Kapitel 4: Die 1. Missionsreise

4.1. Vorbereitung auf die 1. Missionsreise

Paulus und Barnabas sind nun wieder zurück in Antiochien.

IMG_1943Antiochien (heute Antakya-Türkei) Blick über die Stadt vom Südhang in der Nähe der Petruskirche (Foto: P.S. 8. April 2011).

Durch den Besuch in Jerusalem haben sie neue Motivation und Bestätigung für ihren geistlichen Dienst bekommen. Das Eingebundensein in die Gesamtgemeinde ist eine gute Voraussetzung für eine gesegnete, geistliche Arbeit auf dem Missionsfeld. Den Rückhalt der Jerusalemer Leitung brauchen sie in der Gemeindearbeit in Antiochien. Lukas gibt uns nun einen Einblick in das Gemeindeleben der Antiochener. Der Beginn in Apostelgeschichte 13,1: „Es waren aber in Antiochia in der dortigen Gemeinde, Propheten und Lehrer“, macht deutlich, dass Lukas nun einen neuen Ansatz für seine weitere Berichterstattung macht. Die Gemeinde in Antiochien entwickelt sich zu einem geistlichen Knoten- und Ausgangspunkt für eine weitere Etappe der Mission in Richtung Westen. Die überwiegend aus Nichtjuden zusammengesetzte Gemeinde eignete sich gut für die Heidenmission. Die Propheten und Lehrer, die hier mit Namen genannt werden, kommen aus verschiedenen Gegenden; sie sind unterschiedlichen Alters und Standes: „Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus“.

Der Gottesdienst hat klare geistliche Inhalte. Durch biblische Unterweisung (Apg 11,26) wird die Gemeinde mündig; durch prophetische Rede, gebunden an alttestamentliche Prophetie und neutestamentliche Erfüllung, wird der Glaube lebendig; im Fasten und Gebet wird das Suchen und Fragen der Gemeinde nach dem Willen Gottes deutlich. Die Vielzahl der geistlichen Mitarbeiter (Apg 13,1) mit ihren verschiedenen Gaben und ihrer Einheit tragen zum schnellen und gesunden Wachstum bei.

„Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist (wohl durch einen der genannten Propheten): sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe“ (Apg 13,2). Die Gemeinde hatte sich Zeit zum Gebet und Fasten Zeit genommen. Der Anlass zum Fasten war wohl das Fragen nach Gottes Willen. Das Reden des Heiligen Geistes durch die Propheten entsprach dem Wort und Willen Jesu (Mt  28,19f;  Apg 1,8c). Obwohl das Werk nicht näher definiert wird, wissen doch die Gläubigen, um was es geht. Die Reife der Gemeinde zeigt sich darin, dass sie sich nicht in verschiedene Diskussionen einlässt, sondern erneut im Gebet und Fasten und mit Handauflegung (wohl durch die Ältesten) den Barnabas und Saulus segnen, freistellen und für eine neue große Aufgabe beauftragen. Dass die Gemeinde bereit ist, die Apostel vorerst mit den notwendigen finanziellen Mitteln zu versorgen, die das Reisen, besonders mit dem Schiff erforderte, steht außer Frage. Die Gemeinde erbat von Gott Weisung, in welche Richtung Barnabas und Paulus gehen sollten und welche geistlichen und natürlichen Anhaltspunkte es dafür gab.

Schon bei der Berufung vor und in Damaskus (Apg 9) und der Bestätigung in Jerusalem (Apg 22,21) hatte der Herr dem Paulus die Richtung angegeben, nämlich, „Ich will dich ferne unter die Heiden senden“; doch natürlich waren dabei auch die Juden nicht ausgeschlossen. Der lebenslange Grundsatz des Paulus war es, das Evangelium dort zu verkündigen, wo Christi Name noch nicht bekannt war (Röm 15,20). Dies tat auch Jesus, der sein planmäßiges Vorgehen mit den Worten begründete: „Laßt uns anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen“ (Mk 1,38).

Der Süden (Palästina) war durch die anderen Apostel bereits missioniert worden, im Osten/Südosten (Damaskus und Arabien) war Paulus schon. in Nordsyrien und Zilizien war erauch schon tätig (Gal 1,21-24) und diese Gegend konnte ohnehin von Antiochien aus erreicht werden. Der Westen aber, der Kern des römischen Reiches, war noch frei.

Was liegt da näher als Zypern, stammt doch Barnabas von der Nachbarinsel Zypern (Apg 4,36). Einigen Mitbegründern der Gemeinde Antiochien (Apg 11,20), die ebenfalls aus Zypern stammten, lag die Stärkung der Gläubigen auf der Insel und der weiteren Evangelisierung der Inselbewohner am Herzen. Gut möglich, dass der eine und der andere aus der Gemeinde dort Verwandte und Freunde hatte; dadurch gab es auch Kontakte/Uterkünfte. Somit konnte Gott seine geistlichen Ziele mit den verschiedenen natürlichen Gegebenheiten in Verbindung bringen.

Die Abfahrt konnte frühestens im Frühjahr mit Beginn der Schifffahrt (weil in Landnähe ca. 200 km schon im März/April) erfolgt sein, wahrscheinlich im Jahr 45 n. Chr.

4.2. Barnabas und Paulus in Salamis auf Zypern

IMG_1891Eine fruchtbare Landschaft erstreckt sich zwischen dem Gebirgszug und dem Mittelmeer westlich von Antiochien – Antakya-Süosttürkeo (Foto. P.S. 8. April 2011).

Die Apostelgeschichte berichtet, wie die Gemeinde in Antiochien Barnabas und Paulus in die Mission aussendet, nachdem diese beiden vom Heiligen Geist (wohl durch Prophetenwort) dazu berufen und ausgesondert wurden (Apg 13,3b-4a). Wie Lukas später in Apg 13,5 erwähnt, nahmen sie Johannes, mit dem Zunamen Markus als `Diener` (gr. υπηρετης–yperetes-Gehilfe) mit auf die Missionsreise. Wahrscheinlich gingen sie die etwa 30 km Strecke zu Fuß hinab nach Seleuzia, dem Mittelmeerhafen Antiochiens (Apg 13,4b). Ludwig Schneller berichtet: „fünf Fußstunden sind es von Antiochien bis Seleuzia. Unter den Trümmern der Stadt sieht man noch zwei Hafenmolen, die ins Meer hineinreichten“ (Schneller: 1926, 85). Die Strecke von Seleuzia nach Salamis auf Zypern betrug etwa 200 km und konnte bei günstigen Windverhältnissen in zwei Tagen bewältigt werden (vgl. Apg 16,11: Troas-Neapolis ca. 200 km in zwei Tagen).

Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel und liegt im Nordosten des Mittelmeeres. „Die Insel kam 58 v. Chr. unter römische Herrschaft. Nach der Schlacht bei Aktium 31 v. Chr. hatte Augustus sie in Besitz genommen, ihre Verwaltung aber nach zehn Jahren in die Hände des römischen Senats gelegt“ (Bradford: 1986, 130). Von der antiken Hafenstadt Salamis im Osten der Insel, sind heute noch viele Überreste sichtbar, auch vom antiken Hafen.

IMG_4423Die Reste des antiken Hafens von Salamis liegen meist unter Wasser. Eine noch gut erhaltene Marmortreppe führte hinauf in die Stadt (Foto: P.S. 7. Januar 2012).

Die ausgegrabenen Objekte der einstigen Stadt zeugen von einer blühenden Vergangenheit. Sie liegt  fünf Kilometer nördlich vom heutigen Famagusta  (Magusa-Nordzypern). Lukas berichtet weiter: „Und als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden (Apg 13,5b). Allein die Tatsache, dass es in dieser Stadt mehrere Synagogen gab, spricht für einen beträchtlichen jüdischen Bevölkerungsanteil. „Dies kam wohl auch daher, dass Herodes der Große längere Zeit von Augustus das Monopol für die Ausbeutung der Bergwerke auf Zypern gepachtet hatte und somit auch viele Juden auf die Insel anzog“ (Schneller: 1926, 86). Die Tatsache, dass Barnabas und Paulus in mehreren Synagogen ohne Widerstand predigten, spricht indirekt dafür, dass sie wohlwollend aufgenommen wurden, dass man auf sie hörte und dass sie längere Zeit dort blieben. Barnabas und Paulus hatten keinen Grund zur Eile; ihr Aufenthalt konnte mehrere Wochen gedauert haben. Die Kürze des Berichts bedeutet nicht, dass sie schnell weitergezogen sind.

Auf Zypern muss es schon Gläubige gegeben haben, die durch die Predigt der Zerstreuten aus Jerusalem gewonnen wurden (Apg 11,20). Es wäre höchst ungewöhnlich, wenn deren Zeugnis ohne Frucht geblieben wäre. Hier können wir uns ein Wiedersehen des Barnabas mit seinen Bekannten aus der Jerusalemer Zeit wohl vorstellen. Das Stillschweigen des Lukas über Auswirkungen der Predigt des Evangeliums in Salamis bedeutet nicht, dass sie keinen Erfolg hatte. Barnabas und Paulus konnten hier die Gläubigen stärken und neue Menschen für den Glauben an Jesus Christus gewinnen.. Johannes-Markus hat wohl auf dieser Reiseetappe guten Dienst getan, erinnert uns doch Lukas gerade an dieser Stelle an ihn (Apg 13,5). Johannes-Markus konnte für das Gepäck, die Unterkunft, verschiedene Besorgungen und natürlich auch für geistliche Aufgaben eingesetzt werden. Gerade er hatte als Augenzeuge gute Kenntnisse von den Ereignissen in Jerusalem (Mk 14,51; Apg 12,12).

Die zwei frühchristliche Kirchen aus dem 5. Jh. auf dem Ausgrabungsgelände in Salamis belegen, dass es in den Jahrhunerten avor in der Stadt und auch wohl in der Umgebung viele Christen gegeben hat. Die zahlreichen Kirchenruinen aus den 4-6. Jahrhundert in der Umgebung und auf der Halbinsel Karpasia zeugen zusätzlich von der raschen Ausbreitung des Evangeliums im Osten Zyperns. Der Dienst der beiden Apostel brachte reiche geistliche Frucht.

Bild 261Die Reste der großen  Kirchenbasilika `Kampanopetra` in Salamis aus dem 5. Jh. (Foto: P.S.11. März 2008).
Bild 227Frühchristliche Kirche `Epiphania` in Salamis mit einem gut erhaltenen kreuzförmigen Taufbecken (Foto: P.S. 11. März 2008).

Eines Tages jedoch macht sich das Missionsteam wieder auf den Weg in den Südwesten der Insel, nach Paphos

4.3. Die Bekehrung des Sergius Paulus in Paphos

100_2464Reste der Stadtmauer in Paphos aus römischer Zeit (Foto: P.S. 7.  Januar 2005).

Lukas schreibt in seinem Bericht über das Missionsteam: „Als sie aber die ganze Insel durchzogen haben bis Paphos“ (Apg 13,6a). In der Luftlinie lagen diese zwei Städte etwa 150 km voneinander entfernt, so dass diese Strecke unter Umgehung des zentralen Troodos-Gebirges schon in fünf bis sechs Tagen zu bewältigen gewäsen wäre. Aber das `Durchziehen` schließt Zwischenstopps nicht generell aus. Es gab schon in der ‚Antike mehrere wichtige Städte auf der Insel, von denen Barnabas und Paulus auf ihrem Weg einige besucht haben könnten.

IMG_0164Überblick über die Ruinen der frühchristlichen Bischoffskirche in Kurion aus dem 4/5. Jh., östlich von Paphos. Auch in dieser Kirche ist ein kreuzförmiges Taufbecken gut erhalten geblieben (Foto: P.S. 2. Februar 2010).

Andererseits zog es Paulus immer wieder in die jeweiligen Zentren der Regionen, so auch hier auf Zypern. Paphos war die Verwaltungshauptstadt der Insel mit dem Sitz des römischen Prokonsuls (Apg 13,7).

100_2460Eine noch gut erhaltene römische Wasserleitung in Paphos (Foto: P.S.  7. Januar 2005).

Es ist auffallend, dass Lukas von der für Paulus und Barnabas üblichen Vorgehensweise, nämlich zunächst in die Synagoge zu gehen, nichts berichtet, sondern uns dafür ein erstaunliches Ereignis im Palast des Prokonsuls schildert.

Barnabas und Paulus treffen in der Stadt auf einen Juden, der im Dienste des römischen Prokonsuls war. Dieser Jude war ein Zauberer (gr. μαγος – magos) und nach der Beurteilung des Paulus ein falscher Prophet. Sein Name `Barjesus` (Sohn des Jesus) hat ihm in seiner Tätigkeit wohl noch zusätzlichen Auftrieb gegeben (in Anlehnung an Josua den Sohn Nuns (Josua 1,1) und Jeschua den Hohepriester Hag 1,12). Menschen wie er beobachten Entwicklungen in der Stadt, neue Menschen und insbesondere neue Lehren sehr aufmerksam (vgl. Simon den Zauberer in Apg 8,9-12). Die Apostel müssen wohl in der Stadt schon gepredigt haben, sonst wäre die Aufmerksamkeit und das Interesse des Prokonsuls nicht zu verstehen. Jedenfalls erreichte die Nachricht von den neu angekommenen jüdischen Lehrern bald auch den Regierungspalast. Sergius Paulus war vom römischen Senat als Prokonsul auf Zypern eingesetzt worden. „Prokonsul  (gr. anqupatoV – anthypatos) römischer Statthalter, der eine Provinz, die dem Senat unterstellt war, verwaltete“ (Tenney: 1979,  33). Dass Lukas an dieser, wie an einigen anderen Stellen, solche Details wie Namen und exakte Amtstitel nennt, spricht sowohl für seine guten Kenntnisse der damaligen Welt als auch für die Zuverlässigkeit und Überprüfbarkeit seines Berichtes. Dieser Sergius Paulus wird als verständiger Mann charakterisiert, „der wünschte (suchte, strebte danah) Gottes Wort zu hören“. Zu diesem Zweck rief er Barnabas und Paulus zu sich. Zu jeder Zeit und unter allen Volksgruppen gab es Menschen, die mit den üblichen, im Alltag verankerten Praktiken des Heidentums nichts anfangen konnten (Apg 10,1-2). Jemand der Gottes Wort zu hören wünscht, hat grundsätzlich Sehnsucht nach Wahrheit (Apg 10,33). Nicht Neugier also, sondern aufrichtiges Suchen scheint diesen Mann zu bewegen. Doch wie so oft, ist auch der Seelenfeind aktiv dabei, um suchende Menschen von Gott abzuhalten, ja sie sogar verunsichern und durcheinanderbringen. „Elymas aber, der Zauberer – denn so wird sein Name übersetzt -, widerstand ihnen und suchte den Prokonsul vom Glauben abwendig zu machen (Apg 13,8). Den beiden Aposteln hat dieser Magier jedoch nichts wirksames entgegenzusetzen, seine Zaubereien sind keine besseren Alternativen mehr. Doch von der Kraft der Lehre des Herrn im Inneren getroffen, entscheidet er sich gegen Gott. Er sucht sein Ansehen beim Prokonsul und damit auch seine gute Einnahmequelle zu retten. Elymas setzt all seine Überredungskunst ein, um den Prokonsul abzulenken. Wahrscheinlich war  Barnabasbis dahin der Wortführer. Paulus, der bis dahin von Lukas immer mit seinem hebräischen Namen `Saul` angesprochen wurde, wird vom Heiligen Geist erfüllt und bevollmächtigt, das Innere des Herzens dieses falschen Propheten zu offenbaren. „Saulus aber, der auch Paulus heißt, voll Heiligen Geistes, sah ihn an und sprach: Du Sohn des Teufels, voll aller List und aller Bosheit, du Feind aller Gerechtigkeit, hörst du nicht auf, krumm zu machen die geraden Wege des Herrn? Und nun siehe, die Hand des Herrn kommt über dich, und du sollst blind sein und die Sonne eine Zeit lang nicht sehen! Auf der Stelle fiel Dunkelheit und Finsternis auf ihn, und er ging umher und suchte jemanden, der ihn an der Hand führte“ (Apg 13,9-11).

Gemäß seiner prophetischen Gabe (Apg 13,1) kann Paulus ein Gericht verkündigen, welches auf der Stelle eintrifft (Apg.  Einige Details fallen bei diesem Geschehen auf:

  • Paulus richtet seinen Blick fest auf den Zauberer. Das griechische Wort `ατενισας – atenisas` – gespannt hinsehen, angespannt sehen auf) kommt auch an einigen anderen Stellen der Apostelgeschichte vor (so z.B. in 14,9; 23,1). Wenn man jemand gut verstehen will, muss man ihm auf die Lippen schauen; wenn man jemand etwas Wichtiges sagen will, muss man ihm in die Augen schauen. Paulus schaut dem Mann in die Augen, denn sein Blick ist frei von Argem und er will diesen Menschen in seinem Herzen treffen. Sicher hat dieses scharfe, ernste, vom Geiste Gottes durchdrungene Hinsehen nichts mit Hypnose zu tun, sondern ist Ausdruck der Vollmacht Gottes. Äußerlich scheint Elymas einen für damals akzeptablen, sogar anerkannten Dienst zu tun, doch nun wird das Verborgene des Herzens offenbar und es gibt nichts, was in den Augen Gottes gut wäre.
  • Voll Arglist und Bosheit ist er,
  • ein Feind aller Gerechtigkeit,
  • ein Sohn des Teufels – dies ist die Bestandsaufnahme.

Paulus wirft ihm fragend vor: „Willst du nicht aufhören, die geraden Wege des Herrn zu verkehren“ (Apg 13,10)? Die innere Einstellung des Elymas wird hier offenbart. Er hatte die Chance zur Umkehr während der Predigt der Apostel nicht genutzt. Doch die Strafe wird nicht sein ganzes Leben lang andauern, sondern nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt – gr. `μεχρι καιρος` – bis zu einer (von Gott bestimmten, oder durch Buße begrenzte) Zeit. Es ist möglich, dass Elymas sich später zu Gott bekehrte und wieder sehend wurde. Zunächst jedoch muss er jemanden suchen, der ihn an der Hand leitet. Irgendwie erinnert diese Geschichte an das Erleben des Paulus, der viele von Christus wegbringen wollte, der auch (für drei Tage) geblendet wurde und der durch Einsicht wieder sehend wurde, so dass Gott ihn als sein Werkzeug einsetzen konnte.

„Dann, als der Prokonsul sah, was geschehen war, glaubte er, erstaunt über die Lehre des Herrn“ (Apg 13,12). Für Paulus mag diese Bekehrung eines hohen römischen Beamten ein Schlüsselerlebnis gewesen sein. Gott sprach zu Ananias über Paulus: „Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel“ (Apg 9,15). Man kann sich zudem vorstellen, dass dieses Ereignis sich günstig auf die weitere Mission in Paphos und auf der ganzen Insel auswirkte. Ab diesem Zeitpunkt ist auch eine Veränderung im Missionsteam festzustellen. Paulus zog nicht eigenmächtig die Führung an sich, sondern der Heilige Geist hat an dieser Stelle die Verantwortung aufgrund der geistlichen Entwicklung bei Paulus und wegen des Planes, den Gott mit ihm hatte, von Barnabas auf Paulus übertragen. Zu sehen und mitzuerleben, wie Gott den jüngeren, begabten Freund und Bruder fördert und befähigt, erfordert große geistliche Reife. Barnabas ist zu dieser Umstellung bereit; er zieht sich nicht beleidigt zurück, sondern begleitet Paulus auf der weiteren Reise und erlebt Gottes wunderbares Wirken.

Die Auswirkungen der Evangelisation in Paphos (Pafos) und Umgebung sind an den zahlreichen Kirchengebäuderesten aus dem 4-6. Jahrhundert zu erkennen.

IMG_0273 Die Ag. Kyria- Kirche in Paphos, erbaut auf den Fundamenten der ältesten, ursprünglich  siebenschiffigen  Kirche auf Zypern aus dem späten 4. Jh. (Foto: P.S. 3. Februar 2010).

IMG_0291Eine griechische Inschrift im Mosaikfußboden der Kirche in Paphos, die lautet: „Ich bin der wahre Weinstock„- Joh 15,1 (Foto: P.S. 3. Februar 2010).

So wird das Evangelium sich in den ersten Jahrhunderten auf der gesamten Insel ausgebreitet haben.

IMG_0090Reste einer frühchristlichen Kirche am Kap Drepanon, etwa 30 km nördlich von Paphos mit einem noch sehr gut erhaltenen kreuzförmigen Taufbecken (Foto: P.S. 1. Februar 2010).

Neben der traditionellen orthodoxen Kirchen gibt es heute in und um Paphos herum mehrere verschiedene Freikirchen, sowohl griechisch,- als auch englischsprachig.

Wie lange die Aposel auf Zypern verbrachten, lässt sich durch folgende Faktoren zeitlich in etwa eingrenzen.

  • Bei der Mission in den genannten Städten Salamis und Paphos sind keinerlei Verfolgungsaktionen seitens der Juden oder staatlicher Behörden bekannt. Sie mussten also die Insel nicht vorzeitig verlassen.
  • Das Werk zu dem sie ausgesandt waren, war jedoch viel zu umfassend, als dass sie zu lange auf der Insel geblieben wären. Wenn sie jedoch auf Zypern nicht überwintern wollten, mussten sie die Insel im Frühherbst verlassen, da der Schiffsverkehr im gesamten Mittmeerraum während der Wintermonate ruhte. Als relativ sichere Schiffahrtssaison galt die Zeit von Ende Mai bis Mitte September.

Ihr nächstes Ziel war Perge in Pamphylien.

4.4. In Perge verlässt Markus das Missionsteam

100_2484Der Hafen in Paphos, von dem aus das Missionsteam nach Attalia (Antalya) segelte (Foto: P.S. 7. Januar 2005).

Von Paphos aus bot sich den Missionaren die Gelegenheit nach Nordwesten zu segeln. Im Text des Lukas lesen wir: „Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien“ (Apg 13,13a). Es fällt gleich auf, dass Paulus ab jetzt im Team immer als erster genannt wird. Aufgrund anderer Textzeugnisse hatte es in der Regel immer mit der Leitung des Teams zu tun (Apg 1,13; 3,1. 4; 4,13. 19 – Petrus und Johannes). Die Seestrecke von Paphos nach Attalia, etwa 270 km, konnte bei günstigen Windverhältnissen in einigen Tagen bewältigt werden. In der Regel fuhren die Schiffe entlang der heutigen kleinasiatischen Küste. Die Apostel kamen zunächst im Hafen von Attalia (heute Antalya) an.

Bild 143Der Hafen in Antalya mit seinen Fischer- und Ausflugsbooten ist ein Naturhafen und liegt an der gleichen Stelle, wie der antike Hafen. Hier kamen Paulus Barnabas und Markusan (Foto: P.S. 8. März 2008).

Von Atalia zogen sie in das etwa 15 Kilometer weiter nordöstlich gelegene Perge.

Pamphylien, Küstenregion im südlichen Kleinasien zwischen Lyzien und Zilizien. Von 43 bis ca. 68 n. Chr. Teil der römischen Provinz Pamphylia/Lycia (Haubeck 1997, 619 mit Bezug auf Bruce: Kommentar zu Apg 13, S 300).

Seit Antonius gehörte Pamphylien, Westzilizien, Isaurien, Pisidien und Lykaonien zur röm. Provinz Galatien“ (Schneller: 1926, 95).

Die zahlreichen gut erhaltenen Monumente, wie  das Stadion, das Theater, die römischen Bäder und in weiten Teilen gut erhalktene Stadtmauer, zeugen von der einstigen Bedeutung der ehemalgen Provinzhauptstadt.

IMG_3343An einer Strassenseite der antiken Stadt Perge ist in den beiden oberen Zeilen der Stadtname `ΠΕΡΓΗ – PERGE`eingemeißelt (Foto: P.S. 3. März 2008).
IMG_3329Von Marmorsäulen gesäumte und gepflasterte Strasse im Zentrum von Perge. (Foto: P.S. 3. März 2008)

Lukas berichtet nichts über eine missionarische Tätigkeit der Apostel in dieser Stadt. Verutlich zog es den Paulus in die Provinzhauptstadt Galatiens – das Pisidische Antiochia. Die Überquerung der hohen Pässe des Taurusgebirges war in den späten Herbstmonaten in der Antike nicht mehr möglich.

IMG_1559Noch bis in dem April hinein ist das Überqueren des Taurusgebirges ein nicht ungefährliches Unterfangen (Foto: P.S. 6. April 2011).

Ludwig Schneller berichtet: „Auch der Straßenbau, sonst ein besonderer Ruhm der römischen Regierung, war in diesen Gegenden nur auf das notdürftigste beschränkt. Wo es, wie hier im Cestrustal, die militärischen Zwecke nicht durchaus erforderten, war gar nichts geschehen. An den notwendigsten Stellen führten, wie Strabo berichtet, Brücken über den Cestrus.“ (Schneller: 1926, 91).

Im Text hebt Lukas hervor, das Johannes-Markus sich hier von Paulus und Barnabas trennte und nach Jerusalem zurückkehrte (Apg 13,13b). Über die Gründe für diese Trennung kann nur gemutmaßt werden. Ausgehend von der scharfen Auseinandersetzung zwischen Paulus und Barnabas wegen Markus, kurz vor der zweiten Missionsreise (Apg 15,38) und der Begründung, die Paulus für seine Haltung anführt, müssen bei Markus, zumindest aus der Sicht des Paulus, keine zu entschuldigenden Gründe vorgelegen haben. Doch was könnte Markus bewogen haben eine solch schwerwiegende Entscheidung getroffen zu haben? Hier einige Überlegungen:

  • Der Entschluss der Apostel, noch vor Wintereinbruch über die nicht ungefährliche hohe Passstrasse nach Antiochien in Pisidien zu gelangen, – Gefahren.
  • Spätestens hier war abzusehen, dass bei Fortsetzun der Reise, eine Rückkehr nicht so schnell erfolgen wird – Heimweh?
  • Dass sein Onkel Barnabas nicht mehr wie bisher die Leitung des Teams innehatte und er daher weniger in die Planung einbezogen war – weniger Einflussnahme?
  • Er wurde mitgenommen als Diener, hatte jedoch keine spezielle oder ausdrückliche Berufung – Minderwertigkeitsgefühle?

Was auch immer es für Gründe gab, aus der Sicht des Paulus verlor Markus fortan die Eignung zum Dienst. Hat nicht auch Jesus gesagt: „Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes“ (Lk 9,62)? Paulus ist in Markus enttäuscht, Barnabas litt darunter. Die Frage, die sich hier aber stellt, ist nicht, wie das Verhalten des Markus zu beurteilen ist (uns sind ja die wahren Motive nicht bekannt) sondern wie man in solchen Fällen mit einem Mitarbeiter umgeht. Die spätere Einbindung des Markus in weitere Missionsarbeit lehrt uns jedoch, niemandem vorschnell die Eignung zum Dienst abzusprechen. Nach einigen Jahren bekam Markus durch Barnabas eine zweite Chance und dies führte bei ihm zu einer guten geistlichen Entwicklung, so dass er zu einem noch späteren Zeitpunkt auch für Paulus nützlich werden konnte (vgl. Apg 15,39 mit 2Tim 4,11).

Doch gerade jetzt, wo es schwierig wurde und man den jungen Mann gut gebrauchen konnte, verlässt er das Team und zieht nicht mit zum Werk des Dienes (Apg 15,38).. Aber Paulus und Barnabas lassen sich von ihrem weiteren Weg nicht abbringen: „Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien“ (Apg 13,14a).

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