Die Taufe – wie sie die Jünger von Jesus gelehrt und praktiziert haben

Einleitung

Die Fragen zur christlichen Taufe waren und bleiben immer aktuell. Dieser Schritt des Gehorsams wird in allen christlichen Kirchen und Gemeinden praktiziert. In dieser Bibelstudie soll neben der äußeren Form, besonders auf den Inhalt, bzw. die Bedeutung der christlichen Taufe eingegangen werden.

Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte mit  folgenden Worten ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!” (Mt 3,13-16).

In sieben Abschnitten soll hier das Thema `Taufe`erläutert werden.

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Der Fluß Jordan bei Bethanien ist heute nur etwa 8 Meter breit und führt viel weniger Wasser als in früheren Zeiten. Da die Archäologen in unmittelbarer Nähe Reste von antiken christlichen Kirchen entdeckten und ausgruben, sieht man die Stelle, wo Jesus getauft wurde, als bestätigt an   (Foto: P. Schüle 7. November 2014).

 A.   Die Taufe von Jesus im Jordan und ihre Bedeutung

  1. Jesus war knapp dreißig Jahre alt, als er sich im Jordan taufen ließ (so steht es in Lukas 3,23). Lukas beziffert das Alter von Jesus zu Beginn seines Dienstes mit ´ungefähr oder knapp dreißig Jahren´, Johannes der Täufer war sechs Monate älter (Lk 1,26). Er hat also seinen Dienst nach dem Befehl Gottes auch mit etwa dreißig Jahren begonnen. Dieses Alter entspricht der Anordnung Gottes für den Beginn der amtlichen Priesterdienste in Israel (4Mose 4,1-47). Dass Jesus von einem Priestersohn, der dazu noch von Gott autorisiert war, getauft wird, ist auffallend, aber auch angemessen. Auch Jesus (der wahre Hohepriester) beginnt seinen Dienst in einem von Gott für die Priester vorgeschriebenem Alter.
  2. Die angesprochene Taufstelle befand sich vermutlich etwa 8 ½   km nördlich vom Nordende des Toten Meeres bei Betanien (Joh 1,28; 3,26) am Ostufer des Jordan und liegt ungefähr 380 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Taufe von Jesus im Jordan und die anschließende Bevollmächtigung zum Dienst durch den Vater und den Heiligen Geist, findet also nicht auf einer Höhe (Jerusalem, Tempelberg) statt, sondern an dem tiefsten Punkt unserer Erde. „Er erniedrigte sich selbst“, trifft somit auch hier bei den äußerlichen Umständen zu.
  3. Jesus ist im Wasser des Jordan voll untergetaucht worden. Sowohl Matthäus als auch Markus berichten, dass Jesus nach der Taufe aus dem Wasser heraufgestiegen sei. Das griechische Wort  `βαπτίζω – baptizo` bedeutet eintauchen, untertauchen, im Wasser begraben werden (es wird aber auch für rituelle Waschungen ohne untertauchen verwendet). Wir lesen zum Beispiel in 2Könige 5,14 „Da stieg er (Naemann) ab und tauchte unter (εβαπτίσατο – ebaptisato) im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte.“
  4. Mit dieser Taufe ordnet sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellt sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen.
  5. Diese Wassertaufe zu Beginn seines öffentlichen Dienstes deutet symbolhaft auf seinen Tod und seine Auferstehung hin.

Wie auch in allen anderen Bereichen, ist Jesus damit für seine Nachfolger Vorbild und  Beispiell.

B.   Die verschiedenen Taufen im Neuen Testament

  1. Die ´Taufe des Johannes´ oder auch ´Taufe zur Buße´ genannt

Diese Taufe praktizierte Johannes der Täufer auf Befehl Gottes.

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Der Jordan in seinem Lauf oberhalb der Mündung des Jarmuk-Flusses (Foto: V. Auinger am 14. Juni 2016). Von Johannes dem Täufer schreibt der Evangelist Lukas: „Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ (Lk 3,3).

Johannes der Täufer setzte seine Tauftätigkeit noch etwa ein ¾ Jahr nach der Taufe Jesu fort, so lesen wir in  Johannes 3,23 „Johannes aber taufte auch noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen.“ Die Johannestaufe wurde noch Jahre später, als sich die Gemeinde schon längst unter den Heiden ausgebreitet hatte, von einigen Johannesjüngern weiterhin praktiziert (Mk 1,4;  Mt 21,25;  Lk 3,3;  Apg 19,1ff). Auch die späteren Jünger von Jesus wurden von Johannes getauft (Joh 1,37).

2. Die ´Taufe der Jünger Jesu´ vor Pfingsten

Zu dieser Taufpraxis gibt es keinen deutlichen Hinweis, nur dass die Jünger im Auftrag von Jesus tauften (Joh 4,1ff).

3. Die ´Taufe auf den Namen ´Jesu´ oder den ´Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes´

Von dieser Taufe schreibt der Apostel Paulus in Epheser 4,4-5, dass es die eine Taufe ist, welcher der  Glaube an Jesus, oder Bekehrung zu Gott immer vorausgeht (Mt 28,19;  Apg 2,38; 19,5).

4. Die Taufe mit oder im Heiligen Geist

Johannes der Täufer sagte von Jesus voraus, dass dieser mit dem Heiligen Geist taufen wird (Mk 1,8; Joh 1,33; Apg 1,5; 2,1-3; Apg 2,38f; Apg 8,15-16; 10,44; 11,16; 19,1-5;  Röm 8,9;  Eph 1,13;  Tit 3,5).

5. Die Taufe in den einen Körper (Leib Christi)

Diese Taufe vollzieht sich in der Wiedergeburt eines Menschen. Es ist wie ein Eintauchen, eine Eingliederung, ein Hineingenommen werden in den Körper Christi, welcher ist die Gemeinde.Denn in dem einen Geist sind wir alle in den einen Körper getauft: ob Juden oder Griechen, ob Sklaven oder Freie, wir sind alle mit dem einen Geist getränkt(1Kor 12,13).

6. Die ´Leidenstaufe ´ Jesu

Diese Taufe ist die schmerzlichste von allen, denn Jesus ist nicht symbolhaft, sondern real unter unendlich großen körperlichen und seelischen Schmerzen gestorben, als er die Schuld der ganzen Welt auf sich nahm (Mk 10,38;  Lk 12,50).

7. Die ´rettende Taufe´

Noah und seine Familie wurden in der Arche durch das Wasser hindurch gerettet. Dieses Ereignis wird von Petrus als Vergleich oder Gegenbild unserer Rettung verwendet, so lesen wir in 1Petr 3,21: „Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

8. Die ´Taufe mit dem Feuer´

Die ´Taufe mit Feuer´wird (aufgrund von Matthäus 3,11-12 und Lukas 3,16) oft mit der ´Taufe des Heiligen Geistes´ gleichgesetzt. Doch dieser Zusammenhang wird von Jesus und den Aposteln nirgendwo im Neuen Testament bestätigt. Von den Gläubigen werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies sind Auswirkungen des Heiligen Geistes im Gläubigen, so Jesus in Johannes 7,38-39. Das Jesus mit Feuer taufen wird, ist eher ein Hinweiss auf seinen richterlichen Dienst, der im Endgericht gipfelt wenn Er kommt um “in Feuerflammen, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus“, so Paulus in 2Thes 1,8; vgl. auch Mt 25,46;  Mt 3,11-12;  Lk 3,16;  Offb 19,20; 20,14. 15).

9. Die ´Taufe für die Toten´

Auf diese Art von Taufe (die nur in diesem Zusammenhang erwähnt wird) nimmt Paulus Bezug, als er den Korinthern die Realität der leiblichen Auferstehung erklärt (1Kor 15,29). Sie war niemals Bestandteil der Apostellehre. Sie war genauso sinnlos wie die heute noch verbreitete Praxis der Fürbitte oder Messe für die Verstorbenen.

 C.   Die Taufpraxis der Jünger von Jesus

 

Vor seiner Himmelfahrt ordnete Jesus seinen Jüngern an, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (Mt 28,19). Dieser Taufpraxis begegnen wir gleich bei der allerersten Evangelisationspredigt des Petrus am Pfingsttag. Die zentrale Aufforderung an die Zuhörer lautete dort: „Tut Buße (denkt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes” (Apg 2,38). In der Urgemeinde war die Taufe ein klares Bekenntnis zu Christus und seiner Gemeinde. Die Taufe auf den Namen Jesu war der erste öffentliche Schritt des Gehorsams eines Gläubigen und somit auch ein Glaubensschritt in der Nachfolge Jesu, denn in der ersten Gemeindegeneration wurde nach Buße und Bekehrung sofort getauft: „Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen” (Apg 2,41). In Jerusalem gab es zwar keinen Fluss, dafür aber sind zwei Teiche namentlich genannt, der Bethesda-Teich und der Teich Siloah. Diese Wasserspeicher wurden auch für rituelle Waschungen benutzt (Joh 5,1ff; 9,7). Naheliegend ist daher, dass die vielen Gläubigen dort getauft wurden.

 

In Samarien ließen sich Männer und Frauen von Philippus, dem Evangelisten, taufen, nachdem sie an Jesus gläubig geworden waren (Apg 8,12ff). Hier gibt es keine näheren Angaben zu einer Taufstelle.

 

Der Äthiopische Finanzminister bat Philippus, sofort nach seiner Bekehrung getauft zu werden (Apg 8,26-40). „Sie kamen an ein Wasser“,- dies könnte am Mittelmeer im Gazabereich gewesen sein, da der Weg des Äthiopiers dort vorbeiführte. In diesem Uferbereich ist das Meer flachabfallend und sehr gut geeignet für eine Taufe.

 

Saulus/Paulus wird in Damaskus von dem Jünger Ananias im Haus des Judas in der Geraden Gasse aufgesucht und nach Gebet und Handauflegung aufgefordert, nicht zu zögern, sondern sich sofort taufen zu lassen (Apg 22,16). Das lässt sich Saulus nicht zweimal sagen, sondern folgt sofort dieser Aufforderung.

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    Der Barada-Fluß im Zentrum von Damaskus ist der im Alten Testament genannte Ammana-Fluß, dessen Wasser Naemann so sehr lobte. In der Tat versorgt dieser Fluß bis heute die Stadt mit frischen Wasser. Gut möglich, oder sehr wahrscheinlich hat Ananias den Paulus in diesem Fluß getauft hatte (Foto: P. Schüle am 11.04.2011).

    Im Alten Testamen wird dieser wasserreiche Fluss Amana (Abana) genannt (2Kön 5,12). Hier sind höchstwahrscheinlich die ersten Gläubigen an Jesus Christus und auch Paulus getauft worden.

     

    Die Jünger in Ephesus wurden ebenfalls sofort nach ihrem Gläubigwerden an Jesus, von Paulus  oder seinen Mitarbeitern getauft (Apg 19,3-5). Durch die Stadt Ephesus floß der Fluss Kaystros, der auch im Sommer genug Wasser führte. Möglich, dass gerade dort die Gläubigen getauft wurden.

     

    In Philippi wurde Lydia und ihr Haus, das heißt Familienangehörige und Dienerschaft im Fluss getauft, gleich nachdem sie gläubig geworden waren (Apg 16,14-15).

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    Der Fluß Gangites, der im Südwesten an Philippi vorbeifließt. An dieser Stelle soll der Tradition nach Lydia und ihr Haus getauft worden sein (Foto: P. Schüle am 31. Juli 2007).

Der Gefängniswärter in Philippi und seine Familienangehörigen wurden noch in der Nacht auf dem Gefängnisgelände getauft (Apg 16,31ff). Die wohlhabenden römischen Bürger hatten in ihren Häusern Bassins, die sich auch sehr gut für Taufen eigneten.

In einigen Fällen wird ausdrücklich betont, dass sich die Gläubigen gefreut, ja sogar gejubelt haben. Diese Berichte lassen erkennen, dass die Apostel und Evangelisten in ihren Verkündigungen guten Glaubensgrund gelegt haben, so dass es sich erübrichte extra Taufkurse anzubieten. Manchmal wird heute mehr Gewicht auf die Taufe und die Feier danach gelegt, als auf echte Buße (Sinnesveränderung) und Umkehr zu Gott.

 

 

D.   Der Sinn und die Bedeutung der Taufe

 

Die Taufe ist eine sichtbare und symbolhafte Darstellung der Bekehrung eines Menschen zu Gott sowie seiner Wiedergeburt durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist. Daher wurde die Taufe immer erst nach der Bekehrung vollzogen und sollte deshalb auch heute nicht vorweggenommen werden. So lesen wir in der Apostelgeschichte 18,8: „In der Folge kam ´kein Geringerer als Krispus, der Vorsteher der Synagoge, zum Glauben an den Herrn – er und alle, die in seinem Haus lebten. Auch viele andere Korinther, die Gottes Botschaft hörten, glaubten und ließen sich taufen.

  • In der Taufe verkündigen wir den Tod Jesu. “Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und sind daher auch mit ihm begraben worden.” (Röm 6,4). Es ist also eine Art Identifikation mit dem gekreuzigten Christus. Praktisch bedeutet es – den früheren sündigen Lebensstil aufzugeben.
  • Sie versinnbildlicht das Auferstehen mit Christus zu einem neuen Leben. Paulus schreibt: „Weil nun aber Christus durch die unvergleichlich herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, ist auch unser Leben neu geworden, und das bedeutet: Wir sollen jetzt ein neues Leben führen” (Röm 6,4). Der neue Lebensstil wird durch die Aufforderung des Apostels ausgedrückt wenn er an die Kolosser schreibt: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes“ (Kol 3,1). Es geht jetzt also darum, das der zu Gott bekehrte und auf den Namen Jesu getaufte Mensch nun sein Leben nach dem Willen und der Gesinnung von Christus ausrichtet und danach lebt.
  • Die Taufe versinnbildlicht das Abwaschen der Sünden. In Damaskus sprach Ananias zu Paulus: „Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst” (Apg 22,16).
  • Sie versinnbildlicht das Sterben des alten sündigen Lebens. So schreibt Paulus: „Welchen Schluss ziehen wir nun daraus? Sollen wir weiterhin sündigen, damit sich die Gnade in vollem Maß auswirkt?  Niemals! Wir sind doch, was die Sünde betrifft, gestorben. Wie können wir da noch länger mit der Sünde leben?” (Röm 6,1-2). Die Aussage: „Wir sind Sünder und bleiben Sünder“ passt nicht zu diesem neuen Lebensstil. Denn womit man sich identifiziert, das tut man letztlich auch. Dies wäre also nicht nach der Gesinnung von Jesus Christus.
  • In der Taufe bestätigen wir die Entscheidung, Jesus ganz praktisch nachzufolgen. Lukas schreibt von Lydia in Philippi: „Nachdem sie sich dann mit allen, die in ihrem Haus lebten, hatte taufen lassen, lud sie uns zu sich ein. »Wenn ihr überzeugt seid, daß ich jetzt eine Christin bin und an den Herrn glaube«, sagte sie, »dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste!« Sie drängte uns so, dass wir einwilligten”   (Apg 16,15). Gute Werke, Taten der Liebe und Barmherzigkeit sind nicht voraussetzung, sondern dankbare Folge des neuen Lebens in und durch Christus.
  • Die Taufe ist nicht nur ein klares Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Jesus, sondern auch ein Zeichen der Aufnahme in die Familie Gottes. Die Taufformel: „Auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, macht es deutlich (Mt 28,19). Die Zugehörigkeit zur Familie Gottes gibt nun auch das Recht Kinder Gottes zu heißen (1Joh 3,1-2).
  • Durch die Taufe wird auch die Zuordnung zur lokalen Gemeinde sichtbar gemacht. „Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen“ (Apg 2,41). Wir werden aus der Einsamkeit in die große, aber auch die konkrete lokale Gemeinschaft hinein berufen und eingefügt.

 

 

E.   Missverständnisse und Barrieren in Bezug auf die Taufe

 

Aus Angst, die kleinen Kinder könnten verloren gehen (wegen dem sogenannten Erbsünde-Verständnis), begann man in der christlichen Kirche der Spätantike, auch Säuglinge und Kleinkinder zu taufen. Doch finden wir im Neuen Testament zur Säuglings- oder Kindertaufe im Gegensatz zur Glaubenstaufe keinen eindeutigen Beleg. In den vielen vorliegenden Berichten wird kein einziges Mal ein Kind (direkt) bei der Taufe erwähnt. Wenn es heißt, dass ganze ´Häuser´ – also ganze Familien – getauft wurden, so ist dies noch kein ausdrücklicher Beleg, dass auch die Säuglinge der Familie mitgetauft wurden. Vielmehr wird betont, dass die, „welche das Wort Gottes gerne annahmen”     (Apg 2,41) sich taufen ließen. Dies setzt eine bewusste Entscheidung voraus, was einem Säugling noch nicht möglich ist. Erfreulicherweise praktizieren immer mehr Pfarrer und Pastoren die Taufe von Kindern etwa ab dem zehnten oder zwölften Lebensjahr, also in einem Alter, in dem das betreffende Kind sich dafür schon bewusst entscheiden kann.

 

Wer als Kind getauft wurde, hat oft die Befürchtung, dass durch eine erneute bzw. bewusste Taufe die Kindertaufe außer Kraft gesetzt würde, in Bezugnahme auf die Aussage von Paulus im Epheserbrief Kapitel 4,4: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, ein Gott und Vater“. Tatsächlich gibt es viele, die “Götter” genannt werden, doch nur einer ist der wahre Gott. Auch gibt es viele Arten von Glauben, doch nur der eine Glaube an Jesus Christus ist der rettende und wahre Glaube. Entsprechend gibt es verschiedene Taufen, doch nur die eine ist die richtige und wahre: die Glaubenstaufe. So wurde zum Beispiel nach Pfingsten die Taufe des Johannes nicht mehr anerkannt (Apg 2,38; 19,1ff), sondern nur noch die Taufe auf den Namen Jesu, welcher ein bewusster Glaube an Jesus Christus vorausging. Obwohl es sich bei der Johannestaufe um eine Erwachsenentaufe handelte, mussten sich diese Personen laut Paulus noch mal taufen lassen (Apg 19,1-5).

 

Zeitweise und von Kirche zu Kirche unterschiedlich, wurde verlangt, sich beim Wechsel der Kirche oder Denomination einer erneuten Taufe zu unterziehen. Doch die Glaubenstaufe ist ausdrücklich auf den Namen Jesu bezogen und nicht auf eine Ortsgemeinde oder eine Denomination. So hat jeder Gläubige bei einem Umzug oder Gemeindewechsel das Recht in dieser neuen Gemeinschaft als Kind Gottes und entsprechend auch als Vollmitglied der Ortsgemeinde aufgenommen zu werden.

 

Es kam vor, dass erwachsene Menschen, welche nicht echte Buße getan haben, getauft wurden (Apg 8,20ff), aber dies stellte sich bald heraus. Petrus fordert z.B. den ehemaligen Magier Simon in Samarien heraus, echte Buße zu tun, denn ohne echte Buße ist die Taufe nicht nur sinnlos und zwecklos, sondern bildet ein wahres Hindernis oder Barriere für geistliches Wachstum.

 

 

F.    Wo wurde getauft?

 

In den ersten zwei Jahrhunderten wurden die Christen in Flüssen, Teichen, Bade-Bassins oder im Meer getauft. Zu Beginn des 4. Jh. jedoch begann man Kirchen zu errichten oder römische Basiliken in Kirchengebäude umzuwandeln. Dabei baute man in den meisten Fällen kreuzförmige, oft mit Mosaiken verzierte oder mit Marmorplatten ausgelegte Taufbecken in Neben- bzw. Vorräumen, die dann auch ´baptisterion´ genannt wurden. Dort wurden Menschen, die an Christus gläubig geworden waren, getauft und in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

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Ein kreuzförmiges Taufbecken in der Epiphania Kirche in Salamis auf Zypern, etwa 6 km nördlich der heutigen Hafenstadt Famagusta. Sie stammt aus dem 5. Jahrhundert. Die Ruinen der antiken Kirche liegen etwa 300 Meter nordwestlich der alten Hafenmole (Foto: P. Schüle am 11. März 2008). Auf dem Ausgrabungsgelände von Salamis ist noch die größere Kirche `Kampanopetra` aus dem 5/6. Jahrhundert ausgebraben worden. Sie liegt weiter nördlich, direkt am Ufer der gleichnamigen Bucht. Diese Kirchenreste geben Zeugnis davon, dass die Predigt des Paulus und Barnabas (Apg 13,3-5) geistliche Frucht hervorbrachte.

Taufbekcen in Ephesus

Ein sehr gut erhaltenes kreuzförmiges Taufbeckcen in der Marienkirche in Ephesus (Westtürkei). Die Ruinen der Kirche liegen in der Nähe der ehemaligen römischen Thermen und des alten Hafens. Die große Kirche stammt aus dem 5. Jahrhundert und ist auch bekannt wegen dem Konzil aus dem Jahre 431 (Foto: P. Schüle am 6. März 2008).

Es fällt auf, dass diese Taufräume zweckmäßig und in der Regel außerhalb des Kircheninneren errichtet wurden. Es gab den Auskleideraum, dann der Raum mit dem eigentlichen Taufbecken (meist in Kreuzform), von dort gelangte der Getaufte in einen Raum, wo er mit Öl gesalbt und neu eingekleidet wurde. Erst danach betrat er das Innere der Kirche. Somit lassen sich auch in der Architektur bestimmte theologische Erkenntnisse der damaligen Epoche ablesen.

Es fällt auf, dass diese Taufräume zweckmäßig und in der Regel außerhalb des Kircheninneren errichtet wurden. Es gab den Auskleideraum, dann der Raum mit dem eigentlichen Taufbecken (meist in Kreuzform), von dort gelangte der Getaufte in einen Raum, wo er mit Öl gesalbt und neu eingekleidet wurde. Erst danach betrat er das Innere der Kirche. Somit lassen sich auch in der Architektur bestimmte theologische Erkenntnisse der damaligen Epoche ablesen.

Taufbecken in Stobi

Das Taufbecken in der Bischofskirche in Stobi (Nähe der heutigen Stadt Veles in Makedonien), aus dem 4. Jh. ist auserordentlich gut erhalten und zählt mit seinen bunten Verkleidungen sowie seiner Form zu den schönsten Taufbecken aus der Antike. Auf dem gepflegten Ausgrabungsgelände ist eine weitere Kirche mit einem Taufbecken entdeckt und ausgegraben worden (Foto: P. Schüle am 8. September 2009). Obwohl das Ausgrabungsgelände an der Hauptstrasse Thessaloniki – Skopje liegt und gut einsehbar ist, wird es nur von wenigen Besuchern aufgesucht.

 

 

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Ein kreuzförmiges Taufbecken in der sogenannten `Kleinen Basilika` in Plovdiv (Bulgarien). Diese christliche Basilika aus dem späten 5. Jahrhundert wurde bei Bauarbeiten in der Innenstadt im Jahre 1988 entdeckt und in den letzten Jahren ausgegraben und restauruert (Foto: P. Schüle am 29. Mai 2016).

 

 

 

 In der Spätantike und im Mittelalter setzte sich dann nach und nach die Kindertaufe durch (in der Westkirche durch Besprengen), daher sucht man oft vergeblich in den Kirchen aus jener Epoche ein richtiges tiefes Taufbecken.

In Teilen der Ostkirche ist bis heute die Taufe Erwachsener und Kinder (oft mit dreimaligem Untertauchen) in einem Fluß oder Bassin die übliche Taufform.

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Die Taufstelle an der Nagold – die sogenannten Nagoldwiesen in Pforzheim-Dillweißenstein (Foto: P. Schüle am 31. Juli 2007).

In vielen Gemeinden unserer Stadt werden heute Menschen, die eine bewusste Umkehr zu Gott und den Glauben an Jesus Christus bezeugen, in der Sommerzeit in den Fluß Nagold und in den kälteren Jahreszeiten in einem Bassin oder Taufbecken getauft.

 

 

G.  Schlussfolgerung

 

Daher wollen wir nichts anderes praktizieren als das, was die Apostel des Herrn auf seinen Befehl hin auch taten, in dem sie die Gläubigen an Jesus Christus im Wasser auf den Namen Jesu tauften. Verständliche Erklärung über den Sinn und Zweck der Wassertaufe sollte schon in den evangelistischen Predigten erfolgen. Auch in Seelsorgegesprächen bei denen es um Bekehrung zu Gott und den Glauben an Jesus Christus geht, ist der deutliche Hinweis auf die Taufe wichtig und sinnvoll.

 

Deshalb solltest du diesen Schritt in vollem Bewusstsein und der Überzeugung tun, dass Jesus Christus dir deine Sünden vergeben hat und du bereit bist, Ihm von ganzem Herzen nachzufolgen.

 

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3 Responses to Die Taufe – wie sie die Jünger von Jesus gelehrt und praktiziert haben

  1. Paul Schüle sagt:

    In der Kategorie „Fragen und Antworten“ habe ich einen Auszug aus dem Vortrag von Pastor Manuel Killisch veröffentlicht. Dort werden all diese Fragen, welche die Kinder- oder Säuglingstaufe betreffen, kirchengeschichtlich beantwortet. Es ist eine längere Abhandlung, aber notwendig, um die Hintergründe zu verstehen. Alles Gute Ihnen.

  2. Tobias Matuttis sagt:

    Ich verstehe das nicht wenn jeusu zu den Jüngern gesagt hat: tauft sie auf den namen „des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes“ warum es in der Apostelgeschichte nicht dann so steht sondern dann auf den namen „jesu“.
    Und nicht auf den namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes.

    • Paul Schüle sagt:

      Hallo und guten Tag Herr Matuttis,
      Ihre Frage ist berechtigt und auch mir stellte sich diese Frage.
      Nun zunächst: Selbst von den Aposteln liegt uns keine Begründung über diese Differenz vor. Sie nehmen weder in der Apostelgeschichte noch in ihren Briefen darauf Bezug. Das könnte uns zu einer Beliebigkeit verführen, nach dem Motto: Es ist egal, ob wir die von Jesus vorgegebene Taufformel benutzen oder einfach nur sagen: `auf den Namen Jesu`.

      Wir wollen jedoch ihre Praxis in Erinnerung rufen und feststellen, was ihnen unbedingt notwendig und unerlässlich war. Es war der Name Jesus! Es liegt in der Person von Jesus dem Christus, dem Gott der Vater einen Höchstnamen gegeben hat. Belege dafür sind:
      • „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg 4,12). Petrus spricht von Jesus.
      • „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind. Und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters, “ (Phil 2,9-11).
      • „Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen.“ (Apg 8,12). „Denn er (der Heilige Geist) war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.“ (Apg 8,16).
      • „Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus.“ (Apg 19,3-5).
      • „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“
      Alle diese Stellen betonen ausdrücklich, dass die Wassertaufe auf den Namen von Jesus erfolgte, weil (so die Stelle aus Röm 6,3-4) Jesus für unsere Sünden gestorben und für unsere Rechtfertigung auch auferstanden ist. Es geht um das Werk des Sohnes. Der Name Jesus darf also bei der Taufe in keinem Fall fehlen. Gott macht unser Heil, die Erlösung, an Jesus seinem Sohn fest. Darim ist auch die Taufe unbedingt an seinen Namen gebunden.
      Allerdings ist in all den Taufgeschichten nicht die eigentliche Durchführung der Taufe im Detail beschrieben, also mit den entsprechenden begleitenden Worten des Taufenden, sondern nur eine Umschreibung,dass auf den Namen von Jesus getauft wurde. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass bei der eigentlichen Durchführung der Taufe, der Taufende (Philippuns, Paulus oder seine Mitarbeiter) auch die vollständige `Taufformel` aus Mt 28,19 ausgesprochen haben.
      Wir sprechen in unserer Taufpraxis die vollständige Taufformel aus, denn dadurch folgen wir
      1. Der Anweisung von Jesus selbst;
      2. Der vermuteten Praxis der Jünger (auch wenn es dafür kein ausdrückliches Beispiel gibt);
      3. Und daurch wird auch der Aspekt der Familienzugehörigkeit zur Gottes Familie unterstirchen.
      4. Nicht zuletzt ist es auch ein Glaubensbekenntnis zu dem einzigen Gott, der sich als Vater und Sohn und Heiliger Geist offenbart hat.
      Diese Überlegungen helfen mir ein wenig weiter, da es ein Versuch ist, nicht die Differenzen, sondenr das Einigende zu erkennen. Ich hoffe, Sie können mein ehrliches Bemühen auf der Suche nach rechtem Verständnis der Schrift erkennen, ohne dass ich für mich vollständige Kenntnis beanspruche.
      Mit freundlichem Gruß
      Paul Schüle

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