Kapitel 6: Die vierte Dienstperiode – in Judäa

 6.1 Jesus am Teich Bethesda

(Joh 5,1-18)

Nach Johannes 5 zieht Jesus erneut hinauf nach Jerusalem zu einem nicht näher beschriebenen Fest.[125] Wenn wir uns an der Wortwahl des Evangelisten Johannes orientieren, müssen wir uns zwischen dem Passah und dem Laubhüttenfest entscheiden. Von dieser Entscheidung hängt ab, ob Jesus 2 ¾ oder 3 ¾ Jahre gewirkt hat. Das Passahfest scheint uns aus zwei Gründen das wahrscheinliche Fest zu sein:

das Passahfest ist das wichtigste religiöse Ereignis des Jahres in Israel

der regelmäßige und gewohnheitsmäßige Besuch von Jesus zum Passahfest wird in Lk 2,41 ausdrücklich betont.

Mögliche Festfolge mit möglichen Jahresangaben nach dem Johannesevangelium[126]

März April Mai Oktober Dezember
Während des Jahres 30 n. Chr.
Purim Passah/Pessach

Joh 2,13.23Pfingsten

SchavoutLaubhüttenfest

SukkotTempelweihe

ChanukkaWährend des Jahres 31 n. Chr.PurimPassah/Pessach

Joh 5,1?

(„ein Fest“)Pfingsten

SchavoutLaubhüttenfest

SukkotTempelweihe

ChanukkaWährend des Jahres 32 v. Chr.PurimPassah/Pessach

Joh 6,4Pfingsten

SchavoutLaubhüttenfest

Sukkot

Joh 7,2.37Tempelweihe

Chanukka

Joh 10,22,23Während des Jahres 33 n.PurimPassah/Pessach

Joh 12,1; 13,1: 19,14 (Freitag)Pfingsten

Schavout

Apg 2,1

Jesus geht hinauf zur Stadt Jerusalem und zum Fest – die Jünger werden seltsamerweise allerdings im ganzen Kapitel nicht erwähnt. Nicht weit vom Schaftor (heute St. Stephanstor?) kommt er zu einem Teich. Volkstümlich hat dieser den Namen Bethesda (Haus der Barmherzigkeit) allerdings wird er in den besten Textzeugen Bethzatha (aramäisch: Haus des Olivenbaums?) genannt. Die genaue Lage wird seit 1888 in der Nähe der Kirche St. Anna(e) angegeben. Dort fand man die Überreste eines Freskos mit einem Engel, der die Wasser bewegt. Zurzeit von Jesus gibt es dort wohl 5 überdachte Säulenhallen für kranke oder behinderte Menschen mit vielerlei Leiden. Wir lesen, dass die Heilung mit der Bewegung des Wassers in Zusammenhang gebracht wurde. Die Erklärung von V. 4, dass ein Engel mit der Bewegung des Wassers den jeweils ersten im Wasser heilte, finden wir nicht in den besten Textzeugen.[127] An diesem Tag findet diese Erklärung auch keine Unterstützung – denn nicht ein Wasser oder Engel oder beides, sondern Jesus heilt.

Ein bestimmter Mann von den vielen Kranken erregt die Aufmerksamkeit von Jesus. Dieser Mensch ist seit 38 Jahren krank – er wird als „verdorrt“ bezeichnet. Jesus sieht den Mann mit innerer Anteilnahme an. Seine lange Krankheitsgeschichte berührt ihn. Woher kennt er diese:

  • jemand erzählt es ihm ganz natürlich
  • der himmlische Vater offenbart es ihm
  • Jesus als der Gottessohn kann selbst in das Verborgene schauen

Alle drei Möglichkeiten sind in Erwägung zu ziehen. Jesus spricht den Kranken an und fragt ihn, ob er gesund werden wolle – so als könne es auch sein, dass sich dieser Kranke mit seinem Schicksal abgefunden hätte und eventuell gar keine Änderung mehr wolle. Der Kranke muss seine hoffnungslose Lage und seine Unfähigkeit sich selbst zu helfen artikulieren. Die Lage an diesem Teich ist wohl von Konkurrenz und vom Verdrängungswettbewerb und so gar nicht von Solidarität gekennzeichnet. Der Kranke gehört wohl zu denen, die schon lange nicht mehr auf der Überholspur leben. Doch die Frage von Jesus weckt Hoffnung – allerdings hört der Kranke nicht das Angebot, ihn bei der nächsten günstigen Gelegenheit ins Wasser zu tragen, sondern die unvergesslichen Worte: Steh auf, nimm dein Bett (Matratze) auf und geh umher! Der Mann gehorcht und ist sofort ganz geheilt.

Doch statt größte Freude der Mitmenschen kommt die kalte Dusche sehr bald: Der Tag seiner Heilung ist ein Sabbattag. Das Sabbatgebot sehr strikt zu halten ist das Bemühen der Frommen Israels, um so das Heil zu erlangen. Doch dieses Bemühen verdeckt die Sicht auf den Heiland/Retter, der vor ihnen steht. Nach der damals üblichen Auslegung von 2Mo 20,10 und Jer 17,19-27 (auch Neh 13,15) ist das Tragen der dünnen Matratze eine verbotene Handlung. Allerdings beziehen sich diese Texte mehr auf das Lastentragen mit dem Ziel Gewinn zu erwerben. Der Geheilte antwortet fast naiv auf die Frage, wer ihm das Wegtragen seiner Matratze geboten habe, dass dies ihm vom Heiler geboten worden sei, den er aber nicht näher kenne. Interessant ist hier, dass die kritischen Fragesteller in keiner Weise Freude über die Heilung mit ihm teilen, sondern nur den angeblichen Gesetzesbruch erforschen wollen. Später trifft Jesus den Geheilten – wahrscheinlich im Vorhof der Heiden – und spricht ihn auf seinen geistlichen Zustand an. Dies geschieht nach der dramatischen Heilung. Jesus spricht hier nicht eine punktuelle spezifische Sünde an – er deutet auch nicht auf eine Sünde die vor 38 Jahren begangen wurde hin. Der Evangelist Johannes wählt die griechische Verbform, die auf die Gegenwart weist: „fahre nicht fort zu sündigen.“ Es ist sein jetziger Zustand den Jesus anspricht – er muss mit Gott versöhnt werden. Doch der Zusatz in V. 14: „Damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre“ macht deutlich, dass ein sündiger Lebensstil verschiedene negative Folgen nach sich zieht. In Johannes 9,3 drückt sich Jesus differenzierter aus und macht klar, dass nicht jede Krankheit oder Behinderung eine Folge der Sünde sei.

Der Geheilte berichtet den religiösen Autoritäten nach dieser Jesusbegegnung, dass Jesus ihn geheilt habe (er redet hier nicht davon, wer ihm befohlen habe seine Matzratze wegzutragen). Deren bestehendes spannungsvolles Verhältnis zu Jesus eskaliert weiter. Jesus erkennt ihre Gedanken und entgegnet ihnen mit dem Hinweis auf das Wirken des Vaters und auf sein eigenes Wirken, das er in einen sehr engen Zusammenhang stellt. Jesus sagt mit anderen Worten, dass Gott selbst bis zu diesem Tag wirkt bzw. heilt – auch am Sabbat. Damit unterstellt Jesus seinen Gegnern, dass sie Gott selbst wegen der Sabbatschändung anklagen. Dazu noch Gott als „mein Vater“ zu bezeichnen, hört sich in Ohren von sehr strikten Monotheisten gotteslästerlich an (siehe Joh 1,14). Das Vaterverhältnis Gottes zu Israel wird zwar in Jes 63,16 ausgedrückt, doch ein persönliches Vaterverhältnis zum Schöpfergott wird von den Gegnern vehement abgelehnt. In diesem Fall verstehen wir Leser heute diese Aussagen ja auch als Hinweise auf das Geheimnis der Dreieinigkeit[128]. Der Evangelist Johannes stellt diese Worte heraus, denn dies ist sein Anliegen bei der Niederschrift seines Evangeliums.

Das Thema des ganzen Johannesevangeliums finden wir in Joh 20,30-31:

Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen (Joh 20,30-31).

Jesus gerät mit diesen sehr starken Entgegnungen und dem Anspruch göttlichen Ursprungs zu sein, noch stärker ins Fadenkreuz seiner Gegner, die jetzt sogar die Todesstrafe wegen Gotteslästerung anstreben. So scheiden sich an Jesus die „Geister“ – entweder man erkennt nach dieser Heilung seine Göttlichkeit oder man wendet sich ab und beschließt dessen Ende.

Fragen:

  1. Wie gehen wir mit der Situation am Teich um? Wie beschreiben wir die Heilungshoffnungen? Welche Ursache für Heilungen kann es geben?
  1. Wie gehen wir mit dem Vorwurf um, dass keiner zur Stelle war, als Hilfe benötigt wurde?
  1. Gibt es Konkurrenz und Verdrängungswettbewerb in der Gemeinde?
  1. In welcher Beziehung stehen Sünde und Krankheit?
  1. Beschreibe die Spannung von Tradition und plötzlichem Jesuserleben. Wie wollen wir im Gemeindeleben damit umgehen?
  1. Jesus dringt in unser Leben mit seinem göttlichen Anspruch ein – wie werden wir damit umgehen?

6.2 Die einzigartige Beziehung des Vaters zum Sohn

(Joh 5,19-47)

Hebräische und griechische Begriffe im Text:

´Αμην´,- amen – so ist es, wahrlich, wahrhaftig. Der Begriff  bestätigt das was nun gesagt wird, oder das bereits gesagte. Es ist kein Schwur, den ein Schwur ist immer dort, wo das Gesagte mit einem Höheren verbunden wird (Hebr 6,16).

Jesus selbst hat nie geschworen, er hatte es nicht nötig. Als der Hohepriester Kaiphas ihn bei Gott beschwor zu sagen, ob er der Christus, der Sohn des Hochgelobten wäre, sagte Jesus nur: „Du sagst es“ (Mt 26,63-64).

´Φιλια´,- filia – Liebe Freundschaft. In diesem Liebesbegriff ist auch der freundschaftliche Aspekt enthalten.

´Νεκρος´,- nekros – Toter. In folgendem Text sind ´geistlich tote´ Menschen gemeint.

´Ζωη´,- soe – Leben.

´Κρισις´,-krisis – Gericht, Gerichtsprozess.

´Λογος´,- logos – Wort. Der Begriff  ´logos´ unterscheidet sich ein wenig vom Begriff ´rema´, der soviel wie ´Ausspruch´ bedeutet.

´Φωνη´,- fone – Stimme.

´Αναστασις´,- anastasis – Auferstehung.

´Εγω´,- ego – ich.

´Μαρτυρια´,- martyria – Zeugnis.

´Ανθρωπος´,- anthropos – Mensch.

´Κατηγορια´- kategoria – Anklage.

Γραφη (αι) –grafe (ai) –  Schrift (en) (Heilige).

6.2.1 Die bewusste Abhängigkeit des Sohnes vom Vater

Der Evangelist Johannes berichtet uns im Anschluss an die Heilung am Teich Bethesda, dass Jesus anstatt mit seinen religiösen Gegnern einen moderaten Mittelweg zu finden oder gar seine Ansprüche herunterzufahren oder zu verdecken, bewusst die Wahl trifft, mit sehr kräftigen und deutlichen Worten seine Stellung beim Vater und seine Sendung vom Vater deutlicher auszusprechen. In dieser bedrohlichen und sehr angespannten Situation beschreibt Jesus das ´Vater-Sohn´ Verhältnis. So emotional bewegend Jesus von der liebevollen Abhängigkeit vom Vater spricht: „Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut“, drücktt er damit zum wiederholten mal unmissverständlich seine göttliche Herkunft aus. So haben es auf jeden Fall seine Gener verstanden, wie schon aus Vers 18 hervorgeht.

Der Vater zeigt dem Sohn alles, was er tut, er verbirgt nichts, er hält nichts zurück von dem, was er weiss und was erkann. Er bezieht seinen Sohn voll und ganz in seine Tätigkeit/Wirksamkeit ein. Dies unterstreicht das vollkommene Vertrauen gegenüber dem Sohn. Es ist eine wahrhaft vollkommene und göttliche Beziehung. Und nach dieser Vorbild-Beziehung sollte sich jede Beziehung zwischen Eltern und Kindern ausrichten.

6.2.2 Die erste Auferstehung,- die Auferstehung des Geistes/Seele

Die majestätische Einleitungsformel avmh.n avmh.n le,gw u`mi/n amen, amen legœ hymin Wahrlich, wahrlich, ich sage euch macht deutlich, dass jetzt wesentliche wohl durchdachte und formulierte Worte folgen. Johannes lässt seine Leser ein wenig in die himmlische Hausordnung hineinschauen. Er stellt die liebevolle Abhängigkeit des Sohnes zum Vater in all seinen Aktionen heraus. Der Blick des Lesers wird dann vom Wunder am Teich Bethesda über das Auferstehungswunder zum letzten Gerichtstag geweitet. Dort wird die ewige Zukunft aller Menschen sich an Jesus ausrichten, Doch die Trennung erfolgt schon hier zu Lebzeiten:

  • Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben“ (Joh 5,24-25).

So wie alle Menschen in Adam sterben, so werden sie in Christus wieder lebendig gemacht – geistlich und leiblich (1Kor 15,22). Voraussetzung ist das hören auf Jesus und glauben an Gott. Hören meint hier mehr als nur akustisch die Stimme und Aussagen von Jesus zu hören, es meint hinhören, hinhorchen und auch gehorchen. Das heißt auch, dass schon zu lebzeiten Jesu Menschen durch den Glauben an ihn wiedergeboren werden konnten (vgl. auch Joh 3,3-7). Mit Jesus ist diese neue Zeit, das Königreich Gottes angebrochen.  Vater und Sohn werden auch im Gericht absolut eins sein – keiner kann sie gegeneinander ausspielen. Ehre gebührt darum nur beiden oder keinem – jetzt und am letzten Tag. Jesus erhebt damit im Detail einen göttlichen Anspruch: mit Jesus haben wir das Leben, ohne ihn gar nichts! Diese exklusive Stellung von Jesus und der damit verbundene Anspruch, dass es nur durch Jesus Heil/Rettung gibt, ist zu allen Zeiten ein Stolperstein, den wir im Johannesevangelium und dann auch in der Offenbarung finden:

Johannesevangelium Offenbarung
Erste Auferstehung zum Leben Erste Auferstehung zum Leben
Joh 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben … er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.

5,24… und kommt nicht ins GerichtOff 20,4f … ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre…

Dies ist die erste Auferstehung.

Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht…Zweite Auferstehung zum TodZweite Auferstehung zum TodJoh 5,28f Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts.

Offb 20,11f Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß… Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken… Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.

Diese Hinweise zum letzten Gerichtstag lassen sich zusammenfassen:

  • Neben der Offenbarung enthält auch das Johannesevangelium klare Hinweise auf das Endgericht
  • Die erste Auferstehung hat nichts mit dem Körper zu tun, sie bezieht sich auf die Seele/Geist des Menschen. Derjenige, der die Worte von Jesus Christus aufnimmt, der hat ewiges Leben (Joh 1,14 und 3,16) – dies ist seine erste Auferstehung von den Toten (vgl. auch Eph 2,1;  Kol 2,13).
  • Menschen, die Jesus Christus in der „ersten Auferstehung“ erlebten, brauchen die zweite Auferstehung nicht zu fürchten – für sie gibt es kein Verdammungsurteil.
  • Die zweite Auferstehung ist körperlicher Art und universal (Joh 5,28-30).
  • Weder im Johannesevangelium noch in der Offenbarung erfahren wir, dass zwischen der Auferstehung der Gläubigen und der Ungläubigen 1000 Jahre liegen.
  • Die körperliche Auferstehung aller ist zwar ein Ereignis, aber sie hat zwei ganz unterschiedliche Qualitäten: zum LEBEN oder zum TOD!

Jesus ist unser Schicksal – im Leben und Sterben. Er hat wie der Vater in sich selbst das LEBEN und ist der Vermittler von Leben für uns – aber auch unser Richter. Kein Mensch hat je diese Funktion oder Autorität – nur Jesus der Mensch und Gott (V. 22. 27).

6.2.3 Jesus unterstellt sich dem 2/3 Zeugen Prinzip

Nach der majestätischen Einleitung fragt sich natürlich jeder, wer kann so sprechen? Hier zitiert Jesus die gängige Meinung, dass keiner über sich selbst ein objektives Zeugnis geben kann (5Mose 19,15). In V. 32 wird zunächst verschlüsselt festgestellt, dass ein anderer über Jesus ein Zeugnis gibt – gemeint ist wahrscheinlich Johannes der Täufer (1. Zeuge), wie gleich in V. 32 erläutert wird (nach anderer Auffassung ist mit dem „ein anderer“ der Vater gemeint V. 37). Natürlich benötigt Jesus nicht ein Zeugnis eines Menschen (V.34), aber er ordnet sich sozusagen auch diesem Zeugnis unter, eben zu Gunsten der Menschen, nicht weil er es für sich nötig hätte (siehe auch 1,19-28; 3,22ff). Jesus sagt, dass das Zeugnis des Johannes wahr ist – und da es auf ihn weist auch rettend. Jesus bezeichnet sich selbst als Licht und Johannes als Lampe. Vom begrenzten Licht des Johannes waren früher (hier steht bewusst die Vergangenheit, da Johannes der Täufer zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis war) viele begeistert angezogen worden – doch waren die gleichen Menschen nicht bereit zum eigentlichen Licht zu kommen.

Die Bestätigung von Jesus durch den Vater geschah u.a. durch Zeichen und Wunderwerke (2. Zeuge). Diese Bestätigung überbietet das Zeugnis von Johannes bei weitem (Joh 5,33-36). Nikodemus bestätigt dies durch seine Äußerung: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm“ (Joh 3,2). Doch auch der Vater selbst bestätigte Jesus (3. Zeuge):

  • Bei der Taufe durch die himmlische Stimme (Mk 1,11)
  • Als Jesus mit den drei Jüpngern auf dem Heiligen Berg war (Mt 17,5;  Mk 9,7;  Lk 9,35;  2Petr 1,16-18)

Jesus wird dann sehr deutlich und wirft seinen Zeitgenossen vor, dass sie Gott in ihm weder hören noch sehen. Die Gläubigen des Alten Testamentes haben zwar ewiges Leben – auch weisen die alttestamentlichen Berichte auf dieses ewige Leben hin. Doch die Schriftforscher zur Zeit von Jesus verpassen dieses ewige Leben, weil sie Jesus Christus nicht im Alten Testament erkennen können (siehe Joh 5,45-47). Aus unserer heutigen Sicht müssen wir natürlich zugeben, dass dies in der vorösterlichen Situation sehr schwierig war. Christus gab doch auch noch nach seiner Auferstehung den Emmausjüngern Nachhilfe in diesem „Fach“. Dieser Mensch aus Nazareth kann in den Augen seiner Zeitgenossen nie und nimmer der Sohn Gottes sein, der das ewige Leben gibt. Andere wie dann Theudas, Judas von Galiläa (siehe Apg 5,36) und Barkochba (132-135 n. Chr.) kommen in ihrem eigenen Namen und beanspruchen der „Messias“ zu sein, von ihnen sagt Jesus vorher, das die Menschen ihnen gerne glauben werden, auch wenn sie dies nur nach ihrem eigenen Zeugnis tun. Jesus sieht als den eigentlichen Hinderungsgrund ihn als Gottessohn und Messias nicht anzuerkennen: mangelnde Liebe Gottes in deren Herzen. Sonst hätten sie die Stimme Gottes in Bezug auf Jesus ernst genommen. Auch ein Mose (4. Zeuge) weise schließlich auf Jesus hin, also die Lichtgestalt des Alten Testamentes, als dessen Nachfolger sich so viele Zeitgenossen von Jesus so gerne sehen. Wir denken dabei an folgende Stellen aus den fünf Mosebüchern: 1Mose 3,15; 9,26; 22,18; 49,10;  4Mose 24,17; 5Mose 18,15-18). Jesus wirft mit anderen Worten seinen Gegnern vor: Ihr seid Mose Fans, aber ihr glaubt ja noch nicht einmal seinen Schriften – wie viel weniger werdet ihr meinen Worten glauben! Hier wird der Kontrast im Grundtext durch diesen Chiasmus stark herausgearbeitet und auf den Punkt gebracht:

seinen Schriften          glauben

nicht glauben              meinen Worten?

Wir sehen wie die 4 Begriffe wie mit einem „x“ verbunden sind. Im Griechischen ist das „X“ der griechische Buchstabe Chi.

Fragen:

  1. Wie verstehen und vermitteln wir heute die Botschaft vom ewigen Tod und der Rettung?
  1. Warum hat die Ewigkeit für Gläubige nichts Bedrohliches?
  1. Warum führt Jesus als Zeugen für seine Messianität auch Johannes den Täufer an? Hatte er es nötig?
  1. Wie nehmen wir das Zeugnis vom Vater über seinen Sohn heute auf?
  1. Welche Irrlehren glaubt man heute so gerne?
  1. Warum sind nur äußerlich fromme Worte sowenig überzeugend?
  1. Welche Stellung hat das AT heute für uns?
Dieser Beitrag wurde unter UNTERWEGS MIT JESUS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.