Jesus und das Gesetz

Jesus und das Gesetz

 

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Abbildung 1: Beeindruckender Berg aus schwarzem Basalt inmitten des Wadi Rum (Jordanien). Es handelt sichhier auf dem Bild keineswegs um den tatsächlichen Sinaiberg, doch er gibt uns eine gewisse Vorstellung, wie Mose auf dem Gipfel des Berges Horeb von Gott die zwei steinernen Tafeln des Bundes empfangen hatte (Foto: 6. November 2014).

 Eine Bibelstudie über die Gebote Gottes, welche Jesus aufgreift, erklärt und anwendet

 

Vorwort

Bis heute ist nicht eindeutig nachgewiesen worden, wo sich der Berg Sinai, auf dem Gott dem Mose die Gesetzestafeln aushändigte, befindet. Die Lokalisierung auf der Sinaihalbinsel mit dem sogenannten Berg Moses, ist nachweislich eine christliche Tradition aus dem 4. Jh.. Neuerdings wird das Gebiet im Nordwesten Saudiarabiens als die Gegend, wo sich der Berg Sinai befindet,

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Abbildung 2: In der Wüste und auf Bergen offenbarte Gott seinen Willen. Er selbst gravierte die Zehn Gebote auf zwei steinerne Tafeln ein. (Foto: 6. November 2014 „Wüste- und Berglandschaft im Wadi Rum).

 

Das große Gebiet des Wadi Rum im Süden des heutigen Jordanien und Grenzgebiet zu Saudiarabien, welches sich auf 60 mal 100 Kilometer ausdehnt, könnte auch als Alternative in Betracht gezogen werden. Bedenkt man, dass zur Zeit Moses dieses Gebiet stark bewaldet war und bis Heute ein drittel der Wasserversorgung Ammans aus dem unterirdischen Wasserspeicher des Wadi Rum kommen. Auf jeden Fall belegt das Vorhandensein der Gesetze in schriftlicher Form seit etwa dreitausendfünfhundert Jahren, die Wahrhaftigkeit der Übergabe des Willens Gottes an die Menschen. Wie immer sie damals verstanden und angewendet wurden, erst Jesus erklärt die ganze Fülle des Inhaltes der Gebote Gottes und legt auch fest, wie diese im Leben angewendet werden sollen.

 

Einleitung – Wie verhält sich Jesus zum Gesetz?

Die Haupttätigkeit von Jesus war das Lehren: Er lehrte in ihren Synagogen, in den Häusern oder wie hier draußen auf freiem Felde, wo sehr viele zuhören konnten.

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Abbildung 2: Blck vom sogenannten Berg der Seligpreisungen über den See Genezaret. ImVodergrund am Nordufer liegt die archäologische Stätte von Kapernaum. Die Franziskaner sind Eigentümer des Geländes und verwalten es sorgfältig. Links hinter dichtem Baumbestand mündet der Jordan in den See. Weiter im Osten erstreckt sich das ehemalige Gebiet der Dekapolis . Zehnstädtegebiet  (Foto: Juli 1994).

Besonders aber die Gruppe der Schriftgelehrten aus der Pharisäerpartei hörte genau hin, was er sagte, aber auch was er wann und wie tat. Sie hörten Jesus also sehr kritisch zu und suchten zum Teil bewusst, wie sie ihm Unregelmäßigkeiten in der Gesetzesauslegung oder deren Anwendung auf das alltägliche Leben, unterstellen konnten. Die Frage nach dem rechten Verständnis und der rechten Auslegung und Anwendung des Gesetzes beschäftigte wohl auch viele aufrichtig Gläubigen im Volk. Auf diesem Hintergrund greift Jesus das Thema auf und macht deutlich, wie er zum Gesetz und auch zu den Propheten des Alten Bundes steht.

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllenUnd dann wird er noch konkreter: Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 

Und nun sagt er etwas über das wie bei der Auslegung des Gesetzes und dessen Anwendung:

Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen. (Mt 5,17-20).

Das Gesetz, die Propheten und auch die Psalmen waren fester Bestandtteil der jüdischen Bibel, wobei manchmal auch das ganze Alte Testament unter dem Oberbegriff Gesetz verstanden wurde.

Der Begriff Gesetz gr. `νόμος – nomos` wird unterschiedlich gebraucht, so zum Beispiel:

  • Das Gesetz Moses (Lk 2,22-23), oder das Gesetz des Herrn – gemeint ist dasselbe Gesetz (Lk 2,24),
  • Das Gesetz Christi – „ich aber sage euch“ – es ist bindend (Gal 6,2),
  • Das Gesetz des Geistes – welches lebendig macht (Röm 8,2),
  • Das Gesetz des Fleisches – welches den Menschen knechtet (Röm 8,3; 7,23),
  • Das Gesetz der Sünde und des Todes (Röm 8,2; 7,23),
  • Das Gesetz des Verstandes (im Sinnen, in der Gesinnung, im Denken) des Menschen (Röm 7,23; Eph 4,17. 18; Lk 10,27; Kol 1,21; Hebr 4,12),

In unserem Text nimmt Jesus Bezug auf das gesamte Schriftzeugnis des Alten Testamentes.

Der im griechischen Text verwendete Begriff  `καταλύσαι – katalysai`, meint auflösen und zwar im Sinne von, außer Kraft setzen, für ungültig erklären. All dies will Jesus nicht tun, sondern sein Ziel und Lebensaufgabe besteht darin, das er

erstens: Alle Anforderungen (Ansprüche, Erwartungen) des Gesetzes erfüllt und

zweitens: alle Voraussagen, Verheißungen in und durch seine Person zur Erfüllung kommen.

Der gr. Begriff `πλήρωσαι – plirosai` meint `erfüllen` und zwar ganz füllen, es bleibt nichts leer oder offen, alles ist gedeckt, auf alle Fragen sind von ihm und durch ihn Antworten gegeben worden.

 

Jesus beruft sich auf die Schrift

Sehr oft beginnt Jesus seine Rede mit den Worten: „Es steht geschrieben“. (Mt 4,4.6.10; 21,13; 26,24).

Jesus bestätigt, die Unzerbrüchlichkeit der Schrift:

  • Wenn er „die“ Götter nennt, zu denen das Wort Gottes geschah – und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden“. (Joh 10,35).
  • Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei“. (Joh 8,17).

Mit dieser Berufung auf das Gesetz, unterstreicht er die Wahrhaftigkeit seines Zeugnisses, welches durch Johannes  den Täufer als zweitem Zeugen mitbekräftigt wurde.

Jesus sagt weiter:

  • Denn er (Mose) hat von mir geschrieben“. (Joh 5,46; 5Mose 18,15-17). Darum beansprucht er gehört zu werden.

 

Jesus ist der beste Gesetzeslehrer (Ausleger)

Wenn ihr verstehen würdet, was es heißt, oder bedeutet: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, so hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt.“ (Mt 12,7; Hosea 6,6).

Die neue Betonung bestimmter alttestamentlicher Aussagen ist bemerkenswert. „Ihr habt gehört, das gesagt ist (…), ich aber sage euch“ – ist keine Auflösung des Alten, sondern eine Vertiefung, bzw. Erklärung der ganzen Tiefe des Inhaltes der Gebote Gottes, eben das, was Gott mit diesen Aussagen gemeint hat. (Mt 5,21.27.33.37.38.43).

In und durch die Person Jesu wird das Gesetz (die Propheten und Psalmen) erfüllt

– „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“. (2Mose 2,24; Hosea 11,1-2; Mt 2,15), Eine Prophetie, welche ihre historische Erfüllung

  • im Auszug Israels aus Ägypten famd,
  • im Leben von Jesus, als er aus Ägypten zurückkehrte,
  • und die sich in einem geistlich-übertragenem Sinne an jedem seiner Kinder erfüllt, die er aus der Sklaverei der Sünde herausführt.

„(…) damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Psalm 78,2): »Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.« (Mt 13,35).

– „Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Mt 21,4).

– „Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.“ (Mt 21,4;  Sach 13,7).

– „(…) damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?« (Joh 12,38).

„(…) damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 53,4): »Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Krankheit hat er getragen.“ (Mt 8,17).

– „Denn ich sage euch: Es muss das an mir vollendet (erfüllt) werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): »Er ist zu den Übeltätern gerechnet wordenDenn was von mir geschrieben ist, das wird vollendet (abgeschlossen, erfüllt).“ (Lk 22,37).

– „Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden,“ (Lk 24,44-45).

Und in der Tat stimmt die Zusammenfassung des Apostels Paulus mit Jesu Aussagen überein, wenn er an die Römer schreibt: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende (gr. τελος – telos – Ende, Vollendung, Ziel, Erfüllung); wer an den glaubt, der ist gerecht.“ (Röm 10,4).

Jesus hat sich in seinen Lehren nicht nur auf  die zehn Gebote bezogen. Je nach Situation oder

einer Fragestellung, greift er auf ein Gebot zurück, erklärt es und wendet es konkret auf das

Leben an. Im Rahmen der sogenannten Berglehre, die der Evangelist Matthäus in einer Art

Zusammenfassung aufgeschrieben hat, geht Jesus sogar etwas systematischer vor und erklärt sehr

Detailliert einige Gebote. Doch all diese Gebote fasste er in dem ersten und größten zweiteiligen

Gebot zusammen mit den Worten: „Dies ist das größte und höchste Gebot (vor allen)“. (Mt 22,38;

Mk 12,28): »Höre, Israel, der HERR, unser Gott, ist der HERR allein (5Mose 6,4),  und du sollst

den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt

(Verstand-Denkvemögen) und von allen deinen Kräften«. „Das andre ist dies (diesem gleich):

»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. (5Mose 6,4.5;  3Mose 19,18). Es ist

kein anderes Gebot größer als dieses“. (als diese Mk 12,31; Mk 12,29–31).

 Und Jesus fasst zusammen: „In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die

Propheten“ (Mt 22,40).

In den folgenden Abschnitten wollen wir die einzelnen Gebote Gottes kennenlernen und zwar aus der Perspektive von Jesus. Welche Gebote greift er auf, wie erklärt er sie und wie sollen sie nun von seinen Jüngern angewendet werden.

Fragen Aufgaben:

    1. Was für eine Meinung herrschte unter dem Volk über Jesus und seine Beziehung zum Gesetz und wie korrigiert Jesus deren Denken?
    2. Was bedeutet das Wort auflösen und das Wort erfüllen?
    3. Nenne drei Beispiele, wie Schriftaussagen aus dem Gesetz, den Psalmen und Propheten sich in Jesu Leben erfüllten?
    4. Was bedeutet es für uns, dass Jesus das Gesetz erfüllte? Welche Bestimmung hat es heute für uns?
    5. In welcher Kurzfassung sind alle Gebote Gottes enthalten?

Das Gebot: Ich bin der HERR dein Gott ! Höre Israel: Der HERR unser Gott, ist einziger HERR

 

Jesus hat die Zehn Gebote nicht chronologisch aufgegriffen und erklärt, sondern je nach Situation, Bedarf oder einer konkreten Nachfrage nahm er darauf Bezug. Wegen einem besseren Überblick gehen wir jedoch zumindest die sogenannten `Zehn Gebote`, der Reihe nach durch. Die anderen von Jesus aufgegriffenen und erklärten Gebote folgen danach. Die uns bekannten `Zehn Gebote` wurden am Anfang einfach die `Zehn Worte` des Bundes genannt, so lesen wir: „Und er (Gott) verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, (gr. ρήματα – remata – Aussprüche) und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln. (5Mose 4,13).

Der Text mit den Zehn Geboten wird eingeleitet mit den Worten: „Und Gott redete alle diese Worte.“ Mose ist der Vermittler der Worte Gottes und daher werden die Bezeichnungen `Gesetz Gottes`und `Gesetz Moses` austauschweise gebraucht (Neh 8,1.8:  Lk 2,22-24).

Das Erste Gebot lautet: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ Dieses `Erste` ist sozusagen die personale Vorstellung Gottes an Israel am Berg Horeb. Im Deuteronomium (zweites Gesetz, bzw. Wiederholung des Gesetzes = 5. Mosebuch) steht geschrieben: „Höre, Israel, der HERR unser Gott, ist einziger HERR. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5Mose 6,4-5). Auf die Frage eines Schriftgelehrten nach dem höchsten Gebot, zitiert Jesus aus 5Mose 6,4-5: „Jesus aber antwortete ihm: Das höchste (erste) Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist einziger Herr, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt (Verstand, Denken) und von allen deinen Kräften«. (Mk 12,29-30.31;  Mt 22,36-39). Nach der Bewertung von Jesus gibt es kein höheres oder größeres Gebot, sondern dies ist das erste und größte Gebot. Es steht also eindeutig an erster Stelle. Damit fasst Jesus alle Gebote zusammen, welche die Beziehung zwischen Gott und Mensch, Mensch und Gott regeln. Es gibt nur einen Gott, dieser eine Gott ist einziger HERR der immer Seiende. Der Mensch, als Gottes Geschöpf steht in der Schuld/Pflicht Gott zu lieben und zwar ganzheitlich:

  • von ganzem Herzen (Zentrale für Abwägung von Gedanken, der Empfindungen, der Emotionen, der Motive sowie Schaltzentrale für Entscheidungen),
  • von ganzer Seele (gr. πσυχή – psyche – Seele), steht für das physische menschliche Leben (1Mose 2,7;  Joh 10,17-18),
  • von ganzem Verstand (Denkvermögen, Begriffsvermögen),
  • von allen Kräften (eigentlich Stärke, geistigen und physischen Fähigkeiten).

Vier Bereiche des menschlichen Seins nennt Jesus im ersten und höchsten Gebot. Warum wird nur so selten darüber gepredigt? Die Antwort auf die Vorderung des ersten und größten Gebotes Gottes finden wir im Leben von Jesus Christus, der durch Wort und Tat mit seinem ganzen Sein Gott, den Vater liebte. Begleiten wir also den menschgewordenen Gottessohn und entdecken wir die Erfüllung des ersten und höchsten Gebotes Gottes in seinem Leben.

  • Bei der Versuchung in der Wüste: Dreimal widerstand Jesus dem Satan mit Gottes Wort und stellte damit Gott in den Mittelpunkt seiner Beziehung. So lesen wir in Matthäus 4,3-10: „Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«(Missbrauch von Gottes Wort). Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.“

  • In seinem Gebetsleben: Trotz, oder gerade wegen der Fülle der Aufgaben und Dienste an Menschen, suchte Jesus die Gemeinschaft mit Gott im Gebet. In Lukas 6,12 lesen wir: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott.“  (vgl. auch Mk 1,35;  Lk 11,1). In Hebräer 5,7 heißt es von Jesus: „Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens (seines Fleisches) Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.“
  • In der Verkündigung:  Die Worte, die er von seinem Vater gehört hat, hat er gesprochen. In Johannes 3,34 bezeugt Johannes der Täufer: „Denn der, den Gott gesandt hat (Jesus), redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß.“ Am meisten sprach er von Gott seinem Vater. Allein im Johannesevangelium wird der Bezug Vater – Sohn – Sohn -Vater mehr als 180 Mal erwähnt (manchmal indirekt).
  • In seinen Taten hat Jesus Gott geehrt und verherrlicht;
  • In seinem Leiden war er auf Gott ausgerichtet, nicht sich bemitleidet oder gar Menschen beschuldigt.

Das ist Liebe PUR!

Das Gebot: Es sollen bei dir keine anderen Götter sein neben mir

 

Im zweiten Gebot spricht Gott mehrere wichtige Aspekte an in Form von Verboten und begründet diese anschließend.

Du sollst keine anderen Götter (gr. θεοί – theoi) haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis (gr. είδωλον – eidolon – Götterbild, Idol) noch irgendein Gleichnis (Gottesvergleich) machen, weder von dem, was oben im Himmel (Sterne, Planeten), noch von dem, was unten auf Erden (Tiere Vögel), noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist (Wasserlebewesen)Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2Mose 20,3-6).

Der Mensch ist zu Gott hin geschaffen worden und auf Anbetung und Gottesdienst ausgerichtet. Da jedoch Gott nicht sichtbar ist, suchten die Menschen nach einem sichtbaren und greifbaren Ersatz, die Ethnologie (Völkerkunde) belegt dies tausendfach. Aber auch Israel wich schnell von Gott ab und machte sich einen Abgott, betete das Kalb an und brachte Opfergaben dar.

Und er (Aaron) nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest. Und sie standen früh am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar. Danach setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um ihre Lust zu treiben.“ (2Mose 32,4-6).

Am Ende der Wüstenwanderung erinnert Mose der Knecht des Herrn die Israeliten an den Tag der Offenbarung Gottes auf dem Berg Horeb:

Und der HERR gebot mir zur selben Zeit, euch Gebote und Rechte zu lehren, dass ihr danach tun sollt in dem Lande, in das ihr zieht, es einzunehmen. So hütet euch nun wohl – denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der HERR mit euch redete aus dem Feuer auf dem Berge Horeb -, dass ihr euch nicht versündigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder einer Frau, einem Tier auf dem Land oder Vogel unter dem Himmel, dem Gewürm auf der Erde oder einem Fisch im Wasser unter der Erde. Hebe auch nicht deine Augen auf gen Himmel, dass du die Sonne sehest und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fallest ab und betest sie an und dienest ihnen. (5Mose 4,14-19a).

Und bereits in Kanaan stellt Josua Israel vor die Entscheidung:

Gefällt es euch aber nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. (Josua 24,15).

Das Tauziehen zwischen Götzendienst und wahrem Gottesdienst zog sich durch die gesamte Königszeit in Israel. Erst nach der babylonischen Gefangenschaft wuchs bei den wenigen Heimkehrern die Abscheu gegen die Götzen. Zur Zeit Jesu gab es in Israel zwar keinen offensichtlichen Götzendienst mehr, doch die Vielzahl der von Dämonen besessenen Menschen gibt einen Einblick in okkulte Verwicklungen vieler, besonders im galiläischen Bereich. Die Partei der Pharisäer, die zur frommen Elite des Judentums gehörten hielten sich zwar strickt an den Buchstaben des Gesetzes, zogen aber die Aufmerksamkeit und Ehre der Menschen auf sich und hinderten Jesus, den wahren Gottesdienst in und für Israel herzustellen. Die direkten und indirekten Aussagen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ und „wir haben keinen König außer dem Kaiser“, beschreibt deutlich ihren Gottesersatz. Ähnlich verhielt sich die Priesterschaft, welche um ihr Ansehen fürchtete und Jesus aus Neid an die Römer auslieferten. Den Schriftgelehrten warf Jesus vor: „Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hinein wollten.“ (Lk 11,52).

In diese verfahrene Situation kommt Jesus hinein. Gleich nach seiner Taufe im Jordan wurde er vom Geist Gottes in die Wüste geführt. Eine der Versuchungen des Teufels zielte auf die Übertretung des zweiten Gebotes.

Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein. Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen(Lk 4,5-8;  2Mose 20,5).

Das einzige `Bildnis`, das wir von Gott haben können ist in der Person Jesu zu erkennen. Auch die Jünger Jesu wollten eine genauere Vorstellung bekommen von Gott dem Vater. Und Jesus macht sehr deutlich, wie der Vater zu erkennen ist.

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke. (Joh 14,6-10).

So ist nur in und durch Jesus Christus Gott der Vater zu erkennen und zwar vollkommen. „Denn in ihm (in Christus) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.” (Kol 2,9). Dabei geht es nicht in erster Linie um das Äußere, also die Menschengestalt von Jesus, sondern wie er selber betont, um das Wort und Werk des Vaters durch ihn, also der gesamte Ausdruck seines Seins und Lebens wiederspiegelt Gott. Paulus schreibt an die ‚Kolosser:

Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes (είκων τού θεού του αοράτου – eikon tou theu tou aoratpu), der Erstgeborene vor aller Schöpfung. (Kol 1,15).

Wie auch der Hebräerbriefschreiber feststellt:

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt (Weltzeiten) gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild (gr. χαρακτήρ –  Charakter, Abdruck) seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe. (Hebr 1,1-3).

In welch krassem Gegensatz erscheinen da die unzähligen von Menschen erdachten oder gemachten Ikonen, Idolen und Abbildungen von Ersatzgöttern, bzw. “Nichtze”.

Fragen / Aufgaben:

  1. Was veranlasste Gott zu diesem Gebot?
  2. Welche wichtigen Elemente enthält dieses Gebot?
  3. Wieweit wurde dieses Gebot in Israel befolgt?
  4. Wie erfüllte Jesus dieses Gebot?
  5. Welches Bild zeigt uns Jesus von Gott dem Vater?

 

Das Gebot: Mißbrauche micht den Namen des Herrn deines Gottes

Auch zu diesem Gebot hat Jesus was zu sagen, obwohl er es nicht wörtlich wiederholt. Der Text aus 2Mose 20,7 lautet: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ „οὐ λήμψῃ τὸ ὄνομα κυρίου τοῦ θεοῦ σου ἐπὶ ματαίῳ οὐ γὰρ μὴ καθαρίσῃ κύριος τὸν λαμβάνοντα τὸ ὄνομα αὐτοῦ ἐπὶ ματαίῳ“ (nach LXX – griechische Übersetzung des Alten Testamentes).

Der griechische Text kann folgendermaßen übersetzt werden: „nicht nimm (nicht gebrauche, nicht verwende, nicht benutze) den Namen des Herrn deines Gottes nutzlos (unnütz, auf unnötige Weise, nichtig, umsonst) denn nicht reinigt (nicht übersieht, nicht ungestraft lässt) der Herr (das verwenden, gebrauchen, nutzen) seines Namens umsonst“.

Bekannt ist, dass hinter einem Namen immer eine Person steht. Wer den Namen antastet oder Mißbraucht, tastet die Person selbst an. Die hebräische Bezeichnung für Gott lautet `el` (Singular) oder `elohim` (Pluralform für Gott). Der Name `adonai` heißt Herr und der Name JHWH wird übersetzt mit `Der Seiende` oder `Ich bin`. In der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes werden die beiden Gottesnamen mit `κύριος – Herr` bzw. `HERR` wiedergegeben. Jesus selbst und auch seine Jünger benutzen sowohl für Gott den Vater als auch den Sohn die Bezeichnung `Herr`. Da das gesamte Neue Testament auf Griechisch geschrieben wurde (Ausnahme ist vielleicht das Original des Matthäusevangeliums) verwendeten die Autoren bei den Zitaten aus dem AT die griechische Bezeichnung `κύριος – kyrios – Herr`. Besonders bei Jesus ist deutlich zu erkennen, dass  `Herr` auch als Titelbezeichnung verwendet wird. „Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch“ (Joh 13,13).

Der Missbrauch des Namens Gottes hat verschiedene Abstufungen, es beginnt vielleicht bei dem gedankenlosen `ach Gott` und gipfelt in einem bewussten falschen Schwur/Eid in Einbeziehung des Gottesnamens wie der Prophet festheält. „Und wenn sie auch sprechen: Bei dem lebendigen Gott!, so schwören sie doch falsch“ (Jer 5,2). Und auch Jesus sagt seinen Zuhörern in Lukas 6,46: „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“ Oder in Matthäus 7,21: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ Mißbraucht liegt dann vor, wenn der Name Gottes

  • gedankenlos, nutzlos ausgesprochen wird
  • Wenn er nur als eine Art Bindeglied in einem Satz verwendet wird
  • Wenn er von Eltern, oder Großeltern zur Einschüchterung oder Bedrohnung ihrer Kinder, Enkelinder gebraucht wird
  • Wenn er von sogenannten Heilern oder Exorzisten für ihre Heiltricks oder Gebete verwendet wird. „Es unterstanden sich aber einige von den Juden, die als Beschwörer umherzogen, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt“ (Apg 19,13).

Für den Missbrauch des Namens Jesu wurden diese Männer bestraft. „Es waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters mit Namen Skevas, die dies taten. Aber der böse Geist antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich wohl und von Paulus weiß ich wohl; aber wer seid ihr? Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, dass sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen“ (Apg 19,14-16).

  • Wenn jemand aus eigennützigen Motiven etwas tut und den Herrn einbezieht, um dem Werk einen frommen Schein zu verleihen, So sagt Jesus in Matthäus 7,22: „Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan?
  • Wenn jemand den Herrn in seinen falschen Schwur einbezieht (obwohl Jesus das Schwören als alttestamentliche Praxis in eine vereinfachte, aber doch eindeutige Form von JA, oder NEIN, umgeleitet hat.

Doch geht es Jesus nicht einfach nur um etwas Negatives zu ahnden, sondern er zeigt uns auf, wie wir Gott den Vater, den Sohn imd den Heiligen Geist in unser gesamtes Leben bewusst und freimütig einbeziehen können.

  • „Wenn ihr betet, so sprecht: „Unser Vater in den Himmeln, geheiligt werde dein Name“ (Mt 6,9).
  • „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn“ (Joh 14,13).
  • Lk 10,17 „Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.“

Die Kinder verherrlichten den Namen des Herrn im Tempel: „Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet« (Mt 21,13-16)?

Auch die Apostel vordern die Gläubigen heraus, den Namen des Herrn zu ehren und zu heiligen: Röm 10,13: „Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5). „Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt“ (2Tim 2,19).

Jeder Mensch muß einsehen, dass es Gott verletzt, wenn sein Name nutzlos, respektlos, ja sogar bewusst zu falschen Zwecken mißbraucht wird. Und Gott selbst wacht über seinem Heiligen Namen. Wenn wir es lernen mit den Namen unserer Mitmenschen sorgfältig und ehrenvoll umzugehen und zwar unabhängig von der Volkszugehörigkeit, Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder sozialen Standes, wird es uns leichter fallen Gott den Schöpfer, vielmehr noch Gott den Vater zu achten und zu ehren und seinen Namen zu heiligen.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Was ist ein Name, wer steht dahinter und welche Namen sind uns von Gott bekannt?
  2. Was geschieht beim Mißbrauch eines Namens, auch des Namens Gottes?
  3. Wieweit hielten sich die Israeliten an dieses Gebot?
  4. Wo greift Jesus dieses Gebot Gottes auf und wie lehrt er den positiven Umgang mit Gottes Namen?
  5. In welchen Bereichen unserer Gottesbeziehung können wir Veränderungen erzielen?

 

 Das Gebot – Heilige den Sabbattag

Das Sabbatgebot ist vom Textumfang her die Längste Anordnung Gottes im Rahmnen der 10 Gebote. „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn“ (2Mose 20,8-11).

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Ruhe, Erholung, Einkehr, Gemeinschaft mit Gott braucht der Mensch in regelmäßugen Abständen. Eine Kapelle am Kap El Greco im äußersten Südosten Zyperns  (Foto: Januar 2005 ).

Das Sabbatgebot nimmt einen zentralen Platz im Leben des volkes Israels ein und es enthält folgende Aspekte:

  1. Die eigentliche Anweisung zum Ruhetag,
  2. Die Festlegung der 6-Tage-Arbeitswoche,
  3. Klare Information, von wem das Gebot eingehalten werden soll,
  4. Die Begründung des Gebotes,
  5. Die Hervorhebung des siebenten Tages.

Im Verlauf der Geschichte Israels wurde das Sabbatgebot unregelmäßig und unzureichend eingehalten. Durch den Propheten Jesaja mahnte Gott die Einhaltung des Sabbats an: Wenn du deinen Fuß am Sabbat zurückhältst und nicht deinen Geschäften nachgehst an meinem heiligen Tage und den Sabbat »Lust« nennst und den heiligen Tag des HERRN »Geehrt«; wenn du ihn dadurch ehrst, dass du nicht deine Gänge machst und nicht deine Geschäfte treibst und kein leeres Geschwätz redest,“ (Jes 58,13).

Zur Zeit Jesu legten besonders die Schriftgelehrten aus der Pharisäerpartei großen Wert auf die strickte Einhaltung dieses Gebotes. Doch die Vorderung der Pharisäer zur Einhaltung des Sabbats dem Buchstaben nach (keine Arbeit) führte zur Missachtung anderer Gebote. 1 Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld am Sabbat; und seine Jünger waren hungrig und fingen an, Ähren auszuraufen und zu essen.

2 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist.

3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte?

4 Wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die doch weder er noch die bei ihm waren essen durften, sondern allein die Priester?

5 Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld?

6 Ich sage euch aber: Hier ist Größeres als der Tempel.

7 Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer«, dann hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt.

8 Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat

 

 

Der Sohn des Menschen ist auch Herr über den Sabbat.

 

Das 5. Gebot – Ehre Vater und Mutter

Es ist auffallend, dass dieses Gebot den Abschluss der so genannten ersten Gesetzestafel bildet, in der die Beziehung des Menschen zu Gott hin geregelt wird.

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Abbildung 5: „Ehre deinen Vater und deine Mutter ” dazu sind nicht nur die kleinen Kinder aufgefordert (Zeichnung von J. S.).

So bekommt dieses Gebot einen besonderen Stellenwert. „Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“ (2Mose 20,12). Gott selbst setzt die Maßstäbe für das Verhalten der Menschen und er bestimmt den Stand, das heißt den Status des Mannes, der Frau, der Eltern und der Kinder und zwar immer auch in Bezug zu einander, Und dies ist eindeutig in der Hausordnung Gottes (οικονομία του θεού – oikonomia tou theou) begründet. Jesus selbst bezeugt: „Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut.“ (Joh 5,20). Die gewünschte oder auch geforderte Haltung in der Beziehung vom Sohn zum Vater wird in Maleachi wie folgt beschrieben: „Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?“(Mal 1,6). Gott ist enttäuscht in Israel, beachteten sie doch nicht ihren Status und ließen außer acht die rechte Beziehung zu Gott. Doch Jesus erfüllt als erster diese Gottesordnung: „… ich ehre meinen Vater, aber ihr nehmt mir die Ehre.“ (Joh 8,49).

Oft suchte Jesus selbst nach passenden Gelegenheiten um seine Botschaft den Zuhörern nahe zu bringen, aber auch öfters brauchte er lediglich nur die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen. Die Kritiker aus der Pharisäerpartei tadeln und werfen Jesus vor: „Warum leben deine Jünger nicht nach den Satzungen der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen?“ Jesus antwortet nicht gleich auf ihre Frage, sondern geht in die Offensive mit einem sehr schwerwiegenden Vorwurf:

Wie fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja 29,13): »Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.« Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen. Und er sprach zu ihnen: Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet! Denn Mose hat gesagt (2.Mose 20,12; 21,17): »Ehret deinen Vater und deine Mutter «, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.«Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban – das heißt: Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht -, so lasst ihr ihn nichts mehr tun für seinen Vater oder seine Mutter und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel. (Mk 7,5-13).

 

Die Altersversorgung in Israel geriet in Schieflage. Es ist erstaunlich, wie solch eine Entwicklung einsetzen und sich durchsetzen  konnte? Sie wurde nicht vom Volk, sondern der führenden theologisch fundierten Elite auf den Weg gebracht und nach und nach in die alltägliche Praxis eingeführt. Übrigens geschieht nichts Neues unter der Sonne. Betrachtet man die Entwicklung in der Kirchengeschichte, fallen bestimmte Parallelen auf. So manch ein Gutsbesitz, Haus, Wertgegenstand einer Familie, der die alltägliche Versorgung und den Fortbestand gesichert hätte, ist in den Kirchenbesitz übergegangen. Viele Familien sind dadurch verarmt und letztlich materiell von der Kirche abhängig geworden. Es wurde lediglich der erste Teil der Praxis in der Urgemeinde umgesetzt (Apg 4,32-36) bei dem doch gerade der Gedanke der ausgewogenen Versorgung aller (besonders der Witwen und Waisen) im Mittelpunkt stand. So wurde die Kirche des Mittelalters unermesslich reich an materiellen Gütern, aber geistlich geschwächt und arm. Die Gemeinde darf nie das Prinzip des `Korban` auf ihre Mitglieder übertragen. Ein materieller Ausgleich JA, aber keineswegs zur Vermehrung der materiellen Güter des Klerus oder Ausschmückung von Kirchengebäuden, wie es ab dem 4. Jh. einsetzte.

Bis heute lebt die Mehrheit der Menschen in sozialen Systemen, bei der die Versorgung der älteren Menschen nicht vom Staat gesichert wird. Bei der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sind Eltern im Alter auf die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen. Natürlich denkt Gott nicht nur an die materielle Sicherung der Eltern durch ihre Kinder, sondern auch um die würdevolle und geduldige Begleitung in der Zeit des Älterwerdens. Bei dem 5. Gebot geht es Gott keineswegs um sklavische Unterordnung. „Ehre Vater und Mutter“ ist die angemessene Antwort auf den von Gott den Eltern zugewiesenen Status. Ehre Vater und Mutter ist zunächst unabhängig von dem Verhalten und der Beziehung der Eltern zu ihren Kindern. Geben wir doch zu, dass es auch bis Mose keine perfekten, immer liebevollen und verantwortungsbewusste Eltern gab. Viele der uns in der Bibel geschilderten Familien weisen grobe Mängel im Bereich der Eltern-Kinder-Beziehung auf (Adam, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Juda, David). Die Eltern sind zu ehren, zu achten, ihnen ist mit Respekt zu begegnen, einfach nur weil sie die `Eltern` sind. Ist der Anspruch zu hoch?

Wer dieses Gebot missachtet, schadet sich selbst und untergräbt seinen eigenen Status als künftiger Vater oder Mutter.

 

Den „Eltern fluchen“ stand im Gesetz des Mose unter Todesstrafe (2Mose 21,17). Dadurch wird deutlich gemacht, welche schwerwiegenden Folgen das `Fluchen` nach sich zieht. Jesus ist sehr darum bemüht, den ursprünglichen Sinn und Wahrheitsgehalt dieses Gebotes Gottes wieder deutlich zu machen. Und dabei deckt er schonungslos die Perversität ihrer Schriftauslegung auf und verurteilt sie. Man bekommt den deutlichen Eindruck, dass er als Mit-Gesetzgeber, tief verletzt ist über die dreiste Verdrehung seiner Anweisung, die zum Schutz der familiären Beziehungen und zugleich zum geordneten Fortbestand der Zivilisation gegeben wurde.

Im Verlauf von Generationen sind Eltern immer wieder an ihren Kindern schuldig geworden. Das, was sie nicht mehr verändern oder zurückholen können, wird nun in den Verantwortungsbereich der Kinder gelegt. Sie können die von ihren Eltern ihnen zugefügten Verletzungen ansprechen, denn zugefügtes Unrecht braucht nicht verschwiegen bleiben. Und es ist ihr Privileg, den Eltern zu vergeben, sie zu entlasten und nichts mehr nachtragen, auch wenn jene ihre Schuld nicht einsehen. Doch gerade dieser Entschluss im Verhalten der Kinder kann der Beginn zu einem Heilungsprozess werden. Einer Heilung und Befreiung für die nächste Generation.

 

Gott hat verheißen durch den letzten Propheten des Alten Bundes:

Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage. (Mal 3,23-24).

Der verheißene Prophet Elia ist in der Person von Johannes dem Täufer gekommen und hat den Weg für das Kommen des Messias in der Person von Jesus vorbereitet. Den Weg vorbereiten hieß unter anderem – die Menschen (Eltern und Kinder, die Alten und die Jungen) zur Sinnesveränderung rufen, damit Versöhnung geschieht. Dort wo es die Eltern nicht tun oder nicht mehr tun können, sind die Kinder in der Pflicht.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wie lautet das 5. Gebot?
  2. Warum verlangt Gott so etwas von den Kindern?
  3. Sollen auch die lieblosen und ungerecht handelnden Eltern von ihren Kindern geehrt werden?
  4. Es gab und gibt keine perfekten Eltern, alle haben irgendwo versagt und sind an ihren Kindern schuldig geworden. Welche Lösung bietet uns Gott an, damit Versöhnung zwischen den Generationen geschehen kann?
  5. Wie kann das 5. Gebot heute in der Praxis angewendet werden?

 

Das Gebot – Töte nicht

Nachdem Jesus eine Grundaussage gemacht hat über seine Haltung zum Gesetz, geht er nun in die Details, greift eine Reihe von Geboten und Verboten auf und erklärt sie. Er fängt mit der sogenannten zweiten Gesetzestafel aus 2Mose 20,1-17 an.

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Das 6. Gebot gab Gott zum Schutz des Lebens (Zeichnung: J. S.. 23. Januar 2015).

  • Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2.Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.

Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig;

wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig;

wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.

Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,  so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.

Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast“ (Mt 5,21-26).

Auch hier stellen wir schnell fest, dass Jesus das Gebot zum Schutz des Lebens, viel genauer und detaillierter erklärt, als es im Buch Moses beschrieben wird. Doch zunächst die Klärung des Begriffes `Mord`. Im Deutschen ist Mord absichtliche, vorsätzliche Tötung eines Menschen. Eine unbeabsichtigte Verletzung mit Todesfolge wird nicht als Mord bezeichnet und juristisch auch anders bewertet. Auch in 2Mose 21,12-25 wird ausdrücklich zwischen beabsichtigter und versehentlicher Tötung unterschieden mit entsprechenden unterschiedlichen Reaktion darauf.

Doch bei Jesus beginnt Mord schon im Herzen (Mt 15,19-20: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord,…“). Die Vorstufen zum Mord sind: Neid, Zorn, Grimm und Hass. Und dies wiegt bei Jesus schon sehr schwer. Wir denken da an Kain, der zunächst

  • Neid gegenüber seinem jüngeren Bruder aufkommen ließ,
  • dann folgte der Grimm/Zorn auf seinen Bruder,
  • dann der Hass
  • und schließlich Mord an seinem Bruder Abel, so in 1Mose 4,5-7:

Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.“ Und Johannes ergänzt in seinem ersten Brief 3,12: „nicht wie Kain, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder umbrachte. Und warum brachte er ihn um? Weil seine Werke böse waren und die seines Bruders gerecht.“ Und Judas der Halbbruder des Herrn schreibt: „Weh ihnen! Denn sie gehen den Weg Kains (Judas 11a).

Doch Gott wollte Mord verhindern und warnte Kain: „Und warum senkst du deinen Blick?  Ist’s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie (1Mose 4,5-7). Nach pheser 4,31 sind Grimm und Zorn nebeneinandegesetzt, so auch nach 1Mose 49,6 dort sagt Jakob seinen beiden Söhnen Simeon und Levi: „Meine Seele komme nicht in ihren Rat, und mein Herz sei nicht in ihrer Versammlung; denn in ihrem Zorn haben sie Männer gemordet, und in ihrem Mutwillen (Gimm) haben sie Stiere gelähmt“(vgl. auch 1Sam 18,8)

Die bösen Gedanken und Emotionen im Herzen eines Menschen suchen nach einer Ausdrucksform (nach einem Ventil) und dies ist zunächst das Wort (Du Nichtsnutz, Taugenichts, zu nichts zu gebrauchen, aus dir wird nie was; Du Narr, Dunnkopf, Blödmann), welches über die Lippen geht, dann bei günstiger Gelegenheit folgt die Tat. Beleidigungen, Verletzungen schlimmster Art auch durch Rufmord sind alltägliche Ausdrucksweise in unserer Gesellschaft (leider auch nicht selten unter Christen). Stünden entsprechende Waffen zur freien Verfügung, würde es bei uns noch zu viel schlimmeren physischen Verletzungen mit Todesfolge kommen.

Doch geht es Jesus nicht einfach nur um Aufklärung oder Bestandsaufnahme, sondern um Vorbeugung (Prävention), denn dies ist ja der eigentliche Sinn aller Verbote im Gesetz des Mose. Jesus zeigt den Weg, auf dem Schlimmeres verhindert werden kann und bereits zerbrochenes wieder hergestellt wird – nämlich durch Versöhnung mit dem Geschädigten. Dies ist auch die Voraussetzung zu einer geordneten Beziehung mit Gott.

 

 Fragen / Aufgaben:

  1. Warum fängt Jesus mit der Auslegung des 6. Gebotes an?
  2. Welche neue Qualität zeigt Jesus, mit dem „Ich aber sage euch“, in den Geboten Gottes auf ?
  3. Wie bewertet Jesus den Zorn, Grimm und Hass des Menschen?
  4. Was ist der Unterschied zwischen Totschlag und Mord und wie begründet Gott diese Unterscheidung?
  5. Um was geht es Jesus vorrangig, um die Beurteilung und Bestrafung der Übertretung des Gebotes, oder um die Vorbeugenden Maßnahmen?

Das Gebot – Brich nicht die Ehe

Nach dem Gebot, welches für den Schutz und Erhalt des Lebens steht, greift Jesus das Gebot auf, welches zum Schutz und für den Erhalt der Ehebeziehung gegeben wurde.

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Obwohl schon in die Jahre gekommen, bleiben wir doch zusammen. Man passt sich einander an und geht gemeinsam nebeneinander und miteinander.

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2Mose 20,14): „Du sollst nicht ehebrechen. (gr. μη μοιχεύσεις – me moicheuseis – nicht ehebreche). Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

  • Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
  • Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.

Es ist auch gesagt (5Mose 24,1): »Wer sich von seiner Frau scheidet (απολύση-apolyse), der soll ihr einen Scheidebrief (αποστάσιον-apostasion) geben.

Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, (Unzucht gr.πορνεία  – porneia) der macht (verursacht), dass sie die Ehe bricht;

  • und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe(Mt 5,27-32; 2Mose 20,14; 3Mose 20,10-13).

Auch bei diesem Gebot wollen wir zunächst die für dieses Thema relevanten griechischen Begriffe klären.

  • γάμος – gamos – Heirat, Hochzeit, Ehe. Daher die Fachbegriffe `monogamie – Einehe` und polygamie-Vielehe`. Ehe war eine bürgerlich-rechtliche Institution. Sie kam meistens durch die Vermittlung der Eltern oder Vertrauenspersonen zustande. Zwei Familien einigten sich über die Bedingungen, bei denen der Brautpreis eine wichtige Rolle spielte, dies war die Verlobung. Vollzogen wurde die Ehe während oder nach der Hochzeitsfeier. Die Ehe war ursprünglich auf Lebenszeit angelegt.
  • μοιχεία – moicheia – Ehebruch (Ehebruch lag damals erst dann vor, wenn einer der Ehepartner den Ehebund durch sexuelle Untreue, brach).
  • πορνεία – porneia – Unzucht (der Begriff wird verwendet, um verschiedene Arten von sexuellen Entgleisungen zu beschreiben).
  • απολύση – apolyse – er (der Mann) löst (die Frau) von (sich) los, er scheidet sie von sich. Im jüdischen Kontext wurde die Ehe vom Mann geschieden. Der Mann löst, bzw. schickt seine Frau von sich weg und gibt ihr die Scheidungsurkunde, den Scheidungsbrief in die Hand.
  • αποστάσιον – apostasion – Scheidungsurkunde, Scheidebrief.

Nach dem Buchstaben des Gesetzes war Ehebruch erst dann vollzogen, wenn die Tat vollbracht wurde, d.h. einer der Partner buchstäblich fremd ging und dies stand unter Todesstrafe. Jesus stellt den Ehebruch jedoch schon dann fest, wenn ein Mensch in seinen Gedanken das Begehren (epithymia) gewollt und bejaht hat. Damit wird das Gebot nicht einfach verschärft, sondern er vereinfacht die Einhaltung das Gebotes in seiner ganzen Tiefe. Denn es ist doch leichter den ersten Gedanken abzuwehren, als noch kurz vor der Tat umzukehren. Ein Streichholz zu löschen, ist sehr einfach, doch wenn das Haus erst in Flammen steht, dann ist es in den mesten fällen zu spät. Um die Vorbeugende Maßnahmen geht es bei Jesus, welche er durch draßtische Zuspitzungen unterstreicht. Das Ärgernis des rechten Auges und der rechten Hand, ist von Jesus nicht willkürlich so betont. Die rechte Seite des Menschen, also der rechte Fuß, die rechte Hand, das rechte Ohr und natürlich auch das rechte Auge, werden vom Menschen  bevorzugt zur Ausführung von Handlungen gebraucht. Das Ärgernis (skandalon) ist so was wie ein Anstoß, Hindernis, das einen Menschen zu Fall bringen kann, oder eine Art Verführung, Verlockung, Falle, in der sich ein Mensch verfängt. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und dem muß energischer Wiederstand geleistet werden. Es geht um Zurückhaltung von einer Bejahung in Gedanken, Worten oder gar der Ausführung.

  • Achtgeben auf die Füße: Jes 58,13;
  • Achtgeben auf die Augen: Ps 119,37;
  • Achtgeben auf die Hände: Jes 33,15.

Dass Jesus diese Aussagen nicht wörtlich/buchstäblich gemeint hat, macht das Verhalten der Jünger und der ersten Christengeneration deutlich, denn an keiner Stelle der geschichtlichen Beschreibungen über die Mißstände in den ersten Gemeinden hat man sich die Augen oder die Hände ausgerissen.

Doch Jesus spricht noch einen anderen Aspekt des Ehebruchs an. Wer seine Frau entlässt, der setzt sie der Gefahr oder auch der Versuchung aus, sich mit einem anderen Mann zu verheiraten. Und dadurch wird diese Ehe auch in ihrer sichtbaren und fassbaren Gestallt zerbrochen. Der Mann, der sie zu sich nimmt, macht sich ebenfalls des Ehebruchs schuldig. Es ensteht also eine Kettenreaktion von Übertretungen des Gebotes Gottes und die Folgen sind oft verheerend, besonders für Kinder. (Mir ist bewusst, dass der Abschnitt mit der Entlassung einer Frau mittels eines Scheidungsdokuments von hartherzigen und liberalen Auslegern im Judentum oft zu unrechtsmäügen Scheidungen geführt hat und Jesus womöglich diese lieberale und vom Gesetz nicht gedeckte Scheidungspraxis anprangerte).

Eine deutliche Einschränkung oder Zugeständnis zur rechtsmäßigen Scheidung macht Jesus, wenn er sagt, dass wegen oder im Falle von Unzucht, also wegen Treuebruchs eines Partners in der Ehe, der andere das gesetzliche Recht hätte, sich zu trennen, ohne dass es dann ihm, so wäre die Logik, als Ehebruch angerechnet wird wenn er wieder heiratet.

 

Weitere Aspekte der Ehefragen werden in Matthäus 19,3-12 von Jesus aufgegriffen und erläutert: „Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist’s erlaubt, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet? Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach (1.Mose 2,24): »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden „ein“ Fleisch sein«? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern „ein“ Fleisch1. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,3-6)!

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Schwäne gehören zu den Vogelarten, die lebenslang zusammenbleiben (Foto: 4. Februar 2015).

Hier macht Jesus deutlich, dass es überhaupt nicht darum geht, wie man im Falle eines Falles seine Frau entlassen könnte, um eine neue Beziehung eizugehen, sondern im Vordergrund steht die ursprüngliche Ordnung Gottes, nämlich `ein` Mann und `eine` Frau und das für`s ganze Leben.

Das Zugeständnis des Mose (eigentlich das Zugeständnis Gottes durch Mose im Gesetz), wurde nur wegen der Hartherzigkeit der jüdischen Männer gegeben. Gott verhieß jedoch seinem Volk das harte Herz herauszunehmen und ihm ein fleischernes, also ein weiches, empfindsames, lebendiges Herz zu geben (Hes 11,19). Das heißt, es soll immer zuerst die Wiederherstellung der zerbrochenen Ehebeziehung durch Versöhnung und Vergebung angestrebt werden.

Im Alten Testament wird die Beziehung Gottes zu Israel mit einem Ehebündnis beschrieben. Gott ist eigentlich der Betroffene, der Betrogene, Hintergangene, dem Israel die Treue nicht gehalten hatte. Sie liefen ihm immer wieder davon (Jes 50,1-2;

Jer 3,1. 8-20). Gott gab also im Gegensatz zu den natürlichen Ehegepflogenheiten dem Volk Israel immer wieder die Möglichkeit zur Rückkehr durch Einsicht und Buße.

Die Botschaft Gottes ist klar, trotz der Untreue seiner Frau (Israel/Juda) ist sein Arm nicht zu kurz, dass er nicht helfen oder erretten könnte? Und er ruft sie zurück und verspricht sie wieder anzunehmen.

So stellt Jesus die Ehe wieder in Gottes Licht und unter Gottes Schutz. Seine Gedanken sind, Gedanken der Versöhnung, der Wiederherstellung, auch im Falle der Untreue. Dafür aber gab Jesus sein neues Verständnis zur Ehe. Gesetz wird nicht nur erfüllt, wenn die Ehe nicht gebrochen wurde, sondern Gesetz wird erfüllt, wenn die Ehe gepflegt, erhalten, oder wieder erneuert wird, so dass dadurch der göttliche Ehegedanke und Plan Gottes mit seinem Sohn (Bräutigam) und der Gemeinde (Braut) reflektiert und geehrt wird.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum ist die Ehe von Gott durchs Gesetz geschützt worden?
  2. Warum hat dann Gott durch Mose den Israeliten erlaubt mittels eines Scheidebriefes sich von ihren Frauen zu scheiden?
  3. Was war der ursprüngliche Gedanke und Plan Gottes mit dem Menschen in Bezug auf die Ehe?
  4. Welche Schwierigkeiten entstehen bei einer Scheidung?
  5. Siehst du deine Ehe an als ein Geschenk von Gott?
  6. Was tust du, um deine Ehe zu schützen, erhalten und vertiefen?

Das Gebot – Stiehl nicht

Nach dem Schutz des Lebens und der ehelichen Treue, kommt das Gebot, welches sich mit dem Schutz des Eigentums befasst: „Du sollst nicht stehlen(2Mose 20,15; 5Mose 5,19; Mt 19,18).

Jesus erwähnt es im Zusammenhang der Frage des Jünglings nach dem ewigen Leben (Mt 19,18; Mk 10,19; Lk 18,20). Stehlen bedeutet, sich etwas heimlich oder auch offen nehmen, etwas aneignen, was einem anderen gehört, oder was verboten ist.

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Warum sollen gerade die Früchte im Nachbarsgarten besser schmecken, als die im eigenen?

Die erste Übertretung auf diesem Gebiet geschah im Garten Eden. „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“ (1Mose 3,6). Die folgen dieser Handlung waren und sind unübersehbar. Etwas entwenden ist Diebstahl, so heißt es zum Beispiel von Rahel in 1Mose 31,19: „Und Rahel stahl ihres Vaters Hausgott.“ Zu dieser Sünde gesellte sich auch noch die Lüge gegen ihren

eigenen Vater Laban (1Mose 31,35). Von Achan heißt es in Josua 7,1: „Aber die Israeliten vergriffen sich an dem Gebannten; denn Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serachs, vom Stamm Juda, nahm etwas vom Gebannten.“ Etwas Verbotenes zu nehmen, ist Diebstahl oder gar Raub. Diesen Präzedensfall bestrafte Gott sehr hart, Achan und sein ganzes Haus mussten sterben (Jos 7,24). So wurde dieses Gebot von Gott selbst in die zweite  Gesetzestafel aufgenommen und in 3Mose 19,11 mit weiteren damit zusammenhängenden Sünden ergönzt: „Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern.“ In 2 Mose 22,6 wurden die Richtlinien im Umgang mit dem Gestohlenen festgelegt: „Wenn jemand seinem Nächsten Geld oder Gegenstände zu verwahren gibt und es wird ihm aus seinem Hause gestohlen: findet man den Dieb, so soll er’s zweifach erstatten.“ Auch wenn Jesus zu diesem Gebot keine weiteren Kommentare oder Ergänzungen gibt, so sprechen doch die Beispiele eine deutliche Sprache. Doch neben all der Strenge und Geradlinigkeit bei Jesus muss man auch feststellen, dass er viel Geduld zeigte gegenüber einem Dieb in den Reihen seiner Jünger (Joh 12,6). Zachäus, der sich offensichtlich in dem Bereich Diebstahl, Betrug und Lüge so manches zuschulden kommen ließ, weiß genau, was er in der Gegenwart des Messias nun zu tun hat. „Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück“ (Lk 19,8), Dieser Fall macht deutlich, dass Betrug in geschäftlichen Dingen genau so Diebstahl, oder Raub ist, nur eben in einer etwas verdeckteren Form. Doch warum ist er bereit anstatt zweifacher Erstattung, wie im Gesetz gefordert, sogar das Vierfache an Gestohlenem zu erstatten? Kann sein, dass er an die Geschichte aus 2Samuel 12,6 denkt. Dort fällt David ein Urteil über sich selbst. „Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.“ Zachäus wollte mit dieser Erstattung nicht nur den materiell zugefügten Schaden decken, sondern auch die seelischen Verletzungen, welche durch seine Macht, List und das Schonen des Eigenen Kapitals, den Geschädigten zugefügt wurde. Ganz krass ist die Geschichte von Ananias und Saphira, die etwas entwendeten, bzw. zurückbehielten an Geld, die Ehre und das Ansehen jedoch für den Gesamtbetrag in Anspruch nehmen wollten. Petrus bezüchtigt sie Beide des Betrugs gegen den Heiligen Geist (Apg 5,1ff).

Auch Paulus baut auf der gleichen Platform wie Jesus auf, indem er den ehemaligen Dieben rät: „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann“ (Eph 4,28). Es ist also nicht immer möglich, das früher Gestohlene oder das heimlich zurückbehaltene  an die Betroffenen zurückzugeben. Das Teilen mit eigens Verdientem oder ehrlich erworbenem Gut, ist die Heilung und Befreiung von solchen Arten übler, sündiger Gewohnheiten. Die Gesinnung Jesu und die Praxis der Apostel zielt auf Austeilen von materiellen Gaben, nicht deren Sammlung und Anhäufung. „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen“ (Mt 6,19),

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wo und wann begann diese Art von Unrecht, Sünde?
  2. Welche Übel stehen im Zusammenhang mit dem Dienstahl?
  3. Wie ist man in alttestamentlicher Zeit mit dieser Sünde umgegangen?
  4. Welche Regel gibt uns Jesus und die Apostel? Ist es etwas Neues? Ist das Alte aufgehoben? Auf was wird nun der Schwerpunkt gelegt?

 

Das Gebot – Rede kein falsches Zeugnis

Als Jesus von einem jungen, reichen Obersten auf die Gebote angesprochen wurde, nannte er unter nderen auch das Gebot: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“ (2Mose 20,16; 5Mose

5,20; Mk 10,19; Lk 18,20). Damit hebt Jesus eindeutig die Gültigkeit dieses Gebotes hervor.

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Sonnenaufgang über dem traditionellen Sinaigebirge. Damit verschwindet nach und nach das Dunkel der Nacht und die bis dahin unsichtbaren Formen und Konturen der Berge werden erkennbar (Foto: Juli 1994).

Dieses Gebot ist eng verbunden mit dem Gebot „Du sollst nicht falsch schwören“ (3Mose

19,12; Mt 5,33-37 und 19,18). In diesen Fällen wurde die Zeugenaussage mit einem Schwur

bekräftigt.

Ein weiteres Gebot ist diesem verwand, tnämlich: „Ihr soll nicht lügen und nicht

betrügerisch handeln einer gegen den anderen“ (3Mose 19,11).  Bei der Beobachtung dieser

drei Gebote zeigt sich deutlich die Verflechtung. Abgesehen von den vielen verkehrten

Gedanken des Herzens, sündigt der Mensch am meisten mit seiner Zunge, die als Körperglied

zwar klein ist, aber doch großen Schaden anrichten kann, wie Jakobus in seinem Brief

schreibt: „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. So ist die Zunge

unter unsern Gliedern: sie befleckt den ganzen Leib und zündet die ganze Welt an und ist

selbst von der Hölle entzündet“ (Jak 3,6).

Ein Zeugnis (gr. μαρτυρία – martyria) kann ein Mensch entweder von/über sich selbst geben, oder über andere aussprechen. Und natürlich erwartet Gott von jedem Menschen, der über einen anderen eine Aussage macht, dass es der Wahrheit entspricht. Die Begründung liegt in dem Wesen Gottes, der nicht lügt und nicht lügen kann, wie wir in Hebräer 6,18 lesen: „damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott doch unmöglich lügen kann …“ (Hebr 6,18).

Wegen dem Hang des Menschen zu ungenauen, oft unwahren Aussagen, hat Gott das Prinzip der 2/3 Zeugen eingeführt (5Mose 17,6). „Es soll kein einzelner Zeuge gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Missetat oder Sünde, was für eine Sünde es auch sei, die man tun kann, sondern durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll eine Sache gültig sein“ (5Mose 19,15). Aus seiner Weisheit und seinem Weitblick führt Gott solch eine Schutzmaßnahme ein. Dabei stellt sich auch Jesus unter dieses Prinzip, wenn er in der Diskussion mit den Juden in Jerusalem seine Glaubwürdigkeit unterstreicht. „Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr (sozusagen nicht rechtskräftig). Ein anderer ist’s, der von mir zeugt; und ich weiß, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir gibt. Ihr habt zu Johannes geschickt, und er hat die Wahrheit bezeugt. Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen; sondern ich sage das, damit ihr selig (gerettet) werdet“  (Joh 5,31-34). „Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben(Joh 5,37; Mt 3,17).  „Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir (Joh 10,25).

Auch für die Gemeinde ordnete Jesus die Einahltung dieses göttlichen Prinzips. „Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. (Mt 18,16).

Paulus ermehnbt die Gläubigen in Ephesus mit den Worten: Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind“ (Eph 4,25).

Ein Spruch im Volksmund lautet: „Lügen haben kurze Beine“, oder „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“. Die edle charakteristik für die Männer: „Ein Mann, ein Wort“, verliert in unserer Gesellschaft immer mehr an Wahrheitsgehalt. Doch die Wahrheit ist wie das Licht, sie bricht sich am Ende doch die Bahn.

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Das sogenannte Sinaigebirge – je mehr die Sonne steigt, werden auch zunehmend die verschiedenen Formen und Farben des Granits erkennbar (Foto: Juli 1994).

Gott sei Dank, dass bis heute das wahre Zeugnis immer noch ihren besonderen Wert genießt, sei es zwischen den Ehepartnern, in der Familie, Schule, Firmen und auch bei Gerichten, denn wahres Zeugnis kann Leben retten.

Christen sind berufen Zeugen zu sein, Zeugen der Wahrheit des Evangeliums (der frohen, rettenden Botschaft) von Jesus Christus.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Was oder wer ist ein Zeuge?
  2. Warum führte Gott das Prinzip der 2/3 Zeugen ein?
  3. Warum stellte sich selbst Jesus unter dieses Gebot?
  4. Musstest du schon mal etwas bezeugen vor dejner Familie, Gemeinde, oder gar weltlichem Gericht?

Das Gebot – Begehre nicht

Den Abschluss der zehn Gebote bildet das sehr umfassende Verbot etwas oder jemanden zu begehren – haben wollen, in Besitz nehmen wollen.

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Du sollst nicht begehren der Früchte aus dem Garten deines Nachbarn. Genieße die Früchte aus deinem eigenen Garten, sie schmecken auch gut.

Wer schon einmal die ersten Kapitel der Bibel gelesen hat, wird auch gleich an die erste Übertretung dieses Gebotes erinnert. Es heißt dort: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (1Mose 2,15-17). Die Versuchung kam von außen, von der Schlange. Diese lenkte den Blick der Frau vom Gebotenem zum Verbotenen und weckte so in ihr das Verlangen, das Begehren. Dort lesen wir: „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“ (1Mose 3,6). Wir wollen festhalten, dass Gott seine Gebote nicht gibt, um den Menschen das Leben schwer zu machen, oder gar einzuschränken, im Gegenteil, durch klare Bekanntgabe seines Willens will Gott den Menschen schützen vor Gefahren und Katastrophen vorbeugen.

Das Begehren, haben wollen, ist meistens die Folge von fehlendem Dank und Anerkennung des Vorhandenen. Undank weckt Habgier und der Habgier folgt das Begehren nach Dingen, die einem nicht gehören und welche einem nur schaden. Wurde das Begehren erst gestillt, befriedigt, folgt die Ent-Täuschung (die Augen werden geöffnet) und Unruhe, Angst durch das belastete Gewissen breiten sich aus.

  • Das Begehren der Gotteskinder nach den Töchtern der Menschen (1Mose 6,2) war anscheinend gegen Gottes Willen und brachte schließlich Unheil über die Menschheit.
  • Achan bekennt vor Josua: „Ich sah unter der Beute einen kostbaren babylonischen Mantel und zweihundert Lot Silber und eine Stange von Gold, fünfzig Lot schwer; danach gelüstete mich und ich nahm es“ (Josua 7,21).
  • Das ungebremste Verlangen, welches David verspührte beim Anblick der badenden Batseba auf dem Nachbardach (2Sam 11,2) führte zum Ehebruch und weiterer Blutschuld.

Der griechische Begriff  επιθυμία – epithymia wird mit Verlangen, oder mit Begehren übersetzt. Es ist noch stärker als das Wünschen oder Wollen. Es ist so wie wenn sich das Wünschen und Wollen auf den Weg gemacht hat zu dem angepeilten Ziel. Zur Vollständigkeit muss jedoch hier erwähnt werden, dass der `epithymia` Begriff auch für positive Neigung verwendet wird, eine Art Sehnsucht und Verlangen nach Gott, seinem Wort, oder nach seiner Gerechtigkeit. Doch im Kontext lässt sich die Richtung von epithymia sehr schnell feststellen. Der Text des Gebotes/Verbotes aus der zweiten Tafel  lautet: „Du sollst nicht begehren (επιθυμήσεις – epithymeseis) deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat“ (2Mose 20,17).

In den Evangelien und den Briefen der Apostel finden wir verstreut Hinweise auf dieses umfassende 10. Gebot. So nimmt Jesus darauf Bezug in Matthäus 5,28 „ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Und im Im Zusammenhang der Beschreibung von Sünden in Gedanken, erwähnt er auch die Habgier: „Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft“ (Mk 7,22). Und er warnt seine Zuhörer: „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“ (Lk 12,15).

Das Mittel, welches Jesus der Habgier, dem Begehren entgegensetzt ist Geben/Mitteilen (Mt 5,42) und zwar für jeden ganz individuell zugemessen.

Dem reichen Jüngling sagt Jesus: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!“ (Mk 10,21).

Jesus hat mit der freiwilligen Hingabe seines ganzen Lebens die Grundlage gelegt für die Erfüllung dieses umfassenden Gebotes Gottes. Er kam in diese Welt als Geber, er sagte: „Und ich lasse mein Leben für die Schafe“ (Joh 10,15).

Auch der  Autor des Hebräerbriefes betont: „Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt (Josua 1,5): »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.«

Und der Apostel Paulus bezeugt von sich selbst: „ denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht“ (Phil 4,11).

Solche Gesinnung und Lebensführung ist nicht nur genug zur Erfüllung des Buchstabens des 10. Gebotes (das Verbotene nicht getan zu haben) sondern zeitgleich das Gegenteil getan und damit dieses Gebot in seiner gesamten Tiefe erfüllt.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Woher kommt das Begehren, Verlangen? Ist es immer negativ?
  2. Welche Folgen zieht das sündige Begehren nach sich?
  3. Was setzt Jesus dagegen? Wie besiegt er dieses Begehren nach Unerlaubtem?
  4. Was sind die praktischen Schutzmechanismen, um nicht nur gerade so den Buchstaben des Gebotes zu erfüllen?

 

Aus: http://gottesgeheimnis.net/

Das Gebot – Schwöre nicht falsch

Die Praxis des Schwörens ist uralt und wurde generell zur Bekräftigung und Beglaubigung  einer Aussage gemacht.

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Wie schwer wiegt ein Wort der Wahrheit? Jesus sagt, dass die Menschen Rechenschaft ablegen müssen für jedes nutzlose Wort, dass sie geredet haben.

Ein Gelübde ist auch ein feierliches Versprechen, doch ohne Schwur (1Mose 28,20; 31,13 – Jakobs Gelöbnis/Gelübde). Gott selbst schwor Abraham einen Eid: „und sprach: Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der HERR: Weil du solches getan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont,

will ich dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel …“ (1Mose 22,16-17). Wenn aber Menschen schworen, dann nahmen sie immer Bezug auf eine, dem Schwörenden höhergestellte Person, oder gar Bezug auf Gott. So lesen wir in Hebräer 6,16: „Die Menschen schwören ja bei einem Größeren, als sie selbst sind; und der Eid (gr. όρκος – orkos) dient ihnen zur Bekräftigung und macht aller Widerrede ein Ende“. Der Schwur trug also dazu bei, dass ein Konflikt beigelegt werden konnte, so fordert Abimelech, der König von Gerar, Abraham zu einem Schwur auf: in 1Mose 21,23 sagt er: „So schwöre mir nun bei Gott, dass du mir und meinen Söhnen und meinen Enkeln keine Untreue erweisen wollest, sondern die Barmherzigkeit, die ich an dir getan habe, an mir auch tust und an dem

 Lande, darin du ein Fremdling bist“ (1Mose 21,23).

Auch Isaak und Jakob wurden zum Schwören aufgefordert (1Mose 26,26-31; 31,53-54) und sie hielten sich auch daran. So wurde das Schwören im Gesetz Moses zwar verankert, gleichzeitig aber auch vor Missbrauch gewarnt.  „Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR“ (3Mose 19,12).

Der übliche und am meisten verwendete Schwur in Israel lautete: „So wahr der HERR lebt! (Jer 12,16; Richter 8,19; Ruth 3,13;1Sam 19,6; 2Kön 2,2). Und in der Tat, wenn der Eid durch die Schwurformel mit Einbeziehung des Gottesnamens wohl überlegt ausgesprochen wurde, war es auch ein Zeugnis der Zugehörigkeit zu Gott. Gott wurde also bewusst in das Leben, den Alltag einbezogen. Doch die Eide verloren nach und nach ihren Whrheitsgehalt und damit wurde der Name Gottes mißbraucht und entheiligt. Jesus nimmt nun Bezug auf diesen Missstand: Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3.Mose 19,12; 4.Mose 30,3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.«

Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt,

  • weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;
  • noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße;
  • noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
  • uoch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen“ (Mt 5,33-36). 

Nun leitet er eine neue Phase des Umgangs mit Worten, Versprechungen und Beteuerungen,  ein. Er reduziert das Ganze auf den wahren Kern einer Aussage – Wenn JA, dann JA, wenn NEIN, dann NEIN. Damit legt er die Aussagen in die volle Verantwortung des Menschen und schützt den Namen Gottes vor Mißbrauch und damit vor einer Entheiligung. Der Gesetzgeber hebt damit nicht ein alttestamentliches Gebot auf, denn solch ein Gebot gab es nicht. Es gab schon vor der Gesetzgebung am Sinai diese allgemeine Praxis des Schwörens. Das Verbot lautete: „Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR“ (3Mose 19,12). Das Gebot lautete: „Wenn jemand dem HERRN ein Gelübde tut oder einen Eid schwört, dass er sich zu etwas verpflichten will, so soll er sein Wort nicht brechen, sondern alles tun, wie es über seine Lippen gegangen ist(4Mose 30,3). So erkennen wir, dass sich  Jesus wegen des Mißbrauchs dieser Alltagspraxis eine Neue Umgangsform in die zwischenmenschliche Beziehungen einführt, nämlich: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel“ (Mt 5,37). Wenn Jesus des öfteren seine Rede mit den einleitenden Worten „Wahrlich, wahrlich, (gr. αμην, αμην – amen, amen) ich sage euch“ beginnt, so ist es kein Schwur, sondern eine feierliche Hervorhebung dessen, was nun gesagt wird.

Die Praxis, ein Gelübde abzulegen, wurde auch in neutestamentlicher Zeit fortgesetzt (Apg 18,18; 21,23).

Als Petrus im Hof des Hohepriesters von den Bediensteten nach seiner Zugehörigkeit zu dem Mann aus Nazaret gefragt wurde, belegte er sich mit einem Fluch und Schwur: „Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Mt 26,74-75). Diese Erfahrung war so einprägsam, dass ihm so etwas später nicht mehr passierte. Jakobus, der Bruder des Herrn schreibt in seinem Brief: „Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt“ (Jak 5,12).

Auch in diesem Bereich will Jesus es uns leichter machen. Durch diese Neuordnung schützt und bewahrt er uns in einer demütigen Abhängigkeit zu Gott. Das stolze: „Ich schwöre dir bei …“, ist also nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich. „Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun“ (Jak 4,15).

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Woher kommt die Praxis des Schwörens?
  2. Was ist der Unterschied zwischen Schwur/Eid und einem Gelübde?
  3. Welche Bedeutung hatte das Schwören in der Patriarchenzeit?
  4. Wie lautete die gängige Formel beim Schwören in Israel? Und was verband man damit?
  5.  Warum ändert Jesus diese jahrtausendealte Praxis? Was ist bei der neuen Anweisung Jesu neu?
  6. Wie viel zählt dein Wort, dein Versprechen? Kann man sich darauf verlassen?

 

Das Gebot – Auge um Auge, Zahn um Zahn

Dieses Gebot ist eins der Bekanntesten und genauso weit verbreitet ist das Missverständnis über den Sinn und Zwck dieser Anordnung, welche Gott in seiner Weisheit ursprünglich damit beabsichtigte.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel,

  • sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
  • Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
  • Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
  • Gib dem, der dich bittet,
  • und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will“ (Mt 5,38-42).

Der vollständige Text zum angemessenem Umgang mit Körperverletzung aus 2Mose 21,24-25 lautet:

  • Auge um Auge,
  • Zahn um Zahn,
  • Hand um Hand,
  • Fuß um Fuß, 
  • Brandmal um Brandmal,
  • Beule um Beule,
  • Wunde um Wunde.“

Schon beim bloßen Betrachten dieser Anordnung kann man erkennen, dass es bei der Vergeltung nicht um die Wiederherstellung des angerichteten Schadens bei der Körperverletzung des Opfers geht, sondern um die gleiche Minderung der Lebensqualität bei dem Täter. Er soll also spüren und erfahren, wie es dem Geschädigten geht, wie er leidet, was er empfindet. Der Täter soll also keinen körperlichen Vorteil haben gegenüber dem Geschädigten Opfer. Für den Fortbestand einer Zivilisation ist es durchaus ein sinnvolles Gerechtigkeitsprinzip. Denken wir nur an die Zustände unter den Menschen in der Zeit vor der Sinflut – die Gewalttaten breiteten sich rasch aus. Der Gewalttäter wurden immer mehr und die damalige Welt versank im Chaos wegen der Gesetzlosigkeit (1Mose 6,10-12).

Das Vergeltungsgebot wurde im Gesetz verankert auch wegen einer klaren Begrenzung des Maßes der Vergeltung. Wir erinnern uns dabei an das Übermaß an Vergeltung und Rache des Lamech aus 1Mose 4,23-24; „Und Lamech sprach zu seinen Frauen: Ada und Zilla, höret meine Rede, ihr Frauen Lamechs, merkt auf, was ich sage: Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Jüngling für meine Beule. Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal.“

Hier wird die Folge und das Ausmaß der Selbstjustiz deutlich beschrieben.

  • Für die ihm zugefügte Wunde/Beule schlug Lamech einen Mann tot, eine weit über die Maßen unangemessene Vergeltung.
  • Dazu nahm er für sich in Anspruch, vor Vergeltungsaktionen geschützt zu sein und dies wegen einer völlig missverstandenen Gütehaltung Gottes zu Kain. Dieser befürchtete zu recht Rache für den Mord an seinem Bruder Abel, doch Gott sagte ihm Schutz zu: „Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden“ (1Mose 4,15).

Das mosaische Gebot hatte auch eine abschreckende Funktion und Wirkung. Obwohl es sicher Fälle von Körperverletzungen gab, ist es doch unwahrscheinlich, dass dieses Vergeltungsgebot in seiner buchstäblichen Form angewendet wurde.

 

Nun kommt Jesus mit seinem „Ich aber sage euch“ neuen Gebot dem ein wirksameres göttliches Prinzip zugrunde liegt.

  • Durch diese neue Verhaltensweise beweist Jesus die Liebe Gottes zu den Sündern, den Bösen, den Tätern, ja den Übeltätern.
  • Durch dieses Verhalten gibt Jesus den Übeltätern eine reale Chance zur Sinneswandlung und damit zur Umkehr und Rettung.
  • Dem Geschädigten verspricht Jesus wiedererstattung entweder hier in angemessener Form (siehe Stefanus/Paulus) oder bei der Auferstehung (es wird euch im Himmel wohl belohnt werden Mt 5,12)

Petrus und die Apostel hielten sich nicht nur selber an diese neue Regel (Apg 5,41), sondern ermutigten auch die Gläubigen dazu: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt“ (1Petr 3,9). Das neue Verhalten raubt dem Bösen die Kraft, die Wirkung. Auf diese Weise wird das Böse, das Übel, die Ungerechtigkeit, besiegt. Diesem neuen Gebot liegt die Tatsache zu Grunde, dass Gott in seinem Sohn der boßhaften, sündigen Menschheit in Liebe und Vergebungsbereitschaft begegnet.

Doch diese Grundaussage von Jesus meint nicht zwingend, dass die Gläubigen sich nicht mehr wehren dürfen, wenn ihnen Unrecht zugefügt wird. Schauen wir uns Jesus an in solch speziellen Situationen.

  1. Beispiel: Als die Nazarener ihn umbringen wollten, durch Hinabstürzen vom Bergabhang, ging er mitten durch sie hinweg (Lk 4,29-30). Man kann sagen, er entging ihnen, er suchte und fand einen Fluchtweg.
  2. Beispiel: Während des Verhörs vor dem Hohen Rat wird Jesus von einem der Diener ins Gesicht geschlagen (Joh 18,22-23). „Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“ Jesus befindet sich vor einem Autorisierten Gericht (Synedrium) und verteidigt die Wahrheit seiner Aussagen. Er schlägt nicht zurück, hält in diesem Fall auch nicht die andere Gesichtsseite dem Schläger hin, sondern überwindet mit einer deutlichen und logischen Aussage die unrechte Tat des Dieners. Das Ziel dabei ist auch, dem Diener die Möglichkeit zur Überprüfung seiner Tat einzuräumen und ihn zur Sinneswandlung zu bewegen. Jesus will den Täter für sein Reich gewinnen.
  3. Beispiel: Kurz nach der Verurteilung durch den Hoohen Rat fing man an Jesus zu mißhandeln. „Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige aber schlugen ihn ins Angesicht“ (Mt 26,67). Jemandem ins Gesicht spucken war eine der schlimmsten Formen der Verachtung und Erniedrigung (4Mose 12,14). Bei dieser Situation, wehrte sich Jesus nicht, nicht mal mit Worten.

Die Gläubigen können darauf vertrauen, dass Gott ihnen in jeder nur erdenklichen Situation durch die Gegenwart des Heiligen Geistes die nötige Weisheit und den Mut geben wird um angemessen zu reagieren oder gar agieren.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum brauchen die Menschen Gebote und Verbote?
  2. Zu welchem Zweck wurde das Gebot der Vergeltung gegeben und mit welchem Ergebnis?
  3. Warum führt Jesus ein neues Verhalten für seine Nachfolger ein?
  4. Wie reagierst du, wenn dir Unrecht zugefügt wird?

Das Gebot – Den Fremdling unterdrücke nicht

 

  • Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid“ (2Mose 23,9; 22,20).
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Gastfreundschaft im Wadi Rum (Jordanien) hat auch noch heute einen hohen Stellenwert (Foto:  6. November 2014).

Jesus hat dieses Gebot in seinen Lehren zwar nicht zitiert, aber in seinem Leben erfüllte sich der tiefe Inhalt dieses Gebotes. Damit wurde er für uns Vorbild zur Nachahmung. Zunächst stellen wir fest, dass er selber wie ein Ausländer zu den Seinen kam, wie Johannes dies beschreibt: „Er (Jesus) kam zu den Seinen und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11).  Schon als Kind musste er aus dem eigenen Land fliehen und bekam Zuflucht als Fremdling (Asylant) in Ägypten. So lesen wir in Matthäus 2,13: „Als sie (die Weisen) aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen“ (Mt 2,13).

Das uns gut bekannte Wort `Asyl Asylant` kommt vom Griechischen `ασυλον – asylon`, so bezeichnete man den Ort oder Bereich in dem ein Flüchtender vor seinen Verfolgern zunächst Schutz und Sicherheit fand. So befand sich zum Beispiel im Bereich des Artemis Tempels in Ephesus solch ein Asylon. Doch der Gedanke, einem Flüchtenden zunächst mal Schutz und Sicherheit zu gewähren, ist auch die im  Alten Testament übliche Praxis gewesen. So ordnete Gott an, dass sechs sogenannte Freistädte eingerichtet werden, in die ein Flüchtling vor dem Rächer fliehen konnte. Erst später wurde die Schuldfrage geklärt (4Mose 35,10-14). Damit sollte verhindert werden, dass unschuldiges Blut vergossen wird. Ägypten war schon in der Zeit der Geschichte Israels als Zufluchtsland bekannt (Jer 26,21).

Und als Jesus aus Ägypten zurückkehrte, war er in Bethlehem, also in seiner Geburtsstadt keineswegs sicher und so wuchs er im Galiläischen Land in der Kleinstadt Nazaret auf.

 

In der Zeit seines Dienstes begegnet er immer wieder Ausländern mit Respekt und würdigt deren Glauben, so in Lukas 7,9:

  • Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn (den römischen Offizier) und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden(vgl. Mt 8,10).

Oder bei der Reinigung der zehn aussätzigen Männer im Grenzgebiet von Galiläa/Samarien:

  • Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.  Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde (Ausländer)? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen“- (hat dich gerettet) (Lk 17,15-17).

Die neun waren demnach Juden aus Israel, die es anscheinend nicht für nötig hielten, umzukehren und Gott zu danken für die erwiesene Güte.

 

Jesus erzählt ferner eine Geschichte von einem Raubüberfall, der sich auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho ereignete. Der Mann, welcher sich über das Opfer, den Verwundeten erbarmte, war ein Samariter:

  • Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;  und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen“ (Lk 10,33-37)!

Es war also ein Ausländer, der im Land Israel einem in Not geratenem Hilfe leistete. Weiter sagt Jesus: „Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen“ (Mt 8,11; Lk 13,29).

In Jesus Christus hat Gott ein Auge auf die Fremden, die Ausländer, die weit weg waren von den Privilegien und bezieht sie in die Segnungen seines Reiches mit ein.

Das Gebot in 2Mose 22,20: „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen“, hat auch im Neuen Testament seine Gültigkeit. Die soziale Gerechtigkeit galt für alle in Israel, für die Einheimischen und die Fremden gleichermaßen, so lesen wir in 5Mose 24,14: Dem Tagelöhner, der bedürftig und arm ist, sollst du seinen Lohn nicht vorenthalten, er sei von deinen Brüdern oder den Fremdlingen, die in deinem Lande und in deinen Städten sind.

Wie aktuell ist doch dieses alte Gebot Gottes!

  • Den Lohn für bereits geleistete Arbeit nicht vorenthalten,
  • Gleicher Lohn für gleiche Leistung, auch für Leiharbeiter, Kurzzeitarbeiter, Frauen und Ausländer,
  • Die gleiche Chance bei der Wohnungssuche, auch für kinderreiche Familien, Alleinstehende, Ausländer.

Die Gemeinde Jesu Christi hat den Auftrag, ausländische Menschen willkommen zu heißen. Begründung: Auch sie waren einst Fremdlinge und Gäste, jetzt nicht mehr: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (Eph 2,19).

In der Zeit der Apostel wurden die Prinzipien Jesu fortgesetzt.

  • Gott kümmerte sich um die Samariter durch den Dienst des Evangelisten Philippus (Apg 8,4ff).
  • Er sah das verlangende Herz des Schatzmeisters aus Äthiopien (Apg 8,26ff).
  • Er sandte Petrus mit dem konkreten Auftrag der Verkündigung der Heilsbotschaft für das Haus des Kornelius in Cesaräa, welcher für die Juden nicht nur Heide war, sondern als römischer Offizier gewissermaßen auch Landesfeind (Apg 10-11).
  • Gerade mit und durch die Ausländer, welche im Lande Israel wohnten verbreitete sich die Botschaft des Evangeliums rasch auch über die Landesgrenzen hinweg.

Die Flüchtlingssituation unserer Zeit bietet eine Evangelisations-Möglichkeit, die es in unserem Land seit der Nachkriegszeit nicht mehr gegeben hat.

 

Fragen /Aufgaben:

  1. Wie wurde im Alten Testament das Gebot, welches die Beziehung zu den Ausländern regelte, begründet?
  2. Wie wurde dieses Gebot zur Zeit der Geschichte Israels praktiziert? Nenne einige Beispiele.
  3. In welchen Geschichten der Evangelien erleben wir Jesus mit Ausländern?
  4. Wie hat Jesus dieses Gebot durch konkrete Anwendung erfüllt?
  5. Wie stehen wir heute zu den Ausländern, Asylanten, Flüchtlingen, Migranten, Minderheiten?
  6. Was können wir als Einzelne in unserem Umfeld und als Gemeinde ganz konkret für diese Menschen tun?

 

Das Gebot  – Versuche nicht den Herrn deinen Gott

 

Dieses Gebot hat, wie auch die anderen Gebote, eine schützende Funktion in  der Beziehung zu Gott. Gleichzeitig richtet es sich gegen eine mit Zweifel behafteten, undankbaren, rebellischen und ungläubigen Haltung, welche Gott und sein Treueversprechen in irgendeiner Form in Frage stellt. Den Samen für `Gott versuchen, Gott herausfordern, Gott in Frage zu stellen`, streute die Schlange (der Satan) ins Menschenherz hinein. Und seitdem wächst und gedeiht dieses geistliche Unkraut im Wesen des Menschen. Eva und Adam versuchten Gott, indem sie von der verbotenen Frucht aßen und fielen in Sünde. Die Turmbauer zu Babel versuchten Gott mit ihrem antigöttlichem Vorhaben mit schwerwiegenden Folgen.

Der Text aus 5,Mose 6,16 lautet: „Ihr sollt den HERRN, euren Gott, nicht versuchen, wie ihr ihn versucht habt in Massa (in der Wüste).“ An welches Ereignis erinnert hier Mose, der Knecht des Herrn die junge Generation im Volk Israel am Ende der Wüstenwanderung? „Und die ganze Gemeinde der Israeliten zog aus der Wüste Sin weiter ihre Tagereisen, wie ihnen der HERR befahl, und sie lagerten sich in Refidim. Da hatte das Volk kein Wasser zu trinken. Und sie haderten mit Mose und sprachen: Gib uns Wasser, dass wir trinken. Mose sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir? Warum versucht ihr den HERRN? Als aber dort das Volk nach Wasser dürstete, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt“ (2Mose 17,1-5)? Ungeduld, Unzufriedenheit, Hader (Streitsucht), Unglaube, Vorwürfe an Mose, eigentlich waren diese gegen Gott gerichtet.

Der griechische Begriff für Versuchung ist `πειρασμος – peirasmos`, er wird von Gottes Seite aus für die Prüfung der Treue und des Glaubens verwendet. Jakobus schreibt dazu: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.“ Es ist also nicht Gottes Art noch sein Wille, jemanden zum Bösen versuchen, oder durch Versuchung zu Fall zu bringen. Wenn er versucht, dann ist es eine positive Prüfung, ein Test des Glaubens, der zur Stärkung der Gottesbeziehung beiträgt (1Mose 22,1 – „Nach diesen Geschichten versuchte (prüfte) Gott Abraham“).

Der griechische Text aus der Septuaginta (LXX) beginnt in der Befehlsform: „nicht versuche den Herrn deinen Gott“. Der Mensch ist deutlich und unmissverständlich aufgefordert, die Treue und Zuverlässigkeit Gottes durch nichts in Frage zu stellen, denn dies schadet ihm selbst und verletzt Gott. Israel befand sich in der Wüste und in einer Phase der Prüfung fingen sie an zu murren: „Da nannte er den Ort Massa und Meriba, weil die Israeliten dort gehadert und den HERRN versucht und gesagt hatten: Ist der HERR unter uns oder nicht (2Mose 17,7)? Thematisch schließt sich hier die Versuchungsgeschichte Jesu an. So wie Israel von Gott in die Wüste geführt wurde, so wurde auch Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht werde (Mt 4,1ff). Hier wird deutlich, Gott führt in die Prüfung der Glaubensbeziehung zu deren Veröffentlichung, Bestätigung und Festigung. Der Teufel versucht, um zu Fall zu bringen, dafür sind ihm alle Mittel recht, sogar der Missbrauch der Worte Gottes. „Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« (Mt 4,5-7). Von Jesus heißt es, dass er in allem versucht wurde, gleichwie wir, doch ohne in Sünde zu fallen, das heißt, er widerstand der Versuchung durch die er hätte zu Fall kommen können. „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde“ (Hebr 4,15).

Somit hat Christus auch dieses Gebot eingehalten und erfüllt. Damit unterstrich er nicht nur seine Loyalität zum Vater, sondern drückte sein unerschütterliches Vertrauen zu Gott aus. Das ist Liebe zu Gott !

Von den Pharisäern heißt es immer wieder: „Sie versuchten ihn und forderten ein Zeichen“, oder „Sie versuchten ihn, damit sie eine Sache oder Anklage gegen ihn erheben können“ (Mt 16,1; Mk 10,2; Joh 8,6). `Gott versuchen` kommt aus einer gestörten Beziehung zu Gott und bricht weitere Beziehungsbrücken ab.

Wie schützen wir uns gegen `Gott versuchen` ?

  • Ihm vorbehaltlos vertrauen,
  • In Notsituationen geduldig und dankbar ausharren,
  • An Gottes Wunder in der Geschichte und im eigenen Leben erinnern,
  • Unsere Sorgen auf ihn zu werfen,
  • Unsere Bedürfnisse ihm anvertrauen,
  • Seine Zusagen nicht in Frage stellen.

 

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Das Denkmal auf dem Berg Nebo erinnert die Besucher an die Plage durch die Schlangen. Das Volk wurde bestraft, weil sie Gott versuchten (Foto: 4. November 2014).

Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und wurden von den Schlangen umgebracht (1Kor 10,9).

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum gab Gott das Gebot, bzw. Verbot `Gott zu versuchen`?
  2. Was sind die Folgen bei `Gott versuchen`?
  3. Wie hielt Jesus es mit diesem Gebot?
  4. Was oder welches Verhalten schützt vor der Sümde `Gott versuchen`?

 

Das Gebot – Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Da dieses Gebot die grundsätzliche Beziehung zum Nächsten regelt, betrachten wir es an dieser Stelle. Im Rahmen der Berglehre ist Jesus immer noch im Bereich der zweiten Gesetzestafel, bei der Klärung der Beziehung des Menschen zu seinem Nächsten.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist:

  • »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18)
  • und deinen Feind hassen.

Ich aber sage euch:

  • Liebt eure Feinde
  • und bittet für die, die euch verfolgen,

damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

  • Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
  • Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?

Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Mt 5,43-48; Lk 6,35).

Zunächst stellen wir fest, dass es Jesus hier nicht um die Klärung oder Definition des Feindbildes geht. Dies wird von Jesus an anderen Stellen und in anderen Zusammenhängen angesprochen und geklärt. Hier geht es auch nicht um die Klärung des Gebotes der Nächstenliebe, auch zu dieser Frage nimmt Jesus später klar Bezug. Mit dem „Ich aber sage euch“ setzt er einen ganz neuen Akzent auf die Beziehung zu Menschen, die sich feindselig zu ihren Mitmenschen (auch besonders zu den Jüngern Jesu) verhalten. Es geht hier also eindeutig um Feindesliebe! Der Gedanke oder auch der Ansatz zu einer positiven Haltung gegenüber des Feindes, wenn jener in Not ist, gab es schon zur Zeit des Alten Testamentes. So lesen wir in 2Mose 23,4-5:„Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen. Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf.“ Anstatt Schadenfreude gegenüber dem Feind, ist vom Gesetz willige Hilfsbereitschaft gefordert. Auch die Geschichte mit der Speisung feindlichen Heeres mit Brot und Wasser aus 2Kön 6,19-23 macht deutlich, dass je nach Umstand dem Feind Güte entgegen gebracht wurde.

Zugrunde für die prinzipielle Neuordnung durch Jesus liegt Gottes Verhalten und Einstellung zu den sündigen Menschen, die sich passiv oder aktiv gegen ihn stellen. Nicht Gott ist der Menschen Feind, sondern der Mensch stellt sich gegen Gott und wird so zum `Feind` Gottes. Doch Gott will und sucht die Versöhnung des Menschen mit sich selbst (2Kor 5,19) „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“.Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16; Röm 5,6-8). Noch am Kreuz tat Jesus Fürbitte für seine Feinde: „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“! (Lk 23,34; Jes 53,12). Auch Stefanus folgte seinem Herrn und bat für seine Verfolger (Feinde) Apg 7,60.

Wir erkennen dabei auch, dass es nicht nur um das Erdulden von Unrecht geht, sondern um aktives `Lieben der Feinde` welches durch Segnung, Fürbitte und sogar Wohltun, deutlich wird.

Auch der Apostel Paulus folgte seinem Herrn in Wort und Tat: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,17-21). Auch Gott lässt die Sonne scheinen auf Böse und Gute und beweist damit seine Güte gleichermaßen gegenüber allen Menschen. Die vollkommenheit, die Jesus von seinen Nachfolgern erwartet, liegt in der Gott-ähnlichen Gesinnung. Kinder sind in der Regel das Spiegelbild ihrer Eltern. Die Ähnlichkeit der Gläubigen mit Jesus, dem eingeborenen Sohn Gottes, bezeugt auch ihre Gotteskindschaft!

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Wer wurde nach dem Gesetz als Feind Bezeichnet?
  2. Wie begründet Jesus das Gebot der Feindesliebe?
  3. Wie kann Feindesliebe ganz bei uns praktisch aussehen?
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