Jordanien – eine Oase im Nahen Osten

Einleitung

Eine Reise durch Jordanien (Text und Fotos von Paul Schüle)

Zu biblischen Zeiten bezeichnete man das Territorium des heutigen Landes Jordanien mit „Das Land Jenseits des Jordan gegen Osten hin“.

Es ist das Land in dem vor mehr als dreitausend Jahren

  • ein mächtiger Stamm der Amoriter wohnte und
  • in deren Land auch die Midianiter siedelten.
  • In diesem Land wohnte der Stamm der Edomiter (Esaus Nachkommen).
  • Es ist das Land der Moabiter und Ammoniter, den Nachkommen Lots. Noch heute heißt die Hauptstadt von Jordanien `Amman`.
  • Es ist das Land in dem sich die zweieinhalb Stämme Israels wegen günstigen Weideplätzen  niedeließen.
  • Es ist das Land von dem aus Mose das gelobte Land westlich des Jordan überblickte, das er aber nicht betreten durfte.
  • Es ist auch das Land in dem Gott den Propheten Elia gen Himmel holte, ohne das er den Tod erlitt.
  • Es ist das Land in dem Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan getauft wurde und das er später während seines Dienstes mehrmals besuchte (Speisung der vier,- und fünftausend).
  • Es ist das Land wohin viele Christen auf die prophetische Anweisung Jesu flüchteten in der Zeit der Zerstörung der Stadt Jerusalem durch den römischen Feldhauptmann Titus im Jahre 70 n.Chr.

Dieses Land will ich mit meiner Frau für zehn Tage bereisen, um vieles entdecken, was an alte Zeiten erinnert, aber auch Menschen kennenlernen, welche heute dieses einzigartige Land im Nahem Osten bewohnen. Lassen sie sich mitnehmen auf eine Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Jordanien – eine Oase im Nahen Osten

Diese Überschrift verdanke ich unserem jordanisch-arabischen Reiseleiter Auni aus Amman.

IMG_8916Amman – König Abdullah Moschee und dicht dahinter die Koptische Kirche (Foto: P.S. 2. November 2014).

Im April des Jahres 1985 reiste ich mit einer Gruppe durch Jordanien und Israel. Damals waren die politischen Beziehungen dieser beider Länder noch angespannt. Die Überquerung des Jordan über die Alenby Brücke (gegenüber Jericho) bereitete uns gewisses Herzklopfen. Doch seit dem Friedensvertrag von 1994 haben sich die Beziehungen auf den verschiedensten Ebenen normalisiert. Die gemeinsame Grenze von etwa 400 km Länge verläuft vom Nordende des Golfes von Agaba über das Wadi Araba, mitten durch das Tote Meer und in der Mitte des Jordan bis zur Mündung des Jarmuk, wenige Kilometer vom See Genezaret entfernt. Es gibt feste Abkommen über die Wasserrechte aus dem Jordan und Jarmuk, so wie klare Vereinbarungen über die Entnahme und Verarbeitung der Mineralien aus dem Toten Meer. Seit Jahren laufen Planungen über eine Wasserleitung vom Roten zum Toten Meer hin. Für Israel ist Jordanien ein wichtiger Nachbar, der ihr Land gewissermaßen nach Osten hin abschirmt. Israelische Reisegruppen können ohne weiteres Jordanien besuchen und umgekehrt die Jordanier können Israel besuchen (allerdings nur mit einem Reisevisum). Die Passagiermaschinen überfliegen auf kürzester Route das Territorium von Israel nach und von Amman. Während der gesamten Reise durch das Land sahen wir keinerlei Anzeichen von inneren Unruhen. Überall begegneten wir freundlichen Menschen. Die Händler boten auf dem Bazar in Amman zwar lauthals ihre Waren an, doch niemand war aufdringlich. Wir hatten sehr angenehmes Wetter, die Mindesttemperatur betrug etwa 13 Grad Celsius auf der Burg Schobak (1400 M. ü. NN und die Höchsttemperatur betrug am Toten Meer 35 Grad. Mein großes Interesse galt der Landschaft, welche zum besseren Verständnis der alttestamentlichen Berichte beiträgt. Immerhin wohnten dort über Jahrhunderte die Stämme der Moabiter, Midianiter, Ammoniter, Edomiter, Amoriter und zweieinhalb Stämme der Israeliten (Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse). Viele alttestamentliche Geschichten sind mit dem Osthordanland verbunden. In den nächsten Tagen und Wochen versuche ich einige dieser Überlieferungen in die laufende Reisebeschreibung einfließen zu lassen.

Wadi Rum – ein Wunderwerk der Schöpfung Gottes

Das Wadi Rum im Süden Jordaniens zieht tausende Touristen aus aller Welt an. Von seiner Lage und Beschaffenheit ist es weltweit einmalig und einzigartig. Es liegt östlich der Hafenstadt Agaba und ebenso östlich vom biblischen Siedlungsgebiet der Edomiter (Nachkommen Esaus).

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Die größte Ausdehnung beträgt 100 x 60 km und reicht im Süden hinein bis nach Saudi Arabien hinein. Unter dem Wadi befindet sich ein riesiges Süßwasserreservoir, aus dem jährlich 100 Millionen m3 Wasser nach Amman gepumt werden, um teilweise den großen Wasserbedarf der zweieinhalb Millionen Menschen zählenden Hauptstadt zu decken. Die Wasserentnahme unter dem Wadi ist eingeschränkt, damit das geologische Gleichgewicht erhalten bleibt. Das Wadi liegt auf einer Hochebene in etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel und sieht wie eine riesige Sandwüste aus mit unzähligen kleineren und größeren kahlen Felsen und Bergen, die einzeln aus dem Sand ragen oder auch zusammenhängend sich ausdehnen.

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In dieser Wüstenlandschaft wachsen viele verschiedene Sträucher und Bäume, es gibt also ausreichend Futter für Kamele, sowie Brennholz für die Beduinen. Dieses Wadi wird von zwei größeren Beduinenstämmen bewohnt und auch kontrolliert. Alle touristischen Aktivitäten werden mit den Stammesführern dieser Region abgesprochen. Sie Stellen Fahrer für die Jeep,- und Kamelafari`s, verwalten und bedienen die Zeltlager, kümmern sich um die Versorgung und Sicherheit der Reisenden.

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Das Bereisen des Wadis mit eigenen geländegängigen Fahrzeugen ist zwar möglich, doch birgt dies in sich auch Risiken wie mögliche Reifenpannen, im Sand stecken bleiben, kein Handyempfang, Orientierungsprobleme durch unkorrekte Navyangaben bei der Touristenzentrale.

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Die 35 Kilometer Safari mit zwei Jeeps dauerte bei uns 3 ¼ Stunden und dabei erblickten wir nur einen kleinen Teil des Naturreservats. Die Beduinenfahrer machen Halt an bestimmten Stellen, alles ist abgesprochen, es wird zusammengearbeitet. Ein Halt an einigen Beduiinenzelten, wo Tee (1 Dinar) und andere Erfrischungen angeboten werden. 10 Minuten Kamelreiten in nächster Umgebung kostet 5 Dinare (6,- Euro). Ein weiterer Halt wird am Haus des Lawrence von Arabien gemacht. Dieser englische Offizier sammelte hier die Beduinenstämme und bereitete von hier aus den Sturm auf Agaba vor. An einigen steilen Felswänden erkannten wir Bergsteiger, welche auf ihre Weise das Wadi zu erobern versuchten. Es gibt im Wadi unterschiedliche Arten von Kriechtieren, in und auf den Bergen auch die Orix Antilope, doch in der heisen Mittagszeit ist es still in diesen Gegenden. Die Felsen weisen Granit, Basalt in den unteren Schichten auf. Der darüberliegende Sandstein lässt das Regenwasser durch und so tritt an vielen Stellen unterhalb der Berge Wasser hervor.

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Die unterschiedlichsten Formen verändern ihren Charakter bei dem Wechsel der Sonneneinstrahlung. Das Auge wird nicht müde, da sich nach jeder Biegung ein neuer Ausblick eröffnet.

Einem bibelkundigem Reisenden kommt bei so einer Safari unwilkürlich die Geschichte der Wüstenwanderung der Israeliten unter der Leitung des Mose in den Sinn. Wie wahrscheinlich ist es, dass Mose mit dem Volk Israel vor etwa dreieinhalbtausend Jahren hier hindurchzog oder sogar lagerte?

Zunächst stellen wir fest, dass die Edomiter, welche die Gebirgslandschaft `Seir` westlich des Wadi Rum bewohnten, den Israeliten auf deren Bitte hin den Durchzug durch ihr Kerngebiet verweigerten. So lesen wir in 4Mose 20,21: „So weigerten sich die Edomiter, Israel zu gestatten, durch ihr Gebiet zu ziehen. Und Israel wich ihnen aus.“ Die Anfrage der Israeliten an die Edomiter wurde noch von Kadesch aus gestellt (Kadesch lag im südlichen Negev). Der kürzeste Weg wäre demnach auf der Karawanenstrasse, welche das Wadi Araba durchquerte, gewesen, um dann in das Gebirge in die Edomitische Hochebene zu gelangen. Das georgraphische Gebiet der Edomiter grenzte im Norden an den Bach Sered (Wadi Al Hasa – Dana) und zog sich nach Süden in richtung Golf von Agaba hin. Im Westen grenzte es an die Araba-Senke und im Osten waren die Grenzen eher fließend, weil sich dort die Steppe, bzw. Wüste ausdehnte. Deswegen mussten die Israeliten einen weiten Umweg in Kauf nehmen und das Land Edom an dessen südlicher Grenze (Golf von Agaba – Elat/Ezjon Geber) und dann weiter ostwärts, umgehen. So lesen wir in: „Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen“ (4Mose 21,4). Dies geschah im 6 Monat des 40. Jahres nach dem Tode des Piesters Aaron, der auf dem Berg Hor beigesetzt wurde.

  • Als wir nun von unsern Brüdern, den Söhnen Esau, die auf dem Gebirge Seïr wohnten, weggezogen waren, weg von dem Weg durch die Steppe, weg von Elat und Ezjon-Geber, wandten wir uns und zogen den Weg zum Weideland der Moabiter“ (5Mose 2,8).

Die Steppe oder Wüste, die hier im Text genannt wird ist wohl der Bereich zwischen Kadesch Barnea und dem Golf von Agaba (etwa 100 km Entfernung in der Luftlinie). Vom Golf zogen sie in Richtung Osten, um auch das südöstliche Gebiet der Edomiter zu umgehen, oder durch deren Gebiet am Rande der Wüste gegen Osten hin. Als Mose etwas später zum Amoriterkönig Sihon Boten sendet mit der Bitte um Durchzug durch dessen Land, erwähnt er  (vielleicht aus taktischen Gründen) dass die Söhne Esaus ihnen den Durchzug durch ihr Land gesttteten;  „… wie mir die Söhne Esau (den Durchzug) gestattet haben, die auf dem Gebirge Seïr wohnen“ (5Mose 2,29a).

Und dann wendeten die Israeliten sich in nordöstliche Richtung. Die nächste Zielangabe im Text lautet: „… (da) wandten wir uns und zogen den Weg zum Weideland der Moabiter“. Nun, das Gebiet der Moabiter erstreckte sich zwischen dem Bach Sered (Wadi El Hasa) im Süden und bis nördlich des Flusses Arnon. Dieses Gebiet war und ist bis heute hauptsächlich Agrarland. Doch nach Osten hin ging die Landschaft allmählich in Steppe (Weideland) und schließlich in Wüste (Steinwüste) über. Begründet werden kann diese Richtung auch durch die Tatsache, dass Gott den Israeliten nicht erlaubt hat das Gebiet der Moabiter in Besitz zu nehmen. Der Direkte Durchzug durch ihr Land hätte unweigerlich zu Zusammenstößen geführt wie folgende Texte belegen: „Da sprach der HERR zu mir: Du sollst den Moabitern keinen Schaden tun noch sie bekriegen; ich will dir von ihrem Lande nichts zum Besitz geben, denn ich habe Ar den Söhnen Lot zum Besitz gegeben“ (5Mose 2,9). Und später, als Israel schon im Jordantal der Moabiter lagerte, rief Balak der Moabiterkönig den Wahrsager Bileam, damit dieser Israel verfluchen sollte (4Mose 22,11). „So komm nun und verfluche mir das Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich’s dann schlagen und aus dem Lande vertreiben; denn ich weiß: Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht“ (4Mose 22,6). Am Ende der Wanderung befand sich Israel tatsächlich auf moabitischem Gebiet und zwar an dessen äußerster Nordwestgrenze. Ein weiterer Beleg, dass die Israeliten das Gebiet der Moabiter nur im Osten streiften ist die Aussage in 4Mose 21,10-22: „Und die Söhne Israel brachen auf und lagerten sich in Obot. Und sie brachen auf von Obot und lagerten sich in Ije-Abarim in der Wüste, die vor Moab gegen Osten ist.

Jüdische Pilger durchqueren heute das Arnontal in dessen mittleren Verlauf, westlich des Stausees auf der Königsstrasse (etwa 30km östlich des Toten Meeres) in Erinnerung an den Wüstenzug ihrer Vorfahren. Doch wie oben dargelegt, umging Israel damals sehr wahrscheinlich das Kernland von Moab weiter im Osten im Oberlauf des Arnon. Es ist also gut möglich, das die Israeliten mit all ihrem Vieh unter der Führung des Mose durch das heutige Wadi Rum gezogen sind. Denkbar aber auch ist eine Route, welche zwischen dem Gebirge Seir und dem Wadi Rum von Agaba nach dem heutigen Ma`an führt und weiter zum Oberlauf des Baches Sered.

Es ist ein eigenartiges Gefühl für einen Europäer, der die biblischen Berichte zwar kennt, jedoch diese bis dahin in eine eigene Vorstellung von Räumlichen, klimatischen und topographischen Besonderheiten einordnete und welche so gar nicht den wirklichen Umständen entsprachen. Doch muss man dabei sachlich bleiben, denn die sogenannten Wahlfahrten zu Orten des biblischen Geschehens machen uns nicht heiliger. Sie dienen aber dazu, die Texte der Bibel in einem etwas realerem Kontext zu lesen und dabei etwas besser zu verstehen.

Madaba – eine Stadt mit wechselhafter Geschichte

Die heutige Stadt Madaba in Jordanien (35 km südlich von Amman) ist auf den Trümmern der antiken Stadt aufgebaut worden. Die Stadt ist arabisch-christlich geprägt und zählt zu den bedeutenden Pilger- und Touristenattraktionen im heutigen Jordanien. Sie liegt in 763 m Höhe über dem Meeresspiegel an der Königsstrasse in Richtung Kerak,  Petr, Agaba. Die Stadt ist sehr grün, die Gärten voller Fruchtbäume und Palmen. Die Strassen sauber und gepflegt, zumindest im Zentrum, der Autoverkehr mäßig. Besonders bekannt  geworden ist Madaba durch die Entdeckung von Resten mehrerer christlicher  Kirchen. Die bekannteste davon ist die Georgskirche.

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IMG_9206Georgskirche (Agios Georgeos)  in Madaba (Foto: P.S. 4. November 2014 ).

Das Besondere für diese Kirche ist das berühmte Mosaik, welches die älteste Karte Palästinas zeigt (bekannt unter dem Begriff Madabakarte). 5-3-2014_036Ausschnitt derMadaba-Karte (Foto: P.S. April 1985).

Diese Mosaikkarte ist zwar nicht mehr vollständig, doch sind darauf viele Orte verzeichnet, welche Aufschluss zur Identifizierung so mancher biblischer Orte geben.

5-3-2014_035Auschnitt aus dem Mosaikfußboden der Georgskirche in Madaba (Foto: P.S. April 1985).

IMG_9213Mosaikfußboden in der Georgskirche (Foto: P.S. 4. November 2014).

Madaba ist eine Provinzstadt mit pulsierendem orientalischen Leben. Die Bewohner sind Touristengruppen gewöhnt und haben sich darauf eingestellt. Es gibt die üblichen Touristenläden mit allen nur denkbaren Artikeln, als auch Imbisbuden oder Kleinrestaurants.

IMG_9218Es gibt frischgepräßten Granatapfelsaft an einem Obststand in Madaba (Foto: P.S. 4. November 2014).

Über das Internet kann man etwa 13 Hotels verschiedener Kategorien buchen. Das der Georgskirche am nächsten gelegene Hotel trägt den Namen `Moab Land Hotel`.

IMG_9217Moab Land Hotel in Madaba (Foto: P.S. 4. November 2014).

IMG_9208In unmittelbarer Nähe der Georgskirche befindet sich die Neue Orthodoxe Schule Madaba (Foto: P.S. 4. November 2014).

Im Altertum gehörte die Stadt Medeba zu Moab (den Nachkommen von Lot), danach eroberte ein Stamm der Amoriter dieses Gebiet: „Denn Heschbon war die Stadt Sihons, des Königs der Amoriter, und er hatte zuvor mit dem König der Moabiter gekämpft und ihm all sein Land abgewonnen bis zum Arnon“ (4Mose 21,26), in diesem Landgewinn befand sich auch die Stadt Medeba. Doch handelte es sich nicht um eine Vernichtung der Moabiter, sondern eher um eine zeitweise Verdrängung aus angestammten Siedlungsgebieten. Nach dem Sieg der Israeliten über die Amoriter (um die Mitte des 2. Jt. v. Chr.), verloren diese auch die zuvor eroberten Städte einschließlich Medeba, so lesen wir in 4 Mose 21,30: „Seine Herrlichkeit ist zunichte geworden von Heschbon bis nach Dibon, sie ist zerstört bis nach Nofach, bis nach Medeba.“ Durch den Sieg der Israeliten über den Amoriterkönig Sihon, wurde für das Volk Israel nicht nur der Zugang zum Jordantal frei, sondern die Moabiter beanspruchten wieder die Landesteile, welche ihnen von den Amoritern ebgewonnen wurden. „Danach zogen die Israeliten weiter und lagerten sich im Jordantal der Moabiter gegenüber Jericho.  Und Balak, der Sohn Zippors, sah alles, was Israel den Amoritern angetan hatte. Und die Moabiter fürchteten sich sehr vor dem Volk, das so groß war, und den Moabitern graute vor den Israeliten. Und sie sprachen zu den Ältesten der Midianiter: Nun wird dieser Haufe auffressen, was um uns herum ist, wie ein Rind das Gras auf dem Felde abfrisst. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu der Zeit König der Moabiter. Und er sandte Boten aus zu Bileam, dem Sohn Beors, nach Petor, das am Euphrat liegt, ins Land der Söhne seines Volks, um ihn herbeizurufen, und ließ ihm sagen: Siehe, es ist ein Volk aus Ägypten gezogen, das bedeckt das ganze Land und lagert mir gegenüber. So komm nun und verfluche mir das Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich’s dann schlagen und aus dem Lande vertreiben“ (4Mose 21,1-6). Im Text wird auch indirekt angedeutet, dass sich die Moabiter zu dieser Zeit in unmittelbarer Nähe zu dem Lager der Israeliten, welches  sich am Ostufer des unteren Jordan befand, aufhielten (Vgl. mit 4Mose 25,1-3).

Mit dem Sieg über die Amoriter wurde die Stadt Medeba mit deren Umland zum Stammesgebiet der Rubeniter gezählt, wie aus Josua 13,8-9 deutlich wird: „Denn die Rubeniter und Gaditer haben mit dem andern halben Stamm Manasse ihr Erbteil empfangen, das ihnen Mose gab jenseits des Jordans im Osten, wie es ihnen Mose, der Knecht des HERRN, gegeben hatte,9von Aroër an, das am Ufer des Arnonflusses liegt, und von der Stadt mitten im Tal und die ganze Ebene von Medeba bis Dibon“ (Vgl. auch Josua 13,16).

Zur Zeit Davids war die Stadt Medeba wohl in dem Besitz der Ammoniter, denn vor ihren Toren kam es zum Kampf zwischen den Israeliten und Ammonitern, die weitere Söldner aus Mesopotamien angeworben hatten. „Und sie (die Ammoniter) warben zweiunddreißigtausend Männer mit Streitwagen an und den König von Maacha mit seinem Volk. Die kamen und lagerten sich vor Medeba. Und die Ammoniter sammelten sich auch aus ihren Städten und kamen zum Kampf“ (1Chr 19,7). Diesen Kampf entschied Joab und Abischai, die Heerführer des Königs David mit ihren Männern für Israel.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. zeichnete der Prophet Jesaja ein düsteres Bild von Moab einschließlich der Stadt Medeba: „Es geht hinauf die Tochter Dibon zu den Altären, um zu weinen; Moab heult über Nebo und über Medeba. Jedes Haupt ist kahl geschoren, jeder Bart ist abgeschnitten“ (Jes 15,2). Es waren Zeichen der Demütigung eines ganzen Volkes.

Doch mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens im West,- und Ostjordanland gelangte die Frohe Botschaft des Evangeliums auch nach Medeba. Die vielen Kirchen aus byzantinischer Zeit geben Zeugnis davon, dass der christliche Glaube vom 1. bis zum 4. Jahrhundert bereits weite Bevölkerungsteile von Medeba und Umgebung erreicht hatte. Medeba wurde zum Bischofssitz, die günstige Lage (an der Via Trajana gelegen), die Nähe zum Berg Nebo trugen zur Bedeutung der Stadt dazu.

Mose – und der Berg Nebo

Nach dem Frühstück im Hotel Amman-West fuhren wir mit einem Kleinbus durch die besseren Wohnviertel der Jordanischen Hauptstadt.

IMG_9134Normaler Strassenverkehr in Amman (Foto: P.S. 4.November 2014).

Es herrschte zwar dichter Verkehr hauptsächlich stadteinwärts, doch kein Chaos wie in Kairo oder Istanbul.Zügig verlassen wir die Vororte von Amman und fahren zunächst in südlicher Richtung. Links und rechts der Strasse sehen wir Werkstätten, Obststände, dahinter Gärten, Weintrauben und Olivenplantagen. Bei Madaba biegen wir rechts ab immer der Beschilderung `Nebo` nach.

IMG_9146Richtung Berg Nebo (Foto: P.S. 4November 2014).

Das Weiträumige Gelände (808m ü.M) ist umzäunt. Unser Reiseleiter kauft für uns die Eintrittskarten und wir gelangen in eine gartenähnliche Anlage. Palmen, Tamarisken säumen die Gehwege, das Gelände ist sauber und gepflegt. Wir kommen zu einem Aussichtspunkt, von dem man eine gute Sicht bekommt hinab ins Jordantal, das tief unten gelegene Tote Meer und die dahinterliegenden Judäischen Berge.

IMG_9153Die Aussicht vom Berg Nebo ist atemberaubend schön. Bei klarer Sicht kann man den Turm der evangelischen Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg erkennen.  (Foto: P.S. 4. November 2014).

Die Sicht ist nicht so wie zur Zeit Moses, der vor etwa dreieinhalbtausend Jahren mit seinen guten Augen einen weiten Blick über das Gelobte Land machen konnte.

IMG_9147Die Aussicht vom Berg Nebo in Richtung Westen, das Gelände fällt steil ab zum Toten Meer, dahinter die Judäischen Berge. In nordwestlicher Richtung liegt das untere Jordantal und dahinter Jericho die Palmenstadt (Foto: P.S. 4. November 2014).

Übrigens ist die heutige Nebo-Stelle, deren traditionelle Anfänge in das 4 Jahrundert zurückgehen, nicht Gipfel eines Berges oder Gebirges, wie es in den Mosestexten heißt, sondern eher das Ende eines flachabfallenden Plateaus, das an seinem Westende ziemlich steil nach Westen hin abfällt und so die Sicht besonders in diese Richtung und auch nach Norden hin freigibt. Auf einer großen Tafel sind durch Pfeile die verschiedenen in der Ferne liegende Städte markiert mit Angaben der Entfernung.

Die Erste Erwähnung der Kirche auf dem Berg Nebo (heute im Besitz des Katholischen Franziskanerordens), geht auf das Jahr 393 zurück. Sie ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut worden und wird zur Zeit restauriert, so dass man die Mosaiken des Kirchenfußbodens in einem dafür aufgestellten Zelt bewundern kann.

IMG_9172Mosaikausschnitt vom Fußboden der Kirche auf dem Berg Nebo (Foto: P.S. 4. November 2014).

IMG_9165Mosaikausschnitt mit Tierdarstellungen aus der Kirche auf dem Berg Nebo (Foto: P.S. 4. November 2014).

Im Leben von Mose spielten Berge oder bestimmte Berggipfel eine wichtige Rolle.

  • Der Gottesberg Horeb (Sinai), auf dem er Gott begegnete und von ihm die 2 Tafeln des Bundes erhielt,
  • Der Berg Hor, auf dem er zusammen mit Eleasar, seinen älteren Bruder Aaron begrub,
  • Und schließlich Nebo, der Gipfel des Gebirges Pisga oder Abarim, von dem aus er das Gelobte ‚Land überblicken durfte und auf dem er auch starb.

Am Ende der 40-jährigen Wüstenwanderung der Israeliten sprach Gott zu Mose: „Geh auf das Gebirge Abarim, auf den Berg Nebo, der da liegt im Lande Moab gegenüber Jericho, und schaue das Land Kanaan, das ich den Israeliten zum Eigentum geben werde“ (5Mose 32,49).

Und Mose stieg aus dem Jordantal der Moabiter auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der HERR zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan  und das ganze Naftali und das ganze Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der HERR sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen. So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN“ (5Mose 34,1-5).

Noch vor der Bergbesteigung versuchte Mose Gott zu überreden, ihn über den Jordan ziehen zu lassen: „Aber der HERR war erzürnt auf mich um euretwillen und erhörte mich nicht, sondern sprach zu mir: Lass es genug sein! Rede mir davon nicht mehr“ (5Mose 3,26)! Für ihn als Leiter legte Gott ein besonders hohes Maß an. Der Berg Nebo wäre nie so sehr in die Geschichte eingegangen, wenn nicht Mose und Aaron beim Haderwasser in Kadesch Barnea versagt hätten. Folgendes geschah etwa 11 Monate zuvor in Kadesch (Wüste Zin-Südkanaan): „Und Mose und Aaron versammelten die Gemeinde vor dem Felsen und er sprach zu ihnen: Höret, ihr Ungehorsamen, werden wir euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen?Und Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit dem Stab zweimal. Da kam viel Wasser heraus, sodass die Gemeinde trinken konnte und ihr Vieh. Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron: Weil ihr nicht an mich geglaubt habt und mich nicht geheiligt habt vor den Israeliten, darum sollt ihr diese Gemeinde nicht ins Land bringen, das ich ihnen geben werde. Das ist das Haderwasser, wo die Israeliten mit dem HERRN haderten und er sich heilig an ihnen erwies“ (4Mose 20,10-13). Erstens versäumte Mose mit der Aussage: „werden wir wohl euch Wasser geben können“, Gott die Ehre zu geben und zweitens schlug er den Felsen zweimal mit seinem Stab anstatt zum  Felsen nur zu sprechen, wie der Herr ihm geboten hatte, – das ist eigenmächtiges Handeln (4Mose 20,7), Aber Gott ist nicht unbarmherzig zu Mose, denn die Strapazen der Landnahme werden ihm erspart, er darf nach getaner Arbeit noch vor den übrigen Israeliten in Gottes Ruhe eingehen. Er starb zwar auf dem Berg Nebo, doch begraben wurde er von Gott (oder einem göttlichen Boten) an einer unbekannten Stelle, nur die Gegend der Beisetzung seines Leichnams wurde angegeben. „Und er (der Herr) begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag“ (5Mose 34,6). Etwas geheimnisvoll schreibt Judas (der Bruder des Herrn) über eine Außeinandersetzung des himmlischen Boten mit dem Teufel wegen Moses Leichnam: „Als aber Michael, der Erzengel, mit dem Teufel stritt und mit ihm rechtete um den Leichnam des Mose, wagte er nicht, über ihn ein Verdammungsurteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich“ (Judas 9)! Gott hat es verhindert, dass mit dem Grab von Mose ein Wahlfahrtsort entsteht.

Und Mose war hundertundzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden und seine Kraft war nicht verfallen. Und die Israeliten beweinten Mose im Jordantal der Moabiter dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war“ (5Mose 34,7-8).

Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht, mit all den Zeichen und Wundern, mit denen der HERR ihn gesandt hatte, dass er sie täte in Ägyptenland am Pharao und an allen seinen Großen und an seinem ganzen Lande, und mit all der mächtigen Kraft und den großen Schreckenstaten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel“ (5Mose 34,10-12).

Bethanien – wo Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde

Genau genommen, wurde Jesus von Johannes im Wasser des Jordan getauft, Bethanien lag am nächsten zur Taufstelle, daher diese Lokalisierung, wie im folgenden Text deutlich wird.

  • Und sie (die Pharisäer) fragten ihn (den Johannes) und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse. Dies geschah in Betanien jenseits des Jordans, wo Johannes taufte“ (Joh 1,25-28).

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Zur Unterscheidung, um welchen der zwei biblischen Orte mit  Namen `Bethanien`es sich handelt, macht Johannes der Jünger/Apostel und Autor des Johannesevangeliums eine geographische Angabe. Es geht also nicht um das Bethanien, dem Dorf der Martha, Maria und Lazarus (Joh 12,1; Mt 21,17; Mk 11,1. 11), welches östlich des Ölbergs lag, sondern um das Bethanien, welches, von Jerusalem aus gesehen, jenseits, das heißt am Ostufer des Jordans in Peräa lag (Joh 1,28; 10,40) oder Jericho gegenüber. Dort wohnte und wirkte Johannes der Täufer mehrere Monate.

Viele Menschen kamen zu ihm an den Jordan, um vor ihm ihre Sünden zu bekennen und anschließend sich von ihm in den Wassern des Jordan-Flusses taufen zu lassen (Mt 3,1-11; Mk 1,9-11; Lk 3,21-22). Diese Gegend und dieser  Ort ist wohl bewusst gewählt worden. Denn die Gegend um den unteren Jordan war schon zu alttestamentlichen Zeiten durch geschichtliche Ereignisse bekannt geworden.

  • Hier lagerten die Israeliten nach der vierzigjährigen Wüstenwanderung einige Monate lang, bevor sie nach dem Tode des Mose und unter der Leitung Josuas den Jordan überquerten (4Mose 22,1; 25,1; 25,3. 63; 33,48).

IMG_0912Kamele in einem Tamariskenwald in der Nähe des heutigen Dorfes Suwaiba am unteren Jordan (Foto: P.S. 7. November 2014).

  • In dieser Gegend nahm Gott den Propheten Elia hinweg vor den Augen seines Dieners Elisa (2Kön 2,1-18). Es gibt ja nicht nur eine äußere Ähnlichkeit zwischen dem Propheten Elia und Johannes (langes Haar, Mantel aus Kamelhaaren und lederner Gürtel – vgl. Mt 3,4 mit 2Kön 1,8), sondern auch eine geistliche, denn er (Johannes der Täufer) wird vor ihm (dem Herrn – Christus) hergehen im Geist und Kraft des Elia (Lk 1,15-17).

IMG_0803Landschaft am Ostufer des unteren Jordan (Foto: P.S. 7. November 2o14).

Mindestens dreimal teilte Gott an dieser Stelle die Wasser des Jordan:

  1. Dass erste Mal als das Volk Israel in der Frühjahrszeit (März/April) trockenen Fußes das Flussbett überqueren konnte (Josua 3,1-17),
  2. das zweite Mal als Elia mit seinem Mantel die Wasser teilte, so dass er mit seinem Diener Elisa trockenen Fußes an das Ostufer gelangten (2Kön 2,8),
  3. Und das gleiche erlebte Elisa (2Kön 2,14-15) und gelangte so trockenen Fußes ans Westufer und kam nach Jericho.

Hier also rief Johannes täglich die Menschen zur Umkehr und diese seine Predigt blieb nicht ohne Wirkung, denn viele hat er auf das Kommen des Messias vorbereitet. Und als Jesus aus dem galiläischen Nazaret hierher kam, erkannte Johannes den Christus und bezeugte ihn als das Lamm Gottes (Joh 1,29. 35).. Die meisten der späteren Jünger von Jesus, kamen aus der engeren Umgebung des Johannes (Joh 1,36-51; Apg 1,22). Hier spaltete (teilte) sich der Himmel, als Jesus aus dem Wasser heraufstieg und betete und der Heilige Geist auf ihn herabkam (nur Johannes sah dieses Herabkommen – Mt 3,16; Mk 1,10; Lk 3,22; Joh 1,32).

Noch zum Ende der Wirksamkeit von Jesus, erinnerten sich viele an die Predigt des Johannes und das, was dieser über den Christus gesagt hatte. Das Ergebnis war: „und sie glaubten an Jesus“ (Joh 10,41-42). Es ist also auch eine Stelle, ein Ort, an dem viele Menschen von Herzen umkehrten und zum Glauben an Jesus kamen. Daher auch verständlich, dass schon in den früheren Jahrhunderten in dieser Gegend viele christliche Gotteshäuser entstanden sind.

Es war eine Stelle, wo der Jordan keinen tiefen Einschnitt ins Tal hatte,  hier stieg man von beiden Seiten den Hang sanft hinauf. Diese Gegend war einst auch wasserreich, denn an der Ostseite floss ein Bach in den Fluss (heute Kharrar) und es gab eine Furt an dieser Stelle, die das Überqueren des Flusses erleichterte. Beide Flussufer waren und sind bewaldet, bzw. von üppigem Grün bewachsen, in dem Tiere und Vögel hausten und nisteten.

IMG_0721Ein Bienenfresser auf einem Tamariskenast in Jordannähe (Foto: P.S. 7. November 2014).

Dieses Bethanien war also sehr gut zu erreichen, da es an einer wichtigen ost-west Karawanenroute (Joppe-Jerusalem-Jericho-Philadelphia) lag.

Obwohl diese Gegend schon seit Jahrzehnten von Archäologen erforscht wurde, ist der Zugang zum Jordan an dieser Stelle erst seit dem Frühjahr 2000 für die Besucher geöffnet worden. Allerdings können Reisende nur an einer bestimmten Stelle bis zum Jordan kommen. Die Fußwege sind nicht nur einfach markiert, sondern auch geschottert und beidseitig begrenzt. In Flussnähe können die archäologischen Entdeckungen besucht und bewundert werden. Mehrere Fundamentreste von frühchristlichen Kirchen sind entdeckt und freigelegt worden. Die christliche Kirchentradition geht bis auf die frühen Jahrhunderte zurück, offensichtlich zur Erinnerung an die in den Evangelien detailliert beschriebene Tauftätigkeit des Johannes und natürlich besonders der Tatsache der Taufe Jesu an dem tiefsten Punkt der Erde (etwa 380 Meter unter dem Meeresspiegel).

IMG_0729Plan der frühchristlichen Kirche in Ufernähe (Foto: P.S. 7. November 2014).

IMG_0731Auszug aus dem Text der Tafel: Die Pilger berichten, dass zwischen dem 5ten und 12ten Jahrhundert an der Stelle, wo Jesus getauft wurde, fünf schöne Kirchen mit kreuzförmigen Taufbecken, in denen das Wasser des Jordans zur Taufe benutzt wurde, entstanden sind.Die Bibel, die Mosaiklandkarte des Heiligen Landes in Madaba, die Pilgerberichte sowie die archeologischen Funde zeigen, dass die Christen darauf bestanden haben, Gedenkstätten östlich des Jordans an der Stelle, wo Jesus getauft wurde und wo das Christentum seinen Anfang hatte, zu bauen.(Foto: P.S. 7. November 2014).

IMG_0733Das Taufbecken der Kirche (Foto: P.S. 7. November 2014).

Das Wasser des Jordan an dieser Stelle ist nicht durchsichtig klar wegen dem sandigen und lehmigen Untergrund, kein Wunder also, dass Naemann, der syrische Feldhauptmann sich zunächst weigerte in den Fluten des Jordan siebenmal unterzutauchen, waren doch seiner Meinung nach die Wasser der Flüsse in Damaskus viel sauberer (2Kön 5,12). Heute ist der Fluss wegen der hohen Entnahme von Wasser beiderseis der Grenze zu einem schmalen Bach (an dieser Stelle nur etwa 8 Meter breit) geschrumpft. Von der Israelischen Flussseite ist der Zugang an der gleichen Stelle offen für Pilger und Touristen, entsprechend groß ist auch der Zulauf am Westufer. Dutzende Männer und Frauen standen im hüfttiefen Wasser und gossen Wasser über sich, oder tauchten sich selbst unter Wasser. Ein Geistlicher hielt eine Andacht/Predigt vor einer Gruppe von Pilgern. Dann wurden christliche Chorusse angestimmt.

IMG_0754Fromme christliche Pilger im Wasser des Jordan (Foto: P.S. 7. November 2014).

Für die einen ist es eine emotionale Hochstimmung, für andere ein Ort der sachlichen Erinnerung an die Ereignisse von damals, doch Gott kennt die Motive der Pilger.

Als ich zum ersten Mal im April 1985 mit einem Reisebus den Jordan in dieser Gegend über die Alenby-Brücke nach Israel überquerte, war es nicht möglich sich in Gedanken an das Geschehen von damals zu vertiefen, denn schon nach wenigen Augenblicken entschwand der Fluss meinem Blick (fotografieren war strengstens verboten). Diesmal am 7. November drängte niemand zur Eile und so schaute ich, wie das Wasser unter den mit Tamarisken dicht bewachsenen Ufern, unaufhaltsam nach Süden strömte um nach nur wenigen Kilometern in das Tote Meer zu münden. Doch auch heute gibt es einige Beschränkungen, wie zum Beispiel:

  • Von beiden Seiten des Flusses dürfen Pilger nur in Ufernähe ins Wasser, denn die Mitte des Flusses bildet die Israelisch-Jordanische Staatsgrenze,
  • Das Gespräch von hier nach dort ist untersagt (ein bewaffneter Grenzsoldat überwacht die Einhaltung der Regeln).

Die Gegend ist noch eine Idylle, doch viele christliche Denominationen aus aller Welt wetteifern um geeignete Grundstücke in der Jordanau. Die erste orthodoxe Kirche ist schon gebaut worden.

IMG_0801DieAgios Georgios Kirche in Bethanien (Foto: P.S. 7. November 2014).

IMG_0747Griechisch orthodoxe Kirche aus dem Jahr 2005 (Foto: P.S. 7. November 2014).

Massentourismus wird die Folge sein, für die Jordanier eine weitere Einnahmequelle.

Und doch war der Besuch dieser Gegend ein sehr beeindruckendes Erlebnis, denn biblische Geschichten fanden an konkreten Plätzen und zu bestimmten Zeiten statt. Für die Verwirklichung dieser Ereignisse wählte Gott eben konkrete Orte. Es wäre schade, wenn diese Gedenkorte den Weg des Glaubens an Jesus, den Retter der Welt, ersetzen würden.

Abbildung 2 Freundschaftsbeziehungen sind wie natürliche Brücken. (Foto: 6. November 2014).

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