IV. Jesus – das Lamm Gottes

Noch tiefer steigt der Sohn Gottes hinab in das menschliche Leid. Man könnte mit Recht fragen, wie weit muß er noch hinabsteigen, um alles auszukosten, was der Mensch durch seinen Ungehorsam, also seine Rebellion gegen Gott, angerichtet hat.

Die Vorausschau, oder Voraussage über das Lamm Gottes geht zurück in die Anfangszeit der Weltgeschichte. So steht in Offenbarung 13,8, dass das Lamm geschlachtet ist seit Grundlegung der Welt. Gott sind alle seine Werke von Anfang an bekannt (Apg 15,18). Doch für den Menschen offenbart er sein Geheimnis stufenweise mit vorläufigen Handlungen, Bildern und Gegenständen. So scheint auch die oben erwähnte prophetische Rückblende verknüpft zu sein mit der ersten tatsächlichen Schlachtung von Lämmern, um für Adam und Eva Kleider zu machen.

Abbildung 5 Die erste Erwähnung von Bekleidung bei Menschen finden wir im Bericht über den Sündenfall von Adam und Eva. Diese selbstgemachte Bekleidung bestand aus Feigenblättern. Die Blätter des Feigenbaumes werden sehr groß und sind auch geschmeidig. Doch bereits nach wenigen Tagen trocknen sie aus und fallen ab (Design bei L. L. 30. Juni 2016).

Wir erinnern uns daran, dass vor dem sogenannten Sündenfall, Adam und Eva auch ohne jegliche Bekleidung sehr unbefangen miteinander umgingen. Die Scham stellte sich erst mit dem belasteten Gewissen ein und sie flochten sich Schürze aus Feigenblättern. Diese selbstgemachte Bekleidung drückte ihr Bemühen aus, ihr Schuldempfinden vor dem anderen zu bedecken. Dazu versteckten sie sich im Garten, als sie Gottes Stimme hörten. Gott rief den Adam mit Namen und sie mussten sich ihm stellen so wie sie waren. Gott akzeptierte ihr Bemühen um etwas gut zu machen und ihre selbstgemachten Kleider nicht. Nach der Bestandsaufnahme und Klärung des tragischen Vorfalls handelt Gott auf eine ungewöhnliche Weise.

So lesen wir in 1Mose 3,21: „Und Gott, der HERR, machte Adam und seiner Frau Leibröcke aus Fellen und bekleidete sie.“ Dies ist der erste symbolhafte Hinweis in Wort und Tat, betreffend das Lamm, welches Gott selbst ausgewählt hatte und darin offenbart sich der sühnende und versönende Charakter des Opfers.

Abbildung 6 Eine Schafherde weidet friedlich in einem Olivenhain in Sotiros auf der Insel Thasses-Griechenland (Foto: 17. August 2011).

Die Kette der Voraussagen, Verheißungen und Vorbildungen in Bezug auf das Lamm Gottes zieht sich ununterbrochen durch die Geschichte des Volkes Gottes. Abel bringt Gott ein Opfer dar und zwar von den Erstlingen seiner Schafherde (1Mose 4,4). Dies tat er im Glaubensgehorsam, als Antwort  auf Gottes vorbildhaftes Handeln schon bei seinen Eltern. Und es liegt ganz nahe, dass auch er sich mit den Lammfellen bekleidete. Gerade das machte ihn schon damals gerecht vor Gott, denn so lesen wir in Hebräer 11,4: „Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain, durch welchen Glauben er das Zeugnis erhielt, gerecht zu sein, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen Glauben redet er noch, obgleich er gestorben ist.“

Abraham opfert Gott auf Geheiß des Engels einen Widder zum Brandopfer anstatt seines Sohnes Isaak (1Mose 22,1-2. 13). Gott ließ Abraham sozusagen in seinen Heilsplan Einblick gewähren, der in der Hingabe von Jesus, seinem Einziggeborenen Sohn, Realität wurde.

In Ägypten ordnete Gott durch Mose an, dass die Kinder Israel ein ´einjähriges fehlerloses Lamm´ schlachten sollen, das zu ihrer Rettung und der Erhaltung der Erstgeburt in Israel dienen sollte (2Mose 12,1-14).

 

  • Abbildung 7 Das Lamm als Sühneopfer (Zeichnung am 22. Oktober 2016).

Diese Ordnung der jährlichen Wiederholung der Schlachtung des Passah-Lammes wurde (wenn man von den häufigen Unterbrechungen dieses Rituals in Israel absieht) bis 70 n. Chr. eingehalten. Dies trug dazu bei, jedem Menschen und jeder Generation neu vor Augen zu führen, dass Schuld/Sünde nur durch Blutvergießen gesühnt werden kann und zwar muß es ein Lamm ohne Fehl sein, ein Hinweis auf die Schuld- und Sündlosigkeit des Opfers von Jesus Christus (Hebr 10,1-10). Die erste Ordnung war also eine vorübergehende, bis zur Einführung des Erstgeborenen Sohnes Gottes in diese Welt. Seit dem Tod von Jesus am Kreuz haben die Opfer im Tempel keine Gültigkeit mehr. Als hinweisende Opfer sind sie von und durch den tatsächlichen Sühnetod von Jesus endgültig abgelöst worden.

Doch auch durch den Propheten Jesaja offenbarte Gott im voraus seinen Plan in Bezug auf das Lamm Gottes und dessen sühnendes Werk. So steht von ihm geschrieben: „Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.“ (Jes 53,4). Hier ist also schon eindeutig von einem Menschen die Rede, der wie ein Lamm zur Schlachtung geführt wird, ein Hinweis auf Jesus als das Lamm Gottes. Der Evangelist Philippus klärt den Äthiopischen Kämmerer darüber auf, dass der leidende Gottesknecht aus Jesaja 53,4, als Lamm Gottes, in der Person von Jesus zu erkennen ist (Apg 8,32-35).

Johannes der Täufer sieht Jesus auf sich zu kommen und ruft unter der Leitung des Heiligen Geistes aus: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches die Sünden der Welt hinwegträgt.“ (Joh 1,29. 36). Die jüdischen Zuhörer des Johannes hätten bei dieser Äußerung eigentlich aufhorchen müssen. Doch sie verstanden die Schriften noch nicht und ihre Erwartung war nur auf den Messias als einen irdischen König und Propheten ausgerichtet (Joh 6,15f).

Dann kamen die eindrücklichen Hinweise von Jesus selbst an seine Jünger in Bezug auf sein Leiden und Sterben hinzu. So schreibt der Evangelist Matthäus: „Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse.“ (Mt 16,21; Vgl. auch Mt 17,22; 26,1-2;  Lk 24,7).

Die Berichte über die Kreuzigung von Jesus als geschichtliche Heilstatsache, finden wir in allen vier Evangelien beschrieben (Mt 27;  Mk 15;  Lk 23;  Joh 19,17-24; Vgl. auch mit Phil 2,6-8; 1Kor 15,1-3). Jesus sagte am Nachmittag des Auferstehungstages zu den zwei sogenannten Emmausjüngern und später zu seinen elf Jüngern: „Mußte nicht Christus leiden (…)?“ (Lk 24,26; 44-47).

Der Apostel Petrus bezeugt die Prophetie und Erfüllung in Bezug auf das Leiden von Jesus: „(…) diesen Mann, der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht.“ (Apg 2,23). Auch der Apostel Paulus sagt den Zuhörern in der Synagoge zu Thessalonich: „Christus mußte leiden.“ (Apg 17,3). Der Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief: „Ihr seid erlöst durch das Blut des unschuldigen und unbefleckten Lammes.“ (1Petr 1,18-19).

Und damit auch Gläubige im hellenistischen Kulturkreis diese Zusammenhänge verstehen, schreibt der Apostel Paulus an die Korinther: „Auch wir haben ein Passahlamm, das ist Christus für uns geopfert.“ (1Kor 5,7).

Die größte Ansammlung der Aussagen über Jesus, als das Lamm Gottes, finden wir jedoch im Buch der Offenbarung: 5,6.8.12.13;  6,1.16;  7,9.10.14.17;  8,1; 12,11; 13,8; 14,1.4.10; 15,3; 17,14; 19,7.9;  21,9.14.22.23.27;  22,1.3.

 

Jesus, der von Gott Gesalbte (Christus), war und ist Gottes Sohn, er wurde zum Menschensohn, nahm Knechtsgestalt an und starb eines blutigen, stellvertretenden Todes am Kreuz als das Lamm Gottes für die Schuld und Vergehen der Menschen aller Zeiten. Jesus behält in Ewigkeit das Wesen des Lammes Gottes, auch zur Erinnerung an den hohen Preis der Erlösung seines Volkes !

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Woher kommt die Idee vom Lamm Gottes?
  2. Wann begann Gott diesen realen Gedanken in Vorbildern den Menschen zu offenbaren?
  3. Was ist der tiefe Inhalt des Gedankens vom Opferlamm?
  4. Warum war es für jüdische Menschen, trotz offensichtlicher Vorbildungen, so schwer an einen personalen Stellvertreter in der Person des erwarteten Messias zu glauben?
  5.  Wer hat als Erster in der Zeit von Jesus die Offenbarung von Gottes Lamm bekommen und sie auch öffentlich bezeugt?
  6. Wie gelang es den Aposteln und Evangelisten, den besonderen Dienst des leidenden Messias, durch ihre Verkündigung den Zuhörern deutlich zu machen?
  7. Welchen Eindruck macht auf dich der göttliche Gedanke und die Offenbarung des leidenden Christus? Wie reagierst du persönlich darauf?
  8. Wie können wir heute in unserem kulturellen Umfeld verständlich von dem Lamm Gottes sprechen?

 

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