap. 19 steht in Übereinstimmung mit dem, der auf dem Pferd als gerechter Richter der Welt sitzt. (Offb 19,8; 20,11; Ps 45,5-7; Jes 42,1-2; 48,1; Dan 7,9; Joh 5,27; 2Kor 6,7). Das weiß, die weiße Farbe wird in der Schrift überwiegend mit etwas Positivem in Verbindung gebracht: mit Reinheit (Offb 1,14; 3,18; 6,11; 7,13; 19,14), mit wahrer Identität (Offb 2,17; Mt 17,2; Mk 9,3) oder mit Herrlichkeit (Offb 14,14; 20,11; Mt 25,31; 17,2; Mk 9,3). Dies spricht dafür, dass der Reiter auf dem weißen Pferd in Offb 6,1-2 mit Gerechtigkeit und Wahrheit auszieht. Die jeweilige  Farbe der Pferde weist auf die Bestimmung des Reiters hin.
  • Aus dem Munde des Weltrichters geht ein zweischneidiges Schwert hervor, es ist das  lebendige aber auch richtende Wort Gottes (1Kor 1,18; 1Petr 1,23; Hebr 4,12; Joh 3,16-19; 12,48). In Offb 6,2 hat der Reiter einen Bogen (als Waffe), doch wie dieser eingesetzt wird, ist auf den ersten Blick noch nicht erkennbar. Da es im NT dafür keine bildhafte Entsprechung gibt, sind wir auf das AT angewiesen. Später mehr dazu unter dem Stichwort `der Bogen`.
  • Der Richter der Welt trägt auf seinem Haupt viele Kronen (Diademe), königliche und priesterliche Insignien (2Mose 29,6; 39,30; 2Sam 1,10; Jes 62,3; Sach 9,16). Dem Reiter auf dem weißen Pferd in Kap 6,2 wird ein Siegeskranz (Stefanos) gegeben. Ein Unterschied auf den zu achten ist. Doch beides sind herrliche und ehrenvolle Insignien sowohl der Macht als auch des Sieges. Dieser Aspekt spricht ebenfalls für eine positive Bestimmung des Reiters auf dem weißen Pferd.
  • Der Richter der Welt kämpft, bzw. richtet mit Gerechtigkeit und siegt, der Reiter auf dem weißen Pferd zieht aus siegreich (kämpfend) und um zu siegen. Eine Niederlage ist bei beiden ausgeschlossen. Auch dieser Vergleich spricht für eine positive Bestimmung bei dem Reiter auf dem weißen Pferd.

Die Parallelen in diesen beiden Bildern und Texten sind zwar offensichtlich, aber für eine eindeutige Identifizierung des Reiters  auf dem weißen Pferd mit Christus selbst scheinen sie noch nicht auszureichen. Da wundert es nicht, dass es gerade bei diesem Bild die kontrastvollsten Auslegungen gibt.

Weiße Pferde kommen nur noch in den Visionen des Propheten Sacharia vor. Inwieweit können diese Visionen unseren Text erhellen? Dort lesen wir: „Und ich hob meine Augen abermals auf und sah, und siehe, da waren vier Wagen, die kamen zwischen den zwei Bergen hervor; die Berge aber waren aus Kupfer. Am ersten Wagen waren rote (feurige) Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, allesamt stark. Und ich hob an und sprach zum Engel, der mit mir redete: Mein Herr, wer sind diese? Der Engel antwortete und sprach zu mir: Es sind die vier Winde des Himmels, die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher der ganzen Erde. Die schwarzen Rosse zogen in das Land des Nordens, die weißen zogen hinter ihnen her, und die scheckigen zogen in das Land des Südens. Diese starken Rosse also zogen aus und wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: Geht hin und durchzieht die Lande! Und sie durchzogen die Lande. Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: Sieh, die in das Land des Nordens ziehen, lassen meinen Geist ruhen (andere Üs:  lassen meinen Zorn nieder)  im Lande des Nordens.“ (Sach 6,1-8; vgl. auch mit Sach 1,8-11).

Es gibt Ähnlichkeiten zu den Texten aus Offb 6,1-8. Doch diese Visionen müssen zunächst im Gesamtkontext der göttlichen Offenbarung gesehen werden, dann aber auch im Kontext der heilsgeschichtlichen Periode jener Zeit gedeutet werden. Darin kann man folgendes erkennen:

  • Diese vier Gespanne symbolisieren die vier Winde des Himmels (vgl. dazu Hebr 1,7; Ps 104,4 Engel / Geistwesen oder Gruppen von Geistwesen). In Offb 6,1-8 deutet nichts darauf hin, dass es sich bei den Reitern auf den Pferden um Geistwesen handeln würde.
  • Die Gespanne aus Sacharia haben zunächst den Auftrag die Lande zu durchziehen, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Dann aber auch auf Befehl des Herrn in die Machtbereiche der Herrscher dieser Welt einzugreifen (Sach 1,8-11; 6,8). Dies geschah auch in der Zeit vor, während und nach dem babylonischem Exil (Visionen des Sacharia etwa 520-516 v.u.Z). Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Wiederherstellung Israels, wie folgender Text deutlich macht. „Da hob der Engel des HERRN an und sprach: HERR Zebaoth, wie lange noch willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über die Städte Judas, über die du zornig gewesen bist diese siebzig Jahre? Und der HERR antwortete dem Engel, der mit mir redete, freundliche Worte und tröstliche Worte. Und der Engel, der mit mir redete, sprach zu mir: Predige und sprich: So spricht der HERR Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer.“ (Sach 1,12-14). Wenn wir die Symbole aus Sacharia für das Verständnis über Offb 6 heranziehen, dann dürfen wir das zentrale Thema Gottes, die Gemeinde, nicht aus dem Blickfeld verlieren. Gott ist auf Gerechtigkeit bedacht und er begann mit seinem  Gericht damals an seinem Volk und seinem Haus um sie zur Umkehr zu bewegen. Dadurch sollte der Rest gerettet werden (Hes 28,25-26; Sach 3,8; 8,11-12; 12,8-9). Danach wendet er sich mit seinen Gerichten den Völkern zu. Weil sie ihre Macht missbraucht haben, wird er sie zur Rechenschaft ziehen (Sach 2,10-13).
  • Auf dem Hintergrund der Bestimmung des Gespanns mit den weißen Rossen (Sach 6,6), die eindeutig im Dienst des Herrn stehen, würde auch dem Reiter auf dem weißen Pferd (Offb 6,2) eine positive Funktion zukommen. Das könnte bedeuten, dass Gott sein Gericht (in  Gerechtigkeit und Wahrheit) unter die Nationen bringt und zwar in neutestamentlicher Zeit durch das Evangelium von dem Reich Gottes (Sach 9,9ff; vgl. dazu auch Jes 42,1ff mit Mt 12,18-20; 24,14; 28,19-20; Apg 1,6-8). Trotz der Ähnlichkeiten stellen fest, dass sich die Visionen mit den Pferdegespannen aus Sacharia nicht eins zu eins auf Offb 6,1-8 übertragen lassen. Daher benötigen wir auch andere Texte aus dem Gesetz und den Propheten Mehr dazu unter den folgenden Siegeln.

3.1.2 Der Bogen (in der Hand des Reiters)

Der Reiter auf dem weißen Pferd hatte einen Bogen. Pfeil und Köcher werden in diesem kurzen Text nicht erwähnt. Natürlich sollte ihr Fehlen nicht unbeachtet gelassen werden, denn Bogen als Waffe ohne Pfeil wäre wirkungslos, es sei denn es würde auf friedliche Zeiten hinweisen. Doch der Hinweis, dass der Reiter auszieht um zu siegen, setzt Kampf voraus. Dazu gibt es viele Textstellen in denen der Bogen als Waffe genannt ist ohne dass der Pfeil erwähnt wurde (Jes 13,18; Sach 10,3-6; Neh 4,7). Und oft ist von Pfeilen die Rede, ohne dass der Bogen erwähnt wird (Ps 45,6; Jes 49,2). Im NT kommt der Bogen als Waffe nur in Offb 6,2 vor, die Pfeile einmal und zwar als „feurigen Pfeile des Bösen“ (Eph 6,16). Von den mehr als 70 Stellen im AT in denen der Bogen erwähnt wird (Pfeil mehr als 60 Mal), beschreiben viele von ihnen physische Kampfhandlungen. Doch schauen wir uns einige Stellen an, in denen der Bogen und Pfeil auch in einem anderen Sinne eingesetzt wird. Zunächst jedoch zum Begriff selbst. Im Griechischen wird für Bogen das Wort `τόξον – toxon` verwendet, auch für den Regenbogen (1Mose 9,13-17). In der Offenbarung wird der Regenbogen jedoch mit dem Begriff `ἶρις – iris` beschrieben (vgl. Hes 1,28; mit Offb 4,3; 10,1). Zu erklären ist der Unterschied damit, dass von unserer Perspektive aus der Regenbogen immer nur als Halbkreis zu sehen ist. Aus der himmlischen Perspektive gesehen ist er ein Vollkreis, so die Beobachtung aus dem Flugzeug über den Regenwolken. Im Gegensatz zu Offb 4,3 und 10,1 handelt es sich in Offb 6,2 um den Bogen als Waffe.

Ursprünglich wurde mit Pfeil und Bogen Wild gejagt (1Mose 21,20: Ismael; 27,3; Esau). Doch wie bereits erwähnt, wurde Bogen und Pfeil für Kampfhandlungen eingesetzt (Jer 51,11; Sach 9,10). Es gibt jedoch auch mehrere  Texte, in denen diese Waffe im Dienst Gottes steht, allerdings sinnbildlich.

  • So sagt der Herr durch den Propheten Sacharia: „Denn ich habe mir Juda zum Bogen gespannt und Ephraim darauf gelegt und will deine Söhne, Zion, aufbieten gegen deine Söhne, Griechenland, und will dich zum Schwert eines Helden machen.“ (Sach 9,13). Da werden von Gott Bogen, Pfeil und Schwert genannt, die er verwenden wird in Einbeziehung seines Volkes und zwar im Kontext einer bestimmte Zeitepoche.
  • In Jesaja 49,2 spricht der Messias von Gott in der 3. Person: „Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen (auserlesenem) Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt.“ (Jes 49,2). Hier kann die bildhafte Anwendung des Schwertes und Pfeils im Köcher (mit Bogen) durch den Messias gesehen werden.
  • Ähnlich auch in dem messianischen Text aus Psalm 45,5-8: „Scharf sind deine Pfeile, dass Völker vor dir fallen; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs. Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter. Du liebst Gerechtigkeit und hassest Frevel; darum hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.“ (vgl. mit Hebr 1,8 wo diese Prophetie auf den Sohn Gottes bezogen wird).
  • Im Propheten Habakuk wird von Gott gesagt: „Du ziehst deinen Bogen hervor, legst die Pfeile auf deine Sehne. Sela. Du spaltest das Land, dass Ströme fließen,“ (Hab 2,8-12).
  • Weitere Stellen von Bogen und Pfeilen, die von Gott ausgehen: 5Mose 32,23; 2Sam 22,15; Ps 18,15; 21,13; 64,8; 146,6.

Auf der anderen Seite sagt Gott Entwaffnung voraus: „Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“ (Sach 9,10; auch Ps 46,10; Hes 39,3; Hos 1,5). Dabei geht es um die Waffen, welche Menschen zur Menschenvernichtung angefertigt haben. Denn nur in der Hand des Herrn (und seiner auserwählten Zeugen) werden die genannten Waffen richtig und zweckmäßig eingesetzt (Mk 3,5; Joh 18,4-6: „als Jesus sagte: ich bin`s, fielen sie zu Boden“; Apg 2,37a: „es stach sie ins Herz und sie sprachen: Männer Brüder, was sollen wir tun?“; Apg 5,4-10;  5,33; 7,54; 8,23; 9,3-4; 12,23; 13,10; 22,7; 24,25).

Darum kann in Offb 6,2 der Bogen als geistliche Waffe gesehen werden, ähnlich wie das Bild vom scharfen Schwert (Jes 49,2). Es bedeutet, dass dieser Bogen niemals zerbrechen wird und seine Pfeile treffsicher sind, sie verfehlen nie das Ziel.

Anmerkung: Auffallend ist der Vergleich der Pfeile mit Blitzen (plötzlich, unerwartet, schnell), so in 2Sam 22,15: „Er schoss seine Pfeile und zerstreute die Feinde, er sandte Blitze und erschreckte sie.“; (ähnlich auch Ps 77,18; Sach 9,14; 5Mose 32,23). Dies lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Aussagen in der Offenbarung, in denen Blitze von Gottes Thron ausgehen und Gerichte ankündigen (Offb 4,5; 8,5; 11,19; 16,18). Gott wendet diese Waffen auf seine Weise an.

Aufgrund dieser Textaussagen lässt sich bei  dem Bild des Reiters mit dem Bogen der Einsatz im Auftrag Gottes begründen. Es bedeutet Rettung für die, welche mit Umkehr darauf reagieren und Gericht für die, welche sich seinem Wirken widersetzen.

 3.1.3 Der Kranz (Siegeskranz) auf dem Haupt des Reiters

Dem Reiter wurde ein Kranz (auf sein Haupt) gegeben. In der Offenbarung wird zwischen Krone – Diadem und Kranz – Stefanos unterschieden. In diesem Text wird der Begriff  `στέφανος –  stefanos – Kranz` verwendet. Der Kranz war seit Urzeiten bekannt (Hiob 31,36; Spr 1,9; 4,9; Jes 28,5 ). Der erste, der im NT einen Kranz trägt ist Jesus. Der Ap. Paulus entnahm das Bild vom Kranz aus dem Sportkampf der Athleten im Stadion. An die Korinther schreibt er: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz (Siegeskranz) empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“ (1Kor 9,24-25).

In den Texten des NT wird der Kranz meistens mit einem Zusatz versehen. Beispiele:

  • `Kranz aus Dornen` also `Dornenkranz` (Mk 15,17; Mt 27,29; Joh 19,2-5). Dieser wurde ihm zur Verspottung und Entwürdigung aufgesetzt.  Jesus wurde zum größten Sieger aller Zeiten, denn er gab den Kampf nicht auf bis in den Tod und siegte dadurch. Er legte den Grund für den wahren und unvergänglichen Siegeskranz für alle, die ihm vertrauen.
  • Als `Kranz des Sieges` (1Kor 9,24-25; 2Tim 2,5; Offb 3,11; 6,2).
  • Als `Kranz der Gerechtigkeit` (2Tim 4,8). Dieser ist bereitet allen, die wie Paulus den guten Kampf bis zum Ende kämpfen.
  • Als `Kranz des Lebens` (Offb  2,10; Jak 1,12). Der Kranz des Lebens ist das geistliche Leben aus Gott durch den Glauben an Jesus Christus (Joh 5,24-25).
  • Als `goldene Kränze` (Offb 4,4.10) die 24 Älteste tragen sie; ebenso der himmlische Bote, gleich einem Menschensohn (Offb 14,14).
  • Als `unvergänglicher Kranz der Herrlichkeit` (1Petr 5,4; verheißen den treuen Hirten).
  • Als `Ruhmeskranz` (1Thes 2,19; Phil 4,1).
  • Als `Kranz aus 12 Sternen` (Offb 12,1). Die Frau mit der Sonne bekleidet trägt diesen Ehrenkranz.

Siegeskranz (Kränze) werden in der Schrift mindestens 20 Mal erwähnt. Und nur 1 Mal ausdrücklich bezogen auf ein feindliches Heer, allerdings mit dem Zusatz `wie`.  Zitat: „und auf ihren Köpfen (war es) wie Siegeskränze dem Gold gleich (ähnlich), …“  (Offb 9,7). Diese Siegeskränze sind eine Fälschung, sie täuschen durch ihre äußere Erscheinung. Bei den 18 anderen Textstellen geht es um rechtsmäßig verliehene Kränze. Daher handelt es sich in Offb 6,2 um einen echten und von Gott verliehenen Siegeskranz.

3.1.4 Der siegende Reiter und wen stellt er dar?

Von diesem Reiter wird gesagt, dass er auszog „siegend und um zu siegen“. Da ihm auch noch der Siegeskranz gegeben wurde, ist eine Niederlage ausgeschlossen. Nicht vorstellbar, dass Gott solch einen Siegeszug dem Feindeslager zubilligen würde. Doch mit wem oder womit lässt sich dieser Sieger identifizieren? Unter den Auslegern sind die Positionen zum Teil gegensätzlich. Die Sichtweisen reichen von Christus bis zum Antichristen, dazu noch verschiedene Zwischenvarianten.

Seit dem Sündenfall scheint das Böse sich immer wieder durchzusetzen. Der Stärkere besiegt den Schwächeren (1Mose 4; 6; 10-11; 14; 19). Die Lügenpropheten hatten und haben in allen Kulturen und Epochen Hochkonjunktur. Die Gesetzlosigkeit nimmt hier und da immer mehr zu. Ja, der Drache, das Tier, der falsche Prophet erringen scheinbar immer mehr Siege. So lesen wir in Offb 13,7-8: „Und es wurde ihm (dem Tier) gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden (besiegen); und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, (jeder) dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt.“ (ähnlich auch Offb 11,7). Aber ist das schon eine Begründung für den Sieg des Tieres und aller finsterer Mächte an allen Fronten? Dem scheinbaren Sieg der Mächte der Finsternis steht der Sieg des Christus gegenüber, beginnend in der Verheißung (1Mose 3,15) und abschließend im Endgericht (Offb 19,11-15; 20,10-15).

In dem Bild des Reiters auf dem weißen Pferd (Offb.6,1-2; 19,11-15) wird der siegreiche Beginn, die Entfaltung  und Vollendung des Reiches Gottes mit Jesus Christus als König und Herr  dargestellt. In Daniel 7,9-14 wird dieses Reich und die Herrschaft dem Menschensohn übergeben. „Ihm wurde gegeben Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“  Und Dan 7,27: „Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.“ Dieses Reich Gottes kam in diese Welt durch und in der Person von Jesus Christus, dem Mensch gewordenem Gottessohn (Joh 18,36-37). Demnach ist Jesus, der Retter, bereits als König und Herr geboren worden. So verkündigte der Engel Gabriel Maria: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ (Lk 1,33). Jesus macht klar: „Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt,“ (Lk 16,16; dazu auch Mt 4,23; 9,35; 24,14). Während seines Dienstes sagte Jesus zu seinen Gegnern: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Mt 12,28; ähnlich auch Mk 3,27; Lk 10,18-20; Kol 2,15).

Anders als in Offb 19,11-15 wo Jesus als Weltrichter für alle sichtbar einherzieht, scheint er sich in Offb 6,1-2 nicht so offensichtlich zu erkennen geben. Das ist auch verständlich, regiert er doch von seinem Thron aus, doch hier auf Erden hat er sein Volk, das geleitet und ausgestattet ist mit dem Heiligen Geist (Joh 14-16; Apg 1,5.8; 2,1-4; 2Kor 10,4-5). Jesus legte die Grundlage für diesen siegreichen Kampf. Er sagte seinen Jüngern: „Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33). Und in Offb 5,5 sagt einer der Ältesten zu Johannes: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden (gesiegt) der Löwe aus dem Stamm Juda“.

Das Bild des Reiters auf dem weißen Pferd symbolisiert auch den Siegeszug des Evangeliums (Mt 24,14; 28,17-20; Lk 24,47; Apg 1,8; 2-12; 13-28; Röm 1,17; 15,19). Für die Glaubenden dient es zur Rettung, für die, welche es ablehnen, zum Gericht. „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.  Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“ (Joh 3,18-19).

Der Reiter auf dem weißen Pferd ist damit auch ein Bild für alle, die durch den Glauben an Jesus Christus und durch die Kraft des Heiligen Geistes siegend voranschreiten im Kampf gegen Sünde und die finsteren Mächte des Satans. „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.“ (Eph 6,12). Johannes schreibt: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet (besiegt) die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“ (1Joh 5,4). Oder: „Wer aber ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1Joh 5,5). Und in 1Kor 15,57 schreibt Paulus::„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ Und in Röm 8,37 steht: „Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.“ (dazu auch 2Kor 2,14).

Seit Beginn des Kampfes zwischen Gott und dem Feind, dem Satan, dem Drachen, der alten Schlange (1Mose 3,15) steht der Sieg durch den Retter, König und Richter Jesus Christus fest. Und mit ihm siegen die Gläubigen aller Zeiten Zu diesen zählen auch alle Überwinder und Blutzeugen seit Abel (Lk 11,51). Es ist die Überwinderschar, deren Namen im Buch des Lebens stehen und die das Tier nicht angebetet haben. „Und sie haben ihn (den Drachen) überwunden (besiegt) wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!“ (Offb 12,11). Ja, die Verfolgungen und das Märtyrertum der Gläubigen ist in diesem Kampf und geistlichen Siegeszug eingeschlossen (Mt 5,11; 10,23; 23,34; Lk 21,12; Apg 8,1; 11,19; Offb 2,10; 3,10; 20,7-9).  „Und ich sah, wie sich ein gläsernes Meer mit Feuer vermengte, und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an (auf) dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen.“ (Offb 15,2).

Ja, der Kampf ist zwar noch nicht zu Ende, doch der Siegende (die Siegenden) stehen bereits fest: „und das Lamm wird sie überwinden (besiegen); denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue.“ (Offb 17,14; ebenso 19,11-15). Somit ist die gesamte Heilsgeschichte von zwei sehr ähnlichen Bildern (Offb 6,1-2 und 19,11-15)), die einen Siegeszug darstellen eingerahmt.

3.2 Das Lamm öffnet das zweite Siegel – Das feuerrote Pferd und sein Reiter

Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich das zweite Lebewesen sagen: Komm! Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.“ (Offb 6,3-4).

Nach der Öffnung des zweiten Siegels durch das Lamm, tritt das zweite lebendige Wesen in Aktion und ruft: „Komm“. Und sogleich sieht Johannes ein zweites Pferd. Während das erste (weiße) Pferd durch eine eindeutige  Farbbezeichnung beschrieben wird, wird das zweite Pferd als feuerrot (genauer als feurig) beschrieben. Die farbliche Komponente `rot, gr. kokkino` kommt hier im Text nicht vor. Im griechischen steht dafür `πυρρός – pyrros`, (Adj.) abgeleitet von `pyr` für Feuer. Beispiele für `feurig`: Offb 9,17: feurige Panzer; 12,3: feuriger Drache; 19,20 und 20,14: feuriger See; 4Mose 14,14: feurige Säule; 21,6 und 5Mose 8,15: feurige Schlangen; 2Kön 2,11: feuriger Wagen; 2Kön 6,17: feurige Rosse: Sach 1,8: feuriges Pferd:  2,9: feurige Mauer.

Abbildung 15 Der Reiter auf dem feurigen Pferd, mit einem großen Schwert in der Hand (Zeichnung von J.S. am 25. April 2021).

Das Pferd ist nicht feurig im Sinne, dass es lodernd brannte, aber es steht für etwas Bedrohliches, Verzehrendes und Vernichtendes wenn es sich auf den buchstäblichen physischen Bereich bezieht. Feuer steht aber auch für Gericht. Mit Feuer wurden Häuser, Städte und Getreidefelder verbrannt (1Mose 19,24; 2Mose 9,23; Ri 15,5; 18,27; Jes 1,7; Mt 22,7). Feuer kommt in der Bibel mehr als 400 Mal vor und zwar in verschiedenen Zusammenhängen.

Diesem Reiter „wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten.“ Die Formulierung: ihm wurde Macht gegeben“ erinnert an Jesus, der Pilatus sagte: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre.“ (Joh 19,11). Gott verleiht Macht, doch er ist nicht der Urheber und Förderer der Ungerechtigkeit (vergleiche dazu auch: Hiob 1,8ff; 2,3ff; Dan 2,21; 7,25; Lk 22,53; Jak 1,13). Der Frieden wurde von der Erde genommen, die Ursachen dafür liegen in der verdorbenen Natur des Menschen (Jak 4,1). Habgier führt zum Streit und weil keiner nachgibt, kommt es zum Streit und Krieg. Und dies geschah unter anderem durch den Einsatz der kriegerischen Waffe `Schwert ` (gr. (μάχαιρα – machaira). Betont wird, dass dem Reiter ein Großes Schwert gegeben wurde. Es gab verschiedene Arten, Formen und Größen dieser Waffenart. Hier einige Stellen in denen diese Waffe im buchstäblichen Sinne gemeint ist: Offb 13,10.14; Hebr 11,34.37; Röm 13,4; 8,35; Apg 16,27; 12,1-2;  Lk 22,36-38. 49-52; Mt 26,47.51-55. Doch diese Waffe wird auch im übertragenen Sinne gebraucht (Mt 10,34; Hebr 4,12; Eph 6,17). Für die Waffe Schwert gibt es auch eine andere Bezeichnung `ῥομφαία – romfaia`, welches auch im übertragenen Sinne verwendet wird (Offb 1,16; 2,16; 19,15.21; Lk 2,35). Doch auch diese Schwertart ist ursprünglich als Waffe zum physischen töten geschaffen worden wie der Vergleich von Offb 6,4 mit 6,8 nahelegt. Hier wird noch mal deutlich wie wichtig es ist, den Kontext zu beachten. Und wie gefährlich es werden kann, wenn die Schrift nur buchstäblich ausgelegt wird.

Die gr. Formulierung `ἀλλήλους σφάξουσιν – allelous sfaxousin`  heißt eigentlich `einander schlachteten, abschlachteten. Das gr. Verb `sfaxousin ` wird häufig im liturgischen Bereich (schlachten der Opfertiere) verwendet (2Mose 12,6 u.a.m.), auch bezogen auf das Lamm Gottes (Offb 5,6.12; 13,8; Jes 53,7; Apg 8,32). Der Begriff wird auch für das Abschlachten der Zeugen von Jesus verwendet (Offb 6,9). Der Tötungsbegriff `schlachten` wird auch bei Kriegshandlungen mit dem Einsatz von Schwert verwendet (Hes 21,15.20.33). In 2Sam 11,25 und Jer 12,12 wird vom Schwert gesagt, dass es frisst (gr. fagetai), es handelt sich um die gleiche Wortwurzel wie auch in den oben genannten Stellen von Offb 6,4. Dazu heißt es, dass sie einander schlachteten, man kann sogar sagen, einander (mit dem Schwert) auffraßen (vgl. dazu Sach 8,10). Das dieses Verb sogar im Wort `sarkofagos – Fleischfresser` seinen Niederschlag fand, zeigt seine breite Verwendung.

Im Bild vom Reiter auf dem feurigen Pferd geht es um Kriege und Zerstörung  aller Art, wie sie seit Kain gab und wie sie Jesus vorausgesagt hat in seiner Ölbergrede (Mt 24,7-9; Mk 13; Lk 21)  Damit geht einher, dass der Frieden genommen wird sowohl im lokalen als auch im globalen Umfang. Dass die Gläubigen an Jesus unter diesen Umständen oft genauso leiden wie alle anderen Menschen liegt auf der Hand. Doch um des Reiches Gottes willen und der Verbreitung des Evangeliums, erleben Gläubige auch besonderen Schutz. Beispiele: Durch die rechtzeitige Flucht aus Jerusalem und Judäa, entgingen viele Christen der notvollen Belagerung durch die Römer in den Jahren 68-70 n.Chr., der Hungersnot, dem physischen Tod oder der Gefangenschaft. Selbst Jesus mied in der Regel Gefahrenzonen (Joh 7,1). Ebenso seine Nachfolger (Apg 12: 16; 17: 20). Obwohl durch dieses Bild eindeutig zerstörerische, also negative Geschehnisse dargestellt werden, geschieht es unter der Zulassung und Kontrolle dessen, der auf dem Thron ist.

Das Reiterheer aus Offb 9,7 ist ebenfalls eine feindliche Macht, doch durch sie wird uns eine andere Perspektive gezeigt. Daher wenden wir uns wieder an den Propheten Sacharia (Kapitel 1 und 6) und schauen ob und welche Parallelen darin zu erkennen sind. „Ich sah in dieser Nacht, und siehe, ein Mann saß auf einem roten (feurigen) Pferde, und er hielt zwischen den Myrten in der Tiefe, und hinter ihm waren rote (feurige), braune und weiße Pferde.“ (Sach 1,8 ähnlich auch in 6,2; feurige Pferde). Wie bereits in dem Abschnitt 3.1 beschrieben, handelt es sich um die vier Winde (Geistwesen), die vor dem Herrn der Erde stehen und in seinem Auftrag ausziehen. Der genaue Auftrag für das Pferdegespann mit den feurigen Rossen ist nicht erkennbar. Auch der Reiter auf dem einzelnen feurigen Pferd (Sach 1,8) hat eine andere Funktion als der aus Offb 6,3-4. Trotz einiger Ähnlichkeiten zu Sacharia 1 und 6 ist die Wirksamkeit des Reiters auf dem feurigen Pferd aus Offb 6,3-4 konkreter beschrieben. Vom Gesamtkonzept des Buches Sacharia  ist ersichtlich, dass der Herr durch Gericht und Gnade die Wiederherstellung Israels (Jerusalem, Tempel) im Auge hat. Gleichzeitig aber die Völker durch Gericht zur Rechenschaft ziehen wird, um auch diese zur Umkehr zu rufen (Sach 1,13-17; 2,1-17; 8,20-22).

Doch auch die Texte aus den Büchern Jeremia und Hesekiel werfen Licht auf die Bilder aus Offb 6,3-8.

Noch in der Zeit vor dem babylonischen Exil war der Tenor der von Gott berufenem Propheten Jeremia und Hesekiel, dass das Gericht über Jerusalem durch Schwert, Hunger und Pest bevorsteht. Mehr als 20 Mal werden diese Gerichts Geiseln allein durch diese beiden Propheten für Juda und Jerusalem angekündigt ((Zum Beispiel: Jer 14,11-17; 16,4; 21,6-9; 24,10; 27,8-10; 29,18; 32,24.36; 34,17; 38,2; 42,17.22; 44,13;  Hes 5,12.17; 6,11-12; 7,15; 12,16; 14,21). Dadurch wird klar, die Plage durch Schwert war damals gegen das sündige Israel gerichtet. Und es entspricht dem Reiter auf dem feurigen Pferd, der mit dem Schwert ausgerüstet ist und es handelt sich um Gericht wegen der Sünde der Völker. Danach und zu seiner Zeit wird der Herr die Völker zur Rechenschaft ziehen (Jer 25,29). Es ist geradezu auffallend, dass Jesus gleiches sagt wie die früheren Propheten wenn er über Jerusalem Krieg und Zerstörung voraussagt (Mt 24,15; Lk 21,20-22). Und ebenso im globalen Ausmaß. „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere.“ (Mt 24,6-7). Bereits hier erkennen wir eine Kontinuität, indem Gott aufgrund seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit in die Geschichte seines Volkes und der Nationen eingreift. Sein Zorn äußert sich in der Rache, das heißt in gerechter Vergeltung. Damit wird eindeutig auch der Entfaltung des Bösen Einhalt geboten. Folgende Texte erhellen diesen Sachverhalt: 1Mose 6,1ff: Gericht durch die Sintflut;  1Mose 15,14ff: Gericht über Ägypten; 3Mose 26,33; 5Mose 4,27;  7,15;  28,60-64;  32,35: Androhung des Gerichtes; ebenso Hab 1,5-8; Jes 45,7; 46,11. Dabei kann man sehen, dass Gott in der Regel zunächst an seinem Volk handelt, danach an den übrigen Völkern (Jer 25,29; 1Petr 4,17: denn das Gericht beginnt am Hause Gottes). Dabei steht immer die Reinigung und Heiligung seines Volkes im Vordergrund. Doch diese Gerichte Gottes werden auf unterschiedliche Weise durchgeführt:

  • Gott greift direkt ein (1Mose 6,1ff: Sintflut über die ganze Welt, 1Mose 19: Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra, Adama und Zeboim);
  • Durch seine Engel (2Mose 12,23.29; 2Kön 19,35);
  • Durch Weltherrscher (Jes 46,11; Jer 25,9: Nebukadnezar; Jes 44,28: Kyrus);
  • Durch jemand, der nicht direkt von Gott gerufen wurde, aber Gott gewähren ließ (Dan 9,26; Mt 24,15; Lk 21,20-22). Wenn Gott seine Gegenwart zurückzieht, ist ein Volk der Bosheit von Menschen ausgeliefert. Dies gilt auch für den einzelnen Menschen.

Mit dem Kommen des Reiches Gottes in diese Welt durch Jesus Christus kommt noch eine weitere Ebene des Gerichtes hinzu (Dan 7,13-14.27; Lk 1,31-33 mit 2Sam 7,11-13). Gegen dieses neue Reich Gottes stellen sich nicht nur die Könige der Erde, sondern auch die Führung Israels. (Ps 2,1ff mit Apg 4,24ff). In der Person von Jesus kam dieses himmlische Gottesreich auf die Erde. Bereits die Predigt des Evangeliums war Gericht für die Menschen (Joh 3,17-19; 5,22-24.27; Jes 42,1ff).

Jesus ist demnach der Richter der Welt, der seine richterliche Funktion ausübt. 1Petr 3,22: „welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und es sind ihm untertan die Engel und die Gewalten und die Mächte.“ Dabei beginnt er in seiner Gemeinde (1Petr 4,17). Beispiele: Offb 2,16: Tue nun Buße; wenn aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und gegen sie streiten mit dem Schwert meines Mundes.“ (Offb 19,11-15).

Im Reich der Finsternis und des Satans sind alle Mittel recht und geistliche Dunkelheit liegt über den Völkern. „… unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.“ (Eph 2,2b). Doch Gottes übergeordnetes Ziel ist jedoch durch seine globalen Gerichte auch die Völker zur Umkehr zu bewegen. Dies ist auch einer der Grundtöne in der Offenbarung und wird bestätigt durch das Evangelium von Jesus Christus.

3.3 Das Lamm öffnet das dritte Siegel – Das schwarze Pferd und sein Reiter

(Bibeltext: Offb 6,5-6)

Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte etwas wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu! (Ofb 6,5-6).

Das Lamm auf dem Thron öffnet das dritte Siegel und gibt damit einen weiteren Einblick in den Verlauf der Menschheitsgeschichte. Nun kommt das dritte lebendige Wesen (dessen Antlitz wie ein Mensch aussah) zum Einsatz und ruft „komm“. Da erscheint vor den Augen des Johannes ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß hatte eine Waage in seiner Hand.

3.3.1 Das schwarze Pferd

Die gr. Bezeichnung für die Farbe schwarz ist `μέλας – melas` In einigen Texten ist die Farbe schwarz neutral, stellt also nichts Negatives dar.

  • So in 1Mose 30,33-35: schwarzhaarige Schafe oder Ziegen;
  • In 3Mose 13,31.37: schwarzes Haar als Zeichen der Genesung;
  • In Hl 5,11 und Mt 5,36: schwarzes Haar;
  • In 2Joh 1,12: schwarze (gemeint ist Tinte).

Abbildung 16: Schwarzes Pferd und sein Reiter mit der Waage in der Hand. (Zeichnung: J.S. 24. Oktober 2021).

In anderen Texten weist das schwarze auf etwas Unheilbringendes hin:

  • So in Sacharia 6,2.6: „Am ersten Wagen waren rote Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, 3 am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, allesamt stark. 4 Und ich hob an und sprach zum Engel, der mit mir redete: Mein Herr, wer sind diese? 5 Der Engel antwortete und sprach zu mir: Es sind die vier Winde des Himmels, die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher der ganzen Erde. 6 Die schwarzen Rosse zogen in das Land des Nordens, die weißen zogen hinter ihnen her, und die scheckigen zogen in das Land des Südens. 7 Diese starken Rosse also zogen aus und wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: Geht hin und durchzieht die Lande! Und sie durchzogen die Lande. 8 Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: Sieh, die in das Land des Nordens ziehen, lassen meinen Geist ruhen (Schlachter Üs.: lassen meinen Zorn nieder) im Lande des Nordens.“ Der Bezug zu Offb 6,5 ist wegen der Unterschiede nicht eindeutig, doch es ist neben Sach 1,8-11 der einzige Text, er von schwarzen Rossen spricht.
  • Offb 6,12: Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack;
  • Joel 2,1ff: finsterer, dunkler Tag;
  • . Der eindrucksvollste Text stammt der Feder des Propheten Jeremia (bzw. Baruch). „Nun aber ist ihre Gestalt so dunkel vor Schwärze, dass man sie auf den Gassen nicht erkennt; ihre Haut hängt an den Knochen, und sie sind so dürr wie ein Holzscheit.“ (Klag 4,8). Um diese Beschreibung im Zusammenhang unseres Themas zu verstehen müssen wir den gesamten Text von Klag 4,1-10 lesen. Denn dort wird die Dramatik der Hungersnot in der belagerten Stadt Jerusalem in aller Schwärze beschrieben.

3.3.2 Der Reiter mit der Waage

Der Reiter hat eine Waage in seiner Hand. Die gr. Bezeichnung dafür ist ` ζυγὸν – zygon` (Akk.). Dieses Wort kommt im Substantiv ungefähr 78 Mal vor, 19 Mal als Waage und 58 Mal als Joch.

  1. Als Waage: 1Mose 23,16; 3Mose 19,36: Jes 46,6; Jer 32,9-10: „Und ich schrieb einen Kaufbrief und versiegelte ihn und nahm Zeugen dazu und wog das Geld dar auf der Waage.“
  2. Als Joch: 1Mose 27,40; 4Mose 19,2). In den Texten des NT jedoch wird der Begriff (außer von Offb 6,5) durchweg mit Joch übersetzt: Mt 11,29+30; Apg 15,10; Gal 5,1; 2Kor 6,14; 1Tim 6,1.

Dass den beiden Gegenständen dasselbe griechische Wort zugrunde liegt, hat wohl mit deren Beschaffenheit und Bestimmung zu tun. Wie bei einer Waage das Gewicht bestimmt wird, so kann auch bei einem Joch die  Last  gleich verteilt werden. Im jeweiligen Kontext wird klar, was gemeint ist. Da es in Offenbarung 6,5-6 um Verkauf und Kauf  von Nahrungsmitteln geht (Weizen und Gerste) ist es verständlich, dass `zygon` mit Waage übersetzt wird.

Anscheinend wurde im Altertum nicht das Getreide, sondern nur das Geld (Gold, Silber, Kupfer) mit der Waage abgewogen (1Mose 23,16; Jes 46,6; Jer 32,10). Das Getreide jedoch wurde mit einem Hohlmaß gemessen. Der Verkauf von alltäglichen, notwendigen Lebensmitteln zum hohen Preis (1 Maß Weizen und 3 Maß Gerste = 1 Denar = Tageslohn) ist ein Hinweis für Mangel an diesen wichtigen Grundnahrungsmitteln. Der Begriff für die Maßeinheit im Text ist `χοῖνιξ – choinix`, er kommt  nur an dieser Stelle des NT vor. Dieses Holmaß variiert je nach Landschaft und Periode. Das (kleinste) Choinix = etwa 1 Liter, wäre ein realistischer Anhaltspunkt. Einige Ausleger nehmen an, dass es sich dabei um eine achtfache (oder mehr) Verteuerung dieser Grundnahrungsmittel handeln könnte.

Die Geschichte aus 2Kön 7,1 bei der man für einen Scheckel etwa 7 (13) Liter Holmaß (gr. metron) feinstes Weizenmehl kaufen konnte spricht dagegen für Überfluss.

Die äußeren Ursachen für den Mangel an den genannten Grindnahrungsmitteln sind Kriege, Dürre, Heuschreckenplagen, Hagel, Feuerbrände oder auch Erdbeben (1Mose 12,10; 26,1; 41-47; 2Mose 9,25; 2Sam 21,1; 1Kön 18,2; 2Kön 6,25; Hes 14,13; Apg 11,28). Aber die eigentlichen Gründe für Hunger liegen tiefer, wie folgende Textstellen nahe legen (Ri 6,1-6; 1Chr 21,12; Jer 12,9; 14,11-17; 16,4; 21,6-9; 24,10; 27,8-10; 29,18; 32,24.36; 34,17; 38,2; 42,17.22; 44,13;  Hes 2,14; 4,16-17; 5,12.17; 6,11-12; 7,15; 12,16; 14,14.21; 33,27; 34,28).

Mit dem Begriff `λιμοὶ – limoi` (Pl.) sagt Jesus in seinen Endzeitreden Hungersnöte voraus ((Mt 24,7; Mk 13,8;  Lk 21,11). Unter dem Kaiser Klaudius (41-54 n.Chr.) traf eine große Hungersnot ein (Apg 11,28). Diese traf auch die Gläubigen in Judäa und Jerusalem. Wie Jesus, so ermutigt auch der Ap. Paulus zur Furchtlosigkeit in solchen Zeiten (Röm 8,35).

Dem Öl und dem Wein soll kein Schaden zugefügt werden. Diese sind davon ausgespart. Diese beiden Produkte wurden unter anderem auch im medizinischem Bereicht verwendet. Einige Ausleger sehen in ihnen Luxusprodukte, welche in erster Linie den Reichen zugänglich waren. Doch Ölbäume und die Reben wachsen auch ohne besondere Pflege, sie sind auch nicht derart auf das Wetter (Frühregen und Spätregen) angewiesen. Auch in den Dürreperioden tragen sie Früchte. Was das bedeuten kann? Gott nimmt nicht alles weg. Bis zum Endgericht ist in den Zwischengerichten immer auch noch die Barmherzigkeit Gottes erkennbar. Sein Ziel ist, dass die Menschen sich ihm zuwenden. Dass die Gläubigen  vor solchen Notzeiten verschont bleiben, hat Jesus nicht versprochen. Doch sie lernen dabei mit anderen zu teilen (Mt 25,35; Apg 11,28; 2Kor 9-10). Wo geschieht dies auch in unserer Zeit.

Welche Hungersnöte sind uns aus den letzten 2 Jahrhunderten bekannt und welche Ursachen waren dafür verantwortlich? Wie schätzen wir die gegenwärtige Situation was die Hungersnöte betrifft  in der Welt ein?

3.4 Das Lamm öffnet das vierte Siegel – Das fahle Pferd und sein Reiter

(Bibeltext: Offb 6,7-8)

Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist Tod; und der Hades folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde.“ (Offb 6,7-8).

Das fahle Pferd

Der Wortlaut zum Einstieg in die vierte Szene ist der gleiche wie auch bei den drei vorhergehenden, nur dass der Ruf `komm` jetzt vom vierten lebendigen Wesen erschallt. Auch hier wird unsere Aufmerksamkeit zunächst auf das Pferd gelenkt. Das vierte Pferd wird in den meisten Übersetzungen als fahl bezeichnet, Der gr. Begriff im Text ist `χλωρός – chloros – grün`. Nach Wikipedia ist das Chlorophyll die grüne Substanz im Gras und `chloros` wird mit `gelblich-grün` übersetzt. Nach Offb 8,7; 9,4 und Mk 6,39; 1Mose 1,30; 2Mose 10,15 wird `chloros` mit grün übersetzt und zwar im Zusammenhang mit Gras. In Ps 37,2 werden die Gottlosen (Menschen) mit der Kurzlebigkeit des grünen Grases verglichen. „Denn wie das Gras werden sie bald (schnell) verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.“ (ähnlich auch 2Kön 19,26; Jes 37,27; Jer 14,6; und allgemein für die Vergänglichkeit des Menschen: Mt 6,30; Jak 1,11; 1Petr 1,24). Damit würde durch die optische Erscheinung des Pferdes die Kurzlebigkeit und Vergänglichkeit des Menschen zum Ausdruck gebracht. Dies passt zu seinem Reiter, dem Tod und Feind des Lebens. Er reitet sozusagen auf dem kurzem und vergänglichem Leben des Menschen.

Nahezu 300 Mal kommt der Begriff `Tod` in der Bibel vor, Er ist keine Person, kein Wesen, er ist sozusagen eine Machtgröße.(Offb 2,10.11.23; 6,8; 9,6; 18,8; 20,6.13.14; 21,4.8; 1Kor 15,21.26,54). Sein Name ist Tod, doch über sein Aussehen wird nichts gesagt, nur das ihm der Hades (Totenreich) wie im Schlepptau folgte. Während es bei den ersten zwei Reitern heißt: „ihm wurde gegeben“ (Singular), steht hier: „ihnen wurde gegeben“ (im Plural). Bezieht sich das ihnen auf alle vier Reiter oder auf den zweiten, dritten und vierten oder nur auf den letzten, dem der Hades folgte? Wäre der Tod und Hades nicht direkt davor im Doppelpack genannt worden, würde das „ihnen“ die vorhergehenden Reiter mit einschließen. Der Satzbau legt es jedoch nahe, dass sich das „ihnen“ auf den Tod und den ihm nachfolgenden Hades bezieht. Auch in Offb  1,18; und 20,13-14 werden Tod und Hades im Gespann als zwei Machtgrößen genannt (vgl. dazu auch Röm 5,14; Mt 16,18). Doch ihre Macht ist begrenzt und auch eingeschränkt, eben nur über den vierten Teil der Erde (vgl. auch mit Offb 9,17-20).

Vier so genannte Plagen (Waffen) werden durch sie zum töten eingesetzt:

  1. Schwert (Kriege, Aufstände, Hinrichtungen aller Art, auch die der Zeugen Jesu)
  2. Hunger (Hungersnöte, Mangel an Nahrung durch Missernten oder Zerstörung derselben durch Kriege oder Feuer)
  3. Todespest (Seuchen aller Art, tödliche Krankheiten)
  4. Wilde Tiere der Erde (durchaus auch kleinerer giftiger Tiere oder Insekten).

Anmerkung: Nach einer Auslegungsvariante werden die `wilden Tiere` dem Bild des ersten Reiters zugeordnet und zwar im übertragenen Sinne als Verführer (2Kor 11,14; Mt 24,4-5). In der Tat vergleicht Jesus Verführer mit reisenden Wölfen (Mt 7,15). Auch bei Paulus finden wir diese Vergleiche (Apg 20,29). Diesen Vergleich gab es auch schon in Israel (Hes 22,27). Doch ist dieser Vergleich auch für Offb 6,2 und 6,8 anwendbar? Oder anders gefragt, kann man ohne weiteres die wilden Tiere aus Offb 6,8 mit dem weißen Pferd aus Vers 6,2  gleichsetzen?

  1. Pferde, Rosse oder Gespanne kommen in biblischen Texten etwa 167 Mal vor. Und sie werden zu verschiedenen Zwecken eingesetzt aber nirgendwo als Symbole für Verführungen.
  1. Da jedoch im Text das Schwert, Hunger und tödliche Pest ausdrücklich zum physischen töten eingesetzt werden, warum nicht auch buchstäblich durch wilde Tiere? Auch die wilden Tiere sind für Menschen eine lebensbedrohliche Gefahr. In der Natur ist dies zu beobachten und die biblische Geschichte bestätigt es. Hier einige Beispiele:
  • 1Mose 9,4-5: wilde Tiere stellen eine reale Gefahr für den Menschen dar, daher die Schutzmaßnahme Gottes.
  • 2Mose 23,29: wilde Tiere bilden eine reale Gefahr für den Menschen bei spärlicher Besiedelung.

Neben den realen Gefahren durch wilde Tiere, werden in der Geschichte Israels auch noch weitere drei Plagen genannt, welche in engem Zusammenhang unseres Textes stehen.:

  • Hes 5,12-17: Pest, Hunger, Schwert; böse Tiere.
  • Hes14,14-21: „Denn so spricht Gott der HERR: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh.“ Dies sind genau die vier Plagen, die auch in Offb 6,8 eingesetzt werden. Hier jedoch den 4. Teil aller Bewohner der Erde betreffend. (vgl. dazu auch 3Mose 26,22).

In anderen Texten werden diese Plagen im einzelnen genannt oder zum Teil unterschiedlich kombiniert. Hier eine Auflistung:

  • 2Mose 9,15: tödliche Pest gegen Pharao in Ägypten und sein Volk.
  • 4Mose 21,6: Plage durch Schlangen, welche das murrende Volk bissen.;
  • 5Mose 32,25: Angedrohte Plagen durch das Schwert und Feuer bei Ungehorsam.
  • 1Kön 8,37ff: Hungersnot, Getreidebrand, Krankheit, Heuschrecken;
  • 1Chr 21,12: 7 Jahre Hunger oder drei Monate Schwert oder 3 Tage Pest. David wählte 3 Tage Pest, obwohl diese Plage die schlimmste war, denn er sagte: lieber in die Hände Gottes fallen als in die Hände der Feinde.
  • Jer 14,15-16: Schwert, Hunger; Jer 16,4: böse Krankheiten, Schwert, Hunger; Jer 21,6-9: Pest, Schwert, Hunger; Jer 24,10: Schwert, Hunger, Pest; Jer 27,8-10: Schwert, Hunger, Pest; Jer 29,18: Schwert, Hunger, Pest; Jer 32,24.36: Schwert, Hunger, Pest; Jer 34,17: Schwert, Pest, Hunger; Jer 38,2: Schwert, Hunger, Pest; Jer 42,17.22: Schwert, Hunger, Pest; Jer 44,13: Schwert, Hunger, Pest.
  • Hes 6,11-12: Schwert, Hunger, Pest; Hes 7,15: Schwert, Hunger, Pest; Hes 12,16: Schwert, Hunger, Pest.
  • Hes Hes 33,27: Wilde Tiere, Schwer, Pest. Hier bezogen auf Völker, welche gegen Gott sündigen.

Auch Jesus hat Plagen für diese Welt vorausgesagt:

  • Schwert (Kriege), Hungersnöte, Erdbeben.
  • Lk 21,9-11: Schwert (Kriege, Aufstände), große Erdbeben, Hungersnöte, Seuchen.
  • Lk 21,20-22: Große Not, Schwert, Gefangenschaft.

Unübersehbar scheinen diese Aussagen die Texte von Offb 6,3-8 erhellen. Dem gegenüber steht das weiße Pferd dazu in einem starken positivem Kontrast.

Der Tod und das Totenreich machen reiche Beute durch die verschiedenen Werkzeuge, auch Menschen sind dabei beteiligt. Diese Texte geben Einblick in das aktive, aber auch in das zulassende Handeln Gottes. Sein Ziel war es damals das Volk Israel durch Gerichte zur Umkehr zu bewegen und gleichzeitig  seine Gerechtigkeit unter den Völkern zu offenbaren. Gott allein weiß genau, wie viele Menschen (auch Unschuldige und Zeugen Jesu) täglich, jährlich und im Laufe der Jahrtausende eines unnatürlichen, oft sehr frühen Todes gestorben sind, bzw. umgebracht wurden. Dabei handelt es sich um den vierten Teil (1Mose 4,1-13).

Durch diese vier Pferde mit ihren Reitern bekamen wir einen ersten Überblick über die Weltgeschichte bis kurz vor der Wiederkunft Jesu und dem damit verbundenem Gerichtstag.

3.5 Das Lamm öffnet das fünfte Siegel – Die Seelen der Zeugen unter dem Altar

(Bibeltext: Offb 6,9-11)

Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten.“ (Offb 6,9-11).

Nach der Öffnung des fünften Siegels sieht Johannes ein ungewöhnliches Bild. Es wird eine Szene gezeigt, die sich im Himmel in unmittelbarer Nähe Gottes abspielt. Was er sieht sind die Seelen derer, die um des Wortes Gottes und des Zeugnisses willen das sie hatten, umgebracht worden sind. Dieser Text stellt an uns mehrere Fragen, die wir nacheinander versuchen zu beantworten.

  1. Frage: Wie ist die Bezeichnung Seelen zu verstehen?

Die deutsche Bezeichnung `Seele` ist nicht ganz einfach zu definieren. Der Grund liegt darin, dass  im griechischen Wort ` psych¢ ` mehrere Aspekte des Lebens enthalten sind.

  1. Mit `psych¢  – Seele` wird ein (lebendiges) Wesen, eine lebendige Person beschrieben (1Mose 2,7: der Mensch wurde zu einem lebendigen Wesen; 5Mose 10,22: „Siebzig Seelen gleich siebzig (lebendige) Menschen oder Personen; Apg 2,41: dreitausend Seelen, gemeint sind ,Menschen, Personen.
  2. Mit `psych¢  – Seele` wird auch (physisches) Leben des Menschen beschrieben (1Mose 9,3f; und 3Mose 17,11: „denn im Blut ist das Leben“; Joh 10,11: „der gute Hirte gibt sein Leben hin“ (Joh 10,.17); Apg 20,24: ich achte mein Leben nicht wert“; Offb 12,11: „und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod“). Damit sind mit `τὰς ψυχὰς – tas psychas die Seelen` Menschen / Personen bezeichnet, denen Ihr physisches Leben auf der Erde genommen wurde und deren Geist beim Herrn ist (Lk 23,46: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Ps 31,6); Apg 7,59: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“; Hebr 12,23: „wir sind gekommen zu den Geistern der vollendeten Gerechten“;).
  3. Die Seelen unter dem Altar sind eben auch die Geister der vollendeten Gerechten. Jesus sagte: „Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“ Auf das physische und damit vergängliche Leben des Gläubigen folgt das geistliche, eben das ewige Leben.

 

  1. Frage: Wie endete ihr physisches Leben auf Erden?

Von diesen Seelen heißt es, dass sie geschlachtet wurden. Die Tötungsbezeichnung: `τῶν ἐσφαγμένων – t÷n erfagmen÷n` (Pl.) ist die gleiche wie sie auch für Jesus, das Lamm Gottes verwendet wird (Offb 5,6.8; 13,8; Jes 53,7; Apg 8,32). Allerdings wird der Tötungsbegriff `schlachten` auch bei Kriegshandlungen mit dem Einsatz von Schwert verwendet (Hes 21,15.20.33). In 2Sam 11,25 und Jer 12,12 wird vom Schwert gesagt, dass es frisst (gr. fagetai), es handelt sich um die gleiche Wortwurzel wie auch in den oben genannten Stellen von Offb 6,4. Dazu heißt es, dass sie einander schlachteten, man kann sogar sagen einander (mit dem Schwert) auffraßen (vgl. dazu Sach 8,10). Das dieses Verb sogar im Wort `sarkofagos – Fleischfresser` seinen Niederschlag fand, zeigt seine breite Verwendung (Daher kommt auch das deutsche Wort Schlachtfeld). Auch hier entscheidet der Kontext über die Verwendung dieses Begriffes. Doch nach den Worten von Jesus werden nicht alle seine Nachfolger buchstäblich getötet. Denn das Martyrium kann auch andere Formen haben.

 

  1. Frage: Wo und in welchem Zustand befinden sich diese Seelen? Welcher Altar ist im Text gemeint

Von diesen Seelen wird gesagt, dass sie sich unter dem Altar befinden. Der Altar kommt in der Bibel mehr als 300 Mal vor, davon sieben Mal in der Offenbarung. In Kapitel 8,3-5 werden Details genannt, die eindeutig auf den goldenen Räucheraltar hinweisen. Dort heißt es: „Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron. Und der Rauch des Räucherwerks mit den Gebeten der Heiligen stieg von der Hand des Engels hinauf vor Gott. Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde.“ Auch in Offb 9,13 heißt es: „ich hörte eine Stimme aus den vier Ecken des goldenen Altars vor Gottes Thron“.Auch in Offb 14,18; 16,7 ist aufgrund des Textzusammenhangs derselbe Altar gemeint. Ebenso weist das Räucherwerk aus Offb 5,8 auf diesen Altar hin). Weitere Stellen zu dem goldenen Räucheraltar; Hebr 9,3: das Räuchergefäß; Lk 1,10-11: Räucheraltar; 2Mose 30,1.27; 31,8; 35,15; 37,24; 40,5; 3Mose 4,7). Der große kupferne Brandopferaltar wird zum jetzigen Zeitpunkt im (bzw. außerhalb   des) himmlischen Heiligtums  nicht erwähnt, denn Jesus hat durch sein einmaliges Opfer am Kreuz alle Sünden gesühnt ( Offb 1,5; 5,9; Hebr 10,10; 13,10).

Die Verortung der Seelen `unter` dem Räucheraltar, gr. `ὑποκάτω – ypokatö –darunter`, ist nicht einfach nur eine räumliche, sondern eine dem jetzigen Zustand der Seelen entsprechende Beschreibung. Sie dürfen sich ausruhen von ihren physischen Leiden. Das gr. Verb `ἀναπαύσονται – anapausontai – sie sollen ausruhen`, ist das gleiche wie auch in Offb 14,13: „sie ruhen aus von ihren Mühen“. Diese Art von Ruhe verspricht Jesus denen, die bereits hier zu ihm kommen (Mt 11,28-30). Dieses Ruhen ist jedoch kein unbewusster Zustand, denn sie nehmen wahr, was geschieht, bzw. was noch nicht geschieht. Jesus, der am besten Bescheid wusste sagte: „Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle“ (Lk 20,38).

 

  1. Frage: An wen wenden sie sich und wonach fragen sie? Ist ihr Ruf nach Rache berechtigt? Was bekommen sie zugeteilt und was wird ihnen zugesagt?

Sie rufen (schreien) mit lauter Stimme indem sie sich an den wenden, der auf dem Thron ist und nennen ihn Herrscher gr. `δεσπότης – despot¢s ` „du Heiliger und Wahrhaftiger, bis wann richtest du nicht und rächst unser Blut an denen die auf Erden sind?“ Zunächst fällt uns die ungewöhnliche Anrede ` despot¢s ` auf, weil er so negativ besetzt ist. Dieser Herrscherbegriff wird noch an folgenden Stellen verwendet und meistens auf Gott und auch den Herrn Jesus angewandt (Judas 1,4: „Herrn und Herrscher Jesus Christus“; 2Petr 2,1: „und verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat“; 2Tim 2,21: „der wird ein Gefäß sein zu ehrenvollem Gebrauch, geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet.“; Apg 4,24: „Herr, du hast Himmel und Erde gemacht“; Lk 2,29: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast“. Diese Herrschaftsbezeichnung wird aber auch auf Herren dieser Welt in ihrer Stellung gegenüber ihren Sklaven verwendet: 1Petr 2,18: „Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter“, so auch Tit 2,9; 1Tim 6,1-2). Diese Hoheitsbezeichnung unterstreicht auf besondere Weise den Stand des Herrschers gegeüber seinen Knechten / Sklaven), was in der Offenbarung deutlich zum Ausdruck kommt. Mit höchster Ehrerbietung und doch völlig angstfrei und vertrauensvoll wenden sich diese Seelen an ihren Herrn und Gebieter mit den Worten: „Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?

Auf die Formulierung: „die auf der Erde wohnen“ gehen wir im 4. Teil näher ein. Und dies ist die Antwort aus dem Thron: „Und jedem von ihnen wurde ein weißes Kleid gegeben.“ Die weiße `στολὴ – stol¢ ` ist ein sehr wertvolles, langes Festgewand, Festbekleidung (Lk 15,22; Mk 16,5). Das bedeutet doch, dass ihre durch den Glauben an Jesus Christus zugesprochene Gerechtigkeit  bestätigt wurde (Offb 7,13; Offb 19,8).

Sie sollten ruhen eine kleine Zeit (mikron chronon). Anscheinend empfanden sie keine Zeit mehr, als ob die Zeit still steht. Nur Gott hat ein absolutes Bewusstsein für Zeitspannen, Zeiträume und deren Inhalte, bzw. Abläufe.

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Ruf nach Vergeltung berechtigt ist? Man denkt dabei an die Grundaussage Gottes aus 5Mose 32,35 und die Zitate der Apostel: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«  (Röm 12,19; so auch Hebr 10,30; ebenso Jesus in Mt 5,39).

Jene Gläubigen (Seelen) rächten sich nicht als sie auf Erden waren, genauso wie Jesus stellten sie es dem anheim „der da recht richtet“(1Petr 2,23). Weiter schreibt Paulus: „Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses angetan; der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken.“ (2Tim 4,14). Das Unrecht kann und soll genannt werden, doch Selbstjustiz kommt für Kinder Gottes nicht in Frage. Genaus dies taten auch die Seelen unter dem Altar, eben nur in Form einer Frage. Der Ruf nach Vergeltung der Seelen war nichts Unrechtes. Denken wir an die Ermordung Abels. Gott sagte zu Kain: „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ (1Mose 4,10). So als ob Abel sich auch unter dem Altar befand. Und Jesus sagte voraus: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35). Das Gott jedoch sein Gericht zurückhält spricht für seine Weisheit und Langmut, die alles menschliche bei weitem übertrifft (2Petr 3,9).

Die Aussage: „die auch noch getötet werden sollen“ ist wahrscheinlich im allgemeinen Sinne gemeint, denn Jesus selbst sagte: „und etliche werden sie töten“, das heißt alle werden leiden müssen auf verschiedene Weise. Denn oft ist ein Leben in ständiger Verfolgung genauso ein Martyrium wie ein gewaltsamer aber schneller Tod.

 

  1. Frage: Welche indirekte Botschaft wird den Gläubigen auf der Erde vermittelt?

Die Gläubigen hier auf Erden sollen sich auf eine von Leiden gezeichnete Existenz einstellen. Sie aber: „stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ (Apg 14,22). Kinder Gottes  sind nach ihrem physischem tod in Gottes Umgebung in Sicherheit und werden getröstet )(Lk 16,25).

 

  1. Frage: Was meint Gott mit `noch eine kleine Zeit`?

Die Zeitangabe: `χρόνον μικρόν, ἕως – chronos mikron eös– Zeit kleine bis` wird begründet mit der Aussage: „bis die anderen hinzugekommen sind, welche auch noch getötet werden sollen.“ Damit erübricht sich der Versuch einer zeitlichen Berechnung. Auf jeden Fall ist das Zeitempfinden in der Sphäre Gottes ein anderes als bei denen hier auf der Erde.

3.6 Das Lamm öffnet das sechste Siegel – Die erste Beschreibung des Weltgerichts

(Bibeltext: Offb 6,12-17)

Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: Und es geschah ein großes Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft. Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch (Schriftrolle), das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt. Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen?“ (Offb 6,12-17).

Johannes sieht wie das Lamm das sechste Siegel öffnet. Was ihm jetzt gezeigt wird, weist auf das Endgericht hin. Diese  Details sind uns bereits aus anderen Texten vertraut, insbesondere werden wir dabei an die Endzeitreden von Jesus erinnert, die er an seine Jünger auf dem Ölberg gehalten hat (Mt 24,24-33; Lk 21,25-28; 34-36; Mk 13,24-32). Wir werden sehen, dass im Buch der Offenbarung noch an weiteren Stellen das Endgericht beschrieben wird und dabei auch weitere Aspekte dazukommen (Offb 11,15-19; 14,16ff; 16,19; 19,11-21; 20,10-15). Und nun die einzelnen Details aus diesem Textabschnitt.

Zeichen auf der Erde: Ein großes Erdbeben

Und es geschah ein großes Erdbeben

Das Erste was Johannes wahrnimmt ist ein großes Erdbeben. Wir dürfen uns durchaus vorstellen, dass die gewaltigen Naturereignisse Johannes in einer Art Audio-Videoformat gezeigt wurden. Die griechische Bezeichnung für Erdbeben ist `σεισμὸς – seismos`, daher das Fachwort Seismologie. In den biblischen Berichten werden Erdbeben mehr als zwanzig Mal erwähnt (1Kön 19,11-12; Hes 3,12-13; 38,19; Am 1,1; Sach 14,5; Mt 27, 51.54; 28,2; Mk 13,8; Apg 16,26). Und Jesus hat weitere Erdbeben vorausgesagt (Mt 24,7; Mk 13,8; Lk 21,11). Dieses Naturphänomen hat Menschen seit je her in Angst und Schrecken versetzt (Ps 68,9; 77,19; Mt 27,51,54). Viele Bauwerke und ganze Städte sind durch Erdbeben zerstört worden. Von 1900 bis 2015 sind mehr als 2 Millionen Menschen durch Erdbeben ums Leben gekommen. Im Buch der Offenbarung sind Erdbeben Begleiterscheinungen sowohl der vorläufigen Gerichte Gottes als auch des Endgerichtes (Jes 13,13; Offb 6,12; 8,5; 11,13.19; 16,18). Im Text wird betont, dass es ein großes (starkes) Erdbeben war mit globalen Auswirkungen. In unserer Zeit werden jährlich Hunderttausende kleinere und größere Erdbeben registriert. Häufig sind Erdbeben mit Vulkanausbrüchen verbunden.  So faszinierend diese aus der Ferne aussehen, so verheerende Auswirkungen haben sie in ihrer unmittelbaren Umgebung. Sie machen die Ohnmacht des Menschen offensichtlich. Eines Tages wird die Neugier der Schaulustigen ein Ende haben. So lesen wir in Hebr 12,26-27: „Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert, jetzt aber verheißt er und spricht (Haggai 2,6): »Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.« 27 Dieses »Noch einmal« aber zeigt an, dass das, was erschüttert wird, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, auf dass bleibe, was nicht erschüttert wird.

Zeichen am Himmel: An Sonne, Mond und Sternen

und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft, (Offb 6,12-13).

Diese Beschreibungen wecken in uns Erinnerungen an Geschichten aus der biblischen Offenbarung. Sie erinnern auch an Voraussagen in Bezug auf dramatische Phänomene an Himmelskörpern (Joel 3,1ff; Jes 13,10). Zunächst jedoch zu der einmaligen Formulierung „schwarz, wie ein härener Sack“. Bekannt ist, dass Teppiche für das Zelt des Zeugnisses aus Ziegenhaar hergestellt wurden (2Mose 31,20). Sehr wahrscheinlich wurden auch Mäntel und Säcke daraus gewoben (2Kön 1,8; Sach 13,4). Bis heute sind schwarzhaarige Ziegenherden im Orient ein häufiges Bild (1Mose 30,32-35). In solch grobes, aber auch stabiles Sacktuch hüllte man sich zum Zeichen der Trauer. Häufig setzte man sich dabei in Asche zum Zeichen der Demütigung und auch der Buße vor Gott (Est 4,1; Dan 9,3; Jona 3,6; 2Kön 19,1; 2Sam 3,31; Mt 11,21; Lk 10,13). Demnach wäre der Ausdruck: „schwarz, wie ein härener Sack“ ein passender Vergleich für die Verdunkelung der Sonne. Die Reaktion wird sein, große Trauer und Entsetzen, vorbei mit dem Leben in Luxus (Amos 8,10; Offb 18,10.17.19). Der Vergleich „und der ganze Mond wurde wie Blut“ kommt auch in anderen Texten vor und steht immer im Zusammenhang mit den Veränderungen an der Sonne.

Die erste Erwähnung einer partiellen Sonnenfinsternis während drei Tagen in Ägypten wirft zwar Fragen für die Astronomen auf, nicht aber für die Glaubenden an den Schöpfer Gott (2Mose 10,21-23). Auch während der letzten drei Lebenstunden von Jesus wurde es finster über dem ganzen Land, so alle drei synoptischen Evangelisten ((Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44-45). Die Aussagen der Propheten über Verdunkelung der Sonne und des Mondes sind zahlreich. In der Regel werden Sonne, Mond und Sterne als die von Gott geschaffenen Lichter zusammen genannt.

  • In Hiob 9,7 steht: „Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel.
  • Und in Jesaja 13,10 steht:: „Ja, die Sterne des Himmels und seine Sternbilder werden nicht mehr glänzen; die Sonne wird sich bei ihrem Aufgang verfinstern und der Mond sein Licht nicht leuchten lassen.“ Der Kontext weist auf das Gericht Gottes hin und zwar über den Erdkreis (Jes 13,11).
  • Jesaja 24,23: „Da wird der Mond erröten und die Sonne schamrot werden; denn der HERR der Heerscharen herrscht dann als König auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und vor seinen Ältesten ist Herrlichkeit.“ Auch hier ist im Kontext vom Gericht über diese Erde die Rede und zwar mit dem Ausblick auf die neue Schöpfung (Jes 24,20ff).
  • Joel 3,4: „die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.“ (so auch Joel 4,15; Apg 2,20; ähnlich auch Amos 8,9).
  • Und Jesus sagte voraus: „Bald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden.“ (Mt 24,29;:Mk 13,24).

Die Zusammenhänge zwischen den partiellen Naturereignissen mit der Sonne in der Geschichte als vorläufige Hinweise, dann auch die Voraussagen der Propheten und des Herrn Jesus Christus in Bezug auf das Endgericht, sind offensichtlich.

Der Himmel entschwand wie eine Buchrolle

Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch (Buchrolle), das zusammengerollt wird. (Offb 6,13).

Auch dafür gibt es bereits im Alten Testament Voraussagen:

  • Jes 51,6: „Erhebt eure Augen zum Himmel und schaut auf die Erde drunten; denn die Himmel werden vergehen wie ein Rauch, und die Erde wird wie ein Kleid zerfallen, und ihre Einwohner werden auf dieselbe Weise umkommen; aber mein Heil wird ewig bleiben und meine Gerechtigkeit nicht zugrunde gehen.
  • Jes 34,4: „Und alles Heer des Himmels wird dahinschwinden, und der Himmel wird zusammengerollt werden wie eine Buchrolle, und all sein Heer wird hinwelken, wie ein Blatt verwelkt am Weinstock und wie ein dürres Blatt am Feigenbaum.“; (Ps 102,26-27; Hebr 1,10-11).
  • Jesus bestätigte: „Himmel und Erde werden vergehen“ (Mt 24,35; Mk 13,31; Lk 21,33).
  • Lk 21,26: „und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“
  • Und Ap. Petrus präzisiert, wie sie vergehen werden: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein. 11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, wenn die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen. 13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (2Petr 3,10-13; Jes 65,17).
  • Was sieht Johannes bei der letzten Beschreibung des Gerichtes in Offb 20,11: „Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.“ (lies dazu auch Offb 21,1).

Dies bedeutet die vollständige Auflösung des Universums, der materiellen Schöpfung und die Schaffung einer neuen Wohnstätte (Himmel und Erde vereint) in denen Gerechtigkeit wohnt.

Der Schrei nach Hilfe: Ihr Berge verbergt uns

und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten. Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; 16 und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! 17 Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns.“ (Offb 6,15-17).

Das Schreien  nach Hilfe geht ins Leere, weil es den Schutz der Berge nicht mehr gibt. Über diesen Ruf in der Verzweiflung gibt es auch Aussagen in den Propheten und von Jesus.

  • Hosea 10,8: „Die Höhen des Frevels werden verwüstet, auf denen sich Israel versündigte; Dornen und Disteln wachsen auf ihren Altären. Dann werden sie sagen zu den Bergen: Bedeckt uns!, und zu den Hügeln: Fallt über uns!“ (vgl. dazu auch Jes 2,10.19.21).
  • Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man das tut am grünen (feuchten) Holz, was wird am dürren werden?“ (Lk 23,28-31).

In dieser ersten Darstellung des Gerichtstages wird nur die Situation und das Schicksal der Ungläubigen beschrieben. Was mit den Erlösten geschieht, wird in anderen Visionen beschrieben. Bereits im 1. Kapitel Vers 7 lesen wir: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ (lies dazu auch Mt 24,30).

Der Tag des Zornes Gottes

Dieses Thema und diese Realität werden oft ausgeblendet in der Verkündigung. Was wäre aber, wenn es keine gerechte Vergeltung geben würde? Der gr. Begriff `ὀργῆ – org¢ – Zorn` kommt in der Bibel mehr als dreihundert Mal vor, sowohl vom Menschen ausgehend als auch von Gott. Was für viele ungewöhnlich erscheint ist, dass auch der Sohn Gottes als das Lamm Gottes Zorn empfindet und entsprechend reagiert. Während seiner Dienstzeit zeigte Jesus nur ein Mal seinen Zorn, wobei er jedoch nicht mit Vergeltung reagierte (Mk 3,5). Doch nur Gott der Vater und der Sohn Gottes Jesus Christus sind imstande ihr Gerechtigkeitsempfinden angemessen anzuwenden. Mit anderen Worten, der Zorn Gottes und des Lammes äußert sich in der gerechten Vergeltung an denen, die Unrecht tun.

  • Zef 2,2: „ehe denn das Urteil ergeht – wie Spreu verfliegt der Tag –, ehe denn des HERRN grimmiger Zorn über euch kommt, ehe der Tag des Zorns des HERRN über euch kommt!
  • Lk 3,7: „Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet“
  • Röm 1,18: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“
  • Röm 2,5: „Du aber, mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen, häufst dir selbst Zorn an für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,“
  • 1Thes 1,10: „und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns errettet von dem zukünftigen Zorn.“ (Weitere Stellen: Offb 14,10; 15,1; 16, 19; 18,25; 19,15).

Dies ist die erste visionäre Beschreibung des großen Tages Gottes, der als großer Tag des Zorns, d.h. der Vergeltung beschrieben wird. Das ist auch der Tag des Gerichtes Gottes durch den Menschensohn Jesus Christus.

Es folgen noch weitere 3 ausführliche Beschreibungen dieses Tages in den Kapiteln 11;19 und 20. Dort werden einige Aspekte bezüglich des Gerichtstages wiederholt und weitere kommen hinzu. In der Wiederholung dieser Thematik erkennen wir auch die Konzeption des Buches, bei der die gesamte Entwicklung der Geschichte mehrmals aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird.

Wer kann bestehen vor dem Zorn des Lammes?

Kapitel 6 endet mit der Frage: „Wer kann bestehen?“  Diese Frage wird in Offb 7,1-17 beantwortet. Da bekommt Johannes einen erneuten Einblick in den himmlischen Bereich. Solch ein Ausblick ist eine Ermutigung für die leidende Gemeinde auf Erden, sich in dieser Vision  als das versiegelte und damit auch erlöste Volk Gottes bereits am Endziel zu sehen.

3.7 Die 144000 Versiegelten und die unzählbare Schar der Erlösten vor dem Thron Gottes

(Bibeltext: Offb 7,1-17)

Dieses Kapitel enthält zwei herrliche Visionen, in denen die Antwort gegeben wird auf die vorher gestellte Frage „und wer vermag zu bestehen?“.

 

3.7.1 Die Zurückhaltung des Gerichtes bis zur Versiegelung der Knechte Gottes

Die Einleitung zu der Vision von den 144000 Versiegelten ist in den ersten drei Versen des 7. Kapitels beschrieben. Dort steht geschrieben:

Nach diesem sah ich vier Engel auf den vier Ecken der Erde stehen; die hielten die vier Winde der Erde fest, damit kein Wind wehe auf der Erde noch auf dem Meer noch über irgendeinen Baum. Und ich sah einen anderen Engel von Sonnenaufgang heraufsteigen, der das Siegel des lebendigen Gottes hatte; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen gegeben worden war, der Erde und dem Meer Schaden zuzufügen, und sagte: Schadet nicht der Erde noch dem Meer noch den Bäumen, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben. (Offb 7,1-3).

Johannes beginnt mit den Worten: „Nach diesem sah ich“. Diese einleitenden Worte kommen mehrmals in den Visionen der Offenbarung vor (Offb 4,1; 7,1; 7,9; 15,5; 18,1). Natürlich sieht Johannes diese Visionen in einer chronologischen Reihenfolge, doch dies bedeutet nicht zwingend, dass sich das Geschaute immer auf das vorhergehende aufbaut. Feststellen lässt sich dies immer nur im Kontext. Die Ereignisse in der Vision aus Kapitel 7,1-8 können nicht chronologisch nach dem Gericht stattfinden, welches bereits in Kapitel 6,12-17 geschaut wurde. Anders verhält es sich mit der Vision aus Kapitel 7,9-17. Diese baut in der Tat auf die vorhergehende Vision in (Offb 7,1-8 auf.

Trotzdem sind beide Vision aus Kapitel 7 Teil des sechsten Siegels und in ihr wird in symbolischen Zahlen zusammengefasst wer und wie viele Menschen im Laufe der Geschichte als Gottes Volk hier auf Erden versiegelt sein werden. Demnach wird diese Versiegelung bis zum Endgericht abgeschlossen sein. Bis dahin gilt die Anweisung an die vier Engel: „schadet der Erde und dem Meer nicht“. In Kapitel 7,9-17 sieht Johannes aus himmlischer Perspektive das gesamte Volk Gottes bereits in seinem vollendeten Zustand als am Ziel angekommen. Was für eine Ermutigung für die bedrängte und verfolgte Gemeinde in dieser Welt.

Doch nun zu den Details dieser ersten Vision. Wer sind die vier Engel, welche an den vier Ecken der Erde stehen? In Hebräer 1,7 lesen wir etwas Grundsätzliches über die Engel: „Und von den Engeln zwar spricht er: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme“. (vgl. mit Ps 104,4; Hebr 1,14). In Sacharia 1,8-11 und 6,1-7 stehen die vier Gespanne symbolisch für die vier Winde des Himmels. Sie sind ausgesandt für bestimmte Dienste, nachdem sie vor dem Herrn der ganzen Erde gestanden haben. Es besteht eine Ähnlichkeit zu den vier Engeln, welche an den vier Ecken der Erde stehen und ebenfalls für Winde zuständig sind. Ob es nun dieselben Engel sind oder andere, sicher wirken auch diese im Auftrag Gottes.

Die Aussage „vier Enden (Ecken) der Erde“ kommt noch in Offenbarung 20,8 vor. An anderen Stellen der Bibel  werden diese mit den jeweiligen Himmelsrichtungen beschrieben, so zum Beispiel in 1Mose 28,14, 4Mose 35,5; 5Mose 3,27; 1Chr 9,24; Ps 107,3; Jes 11,12; Lk 13,29. Diese vier Engel sind ausgestattet mit der Macht über Erde, Meer und Vegetation. Auffallend bei diesen Engeln ist, obwohl sie bereit sind, handelt keiner von ihnen eigenmächtig.

Und nun tritt ein anderer Engel vom Sonnenaufgang her auf, ausgestattet mit dem Siegel des lebendigen Gottes. Sonnenaufgang steht für den Tagesbeginn. Er zeigt aber auch eine segensvolle Zuwendung Gottes an (Mal 3,16-20). Die Anweisung an die vier Engel lautet:  Die Erde, das Meer und die Bäume nicht zu beschädigen „bis wir versiegelt haben die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.“ Mit dem „wir “ wird hervorgehoben, der  Engel ist nicht allein bei der Ausführung der Versiegelung. Die Bezeichnung „Knechte Gottes“ für die Gläubigen ist typisch im Buch der Offenbarung (Offb 1,1; 2,20; 6,11; 10,7; 11,18; 19,2.5; 22,3.6). Seine Aussage erinnert uns auch:

  • An eine ähnliche Handlung die in Hesekiel 9,3-6 beschrieben wird. „Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels, und er rief dem, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite. Und der HERR sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen. Zu den andern Männern aber sprach er, sodass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und nicht verschonen. “ Die Gerechten werden bewahrt bleiben und fallen nicht unter das Gericht zur Verdammnis.
  • Aufschlussreich ist auch die Aussage von Jesus in Matthäus 13,27-30: „Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.“

Weitere Stellen, welche von der Zurückhaltung des Gerichtes sprechen: Mk 13,27;  Mt 28,14; Röm 11,25; 2Petr 3,7-9; Offb 6,11.

Das Zeichen an der Stirn und Hand im Alten Testament

Die Stirn des Menschen wird gelegentlich mit seinem Herzen in Verbindung gebracht. Harte Stirn gleich verstocktes Herz (Hes 3,7; Jes 48,4). Hand steht in der Regel für das Handeln des Menschen, aber auch für das Handeln Gottes (1Mose 5,29; Ps 102,26; 128,2; 1Kor 4,12).  Im AT finden wir einige Hinweise zu einem Zeichen an Hand und Stirn:

  • 2Mose 39,30: „Sie machten auch das Stirnblatt, den heiligen Kronreif, aus feinem Gold und schrieben darauf wie in ein Siegel geschnitten: »Heilig dem HERRN«.“ Dem Herrn geweiht, den Herrn gehörend.
  • 2Mose 13,9: „Darum soll es dir wie ein Zeichen sein auf deiner Hand und wie ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, damit des HERRN Gesetz in deinem Munde sei; denn der HERR hat dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.“ (2Mose 13,16).
  • 5Mose 6,4-8: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein,“
  • 5Mose 11,18: „So nehmt nun diese Worte zu Herzen und in eure Seele und bindet sie zum Zeichen auf eure Hand und macht sie zum Merkzeichen zwischen euren Augen.“

Bedeutungen solcher Merkzeichen:

  • Als Gedächtnisstütze zur Erinnerung an den EINEN wahren Gott.
  • Erinnerung an das erste und höchste Gebot.
  • Erinnerung an die wunderbare Rettung und Erlösung aus ägyptischer Sklaverei.
  • Als Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Gott.
  • Als Zeichen und Zeugnis für die Kinder.

Dabei ist dieses äußere Zeichen nur ein Hilfsmittel um Gottes Wort im Herzen zu bewahren und bewegen = Stirn und anzuwenden = Hand.

Doch wenn diese äußeren Zeichen bei den Israeliten auch eingehalten wurden, so sind sie doch mit ihrem Herzen immer wieder von Gott abgefallen und anderen Götzen nachgelaufen. Zur Zeit des Propheten Hesekiel griff Gott hart durch. Er brachte Gericht über die Bewohner Jerusalems und die Priesterschaft (Hes 9,5-6). Doch einen gläubigen Rest verschonte er.  So lesen wir: „Und der HERR sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen.“ (Hes 9,4).

Aber in jener Zeit verhieß Gott sein Gesetz in die Herzen zu schreiben. Dazu versprach er ein neues Herz und einen neuen Geist. „und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“  (Hes 36,25-27). Und durch den Propheten Jeremia verhieß Gott einen Neuen Bund (Jer 31,31-34). Dieser wurde von Jesus gestiftet (Mt 26,26ff). Spätestens jetzt wird klar, dass mit der Stirn der unsichtbare, innere und doch so reale Geist des Menschen gemeint ist. Die Stirn, dahinter das Gehirn, als physisch materielles Werkzeug für den Geist. Das Herz, nicht als Blutpumpe, sondern als Schaltzentrale unseres Empfindens , Denkens und Willens.

Das Zeichen der Versiegelung im Neuen Testament

Jesus und die Apostel verwendeten die äußeren Zeichen an Stirn und Hand nicht, doch sie predigten Umkehr im Denken und Handeln (Mt 4,17; Lk 8,15; Apg 2,37-38; 3,19; Röm 12,1-2; Phil 2,5).

Es gibt einige Hinweise im Neuen Testament zur Versiegelung durch den Heiligen Geist. Bereits Johannes der Täufer sagte von dem Messias: „der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Mt 3,11). Jesus verhieß den Heiligen Geist seinen Jüngern (Joh 14-16). Und vor seiner Himmelfahrt sagte Jesus: „denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden“ (Apg 1,5). Das erlebten die Jünger auch am Pfingsttag in Jerusalem und zwar in einem Privathaus. Damit begann die Versiegelung der Gläubigen im Rahmen des Neuen Bundes. Und nach ihnen auch etwa 3000 Menschen jüdischer Herkunft (Apg 2,1-18; 37-41). Doch auch Menschen aus den Nationen wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und damit versiegelt (Apg 8: in Samaria; Apg 10-11: in Hause des Kornelius in Cesarea; Apg;19:_in Ephesus; Gal 3,1-14: in Antiochien, Ikonium, Lystra und Derbe). Der Apostel Paulus schreibt an die Gläubigen in Ephesus, einer Gemeinde, die sich aus Juden und Nichtjuden zusammensetzte: „In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist,“ (Eph 1,13).  Oder: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.“ (Eph 4,30; In Römer 8,16 schreibt er_ „Der Heilige Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ Es ist also auch ein Merkmal der Zugehörigkeit zu Gottes Familie. Übrigens ist auch den Gläubigen des AT ihre Zugehörigkeit zu Gott bezeugt worden (Hebr 11,1.4.39). Dies entspricht der Versiegelung der Knechte Gottes in Offenbarung 7,1-8. Diese Versiegelung wird an jedem Menschen vollzogen, der durch den Glauben an Jesus Christus Vergebung seiner Sünden empfängt, erlöst wird und dadurch die Wiedergeburt erlebt (Joh 3,3-7; 2Kor 3,3; Tit 3,5). Sie wird abgeschlossen sein, wenn das Evangelium vom Reich Gottes allen Völkern verkündigt sein wird (Mt 24,14; Mk 13,13). Weitere Stellen zu der Versiegelung und den Versiegelten:

  • Offb 9,4: „Und es wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht Schaden tun dem Gras auf Erden noch allem Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.“ Doch die Versiegelten stehen unter Gottes Schutz.
  • Offb 14,1: „Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn.“
  • Offb 3,12: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.“ Offb 22,4: „und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein.“ Was für eine Auszeichnung und Aussicht!
  • Der Ap. Paulus ermutigt seinen Mitarbeiter Timotheus: „Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.“ (2Tim 1,14).

 

3.7.2 Die Aufzählung der Versiegelten aus den 12 Stämmen der Kinder Israels

(Bibeltext: Offb 7,4-8)

Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144 000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels. Aus dem Stamm Juda 12 000 Versiegelte, aus dem Stamm Ruben 12 000, aus dem Stamm Gad 12 000, aus dem Stamm Asser 12 000, aus dem Stamm Naftali 12000, aus dem Stamm Manasse 12 000, aus dem Stamm Simeon 12 000, aus dem Stamm Levi 12 000, aus dem Stamm Issaschar 12 000, aus dem Stamm Sebulon 12 000, aus dem Stamm Josef 12 000, aus dem Stamm Benjamin 12 000 Versiegelte.“ (Offb 7,4-8).

Nun hört Johannes die Zahl der Versiegelten. Während die erste Vision (1-3) eine Video / Audio Botschaft war, ist diese zweite nur eine Audiobotschaft. Wir gehen davon aus, dass es sich bei diesen Zahlen um symbolische Zahlen handelt, denn jede Deutung im matematisch / buchstäblichen Sinne, scheint weder logisch noch sinnvoll zu sein. Bei der Zahl 12 handelt es sich zunächst um die zwölf Stämme (nicht um die Stammväter als einzelne Personen) der Kinder Israel, aber auch um die zwölf Apostel des Lammes. Die Zahl Tausend kommt sehr oft in der Bibel vor und an einigen Stellen geht es einfach um eine nicht buchstäblich zu nehmende große Zahl (5Mose 7,9; 1Chr 16,15; Ps 50,10; 105,8; Jes 60,22; Dan 7,10).

Die vorhandenen Namenslisten der Söhne Jakobs zeigen Unterschiede auf, die keineswegs willkürlich sind. Nach menschlichen Kriterien hatte der Erstgeborene, aber auch der Erstgenannte in der Regel Vorrang. Die Kinder der rechtsmäßigen Frauen von Jakob hatten auch Vorrang vor den Kindern der Nebenfrauen. Anders ist es bei Gott, der nach seinen eigenen Kriterien bewertet, beurteilt und festlegt (siehe die 5. Spalte in der Tabelle).

1.Mose 29-30         1.Mose 49      2.Mose 1       1. Chronik 2    Offenbarung 7,4-8

  1. Ruben (Lea)        1. Ruben           1. Ruben          1. Ruben              1. Juda (Lea)
  2. Simeon (Lea)      2. Simeon         2. Simeon        2. Simeon           2. Ruben (Lea)
  3. Levi  (Lea)           3. Levi               3. Levi              3. Levi                  3. Gad (Silpa)
  4. Juda (Lea)           4. Juda              4. Juda            4. Juda                4. Asser (Silpa)
  5. Dan (Bilha)          5. Dan               5. Isaschar      5. Isaschar          5. Naftali (Bilha)
  6. Naftali (Bilha)      6. Naftali         6. Sebulon       6. Sebulon         6. Manasse (Asenat)
  7. Isaschar (Lea)      7. Isaschar       7. Benjamin     7. Dan                7. Simeon (Lea)
  8. Sebulon (Lea)       8. Sebulon       8. Dan              8. Josef               8. Levi (Lea)
  9. Josef (Rahel)        9. Josef             9. Naftali          9. Benjamin      9. Isaschar (Lea)
  10. Gad (Silpa)           10. Gad             10. Gad             10. Naftali          10. Sebulon (Lea)
  11. Asser (Silpa)         11. Asser           11. Asser            11. Gad               11. Josef (Rahel)
  12. Benjamin (Rahel) 12. Benjamin   Josef ist in       12. Asser            12. Benjamin (Rahel)                                                                  Ägypten

Einige Beobachtungen zu den Stammeslisten und mögliche Schlussfolgerungen. 

  • Nicht Ruben der Erstgeborene, sondern Juda führt in Offenbarung 7,4-8 die Stammesliste an. Dies wurde bereits von Jakob in seiner Segnung vorausgesagt (1Mose 49,1-4; 8-12). Diese führende Aufgabe des Stammes Juda zeigte sich bereits während der Wüstenwanderung, ebenso bei der Landverteilung (4Mose 2,3; Jos 15). Aus dem Stamm Juda kam der König David von dem Gott sagte: „er soll meinen Willen tun“ (1Sam13,14)  Diese führende Rolle des Stammes Juda mündet letztlich in der Person von Jesus als Messias / König (Mt 1; Lk 3; Hebr 7,14; Offb 5,5). In Betracht kommt noch der besondere Einsatz von Juda als Bürge für den jüngsten Sohn Benjamin. Auch Jesus ist Bürge geworden, allerdings bezahlte er mit seinem Leben für die Schuld aller Menschen (vgl. 1Mose 43,9; 44,32 mit Hebr 7,22).
  • Der Stamm Ruben rückt auf den zweiten Platz. Wegen seiner gräulichen Tat wurde ihm die Führende Aufgabe in Israel entzogen (1Mose 49,1-3). So spielte dieser Stamm in der Geschichte Israels keine besondere Rolle.
  • Die Stämme Gad und Asser, geboren von Silpa, Leas Magd, rücken in der letzten Liste nach oben (1Mose 49,19-20; 5Mose 33,20). Die Magd musste herhalten für den Ergeiz von Lea. Gott erhöht die Niedrigen. Auch ist der Stamm Asser im NT im Zusammenhang mit der Prophetin Hanna genannt (Lk 2,36).
  • Es folgt der Stamm Naftali, geboren von Bilha, Rahels Magd. Auch er wird in der letzten Liste den leiblichen Söhnen Rahels vorgezogen (1Mose 49,21; Jes 8,23; Mt 4,15).
  • Manasse ist der erstgeborene Sohn von Josef. Seine Mutter Asenat ist Priestertochter in Ägypten (1Mose 41,51; 48,5.15.20; Jos 17,7ff).
  • Es folgen die beiden Söhne von Lea, Simeon und Levi (1Mose 34,25-30; 49,5-7). Simeon bekam sein Erbteil im südlichen Teil des Stammesgebietes von Juda (Jos 19,1; 21,4). Er war aber auch zerstreut in Israel (2Chr 15,9). Der Stamm Levi hatte in Israel kein Erbteil bekommen. Er sollte am Heiligtum Dienst versehen, anstelle aller Erstgeborener in Israel (1Mose 49,4-7; 5Mose 10,8; 18,1; 4Mose 3,12). Doch im Reiche Gottes bekommt er sein Erbteil. Auch er ist im NT im Hebräerbrief genannt (Hebr 7,14). Barnabas war Mitarbeiter des Paulus aus dem Stamm Levi (Apg 4,36).
  • Isaschar und Sebulon, ebenfalls Söhne von Lea (1Mose 49,13-15; Jes 8,23; Mt 4,15).
  • Die Liste wird von Josef und Benjamin, zwei Söhne von Rahel, der Lieblingsfrau von Jakob abgeschlossen (1Mose 49,22-26;. 27). Josef, dessen Leben viele Parallelen zu Jesus aufweist. Auch er ist im NT erwähnt (Apg 7,9-22). Benjamin an letzter Stelle in den meisten Listen. Doch auch im NT ist der Stamm Benjamin in der Person des Ap. Paulus erwähnt (Phil 3,5). So wird diese in der Offenbarung von Jesus festgelegte Reihenfolge von den Stämmen Juda und Benjamin flankiert. Beide Stämme hatten ihre Stammesgebiete nebeneinander, Jerusalem und der Zionsberg verbanden die beiden miteinander.

Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass zwei Stämme fehlen. Efraim,  der jüngere Sohn von Josef, wurde doch bei der Segnung durch Jakob seinem älterem Bruder Manasse vorgezogen (1Mose 48,18-19). Und warum fehlt er in der Liste in Offenbarung, was könnten die Gründe dafür sein? Ist es weil Gott gesagt hat: „Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und das Haupt von Damaskus ist Rezin – und in fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien“ (Jes 7,8)? Lag es an Jerobeam, der als erster König des Nordreiches den Götzendienst eingeführt hatte (1Kön 11-14)? Doch bereits in der Richterzeit wurde in diesem Stamm der Götzendienst eingeführt (Richter 17). Aber auch der König Salomo hat zum Götzendienst in Israel beigetragen (Neh 13,26; 1Kön 11,1ff).

Und warum fehlt der Stamm Dan, des Sohnes von Bilha, Rahels Magd? Hat es damit zu tun, wie Rahel zu diesem Sohn kam, was ging dem voraus (1Mose 30,1ff)? Was bekam er von Jakob mit auf seinen Lebensweg? Jakob sagte seinem Sohn Dan  nichts Gutes voraus (1Mose 49,16-18). Als der Stamm Dan sein Erbteil ganz im Norden des Landes in Besitz nahm, führte er zeitgleich den Götzendienst ein (Richter 18,1-30). Dies bedeutet jedoch nicht, dass es in diesen beiden Stämmen niemand gab, der Gott die Treue gehalten hätte (2Mose 31,6; 35,34; Ri 13,2; 1Kön 18,4; Röm 11,4).

Doch wir erkennen, dass das Verhalten der Väter und Mütter Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen hatte. Sicher bezieht Gott alle diese menschlichen Schwachpunkte mit ein. Doch letztlich handelt er nicht nach Verdienst der Werke, sondern nach der Gnade dessen der beruft (2Tim 1,9). Unter diesen Gesichtspunkten kann die Stammesliste in Offb 7,4-8 gesehen werden. Sicher ist, dass die Versiegelten nicht nach menschlichen Kriterien (Fleisch und Blut) zu der auserwählten Schar gehören. Ebenso ist die Zahl nicht buchstäblich, sondern symbolisch zu deuten. Hatte doch Gott zu jeder Zeit seine 7000, welche ihre Knie nicht gebeugt hatten vor dem Baal. So klärt Gott den Propheten Elia darüber auf. Und der Ap. Paulus zitiert Gottes Worte in Röm 11,2-6: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht (1. Könige 19,10): 3 »Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen. Ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben«? 4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? (1. Könige 19,18): »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal.« 5 So geht es auch jetzt zu dieser Zeit: Ein Rest ist geblieben, der erwählt ist aus Gnade. 6 Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade.“

Schlussfolgerungen

  • Abraham ist Vater aller Glaubenden“ (Röm 4,1-17). Nach Röm 11,17-27 werden die Gläubigen aus den Nationen in den jüdischen Ölbaum eingepfropft und bilden am Ende zusammen mit den Gläubigen aus den Juden das ganze Israel (Röm 11,25). Vergleiche dazu auch Eph 2,11-21: „Christus hat aus zwei eins gemacht“; Eph 3,6: „ihr seid miteinverleibt und Teilhaber der Verheißung“; Gal 3,26-29: „da ist weder Jude noch Grieche …, sondern ihr seid einer in Christus. … Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben.“; Auch Petrus erinnert an Gottes Plan mit seinem Volk indem er aus 2Mose 19,6 zitiert: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums“ ; (1Petr 2,9). Denken wir daran, was Jesus in Johannes 10,16 gesagt hat: „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ Auf diese Weise wird erfüllt, was Gott durch seinen Messias verheißen hat (Jes 49,6: „er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“ Und in Mt 8,10-12 sagt Jesus: „Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“
  • Das Bild in Offb 14,1-5 zeigt die gleiche Schar der Versiegelten, wie auch in Kap. 7,3-8. Hier aber bereits vor dem Thron Gottes: „144000 auf dem Berg Zion, die erkauft sind von den Menschen“). Demnach steht die Zahl 144000 für die Vollständigkeit und Vollzähligkeit der Erlösten aus Israel und allen Nationen. Denn wenn es ein Israel nach dem Fleisch gibt, dann gibt es auch ein Israel nach dem Geist (Gal 6,16; Röm 3-4; 11,25).
  • Schauen wir noch die Bilder an, welche diese Gemeinde in der Neuen Schöpfung aus Offb 21,10-17 zeigen.  Die heilige Stadt, das neue Jerusalem ist die Braut des Lammes. Sie besitzt höchste Qualität und hat bestimmte Maße. In ihr sind sowohl die 12 Stämme Israels (Tore) als auch die 12 Apostel des Lammes (Grundsteine) integriert. (Eph 2,19-21; Hebr 11,14-16).

So wie es ein klares Zeichen der Zugehörigkeit zu Gott gibt, so gibt es auch ein deutlich erkennbares Zeichen bei denen, die auf der Seite des Tieres und des falschen Propheten stehen. Dazu detailliert im Abschnitt das Malzeichen des Tieres im 5. Teil.

3.7.3.Die unzählbare Schar der Erlösten vor dem Thron Gottes und des Lammes

(Bibeltext: Offb 7,9-17)

Johannes schreibt: „Nach diesem sah ich: Und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen.“ (Offb 7,9).

Die einleitenden Worte: „Nach diesem sah ich“ sind uns bereits bekannt. Während die Versiegelung der Knechte Gottes hier auf Erden vollzogen wird, bekommt Johannes Einblick in den himmlischen Bereich und darf die erlöste Schar in ihrer Vollendung voraussehen. Diese Schar wird wie folgt beschrieben:

  1. Aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Diese Aufteilung ist typisch im Buch der Offenbarung, wenn auch die Reihenfolge variiert (Offb 5,9; 7,9; 11,9; 13,7; 17,15).
  2. Sie ist unzählbar, auch diese Beschreibung für das Volk Gottes ist bereits vorausgesagt worden (1Mose 15,5; 22,17-18; 26,4; 2Mose 32,13; 5Mose 10,22; Jes 40,26; Mt 8,11; Lk 13,29; Hebr 11,12).
  3. Sie standen (im Kreis) vor dem Thron und vor dem Lamm (Offb 14,1-5; 15,2-4).
  4. Sie waren bekleidet mit weißen Gewändern (Offb 7,13; 3,4.18). Die Bedeutung dieser Bekleidung wird in Offb 19,8 mit „die Gerechtigkeiten der Heiligen“ beschrieben (Jes 61,10; Röm 4,11ff; 5,1).
  5. In ihren Händen hielten sie Palmzweige. Auch dieses Bild ist bekannt als Verzierung im Heiligtum (4Mose 33,9; 3Mose 33,40; 1Kön 6,29; Hes 41,18). Dass Jesus als der König Israels beim Einzug in Jerusalem ebenfalls mit Palmwedeln begrüßt wurde, erklärt zusätzlich die Freude der Erlösten über ihren König und Erlöser (Joh 12,13; 1Petr 1,8).

Was macht diese unzählbare Schar?

Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil (die Rettung ist bei) unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!“ Das ist das Bekenntnis der erlösten Schar, denn sie haben diese Rettung erlebt.

Danach stimmen die um den Thron stehenden Engel ihren Hymnus der Anbetung Gottes an. „Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an und sagten: Amen Den Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit[ Amen.“ Diesen Hymnus mit seinen sieben Strophen sprechen die Engel in einer demütigen und ehrerbietenden Haltung aus.

  1. Die Lobpreisung, das gr. Wort `ἡ εὐλογία – ¢ eulogia`. Von Gott ausgesprochen ist es eine Segnung, von Menschen Gott zugerufen, ist es ein Lobpreis
  2. Die Herrlichkeit `ἡ δόξα –  ¢ döxa` die Doxologie, eine konkrete Aussage oder Hymnus zur Verherrlichung Gottes.
  3. die Weisheit, `ἡ σοφία – ¢ sofia` Durch diesen Zuruf wird deutlich, dass wahrgenommen wird, wie Gott alles wunderbar durchdacht und geschaffen hat
  4. die Danksagung, `ἡ εὐχαριστία – ¢ eucharistia`  Es ist ein Ausruf mit Bewunderung. Es ist eine Beschreibung oder Wertung, `die gute Gnadengabe`.
  5. die Ehre, `ἡ τιμὴ – ¢ tim¢`. Den Blick auf Gott gerichtet, das Gelingen, den Erfolg Gott zuschreiben.
  6. die Kraft,ὶ `ἡ δύναμις – ¢  dynamis`.  In diesem Wort liegt Dynamik,die Kraft, das Vermögen, welche nicht versiegt, nicht erlahmt. das unbegrenzte Ausmaß der Möglichkeiten.
  7. die Stärke, `ἡ ἰσχὺς – ischys`. Die unbegrenzte Kraft, die Gott zur Verfügung steht.

Alle sieben Attribute sind jeweils mit dem `und` verbunden und enden in der Zuordnung zu Gott. Er hat sie, er ist so und dies wird von den Engeln wahrgenommen und öffentlich anerkannt und ihm zugerufen (ähnlich auch in Kapitel 5,11-12). Welch eine himmlische Vorausschau für Johannes.

Doch nun wird er einbezogen durch die zwei Fragen eines der Ältesten. „Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen? Die Antwort des Johannes erstaunt einerseits, doch bereits vor ihm haben andere Propheten Engelboten auf diese Weise angeredet (Sach 1,9). „Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.“

Was ist mit der großen Bedrängnis gemeint?

Doch zunächst zum Begriff selbst. Der gr. Begriff `θλίψεως – thlypse÷s`, wird in den deutschen Übersetzungen mit Trübsal, Drangsal oder Bedrängnis wiedergegeben. Es handelt sich dabei um Druck von außen, der ganz unterschiedliche Formen hat. Sehr viele Texte sprechen von Bedrängnis, doch für die Antwort auf unsere Frage suchen wir zunächst nach Texten, welche wörtlich und inhaltlich von großer Bedrängnis des Volkes Gottes sprechen.

  • In Daniel 12,1-2 wird gesagt: „Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelfürst, der für dein Volk einsteht. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. 2 Und viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“ Es stimmt überein mit den Aussagen von Jesus in Johannes 5,28-29. Diese Prophezeiung deutet auf das Ende hin, auf eine Bedrängnis, die die letzte noch lebende Generation treffen wird.
  • Und in Matthäus 24,21 lesen wir von Jesus: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ Die Ähnlichkeit mit Daniel 12,1-2 scheint hier offensichtlich zu sein (so auch in Mk 13,19-24). Allerdings wird dort zunächst von der großen ‚Bedrängnis gesagt, die im Zusammenhang der Zerstörung Jerusalems beschrieben wird. Lukas beschreibt dies mit „große Not und Zorn über dies Volk`“. Die Ergänzungen bei Lukas machen deutlich, dass diese große Bedrängnis sich zunächst auf die jüdischen Menschen in Jerusalem  bezieht. Dass Jesus diese Bedrängnis auch mit der Bedrängnis vor seinem Kommen verbindet ist auffällig: „Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren,“  Handelt es sich nun um zwei Bedrängnisse oder wird sich jene Bedrängnis bis zu seinem Wiederkommen hinziehen?,

Doch Jesus scheint zu unterscheiden zwischen Bedrängnissen, welche seine Nachfolger in der Zwischenzeit treffen werden und der oben genannten großen Bedrängnis, welche über Israel gehen wird und am Ende der Zeit das gesamte Volk Gottes treffen wird.

Die große Bedrängnis in Offenbarung 7,13 müsste demnach alle gläubigen aller Zeiten einschließen.

Nun schauen wir nach Texten, die von Bedrängnissen sprechen, welche Gottes Volk in der gesamten Zeit treffen werden::

  • Mt 5,10-11: “Glückselig die um Gerechtihkeit willen verfolgt werden“.
  • Mt 10,22: „Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen.“
  • Mt 24,9: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mk 13,13; Lk 21,12).
  • Joh 15,20-21: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen;“
  • Joh 16,2: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.“
  • Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes ich habe die Welt besiegt.“
  • Apg 8,1: „An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde[1] in Jerusalem“ (dazu auch 11,19).
  • Röm 5,3: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,“ (dazu auch Röm 8,35; 12,12).
  •  2Kor 1,4: „der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.“ (2Kor 2,4; 4,17; 6,4).
  • 2Thes 1,4-6: „sodass wir selbst uns euer rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures Ausharrens und Glaubens in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet; 5 ⟨sie sind⟩ ein Anzeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr des Reiches Gottes gewürdigt werdet.“
  •  Offb 1,9: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“ (dazu auch Offb 6,9-11; 12,11; 20,4-6; 20,7-9).

Dies kann bedeuten, dass alle Gläubigen zu ihrer Zeit ein von Gott zugemessenes und begrenztes Maß an Bedrängnis erleiden werden.

Sie haben ihre Gewänder hell gemacht im Blut des Lammes

Für diese Bekleidung steht im Griechischen das Wort `Stolas`  (Offb 6,11; 7,9.13.14; 22,14). Eine Stola ist ein langes Festgewand. Auffallend ist die Wirkung des Blutes, es macht weiß.

So schreibt Johannes in seinem 1. Brief: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1Joh 1,7). Weitere Stellen: Hebr 10,19; Eph 2,13; Hebr 9,13-14; 10,19; 13,12; Offb 1,6; 1Petr 1,2.

„Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel“ Eigentlich gibt es dort keinen Tag / Nachtwechsel. Der Dienst wird ununterbrochen ausgeübt. „und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen (zelten). 16 Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut; 17 denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie hüten und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“

Was erwartet dort die Überwinder und was gibt es dort nicht mehr?

  • Tränen: Jes 25,8: „Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt“ (dazu auch Ps 126,5; Jes 25,8; Lk 7,38.4;.Apg 20,19; Hebr 5,7.
  • Wasserquellen: Jes 49,10: „Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.“ (Ps 23,1ff; Offb 21,6; 22,1.17).
  • Manna: „Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.“  (Ps 17,15; Offb 2,17).
  • Keine Hitze: Jes 49,10: „Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.“ Jes 35,10: „Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“  (dazu auch Jes 4,6; Jer 17,8).

Welch eine Ermutigung für die bedrängte Gemeinde hier auf Erden!

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DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI – 1. TEIL

DIE OFFENBARUNG JESU CHRISTI

 

„welche ihm Gott gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was schnell geschehen muss“

Vorwort

Zu allen Zeiten bewegte dieses letzte Buch der Bibel die Christen. Die Motivation für mich ist, darin Jesus zu begegnen, seine Sicht der himmlischen und irdischen Welt kennen zu lernen. Ebenso motivierten mich die vielen Fragen von Christen im Rahmen des Gemeindedienstes in Pforzheim Büchenbronn. Das Ziel ist, eine klare Position zu beziehen für Jesus, seine Gemeinde und sein Reich. Ganz bewusst sind viele Bibeltexte ausgeschrieben, damit die Zusammenhänge der biblischen Wahrheiten nachvollziehbar und verständlich werden. Das `wir` in der Bibelstudie hebt hervor, dass Gedanken und Anmerkungen von verschiedenen Personen, welche an dieser Bibelstudie teilgenommen haben im Text eingeflossen sind. Ebenso sind Erkenntnisse von Auslegern, die bereits viel vorgearbeitet haben in diese Arbeit mit eingeflossen. Auch diese Bibelstudie ist und bleibt unvollständig und bedarf der Revision. Ich bin für jede Kritik oder Anmerkung dankbar, denn dies trägt entweder zur Korrektur oder der Festigung bei.

1. Teil: Die letzte Botschaft Jesu an seine Gemeinde

Einleitung

Das letzte Buch des Neuen Testamentes bildet auch das letzte Buch der gesamten Schriftoffenbarung Gottes. Es weist Parallelen auf zum 5. Buch Mose, dem Abschluss der Thora (vgl. Offb 22,18 mit 5.Mose 4,2 und Joh. 20,30-31 als Abschluss der Evangelien), Die Offenbarung ist ein prophetisches Buch, sie enthält aber auch Briefelemente, Grußworte, Segenswünsche. Die Offenbarung ist auch klar verortet, die Insel Patmos und die kleinasiatischen Gemeinden. Der Inhalt dieses Bilderreichen Buches kann nur im Kontext der gesamten Bibel verstanden werden. Die Hautperson ist Jesus Christus, der in der Vollmacht seines Vaters redet und handelt. Ihm zur Seite stehen der Heilige Geist und alle himmlischen Geistwesen. Neben vielen Zahlensymbolen fällt die Zahl sieben auf (etwa 50 Mal). Daher kann das gesamte Buch auch in sieben Teile von unterschiedlicher Textlänge eingeteilt werden. Die Struktur des Buches ist grundsätzlich chronologisch, sie beginnt mit der Thronbesteigung von Jesus und endet mit seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Doch werden im Buch mehrere parallel verlaufende Bilderreihen dargestellt, die dieselbe zeitliche Periode umfassen und zwar unter verschiedenen Perspektiven. Zum Beispiel Kapitel 6 endet mit dem Weltgericht, ebenso Kapitel 11, 19 und 20. Es handelt sich dabei nicht um verschiedene Endgerichte, sondern jedes Mal werden andere Aspekte des einen Weltgerichtes gezeigt.

Der erste von den 7 Abschnitten (1. Teil) umfasst Offenbarung 1,1-3,27. Darin wird hervorgehoben um wen es geht und welches das zentrale Thema des Buches ist. Und so beginnt sie, die Offenbarung:

Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan,  der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. (Offb 1,1-2).

Die allgemein bekannte Überschrift `Offenbarung des Johannes` ist nicht Teil des Textes. Der Genetiv macht klar, dass diese Offenbarung Jesus Christus gehört. Er ist das Hauptthema dieses Buches, er, als der Lebendige, siegreiche König und Herr. Er bringt Gottes Heilsplan zur Vollendung.

1.1 Die Offenbarung – von wem ist sie und für wen ist sie bestimmt?

Das gr. Wort `κάλυμμα – kalymma` bedeutet Decke. Die Decke über der Stiftshütte (2Mose 26,14). Die Decke Moses (2Mose 34,33 und 2Kor 3,15-16). Die Wolke bedeckte/verhüllte die Stiftshütte (2Mose 40,34). Die Bedeutung der Aussage von Jesus über sein Leiden blieb den Jüngern verhüllt (Lk 9,45). In Lk 12,2 sagt Jesus: „es ist nichts ver-hüllt, was nicht ent-hüllt würde“. Die Vorsilben bei  diesen Verben bestimmen, ob das Objekt erkennbar ist oder nicht, ob eine Aussage verstanden wird oder nicht. Das gr. Substantiv `άποκάλυψις. apokalypsis` kann demnach mit Enthüllung übersetzt werden. Die Vorsilbe `άπο – apo` nimmt die Decke weg, sie deckt auf, so dass das Verdeckte zum Vorschein kommt (Mt 11,25-27; 16,17; Lk 10,21; 1Kor 2,10; Gal 1,12.16; Phil 3,15). Im Kontext von Offenbarung 1,1 werden Dinge enthüllt, die bis dahin in Gott verborgen waren. Bis auf eine Aussage in Offb 10,4 (was die sieben Donner geredet haben) soll Johannes nichts versiegeln,  sondern aufschreiben, also offenbaren, enthüllen. Damit ist das letzte Buch der Bibel ein offenbartes Buch. Jesus, das Lamm Gottes war allein würdig es zu enthüllen (Offb 5,5).

Gleich zu Beginn stellt sich die Frage, ob Jesus bereits wusste, was in der versiegelten Buchrolle an Inhalt verborgen war? Diese Frage stellt sich wegen der Formulierung: „(…) die Gott ihm gab“.

  • Es heißt nicht „die Gott ihm enthüllte“, sondern, „die Gott ihm gab“.
  • Es heißt nicht, um ihm (Jesus) zu zeigen, was bald geschehen muss, sondern, „um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss“(die gleiche Formulierung wird in Offb 22,6 wiederholt).

Die darauf folgende Aussage lautet: „und er (Jesus) hat sie seinem Knecht Johannes kundgetan“. Das gr. Verb `ἐσήμανεν – es¢manen` kommt noch in Apg 11,28 vor. Dort deutete (es¢manen) der Prophet Agabus eine Hungersnot an. (weitere Stellen, in denen dieses Verb verwendet wird: Apg 25,27: „… ohne die Schuld anzudeuten“; Joh 12,33: „damit deutete Jesus an …“ „…(so auch in Joh 18,32); Joh 21,19). Siehe auch die Bedeutung des altgr. Wortes `σημαίνειν – sēmaínein` in Wikipedia. Damit hat Jesus die Offenbarung nicht nur kundgetan im Sinne der Übermittlung, sondern auch im Sinne der Deutung (Offb 1,19-20: Kap 2-3 und 5). Jesus, als Mitschöpfer (Joh 1,1-3; Kol 1,15ff; Hebr 1,1-3) und Mitgestalter der Geschichte hatte auch Einblick in das Weltgeschehen bevor er von seinem Vater die Vollmacht zur Enthüllung bekam (Joh 1,18; Mt 11,25-27; 24,1-25,46; 28,18; 1Kor 10,4; 15,25; Offb 5,5ff).

Die Aussage: „seinen Knechten zu zeigen was bald geschehen muß“ erinnert an Amos 3,7: „Gott der HERR tut nichts, er offenbarte (apokalypssē) denn seinen Ratschluss seinen Knechten, den Propheten.“ Die Bezeichnung `Knechte – δούλοις – doulois` ist eine typische Anrede der Gläubigen in der Offenbarung. Selbst Johannes, der Apostel und Jünger, den Jesus liebte, wird so in der Einleitung bezeichnet (Offb 1,1b). Mindestens 11 Mal kommt diese Bezeichnung in diesem Buch vor und bezieht die Gläubigen aller Zeiten mit ein, auch die Engel (1,1; 2.20; 6,11; 7,3; 10,7; 19,2.5.10; 22,3.6.9). Dabei handelt es sich um einen Ehrentitel, wie wir es bereits aus den Apostelbriefen kennen (Röm 1,1; Tit 1,1 Jak 1,1; 2Petr 1,1; Jud 1,1). Im Gegensatz zum Umgang der weltlichen Herrscher mit den Sklaven, ist die Beziehung von Gott dem HERRN zu seinen Untertanen eine von Fürsorge geprägte. Die Untertanen  ihrerseits dienen ihrem HERRN  freiwillig und mit Freuden (Lk 1,38; Mt 25,21-23; Röm 6,22; 12,11; Gal 1,10; Kol 3,24; 4,12; 1Petr 2,16). Das Ganze geht zurück auf die Anweisung Gottes in Bezug auf Sklaven, die aus freiem Willen ihrem Herrn lebenslang dienen wollen (2Mose 21,1ff). Selbst Jesus als HERR und KÖNIG, erniedrigte sich und nahm die Gestalt eines Knechtes (wörtl. Sklaven) an (Jes 53,10-12; Hes 34,24; 37,24-25; Joh 13,14; Phil 2,7). Es tut uns gut, diese Ebene der Beziehung zu unserem Herrn neu zu erkennen und unser Verhalten entsprechend zu korrigieren.

Eine weitere Besonderheit bildet der griechische Ausdruck `ἐν τάχει – en tachei`,  welcher im Buch acht Mal vorkommt (1,1; 2,16; 3,11; 11,14; 22,6.7.12.20). Am Anfang und am Ende wird er besonders hervorgehoben. Ins Deutsche wird dieses Wort mit `bald, in Bälde, in kürze, rasch, schnell, in Schnelligkeit` übersetzt. Der Ausdruck `en tachei` beschreibt mehr das `wie` etwas oder jemand eintrifft und seltener `wann` sich etwas ereignet. Unser Wort Tachometer enthält diesen Begriff. Beispiele: Offb 11,14: „das dritte Wehe kommt schnell“;  Lk 15,22: „Schnell bringt das beste Kleid“; Apg 17,15: „schnellstens zu ihm kämen“; Apg 22,18: „beeile dich und in Schnelligkeit verlasse Jerusalem)“. Weitere Stellen: Lk 18,8; Joh 11,29.31; 13,27; 20,4; 2Thes 2,2; 1Tim 3,14; 5,22; 2Tim 4,9; Jak 1,19; 2Petr 2,1.

Den Hinweis über Johannes in der Einleitung: „der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah“, schrieb Johannes im Rückblick auf, nachdem er die Offenbarung bekommen hatte. Betont wird sein Zeugnis von Jesus Christus, alles was er sah. Es ist sehr auffällig, dass Johannes diese Enthüllung in Form von Visionen bekam. Er sah Bilder, oft in Bewegung (Offb 1,2.12.17; 4,1; 5,1.2.6.11; 6,1.2.5.8.9.12; 7,1.2.9; 8,2.13; 9,1.17; 10.1.5; 13,1.2.3.11; 14,1.6.14; 15,1.2.5; 16,13; 17.3.6; 18,1; 19,11.17.19; 20,1.4.11.12; 21,1.2.22 – 47 Mal, andere Zählung 53 Mal). Diese Bilder wurden ihm durch einen Engel (oder von Jesus selbst) gezeigt und erklärt (Offb 1,17-20; 4,1; 17,1; 21,9-10; 22,1).

Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe.

Es ist die erste von sieben Seligpreisungen in diesem Buch. (1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14). Der griechische Begriff `μακάριος – makarios` ist uns von den Seligpreisungen aus Matthäus 5,1-11 wohl vertraut. Dort und auch hier geht es um einen Zuspruch, der in Kraft kommt oder einhergeht beim praktizieren der Aufforderungen – lesen, hören und bewahren

 

Abbildung 2 Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Wunderbar hat der Schöpfer das menschliche Gehör geschaffen. Und er will gehört werden. Die Reihenfolge ist: Zuerst hören, dann gehorchen. (Zeichnung: 2016)

Diese drei Tätigkeiten beziehen sich vordergründig auf die Worte der Weissagung (der Prophetie) dieses Buches, doch haben sie auch allgemeine Gültigkeit. Lesen konnten nicht alle, es musste vorgelesen werden. Doch alle sollten hören, zuhören, hinhören Offb 2,7.11.17.29; 3,6.13.22; 13,9; Mt 11,15; 13,9.43; Lk 14,35). Und alle sind aufgefordert zu bewahren, halten, festhalten. Jesus sagte: „Glückselig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ (Lk 11,28; auch Mt 28,19; Offb 3,3.10.11; 22,9).

Prophetie ist hier im umfassenden Sinne zu verstehen. Im Rückblick auf die Vergangenheit wird in der Gegenwart gesprochen und die Zukunft enthüllt. Begründet werden diese Aufforderungen mit der Aussage: „denn die Zeit ist nahe“. Hier wird der griechische Zeitbegriff `καιρὸς – kairos ` verwendet (ebenso in Offb 22,10). Doch was meint Jesus mit diesem Zeitbegriff?

  • Der kairos wird häufig von Gott her definiert, weil er die Zusammenhänge kennt und die richtige Einordnung eines oder mehrerer Ereignisse in den chronos  einfügt. (Mk 1,15; Mt 26,18). Einfach ausgedrückt – Gott hat seinen eigenen Kalender, nach den er sich richtet (1Tim 6,15: „zu seiner Zeit“) so auch Jesus (Joh 7,7: „meine Zeit ist noch nicht da“).
  • Der kairos drückt manchmal eine nicht klar definierte Zeitspanne oder Zeitpunkt aus (Offb 12,14: „wo sie ernährt werden sollte eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“; so auch in Dan 7,25; 12,7; Lk 21,24: „und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind“; 1Tim 4,1: „in den letzten Zeiten“).
  • Der kairos steht für die Qualität der chronos, wie die Geschehnisse sind (Jes 49,8: „Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen“; Lk 19,44: „weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist“; Apg 14,17: „vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben“; 2Tim 3,1: „in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden“).
  • Der kairos  von Gottes Sicht aus unterscheidet sich von dem kairos der Menschen (Joh 7,6) oder gar vom kairos des Feindes (Lk 4,13).

Denn die Zeit (kairos) ist nahe“. Das meint, die von Gott vorausgesehenen oder auch festgelegten Abläufe der geschilderten Ereignisse werden nicht lange auf sich warten lassen, sondern exakt nach dem Zeitkalender Gottes eintreffen (1Petr 4,7; 1Joh 2,18). Es ist sinnvoll über die Bedeutung der verschiedenen Zahlenangaben in der Offenbarung nachzudenken, doch eignen sie sich nicht für Berechnungen zur Wiederkunft Jesu.

1.2 Verfasser und Grußworte an die sieben Gemeinden

Und nun kommen die Grußworte an die sieben Gemeinden mit grundsätzlichen Aussagen über Gott den Vater, über den Heiligen Geist und Jesus Christus.

Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern vor Gott und seinem Vater, dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb 1,4-6).

Bereits zum zweiten Mal wird der Name des Johannes genannt. Ja, hier stellt er sich selber mit Namen vor (so auch in 1,9 und 22,8). Er ist der Sohn des Zebedäus und der Salome, von Beruf Fischer, später Jünger und Apostel von Jesus Christus. Er hatte eine andere Lebensgeschichte als sein Bruder Jakobus. Jener wurde bereits im Jahre 44 n. Chr. von Herodes Agrippa II in Jerusalem mit dem Schwert getötet (Apg 12,1f). Die letzte Erwähnung vom Aufenthalt des Johannes in Jerusalem ist während der Apostelversammlung (Apg 15; siehe auch Gal 2,7-10), Dies war etwa im Jahre 48 n.Chr. Unter welchen Umständen und wann Johannes Jerusalem verlassen hatte, ist nicht bekannt. Doch es entsprach dem Auftrag von Jesus (Apg 1,8). So wirkte Johannes in seinen späteren Dienstjahren in der römischen Provinz Asia (heute Westtürkei), wahrscheinlich in Ephesus und Umgebung. Während sein Evangeliumsbericht und die drei Briefe in einem einfachen und auch leicht verständlichen Griechisch geschrieben wurden, gilt doch das Buch der Offenbarung als das Schwerverständliche.

Die sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asia werden später namentlich vorgestellt. Doch bereits hier ist eine bestimmte Vorgehensweise Gottes erkennbar. Gott, der Vater gibt die Offenbarung an Jesus seinen Sohn (Offb 1,1a), bzw. die Vollmacht diese zu enthüllen Offb 5,5). Jesus bezieht  einen Engel ein, um diese Offenbarung an Johannes, den Jünger und Apostel zu übermitteln. Und Johannes soll sie in schriftlicher Form an die Gemeinden senden. Gott ist nicht Alleinakteur, er bezieht ein und zwar sorgfältig der Reihe nach in gewisser Staffelung. So werden alle beteiligt an der Verwirklichung des Willens Gottes. Doch einige Textpassagen am Anfang und Ende, sowie die Bewertung der sieben Gemeinden teilt Jesus seinem Jünger direkt mit (Offb 1,16-20; 2,1-3,22; 22,12-20).

Die Segenswünsche: Gnade und Frieden sind uns bekannt aus den Begegnungen von Jesus mit seinen Jüngern (Lk 24,36; Joh  20,19.21.26). Sie sind uns vertraut auch aus den Briefen der Apostel (Röm 1,7; 1Kor 1,3; 2Kor 1,2; Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; 2Thes 1,2; 1Tim 1,2). Gnade und Frieden sind Ausdruck göttlicher Wesenszüge mit denen sich der Vater und der Sohn und der Heilige Geist seinen Kindern zuwenden (Röm 15,33; 16,20; 1Kor 11,33; 13,11; Phil 4,9; 1Thes 5,20; 1Petr 5,10). Diese Grüße kommen von dem dreieinen Gott.

1.2.1 Von dem der ist und der war und der Kommende

Es ist Gott, der ewig Seiende (Offb 1,8; 4,8). Und wir werden  erinnert an 2Mose 3,14-16 wo Gott sich dem Mose als der `Ich bin – JaHWeH vorstellt.

1.2.2 Und von den sieben Geistern, die vor dem Thron stehen

Die Zahl 7 ist in diesem Text nicht buchstäblich, sondern symbolisch zu verstehen. Sie umschreibt die göttlich / geistliche Vollkommenheit, Vollständigkeit aber auch Vielseitigkeit der Charakterzüge und Dienste des einen Heiligen Geistes Gottes. Zunächst suchen wir nach ähnlichen Umschreibungen in den Texten des Buches der Offenbarung. Danach suchen wir nach Hinweisen aus den übrigen Schriften.

  • Offb 4,5: „und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind“. Achten wir darauf, dass hier die sieben Geister Gottes vor dem Thron sind und bildhaft durch 7 Feuerfackeln dargestellt werden.
  • Offb 3,1: „Dies sagt der, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat“. Die sieben Geister Gottes in der Rechten von Jesus bedeutet, dass er der Auftraggeber ist und sie die Ausführenden.
  • Offb 5,6: „Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.“ Hier gehen  die sieben Geister Gottes vom Lamm (das inmitten des Thrones ist) aus zum Dienst über die ganze Erde.
  • Sach 4,10: „Die werden doch mit Freuden sehen den Schlussstein in Serubbabels Hand. Jene sieben sind des HERRN Augen, die alle Lande durchziehen.“ (vgl. mit Sach 3,9).

Es handelt sich hier um eine Bildersprache, denn nirgendwo in der Schrift werden real existierende sieben (Heilige) Geister Gottes erwähnt. Immer ist es `der Geist Gottes, der Geist des Herrn, der Heilige Geist`. Denn in 1Kor 12,11 schreibt der Ap. Paulus: „Dies alles aber wirkt derselbe eine (Zahlwort) Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.“

Doch woher und wozu das Bild von den sieben Geistern? Es gab einen wichtigen Gegenstand im vorderen Teil des Heiligtums der Stiftshütte. Und dieser könnte die Formulierung `sieben Geister Gottes` erklären helfen. Während im Allerheiligsten die Bundeslade mit dem Sühnedeckel stand, befand sich an der rechten Seite (der Nordseite)  der Schaubrottisch (Sinnbild für Jesus, das Brot des Lebens Joh 6,35.48). Auf der linken Seite (der Südseite) stand der siebenarmige goldene Leuchter. Dieser musste täglich mit frischem, reinem Olivenöl gefüllt werden und durfte nie verlöschen (2Mose 25,31-34; 27,20). Dass das Öl in der Bibel  ein Sinnbild für den Heiligen Geist ist, wird durch folgende Textstellen bestätigt: Jes 61,1; Apg 10,38;1Joh 2,20.27. Der siebenarmige goldene Leuchter wurde aus einem Stück geformt und damit könnte er als eine Erklärung dienen für die Vision von den sieben Fackeln, sieben Augen und sieben Geistern Gottes in den Texten der Offenbarung. (ähnlich wie in Sach 4,1-6)

Eine auffällig vielseitige Beschreibung der Wesenszüge und Eigenschaften des Geistes Gottes wird in Jesaja 11,1-3 beschrieben: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN.“ Viermal wird in diesem Text `der Geist des Herrn` genannt und in drei Zweiergruppen werden seine Wesenszüge oder Eigenschaften beschrieben. Manche Ausleger sehen hier sogar eine siebenfache Beschreibung des einen Geistes Gottes.

Auffallend ist auch, was Jesus über die vielfachen (mindestens sieben) Tätigkeiten des Heiligen Geistes sagt:

  1. „(…) und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Joh 14,16; vgl. Mt 3,11b mit Apg 1,4-5; 2,1-4; Eph 1,13).
  2. „(…) den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ (Joh 14,17; 7,37).
  3. „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14,26; dazu auch Lk 12,12).
  4. Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.“ (Joh 15,26; 1Petr 1,11).
  5. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“ (Joh 16,8-11).
  6. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“ (Joh 16,13). Merken wir den engen Zusammenhang zwischen Jesus dem Sohn (dem Lamm aus Offb 3,1; 4,5; 5,6) und dem Geist Gottes?
  7. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.“ (Joh 16,14-15).

Was Jesus den einzelnen Gemeinden zu sagen hat (Offb 2-3) wird von ihm verstärkt mit: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“. So umfassend ist der Dienst des Heiligen Geistes.

1.2.3 Und von Jesus Christus

  1. welcher ist der treue (glaubwürdige) Zeuge“ Die gr. Begriffe: ` ὁ μάρτυς, ὁ πιστός – o martys o pistos` ist der Zeuge (auch als Märtyrer oder Blutzeuge) und er ist der treue, der glaubwürdige, der wahrhaftige, der zuverlässige Zeuge Gottes für die Welt und auch für seine Gemeinde..(Offb 22,16; Jes 55,3-5 mit Apg 13,32-33; Joh 1,18; 7,7; 8,14.38; 15,15; Mt 17,5),
  2. der Erstgeborene aus den Toten“ Der gr. Begriff ` πρωτότοκος –pr÷totokos` setzt sich aus den Wörtern: `Erster und Geborener` zusammen. Auf Jesus bezogen, meint in diesem Textzusammenhang, dass er der Erste ist, der aus dem physischen Tod in einem verherrlichten Körper auferstanden ist, also Geburt = Auferstehung. Folgende Stellen bestätigen dies göttlichen Vorgang bei Jesus: Kol 1,18: „Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei.“ (Röm 8,,29; Ps 2,7 mit Apg 13,32-33; 1Kor 15,22-23; Phil 3,20-21),
  3. Der Fürst der Könige auf Erden“ Jesus ist der `ὁ ἄρχων – o arch÷n – der Erste, der Fürst`. Dem entgegen steht der Fürst (o arch÷n) dieser Welt (Joh 12,30-31; 14,30; 16,11). Doch diesen hat Jesus besiegt. Demnach ist Jesus als der Sohn wie auch der Vater „KÖNIG der Könige“ Offb 17,14; 19,16; 1Tim 6,15-17; Ps 72,8; Jes 11,10; mit Röm 15,12; Dan 2,21; 7,13-14; Sach 9,9-10; Joh 18,37; Eph 1,21). Wer ist gemeint unter der summarischen Zusammenfassung „die Könige der Erde“? Folgende Texte machen deutlich, dass damit die verschiedenen Herrscher dieser Welt gemeint sind (Mt 17,25; Ps 2,1-2 mit Apg 4,26-27; Offb 6,15; 17,.2.18; 18,9; 19,19).
  4. Ihm, der uns liebt (der Liebende uns)“ Die grammatische Form im Griechischen hebt die Beständigkeit der Liebe Jesu hervor. Die Jünger haben ihn so erlebt (Joh 13,1; 15,9.13; Eph 5,25-26),
  5. Und uns erlöst hat von unseren Sünden durch sein Blut“. Die Rettung des Menschen aus dem geistlichen Tod und der Gottferne wird durch Erlösung erwirkt (1Mose 3,21; Eph 1,7; 21ff). Der Preis für die Erlösung ist sehr hoch, es kostete Leben. Das Blut steht für Leben (1Mose 9,3-4). Blut auf dem Altar steht für Sühnung (3Mose 17,11 mit Hebr 9,12; Mk 10,45; 1Kor 5,7; Kol 1,20; 1Joh 2,1-2; Offb 5,9; 7,14; 14,3-4). In diesen Texten wird in Kürze das gesamte Erlösungswerk Christi zusammengefasst und begründet.
  6. Und uns zu einem Königreich (βασιλείαν – basileian – Königtum) (zu) Priestern gemacht hat vor Gott seinem Vater.“ Das `mit-regieren` mit Christus in seinem Königreich (bereits auf dieser Erde) ist fester Bestandteil der Kinder Gottes. Doch dieses `mit-regieren` ist an das `mit-leiden, mit-erdulden` geknüpft (2Tim 2,12; Offb 1,9; 5,10; 20,4-6). Das `mit-regieren` hat zwei Seiten. Zum einen ist es auf das herrschen über die Sünde ausgerichet (1Mose 4,7: „du aber herrsche über sie, behaupte dich gegen sie“). Es bedeutet auch das beherrschen des sogenannten `sündigen Fleisches` (Röm 8,3; 1Kor 9,27; Gal 5,17). Es bedeutet jedoch nicht das beherrschen der Menschen. Auf der anderen Seite bedeutet es die Anwendung der Reichsgottesprinzipien gegenüber den Menschen (auch den Mächigen dieser Welt) entsprechend der Art und Weise von Jesus (Joh 18,33-37; 19,11; Lk 23,7-12). Es bedeutet auch den Kampf gegen die finsteren Mächte des Satans und seiner Dämonen (Mt 4,4-11; Eph 6,11-17).
  7. Und uns zu einem Königreich (zu) Priestern (ἱερεῖς – iereis) gemacht hat vor Gott seinem Vater.“ Das `mit-regieren` ist zwar fester Bestandteil der Kinder Gottes, doch diese göttliche Art des Regierens steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem allgemeinen Priesterdienst des Volkes Gottes (vgl. 1Petr 2,9 mit 2Mose 19,5-6; Jes 61,6-10; Röm 15,16; 1Kor 5,20; Kol 4,12; Eph 6,20; 2Kor 1,11; 1Tim 2,1). Die Gläubigen an Jesus sind berufen für einander und diese verlorene Welt vor Gott in der Fürbitte einzutreten.
  8. Hymnus

Dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!

Dies ist der erste von sieben Hymnen in diesem Buch (Offb 4,8-9; 10-11; 5,8-14; 7,10-12; 15,3-4; 19,1-7). In diesem Hymnus wird die Herrlichkeit und Gewalt Gottes besungen für alle Ewigkeit und mit dem Amen, d. h. so ist es,  bekräftigt. Es gilt dem Vater, dem Heiligen Geist und Christus dem Sohn. Welch eine Würdigung des EINEN wahren Gottes!

1.2.4 Die Ankündigung der Wiederkunft von Jesus

  • „Siehe, er kommt mit den Wolken,“  (Offb 1,7a). Dieses große Ereignis mit der Begleiterscheinung (Wolken) ist von Jesus selbst vorausgesagt worden. (Mt 24,30; 26,64; Mk 14,62; ebenso von den himmlischen Boten Apg 1,11; und von Ap. Paulus 1Thes 4,17).
  • „und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben,“ (Offb 1,7b). Niemand wird bei der Ankunft des Menschensohnes fehlen, alle werden dabei sein. Dies setzt die allgemeine Auferstehung der Toten voraus (Joh 5,27-29; Mt 13,41; 25,31ff; Sach 12,10 mit Joh 19,37; 11-15; Mt 24,31  Offb 6,12-17; 11,18; Offb 20).
  • „und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ (Offb 1,7c). Das Wehklagen erstreckt sich auf alle, die das Angebot der Rettung durch Jesus nicht angenommen haben. (Offb 6,15-16; Mt 13,42.50; 24,30; Lk 13,28; 23,30). Die Wiederkunft von Jesus und das damit verbundene Weltgericht bilden den Abschluss dieser Weltgeschichte.
  • Ja, Amen!“ Das hebräische Amen unterstreicht die Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit der vorangegangenen Aussagen.

1.2.5 Die Selbstbezeichnung Gottes

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb 1,8).

Der, auf den sich das A und das O (Alpha und Omega) bezieht, der ist auch der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb 1,4; 4,8). Es ist richtig, diese Umschreibungen zuerst auf Gott den Vater zu beziehen. Schauen wir uns diese  und ähnliche Aussagen der Heiligen Schrift genau an.

  • Jes 44:,6:So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott.“ Im Kontext der Vielgötterei hebt Gott seine  Einmaligkeit hervor. (vgl. Jes 41,4; Joh 17,4: „dass sie dich, der du allein wahrer Gott bis und den du gesandt hast – Jesus Christus erkennen“). Siehe auch das Sch`ma Israel (5Mose 6,4; Mk 12,29; Eph 4,3-6). Damit wir diese Aussage klar verstehen – der Erste ist gleichzeitig auch der Letzte, vor dem Ersten gab es keinen und nach dem Letzten wird es keinen geben.
  • Jes 48,12: „Höre auf mich, Jakob, und Israel, mein Berufener! Ich bin, der da ist, ich der Erste, ich auch der Letzte.“ Die Formulierung: „Ich bin, der da ist“ erinnert an 2Mose 3,14-16 – der Eigenname Gottes als der SEIENDE. Damit bezeichnen die Worte `Erster und Letzter` seine Ausschließlichkeit und sein immer währendes SEIN.
  • Offb 1,8: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ Diese und die Jesaja Aussagen kommen von höchster Instanz. Aber gelten sie nicht auch dem Sohn? Ist er nicht gerade vom Vater mit allen Vollmachten ausgestattet worden? (Mt 11,25-27; Joh 17,2-4; Mt 28,17-18; 1Kor 15,25). Wenden wir uns nun den weiteren Texten aus der Offenbarung zu.
  • Offb 1,17-18: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in die Ewigkeiten der Ewigkeiten und habe die Schlüssel des Todes und des Hadesch.“
  • Offb 2,8: „Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde:“ Der Sohn (als der Menschensohn) war tot und wurde wieder lebendig. Doch was Gott der Vater für sich in Anspruch nimmt (Jes 41,4; 44,6; 48,12), bezieht Jesus (als präexistenter Sohn Gottes) auch auf sich. Was für eine Würde für den Sohn!
  • Offb  21,6: „Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Der auf dem Thron sitzende sagt, wer er ist und was er tun wird. Dies erinnert auch an die Aussage aus Offb 7,17 und an das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,13-15; und auch an Joh 7,37; 5,19).
  • Offb 22,13: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ In Kapitel 22, ab Vers 12 spricht Jesus von seinem schnellen Kommen und auch die folgenden Aussagen (einschliesslich Vers 13) stammen von ihm. Wir sehen, dass die Selbstbezeichnungen  von Vater  und Sohn identisch sind (Joh 10,30-36; 5,26; 16,15). Daher ist der Sohn dem Vater wesensgleich und anbetungswürdig (Offb 5,13; 7,17).

Jesus handelt im Auftrag seines Vaters um den Heilsplan Gottes zur Vollendung zu bringen.

Die Bezeichnung `der Allmächtige` ist eine Umschreibung der uneingeschränkten Gewalt, Macht und Kraft Gottes. Der gr. Begriff  `παντοκράτωρ – pantokratör` würde wörtlich übersetzt `der Allgewaltige` heißen. Er vereinigt in sich alle Gewalten (Offb 4,8; 21,6.22; 1Mose 17,1; 28,3; 43,14; 48,3; 2Mose 16,3).

1.3  Warum ist Johannes auf Patmos?

Schon der Ort der Abfassung dieses letzten Buches des Neuen Testamentes ist ungewöhnlich. Der Verfasser der Offenbarung macht klare Angaben über sich selbst, den Ort und Grund seines Aufenthaltes auf der Insel Patmos. Johannes schreibt:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königreich und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen..“ (Offb 1,9).

Dies schrieb Johannes vermutlich in der Zeit der Herrschaft des römischen Kaisers Domitian (81-96 n. Chr.). Die Insel Patmos liegt etwa 90 km südwestlich von der damaligen Provinzhauptstadt Ephesus entfernt. Die Lage und Beschaffenheit der Insel eigneten sich gut als natürlicher Verbannungsort für Andersdenkende.

Abbildung 3 Insel Patmos mit dem heutigen Hafenort Skala, der am Ende einer tief eingeschnittener und daher auch geschützten Bucht liegt. Heute zählt die Insel etwa 3000 Einwohner, die vom Pilgertourismus, vom Fischfang und teilweise der Landwirtschaft leben. Dank der Offenbarung wurde diese von der Lage her unbedeutende Ägäische Insel weltbekannt (Foto: 10. Mai 2015).

Wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses von Jesus wurde Johannes auf diese unwirtliche Insel verbannt. Dies setzt eine offensichtliche evangelistische Tätigkeit im Raum Ephesus voraus. Unter dem Kaiser Domitian dem auch in Ephesus eine Kultstätte eingerichtet wurde, fand eine Verfolgung der Christen statt. Es erfüllte sich, was Jesus seinen Jüngern beim Abschied aufgetragen hatte (Apg 1,8: „Ihr werdet meine Zeugen sein …“). Johannes bezeichnet sich als `euer Bruder und Teilhaber`

  • an der Bedrängnis“. Es ist ein indirekter Hinweis für eine Verfolgung in der Provinz  Asia. Jesus hat Bedrängnis vorausgesagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis …“ ((Joh 16,33).
  • und dem Reich“ (Königreich). Das Mitregieren mit Christus in dieser Welt orientiert sich am Beispiel von Jesus während seines irdischen Lebens. Doch „das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17).
  • und dem Ausharren in Jesus“. Das gr. Wort `ὑπομονῇ –ypomon¢ ` bedeutet wörtlich: darunter bleiben, unter der Belastung (dem Joch des Christus) bleiben, nicht ausbrechen, durchhalten. Zu diesem standhaften Durchhalten werden die Gläubigen immer wieder ermutigt (Offb 13,10; 14,12). Man bedenke, dass  Johannes zu der Zeit (vermutlich) der letzte noch lebende Apostel war und doch keine Spur von Überheblichkeit zeigte, er ist Bruder und Mitknecht. Welch ein Kontrast zu der Überheblichkeit, Machtstreben und sogar Machtmissbrauch des Diotrephes (1Joh 1,9-10) oder der späteren Kirchenfürsten.

Was auch immer die römischen Behörden mit der Verbannung des Johannes bezwecken wollten, Gott hatte für ihn noch einen wichtigen Auftrag an die Gemeinden. Es war seine Wüste, aus der er den Gemeinden damals und für alle Zeiten eine Botschaft des auferstandenen und erhöhten Christus mitteilen sollte.

Die Aussage „ich war“ auf der Insel Patmos, könnte den Eindruck erwecken, dass Johannes nicht mehr dort ist und die Offenbarung erst nach Verlassen der Insel aufgeschrienen hatte. Nun, es ist gut möglich, dass er nach dem Tod des Kaisers Domitian im Jahre 96 wieder frei kam und Patmos verlassen konnte. Aber warum hält sich die Überzeugung fest, dass die Offenbarung auf der Insel verfasst wurde?

Abbildung 4 Insel Patmos, Blick von Chora aus über die Küstenregion. Die Insel ist sehr hügelig und teilweise bewaldet. Da die höchste Erhebung nur etwa 260 Meter hoch ist, verfügt sie über nur wenig Wasserquellen. (Foto am 11. Mai 2015).

Das gr. Verb `ἐγενόμηνegenom¢n`, wird meistens einfach mit `ich war` übersetzt. An einigen Stellen wäre es treffender mit `ich ward`, `ich wurde` oder mit, `ich bin geworden` zu übersetzen. In der Offenbarung kommt es noch an folgenden Stellen vor:

  • Offb 1,10 und 4,2: „ich war im Geist“, dies schreibt Johannes natürlich im Rückblick. Ein Erlebnis, das in der Vergangenheit liegt und abgeschlossen ist. An ihm vollzog sich etwas und er wurde in einen Zustand versetzt, bei dem er die göttlich-geistlichen Visionen imstande ist zu schauen.
  • Offb 1,18: „ich war tot“, ein Zustand in den Jesus hineinging und den er durchlitt und durchlief. An ihm vollzog sich das Tot sein, er ward tot (Phil 2,8).

Weitere Stellen: Apg 20,18: „wie ich bei euch die ganze Zeit war (im Sinne: mich bei euch verhalten habe)“; Apg 26,19: „ich war (ich ward) nicht ungehorsam“; Röm 10,20: „Ich war (ich bin) erschienen“; 1Kor 2,3: „ich war (wurde) bei euch“; 1Kor 9,20: „den Juden war (wurde) ich…“; 1Kor 9,22: „den Schwachen war (wurde) ich …“; Kol 1,23: „.dessen Diener ich, Paulus wurde, geworden bin“ (Kol 1,25).

In all diesen Texten wird das Verb `ἐγενόμην – egenom¢n  – ich war` unverändert geschrieben. Die Endung `m¢n` weist immer auf die 1. Person hin. Das `e` am Anfang drückt die Vergangenheitsform aus  Die Wortwurzel `gen` drückt aus, dass etwas geworden war (an, mit oder durch) Jesus, Johannes oder Paulus. Der Verlauf dieses Geschehens kann sich über einen Zeitraum hinziehen (bei Jesus 3 Tage im Tot sein, bei Paulus 3 Jahre Wirksamkeit in Ephesus, bei Johannes eine unbestimmte Zeit im Geist und ein Aufenthalt auf der Insel. Ein Aufenthalt, der möglicherweise noch anhielt, nachdem er das Buch schon geschrieben hatte.

1.4 Der Menschensohn in der Mitte der sieben goldenen Leuchter

(Bibeltext: Offb 1,10-20).

1.4.1 Johannes im Geist am Tag EINS (1) der Woche

Johannes schreibt: „Ich war an des Herrn Tag im Geist, und ich hörte hinter mir eine laute Stimme wie von einer Posaune, die sprach“ (Offb 1,10).

Johannes befand sich im Geist am Tag des Herrn (gr. ἐν τῇ κυριακῇ ἡμέρᾳ – en t¢ kyriak¢ ¢mera – (am (dem) Herrn (gehörenden) Tag` (Dativ). Diese Bezeichnung ist einmalig, doch es ist naheliegend, dass es sich um den ersten Tag der Woche handelt. Dagegen weist die Formulierung: `der Tag des Herrn` (Genetiv) auf den letztem Tag (Joh 6,39.40.44.54), bzw. den Gerichtstag  hin (1Thes 5,2; 2Thes 2,2; 2Petr 3,10). Hier  aber geht es um den Wochentag an dem Jesus von den Toten auferstanden ist (Mt 28,1; Joh 20,1.19. 26; Lk 24,36). Neben der Versammlung an den Sabbaten (im jüdischen Kontext), trafen sich die Gläubigen unter Leitung des Ap. Paulus auch in der Diaspora am ersten Tag (Tag eins) der Woche (Apg 20,7; 1Kor 16,1-2). Und bis heute heißt der erste Tag der Woche im griechischen Kulturraum nicht Sonntag, sondern `kyriak¢ `, genau wie in Offb 1,10. Insgesamt gesehen, wurde von der Ostkirche die lateinische Bezeichnung für den `Sonntag` nicht übernommen.

Die Bemerkung `im Geist`, meint nicht im eigenen Geist des Johannes, denn dies käme einer Einbildung oder Halluzination gleich. Diese Aussage meint `im Geiste Gottes, im Heiligen Geist`. Der Vergleich mit folgenden Texten legt dies nahe (Offb 2,7.11.17.29; 3,6.13.22;  21,10;  22,17; Hes 37,1).

Johannes hört hinter sich eine gewaltige Stimme wie von einer Posaune. Es handelte sich nicht um einen undefinierbaren lauten Ton, sondern um Worte mit klarem Auftrag (so auch in Offb 4,1; Jes 58,1). Trotzdem werden wir an den gewaltigen Posaunenton auf dem Berg Sinai erinnert (2Mose 19,16+19).  Allerdings war hier dieser Ton die gewaltige Stimme dessen, der einem Menschensohne glich. Johannes wendet sich um und sieht (und hört) die Stimme, „die sprach: Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea!“ (Offb 1,11). Johannes bekommt einen doppelten Auftrag, alles was er sieht (und hört) in ein Buch zu schreiben und an die sieben namentlich genannten Gemeinden zu senden.

Man stelle sich das Ganze als ein Rundschreiben vor, es galt allen, enthielt aber auch direkte und aktuelle Hinweise an die zu der Zeit bestehenden Gemeinden. Dieser Auftrag setzte voraus, dass  Johannes  trotz Verbannung die Möglichkeit zum schreiben hatte und Kontaktpersonen zum Festland hin. Es entsteht nicht der Eindruck, dass er eingekerkert war, sondern relative Bewegungsfreiheit hatte, Die Tradition von der `Apokalypsishöhle` und das Johanneskloster stammen aus dem Mittelalter (Ende des 11. Jh.). 

„Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und inmitten der Leuchter einen, gleich (ähnlich) einem Menschensohn“ (Offb 1,12b-13a).

Abbildung 5 Der Menschensohn in der Mitte der sieben goldenen Leuchter. Auf der Zeichnung wird er als leuchtend dargestellt, obwohl es im Text nicht ausdrücklich gesagt wird. (Zeichnung von J.S. 24. Dezember 2020).

Als erstes fällt der Blick des Johannes auf sieben goldene Leuchter, Diese Leuchter sind mit Sicherheit von dem einen siebenarmigen goldenen Leuchter aus der Stiftshütte abgeleitet (2Mose 25,31ff). Dort wird der gr. Begriff `λυχνίαν – lychnian` verwendet, der uns auch aus den Gleichnis Jesus vertraut ist (Mt 5,15). Diese Leuchter sind eher  im Kreis angeordnet und nicht auf einer geraden Linie. Für diese Annahme sprächen folgende Texte:  Offb 2,1: „in der Mitte“; Offb 4,3.4.6;  5,11; Mk 3,34: „die um ihn im Kreise saßen“). In dem Bild des Menschensohnes erkennt Johannes eindeutig Jesus den Herrn und das Haupt der Gemeinde (Offb 1,17a). Als Jesus auf Erden war, sprach er von sich als dem Menschensohn, wahrscheinlich in Anlehnung an Daniel 7,13-14 und 1Mose 3,15. Insgesamt kommt diese Bezeichnung mehr als 80 Mal vor (Mk 10,45; Lk 19,10 u.a.m.). Diese Standesbezeichnung behält er auch nach seiner Erhöhung (Mt 24,27.30.37.39;  25,31;  Apg 7,56). Er ist (er wandelt) in der Mitte der sieben goldenen Leuchter und zu allen pflegt er geistliche Beziehung.

1.4.2 Das Aussehen des Menschensohnes

  1. Er war bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand, und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel“ (Offb 1,13b).

Das lange Gewand und der goldene Brustgürtel (nicht Hüftgürtel) weisen ihn aus als Hohenpriester, denn diese Bekleidung ist identisch mit der in 2Mose 28,4 für den Hohenpriester  Aaron vorgeschriebenen Bekleidung. In Offb 1,13b beschreibt das gr. Wort `ποδήρη – pod¢r¢` das bis zu den Füßen reichende Obergewand des Menschensohnes. Das gleiche Wort `pod¢r¢` in 2Mose 28,4.31;  29,5 (LXX) wird ausschließlich für das Obergewand des Hohenpriesters Aaron verwendet. So wird deutlich, dass der Menschensohn priesterlichen Dienst versieht und dieser war und ist vielseitig (Joh 17,1ff;  1Tim 2,5;  Hebr 7-8;  12,24).

Der goldene Brustgürtel, mit dem der Menschensohn umgürtet war, erinnert an den mit Goldfäden bestückten Gürtel bei Aaron aus 2Mose 28,4. Der Priesterdienst von Jesus schließt auch richterliche Funktionen ein (Joh 5,22-23.27;  1Petr 4,17;  2Kor 5,10;  Offb 19,11). Jesus ist in Person die Wahrheit und die Gerechtigkeit (Joh 14,6; 1Kor 1,30).

  1. „sein Haupt aber und die Haare waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee“ (Offb 1,14a).

Das erinnert an die Vision, die der Prophet Daniel sah und weist auf die Würde, Autorität und Erhabenheit des Höchsten hin (Dan 7,9-10; 3Mose 19,32;  Spr 20,29). Weiße Wolle, weiß wie Schnee steht auch für Reinheit (Jes 1,18). Weiß steht auch für Gerechtigkeit (Offb 20,11).

  1. „und seine Augen wie eine Feuerflamme,“ (Offb 1,14b).

Augen, die alles durchdringen und sehen (Offb 5,6;  Sach 3,9;  4,10;  1Sam 16,7;  Ps 11,4; Jer 23,14;  Jes 66,2;  Mt 9,4;  Lk 22,60-61). Niemand vermag sich vor seinem Blick verbergen. Aber auch niemand wird von ihm übersehen.

  1. „und seine Füße gleich glänzendem Erz, als glühten sie im Ofen,“ (Offb 1,15a).

Andere übersetzen mit `Golderz`. Die Elbf. 1871 übersetzt mit `Kupfer`. Das gr. Wort `χαλκολιβάνῳ – chalkolibanö` ist ein zusammengesetztes Wort. `chalkos` ist eindeutig Kupfer. Der Zusatz `libanö` beschreibt wie das Kupfer aussieht. Die Bedeutung des Wortes `Libanon` ist `der/die Weiße`.  Auch das hebräische Wort `Laban` (auch als Name bekannt) meint `weißer`. So könnte das zusammengesetzte Wort als leuchtendes, glänzendes Kupfer übersetzt werden. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass es wie im Ofen (Kamin) glühend aussah  Der Brandopferaltar war mit Kupfer überzogen, die Geräte für den Altar waren aus Kupfer gefertigt, ebenso das Waschbecken ((2Mose 27,2-3; 30,18). Auch waren die Füße (Untersetzer) der fünf Säulen am Eingang der Stiftshütte aus Kupfer (2Mose 26,37). Das Kupfer wird wie `glühend / glänzend im Ofen` beschrieben. Es war nicht glühend flüssig, es sah so glänzend aus. Das glänzende Kupfer könnte demnach für das Leiden und den Opfertod des Christus stehen. Es entspräche dem `geläutert sein` im Glutofen des Leidens (Jes 48,10;  Hebr 2,9-10;  5,7). Im Gegensatz zu den Füßen des Bildes aus Daniel 2,33 ,welche aus Eisen und Ton waren, geht es hier um Lauterkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit (vgl. auch mit Dan 10,6). Die Füße sind nicht nur zum stehen, sondern auch zum gehen bestimmt. Auf Jesus trifft in vollkommenem Maße zu was in Jes 52,7 geschrieben steht; „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ Doch der Gedanke aus Psalm 7,8;  110,1 könnte da auch mitschwingen, begründet mit Offb 19,15.

  1. „und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser,“ (Offb 1,15b).

Die Insel Patmos ist relativ klein und so wird Johannes des Öfteren die Meeresbrandung gehört haben. Daher passt dieser Vergleich (5Mose 4,36;  Hebr 12,26-27; wenn schon von den Engeln gesagt wird, dass sie mit starker Stimme redeten, wie viel mehr von Jesus;  Offb 14,9.18;  Mt 27,46.50). Wenn er im Gericht reden wird, verstummt vor ihm jeder Mund (Mt 22,12).

  1. „und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, “ (Offb 1,16a).

Später erklärt Jesus das Geheimnis der sieben Sterne, in dem er sagt: „es sind Engel der sieben Gemeinden“ (Offb 1,20).

  1. „und aus seinem Mund ging ein zweischneidiges, scharfes Schwert hervor,“ (Offb 1,16b).

Das Bild mag erschrecken, doch Gott benutzt diese von Menschenhand gefertigten Waffen als Anschauungsmaterial, um die Wirksamkeit des Wortes Gottes und seiner Aussprüche hervorzuheben. An dieser Stelle wird für Schwert der gr. Begriff `ῥομφαία  – romfaia`` verwendet mit dem Zusatz `δίστομος ὀξεῖα – distomos oxeia – zweischneidiges, durchdringendes, zerteilendes, scharfes` (Offb 2,12.16; ähnlich auch in Offb 19,15). In Hebr 4,12 wird die vielseitige Wirksamkeit des Wortes Gottes ebenfalls mit einem alles durchdringenden, zerteilenden Schwertes beschrieben. Nach Eph 6,17 ist das Schwert des Geistes `τὴν μάχαιραν τοῦ πνεύματος – t¢n machairan tou  pneumatos`  (ein anderer Begriff für Schwert)  der Ausspruch Gottes – ῥῆμα θεοῦ – r¢ma theou`. Mit dieser göttlichen Waffe kämpfte Jesus gegen den Satan und siegte (Mt 4,4-11). Damit kein Missverständnis entsteht, erklärte Jesus, was diese geistliche Waffe (das Wort des Evangeliums) bewirken wird (Mt 10,34-36; vgl. dazu auch Lk 12,51). Ebenso wird damit die richterliche Funktion des Wortes Gottes (des Wortes Jesu) symbolisiert. So sagte er: „Wer mich verachtet und nimmt meine Worte  ( ῥῆμata) nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort (logos), das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tage.“ (Joh 12,48). Dass Menschen zum Teil auch im Namen Gottes das Schwert in die Hände nahmen, ist Verrat am Evangelium von Jesus Christus.

  1. „und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft.“ (Offb 1,16c).

Diese und ähnliche Beschreibungen gibt es auch an anderen Stellen (Mt 17,2;  Lk 9,29;   Offb 21,23). Der Vergleich ist verständlich, da niemand mit bloßem Auge direkt in die Sonne schauen kann. Die Strahlkraft Jesu übersteigt die der Sonne bei weitem (Apg 26,13; Joh 8,12).

1.4.3 Jesus – der Erste und der Letzte und der Lebendige

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war (ward, wurde) tot, und siehe, ich bin lebendig von (in die) Ewigkeit(en)  zu (der) Ewigkeit(en) und habe die Schlüssel des Todes und des Hades .(Offb 1,17-18).

Im Augenblick des Anschauens des Menschensohnes fällt Johannes zu seinen Füßen und ist wie tot (vgl. 5Mose 9,19 mit Hebr 12,21 – Mose;  Jes 6,5 – Jesaja;  Mt 17,6.  Lk 9,32 – Petrus, Jakobus und Johannes;  Apg 22,7 – Saulus). Als Jesus noch unter den Jüngern war, lag Johannes bei den Mahlzeiten in unmittelbarer Nähe zu Jesus. Die Begegnung des auferstandenen, verherrlichten und erhöhten Christus mit Johannes im Geist, löst eine unerklärliche Furcht und ein Bewusstsein der Nichtigkeit und Ohnmacht aus. Ganz zu schweigen, wie es den römischen Soldaten erging bei der Erscheinung des Engels in Lichtglanz. Auch sie fielen nieder und waren wie tot. Jene hatten keinen Zuspruch bekommen. (Mt 28,2-8).

Jesus legte seine Rechte auf Johannes und sprach ihm zu: „fürchte dich nicht“.

Was für ein Zuspruch! Diese Ermutigung kommt in der Schrift ungewöhnlich oft vor. Wie oft hat Jesus dies seinen Jüngern zugesprochen (Mt 8,26;  10,26.28.31;  Joh 6,20;  Mt 14,27;  17,7;  28,10). Dieser Zuspruch ist nicht als Empfehlung ausgesprochen worden, er steht im Imperativ, wörtl.: „nicht fürchte dich“ Dann begründet Jesus seinen Zuspruch mit: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige“.

 Was wir bereits in den Versen 4 und 8 über das Selbstzeugnis Gottes  erkannt haben – das bezieht Jesus hier auf sich selbst (vgl. dazu auch Offb 2,8; 22,13). Dies tut er mit jener Bestimmtheit, die uns aus seiner Selbstbezeugung aus den Evangelien vertraut ist (Joh 8,24.28.58; 10,30; 13,13.19;  Lk 24,39). Er und der Vater sind eins, sie bilden eine Wesenseinheit. Als Sohn des Vaters ist Jesus der immer Währende Seiende, in dem nach dem Willen des Vaters ewiges, immer währendes Leben ist (Joh 5,26).

„und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in die Ewigkeiten der Ewigkeiten“.

Als Sohn des Menschen starb Jesus und wurde wieder lebendig am dritten Tag. Mit seiner Auferstehung in einem neuen unverweslichen und unvergänglichen Körper lebt er  „ in die Ewigkeiten (Plural.) der Ewigkeiten“ Mit dem `Plural` unterstreicht Jesus sein unendliches Sein, es gleicht einem Kreis, der kein Ende hat.

Abbildung 6 Golgatha und das leere Gartengrab erinnern an den Tod und die Auferstehung von Jesus (Zeichnung von J.S 2020).

In der Regel bilden in der apostolischen Verkündigung das Sterben von Jesus und seine Auferstehung den Mittelpunkt. (Apg 2,29-34;  Apg 4,10;  Röm 8,34;   1Kor 15,3-5;  2Kor 5,15;  1Thess 4,14). 

„und habe die Schlüssel des Todes und des Hades“.

Nachdem Jesus gesagt hat wer er ist, was und wie er ward und wer er in alle Ewigkeiten sein wird, macht er klar, was er hat, nämlich die Schlüssel (Schlüsselgewalt) des Todes und des Hades. Dies spricht von seinem Sieg über den Tod (das Sterben) und damit auch von der Vollmacht andere aus dem Tod herauszuführen. Physischer Tod tritt ein wenn der Geist des Menschen seinen Körper verlässt (Lk 23,46;  Apg 5,5.10;  7,59;  12,23). Tod = Übergang in einen anderen Zustand und entsprechend in einen anderen Existenzbereich. Während der Tod in biblischen Texten in gewissem Sinne personifiziert wird,  ist `tot sein` ein Zustand, den ein Mensch von sich aus (Ausnahme ist Jesus – Joh 10,17-18) nicht ändern kann (Ps 90,3; 104,27).

Was meint Jesus aber  mit `Hades`? In den deutschen Übersetzungen wird dieser Begriff gelegentlich auch mit `die Hölle, das Totenreich` wiedergegeben. In folgenden Texten kommt der griechische Begriff `ὁ ᾅδης – o ad¢s` vor; Offb 1,18;  6,8;  20,13.14;  Mt 11,23;  16,18;  Lk 10,15;  16,23;  Apg 2,27.31. Demnach ist der Hades:

  • Der krasse Gegensatz zu Paradies (Lk 16,22ff;  23,43.46).
  • Er ist als Zustand (und Ort) unüberbrückbar zum Paradies hin (Lk 16,26).
  • Er ist ein Herrschaftsbereich der Finsternis (Mt 16,18: „Pforten, Tore des Hades“ ).

Jesus war im Tod, aber war er auch im Hades? Ist es nicht in Psalm 16,8-11 durch diesen Begriff angedeutet? Immerhin hat er die Schlüsselgewalt (die Macht) auch über den Hades (Offb 20,13-14;  Joh 5,27-29). Er wird alle aus dem Tod (Totenreich) herausrufen. Nachdem Jesus in seinem letzten Ausruf seinen Geist in die Hände seines Vaters übergeben hatte, trat sein physischer Tod ein. Sein Leichnam wurde in eine Felsenhöhle gelegt, aus der er am dritten Tag auferstanden ist. Es ist also müßig darüber zu spekulieren, ob er in dieser Zeit den Toten (Geistern im Gefängnis) das Evangelium gepredigt hätte (1Petr 3,19).  Den Sieg über den Tod und das Totenreich errang er ja erst mit seiner Auferstehung (1Tim 1,10).

1.4.4 Das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben goldenen Leuchter

Schreibe nun, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem geschehen wird! (Offb 1,19).  

Ein zweites Mal wird Johannes von Jesus aufgefordert zu schreiben. Hier wird bestätigt, dass es Gottes grundsätzliche Absicht war, dass seine Worte aufgeschrieben werden sollten (2Mose  24,4: „da schrieb Mose“; 31,18: „die zwei Tafeln waren beschrieben von dem Finger Gottes“ ebenso in 34,1;  4Mose 33,2: „Und Mose schrieb auf nach dem Befehl des Herrn“; Jer 36,2: „Nimm eine Schriftrolle und schreibe darauf alle Worte“; Joh 20,30: „diese aber sind geschrieben“;  Mt 4,4: „es steht geschrieben“). Johannes soll aufschreiben,

  • was er bereits gesehen (und auch gehört) hat – den erhöhten Menschensohn in seiner Herrlichkeit und Vollmacht.
  • was da ist – die sieben Gemeinden, deren gegenwärtigen Zustand, wie Christus sie bewertet.
  • und was danach geschehen wird – die Voraussagen für die Gemeinden, deren geistlichen Kampf, die Bewährung in den Prüfungen und Versuchungen, sowie deren Aussicht beim überwinden.
  • Ebenso soll Johannes die Entfaltung der feindlichen Mächte in ihrer bildhaften Darstellung aufschreiben und den endgültige Sieg Gottes durch Christus bei dessen Wiederkunft.

Was das Geheimnis der sieben Sterne, die du auf meiner Rechten gesehen hast, und   die sieben goldenen Leuchter betrifft: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden  (Offb 1,20).

Zunächst gehen wir der Frage nach: Was oder wen symbolisieren die sieben Sterne in (auf) der Rechten des Menschensohnes? Nach der Zuordnung, die Jesus vornimmt, symbolisieren Sterne Boten, gr. `ἀγγέλοουςangelous`. Der im Deutschen verwendete Begriff `Engel` wird in der Bibel in mindestens fünffacher Hinsicht verwendet. In dieser Studie betrachten wir nur drei Zuordnungen.

Erste Zuordnung: Als himmlische Geistwesen, welche von Gott zu verschiedenen Diensten ausgesandt werden (Zum Dienst an den Kindern des Reiches: Mt 18,10-11; Hebr 1,6.14;  Apg 12,11;  27,23; und um die Strafgerichte Gottes auszuführen: 1Mose 19,1ff;  Apg 12,23; Offb 16,1ff). Der Dienst der Engel an den Gläubigen vollzieht sich in der Regel im verborgenen, sozusagen hinter den Kulissen. In der Offenbarung im direkten Auftrag von Jesus an die Gemeinden durch die schriftliche Vermittlung des Johannes (Offb 22,16). Da ihr Dienst in den bildhaften Darstellungen der Offenbarung oft zum Einsatz kommt, gibt es eine Auslegung, wonach es sich bei den Sternen (Engeln) in der Rechten des Menschensohnes um tatsächliche himmlische Geistwesen handelt.  Diese Engel wären dann zuständig für die jeweiligen Ortsgemeinden. Bei dieser Zuordnung gibt es allerdings auch Schwachpunkte. Erstens:. Johannes soll dem für die jeweilige Gemeinde zuständigen Engel schreiben, was Jesus ihm diktiert. Für solch eine Übermittlung göttlicher Botschaften gibt es kein Beispiel in der gesamten Schrift. Die übliche Reihenfolge bei der Übermittlung göttlicher Botschaften ist: Gott der Vater – Jesus der Sohn (oder Heiliger Geist) – Engel (oft, aber nicht immer) – Propheten (Apostel) – das Volk (die Gemeinde). In der Offenbarung ist die Reihenfolge: Jesus – Engel – Johannes – Gemeinden (Offb 1,1: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und indem er (sie) durch seinen Engel sandte, hat er (sie) seinem Knecht Johannes kundgetan, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah“. Offb 1,4: „Johannes an die sieben Gemeinden“. Offb 22,16:„Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden.“ Diese Botschaft des Engels an die Gemeinden übermittelte letztlich Johannes  und zwar in schriftlicher Form. Es wäre unlogisch, das Johannes an einen Engel (himmlischen Boten) schreiben sollte. Zweitens: Der Aufruf zur Umkehr kann nur an Menschen gerichtet werden, die in Sünde gefallen sind, nicht aber an die heiligen Engel. Drittens: In Offb 1,16.20 werden die Engel zunächst  als Sterne bezeichnet. Diese Sterne stellen Engel (Boten) dar. Und sowohl Sterne als auch Engel (Boten) können auch auf Menschen bezogen werden. Dass ein oder mehrere Engel für die sieben Gemeinden (ohne Vermittlung des Johannes) im Hintergrund Dienst versehen haben, ist jedoch unbestritten.

Zweite Zuordnung: Eine weitere Deutung wäre, dass es sich bei den Engeln um den oder die Gemeindeleiter handelt. Solch eine Zuordnung könnte abgeleitet werden, weil Gott zu allen Zeiten bestimmte Menschen beauftragt hatte seine Botschaft an andere Menschen zu übermitteln. Der Begriff `angelos` wird auch auf Propheten angewendet (2Chr 36,15-16). Der Vergleich von Maleachi 3,1 mit Mt 11,10;  Mk 1,2 und  Lk 7,27 weist auf  Johannes den Täufer hin. In Lukas 9,52 sandte Jesus Boten (angelous) voraus. Und in Matthäus 10,5 sendet Jesus seine Jünger, damit sie  ev-angel-isieren). Und daher gibt es auch die Ansicht, dass die `angelous ` die jeweiligen Gemeindeleiter  symbolisieren könnten. Immerhin hatte Jesus selbst Leitungsdienste in der Gemeinde eingesetzt. Das markanteste Beispiel ist die Beauftragung von Petrus mit dem Hirtendienst (Joh 21,15-17). Der Ap. Petrus, als Mitältester, ermahnt und ermutigt die Ältesten der Gemeinden in der Diaspora zum  vorbildlichen Hirtendienst (1Petr 5,1-4). Ebenso tut es der Ap. Paulus im Abschiedsgespräch mit den Ältesten der Gemeine Ephesus (Apg 20,28;  dazu auch 1Tim 3,1-5). Leitung durch verschiedene Gabenträger  in der Gemeinde ist ein fester Bestandteil für die Stabilität und das gesunde geistliche Wachstum der Gläubigen (Eph 4,11ff). Doch auch diese Zuordnung scheint nicht einwandfrei aufzugehen. Zum einen, weil das so genante `Ein Mann` Leitungssystem nicht der neutestamentlichen Gemeindepraxis entsprach. Damit hätte Jesus den negativen Trend der Entwicklung jener Zeit und auch der späteren Kirchenpraxis legitimiert, was unwahrscheinlich ist (3Joh 1,9ff).

Dritte Zuordnung: Jesus wendet sich zwar in der `Du-Form` an den jeweiligen Engel (Boten) der Gemeinde, meint jedoch die ganze Gemeinde. Bereits Zion und Jerusalem ist die Verkünderin `ev-angel-izomenos` der Frohen Botschaft (Jes 40,9). In der Vision von Offb 21,12 sind auf den 12 Toren 12 Engel postiert und die Erklärung dazu, sie stehen für die 12 Stämme der Israeliten, also für das gesamte Volk. Auch später heißt es immer wieder: „was der Geist den Gemeinden sagt“. Oder: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden.“ (Offb 22,16). Daher kann unter dem Symbol des Engel-Boten auch die ganze Gemeinde gemeint sein. Die meisten Briefe des NT sind ebenfalls an Gemeinden geschrieben worden (Phil 1,1-2; 1Kor 1,1f). Näheres dazu später in den Sendschreiben.

Die Bestimmung der Sterne

Fixsterne erfüllen zum Beispiel die Funktion als natürliche Wegweiser (1Mose 1,16-18; Ps 136,9). In Psalm 147,4 steht: „Er zählt die Zahl der Sterne, er ruft sie alle mit Namen“. Doch bereits seit 1Mose 15,5 stehen Sterne symbolhaft auch für Menschen des Volkes Gottes. So verhieß Gott Abraham:  „so zahlreich sollen deine Nachkommen sein“. Und am Ende der vierzigjährigen Wanderung erinnerte Mose das inzwischen zahlreich gewordene Volk an jene Verheißung Gottes (5Mose 1,10; 10,22). Nach 1Mose 37,9 stehen Sterne auch symbolhaft für die Erzväter. Und in Daniel 12,3 lesen wir: „Und die Verständigen werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ Die Leuchtkraft  der Gerechten vergleicht Jesus sogar mit dem Glanz der Sonne (Mt 13,43). Doch bereits jetzt sind sie durch Jesus das Licht der Welt (Joh 8,12;  Mt 5,14).  Und an die Philipper schreibt Paulus: „Ihr seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter (gr. phost¢res) in der Welt,“ (Phil 2,15).

Der 12 Sternenkranz in Offenbarung 12,1 symbolisiert in Verbindung mit Offb 21,12-14 sowohl die 12 Stämme Israels als auch die 12 Apostel des Lammes. Damit wäre auch die Verbindung zwischen dem alt- und neutestamentlichem Volk Gottes als  geistliche Einheit bestätigt. Siehe auch (Hebr 11,12: „Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel“). Damit wird deutlich, Sterne symbolisieren das gesamte Volk Gottes. Warum nicht auch einzelne Ortsgemeinden?

Beeindruckend ist, dass diese Sterne in der Rechten Hand des Menschensohnes festgehalten werden. Die Rechte des Herrn steht für seine Stärke und Wirksamkeit. So spricht der Herr durch den Propheten Jesaja 41,10: „fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ (vgl. Jes 48,13). Der gute Hirte Jesus sagte: „und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (Joh 10,28-29; vgl. dazu auch Jes 49,16: „Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet“). Damit wird durch das Symbol der Sterne in der Rechten des Menschensohnes der Aspekt hervorgehoben, dass die Gemeinden als Ganzes (Leitungsdienste eingeschlossen) in Jesu Hand  geborgen sind. Sie werden von ihm festgehalten, geprägt und in seiner Vollmacht zum Dienst in dieser finsteren Welt beauftragt. Diese Zuordnung scheint zutreffender zu sein. Dadurch wird der Dienst und Auftrag der Gemeinden nach außen hin hervorgehoben.

und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden (Offb 1,20c).

Wie Jesus erklärt, symbolisieren die sieben goldenen Leuchter:

vordergründig sieben historische Lokalgemeinden in der damaligen römischen Provinz Asia. Diese sieben Gemeinden sind in einer bestimmten geographischen und wohl auch inhaltlichen Reihenfolge beschrieben und zwar im Uhrzeigersinn.

Sie stehen auch für alle Gemeinden jener Epoche, denn überall zeichneten sich ähnliche Entwicklungen ab.

Sie stehen für die Gemeinde aller Zeiten, denn durch die Zahl 7 wird die Vollständigkeit ausgedrückt (Mt 16,18;  Eph 1,23;  4,4). Durch das Symbol der Leuchter wird das Innenleben der Gemeinde betont, die Anbetung Gottes und die Gemeinschaft untereinander.

1.5 Die sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden in Asia

(Bibeltext: Offb 2,1-3,27)

Allgemeines

Beim sorgfältigem lesen fällt auf, dass die Sendschreiben eine bestimmte Reihenfolge aufweist. Sie sind geographisch im Uhrzeigersinn angeordnet. Es beginnt mit Ephesus und schließt mit Laodizea. Während Thyatira in der Mitte vom Inhalt her den meisten Text aufweist, stehen sich die Ortsgemeinden Ephesus und Laodizea mit den meisten Mängeln gegenüber. Ebenso Pergamon und Sardes, bei denen Jesus noch lobenswertes oder lebendes vorfindet. Nur die Gemeinden Smyrna und Philadelphia bekommen ausschließlich Lob und Zuspruch.

Allen Sendschreiben ist typisch:

  • „Das sagt der …“
  • „Ich kenne (ich weiß…“
  • „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: …“
  • „Wer überwindet, siegt …“

Trotz gravierender Mängel bei den meisten Gemeinden, hat Jesus keine dieser Gemeinden aufgegeben. Jede Gemeinde bekommt mit, was den anderen gesagt wird. Alle Gemeinden haben bereits einige Jahrzehnte ihrer Existenz. Sie sind alle durch den direkten oder indirekten Dienst des Ap. Paulus und seiner Mitarbeiter in den fünfziger Jahren des 1. Jh. gegründet worden (Apg 19,10).

1.5.1 An die Gemeinde in Ephesus schreibe

Ephesus, Hauptstadt der römischen Provinz Asia (Kleinasien) war eine bedeutende Handels- und Hafenstadt. Der Fluss Kaystros floß durch die Stadt. Handwerk, Handel und verschiedene Kulte blühten in dieser heidnischen Metropole. Das Ausgrabungsgelände liegt heute etwa 5 Kilometer landeinwärts in der Nähe der Stadt Seldchuk (Westtürkei).

Die Entstehungsgeschichte der Gemeinde in Ephesus ist uns aus der Apostelgeschichte bekannt. Bereits im Jahre 52 n.Chr kam Paulus auf seiner Rückreise von Korinth nach Jerusalem hier vorbei. Mit ihm waren Aquila und Priszilla. Er blieb aber nicht lange in Ephesus. Im Frühsommer des folgenden Jahres kam Paulus zusammen mit einigen Mitarbeitern nach Ephesus (Apg 19,1). Nach seinen eigenen Worten, verbrachte er dort ganze drei Jahre (Apg 20,31). Dabei wurde eine gute Glaubensgrundlage gelegt. Durch den treuen Dienst des Apostels bekamen sie den gesamten Ratschluss Gottes vermittelt (Apg 20,27ff). Von Ephesus aus breitete sich das Evangelium in der ganzen Provinz Asia aus (Apg 19,10). Auch durch den treuen Dienst von Timotheus wurde die Gemeinde im Glauben gefestigt (1Tim 1,5). Da wundert es auch nicht, dass Jesus diese Gemeinde als erste anspricht.

Ende des 1. Jh. steht die Gemeinde bereits in der dritten Generation und es scheint alles gut zu funktionieren. Und nun beauftragt Jesus Johannes: „Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe“ Bereits zum dritten Mal hören wir den Auftrag von Jesus an Johannes, dass er schreiben soll.  In der Zeit gab es bereits Pseudoschriften (2Thes 2,2). Jesus wusste, dass die mündliche Überlieferung sehr bald verdreht werden würde (Lk 1,1). Daher sollte die Offenbarung aufgeschrieben werden.

Indem Jesus sich an den Engel der Gemeinde wendet, stellt er sich letztlich der gesamten Gemeinde vor mit den Worten:

Dies sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten festhält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt. (Offb 2,1).

Jeder Gemeinde stellt sich Jesus mit speziellen Eigenschaften vor. Hier jedoch in der Funktion als Hirte und Aufseher (Offb 1,12.16.19; 3,1; Joh 10,28). Diese gelten jedoch zunächst den Ephesern, schließen aber auch alle anderen mit ein. Das ist auch logisch, weil es Sinn macht am Anfang gesagt zu werden. Alle sieben Boten als Gemeinden sind in seiner rechten Hand, sie sind geschützt, sie sind in seinem Blickfeld und seiner Reichweite. Er lenkt und formt sie nach seinem Willen. Er wandelt, geht umher, er ist unterwegs wirksam, tätig. Gleich zu Beginn wird deutlich gemacht, wer das Sagen hat. Es ist Jesus der Menschensohn, der sich davor in all seiner Autorität vorgestellt hatte (Offb 1,11-20). Es ist immer noch der, welcher in Vollmacht sagte: „Ich aber sage euch“ (Mt 5,22.28.32.34.39). Und es ist der, über den die himmlische Stimme des Vaters aussprach: „Auf ihn hört“ (Mt 17,5).  Er ist der umhergehende unter den Gemeinden, denn sie kommen von ihm, er ist ihr Gründer, ihr Haupt aber auch ihr Herr (Mt 16,18; Eph 1,22-23; Kol 1,18).

Und dann beginnt Jesus mit der Inventur bei den Ephesern, dabei macht er als erstes eine Bestandsaufnahme. Hier die Liste:

  • „Ich kenne deine Werke“ genauer: „ich weis um deine Werke“ Das hört sich zunächst neutral an. Doch Jesus kennt nicht nur die Summe der Taten, sondern auch deren Qualität, d.h. die Motivation welche hinter den Aktivitäten steht.
  • „und deine Mühe (Mühsal, Anstrengung, Arbeit). Jedes Werk oder Tat ist ein Aufwand und kostet Kraft und Einfallsreichtum.
  • und du hast Ausharren (Geduld)“ Was sie begannen, führten sie auch bis zu Ende aus. Die Leiden ertrugen sie mit Geduld und ohne Murren.
  • Und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sagen, sie seien Apostel und sind’s nicht, und hast sie als Lügner befunden.“  Die Gabe der Geisterunterscheidung wandten sie mutig und weise an. Dadurch blieb die Gemeinde frei von falschen Lehren (2Kor 11,13).
  • „und hast vieles getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden“

Das hört sich ja zunächst gut an. Jesus sieht und kennt  die Leistungen der Gemeinde und nennt sie beim Namen. Er ist der Kompetente, der den geistlichen zustand einer Gemeinde genau bewerten und beurteilen kann?

Doch es gibt auch etwas zu beanstanden und zwar etwas sehr wesentliches. „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“ (Offb 2,4).

Was meint Jesus mit der ersten Liebe? Es gibt keine weitere Stelle in der Schrift, die so lautet.

Es gibt  nur eine Stelle in Bezug auf „die erste Treue“ (1Tim 5,12). Daher kann in dieser Aussage sowohl die zeitliche als auch qualitative Komponente enthalten sein. Dies könnte durch eine ähnliche Aussage in  1Thes 1,3 begründet werden. Dort bescheinigt der Ap. Paulus den Gläubigen in Thessalonich: „Werk im Glauben, Arbeit in der Liebe, Geduld in der Hoffnung“. Es sind genau die ersten drei Tätigkeiten, welche auch in Offb 2,2 genannt werden. Ja, die Gemeinde der Thessalonicher war noch sehr Jung. Aber gerade bei ihnen lässt sich die erste Liebe noch deutlich erkennen. Denn ihre Werke wurden im Glauben gewirkt. Ihre Arbeit taten sie in der Liebe und ihre Geduld war von Hoffnung auf den Herrn Jesus Christus ausgerichtet. Dies fehlte den Ephesern. Die Briefe des Johannes, welche ebenfalls in der Zeit der Offenbarung geschrieben worden sind, sprechen das Liebesthema an.

  • 1Joh 4,7-20: „Gott ist Liebe
  • Jesus sagt von sich selbst: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15,13).
  • Das höchste , erste oder größte Gebot Gottes an den Menschen lautet: „Liebe Gott, deinen Herrn von ganzem Herzen … …“ (Mt 22,37; Mk 12,30-33; Lk 10,27). Doch wie kann ein Mensch Gott lieben? In Röm 5,5 gibt der Ap. Paulus die Antwort: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“. Und was ein Mensch empfangen hat, kann und soll er auch einsetzen.
  • Und Jesus befiehlt: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ (Joh 13,33). Johannes schließt sich seinem Meister an mit den Worten: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1Joh 4,19).
  • Und Paulus schreibt an die Korinther: „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!!“ (1Kor 16,14). Dies war in der Gemeinde Ephesus nicht mehr der Fall.

Der Vorwurf von Jesus wiegt sehr schwer, die Gemeinde hat die `erste Liebe` verlassen. Nach den Worten des Ap. Paulus und hätte der Liebe nicht, so nützte es mir nichtverlieren dabei alle Werke ihren eigentlichen Wert (1Kor 13,1-13). Wie konnte dies geschehen? Nun, wenn dem Äußeren mehr Beachtung zukommt als der inneren Beziehung zu Jesus, erkaltet die Liebe. Nach und nach kehrt ein frommer Automatismus ein.

 Der Aufruf von Jesus ist dreifacher Art: „Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich zu dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.“ (Offb 2,5).

  1. Sich zu erinnern an den hohen Stand wird durch das gr. Verb `πέπτωκας – pept÷kas – herabgefallen` unterstrichen. Die grammatische Verbform macht deutlich, dass der gefallene Zustand immer noch anhält. Zunächst fordert Jesus zum Rückblick in die Zeit der Anfänge. Dann aber auch zu einer ehrlichen Wahrnehmung der Lebensabläufe, der Motivation, warum und für wen all die Werke getan wurden. 
  2. Buße tun heißt wörtlich Umdenken.
  3. Die ersten Werke vollbringen, also Werke des Glaubens die von der Liebe zu Gott und dem Nächsten motiviert sind.

Das Angebot zur Umkehr sind Ausdruck der Liebe und Fürsorge des Christus. 

Höchstwahrscheinlich war das Bemühen von Jesus um die Wiederherstellung der Gemeinde durch Umkehr nicht vergeblich gewesen. Noch im Jahre 431  fand dort ein Konzil statt.

Foto: Taufbecken in der Marienkirche

Doch im Laufe der späteren Jahrhunderte erlosch der Leuchter dieser so großartigen und bedeutenden Gemeinde. Zerstörung durch Kriege und Erdbeben, Hungersnöte und Seuchenverödeten die einst so blühende Stadt.

Foto: Überblick über das Ausgrabungsgelände mit dem Theater dahinten.

Aber es gibt etwas wichtiges, was die Ephesus Gemeinde hat und Jesus nicht unerwähnt lässt.

Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse. (Offb 2,6). 

Was war der Inhalt dieser Lehre? Es könnte sich dabei um gnostische Lehre handeln, welche in irgendeiner Form die Inkarnation des Christus leugnete. Die Johannesbriefe sprechen darüber (Joh 1Joh 4,1ff; 2Joh 1,7)

Diese Lehre wurde in der Gemeinde Pergamon geduldet. Dort steht sie auch in Verbindung mit Götzendienst (Offb 2,15). Und Götzendienst war in der Regel mit Sittenlosigkeit verbunden. Davon distanzierten sich die Gläubigen in Ephesus.

 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist“ (Offb 2,7).

Wozu hat Gott dem Menschen 2 Ohren gemacht? 228 Mal kommt Ohr in der Bibel vor und unzählige Male wird der Mensch aufgefordert zum Hören. In Jes 50,4-6 lesen wir vom Christus als dem Menschensohn: „Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen die mich shlugen.“

Jesus ist unser Vorbild im Hören auf Gott. Und er hat die Vollmacht seine Gemeinde zum Hören aufzufordern. Übrigens gilt diese Aufforderung allen Gemeinden aller Zeiten. Sein Reden übermittelt der Heilige Geist Gottes, indem er an Jesu Worte erinnert.

Die Verheißung

Der Baum des Lebens (wörtlich `Holz des Lebens`), welcher im Paradies Gottes ist, wird dem Überwinder verheißen. Diese Aussage weißt in die Zukunft und erinnert zugleich an die Vergangenheit (Offb 22,1-2). Damals bedeutete der Bum des Lebens mitten im Garten ewiges Leben (1Mose 2,9; 3,22).

Das gr. Wort `paradeisos` kommt wohl ursprünglich aus dem Persischen und beschreibt einen schönen Garten. Dieses Wort kam dann in die LXX mit dem der Garten in Edem bezeichnet wurde (1Mose 2,8.10.15.16; 3,1.24). Jesus und der Ap. Paulus verwendeten es im NT an drei Stellen.

  • Lk 23,43: „und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Und das Paradies ist dort, wo der Vater ist (Lk 23,46).
  • 2Kor 12,4: „der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann.“ Ergänzt wird diese Ortsbezeichnung mit `entrückt bis in den dritten Himmel`.
  • Und einen indirekten Hinweis auf das zukünftige Paradies gibt es in Offb 22,1-2: „und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker“ (vgl. dazu auch Offb 7,16-17; 21,6).

Welche Aussicht für die, welche den Kampf gegen die Sünde und das Böse aufnehmen und besiegen in dem sie den Glauben und das Vertrauen zu Jesus bewahren (1Joh 5,4).

1.5.2 An die Gemeinde in Smyrna schreibe

(Bibeltext: Offb 2,8-11)

Die Hafenstadt Smyrna (heute Izmir) am Fluß Melos gelegen, hat wegen seiner Lage eine bedeutende Geschichte. Sie lag zwischen Ephesus im Süden und Pergamon m Norden und zählte mit ihnen zu den drei bedeutendsten Metropolen in der Provinz Asia. Wie in den anderen zwei Städten blühte auch hierneben vielen heidnischen Kulten der Kaiserkult. Die jüdische Gemeinschaft mit ihrer Synagoge war hier von den örtlichen Behörden anerkannt und übte ihren Einfluss aus. Smyrna war durchgehend besiedelt und zählt heute zur drittgrößten Stadt der Türkei. Neben der muslimischen Bevölkerung leben dort bis heute noch Juden und Christen.

Von der Entstehungsgeschichte dieser Ortsgemeinde gibt es keine direkten Hinweise. Trotzdem können wir aus den Texten der Apostelgeschichte einiges ableiten. In den drei Jahren des Dienstes von Paulus in Ephesus, breitete sich das Evangelium in der gesamten Provinz Asia aus (Apg 19,10.22.26 ). Das bedeutet: auch wenn Paulus nicht selber in Smyrna evangelisierte, so ist sie auf indirektem Wege durch seine Mitarbeiter entstanden.

Jesus wandte sich an diese Gemeinde und beauftragte Johannes:

Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war (ward) und wieder lebendig wurde: (Offb 2,8).

Mit seiner Vorstellung nimmt Jesus Bezug auf seine Aussage in Kapitel 1,17-18. Er erinnert aber dadurch auch an das Geschehen auf Golgatha. Anders als alle andere Menschen war er sündlos, d.h. er war lebendig. Nur dem Fleisch nach starb er und kehrte in einem verwandeltem Körper in das Leben zurück.

Und „dies sagt der Erste und der Letzte“, das ist eine Art  Wiedererkennungszeichen (vgl. Jes 44,6; 48,12 mit Offb 1,17; 22,13). Und diese Vorstellung passt auf die Situation der Gemeinde und deren Perspektive, die Jesus ihnen gibt. Denn diese Gemeinde ist tadellos, sie ist lebendig und braucht sich vor dem zweiten Tod nicht zu fürchten.

Und nun macht Jesus auch bei ihnen eine Bestandsaufnahme:

Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans“ (Offb 2,9).

Drei Bereiche von denen Jesus der Gemeinde sagt, ich weis, ich kenne:

  • Ich weis um deine Bedrängnis“ (vgl. auch mit Offb 1,9; Joh 16,33; Mt 24,9).
  • Ich weis um deine Armut, du bist aber reich“ (Mt 5,3; Lk 6,20; Jak 2,5; 1Tim 6,9).
  • Ich weis um die Lästerungen derer, die sagen sie seien Juden und sind es nicht, sondern Synagoge des Satans“ (Mt 5,11; Apg 13,45; 18,6; 19,9; Röm 2,28-29; Joh 8,44).

Und nun kommt eine Voraussage zusammen mit einer Ermutigung:

 „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst!“ Das `fürchte dich nicht` ist die häufigste Ermutigung Gottes an die Gläubigen (Mk 13,9-11; Apg 4,1ff; 21,11-13; 1Thes 2,14). Der Name Smyrna ist verwandt mit `Myrrhe` einer wertvollen, bitter schmeckenden Salbe, welche im kultischen, medizinischen  Bereich aber auch für Einbalsamierung der Toten verwendet wurde (Mt 2,11; Mk 15,23; Joh 19,39). Der Gedanke des Leidens ist hier indirekt enthalten und passt zu der Situation in der sich die Gemeinde in Smyrna befand. Jesus fährt fort mit:

„Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Bedrängnis haben zehn Tage.“ (Ofbb 2,10).

Der Satan ist Gegner, er ist auch Teufel, d.h. Durcheinanderbringer und Versucher (Mt 13,28; Offb 3,10). Der Zeufel hat Handlanger, sehr oft benutzt er dazu die Stadtbehörden, welche auch von den Juden der örtlichen Synagogen dazu angestachelt wurden (Lk 21,12; Apg 9,22-23; 9,30; 13,50; 14,2.19; 16,20; 17,5.13; 18,12). Etliche werden Gefängnis erleiden, doch die Zeitangabe 10 Tage ist eine begrenzte Zeit im Vergleich der Plagen, welche die Gottlosen bereits hier erleiden müssen (Offb 9,5-11). Von Seiten des Satans ist es eine Versuchung, doch Gott lässt ihn gewähren und der Zweck dabei ist um geprüft zu werden. Denn  Prüfung ist auch eine Art von Läuterung. (Lk 11,49;  22,31; 1Kor 10,13; 1Petr 4,12; 2Petr 2,9).

„Sei treu bis zum Tod! Und ich werde dir den Siegeskranz des Lebens geben.“ (Offb 2,10).

Die Aufforderung zur Treue (den Glauben zu bewahren) enthält eine Verheißung. Der Siegeskranz: Im griechischen wird zwischen Krone – Diadem und Kranz – Stefanos unterschieden. In diesem Text wird der Begriff ` στέφανος – stefanos – Siegeskranz` verwendet.

Der Ap. Paulus entnahm das Bild vom Siegeskranz aus dem Sportkampf der Athleten im Stadion: (1Kor 9,24-25). In den Texten des NT wird der Kranz meistens mit einem Zusatz versehen. Beispiele:

`Kranz aus Dornen` also `Dornenkranz` bei der Kreuzigung Jesu (Mk 15,17; Mt 27,29; Joh 19,2-5). Dieser wurde ihm zur Verspottung und Entwürdigung aufgesetzt.  Jesus wurde zum größten Sieger aller Zeiten, denn er gab den Kampf nicht auf bis in den Tod und siegte dadurch. Er legte den Grund für den wahren und unvergänglichen Siegeskranz für alle, die an ihn glauben.

Als `Kranz des Sieges` (2Tim 2,5; Offb 3,11; 6,2).

Als `Kranz der Gerechtigkeit` (2Tim 4,8). Dieser ist bereitet allen, die wie Paulus den guten Kampf bis zum Ende kämpfen.

Als `Kranz des Lebens` (Offb  2,10; Jak 1,12). Der Kranz des Lebens ist das geistliche Leben aus Gott durch den Glauben an Jesus Christus.

Als `goldene Kränze` (Offb 4,4.10) die 24 Älteste tragen sie; ebenso der himmlische Bote, gleich einem Menschensohn (Offb 14,14).

Als `unvergänglicher Kranz der Herrlichkeit` (1Petr 5,4; verheißen den treuen Hirten).

Als `Ruhmeskranz` (1Thes 2,19; Phil 4,1).

Siegeskranz (Kränze) werden in der Bibel 20 Mal erwähnt. Und nur ein Mal ausdrücklich bezogen auf feindliche Heere, allerdings mit dem Zusatz wie oder als ob (Offb 9,7). Diese Siegeskränze sind eine Täuschung. Bei allen anderen Textstellen geht es um echte Siegeskränze.

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod. (Offb 2,11).

„Wer ein Ohr hat …“. Jesus weiß wovon er redet (Jes 50,4-6). Auch diese Aussage ist typisch für Jesus, hat er doch während seiner Lehrtätigkeit die Menschen zum aktiven und aufmerksamen Hören aufgefordert (Mt 11,15; 13,9.43). Was den Gläubigen in der Gemeinde Smyrna gesagt wird, das vermittelt der Geist Gottes auch an alle anderen Gemeinden bis zum Ende..

Dem Siegenden wird kein Leid geschehen von dem `zweiten Tod`  (Offb 20,6.14; 21,8; Mt 25,46; 2Thes 1,9). Somit ist der zweite Tod mit Gehenna (Hölle) identisch und beschreibt das ewige getrennt sein von der Quelle des Lebens, also von Gott. Doch von diesem Tod bleiben die Überwinder bewahrt (Joh 3,16; 5,24-25; 11,26).

 

1.5.3 An die Gemeinde in Pergamon schreibe

(Bibeltext: Offb 2,12-17)

Pergamon, der Name der Stadt ist in dem dort erfundenem Schreibmaterial Pergament wiederzufinden. Die Stadt lag etwa 105 km nördlich von Smyrna und etwas landeinwärts. Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück. Die Lage von Pergamon war mit ausschlaggebend für ihre Entwicklung und Bedeutung. Bis heute hat sie ihren Namen bewahrt.

Johannes bekommt den Auftrag von Jesus auch dieser Gemeinde im Rahmen der Gesamtoffenbarung  einen Brief zu schreiben. Über die Gründungszeit und Umstände gibt es zwar keine direkten Informationen, doch es liegt nahe, dass diese Gemeinde im Zusammenhang der Asienmission des Ap. Paulus entstanden ist (Apg 19,1-10). Möglich ist auch, dass sie von Alexandrea Troas aus erreicht wurde (Apg 16,10; 20,7; 2Tim 4,13).

Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe: Dies sagt der, der das zweischneidige, scharfe Schwert hat. (Offb 2,12).

Das so genannte zweischneidige scharfe Schwert ist das Wort Gottes. Es geht aus dem Mund von Jesus hervor und ist sowohl treffsicher und in jeder Hinsicht wirksam. Es trennt die Lüge von der Wahrheit, es entlarvt Heuchelei. Aber es hat rettende Wirkung für die Glaubenden, tröstet und Ermutigt (Offb 1,16; 2,16; 19,15; Eph 6,17; Hebr 4,12). Mit dieser Vorstellung wird gleich zu Beginn angedeutet wie oder womit er die Kernproblematik in dieser Gemeinde angehen wird.

 

Ich weiß, wo du wohnst; wo der Thron des Satans ist (Offb 2,13).

Was bedeutet die Bezeichnung: `Satans Thron? In der Offenbarung kommt dieser nur 3 Mal vor: Offb 2,13; 13,2;  16,10). Thron steht für Reich und Macht und er übt seine Macht in Pergamon aus. Doch diese seine Macht ist begrenzt in jeder Hinsicht (räumlich: (Hiob 1-2; Offb 13,1-5; zeitlich: Hiob 1-2; Lk 4,13; 22,53; Offb 2,10; 20,1-4;  und inhaltlich: Hebr 2,14). Weitere Stellen: Lk 4,6; Mk 3,27; Mt 12,29; Lk 10,18; Joh 8,44; 12,30; 16,11. Trotz dieser Einschränkungen, ist sein Einfluss in dieser Stadt seit langer Zeit sehr groß. Und dieser Einfluss fand auch Einzug in die Gemeinde

 

Aber zunächst kommt die positive Bestandsaufnahme zusammen mit einer Ermutigung.

und du hältst meinen Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen des Antipas, meines treuen Zeugen, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist. (Offb 2,13).

Der Satan ist in Pergamon zu Hause, er wohnt dort. Es gibt viele Altäre und Tempel, die verschiedenen Göttern gewidmet waren. Auch der Kaiserkult ist hier längst integriert. Paulus schreibt: „Was die Völker opfern, das opfern sie den Dämonen“ (1Kor 10,21). Wer an diesen Kulten und deren Mahlzeiten teilnahm, war gleichzeitig in der Gemeinschaft der Dämonen und stand unter deren Einfluss.

Doch die Gläubigen hielten fest an Jesus und bekannten sich frei und offen zu dem Namen Jesu. Niemand wurde zum Leugner, auch nicht, als ihr Mitbruder Antipas wegen seines Glaubens umgebracht wurde. Es war ein großer Verlust für seine Familie und die Gemeinde. Doch sein Geist (Seele) wurde ins Paradies aufgenommen (Apg 7,59; Offb 6,9; 20,4-6).

 

Falsche Lehren in Pergamon

Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Fallstrick vor die Söhne Israel zu legen, sodass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. (Offb 2,14).

So lesen wir in 4Mose 25,1: „Und Israel blieb in Schittim. Und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moabs“. Paulus erinnert an jene traurige Geschichte und schreibt: „Auch lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend.“ (1Kor 10,8; 4Mose 31,16; 2Petr 2,15; Jak 1,11).  Götzendienst war dämonischen Ursprungs und in der Regel mit zuchtlosem Treiben verbunden. Damals hat Gott sofort eingegriffen und viele mit dem physischen Tod bestraft. Hier greift er nicht sofort ein, sondern gibt Raum zur Umkehr.

Zu dem Wenigen gehört eine weitere verderbliche theologische Irrlehre:

So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten. (Offb 2,15).

Diese verderbliche Lehre ist  von der Gemeinde Ephesus erkannt und erfolgreich abgelehnt worden (Offb 2,6). Doch hier in Pergamon hatte sie Anhänger bekommen. Da sie sonst in keinem Text der Bibel erwähnt wird, sind wir auf Vermutungen angewiesen. Doch es kann sich um eine gnostische Lehre gehandelt haben, in der die Person von Jesus Christus, bzw. sein göttliches oder menschliches Wesen geleugnet wurde (1Joh 2,22; 4,1-4).

 

Der Aufruf zum Umdenken und Umkehr

Tu nun Buße! Wenn aber nicht, so komme ich ⟨zu⟩ dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwert meines Mundes.“ (Offb 2,16).

Hier sagt Jesus, wie er gegen die Menschen vorgehen wird, die solche Lehren verbreiten und selbst praktizieren. Und er wird es tunmit dem Schwert seines Mundes, d.h. mit seinem richtenden Wort (Joh 12,48; Offb 19,21). Auch für uns gilt, der Kampf gegen Irrlehren wird mit dem Wort Gottes geführt.

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weißen Stein geben und, auf den Stein geschrieben, einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt. (Offb 2,17).

Wer ein Ohr hat, der höre! Der Geist Gottes redet zu allen Gemeinden. Aber er sagt nichts aus sich selbst, sondern was er von dem Sohn mitgeteilt bekommt (Joh 14-15).

Nun folgen Verheißungen für die Überwinder

Das verborgene Manna (2Mose 16,31-35;  5Mose 8,3.16; Jos 5,12; Neh 9,20; Ps 78,24; Joh 6,31f ). Das verborgene Manna ist das himmlische und göttliche Brot, welches sich in der Person von Jesus offenbarte. Auch im Himmel wird Gottes Wort unsere Speise sein.

Ein weiteres Bild als Bestätigung für die Zugehörigkeit zur Familie Gottes und als Ausweis seiner Bürgerschaft im Reiche Gottes ist mit dem weißen Stein verglichen (Phil 3,20-22). Auf diesem Stein steht der neue Name drauf Ein Name steht für die Person, welche diesen Namen trägt. Bereits in alttestamentlicher Zeit hat Gott bestimmten Menschen Namen gegeben (Isaak, Jakob-Israel, Immanuel, Johannes, Jesus). Dies tat auch Jesus mit seinen Jüngern (Mk 3,16f). Dieser neue Name steht bereits im Lebensbuch des Kammes (Phil 4,3; Offb 3,5).

Anmerkung: Im Himmel wird es keine Verwechslungen geben, jeder Name wird einmalig sein. Und dieser Name wird vollkommen zu der jeweiligen Person, seinem Charakter und seiner Bestimmung passen.

 

1.5.4 An die Gemeinde Thyatira schreibe

(Bibeltext: Offb 2,18-29)

Die Gemeinde in Thyatira ist die vierte von den sieben und hat den größten Textumfang. Die Stadt Thyatira, das heutige Akhisar in der Türkei, war in der Antike eine bedeutende Handels- und Industriestadt in der kleinasiatischen Landschaft Lydien. Sie lag im Lykostal, an der Straße von Pergamon nach Sardes. Erwähnt wird sie in der Apostelgeschichte 16,14: „Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira,“ Dieser Bezug bestätigt die Bedeutung der Stadt, in der die Textilindustrie florierte.

 

„Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe: Dies sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und Füße  gleich glänzendem Erz: (Kupfer)“ (Offb 2,18).

Der Menschensohn aus Kapitel 1,10-20 stellt sich dieser Gemeinde vor als Sohn Gottes. Es wird klar, durch seine Menschwerdung hat Jesus seinen Stand (Status) als `Sohn Gottes` nicht aufgegeben (Joh 10,36; Lk 22,70; Phil 2,6-11).

Seine Augen durchdringen alles (Offb 1,14; 19,12) und seine Füße (wie im glühenden Ofen) glänzendes Kupfer, weisen auf seinen durch Leiden des Todes geläuterten festen Stand hin (Offb 1,14-15; Hebr 2,9).

 

„Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und dein Ausharren und weiß, dass deine letzten Werke mehr sind als die ersten.“  (Offb 2,19).

Die Vestandsaufnahme ist positiv:

  • Ich kenne deine Werke,
  • Ich kenne deine Liebe,
  • Ich kenne deinen Glauben,
  • Ich kenne deinen Dienst,
  • Ich kenne deine Geduld.
  • Ich weis dass deine letzten Werke mehr sind als die ersten..

 

„Aber ich habe gegen dich, dass du das Weib Isebel gewähren lässt, die sich eine Prophetin nennt und meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.“ “(Offb 2,20).

Isebel, die phänizische Prinzessin und Frau von dem gottlosen König Ahab in Samaria (1Kön 16,31-2Kön 9,37). In jenen Texten wird die wohl berüchtigste Frau in der Israelitische Geschichte beschrieben. Götzendienst war in der Regel mit sexueller Ausschweifung verbunden. Unzucht auch im Sinne von Gemeinschaft mit Götzen. Der Ap. Paulus erklärt es so: „waman da opfert, das opfert man den Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr mit den Dämonen Gemeinschaft habt“(1Kor 10,20-21).

 

„Und ich gab ihr Zeit, damit sie Buße tue (umdenkt, umkehrt) und sie will nicht Buße tun ((umdenken, umkehren) von ihrer Unzucht. Siehe, ich werfe sie aufs Bett und die, welche Ehebruch mit ihr treiben, in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun (umdenken, umkehren) von ihren Werken. 23 Und ihre Kinder werde ich mit dem Tod töten, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht; und ich werde euch einem jeden nach euren Werken geben.“ “(Offb 2,21-23)..

 Was ist Götzendienst? 1Sam 15,23; Lk 16,13; 1Tim 6,10; Kol 3,5; 1Petr 4,3.

 

„Euch aber sage ich, den Übrigen in Thyatira, allen, die diese Lehre nicht haben, welche die Tiefen des Satans, wie sie es nennen, nicht erkannt haben: Ich werfe keine andere Last auf euch.  Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme! “ (Offb 2,24-25).

Bewahren: Mt 28,19; 2Tim 1,14

„Und wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben.“ “(Offb 2,26-28).  

  • Macht über die Nationen: (Ps 2,9; Offb 12,5; 19,15).
  • Der Morgenstern ist Jesus selbst (2Petr 1,19; Offb 22,16).

 „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 2,29).

Jesus spricht und der Heilige Geist teilt jedem Gläubigen und jeder Gemeinde mit: Lehre, Ermahnung, zurechtweisung, Trost, Zuspruch.

 

1.5.5 An die Gemeinde in Sardes schreibe

(Bibeltext: Offb 3,1-6)

Die Stadt Sardes befand sich etwa 80 km östlich von Smyrna (in der heutigen Westtürkei). Sie war Hauptstadt von Lydien. Die Archäologen entdeckten im Stadtgebiet von Sardes Fundamente einer jüdischen Synagoge von beträchtlichen Ausmaßen. Die Entstehung der christlichen Gemeinde geht höchstwahrscheinlich auf den Verkündigungsdienst des Apostels Paulus, bzw. seiner Mitarbeiter zurück (Apg 19,10. 20-22). Inzwischen sind etwa 40 Jahre vergangen und nun meldet sich Jesus zu Wort.

 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Dies sagt der, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot.“  (Offb 3,1).

Jesus stellt sich zunüchst in der 3. Person vor, Es sagt der:

  • Der die sieben Geister Gottes hat (1,4; 3,1; 4,5; 5,6; 2Mose 25,31-39; Jes 11,1-3; 42,1-2; 61,1; Sach 3,9; 4,1-6.10; Joel 3,1-2; Eph 4,1-4). Wie kam Jesus dazu? Zuerst sagt Jesus was dazu, dann der Ap. Petrus (Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16; Joh 1,33; 16,6; 20,22; Apg 1,5; 11,16; 2,33. 38-39).
  • Der die sieben Sterne (in seiner Rechten) hat (Offb 1,16.20; 2,1; 3,1; Jes 41,10; 49,16; Joh 10,27-28).

Nachdem sich Jesus vorgestellt gatte, kommt er sehr schnell auf das Kernproblem in der Gemeinde Sardes zu sprechen. Die Gemeinde zeichnet sich zwar aus durch ihr Namensbekenntnis, doch Jesus bescheinigt ir geistlich tot zu sein. Was bedeutet geistlich tot sein? Zu diesem Thema hat Jesus schon früher etwas gesagt (Mt 15,8). Ebenso der Ap. Paulus (1Tim 5,3-8; 2Tim 3,1-9). Die Neigung zum geistlichen Schlaf ist ein Grundproblem bei den Gläubigen (Mt 24,42; 25,13; 26,41; 1Petr 5,8).

Doch dann kommt auch gleich die Aufforderung: „Wach auf und stärke das Übrige, das im Begriff stand zu sterben! Denn ich habe vor meinem Gott deine Werke nicht als völlig befunden.“ (Offb 3,2). Dier Aufruf, wach zu werden ist an die Gläubigen bereits zur Apostelzeit ergangen (Eph 5,14; Röm 13,11-14). Und dann sollen sie die aufritteln, welche im Begriff sind einzuschlafen (geistlich zu sterben). Warun diese Reihenfolge?

„Denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße! Wenn du nun nicht wachst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb 3,3).

Das Bild oder der Vergleich mit dem Dieb in der Nacht finden wir auch in Offb 16,15; Mk 13,35-37;  Mt 24,43; 1Petr 3,10; 1Thes 5,1-4). Es hört sich nach einer Drohung an, doch diese Angelegenheit ist so wichtig, dass Jesus hier sehr deutliche Worte gebraucht.

„Aber du hast einige wenige Namen  in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, der wird so mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen und seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ (Offb 3,4-5).

Wer schützt nicht seine neue und saubere Kleider vor Verschmutzung? Wie viel größer sollte unsere Sorge sein, die von Gott so teuer erkaufte Gerechtigkeit vor Verschmutzung durch Sünde zu schützen? Überwinden kostet Kraft, kein Sieg ohne Kampf. Weiße Kleider sind ein Symbol für Reinheit und Gerechtigkeit (Offb 3,18; 4,4; 7,9.13-14; 19,8; 6,11; Jes 1,18).

Das Buch des Lebens ist ein Thema, dass sich durch die gesamte Heilige Schrift zieht. Bereits Mose wusste davon: 2Mose 32,32f; Ebenso der König David: Ps 69,29; Und Jesus spricht von der wahren Freude derer, deren Namen im Himmel eingetragen sind  Lk 10,20). Weitere Stellen: Phil 4,3;  Offb 17,8; 20,12-15).

Weiter sagt Jesus: Ich werde seinen Namen bekennen vor dem Vater und seinen Engeln (Mt 10,32; Lk 12,8).

„Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,6).

Gilt dieses Sendschreiben auch uns heute? Trifft es auch auf uns (teilweise) zu?

 

1.5.6 An die Gemeine in Philadelphia schreibe

Die Stadt Philadelphia (heute Allahsehir) war etwa 130 km östlich von Smyrna (heute Izmir)  gelegen. Sie lag an der Verbindungstrasse zwischen Sardes im Westen und Kolossä im Osten. Der Name der Stadt bedeutet Bruderliebe. In dieser Gemeinde gibt es nichts zu tadeln. Mit Smyrna als zweitgenannte hat sie als sechste einiges gemeinsam  Doch Jesus hat auch für sie  eine besondere Botschaft. Schauen wir uns die Detailaussagen genauer an.

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige; (Offb 3,7a).

Der `Heilige` bedeutet auch der Ausgesonderte, der Geweihte.  (Lk 1,36; Joh 10,36; Apg 3,14; 4,27+30; 13,35;  Hebr 7,26). „Der Wahrhaftige“ sagt von sich selbst: „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6). Oder:„dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1Joh 5,20; Jer 10,10). Er ist „der wahrhaftige Zeuge“ (Offb 3,14).

 

Der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schließen, und schließt, und niemand wird öffnet. (Offb 3,7b)

Das Bild vom Schlüssel hat mit Machtbefugnis zu tun, aber auch mit Verantwortung. David hatte als König die Vollmacht, das letzte Wort. Jesus als der Spross (Nachkomme) Davids hat alle Vollmachten übertragen bekommen von seinem Vater (Mt 28,18; Dan 7,13-14; Lk 1,31-33). Er selbst bezeugte: „Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades.“ (Offb 1,18). Jesus hat zwar auch Petrus und die übrigen Apostel (und die 70) mit besonderen Vollmachten ausgestattet (Mt 16,19; 18,19; Lk 10,19), doch seine Schlüsselgewalt (das letzte Wort) hat er niemals aus der Hand gegeben. Missbrauch der Schlüsselgewalt hat Konsequenzen: (Lk 11,52).  

Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. (Offb 3,8).

Ich kenne deine Werke“ steht im Zusammenhang mit: „du hast eine kleine Kraf

Was bedeutet die offene Tür?

Es handelt sich um Möglichkeiten, die Jesus wirkt (1Kor 16,9; 2Kor 2,12; Kol 4,3), Es sind Zugänge, neue Perspektiven,(Offb 4,1). Mpgoichkeiten, die Gott gibt. Doch wenn Jesus die Tür schließt, kann niemand öffnen (Mt 25,10-11; Lk 13,25). Was bedeutet, den Namen Jesu nicht verleugnen?  (Mt 10,33; Lk 12,9).

Siehe, ich gebe Leute aus der Synagoge des Satans, von denen, die sich Juden nennen und es nicht sind, sondern lügen; siehe, ich werde sie dahin bringen, dass sie kommen und sich niederwerfen vor deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.“ (Offb 3,9). Es gab auch in dieser Stadt eine jüdische Synagoge. Ähnlich wie Jesus, so definiert auch der Ap. Pauslus wer ein wahrer Jude ist (Röm 2,28-29). Was bei den Menschen unmöglich scheint kann Jesus machen. Die verhärteten Fronten aufbrechen. Doch dies tut Jesus nur in dieser Gemeinde, warum nicht in den anderen Gemeinden?  Philadelphia ist von Jesus geliebt!

Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.“ (Offb 3,10). Die Stunde der Versuchung, wann war sie oder steht sie noch aus? Trifft sie alle Erdbewohner auf einmal oder erlebt jede Generation, ja jeder Mensch dies aif seine Weise? (Offb 2,10; Jak 1,13; 1Thess 3,5; Lk 22,31; Offb 20,7-8; Offb 8,13; 9,4; 11,10; 13,8; 13,14;  14,6;  17,2; 17,8 Mt 24,13; 2Thess 2,10).  

„Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!“ (Offb 3,11).  Zu `Siegeskranz – stefanos` siehe den Abschnitt 4,1.

Wer überwindet, den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.“ (Offb 3,12).

Warum zur Süule? (Gal 2,10: die als Säulen angesehen wurden“ Tragende Funktionen innehaben und dies für immer).

Der Name meines Gottes (Jesus als Menschensohn sagt zu seinem Vater „mein Gott“): der Name Gottes: JHWH – der Ewige, Seiende, sozusagen dem Ewigseienden gehörend.

Der Name der Stadt Gottes, das Neue Jerusalem (Gal 4,26; Hebr 11,10; 12,22; Offb 21,2; 20,9).

Wird Jesus einen neuen Namen tragen? (Offb 19,12).

 „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,13).

(Zuerst redet Jesus zu Johannes, dann schreibt Johannes den Inhalt den Gemeinden und dann sollen die Gläubigen hören, was der Heiliege Geist jedem Einzelnen zu sagen hat. Wie das Gesagte und geschriebene im Einzelfall angewendet werden soll (Joh 14,26).

 

Offb 1,18; Jes 22,22), ὁ ἀνοίγων καὶ οὐδεὶς κλείσει καὶ κλείων καὶ οὐδεὶς ἀνοίγει·

8 οἶδά σου τὰ ἔργα, ἰδοὺ δέδωκα ἐνώπιόν σου θύραν ἠνεῳγμένην (1Kor 16,9), ἣν οὐδεὶς δύναται κλεῖσαι αὐτήν, ὅτι μικρὰν ἔχεις δύναμιν καὶ ἐτήρησάς μου τὸν λόγον (Lk 11,28) καὶ οὐκ ἠρνήσω τὸ ὄνομά μου.

9 ἰδοὺ διδῶ ἐκ τῆς συναγωγῆς τοῦ σατανᾶ τῶν λεγόντων ἑαυτοὺς Ἰουδαίους εἶναι, καὶ οὐκ εἰσὶν ἀλλὰ ψεύδονται. ἰδοὺ ποιήσω αὐτοὺς ἵνα ἥξουσιν καὶ προσκυνήσουσιν ἐνώπιον τῶν ποδῶν σου καὶ γνῶσιν ὅτι ἐγὼ ἠγάπησά σε.

10 ὅτι ἐτήρησας τὸν λόγον τῆς ὑπομονῆς μου, κἀγώ σε τηρήσω ἐκ τῆς ὥρας τοῦ πειρασμοῦ τῆς μελλούσης ἔρχεσθαι ἐπὶ τῆς οἰκουμένης ὅλης πειράσαι τοὺς κατοικοῦντας ἐπὶ τῆς γῆς. (Offb 8,13; 11,10; 13,8; 13,14;  14,6;  17,2; 17,8)

11 ἔρχομαι ταχύ· κράτει ὃ ἔχεις, ἵνα μηδεὶς λάβῃ τὸν στέφανόν σου. (1Kor 9,25;Phil 4,1; 2Tim 2,5; 2Tim 4,8; Jak 1,12; 1Petr 5,4; Offb 2,10; 6,2; 4,4; 4,10; 9,7; 14,14)

12 Ὁ νικῶν ποιήσω αὐτὸν στῦλον ἐν τῷ ναῷ τοῦ θεοῦ μου (Gal 2,10) καὶ ἔξω οὐ μὴ ἐξέλθῃ ἔτι καὶ γράψω ἐπ᾽ αὐτὸν τὸ ὄνομα τοῦ θεοῦ μου καὶ τὸ ὄνομα τῆς πόλεως τοῦ θεοῦ μου, τῆς καινῆς Ἰερουσαλὴμ ἡ καταβαίνουσα ἐκ τοῦ οὐρανοῦ ἀπὸ τοῦ θεοῦ μου (Eph 2,19-20; Gal 4,26; Hebr 11,10; 12,22; 1Petr 2,3-4;  Offb 21,2; 20,9), καὶ τὸ ὄνομά μου τὸ καινόν  (Offb 19,12).

13 Ὁ ἔχων οὖς ἀκουσάτω τί τὸ πνεῦμα λέγει ταῖς ἐκκλησίαις.

 

1.5.7 An die Gemeinde in Laodizea schreibe

(Bibeltext: Offb 3,14-22)

Laodizea, der Name bildet ein zusammengesetztes Wort. `laos` bedeutet Volk und `dikia` bedeutet Gerechtigkeit, es könnte etwa mit `Volksgerechtigkeit` übersetzt werden. Die Stadt lag im Lykostal an der Hauptroute von Epheseus in das Anatolische Hochland nach Antiochien und Ikonion.

Laodizea

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits in den fünfziger Jahren des 1. Jh. schrieb der Ap. Paulus einen Brief an die Gläubigen in Laodizea. Leider ist dieser Brief nicht erhalten geblieben (Kol 4,16). Da jedoch der uns bekannte Brief an die Kolosser auch in der Gemeinde der Laodizeer vorgelesen wurde, ist es sinnvoll diesen in unsere Betrachtung mit einzubeziehen.

Kolosser 2,1 „Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich für euch und für die in Laodizea und für alle führe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben,“ Laodizea lag östlich, Kolossä lag südlich und Hierapoliss lag nördlich in einem Dreieck etwa 180-200 km von Ephesus entfernt. Der Apostel schreibt weiter: „Ich bezeuge ihm (Epaphras), dass er viel Mühe hat um euch und um die in Laodizea und in Hierapolis.“  (Kol 4,13). Aus der Gemeinde der ersten Generation sind uns durch den Kolosserbrief neben einer Vielzahl an Gläubigen auch eine Hausgemeinde mit der Hausvorsteherin Namens Nympha überliefert worden. Später  schreibt der Apostel: „Grüßt die Brüder und Schwestern in Laodizea und Nympha und die Gemeinde in ihrem Hause.“ (Kol 4,15). Zwischen Kolossä und Laodizea gab es regen Austausch. „Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde von Laodizea gelesen wird und dass ihr auch den von Laodizea lest.“ (Kol 4,16). Es gibt sogar Hinweise dafür, dass der Ap. Paulus in jener Gegend war und zwar zum Ende seines Asiendienstes (Apg 19,22; Phlm 1,22).

Und bereits nach etwa 40 Jahren war der geistliche Stand der Gemeinde auf dem Tiefpunkt.

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, „der Amen“, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes“ (Offb 3,14).

Es fällt auf, dass Jesus ist `der Amen` (Hosea 12,1;  2Kor 1,20), Das hebräische Wort wurde in die griechische Sprache übernommen. In den Evangelien kommt dieses bestätigende Wort 65 Mal vor und zwar immer von Jesus ausgesprochen und wird übersetzt mit `wahrlich`. Im Johannesevangelium als Doppelte Bestätigung und immer um eine wichtige Aussage einzuleiten. Doch auch die Apostel und NT Autoren benutzen dieses bestätigende Wort in ihren Briefen. Es ist wie eine Unterschrift, wie ein Stempel als Bestätigung des vorher gesagten, aber auch dem, was gesagt wird.

Und er stellt sich vor mit: `der treue und wahrhaftige Zeuge` (Offb 1,5a; Jes 55,3-5; 1Thess 5,24; 1Joh 1,9; 1Joh 5,20).

Mit ihm und durch ihn begann die Schöpfung Gottes (ἡ ἀρχὴ τῆς κτίσεως τοῦ θεοῦ (1Mose 1,1ff; Hebr 1,1-3;  Joh 1,1-3;  Kol 1,15-17).

Die Gläubigen in Laodizea müssten sich noch erinnern, was der Ap. Paulus in dem Kolosserbrief schrieb: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei.“ (Kol 1,15-18).

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ (Offb 3,15-16).

Ist `lau / warm` nicht besser als kalt?  Auf was nimmt Jesus Bezug oder auf was spielt er an mit dieser Feststellung? Was bedeutet von Jesus ausgespuckt zu werden?  

Stichworte: Durchschnittlich, Mittelmäßig, nicht ganz da und nicht ganz dort, hier ein wenig und dort ein wenig, nicht hell, aber auch nicht dunkel, eine Art Dämmerungszustand. 

„Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts!, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß (nackt) bist,“ (Offb 3,17).

Etwa im Jahre 60 n.Chr. wurde Laodizea durch ein Erdbeben zerstört, doch die Stadtbewohner waren materiell so gut ausgestattet, dass sie ohne fremde Hilfe ihre Stadt noch prächtiger ausgebaut haben, als sie bereits zuvor war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies könnte sich auch auf die Christen ausgewirkt haben. Sozusagen in Eigenleistung alles selber geschafft. Solch eine Haltung kann sich auch im Leben der Christen einschleichen. Die Folgen sind gravierend. Selbstzufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit, Stolz und Hochmut. Das alles macht blind für die geistliche Realität.

Doch Jesus bringt Licht in die geistliche Finsternis und bringt ans Licht, was verborgen ist. Und dies tut er aus Liebe. Er klärt auf: du bist elend, bemitleidenswert, arm, blind und nackt. „Ich rate  dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.“ (Offb 3,18).

Jesus ist die Wahrheit und er sagt die Wahrheit. Jesus bietet an

  1. Im Feuer geläutertes Gold. Der Ap. Petrus gibt die Erklärung dazu: „auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.“ (1Petr 1,7:.
  2. Weiße Kleider: (Offb 3,4-5; 7,9-13).
  3. Augensalbe: Ps 119,18 Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.“ Mt 13,13-14; Eph 1,18: „Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“

Die geistliche Gesundheit hängt von guter Ernährung ab, deshalb sagte der Herr bereits durch den Propheten: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ (Jes 55,1; dazu auch Joh 6,22ff; 7,37;).

 

„Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!“ (Offb 3,19).

Dies tut Jesus durch die Wirksamkeit seines Geistes. (Joh 16,8). Sieben Mal sagt Jesus: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt“. 

„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ Offb 3,20).

Bei den Laodizäern ist Jesus bereits draußen vor der Tür und klopft an. Doch er liebt und deshalb wendet er passende Zuchtmittel an ((Jak 5,9). Er mahnt seine Jünger zur Wachsamkeit (Lk 12,36). Eines Tages wird er seine Tür verschließen (Lk 13,25).

 

Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ Offb 3,19-21).

Jesus will seine Macht mit den Überwindern teilen, bzw. in das Regieren einbeziehen (Offb 1,9; 20,6;  Mt 19,28;  Lk 22,30;  2Tim 2,12).

 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb 3,22).

Sind wir heute auch angesprochen? Natürlich, denn diese Aussage und Aufforderung zieht sich durch die gesamte Schriftoffenbarung. Dazu hat Gott dem Menschen die Ohren geschaffen, damit sie ihn hören und verstehen sollen.

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Versöhnung durch Vergebung

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Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation

Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation

Einleitung

Die Gläubigen an Jesus Christus sind aufgerufen zu einem Verhalten, welches der Gesinnung, den Worten und dem Verhalten von Jesus und der Apostel entspricht. Wir sind aufgerufen zu einem Verhalten, welche den Prinzipien des Reiches Gottes entspricht.

Kriege sind Folgen der Bosheit des menschlichen Herzens. Es begann mit dem Brudermord (1Mose 4,1-13; Jak 4,1). Jesus hat Kriege, Aufstände (Revolutionen) und Epidemien (Seuchen) Hungersnöte, Erdbeben (oft mit Vulkanausbrüchen) mit den Worten: „denn es muss so geschehen“ vorausgesagt (Mt 24,6-8; Mk 13,7-8; Lk 21,9-11; vgl. dazu auch(Hes 14,14-21; Offb 6,3-8). Doch nicht Gott, sondern Menschen machen Kriege. Und Gott lässt die Menschen gewähren , setzt ihnen aber auch Grenzen. Alle diese Reiche stehen unter dem direkten Einfluss des Teufels (Durcheinanderbringer) (Offb 13,1-7). Er ist zwar der Fürst dieser Welt, doch Jesus hat ihn mit samt dieser Welt besiegt (Joh 12,29; 16,11; 14,33). Kriege offenbaren die Grundtiefe der menschlichen Bosheit. Und während die Christen Kriege und Kriegshandlungen der Großen dieser ,Welt verurteilen, handeln manche von ihnen lieblos in ihrem kleinen Verantwortungsbereich. Streit, Gewalt und Machtmissbrauch  in Familien, in der Nachbarschaft, auf dem Arbeitsplatz, ja sogar unter Kindern zeugt von der verdorbenen Natur des Menschlichen Herzens (1Mose 8,21). Kriege können auch ein  Weckruf an alle Menschen zur Umkehr zu Gottsein. Die Christen sollten als erste damit beginnen.

Inmitten dieser weltlichen Reiche, errichtete Jesus sein himmlisches und ewiges Gottesreich, welches nicht materieller sondern geistlicher Natur is. Es ist ein Reicht des Friedens und der Gerechtigkeit (Jes 9,6; Dan 7,13-14; Lk 1,33). In diesem Reich herrschen andere Grundsätze und Prinzipien als in den Machtsystemen der Reiche dieser Welt. Jesus sagte Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.“ (Joh 18,36). Paulus schrieb an die Gläubigen in Rom: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

 Grundsätze und Prinzipien für Das Verhalten der Gläubigen in dieser Welt:

  1. Eine Möglichkeit ist Flucht ( (Mt 10,23; 24,16; Mk 13,14; Lk 21,21; Apg 8,1; 12,17).Die jüdische Widerstandsbewegung rief die Menschen auf zu den Waffen zu greifen. Jesus ordnete seinen Nachfolgern an zu fliehen. Viele Menschen sind auch heute auf der Flucht
  2. Bitte um Gottes Führung bei der Flucht (Mt 24,20). Dies bedeutet: Gott gewährt seinen Kindern auf deren bitte hin auf verschiedene Weise Fluchtkorridore
  3. Für Christen, welche bleiben oder bleiben müssen, ergeben sich viele Möglichkeiten zur humanitären Hilfe an Notleidenden oder Verletzten. Pastoren haben zusätzlich die Möglichkeit zum Dienst als Seelsorger.
  4. Keine Gewalt anwenden: Jesus sagte dem Petrus: „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um“ (Mt 26,52). Paulus schreibt: „Unser Kampf ist nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph 6,12).
  5. Keine Rache oder Vergeltungsaktionen: Jesus wies seine Jünger Jakobus und Johannes scharf zurecht mit den Worten: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ Und begründet dies mit den Worten: „„Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen die Seelen (Leben) der Menschen zu verderben, sondern zu retten. Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9,53-56 ST Üs.). Petrus folgt seinem Herrn und schreibt an die Christen in der Zerstreuung: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.“ (1Petr 3,9). Und Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«. 20 »Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,19-21). Das heißt auch: „lieber das Unrecht erdulden, als Unrecht tun“ (1Petr 2,19). Gerade in Kriegszeiten ist solch ein Verhalten bemerkenswert für Christen.
  6. Gebet für die Feinde: Bitte und Fürbitte zur Umkehr der Verblendeten, auch derer, die ganz oben an der Macht sind: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,43-45). Und noch am Kreuz betete er: : „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Dies ist das größte und kraftvollste Zeugnis der Gläubigen für Christus an diese Welt.
  7. Einheit des Volkes Gottes in der Gesinnung Christi. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht — euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.“ (1Petr 2,9-10; vgl. dazu auch Gal 3,26-27: „ihr alle seid eins in Christus“). Die Gläubigen sollen sich nicht mehr von den machtpolitischen und schon gar nicht militärischen Strukturen dieser Welt gefangen nehmen lassen. Sie sind alle Kinder Gottes, haben einen Vater im Himmel und sind daher untereinander Geschwister.
  8. Unsere Heimat Bürgertum) ist im Himmel: „Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland (Retter), den Herrn Jesus Christus, der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann“ (Phil 3,20-21). Egal welchen Pass wir haben, in welchem Land wir leben und welchem Volk wir entstammen. In Christus sind wir durch den einen Geist Gottes versiegelt und in das himmlische Lebensbuch des Lammes eingetragen (vgl dazu auch Eph 2,11-21). Jesus und die Apostel haben ihr Leben nicht als Patrioten ihres jüdischen Landes geopfert, sondern für das Reich Gottes.
  9. Darum „fürchtet euch nicht“: Diesen Zuspruch gibt Gott seinen Kindern mehr als Hundert Mal und er deckt alle Situationen des Lebens ab.
  10. Und am Vorabend seines Leidens uns Sterbens hinterließ Jesus seinen Jüngern das Vermächtnis des wahren Friedens: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14,27). Die Gemeinde darf dieses kostbare Gut des göttlichen Friedens nicht verschleudern.

Schlussfolgerung

Die Zeiten der Kriege, Hungersnöte, Epidemien sind für die Gläubigen Prüfungszeiten in denen ihr Glaube geläutert und gefestigt wird. Am Ende des Buches Daniel steht geschrieben: „Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen.“ (Dan 12,10). Und Jesus sagte: „Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig (gerettet). Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Mt 24,12-14). Darum: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,9-10).

Abbildung: Der Vollmond bezeugt, dass die Sonne nicht erloschen ist.

 

 

 

 

 

 

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Wer ist auf der Seite von Jesus?

 

Unser Standpunkt und Verhalten gegenüber der gegenwärtigen Situation in Europa

Ein Pastor aus einer Gemeinde in Astrachan ruft die Gläubigen auf zu einem Verhalten, welches der Gesinnung und den Worten von Jesus und der Apostel entspricht. Er ruft auf zu einer eindeutigen Position der Gläubigen an Jesus Christus, welche den Prinzipien des Reiches Gottes entspricht.

Er ist in einer russisch / ukrainischen Familie geboren . Sein Vater verließ seine Familie als er drei Jahre alt war. Er wurde von seinem russischen Stiefvater großgezogen, dessen Namen er heute trägt. Er ist mit einer ukrainischen Frau verheiratet. Er weiß wovon er redet. Er wendet sich in erster Linie an die Christen in der Ukraine mit vielen ermutigenden Worten. Doch er sagt auch: „Jetzt seid ihr dran in der Prüfung standzuhalten, aber auch wir bleiben nicht verschont“.

Die Inhalte seiner auffordernden Predigt finden ihren Niederschlag in dieser Ausführung. Welche von uns der russischen Sprache mächtig sind, können sich diese kurze Predigt im Originalton anhören. https://youtu.be/ey0VxTSeQjg

 

Einleitung

Kriege sind Folgen der Bosheit des menschlichen Herzens. Es begann mit dem Brudermord (1Mose 4,1-13; Jak 4,1). Jesus hat Kriege, Aufstände (Revolutionen) und Epidemien (Seuchen) Hungersnöte, Erdbeben (oft mit Vulkanausbrüchen) mit den Worten: „denn es muss so geschehen“ vorausgesagt (Mt 24,6-8; Mk 13,7-8; Lk 21,9-11). Es fällt gerade zu  auf, dass Jesus mit keinem Wort seine Jünger aufgefordert hatte zu beten und zu bitten, dass es nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Völkern kommen soll. Auch nicht, dass die Seuchen ausbleiben sollen. Gott selber lies durch seine Propheten dutzende Mal seinem Volk sagen, dass er das Schwert, den Hunger, die Pest kommen lassen wird wegen ihrer Sünde des Götzendienstes und dem moralischen Zerfall (Hes 14,14-21; Offb 6,3-8). Doch nicht Gott, sondern Menschen machen Kriege, doch Gott lässt die Menschen gewähren , setzt ihnen aber auch Grenzen. Alle diese Reiche stehen unter dem direkten Einfluss des Satans (Offb 13,1-7). Er ist zwar der Fürst dieser Welt, doch Jesus hat ihn mit samt dieser Welt besiegt (Joh 12,29; 16,11; 14,33). Kriege offenbaren die Grundtiefe der menschlichen Bosheit. Und während die Christen Kriege und Kriegshandlungen der Großen dieser Welt verurteilen, handeln viele von ihnen lieblos in ihrem kleinen Verantwortungsbereich. Krieg, Gewalt und Machtmissbrauch  in Familien, in der Nachbarschaft, auf dem Arbeitsplatz, ja sogar unter Kindern zeugt von der verdorbenen Natur des Menschlichen Herzens (1Mose 8,21). Kriege können auch ein  Weckruf an alle Menschen zur Umkehr zu Gottsein. Die Christen sollten als erste damit beginnen.

Inmitten dieser weltlichen Reiche, errichtete Jesus sein himmlisches und ewiges Gottesreich, welches nicht materieller sondern geistlicher Natur is. Es ist ein Reicht des Friedens und der Gerechtigkeit (Jes 9,6; Dan 7,13-14; Lk 1,33). In diesem Reich herrschen andere Grundsätze und Prinzipien als in den Machtsystemen der Reiche dieser Welt. Jesus sagte Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.“ (Joh 18,36). Paulus schrieb an die Gläubigen in Rom: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

 

Grundsätze und Prinzipien für Das Verhalten der Gläubigen in dieser Welt (auch in Kriegszeiten):

  1. Eine Möglichkeit ist Flucht ( (Mt 10,23; 24,16; Mk 13,14;  Lk 21,21; Apg 8,1; 12,17).Die jüdische Widerstandsbewegung rief die Menschen auf zu den Waffen zu greifen. Jesus ordnete seinen Nachfolgern an zu fliehen. Ein Pastor einer Gemeinde in Mariupol befolgte mit seiner Gemeinde den Hinweis von Jesus.
  2. Bitte um Gottes Führung bei der Flucht (Mt 24,20). Dies bedeutet: Gott gewährt seinen Kindern auf deren bitte hin auf verschiedene Weise Fluchtkorridore
  3. Für Christen, welche bleiben oder bleiben müssen, ergeben sich viele Möglichkeiten zur humanitären Hilfe an Notleidenden oder Verletzten. Pastoren haben zusätzlich die Möglichkeit zum Dienst als Seelsorger.
  4. Keine Gewalt anwenden: Jesus sagte dem Petrus: „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um“ (Mt 26,52). Paulus schreibt: „Unser Kampf ist nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph 6,12).
  5. Keine Rache oder Vergeltungsaktionen: Jesus wies seine Jünger Jakobus und Johannes scharf zurecht mit den Worten: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ Und begründet dies mit den Worten: „„Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen die Seelen (Leben) der Menschen zu verderben, sondern zu retten. Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9,53-56 ST Üs.). Petrus folgt seinem Herrn und schreibt an die Christen in der Zerstreuung: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.“  (1Petr 3,9). Und Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«. 20 »Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,19-21). Das heißt auch: „lieber das Unrecht erdulden, als Unrecht tun“ (1Petr 2,19). Gerade in Kriegszeiten ist solch ein Verhalten bemerkenswert für Christen.
  6. Gebet für die Feinde: Bitte und Fürbitte zur Umkehr der Verblendeten, auch derer, die ganz oben an der Macht sind: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,43-45). Und noch am Kreuz betete er: : „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Dies ist das größte und kraftvollste Zeugnis der Gläubigen für Christus an diese Welt.
  7. Einheit des Volkes Gottes in der Gesinnung Christi. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht 10 — euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid.“ (1Petr 2,9-10; vgl. dazu auch Gal 3,26-27: „ihr alle seid eins in Christus“). Die Gläubigen sollen sich nicht mehr von den machtpolitischen und schon gar nicht militärischen Strukturen dieser Welt gefangen nehmen lassen. Sie sind alle Kinder Gottes, haben einen Vater im Himmel und sind daher untereinander Geschwister.
  8. Insere Heimat Bürgertum) ist im Himmel: „Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland (Retter), den Herrn Jesus Christus, 21 der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann“ (Phil 3,20-21). Egal welchen Pass wir haben, in welchem Land wir leben und welchem Volk wir entstammen. In Christus sind wir durch den einen Geist Gottes versiegelt und in das himmlische Lebensbuch des Lammes eingetragen (vgl dazu auch Eph 2,11-21). Jesus und die Apostel  haben ihr  Leben nicht als Patrioten ihres jüdischen Landes geopfert, sondern für das Reich Gottes.
  9. Darum „fürchtet euch nicht“: Diesen Zuspruch gibt Gott seinen Kindern mehr als Hundert Mal und er deckt alle Situationen des Lebens ab.
  10. Und am Vorabend seines Leidens uns Sterbens hinterließ Jesus seinen Jüngern das Vermächtnis des wahren Friedens: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14,27). Die Gemeinde darf dieses kostbare Gut des göttlichen Friedens nicht verschleudern.

 

Schlussfolgerung

Die Zeiten der Kriege, Hungersnöte, Epidemien sind für die Gläubigen Prüfungszeiten in denen ihr Glaube geläutert wird. Am Ende des Buches Daniel steht geschrieben: „Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen.“ (Dan 12,10). Und Jesus sagte: „Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. 13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig (gerettet). 14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Mt 24,12-14). Darum: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Gal 6,9-10).

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1.2 Göttlicher Ursprung von Jesus Christus

(Bibeltexte: Mt 1,18-25;  Lk 1,26-38;  Joh 1,1-18)

Nach dem Betrachten der „menschlichen“ Abstammung und der ewigen Herkunft verbinden wir diese Aussagen mit der Geburt von Jesus.

Schon der Prophet Micha sagt über den Ursprung des Messias folgendes:

Und du Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll, und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her (Micha 5,1). Die Schriftgelehrten konnten sofort und aus dem Stehgreif dem König Herodes Auskunft geben (Mt 2,5-6).

In Lukas 1,31-32 sagt der Engel Gabriel zu Maria:

Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.

HINWEIS: Der Engel Gabriel wird außer in Lukas 1 nur in Daniel 8,16. 17; 9,21 erwähnt. Gabriel erklärt Daniel die Visionen und deren Bedeutung und überbringt dann zur Zeit des NT Zacharias die Botschaft von der Geburt des Johannes (Lk 1,19). Zur Maria wird er von Gott gesandt, um ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes zu übermitteln.

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Abbildung 5 Die katholische Verkündigungskirche in Nazaret. Die Ursprünge des Kirchenbaus an dieser Stelle gehen in das 4. Jh. zurück in Erinnerung an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die früheren Kirchengebäude wurden durch Eroberungen und auch Erdbeben immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Basilika stammt aus dem Jahre 1955 (Foto:  Juli 1994).

Der Himmel und besonders die davon gesandten Engel spielen eine entscheidende Rolle bei der Darstellung vom Leben Jesu in den Evangelien.

Die verständliche Nachfrage der Maria: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß (Lk 1,34), gibt uns einen Einblick in ihr korrektes Verhalten als Verlobte. Siehe 5Mose 22,16 (bedenke den polygamen Hintergrund des Kapitels). Das Zeichen der Jungfräulichkeit der Frau war das Laken/Decke, das in der Hochzeitsnacht genutzt wurde. Wenige biblische Hinweise finden wir für die Jungfräulichkeit des Mannes vor der Ehe. Als Grundtext für diese Thema gilt: Eph 5,23f (der reine Christus und seine reine Braut = die Gemeinde). Ihr keusches Verhalten unterstreicht gleichzeitig, wenn auch nur indirekt, den göttlichen Ursprung von Jesus Christus.

Natürlich kannte Maria Josef, ihren Verlobten, aber sie hatten als Verlobte keinen Geschlechtsverkehr miteinander. Aus der großen Perspektive Gottes ist es nicht vorgesehen, dass zwei junge Menschen, auch wenn sie schon verlobt sind, sexuell miteinander verkehren. Wenn Gott dies in die Beliebigkeit der Einzelnen gestellt hätte, wäre der biblische Hinweis auf die Jungfrauengeburt noch schwieriger nachzuvollziehen. Gott hatte von Beginn an die Geburt seines Sohnes durch eine Jungfrau geplant, so bekommt auch die Ordnung für Verlobte einen Sinn (siehe 5Mose 22,14).

Der Engel Gabriel ließ Maria natürlich nicht im Ungewissen über die Art und Weise der Zeugung, wenn er erklärt:

Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten (= Gott) wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden (Lk 1,35). Thiede bemerkt hierzu: „Sie (Maria) muss genauso verwirrt gewesen sein, wie die Leser es seither sind, und die Erklärung, die der Engel gibt, zielt nicht darauf ab, Gynäkologen zufrieden zu stellen.“

Abbildung 6 Das unendliche Blau des Himmels, die Wolken und Berggipfel erinnern an die himmlische Sphäre, von der aus sich Gott im Laufe der Geschichte den Patriarchen, den Propheten Mose, Samuel, David, aber auch der Maria in Nazareth offenbart hat (Foto: Petra im Süden von Jordanien 5. November 2014).

Ob Maria es verstanden hat, ist nicht sicher, geglaubt hat sie es:

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort (Lk 1,38).

Kritiker des Neuen Testamentes behaupten, dass Götter und Söhne von Göttern in der heidnischen Antike auf ähnliche Weise geboren wurden. Doch wir weisen auf den unübersehbaren Unterschied zu den so genannten religionsgeschichtlichen „Parallelen“ hin. Der biblische Bericht ist zurückhaltend, nüchtern und beschreibt nicht den Vorgang der Empfängnis im Detail. Somit ist die Jungfrauengeburt tatsächlich ohne jegliche biblische oder gar religionsgeschichtliche Ähnlichkeit. Vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis ist lediglich der alttestamentliche Gedanke des Wohnens (schakanti = Schechinah die Einwohnung) Jahwes bei den Menschen z. B. in der Stiftshütte (2Mose 25,8-9). (Hier zwei Beispiele für antike Mythen über Jungfrauengeburten: 1. Alexander der Große sei durch einen Blitzstrahl gezeugt worden, den seine Mutter in der Hochzeitsnacht empfing. 2. Platons Neffe Speusippos, Sohn seiner Schwester, berichtet von einer in Athen verbreiteten Sage, wonach Platon ein Sohn des Gottes Apoll gewesen sei. Bis zu Platons Geburt habe Platons Vater Ariston sich des (Geschlechts)Verkehrs mit der Gattin Periktione, der Mutter Platons, enthalten).

Der Engel Gabriel hat noch eine wichtige Zusatzbotschaft an Maria zu verkünden, nämlich:

Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit und seines Königtums wird kein Ende sein (Lk 1,32b-33).

Diese Prophezeiung ist nicht neu, sie wurde schon rund eintausend Jahre vorher David gegeben (2Sam 7,13b-16).

Und ich werde den Thron seines Königtums festigen für ewig.

 14 Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen.

 15 Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul habe weichen lassen, den ich vor dir weggetan habe.

 16 Dein Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.

Sie galt zuerst Davids Nachkommen (bei Ungehorsam mit Ruten schlagen), hatte aber die Ewigkeit zur Aussicht. Gott hielt beide Zusagen – als die Zeit erfüllt war (Gal 4,4).

Der Evangelist Matthäus schreibt:

Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so; Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger gefunden von dem Heiligen Geist (Mt 1,18).

Das Ungewöhnliche, das Besondere, das Einmalige wird hier betont. Maria wurde schwanger, ehe sie (Maria und Josef) zusammenkamen“. Hier betont auch der Evamgelist Matthäus, dass Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht üblich war – Jesus also nicht natürlich gezeugt wurde. Für diese ungewöhnliche Zeugung fand er eine alttestamentliche Prophezeiung:

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen. (Jes 7,14).

Diese Prophezeiung ist wie viele alttestamentliche Prophezeiungen mehrschichtig. Das Zeichen, dass eine junge Frau schwanger würde, bezog sich zuerst auf Jesajas Zeitgenossen Ahas und das Volk Juda. Aber wie viele andere Verheißungen des Alten Testamentes barg auch diese eine noch in der Zukunft liegenden Erfüllung. Der hebräische Begriff:  ha almah, bedeutet allgemein: die junge Frau im heiratsfähigen Alter, kann aber auch die weibliche Person bezeichnen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, was in Israel die Regel war. Bei der Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes in die griechische Sprache wurde an dieser Stelle der Begriff „παρθέμος – parthenos` Jungfrau gewählt. „Die griechische Übersetzung des AT aus dem 2. Jh. vor Chr. wird Septuaginta/LXX (=Siebzig/lateinische Zahlen für 70) genannt, da angeblich 72 Übersetzer nach 72 Tagen diese Übersetzung im 2Jhd. v. Chr. anfertigten“ (Aristeasbrief 9-11.41.46.50.121.301f.307-311). Dieser griechische Begriff meint im Neuen Testament eine junge Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, bzw. Jungfräuligkeit (1Kor 7,25-40;  2Kor 11,2). Matthäus will, geleitet durch den Heiligen Geist, mit diesem Begriff die Jungfräulichkeit Marias unterstreichen und die weitere und endgültige Erfüllung jener alttestamentlichen Verheißung aus Jesaja 7,14 hervorheben.

Der Evangelist Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit”. Johannes (der Täufer) zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich” (Joh 1,1.14-15)…

Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist (Joh 1,34).

Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: Anfang des Evangeliums Jesu Christi (des Sohnes Gottes).

Weitere Bibelstellen zum göttlichen Ursprung von Jesus Christus: vgl. Ps 110,1 mit Mt 22,42; Joh 8,58; 20,28; 1Joh 5,20; vgl. Ps 2,7 und 2Sam 7,14 mit Hebr 1,3-5ff; Röm 9,5.

In den folgenden Abschnitten unserer Bibelstudien wollen wir die verschiedenen Details der Menschwerdung und Geburt von Jesus zeitlich-chronologisch betrachten und zwar in dem historischen, geographischen und kulturellen Umfeld der damaligen Zeit.

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Gott spricht zu Josef im Traum

1.3 Gott spricht zu Josef im Traum

            (Bibeltext: Mt 1,18-25)

Gott sucht sich einen Mann namens Josef, als Adoptivvater für seinen Mensch gewordenen Sohn. Josef,- der Name bedeutet: Gott möge hinzufügen. Der Evangelist Markus und der Apostel Paulus erwähnen Josef nicht. Es könnte sein, dass der Evangelist Matthäus seine Information über Josef von Jakobus, dem Bruder von Jesus erhielt. Der Evangelist Lukas könnte Jakobus selbst befragt haben. Josef übernimmt die Fürsorgepflicht und die Verantwortung für die leibliche und materielle Versorgung von Jesus.Josef stammt vom Haus Davids ab, hat aber irgendwann die Heimatstadt Bethlehem wahrscheinlich aus beruflichen Gründen verlassen. So wohnt und arbeitet er in Nazaret, einer Kleinstadt im südlichen Galiläa. Schätzungen gehen von 200-2000 Einwohner (Malina spricht sich für 200 Einw. aus Malina 2003, 7).

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Abbildung 7 Die arabisch-christliche Stadt Nazaret in Südgaliläa ist bis heute weltbekannter Pilgerort für viele Menschen, die aus aller Welt nach Israel kommen. Damals lebte Josef hier und arbeitete als Häusererbauer (Foto:  Juli 1994).

In Nazaret geht Josef seinem Beruf nach und baut Häuser (Mt 13,55;  Mk 6,3).

Der griechische Begriff für diesen Beruf ist `τέκτων tektön`, einer der Häuser baut. Die Wortwurzel ist noch im deutschen “Archi-tekt” herauszuhören. Ludwig Schneller, lebte und arbeitete Ende des 19. Jh. in Bethlehem und weist daraufhin, dass die Bewohner Bethlehems unter anderem gute Meister im Häuser bauen waren. Er nimmt an, dass es in Bethlehem nicht genug Arbeit gab und Josef mit anderen Berufskollegen außerhalb Bethlehems Arbeit suchte (Schneller 1890, 58ff). Die europäische/nordatlantische Vorstellung, dass er Zimmermann war und mit Holz arbeitete, ist vor dem Hintergrund des Waldreichtums in Nordeuropa zu sehen. Zur Zeit Luthers baute man Häuser zum größten Teil aus Holz. In Palästina gab es allerdings schon im Altertum wenige Wälder und damit wenig Holz. Schon König David und dessen Sohn Salomo ließen Holz aus dem Libanon für den Bau des Tempels in Jerusalem importieren (1Kön 5,15).

Josef wird von den Evangelisten Matthäus und Lukas als `δίκαιος – dikaios` gerecht charakterisiert (Mt 1,19; Lk 1,27). Gerecht bedeutet im Neuen Testament grundsätzlich: dem Standard, Willen und Charakter Gottes entsprechend. Hier dürfen wir wenigstens feststellen: Josef lebt in einer aufrichtigen Beziehung zu Gott. Maria ist mit ihm verlobt, und sie warten auf den geeigneten oder auch schon bestimmten Termin für ihre Hochzeit. Die Partnerwahl und dann die Verlobung wurden meistens durch die Eltern vermittelt. Der Begriff Hochzeit oder Heirat, griechisch `γάμος – gamos`, kommt zwar in diesen Texten nicht vor, wird aber umschrieben mit: `συνελθείν – synelthein` zusammenkommen; andere Übersetzer weniger passend: heimholen. Der Satz: „ehe sie zusammengekommen waren” (Mt 1,18) lässt sogar die Vermutung zu, dass der Hochzeitstermin schon feststeht. Dem Evangelisten Matthäus liegt viel daran zu betonen, dass die Schwangerschaft ohne Zutun des Josef zustande kam.

Gerecht in diesem Zusammenhang bedeutet für einen jüdischen Mann auch: er löst die Verlobung, um so dem Vater des Kindes die Möglichkeit zur Heirat zu geben.

Es gibt nur eine Möglichkeit, wie Josef von der Schwangerschaft Marias erfährt. Nur sie selbst kann es ihm gesagt haben. Es entsteht der Eindruck, dass er ihr erst nicht glaubt und sie entlassen will, natürlich ohne Aufsehen und ohne sie bloß zu stellen (Mt 1,19). „Eine Verlobung aufzulösen, wurde wie eine Scheidung betrachtet = eine rechtlich wirksame Entlassung geschah meist schriftlich. Hier wird deutlich, dass Josef wirklich eine ehrenwerte Persönlichkeit ist. Nach dem Gesetz hätte Maria bei ungenauer Untersuchung des Falles im Extremfall die Todesstrafe durch Steinigung gedroht (5Mose 22,20-27). Im 1. Jahrhundert wurde allerdings dieses Extrem meist vermieden“ (Strack 1982, 45f). Josef hat das Recht Maria anzuzeigen, da sie seine Verlobte ist. In dieser für Josef und Maria schwierigen Situation greift Gott ein. Ein Engel erscheint Josef im Traum und nimmt ihm Furcht und Zweifel:

Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau zu dir zu nehmen, denn das in ihr gezeugte ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden (Mt 1,20b-21). Mehrfach offenbarten sich Gott Josef  durch Engel im Traum: Mt 1,20. 24; 2,13. 19.

Gut möglich, dass derselbe Engel Gabriel auch die Botschaft für Josef überbrachte. Auch Josef wird beauftragt, dem Kind den Namen Jesus zu geben. Josef, vom Schlaf erwacht, ändert sofort seine Einstellung und Meinung in Bezug auf Maria, seine Frau. Vom Engel wird Maria zu diesem Zeitpunkt die Frau von Josef genannt (Mt 1,20). Diese Bezeichnung für eine Verlobte entspricht der Aussage in 5Mose 22,24. „Niemand konnte ihnen etwas tun, da Josef das Kind Jesus legitimiert hatte, indem er Maria geheiratet und ihren Sohn adoptiert hatte“ (Thiede 2006, 67).

Er zeigt sofortigen Gehorsam dem Wort des Herrn gegenüber.

Josef aber, vom Schlaf erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich (Mt 1,25a).

Für Matthäus war noch wichtig zu betonen, dass Josef seine Frau nicht erkannte, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte (Mt 1,25b). Das Verb „erkannte“ `εγίνωσκεν eginösken` meint auf dem Gebiet der Ehe den Geschlechtsverkehr, das Ein-Fleisch-Werden. Vielleicht hat Matthäus dies deswegen betont, damit bei den Lesern keine unnötigen Fragen oder Zweifel in Bezug auf die übernatürliche Schwangerschaft der Maria aufkommen – zwei Menschen mit einem großen Geheimnis! Es sieht nicht danach aus, dass sie das Erlebte nun allen erzählt hätten. Denn auch später herrscht die Meinung, dass Jesus der Sohn Josefs ist. In Lukas 3,23 (auch Joh 1,45; 6,42) heißt es:

Und er selbst, Jesus, …war, wie man meinte, ein Sohn des Josef.

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26. Frage: Ist dieser nicht der Zimmermann Sohn der Maria?

Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Wundertaten geschehen durch seine Hände? Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?“ (Mk 6,1-3).

Die vollmächtige Verkündigung von Jesus in seiner Vaterstadt erregt großes Aufsehen bei den Bewohnern von Nazaret. Nach dem ausführlicheren Parallelbericht des Lukas sind sie zunächst begeistert von dem Sohn ihrer Stadt (Lk 4,22). Doch nachdem Jesus auf ihre wahre Herzenseinstellung zu sprechen kommt, wechselt die anfängliche Euphorie bald in offene Ablehnung.

Durch ihre Fragen erhalten wir wertvolle Informationen über den Beruf von Jesus und seine Familie, Die gr. Berufsbezeichnung `tektonos` schließt zwar die Holzarbeiten mit ein, doch wäre sie mit `Baumeister` vollständiger übersetzt. Diesen Beruf erlernte er von Josef. Man kennt Jesus in Nazaret als den Sohn Josefs (Lk 4,22) und Sohn von Maria. Das Geheimnis der Menschwerdung ist ihnen jedoch nicht bekannt. Er hat vier weitere namentlich genannte Brüder und mindestens zwei Schwestern, die nach wie vor in Nazaret wohnen.

In den Fragen der Nazarener schwingt Unzufriedenheit und Missgunst mit. Ihre ablehnende Haltung gegen Jesus wird durch die Bemerkung verstärkt: „Und sie ärgerten sich an ihm.“ (Mk 6,4). Jesus wurde für sie zum Anstoß, denn was er sagt, passt ihnen nicht. Darauf antwortet Jesus mit einer Feststellung:„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in seinem Hause.“ Diese Feststellung entspricht der uralten Verhaltensweise des Menschen (1Mose 3,1ff).  Ähnliche Ablehnung erfuhren auch die Propheten Mose und Elia.   Wundert es uns, wenn auch wir heute ähnliche Erfahrungen machen? Man hört und achtet eher auf eine fremde oder weniger bekannte Stimme als auf die vertraute Stimme des von Gott gesandten Propheten Jesus Christus. Dieses Verhalten nennt Jesus Unglauben. „Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte. Und er wunderte sich über ihren Unglauben.“ (Mk 6,5-6).

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