Patmos – Insel der Offenbarung

(Zwei Tage auf der  Insel Patmos)

Der Evangelist Johannes schreibt: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat“ (Offb 1,1-2). Johannes, der Sohn des Zebedäus, von Beruf Fischer, später Jünger und Apostel Jesu Christi, hatte eine ganz andere Lebensgeschichte als sein Bruder Jakobus. Während dieser schon im Jahre 44 n. Chr. von Herodes Agrippa II in Jerusalem mit dem Schwert getötet wurde (Apg 12,1f), lebte und wirkte Johannes in seinen späteren Dienstjahren in der römischen Provinz Asien, wahrscheinlich in Ephesus. Während sein Evangeliumsbericht und die drei Briefe in einem sehr einfachem Griechisch geschrieben wurden, gilt doch das Buch der Offenbarung als das Schwerverständlichere. Schon der Ort der Abfassung dieses letzten Buches des Neuen Testamentes ist ungewöhnlich, ja sogar geheimnisvoll. Der Verfasser der Offenbarung macht klare Angaben über sich selbst, den Ort seines Aufenthaltes, sowie den Grund und Zweck seines Schreibens. „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus“ (Offb 1,9). Dies schrieb Johannes vermutlich in der Zeit der Herrschaft des Kaisers Domitian (81-96). Die Insel Patmos liegt etwa 90 km südwestlich von der damaligen Provinzhauptstadt Ephesus entfernt. Die Lage und Beschaffenheit der Insel eignete sich gut als natürlicher Verbannungsort für Andersdenkende.

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Die Insel Patmos und der Hafenort Skala (Foto: am 10. Mai 2015).

Heute zählt die Insel etwa 3000 Einwohner, viele von ihnen sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz mehr oder weniger vom Tourismus abhängig. Die Landwirtschaft spielt, wegen der bergig-hügeligen Beschaffenheit der Insel, eine eher geringe Rolle. Natürlich ist der Fischfang Teil des Lebensunterhaltes vieler Insulanerfamilien. Es gibt wenig Wald, viel Buschwerk und Gestrüpp, viele Buchten. Das Straßennetz ist relativ gut ausgebaut, die Wanderrouten sind markiert. An der engsten Stelle ist die Insel gerade mal etwa 300 Meter breit. Die höchste Erhebung der Insel beträgt nur 269 Meter. Die sehr verzweigte Insel gehört zum Dodekanes-Inselgürtel, der sich von Rodos im Südosten bis Ikaria nach Nordwesten erstreckt. Alle Inseln des Dodekanes sind näher zum türkischen Festland als zum griechischen Mutterland. Die Bezeichnung Dodekanes (Zwölfinseln) ist nicht wörtlich zu nehmen, denn zahlreiche kleinere und gröpere Inseln, meist unbewohnt, säumen die sogenannte Dodekanes-Perlenkette.

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Der Hafenort Skala auf Patmos vom Burgberg (Kastelli) aus gesehen (Foto:  am 10. Mai 2015).

Skala ist der einzige Hafenort der Insel. Hier liegen die Fischerboote vor Anker und am Kai legen auch die Fähren von Rodos, Samos und natürlich auch von Piräus an. Die großen Kreuzfahrtschiffe müssen wegen Platzmangel jedoch in der Hafenbucht vor Anker gehen. Der Hafenort Skala (gr. Treppe) ist der Ausgangspunkt zu den einzelnen Buchten und Sehenswürdigkeiten der Insel. Nur ein schmaler Uferbereich ist relativ eben, ansonsten zieht sich der Ort ziemlich steil den Hang hoch. Der Ort ist keineswegs überlaufen, außer wenn die Fähren ankommen, ist im Hafenbereich viel los. In den schmalen Gässchen befinden sich, zwischen den Wohnhäusern verstreut, kleine Hotels, Pensionen, Restaurants, Cafes, Boutiken, Lebensmittelgeschäfte und natürlich viele Kirchen. Von hier geht es entweder in Serpentinen mit dem Auto, Motorrad oder Bus zum Johanneskloster nach Chora hinauf.

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Die Durchgangsstrasse von Skala nach Chora (Foto:  am 10. Mai 2015).

Ein Großteil der Touristen kommt nach Patmos für nur wenige Stunden. Doch wer mehr Zeit hat und Ruhe sucht, steigt den ziemlich steilen Fußpfad hinauf zum Kloster. Dieser Pfad verläuft größtenteils durch den Wald und teilweise entlang eines Bachbettes. Linker Hand kommt man an einer Höhle vorbei, die sogenannte Grotte der Apokalypse. Eine schmale spärlich beleuchtete Treppe führt hinab in das Innerste der Grotte. Laut der Überlieferung soll  Johannes hier die Offenbarung erhalten haben. Uns zieht es jedoch wieder schnell nach oben an die frische Luft. Johannes schreibt: „Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea“ (Offb 1,10-11). Johannes wird am Tag des Herrn (der 1. Tag der Woche – Sonntag) aufgefordert zu schreiben. Eine dunkle, halb unterirdische Höhle als Ort der Abfassung des Buches der Offenbarung? Auf Inseln Verbannte waren nicht automatisch eingekerkert, man kann sich als Ort der Abfassung dieses Buches auch einen anderen auf der Insel vorstellen.

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Das Johannes-Kloster bildet mit dem Bergdorf Chora eine architektonische Einheit (Foto:  am 11. Mai 2015).

Das Kloster aus dem 12. Jahrhundert gleicht von außen gesehen eher einer Festung, wir brauchten eine zeitlang, bis wir den Eingang fanden. Innen ist es auf verschiedenen Ebenen in Kirche, Bibliothek, Wohn- und Wirtschaftsräume der Klostergemeinschaft unterteilt und durch Stufen und Treppen miteinander verbunden. Von einer der Klosterzinnen hat man einen herrlichen Blick nicht nur über die Insel, sondern bis weit hinaus auf die Ägäis. Das Kloster zählt zu den bedeutendsten Wahlfartsorten in der griechisch-orthodoxen Kirche. Doch auch Christen aller anderen Denominationen aus aller Welt zählen zu den Besuchern dieses Klosters und auch der sogenannten Grotte der Apokalypse. Die Insel Patmos wäre kaum in die Geschichte eigegangen, wenn sie nicht zum Ort der Abfassung des letzten Buches des Neuen Testamentes geworden wäre. Erst dadurch ist sie weltbekannt geworden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden auf der Insel an den verschiedensten Stellen Kirchen gebaut. Häufig sieht man in den Gartenanlagen der Insulaner hauseigene Kapellen mit einem Glockentürmchen. Insgesamt werden auf der Insel etwa 3000 solcher Bauten gezählt. Wen wunderts, dass die Bewohner von Patmos mit gewissem Stolz von ihrer Insel sprechen. Doch die Insel war nicht immer christlich. Bedeutend war in der Antike der Burgberg mit der Akropolis. Archäologische Funde zeigten, dass er schon im 2. Jahrtausend v. Chr. bewohnt war. Heute ist es nicht einfach auf das Hochplateau zu gelangen, denn es handelt sich nicht nur um einen Ruinenhügel, sondern er ist auch voll bewachsen und daher schwer zugänglich besonders in den Frühlingsmonaten. Doch gerade in dieser Jahreszeit ist die Vegetation am schönsten. Allerlei Arten von Blumen und Gräsern stehen in Blüte (Roter Mohn, Kamille, Lazarusblumen etc.).

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Die kleine christliche Kapelle dem Konstantin und seiner Mutter Helena geweiht (Foto:  am 10. Mai 2015).

Auf dem Plateau unter Bäumen fast versteckt steht eine kleine Kirche/Kapelle, man hört leisen Gesang oder Gebet. Diese ist besonders zum Jahrestag am 20. Mai von Griechen, aber auch vielen Pilgern-Touristen besucht. Nach der Liturgie wird fröhlich gefeiert, gegessen und getrunken. In den Ruinen vermuten die Archäologen eine frühchristliche Kirche aus dem 4. Jahrhundert. Von diesem Burgberg-Kastelli genannt, eröffnet sich ein herrlicher Blick hinauf zum Kloster und hinab zur Hafenbucht von Skala.

Seit der Abfassung der Offenbarung durch den Apostel Johannes sind etwa 1920 Jahre vergangen. Kein anderes Buch der Bibel hat die Fantasie der Christen so sehr angeregt wie dieses Buch. Man bedenke jedoch,

  • dass gerade die einleitenden Kapitel, also die  Sendschreiben an die 7 Gemeinden in Kleinasien, den tatsächlichen Stand der Gläubigen jener Epoche wiederspiegeln;
  • Dass die einzelnen Botschaften dieses Buches für die Gläubigen in der Verfolgungszeit ein starker Trost wurden;
  • Dass das Buch den siegreichen Christus von Anfang an bis zur Vollendung offenbart;

Dass die Gemeinde schließlich von dem Herrn und König ans Ziel geführt wird trotz vieler Kämpfe, die es noch gilt auszufechten durch das Wort Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes.

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Sonnenuntergang über Patmos (Foto:  am 10. Mai 2015).

Der Besuch dieser einzigartigen Insel in der Ägäis hat mich keineswegs heiliger gemacht, doch trägt es zur Erkenntnis bei, dass Christus durch die schwierige Situation, in der sich Johannes befand, für die Gemeinde aller Zeiten eine Offenbarung seiner selbst und seines aktiven Wirkens bis zur Vollendung, hinterlassen hat.

, hinterlassen hat. „Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Offb 1,7-8).

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