Jesus feiert das letzte gültige Passamahl mit seinen Jüngern

 

Das letzte Passamahl, welches Jesus mit seinen 12 Jüngern feierte, wird in allen vier Evangelien beschrieben (Mt 26,17-35; Mk 14,12-31; Lk 22,7-38; Joh 13,1-30; 13,31-17,26). Es ist einen Versuch wert, anhand aller vier Evangelientexte eine ungefähre Abfolge der einzelnen Geschehnisse während dieses Abends festzustellen und zu beschreiben. Bei Jesus hatten Taten und Worte ihren genauen zeitlichen und geographischen Platz. Auch war bei ihm weder Überflüssiges noch fehlte etwas.

Abbildung 15 Das Schlachten eines einjährigen, fehlerlosen Lammes erinnerte an die Erlösung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens (Zeichnung: 22. Oktober 2016).

Der Evangelist Lukas schreibt: „Es kam aber der Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm geschlachtet werden musste. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passahmahl, dass wir es essen! Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir es bereiten?Er aber sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Folgt ihm in das Haus, wo er hineingeht! Und ihr sollt zu dem Herrn des Hauses sagen: Der Lehrer sagt dir: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passahmahl essen kann? Und jener wird euch einen großen, mit Polstern ausgelegten Obersaal zeigen. Dort bereitet! Als sie aber hingingen, fanden sie es, wie er ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passahmahl.“ (Lk 22,7-13).

Nach den Berechnungen der oben aufgeführten Jahresübersicht, wäre als Todesjahr von Jesus das Jahr 33 (1. Jh.) anzusetzen, weil in dem Jahr der 14. Nisan auf einen Freitag fiel, so in Lukas 23,54: „Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an.“ (so auch: Mk 15,42: Joh 19,31). Der Rüsttag war der Vorbereitungstag auf den Sabbat (gr. paraskeuh,j – paraskeu¢s – Freitag). Dazu vermerkt der Evangelist, dass dieser Sabbat ein großer Festtag war, weil ihm der Passatag voranging (Joh 19,31). Demnach fand die letzte Passafeier von Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend statt. Dies war der Abend, welcher nach biblischer (auch jüdischer) Tagesdefinition den Beginn des sechsten Tages der Woche markierte (1Mose 1,31: „Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.“). Die Feier begann nach Sonnenuntergang, so in Matthäus 26,20: „Als es aber Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen zu Tisch.“ (Zu Abend vgl.: Mt 8,16 mit Mk 1,32: „Als aber die Sonne untergegangen war“).

Nach Johannes 18,28 hatten die Hohenpriester vorgehabt das Passalamm im Laufe des Tages (Freitag) zu essen. Laut den Texten der Evangelisten Lukas (22,7) und Markus (14,12) aß Jesus das Passalamm mit seinen Jüngern bereits am Vorabend seiner Hinrichtung. Der 1. Tag der ungesäuerten Brote begann laut 3Mose 23,5-6 am 15. des  ersten Monats. Nach den Berichten der synoptischen Evangelien fällt der 1. Tag der ungesäuerten Brote bereits auf den Abend des 14. Abib / Nisan, entsprechend der ursprünglichen Anordnung aus 2Mose 12,8: „Das Fleisch aber sollen sie noch in derselben Nacht essen, am Feuer gebraten, und dazu ungesäuertes Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.“ Wie oben festgestellt, fiel  der 14. Nisan in dem Passionsjahr auf einen Freitag (www.Kaluach.org). Dieser 14. Nisan (3. April 33) begann bereits am Donnerstagabend. Die Passalämmer wurden demnach nicht nur erst am Freitag (tagsüber oder nachmittags) geschlachtet und gegessen wie es die Hohenpriester vorhatten zu tun (Joh 18,28), sondern auch bereits am Vorabend. Somit wäre begründet, dass Jesus an seinem letzten Abend zusammen mit seinen Jüngern das Passalamm vorschriftsmäßig gegessen hatte. Anscheinend war es aus praktischen Gründen für die vielen Menschen in Jerusalem nicht möglich, dass alle zur gleichen Stunde das Passalamm essen konnten, sondern der gesamte 14. Tag dafür nötig war. Zwischen Beginn und Ende des sechsten Tages (Nacht/Tag) geschah folgendes:

  • das Passamahl,
  • die Diskussion unter den Jüngern, wer denn der Grßte wäre,
  • die Fußwaschung,
  • das Gespräch über den Verräter,
  • die Bundesstiftung in dem Herrenmahl,
  • die Vorhersage der Verleugnung durch Petrus,
  • die letzten Reden von Jesus (Joh 14-17),
  • das Gebet in Gethsemane,
  • der Verrat des Judas und die Festnahme in Getsemane,
  • das Verhör bei Hannas und die Verleugnung des Petrus,
  • das Verhör vor dem Hohen Rat, vor dem Statthalter Pilatus und vor Herodes,
  • die Verurteilung durch Pilatus,
  • die Kreuzigung und Grablegung.

Alle drei synoptischen Evangelien berichten, dass das Passamahl in einem Haus in Jerusalem stattfand. Dieses Haus war zweistöckig und hatte einen großen, mit Polstern ausgelegten Raum im oberen Stockwerk (Mt 26,17-19; Mk 14,12-15; Lk 22,7-13). Diese Schlussfolgerung leitet sich ab aus der Detailbemerkung `großer Obersaal – gr. anaga,ion – anagaion`. Im Erdgeschoß befanden sich demnach die üblichen Wohn,- und Wirtschaftsräume der Familie. Das Passalamm musste vorschriftsmäßig im Tempelbereich gekauft und geschlachtet werden (5Mose 14,24-26; Esra 6,19-22). Von dort trugen die zwei Jünger es in das Haus, bzw. den Hof des Hauses, dort wurde es (unzerlegt) am Feuer gebraten. Auch die ungesäuerten Brote mit den bitteren Kräutern wurden vorbereitet. Getrunken wurde vom Gewächs des Weinstocks, vermutlich war es Wein (Lk 22,17-18). In den Anweisungen aus 2Mose 12,1-8 ist kein Getränk erwähnt, doch für einige Opfer war Wein als Trankopfer vorgeschrieben (2Mose 29,40).

Der Evangelist Matthäus schreibt: „Als es aber Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen zu Tisch.“ (Mt 26,20; ähnlich auch Mk 14,17). Der Evangelist Lukas präzisiert: „Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm.“ (Lk 22,14). Auch hat Lukas die einleitenden Worte von Jesus zu diesem Abend festgehalten: „Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt (mich hat sehr danach verlangt), dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich es gewiss nicht mehr essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes.“ (Lk 22,15). Mit diesen einleitenden Worten macht Jesus deutlich, dass es für ihn ein besonderes Mahl ist und zwar weil ihm das bereits mehrmals vorausgesagte Leiden bevorstand. Der Ausgang dieses Mahles wird ganz anders sein als alle Passafeste bis dahin. Natürlich waren die Gedanken und Blicke der Jünger auf das vor ihnen liegende Passalamm gerichtet. Und auch dieses Passalamm erinnerte sie an die Erlösung Israels durch das Blut der Lämmer und Errettung durch den mächtigen Arm Gottes aus der Knechtschaft Ägyptens – der Blick war also nach hinten gewandt. Mit seinen verschlüsselten Worten lenkt Jesus sie in die nahe Zukunft. Lukas schreibt weiter: „Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch! Denn ich sage euch, dass ich von nun an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt.“ (Lk 22,17-18). Dieser erste Kelch, den Jesus seinen Jüngern gleich zu Beginn des Mahls reichte, ist im Zusammenhang des Passamahls zu sehen. Erst später nach der Mahlzeit reicht Jesus den Kelch zur Bundesstiftung  (Lk 22,20: „Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl (…)“. Damit schließt Jesus die erste und vorübergehende Einrichtung der Heilsordnung ab und weist auf die neue Sphäre des Reiches Gottes hin, die in Kürze Realität werden soll. Die lebensnotwendige Speise und Getränk wird im Reich Gottes von anderer Beschaffenheit sein (Joh 4,13-14; 6,30-51)

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