Syrien – ein Land in Schmerzen

Syrien – ein Land in Schmerzen

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Abbildung 1 Vom Kassion Berg öffnet sich ein weites Panorama über die Stadt Damaskus – eine der ältesten durchgehend bewohnten Stadte. Sie  zieht sich heute auf 20 Kilometer Länge von West nach Ost und 4 Kilometer Breite. Bedeutende Gebäudekomplexe  aus der Römer- und Omajadenzeit sind von hier aus erkennbar 

(Reisebericht von Paul Schüle vom 9-14. April 2011, alle Foto`s sind Eigentum des Autors).

Einleitung

Unsere Reisegruppe war wohl eine der letzten, die Syrien im Frühjahr 2011 besuchten. Obwohl wir als deutsche Gruppe keinerlei Behinderungen erlebten, spürte man doch eine Anspannung, die jedoch einem Fremden nie gezeigt wird.

 Heute ist das Land und die Menschen dort tief gespalten und es sieht nicht danach aus, dass es in absehbarer Zukunft zu einem dauerhaften Frieden oder gar Versöhnung kommt. In den folgenden Beschreibungen geht es jedoch um die wundervollen Eindrücke über das Land, die Menschen und deren Geschichte. Den Schwerpunkt dieser Reisebeschreibung bilden aber Details, welche mit der biblischen Offenbarung in Zusammenhang gebracht werden können.

In den folgenden Beschreibungen geht es jedoch um die wundervollen Eindrücke über das Land, die Menschen und deren Geschichte. Den Schwerpunkt dieser Reisebeschreibung bilden aber Details, welche mit der biblischen Offenbarung in Zusammenhang gebracht werden können.

Machmoud unser hochqualifizierter Fremdenführer lebte und studierte mehrere Jahre in Heidelberg, kannte daher die deutsche Kultur und Sprache. Auf eine feine Art führte er uns durch das Land und gab uns Einblick in die Schätze der Geschichte und ebenso die Sorgen und Freuden der Syrer in der Gegenwart. Marwin unser Busfahrer war sehr zurückhaltend, was die Kommunikation betrifft, doch als Busfahrer war er ausgezeichnet, auch dann noch, wenn die Wüstenstrasse wegen des Sandsturmes kaum noch zu erkennen war. Begleitet wurde diese Studienreise auch von einem qualifizierten und erfahrenem Arzt aus Stuttgart, dies nahm so manche gesundheitlichen Sorgen von vornherein weg. Auf unserer 6- Tagereise durch Syrien besuchten wir:

  • Aleppo, die zweitgrößte Stadt des Landes,
  • Ebla, die Ausgrabungsstätte,
  • Apamäa, mit der 1,8 Kilometer langen Säulenstrasse,
  • Hamat, berühmt für die Wasserschöpfräder,
  • Sednaja, das griechisch orthodoxe Kloster,
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Abbildung 2 Damaskus, vom Cassionberg aus gesehen, hatte Menschen seit uralten Zeiten angezogen. Der Fluß Barada (Amana) entspringt dem Antilibanongebirge und durchfließt die Stadt. Hier gedeiht alles, was in den fruchtbaren Boden gesteckt wird. Durch unzählige Wasserarme und Kanäle werden die Gärten und Parks bewässert. Die Stadt war durchgehend bewohnt und die ältesten noch erhaltenen Gebäude der Stadt reichen über die Omajadenzeit bis in die römische Epoche zurück

    • Malula, das dorf und Kloster, in dem noch Aramäisch gesprochen wird,
    • Palmyra, die Wüstenstadt,
    • Idlip, die Stadt der Olivenproduktion,
    • das Afrin-Tal mit dem Simeonskloster,
    • Die Totenstädte im Afrin-Tal,
    • Den Baals und Aschera Kultstätte im Afrin-Tal,
  • Und natürlich Damaskus, eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt.

Kommen sie mit auf eine faszinierende Reise durch ein Land, das heute so sehr zerrissen ist und deren Bewohner sich auf der Flucht befinden.

Aleppo – die Stadt mit der uneinnehmbaren Zitadelle

Ausgangspunkt unserer Syrienreise war Antakya am Asi (das syrische Antiocheia am Orontes).

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Abbildung 3 Blick auf die Stadt Antakya (Antiocheia) von der sogenannten Petrusgrotte aus

 

Am späten Vormittag erreichten wir mit dem Transitbus den Grenzübergang Bab al Hawa (Tor der Winde). Die Strasse dorthin war nur teilweise gut ausgebaut.

Je näher wir zur Grenze kamen, umso mehr baute sich eine gewisse Spannung auf. Immerhin gab es Meldungen von Unruhen in der südlich von Damaskus gelegenen Stadt Daraah.

Doch das Gefühl, welches der Reisende bekommt vor betreten eines neuen noch unbekannten Landes ist eigenartig, es wird ziemlich ruhig im Bus. Es sind nicht viele Menschen, die nach Syrien einreisen wollen, dafür aber viele Lastwagen mit verschiedenen Gütern – das Geschäft bumt in jeder Hinsicht, und es wird vieles geschmuggelt. Die Abfertigung der Lastwagen beginnt um 10h und endet um 17 Uhr. Daher war unser türkischer Reiseleiter sehr bemüht, dass wir noch vor 10h an der Grenze ankommen. Durch die Passkontrolle auf der türkischen Seite kommen wir recht zügig, das Gepäck wird nicht durchsucht. Nun gehen wir zu Fuß zur syrischen Grenze, es herrscht lebhaftes Treiben, denn inzwischen ziehen die Lastwagen an uns vorbei. Der Grenzübergang liegt so ziemlich an der schmalsten Stelle des in der Antike genannten `Antiochia-Tor`. Eine Strategisch und wirtschaftlich wichtige Strasse führte hier von Mesopotamien im Osten zu dem Mittelmeerhafen Seleuzia und Alexandrette im Westen. Gleich nach dem Passieren der syrischen Grenze, das völlig reibungslos verläuft, übergab uns der türkische Reiseleiter seinem syrischen Kollegen. Nun ging die Fahrt auf syrischem Boden in Richtung Aleppo. Während sich unser Reiseleiter vorstellte und einige Instruktionen für den Syrienaufenthalt gab, schauten wir neugierig und interessiert aus dem Fenster.

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Abbildung 4 Die Gegend im Nordwesten Syriens ist wasserreich und daher sehr fruchtbar. Der Einblick in alte Zeiten ließ nicht lange auf sich warten. In der Nähe der Hauptsrasse Aleppo – Damaskus sahen wir linker Hand einen langen Abschnitt von noch sehr gut erhaltener römischen gepflasterten Strasse. Der Reiseleiter bemerkte unser Interesse an der antiken Strasse und ergänzte, dass es in Syrien noch viele solcher Straßenabschnitte gäbe.

Die Strecke Damaskus Aleppo ist weitgehend vierspurig ausgebaut und es herrscht reger Autoverkehr, besonders als die Vororte von Aleppo in Sicht kommen. Lastwagen, die mit Obst und Gemüse beladen in richtung Aleppo fahren. Häufig sieht man Menschen oben auf der Ladefläche der Lastwagen sitzen oder stehen, eine völlig andere Vorstellung von Verkehrssicherheit. Doch sahen wir keine Autounfälle, irgendwie regelt sich der Verkehr, die Autofahrer sind sehr aufmerksam und reaktionstüchtig. Das `stop and go` an diesem Vormittag stört wenig, da sich dadurch Gelegenheiten bieten, das für uns neue und sehr lebhafte Straßengeschehen genauer zu betrachten und auch fotografieren.

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Abbildung 5 Straßenszenerie bei der Einfahrt nach Aleppo

Um Zeit zu sparen, führte uns Moudi gleich in die Altstadt von Aleppo. Auf dem Besichtigungsprogramm stand der Besuch auf der Zitadelle sowie dem Suk (Bazar). Die Zitadelle von Aleppo galt im Mittelalter als uneinnehmbar, sie wurde auch nie wirklich erobert. Zum Tor der Festung führt ein breiter gepflasterter Viadukt. Der Eingang selbst ist sehr verwinkelt und auf mehreren Ebenen, das das Eindringen sehr erschweren sollte.

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Abbildung 6 Die Zitadelle von Aleppo steht auf einem Hügel im Altstadtkern. Sie zählt zu den ältesten und größten Festungen der Welt. Sie wurde von verschiedenen Herrschern benutzt und immer wieder ausgebaut. Heute gehört diese Festung zum UNESCO Weltkulturerbe.

Von der oberen Platform der Festung eröffnet sich ein Rundblick über die gesamte Stadt, die sich Kilometer weit ausdehnt und in der mehr als 2 Millionen Menschen, verschiedener Nationen und Religionen angehörend, nebeneinander lebten.

Minarette von Moscheen, Luxushotels, Banken, verschiedene Verwaltungsgebäude, sowie der langgestreckte Suk in unmittelbarer Nähe, prägen das Stadtbild. Ein Kaffee im Schatten eines Baumes lädt zum Entspannen und Erfrischen ein, doch viel zu kostbar ist uns die kurze freie Zeit. Es gibt so vieles, was beeindruckt.  Oft sind es die steinernen Überreste, die kunstvoll gefertigten Alltagsgegenstände, welche über die Geschichte der Stadt und deren Bewohner Zeugnis geben können.

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Abbildung 7 Blick von der Zitadelle auf die Stadt Aleppo.

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Abbildung 8 Blick von der Zitadelle auf die Stadt Aleppo (Foto: 9. April 2011).

Sehr beeindruckend ist der große Fest, und Empfangssaal im Inneren der Festung.

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Abbildung 9 Atemberaubend ist der Blick zur Decke des Prunksaales, in dem die Herrscher ihre gäste empfingen.

 

Der Saal ist  prächtig ausgeschmückt. In die Decke sind kunstvolle und farbenprächtige Intarsien eingelegt. Mit großer Macht und unbeschreiblichem Prunk umgaben sich die Herrscher im Orient.

Wieder draußen im Freien erkennen wir eine Theatergruppe, lauter Männer. Auf einer Freiluftbühne führen sie einen Tanz auf. Wahrscheinlich gibt es eine Abendvorstellung im Theater der Zitadelle.

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Abbildung 10 Das Bild von tanzenden Männern in einem islamischen Land ist ungewöhnlich.

Beim Besichtigen und Durchschreiten der verschiedenen Räume und Gänge im Inneren der Zitadelle wäre man allein aussichtslos überfordert wieder den Ausgang zu finden. Das leichte Mittagessen in einem nahegelegenem Teehaus tat uns allen sehr gut. Der Blick ist frei für den großen Vorplatz der Festung, das gegenüberliegende Regierungsgebäude und seitlich gesehen das Portal zum Eingang in den weltberühmten Suk. Die Bilder und Eindrücke im Teehaus sind sehr entspannend, aber auch neu für uns. Nur Männer bedienen an den Tischen, Im diesem Land dürfen Frauen nicht in der Gastronomie und Hotelbereichen arbeiten, das ist allein die Domäne der Männer. Im Teehaus sitzen viele junge Frauen, schick gekleidet, essen, rauchen, reden ungezwungen laut miteinander. Auch wir als einzige deutsche Gruppe in der Stadt sind willkommen, man bietet uns Platz an und wir bestellen Fladenbrot mit Salat und natürlich Tee. Alles ist frisch und schmeckt sehr gut. Der Suk von Aleppo ist der größte, bzw. längste überdachte Bazar der Welt, ein Unikat also, das nicht nur zur Besichtigung einlädt, sondern auch um einzigartige oder originelle Waren zu kaufen. Unser Reiseleiter instruierte uns mit den Gepflogenheiten beim Kauf, es ist wichtig immer zu handeln, denn es gibt hier keine festen Preise und schon gar keine Preisschilder. Wem das Handeln nicht liegt, wird unweigerlich übers Ohr gehauen und vom Verkäufer nicht ernst genommen. Wir decken uns ein mit besonders feinen Tüchern und Holzschnitzereien für uns und um zu verschenken. Der Suk ist das Herzstück einer orientalischen Stadt. Hier sind die verwurzelten Einwohner der Stadt am Handel beteiligt. Hier befindet sich auch die Informationsbörse der Stadt, nicht in einem extra Raum, nein, es ist ein dynamisches Leben, reden, Geschäfte machen, Austauschen, Wissen und Informationen weitergeben, Stimmungen einfangen. Hier kann man eigentlich erfahren, was so in der Stadt passiert. Allerdings bleiben diese Informationsebenen dem Kurzzeiturlauber verborgen. Im Labyrinth der Verzweigungen des Suks ist es für den Fremden gar nicht so einfach mit der Orientierung. Es ist das Grauen jedes Reiseleiters, eines seiner Schäfchen im Menschengewirr zu verlieren. Daher kam schon auf dem Weg nach Aleppo die Mahnung zur Vorsicht, Rücksicht und der Pünktlichkeit, damit sich jeder an den ausgemachten Treffpunkten rechtzeitig einfindet. Unser Busfahrer wartete auf uns in einiger Entfernung vom Zentrum und brachte uns zu unserem Hotel `Riga`, welches sich etwas außerhalb des Stadtkerns befand. Nach dem Bezug des Zimmers und bis zum Abendessen hatten wir ausreichend Zeit, um die Umgebung zu erkunden und waren sehr beeindruckt von der Normalität des alltäglichen Lebens in diesem Stadtviertel. Die Straßen voller Autos, auf den Gehwegen manchmal kein Durchkommen wegen ausgestellter Waren, hohe Bordsteine, damit die Autofahrer nicht auf dem Gehweg parken. Läden, Banken, sehr gepflegte Häuser und siehe da wir staunen nicht wenig – das berühmte Hotel Baron direkt vor uns. Das Hotel Baron in Aleppo hat viele Geschichten, Romane und berühmte Persönlichkeiten beeinflusst.

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Abbildung 11 Das Hotel Baron in Aleppo.

Das Hotel Baron in Aleppo (Foto: P. Schüle  9. April 2011).

Wir kehrten zufrieden in unser Hotel Riga zurück, in dem auf uns, wie kurz danach erlebten, ein hervorragendes Abendessen erwartete. Im oberen Stockwerk des Hotels war das Restaurant mit offenem Blick auf die Stadt Aleppo. Die Bedienung war sehr freundlich und es gab alles, was man sich nur wünschen konnte. Wir ließen die vielen Eindrücke des Tages revue passieren und freuten uns auf die Erlebnisse und Begegnungen der nächsten Tage in diesem Land.

Ebla – und die 17 Tausend Tontafeln

Am frühen Morgen pünktlich um acht Uhr verließen wir das Hotel Riga in Richtung Süden, vorbei am Uhrturm von Aleppo und durch die südlichen Vororte der Stadt. Es ist der gleiche Weg, auf dem wir gestern Mittag nach Aleppo hineinfuhren. Es handelt sich um eine Merhspurige Strasse, zu deren Seiten sich große Wohnblocks und öffentliche Gebäude befinden.

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Abbildung 12 Der Uhrturm in Aleppo (Foto: 10. April 2011).

Unser Abendziel an diesem Tag ist eigentlich Damaskus, doch auf dem Weg dorthin besuchen wir die uralte syrische Stadt Ebla, die griechisch-römische Stadt Apamäa im Orontestal und Hama, das biblische Hamat ebenfalls am Orontes gelegen. Erstaunlich gut ist die Autobahnänliche Hauptstrasse Aleppo-Damaskus ausgebaut. Der Autoverkehr ist lebhaft, doch wir kommen gut voran.

Ebla liegt etwa 55 Kilometer südlich von Aleppo und etwas abseits der Hauptstrasse. Über bunt bemahlte Busse in ‚Syrien werden wir uns noch öfters wundern, doch Moudi erklärt uns den Grund. Die meistens so farblose und eintönige Wüstenlandschaft Ostsyriens bringt manche Leute auf die Idee ihre Fahrzeuge mit grellen Farben zu bemahlen. Paralell zu Strasse ist eine fast undurchbrochene Reihe der Aleppokiefer gepflanzt zum Schutz vor den winterlichen Ostwinden aus der Syrischen Wüste. Die Kronen der stattlichen Bäume sind alle stark in die gleiche Richtung geneigt, so dass daran die vorherrschende Windrichtung abgelesen werden kann.Das Wetter ist an diesem Tag angenehm mild, eine gute Voraussetzung für die Besichtigungen mehrerer Ausgrabungsstätten.

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Abbildung 13 Ein mit Farben bemahlter Bus – als fahrbare Bücherei (Foto: 10. April 2011).

 

Nach einer halben Stunde Fahrt verlassen wir die Hauptstrasse in östlicher Richtung. Ab hier ist der Weg ziemlich holprig, doch die grüne und fruchtbare  Landschaft wirkt anmutig. Und nach wenigen Kilometern durchqueren wir den anmutigen Ort El Mardikh. Ein normales Strassenbild, Männer, aber auch Frauen gehen ihren Einkäufen oder anderweitigen Geschäften nach, es herrscht keinerlei Hecktik. Unter den normalen Wohnhäusern sehen wir auch einige für die Halbnomaden typische Bauweise genannt `Trullis`. Sie sind aus Lehmziegeln gebaut und haben ein Kuppeldach – im Winter warm im sommer kühl. Wir sind nicht wenig erstaunt über der Ausdehnung der Ausgrabungsstätte, welche sich östlich des Ortes Mardukh ausdehnt. Ebla liegt etwa 55 Kilometer südlich von Aleppo.

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Abbildung 14 Der Ort el Mardikh in dessen unmittelbarer Nähe Ebla liegt (Foto: 10. April 2011).

. Nicht weit hinter dem langgestreckten Dorf liegt der Tell und wir sind nicht wenig erstaunt über die Ausdehnung der Ausgrabungsstätte. Die italienischen Archäologen gruben die Stadt im Jahre 1975 aus. Die ältesten Schichten werden in das dritte vorchristliche Jahtausend datiert. Bei der Ausgrabung stießen die Archäologen auf eine Stadtmauer, auf verschiedene, den alten Göttern geweihte Heiligtümer. Doch der wichtigste Fund für die Forschung war die Entdeckung des Archivs im königlichen Palast. Dieser wurde zwar durch Brand zerstört, doch gerade diesem so tragischem Umstand ist die Erhaltung der vielen Tausend Tontafeln zu verdanken. Da es sich dabei um eine Keilschrift handelte, die bis dahin den Orientalisten nicht bekannt war, dauerte es eine Zeitlang bis die ersten Tafeln entziffert werden konnten. Diese geben sehr viel Aufschluß über das Leben und den Alltag der Menschen vor über 4 Tausend Jahren.

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Abbildung 15 Ein kleiner Einblick in die Ruinenreste von Ebla (Foto: 10. April 2011).

Besonderes Interesse erweckten die Aufzeichnungen über den Status der Frauen in dieser Stadt und Umgebung. Sie waren gleichberechtigt, konnten bei ungerechter Behandlung sogar gegen ihre eigenen Männer klagen. Ebenso stand ihnen der Beruf zum Schreiber (in) oder auch Ärztin offen. Ebla erlebte eine sehr wechselvolle Geschichte. Für die damaligen Großmächte in Mesopotamien und später die Hethiter aus dem anatolischen Hochland war Ebla begehrenswertes Handelszentrum in dieser Region. Denn durch Ebla verliefen sowohl die Ostwest,- als auch die Nordsydhandelsroute.

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Abbildung 16 Überreste einer christlichen Kirche in den Ruinen von Ebla (Foto: 10. April 2011).

Die Ausgräber entdeckten auch Reste einer christlichen Kirche aus dem 6. Jh. Dies bezeugt, dass das Evangelium in den früheren Jahrhunderten auch hier angenommen wurde. Schon zu Beginn der Wirksamkeit Jesu heißt es in Matthäus 4,4,24a: „Und die Kunde von ihm (von Jesus) erscholl durch ganz Syrien. In der Apostelgeschichte 11,19-21 berichtet Lukas der Arzt und Historiker etwa im Jahr 34/35: „Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden. Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen (Hellenisten-griechische Juden, bzw. Juden die grichisch lebten) und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.“ So wird das Evangelium von Antiochien aus recht bald auch in Aleppo, Ebla, Apameia, Hama und Emesa verkündigt worden sein. Denn diese Städte lagen in nur geringer Entfernung von der Provinzhauptstadt Antiocheia am Orontes. Die, alle diese Länder übergreifende Großmacht Rom, erleichterte nicht nur die Handelsbeziehungen durch ihr hervorragendes Straßensystem, sondern förderte auch indirekt die Verbreitung des Evangeliums in dem gesamten Reich, vor allem im östlichen Mittelmeerraum.

Apamea – mit der 1,8 Kilometer langen Säulenstrasse

Bei der Weiterfahrt in Richtung Süden, zweigt eine Asphaltstrasse ab in Richtung Westen. Die Landschaft ist grün und fruchtbar. Ins Auge fallen besonders die vielen Olivenplantagen, aber auch die Felder sind angebaut und überall zu dieser Frühlingszeit sieht man Feldblumen. Wir kommen durch Siedlungen und bei der langsamen Fahrt unseres Busfahrers, der sich an die Straßenverhältnisse gut anpasst, können wir das bunte Leben auf der Dorfstrasse und teilweise in den Höfen beobachten. Recht viele Motorrad, oder Mopedfahrer sind unterwegs auf der Strasse, ebenfalls Radfahrer, hier und da auch mal ein Esel vor einem Hoftor oder im Feld.

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Abbildung 17 Olivenplantagen in der Umgebung von Apamea (Foto am 10. April 2011).

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Abbildung 18 Die Zitadelle Qal`at al Mudig oberhalb von der helenistischen Stadt Apamea (Foto am 10. April 2011).

Schon aus der Ferne erkennen wir die Zitadelle Qal`at al-Mudig auf dem Akropolishügel in der Nähe der ehemals hellenistischen Stadt Apameia. Seleukos I. Nikator erbaute diese Stadt und nannte sie nach seiner Frau Apamea. Doch auf die Burg, die noch bewohnt ist, kommen wir nicht, sondern gleich zum Eingang der prachtvollen Säulenstrasse von Norden her, die sich etwa 1800 Meter weit hinzieht und etwa 36 Meter breit ist. Der Regen, der kurz davor einsetzte, ließ nach und die Sonne kommt immer mehr hinter den Wolken hervor. Sofort nach dem Eingang werden wir von einer Schar arabischer Männer und Jugendlicher umgeben, die Postkarten, Münzen, Schirme und anderen Touristenkram verkaufen wollen. Moudi scheucht sie alle mit ernsten Worten und deutlicher Gestik on uns weg. Ab hier begleiten sie die Gruppe von beiden Seiten, immer zur Stelle, wenn mal jemand aus der Gruppe etwas abseits anschaut, oder zurückbleibt.

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Abbildung 19 Der nördliche Teil der Säulenstrasse in Apamea aus dem 2. Jh. n. Chr. (Foto am 10. April 2011).

Doch sie wissen, nach der offiziellen Führung und den Erklärungen durch den Reiseleiter, dürfen sie an die Touristen ran und ihre Wahre anbieten. Wir kaufen faltbare Prostkarten, mehr aus Höflichkeit, doch erst viel später wird uns deren Wert deutlich. Es ist nicht die Qualität, sondern die Informationen zu den jeweiligen Objekten. Denn was der Reiseleiter sagt, kann man nicht alles behalten.

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Abbildung 20 Zwischen den Säulen waren verschiedene Gebäude und auch Verkaufsläden untergebracht (Foto am 10. April 2011).

Die Pflasterung der alten Strasse aus römischer Zeit ist zum Teil sehr gut erhalten, zum Teil aber auch beschädigt oder unterbrochen – man bedenke, diese Strasse ist mehr als 1800 Jahre alt.

Die Säulenreihen sind ebenfalls nicht mehr durchgehend aufgerichtet, trotzdem macht es einen gewaltigen Eindruck, man ist so klein im Vergleich. Es wundert nur, wenn man an die Fähigkeiten der Steinmetze denkt oder an die Ingeneurleistung, die mit einfachen, aber doch praktischen technischen Geräten solch gewaltige Säulen aufgerichtet und miteinander verbunden haben.

Auf beiden Seiten zwischen den Säulen waren Verkaufsläden untergebracht. Diese Säulenstrasse war sozusagen der größte Wirtschaftsfaktor der Stadt und bildete die zentrale Achse des öffentlichen Lebens in Apamäa. Händler aus dem Zweistromland, Arabien  sowie aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum konnten hier ihre Waren verkaufen.

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Abbildung 21 Die Strasse ist etwa 36 Meter breit und die Pflasterung zum Teil noch sehr gut erhalten, teilweise ist sie aber unterbrochen (Foto am 10. April 2011).

EinWirtschaftsfaktor, der zum Reichtum und Ansehen der Stadt wesentlich beitrug.

Es wurden auch Reste von mehreren antiken Kirchen mit zum Teil gut erhaltenen Mosaikböden entdeckt und ausgegraben. Diese geben auch hier Zeugnis, dass das Evangelium in den ersten Jahrhunderten in dieser Stadt und Umgebung angenommen wurde. So wurde die Stadt Apamea sogar zum Bischofsssitz erhoben. Doch die meisten Kirchenreste sind in dem südlichen Teilabschnitt der Strasse und so konnten wir nur eine im nördlichen Bereich besichtigen.

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Abbildung 22 Ein Hinweisschild zu einer christlichen Basilika, deren Überreste sich etwas abseits der Strasse befanden (Foto am 10. April 2011).

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Abbildung 23 Reste einer frühchristlichen Kirche in den Ruinen von Apamea (Foto am 10. April 2011).

Es wurden auch Reste von mehreren antiken Kirchen mit zum Teil gut erhaltenen Mosaikböden entdeckt und ausgegraben. Diese geben auch hier Zeugnis, dass das Evangelium in den ersten Jahrhunderten in dieser Stadt und Umgebung angenommen wurde. So wurde die Stadt Apamea sogar zum Bischofsssitz erhoben Doch die meisten Kirchenreste sind in dem südlichen Teilabschnitt der Strasse und so konnten wir nur eine im nördlichen Bereich besichtigen.

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Abbildung 24 Frisches Fladenbrot aus dem Ofen, dazu Salate und Tee in Apamea (Foto am 10. April 2011).

Uns wird bewusst, dass  auch in dieser Stadt durch viele Jahrhunderte Menschen an Christus glaubten und durch den Bau oder Umbau von Versammlungsstätten auch ihr Glaubenszeugnis hinterlassen haben.

Wir denken aber auch an die Menschen der Gegenwart, die uns freundlich aufgenommen und bewirtet haben und deren Zukunft sehr ungewiss ist. Es handelt sich dabei um eine Familie, die eine Art Freiluftgaststätte inmitten der Ausgrabungsstätte betreibt und durch die Ankunft einer Reisegruppe aus Deutschland sehr eifrig ist frisches Brot, bzw. Brotfladen im ‚Holzkohleofen zu backen. Wir dürfen fotos machen und sogar filmen. Es schmeckt ausgezeichnet in dieser noch sehr friedlichen ‚Idylle.

Hama am Orontes – die Stadt mit den Wasserschöpfrädern

Nach dem einfachen, aber sehr schmackhaften Mittagessen in Apamea, fuhren wir weiter in Richtung Südosten. Die Landstrasse war gut ausgebaut und wir konnten in den Ortschaften das normale Alltagsleben der Menschen beobachten. Nur in einer Orttschaft sahen wir einen Menschenzug entlang der Strasse, die angeblich Regierungstreue bekundeten. Schließlich erreichten wir Hama am Orontes.

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Die Straßen der Stadt sind sehr belebt, viel Autoverkehr, unser Busfahrer hat einige Mühe bei diesem dichten Verkehr durchzukommen. Doch für uns bietet sich die Gelegenheit das lebhafte und geschäftige Leben der Syrer genauer zu betrachten. Der Fluß fließt durch die Stadtmitte und verleiht Hama ein romantisches Flair. Die Anfänge der Stadt am antiken Orontes-gehen, wie Archäologen annehmnen, zurück  in das 6. Jt.v. Chr. Sie zählt  zu den wenigen syrischen Städten, die durchgehend bewohnt sind. Seit Jahrhunderten ist sie bekannt auch wegen der vielen und größten Wasserschöpfrädern der Welt. Allerdings sind sie nur in Betrieb, wenn der Fluß viel oder ausreichend Wasser führt. Doch auch dann wird das geschöpfte  Wasser nicht mehr in den Aquädukt gelenkt, denn als Trinkwasser wäre es nicht mehr geeignet. An diesem Tag war Niedrigwasserstand und die Räder standen still. Trotzdem war der Besuch und Spaziergang im, an den Fluß angrenzenden Park sehr angenehm. Pärchen flanierten am Ufer entlang, Kinder spielten. Am gegenüberliegenden Ufer erfreute sich ein Cafe vieler Besuche, auch aus unserer Reisegruppe.

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Der Park ist sehr schön angelegt und der Duft der blühenden Bäume, Büsche und Blumenbeete lud zum Verweilen ein. Eine Stadt, die schon im zweiten Jahtausend v. Chr. große Bedeutung hatte und im Alten Testament mehrmals erwähnt wird. Da sie weit außerhalb der nördlichen Grenzen Israels lag, gab es nur wenig Berührungspunkte mit den Israeliten.

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In der Stadt gibt es noch viele schöne Gebäude aus der osmanischen Zeit und das  Stadtgeboet entlang des Flusses und des Aquädukts ist sehr beeindruckend.

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Hama wird im Alten Testament im Zusammenhang der Landeserkundung unter Mose erwähnt, so lesen wir in 4Mose 13,21 „Und sie (die Kundschafter) gingen hinauf und erkundeten das Land von der Wüste Zin bis nach Rehob, von wo man nach Hamat geht.“ Die Stadt lag weit außerhalb des von Gott angeordneter Nordgrenze für Israel. Trotzdem erweiterte Salomo seinen Einfluß auf weiter nördlich gelegene Gebiete, unter anderem auch auf Hamat, Zoba und sogar Tadmor, das in der Wüste liegt, vermutlich das spätere Palmyra (2Chron 8,1-6). Die fruchtbaren Landstriche am Fuße des Libanon- und Antilibanongebirges, sowie das nördlich davon gelegene Hamat am Orontes, weckten auch bei dem israelitischen König Begehren. Er baute einige Städte (auch Hamat) zu Kornkammern aus und befestigte sie mit toren und Riegeln.

Wir fühlten und nicht unsicher in dieser Stadt, denn die Menschen um uns herum verhielten sich ganz normal, doch diese äußere Ruhe täuschte, schon nach wenigen Wochen kam es zu öffentlichen Unruhen in Hama und am 31. Juli 2011 marschierten die Regierungstruppen in Hama ein und es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, bei denen viele Menschen starben. Unzufriedenheit, Machtsreben, Begehrlichkeit und religiöser Fanatismus sind meistens die Ursachen für Aufstände, oder Eroberungen. Jesus hat nie zu gewaltsamen Aufständen oder gar Umstürzen der bestehenden Regierungen aufgerufen. Seine Botschaft war „Tut Buße – ändert eure Gesinnung“ und „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist„. Die, ins babylonische Exil Weggeführten Israeliten fordert der Prophet Jeremia auf: „Suchet der Stadt Bestes„. Es ist bezeichnend, dass sich die christliche Minderheiten in Syrien nicht an den Aufständen beteiligten, aber viele von ihnen mußten fliehen.

Damaskus – die Perle des Orients

Wir verließen Hama und folgten der Autobahn Aleppo – Damaskus Richtung Süden. Am Spätnachmittag erreichten wir die Hauptstadt Syriens von Nordwesten her.

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Mpudi hatte ein gutes Gespür für die Interessen seiner Gruppe und führte uns zunächst auf einen Aussichtsplatz mit Stadtpanorama. Von einem Plateau des Kassion Berges breitete sich unter uns Damaskus in seiner ganzen Länge und Breite aus. Ein wahrhaft faszinierender Überblick über eine orientalische Metropole, die in der Geschichte einen breiten Platz einnimmt.Damaskus erstreckt sich auf einer Länge von etwa 20 Kilometer und einer durchschnittlichen Breite von 4 Kilometern zu beiden Seiten des Barada-Flusses. Emotional war es ein sehr bewegender Augenblick. Diese Stadt und deren Menschen werden wir Dank Moudi demnächst näher kennenlernen.

Doch lange genug und auch anstrengend war der Tag, so dass wir uns sehr auf das Hotel freuten.

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Als wir aus dem Bus stiegen, staunten wir nicht wenig über den Hotelnamen, da stand nämlich `Saudi Ben Laden Group`. Wir befanden uns etwa 15 Kilometer westlich des Stadtzentrums. Im Westen erhoben sich die bewaldeten Berge des Antilibanon. Das milde Klima auf dieser Höhe zieht viele wohlhabende Damaszener an, besonders in den heißen Sommermonaten. Die es sich leisten konnten, haben hier oben Villen errichtet, als Rückzugsgebiet von der Hecktik und dem Lärm der Stadt unten im Tal. Mit ungeheurem Luxus und Sicherheitsvorkehrungen haben sich auch einige Prinzen und Prinzessinnen aus Saudiarabien hier Villen, ja gar Paläste errichtet. Wir sind mitten im Orient, wo der Reichtum sehr offensichtlich  nach außen gezeigt wird.

Die Anlage war sehr grün, blumenreich und mit vielen Palmen.

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Nur mühevoll kommt unser Busfahrer bei dem dichten Stadtverkehr voran. Der Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung ist die alte Stadtmauer. Hier parken wir direkt hinter zwei buntbemahlten Überlandbussen. Die Erklärung zu den mit grellen Farben bemahlten Bussen lautet: „um die Eintönigkeit der Wüstenlandschaft zu durchbrechen“ also etwas fürs Auge. Von hier gingen wir zu Fuß  durch eins der Tore zur Altstadt durch die schmalen Gassen in denen man sich in vergangene alte Zeiten zurückversetzt fühlt. Kleine Stoff- und Juvelierläden zu beiden Seiten der schmalen Gassen. Die Ladenbesitzer laden freundlich ein ihre Waren anzuschauen, was wir in einem Fall auch tun, doch für den Kauf der kostbaren, als auch sehr teuren Seiden- und Damaststoffen können wir uns nicht durchringen. Doch allein das Interesse der Touristen und die Zeit, seine Waren anzuschauen und einige Fragen zu stellen, bedeutete für ihn eine Würdigung.

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Danach bot sich die Gelegenheit in einen Innenhof reinzuschauen. Die Damaszener verstehen es, sich auf wenig Raum kleine Paradise zu schaffen. Das Plätschern des Wassers, Pflanzen, Blumen, Palmen, zum Teil überdachte Innenhöfe sind Rückzugsgebiete und familiäre Aufenthalte der Damaszener. Das Tor in einen solchen Innenhof war geöffnet und wir gingen von Neugier gepackt, hinein. Es ist wie ein kleines privates Paradies, ein Ort der Ruhe im Vergleich zu dem lauten und geschäftigen Treiben auf den Strassen.

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Wir kommen an eine hohe und unscheinbaren Mauer, biegen nach rechts und staunen nicht wenig, vor uns der prächtige Eingang zum Azempalast. So nichtsaussagend die Außenmauer des Palastes ist, soprächtig der Innenhof mit den verschiedenen Räumen. Es handelt sich um den Gouverneurspalast aus osmanischer Zeit. Die lokalen Statthalter in den Provinzen, weit ab der Hauptstadt Istanbul, spielten sich oft auf wie orientalische Herrscher und genossen das Leben in vollen Zügen. Der Innenhof war sehr schön angelegt, die einzelnen Räume ganz unterschiedlich ausgestattet, je nach Zweck und Bestimmung. Kostbare geschnitzte Möbel, Schränke, Truhen, Teppiche, Malereien, Türbeschläge, edle Hölzer. Besonders ausgestattet war der Fest- und Empfangssaal.

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AZEM Palast – ehemaliger Sitz des Gouverneurs von Damaskus im osmanischen Reiche (Foto am 11. April 2011).

Die Räume sind von Bediensteten beaufsichtigt, fotografieren ist nicht gestattet. Es hieß: „gegen ein kleines Trinkgeld könnte man da und dort doch gewünschte Fotoaufnahmen machen“. Doch die Bediensteten boten von sich aus an, wir könnten fotografieren, wahrscheinlich ist, dass sie damit ihr geringes Einkommen aufbessern wollten auch mit Umgehung der Vorschriften. Doch lehnten wir freundlich ab mit der Bemerkung: „Es ist sehr schön, aber wir wollen nur anschauen“. Heute verwalten die Damaszener, was die jeweiligen Herrscher oft auf Kosten der Bevölkerung, gebaut und angesammelt haben.

Damaskus – Omaijadenmoschee, Johannes der Täufer und Jesus

Der bedeutendste und größte religiöse Gebäudekomplex in Damaskus ist die Omaijadenmoschee.

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In römischer Zeit stand hier der Jupitertempel. Mit der starken Ausbreitung des Christlichen Glaubens und der Anerkennung des Christentums als Religionsgemeinschaft, wurde im 4. Jh. n. Chr. der Tempel in eine christliche Basilika umgewandelt und Johannes dem Täufer geweiht. Nach der Eroberung von Damaskus durch die Araber im Jahre 636 wurde der Gebäudekomplex etwa 70 Jahre lang von Christen und Muslimen gemeinsam als Versammlungstätte benutzt.

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Ab dem Jahre 708 trug man das christliche Gotteshaus ab (nicht die Außenmauern) und erbaute unter dem Kalifen Al Valid diese Moschee.

Dies geschah nach langen aber friedlichen Verhandlungen mit der Christlichen Gemeinde, welche dafür an anderer Stelle eine Versammlungsstätte baute. Wie genau diese Überlieferung auch sein mag, macht sie doch deutlich, dass zu jener Zeit in Damaskus der Respekt für Andersgläubige offenkundig groß war. Doch die Tradition von der Aufbewahrung des Hauptes von Johannes dem Täufer, blieb in der Moschee erhalten.  Noch heute ist die Omaijadenmoschee mit dem  Schrein ein Anziehungsort für Muslime und Christen.

Die Berichte der Evangelien über das Ende von Johannes dem Täufer lassen sich aus folgenden Texten rekonstruieren. „Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass du sie hast. Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn für einen Propheten. Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut.  Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde. Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers! Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben, und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten das Jesus“ (Mt 14,3-12). Was Herodias, die nicht rechtsmäßige Frau des Herodes mit dem Haupt des Johannes gemacht hatte, ist aus diesem und anderen Evangelientexten nicht ersichtlich. Eindeutig ist, dass der Leichnam des Johannes von seinen Jüngern im palästinischen Raum bestattet wurde.

Von den vier Minaretten der Moschee trägt eins die Bezeichnung `Jesusminarett`. Auch im Inneren des großen und hohen Hauptsaales der Moschee gibt es eine hohe Treppe von sieben Stufen. Die Kanzel für die Vorbeter steht auf der sechsten Stufe, die siebte darf nicht betreten werden, denn sie ist nach einer lokalen islamischer Überlieferung, Jesus vorbehalten, der im Endgericht von dort aus sprechen wird.

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Von den vier Minaretten der Moschee trägt eins die Bezeichnung `Jesusminarett`. Auch im Inneren des großen und hohen Hauptsaales der Moschee gibt es eine hohe Treppe von sieben Stufen. Die Kanzel für die Vorbeter steht auf der sechsten Stufe, die siebte darf nicht betreten werden, denn sie ist nach lokaler islamischer Überlieferung, Jesus vorbehalten, der im Endgericht von dort aus  Recht sprechen  wird. Natürlich lesen wir im Neuen Testament etwas anderes über das Kommen Jesu zum Endgericht.

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Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet“  (Mt 25,31-32). Doch die Tatsache, dass in dieser Überlieferung Jesus solch ein Ehrenplatz und höchste Stufe eingeräumt wird, ist bemerkenswert. Tatsache ist auch, dass zumindest die offiziellen christlichen Kirchen in Syrien bis zu Beginn der Unruhen, keinerlei nennenswerte Unterdrückung erleiden mußten. Und die Christen in Syrien haben sich, entsprechend der Gesinnung Christi, am gewaltsamen Aufstand nicht beteiligt. Doch seit Beginn des Bürgerkrieges Mitte 2011 haben viele, von den etwa 15 % der christlichen Bevölkerung des Landes, Syrien verlassen oder verlassen müssen.

Damaskus – die Bekehrung und Taufe des Saulus/Paulus

Viele bedeutende Persönlichkeiten hatte Damaskus im Laufe der Jahrtausende gesehen, eine davon ist der Apostel Paulus. Er kam nach Damaskus als Verfolger der Christen und wurde in dieser Stadt selbst Christ. Er hinterlies deutliche Spuren, sein Name ist bis heute in der Stadt bekannt. Es gibt so viele christliche Kirchen und Klöster in Damaskus wie sonst kaum in einer anderen orientalisch-islamischen Stadt. Doch wann und wie begann diese Entwicklung?

Als Saulus am späten Nachmittag des Jahres 34 n. Chr. in die alte syrische Stadt Damaskus einzieht, ist er völlig aufgewühlt. Sein Vorhaben, welches durch die Jerusalemer Behörde mit Vollmachten unterstützt wurde, wird er hier nicht ausführen. Die Stimme des Herrn, der ihm außerhalb Damaskus erschienen war, ist immer noch in seinen Ohren.

Der Evangelist Lukas berichtet über die Pläne des Pharisäers Saulus und was vor den Toren Damaskus geschehen war.

 

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Abbildung 34 Die Orthodoxe Kath. Pauluskirche in Damaskus ist für alle zugänglich (Foto am 11. April 2011).

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgstSteh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht (Apg 9,1-9).

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Abbildung 30 Im Inneren der Pauluskirche (Foto 11. April 2011).

Womit beschäftigte sich Paulus in diesen drei Tagen? Es ist möglich, dass er an die Geschichten des Alten Testamentes dachte, in denen Damaskus eine nicht geringe Rolle gespielt hat (1Mose 14,15; 15,2; 2Sam 8,5; 1Kön 19,15; 2Kön 5,12; 8,7-9). Nun zieht er selber in diese Stadt ein. Doch er kann sich an dem pulsierenden Leben der Menschen nicht erfreuen, er kann nicht sehen.

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Abbildung 32 Die sogenannte `Gerade Gasse` in der heutigen Altstadt von Damaskus (Foto am 11. April 2011).

Momentan war er geistlich gesehen im Niemandsland. Zu seinem alten Leben würde er niemals mehr zurückkehren können, aber die Zukunft war noch ganz ungewiss. Die Weisung von Jesus war klar und eindeutig: „geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt werden, was dir zu tun verordnet ist“ (Apg 22,10b). Saulus wird bei einem Juden namens Judas untergebracht. Dieser Jude wohnt in der „geraden“ Gasse.

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Abbildung Die Ananias-Kapelle in der Altstadt von Damaskus (Foto am 11. April 2011).

Der Ausdruck „und er konnte drei Tage nicht sehen“ (Apg 9,9), kann nach hebräischem Verständnis bedeuten, dass er bis zum dritten Tag nicht sehen konnte und mit dem Besuch  von Ananias alles wieder hell wurde. Dass Saulus in dieser Zeit nicht nach Essen und Trinken zu Mute war, können wir uns vorstellen. Viele Fragen beschäftigten ihn jetzt. Bilder aus der jüngsten Verfolgungszeit, die Pläne, hier in Damaskus viele Gläubige an Christus gefanngen zu nehmen, quälten ihn in seinem Gewissen.

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Abbildung Diese Skulptur befindet sich unter einer Glasglocke in der Ananias-Kirche (Foto am 11. April 2011).

Wie konnte er das, was er angerichtet hatte, wieder gutmachen? Doch nun tut er das einzig Richtige in dieser Situation: er betet (Apg 9,11), und der Herr zeigt ihm in einem Gesicht den Ananias (Apg 9,12), der dann zu ihm kam, ihm die Hände auflegte und Weisungen erteilte. Dieser Ananias war gottesfürchtig nach dem Gesetz, hatte ein gutes Zeugnis bei den Juden in Damaskus (Apg 22,12) und war ein Jünger Jesu (Apg 9,10.13).

Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest (Apg 9,17).

Paulus erinnert sich später daran in seiner Verteidigungsrede in Jerusalem und Lukas berichtet in Apostelgeschichte 22,13 davon: „ Der (Ananias) kam zu mir, trat vor mich hin und sprach zu mir: Saul, lieber Bruder, sei sehend. Und zur selben Stunde konnte ich ihn sehen.“ Was Saulus an diesem Tag erlebte, lässt sich aus den zwei Texten Apostelgeschichte 9,17-19 und 22,13-16 rekonstruieren:

  • Durch Handauflegung wird Saulus wieder sehend (Apg 22,16b)
  • Durch Anrufung des Namens Jesu erlangt Saulus Sündenvergebung (Apg 22,16b)
  • Er lässt sich taufen (Apg 22,16b)
  • Der Auftrag wird wiederholt bzw. ergänzt (Apg 22,14-15)
  • Er wird durch Handauflegung mit dem Heiligem Geist erfüllt (Apg 9,17)
  • Er nimmt Speise zu sich und kommt wieder zu Kräften (Apg 9,19).

Sicher war das, was Saulus vor Damaskus erlebte, mehr als nur ein geistliches Wachrütteln, aber die Bekehrung zu Christus durch die Sündenvergebung und die darauf folgende Erfüllung mit dem Heiligen Geist hat er erst in Damaskus erlebt.

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Abbildung Der Fluß Barada hieß zu biblischen Zeiten Amana. Noch heute  fließt er vielverzweigt mitten durch Damaskus (Foto am 11. April 2011).

Die Aufforderung des Ananias in Apostelgeschichte 22,16 „Und nun, was zögerst du, steh auf, lass dich taufen und abwaschen deine Sünden indem du den Namen des Herrn anrufst“, spricht ebenfalls für die Umkehr des Saulus in Damaskus und nicht schon bei der ersten Begegnung vor Damaskus. Das alte Gebäude seines Lebens war völlig eingestürzt. Nun wurde ein neues, tragfähiges Fundament gelegt – Christus, seine Gnade, seine Vergebung und seine Gerechtigkeit. Auf diesem Fundament begann er nun aufzubauen.

 

Damaskus – Saulus bezeugt Jesus als den Christus

Die Nachricht um Saulus, sein Erlebnis vor Damaskus, hat sich schnell in den Synagogen der Stadt herumgesprochen, denn die Begleiter des Saulus werden dafür gesorgt haben. Unter den Juden, aber besonders den Jesusjüngern herrschte gespannte Atmosphäre. Doch auch der Dienst des Ananias an Saulus blieb den Juden nicht verborgen. Lukas berichtet in Apostelgeschichte 9,19b : „Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus“. Indiret wird damit ausgesagt, dass Saulus keinen Kontakt zu der jüdischen Führung in Damaskus aufgenommen hatte, sondern durch Ananias sofort mit den Gläubigen an Jesus Christus bekannt gemacht wurde. Etliche Tage kann bedeuten – drei bis fünf Tage, eben bis zum nächsten Sabbat. Diese Tage der Gemeinschaft mit Gläubigen, deretwegen er ja nach Damaskus gekommen war, waren für ihn eine ganz neue und unerwartete Erfahrung. Jetzt stand er denen gegenüber, die er mit solch Härte verfolgte. Diese Tage waren eine Gelegenheit für ihn zur Aussprache, er war nicht mehr ihr Feind und Verfolger, sondern ihr Bruder. Gerne vergaben sie ihm das ihnen zugedachte Unrecht, doch Saulus selbst litt noch lange darunter, wie er später selbst wiederholt, gelitten und sich daran erinnert: „Ich habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod; ich band Männer und Frauen und warf sie ins Gefängnis“ (Apg 22,4). Oder in 1Kor 15,9: „Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“ Es waren also Tage des Leidtragens seinerseits und des Trostes seitens der Gläubigen. Was für eine Wende, was für eine Lebensqualität !

Am folgenden Sabbat erwarteten die Juden der Stadt, in einer der Synagogen, den Auftritt des Saulus mit einer Erklärung. Denn mit aller Wahrscheinlichkeit hatte er die Briefe, welche an die Synagogenvorstände gerichtet waren, nicht abgegeben. „Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei. Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hierher gekommen, dass er sie gefesselt zu den Hohenpriestern führe?“ (Apg 9,20-21).

Anstatt zu seinem neuen Verhalten Erklärungen abzugeben, geht Saulus in die Offensive. Den Kern der Botschaft fast Lukas in zwei sehr kurzen Sätzen zusammen: „Jesus ist der Sohn Gottes“ (Apg 9,20) und: „Jesus ist der Christus“. Auf dieser Grundlage predigte er das „Umdenken und die Hinwendung (Bekehrung) zu Gott, um des Umdenkens würdige Werke zu tun“ (Apg 26,20 Interlinearübersetzung). Diese für ihn neue Glaubensgrundlage hat er durch die Offenbarung Jesu bekommen (Gal 1,12). Dass Gott seine gute Kenntnisse des Alten Testaments mitbenutzte, ist ohne Zweifel. Jedoch die Erkenntnis „Jesus ist der Messias und der Sohn Gottes“, kann einem Menschen nur durch göttliche Offenbarung zuteil werden (Mt 16,17; Lk 24,45). Ausdrücklich betont Paulus im Rückblick in der Apostelgeschichte 26,20, dass er zuerst in Damaskus gepredigt hatte. Es gibt keinen Hinweis auf Massenbekehrungen unter den Juden in Damaskus. Deutlich betont wird jedoch die Bestürzung der Juden über den plötzlichen Frontwechsel bei diesem Mann aus Tarsus (Apg 9,21). Für die Juden war die Person des Messias und sein Kommen, der Hauptinhalt ihrer Hoffnung. Nun war für sie die Stunde der Entscheidung gekommen, denn hier beweist einer ihrer anerkannten Schriftgelehrten und dazu noch bekannter Verfolger der Neuen Lehre, den Glauben, den er ausrotten wollte. Sein persönliches Zeugnis über die Lebenswende und die klare, auf die Schrift gestützte Beweisführung, ist sehr stichhaltig, nachvollziehbar und unwiderlegbar. „Saulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, dass Jesus der Christus ist“ (Apg 8,22). Da es in Damaskus mehrere Synagogen gab, könnte der erste Aufenthalt des Saulus mehrere Woche gedauert haben. Doch die Reaktionen der Führenden Juden in Damaskus ließen nicht lange auf sich warten. Es bildete sich eine starke Front gegen Saulus. Und er zieht sich zurück, bzw. geht weg nach Arabien (Gal 1,17).

Damaskus – Des Saulus zweiter Aufenthalt in der Stadt und Flucht

Mit nur einem Satz, fast beileufig erwähnt Paulus seinen Arabienbesuch von Damaskus aus. Den Galatern schreibt er: „ich ging sogleich (gr. ευθεος) fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück“ (Gal 1,17). Dieses sogleich, sofort, macht deutlich, dass der erste Aufenthalt des Saulus in Damaskus von nur kurzer Dauer war. Es gibt keine detaillierten Angaben über das Ziel, die Dauer und den Grund des Arabienbesuches. Die Bezeichnbung Arabien ist sehr weit gefasst, von Damaskus aus war Arabien in südlicher und südöstlicher Richtung zu suchen. Das Gebiet des heutigen Südjordanien zählte zu der Zeit auch zu Arabien.Der Aufenthalt dort könnte sich über mehrere Monate hingezogen haben. Damit stellt sich Paulus in die Tradition der bedeutenden Propheten des Alten Bundes. Mose, Elia, Johannes der Täufer, aber auch Jesus, waren in der Wüste. Besonders von elia heißt es, dass er aus der Wüste Juda nach Arabien ging zum Berg Horeb und von dort nach Damaskus (1Kön 19,8ff). Und auch Saulus bleibt nicht in der Wüste, sondern kehrt zurück nach Damaskus und nimmt seine Verkündigungstätigkeit unter den Juden in den Synagogen der Stadt wieder auf. Vorerst zieht es ihn nicht nach Jerusalem, denn hier in Damaskus hat er sich zum Herrn bekehrt und hier fand er solch herzliche Aufnahme bei den Jüngern. Hier hatte er seine ersten Schritte im Glauben machen können. In Damaskus gab es eine junge, lebendige Gemeinde; es gab viele Juden und mehrere Synagogen. Die Stadt war ein Knotenpunkt für den ost-west und süd-nord Handel, eine Karawanenstadt am östlichen Rand des riesigen römischen Reiches.

Wenn Paulus noch später auf seinen Missionsreisen immer wieder sein Handwerk als Zeltmacher nutzte, um für sich und oft auch für seine Mitarbeiter das tägliche Brot zu verdienen (Apg 20,33) dann wird er auch sicherlich hier in Damaskus gearbeitet haben; die Stadt war auch für ihre Webereien bekannt.

An den Sabbaten wurde jede Gelegenheit genutzt, um das Evangelium zu predigen. Noch predigte Saulus den Juden oder auch den Proselyten, von denen es in Damaskus viele gab. Proselyten waren Heiden, die durch Beschneidung und Taufe in die jüdische . Gemeinschaft aufgenommen wurden. Er muss Erfolg gehabt haben, so dass sich schon bald wieder eine starke Opposition von Seiten der Juden gegen ihn formierte.

Im Text der Apostelgeschichte 9,23 lesen wir: „als sich aber viele Tage erfüllten, beschlossen die Juden ihn umzubringen“. Diese unbestimmte Zeitangabe lässt nicht nur auf Wochen, sondern auch auf einige Monate der Wirksamkeit des Apostels schließen.

Eindeutig geht der Beschluss, Saulus umzubringen, auf die Juden zurück (Apg 9,23b). Aber so viele Juden es auch in Damaskus gab, und so selbständig sie in einer für sie fremden Stadt in den Synagogenverbänden ihre Religion auch ausüben konnten, an einen römischen Bürger aus einer freien Stadt wie Tarsus, dazu unter römischer Oberhoheit, konnten sie nicht so einfach herankommen. Lukas berichtet hier nicht vollständig, und es ist gut, dass wir von Paulus in 2Korinther 11,32 ergänzende und dazu noch geschichtlich wichtige Aussagen haben, dank derer wir die Flucht aus Damaskus zeitlich ziemlich genau einordnen können.

Damaskus wurde zwar schon 64 v. Chr. der römischen Provinz Syrien einverleibt, aber unter der Herrschaft Caligulas (37-41 n. Chr.) kam Damaskus für kurze Zeit unter die Oberhoheit des Nabatäerkönigs Aretas IV., der von 9 v. Chr. bis 39 n. Chr. regierte. Aretas ließ die Stadt Damaskus durch einen Statthalter, wörtlich `εθναρχ – Volksfürst` (2Kor 11,32) verwalten.

Da der Kaiser Caligula seine Herrschaft in Rom im Frühjahr 37 n. Chr. antrat und Aretas’ Herrschaft 39 n. Chr. endete, bleiben für die kurze Verwaltung der Stadt Damaskus durch den Nabatäerkönig nur zwei Jahre übrig. Daher scheint für die Flucht des Saulus aus Damaskus das Jahr 37 deswegen naheliegend zu sein, weil nicht selten mit dem Kaiserwechsel in Rom auch Herrschaftsveränderungen in den Provinzen einhergingen. Auch die Juden konnten solch einen Machtwechsel für ihre eigenen Interessen nutzen, wie der Vergleich von Apostelgeschichte 18,12 mit 25,1-2 zeigt (Machtwechsel in Korinth um das Jahr 51/52 und in Cäsarea um das Jahr 60/61). Als römischer Bürger stand Saulus bis zu solch einem Macht- und Verwaltungswechsel (bis Frühjahr 37) unter römischem Schutz. Dies änderte sich jedoch schnell zugunsten der dort ansässigen Juden, die in dem arabischen Fürsten plötzlich einen Verbündeten fanden und sie machten mobil gegen Saulus.

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Hier folgen wir wieder dem Bericht des Lukas aus Apg 9,24-25: „Nach mehreren Tagen aber hielten die Juden Rat und beschlossen, ihn zu töten. Aber es wurde Saulus bekannt, dass sie ihm nachstellten. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten. Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab.“

Jedoch konnte solch eine Großrazzia nicht geheim ablaufen, weil es auch viel gläubige Juden gab, die in verschiedenen Kreisen der Stadt tätig waren und wahrscheinlich Saulus warnten, die Stadt Damaskus nicht durch die Tore zu verlassen. An Einfallsreichtum fehlte es den Jüngern nicht und vielleicht erinnerten sie sich an die zwei Kundschafter, die Jericho auf dem gleichen Weg verlassen hatten (Jos 2,15).

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Nur wurde es dem Saulus etwas bequemer gemacht: er wurde in einem Korb an der Außenmauer durch eine Fensteröffnung (Pförtchen) hinabgelassen (Apg 9,25). Auf diese Weise entkam er den Juden und dem Statthalter. Von dieser spektakulären Flucht aus der Stadt berichtete Paulus Jahre später in seinem Brief an die Korinther: „In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener und wollte mich gefangen nehmen, und ich wurde in einem Korb durch ein Fenster die Mauer hinuntergelassen und entrann seinen Händen“ (2Kor 11,32-35). Schon bei der ersten Etappe seiner Evangelisationstätigkeit musste Saulus die Voraussage Jesu verspüren: „Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen“ (Apg 9,16). So endete die Stadtmission des Saulus in Damaskus. Blind und zerbrochen betrat er diese Stadt vor etwa 3 Jahren, nun verlässt er die Stadt als als Flüchtling, gesucht und gejagt als Sehender mit einer großen Perspektive der Weltmission. Saulus macht sich nun auf den Weg nach Jerusalem.

Sednaja und Ma`lula – die griechischen und aramäischen Kirchen in den Bergen

In langezogenen Kurven führt der Weg in die Bergwelt Syriens nordöstlich von Damaskus.

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Als erstes Ziel erreichen wir das Griechischorthodoxe Kloster von Sednaja. Es liegt hoch auf einem Berghang und ist von weitem gut sichtbar.

Das Frauenkloster zählt zu den ältesten Klöstern Syriens. Vom Parkplatz führt eine hohe Treppe hinauf in den den Klosterhof, von wo aus sich ein weiter Blick über das Tal und die dahinter liegenden Berge eröffnet. Das Innere des Klosters ist sehr verwinkelt und die verschiedenen Terrassen sind mit Treppen verbunden. Beim Glockengeläut kommt sogar tyische griechisch-orthodoxe Atmosphäre auf, ähnlich wie sie in Griechenland empfunden wird.

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Das Kloster ist ein wichtiger Wallfartsort und hätten wir mehr Zeit bekommen, wäre auch bei uns Andachtstimmung eingekehrt, doch Moudi drängte zur Weiterfahrt. Zur Begegnung mit dem Klosterpersonal kam es nicht, was ich immer für schade finde, weil bei solchen Begegnungen an sogenannten heiligen Stätten böte sich die beste Gelegenheit zu Zeugnis für Christus an. Leider bekommen die Reisegruppen aus dem Westen nur das Äußere zu sehen und die allgemeinen historischen Daten zu hören,  aber keine substantiellen Glaubensinhalte. Wir fahren weiter das Tal hoch in die grandiose Bergwelt des Antilibanon.

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Das Klima verändert sich zusehends, es wird immer kälter und und Wolken ziehen auf als wir in dem aramäischen Ort Maalula ankommen. Hier sinkt die Temperatur auf Null Grad. Der Bus hält in der Ortsmitte und wir gehen zu Fuß hinauf zum Kloster. Die Kirche auf dem Klostergelände zählt laut Überlieferung ebenfalls zu den ältesten Gotteshäusern. Die Bevölkerung in Maalula spricht einen aramäischen Dialekt. Einen besonderen Eindruck hinterließ ein örtlicher Geistlicher, der in die Kirche kam und für uns das Vaterunser in Aramäisch betete. Beeindruckend ist auch die majestätische Bergkulisse, vor deren Hintergrund das Klostergelände sich deutlich abzeichnet. Aus der heutigen Sicht ist es nicht einfach nachzuvollziehen, warum sich Christen damals so weit von der Welt entfernten, hat doch Jesus ganz eindeutig seinen Jüngern aufgetragen in die Welt hinauszugehen und allen Völkern die Frohe Botschaft zu verkündigen (Mt 28,19-20).

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Beim Abstieg in den Ort Maalula begann es zu schneien, was uns nicht abhielt zunächst einen kleinen einkauf im Supermarkt des Ortes zu tätigen, nicht so sehr wegen einem bestimmten Bedarf, sondern um etwas Kontakt zu den einheimischen Menschen zu bekommen. Wir verlassen diese Bergregion mit guten Gedanken an die Bewohner, die den christlichen Glauben in diesem Land bewahrten.

Syrien – die Fahrt durch die Wüste nach Palmyra

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Mit diesem Reisebus fuhren wir ungehindert durch Syrien (Foto:  12. April 2011).

Wüstenstadt in Mittelsyrien. Flach ist die Landschaft östlich von Damaskus und die gut ausgebaute Überlandstrasse schnurgerade. Nur geringe Erhebungen sind auszumachen und einige Male überqueren wir Brücken. Darunter sind  Wadis, trockene Flußbette, die jedoch in den Wintermonaten (Januar/Februar) zu reißenden und alles überflutenden Flüssen werden. Die syrische Steinwüste ist nicht sehr fruchtbar, das viele Regenwasser versickert und füllt die Hohlräume unter der Erdoberfläche. Links und rechts der Strasse sind Baumanpflanzungen, die mehreren Zwecken dienen sollen, wie zum Beispiel die Strasse von Sandverwehungen durch die bekannten Sand, bzw. Staubstürme zu schützen. Immer wieder fahren wir an Ortschaften vorbei, sehen die Landbevölkerung in ihren Gärten oder auf den Feldern arbeitet. Wir kommen an eine wichtige Straßenkreuzung. Es handelt sich hier um einen Verkehrsknotenpunkt, bei dem es geradeaus nach Irak geht,  rechts in Richtung Jordanien und Saudi Arabien. Wir biegen nach links ab in Richtung Palmyra. Vor uns rechts erhebt sich ein schwarzer Bergkegel, der von den Beduinen `Schwarzkopf`genannt wird,  es ist ein erloschener Vulkanberg. Nach etwa acht Kilometer erreichen wir  den Rastplatz `Bagdad-Cafe`.

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Der Rastplatz ist gerääumig angelegt und die Stromerzeugung erfolgt mittels eines großen Windrades, bei Windstille jedoch durch einen Kompressor.

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Wir werden schon erwartet, das Mittagessen ist bereit und die Betreiber des Cafe`s geben sich alle Mühe, um die wenigen, inzwischen seltenen Gäste freundlich zu bewirten. Der weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Rastplatz ist auch für Übernachtungen gut geeignet. Die Toiletten sind zwar draußen im Freien, doch sehr ordentlich gepflegt und nach westlichem Standart ausgestattet. Palmen und Blumenbeete zieren das Gelände. Hinten in der umzäunten Gartenanlage befinden sich zwei Häuschen  Trullis genannt oder auch Bienenkörbe. Sie sind einfach, aber praktisch ausgestattet mit Teppichen belegt, einem Kamin und einem kleinen Vorraum. Die Bauweise ist tyüisch für die Wüstenbewohner aus Lehmziegeln und mit einem Kuppeldach. So ist es im Sommer darin kühl und im Winter trocken und warm.

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Das eingezäunte Gelände ist mit Hilfe einiger Hunde gut bewacht. Doch wir machen uns nach dieser sehr angenehmen Mittagspause auf den Weg zu unserem Ziel – Palmyra, dort erwartet uns  ein 5* Hotel. Unterwegs sehen wir einen entgegenkommenden Güterzug, denn die Eisenbahn verläuft zeitweise parallel zur Strasse. In den nahegelegenen Bergen wird Eisenerz gefördert, aber auch Kalk.Fast plötzlich wird die Sicht schlechter, ein Staubsturm kommt auf, unser Busfahrer vermindert kaum die Geschwindigkeit. Und obwohl der Reisebus dicht ist, atmen wir Staub ein, sehr unangenehm, ich verschließe meine Kamera. Der sonst so schwarze Asphalt ist mit einer hellen Staub- Sandschicht überzogen, so dass die Orientierung schwierig wird.

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Die Windstöße erreichen solch eine Gewalt, dass der Bus immer wieder gefährlich schwankt. Wir staunen und bangen zugleich, als unser sonst so behutsamer Fahrer zum Überholen eines Lastwagens ansetzt. Er will schnell den Wüstensturm hinter sich lassen. Inzwischen ist es fast dunkel und obwohl alle entgegenkommenden Fahrzeuge mit Licht fahren, erkennt man sie erst aus der Nähe. Wir haben viel über die gefürchteten Sandstürme gehört und gelesen, doch nun erfahren wir hautnah, was das ist. Wir sind froh und erleichtert, als es heller wird, ein Zeichen, dass wir diese Sandsturmschneiße bald hinter uns lassen können.

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Die Syrische Wüste liegt rund 400 Meter über dem Meeresspiegel und fällt nach Osten und Nordosten zum Euphrattal allmählich ab. In dieser Wüste gibt es viele giftige Schlangenarten, Skorpione, Feldmäuse, wilde Hunde, Hyenen, Schakale und Hasen. In der Gegend um Palmyra bauten sich viele saudischen Prinzen und reiche Scheichs aus den Golfstaaten Villen in denen sie wohnen während der hier jährlich stattfindenden Kamel- und Pferderennen. Viele von ihnen jagen in dieser Wüste mit ihren mitgebrachten Falken. Am späten Nachmittag erreichen wir die Abzweigung nach Palmyra. Von hier sind es nur wenige Kilometer bis zu der größten Wüsten,- und Palmenoase in dieser Region. Rechter Hand ist eine auf einem Hügel gelegene Burg zu erkennen. Wir erreichen unser Hotel Dedemann, welches direkt an die Ausgrabungsstätte angrenzt.

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Über die prachtvolle Innenausstattung kann man nur staunen, Sehr geräumige Empfangshalle, Marmorböden bedeckt mit verschieden gemusterten orientalischen Teppichen, die zu diesem Zeitpunkt leider durch den Sandsturm etwas weislich aussehen. Der Empfang ist sehr freundlich, auf einem Podium steht ein großer Yamaha-Flügel, der meine Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht. Die Zimmer sind sehr gut ausgestattet mit Blick auf den Palmenhof. Ein hervorragendes Abendessen in Büfeeform erwartet uns mit direktem Blick auf das alte Palmyra. Nach dem Abendessen war Probespielen auf dem Yamaha-Flügel und Einkauf in den hoteleigenen orientalischen Läden. Die Nacht in der Wüsten- und Oasenstadt war absolut ruhig. Am nächsten Morgen schauten wir aus dem Fenster, über unsazurblauer Himmel, saubere Luft, ein Frühstück, das keine Wünsche offen ließ, sehr freundliche Bedienung. Der gesamte Vormittag war für die Besichtigung des antiken Palmyra bestimmt mit dem anschließenden Museumsbesuch.

Palmyra – die reiche Oasenstadt und die herrschsüchtige Zenobia

Palmyra gilt als eine der bedeutendsten und reichsten Städte des Orients in der Antike  Sie liegt zwar in der Wüste, aber Dank der Wasserquellen in der Umgebung ist diese Oase sehr Fruchtbar und Baumreich.

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Die Anfänge der Stadt reichen laut Archäologen bis ins 7. Jt. v. Chr. zurück, doch erst seit dem  2. Jt. ist die Stadt inschriftlich belegt (Tontafeld von Mari). Im Alten Testament (2Chr 8,4) ist in der Regierungszeit Salomos Palmyra unter dem semitischen Namen Tadmor (Palmenstadt) erwähnt, doch es ist nicht sicher, ob es sich um diese Wüstenstadt handelt oder eine Stadt Namens Tamar im Südosten Palästinas, also im ‚Israelischen Gebiet. Ihre Blütezeit erlebte ‚Palmsra in der römischen Epoche und zwar von 70 v. bis 271/72 n. Chr.. Sie war der östlichste Außenposten der Römer im Orient. In ihr vermischten sich die westlichen, östlichen und orientalischen Kulturen, was sich auch in der Religion äußerte.

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Die Priester im Baaltempel hatten täglich alle Hände voll zu tun, denn die Karawanen, welche in die Stadt kamen, brachten ihre Opfergaben dar. Sehr viele Tiere wurden täglich geschlachtet zu Ehren des Baalgötzen, doch das Fleisch wurde verkauft und so kam der Tempel zu großem Reichtum. Dazu mußten die Karawanen ihre Wahren verzollen, dies brachte der Stadt zusätzlichen reinen Gewinn ein. Allerdings wurden die Karawanen von der Palmyrenischen Reiterpolizei geschützt, so dass der Handel ungestört betrieben werden konnte.

Simeonskloster und die Totenstädte im Nordwesten Syriens

Die Nacht in Idlip war angenehm ruhig, doch der Geruch von Olivenverarbeitung lag über der ganzen ‚Stadt. Es wird bald klar, dass wir uns im Zentrum der Region mit Olivenanbau befinden und deren Verarbeitung in der Stadt. Nach dem Frühstück verlassen wir die Stadt in Richtung Norden. Unser Tagesziel ist das weltberühmte Simeonskloster und das Gebiet der sogenannten Toten Städte.

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Die Ruinen des Simeon-Klosters im äußersten Nordwesten Syriens liegen auf einem Bergrücken in der Nähe  der Siedlung Deir Sita und oberhalb der antiken griechischen Siedlung Pelanosium. Der  Kirchenkomplex wurde vom byzantinischen Kaisers Zenos in Auftrag gegeben und in den Jahren 479-491 erbaut. Es handelte sich um vier dreischiffige Basiliken in Kreuzform. Der Grund für die Errichtung  dieses riesigen Kirchenbaus war die herausragende Lebensweise und Predigtdienst des sogenannten `heiligen Simeon`, der von 390-459 lebte und etwa 4 Jahrzehnte als Mönch an dieser Stelle wirkte. Sein asketisches Leben stand im starken Kontrast zum Alltag der Bewohner jener Gegend. So war er auch schon zu seiner Zeit umstritten in seiner Frömmigkeitsäußerung. Doch uns ist nicht gestattet über die Menschen jener Zeit zu urteilen. Auf jeden Fall hinterließen diese Asketen deutliche Spuren bei ihren Zeitgenossen. Aus dieser Epoche sind in der gesamten Umgebung einige Hundert Kirchen entdeckt worden. Beeindruckend ist auch die oktogonale Taufkapelle (Baptisterion) die dem Kirchenkomplex vorgelagert ist.

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Das kreuzförmige Taufbecken ist auch noch nach über 15 Jahrhunderten gut erhalten und legt Zeugnis ab von Menschen, die sich in jener Zeit zu Gott bekehrten und durch die Taufe zu Christus bekannten. So wandte sich in jenen Jahrhunderten ein großer Teil der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Der Siegeszug der Araber im 7. Jahrhundert stellte die Christen jener Gegend vor große Herausforderungen. Im 9. Jahrhundert wurde das Kloster von den Herrschern aus Aleppo als Zitadelle ausgebaut. Durch die verheerenden Erdbeben in den Jahren 1159 und 1170 wurden die Städte und Ortschaften jener Gegend stark zerstört und viele davon wruden verlassen. Das Kirchengebäude im Simeonskloster erlitt ebenfalls Schaden, doch blieben die meisten Mauern stehen, weil das Fundament ein Monolit war, d. h. als Fundament diente der Bergfels, der flachgehauen wurde (Mt 7,24-25). Für viele Jahrhunderte war diese Gegend unbewohnt, erst Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten dort Kurdenflüchtlinge aus der Türkei an. So leben in dem gesamten Grenzgebiet zur Türkei etwa 90 % Kurden. Diese Volksgruppe beschäftigt sich in der Landwirtschaft – Olivenproduktion, Granatäpfel, Obst,- und Gemüseanbau in den Senken. Da in den Wintermonaten sehr viel Niederschlag fällt, einschließlich Schnee, gibt es viel Grundwasser. Die Gegend ist vegetationsreich und daher wird auch Schafzucht betrieben. Doch bekannt und berühmt wurde diese Region durch Kalksteinabbau. Von hier kommen die besten Steinmetze des Landes Syrien. Die Kunst, Steine zu verarbeiten ist sehr oft an den Häusern der Ortschaften erkennbar. Doch immer wieder sieht man verfallene Ortschaften, die noch aus der byzantinischen Epoche stammen und in denen die Archäologen unter anderem einige Hundert christliche Kirchen entdeckten. Ebenso wurden dutzende Pilgerherbergen auf der Route Antiochien – Simeonskloster entdeckt. Diese Funde machen deutlich wie berühmt dieser Ort in den früheren Jahrhunderten war und daher von vielen Menschen aufgesucht wurde. Doch das Reich Gottes ist weder an bestimmte geweihte Gebäude gebunden, noch an Landschaften, sondern zeigt und entfaltet sich in Menschen, welche eine lebendige Beziehung zu Gott aufbauen durch den Glauben an Jesus Christus. Dieser löste die Bindung an bestimmte Orte und Einrichtungen aus Stein indem er der Samariterin sagte: „Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge (Garizim) noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten(Joh 4,21-24).

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