Recht haben, Recht suchen – was sagt Gott dazu?

Überlegungen zu den Themen:

  • Recht haben
  • Recht suchen
  • Vergebung üben

Abbildung 1 „Rechte Waage, rechtes Gewicht, rechter Scheffel und rechtes Maß sollen bei euch sein; ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat,“ (3Mose 19,36) (Foto: 26, Januar 2016)

Wir beobachten, dass der Mensch grundsätzlich ein Gespür für Gerechtigkeit und Wahrheit hat (1Mose 3,22: „Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist“). Das ist die Ausgangsbasis für das menschliche Rechtsbewusstsein. Besonders empfindlich reagiert er, wenn seine eigenen Rechte beschnitten werden und er sucht mit recht sein Recht. Wir beobachten auch, dass jeder Mensch dieses Hohe Gut subjektiv wahrnimmt. Daher geht es oft nur mittels Vermittlung durch Psychotherapeuten, Seelsorger oder auch Anwälte und bürgerliche Gerichte.

Hier einige Grundaussagen der Bibel zum Recht und gerechtem Verhalten:

5Mose 10,17-19: „Denn der HERR, euer Gott, Er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtgebietende Gott, der die Person nicht ansieht und kein Bestechungsgeschenk annimmt, der der Waise und der Witwe Recht schafft und den Fremdling lieb hat, sodass er ihm Speise und Kleidung gibt. Und auch ihr sollt den Fremdling lieben, denn ihr seid ebenfalls Fremdlinge gewesen im Land Ägypten.“

 

Psalm 103,6: „Der HERR übt Gerechtigkeit und schafft Recht allen Unterdrückten.“

Gerechtigkeit ist eine der vielen Wesenseigenschaften Gottes, so ist Er! Entsprechend dieser Eigenschaft handelt Er selber und fordert die Menschen zu entsprechendem Handeln auf.

Psalm 82,3: „Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen lasst Gerechtigkeit widerfahren!“

Gott kann zwar selber direkt eingreifen wenn es um gerechtes Urteil zwischen Menschen geht, doch dafür bezieht er sehr oft Menschen mit ein, daher sein Aufruf, ja sogar Aufforderung an die ensprechenden Verantwortlichen, den Benachteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Lukas 18,1-8: „Er (Jesus) sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und nicht nachlassen sollte, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage (mich in Verruf bringt, meinen Ruf untergrabe). Da sprach der Herr (Jesus): Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?“

Schlussfolgerungen:

  • Es gibt immer wieder Benachteiligte (Arme, Witwen, Waisen, Fremdlinge, Alleinstehende, Arbeitslose, Kranke, Ältere, Pflegebedürftige, der Gesetze unkundige Menschen.
  • Ein Mensch darf sein Recht anhaltend suchen, auch durch Vermittlung offizieller Institutionen.
  • Im Vergleich zu Gott, handeln die Vermittlungsstellen nicht immer uneigennützig (damals wie heute). In Ost und Süd sind es offensichtliche Geschenke, Schmiergelder die weiterhelfen, in West und Nord ist es das Ansehen, Günstlingsmotive oder Hörigkeit einer höheren Instanz gegenüber.
  • Mit Fortschreiten der Geschichte, nimmt der Glaube, das Vertrauen, die Treue, die Wahrheit und Gerechtigkeit mehr und mehr ab (Mt 24,12: „Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“). Die Liebe zu Gott, zum Nächsten und auch die Liebe zur Wahrheit, die Liebe zur Gerechtigkeit.
  • Gott registriert und bewertet jede Handlung, jedes menschliche Urteil nach ihrem Wahrheitsgehalt und früher oder später kommt alles ans Licht. Er wird das Rufen der Witwe, Waise, des Unterdrückten, …, nicht überhören.

 

Doch Vorsicht beim RECHT suchen und fordern

Es sprach aber einer aus der Volksmenge zu ihm (zu Jesus): Meister, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll! Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt? Er sagte aber zu ihnen: Habt acht und hütet euch vor der Habsucht! Denn niemandes Leben hängt von dem Überfluss ab, den er an Gütern hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Feld eines reichen Mannes hatte viel Frucht getragen. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wo ich meine Früchte aufspeichern kann? Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter aufspeichern und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele (dein Leben) von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast? So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott! (Lk 12,13-21).

Es fällt auf, dass Jesus sich nicht einspannen lässt, um als Schlichter oder Erbrichter zu fungieren.

  • Es gab Orts- und Stadtgerichte oder gar den Hohenpriester, welche für diese Angelegenheiten der Bürger zuständig waren. Das heißt in kein fremdes Amt eingreifen. (In einem Sprichwort heißt es: „Was nicht deines Amtes ist, da lass deinen Vorwirtz“).
  • Es gab Vorschriften im Mosaischen Gesetz, wonach das Erbe geregelt wurde (zum Beispiel in 5Mose 21,16-17; 4Mose 27,7). Es gibt bürgerliche Gesetze, nach denen in unserem Land die verschiedenen Rechtsfragen geregelt werden können.

Der Kläger, Bittsteller in der von Jesus geschilderten Geschichte hatte, laut der Zurückhaltung von Jesus zwei Möglichkeiten:

  1. Er geht zum amtierenden Richter seiner Stadt, sucht sein Recht per Gesetz. Dabei riskiert er seine Beziehung zu seinem Bruder.
  2. Er verzichtet auf sein Recht (oder vermeintliches Recht), lässt seinen Anspruch fallen, nimmt materielle Einbußen in Kauf, hat aber ein reines Gewissen und seinerseits eine unverletzte Beziehung zu seinem Bruder bewahrt. Er hält dem Bruder die Tür offen, sich nach Einsicht bei ihm zu entschuldigen und freiwillig den Ausgleich zu gewähren.

Da Jesus das Herz dieses Mannes kannte, bzw. den Wahrheitsgehalt, die Motivation welche hinter der Forderung an seinen Bruder standen, bekommt er und auch die anderen Zuhörer die oben zitierte Geschichte zu hören. Übrigens führen gerade Erbangelegenheiten unter den Nachkommen häufig zu Streitigkeiten und Entzweiungen. Da ist abzuwägen, was einem Wertvoller ist. Das Recht – etwas mehr Hab und Gut, oder der Verzicht – dafür mehr Ruhe und Frieden.

 

Schprichwörter mit Wahrheitsgehalt:

  • Genaue Rechnung, lange Freundschaft
  • Da wo`s ums Geld geht, hört die Freundschaft auf
  • Habgier ist die Wurzel für jedes Übel
  • Was der Mensch sät, das wird er auch ernten
  • Unrecht Gut gedeiht nicht

 

Vergebung – was bedeutet das?

 

Jeder Mensch macht sich im Laufe seines Lebens schuldig:

  • Schuldig an sich selbst (seinem Körper, Seele, Geist) durch falsche oder ungesunde Ernährung, unausgewogenen Lebensstil in Arbeit und Erholung. Ungesunde Lektüre, Medien, schlechter Umgang (Sprichwort: „sag mir mit wem du umgehst, dann sage ich dir, wer du bist“).
  • Er macht sich schuldig an anderen Menschen (Eltern, Ehepartner, Kinder, Mitschülern, Kollegen, Nachbarn) durch seinen Egoismus, Rechthaberei, Machtmissbrauch, bis hin zu psychischer oder auch physischer Gewalt. Viele von diesen Verschuldungen werden öffentlich geahndet, das meiste jedoch kommt nicht ans Licht. Einiges an Verschulden wird bagatellisiert und ist hoffähig geworden (hat seine Akzeptanz in der Gesellschaft).
  • Die Schuld hat zwei Seiten: Aktives, bewusstes Unrecht tun, das heißt – ein Verbot missachten und das offensichtliche und bewusste Versäumen das Gute zu tun, das heißt ein Gebot nicht erfüllen (zum Beispiel unterlassene Hilfeleistung).
  • Will man eigenes Verschulden gegen erlittenes Unrecht aufrechnen (aufwiegen), käme man nie zu einem befriedigenden Ausgleichs-Ergebnis.
  • In der bürgerlichen Gesetzgebung (die teilweise dem Gesetz Moses entnommen ist) liegt der Gedanke der Vergeltung (der Höhe der Schuld entsprechender Ausgleich) zu Grunde (Zurückzahlen, Wiedererstatten oder büßen, abbüßen durch Entzug der Freiheit). Dies trägt zur Eindämmung der Ungerechtigkeit bei. Doch dadurch wird das eigentliche Problem im Herzen eines Menschen keineswegs gelöst.

Da kommt das Prinzip der Vergebung zu Hilfe. Das deutsche Wort `Vergebung` hat grundsätzlich etwas mit Schulden-Tilgung zu tun. Das altgriechische Substantiv dafür ist `ἄφεσις – afesis` und meint `Erlassung, Tilgung, Löschung von Schuld(en) (Mt 6,12; 18,23-35; Eph 1,7). Der größte Schuldentilger ist Gott selbst. Auf der einen Seite ist er als der Gerechte Gott sogar verpflichtet, den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, auf der anderen Seite hat er aus Liebe und Erbarmen dem Menschen dessen Schuld(en) auf seinen Sohn gelegt und Jesus war bereit diese Lasten auf sich zu nehmen (Jes 53,5-6: „Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.“) Dieser Entschluss und diese Tat kostete ihm sein physisches Leben durch Kreuzigung (das ist die Botschaft von der Krippe und dem Kreuz zugleich). Auf diese Weise bleibt Gott gerecht (Jesus trägt die Schuld und Strafe für alle Vergehen der Menschen) und Er hat legalen (also juristischen Grund) um dem verschuldeten Menschen Gnade vor Recht ergehen zu lassen, also seine Schuld zu tilgen. Er verbürgte sich bereits vor dem Kommen des Christus/Retters und Erlösers und lies durch den Propheten Jeremia sagen:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. (Jer 31,31-33; vgl. auch Matthäus 26,26-28; Hebräer 10,16-18).

 

Was er im Abendmahl (Brot und Kelch) vorgebildet hatte, wurde wenige Stunden danach durch die Hingabe seines Lebens als Opferlamm rechtskräftig und wirksam (so wie es auch in der menschlichen Praxis ist – das Erbdokument, der Nachlass tritt erst mit dem Tod des Erbstifters in Kraft).

Die Qualität der Vergebung von Gott ist auch darin zu erkennen, dass er an die durch ihn getilgte Schuld nicht mehr denken wird.

 

Drei Abschlussgedanken:

  1. Jeder Mensch der sich benachteiligt weiss, hat das Recht, sein Recht zu suchen, dafür unablässig zu Gott zu rufen und die entsprechenden Personen oder Instanzen anzurufen.
  2. Jeder Mensch sollte seine inneren, oft tief verborgenen Motive, Beweggründe und Ziele die er verfolgt, sorgfältig prüfen. „Nicht jeder Zweck heiligt die Mittel“, welche Menschen bei der Suche nach ihrem Recht anwenden.
  3. Wo immer ein Mensch aus Gnade Vergebung übt (auch zu seinem eigenen Nachteil Schulden erlässt) handelt er Gott-ähnlich, er fängt an, Gott in seiner Art zu erkennen. Er befreit andere und bekommt tiefen Frieden in sein Herz, seine Seele. Jemandem, dessen Schuld hinterhertragen ist auch nicht leicht, es raubt Kraft und Energie, die an anderer Stelle sehr gut oder besser eingesetzt werden könnte.

 

Fragen / Aufgaben:

 

  1. Wann und in welchem Lebensbereich wurde dir dein Recht versagt und wie empfandest du dabei?
  2. Wo hast du dein Recht gesucht und auch bekommen? Was war da deine Reaktion?
  3. Wie gehst du damit um, wenn dir Unrecht zugefügt wird, du verletzt wirst? Was für Erfahrungen hast du mit dem Vergeben gemacht?
  4. Wie viel und wie oft meinst du, wurde dir vergeben?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Audio-Predigten zu diesem und weiteren Themen finden sie auf der Homepage: „http://gego-buechenbronn.de/ und auf der Homepage: http://gottesgeheimnis.net/

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