Exodus – Auszug des Volkes Israel aus Ägypten

Exodus – Auszug

des Volkes Israel aus Ägypten

 

 

 

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Abbildung 1: Sand, Felsen und Berge – Gott bahnte dem Volk Israel einen für sie unbekannten neuen Weg durch die weite Wüste. Das Bild zeigt eine typische Wüstenlandschaft im Wadi Rum (Foto: P. Schüle 6. November 2014).

 

 

 Bibelstudie über den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten

von Paul Schüle


 


Einleitung

 

Wer sich mit dem Auszug Israels aus Ägypten beschäftigt, wird bald mit mehreren Fragen konfrontiert:

  • Wo lag das Land Goschen, das Aufenthaltsgebiet der Israeliten im ägyptischen Pharaonenreich?
  • Wie lange waren die Israeliten in Ägypten?
  • Wie groß (zahlenmäßig) waren die Israeliten in Ägypten?
  • Wo lag das Land Midian, wohin Mose vor dem Pharao floh?
  • Wo ist der Berg Gottes – Sinai/Horeb zu suchen?
  • Wo befand sich der wichtige Lagerplatz der Israeliten – Kadesch Barnea?
  • Welches Gewässer ist unter der Bezeichnung Schilfmeer oder Rotes Meer gemeint?
  • Wo verliefen die Wanderrouten der Israeliten von Goschen bis Horeb, vom Horeb bis Kadesch Barnea und von Kadesch Barnea bis zum Jordantal gegenüber Jericho?

 

 

Anhand biblischer Texte wollen wir die Fragen aufgreifen und nach möglichen Antworten suchen. Bis heute sind einige dieser Fragen nicht eindeutig beantwortet. Diese Bibelarbeit ist keine wissenschaftliche Studie, sondern lediglich eine Beschäftigung mit vorhandenen Texten zu den oben gestellten Fragen. Trotzdem fließen Erkenntnisse aus verschiedenen Quellen der Forschung, Bibellexika, Publikationen im Internet, biblischen Karten und Google Earth in diese bibelstudie mit ein.

Reisen nach Ägypten, auf die Sinaihalbinsel, Israel, Syrien und Jordanien motivieren zusätzlich zu diesen Studien. Es wird vorausgesetzt, dass der Auszug tatsächlich stattgefunden hat. Diese Geschichte nimmt wie keine andere einen breiten Platz in den alttestamentlichen Schriften ein und auch Jesus und die Apostel setzen sie, als zentrales Ereignis in der Frühgeschichte Israels, voraus.

 

 

1. Wo lag Goschen – Wohngebiet der Israeliten in Ägypten?

 

Bei der Ankunft in Ägypten machten die Israeliten im Lande Goschen Halt. Dieses Gebiet lag also auf dem Weg zur Residenzstadt des Pharao.

Da kam Josef und sagte es dem Pharao an und sprach: Mein Vater und meine Brüder, ihr Kleinvieh und Großvieh und alles, was sie haben, sind gekommen aus dem Lande Kanaan, und siehe, sie sind im Lande Goschen. (1Mose 47,1).

Jakob zog also nach Ägypten hinab mit seinem ganzen Hause – 70/75 Seelen, die Dienerschaft (Knechte und Mägde) nicht mitgerechnet.

Die meisten Bibelübersetzungen geben in 2Mose 1,1 die Zahl ‚siebzig’ an. Sie stützen sich dabei auf die Hebräische Fassung des Alten Testamentes. Die Hebräische Fassung des Alten Testamentes, die sich nach 70 n. Chr. (Fall Jerusalems) durch die Pharisäer im Judentum durchgesetzt hatte und die auch M. Luther für seine Übersetzung benutzte, gibt die Zahl `siebzig Seelen` an (2Mose 1,1). Die Septuaginta (LXX – griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes) gibt die Zahl ‚fünfundsiebzig’ an. Warum gibt es diese Unterschiede? Die in Qumran gefundene Schriftrolle aus dem 2Buch Mose gibt ebenfalls wie die LXX die Zahl ‚fünfundsiebzig Seelen` an. Der Grund liegt darin, dass es zur Zeit Jesu und der ersten Christen verschiedene Varianten des Hebräischen Alten Testamentes gab. Bemerkenswert jedoch ist, dass weder Jesus noch die Apostel sich daran störten. Zahlen werden uns auch noch im weiteren Verlauf beschäftigen und dabei so manches Rätzel aufwerfen.

Das war die Familie, aus der in den folgenden Jahrhunderten ein großes Volk wurde.

Dieser Text macht zudem auch recht deutlich, dass Josef ein geschickter Staatsmann war, der als Berater des Pharao dafür Sorge trug, dass im Land Ägypten der soziale Friede gewahrt blieb, indem er die unterschiedlichen Wirtschaftszweige an den für sie geeigneten Plätzen im Land ansiedelte. Und der Pharao sprach zu Josef:

Das Land Ägypten steht dir offen, lass sie am besten Ort des Landes wohnen, lass sie im Lande Goschen wohnen, und wenn du weißt, dass Leute unter ihnen sind, die tüchtig sind, so setze sie über mein Vieh.  (1Mose 47,6).

Josef überließ nichts dem Zufall, sondern bereitete ganz konkret seine Brüder auf die Begegnung mit dem Pharao vor, indem er ihnen einschärfte:

So sollt ihr (zu Pharao) sagen: Deine Knechte sind Leute, die Vieh haben, von unserer Jugend an bis jetzt, wir und unsere Väter -, damit ihr wohnen dürft im Lande Goschen. Denn alle Viehhirten sind den Ägyptern ein Gräuel. (1Mose 46,34).

Aus dem Text geht weiter auch hervor, dass Viehzucht in Ägypten ein vernachlässigter Landwirtschaftszweig war, weil der Hirtenberuf verachtet wurde. Die Israeliten konnten ihrerseits gerade diesen Schwachpunkt in der heimischen Wirtschaft der Ägypter ausfüllen. Und als die Brüder Josefs vor den Pharao traten und von ihrer Tätigkeit erzählten, wies ihnen Pharao das Land (das Wohngebiet) Goschen als Wohnsitz zu.

Sehr wahrscheinlich ist, dass Josef die Aufforderung Pharaos, tüchtige Leute aus Israel über sein Vieh zu setzen, zu gegebener Zeit auch umsetzte. Und so wird es wohl schon in der Frühzeit des Ägyptenaufenthaltes zur Förderung dieses so verachteten  Wirtschaftszweiges durch die Israeliten gekommen sein. Dies könnte mit dazu beigetragen haben, dass es längere Zeit eine friedliche Koexistenz zwischen Ägyptern und Israeliten gegeben hat.

Die von Josef ausgesuchte und von Pharao zugewiesene Wohngegend für die Israeliten war also sehr gutes Weideland.

Aus dem Text 1Mose 45,10 geht auch hervor, dass sich der Wohnbereich der Israeliten bis in die Nähe von Josefs Regierungssitz erstreckte.

Du (Vater Jakob) sollst im Lande Goschen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Kinder und deine Kindeskinder, dein Kleinvieh und Großvieh und alles, was du hast. (1Mose 45,10).

`Im Lande Goschen’ heißt hier ein bestimmter Ort oder Gebiet von Ägypten. Das Gebiet oder Land Goschen lag nicht direkt im Nahbereich des zentralen Nil oder gar im Nildelta, wo Landwirtschaft als Hauptwirtschaftszweig betrieben wurde, sondern eher östlich und nordöstlich[1] davon und bildete so den Übergang von landwirtschaftlich genutzter Region hin zur Steppe (Weideland). So konnten die Israeliten in der Nähe der ägyptischen Wohnsiedlungen ihre Zelte aufschlagen, während die Hirten mit den Herden im weiter ostwärts anschließenden Weideland Viehzucht betreiben konnten. Später wohnten viele  Israeliten ebenfalls in festen Lehmhäusern, zum Teil in nächster Nachbarschaft zu den Ägyptern (2Mose 3,22; 11,2).

 

Hier in Goschen lebten die Israeliten etwa 400[2] Jahre, so dass ihre Zahl sehr wuchs.

So wohnte Israel in Ägypten im Lande Goschen, und sie hatten es inne und wuchsen und mehrten sich sehr. (1Mose 47,27).

Auch folgender Text betont die starke Vermehrung der Israeliten in Ägypten:

(…) wuchsen die Nachkommen Israels und zeugten Kinder und mehrten sich und wurden überaus stark, sodass von ihnen das Land voll ward. (2Mose 1,7; vgl. auch die Verse 8-12).

Gemeint ist hier das Land Goschen (nicht ganz Ägypten), welches nun von den Israeliten voll besiedelt wurde.Nach den Worten des neuen Königs waren die Israeliten zu diesem Zeitpunkt zahlenmäßig stärker als die Ägypter. Es erfüllte sich also, was Gott dem Jakob als Verheißung auf den Weg nach Ägypten mitgegeben hatte: „Und er sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zum großen Volk machen(1Mose 46,3; Vgl. 1Mose 22,17; 26,4; 32,13).

Auch wenn der Pharao mit seinem Vergleich aus politischen Überlegungen deutlich übertrieben hatte, bleibt doch der Eindruck, dass die Israeliten keineswegs mehr eine überschaubare Volksgruppe waren, empfanden doch die Ägypter sie als echte Bedrohung. Zum Vergleich – um 1900 v. Chr. wird die Einwohnerzahl Ägyptens auf ca. 12,5 Millionen geschätzt (Ägypten – Wickipedia).

Wie sollman denn die zahlenmäßige Schätzung aus 5Mose1,10 erklären: „denn der HERR, euer Gott, hat euch so zahlreich werden lassen, dass ihr heute seid wie die Menge der Sterne am Himmel“ (Ist dies nicht die Erfüllung der Verheißung an Abraham aus 1Mose 15,5)? Und bereits am Sinai (5Mose 10,22) zieht Gott einen Vergleich: „Deine Väter zogen hinab nach Ägypten mit siebzig Seelen; aber nun hat dich der HERR, dein Gott, zahlreich gemacht wie die Sterne am Himmel“.

Es kann auch in Betracht gezogen werden, dass zum Volk Israel ebenso die vielen Bediensteten dazugezählt wurden, die schon zu Abrahams und Isaaks Zeiten mit zu deren Haushalt gehörten und durch Beschneidung (aller männlichen Bediensteten) einen Status der Zugehörigkeit zum Volk innehatten (1Mose 17,12-13. Schon in der Anfangszeit in Kanaan zälten zu Abrahams Haushalt mindestens 318 Knechte (1Mose 14,14). Weitere Hinweise zu dem zahlenmäßig großen Haushalt der Patriarchen finden wir in1Mose 20,14 „Da nahm Abimelech Schafe und Rinder, Knechte und Mägde und gab sie Abraham“. Und in 1Mose 25,5 lesen wir „Und Abraham gab all sein Gut Isaak“; In Haran brachte es Jakob zu nicht geringem Reichtung: „Daher wurde der Mann über die Maßen reich, sodass er viele Schafe, Mägde und Knechte, Kamele und Esel hatte“ (1Mose 30,43). Zu dem eigens erworbenem kam noch das gesamte Erbe seines Vaters Isaak hinzu (1Mose 35,27-28) und später ging das Ganze Hab und Gut auf  die 12 Stämme über. So dass sich Israels Gesamthaushalt bei der Ankunft in Goschen möglicherweise auf viele Hundert Personen belief.

Solange nun Josef lebte und eine geraume Zeit danach ging es den Israeliten gut. Doch nach einem Dynastiewechsel veränderte sich die Beziehung der ägyptischen Verwaltung zu den Israeliten zum schlechteren hin und es kam zu deren Unterdrückung (2Mose 1,8). Dies ist der Beginn des Leidensweges für Israel in Ägypten.

Nun stellt sich die Frage nach dem Gesamtzeitraum des Ägyptenaufenthaltes? Dazu gibt es zwei unterschiedliche Zahlenvarianten sowohl im Alten als auch im Neuen Testament.

  1. In 1Mose 15,13.16 gibt Gott den Aufenthalt in Ägypten mit ´400 Jahren oder vier Mannesaltern´ an. Auch Stefanus gibt die Zeit des Aufenthaltes der Israeliten in Ägypten mit vierhundert (400) Jahren an (Apg 7,6).
  2. In 2Mose 12,40 gibt Mose den Aufenthaltszeitraum der Jsraeliten jedoch mit vierhundertdreißig (430) Jahren an. Auch Paulus gibt in Gal 3,17 einen Zeitraum von vierhundertdreißig (430) Jahren an:  „Dies aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das vierhundertdreißig Jahre später entstandene Gesetz nicht ungültig, so dass die Verheißung unwirksam geworden wäre“. Den Beginn dieses Zeitraumes setzt er (so hier die Vermutung) vom Zeitpunkt der Bestätigung  der Verheißung an Jakob (1Mose 35,9-15) bis zur Gesetzgebung am Sinai (2Mose 24,7). Die Bestätigung der Verheißung, von der Paulus in Gal 3,17 spricht wurde dem Jakob in El-Beth-El gegeben (1Mose 35,9-15). Zu diesem Zeitpunkt war Josef ca. neun (9) Jahre alt (zum Vergleich dazu 1Mose 29,27 mit 30,22-25 und 1Mose 37,2 mit 41,46; 41,29; 45,6). Die Israeliten kamen also nach Ägypten als Josef genau 39 Jahre alt war. So könnten diese 430 Jahre ihre Erklärung finden. So bleibt eine gewisse Unklarheit bezüglich der Differenz von dreißig Jahren.

Paulus liefert uns in der Apostelgeschichte 13,20 noch eine weitere Zahlenangabe von etwa vierhundertfünfzig (ca. 450) Jahren: „Das geschah in etwa vierhundertfünfzig Jahren. Danach gab er ihnen Richter bis zur Zeit des Propheten Samuel“. Diese ungefähre Angabe kann zu dem Ägyptenaufenthalt (400) Jahre der Wüstenwanderung (40) und sogar die Jahre der Landnahme, vielleicht bis zum Tod Josuas einschließen. Wir müssen also erkennen, dass es in Bezug auf die Berechnung für den Aufenthalt der Israeliten in Ägypten wahrscheinlich verschiedene Berechnungsansätze gab und beide (Paulus und Lukas) keinen Anlass sahen sie zu harmnisiern.

 

Zeittafel von Sem über Abraham bis zum König Salomo

 

Name/Ereignis Alter/Zeitraum Jahr
Sem war 100 Jahre alt und zeugte Arpachschad zwei Jahre nach der Sintflut 600 Jahre alt
Arpachschad war 35 Jahre alt und zeugte Schelach 438 Jahre alt
Schelach war 30 Jahre alt und zeugte Eber 433 Jahre alt
 Eber war 34 Jahre alt und zeugte Peleg 464 Jahre alt
 Peleg war 30 Jahre alt und zeugte Regu 239 Jahre alt
Regu war 32 Jahre alt und zeugte Serug 239 Jahre alt
Serug war 30 Jahre alt und zeugte Nahor 230 Jahre alt
Nahor war 29 Jahre alt und zeugte Terach 148 Jahre alt
Terach war 70 Jahre alt und zeugte Abram, Nahor und Haran 205 Jahre alt
Abrahams Geburt in Ur (Chaldäa) 2136
Terach stirbt
Abraham kommt mit 75 Jahren in Kanaan an 2061
Geburt Isaaks (Abraham ist 100 Jahre alt) 2036
Geburt Jakobs (Isaak ist 60 Jahre alt) 1976
Tod Abrahams (Isaak ist 75 Jahre alt) 175 Jahre alt 1961
Tod Isaaks 180 Jahre alt 1856
Geburt Josefs (Jakob ist 91 Jahr alt) 1865
Verheißung an die Väter (Gal 3,16-17) 1876 ?
Ankuft in Ägypten 1846
Tod Jakobs in Ägypten 147 Jahre alt 1829
Tod Josefs 110 Jahre alt 1775
Aufenthalt der Israeliten in Ägypten 400 (430)
Auszug aus Ägypten 1446 (1416)
Gesetzgebung am Sinai 1 Jahr 1446 (1416)
Wüstenwanderung 40 Jahre 1406 (1376)
Einzug nach Kanaan 1406 (1376)
Vom Verlassen Kanaans bis zur Landnahme 450 Jahre 1396 (1366)
Richterzeit 346 (316)
Saul regiert 40 Jahre über Israel (!pg 13,21) 1050
David regiert 40 Jahre lang 1010
Im vierhundertundachtzigsten Jahr nach dem Auszug Israels aus Ägyptenland, im vierten Jahr der Herrschaft Salomos über Israel, im Monat Siw, das ist der zweite Monat, wurde das Haus dem HERRN gebaut“ (1Kön 6,1). 966

 

 

 

2. Wo lag Midian, wohin Mose vor dem Pharao floh?

 

Diese Frage ist wichtig, weil von der Lokalisierung dieses Landes oder wenigstens der Region in gewissem Sinne auch die nähere Ortsbestimmung des Berges Sinai (Horeb) abhängt. Ebenso würde die Reiseroute der Israeliten vom Auszug aus Ägypten bis zur Ankunft am Sinai leichter zu bestimmen sein.

 

Gelegentlich sieht man auf biblischen Karten ´Midian´ im Bereich der Sinaihalbinsel eingetragen. Doch auch das Gebiet im Nordwesten von Saudi Arabien wird als das Midian der Bibel angesehen.

Die erste Erwähnung des Landes  Midian finden wir in 2Mose 2,15:

  • Und es kam vor den Pharao; der trachtete danach, Mose zu töten. Aber Mose floh vor dem Pharao und hielt sich auf im Lande Midian. Und er setzte sich nieder bei einem Brunnen“ (vgl. auch Apg 7,29).
  • Der Priester aber in Midian hatte sieben Töchter; die kamen, Wasser zu schöpfen, und füllten die Rinnen, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. Da kamen Hirten und stießen sie weg. Mose aber stand auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe.Und als sie zu ihrem Vater Reguël kamen, sprach er: Warum seid ihr heute so bald gekommen? Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann stand uns bei gegen die Hirten und schöpfte für uns und tränkte die Schafe. Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann draußen gelassen? Ladet ihn doch ein, mit uns zu essen. Und Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. Die gebar einen Sohn und er nannte ihn Gerschom; denn, sprach er, ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande(2Mose 2,16-22).

Die Lokalisierung „im Lande Midian“ und das Vorhandensein eines Priesters scheinen auf den ersten Blick auf ein mehr oder weniger klar umrissenes Wohngebiet hinzuweisen. Doch damals waren die Grenzen der verschiedenen Stämme oft sehr fließend.

Dass die Priesterfamilie Schafzucht betrieb, sowie die Bemerkung über die Anwesenheit anderer Hirten, lässt zudem erkennen, dass der Wohnbereich von Reguel (Jetro) weniger Agrarland als vielmehr Weideland war, zumindest jedoch in dessen Umland. Weiter wird indirekt bemerkt, dass die dortigen Hirten vor der Priesterfamilie nicht allzu viel Respekt hatten. Reguel gehörte zum Stamm der Keniter. Die Schikanen seitens der Hirten an den Töchtern Jetros waren, wie der Kontext vermuten lässt,  deren tägliche Erfahrungen.

Dort heiratete Mose Zippora, eine Tochter Jetros des Priesters. Der Name seines erstgeborenen Sohnes ‚Gerschom’ unterstreicht ebenfalls, dass er nun als Fremdling weit weg von Ägypten war, in einem fremden Lande.

Dieses Midian muss sich also deutlich außerhalb der Grenzen und des Einflussbereiches von Ägypten befunden haben, damit Mose seines Lebens absolut sicher sein konnte. Denn als Prinz am Hof des Pharao muss er jedem Ägypter bekannt gewesen sein und wäre im nahen Grenzbereich des Landes (Südsinai) recht bald aufgefallen und verraten worden. Die Sinaihalbinsel mit dem traditionellen Mosesberg, gehörte schon seit der frühdynastischen Zeit zum Einfluss,- oder gar Machtbereich des Alten Ägypten. Dazu kann auch das Gebiet des heutigen Nordwestsinai gerechnet werden, da dort die 12 Ismaelitischen Stämme wohnten, die ebenfalls Ägypten verwandschaftlich nahe standen.

Der Name des Landes Midian geht auf einen der sechs Söhne Abrahams zurück, die ihm Ketura nach dem Tod von Sara gebar. In 1Mose 25,2 lesen wir:

  • Die (Ketura) gebar ihm Simran und Jokschan, Medan und Midian, Jischbak und Schuach.“

Wir erfahren weiter, dass Abraham die Söhne seiner Nebenfrauen mit Geschenken versah und sie nach Osten schickte.

  • Aber den Söhnen[3], die er von den Nebenfrauen hatte, gab er Geschenke und schickte sie noch zu seinen Lebzeiten fort von seinem Sohn Isaak, nach Osten hin ins Morgenland“ (1Mose 25,6). „πρὸς ἀνατολὰς εἰς γῆν ἀνατολῶν“ (LXX).

Die Bezeichnung Morgenland oder Land des Ostens (Sonnenaufgang) ist sehr weit gefasst und schließt geographisch einen weiten Raum ein, der sich östlich des Toten Meeres ausdehnte. In dieser Zeit wohnte Abraham bei Hebron, oder zwischen Hebron und Beer Scheba. Isaak wohnte in dieser Zeit im Südland (1Mose 24,62). Das Gebiet östlich des Toten Meeres war damals auch schon besiedelt, dort wohnten bereits die Emiter, Amoriter und weiter südlich die Horiter. Die Nachkommen Lots waren zur Zeit der Patriarchen zahlenmäßig noch klein.

Jokschan, der Bruder von Midian, hatte zwei Söhne, Saba und Dedan, beide sind uns bekannt aus der späteren Israelgeschichte und deren Nachkommen befanden sich in Arabien (Jes 21,13); Saba im Süden (Lk 11,31), Dedan vermutlich im Nordwesten Arabiens. In Jesaja 60,6 werden Midian und Saba nebeneinander genannt, deren Bewohner aus einer Richtung, nämlich aus Arabien, nach Jerusalem kommen.

Meistens wurden Personennamen zu Städtenamen oder sogar Landesnamen, so auch im Falle von Midian. Zur Zeit des Auszugs hatten sich die Nachkommen Lots, nämlich Ammon (Ammoniter) und Moab (Moabiter) im Nordosten und Osten des Toten Meeres ausgebreitet. Das Kernland der Moabiter erstreckte sich zwischen den Bächen Sered im Süden und dem Arnon im Norden und breitete sich nach Osten hin aus bis zur Wüste. Auch das Gebiet nördlich des Arnonflusses war zeitweise von den Moabitern bewohnt.

Weitere Hinweise auf die Siedlungsgebiete der Nachkommen Abrahams finden wir in 1Mose 25,18, dort wird der Wohnsitz Ismaels des ältesten Sohnes von Abraham beschrieben. Auch diese Beobachtung und Studie über den Wohnsitz Ismaels ist wichtig, weil dadurch eine bessere Differenzierung und Eingrenzung des Landes Midian möglich wird.

  • Und sie (die Ismaeliten) wohnten von Hawila an bis nach Schur östlich von Ägypten nach Assyrien hin. So ließ er sich nieder all seinen Brüdern zum Trotz.“

Die Wüste Schur lag östlich von Ägypten (zwischen Ägypten und Kanaan), also im Bereich des heutigen Nordwestsinai.

Da sie aber ein Nomadenleben führten, dehnte sich ihr Einzugsgebiet bis weit nach Osten hin aus. Weitere Details über die Nachkommen Ismaels und ihre Wohngebiete werden in 1Mose 21,13-21 beschrieben:

  • Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem Volk machen, weil er dein Sohn ist. Da stand Abraham früh am Morgen auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu den Knaben, und schickte sie fort. Da zog sie hin und irrte in der Wüste umher bei Beerscheba. Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre Stimme und weinte. Da erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben, der dort liegt. Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum großen Volk machen. Und Gott tat ihr die Augen auf, dass sie einen Wasserbrunnen sah. Da ging sie hin und füllte den Schlauch mit Wasser und tränkte den Knaben. Und Gott war mit dem Knaben. Der wuchs heran und wohnte in der Wüste und wurde ein guter Schütze. Und er wohnte in der Wüste Paran und seine Mutter nahm ihm eine Frau aus Ägyptenland.“

Folgende geographische Details werden aus diesem Text erkennbar.

Hagar zog mit Ismael von der Gegend von Hebron aus in Richtung Süden und irrte bei dem (späteren) Beer Scheba umher.

Dann heißt es, dass Ismael in der Wüste wohnte, das ist das Gebiet des heutigen Negev, südlich von Beer Scheba. Er wuchs heran und seine Mutter nahm ihm eine Frau aus Ägypten. Dies ist verständlich, da auch sie selbst Ägypterin war, bestand ein Verwandtschaftsbezug zu Ägypten.

Als nächstes wird für Ismael die Wüste Paran als konkretes Wohngebiet genannt. In 1Mo 14,6 wird Paran zum ersten Mal erwähnt als ‚El Paran’, das an die Wüste stößt. Gemeint ist dort der Beginn der großen Negev-Wüste, welche sich vom Westen des Gebirges Seir bis zum Bach Ägyptens. Die Wüste Paran dehnte sich auch nach Westen zur Wüste Schur hin, die sich wiederum östlich von Ägypten ausdehnte, so ist der Verwandtschaftsbezug auch durch die Nachbarschaft unterstrichen. Da er aber zwölf Fürsten zeugte, dehnte er sein Wohngebiet sogar bis nach Osten in Richtung Assyrien aus (1Mose 25,18). Hier kann man also feststellen, dass die Ismaeliten hauptsächlich südlich von Kanaan Land in Besitz nahmen, teilweise sogar auch östlich der Aravasenke, vielleicht wegen Verwanschaftsbindungen zu seinem Neffen Edom (Esau). Nach 1Mose 28,9 und 36,3  heiratete Esau zwei der Töchter von Ismael, so ergibt sich auch eine weitere verwandtschaftliche Nähe (vgl. auch 1Chr 27,30, wo die Nähe von Esaus und Ismaels Nachkommen unterstrichen wird). Auffallend ist auch, dass es zwischen Ismaeliten und Israeliten keine Streitigkeiten gab im Gegensatz zu den Edomitern, Moabitern, Ammonitern, Amalekitern und Midianitern. Anscheinend wachte Gott über seiner Verheißung, Ismael zu segnen. So ist das Gebiet der Sinaihalbinsel von Israel nie beansprucht oder bekämpft worden. Erst im 20. Jh. besetzten israelische Truppen die Sinaihalbinsel, welche jedoch schon nach 15 Jahren wieder an Ägypten zurückgegeben wurde.

 

Die Wohngebiete Midians und seiner Nachkommen sind dementsprechend nicht im gleichen Gebiet zu suchen, sondern eher noch weiter östlich der Aravasenke.

Einige Hinweise zu der Wüste Paran, dem frühen Wohngebiet Ismaels.

Von Kadesch Barnea aus, das an die Wüste Paran grenzte, sandte Mose zwölf Kundschafter aus, um das Land Kanaan zu erkunden. Später zur Zeit Davids (1Kön 11,15-18) lag die Wüste Paran auf dem Weg von Midian nach Ägypten, also im Negev. Zu Davids Zeit war Midian in Nachbarschaft zu Edom, wie folgender Text deutlich macht.

  • Und sie (der Edomiter Hadad und seine Leute) machten sich auf von Midian und kamen nach Paran und nahmen Leute mit sich aus Paran und kamen nach Ägypten zum Pharao, dem König von Ägypten. Der gab ihm ein Haus und Nahrung und wies ihm Land an.

Der Prophet Habakuk erwähnt das Gebirge Paran (Hab 3,3) und heute noch wird dieses Gebiet im Negev ‚Paran’ genannt.

 

In 1Mose 17,20 verspricht Gott dem Abraham Ismael zu segnen:

  • Und für Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen.“

Kein Wunder also, dass die Ismaeliten ein sehr weites Gebiet besiedelten, ein Gebiet, das von der Ostgrenze Ägyptens über die Sinaiwüste (heute at Tih) in Richtung Osten und südöstlich, also in Richtung nördliches Ende des Roten Meeres (Golf von Agaba) und sogar weiter ostwärts reichte. Aus 1Mose 25,14 erfahren wir, dass einer der Söhne Ismaels Duma genannt wird. Später findet sich ein Ort im Gebiet östlich der Aravasenke und auch östlich von Edom mit dem Namen Duma, was auf die Verwandtschafts- und Wohnnähe von Esaus und Ismaels Nachkommen schließen lässt (Vgl. auch Jes 21,11).

Demnach muss das Siedlungsgebiet der midianitischen Stämme östlich von Ismael gelegen haben. Wenn also die Nachkommen Abrahams von der Ketura (Midian) nach Osten gingen, die Nachkommen Abrahams von Hagar (Ismael) nach Süden, dann ist es sehr unwahrscheinlich, das Siedlungsgebiet der Midianiter auf der heutigen Sinaihalbinsel zu suchen. Sollte sich bestätigen, dass Midian niemals in der Mitte oder auf der Südhälfte der Sinaihalbinsel lag, dann wäre die christliche Tradition der Lokalisierung des Horeb (aus dem 4.Jh.) in jener Gegend, hinfällig.

 

Ein weiterer Beleg für diese Annahme geht aus dem Zusammenhang von 4Mose 22,4 hervor. Dort lesen wir, dass die Moabiter und Midianiter miteinander kooperierten, weil sie in  unmittelbarer Nachbarschaft wohnten, nänlich östlich des Toten Meeres. Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die Zeit kurz vor der Landnahme durch die Israeliten. 40 Jahre zuvor war Mose im Lande Midian, in dieser Zeit wird sich das Wohngebiet der Midianiter nicht verändert haben.

  • Und sie (die Ältesten der Moabiter) sprachen zu den Ältesten der Midianiter: Nun wird dieser Haufe auffressen, was um uns herum ist, wie ein Rind das Gras auf dem Felde abfrisst. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu der Zeit König der Moabiter.“

Diese Aussage macht deutlich, dass diese beiden Volksgruppen um den Verlust ihres gesamtes Territoriums, welches in der Nachbarschaft östlich des Toten Meeres lag, bangten,

Und sie kooperierten miteinander gegen die Israeliten, wie folgender Hinweis in 4Mose 22,7 deutlich macht.

  •  „Und die Ältesten der Moabiter gingen hin mit den Ältesten der Midianiter und hatten den Lohn für das Wahrsagen in ihren Händen und kamen zu Bileam und sagten ihm die Worte Balaks.“

Auch dieser Zusammenhang lässt die Vermutung zu, dass Midian in unmittelbarer Nachbarschaft zu Moab lag. Denn die Moabiter gingen zu den Midianitern und dann weiter in Richtung Osten an den Euphrat, wo Bileam wohnte. Im Rückblick schreibt Josua die Anwesenheit der midianitischen Fürsten im Herrschaftsbereich des mächtigen Amoriterkönigs Sihon aus Heschbon, welcher mit seinem ganzen Volk von Israel geschlagen wurde:. „ … und alle Städte der Ebene und das ganze Reich Sihons, des Königs der Amoriter, der in Heschbon herrschte und den Mose schlug samt den Fürsten Midians – Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba -, den Gewaltigen des Königs Sihon, die im Lande wohnten“ (Josua 13,21). Diese Stelle ist sehr aufschlussreich, da aus ihr hervorgeht, dass die Midianiter im Gebiet der Amoriter wohnten. Belegt ist auch der Wohnbereich eines der Stämme der Amoriter, der auf dem Gebirge westlich des Toten Meeres wohnten (1Mose 14,13; 4Mose 13,29). Weitere Stellen, welche über die unmittelbare Nähe der Midianiter zu Israels Wanderrouten und deren Aufenthalten Aufschluss geben, finden wir in 4Mose 25,6. 15. 17-18; 31,2-3. 7-9.

So kann man vorläufig festhalten, dass Midian sich als eigenständiges Land in seinen Grenzen nicht genau lokalisieren lässt, doch ihre Wohngebiete befanden sich im großen und mächtigen Amoriterreich, östlich des Toten Meeres in Nachbarschaft der Moabiter und auch in Nachbarschaft Edoms, deren Landesgrenzen recht gut gesichert zu sein scheinen.

Nach der entscheidenden Niederlage der midianitischen Stämme auf dem Gefilde der Moabiter durch Israel werden die Midianiter in diesem Bereich später noch einmal erwähnt und zwar, dass sie von einem edomitischen Fürsten besiegt wurden (dies war in der Richterzeit und lässt ihr Wohngebiet in unmittelbaren Nachbarschaft zu Edom vermuten).

  • Als Huscham starb, wurde König an seiner statt Hadad, ein Sohn Bedads, der die Midianiter schlug auf dem Felde der Moabiter; und seine Stadt hieß Awit“ (1Mose 36,35).

Dies macht auch deutlich, dass bei kriegerischen Auseinandersetzungen keineswegs die gesamte Stammesbevölkerung ums Leben kam. Und so treffen wir etwas später im Osten (Gilead) auf einen midianitischen Stamm. Nach Richter 6,33 kamen diese Midianiter, Amalekiter und andere Stämme aus östlicher Richtung und lagerten sich in der Jesreel Ebene (später Südostgaliläa). Wieder kann man erkennen, dass die midianitische Streitmacht aus der Gegend kam in der sie schon zur Zeit der Landnahme erwähnt werden.

Und bereits zur Zeit Jakobs kamen Midianitische Kaufleute aus Gilead (Gegend in der der Fluß Arnon entspringt), durchzogen Kanaan in Richtung Ägypten (1Mose 37,26-28). Die biblischen Texte lassen erkennen, dass die Nachkommen Midians seit der Patriarchenzeit bis zur Richterzeit (also mindestens 500 Jahre) im besagten Gebiet östlich oder südöstlich von Moab siedelten.

Es ist aber unklar, in welcher Beziehung die Keniter (in 1Mose 15,19 erstmals erwähnter Stamm zu dem Reguel und seine Familie gehörten) zu den Midianitern standen. Die wenigen Anmerkungen zu diesem Stamm geben aber einigen Aufschluss. Die Keniter sind in der zahlreichen Stammesliste aufgeführt, deren Land Gott Abram und seinen Nachkommen versprochen hatte (1Mose 15,19). In 4Mose 24,21 beschreibt Bileam in poetischer Form den Wohnsitz der Keniter:

  • Und als er die Keniter sah, hob er an mit seinem Spruch und sprach: Fest ist deine Wohnung, und du hast dein Nest in einen Fels gebaut.

Diese Beschreibung erinnert uns lebhaft an Felsbewohner. Südöstlich des Toten Meeres gibt es Gegenden, auf die eine solche Beschreibung zutrifft. Die bekannte Nabatäerstadt Petra wäre ein Beispiel für solchen Wohnstil. Hobab der Keniter, Moses Schwager, nahm doch letztlich die Einladung des Mose an, mit Israel nach Kanaan zu ziehen (4Mose 10,29ff), wie folgender Text deutlich macht:

  • Und die Nachkommen des Keniters Hobab, mit dem Mose verschwägert war, zogen herauf aus der Palmenstadt mit den Männern von Juda in die Wüste Juda, die im Süden von Arad liegt, und gingen hin und wohnten mitten unter dem Volk“ (Ri 1,16).

Weitere positive Informationen über das Geschlecht Hobabs im Zusammenhang der Geschichte Israels finden wir in den Texten: Ri 5,24 (Jael) 1Sam 15,6 (Saul verschont die Keniter)  1Sam 27,10; 30,29.

Diese Texte geben Anlass zur Annahme, dass Jetro und sein Haus zwar in dem Gebiet (Land) von Midian wohnten, doch wahrscheinlich gar keine Midianiter waren und dass ihre Gotteserkenntnis und Gottesbeziehung der von Israel nahe stand (2Mose 18,1-12). Geben doch auch diese Textzusammenhänge Anlass zur Annahme, dass der Berg Horeb eher östlich der Aravasenke zu suchen ist und nicht auf dem heutigen Südsinai.

 

Die Frage ist nun, wohnte der Priester Reguel aus dem Stamm der Keniter, mit seiner Familie in diesem Land Midian, oder gab es einen weiteren midianitischen Stamm, der weiter südlich im heutigen NW von Saudi Arabien siedelte?

Viele Jahrhunderte nach der Landnahme erwähnt Jesaja in einer Prophetie Saba und Midian, die in friedlicher Absicht nach Israel pilgern:

  • Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen“ (Jes  60,6).

Wahrscheinlich ist dies eine Anspielung auf das geschichtliche Ereignis zur Zeit Salomos (2Chr 9,1-9) und vielleicht sogar eine zukunftsgerichtete Aussage, welche nach den Worten von Jesus sich auf das Ende der Zeit bezieht (Mt 12,42;  Lk 11,31).

 

 

3. Wo liegt der Berg Horeb oder Sinai?

 

Warum interessiert uns der Ort und die Lage des Berges Sinai oder Horeb so sehr?

  • Am Fuß des Berges begegnete Gott dem Mose durch Vermittlung eines Engels im Brennenden Busch; 2Mose 3,2-6; Mt 22,32
  • Ebenfalls am Fuß des Berges Horeb ließ Gott Wasser aus dem Felsen sprudeln; 2Mose 17,6.
  • Am Fuß des Berges lagerte Israel knapp ein Jahr lang und baute dort die Hütte der Begegnung; 2Mose 25-40.
  • Die Herrlichkeit Gottes erschien auf dem Berg und Mose empfing dort die Zehn Gebote; 2Mose 19,19; 20,1-21: Apg 7,38.
  • In der Königszeit wanderte der Prophet Elia zu diesem Berg. Damals wusste man noch genau, wo dieser sich befand; 1Kön 19,8.

Durch die lokalisierung des Berges ließe sich leichter die tatsächliche Route des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten bestimmen, ebenso die Lokalisierung des Durchzugs durch das Schilfmeer (Rotes Meer).

 

3.1 Merkmale des Berges Horeb und seiner Umgebung

  • Vor dem Berg oder Gebirge erstreckt sich eine Wüste, die Wüste Sinai (2Mose 19,2; 1Kön 19,15).
  • Der Berg weist oben eine Spitze (Gipfel 2Mose 19,20) und unten eine Art Fuß auf („am Fuße des Berges“), also einen deutlichen Übergang vom Flachland zum Bergsockel, damit er umzäunt werden konnte (2Mose 19,10-23).
  • 2Mose 19,18.
  • Das Vorhandensein einer Höhle kann sogar mit ein Kriterium sein (1Kön 19,9).
  • Vom Berg floß ein Bach herab 5Mose 9,21. Dies weist auf ein fruchtbares Bergtal hin.
  • Auch im Umfeld muss es genug Wasser gegeben haben, damit so eine große Anzahl von Menschen (einschließlich ihrer zahlreichen Herden 2Mose 12,38) die Versorgung über ein ganzes Jahr hindurch gesichert war. Denn in dem Jahr des Aufenthaltes am Berg Sinai wird nichts von Wassermangel geschrieben.
  • Es muss keineswegs ein schwer zugänglicher Berg sein, denn Mose stieg immer wieder innerhalb kürzerer Zeit den Berg hinauf und hinunter, einmal auch mit den Ältesten Israels (2Mose 34,4; 19,24; 2Mose 32,30; 2Mose 24,9-11).

Für diesen besonderen Berg gibt es zwei deutliche Namen: ‚Horeb’ und ‚Sinai’. Oft wird er einfach auch ‚Berg Gottes’ und ‚Berg des Herrn’ genannt. Die Bezeichnung ‚Horeb’ hat die Bedeutung von ‚Ödland’ oder ‚Wüstengebiet’ und ist eher hebräisch, vielleicht weil Gott ihn so nannte (2Mose 17,6).

  • Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe (Wüste) hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb“ (2Mose 3,1).

Dort gab Gott Mose ein Zeichen in prophetischer Voraussage:

  • Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge“ (2Mose 3,12).

Der genannte Berg ist also in unmittelbarer Nähe der Gottesoffenbarungsstelle am Brennenden Busch. Sogar Jesus nimmt Bezug auf diese besondere

Offenbarung Gottes in der Wüste Sinai und zwar in der Diskussion mit den Sadduzäern über die Realität der Totenauferstehung:

  • Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht (2.Mose 3,6): „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Mt 2,31-32). Und Lukas ergänzt:Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle“ (Lk 20,38). Auch Markus hat eine wichtige Ergänzug: „Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch zu ihm redete und sprach“ (Mk 12,36).

Damit bestätigt Jesus, wenn auch indirekt,  die Historizität der Gottesbegegnung des Mose beim Dornbusch am Berg Horeb.

 

3.2 Hinweise zur Lage des Berges Horeb

 

Der Berg Horeb müsste sich irgendwo auf dem Weg, bzw unweit der Route von Midian nach Ägypten befunden haben, wie folgender Text indirekt nahelegt:

  • Und der HERR sprach zu Aaron: Geh hin Mose entgegen in die Wüste. Und er ging hin und begegnete ihm am Berge Gottes und küsste ihn“ (2Mose 4,27).

Zu diesem Zeitpunkt wäre es unlogisch gewesen, wenn Mose nicht auf dem direktesten Wege (Karawanenroute) von Midian nach Ägypten  gegangen wäre. Dem Aaron dagegen muss wohl der Herr selber den Weg gewiesen haben, damit er Mose an dieser Stelle (Berg Gottes) treffen konnte.

 

Es besteht auch ein geographischer Zusammenhang zwischen dem Lande Midian und dem Berg Sinai. In der Aussage: „(Mose) trieb die Schafe über die Steppe hinaus[4] und kam an den Berg Gottes, den Horeb“, könnte ein Hinweis darauf enthalten sein, dass Mose die Grenze des eigentlichen Territoriums der Midianiter überschritten hatte und somit der Berg Gottes Horeb, streng genommen, sich außerhalb der Grenzen des Landes[5] Midian befand. Diese Annahme wird auch durch folgenden Text gestützt:

  • Und Mose ließ seinen Schwiegervater wieder in sein Land ziehen“ (2Mose 18,27; vgl. 4Mose 10,30).

Jetro, der die Lage des Berges Horeb kannte, kam aus seinem Land (Midian). Der Berg Sinai und die vorgelagerte gleichnamige Wüste könnten demnach sozusagen Niemandsland[6] gewesen sein:

  • Als nun Jitro, Moses Schwiegervater, und seine Söhne und seine Frau zu ihm in die Wüste kamen, an den Berg Gottes, wo er sich gelagert hatte…“ (2Mose 18,5).

Dass Jetro zu Mose in die Wüste hinausging, unterstreicht noch einmal, dass der Priester in einer bewohnten Gegend lebte. Aufschlussreich könnte auch die Wendung: „er trieb die Schafe über die Wüste hinaus …“. Hier stellt sich die Frage der Grnzenmarkierungen im Altertum. So wie Meere, Bergketten und Flüsse natürliche Grenzen zwischen Stämmen und sogar ganzen Völkern bildeten, so bildeten auch Wüsten natürliche Grenzen zwischen den einzelnen Stammesverbänden. Mose überquerte also eine bestimmte Wüste, in der Hoffnung, am anderen Ende, das sichtbar von gegenüberliegenden Bergen flankiert war, neue oder bessere Weideplätze für die Schafe zu finden. Diese Wüste erstreckte sich zwischen dem Wohngebiet des Jetro (Midian) und der Bergregion Sinai[7].

 

In Galater 4,21-25 spricht Paulus vom Berg Sinai und lokalisiert ihn in Arabien:

  • Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung.Diese Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar; denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien (τὸ δὲ Ἁγὰρ Σινᾶ ὄρος ἐστὶν ἐν τῇ Ἀραβίᾳ) und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt“ (Vgl. dazu Joh 8,33-34).

Hier stellt sich also die Frage, bis wohin sich zur Zeit von  Paulus Arabien nach Norden hin erstreckte. Seit Jahrhunderten war Petra Hauptstadt des Nabatäerreiches, welches sich zeitweise nach Norden hin bis Damaskus erstreckte. König Aretas IV herrschte von 8 v. bis 40 n. Chr. Auch über Damaskus.  Die Nabatäer kamen aus Zentralarabien, verdrängten mehr oder weniger die Edomiter und erweiterten sozusagen den arabischen Einfluss und Territorium nach Norden hin. Somit könnte der Berg Sinai auch in diesem Bereich gesucht werden.

Gut möglich, dass Paulus selber am Berg Horeb war, denn im gleichen Brief schreibt er über einen Rückzug nach Arabien von Damaskus aus:

  • (Ich) ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte wieder zurück nach Damaskus“ (Gal 1,17).

Was liegt da näher, als anzunehmen, dass er nicht einfach irgendwohin nach Arabien ging, sondern in Anlehnung an Mose und den Propheten Elia eben zum Berg Sinai. Und anscheinend war es für ihn wichtig, am Ort des ersten Bundes Gottes mit Israel durch Mose gewesen zu sein, um von nun an im Neuen Bund mit Gott durch Jesus Christus seine Zukunft zu gestalten. Auf jeden Fall  machen die  beiden Aussagen des Apostels deutlich, dass er sich in Geographie gut auskannte und es zu jener Zeit keine Zweifel über die Lage dieses Berges gab. Daher wäre es hier an der Reihe, die Zeitgenossen des Paulus in Bezug auf die Lage des Berges Sinai zu fragen. Josephus, der jüdische Historiker, der den Auszug der Israeliten sehr bunt beschreibt, macht zum Standort von Sinai keine Angaben. Dagegen berichtet der jüdische Philosoph Philon davon, dass der Berg Gottes östlich der Sinai-Halbinsel und südlich von Palästina lag (Philon aus Alexandrien, der jüdische Philosoph lebte von 15/10 v. bis 40 n. Chr). Aus der römischen Geschichte ist bekannt, dass im Jahre 64 des ersten vorchristlichen Jahrhunderts die Nabatäer (Petra) durch römische Legionäre besiegt wurden, doch erst im Jahr 106 n. Chr. wurde auch der heutige Sinai in die römische Provinz ‚Arabica-Petrae’ eingegliedert. Dieses Detail ist im Zusammenhang der Bemerkung des Paulus wichtig, dass der Berg Sinai sich in Arabien befindet. In der Zeit der Wirksamkeit des Paulus (ca. 34 – 65 n. Chr.) konnte Petra und Umgebung seit langem zu Arabien gezählt werden, jedoch noch nicht die gesamte Sinaihalbinsel. Ist also der Berg Horeb tatsächlich östlich der Aravasenke im nördlichen Arabien zu suchen?

 

3.3 Wo lag Kadesch Barnea?

Die Lokalisierung von Kadesch Barnea ist aus folgenden Gründen wichtig:

  • Vn Kadesch Barnea sandte Mose die zwölf Kundschafter aus, um das Land Kanaan zu erkunden;
  • Das Volk Israel lagerte dort eine lange Zeit;
  • Wichtig ist die Lokalisierung auch, weil es von dort aus zeitliche Entfernungsangaben zum Berg Horeb hin gibt.

Die erste Erwähnung von Kadesch finden wir in 1Mose 14,7 im Zusammenhang einer kriegerischen Auseinandersetzung:

  • Danach wandten sie um und kamen nach En[8]-Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten.“

Kadesch wurde früher auch En Mischpat genannt, das heißt Quelle Mischpat. Eine erste Orientierung der Lage von Kadesch bekommen wir durch die Angabe der besiegten Volksgruppen, nämlich der Amalekiter und Amoriter. Das Wohngebiet von beiden lag im Süden Kanaans[9].

Einen weiteren wichtigen Hinweis zu diesem Ort finden wir in den südöstlichen und südlichen Grenzmarkierungen des Gebietes, welches Gott dem Volk Israel zugedacht hatte.

  • Der Südzipfel eures Gebietes soll sich erstrecken von der Wüste Zin an Edom entlang. Eure Grenze im Süden soll ausgehen vom Ende des Salzmeers, das im Osten liegt. Und sie soll südlich vom Skorpionensteig sich hinaufziehen und hinübergehen nach Zin und weitergehen südlich von Kadesch-Barnea und gelangen nach Hazar-Addar und hinübergehen nach Azmon und sich von Azmon ziehen an den Bach Ägyptens und ihr Ende sei an dem Meer“ (4Mose 34,3-5).

Ähnlich, aber auch etwas ergänzend beschreibt Josua die Südgrenze des Stammes Juda:

  • Das Los des Stammes „Juda“ für seine Geschlechter lag gegen die Grenze Edoms hin, nach der Wüste Zin zu im äußersten Süden. Seine Südgrenze ging vom Ende des Salzmeers[10], von seiner südlichen Spitze,und geht dann südwärts vom Skorpionensteig und geht weiter nach Zin[11] und führt hinauf südlich von Kadesch-Barnea bis hinüber nach Hezron und führt hinauf nach Addar und biegt um nach Karka  und berührt Azmon und läuft aus am Bach Ägyptens[12], sodass das Ende der Grenze das Meer wird(Josua 15,1-4).

Der Vergleich mit dem Text aus 4Mose 20,16 ergibt den Anhaltspunkt, dass Kadesch Barnea an der Süd, bzw. Südostgrenze des Stammes Juda und des Landes Israel lag und eine gemeinsame Grenze im Südosten mit Edom[13] hatte.

  • Und siehe, wir sind in Kadesch, einer Stadt an deiner (Edoms) Grenze.“

Es bleibt festzustellen, wo heute der Ort Kadesch Barnea[14] zu suchen ist. Denn von hier aus versuchen wir erneut an den Berg Horeb zu gelangen. In 5Mose 1,2 lesen wir:

  • Elf Tagereisen weit ist es vom Horeb bis Kadesch-Barnea auf dem Wege zum Gebirge Seïr.“ „ἕνδεκα ἡμερῶν ἐν χωρηβ ὁδὸς ἐπ‘ ὄρος σηιρ ἕως καδης βαρνη.“

Es fällt auf, dass das Volk Israel vom Horeb her kommend, das Gebirge Seir überqueren, wahrscheinlicher jedoch südlich davon umgehen musste. Die Wendung: „Auf dem Wege über das Gebirge Seir“ könnte auch verstanden werden, dass zwischen Horeb und Kadesch das Edomgebirge lag.

Diese Strecke jedoch in elf Tagen zu Fuß zu bewältigen, ist keineswegs einfach und in der Tat benötigten die Israeliten dafür nicht elf Tage, sondern etwa zwei

Monate, eingeschlossen sind natürlich alle für das große Volk notwendigen Aufenthalte (siehe Abschnitt „Wanderung der Israeliten vom Horeb bis Kadesch Barnea“).

  • Da brachen wir auf vom Horeb und zogen durch die ganze Wüste, die groß und furchtbar ist, wie ihr gesehen habt, auf der Straße zum Gebirge der Amoriter[15], wie uns der HERR, unser Gott, geboten hatte, und kamen bis nach Kadesch-Barnea“ (5Mose 1,19).

 

Diese Wanderung vom Horeb bis Kadesch Barnea erfolgte im zweiten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten (5Mose 1,22). Auch wird hier vermerkt, dass die Wüste, welche zwischen Horeb und Kadesch Barnea lag, „groß und furchtbar war“. Hier wäre also die Topographie von Kadesch Barnea aus in Richtung Ost bis Süd zu erkunden. Denn es gibt hauptsächlich zwei Gegenden, welche den Anspruch erheben, den Berg Horeb zu beheimaten, das ist die Region des Süd-Sinai (christliche Tradition) und die Region in Nordwestarabien.

 

In 1Kön 9,7-9 lesen wir von Elia, der aus der Gegend südlich von Beerscheba in Richtung Horeb aufbrach.

  • Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.  Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht“ (1Kön 19,7-9).

Auf den ersten Blick scheint es, dass Elia nur bis zum Horeb 40 Tage und Nächte zu Fuß unterwegs war, doch im Text ist nicht die Distanz von Beerscheba bis zum Horeb betont, sondern, dass Elia durch die Kraft dieser Speise (insgesamt) 40 Tag/Nächte, ohne eine weitere Mahlzeit zu sich zu nehmen, unterwegs war. Dies wird auch noch durch die Tatsache unterstrichen, dass  gerade bei besonderen Personen wie Mose, Elia und ebenso bei Jesus die vierzig Tage und Nächte ohne zu essen besonders betont werden (2Mose 34,28;  Mt 4,1ff). Das heißt, dass Elia für den Weg bis zum Horeb und dann weiter bis Abel Mehola (dem Geburtsort Elisas (1Kön 19,16), welches in Gilead auf dem Weg nach Damaskus lag, wohin Elia nun gehen sollte) 40 Tage benötigte, und zwar ohne zu essen (1Kön 19,15ff).

Daher kann diese Zeitangabe nicht als Bemessungsgrundlage für die Entfernung Horeb – Kadesch Barnea[16] genutzt werden, wohl aber die Zeitangabe in 5Mose 1,2 wo es heißt: „Elf Tagereisen sind es vom Horeb bis Kadesch Barnea“ und wahrscheinlich im gewöhnlichen Karawanentempo und auf der Karawanenroute durch das Gebirge Seir.
Es bleibt festzustellen, wie viele Kilometer zum Beispiel Kaufleute damals in der Wüste an einem Tag gehen oder reiten konnten. Eine vorsichtige und vorläufige Schätzung ergäbe hier bei 25/30 km/Tag, mal 11 Tage  275 – 330 km Entfernung.

 

3.4 Das Wohngebiet Seir/Edom

 

Edom oder Esau siedelte auf dem Gebirge Seir. Die erste Erwähnung dieser Gebirgsregion ist in 1Mose 14,6-7:

  • Darum kamen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, im vierzehnten Jahr und schlugen die Refaïter zu Aschterot-Karnajim und die Susiter zu Ham und die Emiter in der Ebene Kirjatajim und die Horiter auf ihrem Gebirge Seïr bis El-Paran, das an die Wüste stößt.Danach wandten sie um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten.“

Dies ereignete sich zur Zeit Abrahams, als er noch keine Kinder hatte. Das Gebirge Seir wurde also noch  vor der Patriarchenzeit von den Horitern bewohnt. Doch weit nicht alle Horiter fielen in diesem Kampf, die meisten lebten dort weiter und vermehrten sich wieder. In 1Mose 36,20-21 lesen wir:

  • Die Söhne aber von Seïr, dem Horiter, die im Lande wohnten, sind diese: Lotan, Schobal, Zibon, Ana. Dischon, Ezer und Dischan. Das sind die Stammesfürsten der Horiter, Söhne des Seïr, im Lande Edom.“

So erkennen wir, dass dieses Gebirge den Namen von einem bekannten Horiter-Fürsten ‚Seir’ bekommen hatte. Später wurde es nach Esau/Edom Edomgebirge genannt.

 

Weiter geht aus dem Text hervor, dass einer der Enkel von Seir Ana[17] hieß.

  • Esau nahm sich Frauen von den Töchtern Kanaans: Ada, die Tochter Elons, des Hetiters, und Oholibama, die Tochter des Ana, des Sohnes Zibons, des Horiters“ (1Mose 36,2).

Auf diese Weise lässt sich auch erklären, warum sich Esau nach seinem Wegzug von Isaak in Seir niedergelassen hatte (1Mose 36,6). Auch wird dieser Stamm der Horiter geographisch indirekt zu Kanaan gerechnet.

Im Rückblick (5Mose 2,12) hebt Mose hervor, dass die Nachkommen Esaus die Horiter vertrieben, ja sogar vertilgten und an ihrer Statt auf dem Gebirge Seir wohnten.

 

Zur Zeit Davids erstreckte sich Edoms[18] Gebiet sogar bis an das Nordende des Schilfmeeres (Golf von Agaba).

  • Und Salomo baute auch Schiffe in Ezjon-Geber, das bei Elat liegt am Ufer des Schilfmeers im Lande der Edomiter“ (1Kön 9,26).

Doch zur Zeit des Auszuges war das Gebiet von Edom noch nicht so weit ausgedehnt. Auf manchen Bibelkarten wird das Gebirge Edom östlich der Arawasenke verzeichnet. Die Stadt Sela und Bozra gehen auf die Edomiter zurück.

Doch in der Patriarchenzeit waren diese Stämme zahlenmäßig noch recht überschaubar[19] (1Mose 32,7) und sie waren nicht die einzigen Stämme, die in jenen Gegenden  siedelten. Darum kam es auch schon in jener Zeit zu Streit, Wohngebietswechsel oder auch Grenzverschiebungen.

Unter Esaus Nachkommen werden 12 Fürsten genannt (1Mose 36), daher verwundert es nicht, dass sie sich sehr rasch vermehrten und ihr Siedlungsgebiet nach Süden und Osten hin ausdehnten.

 

 

3.5 Das Volk der Amalekiter

 

Amalek war ein Enkel Esaus, so in 1Mose 36,12:

  • Und Timna war eine Nebenfrau des Elifas, des Sohnes Esaus; die gebar ihm Amalek.“

Die Amalekiter sind also Nachkommen von Esau und waren einer von den 12 bedeutenden  edomitischen Stämme. Ihr Wohngebiet war zur Zeit der Wüstenwanderung Israels nördlich von Kadesch Barnea.

Die Amalekiter griffen die Nachhut Israels auf dem Weg zum Horeb an, und zwar in Refidim. Refidim war jedoch in der Nähe des Horeb, wahrscheinlich an der Westseite des Gebirges. Dies war auch der Ort, in dessen Nähe Mose auf Gottes Geheiß den Felsen schlug, so dass Wasser herauskam und das Volk und ihr Vieh trinken konnten (2Mose 16, 22ff).

 

Die erste Erwähnung der Amalekiter finden wir in 1Mose 14,7:

  • Danach wandten sie um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kadesch[20], und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten.“

Zur Patriarchenzeit gab es die Amalekiter natürlich noch nicht[21], doch in seinem schriftlichen Rückblick nennt Mose dieses Land so, wie es dann zur Zeit der Niederschrift besiedelt war.

Ihr Wohngebiet wird im folgenden Text ziemlich genau beschrieben, obwohl sie als Nomadenvolk auch sehr beweglich waren.

  • Es wohnen die Amalekiter im Südland, die Hetiter und Jebusiter und Amoriter wohnen auf dem Gebirge, die Kanaaniter aber wohnen am Meer und am Jordan“ (4Mose 13,29;  1Sam 15,5:  27,8).

Seit ihrer Frühzeit also und auch noch zur Zeit Davids und Sauls wohnten und operierten die Amalekiter im Südland (Negev). Zur Zeit des Aufenthaltes der Israeliten  in Kadesch Barnea wohnten Amalekiter auch nördlich davon, nämlich auf dem Weg hinauf ins Bergland von Kanaan (4Mose 14,43).

 

Vom Südland aus greift dieser kriegerische Nomadenstamm Israels Nachhut an, als diese noch auf dem Weg zum Horeb sind. Im Rückblick erinnert Mose seinen Nachfolger Josua und das Volk Israel daran, wie heimtückisch Amalek vorging.

  • Denke daran, was dir die Amalekiter taten auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zogt: wie sie dich unterwegs angriffen und deine Nachzügler erschlugen, alle die Schwachen, die hinter dir zurückgeblieben waren, als du müde und matt warst, und wie sie Gott nicht fürchteten“ (5Mose 25,17-18).
  • Da kam Amalek und kämpfte gegen Israel in Refidim“ (2Mose 17,8).

Die erste Aussage wirft Licht auf die tückische und listige Taktik, welche die Amalekiter auf dem Wegabschnitt vom Schilfmeer bis Refidim angewandt hatten. Die zweite Aussage spricht von einem konkreten Kriegsüberfall der Amalekiter, als Israel in Refidim, kurz vor seinem Ziel, lagerte.

Geographisch gesehen kamen die Amalekiter von ihrem Stammesgebiet im sogenannten Südland, und von dort aus unternahmen sie ihre Raubzüge hinter den Israeliten her, die durch die Wüste weiter südlich in Richtung Osten zogen.

Nach geographischen Gesichtspunkten wäre es eher unwahrscheinlich, dass die Amalekiter weit in den südlichen Teil des Sinai vorgedrungen wären (die wasserreichste Oase des Südsinai ´Feiran´, 40 km nw vom Katharinenkloster, wird von einigen Forschern für das biblische Refidim gehalten). Von der Entfernung her für solche Angriffe wäre eher der Bereich im Osten der Sinaiwüste. Auch unter diesem Gesichtspunkt müßte der Berg Horeb eher östlich der Aravasenke gesucht werden.

 

4. Welches Gewässer ist mit dem Schilfmeer gemeint?

 

Der Hebräische Begriff  `Yam Suph` wird in den deutschen Bibeln häufig mit Schilfmeer` oder ´Rotes Meer´übersetzt. Wie folgende Texte deutlich machen, bezieht sich diese Bezeichnung mal auf den Golf von Suez, mal auf den Golf von Agaba. Diese Tatsache erleichtert nicht gerade die Suche nach der Stelle des Durchzugs. Zunächst listen wir die Texte auf, die direkt und eindeutig mit der Bezeichnung Schilfmeer den Golf von Agaba meinen.

Die Israeliten mussten von Kadesch Barnea wegen ihres Ungehorsams und Unglaubens zurückkehren auf dem Weg, auf dem sie nach Kadesch gekommen waren.

  • Morgen wendet euch und zieht in die Wüste auf dem Wege zum Schilfmeer“ (4Mose 14,25).

Hier ist der Golf von Agaba gemeint, ebenso in den folgenden Paralelltexten:

  •  „Ihr aber, wendet euch und zieht wieder in die Wüste den Weg zum Schilfmeer“ (5Mose 1,40).
  •  „Dann wandten wir uns und zogen wieder in die Wüste auf der Straße zum Schilfmeer, wie der HERR zu mir gesagt hatte, und umzogen das Gebirge Seïr eine lange Zeit“ (5Mo 2,1).

Aus dem Kontext ist ersichtlich, dass das Volk Israel von Kadesch aus in Richtung Schilfmeer zog und zwar, dem Schilfmeer, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gebirge Seir (Edom) befand, also dem Golf von Agaba.

 

  • Und ich will deine Grenze festsetzen von dem Schilfmeer bis an das Philistermeer und von der Wüste bis an den Euphratstrom. Denn ich will dir in deine Hand geben die Bewohner des Landes, dass du sie ausstoßen sollst vor dir her“ (2Mose 23,31).

Die Angaben dieser Außengrenzen für Israel geben einen Hinweiß, dass mit dem Schilfmeer in diesem Zusammenhang ebenfalls der Golf von Agaba gemeint ist. Die Südgrenze des Landes wird vom Nordwestende des Schilfmeeres[1] bis zum Philistermeer (Mittelmeer) am biblischen `Bach Ägypten` oder El Arisch markiert. Somit wird auch deutlich, dass die Sinaihalbinsel mit dem Golf von Suez nicht zum späteren Territorium Israels gehörte (vgl. dazu auch Josua 15,1-5).

Unvorstellbar, dass Gott das Volk Israel wieder zurück Richtung Ägypten zum  Schilfmeer-Golf von Suez geschickt hätte, oder zu einem der Seen im Gebiet des heutigen Suezkanals. Dies wäre ja direkt in der Grenznähe der Ägypter gewesen. Nein, vielmehr ist hier der Golf von Agaba gemeint, der weit weg von dem ägyptischen Kernland liegt.

Jeftah erinnert den König der Ammoniter an die Zeit der Landnahme und erwähnt ebenfalls die Station am Schilfmeer bevor Israel zum Abschluß seiner Wanderung nach Kadesch kam. Auch in diesem Textzusammenhang ist der Golf von Agaba gemeint.

  • Denn als sie aus Ägypten heraufkamen, zog Israel durch die Wüste bis ans Schilfmeer und kam nach Kadesch“ (Ri 11,16).

 

Die wohl deutlichste Textstelle in Bezug auf das Schilfmeer, gleich Golf von Agaba, finden wir in 1Kön 9,26:

  • Und Salomo baute auch Schiffe in Ezjon-Geber, das bei Elat liegt am Ufer des Schilfmeers im Lande der Edomiter.“

Durch diese Texte wird sehr deutlich, dass mit dem hebr. Yam Suph – Schilfmeer, oder dem gr. erythra thalassa – Rotes Meer, sehr oft der Golf von Agaba gemeint ist.

 

Nun kommen wir zu den Texten, die mehr oder weniger offensichtlich den Golf von Suez meinen.

  • „… und was er an der Heeresmacht der Ägypter getan hat, an ihren Rossen und Wagen, wie er das Wasser des Schilfmeers über sie brachte, als sie euch nachjagten und sie der HERR umkommen ließ, bis auf diesen Tag“ (5Mose 11,4).

Diese Stelle gibt zwar keinen eindeutigen Anhaltspunkt, dass hier der (verlängerte?) Golf von Suez gemeint ist, doch er ist das nächste Gewässer, das nach dem Auszug erwähnt wird. Ähnlich auch die folgende Stelle:

  • Danach führte ich euch und eure Väter aus Ägypten. Und als ihr ans Meer kamt und die Ägypter euren Vätern nachjagten mit Wagen und Gespannen ans Schilfmeer“ (Jos 24,6).

In all diesen Texten wird auch deutlich, dass es sich nicht um einen See (limni), sondern um ein Meer (thalassa) handelt. Die Annahme, dass die Seen nördlich des Suez damals mit dem Roten Meer verbunden waren hat etwas in sich.

 

Auch im Neuen Testament wird einige male auf die Geschichte vom Durchzug durchs Rote Meer Bezug genommen und an zwei Stellen wird in Anlehnung an die LXX dieses Meer (gr. ἐρυθρὰν θάλασσαν) `Rotes Meer` genannt.

  • Apg 7,36 „οὗτοςἐξήγαγεναὐτοὺςποιήσαςτέρατακαὶσημεῖαἐνγῇΑἰγύπτῳκαὶἐνἐρυθρᾷ θαλάσσῃ καὶ ἐν τῇ ἐρήμῳ ἔτη τεσσεράκοντα. „Dieser (Mose) führte sie heraus und tat Wunder und Zeichen im Land Ägypten, am Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre.
  • Hebr 11,29 „Πίστειδιέβησαντὴνἐρυθρὰν θάλασσαν ὡς διὰ ξηρᾶς γῆς, ἧς πεῖραν λαβόντες οἱ Αἰγύπτιοι κατεπόθησαν.“ „Duch den Glauben durchzogen sie das Rote Meer wie durch trockenes Land, was die Ägypter auch versuchten und ertranken.

Im Korintherbrief nimmt Paulus Bezug auf den Durchzug durchs (Rote) Meer:

  • Denn ich will nicht, dass ihr in Unkenntnis darüber seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer (thalassa) hindurchgegangen sind.und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden“ (1Kor 10,1-2).

Sowohl Stefanus als auch Paulus und der Hebräerbriefschreiber sprechen mit einer Selbstverständlichkeit von dem Durchzug Israels durch das Meer (Rotes Meer), jedoch ohne irgendwelchen Hinweiss zur Lokalität des Durchzuges zu machen.

 

In 2Mose 10,19 lesen wir: „καὶ μετέβαλεν κύριος ἄνεμον ἀπὸ θαλάσσης σφοδρόν καὶ ἀνέλαβεν τὴν ἀκρίδα καὶ ἐνέβαλεν αὐτὴν εἰς τὴν ἐρυθρὰν θάλασσαν καὶ οὐχ ὑπελείφθη ἀκρὶς μία ἐν πάσῃ γῇ αἰγύπτου“- „Da wendete der HERR den Wind, sodass er sehr stark aus Westen kam; der hob die Heuschrecken auf und warf sie ins Schilfmeer, dass nicht eine übrig blieb in ganz Ägypten.“

Hier wird beschrieben wie der Herr einen starken Wind vom Meer kommen ließ (gemeint ist in der LXX wahrscheinlich das Mittelmeer) der alle Heuschrecken aufhob und ins Rote Meer warf. Es kann sich also um einen sehr starken NW Wind gehandelt haben.der die Heuschrecken in Richtung Südost wegblies, also in den Golf von Suez.

 

Die Einwohner von Jericho haben es damals auch mitbekommen „wie der HERR das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt“ (Josua 2,10).

 

Weitere Stellen, die vom Schilfmeer (Golf von Suez?) sprechen: Nehemia 9,9; Ps 106,7; Ps 106,9; Ps 106,22; Ps 136,13; Ps 136,15.

Damit kann festgehalten werden, dass beide Arme des Roten Meeres (Golf von Suez und Golf von Agaba) in der Bibel die gleiche Bezeichnung haben und daher lässt sich nur im Kontext feststellen, ob es sich um den Golf von Agaba oder den Golf von Suez handelt.

 

5. Die Reiserouten der Istaeliten

 

Die gesamte Route der Israeliten von Ägypten bis Kanaan kann in sechs unterschiedliche Etappen eingeteilt werden:

  1. Von Goschen bis zum Schilfmeer (diese Etappe dauerte nur enige Tage).
  2. Vom Schilfmeer bis zum Berg Sinai (diese Etappe dauerte etwa 44/45 Tage).
  3. Vom Berg Sinai bis Kadesch Barnea (diese Etappe dauerte etwa zweieinhalb Monate).
  4. Von Kadesch Barnea bis Kadesch Barnea (diese Etappe dauerte etwa achtunddreißig Jahre).
  5. Von Kadesch Barnea bis zum Jordantal (diese Etappe dauerte etwa acht Monate).
  6. Vom Jordfantal der Moabiter bis Gilgal bei Jerico (diese letzte Etappe dauerte knapp eine Woche).

 

Der Herr selbst befahl Mose die Wanderrouten der Israeliten nach deren Lagerplätzen aufzuschreiben.

  • Und Mose schrieb auf nach dem Befehl des HERRN ihre Wanderungen nach ihren Lagerplätzen. Dies sind ihre Lagerplätze auf ihren Wanderungen“ (4Mose 33,2ff).

5.1. Erste Etappe: Goschen (Ägypten) – Schilfmeer

Der Auszug geschah am 15. Abib/Nisan (das jüdische Kalenderjahr beginnt mit dem 1. Monat Abib. Dies entspricht in etwa unserem Ende März/Anfang April).

  • Sie zogen aus von Ramses am fünfzehnten Tag des ersten Monats, dem zweiten Tage des Passa, durch eine starke Hand, dass es alle Ägypter sahen“ (2Mose 12,2).

Der Auszug der Israeliten erfolgte aus der Stadt Ramses ´Pi Ramese´ – Stadt des Ramses. Diese Stadt war eine der Vorratsstädten, welche die Kinder Israel dem Pharao ausbauten. Sie lag, so die vorläufigen Ergebnisse der Forschung, im süd/östlichen Nildelta und geht auf das Jahr 1278 v. u. Z. zurück (Wikipedia). Von hier aus startete Mose mit den Israeliten, die im Stadtgebiet und Umgebung wohnten. Weil auch in 2Mose 13,20 als Ausgangort ´Sukkot´ erwähnt wird, könnte man annehmen, dass die Israeliten, welche in der Gegend oder Stadt Sukkot wohnten und arbeiteten, sich hier dem Hauptzug der von Ramses kommenden Israeliten anschlossen und somit ab hier das gesamte Volk aufbrach.

  • Und es geschah, als der Pharao das Volk ziehen ließ, führte Gott sie nicht den Weg durch das Land der Philister, obwohl er der nächste war. Denn Gott sagte: Damit es das Volk nicht gereut, wenn sie Kampf vor sich sehen, und sie nicht nach Ägypten zurückkehren (gr. αποατρεψη)“ (2Mose 13,17 Elbf Üs).

Die sogenannte Via Maris führte von Unterägypten in Richtung NO entlang des Mittelmeeres durch das Gebiet der Philister. Dies wäre auch die kürzeste Strecke gewesen – 350-400 km bis Hebron.

Als die Israeliten von Ramses auszogen, lagerten sie sich in Sukkot (2Mose 12,37) und sie machten hier Halt. Dann zogen sie aus „von Sukkot und lagerten sich in Etam, das am Rande der Wüste liegt.  „ἐξάραντες δὲ οἱ υἱοὶ Ισραηλ ἐκ Σοκχωθ ἐστρατοπέδευσαν ἐν Οθομ παρὰ τὴν ἐρημον“ (2Mose 13,20). Bis Etam war wohl noch mehr oder weniger bewohntes Gebiet (wahrscheinlich Weideland), denn erst von hier an begann der Übergang zur Wüste. Ein neuer Wanderabschnitt für die Israeliten, der Vertrauen erforderte.

  • Darum ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer – „καὶ ἐκύκλωσεν ὁ θεὸς τὸν λαὸν ὁδὸν τὴν εἰς τὴν ἐρημον εἰς τὴν ἐρυθρὰν θάλασσαν“ (2Mose 13,18 LXX).

Die gr. Bezeichnung der Routenänderung (ἐκύκλωσεν) kann folgende Bedeutungen haben: ´umgehen´, ´umrunden´, ´um (ein Gebiet) herumziehen´, ´einen Umweg machen´, ´von der Route abzweigen´ (vgl. 4Mose 21,4; 5Mose 2,1; Ri 11,18). Die kürzere Route über das Philisterland kam auch deswegen nicht in Frage, weil Gott dem Mose am Dornbusch zugesagt hatte: „… Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.“ Und dieser Berg (Horeb) befand sich nicht auf dem Weg durch das Philisterland, sondern wie schon im Abschnitt B dargelegt, im näheren Umfeld des Landes Midian, welches im Osten der Arawasenke lag. Gott führte das Volk auch nicht den direkten Weg (übliche Karawanenroute) nach Osten, sondern einen nicht gebahnten Weg durch die Wüste (Ps 107,4-9; eh 9,19). Die Karawanenroute nach Midian kannte Mose. Bei dieser Routenvariante hätte das Volk keine Wolken- und Feuersäule benötigt. Gott wollte das Volk einen Umweg nehmen lassen, damit sie ihre Abhängigkeit von ihm lernten und ihm durch die sichtbare Gegenwart (Wolken- und Feuersäule) folgten. Gott wollte Israel also einen für sie unbekannten Weg führen, damit sie lernten Gottes Führung zu vertrauen und Mose zu gehorchen (2Mose 14,31). Die Vormulierung „Gott führte das Volk einen Umweg“ bezieht sich zunächst auf die erste Etappe, aber auch auf die gesamte Wanderroute. Aus dem Text geht hervor, dass die Routenänderung bei Etam angeordnet wurde. Etam lag am westlichen Rande der gleichnamigen Wüste, welche sich östlich des Schilfmeeres erstreckte (4Mose 33,8).

Als Gott dem Mose am brennenden Busch erschien (2Mose 3,18) gab er ihm Anweisung an Pharao in Bezug auf die Mindestentfernung vom Ausgangsort: „Danach sollst du mit den Ältesten Israels hineingehen zum König von Ägypten und zu ihm sagen: Der HERR, der Gott der Hebräer, ist uns erschienen. So lass uns nun gehen drei Tagereisen weit in die Wüste, dass wir opfern dem HERRN, unserm Gott.“ Mose hält sich an diese zeitliche Bemessung der Distanz, die unbedingt notwendig war, um nicht die Ägypter in ihrem eigenen Land durch einen Hebräischen Opferritus zu provozieren (2Mose 5,3; 8,22-23). Gut möglich, dass die Entfernung von ´drei Tagesreisen´ ausreichte, um von Goschen aus die östliche Landesgrenze Ägyptens zu überqueren.

Gott kennt das Herz des Pharao, er kennt dessen geographische und  topographische Kenntnisse ebenso gut wie sein strategisches Denken. Darum sagte der Herr zu Mose: „Rede zu den Israeliten und sprich, dass sie umkehren (ἀποστρέψαντες) und sich lagern bei Pi-Hahirot zwischen Migdol und dem Meer, vor Baal-Zefon; diesem gegenüber sollt ihr euch lagern. Der Pharao aber wird sagen von den Israeliten: Sie haben sich verirrt im Lande; die Wüste hat sie eingeschlossen.  Und ich will sein Herz verstocken, dass er ihnen nachjage, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin. – Und sie taten so.“ „λάλησον τοι̃ς υἱοι̃ς Ισραηλ καὶ ἀποστρέψαντες στρατοπεδευσάτωσαν ἀπέναντι τη̃ς ἐπαύλεως ἀνὰ μέσον Μαγδώλου καὶ ἀνὰ μέσον τη̃ς θαλάσσης ἐξ ἐναντίας Βεελσεπφων ἐνώπιον αὐτω̃ν στρατοπεδεύσεις ἐπὶ τη̃ς θαλάσσης“ (2Mose 14,1-2 – LXX). Der gr, Begriff  ´ἀποστρέψαντες´ wird in der Regel mit ´umkehren´ übersetzt (2Mose 13,17),  allerdings ist in diesem Textzusammenhang nicht gemeint zum Ausgangspunkt (nach Ägypten) zurückzukehren, wie auch die Stelle aus  1Mose 18,22 deutlich macht „καὶ ἀποστρέψαντες ἐκεῖθεν οἱ ἄνδρες ἦλθον εἰς σοδομα“ – und die Männer (Engel) kehrten um von dort und kamen nach Sodom“. Wahrscheinlich sind die Israeliten schon eine Wegstrecke in Richtung Osten auf der Karawanenroute nach Arabien unterwegs gewesen, eben am Beginn der Wüste Etam/Schur, als Gott ihnen die Umkehr befahl. Da jedoch die Richtungsänderung mit einem klaren Ziel verbunden war (Pi Hachirot am Schilfmeer) deshalb ging es hier nicht einfach um ein Umkehren in Richtung Ausgangspunkt, sondern den bereits beschrittenen Weg verlassen und in Richtung Süden ausweichen zum Westufer des damaligen Schilfmeeres.

Trotz oder gerade wegen der Staatstrauer (Tod aller Erstgeborener) ließ Pharao sich über den Verlauf der Wanderung der Israeliten auf dem Laufenden halten (2Mose 14,5). Und nicht nur dies, sondern er erfährt, dass das Volk geflohen war. Dies konnte man erkennen an:

  1. dem Verhalten der Israeliten, die alles mitnahmen, was ihnen gehörte an beweglicher Habe;
  2. Und darüber hinaus noch Wertgegenstände von ihren ägyptischen Nachbarn gefordert hatten.
  3. Möglich ist auch, dass die eigentliche Zielsetzung der Israeliten – auszuwandern (nicht mehr zurückzukehren) – auch bis zu ihm kam. So lesen wir in 2Mose 14,5: „Als es dem König von Ägypten angesagt wurde, dass das Volk geflohen war, wurde sein Herz verwandelt und das Herz seiner Großen gegen das Volk und sie sprachen: Warum haben wir das getan und haben Israel ziehen lassen, sodass sie uns nicht mehr dienen?“

Während am Hof des Pharao über das weitere Vorgehen beratschlagt wird, bringen seine Späher ungewöhnliche Informationen über die oben beschriebene Routenänderung der Israeliten. Diese überraschende Änderung der Route hat beim Pharao die Schlußfolgerung ausgelöst: „Sie haben sich im Lande verirrt“ und weil sie in eine Art Sackgasse gerieten, sagte er: „Die Wüste hat sie eingeschlossen“. Zu beachten ist auch, dass die Israeliten sich noch oder wieder auf ägyptischem Territorium befanden. Die Routenänderung (Umkehr mit neuer Zielangabe) muss also bei Etam erfolgt sein (2Mose 14,1-4).

  •  „Von Etam zogen sie aus und blieben in Pi-Hahirot[2], das vor Baal-Zefon[3] liegt, und lagerten sich vor Migdol (4Mose 33,7; vgl. 2Mose 14,2).

Obwohl es bis heute noch keine übereinstimmende Erkenntnis gibt, wo genau der Durchzug der Israeliten stattfand, spricht doch einiges für den Bereich des heutigen Bittersee oder Timsahsee, welche aller wahrscheinlichkeit  nach im Altertum mit dem heutigen Golf von Suez verbunden waren (Heinrich Graetz). „Die Söhne Israel aber waren auf trockenem Land mitten durch das Meer gegangen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken gewesen. So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter, und Israel sah die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen“ (2Mose 14,29-30).

Es ist hier nicht das Anliegen, die Details des Durchzugs zu kommentieren. Am östlichen Ufer des Schilfmeeres lagerte sich Israel. Es konnte durchaus zwei bis drei Tage gedauert haben, bis sie weiterzogen, denn nun hatten sie keine Eile mehr. Freude und Dankbarkeit erfüllte das Lager und es wurden zu Gottes Ehren Loblieder gesungen.

 

Tabelle der Lagerplätze während der ersten Etappe

 

Zeitangabe Ortsangabe Ortsangabe Textstelle
15. Abib/Nisan Goschen/Ramses Goschen/Ramses 2Mose 12,2
Sukkot Sukkot 2Mose 12,37
Etam Etam am Rande der Wüste 2Mose 13,20
Zug durch die Wüste zum Meer 2Mose 13,18
Pi-Hahirot bei Migdol gegenüber von Baal Zephon Pi-Hahirot bei Migdol gegenüber von Baal Zephon 2Mose 14,2; 4Mose 33,7
Schilfmeer Schilfmeer 2Mose 14,14ff

 

5.2 Zweite Etappe: Schilfmeer – Horeb/Sinai

Auf der Ostseite des Schilfmeeres lagerten die Israeliten, dankten Gott, lobten ihn für die wunderbare Errettung, die Frauen sangen unter der Führung von Miriam im Reigentanz zu seiner Ehre. „Als nun Israel die große Macht sah, die der HERR an den Ägyptern ausgeübt hatte, da fürchtete das Volk den HERRN, und sie glaubten an den HERRN und an seinen Knecht Mose“ (2Mose 14,31). In 4Mose 33,8 lesen wir die Kurzfassung des Durchzugs:

  • Von Pi-Hahirot zogen sie aus und gingen mitten durchs Meer in die Wüste und zogen drei Tagereisen in der Wüste (Etam/Schur) und lagerten sich in Mara“ (bitteres Wasser) vgl. mit 2Mose 14,22). „καὶ διέβησαν μέσον τῆς θαλάσσης εἰς τὴν ἔρημον καὶ ἐπορεύθησαν ὁδὸν τριῶν ἡμερῶν διὰ τῆς ἐρήμου αὐτοὶ καὶ παρενέβαλον ἐν πικρίαις“ (4Mose 33,8 LXX).

Hier muss vermerkt werden, dass nach 4Mose 33,8 (Elf. Üs) östlich des Schilfmeeres die Wüste Etam begann, in 2Mose 15,22 (Elf. Üs und LXX) steht „Wüste Schur“. Es kann also sein, dass beide Bezeichnungen für die gleiche Wüste verwendet wurden, denn aus ägyptischer Perspektive konnte diese Wüste Etam heißen, aus kanaanitischer Perspektive jedoch Schur wie folgender Text nahe legt: „Und sie (die Ismaeliten) wohnten von Hawila an bis nach Schur östlich von Ägypten“ (1Mose 25,18; vgl. dazu auch 1Mose 16,7; 20,1). Die Wüste Schur erstreckte sich also östlich des heutigen Suezkanals und zog sich vermutlich bis zum Bach Ägypten (El Arisch), dort schloss sich die Wüste Paran an. In 4Mose 33,9 wird dieser Dreitagewegabschnitt mit folgenden Worten beschrieben: „Mose ließ Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zu der Wüste Schur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser“ (4Mose 33,9; vgl. 2Mose 15,22). Der Text legt nahe, dass die Israeliten nicht am Schilfmeer entlang Richtung Süden zogen, sondern „hinaus in die Wüste, oder hinein in die Wüste“ also in Richtung Osten. Mara war kein Ort, sondern diese Bezeichnung bekam der Lagerplatz wegen der bitteren Wasserquelle (2Mose 15,23). Mara lag also in der Wüste Schur. Nach dem Durchzug durchs Schilfmeer zogen die Israeliten  hochmotiviert in die Wüste hinein, immer der Wolken,- und Feuersäule nach – es war also keine bekannte Karawanenstrasse, die sie in diesem Abschnitt zogen. Auf dieser Seite des Meeres brauchten sie sich auch nicht mehr zu fürchten, denn keiner jagte ihnen mehr nach. Es heißt im Text, dass das Volk in Mara lagerte, doch die Wasserquelle war ungenießbar, sehr bitter. „Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken“ (2Mose 15,24)? Zum zweitenmal murrt das Volk und diese Art ihre Unzufriedenheit auszudrücken werden sie noch öfters wiederholen. Diese Reaktion auf die ungünstigen Umstände drückt ihren Unglauben, ja Misstrauen gegen Gott aus. Nachdem Mose durch göttliche Anweisung die Quelle mit Hilfe eines bestimmten Holzes, das Gott ihm gezeigt hatte, trinkbar gemacht hatte, konnten die Israeliten dort ausruhen, ihre Wasservorräte auffüllen und schließlich weiterziehen. „Dort gab er ihnen Gesetz und Recht und versuchte (prüfte) sie und sprach: Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der HERR, dein Arzt (2Mose 15,25b-27).

  •  „Von Mara zogen sie aus und kamen nach Elim; da waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmen und sie lagerten sich dort“ (4Mose 33,9;  vgl. mit 2Mose 15,27)

Auch die Oase Elim lag in der Wüste. Für die Etappe Mara – Elim können wir ebenfalls drei Tagereisen ansetzen. Die zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume können auch als symbolische Hinweise auf die zwölf Stämme Israels und ihre siebzig späteren Ältesten bezogen werden. Die Lage dieser Oase ist nicht leicht zu ermitteln, doch eine Wüstenoase wird immer in einer Niederung, einer Senke gebildet, oder sie ist von Bergen umgeben unterhalb derer sich Wasserguellen bilden. Eine Oase kann auch in einem Wadi entstehen, in dem nach den winterlichen Regenfällen genug Grundwasser gespeichert wird. In Elim handelte es sich nämlich um naturquellen (gr. πηγαι – pegai), nicht um von Menschen gegrabene Brunnen gr. φρέατα – freata). In dieser natürlichen Oase machten die Israeliten Rast, erholten sich von den Strapazen der mehrtätigen Wanderung, füllten ihre Wasservorräte auf und zogen weiter.

  • Von Elim zogen sie aus und lagerten sich am Schilfmeer“ (4Mose 33,10).

Entsprechend dieser Alternativroute, die weiter nach Osten verlief, kamen sie nun nach weiteren Tagereisen am Schilfmeer (Golf von Agaba) an. Im Abschnitt ´D´ konnte festgestellt werden, dass mit der Bezeichnung ´Schilfmeer´ häufig der heutige Golf von Agaba gemeint ist. Der Lagerplatz könnte demnach am Nordufer des Golfes bei Elat (Ezion Geber 1Kön 9,26) gesucht werden (auf ihren Wanderungen werden sie noch einige Male in dieser Gegend vorbeikommen, bzw. lagern – 4Mose 14,25; 5Mose 2,8). Auch diese Etappe könnte mit drei Tagereisen bemessen werden. Es sei denn, dass es zwischen Elim und dem Schilfmeer eine weitere, im Text nicht genannte, Station gab. Die Distanz vom Ostufer der südlichen Seen (Bittersee und Timsahsee) am heutigen Suezkanal bis zum Nordende des Golfes von Agaba beträgt etwa 220 km Luftlinie. Da angenommenwerden muss, dass die Israeliten nicht immer auf einer geraden Strecke wandern konnten, erhöht sich diese Distanz noch mehr. Entweder gab es auf dieser Wegstrecke

  1. noch weitere nicht genannte Rastplätze,
  2. oder die Tagesetappen waren größer als 70 km,
  3. oder sie gingen auch nachts, was durch die Aussage in Nehenia 9,19 als reale Möglichkeit angenommen werden kann, denn dort heißt es:
    • „… Verließest du sie doch nicht in der Wüste nach deiner großen Barmherzigkeit, und die Wolkensäule wich nicht von ihnen am Tage, um sie auf dem Wege zu führen, noch die Feuersäule in der Nacht, um ihnen auf dem Wege zu leuchten, den sie zogen.“ Der nächtliche Durchzug durch das Schilfmeer (2Mose 13,22) und der Text in 4Mose 14,14b „und dass du, HERR, vor ihnen hergehst in der Wolkensäule am Tage und in der Feuersäule bei Nacht“, bestätigen die Variante der Wanderung auch bei Nacht. So konnten sie durchaus die weite Distanz durch den mittleren Sinai in drei Dreitag/nacht-Etappen geschafft haben.

Hier am Nord und Ostufer des Golfes von Agaba konnten die Israeliten Rast machen, da es ausreichend Süßwasserquellen gab. Wenn sie bis jetzt auf ungebahntem Weg durch die weite Wüste gegangen waren, so mussten sie hier auf eine Karawanenkreuzung gekommen sein.

 

  • Vom Schilfmeer zogen sie aus und lagerten sich in der Wüste Sin(4Mose 33,11).

Der Parallelbericht in 2Mose 16 nennt die Station am Schilfmeer nicht, macht aber die Bemerkung, dass die Wüste Sin zwischen Elim und Sinai sich erstreckt, dort lesen wir: „Von Elim zogen sie aus und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie von Ägypten ausgezogen waren“  (2Mose 16,1). Seit dem Auszug ist ein Monat vergangen. Hier in der Wüste Sin gingen den Israeliten die letzten Vorräte an Brot aus, denn nach ihrem Murren gab Gott ihnen das Manna und dazu auch noch Fleisch (2Mose 16,1ff). Dieser Ort oder Rastplatz in der „Wüste Sin“ bekommt keinen Namen, dafür jedoch sowohl eine inhaltliche (Massa und Meriba) als auch eine zeitliche Markierung.

Der inhaltliche Aspekt:

Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich’s prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht“ (2Mose 16,2-4). Wir stellen hier fest, dass die Israeliten schon zum dritten Mal ihre Unzufriedenheit durch Murren ausdrücken – es drückt ihren Mangel an Glauben und Gottvertrauen aus. Aber Gott kannte ihren Bedürfnisse und gab ihnen das Manna (Brot vom Himmel) vierzig Jahre lang. Erst in Gilgal (Kanaan) hörte das Manna auf (Josua 5,12). Wieder wird im Text betont, dass Gott das Volk Israel durch diese Situation prüft. Die Zugabe an Fleisch durch die Wachteln sollte sich im darauffolgenden Jahr wiederholen (4Mose 11,31). Es handelte sich dabei um Zugvögel, die um diese Frühlingszeit (Ende April/Anfang Mai) von Afrika aus in den nördlichen Sommer unterwegs waren. „Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu1? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat“ (2Mose 16,13-15). Im Zusammenhang der sogenannten Brotrede in der Synagoge von Kapernaum bestätigt Jesus dieses dieses Wüstenerlebnis und deutet es auf sich, das wahre Brot vom Himmel (Joh 6,32).

 

Der zeitliche und räumliche Aspekt:

Wie weit konnten also die Israeliten in einem Monat (29-30 Tage) gekommen sein? Die Wüste Sin (nicht zu verwechseln mit der Wüste Zin (die in der LXX die gleiche Schreibweise hat) lag also zwischen Elim und der Wüste Sinai. Sie lag hinter (nach) dem Rastplatz am Schilfmeer. Ausgehend von dieser Alternativroute könnte sie in nordöstlicher, östlicher oder südöstlicher Richtung von Agaba gesucht werden. Östlich von Agaba auf einem Hochplateau (800 Meter über dem Meeresspiegel) erstreckt sich die Sandwüste des Wadi Rum (100×60 km), die von zahlreichen Felsen und Bergen durchsetzt ist und hier gibt es genug Wasserquellen. Beachten wir, dass sich die Israeliten in der Wüste Sin nicht über Wassermangel beklagen, sondern über den Mangel an Brot. Wir wissen, dass zum überleben Wasser wichtiger ist als Brot. Also muss es in dieser Wüste Wasser gegeben haben. Und diese Wüste muss sich in Reichweite der Zugvögel-Route (Rotes Meer-Araba-Jordantal) befunden haben, was laut dem Kontext der Fall war. Auch in Richtung Südosten von Agaba erstreckt sich auf einer Hochebene eine weite Wüstenlandschaft, die sich im heutigen Grenzgebiet zwischen Jordanien und Saudiarabien erstreckt.

Vom Auszug aus Ägypten am 15. Tag des ersten Monats bis zum Rastplatz in der Wüste Sin (15. Tag des zweiten Monats) ist ein Monat (29-30 Tage) vergangen. Nach vorläufiger und vorsichtiger Schätzung haben sie sich etwa 400 km von ihrem Ausgangsort entfernt.

  • Von der Wüste Sin zogen sie aus und lagerten sich in Dofka“ (4Mose 33,12). Zum Lagerplatz Dofka gibt es keine weiteren Hinweise im biblischen Text.
  • Von Dofka zogen sie aus und lagerten sich in Alusch“ (4Mose 33,13). Auch über diesen Ort geben uns biblische Texte keine weiteren Auskünfte.
  • Von Alusch zogen sie aus und lagerten sich in Refidim; dort hatte das Volk kein Wasser zu trinken“ (4Mose 33,14). Der Paralellbericht aus 2Mose 17,1-3 ergänzt:

Und die ganze Gemeinde der Israeliten zog aus der Wüste Sin weiter ihre Tagereisen, wie ihnen der HERR befahl, und sie lagerten sich in Refidim. Da hatte das Volk kein Wasser zu trinken. Und sie haderten mit Mose und sprachen: Gib uns Wasser, dass wir trinken. Mose sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir? Warum versucht ihr den HERRN? Als aber dort das Volk nach Wasser dürstete, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt“ (2Mose 17,1-4)? Es ist nun das vierte Mal, dass das Volk gegen Gott murrt. Dieser Ort wird daher Massa und Meriba genannt, weil das Volk dort gemurrt hatte.

 

Der Durst ist eine schreckliche körperliche Entbehrung. Erst hier in Refidim wird also ausdrücklich hervorgehoben, dass es kein Wasser zum Trinken gab, dagegen muss es an den vorherigen Rastplätzen (Dofka, Alusch) genügend Wasser gegeben haben.

Der Südroute (Wanderung der Israeliten über den Südsinai) entsprechend wird Refidim mit dem heutigen Wadi Feiran in Verbindung gebracht und betont, dass diese Oase damals besiedelt war und zwar von den Amalekitern. Doch im biblischen Bericht heißt es ausdrücklich, dass das Volk dort kein Wasser hatte. Demnach gab es dort weder eine Oase mit Ansiedlungen von Stämmen, noch ansässige Amalekiter, deren Stammesgebiet eher im südlichen Negev zu suchen ist. Refidim war also vorher keine Oase, sie wurde es möglicherweise durch das Wasser, welches nun aus oder unterhalb des Felsens herausfloss durch Gottes Eingreifen. „Mose schrie zum HERRN und sprach: Was soll ich mit dem Volk tun? Es fehlt nicht viel, so werden sie mich noch steinigen. Der HERR sprach zu ihm: Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und geh hin. Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel“ (2Mose 17,4-6). Dieser Felsen, aus dem Wasser hervosprudelte wird nun zu einem Hinweiss auf Christus, welcher im Neuen Testament als  `η πετρα – der Fels` bezeichnet wird, auf dem er seine Gemeinde baut und der schon damals das Volk in der Wüste geleitete (Mt 7,24; 16,18; 1Kor 10,4). In Refidim geschah noch etwas sehr Einschneidendes für Israel. Die Amalekiter verfolgten die Israeliten seit geraumer Zeit auf dem Weg durch die Wüste, wie Mose in seiner Erinnerung festhält: „Denke daran, was dir die Amalekiter taten auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zogt: wie sie dich unterwegs angriffen und deine Nachzügler erschlugen, alle die Schwachen, die hinter dir zurückgeblieben waren, als du müde und matt warst, und wie sie Gott nicht fürchteten“ (5Mose 25,17-19). Aber erst in Refidim überfielen sie Israel in einem offenen Kampf welchen die Israeliten unter der Führung Josuas und dem Gottvertrauen des Mose letztlich gewannen (2Mose 17,13).

Geographisch gesehen ist Refidimmit seinem Felsen in mittelbarer Nähe des Horeb und bildetedie letzte Station vor ihrem Ziel. In Refidim lagerten die Israeliten wohl mehrere Tage, bevor sie sich zu ihrer letzten Wegstrecke aufmachten.

  • Von Refidim zogen sie aus und lagerten sich in der Wüste Sinai (4Mose 33,15).

Refidim muss sich also noch in der Wüste Sin befunden haben, während der Lagerplatz am Sinai sich eindeutig in der Wüste Sinai befand. Vorstellbar wäre, dass Refidim an einer Seite (eventuell Westseite) des Gebirges Horeb gelegen hatte und die Sinaiwüste auf der anderen Seite (Ostseite?), wo der Zugang zum Berg oder auf den Berg geeigneter war.

Dafür gibt es folgende Begründungen: Erstens kamen die Israeliten vom Westen her und zweitens blickte die spätere Stiftshütte und auch der Tempel mit dem Eingang nach Osten hin, so könnte man ableiten, dass Gott sich vom Berge Horeb zum Volk in Richtung Osten wendete. Unterhalb vom heutigen Jebel Musa (Mosesberg) in Richtung Osten gibt es keine flache Wüstenebene, wo das Volk hätte lagern können. Dort sind nur steile und unzugängliche Abhänge, die das Lagern eines so großen Volkes unmöglich gemacht hätten. Nur im Nordwesten etwa 2-3 km weit unterhalb des niedrigeren Berges Safsafe gibt es eine Flache von hohen Bergen umgebene Ebene in etwa 1500 m Höhe. In den Wintermonaten Januar/Februar können die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt fallen, was für eine Überwinterung von so vielen Menschen an diesem Ort nicht einfach gewesen wäre. Auch ist von dieser Ebene aus, der sogenannte Mosesberg in 2285 m Höhe, gar nicht zu sehen, was jedoch in den biblischen Berichten deutlich hervorgehoben wird (z.B. 4Mose 3,38).

  • Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai.  Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach“ (2Mose 19,1-3).

Auf den Tag genau sechs Wochen waren die Israeliten unterwegs bis zum Berg Horeb. Hier blieben sie nun fast ein ganzes Jahr und hier schloss Gott  mit Israel den Bund. Hier wurde auf Befehl Gottes und nach genauen Anweisungen die Stiftshütte gebaut.

 

Lagerpätze der Israeliten während der zweiten Etappe

 

Nach drei Tagen Wüste Schur Wüste (Etam?) 2Mose 15,224Mose 33,8
Mara Mara 2Mose 15,22; 4Mose 33,8
Oase Elim Oase Elim 2Mose 15,274Mose 33,9
Schilfmeer (Golf v. Agaba?) 4Mose 33,10-11
15. Tag des zweiten Monats n. Auszug aus Äg. Ankunft in der Wüste Sin Wüste Sin 2Mose 16,14Mose 33,11
Dofka 4Mose 33,12
Alusch 4Mose 33,13
Refidim Refidim 2Mose 17,14Mose 33,14
Am 1. Tag des 3. Monats n.  Auszug aus Ägypten In der Wüste Sinai gegenüber dem Berge Horeb Wüste Sinai 2Mose 19,1-34Mose 33,15
 

[1] Die Annahme, dass mit dem Schilfmeer einer der Seen zwischen Suez und Port-Said gemeint wäre, macht bei der obigen Grenzbeschreibung aus 2Mose 23,31wenig Sinn, da es sich dort nur um einen kurzen Abschnitt handelt und auch in späterer Geschichte Israels niemals als Grenze zu Ägypten beschrieben wird.

5.3 Dritte Etappe: Berg Sinai – Kadesch Barnea

(4Mose 10,28-13,3; 1Kor 10,10-13)

In 4Mose 10,11-12 wird sozusagen der Ausgangspunkt und Endpunkt der Route vom Sinai bis Kadesch Barnea beschrieben:

  • Am zwanzigsten Tage im zweiten Monat des zweiten Jahres erhob sich die Wolke von der Wohnung des Gesetzes. Und die Israeliten brachen auf aus der Wüste Sinai und die Wolke machte Halt in der Wüste Paran.“

In 5Mose 33,2-3 beschreibt Mose gewissermaßen sprunghaft die Stationen der Gottesbegleitung vom Sinai bis Kadesch.

  • Er sprach: Der HERR ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet von Seïr her. Er ist erschienen vom Berge Paran her und ist gezogen nach Meribat-Kadesch; in seiner Rechten ist ein feuriges Gesetz für sie.“

Eine weitere Kurzfassung dieser Reiseetappe wird wie folgt besschrieben:

  • Da brachen wir auf vom Horeb und zogen durch die ganze Wüste, die groß und furchtbar ist, wie ihr gesehen habt, auf der Straße zum Gebirge der Amoriter, wie uns der HERR, unser Gott, geboten hatte, und kamen bis nach Kadesch-Barnea“ (5Mose 1,19).

Und in 4Mose 33 wird diese Wanderung mit der Nennung einiger weiterer Stationen und Ereignisse beschrieben:

  • Von der Wüste Sinai zogen sie aus und lagerten sich bei den Lustgräbern (4Mose 33,16).
  • So zogen sie von dem Berge des HERRN drei Tagereisen weit, und die Lade des Bundes des HERRN zog vor ihnen her die drei Tagereisen, um ihnen zu zeigen, wo sie ruhen sollten. Und die Wolke des HERRN war bei Tage über ihnen, wenn sie aus dem Lager zogen“ (4Mose 10,33-34).

Nach drei Tagen machten sie Halt, weil unter dem Volk einige anfingen zu murren, dass es ihnen so schlecht ginge. Gott versorgte sie mit Fleisch (Wachteln) und strafte sie, so dass viele vom Volk starben.

  • Daher heißt die Stätte »Lustgräber«, weil man dort das lüsterne Volk begrub.  Von den »Lustgräbern« aber zog das Volk weiter nach Hazerot und sie blieben in Hazerot“ (4Mose 11,34-35; 4Mose 33,17).

In Hazerot machten Miriam und Aaron einen Aufstand gegen Mose mit der Folge, dass Miriam aussätzig wurde. Da blieb die Gemeinde Israel mindestens sieben Tage, bis Miriam wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden konnte.

  • So wurde Mirjam sieben Tage abgesondert außerhalb des Lagers. Und das Volk zog nicht weiter, bis Mirjam wieder aufgenommen wurde.“
  • Von Hazerot zogen sie aus und lagerten sich in Ritma“ (4Mose 33,18).
  • Danach brach das Volk von Hazerot auf und lagerte sich in der Wüste Paran“ (4Mose 33,18; 4Mose 12,15-16).

Auf dem Weg nach Kadesch durchzogen oder umgingen die Israeliten Edom, denn so wird es angedeutet in 5Mose 33,2-3:

  • Er sprach: Der HERR ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet von Seïr her. Er ist erschienen vom Berge Paran her und ist gezogen nach Meribat-Kadesch.

Das heißt, dass zwischen Sinai und Kadesch lagen auf ihrer Wanderroute das Gebirge Seir, danach der Berg Paran (in der Wüste Paran) danach kamen sie nach Kadesch. Kadesch Barnea lag wahrscheinlich am nördlichen Rand der Wüste Paran.

Nach 4Mose 13,20 sandte Mose die Kundschafter aus zur Zeit der frühen Weinlese.

  • Es war aber eben um die Zeit der ersten Weintrauben“.

Somit lässt sich eine ungefähre Wanderzeit der Israeliten vom Horeb bis Kadesch Barnea ausrechnen. Aufbruch vom Horeb am zwanzigsten Tag des zweiten Monats (av Mitte Mai) Beginn der frühen Traubenernte etwa Mitte Juli, das ergäbe eine Wanderzeit von etwa acht Wochen (sechsundfünfzig  Tage) einschließlich der Aufenthalte.

Von hier sandte Mose auf Anordnung Gottes zwölf Kundschafter aus, um das Land Kanaan zu erkunden.

 

Tabelle der Lagerplätze während der dritten Etappe

 

20. Tag des 2. Monats im 2. Jahr n. Ausz. aus Äg. Aufbruch vom Horeb Nach Kadesch Barnea 5Mose 33,2-3
Drei Tagereisen in der Wüste Sinai 4Mose 10,33-34
Tabeera – Feuer bricht aus 4Mose 11,3
Lustgräber – das Volk murrt, die Strafe-folgt Lustgräber 4Mose 11,4-344Mose 33,16
7 Tage Aufenthalt HazerotMiriam wird aussätzig Hazerot 4Mose 11,34-354Mose 33,17
Gebirge Seir 5Mose 33,2-3
Wüste Paran 4Mose 12,164Mose 33,18
Berg Paran 5Mose 33,2-3
Zur Zeit der frühen Traubenernte – ab Mitte Juli Meribat-Kadesch Ritma 5Mose 33,2-34Mose 33,18
Aufenthalt in Kadesch etwa 2 Monate Aussendung der Kundschafter

 

Fragen:

    1. Wann brachen die Israeliten vom Berg Horeb auf?
    2. Wie lange dauerte die Wanderung der Israeliten vom Horeb bis nach Kadesch Barnea?
    3. Welche beiden Berge oder Bergregionen werden auf dieser Reiseetappe ausdrücklich erwähnt?
    4. Wie wird die große Wüste, welche die Israeliten durchquerten charakterisiert?
    5. Welche Ereignisse werden uns auf dieser Etappe beschrieben und mit welchen Konsegquenzen/Folgen?
    6. Wo lag der Ort, oder die Gegend von Kadesch Barnea?
    7. Warum hat Kadesch eine so große Bedeutung in der Geschichte Israels?

 

4Mose 13,1-33 -5Aussendung und Rückkehr der Kundschafter

1Und der HERR redete mit Mose und sprach:

Sende Männer aus, die das Land Kanaan erkunden, das ich den Israeliten geben will, aus jedem Stamm ihrer Väter je einen Mann, lauter Älteste.

Da entsandte Mose aus der Wüste Paran nach dem Wort des HERRN lauter Männer, die Häupter waren unter den Israeliten.

Und sie hießen: Schammua, der Sohn Sakkurs, vom Stamme Ruben;

Schafat, der Sohn Horis, vom Stamme Simeon;

Kaleb, der Sohn Jefunnes, vom Stamme Juda;

Jigal, der Sohn Josefs, vom Stamme Issachar;

Hoschea, der Sohn Nuns, vom Stamme Ephraim;

Palti, der Sohn Rafus, vom Stamme Benjamin;

10 Gaddiël, der Sohn Sodis, vom Stamme Sebulon;

11 Gaddi, der Sohn Susis, vom Stamme Josef, von Manasse;

12 Ammiël, der Sohn Gemallis, vom Stamme Dan;

13 Setur, der Sohn Michaels, vom Stamme Asser;

14 Nachbi, der Sohn Wofsis, vom Stamme Naftali;

15 Gëuël, der Sohn Machis, vom Stamme Gad.

16 Das sind die Namen der Männer, die Mose aussandte, um das Land zu erkunden. Aber Hoschea, den Sohn Nuns, nannte Mose Josua.

17 Als sie nun Mose aussandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Zieht da hinauf ins Südland und geht auf das Gebirge

18 und seht euch das Land an, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist;

19 und was es für ein Land ist, darin sie wohnen, ob’s gut oder schlecht ist; und was es für Städte sind, in denen sie wohnen, ob sie in Zeltdörfern oder festen Städten wohnen;

20 und wie der Boden ist, ob fett oder mager, und ob Bäume da sind oder nicht. Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes. Es war aber eben um die Zeit der ersten Weintrauben.

21 Und sie gingen hinauf und erkundeten das Land von der Wüste Zin bis nach Rehob, von wo man nach Hamat geht.

22 Sie gingen hinauf ins Südland und kamen bis nach Hebron; da lebten Ahiman, Scheschai und Talmai, die Söhne Anaks. Hebron aber war erbaut worden sieben Jahre vor Zoan in Ägypten.

23 Und sie kamen bis an den Bach Eschkol und schnitten dort eine Rebe ab mit „einer“ Weintraube und trugen sie zu zweien auf einer Stange, dazu auch Granatäpfel und Feigen.

24 Der Ort heißt Bach Eschkol2 nach der Traube, die die Israeliten dort abgeschnitten hatten.

25 Und nach vierzig Tagen, als sie das Land erkundet hatten, kehrten sie um,

26 gingen hin und kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Israeliten in die Wüste Paran nach Kadesch und brachten ihnen und der ganzen Gemeinde Kunde, wie es stand, und ließen sie die Früchte des Landes sehen.

27 Und sie erzählten ihnen und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, in das ihr uns sandtet; es fließt wirklich Milch und Honig darin und dies sind seine Früchte.

28 Aber stark ist das Volk, das darin wohnt, und die Städte sind befestigt und sehr groß; und wir sahen dort auch Anaks Söhne.

29 Es wohnen die Amalekiter im Südland, die Hetiter und Jebusiter und Amoriter wohnen auf dem Gebirge, die Kanaaniter aber wohnen am Meer und am Jordan.

30 Kaleb aber beschwichtigte das Volk, das gegen Mose murrte, und sprach: Lasst uns hinaufziehen und das Land einnehmen, denn wir können es überwältigen.

31 Aber die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, sprachen: Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dies Volk, denn sie sind uns zu stark.

32 Und sie brachten über das Land, das sie erkundet hatten, ein böses Gerücht auf unter den Israeliten und sprachen: Das Land, durch das wir gegangen sind, um es zu erkunden, frisst seine Bewohner und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von großer Länge.

33 Wir sahen dort auch Riesen, Anaks Söhne aus dem Geschlecht der Riesen, und wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen.

 

4Mose 14,1-45

Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie, und das Volk weinte die ganze Nacht.

2 Und alle Israeliten murrten gegen Mose und Aaron und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir in Ägyptenland gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben!

3 Warum führt uns der HERR in dies Land, damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere Kinder ein Raub werden? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten?

4 Und einer sprach zu dem andern: Lasst uns einen Hauptmann über uns setzen und wieder nach Ägypten ziehen!

5 Mose aber und Aaron fielen auf ihr Angesicht vor der ganzen Versammlung der Gemeinde der Israeliten.

6 Und Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jefunnes, die auch das Land erkundet hatten, zerrissen ihre Kleider

7 und sprachen zu der ganzen Gemeinde der Israeliten: Das Land, das wir durchzogen haben, um es zu erkunden, ist sehr gut.

8 Wenn der HERR uns gnädig ist, so wird er uns in dies Land bringen und es uns geben, ein Land, darin Milch und Honig fließt.

9 Fallt nur nicht ab vom HERRN und fürchtet euch vor dem Volk dieses Landes nicht, denn wir wollen sie wie Brot auffressen. Es ist ihr Schutz von ihnen gewichen, der HERR aber ist mit uns. Fürchtet euch nicht vor ihnen!

10 Aber das ganze Volk sprach, man sollte sie steinigen. Da erschien die Herrlichkeit des HERRN über der Stiftshütte allen Israeliten.

11 Und der HERR sprach zu Mose: Wie lange lästert mich dies Volk? Und wie lange wollen sie nicht an mich glauben trotz all der Zeichen, die ich unter ihnen getan habe?

12 Ich will sie mit der Pest schlagen und sie vertilgen und dich zu einem größeren und mächtigeren Volk machen als dieses.

13 Mose aber sprach zu dem HERRN: Dann werden’s die Ägypter hören; denn du hast dies Volk mit deiner Kraft aus ihrer Mitte herausgeführt.

14 Auch wird man es sagen zu den Bewohnern dieses Landes, die da gehört haben, dass du, HERR, unter diesem Volk bist, dass du von Angesicht gesehen wirst und deine Wolke über ihnen steht und dass du, HERR, vor ihnen hergehst in der Wolkensäule am Tage und in der Feuersäule bei Nacht.

15 Würdest du nun dies Volk töten wie „einen“ Mann, so würden die Völker, die solch ein Gerücht über dich hören, sagen:

16 Der HERR vermochte es nicht, dies Volk in das Land zu bringen, das er ihnen zu geben geschworen hatte; darum hat er sie hingeschlachtet in der Wüste.

17 So lass nun deine Kraft, o Herr, groß werden, wie du gesagt hast:

18 »Der HERR ist geduldig und von großer Barmherzigkeit und vergibt Missetat und Übertretung, aber er lässt niemand ungestraft, sondern sucht heim die Missetat der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.«

19 So vergib nun die Missetat dieses Volks nach deiner großen Barmherzigkeit, wie du auch diesem Volk vergeben hast von Ägypten an bis hierher.

20 Und der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast.

21 Aber so wahr ich lebe und alle Welt der Herrlichkeit des HERRN voll werden soll:

22 Alle die Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in Ägypten und in der Wüste, und mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben,

23 von denen soll keiner das Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe; auch keiner soll es sehen, der mich gelästert hat.

24 Nur meinen Knecht Kaleb, weil ein anderer Geist in ihm ist und er mir treu nachgefolgt ist, den will ich in das Land bringen, in das er gekommen ist, und seine Nachkommen sollen es einnehmen,

25 während die Amalekiter und Kanaaniter in der Ebene wohnen bleiben. Morgen wendet euch und zieht in die Wüste auf dem Wege zum Schilfmeer!

26 Und der HERR redete mit Mose und Aaron und sprach:

27 Wie lange murrt diese böse Gemeinde gegen mich? Ich habe das Murren der Israeliten, womit sie gegen mich gemurrt haben, gehört.

28 Darum sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der HERR: ich will mit euch tun, wie ihr vor meinen Ohren gesagt habt.

29 Eure Leiber sollen in dieser Wüste verfallen. Alle, die ihr gezählt seid von zwanzig Jahren an und darüber, die ihr gegen mich gemurrt habt,

30 wahrlich, ihr sollt nicht in das Land kommen, über das ich meine Hand zum Schwur erhoben habe, euch darin wohnen zu lassen, außer Kaleb, dem Sohn Jefunnes, und Josua, dem Sohn Nuns.

31 Eure Kinder aber, von denen ihr sagtet: Sie werden ein Raub sein, die will ich hineinbringen, dass sie das Land kennen lernen, das ihr verwerft.

32 Aber eure eigenen Leiber sollen in dieser Wüste verfallen.

33 Und eure Kinder sollen Hirten sein in der Wüste vierzig Jahre und eure Untreue tragen, bis eure Leiber aufgerieben sind in der Wüste.

34 Nach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt – je ein Tag soll ein Jahr gelten -, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf dass ihr innewerdet, was es sei, wenn ich die Hand abziehe.

35 Ich, der HERR, habe es gesagt und wahrlich, das will ich auch tun mit dieser ganzen bösen Gemeinde, die sich gegen mich empört hat. In dieser Wüste sollen sie aufgerieben werden und dort sterben.

36 So starben vor dem HERRN durch eine Plage alle die Männer, die Mose ausgesandt hatte, um das Land zu erkunden, und die zurückgekommen waren und die ganze Gemeinde gegen ihn zum Murren verleitet hatten,

37 dadurch dass sie über das Land ein böses Gerücht aufbrachten.

38 Aber Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jefunnes, blieben am Leben von den Männern, die gegangen waren, um das Land zu erkunden.

39 Als Mose diese Worte allen Israeliten sagte, da trauerte das Volk sehr.

40 Und sie machten sich früh am Morgen auf und zogen auf die Höhe des Gebirges und sprachen: Hier sind wir und wollen hinaufziehen in das Land, von dem der HERR geredet hat; denn wir haben gesündigt.

41 Mose aber sprach: Warum wollt ihr das Wort des HERRN übertreten? Es wird euch nicht gelingen.

42 Zieht nicht hinauf – denn der HERR ist nicht unter euch -, dass ihr nicht geschlagen werdet vor euren Feinden.

43 Denn die Amalekiter und Kanaaniter stehen euch dort gegenüber und ihr werdet durchs Schwert fallen, weil ihr euch vom HERRN abgekehrt habt, und der HERR wird nicht mit euch sein.

44 Aber sie waren so vermessen und zogen hinauf auf die Höhe des Gebirges; aber die Lade des Bundes des HERRN und Mose wichen nicht aus dem Lager.

45 Da kamen die Amalekiter und Kanaaniter, die auf dem Gebirge wohnten, herab und schlugen und zersprengten sie bis nach Horma.

 

Da kamen die Amalekiter und Kanaaniter, die auf dem Gebirge wohnten, herab und schlugen und zersprengten sie bis nach Horma“ (4Mose 14,45).

 

5.4 Vierte Etappe: Kadesch Barnea – Bach Sered

 

Bereits nach  eineinviertel Jahr hätte Israel mit der Landnahme beginnen können, doch nun sind sie verurteilt weitere 38 Jahre in der Wüste umherziehen.

 

Folgende Stationen und Ereignisse sind in den Texten aufgeführt:

Zunächst ordnet Gott an, dass das Volk umkehren soll und sich in Richtung Schilfmeer ziehen.

  • Morgen wendet euch und zieht in die Wüste auf dem Wege zum Schilfmeer“ (4Mose 14,25).

Hier in diesem Zusammenhang ist das Schilfmeer – Golf von Agaba gemeint, denn es wäre höchst ungewöhnlich, würde Gott das Volk zurück an die ägyptische Grenze (Golf von Suez) lenken. „αὔριον ἐπιστράφητε ὑμεῖς καὶ ἀπάρατε εἰς τὴν ἔρημον ὁδὸν θάλασσαν ἐρυθράν

  •  „Und sie machten sich früh am Morgen auf und zogen auf die Höhe des Gebirges und sprachen: Hier sind wir und wollen hinaufziehen in das Land, von dem der HERR geredet hat; denn wir haben gesündigt“ (4Mose 14,40; Vgl. 5Mose 1,41-42)
  • Als ihr nun wiederkamt und vor dem HERRN weintet, wollte der HERR eure Stimme nicht hören und neigte seine Ohren nicht zu euch. So bliebt ihr in Kadesch eine lange Zeit“ (5Mose 1,45-46).

Demnach sind die Israeliten nicht am nächsten Morgen aufgebrochen, wie der Herr ihnen geboten hatte, sondern sind nach der Niederlage noch lange in Kadesch Barnea geblieben.

 

  • Von Ritma zogen sie aus und lagerten sich in Rimmon-Perez“ (4Mose 33,19).

 

Lagerplätze der Israeliten von Ritma – Gebirge der Moabiter

 

Ritma 4Mose 33,18
Rimmon-Perez 4Mose 33,19
Libna 4Mose 33,20
Rissa 4Mose 33,21
Kehelata 4Mose 33,22
Gebirge Schefer 4Mose 33,23
Harada 4Mose 33,24
Makhelot 4Mose 33,25
Tahat 4Mose 33,26
Tarach 4Mose 33,27
Mitka 4Mose 33,28
Haschmona 4Mose 33,29
Moserot 4Mose 33,30
Bene-Jaakan 4Mose 33,31 Beerot-Bene-Jaakan 5Mose 10,6
Hor-Gidgad 4Mose 33,32 Moser (Aarons Tod) 5Mose 10,6
Gudgoda 5Mose 10,7
Jotbata 4Mose 33,33 Jotbata (Land mit vielen Wasserbächen) 5Mose 10,7
Abrona 4Mose 33,34  
Ezjon-Geber 4Mose 33,35  
Wüste Zin, das ist Kadesch 4Mose 33,36 Wüste Zin im ersten Monat (39 Jahres) Lagerplatz in KadeschMiriams Tod 4Mose 20,1
Berge HorAarons Tod 4Mose 33,37-39 Berg Hor[1]im 40. Jahr am ersten Tag des fünften Monats 4Mose 20,22-29
Zalmona 4Mose 33,41  
Punon 4Mose 33,42  
Obot 4Mose 33,43   4Mose 21,10
Ije-Abarim, im Gebiet der Moabiter 4Mose 33,44  
   
   
  •  „Von Hor-Gidgad zogen sie aus und lagerten sich in Jotbata“ (4Mose 33,33).
  • Von Jotbata zogen sie aus und lagerten sich in Abrona“ (4Mose 33,34).
  • Von Abrona zogen sie aus und lagerten sich in Ezjon-Geber“ (4Mose 33,35; 1Kön 9,26; 1Kön 22,49).
  • „Von Ezjon-Geber zogen sie aus und lagerten sich in der Wüste Zin, das ist Kadesch. (4Mo 20,1

36 Von Ezjon-Geber zogen sie aus und lagerten sich in der Wüste Zin, das ist Kadesch.

374Mose 33,36

 

  • Und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Zin im ersten Monat und das Volk lagerte sich in Kadesch. Und Mirjam starb dort und wurde dort begraben. Und die Gemeinde hatte kein Wasser, und sie versammelten sich gegen Mose und Aaron“ (4Mose 20,1-2).

 

Nun sind sie zum zweitenmal schon in Kadesch (Barnea) Seit ihrem ersten Aufenthalt hier sind bereits 38 Jahre vergangen.

 

  • Von Kadesch zogen sie aus und lagerten sich an dem Berge Hor, an der Grenze des Landes Edom“ (4Mose 33,37; 4Mo 20,22; 5Mo 34,1).

22 Und die Israeliten brachen auf von Kadesch und kamen mit der ganzen Gemeinde an den Berg Hor.

23 Und der HERR redete mit Mose und Aaron am Berge Hor an der Grenze des Landes der Edomiter und sprach:

24 Aaron soll versammelt werden zu seinen Vätern; denn er soll nicht in das Land kommen, das ich den Israeliten gegeben habe, weil ihr meinem Munde ungehorsam gewesen seid bei dem Haderwasser.

25 Nimm aber Aaron und seinen Sohn Eleasar und führe sie auf den Berg Hor

26

 

  • Da ging der Priester Aaron auf den Berg Hor nach dem Befehl des HERRN und starb dort im vierzigsten Jahr des Auszugs der Israeliten aus Ägyptenland am ersten Tag des fünften Monats als er hundertdreiundzwanzig Jahre alt war“ (4Mose 33,38-39),

 

4Mose 20,29 Und als die ganze Gemeinde sah, dass Aaron tot war, beweinten sie ihn dreißig Tage, das ganze Haus Israel.

40 Und der König der Kanaaniter zu Arad, der da wohnte im Süden des Landes Kanaan, hörte, dass die Israeliten kamen. (4Mo 21,1)

41 Und von dem Berge Hor zogen sie aus und lagerten sich in Zalmona.

42 Von Zalmona zogen sie aus und lagerten sich in Punon.

43 Von Punon zogen sie aus und lagerten sich in Obot. (4Mo 21,10)

44 Von Obot zogen sie aus und lagerten sich in Ije-Abarim, im Gebiet der Moabiter.

Richter 11,17-22

 

17 Da sandte Israel Boten zum König der Edomiter und sprach: Lass mich durch dein Land ziehen. Aber der König der Edomiter hörte nicht auf sie. Auch sandten sie zum König der Moabiter; der wollte auch nicht. So blieb Israel in Kadesch

18 und zog in der Wüste umher. Und sie umgingen das Land der Edomiter und Moabiter und kamen von Sonnenaufgang her an das Land der Moabiter und lagerten sich jenseits des Arnon, aber sie kamen nicht ins Gebiet der Moabiter; denn der Arnon ist die Grenze von Moab.

19 Und Israel sandte Boten zu Sihon, dem König der Amoriter zu Heschbon, und ließ ihm sagen: Lass uns durch dein Land ziehen bis an unsern Ort.

20 Aber Sihon traute Israel nicht und ließ es nicht durch sein Gebiet ziehen, sondern versammelte sein ganzes Kriegsvolk und lagerte sich bei Jahaz und kämpfte mit Israel.

21 Der HERR aber, der Gott Israels, gab Sihon mit seinem ganzen Kriegsvolk in die Hände Israels und sie erschlugen sie. So nahm Israel das ganze Land der Amoriter ein, die in jenem Land wohnten.

22 Sie nahmen das ganze Gebiet der Amoriter ein vom Arnon bis an den Jabbok und von der Wüste bis an den Jordan.

 

45 Von Ije-Abarim zogen sie aus und lagerten sich in Dibon-Gad. (4Mo 32,34)

46 Von Dibon-Gad zogen sie aus und lagerten sich in Almon-Diblatajim.

47 Von Almon-Diblatajim zogen sie aus und lagerten sich in dem Gebirge Abarim östlich vom Nebo. (4Mo 21,20

Dies macht deutlich, dass die Israeliten in einem weiten Bogen das gebirge und Territorium von Edom umgingen und schließlich auf der Höhe des Gebirges NEbo ankamen.

 

48Von dem Gebirge Abarim zogen sie aus und lagerten sich im Jordantal der Moabiter gegenüber Jericho. (4Mo 22,1; 5Mo 32,49)

49 Sie lagerten sich aber am Jordan von Bet-Jeschimot bis Abel-Schittim im Jordantal der Moabiter. (4Mo 25,1)

[1] Der biblische Berg Hor (Gebel Harun 1336 m) auf dem Aaron starb, wird seit der Antike 3,5 km südwestlich der Nabatäischen Stadt Petra lokalisiert. Diese Lokalisierung ist jedoch zweifelhaft, da dieser Berg erstens sehr hoch ist für die damaligen Verhältnisse und zweitens, befand er sich im Kernland von Edom, wo die Israeliten bekanntlich keinen Zugang hatten.

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Abbildung Blick hinab in das Jordantal der Moabiter, wo das Volk Israel nach 40- jähriger Wüstenwanderung lagerte, bevbor sie in das gelobte Lnd einzogen (Foto: April 1986).

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Richtung Agaba und Saudi

 

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Jordanien

 

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Wadi Rum

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3 Responses to Exodus – Auszug des Volkes Israel aus Ägypten

  1. Paul Schüle sagt:

    Einschub: Bereits nach vier Wochen, am 15. Tag des 2. Monats, kamen sie in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt (2Mose 16,1). Hier machen sie ihrem Frust, der sich bereits seit Tagen angestaut hatte, Luft und beschweren sich bei Mose und Aaron, dass sie kein Fleisch und kein Brot zu essen haben (2Mose 16,2-3).
    Hier stellt sich die für uns verständliche Frage, warum sie denn nicht zunächst aus ihren eigenen Viehbeständen ihr Verlangen nach Fleisch stillen konnten oder wollten. Dass ihre Brotvorräte längst zu Ende waren und sie Hunger litten, wusste Gott.
    Nirgendwo lesen wir von Tierschlachtungen aus eigenem Bestand, bevor sie am Berg Sinai angekommen waren. Dies ließe einen vorläufigen und vorsichtigen Schluß zu, dass jede Familie zwar Schafe oder Rinder (die einen weniger, die anderen mehr) mit sich führte, doch waren diese:
    • reserviert für das Opferfest des Herrn (2Mose 3,18; 5,3; 10,9). In 2Mose 10,24-26 lesen wir: „Da rief der Pharao nach Mose und sprach: Zieht hin und dient dem HERRN! Nur eure Schafe und Rinder sollen hierbleiben; eure Frauen und Kinder aber dürfen mit euch ziehen. Mose sprach: Willst du uns denn Schlachtopfer und Brandopfer mitgeben, die wir unserm Gott, dem HERRN, darbringen? Auch unser Vieh soll mit uns gehen – nicht eine Klaue darf dahintenbleiben –; denn davon müssen wir nehmen zum Dienst unseres Gottes, des HERRN. Wir wissen nicht, womit wir dem HERRN dienen sollen, bis wir dorthin kommen.“
    • Dazu waren die Rinder und Stiere auch als Zugtiere unentbehrlich, wie die Bemerkung über Wagen in 4Mose 7,1ff zeigt.
    • Von den Schafen und Ziegen hatten die Israeliten langfristig und regelmäßig Milch.
    • Insgesamt gesehen, waren die vorhandenen Viehbestände gegenüber der großen Zahl der Israeliten eher begrenzt, wie die Aussage des Mose bei der zweiten und ähnlichen Forderung des Volkes nach Fleisch im Jahr darauf, deutlich macht (4Mose 11,22-23).
    • Es sieht so aus, dass Kost aus Fleisch zumindest während den ersten Etappen der Wüstenwanderung (Goschen – Sinai), von Gott nicht vorgesehen war. Auf längeren Wanderungen war es eher eine Ausnahme, Vieh schlachten und Fleisch essen, wie die Ausnahme während des Rückzugs von Jakob nach Kanaan zeigt (1Mose 31,23-53).
    • Es ist fraglich, ob die Israeliten in der Zeit vor ihrem Auszug, ihre Opfer in klarem Bezug zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs darbrachten, oder ob sie längst der Vielgötterei der Ägypter in ihrem Alltag nachgegeben hatten. Das Schlachten von Tieren hatte in Ägypten einen religiös- rituellen Inhalt, wie die traurige Geschichte mit dem goldenen Kalb nahelegt (2Mose 32,1-6: Götzenopfer/Götzendienst).
    • Im Gegensatz dazu musste das Passahlamm von der israelitischen Familie im Hause voll aufgegessen werden, nichts durfte übriggelassen werden (2Mose 12,4-10) – anscheindend etwas ganz Neues. Das Passahlamm als Zeichen der Rettung durch Erlösung, musste voll und ganz verzehrt werden – Hinweis auf Christus das Lamm Gottes.
    • Erst wieder am Sinai wurden von Gott bestimmte Tieropfer angeordnet mit einem klaren Bezug des Opfernden zu Gott.
    • Später hat Gott eine klare Unterscheidung gemacht zwischen Tieropfern am Heiligtum (Stiftshütte, Ort festgelegt) und allgemeinem Schlachten von Tieren zu Festen und Feiern im privaten Bereich ohne religiösen Bezug – Opfergedanke (5Mose 12,1-31). Diese Anweisung Gottes muss auf dem Hintergrund der heidnischen Praxis gesehen werden. Diese brachten ihre Tierschlachtungen an unterschiedlichen Orten mit Götzendienst in Verbindung, dabei spielte wohl auch das Bluttrinken eine wichtige Rolle.
    Die Forderung nach Fleisch, in der besonderen Situation des zielausgerichteten Wüstenzuges, war ein überflüssiges Luxusmittel, völlig unnötig. Gott gewährte ihnen ihre Forderung (2Mose 16). Die Wachteln (Fleisch, Luxus) waren nach wenigen Tagen wieder weg. Das Manna blieb, weil es übereinstimmend mit Gottes Willen, das Lebensmittel für den Alltag, war (Mt 6,9; Joh 6,32).

  2. Gisela Hirning sagt:

    In unserer Gemeinde biete ich ein gemeinsames Bibellesen an.
    Wir sind gerade bei der Wüstenwanderung.
    Mich würde es interesieren ob es zu der Auslegung Exodus auch Kartenmaterial gibt
    so dass man es sich besser vorstellen kann.

    • Paul Schüle sagt:

      Sehr geehrte Frau Gisela Hirning,
      ich benutze biblische Karten in Postergröße für meine bibelkursgruppen. Karten, welche die verschiedenen Epochen darstellen. Da ich für Kartenmaterial bei meinen Veröffentlichungen Erlaubnis von den Verlagen einholen müsste, verzichte ich drauf, in der Hoffnung, dass jeder Bibelleser in seiner Bibel für sein Eigenstudium Kartenmaterial hat, oder wie in ihrem Fall bei Projektionsmöglichkeit auch die passenden ‚Karten aus dem Internet verwenden können.
      Die von mir vorgeschlagene und verfolgte Reiseroute der Israeliten ist natürlich nur ein Vorschlag, eine Variante, über die es sich lohnt nachzudenken.
      Bei meinen Reisen in Ägypten, Sinai, Jordanien und Israel/Palästina, habe ich auch die heutigen Karten benutzt.
      Mein immer schwächer werdendes Augenlicht schränkt mich ein eigene Routenzeichnungen anzufertigen.
      Ich wünsche Ihnen viele neue Entdeckungen auf der Wanderung durch die Wüsten.
      Gelegentlich will ich diese Ausarbeitung aktualisieren und noch einige fotos einfügen.
      Falls Ihnen etwas auffällt, was nicht stimmig wäre, für Korrekturen bin ich mehr dankbar als für Anerkennung.
      Gottes Segen
      Paul Schüle

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