Paulus unterwegs in der Ägäis

Kenchräa – Kos

Zum Abschluß der sogenannten dritten Missionsreise, plant der Apostel Paulus zurück nach Jerusalem zu reisen. Den Winter 58/59 verbrachte er in Korinth, wo er sich bereits zum dritten Mal aufgehalten hatte (1Kor 16,6-7; 2Kor 13,1-2; Apg 20,3). Seinen Plan, vom Hafen Kenchräa (östlicher Hafen von Korinth), nach Syrien zu fahren, ändert er kurzerhand, da ihm dort die Juden nachstellten (Apg 20,3). So verabschiedet er sich von den Gläubigen der Gemeinde in Kenchräa und geht auf dem Landweg über Mazedonien nach Philippi. Dort verbringt er einige Tage.

Nach den Tagen der süßen Brote (die jüdische Passahwoche) besteigt er in Begleitung des Lukas ein Schiff in Richtung Troas (Apg 20,4-6).

IMG_1862Hafenszenerie in der Antike. Abbildung im Museum Alikarnassos in Bodrum (Foto: P. S. 17. Mai 2015).

Für diese Schiffspassage  von etwa 200 Kilometern benötigen sie diesmal (wegen ungünstigen Winden) fast fünf Tage. Vermutlich machten sie Halt in der Hafenstadt Limenas auf Thassos, die auf der Strecke von Neapolis (heute Kavala) nach Troas lag. Höchstwahrscheinlich ist auch ein erneuter Stop auf der  Insel Samothrake, wo er schon bei seiner zweiten Missionsreise eine Nacht verbrachte. (Apg 16,11). Bei der Stadt Troja handelt es sich nicht um das Homerische Troja, welches landeinwärts liegt, sondern um die von Alexander dem Großen erbaute Hafenstadt Alexandrea-Troja südlich der Dardanellen.

Hier trifft Paulus auf seine Mitarbeiter, die ihm vorausgefahren waren (Apg 20,5). In der Gemeinde verbringt er einige Tage. Erinnern wir uns daran, dass diese Gemeinde durch seine Verkündigung vor einigen Jahren entstanden war (Apg 16,8) obwohl nicht näher beschrieben.  Am ersten Tag der Woche, also am Sonntag, kam die Gemeinde gegen Abend zusammen (Apg 20,7) und Paulus hielt eine lange Predigt, bei der Eutychus, ein Jüngling einschlief und aus dem offenen Fenster des dritten Stockwerks fiel (Apg 20,7-12).

Gegen Morgen hält er mit den Gläubigen das Herrenmahl (ευχαριστια -eucharistia) und zieht anschließend zu Fuß weiter nach Assos, während seine Begleiter (einschließlich Lukas) mit dem Schiff dorthin gelangen. Von der Hafenstadt Assos überqueren sie den Golf von Edremit und gelangen nach Mitilene (auch Lesbos genannt). Von dort fuhren sie ab und kamen nach Chios, einer Insel, die unweit von Smyrna (heute Izmir) liegt. Von hier fuhren sie weiter nach Samos, diese Insel liegt südwestlich von Ephesus und der heutigen Hafenstadt Kusadase.

Den nächsten Halt machte das Schiff in der damals sehr bedeutenden Hafenstadt Milet, die an der Mündung des Flusses Meander lag. In der Antike reichte das Meer bis kurz vor den Hügel, auf dem das große Theater erbaut war. Durch die vielen Sedimente, welche der große Meander von den Bergen herabführte, verlandete das gesamte Delta und die ausgegrabene Stadt Milet liegt heute etwa 6 Kilometer landeinwärts vom Meer entfernt. Von hier aus sandte Paulus Boten nach Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde rufen. Der Grund, warum er nicht in Ephesus selbst das Treffen organisieren ließ, war: „er wollte keine Zeit in der (Provinz) Asien verlieren, um rechtzeitig, wenn möglich zum Pfingstfest in Jerusalem zu sein“ (Apg 20,16 frei übersetzt). Als diese kamen, hielt er gewissermaßen Rückblick über seinen dreijährigen Aufenthalt in Ephesus.

Gegen Ende seiner Abschiedsrede sagte er: „Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und euch das Erbe zu geben mit allen, die geheiligt sind. Ich habe von niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt. Denn ihr wisst selber, dass mir diese Hände zum Unterhalt gedient haben für mich und die, die mit mir gewesen sind. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen. Und als er das gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Da begannen alle laut zu weinen und sie fielen Paulus um den Hals und küssten ihn, am allermeisten betrübt über das Wort, das er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Und sie geleiteten ihn auf das Schiff “ (Apg 20,32-38).

Das Schiff, welches er mit seinen Begleitern bestieg, hatte als Bestimmungsort die Kleinasiatische Hafenstadt Patara im Süden der heutigen Türkei östlich von Marmaris. Damals fuhren die Schiffe in Tagesetappen und wenn möglich in Küstennähe.

Dreimaster in FahrtEin Dreimaster mit Besegelung im Gewässer zwischen der türkischen Küste und der Bucht von Kos (Foto: P. S. 14. Mai 2015).

Als wir uns nun von ihnen losgerissen hatten und abgefahren waren, kamen wir geradewegs nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodos und von da nach Patara“ (Apg 21,1).

IMG_1191Ein Dreimaster vor Anker  im Hafen von Kos  (Foto: P.S. 8. Mai 2015).

Zunächst fällt uns da das `wir` im Text des Lukas auf. Der Apostel ist sehr selten allein gereist. Folgende Personen sind namentlich als Begleiter des Paulus genannt: „Es zogen aber mit ihm

  • Sopater aus Beröa, der Sohn des Pyrrhus,
  • aus Thessalonich aber Aristarch und Sekundus
  • und Gajus aus Derbe und Timotheus, (der aus Lystra stammte)
  • aus der Provinz Asien aber Tychikus und Trophimus.

Diese reisten voraus und warteten auf uns in Troas“ (Apg 20,4-5). Da Lukas als Autor der Apostelgeschichte seinen Reisebericht mit dem `wir` unterstreicht, ist er auch als Begleiter dabei – eine 8-Personengruppe. Allerdings ist es nicht sicher, ob alle Mitarbeiter von Milet aus mit Paulus weiterfuhren. Möglich, dass zum Beispiel Timotheus in Asien, bzw. Ephesus zurückgelassen wurde, denn im späteren Verlauf der Reise sowie in Jerusalem und auf der Reise nach Rom ist er nicht erwähnt. Ein weiteres Detail im Zusammenhang dieser Reise ist wichtig um erwähnt zu werden. Seit etwa einem Jahr lief ein Sozial-geistliches Projekt in den Provinzen Mazedonien und Achaia/Griechenland zur materiellen Unterstützung der armen Gläubigen in Jerusalem und Judäa. Diese Geldsammlung wurde durch Paulus und seine Mitarbeiter sorgfältig begründet, vorbereitet und auch durchgeführt. Diese Gelder führten nun die Begleiter des Paulus mit sich (1Kor 16,1ff; 2Kor 8,20).

Die Schiffspassage von Milet bis Kos betrug etwa 80 Kilometer – bei günstigen Windverhältnissen war es für jene Zeit eine gute Tagesetappe. Sie segelten an der damals sehr bekannten Hafenstadt Dydima mit ihren kolossalen Tempeln vorbei und dann in Küstennähe in südlicher Richtung vorbei an Kalymnos und Pserimos und schließlich fuhren sie in den Hafen von Kos-Stadt ein. Was sich schon aus der Ferne ihrem Blick bot, sind übliche Bilder der Hafenstädte jener Zeit. Die bekannten Tempel der Griechen – Heiligtümer der Aphrodite und dem Dyonisos geweiht. Am Hang hinauf erstreckte sich das Asklepion Heiligtum – Heilanstalt der antiken Griechen mit seinem weithin sichtbaren Apollontempel. Hier lebte und wirkte Hypokrates, in gewissem Sinne der Begründer der klassischen Heilmedizin.

IMG_1177Der Hafen von Kos-Stadt liegt in einer breiten geschützten Bucht, an dessen Kais Schiffe und Boote seit Jahrtausenden festmachen (Foto: P. S. 9. Mai 2015).

Hier im Hafen von Kos verbrachten Paulus und seine Mitarbeiter den Abend und die Nacht.

Paulus verbringt einen Abend und eine Nacht auf Kos

Die Passagiere der Schiffe konnten damals in den Häfen vom Schiff gehen und sich mit dem Nötigsten für die weitere Reiseetappe eindecken. Jeder Passagier war für die eigene Versorgung persönlich verantwortlich. Wohlhabende, Staatsbedienstete oder gar Reiche Kaufleute hatten auch Bedienstete mit sich an Bord, doch auch schon damals war die Fahrt mit dem Schiff nicht billig und schon gar nicht so sicher und niemand reiste einfach so zum Vergnügen. Doch im Vergleich zum Reisen über Land, war die Schifffahrt in einigen Regionen schneller, so auch die Reise von Griechenland/Mazedonien nach Syrien/Palästina.

Wie in den meisten Hafenstädten rund um das Mittelmeer, war auch Kos besonders an den Abenden sehr lebhaft. Die vielen Schiffe mit ihren Waren machten am Kai fest und der Handel blühte. Die Insel Kos lag strategisch an einem wichtigen Knotenpunkt in der Ägäis. Die Nähe zur kleinasiatischen Küste, gerade mal 4 Kilometer trennte die Insel vom Festland und dem Golf von Alikarnassos. Grundsätzlich fuhren alle Schiffe, die in Nordsüdrichtung unterwegs waren, Kos an oder an Kos vorbei. Das brachte der Hafenstadt großen Gewinn ein. Die verschiedenen Menschen, die hier von Bord gingen, die einen um etwas einkaufen, die anderen, um bestimmte Tempel ihres Bedarfs aufzusuchen, um ein Opfer einem der Götter darzubringen. Das Asklepion zog ebenfalls heilungsuchende Menschen an, was der Insel zusätzliche Einnahmen brachte.

IMG_2075Von dem Asklepion hat man einen weiten Ausblick über die etwa 100 Meter tiefer liegende Inselhauptstadt mit dem Hafen, die Bucht und das gegenüberliegende Festland von Kleinasien, bzw. die Bucht von Bodrum (Alikarnassos). Auf dem Gelände, das wegen seiner Hanglage in mehreren Terrassen angelegt war, befindet sich ein Brunnen, Überreste von verschiedenen Räumen für Patienten und einige Tempel (Foto: P. S. 19. Mai 2015).

 

Damals lebten viele Familien auf Kos vom Fischfang. Das hat sich in den letzten Jahzehnten natürlich geändert. Obwohl einige immer noch nachts zum Fischen aufs Meer hinausfahren, bieten viele von ihnen tagsüber mit ihren umgerüsteten Booten Ausflüge zu den Nachbarinseln Nissyros und Kalymnos an.

IMG_1172Der Fischmarkt am Kai von Kos ist heute nicht mehr so groß und die Auswahl viel geringer als in der Antike (Foto: P. S. 9. Mai 2015).

Wie in jeder griechischen Stadt (polis) gab es auch den Marktplatz (agora) mit ihren von Säulen gesäumten Verkaufsläden und weiteren öffentlichen Einrichtungen – vergleichbar mit dem heutigen Marktplatz in den Städten. Durch das Erdbeben am 23 April 1933 wurden sehr viele Wohnhäuser in Kos zerstört und bei den Aufräumarbeiten kamen viele Fundamente und Gebäudereste aus der antiken Periode zu Tage und wurden zum Teil restauruert und zur Besichtigung freigegeben, so auch Teile der Agora.

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Die Agora im Zentrum der Stadt Kos (Foto: P. S. 9. Mai 2015).

Paulus hat immer Interesse gezeigt am öffentlichen Leben der Stadtbewohner, die er besuchte. Damit suchte er Anknüpfungspunkte für Gespräche und fand sie auch. Er hätte hier ein reiches Arbeitsfeld für die Verkündigung des Evangeliums gehabt. Wir können durchaus annehmen, dass das Missionsteam für die Menschen dieser Insel beteten, denn die Auswirkungen – Verbreitung des Evangeliums zu einem späteren Zeitpunkt hatte zur Folge, dass sich in den ersten Jahrhunderten viele der Inselbewohner dem christlichen Glauben zuwandten.

Die steinernen Zeugnisse der frühen Christen auf Kos

Der kurze Aufenthalt des Apostels Paulus und seiner Mitarbeiter in Kos-Stadt blieb nicht ohne Auswirkungen. Obwohl im Text von keiner öffentlichen Verkündigung des Evangeliums während dieses kurzen Aufenthaltes berichtet wird, ist es doch möglich, dass die inzwischen sehr erfahrenen Missionare, Kontakte zu Menschen in dieser Hafenstadt aufgenommen haben. Ebenso ist es möglich, dass die Botschaft des Evangeliums von Ephesus aus auch schon bis Kos gelangte.

Wir lesen in der Apostelgeschichte 19,8-11: „Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes. Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. Und das geschah zwei Jahre lang, sodass alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen. Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus.“

Die nahe gelegenen ostägäischen Inseln standen unter dem Einfluß der römischen Provinz Asien mit der Provinzhauptstadt Ephesus. Bei seinem Abschied in Milet nennt der Apostel Paulus den Gesamtzeitraum seines Wirkens in Ephesus und Umgebung, so lesen wir in Apostelgeschichte 20,31 „Darum seid wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen.“ Seit dem Beginn der Mission in Ephesus im Jahr 53 sind rund fünf Jahre vergangen. Wenn schon nach drei Jahren der intensiven Wirksamkeit des Apostels in Ephesus das Evangelium in der gesamten Provinz Asien bekannt wurde, wie viel mehr nach fünf Jahren?

Da die Inseln mit den wichtigen Handelsstädten des Festlandes in stetiger Verbindung standen, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Frohe Botschaft zum Zeitpunkt des kurzen Aufenthaltes des Apostels auch schon bis Kos gelangte. Die steinernen Zeugnisse aus dem 4/5/6 Jahrhundert legen ein deutliches Zeugnis davon ab, dass in den Jahrhunderten davor viele Menschen auf dieser Insel sich dem christlichen Glauben zuwandten. Bei den steinernen Zeugnissen handelt es sich um Kirchengebäuderesten, die in relativ hoher Zahl auf der Insel entdeckt und von Archäologen ausgegraben wurden. In einigen Fällen handelt es sich um ehemalige römische Basiliken (Mehrzweckhallen), die ab dem 4. Jahrhundert sehr oft in christliche Gotteshäuser umgewandelt wurden. In der Regel sind sie mit ihrer Apsis nach Osten ausgerichtet, der Kircheneingang war also vom Westen her.

Stefanus
Die sogenannte Stefanus-Basilika im Südwesten der Insel ist die am besten erhaltene antike Kirche auf der Insel Kos (Foto: P.S. 15. Mai 2015).

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Die Kirche wurde auf einem Felsplateau erbaut direkt am Meer. Im Jahre 1932 wurde sie von italienischen Archäologen ausgegraben. Einige Säulen, die den Verlauf der dreischiffigen Kirche markieren, sind aufgerichtet worden. Vom Plateau der Kirche öffnet sich ein wunderschöner Blick auf das vorgelagerte Inselchen und die südöstliche Ägäis. Originale Mauerreste in Brusthöhe sind erhalten, ebenso ein noch gut lesbare Aufschrift (epigraphie) auf dem Mosaikfußboden des rechten Seitenschiffes. Eine noch gut erhaltene Treppe führte hinauf zum Kircheneingang.

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Die Mosaik-Aufschrift in griechischen Großbuchstaben erinnert an die Menschen die Früchte tragen, Früchte bringen (Foto: P. S. 15. Mai 2015).

 

 

 

 

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Das Baptisterion mit dem kreuzförmigen Taufbecken, welches jedoch zum Schutz des Bodenmosaiks mit Sand und Kies zugeschüttet wurde (Foto: P. S. 15. Mai 2015).

 

 

 

 

Eine ebenfalls noch gut erhaltene und erkennbare Kirche wurde in der Nähe des kleinen Badeortes Mastichari entdeckt und ausgegraben. Der Ort Mastichari liegt ziemlich in der Mitte der Nordküste von Kos, gegenüber der Insel Kalymnos.

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Zur antiken christlichen Basilika des Heiligen Johannes (Foto: P. S. 13. Mai 2015).

Das Gelände ist eingezäunt und liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und etwa 100 Meter vom Strand entfernt. In unmittelbarer Nähe ist eine Ferienanlage für Urlauber gebaut worden. Der Zugang vom Meer her ist durch eine Treppe recht gut zu erreichen. Auch hier sind noch deutlich Hüfthohe Mauerreste sichtbar und der gepflasterte Boden der Kirche. Ein Ort, der zur Ruhe und Andacht einlädt, was wir auch erleben konnten, da es dort zum Zeitpunkt unseres Besuches keine weiteren Besucher gab.

IMG_1544Die sogenannte Johannes-Basilika bei Mastichari im Norden der Insel (Foto: P. S. 13. Mai 2015).

 

 

 

 

Wie auf dem nächsten Bild erkennbar ist, bauten die Christen damals an der Seite des Hauptgebäudes ein Baptisterion an mit einem meist kreuzförmigen Taufbecken. Dies macht deutlich, dass zu jener Zeit Gläubige ins Wasser hineinstiegen und untergetaucht wurden.

IMG_1524Das Taufbecken an der Johannes-Basilika in Mastichari im Norden von Kos (Foto: P. S. 13. Mai 2015).

Das Baptisterion bestand meistens aus drei Räumen – dem Umkleideraum, dem Taufraum mit dem eigentlichen Taufbecken und dem anschließenden Salbe- und Segnungsraum. Von dort ging der Getaufte in einem weißen Gewand hinein in das Kircheninnere. Durch diese Architektur wurde symbolisch der Verlauf des Gläubigen vom Sünder über die Buße und Glauben bis zur Aufnahme und Eingliederung in die Gemeinde deutlich ausgedrückt.

Weitere christliche Kirchen wurden ausgegraben in:

–       Zipari – Ag. Pavlos

–       In Kos-Stadt – Ag. Gabriel,

–       In Archipaleia – nicht näher bezeichnete antike Kirchenreste,

–       In Kos Stadt – weitere zwei nicht bezeichnete Kirchen.

Es gibt noch weitere Hinweise zu antiken christlichen Kirchengebäuden, bzw. Überresten, doch leider werden diese Ausgrabungsstätten überwiegend schlecht gepflegt, so dass die meisten wegen hohem Gestrüp nur schwer zugänglich sind. Entweder fehlt es an Geld oder am Willen oder an beidem. Sinnvoll wäre aber die Pflege allemal, denn dadurch würden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern die Besucher würden mehr auf den christlichen Glauben hingewiesen werdne und durch entsprechende Bibeltexte könnte gleichzeitig Gottes Wort zur Wirkung kommen. Ein Beispiel wäre da, der deutlich ausgeschilderte Platz zur sogenannten Paulus-Kirche in Zipari, 10 Kilometer von Kos-Stadt entfernt.

IMG_2049Die Aufschrift ist aus dem Brief des Paulus an die Galater: „Es ist weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder männlicg noch weiblich, sondern ihr seid alle eins in Christus Jesus“ (Gal 3,27)

 

 

 

Leider war der Zugang zu den Kirchenresten durch zu hohes Gestrüp nur schwer zu finden.

IMG_2053Mauerreste von der Basilika Ag. Pavlos in Zipari (Foto: P. S. 19. Mai 2015).

 

Das Leben auf Kos heute

IMG_2174Die Infotafel zeigt die Insel Kos in der südlichen Ägäis und die Verbindungen zu den Nachbarinseln Nissyros im Süden, Rhodos im Südosten, Kalymnos und Pserimos im Norden, Patmos im Nordwesten, sowie Bodrum (Türkei) im Osten.

Die Insel Kos dehnt sich in Ost-West-Richtung auf eine Länge von etwa 50 Kilometer aus. An ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade mal 2,3 Kilometer. Sie gehört zur Inselgruppe des Dodekanes.

Zahlreiche neuere Kirchen und Kapellen gibt es heute auf der Insel, die durchweg sehr gepflegt sind. Einige von ihnen werden nur einmal im orthodoxen Kalenderjahr zum Namenstag des sogenannten Heiligen, nach dem die Kirche benannt wurde, aufgesucht.

IMG_2046Diese kleine Kirche / Kapelle befindet sich in Zipari auf dem Gelände einer Bauernfamilie unweit der Hauptstrasse ( Foto: P.S.  19. Mai 2015).

IMG_2043Wie die Aufschrift in griechischer Sprache erläutert, ist diese Kapelle in Erinnerung an den Ältesten (Presbyter) Ioannou Koutantou erbaut und für seine Mühen ihm geweiht (Foto: P.S.  19. Mai 2015).

Nach einem Gottesdienst wird in der Regel auf dem Kirchengelände ausgiebig gefeiert, es herrscht Volksfeststimmung. Diese Kapellen sind in der Regel geöffnet und man sieht einzelne Menschen, die aus einem Anlass dort eine Kerze entzünden.

Der größte Teil der Koiten gehört traditionell (auch ohne formelle Mitgliedschaft) der griechisch-orthodoxen Kirche an. `Orthodox` heißt wörtlich übersetzt: richtige Verherrlichung/Verehrung (rechtsgläubig). Doch der größte Teil der Bevölkerung besucht nur gelegentlich die Sonntagsgottesdienste. An den Feiertagen und bei Familienfesten (Taufen, Hochzeiten) geht nichts ohne die Kirche. Diese werden in den Ortschaften und Städten an den Sonntagen meist von älteren Menschen besucht, doch kaum jemand kommt zu Beginn und geht zum Ende des Gottesdienstes. Es ist eine Art offener Gottesdienst, zu dem die Gläubigen zur beliebigen Zeit kommen und wieder gehen können. Der Priester (Papas) zelebriert die Liturgie, die abwechselnd aus Gesang und Rezitation von Texten besteht. Die Texte  (auch biblische Texte) werden meist in Altgriechisch gesprochen oder gesungen.

Heute gibt es auch auf Kos etliche Hundert evangelische Christen, die in freien Gemeinden oder Hauskreisen eingebunden sind. Ihr Zeugnis durch Wort und Lebensstil ist sehr wichtig und wertvoll, da der Großteil der Bevölkerung zwar an Gott glaubt, aber der Glaube drückt sich mehr in der Einhaltung und Pflege von Traditionellen Ritualen aus. Die Glaubensbeziehung ist mehr auf die sogenannten Heiligen ausgerichtet, als auf Christus selbst. Das persönliche Lesen und Forschen der Heiligen Schriften wird von der offiziellen Kirchenleitung nicht oder nur wenig gefördert. Daher ist es schon etwas Besonderes, wenn evangelische Christen Neue Testamente im Neugriechisch an Bekannte verteilen und zum Lesen derselben ermutigen. Es ist förderlich, wenn gläubige Urlauber, die sich auf der Insel aufhalten, mit ihrem Verhalten, ihrem Gebet und wo möglich ihrem Zeugnis für ein geistliches Erwachen unter den Inselbewohnern eintreten.

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gab es auf Kos eine große jüdische Gemeinde und eine Synagoge. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch schon in den ersten Jahrhunderten Juden auf der Insel lebten. Ein jüdischer Friedhof südwestlich der Stadt Kos zeugt davon, dass auf Kos eine große Anzahl Juden lebten.

IMG_2062Die Tafel erinnert an die im Sommer 1944 durch die Nazis deportierten und ermordeten Juden  (Foto: P.S. 19. Mai 2015).

Bis heute leben noch einige Hundert türkisch/moslemische Familien südwestlich der Stadt Kos im Dorf  Platani, das heute zur Stadt Kos gehört. Diese Familien sind, während des sogenannten Völkeraustausches in den 1920-er Jahren, auf der Insel geblieben und leben heute in friedlicher Koexistenz mit den Koiten. Im Ort Platani kommen die Gläubigen Muslime zum Freitaggebet in der Hadji Hassan Moschee zusammen.

IMG_1214Die Defterdar Moschee in Kos-Stadtmitte am Eleuteria-Platz, erbaut 1725. Die Moschee wird heute nicht mehr für Versammlungen genutzt  (Foto: P.S. 09. Mai 2015)

Die Insel Kos ist zwar gut vernetzt mit den übrigen Inseln des Dodekanes, auch nach Piräus hin, ja sogar mit dem türkischen Festland nach Bodrum, doch bleibt sie eine Welt für sich umgeben von Wasser und kleineren Inseln. Die etwa 30-Tausend Insulaner sind vielseitig beschäftigt. Der Tourismus macht von Frühjahr bis Herbst für viele den größten Teil der Beschäftigung aus. In der Wintersaison sind viele mit Bauen und Reparieren der Gebäuden beschäftigt. Dank dem Wasserreichtum der Insel sind immer noch viele Einheimische in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Insel ist sehr fruchtbar, obwohl wegen dem Tourismus weit nicht mehr so viel Fläche für Ackerbau genutzt wird. Weinbau, Olivenplantagen, verschiedene Zitrusfrüchte, Feigenbäume, verschiedene Fruchtfelder, Kartoffelfelder, Tomatenplantagen, Erdbeerplantagen und viel Gemüse wird angebaut.

IMG_1646Ein Riesenfeigenbaum in der Messaria-Ebene wenige Kilometer nordwestlich von Kos-Stadt entfernt (Foto: P.S. 14. Mai 2015).

In der Antike war die Insel noch mehr bewaldet als heute, da besonders im Mittelalter viel Holz für den Schiffsbau benötigt wurde. Ebenso beschäftigen sich zeitweise immer noch viele mit dem traditionellen Fischfang. Inzwischen sind auf der Insel auch viele Gastarbeiter aus verschiedenen Ländern beschäftigt.

Kos, eine der Perlen in der südlichen Ägäis, ist noch heute ein Besuch wert.

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