Inhaltsverzeichnis
- 1 Teil 5: Die sieben Zornesschalen und das Gericht über Babylon das Tier und den falschen Propheten
- 1.1 5.1 Die Schar der Erlösten am gläsernen Meer
- 1.2 5.2 Die Ausstattung der sieben Engel mit den goldenen Schalen des Grimmes Gottes
- 1.2.1 5.2.1 Die erste Zornesschale: Geschwüre an Menschen
- 1.2.2 5.2.2 Die zweite Zornesschale: Das Meer wird zu Blut
- 1.2.3 5.2.3 Die dritte Zornesschale: Die Wasserströme werden zu Blut
- 1.2.4 5.2.4 Die vierte Zornesschale: Die Sonne versengt Menschen
- 1.2.5 5.2.5 Die fünfte Zornesschale: Das Reich des Tieres wird verfinstert
- 1.2.6 5.2.6 Die sechste Zornesschale: Der Fluss Euphrat trocknet aus
- 1.2.7 5.2.7 Die siebte Zornesschale: Es ist geschehen
- 1.3 5.3 Das Geheimnis der Hure Babylon und des Tieres, so wie das Ende dieser Koalition
- 1.3.1 5.3.1 Die Vision über die große Hure Babylon und das Tier welches sie Träg
- 1.3.2 5.3.2 Die Dreierkoalition zerbricht: Die Könige und das Tier wenden sich gegen Babylon
- 1.3.3 5.3.3 Die Details zum Fall Babylons und ihr Gericht
- 1.3.4 5.3.3: Fortsetzung über den Fall Babylons und dessen Gericht
- 1.3.5 5.3.4 Der Triumph über Babels Fall und Gericht
- 1.3.6 5.3.5 Lobpreis und Anbetung im Himmel über das Gericht und den Untergang Babylons
- 1.4 5.4 Die Ankündigung der Hochzeit des Lammes
- 1.5 5.5 Der Weltrichter besiegt die feindlichen Heere
Teil 5: Die sieben Zornesschalen und das Gericht über Babylon das Tier und den falschen Propheten
Dieser fünfte Teil erstreckt sich von Kapitel 15-19 und beinhaltet neue Aspekte von der Offenbarung Jesu Christi, aber auch ergänzendes zu dem bereits Offenbarten.
Das Hauptthema der Kapitel 15-16 bilden die sieben Schalen des Grimmes Gottes, welche durch sieben Engel ausgegossen werden. In Kapitel 17 wird dem Johannes in vielen Details erklärt, was unter der Hure Babylon und dem siebenköpfigen Tier sich verbirgt. In Kapitel 18 wird das Volk Gottes aus Babylon herausgerufen und danach die Große Stadt zur Wüste gemacht, verurteilt und gerichtet. Kapitel 19 beginnt mit dem Jubel über das gerichtete und verurteilte Babylon. Dem gegenüber wird ein Einblick gewährt in die zukünftige Hochzeit des Lammes. Im Anschluss daran die Vision von Christus auf dem weißen Pferd und der ihm nachfolgenden himmlischen Heere. Der fünfte Teil endet mit dem Kampf und Sieg des Christus über das Tier und den falschen Propheten samt ihren Heeren. Anschließend werden diese alle in den Feuersee geworfen.
Uns ist aufgefallen, dass das Doppelbild der Ernte aus Kapitel 14,14-20 nur einige Aspekte des Gerichtes enthält. Daher werden in den folgenden Kapiteln weitere Details des Gerichtes Gottes beschrieben. Kapitel 15,1 bildet sozusagen den Einstieg zu den letzten sieben Plagen des Grimmes Gottes durch sieben bevollmächtigte Engel. Und wieder beginnt die Schilderung der Ereignisse im himmlischen Bereich. So lesen wir: „Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: Sieben Engel, die sieben Plagen hatten, die letzten; denn in ihnen wurde der Grimm Gottes vollendet.“ (Offb 15,1).
Sieben Engel machen sich bereit mit einem ungewöhnlichen Auftrag, den sie zu erfüllen haben an dieser Schöpfung und an den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben, sondern das Malzeichen des Tieres tragen (Offb 16,1ff). Zunächst sieht es so aus, dass es sich um eine weitere Siebener-Gruppe von Engeln handeln würde. Doch die Aussage in Offb 8,2 „Und ich sah die sieben Engel die vor Gott stehen“, gibt auch Anlass zu der Annahme, dass es sich um dieselbe Siebener-Gruppe handeln könnte. Immerhin sind auch deutliche Parallelen zwischen den sieben Posaunen und den sieben Schalengerichten zu sehen. Und auch diese sieben Engel treten aus dem Heiligtum heraus (Offb 15,6).
Doch vor ihrem Einsatz wird dem Johannes ein seltsames Bild gezeigt.
5.1 Die Schar der Erlösten am gläsernen Meer
„Und ich sah ⟨etwas⟩ wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und ⟨sah⟩ die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes.
3 Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar ⟨sind⟩ deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig ⟨sind⟩ deine Wege, König der Nationen! 4 Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein ⟨bist⟩ heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.“ (Offb 15,2-4).
Nach der ersten erstaunlichen Vision, welche als Einleitung zu dem dominierenden Thema des 16. Kapitels gesehen werden kann, bekommt Johannes eine weitere Vision mit einem ungewöhnlichen Inhalt zu sehen und hören. Dabei wird die erlöste Schar bereits in ihrer Vollendung beschrieben, als am Ziel vor dem Thron angekommen. Sie stehen an (auf) einem gläsernen Meer, welches mit Feuer vermengt war. Das Bild vom gläsernen Meer ist uns bereits bekannt aus Offb 4,6. Dort wird es wie folgt beschrieben: „Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“
Die Umschreibung mit `gläsern` oder ` gleich Kristall `, weist auf seine Durchsichtigkeit und Reinheit hin, wie die Texte aus Offenbarung 21,11 und 22,1 erkennen lassen. In Offb 15,2 wird ergänzt, dass es mit Feuer vermengt war. Doch sowohl das `gläserne Meer` als auch der Zusatz `mit Feuer vermengt` ist symbolhaft und keineswegs materiell zu deuten. Es kann sich um das Feuer handeln, welches vom Thron ausgeht und das gläserne bzw. kristallne Meer durch flutete (Dan 7,9; Jes 33,14b-17).
Für das gläserne Meer gibt es eine Entsprechung im Bereich der Stiftshütte und zwar in dem kupfernen Waschbecken zwischen dem Brandopferaltar und dem Eingang in das Heilige (2Mose 30,18-20; 38,8). Es kann als ein Abbild des gläsernen Meeres gesehen werden. Für die Priester war vorgeschrieben: „Wenn sie in die Stiftshütte gehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, dann werden sie nicht sterben, so soll es auch sein, wenn sie an den Altar treten, um zu dienen und ein Feueropfer zu verbrennen für den HERRN.“ (2Mose 30,18-20). Das kupferne Waschbecken, welches Salomo im Tempel anfertigen ließ, maß 10 Ellen im Durchmesser und 30 Ellen im Umfang (1Kön 7,23-24). Das dem Kristall ähnliche Meer erstreckt sich rund um den Thron. Das ist ein Hinweis dafür, wer dem Thron nahen will, muss durch dieses Meer hindurch, so wie der Priester, wenn er sich Gott im Heiligtum nahen wollte.
Der Hebräerbriefschreiber greift diesen Gedanken auf: „So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in der Fülle des Glaubens , besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.“ (Hebr 10,22). Ähnlich auch Paulus in Eph 5,26: „gereinigt im Wasserbad des Wortes“; oder Tit 3,5 „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung durch den Heiligen Geist“ (dazu auch 1Petr 1,23). Zu der grundsätzlichen Reinigung gehört aber auch die Reinigung von Sünden nach 1Joh 1,5-9 und 2,1-2; Mt 5,24; 6,12 um vor Gott mit reinem Gewissen treten zu können. Mit `Feuer vermengt` kann in diesem Zusammenhang als ein Mittel zur Läuterung der Gläubigen gesehen werden (Jes 48,10; 1Kor 3,13; 1Petr 1,7). Die Schar der Überwinder hatte den Prozess der Reinigung und Läuterung durchlaufen und nun stehen sie auf dem gläsernen Meer. Es sind dieselben, von denen gesagt wurde: „Diese sind’s, die aus der großen Trübsal kommen und haben ihre Kleider gewaschen und haben sie hell gemacht im Blut des Lammes. 15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel.“ (Offb 7,14-15).
Ausgestattet ist die Schar der Überwinder mit Harfen Gottes (so wie auch in 14,3 und 5,7).

Der gewaltige Chor singt zwei Lieder:
- Das Lied des Mose, welches uns zunächst an die wunderbare Befreiung des Volkes Israels aus der ägyptischen Sklaverei erinnert (2Mose 15,1-19). Dabei geht es nicht um den gleichen Wortlaut.
- Das Lied des Lammes ist uns bereits bekannt aus Offb 5,7-11. Dort singen es zunächst die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten in der grammatischen Form der 3. Person Plural. Danach stimmen die unzählbare Schar der Engel in den Lobpreis ein. Und Am Ende die gesamte Schöpfung. In Offb 14,3 singen das Lied des Lammes nur die 144000 Erkauften von den Menschen, denn sie haben die Erlösung durch das Lamm selbst erlebt, darum konnten nur sie dieses Lied lernen. In Kapitel 15,2 ist es dieselbe Schar der Erlösten und hier wird betont, dass sie den Sieg errungen haben über das Tier und den falschen Propheten, indem sie die Anbetung verweigerten und das Malzeichen ablehnten.
Der Wortlaut dieser Lieder im Text von Offb 15,2-4 gleicht einem Hymnus:
- „Groß und wunderbar ⟨sind⟩ deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger!“ Werke Gottes in der Schöpfung, in der Erlösung Israels und es gipfelt in der Erlösung durch Christus (Ps 33,6; 2Mose 13,14; 5Mose 7,8; Joh 4,34; Mk 10,45; 2Kor 5,19).
- „Gerecht und wahrhaftig ⟨sind⟩ deine Wege, König der Nationen!“ (5Mose 32,4).
- „Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein ⟨bist⟩ heilig.“ (Jes 6,3ff; Offb 4,8).
- „denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.“ (dazu auch Offb 5,13).
Gott sagte durch den Propheten Jesaja voraus: „Ich schwöre bei mir selbst, und Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören.“ (Jes 45,23). Und Paulus zitiert diese Voraussage Gottes in Röm 14,11 und ergänzend bezieht er sie auch auf den erhöhten Jesus Christus: „Darum hat Gott ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“
(Phil 2,9-11).
5.2 Die Ausstattung der sieben Engel mit den goldenen Schalen des Grimmes Gottes
„Und nach diesem sah ich: Und der Tempel des Zeltes des Zeugnisses im Himmel wurde geöffnet. 6 Und die sieben Engel, welche die sieben Plagen hatten, kamen aus dem Tempel hervor, bekleidet mit reinem, glänzendem Leinen und um die Brust gegürtet mit goldenen Gürteln. 7 Und eines der vier lebendigen Wesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen, voll des Grimmes Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. 8 Und der Tempel wurde mit Rauch gefüllt von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Macht; und niemand konnte in den Tempel eintreten, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren.“ (Offb 15,5-8).
Auffallend, dass in diesem Text viermal der himmlische Tempel Gottes erwähnt wird. Bei seiner Öffnung als Tempel des Zeugnisses (die Bildersprache knüpft an die irdische Wohnung des Zeugnisses an und zwar als Abbild des himmlischen Heiligtums 4Mose 9,15; Hebr 9,24). Dann treten die sieben Engel aus dem Heiligtum heraus. Ihr Aussehen wird beschrieben: Sie sind mit reiner, glänzender Leinwand bekleidet und um ihre Brust mit einem goldenen Gürtel gegürtet. Diese Bekleidung erinnert uns zunächst an die Bekleidung der himmlischen Heerschar aus Offb 19,14 und Lk 24,4. Es erinnert uns auch an den Engel aus Daniel 10,5 der um seine Lenden mit einem goldenen Gürtel umgürtet war. Allerdings hatten jene Engel einen anderen Auftrag. Auch der Menschensohn ist um seine Brust mit einem goldenen Gürtel gegürtet (Offb 1,13). Damit weisen sie eine qualitative Ähnlichkeit zu Christus auf. Ihre reine und glänzende Bekleidung wird zusammengehalten mit dem goldenen Gürtel der Lauterkeit und Wahrheit. Paulus schreibt an die Gläubigen: „So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit.“ (Eph 6,14; auch Lk 12,35).
Eine weitere vermittelnde Handlung sieht Johannes. Eines der vier lebendigen Wesen, die unmittelbar um den Thron Gottes stehen, händigt den sieben Engeln sieben goldene Schalen aus, gefüllt mit dem Grimm Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Begriff Grimm Gottes wird nicht nur in diesem Text verwendet, sondern auch in Offb 14,10; 14,19; 15,1; 15,7; 16,1; 16,19; 19,15. Die Interlinear übersetzt diesen Begriff mit „die Aufwallung Gottes“. Das Maß seiner Geduld (Langmut) ist voll bzw. ist ausgeschöpft. Es ist weit mehr als ein heftiger Unmut über das Böse. Doch werden die Begriffe `thymos-Grimm und org¢s-Zorn` auch austauschbar verwendet und drücken die angemessene Empfindung und Vergeltung Gottes gegenüber seinen Feinden aus (Offb 6,16; 14,10; 16,19; 19,15 aber auch in Nahum 1,2; Röm 1,18; 2,5.8; 1Thes 1,10; Hebr 10,30).
Die Aussage in Vers acht erinnert an 2Mose 40,34-35: „Da erfüllte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung. 35 Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte hineingehen, weil die Wolke die Wohnung erfüllte.“
Dies kann bedeuten, dass es während der sieben letzten Plagen keinen Zugang zum Thron geben wird. Das Beschlossene wird ununterbrochen durchgeführt (Jes 14,26-27; Joh 9,4; Hebr 3,13).
Nun geht das Geschehen nahtlos über zu Kapitel 16 in dem die Ausführung der vorbereiteten Schalen des Grimmes Gottes durchgeführt wird. Ob die Worte von Jesus in Offb 22,11 „Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein; aber wer gerecht ist, der übe weiterhin Gerechtigkeit, und wer heilig ist, der sei weiterhin heilig“ auf diese Zeit hin ausgesprochen wurden?
Johannes schreibt weiter: „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Geht hin und gießt die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde.“ (Offb 16,1). Der Befehl zur Ausführung kam von einer Stimme aus dem Heiligtum. Die Übermittlung der sieben Schalen des Grimmes Gottes erfolgte durch eines der vier lebendigen Wesen (Offb 15,7). Auch bei den sieben Schalengerichten lässt sich das System 4+2+1 erkennen, sie auch bei den Posaunengerichten.
1+2+3+4: Erde, Meer, Wasserquellen und Himmelskörper.
5+6: Die Sonne wird verfinstert – Das Reich des Tieres wird verfinstert. Die vier Engel am Fluss Euphrat werden losgebunden – Die Wasser im Euphrat vertrocknen.
7: Keine Zeit mehr – Es ist geschehen.
Dazu weisen ihre Inhalte viele Ähnlichkeiten auf. Im Vergleich zu dem Bild von `Becher mit dem Wein des Grimmes oder Zorns Gottes` sind es hier Schalen ebenfalls gefüllt mit dem Grimm des Zornes Gottes (Kelch oder Becher: Offb 16,6; 14,10; 16,19 mit Jer 25,15; Schalen: Offb 15,7 mit Hes 14,19; 30,15). Aus dem Becher oder Kelch muss getrunken werden, der Inhalt geht in den Menschen hinein. Die Schalen werden auf die Erde ausgeschüttet (gr. ekcheen), die Auswirkungen sind flächendeckend. Sie treffen Menschen, sind äußerlich erkennbar und physisch wahrnehmbar. Damit wird letztlich der Mensch in seiner Gesamtheit getroffen. Wie auch bei den Posaunengerichten, so wird auch hier auf die Plagen in Ägypten zurückgegriffen. Was damals im wörtlichen-physischen Sinne geschah, kann sich hier durchaus auch in einem übertragenen Sinne vollziehen. Uns ist bewusst, dass die Deutung eine große Herausforderung sein wird. Doch bereits die sorgfältige Betrachtung der Texte und der Verknüpfungen zu Parallelaussagen aus den übrigen Schriften werden für uns ein Gewinn sein.
5.2.1 Die erste Zornesschale: Geschwüre an Menschen
Was Johannes nun sieht fasst er in folgende Worte: „Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde; und es entstand ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und sein Bild anbeteten.“ (Offb 16,2).
Die erste Schale wird auf die Erde ausgegossen, betroffen ist hier der trockene Teil unseres Planeten und zwar in globaler Ausdehnung. Doch laut unserem Text sind von dieser Plage und zu diesem Zeitpunkt nur die Menschen betroffen, welche sich durch das Tier aus der Erde verführen ließen und dem Tier aus dem Völkermeer huldigten (Offb 13,1-18; 14,9-10; Mt 3,7; Joh 3,36; Röm 1,18; 2,8). Indirekt wird damit ausgesagt, dass die Versiegelten von dieser Plage verschont bleiben, denn sie fallen nicht unter den Zorn Gottes (Offb 6,17-7,18; Joh 5,24; 1Thes 1,10; 5,9).
Unter dem bösen und schlimmen Geschwür (gr. elkos, bzw. elk¢ i im Plural) kann man sich offene und schmerzliche Wunden vorstellen. Es erinnert an die sechste Plage in Ägypten durch Geschwüre aus 2Mose 9,9-11 wo der Herr Mose angewiesen hatte, Russ aus dem Ofen in seine Hand zu nehmen: „Und Mose werfe ihn vor dem Pharao gen Himmel, 9 dass er über ganz Ägyptenland staube und böse Blattern aufbrechen an den Menschen und am Vieh in ganz Ägyptenland. 10 Und sie nahmen Ruß aus dem Ofen und traten vor den Pharao, und Mose warf den Ruß gen Himmel. Da brachen auf böse Blattern an den Menschen und am Vieh. 11 Auch die Zauberer konnten nicht vor Mose treten wegen der bösen Blattern; denn es waren an den Zauberern ebenso böse Blattern wie an allen Ägyptern.“ Für Blattern steht im Text der LXX ebenfalls die Bezeichnung `elk¢`. Vom Kontext geht hervor, dass das Volk Israel nicht betroffen war von jener Plage und dies wird auch auf das Volk Gottes am Ende zutreffen (2Mose 8,18-19). Damit ist zwischen der sechsten Plage in Ägypten und der ersten Zornesschale eine deutliche Parallele erkennbar.
Anmerkung: Es ist auffallend, dass der Herr sogar seinem Volk jene ägyptische Plagen androhte im Falle von Ungehorsam gegenüber seinen Geboten. So lesen wir in 5Mose 28,27: „Der HERR wird dich schlagen mit ägyptischem Geschwür, Beulen, Krätze und Ausschlag, dass du nicht geheilt werden kannst.“ Doch auch fromme Männer erlebten unverschuldet ähnliche Plagen durch Geschwüre, allerdings nur von Gott zugelassen aber von ihm nicht aktiv bewirkt (Hiob 2,7; 2Kön 20,7 mit Jes 38,21; Lk 16,20-21. in all diesen Texten treffen wir auf den Begriff `elkos bzw. elk¢`. Doch welcher Art von Geschwüren, der Intensität und Dauer jene Menschen bei der Ausgießung der ersten Zornesschale erleiden werden, kann wohl niemand genau voraussagen.
Zu erwarten wäre, dass es eine Parallele zu dem ersten Posaunengericht geben müsste. Schauen wir uns jenen Text noch einmal an: „Und der erste blies seine Posaune; und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermengt, und wurde auf die Erde geschleudert; und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte.“ (Offb 8,7). In beiden Fällen ist die Erde, der trockene Teil des Planeten betroffen. Während dort die Vegetation zu Schaden kommt, sind es hier konkret Menschen. Doch wie wir bereits dort feststellen konnten, werden sowohl Bäume als auch das Gras als Bild für Menschen verwendet (Siehe die Begründungen im Teil 3.1). In jenem Posaunengericht wird auf die siebte Plage in Ägypten Bezug genommen – den Hagel mit all den zerstörerischen Begleiterscheinungen (2Mose 9,17ff).
Die Plage durch böse und schlimme Geschwüre wird durch die nächsten Schalengerichte keineswegs aufgehoben. Wir treffen diese Plage im fünften Schalengericht mit denselben Geschwüren wieder an (Offb 16,10-11). Dazu später mehr.
5.2.2 Die zweite Zornesschale: Das Meer wird zu Blut
„Und der zweite goss seine Schale aus auf das Meer; und es wurde ⟨zu⟩ Blut wie von einem Toten, und jede lebendige Seele starb, ⟨alles⟩ was im Meer war.“ (Offb 16,3).
Wie bereits weiter oben erwähnt, haben wir auch bei den Zornesschalen die uns bekannte Reihenfolge: Erde, Meer, Wasserquellen und Himmelskörper. Jetzt ist das Meer betroffen. Nach der biblischen Darstellung steht das Meer im übertragenen Sinne für Völkerscharen, es ist das Völkermeer (Offb 17,15; 13,1; Dan 7,1-8). Das Meer in seiner Bewegung mit den Stürmen passt zu der natürlichen Ruhelosigkeit der Menschen (Jes 57,20; Judas 1,13).
Die Aussage „Jede lebendige Seele im Meer starb“, umfasst bei wörtlicher Betrachtung verschiedene Arten von Meerestieren und fischen aller Art. Aber auch Landtiere und Vögel haben physisches Leben (psych¢ – 1Mose 1,24; 6,17; 3Mose 17,11). Und schaut man auf das erschreckend schnelle Aussterben von Meereslebewesen, bekommen diese geheimnisvollen und auch inhaltsvollen Bilder besonders in unserer Zeit hohe Aufmerksamkeit. Dass die Weltmeere im wörtlichen Sinne komplett zu Blut werden bei dem alles darin Lebendige ausstirbt, ist natürlich für uns schwer vorstellbar. Doch Blut steht im übertragenen Sinne nicht nur für Leben, sondern auch für Sterben und Tod (1Mose 4,10; Offb 14,20; 16,6).
Weiter schauen wir, welche Parallelen es zu dem zweiten Posaunengericht gibt. Hier noch einmal jener Text: “Und der zweite Engel blies seine Posaune; und etwas wie ein großer Berg wurde lichterloh brennend ins Meer gestürzt, und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut, 9 und der dritte Teil der lebendigen Geschöpfe im Meer starb, und der dritte Teil der Schiffe wurde vernichtet.“ (Offb 8,8-9). Dort wurde das Wasser zu Blut mit entsprechenden Folgen für Lebewesen und sogar Schiffe, wenn auch nur der dritte Teil betroffen war (Teil 3.2). Im Gericht durch die zweite Zornesschale wird das gesamte Meer betroffen sein und dabei werden alle Lebewesen sterben. Eine Entsprechung aus den Plagen in Ägypten gibt es insofern, dass Wasser zu Blut wird mit der Folge, dass die Fische im Nil starben. Doch jenes Geschehen in Ägypten ist vorbildhaft für die dritte Zornesschale, bei der wir auch die ersten Deutungen der bildhaften Darstellungen des Blutes aus himmlischer Perspektive mitgeteilt bekommen.
5.2.3 Die dritte Zornesschale: Die Wasserströme werden zu Blut
„Und der dritte goss seine Schale aus auf die Ströme und die Wasserquellen, und es wurde ⟨zu⟩ Blut.“ (Offb 16,4).
Wenn wir hier von einer physisch-materiellen Verwandlung aller Quellen, Flüssen und Süßwasserseen ausgehen, würde die Menschheit innerhalb kürzester Zeit verdursten und aussterben. Doch aus den Schilderungen der noch folgenden Schalen wird ersichtlich, dass es mit der Menschheit noch nicht aus sein wird. Und wenn wir bei der sechsten Zornesschale ankommen heißt es, dass die Wasser des großen Stromes Euphrat vertrockneten (was durchaus in einem übertragenen Sinne gemeint sein kann), dann muss Blut in unserem Text nicht zwingend wörtlich gemeint sein (Offb 16,12).
Im folgenden Text dieses Schalengerichtes wird uns eine verblüffende Erklärung über das Blut gegeben, die in Übereinstimmung mit Gottes früheren Handlungsweise steht, denn er ist gerecht und seinem Wort treu. Der Lobpreis des Engels über die Wasser geht an den allmächtigen und gerechten Gott und Herrn: „Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Du bist gerecht, der ist und der war, der Heilige, dass du so gerichtet hast. 6 Denn Blut von Heiligen und Propheten haben sie vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind es wert.“ (Offb 16,5-6). Dies klingt nach einer Erklärung der für uns so dramatischen und rätselhaften Bilder. Gott vergilt den Schuldigen mit dem, was sie anderen angetan haben. Sie müssen (auf welche Weise auch immer) trinken, auskosten, erleiden, was es heißt Menschen das Leben zu nehmen. Auch hier passt der Spruch: „Was der Mensch sät, wird er auch ernten“ (Gal 6,7).
Schauen wir uns nun die Parallelaussagen aus dem dritten Posaunengericht an. Dort steht: „Und der dritte Engel blies seine Posaune; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und auf die Wasserquellen. 11 Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren.“ (Offb 8,10-11).
Während bei den Posaunengerichten durch die Verbitterung der Wasserquellen der dritte Teil der Menschen starb, ist bei der dritten Zornesschale die totale Verblutung der Wasserquellen die Folge, ohne konkreter Angaben der Auswirkungen auf die Menschen.
Wie bereits oben angedeutet, steht die dritte Zornesschale offensichtlich in einem Bezug zu der ersten Plage in Ägypten. Das Wasser im Nil wird zu Blut für sieben Tage, so dass es nicht nur nicht mehr trinkbar war, sondern dass auch die Fische darin starben. „Und der HERR sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Ströme und Kanäle und Sümpfe und über alle Wasserstellen, dass sie zu Blut werden, und es sei Blut in ganz Ägyptenland, selbst in den hölzernen und steinernen Gefäßen.“ (2Mose 7,19-25). Damit wurde der Pharao an die vielen ermordeten männlichen Kinder der Israeliten erinnert, welche auf seinen Befehl hin in den Nil geworfen wurden, wodurch das Wasser blutig wurde (2Mose 1,22). Bereits damals wurde der Zusammenhang von Blut-Leben-Tod deutlich. Und daher gibt Gott ihnen sozusagen sieben Tage lang Blut zu trinken. Dazu nimmt Gott den Ägyptern durch die zehnte Plage alle ihre Erstgeborenen von Menschen und sogar von ihrem Vieh. Gott vergilt den Menschen nach dem was sie getan haben. Daher spricht man auch von Blutschuld, die durch Blut gesühnt werden muss (1Mose 9,5). Allerdings behält sich Gott selbst diese Vergeltung nach seinem Ermessen zuzuteilen. Weitere Stellen zu dieser Vergeltung, welche die zu erwarten haben, die Blut vergießen: 1Mose 9,5-6; 41,22; Jos 2,19; 1Kön 2,33; 2Kön 9,7; Mt 27,25.
Jesus sagte der Führungsgeneration in Israel: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35; Lk 11,50). Die Erklärung von Jesus macht klar, dass darin (in jener Menschenart) auch jene eingeschlossen sind, welche dem schlechten Beispiel von Kain folgten (Mt 23,36).
Danach erschallt eine Stimme aus dem Altar, hier ist es wieder der goldene Altar, welcher unmittelbar vor dem Thron Gottes steht und der nicht durch einen Vorhang vom Allerheiligsten getrennt ist. „Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, Gott, Allmächtiger, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte.“ (Offb 16,7). In Verbindung mit dem goldenen Altar stehen die Seelen der enthaupteten Heiligen. Erinnern wir uns noch an deren Frage, welche sie an Gott richteten: „Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ (Offb 6,9). Nun dürfen sie erleben, wie Gott zur rechten Zeit und mit gerechtem Maß Vergeltung übt. Aber auch aller anderen Heiligen, welche die Gerechtigkeit Gottes in ihrer Anbetung rühmen, können in dem Lobpreis des goldenen Altars mit einbezogen sein (Offb 8,3-5; Röm 11,33).
5.2.4 Die vierte Zornesschale: Die Sonne versengt Menschen
Für Johannes öffnet sich ein weiteres Panorama, diesmal wird sein Blick von der Erde nach oben gerichtet. „Und der vierte goss seine Schale aus auf die Sonne; und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen. 9 Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offb 16,8-9).
Der Vergleich mit der vierten Posaune macht uns aufmerksam, dass das Schalengericht zu einer umgekehrten Wirkung der Sonne führt. Sie vergrößert ihre Hitzeausstrahlung. Entsprechend schmerzhaft (brennend) wird dies von Menschen empfunden. Bei dem vierten Posaunengericht geht es um ein Drittel weniger Lichtausstrahlung der Himmelskörper (deutliche Abkühlung wäre die Folge). Hier mehr Hitzeausstrahlung der Sonne. Die Folge: „Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt“.
In der Bibel kommt `Sonne` etwa 145 Mal in direkter Nennung vor und wird neben dem natürlich-wörtlichem auch im übertragenen Sinne verwendet:
- Im natürlichen und wörtlichen Sinne (1Mose 1,14-18; Jer 31,35; Mt 5,45).
- In der Familiengeschichte von Jakob (1Mose 37,9).
- In Bezug auf Gott – Gott der Herr ist Sonne und Schild, Gerechtigkeit und Rettung (Ps 84,12; Mal 3,20).
- In Bezug auf Christus den Gottes Sohn und Menschensohn (Mt 17,2; Offb 1,16 aber auch Joh 8,12: „Ich bin das Licht der Welt“).
- In Bezug auf die Kinder Gottes, sie werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich (Mt 13,43; und: „Ihr seid das Licht der Welt“).
- Das Bild der Frau, die mit der Sonne bekleidet war und symbolhaft die Gemeinde darstellt (Offb 12,1).
Aufgrund der Analyse der Texte mit der Sonne, suchen wir nach der wahrscheinlicheren Bedeutung für den Text in Offb 16,8-9.
Würde diese Hitzeausstrahlung wörtlich-physisch geschehen, könnte der Mensch es nicht lange durchhalten, ähnlich wie bei der enormen Abkühlung bei dem vierten Posaunengericht. Dies gab es bereits vor dreitausend Jahren, wie wir es in Psalm 121,6 lesen: „Das dich die Sonne des Tages nicht steche“. Ja, Menschen erlitten oft schon bei normaler Ausstrahlung und längerem Aufenthalt in der Sonne einen Hitzeschlag (2Kön 4,18-19: „Mein Kopf, mein Kopf“, jammerte der Junge; Auch Jona beklagte sich bei Gott , weil die Sonne ihn stach und er fast ohnmächtig wurde. (Jona 4,8). Bis heute erleiden Menschen sogenannte Hitzeschläge.
Anmerkung: Nach heutigen Erkenntnissen wäre eine Erwärmung der Sonneneinstrahlung auf nur wenige Grad verheerend für Natur und Mensch.
Dass es in der Geschichte nachweißlich zu Abkühlungen auf der Erde kam mit entsprechenden Einschnitten für Natur und Mensch, ist nachgewiesen. Dass es zunehmend heißer wird, macht heute ebenfalls die Runde und die Folgen sind vielerorts erkennbar (siehe die Zunahme von Waldbränden weltweit). Doch wie viel natürliche Hitze durch die Sonne könnte der Mensch verkraften? Eine der bekannten kältesten Gegenden auf unserem Planeten, wo Menschen leben liegt in der Gegend von Nordostsibirien. Dort wurden Temperaturen in den Wintermonaten von mehr als 60 Grad unter den Gefrierpunkt gemessen. Die heißesten Gegenden dagegen sind die Wüstenregionen südlich des 30. Breitengrades (Sahara). Dort steigen die Tagestemperaturen in den Sommermonaten bis über 60 Grad in der Sonne.
Für das vierte Posaunengericht gibt es mehrere Texte, in denen die Verminderung der Leuchtkraft der Sonne beschrieben wird sowohl im wörtlichen als auch einem übertragenen Sinne (Siehe Teil 3.4). Doch für die vierte Zornesschale gibt es nur eine Textstelle in der die siebenfache Strahlkraft der Sonne verheißen wird (Jes 30,26). Und dort ist es im positiven Sinne gedeutet auf die ungewöhnliche Zuwendung Gottes seinem Volk gegenüber. Der Herr verheißt: „Und des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein, so wie das Licht von sieben Tagen, zu der Zeit, wenn der HERR den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird.“
Diese Verheißung begann sich zu erfüllen mit dem Kommen von Jesus und wird vollendet mit seinem zweiten Kommen und der Neuschöpfung (Jes 49,10 mit 53,5; 59,19; 60,19-20; 9,1 mit Mt 4,16; Lk 1,78; Joh 1,9 und 8,12; 2Kor 4,4; Offb 7,16; 21,23; 22,5). Der siebenfachen Strahlkraft der Sonne für das Volk Gottes steht die enorme Erhitzung der Sonne für die Feinde Gottes gegenüber. Denn für eine Erhitzung der Sonne im wörtlichen Sinne als Ausdruck des Zornes Gottes gegenüber seinen Feinden gibt es keine direkte Parallele, außer der Tagesverlängerung unter Josua (Jos 10,12).
Gerade deshalb scheint es sinnvoll zu sein, die Deutung dieses Schalengerichtes nicht im wörtlichen sondern übertragenem Sinne zu suchen. Die Hitze traf die Menschen durch dieses Schalengericht so stark, weil sie sich von Gott abgewendet hatten und dem Tier huldigten. Daher wird die Sonne Für Menschen ohne Verwurzelung in Gott, zur versengenden Hitze. So Jakobus durch einen Vergleich in 1,11: „Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras verdorren lassen, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben; so wird auch der Reiche in seinen Wegen dahinschwinden.“ (ähnliche Vergleiche hat bereits Jesus gemacht in Matthäus 13,6ff; 13,20ff: keine Verwurzelung im Glauben sowie Streben nach Reichtum führen zur Verdorrung).
Auch die Aussage des Petrus für die Gläubigen über das Feuer (Hitze) in Form der Versuchung durch Verfolgung und sonstige Beschwernisse gibt ebenfalls Anlass, dass unser Text auch in einem übertragenen Sinne verstanden werden kann. So lesen wir in 1Petr 4,12: “Ihr Lieben, lasst euch durch das Feuer (Feuersglut) nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas fremdes.“ Für die Gläubigen geschieht dies zur Läuterung und Festigung im Glauben. Diese Annahme wird auch durch folgende Voraussage in Offb 3,10 unterstützt: „Du hast mein Gebot bewahrt, standhaft zu bleiben; daher werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.“ Damit sagt Jesus voraus, dass es eine globale Versuchung geben wird, welche die Bewohner der gesamten Erde (oikoumen¢) treffen wird und bei der die Gläubigen bewahrt bleiben. Jesus bat seinen Vater: „dass du sie nicht aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen“ (Joh 17,15).
Doch wie wird diese Bewahrung aussehen? Wir wissen, dass gläubige in dieser Zeit oft genauso Naturkatastrophen aber auch Versuchungen ausgesetzt sind, wie auch die anderen es sind. Doch gelten den Gläubigen auch in dieser Zeit Aussagen Gottes wie sie in Psalm 121,6 zu lesen sind: „Das dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts“. Der gesamte Psalm spricht von Schutz, sei es im physischen oder geistigen Sinne (dazu die Fürbitte von Jesus für Simon Petrus in Lk 22,31-32). Aber Menschen welche den Verführungen des falschen Propheten unterliegen und nach der Gesinnung des Tieres ihr Leben ausrichten, richten sich selber zugrunde, sie werden sozusagen versengt. Von diesen schreibt der Apostel Paulus: „Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. 10 Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“ (1Tim 6,9-10).
Die Reaktion der Erdbewohner ist wie auch vorher: „Und die Menschen lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offb 16,9). Gott würde geehrt wenn Menschen in ihrer Not ihr Denken ändern würden und sich vor ihm demütigen anstatt ihm Vorwürfe zu machen. Die Reaktion in diesem Schlusssatz kann auch auf die vorhergehende und folgende Plagen bezogen werden.
Was uns nicht zugänglich ist, betrifft den Beginn, die Dauer und die zeitlichen Abstände zwischen den Gerichten. Doch wenn sie in der geschilderten Reihenfolge ablaufen werden, dann kann von der Auslöschung aller Menschen nach den ersten vier Schalengerichten nicht ausgegangen werden.
Denn nach der Verfinsterung des Reiches des Tiers (fünfte Schale), sind die Menschen noch da (Offb 16,10-11). Und nach den Aussagen über die sechste Schale werden sich die Bewohner des Erdreichs samt ihren Königen durch den Einfluss des Drachen, des Tieres und des falschen Propheten zum Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen rüsten (Offb 16,12-14).
Die Gläubigen werden in dieser schwierigen Phase ihrer Existenz aufgefordert wachsam zu sein, sie sind demnach auch noch da (Offb 16,15). Dazu später mehr.
5.2.5 Die fünfte Zornesschale: Das Reich des Tieres wird verfinstert
Im Vergleich zu den Posaunengerichten gibt es zwischen der vierten und fünften Zornesschale keinen erklärenden Übergang (Offb 8,13). Und so beobachtet Johannes weiter das Geschehen durch den fünften Engel: „Und der fünfte goss seine Schale aus auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz 11 und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offb 16,10-11).
Die Parallele zu der fünften Posaune ist auffällig. Dort wird die Sonne durch den Rauch aus dem Abgrund verfinstert. Und jene Bilder weisen auf eine geistige Verdunkelung der Sinne, verbunden mit Qualen für Menschen dieser Welt hin, welche nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Ihre Qualen führen sie zur Verzweiflung am Leben, sie begehren zu sterben, doch der Tod flieht von ihnen (Offb 9,4-10; dazu die Kommentare in Teil 3.5).
Durch die fünfte Zornesschale ist der Thron des Tieres betroffen und Thron steht für Macht und Herrschaft. Erinnern wir uns noch daran, dass der Drache seinen Thron, seine Macht und große Kraft an das Tier übergeben hatte (Offb 13,1ff). Dieses grausame Tier mit den zehn Hörnern steht nach Daniel 7,7-8 zunächst und im engeren Sinne für das Römische Reich, umfasst aber durch seine sieben Köpfe im globalen Sinne alle Machtsysteme dieser Welt mit samt ihren Königen und Herrschern aller Art (Dan 7,7-8; 19-25; Offb 13,1ff; 17,3ff; 19,19; Siehe auch die Kommentare im Teil 4.3). Doch auch vom Tier aus der Erde heißt es, dass es alle Macht des ersten Tieres ausübt und ihm zuarbeitet (Offb 13,11ff; 19,19).
Nun machen wir uns auf die Suche nach Texten, welche den Sinn der Verfinsterung im Reich des Tieres aus dem Meer erhellen können.
Ägypten war das erste Weltreich in der Antike, welches das Volk Gottes unterdrückte und misshandelte. Zunächst denken wir an die Neunte Plage in Ägyptenland (2Mose 10,21ff). Diese natürliche Finsternis erstreckte sich nur auf das ägyptische Reich (ausgenommen die Landschaft Gosen). Sie dauerte drei Tage und während dieser Zeit stand im Pharaonenreich buchstäblich alles still (2Mose 10,23). Sie war eine Folge der Verstockung des Herzens bei Pharao. Ebenso zeigte Gott dem Pharao die Nichtigkeit ihrer Sonnenverehrung. Dem physischen Niedergang eines Reiches ging immer eine geistige Verfinsterung voraus, siehe auch die Beispiele der Weltreiche im Altertum (Babylon: Jer 51,8-64; Dan 2,21; 5,27ff).
Sogar dem Volk Israel wird solche Verfinsterung und zeitweisen Niedergang vorausgesagt, wie in Jeremia 13,13-16-17 zu lesen ist: „Gebt dem HERRN, eurem Gott, die Ehre, ehe es finster wird und ehe eure Füße sich an den dunklen Bergen stoßen und ihr auf das Licht wartet, während er es doch finster und dunkel machen wird. 17 Wollt ihr das aber nicht hören, so muss ich heimlich weinen über solchen Hochmut; meine Augen müssen von Tränen überfließen, weil des HERRN Herde gefangen weggeführt wird.“ Und so wurde es in Juda und Jerusalem für etwa 70 Jahre Dunkel. ähnlich äußert sich auch Jesus zu seiner Zeit unter Tränen (nicht heimlich sondern öffentlich) über Jerusalem in Lukas 19,41-44. Die Folge der Verstockung war die Zerstreuung des Volkes Israels in aller Welt (Lk 21,20-22).
Und so kann auch die Verfinsterung im Reich des Tieres verstanden und erklärt werden. Eine andauernde Weigerung dem alleinigen Gott die Ehre zu geben führt zur Verstockung und schließlich zum Zerfall eines Reiches. Dass das große Römische Reich zu seiner Zeit einen gewaltigen politischen Einbruch mit Machtverlust erlebte, ist beispielhaft für alle Herrschaftssysteme dieser Welt. Dies könnte im Zusammenhang mit der Erklärung des Engels in Offenbarung 17,8 stehen. Nach seinen Worten steigt das Tier wieder aus dem Abgrund bevor es dann endgültig ins Verderben geht. Dieser Vorgang der Wiedererstarkung könnte mit der sechsten Zornesschale im Zusammenhang stehen. Denn dort ist dieses Tier zusammen mit dem Drachen und dem falschen Propheten beim Versammeln der Könige des bewohnten Erdkreises zum großen Tag Gottes des Allmächtigen wieder aktiv dabei (Offb 16,12-14.16ff). Doch am Ende werden alle Reiche dieser Welt durch das Reich Gottes zerstört, es selber aber wird als Reich des Lichts für alle Ewigkeit bestehen (Daniel 2,44; 7,16-17; Offb 19,19-21; 20,9-10; 11,15ff; 19,6).
Die Beobachtung des Paulus in 2Kor 4,4 beschreibt die Zusammenhänge der Verfinsterung der Sinne bei Menschen und deren sichtbare Folgen: „Den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“ Oder wie er den Kontrast zwischen der Lebensführung gottloser Menschen im Vergleich zu den Gläubigen beschreibt: „So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.“ (Eph 4,17-19).
Was damals von Paulus beobachtet wurde, gab es bereits davor und gibt es noch heute. Diese Verfinsterung der Sinne wird sich zum Ende hin im globalen Umfang noch weiter verdichten und dies insbesondere in Bereichen der Machtzentren dieser Welt. Die Naturwissenschaften, welche Gottes Existenz leugnen und ihn als Schöpfer des Universums ablehnen, geraten in immer dunklere Sphären ihres Denkens. Diese Loslösung von Gott wirkt sich verheerend auf alle Bereiche des menschlichen Lebens aus. Solche Entwicklungen sind nicht neu und zu beobachten ist eine Abwärtsspirale.
Die Formulierung „und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen“ lässt uns aufhorchen. Bekannt ist die Redewendung „sich auf die Zunge beißen“, gemeint ist dabei: sich verantwortungsbewusst zurückhalten vor Äußerungen, welche andere verletzen oder gar sich selber schaden würden. Doch sogar sich aus Versehen auf die Zunge beißen verursacht immer einen Schmerz. Natürlich ist in unserem Text was anderes gemeint. Vom Wortlaut scheint diese Aussage in der Schrift einmalig zu sein. Annähernd wäre die Reaktion: „Sie knirschten mit den Zähnen“ vor Wut (Apg 7,54). Die Reaktion jener Menschen spricht für die Unfähigkeit normal/logisch zu denken und handeln, denn normalerweise fügt sich der Mensch nicht weitere Schmerzen zu. Diese Reaktion drückt nicht nur den empfundenen Schmerz durch die Geschwüre aus, sondern Schmerz wegen Macht Verlust, Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit und Verzweiflung. Man denke dabei an den König Ahab, seine Frau Isebel und die von ihnen unterstützten Baals-Priester. Sie ritzten sich am Körper bis aufs Blut und erlebten nicht nur ihren Macht-Verlust sondern verwirkten auch ihr Leben (1Kön 18,28). Weitere Beispiele:
- Der Niedergang von Westrom 4-5. Jahrhundert.
- Der Niedergang und Ende von Ostrom 1354.
- Der Niedergang des Osmanischen Reiches.
- Der Niedergang der Kaiserreiche in West und Ost.
- Der Niedergang der Machtsysteme während des 20. Jahrhunderts einschließlich des qualvollen Endes der jeweiligen Machthaber.
Und alle gegenwärtigen Reiche werden zu ihrer Zeit fallen (Offb 16,19). Doch kurz vor dem Ende scheint es noch einmal eine Sammlung aller Mächte des Bösen zu geben, welche sich gegen das Lamm und sein Volk auflehnen werden (siehe die sechste Zornesschale und Offb 17,14; 19,19; 20,7-9).
Eine weitere Reaktion der Verfinsterung des Reiches vom Tier ist: „und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offb 16,11).
Dass die Geschwüre immer noch da sind und schreckliche Schmerzen verursachen, unterstreicht die fortdauernde Wirkung der ersten Plage. Und obwohl sie ihre Zungen zerbissen vor Schmerzen, benutzten sie diese auch noch für Lästerungen, anstatt von ihren Werken Umzudenken und Gott die ihm gebührende Ehre zu geben (Ps 10,7; 109,12; Jak 3,5). Doch kein Hilferuf nach Erleichterung, kein Anzeichen der Demütigung vor Gott – ein trauriger Zustand der Hoffnungslosigkeit. Anstelle von Umdenken reagieren sie mit Lästerungen.
Es geht immer noch um den Machtbereich des Tieres. Bereits zu Beginn seiner Herrschaft wird gesagt: „Und es wurde ihm ein Maul gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate zu wirken. 6 Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, um seinen Namen und sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen, zu lästern“ (Offb 13,5-6).
Und wie das Tier, so lästern auch die, welche es beherrscht. Petrus schreibt dazu: „Am meisten aber die, die nach dem Fleisch leben in unreiner Begierde und die Macht des Herrn verachten. Frech und eigensinnig schrecken sie nicht davor zurück, himmlische Mächte zu lästern.“ (2Petr 2,10-11). Auch Jakobus macht diese Beobachtung: „Ebenso sind auch diese Träumer, die ihr Fleisch beflecken, die Macht des Herrn verachten und himmlische Mächte lästern.“ (Jak 1,8).
Hier einige Ausdrucksformen von Lästerung:
- Lästerungen sind bestimmte Aussagen von Menschen, durch die Verspottung, Verhöhnung, Schmähung ausgedrückt wird. Aussagen, die das Göttliche missbrauchen oder das Heilige ins Lächerliche ziehen (Mt 27,39-40; Mk 15,29; Lk 23,35).
- Lästerung ist dort, wo das Wort Gottes verachtend behandelt wird (Jes 5,24; Lk 16,14).
- Lästerungen sind typisch für Menschen die sich in ihrem Stolz und Hochmut gegen Gott und dessen autorisierte Diener auflehnen (4Mose 16,30: Korah).
- Lästerungen sind auch besonders bei Herrschern zu beobachten, denn gerade auf der Höhe ihrer Macht überhebt sich ihr Herz und rauben damit Gott die Ehre (2Kön 19,6.22 mit Jes 37,23; Dan 4,27f; Apg 12,23).
- Lästerung ist ausdrücklich mit Götzendienst verknüpft (Neh 9,18 mit 2Mose 32,4-8; 5Mose 9,16; 31,20).
- Jesus bezichtigt die religiösen Führer, weil diese bewusst das göttliche Wirken Dämonischen Mächten zuschrieben (Mt 12,24ff).
Anmerkung: Ganz anders das Verhalten des Gottesknechtes. In seinem größten Schmerz gebraucht er seine Zunge zur Fürbitte für seine Feinde (Ps 22,16; Lk 23,34).
5.2.6 Die sechste Zornesschale: Der Fluss Euphrat trocknet aus
Nun sieht Johannes einen Landstrich im Vorderen Orient mit dem größten Fluss Euphrat. „Und der sechste goss seine Schale aus auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit der Weg der Könige von Sonnenaufgang her bereitet wurde. 13 Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister ⟨kommen⟩, wie Frösche; 14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen.“ (Offb 16,12-14).
Der große Strom Euphrat ist wieder im Fokus als Bild in der Offenbarung. Im Altertum war der Euphrat die natürliche Grenze zu den Großmächten Assyrien und insbesondere Babylonien (1Mose 15,18; Jos 1,4; 1Kön 5,4). Die Kämpfe der Großmächte im Zweistromland und Ägypten um die Vorherrschaft brachten Israel immer wieder in Bedrängnis. Doch nun wird durch die Trockenlegung dieses großen Flusses diese natürliche Grenze aufgehoben.
Anmerkung: Auch im Altertum gab es immer wieder klimatische Schwankungen, die Auswirkungen auf den Lebenswichtigen Strom hatten und damit auf die Stabilität der dort ansässigen Großmächte. Und seit einigen Jahrzehnten führt dieser Fluss weniger Wasser wegen der vielen Staudämme im Oberlauf.
Doch im Text der Offenbarung hat er Symbolcharakter. Da Babylon in der Offenbarung ein großes Thema ist, könnte man zunächst an den Fall dieser einflussreichen Stadt denken. Immerhin ist ihr Fall bereits in Offb 14,8 angekündigt und in den Kapiteln 17-18 im Detail beschrieben. Und gewiss hat die Veränderung im Fluss Euphrat auch mit Babylon zu tun, doch erst bei der Ausgießung der siebten Schale trifft es die große Stadt in vollem Maße (Offb 16,17-21).
Ausdrücklich wird jedoch im Text gesagt, dass mit der Trockenlegung des Flusses der Weg freigemacht wird für die Könige vom Aufgang der Sonne. Es wird eine noch nie dagewesene Bewegung im Weltgeschehen angekündigt. Doch was bedeutet dies? Im folgenden Text wird uns die Erklärung gegeben: „Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister ⟨kommen⟩, wie Frösche; 14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen.“ (Offb 16,13-14). Als erstes fällt hier auf, dass der Drache wieder in Aktion tritt und zwar führend. Dies könnte mit seiner Freilassung aus dem Gefängnis zusammen gesehen werden (Offb 20,7ff). Auch beide Tiere sind zusammen mit dem Drachen unterwegs um die Könige des gesamten Erdkreises zu sammeln, was später in Offb 19,19 zum Kampf gegen Christus führen wird. Damit wird nebenbei auch noch erklärt, dass unter den Königen vom Sonnenaufgang nicht nur Herrscher aus östlicher Richtung gemeint sind.
Wenn im Altertum der Euphrat in Richtung Westen überschritten wurde, bedeutete dies Gefahr für Israel. Überträgt man dies auf Offb 16,12-14 dann ist letztlich das Volk Gottes im Visier der feindlichen Heere. Die drei Machtsysteme – Drache, Tier und falscher Prophet treten in gemeinsame und gleichzeitige Aktion. Ihr Aussehen, bzw. was aus ihren Mäulern herausgeht ist ekelerregend. Johannes sieht drei unreine Geister von Dämonen, die äußerlich wie Frösche aussehen. Warum dieser Vergleich und an was erinnert er uns? In allen 14 Stellen der Bibel weisen Frösche auf etwas Negatives hin.
Die Zusammenhänge der Texte in 2Mose 7,27-8,1ff und Offb 16,13 sind offensichtlich, denn in beiden Fällen stehen sie in einem Bezug zu dämonischen Mächten. Wer das zweite Buch Moses gelesen hat, wird sich an die zweite Plage in Ägypten erinnern. Dort lies der Herr dem Pharao mitteilen: „Wenn du dich aber weigerst, siehe, so will ich dein ganzes Gebiet mit Fröschen plagen, 28 dass der Nil von Fröschen wimmeln soll. Die sollen heraufkriechen und in dein Haus kommen, in deine Schlafkammer, auf dein Bett, auch in die Häuser deiner Großen und deines Volks, in deine Backöfen und in deine Backtröge; 29 ja, die Frösche sollen auf dich selbst und auf dein Volk und auf alle deine Großen kriechen.“ (2Mose 7,27-29; Ps 105,45). Jene fürchterliche Plage hatte ihren Grund in der Weigerung des Pharao die Kinder Israel ziehen zu lassen.
Ein weiterer Grund wird erst später bei der zehnten Plage genannt. Er liegt in der ägyptischen Mythologie, in der Frösche als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens angesehen und verehrt wurden. Es stellte sich heraus: Das was sie verehrten brachte ihnen Unheil. Gott übte Gericht, indem er diese falsche Verehrung entlarvte (2Mose 12,12). In Psalm 78,45 wird im Rückblick vermerkt, dass das Ungeziefer und die Frösche den Ägyptern Verderben brachten (dazu auch Ps 105,30). In all den Texten gibt es keinen Hinweis, dass diese Plage auch die Israeliten getroffen hätte. Somit verstehen wir den Zusammenhang zwischen den Fröschen in Ägypten und den drei unreinen Geistern die in Offb 16,13 wie Frösche aussahen. Dieser dämonische Einfluss auf Menschen ist gleich einer verderblichen Plage (siehe auch die Parallelen in der sechsten Posaune). Denn auch dort geht es um den Fluss Euphrat und den Einfluss dämonischer Mächte auf die Menschen mit entsprechenden Folgen (Offb 9,12-21; dazu auch die Kommentare im Teil 3.6).
Das Unternehmen dieser drei Macht-Größen wird beschrieben mit den Worten: Sie gehen aus auf die gesamte bewohnte Erde (oikoumeni), um die Könige zum Krieg des großen Tages Gottes zu versammeln. Was hier gesagt wird, ist eine Vorbereitung auf das, was hernach in Offb 19,19 und 20,7-8 ausgeführt wird). Denn dort sind diese drei Macht-Größen in einer Art zweiteiligen und sich ergänzenden Beschreibung bei der Ausführung ihres Vorhabens.
Die Schilderung über die sechste Zornesschale ist noch nicht zu Ende. Ab Vers 16 wird dieses Thema unter dem Aspekt der letzte Kampf bei Harmagedon fortgesetzt.
Der Einschub: Glückseligpreisung der Wachsamen
Aus einem bestimmten Grund bekommt Johannes zwischendurch für die Gläubigen eine sehr wichtige Mitteilung, die als Einschub bezeichnet werden kann. Die Glückseligpreisung für die Wachsamen ist aber auch mit einer Warnung versehen: „Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt umhergeht und man nicht seine Schande sieht!“ (Offb 16,15).
Es ist die dritte der sieben Glückseligpreisungen im Buch der Offenbarung (1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14). Diese Glückseligpreisung ist ein Zuspruch und sie gilt hier den Wachsamen bereits für das Leben hier unter Bedrängnissen (siehe die Seligpreisungen von Jesus und den Aposteln: Mt 5,1-11; 16,18; Lk 10,23; 11,28; 12,38; Röm 4,7-8; 1Petr 3,14).
Die Ankündigung von Jesus richtet sich hier an den Einzelnen. Die Warnung vor Nacktheit kann im Kontrast zur Kultur in Israel aber auch auf dem Hintergrund der Praxis im Sport der Griechen und Römer gesehen werden. Diese Spiele waren jedoch immer im Zusammenhang und zu Ehren von Göttern ausgetragen worden. Viele der Götterkulte waren für ihre sexuelle Perversion bekannt. Wenn die Gläubigen ihre Bekleidung der Glaubensgerechtigkeit ablegen, stehen sie im geistlichen Sinne Nackt da. Der Tag des Herrn kommt demnach nicht nur für die Ungläubigen überraschend, sondern auch für die schlafenden Christen. Denn niemand kennt den Zeitpunkt, den Tag oder die Stunde (Mt 24,43-44; 25,13).
Aber diese Ermahnung gilt auch Ortsgemeinden. So lässt er der Gemeinde in Sardes sagen: „So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und denke um! Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb 3,3). Ein Schlafender bekommt nichts mit, was in seinem Umfeld geschieht. Ein Wachender hat die Möglichkeit die Zeichen der Zeit zu bewerten. Aus diesem Text geht nicht eindeutig hervor, wie die Gemeinde auf Jesu Ermahnung reagierte. Doch der Aufruf aufzuwachen und das andere zu stärken wurde höchstwahrscheinlich von einigen ernst genommen.
Die Fundamentreste christlicher Kirchen auf dem Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Sardes bezeugen den Fortbestand jener Gemeinde in den folgenden Jahrhunderten. Doch besonders enttäuschend wäre es für die, welche ähnlich vieler Christen in Sardes kein geistliches Leben mehr in sich haben (Offb 3,1). Das Bild mit dem `Dieb in der Nacht` gebrauchte Jesus bereits in seinen Endzeitreden an seine Jünger. So sagte er: „Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. 44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.“ (Mt 24,43-44).
Paulus folgt Jesus mit dieser Bildersprache und spricht gleich zweimal in 1Thes 5,2-4 etwa im Jahre 50 darüber: „denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.“ Und: „Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme“. Die Ergänzung bei Paulus macht den Wachsamen Mut, sie wissen zwar nicht um das `wann er kommt`, aber sie sind bereit wenn er kommt. Oder mit den Worten des Bildes: Sie sind bekleidet mit Gerechtigkeit des Glaubens (1Thes 5,8; Phil 1,11). Auch Petrus denkt an die Worte seines Meisters und sagt ergänzend etwas zum Verlauf jenes großen Tages des Menschensohnes in seinem zweiten Brief: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein.“ (2Petr 3,10).
Aus dem Textzusammenhang mit der sechsten Zornesschale und der Ermutigung zur Wachsamkeit geht hervor, dass die Gemeinde der Glaubenden an Christus in jener schwierigen Zeit immer noch hier auf der Erde ist und der Herr kümmert sich um sie, wie er auch seinen Jüngern beim Abschied zugesagt hatte (Mt 28,20: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende des Zeitalters“; dazu auch Offb 3,10: „Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“) Es liegt nahe, jene globale Versuchung mit den angekündigten Ereignissen der sechsten Zornesschale in Verbindung zu bringen.
Harmagedon: Der historische Hintergrund von Megiddo und seine Erfüllung in der Offenbarung
„Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Harmagedon heißt.“ (Offb 16,16).
Vom Drachen und den beiden Tieren (also von allen dreien) heißt es in den Versen 13-14, dass sie die Könige der Erde versammeln. Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob diese drei Machtgrößen die Regie führen würden. Doch letztlich geschehen auch feindliche Aktionen unter der Kontrolle Gottes. Daher ist Mit `er versammelte sie`, der vom Vater bevollmächtigte Christus gemeint (Offb 1,5; 17,14; 19,16; Mt 28,18; Kol 2,15ff). Im Laufe der Betrachtung dieser Texte (aber auch entsprechender Aussagen der Propheten) wird deutlich, dass letztlich der Herr selbst die feindlichen Heere zu einem bestimmten Zweck und Ort versammeln wird, wie er es bereits in der Geschichte Israels getan hat (Richter 4,7; Hes 38,8.22; 39,2-4; Joel 4,12). Bei kriegerischen Auseinandersetzungen spielte der Standort des Schlachtfeldes eine wichtige Rolle. Jede Seite versuchte für sich eine günstige Ausgangsposition zu sichern (Ri 7,1; 1Sam 17,2). Eine der strategischen Stellen war die Ebene von Megiddo (1Kön 9,15; 2Kön 23,29-30; 2Chr 35,22). Es erstaunt immer wieder, wie der Herr Jesus geistliche Wahrheiten und Realitäten in die Geschichten und Orte des Alten Testamentes einrahmt. Dadurch erleichtert er den Gläubigen den Zugang zum Inhalt der Bilder, welche er im Buch der Offenbarung verwendet.
Im Text heißt es, dass er sie an einem Ort (topon-Gegend) versammelte, der auf Hebräisch Harmagedon (Hügel von Megiddo) genannt wird. Die Stadt lag auf einem etwa 100 Meter hohen Hügel über der Ebene unweit der wichtigen Pass-Straße die von der Scharon Ebene in die Jesreel Ebene führte. Es handelt sich um die alttestamentliche und ehemalige kanaanitische Stadt Megiddo (Josua 12,21; 17,11; Richter 1,27). Dieser Ort lag etwa 30 km südöstlich der heutigen Hafenstadt Haifa und etwa 25 km südwestlich vom Berg Tabor, unweit von Nazareth. Sie lag an der Kreuzung der Handelswege: Ägypten-Mesopotamien sowie Akko-Jerusalem (2Chr 35,20ff). Bereits um 1500 v.Chr. wird sie in den ägyptischen Quellen erwähnt. An dieser strategisch wichtigen Stelle fanden viele entscheidende Schlachten statt, welche immer auch Auswirkungen auf das Land und Volk Israel hatten. Die Archäologen zählten mehr als 18 Schichten, die von wiederholten Zerstörungen und Wiederaufbau zeugen. Wer Megiddo beherrschte, der kontrollierte nicht nur Kanaan und später Israel, sondern hatte großen Einfluss auf den Handel zwischen Ägypten und Mesopotamien und den Küstenstädten Kanaans und Samariens (Richter 1,31).
In der Bibel wird dieser Ort zum ersten Mal in Josua 12,21 im Zusammenhang der Landverteilung genannt. Der Ort wurde von einem kananitischen Stadtkönig regiert. Aus Josua 17,11 erfahren wir, dass Megiddo mit seinen Ortschaften zum Stammesgebiet von Manasse gehörte (dazu auch Richter 1,27). Nach Josua 17,11 befand es sich im Dreihügelgebiet. Wahrscheinlich ist damit das Karmel-Gebirge im Westen, das Gilboa-Gebirge im Süden und der Berg Tabor im Osten gemeint. Diese drei Gebirge umschlossen die fruchtbare Jesreel-Ebene.
Zur Zeit der Richterin Debora kam es zu einem entscheidendem Kampf zwischen Barak und Sisera aus Hazerot, dem Feldhauptmann des Kanaaniter-Königs Jabin in der Ebene von Megiddo am Bach Kischon. Gott gab den Sieg durch Vermittlung der Prophetin Debora, so dass das sehr große kanaanitische Heer, welches mit neunhundert eisernen Kriegswagen ausgerüstet war vollständig geschlagen wurde (Richter 4,3.13; 5,19). Im Lied der Deborah wird der 70 km lange reißende Bach Kischon mit als Grund für die Niederlage der Feinde hervorgehoben (Richter 5,21). Doch der eigentliche Sieg kam vom Herrn, der nicht nur den Ort bestimmte und die jahreszeitlichen Gegebenheiten nutzte, sondern auch einen Schrecken ins Feindesheer sandte (Richter 4,7.15; 5,20-21). Es ist die einzige im Detail beschriebene Schlacht und der ungewöhnliche Sieg über die Feinde Israels bei Megiddo. Dieser Sieg brachte für ganz Israel vierzig Jahre Ruhe. In der späteren Königszeiterlitt Israel unter dem König Josia eine Niederlage in der Gegend von Megiddo, was nicht nur eine große Klage in Jerusalem auslöste, sondern auch folgeschwer für den Fortbestand der Dynastie Davids wurde (2Kön 23,33; 2chr 35,20-25; Sach 12,11). Was auch immer in Megiddo geschah, hatte Auswirkungen für das gesamte Volk Israel.
Und diese Gegend wählt der Herr aus für den letzten Kampf, die Frage ist nur, in welchem Sinne diese Örtlichkeit zu deuten ist und um welcherlei Art Kampf es hier geht? in den theologischen Deutungen sind zwei im Gespräch – die wörtliche und die sinnbildliche.
Damals (zur Zeit von Debora) wurde das Volk Israel von ihren Feinden zwanzig Jahre lang sehr bedrängt. Auch für das Ende ist eine große Bedrängnis vorausgesagt, doch das Volk Gottes wird auf wunderbare Weise darin bewahrt und am Ende daraus gerettet werden (Mt 24,29; Mk 13,19; Offb 3,10; 20,9b).
Ob allerdings jene Verheißungsworte auch das natürliche Jerusalem betreffen wird, wie einige Ausleger es für die Zukunft des natürlichen Israel erkennen, wird sich zeigen. Für das geistliche Volk Gottes (bestehend aus Juden und Nationen) gilt es allemal.
5.2.7 Die siebte Zornesschale: Es ist geschehen
Im Text zur siebten Zornesschale heißt es weiter: „Und der siebente goss seine Schale aus in die Luft; und es kam eine laute Stimme aus dem Tempel vom Thron her, die sprach: Es ist geschehen. 18 Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner; und ein großes Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem ein Mensch auf der Erde war, ein so gewaltiges, so großes Erdbeben.“ (Offb 16,17-18).
Beim Ausgießen der siebten Zornesschale erschallt eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron her, von Gott selbst: „Es ist geschehen – gegonen“! Doch was bedeutet dieser Ausruf? Wir schauen einige Texte an, in denen dieses griechische Verb `gegonen` noch vorkommt und was damit ausgedrückt wird.
Offb 21,4b-7: „das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.“
Dieser besondere Ausruf erschallt ebenfalls vom Thron, von Gott selbst. In diesem Text wird das Verb `gegonan` (hier im Plural) ausgerufen und damit die von Gott vorgesehene Geschehnisse zum Abschluss kamen und neue Geschehnisse angekündigt bzw. eingeleitet werden, welche seit langem verheißen waren und nun eingelöst werden (siehe auch Offb 7,15-17; Jes 65,17; 66,22; 2Petr 3,10-13; Jes 49,10).
Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen lesen wir: „Zu Mitternacht erscholl der Ruf (Schrei): `gegonen-es geschah, es ist soweit` Siehe, der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen.“ Hier wird mit diesem Verb bekannt gegeben, dass der Bräutigam nun alle Vorbereitungen abgeschlossen hat und gleichzeitig die Aufforderung an die Jungfrauen gemacht wird: geht ihm entgegen! (Mt 25,6).
Und auch Markus hat diesen Begriff in den Endzeitreden von Jesus verwendet: „Denn es wird dann eine so große Bedrängnis sein, wie beschaffene sie nicht gewesen ist (gr. ou gegonen – nicht geschehen war) „ (Mk 13,19). Hier das verneinende Verb: es kommt etwas, was es noch nie gegeben hat. Der blick wird von Jesus auf das noch ausstehende gerichtet, das bis dahin Geschehene bei weitem übertreffen wird. (ähnlich auch im Paralleltext von Mt 24,21).
Im Text von Offb 16,17 könnte das Verb `gegonen` eine Markierung bilden zu dem was abgeschlossen ist und die Endphase der Gerichte hier auf Erden über Babylon und die beiden Tiere (einschließlich des Drachen) eingeleitet wird. Dabei werden Abläufe in der letzten Zorngerichtsphase nur in groben Zügen beschrieben. Doch die Details über den Verlauf werden erst in Kapitel 17-18; 19,16-19; 20,7-9 geschildert. Ja, nach der gewaltigen Aussage vom Thron her kommt etwas noch nie dagewesenes in Bewegung: „Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner“. Beachten wir, dass diese Ausdrucksformen wieder etwas in Bewegung bringen, wie wir es bereits aus Offb 4,5; 8,5; 11,19 kennengelernt haben. Christus sitzt auf dem Thron und regiert ununterbrochen in der Vollmacht seines Vaters. Diese Ausdrucksweisen sind keineswegs materieller/physischer Natur, sondern sie beinhalten göttliche Botschaften und Wirkungen (Ps 18,14-15; Hes 1,14; Joh 12,29; Offb 10,3-4). Blitze: Unerwartet, Überraschend, schnell, plötzlich, treffsicher; Stimmen: Klarheit der Botschaft; Donner: Laut und unüberhörbar.
Ein weiteres Naturphänomen ist ein großes Erdbeben. In natürlicher Erscheinungsform haben Erdbeben zwei Auswirkungen: Zum einen waren sie Begleiterscheinungen am Sinai (2Mose 19,18; 1Kön 19,12); bei dem Tod und der Auferstehung von Jesus (Mt 27,54; 28,2); und auch bei Paulus und Silas im Gefängnis in Philippi (Apg 16,27). Diese Erdbeben begleiteten das Wirken Gottes und sie richteten keinen materiellen Schaden für die Menschen an. Zum anderen haben Erdbeben zerstörende Wirkungen, die als Mahnung an die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit dieser Welt erinnern sollen (Amos 1,1; Mt 24,7).
Das Phänomen `Erdbeben` ist uns auch aus den Texten der Offenbarung bekannt (Offb 6,12-16; 11,19). Dort steht es im Zusammenhang des Gerichtstages und der Auflösung dieser materiellen Schöpfung. Auch die Auswirkungen des Erdbebens im Text von Offb 16,18 sind gewaltig. sie sind Folgen der Blitze, Stimmen und Donner aus dem Himmel vom Thron aus. Und dieses Erdbeben wird als das stärkste seit Menschengedenken beschrieben. Die Frage, ob dieses Erdbeben im übertragenen Sinne verstanden werden soll, klärt sich durch seine Auswirkung auf die Stadt Babylon: „Und die große Stadt wurde in drei Teile ⟨gespalten⟩, und die Städte der Nationen fielen, und der großen ⟨Stadt⟩ Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben.“ (Offb 16,19).
Babylon ist ein globales Macht-System und es erfährt als erstes den Zusammenbruch (Offb 17,18). Erinnern wir uns noch an den Text aus Offb 11,13 (sechste Posaune) in dem ebenfalls ein großes Erdbeben beschrieben wurde, bei dem der zehnte Teil der großen Stadt einstürzte. Hier zerfällt diese Stadt in drei Teile. Wenn von einer Stufenweisen Zerstörung der Stadt ausgegangen werden kann, wären hier die neun noch verbliebenen Teile in je drei zerfallen. Wie könnte dies gedeutet werden? Da wir keinen historischen Hinweis haben, der uns als Vorlage dienen könnte, sind wir auf die Hinweise im Buch der Offenbarung angewiesen.
Die Überlegung wäre: Ihr globaler Herrschaftsbereich zerfiel in drei Teile bzw. drei andere Macht-Systeme übernahmen ihre Stellung. Diese wären der Drache, das Tier und der falsche Prophet, treten sie doch gemeinsam in Aktion (Offb 16,12-14). Dabei entspricht die Reihenfolge der Schilderung über ihr Auftreten (Offb 12-13). Sie haben die gleiche Ausstattung (Offb 16,13). Und sie verfolgen dasselbe Ziel (Offb 16,14). Macht man den Sprung zu Offb 19,18 und 20,7 wo diese drei Macht-Systeme zum großen und letzten Krieg ansetzen, wie in Offb 16,14 vorausgesagt, so ist der Zusammenhang erkennbar. Damit geht der Fall Babylons dem Fall der drei anderen Macht-Systemen voraus, wie in Offb 17,12-13 und 16-17 beschrieben wird. Nach dem Wortlaut von Offb 17,17 übergibt Gott das Reich der Hure Babylon (die er gerichtet hat) dem Tier und den Königen, wobei die Letzteren ihre Macht und Kraft ebenfalls dem Tier unterstellen (Offb 17,13).
Dass mit dem Fall Babylons auch die Städte der Nationen fielen ist logisch, beherrschte Sie doch die Völker. Dies lässt sich auch durch den historischen Vorgang erklären. Als die Stadt am Euphrat erobert wurde, verloren auch die anderen Städte ihre Macht. Das Babylonische Großreich ging komplett auf die Eroberer über. Nun wird sich das Tier mit Unterstützung der Könige gegen das Lamm wenden.
In Offb 16,19 wird (wie auch in Offb 11,13 und 14,8) bereits zum dritten Mal der Fall der großen Stadt Babylon beschrieben. Der Fall dieser großen Stadt zieht auch den Fall aller übrigen Städte der Nationen nach sich.
Es fällt auf, dass Babylon als Stadt oder Hure immer in der Einzahl genannt wird, während das siebenköpfige Tier auch noch durch die zehn Hörner (Könige) in der Mehrzahl auftritt (unterstützt vom falschen Propheten). Aus Kapitel 17,18 erfahren wir, dass Babylon die Oberherrschaft über die Reiche dieser Welt innehat, denn sie reitet das Tier und zwar so lange, bis dieses zusammen mit den Königen und unter dem Einfluss Gottes sie zu Fall bringen werden (Offb 17,13.16-17).
Im Text heißt es weiter: „und der großen ⟨Stadt⟩ Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben.“ Bereits zum zweiten Mal wird mit ähnlichen Formulierungen das Gericht über Babylon ausgesprochen (siehe Offb 14,8). Dabei handelt es sich nicht um zwei voneinander getrennte Gerichte, sondern immer um das eine und dasselbe Gericht. Denn am Ende der sechsten und Beginn der siebten Posaune ist Weltende, ebenso wird in Kapitel 14,14-20 das Weltende mit dem Doppelbild der Ernte beschrieben. Erst am Ende von Kapitel 18 wird der Schlusspunkt für Babylon gesetzt. Gott rechnet demnach zuerst mit Babylon ab und gebraucht dabei das Tier mit den Königen (Offb 17,13.16-17). Über die beiden Tiere kommt das Gericht erst in Kapitel 19,19-20. Und als Letzter wird der Drache in den Feuersee geworfen (Offb 20,10). Und dann die Erscheinung des Menschensohnes als Weltrichter auf dem weißen Thron vor dessen Angesicht der Himmel verschwindet und die Toten erscheinen müssen (Offb 20,11-15).
Die letzten Sätze dieses Textes beschreiben in kürze die Auflösung der Schöpfung und zeichnen ein ungewöhnliches Bild über einen zentnerschweren Hagel, wobei im griechischen Text die Bezeichnung Talent und nicht Zentner verwendet wird. „Und jede Insel verschwand, und Berge wurden nicht gefunden. 21 Und ein großer Hagel, wie zentnerschwer, fällt aus dem Himmel auf die Menschen nieder; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß.“ (Offb 16,20-21). Berge und Inseln verschwinden, wird damit die Grundlage für das Leben auf Erden entzogen? Ähnliches lesen wir auch in Offb 6,14. Dort wird eindeutig die Auflösung der materiellen Schöpfung beschrieben: „Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten.“
Was in unserem Text den Hagel betrifft, so finden wir dieses Naturereignis noch an weiteren zwei Stellen in der Offenbarung. In Kapitel 8,7 bei der ersten Posaune, dort ist die Vegetation betroffen. Und in Offb 11,19 fällt großer Hagel am Ende der Ereignisse, welche unter der siebten Posaune beschrieben werden. Der Hagel in Offb 16,20 von Gewicht eines Talents, fällt hier nicht auf die Erde sondern auf die Menschen. In Griechenland wog ein Talent etwa 26 Kilogramm.
Anmerkung: Im Juni 2014 richtete der Hagel im Durchmesser bis zu 8 cm erheblichen Sachschaden in Süddeutschland an Und im Jahre 2023 erreichte der Hagel in Norditalien bis zu 18 sm im Durchmesser
Hagel wird in der Bibel immer als Strafgericht Gottes beschrieben. Dabei galt er in erster Linie den Feinden Gottes (2Mose 9,18ff: Ägypten; Hes 38,22 über Gog und Magog am Ende der Zeit). Doch durch dasselbe Mittel reagierte Gott auf den Ungehorsam seines Volkes Israel (Hes 13,13: falsche Propheten; Hag 2,17: im Rückblick).
Doch niemand würde talentgroße Hagelsteine physisch überleben, wie die eindrucksvolle Beschreibung in 2Mose 9,24-25 belegt. Daher ist eine Deutung in einem übertragenen Sinne zu suchen.
In Jesaja 28,15-19 lesen wir von den stolzen in Jerusalem folgendes: Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut kommt, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht.“ (Jes 28,15). Und was sagt Gott dazu: „Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht. 17 Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die Zuflucht in der Lüge zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen, 18 dass hinfalle euer Bund mit dem Tode und euer Vertrag mit dem Totenreich nicht bestehen bleibe. Wenn die brausende Flut kommt, wird sie euch zermalmen; 19 sooft sie kommt, wird sie euch erfassen.“ (Jes 28,16-19; ähnlich auch in Hes 13,11ff; dazu auch die Erklärung von Jesus zu diesem Text in Mt 21,42-44). Damit wird Hagel im übertragenen Sinne als Strafmittel für die Zerstörung all des Lügenhaften verwendet. Ja, jede Lüge und Ungerechtigkeit wird ans Licht gebracht und entlarvt (Joh 8,44; Röm 1,25; 2,16; 1Tim 5,25). Und die in der Lüge verharren, landen am Ende im Feuersee (siehe Offb 21,8; 22,15).
Die Plage durch die siebte Zornesschale wird als `sehr groß` bezeichnet. Wer auf diese Weise bloßgestellt wird, reagiert mit Verärgerung und nicht mit Einsicht. Die Menschen lästern Gott im Himmel, der Macht über diese Plagen hat (vgl. dazu auch Offb 9,20-21; 16,9 ).
5.3 Das Geheimnis der Hure Babylon und des Tieres, so wie das Ende dieser Koalition
Mit Kapitel 17,1 beginnt zwar ein neuer Abschnitt, doch ihn ihm werden viele Details genannt und erklärt, so dass wir ein besseres Verständnis über Babylon und das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern bekommen. Das Hauptthema in den Kapiteln 17-18 ist jedoch das Gericht über die Hure Babylon, welche auch durch das Bild der großen Stadt dargestellt wird. Der starke Kontrast dazu bildet die andere Frau als Braut des Lammes, die auch unter dem Bild der himmlischen Stadt Jerusalem beschrieben wird (Offb 19,7 mit 21,9ff).
5.3.1 Die Vision über die große Hure Babylon und das Tier welches sie Träg
Zunächst der erste Textabschnitt: „Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt.“ (Offb 17,1). Einer der sieben Engel ruft Johannes zu sich und klärt ihn über diese Frau und ihren Aufenthaltsort auf. Es könnte der siebte Engel gewesen sein, weil durch seine Zornesschale unter anderem die große Stadt Babylon getroffen wurde (Offb 16,17ff). Sie sitzt an vielen Wassern, dies erinnert zunächst an den geographischen Ort der Stadt Babylon, welche im Altertum am großen und wasserreichen Fluss Euphrat lag (1Mose 15,18; 5Mose 1,7; Jer 51,13). Den Gefangenen aus Juda waren jene Wasser vertraut, als sie dort saßen und an Zion gedachten (Ps 137,1). Wir denken aber auch an das Babylonische Reich, welches unter dem Bild des Löwen aus dem großen (Völker-Meer) entstieg (Dan 7,2-3). Und von Nebukadnezar sagt Daniel: „Du, König, König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat!“ (Dan 2,37-38; dazu auch Dan 5,19). Jetzt aber wird diese Frau als Metapher für eine weltbeherrschende Macht verwendet. Denn nun sitzt sie an vielen Wassern der Völkerwelt, wie der Engel in Vers 15 erläutert: „Und er spricht zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen, Nationen und Sprachen.“ (Offb 17,15).
Wie gut, dass uns einiges erklärt wird, so brauchen wir nicht spekulieren. Diese bildhafte Darstellung über die Hure Babylon und deren Standort globalisiert ihre Machtstellung (so auch in Offb 17,18).
Von dieser Frau heißt es: „mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht.“ (Offb 17,2). Es geht bei dieser Formulierung um Unzucht im übertragenen Sinne (Götzendienst), natürlich auch immer mit gravierenden Folgen im Bereich des physischen Lebens der Menschen. Die Herrscher dieser Welt sind mit ihr Verträge eingegangen, ließen sich von ihren Prinzipien leiten und die Untertanen mussten mitmachen. Hier ein Streifzug der babylonischen Lebensweise in der Geschichte:
- Lamech, Enkel von Kain übernahm von seinem Großvater wie man Menschen aus dem Wege räumt (1Mose 4,23).
- Wegen der Vermischung der Linie von Kain mit der Linie Seths nahm die Denkweise und die Lebensweise von Kain immer mehr zu auf Erden. Gott rief Noah aus dieser Gesellschaft heraus und richtete das verdorbene Menschengeschlecht (1Mose 6,1-7; 6,8.17).
- Nimrud führte die Städtebautätigkeit von Kain fort und übte Gewalt aus (1Mose 11,1ff). Eine seiner Städte war Babel (1Mose 11,10) Die Abkehr von Gott führte in die Abgötterei und Größenwahn.
- Hammurabi ging in die Geschichte ein wegen der Vergrößerung des Altbabylonischen Reiches mit der Hauptstadt Babel um etwa 1800 vChr.
- Der Abfall von Gott gipfelte im Neubabylonischen Reich unter Nebukadnezar etwa 612-539 v.Chr im Götzendienst jeder Art und Ausprägung, im Größenwahn und Weltmachtstreben (Dan 1-4).
- Diese Entwicklung machte Schule, denn die Perser, Griechen und Römer entfalteten sich noch weiter zum Bösen.
- Doch auch an Israel ging diese Entwicklung nicht spurlos vorbei. Die meisten Regenten im Volk trieben es zum Teil noch schlimmer als die Heiden. Die Propheten und auch Jesus gehen schonungslos mit der Führung Israels ins Gericht
- Und selbst vor der christlichen Kirche machte der babylonische Einfluss keinen Halt. Es sind markante Merkmale dieser Frau. Die Könige der Erde haben sich auf sie eingelassen. Und die Erdbewohner, deren Namen nicht eingetragen sind im Buch des Lebens sind trunken geworden vom Wein ihrer Unzucht. Es geht um Menschen, welche irdisch gesinnt sind und keinen Anteil am himmlischen Bürgerrecht haben (Offb 17,8; dazu auch 8,13; 11,10; 13,8; 13,14; Phil 3,19). Viel Wein macht trunken und der Missbrauch der materiellen und geistigen Gaben führt zur Vernebelung in der Wahrnehmung und Bewertung der Denk- und Handlungsweise (2Kor 4,4).
Nun wechselt die Szene und der Aufenthaltsort der Frau: „Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte.“ (Offb 17,3). Das Umfeld, in dem der Engel Johannes diese Vision zeigt, ist ebenfalls bemerkenswert, es ist die Wüste. Auf der Insel Patmos gibt es keine Wüsten, Johannes wird vom Engel im Geist in eine Wüste geführt. Wüste ist in der Bibel ein wichtiges und oft vorkommendes Thema. Das Bild der Wüste wird in Offb 12,6 und 14 im positiven Sinne als ein Ort der Zuflucht für die Frau verwendet, die das männliche Kind geboren hatte. Und dort ist sie sicher von der Verfolgungsjagt des Drachen. Hier aber wird die Wüste für die üppig gekleidete und an Luxus gewöhnte Hure zur Falle, denn sie hat dort keine Chance zum Überleben. Aber noch sitzt die Hure nicht auf dem Sand, sondern auf dem siebenköpfigen scharlachroten Tier das voller Lästernamen ist. Es handelt sich um das Ungeheuer, welches dem Meere entstieg (Offb 13,1).
Wie sah diese Frau aus? „Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen“ (Offb 17,4a). Ihr Schmuck ist materieller Reichtum. Mit den aufgelisteten materiellen Kostbarkeiten schmücken sich die Herrscher dieser Welt. Ihr Äußeres täuscht hinweg von der inneren Bosheit und Leere.
Was hatte sie anzubieten? „und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voller Gräuel und Unreinheit ihrer Unzucht.“ (Offb 17,4b). Der Becher in ihrer Hand ist zwar aus Gold, aber der Inhalt ist voller Gräuel und Unreinheiten ihrer zuchtlosen Angebote (Jer 51,7).
Was wird über ihre Identität gesagt? „und sie hatte an ihrer Stirn einen Namen geschrieben, ein Geheimnis: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde.“ (Offb 17,5). Der Name ist ein Geheimnis, und er steht auf ihrer Stirn geschrieben, was auf ihre Denkweise und Zugehörigkeit zum Fürsten dieser Welt ausdrückt (Joh 12,31; 16,11; 1Joh 3,1; 1Tim 5,150). Und Christus entlarvt sie als Mutter der Huren, denn sie zerstört göttliche Ordnungen und richtet Chaos an. Sie zieht sozusagen im Hintergrund die Leinen, sie sitzt nicht nur auf dem Tier, sondern sie reitet es und bestimmt die Richtung. Was für eine verführerische Machtgröße. Damit steht sie im starken Kontrast zu der Sonnenfrau, welche mit ihren Nachkommen dem Lamm folgen und den Namen des Vaters an ihren Stirnen Tragen (Offb 12,1.17; mit 14,1-5).
Ein weiteres Detail fällt Johannes bei dieser Frau auf: „Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung.“ (Offb 17,6). Das Staunen von Johannes ist nicht zu übersehen, denn diese Frau taumelt vom Blut der Heiligen und der Zeugen von Jesus (ähnliches wird über sie in Kapitel 16,6 gesagt, obwohl dort ihr Name nicht ausdrücklich genannt wird). Und in Offb 18,24 wird sie auch verantwortlich gemacht für all das Blut, welches auf Erden vergossen wurde. Das ist der Einblick, welchen Johannes in das verborgene Innere dieser Frau bekommt und ihn ins Staunen versetzt.
Aus den Aussagen von Jesus ist es aber eine konkrete Menschenart (genea), welche diese babylonischen Gedanken letztlich ausführt (1Mose 4,10.23; 2Mose 1,22; Spr 1,16 mit Röm 3,15; 1Kön 18,4; 19,10-14; Ps 79,3; Jes 1,21; Jer 20,17; Mt 23,35-37; Lk 11,50-51; Offb 11,7-8; 16,6; 19,2). „Und der Engel sprach zu mir: Warum wundertest du dich? Ich will dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt und die sieben Köpfe und die zehn Hörner hat.“ (Offb 17,7). Der Engel merkt das Staunen des Johannes und bietet eine Erklärung an. Und obwohl es vordergründig um die Frau (Hure Babylon) geht, fängt er mit seiner Erklärung über das Tier an, denn dieses ist auch ihr Werkzeug. Dadurch erfahren auch wir mehr Details über das Tier, welches bereits in Kapitel 13,1 dem Meer entstieg. „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, dass es war und nicht ist und da sein wird.“ (Offb 17,8). Der gesamte Existenzverlauf des Tieres wird mit diesen knappen Worten zusammengefasst. Der Beginn der Herrschaft dieses Tieres mit zehn Hörnern wurde bereits in Daniel 7,7-8 und den Versen 20-25 beschrieben. Das Römische Reich löste in den Jahren 148-30 v.Chr. das vierteilige Griechische Reich ab. In Offb 13,1ff wird dasselbe Tier dazu noch mit sieben Köpfen dargestellt, was auf die Erweiterung seines Einflussbereiches hindeutet. In Kapitel 19,19-20 wird das Tier in den Feuersee geworfen und damit ist es aus mit ihm.
Anmerkung: In der Blütezeit dieses vierten Reiches richtete Gott sein ewiges Reich auf, wie es in Dan 7,14 und 2,41-44 vorausgesagt und in Lk 1,31-33 bestätigt wurde.
Somit lässt sich der Beginn und das Ende der Wirksamkeit des Tieres markieren. Schwieriger ist es mit der Bemerkung „(das Tier) ist nicht“, was ja auf einen offensichtlichen Einbruch in seinem Machtbereich hindeutet. Ob damit der Umstand gemeint ist, dass eins der Häupter des Tieres durchs Schwert tödlich verwundet und wieder geheilt wurde wie in Offb 13,4.12.14beschrieben wurde oder handelt es sich dabei um einen globalen Einbruch im Reich des Tieres (siehe auch die Kommentare zu Offb 13,4)?
Aber wann gab es im Reich des Tieres solch einen Einbruch? s ist eine der am schwierigsten zu verstehenden Stelle, weil (neben der Erklärung des Engels) auch noch zwei wesentlichen Fähigkeiten erforderlich sind. „Hier ist der Verstand ⟨nötig⟩, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: Die fünf ⟨ersten⟩ sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kurze Zeit bleiben. Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben.“ (Offb 17,9-11; vgl. dazu auch die Erklärung des Engels in Daniel 7,8.24-25). Hier ein kurzer Auszug aus dem Abschnitt 4.2.2 zu der Zahl der achte: „Beachten wir, dass nach dem vertilgen der drei Hörner durch das kleine Horn in Dan 7,8.20 immer noch sieben von den ursprünglichen zehn vorhanden sind. Die drei Hörner wurden ausgebrochen, doch die sieben sind geblieben. Damit wäre Das hervorgewachsene kleine Horn als der achte zu zählen, was wiederum im Kontext von Offb 17,11 auf das Tier bezogen wird“. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass das Tier aus Offb 13,1-8 dasselbe tut, wie auch das kleine Horn aus Dan 7,8.24-25. Folgende Detailaussagen im Bereich der zehn Hörner aus Dan 7,24-25 sind identisch mit Offb 13,4-8 im Bereich der Köpfe:
- Jenes kleine Horn redete große Dinge und lästerte den Höchsten. Auch das Tier lästert Gott, seinen Namen, sein Zelt und die im Himmel wohnen.
- Jenes Horn kämpfte gegen die Heiligen des Höchsten und besiegte sie. Auch dem Tier wurde gegeben gegen die Heiligen zu kämpfen und sie zu besiegen.
- Die Heiligen wurden in die Hand des Horns gegeben für die Dauer von „eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“. Dem Tier wurde gegeben 42 Monate zu wirken. Diese Zeitangabe ist nicht nur identisch mit der aus Offb 12,14 sondern auch mit den 42 Monaten aus Offb 13,5 und 11,2. Ja, die Übereinstimmungen sind nicht von der Hand zu weisen. Damit können beide Visionen als einander ergänzend und auf einander aufbauend angesehen werden.
Die sieben Köpfe sind sieben Berge und auch sieben Könige. Nach Daniel 2,38 und 7,6 bedeuten Köpfe sowohl Reiche als auch Herrscherdynastien (ähnlich auch in 1Sam 15,17: Saul war das Haupt über die Stämme Israels; Jes 7,8-9: Rezin ist das Haupt von Damaskus und Damaskus ist das Haupt von Aram; der Sohn Remalias ist das Haupt von Samaria).
Nach der Erklärung des Engels aus dem obigen Text werden die sieben Köpfe auch mit sieben Bergen verglichen. In der Bibel haben Berge verschiedene Bedeutungen, sowohl im natürlichen als auch übertragenen Sinne:
- Als Orte der Offenbarung Gottes (2Mose 3,1; 18,5: Sinai/Horeb; 1Kön 18,19ff: Berg Karmel; Mt 17,1ff mit 2Petr 1,18: auf dem heiligen Berge).
- Berge können Orte der Anbetung sein (1Mose 22,1-18: Morija; 2Mose 24,1ff: Horeb; Jes 56,7:Joh 4,20: Berg Zion; Berg Garizim).
- Berge als Machtzentren (Ps 2,6; Mi 4,1-4; Joel 4,16-17: Jerusalem; Jer 49,16: Edom; 51,25-26: Babel im übertragenen Sinne; Hes 28,14: Tyrus im übertragenen Sinne).
Sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Hure sitzt. Denken da die ersten Leser möglicherweise an Rom, immerhin befand sich jene Stadt auf sieben Hügeln. Vielleicht deuteten sie auch die Bemerkung des Petrus: „Es grüßt euch aus Babylon die Gemeinde und mein Sohn Markus“ als Metapher auf die Stadt Rom, denn jener Brief müsste in der Provinz Asia bekannt gewesen sein (1Petr 1,1; 5,13). Im Vergleich dazu lag die natürliche Stadt Babylon im Flachland an den Ufern des Euphrat und Ende des 1. Jahrhunderts war sie so gut wie nicht mehr bewohnt.
Anmerkung: Auch Jerusalem zählt sieben Berge, von denen der Zionsberg die zentralste Bedeutung hatte, doch zur Zeit der Offenbarung lag der Tempel und die Stadt in Trümmern (Ps 125,2; 48,3; Mt 24,1-3.15; Lk 19,41-44; 21,22-24).
Der Engel fügt noch ergänzend hinzu, dass die sieben Häupter und die sieben Berge auch noch sieben Könige sind. Nach einer Sichtweise, welche das Tier und sein Reich in das 1. Jahrhundert verortet wird, werden darin die sieben (8) zeitgenössischen Kaiser gesehen, angefangen vom Augustus (30v.Chr. bis 14n.Chr.); Tiberius (14-37); Caligula (37-41); Claudius (41-54); Nero (54-68); Vespasian (69-79); Titus (79-81). Domitian (81-96) war der letzte Flavier und regierte grausam (ähnlich wie Nero in seinen letzten Jahren). Domitian wurde von einigen seiner Zeitgenossen als der sogenannte wiedergekehrte Nero angesehen. Er ließ sich als Herr und Gott verehren, herrschte skrupellos und wurde schließlich ermordet. Damit wird er(nach dieser Sichtweise) als der achte angesehen und ist (wegen Ähnlichkeiten mit Nero) von den sieben.
Anmerkung: Bei dieser Sichtweise werden Calba, Otto und Vitellius nicht mitgezählt, weil sie nur wenige Monate in den Jahren 68-69 an der Macht waren.
Natürlich schließt das siebenköpfige Tier auch die römischen Herrscher des 1. Jahrhunderts mit ein. Doch diese Zuordnung hat auch einen Schwachpunkt. In der Zeit der angenommenen Abfassung der Offenbarung (95) war Titus als siebter bereits tot, aber von dem siebten wird im Text gesagt, dass er noch nicht da ist. Wäre die Offenbarung bereits in den siebziger Jahren geschrieben worden, dann bekäme diese Sichtweise eine größere Unterstützung. Darum gehen wir der Überlegung nach, ob der Ausdruck `sieben Häupter, sieben Berge und sieben Könige` auch über eine lokale Zuordnung hinausgeht?
Eine aufschlussreiche Beschreibung finden wir über die Stadt Babylon, welche mit einem Berg verglichen wird. in Jeremia 51,25-26wird über Babylon gesagt: „Siehe, ich will an dich, du Berg des Verderbens, der du Verderben gebracht hast über alle Welt, spricht der HERR. Ich will meine Hand wider dich ausstrecken und dich von den Felsen herabwälzen und will einen verbrannten Berg aus dir machen, 26 dass man weder Ecksteine noch Grundsteine aus dir nehmen kann, sondern eine ewige Wüste sollst du sein, spricht der HERR.“ Bekanntlich lag die Stadt Babylon nicht auf einem Berg. Daher steht Berg in diesem Kontext für ein hohes und einflussreiches Machtzentrum mit globalem Einfluss, wird also im übertragenen Sinne verwendet.
Ebenso aufschlussreich ist die Deutung über das goldene Haupt in Daniel 2,37-38: „Du, König, König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat 38 und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat! Du bist das goldene Haupt.“ Und wenn unter dem Bild des goldenen Hauptes Nebukadnezar und sein Reich dargestellt wird, wie viel mehr und umfassender kann der Einfluss des siebenköpfigen Tieres sein. Schließlich finden sich die babylonische, medopersische und griechische Charakterzüge im vierten Tier wieder, wie aus der Beschreibung in Offb 13,1 ersichtlich ist. Darum kann durch die Zahl sieben Häupter, sieben Berge und sieben Könige auch eine über die Stadt Rom und das Römische Reich hinausgehende Machtgröße gemeint sein. Mit den sieben Hügeln, auf denen Rom gegründet war, wird in der Tat eine Machtgröße im globalen Sinne dargestellt, so die Erklärung des Engels in Offb 17,18. Natürlich stellt Rom und das Römische Reich den Kern und Ausgangspunkt für das, was unter dem Tier dargestellt wird
Einige historische Fakten über Einbrüche im Römischen Reich:
- Mit dem Tod von Nero 68 n.Chr. endete die Julianische Dynastie. Das Reich drohte in einem blutigem Bürgerkrieg zu versinken. Etwa zeitgleich begann die Belagerung von Jerusalem. Vespasian überlies das Kommando seinem Sohn Titus und eilte nach Rom. Dort übernahm er die Macht und gründete die Flawische Dynastie, wodurch eine gewisse Stabilität im Reich hergestellt wurde. Jerusalem jedoch wurde im Jahre 70 durch Titus erobert und damit gerieten viele Juden wieder in Gefangenschaft wie es Jesus vorausgesagt hatte, diesmal nach dem anderen Babylon (Lk 19,41-44; 21,22-24).
- Einen offensichtlichen Einbruch im Römischen Reich gab es in der Epoche der Reichsteilung in Ost und West mit entsprechenden Folgen. Das Reich konnte sich nur schwer gegen Einfälle verschiedener Völker wehren.
- Auch der Arabische Sturm, der das Römische Reich beinahe überrannt hätte, brachte eine Schwächung des Reiches.
- Aber auch weit über die Grenzen des Römischen Reiches stiegen andere Reiche auf und ab. Bis heute reitet die Hure Babylon das Tier, obwohl die verschiedenen weltweiten Reichsysteme in einem erbarmungslosen Konkurrenzkampf zu einander stehen.
Kommen wir noch einmal zurück zu der Aussage „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben“ (Offb 17,7). Wird in diesem Text möglicherweise Bezug genommen auf die fünfte Zornesschale: „Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11 und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und taten nicht Buße für ihre Werke.“ (Offb 16,10-11). Immerhin ist es der einzige Text, welcher ausdrücklich von einem starken und globalen Einbruch in den Machtbereich des Tieres spricht (siehe auch die Kommentare im Abschnitt 5.2.5). Doch anschließend bei der sechsten Zornesschale ist es wieder in Aktion (Offb 16,13-14). Ähnliches wird über das Tier am Ende der sechsten Posaune in Offb 11,7 gesagt: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten.“ Dieser Umgang mit den zwei Zeugen kann sich erst gegen Ende der Geschichte ereignen.
5.3.2 Die Dreierkoalition zerbricht: Die Könige und das Tier wenden sich gegen Babylon
Der Engel gibt Johannes weitere Hinweise: „Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.“ (Offb 17,12-13). Erinnern wir uns noch, dass die zehn Hörner auf dem siebenköpfigen Tier zehn Könige darstellen. Als Insignien der Macht trugen sie Diademe (Offb 13,1f). Nun wird von ihnen gesagt, dass sie eines Sinnes sind und für eine Stunde ihre Macht und Kraft dem Tier zur Verfügung stellen werden. Auch wenn diese `eine Stunde` einen unbestimmten Zeitabschnitt darstellt, ist es doch kurz im Vergleich zur Herrschaft des Tieres, welche sich über 42 Monate erstreckt. Der Schulterschluss der Könige mit dem Tier hat zum Ziel, gegen das Lamm zu kämpfen (Offb 17,14) so der laufende Text. Was nun vom Engel in Vers 14 gesagt wird, könnte als eine visionäre Vorwegnahme angesehen werden von dem, was in Offb 19,19 geschehen wird. „Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm ⟨sind, sind⟩ Berufene und Auserwählte und Treue.“ (Offb 17,14). Achten wir auf die würdevollen Bezeichnungen der Gläubigen / Treuen, denn sie sind von Christus Berufene und Auserwählte. Es ist ein Grundsatz Gottes, etwas vorauszusagen, was zur bestimmten Zeit in Erfüllung geht. Damit wirkt Gott Ermutigung bei seinen Kindern und motiviert zum Durchhalten in der Prüfungszeit. Ja, das Lamm wird siegen – Was für eine Aussicht für die Gemeinde, auch wenn sie durch Leid, Bedrängnis und sogar Tod hindurch muss!
Doch Gott legt in ihre Herzen, sich zunächst vereinigt gegen die Hure Babylon zu wenden: „und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen. 17 Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinn zu handeln und ihr Königreich dem Tier zu geben, bis die Worte Gottes vollendet sein werden.“ (Offb 17,16-17). Zur Klarstellung: Gott gibt in die Herzen der zehn Könige die Gesinnung und Absicht, ihr Reich bzw. ihre Macht und Kraft dem Tier zu geben (unterstellen). So die grammatische Form des Personalpronomen „ihr“ in der Mehrzahl. Das Gericht an Babel lässt Gott durch das Tier und die Könige vollstrecken. Bedenken wir, das das Tier die ganze Zeit über von der Frau geritten wurde (Offb 17,18). Sie bestimmte und die Herrscher dieser Welt machten mit. Nun aber wendet Gott selbst ihre Gedanken so dass diese gegen Babylon aufbegehren und sie vernichten. Durch fünf Ausdrücke wird die Vernichtung der Hure Babylon beschrieben:
- Die zehn Könige und das Tier werden die Hure hassen, Obwohl sie von ihr profitierten.
- Sie werden sie verwüsten und nackt machen (Jes 47,1ff).
- Sie werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen (Jer 51,25-26).
Doch Wie so etwas konkret vor sich gehen wird ist gar nicht so einfach zu deuten, es sei denn dass der Umgang der Liebhaber mit Juda als generelles Beispiel herangezogen wird (Jer 4,33ff). Doch in Kapitel 18 geben die beiden Engel weitere Details, durch die wir mehr Einblick bekommen werden.
Anschließend wird sich diese Koalition gegen das Lamm und sein Heer wenden (Offb 19,18-19).
Und nun kommt die letzte Erklärung des Engels, die auch als eine Art Scharnier zwischen den Kapiteln 17 und 18 gesehen werden kann. „Und die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden.“ (Offb 17,18). Acht Mal wird Babylon in der Offenbarung als die große Stadt bezeichnet: 11,8; 16,19; 17,18; 18,10.16.18.19.21. In Kapitel 17 wurde die Funktion der Frau als die große Hure vor ihrem Fall beschrieben. Nun besteht keine Unsicherheit mehr darüber, dass die Herrschaft der Hure Babylon eine globale ist und weit über Rom und das Römische Reich hinausgeht.
5.3.3 Die Details zum Fall Babylons und ihr Gericht
Dieser Abschnitt umfasst das gesamte achtzehnte Kapitel. Er wird nur unterbrochen durch den Aufruf an das Volk Gottes aus Babylon auszuziehen(Offb 18,4-5)n.
Der Abschnitt beginnt mit den Worten: „Nach diesem sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herabkommen, der große Macht hatte; und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet.“ (Offb 18,1). Nun sieht Johannes einen anderen Engel vom Himmel herabkommen, der ausgestattet war mit großer Macht. Seine Herrlichkeit ist eine enorme Leuchtkraft, welche auf der ganzen Erde und von allen Menschen wahrgenommen wird. Und er hat eine wichtige Botschaft zu verkünden: „Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels.“ (Offb 18,2). A. Nestle hat in der 28. Auflage noch den Zusatz: „und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Tieres“. Sechsmal wird in der Offenbarung der Fall und das Gericht Babylons erwähnt, verteilt auf sechs Kapitel:
- Bereits am Ende der siebten Posaune wurde der Fall der Großen Stadt durch ein großes Erdbeben eingeleitet, bei dem der zehnte Teil der Stadt fiel und dabei siebentausend Namen von Menschen getötet wurden (Offb 11,13).
- Und in Kapitel 14,8 wird der Fall Babylons durch einen Engel im Zusammenhang mit dem Tag des Gerichtes aber ohne Detailangaben ausgerufen. Wegen der großen Übereinstimmung der Texte in Offb 14 und 18 könnte es sich um ein und denselben Engel gehandelt haben, der den Fall ausrief. Immerhin erkennt man bei Engeln auch eine bestimmte Zuständigkeit (Hebr 1,7; Offb 16,5).
- Im Rahmender siebten Zornesschale wurde der Fall Babylons ebenfalls beschrieben, bei dem die Stadt in drei Teile zerfiel (Offb 16,17f).
- In Kapitel 17 wird konkretisiert, dass der Fall Babylons durch die Koalition zwischen dem Tier und den Königen zustande kommen wird, indem Gott ihnen ins Herz solche Gedanken eingibt (17,12-13.16-17).
- Und nun werden die Details vom Fall dieser großen Stadt und deren Auswirkungen auf die Könige und Kaufleute der Erde beschrieben (Offb 18,6-23).
- In Kapitel 19,1-4 wird im Rückblick auf den Fall jener Stadt ein Lobpreis auf Gott gesungen.
Es geht immer um den einen Fall, aber unter verschiedenen Gesichtspunkten. Und immer wieder sind Verknüpfungen zu den historischen Ereignissen aus der Frühzeit erkennbar. So schreibt bereits Jesaja von dem Glanz des historischen Babylons und prophezeite seinen Niedergang: „Und er fing an und sprach: Gefallen, gefallen ist Babel und alle Götzenbilder seiner Götter sind zu Boden geschmettert.“ (Jes 21,9; Vgl. auch mit Jer 51,8: „Wie plötzlich ist Babel gefallen und zerschmettert!“; ähnlich auch in Jer 51,25 und 51,41). Eigentlich handelt das gesamte 51. Kapitel vom Fall Babylons. Und in Jesaja 47,1 heißt es: „Herunter, setze dich in den Staub, Jungfrau, du Tochter Babel! Setze dich auf die Erde, du Tochter der Chaldäer, da ist kein Thron mehr. Man wird dich nicht mehr nennen »Zarte und Verwöhnte«.“ Merken wir: auch damals wurde mehrmals vom Sturz Babels gesagt und dabei verschiedene Aspekte jenes Ereignisses beschrieben. Der eigentliche Todesstoß bekam Babel durch die Perser im Jahre 539 und doch dauerte es mehr als sechs Jahrhunderte, bis sie völlig entvölkert wurde.
Doch viele der babylonischen Prinzipien und ihre Lebensweise setzten sich in den nachfolgenden Herrschaftssystemen fort (Offb 13,1). Was wird nun über das Babylon der Endzeit gesagt und wie schnell vollzieht sich deren Untergang?
Mit der Aussage: „und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels (und Tiers)“, wird Bezug genommen auf den Text in Jesaja 13,19-22: „So soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrliche Pracht der Chaldäer, zerstört werden von Gott wie Sodom und Gomorra, 20 dass man hinfort nicht mehr da wohne noch jemand da bleibe für und für, dass auch Araber dort keine Zelte aufschlagen noch Hirten ihre Herden lagern lassen, 21 sondern Wüstentiere werden sich da lagern, und ihre Häuser werden voll Eulen sein; Strauße werden da wohnen, und Bocksgeister werden da hüpfen, 22 und wilde Hunde werden in ihren Palästen heulen und Schakale in den Schlössern der Lust. Ihre Zeit wird bald kommen, und ihre Tage lassen nicht auf sich warten.“ (vgl. auch mit Jes 14,23; ähnlich auch in Jes 34,15). Obwohl der Fall des historischen Babylon als plötzlich beschrieben wird, dauerte es noch lange bis zu ihrer völligen Verwüstung. Der Vergleich mit Sodom und Gomorra betont sowohl den unerwarteten Fall Babylons als auch das Endergebnisfür diese Stadt.
Die bildhafte Beschreibung in diesem Text macht auch deutlich: Dort, wo die Menschen sich zurückziehen (wie es im Verlauf der Geschichte Babylons geschah), nisten sich natürlicherweise Raubtiere, Raubvögel und Reptilien jeder Art ein. Auch hier sind die Ähnlichkeiten zu Offb 18,2 nicht zu übersehen. Doch wie ist diese Bildersprache zu verstehen? Schauen wir uns die Listen über die unreinen Tiere und Vögel an (3Mose 11,1-30). Die unübersehbare Vielzahl in der Tierwelt ist Gottes Schöpfung und jedes davon hat seine Bestimmung. Es wird auch zwischen Haustieren und Raubtüren (Raubvögeln) unterschieden. Bereits zur Zeit von Noah machte Gott einen Unterschied zwischen reinen und unreinen Tieren (1Mose 7,1ff).
Und wenn Gott einige Arten davon als unrein bezeichnet, dann ist es so, ob wir es verstehen oder nicht. Sicher galten die späteren Vorschriften in erster Linie den Israeliten, die Völker außerhalb des Judentums hielten sich nicht daran. Im biblischen Kontext werden unreine Tiere und Vögel (auch wilde Tiere) oft als Vergleichsmaterial für boshafte Menschen oder gar Satan und seine Dämonen verwendet (Satan mit einem Drachen und der alten Schlange: 1Mose 3,1ff mit Offb 12,3.4.7.9.13; 20,1-3.7; 1Petr 5,8; Dämonen mit Schlangen und Skorpionen: Lk 10,20-22; mit Fröschen: Offb 16,12-14; boshafte Menschen mit Schlangenbrut: Mt 3,7; mit Reißenden Wölfen: Hes 22,27; Mt 7,15; Apg 20,29; Jud 1,10; mit Skorpionen: Hes 2,6; unreine Vögel: Micha 1,16; 1Kön 14,11; Mt 24,28).
Die Juden verließen damals Babylon mit Hilfe des Kyrus. Dies tat er unter dem Einfluss Gottes (Jes 45,1; 2Chr 36,22ff). Der Auszug der Israeliten aus Babel (und auch aus Assur) führte zu einer Sammlung im Land der Väter (Jes 11,16; Hosea 11,11; Dan 9; Esra 2ff). Nach dem Erlass des Kyrus konnten auch andere Völker in ihr jeweiliges Land zurückkehren. Dies verringerte zusätzlich die Zahl der Bewohner in Babylon. Die meisten von denen welche blieben, waren überlebende Chaldäer / Babylonier mit ihrer traditionellen Lebensweise und ihren Kulten (Jes 13,17).
Auch in der Endzeit bewirkt Gott durch das Tier und den Königen, sich gegen die Vorherrschaft der großen Hure zu wenden, dadurch wird Babylon zu Fall gebracht und das Volk Gottes aufgefordert draus auszuziehen. Unklar bleibt doch, was denn unter dem Inhalt dieses Gefängnisses angedeutet ist.
Noch einmal wird erinnert an ihren globalen Einfluss und jetzt fällt es in vollem Maß auf sie zurück. Diese Vorgänge werden wie folgt begründet: „Denn von dem Wein der Wut ihrer Unzucht haben alle Nationen getrunken, und die Könige der Erde haben Unzucht mit ihr getrieben, und die Kaufleute der Erde sind durch die Kraft ihrer Üppigkeit reich geworden.“ (Offb 18,3; ähnlich auch in 17,2). Diese Beschreibungen ähneln sehr dem Text aus Jeremia 51,7: „Ein goldener Kelch, der alle Welt trunken gemacht hat, war Babel in der Hand des HERRN. Alle Völker haben von seinem Wein getrunken; darum sind die Völker so toll geworden.“ Wie ähneln sich doch die Texte der Propheten und der Offenbarung. Der goldene Becher des Weins, aus dem Babel alle Völker trunken gemacht hat, ist die Denk- und Lebensweise, welche allen Völkern aufgezwungen wurde (Dan 2,37-38).
Die Medoperser zeigten sich in manchen Lebensbereichen toleranter als ihre Vorgänger, doch der Einfluss der babylonischen Lebensweise setzte sich fort.
Vor diesen Einflüssen warnen Jesus und die Apostel (1Kor 10,14; 1Joh 2,15-17; 5,21; ebenso die Verführung zum Reichtum und Ausschweifung Mk 4,19; Röm 13,13; 1Tim 6,9-10.
Hier kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu, der auch in der Frühzeit eine wichtige Rolle gespielt hatte. Babylon trieb Geschäfte mit den Kaufleuten der Erde (Jes 47,15; Hes 16,29). Dadurch wurde es reich und die Händler verdienten gut daran. Zu seiner Zeit war Tyrus für Babylon das Handelstor zum Mittelmeerraum, obwohl Tyrus im 6. Jh. Von den Babyloniern belagert wurde (Hes 27,33; Jes 23,3-13).
Beispiele aus dem Neuen Testament: Jesus missbilligt scharf den Handel auf dem Tempelgelände mit den Worten: „Macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus“ (Joh 2,16). Profit zu schlagen und damit das Heilige zu missbrauchen wird von Gott scharf verurteilt (1Tim 6,5). Ähnlich nutzten Handwerker und Kaufleute die Vorteile im Bereich des Götzendienstes (Apg 19,24-25: „Er verschaffte denen vom Handwerk nicht wenig Gewinn.“
Das gut ausgebaute Straßennetz im Römischen Reich und der rege Schiffsverkehr förderten den Handel und die Kaufleute verdienten dabei und wurden reich. Leider ist die Art und Weise des babylonischen Handelswesen und Streben nach materiellen Reichtum auch in die Gemeinde eingedrungen (Offb 2,17). Auch in den Jahrhunderten danach wetteiferten oft die Kirchenfürsten mit den weltlichen Herrschern, wer mehr zu sagen hat und wessen Turm höher ist.
Und immer wieder gab es Einbrüche in diesem babylonischen Gewirr. In den letzten Jahren erlebten wir lokale Einbrüche in verschiedenen Bereichen:
Die Havarie eines Riesentankers im Suezkanal für nur eine Woche hatte einen großen Einschnitt für die Versorgung in Europa nach sich gezogen. Auch Korona hatte weite Teile des Konsums wie Unterhaltung und Vergnügen lahmgelegt. Und dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was durch den endgültigen Fall Babylons bevorsteht. Die Liste der Dinge, welche nicht mehr gehandelt werden oder die aus dem Erlebnis- und Vergnügungsprogramm gestrichen werden ist lang (Offb 18,11-23).
Bevor nun die letzten Details zum Fall Babylons beschrieben werden, wird das Volk Gottes aus Babylon herausgerufen.
Der Aufruf: Geht aus von ihr mein Volk
An dieser Stelle wird die Schilderung über den Fall Babylons unterbrochen. Es erschallt eine andere Stimme aus dem Himmel und diese richtet sich an das Volk Gottes: „Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! 5 Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.“ (Offb 18,4-5). Es geht hier um den letzten Aufruf an das Volk Gottes Babylon zu verlassen. Diese Botschaft hat einen klaren Aufbau:
„Geht aus ihr hinaus, mein Volk“. Ob die Geschichte uns da beim Verständnis helfen kann? Immerhin wurde damals Babylon vom Perserkönig Kyrus und seinem Verbündetem erobert und damit endete die Herrschaft Babylons und gleichzeitig die 70 Jahre dauernde Gefangenschaft der Juden(Jes 39,6; 43,1; 45,1ff in der Voraussage; Dan 9,2). Die Parallele zu den Offenbarungstexten ist offensichtlich, denn mit dem Fall Babylons rief Gott damals sein Volk ins gelobte Land zurück, so Jesaja 48,20: „Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern! Mit fröhlichem Schall verkündigt dies und lasst es hören, tragt’s hinaus bis an die Enden der Erde und sprecht: Der HERR hat seinen Knecht Jakob erlöst.“ (ähnlich auch in Jeremia 51,6-10). Damals kehrte Israel nach Zion zurück.
In der Endzeit wird das Volk Gottes von Babylon herausgerufen und nach Zion zurückgeführt. Doch dies vollzieht sich auf einer geistlichen Ebene, aber auch mit physischen Auswirkungen.
Der Ruf aus Babylon auszugehen, ja sogar zu fliehen, ist jedoch immer aktuell gewesen und behält seine Gültigkeit bis zur Vollendung:
- 1Mose 6,17-18: an Noah .
- 1Mose 12,1: an Abraham.
- 2Mose 3-12: An das Volk Israel.
- Jesaja 48,20: an die Gefangenen in Babylon.
- Apg 2,40: Petrus ruft seine Landsleute heraus mit den Worten: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht“.
- 2Kor 6,16-18: „Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit den Götzenbildern? Wir sind ja der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Deswegen geht heraus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und berührt nichts Unreines und ich will euch annehmen und euch Vater sein und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allherrscher.“ Diese Aufforderung als Zitat aus 3Mose 26,11-12 galt damals Israel, nun gilt sie den Korinthern, die in der Gefahr standen in die alten sündigen babylonischen Lebensmuster zurückzufallen (2Kor 7,1).
- Offb 2-3: an einige der sieben Gemeinden in der Provinz Asia, in derer Mitte sich babylonische (weltliche) Lebensweise breit machte.
- Offb 18,4: an die Gemeinde in der Endphase, die sich wieder unter babylonischem / weltlichem Einfluss befindet (Röm 12,1-2; 1Joh 2,15-17).
Jesus verwendet zwar den Begriff Babylon nicht, doch spricht er von der Welt (Joh 15,19; 17,15). Nach seinen Worten bedeutet „ausgehen“ nicht im physischen Sinne, sondern in der Distanzierung von dem weltlichen Denken und Handeln (Mt 5-7; oder: „doch bei euch soll es nicht so sein, sondern“ (Mt 20,26; Mk 1043ff; Lk 22,26; ähnlich auch Paulus in 1Kor 5,10).
Dem Aufruf folgt eine Warnung: „damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!“ (Offb 18,4). Klingt es nicht ähnlich wie bei Lot und seiner Familie (1Mose 19,17)? Allgemein gilt: meide oder fliehe Gefahrenzonen (Ps 1,1; 1Kor 11,20; Eph 5,11). Es geht um eine Distanzierung in der inneren Haltung und wenn nötig auch eine physische Distanz von Orten mit eindeutig Gottlosen Inhalten (4Mose 16,26). Passend dazu wäre auch was Paulus an seinen Mitarbeiter schreibt: „Und mach dich nicht teilhaftig fremder Sünden“ (1Tim 5,22).
Die folgende Aussage ist wie ein Scharnier, welches das an das Volk Gottes Gesagte mit dem verbindet, was der Grund für das Gericht angegeben wird. „Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.“ (Offb 18,5).
5.3.3: Fortsetzung über den Fall Babylons und dessen Gericht
Dabei denken wir auch an die stolze und überhebliche Aussage der Menschen im alten Babel: „Lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht“ (1Mose 11,4). Ähnliches wird vom Herrn in 1Mose 18,20-21 über Sodom gesagt: „denn ihre Sünde ist sehr groß“ (dazu auch 2Petr 2,6f). Gott allein ist imstande das Maß der Sünde bei dem Einzelnen Menschen, bei einer Stadt, einem Volk und im globalen zu bewerten, ein entsprechendes Urteil zu fällen und auch zu vollstrecken (1Mose 6,5ff; 15,16; Mt 23,32; 1Thes 2,16).
Die Aussage: „Gott hat an sie gedacht“, ist hier im Sinne gedacht, dass es keinen Aufschub mehr gibt, sondern ihre Vernichtung vollzogen wird (so auch in Offb 16,19).
Nun kommt eine weitere Aufforderung, bei der es um die Vergeltung geht und wer dafür zuständig ist. „Vergeltet ihr, wie auch sie vergolten hat, und verdoppelt ⟨es ihr⟩ doppelt nach ihren Werken; mischt ihr den Kelch, den sie gemischt hat, doppelt! 7 Wie viel sie sich verherrlicht hat und üppig gewesen ist, so viel Qual und Trauer gebt ihr!“ (Offb 18,6-7a).
Es ist eindeutig, dass die Gemeinde nicht zuständig ist für die Vergeltung (Lk 6,27; Röm 12,19ff). Dafür sind ja die Könige der Erde zusammen mit dem Tier von Gott her gelenkt worden Babylon zu vernichten (Offb 17,12-13.16-17). Ähnlich richtete Gott damals Babylon nicht durch sein Volk, sondern durch die Könige des Ostens aus Medopersien (Jes 13,17). Hier stellt sich die Frage, warum die Vergeltung im doppeltem Maße erfolgen soll.
Eine mögliche Antwort geben uns Jesus und Jakobus: „Wer da weiß Gutes zu tun und tut`s nicht, dem ist es Sünde“ (Mt 25,41-46; Jak 2,13; 4,17; ähnlich bereits in der Zeit von Sodom Hes 16,49). Denn wer Böses tut, versäumt zeitgleich das Gute zu vollbringen. Konkret: Wer seinen Nächsten hasst, macht sich auch schuldig in dem Versäumnis der Liebe. Demnach machte sich Babylon doppelter Sünde schuldig.
Bereits im Rahmen der siebten Zornesschale wurde über die Vergeltung Babylons gesagt. „Und Babylon, der Großen, wurde gedacht vor Gott, dass ihr gegeben werde der Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zorns.“ (Offb 16,19). Ähnliches wurde in Bezug auf das historische Babylon gesagt, bei dem unter dem Gericht Gottes weltliche Mächte die Ausführenden waren (Jer 51,11ff). Anmerkung: Denken wir auch an die Veränderten Ansichten und Handlungsweisen der Perserkönige gegenüber den unterjochten Völkern. Es fand eine Art Paradigmenwechsel statt. Nimmt man jene historischen Veränderungen als Vorlage, so könnte ähnliches mit dem Fall Babylons zu erwarten sein. Wie auch immer dieser Fall vor sich gehen wird, das Volk Gottes bekommt eine Möglichkeit zu einer geistlichen Sammlung und Rückkehr nach Zion und der geliebten Stadt (Hebr 12,22-23).
Gott kennt die Selbstüberschätzung in Babylon: „Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze als Königin, und Witwe bin ich nicht, und Traurigkeit werde ich nicht sehen. 8 Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat.“ (Offb 18,7b-8).
Ähnlich sprach Babylon auch zu seiner Zeit: „So höre nun dies, die du in Wollust lebst und so sicher sitzt und sprichst in deinem Herzen: »Ich bin’s und sonst keine; ich werde keine Witwe werden noch ohne Kinder sein«: 9 Dies beides wird plötzlich über dich kommen auf einen Tag, dass du Witwe und ohne Kinder bist. Ja, es wird in vollem Maße über dich kommen trotz der Menge deiner Zaubereien und trotz der großen Macht deiner Beschwörungen. 10 Denn du hast dich auf deine Bosheit verlassen, als du dachtest: Niemand sieht mich! Deine Weisheit und Kunst hat dich verleitet, dass du in deinem Herzen sprachst: Ich bin’s und sonst keine! 11 Aber nun wird über dich Unglück kommen, das du nicht wegzuzaubern weißt, und Unheil wird auf dich fallen, das du nicht durch Sühne abwenden kannst. Und es wird plötzlich ein Verderben über dich kommen, dessen du dich nicht versiehst. 12 So tritt nun auf mit deinen Beschwörungen und der Menge deiner Zaubereien, um die du dich von deiner Jugend auf bemüht hast, ob du dir helfen und es abwenden kannst. 13 Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Es sollen her treten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! 14 Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte. 15 So sind alle, um die du dich bemüht hast, die mit dir Handel trieben von deiner Jugend auf: Ein jeder wird hierhin und dorthin wanken, und du hast keinen Retter.“ (Jes 47,8-15).
Bei dieser Prophetie entsteht der Eindruck, dass deren Inhalt über das hinausging, was damals geschah. Zu offensichtlich sind die Details, welche auch im Text der Offenbarung vorkommen. „Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat.“ Ihr Gerichtstag ist nicht mit 24 Stunden bemessen, denn später heißt es: „Denn in einer Stunde ist verwüstet solch großer Reichtum“ (Offb 18,10.19). Die Reihenfolge der zu erleidenden Plagen ist auffällig: Tod, Trauer, Hunger und mit Feuer wird sie verbrannt werden. (ähnlich wie in Offb 17,16).
Nun wechselt die Perspektive. Die erstgenannte Gruppe derer, welche um die Hure Babylon trauern, sind die Könige der Erde “Und es werden um sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben haben und üppig gewesen sind, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen; 10 und sie werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen und sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! Denn in einer Stunde ist dein Gericht gekommen.“ (Offb 18,9-10; ähnlich auch in Vers 17 und 19). Waren es nicht gerade die Könige der Erde, welche ihre Macht und Kraft dem Tier unterstellt hatten und durch diese Koalition wurde die Hure Babylon zu Fall gebracht und vernichtet (Offb 17,17)? Die Erklärung liegt darin, dass sie von Gott diese Gedanken bekamen. Sie taten etwas, was gegen ihre Natur war und blickten nicht durch, dass sie sich damit selbst schadeten. Hier erfüllte sich, was gesagt wurde: „Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht“ (1Kor 3,19).
Nach der Schilderung über die Trauer der Könige, wird beschrieben, wie und warum die Kaufleute um Babylon ihre Trauer ausdrücken: „Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern um sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft.“ (Offb 18,11). Vorbei ist die Zeit der lukrativen Geschäfte. Wenn wir an die unfassbare Kraft der Werbung denken, die nach dem Muster `Bedarf wecken` funktioniert, dann bekommt man eine Ahnung über die Tragweite dieser Prophetie.
Nun folgt eine lange Liste von Waren, welche die Hure Babylon an ihre Kunden vermittelte: „Ware von Gold und Silber und Edelgestein und Perlen und feiner Leinwand und Purpur und Seide und Scharlachstoff und alles Thujaholz und jedes Gerät von Elfenbein und jedes Gerät von kostbarstem Holz und von Erz und Eisen und Marmor 13 und Zimt und Haarbalsam und Räucherwerk und Salböl und Weihrauch und Wein und Öl und Feinmehl und Weizen und Rinder und Schafe und von Pferden und von Wagen und von Leibeigenen und Menschenseelen.“ (Offb 18,12-13). Diese erste Liste umfasst etwa achtundzwanzig Bezeichnungen: angefangen von Luxusartikeln jeder Art über wertvolle Öle und Duftstoffe, sowie Lebensmittel, Haustiere und Menschen.
In Kapitel 13 sah es noch anders aus, so dass nicht jeder sich ohne das Malzeichen am Handel beteiligen konnte. Nun bleiben die Händler auf ihrer Ware sitzen, weil sie niemand mehr haben will. Wie dies konkret aussehen wird, muss abgewartet werden.
Es folgt eine weitere Liste von Inhalten, welche durch pauschale Bezeichnungen bestückt ist.: „Und die Früchte, nach denen deine Seele begehrte, sind von dir gewichen, und alle Pracht und Glanz sind dir verloren, und man wird sie nie mehr finden.“ (Offb 18,14).
Babylon verliert nicht nur Macht und Einfluss, sondern auch ihren vermeintlichen Reichtum und Wohlstandeinschließlich Genussmittel und Ansehen (so auch in Jes 47,1-3). Dazu schreibt Jakobus: „Weh ihr Reichen: Weint und heult über das Elend, das über euch kommen wird! 2 Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind von Motten zerfressen. 3 Euer Gold und Silber ist verrostet und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis geben und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in den letzten Tagen! 4 Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euer Land abgeerntet haben, den ihr ihnen vorenthalten habt, der schreit, und das Rufen der Schnitter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. 5 Ihr habt geschlemmt auf Erden und geprasst und eure Herzen gemästet am Schlachttag. 6 Ihr habt den Gerechten verurteilt und getötet, und er hat euch nicht widerstanden.“ (Jak 5,1-6; dazu auch Lk 6,24; 16,19). Wie treffend, die Kaufleute sind in und durch Babylon reich geworden und unbarmherzig. In diesen Bereichen hat sich nichts geändert, denn Profitgier und Lohnminderung sind offensichtliche Äußerungen in der Industrie und dem Handel.
Und nochmal wird die Reaktion der Kaufleute beschrieben: „Die Kaufleute dieser Dinge, die an ihr reich geworden sind, werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen, weinend und trauernd, 16 und werden sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, die bekleidet war mit feiner Leinwand und Purpur und Scharlachstoff und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen! 17 Denn in einer Stunde ist der so große Reichtum verwüstet worden.“ (Offb 18,15-17a; Hes 47,15). Wie solcher Reichtum vernichtet wird, so dass er nicht mehr begehrenswert sein wird, macht es spannend im Verstehen und deuten dieser Texte.
Nun meldet sich eine weitere Branche, es sind die Transporteure auf dem Meer. Bereits im Altertum war das Mittelmeer für die Anrainerstaaten ein wichtiger Bereich für den Handel. Im Osten beherrschte Tyrus und Sidon den Handel mit Schiffen. Für Babylon war dieser Handel sehr wichtig. Auch diese Gruppe der Transportunternehmen stimmt in das Wehe- und Trauerlied über Babylon ein. Dies tun sie bereits rückblickend auf das zerstörte und verbrannte Babylon: „Und jeder Steuermann und jeder Küstenfahrer und Schiffsleute und alle, die auf dem Meere beschäftigt sind, standen weitab 18 und riefen, als sie den Rauch ihres Brandes sahen, und sprachen: Wer war der großen Stadt gleich? 19 Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und riefen weinend und trauernd und sprachen: Wehe, wehe! Die große Stadt, in der alle, die Schiffe auf dem Meere hatten, reich wurden von ihrer Kostbarkeit! Denn in einer Stunde ist sie verwüstet worden.“ (Offb 18,17b-19). Nicht nur im Altertum war das Mittelmeer, welches die drei Kontinente verband ein wichtiger Bereich für den Handel durch den Babel profitierte, sondern auch in den folgenden Jahrhunderten, in denen das Babylon des Westens den Kern der Weltmacht darstellte. Auch in unseren Tagen ist der Umschlag von Waren durch Schiffe auf den Weltmeeren ein wesentlicher Bestandteil des globalen Handels. Und dieser ist abhängig von der Navigation durch die Satelliten.
Wird uns in der Offenbarung der größte Krasch aller Zeiten beschrieben?
5.3.4 Der Triumph über Babels Fall und Gericht
Endlich wird über Babylon im Rückblick gesprochen: „Sei fröhlich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und Apostel und Propheten! Denn Gott hat für euch das Urteil an ihr vollzogen.“ (Offb 18,20). Der Aufruf zum Jubel gilt zuerst den Bewohnern des Himmels, danach den Heiligen, damit sind alle Gläubigen eingeschlossen. Doch die Apostel und Propheten sind hervorgehoben, bilden sie doch zusammen mit Christus das Fundament der Gemeinde (Eph 2,19-21; siehe auch Eph 4,11 und 1Kor 12,28).
Das Ende von Babylon wird durch ein eindrucksvolles Bild veranschaulicht: „Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein und warf ihn ins Meer und sprach: So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und nie mehr gefunden werden.“ (Offb 18,21). Die Bezeichnung `Mühlstein` im Substantiv kommt im NT fünfmal vor und wird in allen drei synoptischen Evangelien von Jesus zum gleichen Thema verwendet. Dabei geht es um Ärgernis und Anstoß oder Verführung zur Sünde gegenüber Gläubigen an Jesus: „Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Bösen verführt!“ (Mt 18,6-7; ähnlich auch bei Markus 9,42 und Lk 17,1-2). Die Verbindung zu dem Stein (wie ein Mühlstein), welchen ein Engel ins Meer der Völkerwelt wirft ist offensichtlich. Denn mit einem Mühlstein am Hals würde niemand mehr aus der Tiefe aufsteigen können. Der gleiche Gedanke liegt auch der Aussage in Offb 18,21 zugrunde. Es ist das Ende von Babylon, denn es wird nie wieder aufstehen (auftauchen).

Im Rückblick werden in einer dritten Liste Bereiche aufgeführt, welche einen wesentlichen Platz in Babylon eingenommen hatten:
- „Und die Stimme der Harfensänger und Musiker und Flötenspieler und Trompeter wird nie mehr in dir gehört“. Der gesamte Bereich der musikalischen Unterhaltung zum Zwecke Menschen von Gott abzulenken ist gestrichen (1Mose 4,21: Jubals Nachkommen aus der Linie Kains, werden als Erfinder von Musikinstrumenten beschrieben). Dagegen wird bei den Zurückgekehrten aus Babylon nach Zion zu Ehren des Lammes das Lied der Erlösung gesungen in Begleitung von Harfen (Offb 14,1-3; 19,1-4; wie auch bei der historischen Rückkehr ein Jubelgesang angestimmt wurde, siehe Jes 51,11).
- „und nie mehr ein Künstler irgendeiner Kunst in dir gefunden“ Das Kunsthandwerk (1Mose 4,22: die Nachkommen von Tubal-Kain stellten Werkzeuge her zur Verarbeitung von Eisen). Auch diese Materialien können zweckmäßig eingesetzt werden oder aber missbraucht werden (Schwerter zum töten oder als Pflugscharen Joel 4,10; Jes 2,4).
- “und das Licht einer Lampe wird nie mehr in dir scheinen„. Es ist aus mit dem Wohlbefinden, nur noch totale Finsternis.
- „und die Stimme von Bräutigam und Braut nie mehr in dir gehört werden„. Auch mit den höchsten Festen in den Familien und Feiern ist es aus. Dagegen wird die Hochzeit des Lammes mit seiner Braut (Frau) vorbereitet (Offb 19,6f).
Die in allen drei Listen aufgeführten Bestandteile des Lebens in Babylon haben ihren Grund im blühenden Handel und der Zauberei: „denn deine Kaufleute waren die Großen der Erde; denn durch deine Zauberei sind alle Nationen verführt worden.“ (Offb 18,23). Der umfangreiche Handel der Kaufleute mit Lizenzen durch die Babylonischen Behörden, trug zu solch einem Reichtum und vielseitigem Unterhaltungsprogramm bei.Auch im Römischen Reich nahm der Handel eine zentrale Rolle im Alltag ein. Und bis in unsere Zeit wird Handel nicht nur zur Deckung der Grundbedürfnisse des Lebens betrieben.
Die Chaldäer waren Künstler im Bereich Zauberei, die wiederum eine große und vielseitige Verführung darstellte und von dem wahren Gott ablenkte(Jes 47,9-12; Dan 2,2.27; 5,7). Hier schließt der Begriff Zauberei auch alle anderen Arten der okkulten Praktiken ein, welche bei den Völkern praktiziert wurden (5Mose 18,9ff). Doch die Zauberei gab es auch in der Geschichte Israels (Jes 3,3; Micha 5,11). In der Zeit des Neuen Testamentes gibt es einige Hinweise zu okkulten Praktiken, denkt man an die vielen von Dämonen besessenen Menschen im Volk Israel und bei den Nachbarvölkern (Lk 10,20-22; Apg 8,9ff; 13,6ff; 19,19). Auch im Buch der Offenbarung ist Zauberei ein großes Thema und Bestandteil in den Listen derer, welche vom himmlischen Reich ausgeschlossen sein werden (Offb 9,20-21; 18,23; 21,8; 22,15).
Zum Schluss wird Babylon die Verantwortung zugeschrieben über die Zerstörung des Lebens: „Und in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind.“ (Offb 18,24). Die zwei Aussagen haben eine unermessliche Tragweite. Babylon ist erstens: Für das Blut aller Heiligen und Propheten Verantwortlich und zweitens: Sie trägt die Verantwortung für all das Blut der auf Erden hingeschlachteten. Einige Beobachtungen dazu:
Das Blutvergießen begann bereits durch Kain (1Mose 4,8ff). Und Jesus nimmt Bezug darauf in Mt 23,35-36: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. 36 Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen.“ Für dieses `Geschlecht` steht im Griechischen die Bezeichnung `genea`, was auch mit `diese Art` übersetzt werden kann. Die Generation der jüdischen Führung zur Zeit von Jesus war nicht direkt an der Tötung früherer Propheten beteiligt und schon gar nicht an Abels Tod, aber sie waren von der gleichen Gesinnungsart wie Kain und die Männer, welche den Tod von Jeremia forderten(Jer 26,15). Mindestens neunmal verwendet Jesus diese Bezeichnung in diesem Sinne (Mt 12,40-42; 12,45; 16,4; 17,17; 23,36; Mk 8,38; Lk 11,30-32; 11,50-51). Und gleich danach spricht Jesus von Jerusalem, in dessen Mitte Prophetenblut vergossen wurde. Damit bescheinigt Jesus der Jerusalemer Führung nach babylonischen Prinzipien zu handeln (Mt 23,37ff). Auch Petrus verwendet diesen Begriff und bezieht ihn auf den Teil seiner Landsleute, welche sich der Frohbotschaft von Christus widersetzten (Apg 2,40: „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht“).
Doch Babylon wirkte global, sie beherrschte alle Königreiche indem sie das siebenköpfige Tier ritt und lenkte, daher auch ihre Gesamtverantwortung (Phil 2,15; 1Joh 3,15-17).
Viele der babylonischen Gräueltaten wurden auch im Laufe der Kirchengeschichte verübt oder gebilligt. Auch heute vergießen Machthaber mit Billigung christlicher Organisationen Kriegsführung, bei denen viele tausende Menschen hingeschlachtet werden. Millionen ungeborener werden weltweit im Mutterleib abgeschlachtet. Auch das ist Babylon. Das Gericht Gottes beginnt am Hause Gottes und jede sich nennende christliche Gemeinde steht in der Pflicht, sich von babylonischen Elementen freizuhalten oder frei zu machen (1Petr 4,17; 2Kor 6,16-7,1; Kol 3,5).
5.3.5 Lobpreis und Anbetung im Himmel über das Gericht und den Untergang Babylons
„Danach hörte ich etwas wie eine große Stimme einer großen Schar im Himmel, die sprach: Halleluja!“ (Offb 19,1a). Das überleitende Wort „danach-nach diesem“ leitet den zweiten Teil des Jubels im Himmel ein (Offb 18,20). Es ist wie die Stimme einer großen Schar im Himmel. Ihr Rühmen bekräftigen sie mit dem Ausruf: „Halleluja“, was eine Lobpreisung auf Gott den Herrn zum Inhalt hat. Dann wird aufgezählt: „Die Rettung und die Herrlichkeit und die Kraft sind unseres Gottes!„ (19,1b). Wieder kommt eine Begründung: „Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte, dass er die große Hure verurteilt hat, die die Erde mit ihrer Hurerei verdorben hat, und hat das Blut seiner Knechte gerächt, das ihre Hand vergossen hat.„ (19,2). Dem gerechten Gerichtsurteil folgt die angemessene Vergeltung. Vorher war es die große Stadt, hier ist Babylon unter dem Bild der großen Hure betont. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Braut (Frau) des Lammes gleich im Anschluss an diesen Hymnus. Während das Bild der großen Stadt für Macht und Gewaltherrschaft steht, wird durch das Bild der großen Hure die Verführungstaktik unterstrichen. In der himmlischen Welt wird das Gericht Gottes an Babylon in jeder Hinsicht anerkannt und bejubelt. Was den Märtyrern in Offb 6,9-11 zugesagt wurde, ist nun erfüllt worden. „Und sie sprachen zum zweiten Mal: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (19,3). Ist der aufsteigende Rauch ein Hinweis auf eine ewige Erinnerung? Aus himmlischer Perspektive ist eine veränderte Wahrnehmung bei den Heiligen zu erkennen. Diese Wahrnehmung ist mit der des Christus identisch, denn sie stimmen dem Gerichtsurteil Gottes zu.
„Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen: Amen, Halleluja!“ (19,4). Zum letzten Mal werden diese zwei Gruppen (die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten) welche den Thron unmittelbar umgeben erwähnt, wie sie gemeinsam in die Anbetung einstimmen und bestätigen, was die großé Volksmenge aussprach, denn sie sind die nächsten zum Thron hin. In Kapitel 4,4ff bei ihrer ersten Erwähnung waren sie die Erstgenannten.
Und nun kommt die Reaktion auf diese Anbetung von der höchsten Instanz und fordert auf: „Lobt unseren Gott, alle seine Knechte, die ihr ihn fürchtet, die Kleinen und die Großen“ (19,5). Der Anbetung und dem Lobpreis sollen sich alle Knechte (Engel und Erlösten) anschließen. Wer sind die Kleinen und wer die Großen, gibt es dazu Hinweise an anderen Stellen? Denken wir an die Prophetie aus Psalm 8,3 und den Bezug auf die Kinder im Tempel, welche Jesus in Schutz nimmt (Mt 21,16 oder Mt 5,19; 18,4; Lk 7,28; 1Kor 4,9; 15,9; Hebr 8,11 mit Bezug auf Jer 31,31ff). Die Liste derer, welche gerichtet werden enthält auch die Kleinen und Großen (Offb 19,18).
5.4 Die Ankündigung der Hochzeit des Lammes
“Und ich hörte ⟨etwas⟩ wie eine Stimme einer großen Volksmenge und wie ein Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten. 7 Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitgemacht.“ (19,6-7). Die Stimme der großen Volksmenge wird mit dem Rauschen gewaltiger Wasser und dem starken Donnerrollen verglichen. Dabei werden klar definierte Aussagen gemacht. Lobpreis dem Allmächtigen, der seine Herrschaft angetreten hat. Dies klingt zunächst ähnlich wie in Offb 11,15 bei der siebten Posaune und mit Beteiligung der vierundzwanzig Ältesten, allerdings dort unter einer anderen Perspektive (Offb 11,15-17).
Hier ist das Thema: die Hochzeit des Lammes. Auffallend ist hier die Bezeichnung Frau des Lammes. Betont ist damit der juristische Aspekt der Verlobung des Christus mit der Gemeinde, welche in Hosea 2,21 vorausgesagt wurde und mit dem Kommen von Jesus stattgefunden hat (Joh 3,29). Hier wird angeknüpft an die Texte, welche die Beziehung des Christus zu seiner Gemeinde beschreiben (2Kor 11,1-2; Eph 5,25-32). „Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleidete in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen.“ (19,8). Die Bekleidung wird hier beschrieben als glänzend und rein aus Byssus. Es handelt sich um den kostbaren Stoff jener Zeit, der als Vorbild für diese Bekleidung verwendet wird. Dies weist auf die Gerechtigkeiten der Heiligen hin. Johannes schreibt: „Kinder, lasst euch von Niemandem verführen; Wer die Gerechtigkeit tut, der ist gerecht, wie auch jener gerecht ist“ (1Joh 3,7). Es geht um Werke der Gerechtigkeit, die in Gott getan werden (Joh 3,21). Dabei geht es nicht um Werkgerechtigkeit, sondern um Werke welche Gott vorbereitet hat dass wir darin wandeln (Eph 2,9-10). Die Beschreibung der Bekleidung erinnert auch an Offb 6,9-11 nur dass hier bereits die Übrigen angekommen sind. Da im Folgenden der letzte Kampf beschrieben wird, könnte unser Abschnitt als ein Einschub betrachtet werden, eine Art Vorausschau, bevor der letzte Kampf und das Gericht beschrieben werden. Diese Vision kann auch eine besondere Ermutigung sein für die Gläubigen, um in den Bedrängnissen die Hoffnung und das Vertrauen auf ihren Herrn nicht aufzugeben.
„Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“ (19,9). Es ist bereits die dritte Seligpreisung in diesem Buch. Welche Freude! Nochmal ein Hymnus! Die Einladung zur Hochzeit wird von Christus bereits hier ausgesprochen und den Treuen wird Jesus dann zurufen: „Geht ein zu eures Herrn Freude“ (Mt 25,21; 13,43).
Die Szene, welche nun folgt ist sehr beeindruckend. Johannes ist so überwältigt, dass er vor dem (Engel ) niederfällt: „Und ich fiel zu seinen Füßen nieder, ihn anzubeten. Und er spricht zu mir: Siehe zu, ⟨tu es⟩ nicht! Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung.“ (19,10). Dass es sich hier um einen Engel handelt (obwohl es im Text nicht ausdrücklich betont wird) machen folgende Texte deutlich: Sowohl in Kapitel 1,1 als auch in 22,6-9 ist der besondere Engel als Überbringer der Offenbarung hervorgehoben. Darum wird es sich in Offb 19,10 um denselben Boten gehandelt haben.
Der Engel verweigert dem Johannes sich anbeten zu lassen. Nur Gott ist anbetungswürdig und sein Sohn Jesus Christus. Auch die klärende Aussage über das Zeugnis von Jesus knüpft an Offb 10,11 an, wo Johannes erneut beauftragt wird Zeugnis in einem großen Umfang zu geben. Ebenso ist hier die Verknüpfung zu den zwei Zeugen aus Offb 11,3ff erkennbar. Schließlich geht das Bezeugen auf die Anweisung von Jesus zurück (Apg 1,8).
5.5 Der Weltrichter besiegt die feindlichen Heere
Der letzte Abschnitt in diesem fünften Teil ist von solcher Dramatik geprägt die kaum noch zu überbieten ist. Die Fülle der Bildersprache ist sehr herausfordernd für die Auslegung, doch einige Bilder kamen bereits in den vorherigen Texten vor. Dieser Abschnitt lässt sich in zwei ineinander übergehende Teile gliedern.
5.5.1 Die Identität und Bestimmung des Reiters auf dem weißen Pferd und der ihm nachfolgenden himmlischen Heere
„Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.“ (19,11). Das Bild von einem weißen Pferd ist uns bekannt aus Offb 6,1-2. Auch dort geht es um einen Auszug in den Kampf mit der Gewissheit des Sieges. Hier in Kapitel 19,11-16 ist das weiße Pferd (Kampfross) dem gerechten Richter der Welt zugeordnet. Diesem folgen himmlische Heere, die ebenfalls auf weißen Rossen sitzen und mit reiner, weißer (leuchtender) Leinwand bekleidet sind. Auffallend ist in beiden Texten, dass dem Johannes zuerst Das Aussehen des Pferdes ins Auge fällt und erst danach der darauf Sitzende beschrieben wird (diese Reihenfolge zeigte sich dem Betrachter auch in 6,1.3.5.7 ähnlich auch in Sacharija 1 und 6). Das `weiß` des Pferdes aus Kapitel 19,11a steht in Übereinstimmung mit dem, der auf dem Pferd als gerechter Richter der Welt sitzt und mit der Wahrheit des Wortes Gottes kämpft (Joh 5,27; 12,48; Apg 17,31; Offb 20,11 mit Mt 25,31). Das weiß, die weiße Farbe wird in der Schrift bezogen auf Jesus immer mit positiven Aspekten in Verbindung gebracht: Weiße Kleider (Mt 17,2; Mk 9,3); weißes Haar (Offb 1,14); weißer Thron (Offb 20,11 mit Mt 25,31). Wir sehen, dass die Farbe des Pferdes in Offb 19 sowohl auf den Charakter als auch auf die positive Bestimmung des darauf Sitzenden hinweist. Das trifft gleicherweise auch auf die himmlischen Heere auf weißen Pferden zu. Somit weist bereits die Farbe des Pferdes auf den Charakter und Bestimmung des Reiters (der Reiter) hin. Dieses Prinzip sollte auch bei den vier Pferden mit ihren Reitern aus Kapitel 6,1-8 berücksichtigt werden (so auch in Sach 1 und 6). In Kapitel 19,11-16 bekommen wir mehrere und eindeutige Angaben über diesen Reiter und seine Identität, so dass es keiner Diskussion unterliegt wie im Bild aus Offb 6,1-2. Zuerst wird er mit einem Doppelnamen vorgestellt, welche gleichzeitig zwei seiner Eigenschaften hervorheben. Danach wird beschrieben was er tut. Er richtet und führt Krieg und dies in Gerechtigkeit. Die Beschreibung einiger Merkmale über sein Aussehen erinnert uns an Kapitel 1,13-16 aber auch an andere Texte in den Heiligen Schriften:
- „Seine Augen aber sind eine Feuerflamme“ (so auch in Offb 1,14b). Sie durchdringen alles, nichts bleibt vor ihrer Strahlkraft verborgen. Sagte er doch jeder der sieben Gemeinden: „Ich kenne deine Werke“ (Offb 2-3). Bereits auf Erden sah er in das Denken der Menschen hinein, offenbarte es mit dem Ziel Menschen zur Einsicht zu rufen (Joh 2,25; Mt 12,15; 22,18). Hier geht es jedoch um den Einblick und die Offenbarung der Taten von Menschen, die gerichtet werden sollen durch sein Wort (Joh 12,48).
- „und auf seinem Haupt sind viele Diademe“. Im Vergleich zu ihm trug der Reiter in Offb 6,1-2 einen Siegeskranz (gr. stefanos). Diadem ist ebenfalls eine griechische Bezeichnung und kann zurecht mit Krone wiedergegeben werden. Zum ersten Mal lesen wir von einem Diadem in 2Mo 29,6: „und setze den Kopfbund auf sein Haupt, und hefte das heilige Diadem an den Kopfbund.“ (ergänzend dazu auch 2Mo 39,30: „Sie fertigten auch das Stirnblatt, das heilige Diadem, aus reinem Gold an und schrieben darauf in Siegelgravur: »Heilig dem HERRN«.“ (3Mo 8,9). Denken wir dabei, dass Jesus der wahre Hohepriester ist allerdings nach der Ordnung Melchisedeks Als Priesterkönig. in Sacharija 9,16 wird verheißen: Und der HERR, ihr Gott, wird sie erretten an jenem Tag als die Herde seines Volkes, denn Edelsteine am Diadem sind sie, funkelnd über seinem Land.“ Es gab auch Fälschungen, bzw. Missbrauch (Offb 12,3: der Drache hatte sieben Diademe auf seinen sieben Köpfen; 13,1: Das Tier hatte zehn gekrönte Hörner).
- „und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst“ (19,13). Dass er neben den vielen offenbarten Namen auch noch einen trägt, der niemand bekannt ist, kann als Hinweis auf die Verheißung aus Offb 3,12 gesehen werden (vielleicht auch Phil 2,9-11 und 1Joh 3,2).
- Was bedeutet die Aussage: „Und er war angetan mit einem Gewand, das in Blut getaucht war“? Zunächst könnte man an sein vergossenes Blut denken, welches für die Reinigung und Löschung von Sünden vergossen wurde. Doch sein Auftritt hier hat den letzten Kampf und das Gericht zum Inhalt. Ist die Deutung nicht eher in dem Bild vom Treten der Kelter des grimmigen Zornes Gottes zu suchen, wie im Textzusammenhang deutlich wird? Darauf gehen wir etwas später detailliert ein.
- „Und sein Name heißt das Wort Gottes“. Nach Johannes 1,1-2 ist das Sein von Jesus gleichzeitig auch sein Name, denn er ist der ewige `o logos tou theou`.
- „Und die Truppen, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand.“(19,14). Dass es sich hier um Engel handelt scheint auf jeden Fall zuzutreffen. Begründungen wären erstens: Die gleiche Bekleidung tragen auch die sieben Engel, welche die sieben letzten Plagen über die Erdbewohner bringen werden(Offb 15,6). Zweitens: Engel waren zu verschiedenen Zeiten in den Kämpfen für das Volk Gottes eingesetzt worden (2Kön 6,17; 19,35; Mt 26,53: wenn Jesus gewollt hätte, wären ihm mehr als zwölf Legionen Engel zur Verfügung gestanden). Die Gläubigen an Jesus werden mit der gleichen Bekleidung beschrieben, allerdings wird sie ihnen erst bei ihrem Ankommen gegeben (Offb 3,5; 7,13f; 19,8. Trotzdem werden auch die Nachfolger von Jesus in diesen letzten Kampf miteinbezogen. Begründung: Die Gegner in diesem Kampf sind das Tier und die Könige der Erde mit ihren Heeren (19,19). Von diesen Beiden Machtsystemen wird gesagt: „Diese werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie besiegen, denn es ist der Heer aller Herren und der König aller Könige und die mit ihm sind die Berufenen und Auserwählten und Treuen“ (Offb 17,12-14). Es handelt sich offensichtlich um denselben letzten Kampf, bei dem das Lamm (hier der Reiter auf dem weißen Pferd) als Siegender hervorgehen wird. Damit wären sowohl die im Himmel wohnenden, als auch die noch auf Erden kämpfenden Gläubigen in das Heilsgeschehen miteinbezogen (Mt 16,27; 1Thes 3,13; 2Thes 1,7).
- „Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlägt; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen.“ (19,15). Die Waffe Schwert zeigte sich bei ihm bereits in Kapitel 1,16b mit dem Zusatz scharfes und zweischneidiges (so auch in 2,12 mit Bezugnahme auf Hebr 4,12 und Eph 6,17b). Diese Bildhafte Darstellung des Schwertes als das Wort Gottes wurde auch schon in den Schriften des Alten Testamentes verwendet mit dem Bezug auf den Messias, siehe Psalm 45,4-8 und Jesaja 49,2. Damit kämpft der Weltrichter aber auch seine Nachfolger.
Auch der Eiserne Stab ist uns bereits aus folgenden Texten bekannt: Offb 2,27; 12,5 mit Bezug auf Psalm 2,8ff und 1Mose 49,8-10. Der Stab als Zepter deutet auf die Macht des Messias-Königs gerechtes Urteil zu fällen (Hebr 1,8; Mt 25,31ff).
„Er tritt die Kelter des grimmigen Zornes Gottes“. Dieses Bild begegnete uns bereits in der Beschreibung des Gerichtes mit dem Weinstock der Erde in Offb 14,18ff. Während das Bild vom Weinstock und der Kelter in Zeiten der guten Beziehung zu Gott ein Segen für das Volk war, diente es im Gericht als Ausdruck des Missfallens (Jes 5,2ff). Und in Jesaja 63,1-6 bekommen wir die Antwort auf die oben gestellte Frage nach dem in Blut getauchtem Gewand: „Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft? »Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.« 2 Warum ist denn dein Gewand so rotfarben, sind deine Kleider wie die eines Keltertreters? 3 »Ich trat die Kelter allein, und niemand unter den Völkern war mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. 4 Denn ich hatte einen Tag der Rache mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen, war gekommen. 5 Und ich sah mich um, aber da war kein Helfer, und ich war bestürzt, dass niemand mir beistand. Da musste mein Arm mir helfen, und mein Zorn stand mir bei. 6 Und ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm und ihr Blut auf die Erde geschüttet.« (ähnlich auch in Joel 4,13).
- „Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“ (Offb 19,16). In Offb 17,14 wird dieselbe Aussage gemacht, nur in umgekehrter Reihenfolge. Zur Erinnerung: Beide Texte sprechen vom Kampf des Christus als Lamm gegen das Tier mit seinen Königen und dem falschen Propheten, versehen mit diesen zwei Machttiteln.
5.5.2 Der letzte Kampf und das Gericht
„Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit lauter Stimme und sprach zu allen Vögeln, die hoch oben am Himmel fliegen: Kommt her, versammelt euch zum großen Mahl Gottes, 18 damit ihr Fleisch von Königen fresst und Fleisch von Obersten und Fleisch von Mächtigen und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als auch Sklaven, sowohl von Kleinen als auch Großen!“ (Offb 19,17-18).
Im Blickfeld ist ein Engel in der Sonne stehend, der mit lauter Stimme die Vögel welche hoch oben am Himmel fliegen zu einem großen Mahl auffordert. Der Kontrast zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen zu sein kann nicht größer sein (Offb 19,9). So makaber diese Beschreibung auch klingt, ist sie doch nicht neu. Denken wir nur an die Aussage von Jesus aus Matthäus 24,28 in seinen Endzeitreden: „Denn wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier“ (so auch Lk 17,37). Auch in den Schriften des Alten Testamentes kommen diese Bilder häufig vor:
- 1Samuel 17,46: Angedrohtes Gericht über Goliat und das Heer der Philister.
- Jeremia 7,33: angedrohtes Gericht über Juda.
- Hesekiel 29,5: Angedrohtes Gericht über Pharao.
Besonders aufschlussreich sind zwei Kapitel aus dem Buch Hesekiel, welche Gog und Magog zum Thema haben (Hes 38-39). Der unübersehbare Bezug von Gog und Magog ist in Offb 20,8 verortet. Offensichtlich ist auch der Bezug des großen Mahles für die Vögel bei der Niederlage von Gog und seinem Heer zum Text in Offb 19,17-21. Doch schauen wir auszugsweise einige Texte genauer an, in denen für das Ende der Zeit ein großes Mahl prophezeit wurde und zu dem die Vögel des Himmels (samt den Tieren des Feldes) eingeladen werden und in denen die Niederlage von Gog und Magog vorausgesagt wurde:
- „Du Menschenkind, so spricht Gott der HERR: Sage den Vögeln, allem was fliegt, und allen Tieren auf dem Felde: Sammelt euch und kommt herbei, findet euch zusammen von überall her zu meinem Schlachtopfer, das ich euch schlachte, einem großen Schlachtopfer auf den Bergen Israels, und fresst Fleisch und sauft Blut! 18 Fleisch der Starken sollt ihr fressen, und Blut der Fürsten auf Erden sollt ihr saufen, der Widder und Lämmer, der Böcke und Stiere, all des Mastviehs aus Baschan. 19 Und ihr sollt Fett fressen, bis ihr satt werdet, und Blut saufen, bis ihr trunken seid von dem Schlachtopfer, das ich euch schlachte. 20 Sättigt euch von Rossen und Reitern, von Starken und all den Kriegsleuten an meinem Tisch, spricht Gott der HERR. 21 Und ich will meine Herrlichkeit unter die Völker bringen, dass alle Völker mein Gericht sehen sollen, das ich gehalten habe, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe. 22 Und das Haus Israel soll erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott bin, von dem Tage an und fernerhin.“ (Hes 39,17-22). Unübersehbar sind die Parallelaussagen zu den Beschreibungen in Offb 19,17-21.
- Menschenkind, weissage gegen Gog und sprich: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Gog, der du der oberste Fürst bist von Meschech und Tubal. 2 Ich will dich herumlenken und herbeilocken und dich heraufführen aus dem äußersten Norden und auf die Berge Israels bringen. 3 Und ich will dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und die Pfeile aus deiner rechten Hand. 4 Auf den Bergen Israels sollst du fallen, du mit deinem ganzen Heer und mit den Völkern, die bei dir sind. Ich will dich den Raubvögeln, allem, was fliegt, und den Tieren auf dem Felde zum Fraß geben. 5 Du sollst auf freiem Felde fallen; denn ich habe es gesagt, spricht Gott der HERR. 6 Und ich will Feuer werfen auf Magog und auf die Bewohner der Inseln, die so sicher wohnen, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin. 7 Und ich will meinen heiligen Namen kundmachen unter meinem Volk Israel und will meinen heiligen Namen nicht länger schänden lassen, sondern die Völker sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der Heilige in Israel. 8 Siehe, es kommt und geschieht, spricht Gott der HERR; das ist der Tag, von dem ich geredet habe.“ (Hes 39,1-8). Wie ähnlich klingt doch diese Prophetie mit den Aussagen in Offb 19,17-21 und 20,7-9.
- In Hesekiel 38 wird in vielen Details der globale Aufmarsch von Gog gegen Israel beschrieben. Dabei werden zwei Zeitangaben gemacht: „Zur letzten Zeit“ und „Am Ende der Zeit“ (Hes 38,8.16). Diese Zeitangaben beziehen sich offensichtlich auf die Geschehnisse in Offb 19,17-21 und 20,7-9. Der Aufmarsch von Gog mit all seinem Heer richtet sich gegen das Heerlager der Heiligen und der geliebten Stadt (Offb 20,9a). Mehr Details aus den Texten in Hesekiel 38-9 gibt es im Teil 6.3
Weiter lesen wir: „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Truppen versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinen Truppen Krieg zu führen. 20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet – der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten –, lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 21 Und die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt.“ (Offb 19,19-21).
Nun bekommt Johannes zu sehen, was er bereits durch den Engel akustisch wahrgenommen hatte. Es ist immer dasselbe siebenköpfige Tier mit seinen zehn gekrönten Hörnern (Offb 13,1). Das Tier aus der Erde als der falsche Prophet ist in diesem Kampf mit dabei, obwohl die Könige der Erde mit ihren Heeren den Kampf ausführen (Offb 19,19). Zunächst stellen wir fest, dass am Ende dieser Beschreibung der Feuersee steht, wie auch in Offb 20,10-15. Dies wäre ein Hinweis, dass es sich in Offb 19,17-21 und 20,7-15 um zwei Perspektiven desselben Geschehens handelt, und zwar um den letzten Kampf, der Auferstehung der Toten und dem sich anschließendem Gericht. Wenn dem nicht so wäre, stünde man vor der Frage: Woher kommt dann die unzählbare Menge (wie Sand am Meer in Kap. 20,8) welche unter der Bezeichnung `Gog und Magog` sowie unter der Führung des freigelassenen Drachen (Teufel) das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt umzingeln werden, wenn es am Ende von Kapitel 19 aus dem Feindesheer keinen Überlebenden mehr gibt? Die Antwort wäre: Es handelt sich bei den beiden Texten um dasselbe Ereignis, wobei in Offb 19 das Tier mit den Königen der Erde das Heer anführen und in Offb 20 steht Gog und Magog unter der Führung des Drachen. Unterstützt wird diese Sichtweise durch die Aussagen in der sechsten Zornesschale (Offb 16,12-14.16). Dort sind alle drei Machtgrößen (Drache, Tier, falscher Prophet) führend zusammen mit den Königen der gesamten bewohnten Erde im Aufmarsch zum Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen als eine einzige und globale Heeresmacht zusammengefasst. Auf ihrem Vormarsch vernichten das Tier und die Könige Babylon die große Hure (Offb 17,12-13 und 16-17), um anschließend gegen das Lamm und die mit ihm sind zu kämpfen (17,12-14). Dies führt uns wiederum zu der Aussage über den Kampf des Tieres zusammen mit den Königen der Erde gegen den König der Könige und Herrn der Herren in Offb 19,19. Denn am Ende dieses Kampfes gibt es aus dem Feindesheer keine Überlebenden. Demzufolge bilden die Ereignisse in Offb 20,1-6 keine chronologische Fortsetzung von Offb 19,21. Wozu auch soll der Drache gefesselt werden, wenn es niemand mehr zu verführen gäbe (Offb 20,3). Vielmehr schildert der kurze Abschnitt mit der Bindung des Drachen für tausend symbolische Jahre die Entwicklung der Geschichte von der Machtübernahme des Christus bis kurz vor seiner Wiederkunft (Offb 20,3b). Nähere Details dazu im sechsten Teil.
Aktualisiert am 23. Dezember 2025