III. Jesus – der Knecht Gottes

Immer tiefer steigt Jesus hinab in das Tal der Selbsterniedrigung. Der Knecht-Stand ist bekanntlich der niedrigste in der sozialen Staffel unter den Menschen. So musste oder wollte Jesus auch in diesem Stand den Menschen ähnlich werden.

Der Prophet Jesaja (ca. 700 v. Chr.) schreibt als erster von diesem Stand des Messias. So lesen wir in Kapitel 42,1 wie Gott sich in besonderer Zuneigung an seinen Knecht wendet.

Siehe, das ist mein Knecht (LXX: παιςpais) – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

Da Jesaja 42,1ff in Matthäus 12,18ff zitiert und eindeutig auf Jesus bezogen wird, ist der Bezug zum Messias/Christus eindeutig hergestellt. Der von Gott mit dem Heiligen Geist Gesalbte und Bevollmächtigte, nimmt Knechtsgestalt an. Im Text heißt es: „Mein Knecht“, – der Knechtsbezug ist zu Gott hin ausgerichtet, ihm allein ordnet er sich unter. Doch sein Dienst geschieht an und für die Menschen.

 

Begriffserklärung:

  • δούλος – doulos – Sklave, Leibeigener, der niedrigste soziale Stand ohne eigene Rechte, ohne Selbstbestimmung.
  • πάις, πάιδα – pais paida – Hausknecht (gelegentlich auch ´Junge´ im Teenalter) sonst Knecht mit eingeschränkten Rechten und eingeschränkter Selbstbestimmung.
  • διάκονος – diakonos – Diener, sehr oft auch Tischdiener.
  • υπηρέτης – yp¢ret¢s – Diener, Helfer, Begleiter in freiwilliger Verpflichtung.

Der Prophet Jesaja schrieb Gottes Worte in Bezug auf den umfassenden Dienst des Gottesknechtes in Kapitel 49,5-6 auf. Dort lesen wir:

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht (LXX: παιδά μουpaida mou) bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde, – darum bin ich vor dem HERRN wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke -, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht (παιδά μουpaida mou) bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil (Rettung) bis an die Enden der Erde.

Der Apostel Paulus zitiert diese Prophezeiung des Jesaja in der Synagoge im Pisidischen Antiochia (etwa im Jahr 45 n. Chr.) und bezieht sie auf Jesus (Apg 13,47). Damit erstreckt sich der Rettungsdienst des Gottesknechtes auf alle Nationen, beginnend mit Israel. Und in Jesaja 52-53 wird der Gottesknecht in der Vielfalt seines Dienstes und der Hingabe an sein Volk durch Erniedrigung, Leiden und Sterben, aber auch in seiner Erhöhung, detailiert beschrieben. Wir lesen auszugsweise:

Siehe, meinem Knecht (πάις μουpais mou) wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. (Jes 52,13). Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht (δούλος μουdoulos mou), der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. (Jes 53,11).

Im Gespräch mit dem Äthiopischen Schatzmeiser bezieht der Evangelist Philippus diese Prophezeiungen über den Dienst des Gottesknechtes aus Jesaja 53 eindeutig auf Jesus (Apg 8,28-35).

Auch der Prophet Sacharia (ca. 520 v. Chr.), der in der Zeit des Wiederaufbaus des Tempels in Jerusalem wirkte, macht eine Aussage über den kommenden Knecht Gottes:

Höre nun, Jeschua, du Hoherpriester: Du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen; denn siehe, ich will meinen Knecht (LXX: δούλονdoulon), »den Spross«, kommen lassen (aufgehen lassen). (Sach 3,8). Der Spross ist eindeutig der Messias. An mehreren Stellen in den Propheten wird der kommende Messias/Retter ´Sproß´genannt (Ps 132,17;  Jer 23,5.15). Der Apostel Paulus zitiert einen Text aus Jesaja 11,10 und bezieht ihn ebenfalls auf Jesus:

Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.« (Röm 15,12). Isai oder auch Jesse genannt, war der Vater von David dem späteren König Israels. Damit wird zum wiederholten Male hervorgehoben, dass der Dienst des Gottesknechtes sich nicht auf Israel allein beschränkt, sondern sich auf alle Nationen bezieht und zwar in der Reihenfolge – zuerst Israel, dann alle anderen Völker.

Auch die erste Christengemeinde in Jerusalem bezeichnet (in ihrem öffentlichen Gebet) Jesus  als den heiligen Knecht:

Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht (πάιδαpaida) Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels. (Apg 4,27; Ps 2,1f; Jes 42,1).

Der Apostel Paulus sieht den Dienst von Jesus in seiner tiefsten Erniedrigung (Knechtsgestalt) wie in dem Status eines Sklaven.

Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an (nahm die Gestalt eines Sklaven – ´δούλοςdoulos´ an), ward den Menschen gleich (ähnlich) und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. (Phil 2,6-7).

Jesus selbst beschreibt seinen Stand als Diener und zwar nicht nur als Tischdiener, sondern der sein Leben freiwillig  dahingibt als Lösegeld für viele.

Abbildung 4 Jesus ist der Tischdiener und macht so die Gemeinschaft möglich. Er wäscht seinen Jüngern die Füße und stellt sich somit zum Sklavendienst bereit (Zeichnung von J. S.).

„Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener (wie der Dienende – ο διακονώνo diakonön). (Lk 22,27). Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene (διακονήσαιdiakon¢sai) und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. (Mk 10,45; Vgl. mit Mt 20,28).

Dementsprechend und dem Beispiel Jesu folgend, nennen sich auch die Apostel und Mitarbeiter am Evangelium ´Diener, Knechte oder sogar Sklaven´ Gottes oder des Christus (Röm 1,1;  2Kor 3,6;  Pjil 1,1;  Kol 4,12;  Tit 1,1;  2Petr 1,1;  Judas 1;  Offb 1,1).

 

Jesus – Gottes Sohn, wurde Mensch und als Mensch erniedrigte Er sich selbst zum Knecht, Sklaven und Diener, darum erhöhte ihn Gott der Vater zum Herrn über alle und alles !

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Mit welchen Bezeichnungen wird die demütige Haltung von Jesus und sein Dienst in Erniedrigung  beschrieben? In welchen Lebensbereichen wurden diese im damaligen Kontext angewendet?
  2. Wo ist Jesus Diener, wo Knecht, wo sogar Sklave?
  3. Was geschieht, wenn Leiter und Pastoren den Diener-Stand verlassen?
  4. Welche Auswirkungen hat das Vorbild von Jesus auf seine Nachfolger?
  5. Inwieweit behält Jesus diese Diensteigenschaften auch für die Ewigkeit?
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2. Jesus – der Menschensohn

2. Jesus – der Sohn des Menschen

Abbildung 1 Die Krippe sollte den Hirten als Zeichen dienen für die Geburt des Messias (Foto: 18. Januar 2015). So schreibt der Ev. Lukas: „Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Lk 2,10-12).

Seit dem Sündenfall (1Mose 3,1-14) ist das Streben des Menschen nach oben ausgerichtet – zu sein wie Gott. Und seit der Zeit offenbarte Gott nach und nach, wie er sich vorgenommen hat zum Menschen herab zu kommen (Mensch zu werden).

2.1 Die Entfaltung der Gottesgedanken und die Hoffnung der Menschen auf einen Retter

Schon in 1Mose 3,15 (dem sogenannten Protoevangelium – die erste Gute Nachricht) gibt Gott den ersten Hinweis auf das Kommen eines Retters. Dort wendet sich Gott an die Schlange, hinter der der Diabolos, der Durcheinanderbringer steht, mit den Worten:

Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir (der Schlange) und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (Elbf: „er wird dir den Kopf zermalmen und du wirst ihm die Verse zermalmen“).

  1. Vorbemerkung: Es fällt geradezu auf, dass in diesem Zusammenhang der Mann (Adam) gar nicht erwähnt wird. Liegt nicht bereits hier verborgen, dass der verheißene Retter als Menschensohn nur durch die Frau und ohne direkte Mitwirkung des Mannes, in diese Welt hineingeboren werden wird? Aus neutestamentlicher Sicht ist der Nachkomme der Frau eindeutig Jesus Christus, wie der Apostel Paulus in Galater 4,4-5 eutlich macht: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau.“
  2. Vorbemerkung: Welches symbolhafte Tierwesen oder einzelne Person, bzw. Geistwesen hinter dem Nachkommen der Schlange vermutet werden könnte, ist eine eigene Studie Wert, Weil sie nicht direkt zu diesem Thema gehört, wird darauf in dem Artikel unter der Überschrift „Der Antichrist – wer ist er und wann kommt er“ näher eingegangen (Webseite: http://gottesgeheimnis.net/2014/10/18/antichrist-wer-ist-das/).

Eva und Adam warteten im Glauben auf diesen verheißenen Nachkommen, der den Feind endgültig besiegen wird.

Abbildung 2 Kinder sind eine Gabe der HERRN und Leibesfrucht ist ein Geschenk“ (Ps 127,3). Gott hat ein besonderes Auge auf Kinder. Ist nicht auch in dieser besonderen Aufmerksamkeit Gottes sein geliebter einziger Sohn eingeschlossen, der als Menschen-Kind in diese Welt hineingeboren werden sollte? (Zeichnung von J. S. 23. Januar 2015).

Diese Verheißung Gottes hegten die ersten Menschen sorgfältig, sie hofften und warteten auf den versprochenen Nachkommen. Wir lesen in 1Mose 4,1: „Und der Mensch (Adam) erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger und gebar Kain; und sie sagte: Ich habe einen Mann hervorgebracht (erworben) mit dem HERRN.“ Gut möglich, dass Eva bereits in ihrem Erstgeborenen den von Gott verheißenen Nachkommen sah. Doch er war es nicht und so handelten Eva und Adam weiter im Glauben und in der Hoffnung. Sie übermittelten die Verheißung weiter an ihren Sohn Seth und ihren Enkel Enosch. So lesen wir in 1Mose 4,25-26:

Adam erkannte abermals seine Frau, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set (Ersatz); denn Gott hat mir, sprach sie, einen andern Sohn gegeben für Abel, den Kain erschlagen hat. Und Set zeugte auch einen Sohn und nannte ihn Enosch. Zu der Zeit fing man an, den Namen des HERRN anzurufen.

Auch bei der Geburt des Noah erinnerte man sich an das Versprechen Gottes, einen Retter zu senden. So lesen wir in 1Mose 5,28-29: „Lamech war 182 Jahre alt und zeugte einen Sohn und nannte ihn Noah und sprach: Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.“ Und auf eine ungewöhnliche Weise wurde Noah zum Retter seines eigenen Hauses, wie später der Autor des Hebräerbriefes erklärt:

Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt. (Hebr 11,7).

Doch erst bei Abraham erinnert Gott ausdrücklich an seine Verheißung und zwar im Zusammenhang mit dessen Glaubenstat, der Opferung seines einzigen Sohnes Isaak (1Mose 22,1-17). So hat Gott Abraham in seine Pläne einbezogen, gab ihm Isaak wieder zurück und verhieß ihm einen bestimmten Nachkommen mit den Worten: „Und durch dein Geschlecht (gr. εν τω σπέρματί σουen tö spermati sou in deinem Samen, Nachkommen  (im Singular)) sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast.“ (1Mose 22,18).

In dem Zusammenhang mit der Verheißung an Abraham macht Gott deutlich, dass Er das Kommen des Retters, wie er es der Eva verheißen hatte (1Mose 3,15) in ein konkretes familiäres Gefüge stellt. Die Linie zu dem Nachkommen verläuft nun über Abraham, Isaak, Jakob, Juda, David, Serubbabel, Josef, sozusagen als juristische Träger der Verheißung und des Verheißenen. Durch die Offenbarung des Heiligen Geistes, macht der Apostel Paulus deutlich, dass der bestimmte Nachkomme Abrahams – Christus sei.

So lesen wir in Galater 3,16: „Nun sind die Verheißungen Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: »und den Nachkommen«, als wären viele gemeint, sondern es gilt einem: »und deinem Nachkommen« (1. Mose 22,18), welcher ist Christus.“  Diese juristische Zuordnung der Abstammung des verheißenen Retters hebt der Evangelist Matthäus am Anfang seines Evangelienberichtes hervor wenn er schreibt: „Buch des Ursprungs ((gr. γενέσεωςgeneseös  – Abstammung, Herkunft, Geburt, Geschichte) Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Die einleitenden Worte des Evangelisten: `βίβλος γενέσεωςbiblos geneseös  – Buch der Geschichte`, umfassen weit mehr als nur den Anfang, die Geburt, oder die Herkunft, den Stammbaum. Es ist die Überschrift des gesamten Matthäusevangeliums – das Leben und Lebenswerk von Jesus Christus.

Der Evangelist Lukas führt die menschliche Abstammungslinie von Jesus rückwärts gewandt über Josef, Serubbabel, David, Abraham und bis Adam (Lk 3,23-36). Damit wird die menschliche Herkunft und die juristische Einordnung des Menschensohnes in der Menschheitslinie hervorgehoben. Wichtig für den Evangelisten Matthäus war auch, die natürliche, bzw. gesetzmäßige Abstammung des Menschensohnes vom Hause David abzuleiten. Denn Gott verhieß dem David durch den Propheten Nathan: „Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich.“ (2Sam 7,12-13).

Abbildung 3 Die heutige Stadt Nazareth in Südgaliläa mit überwiegend arabisch-christlicher Bevölkerung ist Anziehungspunkt für die meisten Pilger, welche aus aller Welt nach Israel (Palästina) kommen (Foto: Juli 1994).

Und der Ev. Lukas berichtet von der Botschaft des Engels Gabriel an Maria, in der an die Verheißung, die Gott dem David gab, angeknüpft wird. So schreibt er: Und im sechsten Monat (der Schwangerschaft der Elisabeth) wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau (gr. παρθένος parthenos), die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?  

Abbildung 4 Die römisch-katholische Verkündigungskirche in Nazareth. Die Ursprünge des Kirchenbaus an dieser Stelle gehen in das 4. Jh. zurück in Erinnerung an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die früheren Kirchengebäude wurden durch Eroberungen und auch Erdbeben immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Basilika stammt aus dem Jahre 1955 (Foto: Juli 1994).

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,26-33).

Der Ev. Matthäus schreibt in seinem Evangelien-Bericht über das Kommen des Menschensohnes in diese Welt folgendes: Mit dem Ursprung (gr. γένεσιςgenesis  – Anfang, Beginn, Entstehung, Geburt) Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden (gr. εν γαστρί έχουσαen gastri echousa im Mutterschoß habend) von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte (gr. γεννηθένgenn¢then) ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären (gr. τέξεταιtexetai), und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden. (Mt 1,18-21 – Elbf.).

2.2  Gottes Sohn wird Menschensohn

Folgende Aspekte werden aus den Evangelien-Texten ersichtlich und erhellen unser Thema:

  1. Der Engel Gabriel ist ein himmlischer Bote (ἄγγελος – angelos), von Gott ausgesand zur Überbringung wichtiger Borschaften (Dan 8,16.17.21; für Daniel; Lk 1,19: für Zacharias; 1,26: für Maria). Er ist für die Menschen im jüdischen Kontext (Zacharias und Maria) bereits ein vertrauenswürdiger himmlischer Bote. Auch Josef wird durch einen Engel, der sich nicht namentlich vorstellt, im Traum aufgefordert zu handeln.
  2. Die Erscheinung des Engels und das Gespräch mit Maria wird räumlich lokalisiert. Die Stadt in Galiläa heißt Nazareth. Wie in Israel üblich, lebten die Töchter bis zu ihrer Heirat im Haus ihrer Eltern. Josef dagegen als Mann war von seinem Geburtsort weggezogen und arbeitete in Nazareth als Baumeister.
  3. Im Zusammenhang der Menschwerdung des Sohnes Gottes war es wesentlich, dass der verheißene Retter von einer Jungfrau geboren wird. Daher ist es hier angebracht, auf den Inhalt und Bedeutung der beiden griechischen Begriffe, welche den Status der Maria beschreiben, einzugehen.

Erstens: Maria wird mit dem griechischen Begriff `παρθένος parthenos` bezeichnet. In insgesamt sieben Texten des Alten Testamentes der LXX (die griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes) wurde der hebräische Begriff `almah` mit `παρθένος parthenos – Jungfrau` übersetzt (1Mose 24,43 (16); 2Mose 2,8; Psalm 68,26; Hohelied 1,3; 6,8; Spr 30,19: Jes 7,14. Warum das, wenn doch der Begriff `ha almah` einfach nur `junge Frau` bedeutet? Zum einen können wir den jüdischen Übersetzern zutrauen, dass sie wohl wussten, was sie taten, schließlich waren sie unvoreingenommen, im Gegensatz zu den heutigen Kritikern des Neuen Testamentes. Zum anderen ist in der Tat aus keiner der sieben Stellen ersichtlich, dass es sich bei der Bezeichnung `ha almah` um bereits verheiratete junge Frauen handelt oder gar um junge Frauen, die bereits außerhalb einer Ehe sexuelle Beziehungen hatten, also nicht mehr jungfräulich gewesen wären.

Denn nach dem Mosaischen Gesetz war die Jungfräuligkeit des Mädchens sowohl für sie selbst, ihren Vater und den zukünftigen Ehemann ein hohes Gut (5Mose 22,13-21). Dafür beschreibt dort der Begriff ´παρθένια – parthenia´ eindeutig und unmissverständlich den Zustand eines heiratsfähigen Mädchens oder Verlobten, das noch jungfräulich ist. Daher ist es naheliegend, dass der Begriff `παρθένος parthenos` auch in den Texten des Neuen Testamentes dieselbe Bedeutung hat, nänlich die `Unberührtheit` eines Mädchens oder Verlobten (Lk 1,26; Mt 1,18-25; 25,1.11; Apg 21,9; 1Kor 7,25.28.34.36.37.38; und bezogen auf die Gemeinde, als Braut des Christus: 2Kor 11,2; Offb 14,4).

Zweitens: Maria war dem Josef rechtskräftig verlobt oder vertraut (μνηστευθείσης ) aber es fiel weder ihr noch Josef ein, vor der Ehe, also vor der Heirat, miteinander sexuell zu verkehren. Hätte Gott sexuellen Verkehr zwischen Verlobten (oder sogar zwischen befreundeten) Menschen freigegeben, hätte die Jungfrauengeburt von Jesus durch Maria nie und nirgendwo Glauben gefunden. Gott sind seine Werke von Anfang an bekannt, er ist weise und hat der Frau und damit der Maria eine wunderbare Sicherheit für ihre Würde und einen Beweis der Unberührtheit gegeben. Gott sei gelobt für diese weise Schöpfungsordnung!

Und so ist es auch selbstverständlich, dass Maria als `Jungfrau` den Engel Gabriel fragt: „Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß (gr. ἄνδρα οὐ γινώσκωandra ou gnöskö – keinen Mann erkenne)?“ Zweitens: Obwohl bereits dem Josef verlobt `ἐμνηστευμένην – emn¢steumen¢n`, bekennt sich Maria eindeutig zu ihrer Jungfräuligkeit (Lk 1,34), denn das griechische Verb für `erkennen` meint im physisch-körperlichen Bereich zunächst Geschlechtsverkehr, so zum Beispiel: „Und Adam erkannte (ἔγνω – egnö) seine Frau Eva, und sie ward schwanger (…).“ (1Mose 4,1). Dass Maria zum Zeitpunkt des Engelbesuches dem Josef verlobt war, bestätigt auch der Evangelist Matthäus (Mt 1.18).

Durch die Verlobung war Maria formal-juristisch dem Josef als Frau zugesprochen. Wie die Detailvorschriften aus 5Mose 22,16-21 deutlich machen, standen verlobte Mädchen unter größerem Schutz als noch nicht Verlobte. Die sexuellen Übergriffe auf verlobte Mädchen wurden hart geahndet. Daher konnte die Schwangerschaft für Maria schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

4. Die Antwort des Engels ist klar, aber auch ganz ungewöhnlich, ja sie enthält übernatürliche Vorgänge: „Der Heilige Geist wird über (auf) dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das werdende Heilige (gr. γεννώμενον αγίονgennömenon agion das Heilige, das geboren werden wird), Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,34-35). Auch im Bericht des Ev. Matthäus wird die Schwangerschaft der Maria ausdrücklich dem Heiligen Geist zugeschrieben: „Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen (πρὶν συνελθεῖνprin ¢ synelthein), dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.“ (Mt 1,18).

Abbildung 5 Das unendliche Blau des Himmels erinnert an die himmlische Sphäre, von der aus sich Gott im Laufe der Geschichte den Patriarchen, Mose, Samuel, David, den Propheten, aber auch der Maria in Nazareth offenbart hat (Foto: 6. November 2014: Wadi Rum im Süden von Jordanien).

Für diese ungewöhnliche Zeugung fand der Evangelist eine alttestamentliche Prophezeiung aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen.“ (Jes 7,14). Diese Prophezeiung ist wie viele alttestamentliche Aussagen Doppeldeutig. Das Zeichen, dass eine `junge Frau` schwanger wird, bezog sich zuerst auf Jesajas Zeitgenossen Ahas und das Volk Juda. Der hebräische Begriff `hm’l.[;h‘ ha±almah` bedeutet, wie bereits oben beschrieben, allgemein: die `junge Frau im heiratsfähigen Alter`, kann aber auch die weibliche Person bezeichnen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte (was in Israel die Regel war).

So konnte es kommen, dass zur Zeit Jesajas und Ahas eine Jungfrau von einem Mann geheiratet wurde und entsprechend auf menschlich-natürliche Weise schwanger wurde. Und nach der Geburt gab man dem Kind den Namen `Immanuel` (Jes 7,14; 8,8). Aber wie viele andere Verheißungen des Alten Testamentes barg auch dieses für Israel  besondere `Namens-Zeichen` eine noch in der Zukunft liegende Erfüllung. Bei der Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes in die griechische Sprache wurde gerade auch an dieser Stelle der Begriff `parqe,noj – parthenosJungfrau` gewählt.

Wenn also im Jesaja-Text nicht explizit gesagt wird, wie oder durch wen die Jungfrau zur Zeit des Jesaja und Ahas schwanger wird, so betonen beide neutestamentliche Evangelisten, dass Maria als `Jungfrau` durch das Wirken des Heiligen Geistes schwanger wurde. Geleitet durch den Heiligen Geist sieht der Evangelist Matthäus in der Jesaja-Stelle eine gewisse Parallele zu den Ereignissen seiner Zeit. Das der verheißene Retter `Immanuel – Gott mit uns` genannt werden soll, hebt nicht nur Gottes Gegenwart zur Zeit des Königs Ahas hervor, sondern weist auch im Besonderen auf die einzigartige und bis dahin nie dagewesene Gegenwart Gottes unter seinem Volk in der Person des Messias-Jesus (Lk 7,16: „Gott hat sein Volk besucht.“).

ANMERKUNG: Kritiker des Neuen Testamentes behaupten, dass Götter und Söhne von Göttern in der heidnischen Antike auf ähnliche Weise geboren wurden. Doch sei hier auf den unübersehbaren Unterschied zu den so genannten religionsgeschichtlichen „Parallelen“ hingewiesen. Der biblische Bericht ist zurückhaltend, nüchtern und beschreibt nicht den Vorgang der Empfängnis im Detail. Somit ist die Jungfrauengeburt tatsächlich ohne jegliche biblische oder gar religionsgeschichtliche Ähnlichkeit. Vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis ist lediglich der alttestamentliche Gedanke des Wohnens (yTin>k;v;scha½anti ich wohne = Schechinah die Einwohnung) Jahwes bei den Menschen z. B. in der Stiftshütte (2Mose 25,8-9).

  1. Obwohl durch die Botschaft des Engels deutlich wird, dass der verheißene Retter durch eine Jungfrau in diese Welt hineingeboren wird, hat Gott Vorsorge getroffen, dass dieser Retter unter Gesetz, das heißt auch unter den Schutz des Gesetzes gestellt wird (1Mose 3,15; Gal 4,4). Und in diesem Zusammenhang nimmt Gott einen Mann in die Pflicht. Es ist Josef aus dem Hause David, der Verlobte von Maria (Mt 1,18-25; Lk 1,27; 2,1-5; Mt 2,13-23;  Lk 2,21-49), Nach äußerlichen Kriterien wurde Jesus von seinen Landsleuten zu Recht für den Sohn Josefs gehalten (Joh 1,45; Lk 3,23; Joh 6,42) und daher wird er auch zu Recht dem Hause David zugerechnet und des Öfteren auch als `Sohn Davids` bezeichnet oder gar angerufen (Mt 9,27; 15,22; 20,30.31; 21,9; 21,15; 22,42).
  2. Maria stammte wahrscheinlich von einem Elternteil (Mutter?) aus dem Hause Aaron (Lk 1,5.36), doch für die gesetzliche Zuordnung spielte die Herkunft der Frau (in diesem Fall bei Maria) eine untergeordnete Rolle. In der jüdischen Ehe wurden die Kinder (von Ausnahmen abgesehen 5Mose 25,5-6) dem Mann, seinem Haus und damit auch seinem Stamm zugerechnet. Ein Beispiel: Der Levit Aaron heiratete Elischeba aus dem Stamm Juda, doch die Kinder aus dieser Ehe wurden nun dem Stamm Levi und dem Hause Aaron zugerechnet wie der Vergleich von 2Mose 6,23 mit 4Mose 1,7 verdeutlicht). Doch auch Maria stammte aus dem Hause David (über ihren Vater?), wie folgender Bibeltext aus Römer 1,3 nahelegt: „(…) von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch.“ Und somit stammte Jesus sowohl rechtlich, als auch dem Fleische nach von Hause Davids ab.
  3. Mit der Einwilligung Josefs, seine Verlobte Maria (vom Engel bereits als `seine Frau` bezeichnet) im schwangeren Zustand zu sich zu nehmen – das heißt sie zu heiraten, übernimmt er nicht nur formal-juristisch, sondern auch ganz praktisch die Verantwortung und Fürsorgepflicht für das zu erwartende Kind (Mt 1,24-25). Beiden Evangelisten (bzw. dem Heiligen Geist) scheint die Tatsache wichtig gewesen zu sein, dass Maria ohne Zutun des Josef schwanger geworden ist. Dazu die oft übersehene Bemerkung des Evangelisten Matthäus: „Und er erkannte sie (die Maria) nicht, bis sie einen Sohn gebar.“ (Mt 1,25a).

Abbildung 6 Die heutige Stadt Bethlehem von West nach Ost gesehen. Die Heimatstadt des Königs David wurde nach dem Wort des Herrn (Micha 5,1) auch die Geburtsstadt von Jesus (Foto: Juli 1994).

  1. Mit den verschiedenen Begriffen wird hier zwischen Empfängnis und Geburt deutlich unterschieden – Empfängnis durch den Heiligen Geist, Geburt durch Maria. Die Wendung: `εν γαστρί έχουσα – en gastri echousa im Mutterschoß habend, oder empfangen hatte` beschreibt die übernatürliche Empfängnis durch den Heiligen Geist und die Kraftwirkung des Höchsten. Gott bedient sich auch der vorhandenen menschlichen Begriffe für sein göttliches Tun. Der Begriff: `γεννηθέν – genn¢then Gezeugte` (empfangene – Empfängnis) in diesem Fall geschieht es auf eine übernatürliche Weise. Der Begriff `τέξεται – texetai)`, wird nur für den Vorgang der Entbindung verwendet. Ähnlich bei den verschiedenen grammatischen Formen: `έτεκεν – eteken sie gebar; τεκείν tekein zu gebären, τεχθείς techtheis der geborene` (Lk 1,57; 2,6-7; Mt 2,2).

2.3 Weitere Zeugnisse der Menschwerdung des Sohnes Gottes

Der Ev. Johannes beginnt seinen Evangelien Bericht mit den Worten:

Im Anfang war das Wort (ο λόγοςo logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. (…) Und das Wort ward (wurde) Fleisch (gr. ο λόγος σαρξ εγένετοo logos sarx egeneto) und wohnte (zeltete) unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1,1-3; 14).

Beachten wir die korrekten grammatischen Formen von `war` und `wurde` in den Versen 1-3. Zum Zeitpunkt des Anfangs der schöpferischen Tätigkeiten, war das Wort bereits da (vgl. auch Offb 1,4; Kol 1,15; Hebr 1,1-3). Durch das Wort wurde oder entstand, wird das bis dahin nicht Existierende beschrieben. Und nun wird der Mitschöpfer selbst Geschöpf in der Gestalt des Menschensohnes (Joh 1,14). Und in seinem Brief hebt der Evangelist die Tragweite der Fleischwerdung des Sohnes Gottes hervor mit den Worten: „Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.“ (1Joh 4,2-3). Wer die Menschwerdung des Sohnes Gottes leugnet, wird von Johannes in die Kategorie `antichristlicher Geist` eingereiht.

Der Apostel Paulus knüpft an die Verheißung an, die Gott der Eva gegeben hatte (1Mose 3,15) wenn er in Galater 4,4 von der Menschwerdung des Sohnes Gottes spricht. (…) als aber die Fülle der Zeit (gr. πλήρωμα του χρόνουpl¢röma tou chronou) kam, sandte (aussandte) Gott seinen Sohn, geboren (gr. γενόμενονgenomenongeworden, entstanden) von einer Frau, geboren (geworden, entstanden) unter dem Gesetz (νόμοςnomos). Gesetz ist hier im umfassenden Sinne gemeint. Gott selbst bestimmte das Wann, das Wie und durch Wen, bei der Menschwerdung seines Sohnes. Der Begriff `γεννώμενον – gennömenon das Werdende, Entstehende`, umfasst in diesem Zusammenhang sowohl den Prozess der Entwicklung des Kindes im Mutterleib während der Schwangerschaft, als auch die anschließende Geburt.

Einer der theologisch inhaltsvollen Texte über die Menschwerdung des Sohnes Gottes finden wir in dem Brief des Ap. Paulus an die Philipper. Gerade Apostel Paulus, der von den Leugnern der Gottheit Christi gerne zitiert wird, macht die erstaunlichsten Aussagen über die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Er schreibt in Kapitel 2,6-8:

Welcher sich in der Gestalt Gottes befand, das Gott gleich zu sein (τὸ εἶναι ἴσα θεῷto einai isa theö), nicht festhielt wie einen Raub, sondern entäußerte sich selbst und nahm die Gestalt eines Sklaven an (εκένωσεν μορφήν δούλου λαβώνekenösen morf¢n doulou labön), ward in Ähnlichkeit der Menschen und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. (Phil 2,6-8).

Die Wendung: ` τὸ εἶναι ἴσα θεῷto einai isa theö `, beschreibt die göttliche Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater. Genau so verstanden die Juden Jesus, indem sie ihm vorwarfen, sich Gott gleich zu stellen – ἴσον θεῷison theö (Joh 5,18). Im Gegensatz dazu ist der Mensch nur Gott ähnlich (1Mose 1,26). Der Begriff `έκένωσεν – ekenösen` steht für Entäußerung, Entleerung. Der ewige, göttliche Sohn Gottes tritt aus seiner Herrlichkeit, die er bei seinem Vater bereits vor Grundlegung der Welt hatte,  heraus (Joh 17,3-5). Die Wendung: `μορφήν δούλου λαβών – morf¢n doulou labön`- er zieht die reale Gestalt eines Knechtes (wörtlich: Sklaven) an und wird in allem als realer Mensch erkannt – er wird abhängig von der Pflege, Fürsorge und Schutz durch die Eltern. Empfindet Hunger und Durst, wird müde und angefochten. In seiner Körperlichkeit wird er fähig zu sterben. Solch eine Erniedrigung leistet sich Gott um unseretwillen – ist das nicht auch göttliche Herrlichkeit!

2.4 Feststellungen

  1. Der verheißene Retter ist ewiger Gottes Sohn, er wird von seinem Vater ausgesendet in der Fülle der Zeit um in diese Welt hinein zu kommen.
  2. Bei der Menschwerdung, der Inkarnation – Fleischwerdung des Sohnes Gottes ist sowohl der Vater, als auch der Heilige Geist kraftvoll wirksam. Dieser Vorgang ist göttlicher Natur, ohne das Zutun von Maria, sie empfängt nur, nachdem sie ihre passive Bereitschaft bekundet hatte: „Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast“. (Lk 1,34-38).
  3. Für das Wachstum im Mutterleib und die darauf folgende Geburt selbst, ist Maria die Mitwirkende und Ausführende – sie gebar (Lk 1,31b; 2,6-7).
  4. Wie durch die Frau die Sünde in diese Welt hineingekommen ist, so kommt der Erlöser von den Sünden auch durch eine Frau in diese Welt hinein (1Mose 3,1ff;  1Tim 2,14;  Mt 1,18-25;  Gal 4,4-5).
  5. Der Retter – geworden (durch göttliche Handlung) aus/durch eine Frau (1Mose 3,15;  Gal 4,4) schließt eine Beteiligung eines Mannes aus, denn Maria war und blieb Jungfrau bis einschließlich der Geburt ihres erstgeborenen Sohnes – Jesus (Lk 1,34;  Mt 1,24-25). Jedoch ist der Mann als Schutz- und Fürsorgegebender von Gott durch den Auftrag des Engels, einbezogen (Mt 1,24-25).
  6. Der verheißene Retter –  geworden (geboren) unter Gesetz (Gal 4,4). Gesetz (νόμος – nomos) schließt absolut alles ein: Gehorsame Erfüllung, bzw. Einhaltung aller Forderungen Gottes dem wahren Inhalt nach. Tatsächliche Erfüllung aller Voraussagen in Wort, Bild und Gegenständen. Erfüllung der rituellen Vorschattung aller Opfervorschriften in der Hingabe seines Lebens als vollgültiges Opfer.
  7. Im Neuen Testament kommt die Bezeichnung ´Menschensohn oder Sohn des Menschen´ gr.: ´υιός του ανθρώπου – yios tou anthröpou´ ungefähr 76 mal vor (bei Matthäus 26 mal, bei Markus 13 mal, bei Lukas 23 mal, bei Johannes 11 mal, in der Apostelgeschichte 1 mal und in der Offenbarung 2 mal). Doch war diese Bezeichnung schon im Alten Testament bekannt gewesen, so in Daniel 7,13-14 wo geschrieben steht: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“
  8. Es gab Gründe, weshalb Jesus Menschensohn werden musste, einer davon war: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.“ (Hebr 2,14).
  9. Jesus war und ist Gottes Sohn, er wurde Menschensohn und diese zwei Naturen behält er auch in alle Ewigkeit. Dies wird bestätigt in der Vision des Stefanus, die er empfing am Schluss seiner Verteidigungsrede vor dem Hohen Rat in Jerusalem: „(…) und (Stefanus) sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,56). Und während Johannes der Apostel in der Verbannung auf der Insel Patmos war, sah er im Geist sieben Leuchter (Gemeinden) „und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme.“ (Offb 1,13-14; Vgl. auch 14,14).

Wie gut, dass Jesus als ewiger Gottes Sohn für uns und wegen uns zum Menschensohn wurde, das heißt in allem wurde er uns Menschen gleich, ausgenommen die Sünde. Somit wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass Er als der zweite Adam (Mensch) durch sein Sterben und Auferstehen die Sünde und den Tod besiegte (Offb 1,17-18; Röm 8,2). Seine geistlichen Nachkommen sind gleich wie Er selber, Menschen des ewigen Lebens. „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (1Kor 15,22).

Fragen / Aufgaben:

  1. Ab wann begann Gott, seine Gedanken und Pläne mit seinem Sohn, den Menschen zu offenbaren?
  2. Verfolge und Beschreibe die beiden Linien bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes – die Göttliche und die Menschliche.
  3. Jesus bekannte sich zu seiner Gottessohnschaft, doch warum spricht er mit Vorliebe von sich als dem Menschensohn?
  4. Nach welchen Kriterien urteilten die Zeitgenossen von Jesus über seine Herkunft?
  5. Was waren die Gründe, wieso die Juden Jesus als verheißenen Menschensohn nicht erkannten, oder erkennen wollten?
  6. Warum musste der Sohn Gottes Menschensohn werden?
  7. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist für Juden und Moslems ein großes Problem. Wie können wir unseren Glauben an diese Wahrheit ihnen erklären?
  8. Warum ist es wichtig für unseren Glauben, an den beiden Naturen von Jesus festzuhalten?
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Israel – Gottes Weinberg

Abbildung 1 Rebstöcke wurden in Israel vorzugsweise an den Hängen gepflanzt, da das flache Ackerland für Getreideanbau genutzt wurde. Die Wurzeln der Rebstöcke reichte gelegentlich mehr als zehn Meter tief in den steinigen Untergrund und sorgte für den Ertrag auch in den Dürreperioden (Foto: Weinberg in Würzburg von L.Luft September 2025).
Abbildung 2 Weinberg, Weinstock, die Rebe, die Trauben – frisch oder getrocknet, einschließlich gegorener Traubensaft, als Wein oder Weinessig sind oft vorkommende Themen in der biblischen Offenbarung. Die Hebräische und Griechische Bezeichnung betont nicht das Endprodukt Wein, sondern den Ort, an welchem der Rebstock angebaut wird. (Foto: 11. September 2016).

Zur Zeit des Propheten Jesaja wird Weinberg von Gott wie folgt definiert: „Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung an der er Lust hatte“ (Jes 5,1-7). Der geistliche Zustand des Volkes, besonders in der Führung hatte bereits zur Zeit des Propheten Jesaja (ca. 740-700) einen Tiefpunkt erreicht (Jes 1,1-10; 3,1-14; 5,8ff). Kurz davor lesen wir: „Der HERR wird ins Gericht gehen mit den Ältesten seines Volkes und dessen Obersten: Ihr, ihr habt den Weinberg abgeweidet, das dem Elenden Geraubte ist in euren Häusern. 15 Was ⟨fällt⟩ euch ⟨ein⟩? Mein Volk zertretet ihr, und das Gesicht der Elenden zermalmt ihr! spricht der Herr, der HERR der Heerscharen.“ (Jes 3,14-15).

Die Drohung, den Weinberg zu verwüsten, machte Gott wahr zur Zeit des Propheten Jeremia, der die siebzigjährige Gefangenschaft in Babel ankündigte (Jer 29,10). Nach der Rückkehr folgte ein Wiederaufbau im Lande, wenn auch unter schwierigen Bedingungen. Jahrhunderte vergingen in denen Israel unter Fremdherrschaften litt und auf den Messias wartete. Auch zur Zeit des Wirkens von Jesus lässt sich ein geistlicher Tiefstand im Volk und besonders in der Führung erkennen. Die drei Gleichnisse von Jesus, welche den Weinberg zum Thema haben, stehen zunächst in Bezug zu Israel (Mt 20,1-16; 21,28-32; 33-46). Im ersten Gleichnis wendet sich Jesus an seine Jünger. Im zweiten Gleichnis spricht Jesus die Führung Israels direkt an, ebenso im dritten Gleichnis und sagt eine Wende im Zuständigkeitsbereich voraus.

Als Jesus das erste Gleichnis erzählte, befand er sich mit seinen Jüngern in der Jordanebene und Umgebung von Jericho, bevor er nach Jerusalem zu seinem letzten Passah hinaufging. Doch das Gleichnis steht in einem engen Zusammenhang mit den zwei Vorgeschichten: Dem Gespräch mit dem reichen Jüngling und dem sich anschließenden Gespräch mit seinen Jüngern (Mt 19,16-26; 27-30).

 Im Gegensatz zu dem reichen Jüngling welcher nach Lukas 18,18 auch noch ein Oberster war und somit die reiche Oberschicht repräsentierte, haben die Jünger alles verlassen und sind Jesus nachgefolgt. Auf die Frage des Petrus: „Was wird uns dafür“, macht Jesus drei Zusagen: Was sie verlassen haben wird bereits hier hundertfach kompensiert, dazu erben sie ewiges Leben. Den zwölf versichert Jesus zusätzlich: „bei der Wiedergeburt (Auferstehung), wenn der Sohn des Menschen sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels“ (MT 19,29).

Doch bereits in seiner Dienstzeit versprach Jesus dem Petrus (einschließlich der elf) die Schlüssel des Himmelreiches zu geben (MT 16,19; 18,18; Joh 20,23). Ist uns bewusst, dass keiner der zwölf Jünger einen hohen und im Judentum angesehenen Posten begleitete. Es ist nicht einmal ihre jeweilige Stammeszugehörigkeit bekannt gegeben worden. Und so schließt Jesus das Gespräch mit seinen Jüngern ab mit der Schlussfolgerung: „Aber viele, die die Ersten sind, werden Letzte sein und Letzte werden Erste sein.“ (Mt 19,30).

Der theologischen Führung Israels warf Jesus jedoch vor: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen“ Und deswegen entließ er sie aus der Verantwortung der geistlichen Leitung und Versorgung seines Volkes, wie aus der Schlussfolgerung im dritten Gleichnis hervorgeht (Mt 21,42-46).

Aber diese Verachteten Galiläer machte Jesus zu den Ersten. In ihre Hände übergab er nun die Schlüsselgewalt für das Reich der Himmel (Mt 28,17-19; Lk 24,44ff; Apg 1,8). Am Pfingsttag bestätigte der Heilige Geist die Zuständigkeit und Verantwortung der Apostel für das neugeborene Volk Gottes (Apg 2,16-42; 3-7; 15,7).

Anmerkung: Die Schlussfolgerung von Jesus in Mt 19,30: „Aber viele der Ersten werden Letzte sein“ fordert zu einer differenzierten Sichtweise heraus. Viele aber nicht alle, denn sowohl Nikodemus (einflussreicher Pharisäer) als auch Josef aus Arimathäa (ein reicher und Einflussreicher Ratsherr) zählten zu den heimlichen Jüngern von Jesus (Joh 3,1ff; 7,50; 19,39; Lk 23,51). Sogar von vielen Priestern ist später die Rede, dass sie dem Glauben gehorchten (Apg 6,7).

Nach der Schlussfolgerung in Mt 19,30  leitet Jesus zum Gleichnis über mit einer Begründung: „Denn das Reich der Himmel ist gleich einem Hausherrn“ (Mt 20,1a). Damit ist ein nahtloser Übergang zu dem ersten Gleichnis festgelegt worden.

Durch dieses Gleichnis gewährt Jesus seinen Jüngern Einblick in die Entwicklung der Heilsgeschichte Gottes mit Israel und den Nationen:

„Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“ (Mt 20,1-16).

Merkwürdig ist, dass Jesus dieses Gleichnis mit derselben Aussage als Schlussfolgerung abschließt, wie auch nach den zwei Vorgeschichten, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge: „So werden Letzte Erste und Erste Letzte sein“.

Die Worte von Jesus geben einen tiefen Einblick in das Handeln Gottes in der Geschichte. Aus dem Text lassen sich mindestens vier Beobachtungen ableiten:

1. Dieses himmlische Reich wird mit einem verantwortungsbewussten, gerechten und gütigen Hausherrn verglichen, der Eigentümer und Besitzer eines Weinbergs ist. Durch ihn wird Gott der Vater verglichen, von dem jede Initiative ausgeht, denn er macht sich früh am Morgen auf, um Menschen als Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Diese Charakterzüge zeigen sich auch durch die weiteren Einladungen im Laufe des Tages, besonders bei denen die zur elften Stunde geladen wurden. Er hält sich an die Abmachung mit den Ersten und vergütet großzügig die in der Zwischenzeit berufen wurden.

2. Das Reich der Himmel steht im krassen Gegensatz zu den vielen irdischen Reichen in dieser Welt. Die Bezeichnung `Das Reich Gottes` bei den anderen Evangelisten hebt sich deutlich ab von den menschlichen Reichs- und Herrschaftsstrukturen. Gott hatte sich zu allen Zeiten kundgetan, doch integriert hatte er sein Reich in dieser Welt erst mit dem Kommen von Jesus. Denn in seiner Person als König verkörperte er dieses himmlische Gottesreich (2Sam 7,11-13; Jes 9,5-6; Lk 1,31-34; Joh 1,48f; 18,37). Seine erste öffentliche Predigt beginnt er mit den Worten: „Zu der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße (ändert eure Gesinnung), denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ (Mt 4,17). Und danach veröffentlicht er die neuen Prinzipien für Denken, reden und Handeln in diesem Reich (Mt 5-7: „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde, ich aber sage euch“).

3. In diesem Gleichnis kann im zeitlichen Rahmen von einem 12-Stunden-Tag (6h morgens – 6h abends) ein heilsgeschichtlicher Ablauf gesehen werden, in dem durchaus auch die Berufungen von Menschen seit Anfang der Welt gesehen werden können. Er schloss mit Adam, Noah, Abraham und später mit Israel einen Bund und alle stimmten den Bedingungen zu. Dass Israel Größtenteils dem Bund nicht treu blieb, ist zwar historisches Faktum (Jer 31,31-34), doch es änderte nichts an dem Bemühen Gottes, den ganzen Tag nach ihm zu rufen (Jes 65,2; Röm 10,21). Und er sicherte sich den getreuen Rest (1Kön 19,18; Jes 1,10; 10,20-22; Röm 11,1-5; Joh 1,12; 10,27-29).

4. Deutlich betont und hervorgehoben werden die, welche um die elfte Stunde des Tages gerufen wurden. Dies sticht aus der Alltagspraxis heraus und unterstreicht die Güte des Hausherrn , denn er ruft, er lädt ein auch noch zu einer Zeit, in der von Arbeitern vergleichsweise kein nennenswerter Nutzen zu erwarten ist. Doch er will nicht auf die Frucht verzichten, welche jene Arbeiter noch in der letzten Stunde einbringen können und er scheut keine Kosten. Wie später vom Hausherrn angeordnet wird, werden die um die elfte Stunde berufenen den anderen vorgezogen und dies ist neu. Diese neue und auch zentrale Bedeutung und Anwendung verstehen wir besser, wenn wir das Vorgespräch mit dem reichen Jüngling und den zwölf Jüngern miteinbeziehen, wie oben dargelegt wurde. Ebenso die Schlussfolgerungen in den beiden nachfolgenden Gleichnissen über den Weinberg.

Zunächst bestand das neutestamentliche Volk Gottes aus Juden, doch Jesus sprach auch von anderen Schafen, welche nicht aus diesem (jüdischem) Gehege sind. Und auch jene wollte er hinzuführen (Joh 10,16). An Pfingsten machte der Heilige Geist durch das Zeichen der Vielsprachigen Redegabe deutlich, dass von nun an das Privileg zu Gottes Volk zu gehören für alle Nationen möglich sein wird (Apg 2,5-15; 8,12ff; 10,148; 11,16-17; 15,7-17). Um mit dem Bild des Paulus zu sprechen, werden die Gläubigen aus den Nationen in den israelitischen Ölbaum eingepfropft und dessen Wurzel teilhaftig (Röm 11,24). Und mit dem Gleichnis gesprochen: Die Müsigstehenden aus den Nationen wurden um die elfte Stunde eingeladen in den Weinberg Israels und bekamen denselben Lohn, die Gabe des ewigen Lebens (Apg 11,18). Sie waren lange Zeit die Letzten, nun räumt Gott ihnen einen Platz ein in seinem Reich. Seitdem wird das Volk Gottes aus Gläubigen aller Nationen gebildet. Dieses Volk Gottes wird von der Welt (nicht glaubende Juden und Heiden) verachtet, ja sogar verfolgt, aber von Gott werden sie als die Ersten angesehen. Unter der Leitung des Heiligen Geistes und auf der Grundlage der Worte Jesu und Lehre der Apostel trägt die Gemeinde als königliches Priestertum die Verantwortung im Reich Gottes in dieser Welt, so der Apostel Petrus mit Bezug auf 2Mose 19,5-6: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; 10 die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.“ (1Petr 2,9-10; Vers 10 mit Bezug auf Hosea 2,1ff).

Dies ist bereits das zweite Gleichnis, welches den Weinberg Israels zum Thema hat. Wie aus Jesaja 5,1-8 und Matthäus 20,1-16 deutlich wurde, steht Weinberg für das Volk Israel. Gleichzeitig wird Weinberg in allen drei Gleichnissen mit dem Reich Gottes verglichen. Dieses zweite Gleichnis erzählte Jesus während der Passahwoche auf dem Tempelgeländeeinen Tag nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem. Nach den Berichten der synoptischen Evangelien hatte er am Vortag das Tempelgelände von Händlern und Waren freigemacht und heilte Blinde und Lahme.

Am folgenden Tag lehrte er im Tempel, Da traten die Priester und Ältesten an ihn heran mit der Frage: „Aus welcher Vollmacht tust du das, und wer hat dir diese Macht gegeben?“

(Mt 21,23). Sie waren empört über ihn, weil er in die bestehende Praxis auf dem Tempelgelände eingegriffen hatte. Sie waren entrüstet über den Lobpreis der Kinder und neidisch auf seine Popularität (Mt 21,16; Joh 12,19; Mk 15,10). Jesus merkt ihre verborgenen Gedanken und Motive ihm eine Falle zu stellen. Denn immer wieder stellten sie ihm nach und vor einigen Wochen fassten sie den Beschluss ihn zu töten (Joh 5,18; 10,31; 11,53). Aber Jesus schuldet ihnen keine Antwort, hatte doch Nikodemus bereits im Vorfeld bekannt: „Wir wissen, dass du bist ein Lehrer von Gott gesandt, denn niemand kann die Zeichen tun die du tust, wenn nicht Gott mit ihm“ (Joh 3,1-2). Und daher geht er in die Offensive indem er an sie die Frage nach der Herkunft der Taufe des Johannes stellt. Sie merken sofort, in welch prekäre Situation sie sich durch ihre herausfordernde Frage hineinmanövriert hatten.

Einem Bekenntnis oder Ablehnung des Johannes weichen sie aus. Ihn als von Gott gesandten Propheten anzuerkennen, hätte für sie die Konsequenz, ihm zu glauben und ebenso dem von Johannes angekündigten Messias (Joh 1,19ff). Bei einer öffentlichen Ablehnung des Johannes stünde das Volk gegen sie. Was für eine gestörte Beziehung zwischen der Führung und dem Volk? Mit der lügenhaften Aussage: „Wir wissen es nicht“, stellen sie sich dumm, – wie peinlich vor dem Volk, die es besser wussten. Dies berechtigt Jesus zu der Aussage: „So sage ich euch auch nicht aus welcher Vollmacht ich das tue“. Vielleicht hofften sie, einigermaßen glimpflich aus der peinlichen Lage herausgekommen zu sein, doch Jesus konfrontiert sie mit einem Gleichnis und fordert sie zum Nachdenken heraus. Längst hatte er die Regie übernommen und behält sie bis zum Ende der Konversation (Mt 21,46).

„Was meint ihr aber ⟨hierzu⟩? Ein Mensch hatte zwei Kinder, und er trat hin zu dem ersten und sprach: Kind, geh heute hin, arbeite im Weinberg! 29 Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. 30 Und er trat hin zu dem zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich ⟨gehe⟩, Herr; und er ging nicht. 31 Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. 32 Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm; euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, sodass ihr ihm geglaubt hättet.“ Mt 21,28-32). 

Zuerst fällt auf, dass die Initiative vom Vater ausgeht. Er hat Fürsorgepflicht und übernimmt die Verantwortung. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir als Kinder gefragt hätten: Papa, was können wir heute für das Wohl der Familie machen? Er hatte für uns den Tagesplan festgelegt. Dass es im Gleichnis um den Vater im Himmel geht, steht hier außer Frage. Er bestimmt wann wer dran ist und was in seinem Reich  gemacht werden muss.    

Der erste ist ein Nein-Sager, seine Antwort war: „ich will nicht“. Vermutlich ist er mit anderen Dingen beschäftigt, die er für wichtiger hält als im Weinberg des Vaters zu arbeiten und damit für das Wohl der Familiengemeinschaft beizutragen. Im Kontext jener Kultur ist es höchst frech seinem Vater so zu antworten. Doch dann besinnt er sich und geht hin in den Weinberg. Beachten wir die Beziehung des Mannes zu seinen Söhnen, die im Text als „Kinder“ bezeichnet werden. Es handelt sich dabei keineswegs um kleine Kinder, vielmehr unterstreicht diese Bezeichnung die zärtliche Beziehung des Vaters zu seinen Söhnen (dieselbe Anrede auch in Lukas 15,31. Der erste Sohn erkennt seine falsche Einstellung zum Vater und dies bewegt ihn zur Reue und Umkehr.

Unter diesem ersten Sohn ordnet Jesus die Gruppe der Zöllner und Huren ein. Sie gehörten zu denen im Volk, welche nicht viel auf Religion hielten, warum auch, sind sie doch von der theologischen Elite stigmatisiert und gemieden worden. in den Bereich derer, welche Jesus hier in der Mehrzahl als Huren nennt, bekommen wir wenig Einblick. Die Stadtbekannte Sünderin wird nicht als Prostituierte bezeichnet, obwohl es auch nicht ausgeschlossen ist, dass sie zu jener Gruppe gehörte (Lk 7,39). Die namentlich nicht genannte Samariterin aus Sychar könnte zu dieser Gruppe gezählt werden (Joh 4,4-24). Jesus geht sehr behutsam mit Frauen um, welche in solcher Art Situationen hineingeraten waren. Nebenbei bemerkt, diese unmoralischen und vom Gesetz verbotenen Handlungen taten Frauen nicht ohne Beteiligung der Männer. Denn auch ein Mann, der fremd ging hat gehurt (Mt 12,39; 19,3ff; Joh 8,1ff). Und Jesus wusste, wer alles zu Johannes an den Jordan kam und seine Sünden bekannte.

Im Vergleich dazu ist die Gruppe der Zöllner in den Berichten der Evangelien zahlreich vertreten:

  • Zöllner kamen zu Johannes an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen (Lk 3,12-13).
  • Einen Zollbeamten Namens Matthäus-Levi berief Jesus in seine Nachfolge. Bei dem anschließenden Mahl nahmen viele Zöllner und Sünder Teil, von denen Jesus bezeugt, dass sie einen Arzt brauchen  (Mk 2,14ff; Lk 5,27ff).
  • Zachäus ein Oberzöllner nahm Jesus in seinem Hause gastlich auf und änderte radikal sein Leben (Lk 19,1-10).
  • In Lukas 15,1 ließ Jesus viele Zöllner und Sünder zu sich nahen, die Gottes Wort wünschten zu hören.
  • Jesus erzählt von einem Zöllner, der in den Tempel ging um zu beten und weil sein Gebet aufrichtig war, kehrte er gerechtgesprochen in sein Haus zurück (Lk 18,13f).

Aus der Sicht der Pharisäer war Jesus ein Freund der Zöllner und Sünder, weil er mit ihnen sogar am Tisch saß und mit ihnen aß (Mt 11,19). Diese Menschen spürten seine Liebe und Fürsorge und dies bewegte viele zur Umkehr.

der zweite Sohn ist ein Ja-Sager – wörtlich sagt er: „Ich gehe Herr“. Merken wir seine schnelle Reaktion und die Anrede seines Vaters als „Herr“. Ihm fehlte die freimütige Sohn-Vater Beziehung. Und darunter ordnet Jesus die Führung ein. Sie standen in einer jahrhundertelangen Tradition und selbstverständlich erfüllten sie sorgfältig ihren Priesterdienst. Damit glichen sie dem ältesten Sohn aus Lukas 15 der zwar von seinem Vater als „mein Kind“ angeredet wird, doch er selbst betrachtete sich als Angestellter (ich diene dir) und nicht als Sohn.

 Als die Priester und Leviten zu Johannes an den Jordan kamen mit der Frage: „Wer bist du“, wurden sie in Kenntnis gesetzt über dessen Auftrag und Zeugnis über den Messias, doch sie zogen keine positiven Konsequenzen für sich (Joh 1,19; Mt 3,7f). Wenn Jesus Aussätzige reinigte, schickte er sie (wie vom Gesetz vorgeschrieben) zu den Priestern in den Tempel ihnen zum Zeugnis (Mt 8,4f). Dies geschah so oft, dass es ihnen hätte auffallen müssen, von wem diese Menschen gereinigt wurden (3Mose 13; Lk 17,12ff).  

Anmerkung: Die Formulierung: „Die Zöllner und Huren werden eher ins Reich der Himmel kommen als ihr“, fordert zu einer differenzierten Betrachtung. Zu jenem Zeitpunkt waren sie verblendet und verstockt. Doch mit seiner Formulierung schließt Jesus nicht generell aus, dass auch aus der Führung später welche zur Einsicht kommen werden. Seine Bitte am Kreuz zum Vater um Vergebung für seine Feinde (und dies schloss auch die Priesterschaft und den Ältestenrat ein)bestätigen diese Annahme (Lk 23,34). Ebenso die Tatsache, dass später viele Priester dem Glauben gehorchten (Apg 6,7).

Anwendung für heute: Natürlich wäre dieses Gleichnis für die hohen Würdeträgern in den christlichen Organisationen zutreffend, wenn sie nach Traditionen und Überlieferungen kirchlicher Standpunkte leben und nicht nach der Lehre Jesu und seiner Apostel. Die Kooperation mit weltlichen Machtsystemen ist ebenso wenig Jesuskonform. Doch diese sind nicht da. Wenn wir aber zum Beispiel Kriegsführung gutheißen, verlassen wir die Gesinnung von Jesus und die Prinzipien seines Reiches.

Aber auch die unter uns sind angesprochen, welche in einer christlichen Tradition aufgewachsen sind. Die von Kind an christlich geprägt und wohl erzogen wurden. Sie hatten immer ein JA auf den Lippen, waren Gemeindekonform und dem Anschein nach moralisch-ethisch in einem relativ gutem Stand. Ihnen fiel es nicht schwer zu sagen „Herr, ich gehe“.  Doch ob es eine Kind-Vater-Beziehung war`, die nicht von Selbstgerechtigkeit oder Angst, sondern durch Liebe im Dienst geprägt war? In Teilen traf das auf meine eigene Lebensgeschichte zu.

Wen unter uns der Vater im Himmel auffordert: „Kind, geh heute in den Weinberg“, der nutze diese Chance.

Aktualisiert am 24. Oktober 2025

Nahtlos geht Jesus über zu einem weiteren Gleichnis, welches wiederum den Weinberg zum Thema hat. Und auch dieses Gleichnis wird eindeutig auf die Führung Israels bezogen.

Bibeltext und Auslegung des Gleichnisses

Jesus lässt nicht locker, er will der Führung mitteilen, was Gott mit seinem Weinberg (Reich Gottes) vorhat. „Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.“ (Mt 21,33). Es ist ein anderes Gleichnis, durch welches eine andere Perspektive des Reiches Gottes aufgezeigt wird. Doch treffen wir darin bereits bekannte Elemente und Aspekte, welche uns aus den vorhergehenden Gleichnissen vertraut sind. Dieses Gleichnis erinnert an einige Passagen aus Jesaja 5: „Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte“ (Jes 5,1b-2).

Die Bezeichnung „Hausherr“ ist uns aus dem ersten Gleichnis bekannt. Die griechische Bezeichnung `despota` kann besser mit Hausbesitzer oder Hauseigentümer übersetzt werden. Dieser legt einen Weinberg an und schafft alle Voraussetzungen für dessen Gedeihen (Zaun, Turm, Kelter). Diesen sorgfältig angelegten Weinberg verpachtete er an Weingärtner (gr. georgoi-Landarbeiter als allgemeine Bezeichnung für die Berufsgruppe, welche auf irgendeine Weise in der Landwirtschaft beschäftigt sind. Diese Arbeiter sind Pächter, haben bestimmte Pflichten aber auch Rechte, sie schulden Rechenschaft ihrem Weinbergbesitzer (Eigentümer). Unausgesprochen ist in diesem Text, dass sie sich vom Weinberg ernähren können, so Gottes Prinzip (5Mose 25,4; 1Kor 9,7).

„Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen.“ (Mt 21,34). Von Anfang an ist es Gottes Absicht, seinen Garten (diese Erde) Menschen anzuvertrauen, diese zu verwalten (1Mose 2,15). Für „die Zeit der Früchte“ steht im Griechischen die Bezeichnung `kairos` nicht Chronos. Die Reifung der Früchte ist nicht an ein Datum gebunden, vielmehr an die jahreszeitlichen klimatischen Bedingungen. Und rechtzeitig schickt der Herr (hier steht kyrios) seine Knechte, um von den Pächtern die Ernte zu empfangen.

“Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. 36 Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso.“ (21,35-36). Damit deutet Jesus auf die Propheten, welche im Laufe der Geschichte im Namen und Auftrag Gottes die Früchte der Gerechtigkeit Gottes einforderten sowohl bei dem Volk als auch den Verantwortlichen Priestern, Königen, Ratsherren und Richtern (Sach 1,4; Jer 7,25). Gott erwartete aber auch ehrliche Früchte der Umkehr (Jes 1,16-17).

Im Gleichnis gibt es eine Steigerung, denn im zweiten Anlauf schickt der Hausherr eine zahlenmäßig größere Abordnung. Doch die Pächter verlassen den anfangs eingeschlagenen Weg nicht mehr. Ihre Ablehnung des Weinbergbesitzers bekommen die Abgesandten voll ab (Lk 11,47-51; Apg 7,52).An dieser Stelle wären wir herausgefordert zusammenzutragen, welche Propheten und Gerechte im Laufe der Geschichte Israels verschiedenen Repressalien ausgesetzt waren?

„Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! 38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! 39 Und sie  nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.“ (21,37-39). Zuletzt wird der Sohn gesandt. Das ihn der Hausherr allein losschickt ist verwunderlich entspricht jedoch dem realen Verlauf, blieb er (Jesus) doch am Ende seiner Laufbahn ganz allein (Joh 16,32). Doch die Weingärtner haben keinen Respekt vor dem Sohn. Der Beschluss zur Tötung und grobe Ausdruck: sie warfen ihn zum Weinberg hinaus“, ist so krass, ja er entbehrt jegliches menschliche Mitgefühl. Was für Verblendung, doch Geschichte wiederholt sich, denken wir an Naboth und seinen Weinberg in Jesreel (1Kön 21,1ff). Ja, Jesus wurde draußen vor den Toren der Stadt Jerusalem hingerichtet (Joh 19,17; Hebr 13,11-12).

Doch der Sohn kann nicht enterbt werden, dies wissen die Führenden in Israel. Jesus fährt fort: „Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? 41 Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.“ (21,40-41). Nun sprechen die Angeredeten das Urteil über sich indem sie logischerweise jene bösen Weingärtner verurteilen, denn noch begreifen sie nicht, dass sie über sich selbst das Urteil fällten.

„42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen«.?“ (Psalm 118,22). Für diese Aussage gibt es keine historische Schilderung. Es ist aber gut möglich, dass ein für das Fundament des Tempels vorgesehener Stein aus irgendeinem Grund bereits im Steinbruch oder spätestens bei der Grundlegung auf dem Berg Zion von den Bauleuten Salomos verworfen wurde (1Kön 7,11). Damit wäre die Aussage in Psalm 118,22 als eine Prophetie auf die Verwerfung des kommenden Messias zu werten, so die Deutung von Jesus. Der Stein und der Fels werden als Synonyme verwendet, wie der Vergleich von Jesaja 8,16 mit der Zuordnung auf Jesus in 1Petr 2,4-8 deutlich macht. Und die, welche ihn als den Messias-Retter verworfen haben, war die damalige Führung Israels, so Petrus in Apg 4,11-12.

„43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.“ (21,43). Ist uns die Tragweite dieser Aussage bewusst? Jesus spricht ja mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, ihnen wird die Verantwortung die Gnadengaben Gottes zu verwalten weggenommen. Die Voraussage von Jesus begann sich zu erfüllen mit dem Kommen des Heiligen Geistes in ein Haus außerhalb des Tempels. Dabei bezog der Heilige Geist Wohnung in den dort zum Gebet versammelten etwa hundertzwanzig Nachfolgern von Jesus. Und ab diesem Zeitpunkt übergab Gott die Verwaltung seines Reiches hier auf Erden in die Verantwortung der Apostel. Mit dem anderen Volk ist hier zunächst der gläubige Teil aus Israel, zu dem später die Gläubigen aus den Nationen hinzu kamen gemeint, siehe die Erklärung von Jesus in Johannes 10,16 (diese Entwicklung wird auch von Petrus, Jakobus und Paulus bestätigt: Apg 11,18; 15,7-17; Eph 2,11-21).   

„45 Und als die Hohen Priester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, dass er von ihnen redete. 46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.“ (Mt21,46). Die Bemerkung des Matthäus macht deutlich, dass die beiden letzten Gleichnisse im Zusammenhang gelesen und verstanden werden müssen. Wenn nicht die Massen des Volkes, hätten die Führenden Jesus auf der Stelle gefangen genommen. Wie  unterschiedlich man im Volk auch über Jesus dachte, für einen Propheten wurde er von der großen Mehrheit gehalten und anerkannt. Vom Volk selbst ging nie eine Lebensgefahr für Jesus aus, außer die Episode in Nazareth (Lk 4,29).

Anwendung:

1.     Lasst uns nach dem Vorbild von Jesus und Paulus Fürbitte tun für den Rest Israels, der gerettet werden soll (Jes 1,9-10; 10,21-22; Röm 11,5; Lk 23,34; Röm 10,1ff).

2.     Lasst uns wo immer wir Gelegenheit bekommen, einstehen für die geistliche Einheit zwischen messianischen Juden und Christen aus den Nationen (Gal 3,28; Eph 2,11-21).

Aktualisiert am 6. Dezember 2025

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Die TAUFE

Theologie und Praxis

Abbildung 1 Der Fluss Jordan vom Ostufer aus gesehen in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Betanien, wo Jesus von Johannes getauft wurde. Heute bildet der Jordan die Grenze zwischen Israel und Jordanien. An dieser Stelle und zu dieser Jahreszeit ist der Jordan nur etwa 8-9 Meter breit. In unmittelbarer Nähe am Ostufer befinden sich Überreste einiger antiker christlicher Kirchen (Foto am 7. November 2014).

Abbildung 2 Überreste einer von mehreren antiken christlichen Kirchen am Ostufer des Jordan in unmittelbarer Nähe der vermuteten Taufstelle bei Betanien. Trotz der Nähe zum Fluss wurden auch diesen Kirchen Taufbecken zugeordnet. Damit waren Taufen unabhängig von der Jahreszeit und dem Wasserstand des Jordans möglich. Dazu kam, dass die Kirchen und Baptisterien mit sauberem Quellwasser gespeist wurden (Foto am 7. November 2014).

Abbildung 3 Der Jordan in seinem Lauf oberhalb der Mündung des Jarmuk-Flusses (Foto am 14. Juni 2016). Von Johannes dem Täufer schreibt der Evangelist Lukas:Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden(Lk 3,3).

Johannes der Täufer setzte seine Tauftätigkeit noch etwa ein ¾ Jahr nach der Taufe Jesu fort, so lesen wir in Johannes 3,23 „Johannes aber taufte auch noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen.“

Einleitung

Die Fragen zur christlichen Taufe waren und bleiben immer aktuell. Dieser Schritt des Gehorsams wird in allen christlichen Kirchen und Gemeinden praktiziert. In dieser Bibelstudie soll neben der äußeren Form besonders auf den Inhalt und die Bedeutung der Glaubenstaufe eingegangen werden.

Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte mit folgenden Worten ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!” (Mt 3,13-16).

In sieben Abschnitten soll hier das Thema `Taufe` erläutert werden.

1. Die Taufe von Jesus im Jordan und ihre Bedeutung

  • Jesus war knapp dreißig Jahre alt, als er sich im Jordan taufen ließ (so steht es in Lukas 3,23). Lukas beziffert das Alter von Jesus zu Beginn seines Dienstes mit `ungefähr oder knapp dreißig Jahren`, Johannes der Täufer war sechs Monate älter (Lk 1,26). Er hat also seinen Dienst nach dem Befehl Gottes auch mit etwa dreißig Jahren begonnen. Dieses Alter entspricht der Anordnung Gottes für den Beginn der amtlichen Priesterdienste in Israel (4Mose 4,1-47). Dass Jesus von einem Priestersohn, der dazu noch von Gott autorisiert war, getauft wird, ist auffallend, aber auch angemessen. Auch Jesus (der wahre Hohepriester) beginnt seinen Dienst in einem von Gott für die Priester vorgeschriebenem Alter.
  • Die angesprochene Taufstelle befand sich etwa 8 ½ km nördlich vom Nordende des Toten Meeres bei Betanien (Joh 1,28; 3,26) am Ostufer des Jordan und liegt ungefähr 380 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Taufe von Jesus im Jordan und das anschließende Zeugnis des Vaters sowie die Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist findet also nicht auf einer Höhe (Jerusalem, Tempelberg) statt, sondern an dem tiefsten Punkt unserer Erde. „Er erniedrigte sich selbst“ trifft somit auch hier bei den äußerlichen Umständen zu.
  • Jesus ist im Wasser des Jordan voll untergetaucht worden. Sowohl Matthäus als auch Markus berichten, dass Jesus nach der Taufe aus dem Wasser heraufgestiegen sei. Das griechische Wort `baptizo` bedeutet eintauchen, untertauchen, im Wasser begraben werden (es wird aber auch für rituelle Waschungen ohne Untertauchen verwendet). Wir lesen zum Beispiel in 2Könige 5,14 „Da stieg er (Naemann) ab und tauchte unter (ebaptisato) im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte.“
  • Mit dieser Taufe ordnet sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellt sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen.
  • Diese Wassertaufe zu Beginn seines öffentlichen Dienstes deutet symbolhaft auf seinen Tod und seine Auferstehung hin.

Wie auch in allen anderen Bereichen ist Jesus damit für seine Nachfolger Vorbild und Beispiel.

2. Die verschiedenen Taufen oder Taufarten im Neuen Testament

2.1 Die `Taufe des Johannes` oder auch `Taufe zur Buße, des Umdenkens` genannt.

Diese Taufe praktizierte Johannes der Täufer auf Befehl Gottes. Sie wurde noch Jahre später, als sich die Gemeinde schon längst unter den Heiden ausgebreitet hatte, von einigen Johannesjüngern weiterhin praktiziert (Mk 1,4;  Mt 21,25;  Lk 3,3;  Apg 19,1ff). Auch die späteren Jünger von Jesus wurden von Johannes getauft (Joh 1,37). Wir lesen nichts darüber, dass sie sich später noch einmal speziell auf den Namen Jesu taufen ließen, denn die Glaubensbeziehung zu Jesus war bei ihnen vorhanden.

2.2 Die Taufe, mit der die Jünger im Auftrag von Jesus zu seinen Lebzeiten tauften

Diese Taufpraxis ist nur am Rande erwähnt, doch handelt es sich dabei um Menschen, welche an Jesus glaubten (Joh 4,1ff).

2.3 Die Taufe mit oder im Heiligen Geist

Johannes der Täufer sagte von Jesus voraus, dass dieser mit dem Heiligen Geist taufen wird (Mk 1,8;  Joh 1,33;  Apg 1,5; 2,1-4). Ab hier verwenden die Apostel Umschreibungen wie: Empfang des Heiligen Geistes oder Versiegelung mit dem Heiligen Geist (Apg 2,38f;  Apg 8,15-16; 10,44; 11,16; 19,1-5; Röm 8,9;  Eph 1,13;  Tit 3,5).

2.4 Die Taufe in den einen Körper (Leib Christi)

Diese Taufe vollzieht sich in der Wiedergeburt eines Menschen. Es ist wie ein Eintauchen, eine Eingliederung in den Körper Christi, welcher ist die Gemeinde. „Denn in dem einen Geist sind wir alle in den einen Körper getauft: ob Juden oder Griechen, ob Sklaven oder Freie, wir sind alle mit dem einen Geist getränkt“ (1Kor 12,13).

2.5 Die `Leidenstaufe ` Jesu

Diese Taufe ist die schmerzlichste von allen, denn Jesus ist nicht symbolhaft, sondern real unter unendlich großen körperlichen und seelischen Schmerzen gestorben, als er die Schuld der ganzen Welt auf sich nahm (Mk 10,38;  Lk 12,50).

2.6 Die `rettende Taufe`

Noah und seine Familie wurden in der Arche durch das Wasser hindurch gerettet. Dieses Ereignis wird von Petrus als Vergleich oder Gegenbild unserer Rettung verwendet, so lesen wir in 1Petr 3,21: „Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

2.7 Die `Taufe mit dem Feuer`

Diese Taufe wird (aufgrund von Matthäus 3,11-12 und Lukas 3,16) oft mit der `Taufe des Heiligen Geistes` gleichgesetzt. Doch dies wird von Jesus und den Aposteln nicht bestätigt. Dass Jesus mit Feuer taufen wird, ist eher ein Hinweis auf seinen richterlichen Dienst, wenn Er kommt um “in Feuerflammen Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus“, so Paulus in 2Thes 1,8; vgl. auch Mt 25,46;  Mt 3,11-12;  Lk 3,16;  Offb 19,20; 20,14. 15).

2.8 Die `Taufe für die Toten`

Von dieser Art von Taufe (die nur an dieser Stelle erwähnt wird) schreibt Paulus, als er den Korinthern die Realität der leiblichen Auferstehung erklärt (1Kor 15,29). Sie war niemals Bestandteil der Apostellehre. Sie war genauso sinnlos wie die heute noch verbreitete Praxis der Fürbitte oder Messe für die Verstorbenen.

2.9 Die `Taufe auf den Namen ´Jesu` oder den `Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes`

Dabei geht es um die Taufe, welche Jesus für die Glaubenden angeordnet hatte (Mt 28,19). Diese Taufe praktizierten seine Jünger ab Pfingsten (Apg 2,38-40; 8,12; 8,38; 10,48; 22,16; 16,31ff; 18,8; 19,5). Darüber mehr im nächsten Abschnitt.

3.   Die Taufpraxis der Jünger von Jesus

Vor seiner Himmelfahrt ordnete Jesus seinen Jüngern an, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (Mt 28,19). Dieser Taufpraxis begegnen wir gleich bei der Predigt des Petrus am Pfingsttag. Die zentrale Aufforderung an die Zuhörer lautete dort: „Tut Buße (denkt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.” (Apg 2,38). In der Urgemeinde war die Taufe ein klares Bekenntnis zu Christus und seiner Gemeinde. Die Taufe auf den Namen Jesu war der erste öffentliche Schritt des Gehorsams eines Gläubigen und somit auch ein Glaubensschritt in der Nachfolge Jesu, denn in der ersten Gemeindegeneration wurde nach Sinnesveränderung und Umkehr sofort getauft: „Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.” (Apg 2,41). In Jerusalem gab es zwar keinen Fluss, dafür aber sind zwei Teiche namentlich genannt, der Bethesda-Teich und der Teich Siloah. Diese Wasserspeicher wurden auch für rituelle Waschungen benutzt (Joh 5,1ff; 9,7; 11,55). Dazu gab es auch in den privaten Haushalten Waschbecken für rituelle Reinigung, welche verständlicherweise für die Glaubenstaufe genutzt werden konnten.

In Samarien ließen sich Männer und Frauen von Philippus, dem Evangelisten, taufen, nachdem sie an Jesus gläubig geworden waren (Apg 8,12ff). Hier gibt es keine näheren Angaben zu einer Taufstelle, doch das samaritische Hochland hatte viele Quellen.

Der äthiopische Finanzminister bat Philippus gleich nach seinem Gläubigwerden an Jesus, getauft zu werden (Apg 8,26-40). „Sie kamen an ein Wasser“ dies könnte am Mittelmeer im Gazabereich gewesen sein, da der Weg des Äthiopiers dort vorbeiführte. In diesem Uferbereich ist das Meer flach abfallend und gut geeignet für eine Taufe.

Saulus/Paulus wird in Damaskus von dem Jünger Ananias im Haus des Judas in der Geraden Gasse aufgesucht und nach Gebet und Handauflegung aufgefordert, nicht zu zögern, sondern sich sofort taufen zu lassen (Apg 22,16). Das lässt sich Saulus nicht zweimal sagen, sondern folgt sofort dieser Aufforderung.

Abbildung 4 Der Fluss Barada, welcher seinen Ursprung im südöstlichen Antilibanongebirge nimmt, fließt in mehreren Armen und Kanälen mitten durch die Stadt Damaskus (Foto am 11. April 2011).

Im Alten Testament wird dieser wasserreiche Fluss Amana (Abana) genannt (2Kön 5,12). Hier sind höchstwahrscheinlich die ersten Gläubigen an Jesus Christus und auch Paulus getauft worden.

Die Jünger in Ephesus wurden ebenfalls sofort nach ihrem Gläubigwerden an Jesus von Paulus oder seinen Mitarbeitern getauft (Apg 19,3-5). Der Fluss Kaystros (kleiner Menderes) war geeignet für die Taufe im Wasser.

In Philippi wurde Lydia und ihr Haus, das heißt Familienangehörige und Dienerschaft, im Fluss getauft, gleich nachdem sie gläubig geworden waren (Apg 16,14-15).

Abbildung 5 Die Taufstelle am Fluss Gangites in Philippi ist in unmittelbarer Nähe des heutigen Dorfes Lydia und der antiken Stadt Krinides (kleine Quellen). Noch heute werden von der Orthodoxen Kirche an dieser Stelle Taufen durchgeführt. Die Taufstelle liegt im Nordwesten der Ausgrabungsstätte von Philippi. In unmittelbarer Nähe ist im Gedenken an die Taufe von Lydia und ihrem Haus eine Kirche errichtet worden (Foto am 31. Juli 2007).

Der Gefängniswärter in Philippi und seine Familienangehörigen wurden noch in der Nacht auf dem Gefängnisgelände getauft (Apg 16,31ff). Die wohlhabenden römischen Bürger hatten in ihren Häusern Bassins, die sich auch sehr gut für Taufen eigneten.

4.   Der Sinn und die Bedeutung der Taufe

Die Taufe ist eine sichtbare und symbolhafte Darstellung der Bekehrung eines Menschen zu Gott sowie seine Wiedergeburt durch den Glauben an Jesus Christus. Daher wurde die Taufe immer erst nach der Bekehrung vollzogen und sollte deshalb auch heute nicht vorweggenommen werden. So lesen wir in der Apostelgeschichte 18,8: „In der Folge kam kein Geringerer als Krispus, der Vorsteher der Synagoge, zum Glauben an den Herrn – er und alle, die in seinem Haus lebten. Auch viele andere Korinther, die Gottes Botschaft hörten, glaubten und ließen sich taufen.

  • Die Taufe versinnbildlicht das Abwaschen der Sünden. In Damaskus sprach Ananias zu Paulus: „Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst” (Apg 22,16).
  • In der Taufe verkündigen wir den Tod Jesu. “Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und sind daher auch mit ihm begraben worden.” (Röm 6,4). Es ist also eine Art Identifikation mit dem gekreuzigten Christus. Praktisch bedeutet es, den früheren sündigen Lebensstil aufzugeben. Die Aussage: „Wir sind Sünder und bleiben Sünder“ passt nicht zu diesem neuen Lebensstand. Denn womit man sich identifiziert, das tut man letztlich auch.
  • Sie ist ein Sinnbild für das Auferstehen mit Christus zu einem neuen Leben. Paulus schreibt: „Weil nun aber Christus durch die unvergleichlich herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, ist auch unser Leben neu geworden, und das bedeutet: Wir sollen jetzt ein neues Leben führen” (Röm 6,4).
  • In der Taufe bestätigen wir die Entscheidung, Jesus ganz praktisch nachzufolgen. Lukas schreibt von Lydia in Philippi: „Nachdem sie sich dann mit allen, die in ihrem Haus lebten, hatte taufen lassen, lud sie uns zu sich ein. »Wenn ihr überzeugt seid, dass ich jetzt eine Christin bin und an den Herrn glaube«, sagte sie, »dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste!« Sie drängte uns so, dass wir einwilligten” (Apg 16,15). Gute Werke, Taten der Liebe und Barmherzigkeit sind nicht Voraussetzung, sondern dankbare Folge des neuen Lebens in und durch Christus.
  • Die Taufe ist nicht nur ein klares Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Jesus, sondern auch ein Zeichen der Aufnahme in die Familie Gottes. Die Taufformel: „Auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ macht es deutlich (Mt 28,19). Die Zugehörigkeit zur Familie Gottes gibt nun auch das Recht, Kinder Gottes zu heißen (1Joh 3,1-2).
  • Durch die Taufe wird auch die Zuordnung zur lokalen Gemeinde sichtbar gemacht. „Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen“ (Apg 2,41).

5.   Missverständnisse und Barrieren in Bezug auf die Taufe

Aus Angst, die kleinen Kinder könnten verloren gehen (wegen dem sogenannten Erbsünde-Verständnis des Augustinus), begann man in der christlichen Kirche der Spätantike, auch Säuglinge und Kleinkinder zu taufen. Doch finden wir im Neuen Testament zur Säuglingstaufe im Gegensatz zur Taufe der Glaubenden keinen eindeutigen Beleg. In den vielen vorliegenden Berichten wird kein einziges Mal ein Kind (direkt) bei der Taufe erwähnt. Wenn es heißt, dass ganze `Häuser` – also ganze Familien – getauft wurden, so heißt dies noch nicht, dass auch die Säuglinge der Familie mitgetauft wurden. Vielmehr wird betont, dass die, „welche das Wort Gottes gerne annahmen” (Apg 2,41) sich taufen ließen. Dies setzt eine bewusste Entscheidung voraus, was einem Säugling noch nicht möglich ist. Erfreulicherweise werden in neuerer Zeit vermehrt Kinder in einem Alter getauft, in dem sich das betreffende Kind schon bewusst entscheiden kann, an Jesus zu glauben und ihm nachzufolgen.

Wer als Kind getauft wurde, hat oft die Befürchtung, dass durch eine erneute bzw. bewusste Taufe die Kindertaufe außer Kraft gesetzt würde. Begründet wird das mit der Aussage von Paulus im Epheserbrief Kapitel 4,4: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, ein Gott und Vater“. Tatsächlich gibt es viele, die “Götter” genannt werden, doch nur einer ist der wahre Gott. Auch gibt es viele Arten von Glauben, doch nur der eine Glaube an Jesus Christus ist der rettende und wahre Glaube. Entsprechend gibt es verschiedene Taufen, doch nur die eine ist die richtige und wahre: die Glaubenstaufe. So wurde ab Pfingsten die Taufe des Johannes nicht mehr anerkannt (Apg 2,38; 19,1ff), sondern nur noch die Taufe auf den Namen Jesu, welcher der Glaube an Jesus Christus vorausging. Obwohl es sich bei der Johannestaufe um eine Erwachsenentaufe handelte, ließen sich diese Personen auf den Namen Jesu taufen (Apg 19,1-5).

Ein weiteres Missverständnis liegt vor, indem die Segnung der Kleinkinder durch Jesus als Begründung für die Säuglingstaufe herangezogen wird. So schreibt Markus: „Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“ (Mk 10,13-16). Die Wendungen “solchen“ und „wie ein Kind“, lassen auf die Haltung eines Menschen schließen. Ansonsten wären ja die Erwachsenen automatisch aus dem Reich Gottes ausgeschlossen. Dazu ist hier nichts von einer Taufe oder Besprengung die Rede. Daher ist diese Handlung von Jesus nicht stichhaltig als Begründung für eine Säuglingstaufe.

Es kam vor, dass erwachsene Menschen ohne echte Umkehr getauft wurden (Apg 8,20ff). Petrus fordert in Samarien den Magier Simon zur Umkehr auf. Ohne echte Buße (Sinnesänderung) ist die Taufe (auch für erwachsene Menschen) nicht nur sinnlos und zwecklos, sondern bildet ein Hindernis beim Wachstum im Glauben.

6.  Wo wurde getauft?

In den ersten zwei Jahrhunderten wurden die Christen in Flüssen, Teichen, Bade-Bassins oder im Meer getauft. Zu Beginn des 4. Jh. jedoch begann man Kirchen zu errichten oder römische Basiliken in Kirchengebäude umzuwandeln. Dabei baute man in den meisten Fällen kreuzförmige, oft mit Mosaiken verzierte oder mit Marmorplatten ausgelegte Taufbecken in Neben- bzw. Vorräume, die dann auch `baptisterion` genannt wurden. Dort wurden Menschen, die an Christus gläubig geworden waren, getauft und in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

Abbildung 6 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der Epiphania Kirche in Salamis auf Zypern, etwa 6 km nördlich der heutigen Hafenstadt Famagusta. Sie stammt aus dem 5. Jahrhundert. Die Ruinen der antiken Kirche liegen etwa 300 Meter nordwestlich der alten Hafenmole (Foto am 11. März 2008). Auf dem Ausgrabungsgelände von Salamis ist noch die größere Kirche `Kampanopetra` aus dem 5/6. Jahrhundert ausgegraben worden. Sie liegt weiter nördlich, direkt am Ufer der gleichnamigen Bucht. Diese Kirchenreste geben Zeugnis davon, dass die Predigt des Paulus und Barnabas (Apg 13,3-5) geistliche Frucht hervorbrachte.

Es fällt auf, dass diese Taufräume zweckmäßig und in der Regel außerhalb des Kircheninneren errichtet wurden. Es gab den Auskleide-Raum, dann den Raum mit dem eigentlichen Taufbecken (meist in Kreuzform); von dort gelangte der Getaufte in einen Raum, wo er mit Öl gesalbt und neu eingekleidet wurde. Erst danach betrat er das Innere der Kirche. Somit lassen sich auch in der Architektur bestimmte theologische Erkenntnisse der damaligen Epoche ablesen.

Abbildung 7 Ein sehr gut erhaltenes kreuzförmiges Taufbecken in der Marienkirche in Ephesus (Westtürkei). Die Ruinen der Kirche liegen in der Nähe der ehemaligen römischen Thermen und des alten Hafens. Die große Kirche stammt aus dem 5. Jahrhundert und ist auch bekannt wegen des Konzils aus dem Jahre 431 (Foto am 6. März 2008).

Abbildung 8 Das Taufbecken in der Bischofskirche in Stobi (Nähe der heutigen Stadt Veles in Makedonien)aus dem 4. Jh. ist außerordentlich gut erhalten und zählt mit seinen bunten Verkleidungen sowie seiner Form zu den schönsten Taufbecken aus der Antike. Auf dem gepflegten Ausgrabungsgelände ist eine weitere Kirche mit einem Taufbecken entdeckt und ausgegraben worden (Foto am 8. September 2009).

Obwohl das Ausgrabungsgelände an der Hauptstraße Thessaloniki – Skopje liegt und gut einsehbar ist, wird es nur von wenigen Besuchern aufgesucht.

Abbildung 9 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der so genannten `Kleinen Basilika` in Plovdiv (Bulgarien). Diese christliche Basilika aus dem späten 5. Jahrhundert wurde bei Bauarbeiten in der Innenstadt im Jahre 1988 entdeckt und in den letzten Jahren ausgegraben und restauriert (Foto am 29. Mai 2016).

In der Spätantike und im Mittelalter setzte sich dann nach und nach die Kindertaufe durch (in der Westkirche durch Besprengen), daher sucht man oft vergeblich in den Kirchen aus jener Epoche ein richtiges tiefes Taufbecken.

In Teilen der Ostkirche ist bis heute die Taufe Erwachsener und Kinder (oft mit dreimaligem Untertauchen) in einem Fluss oder Bassin die übliche Taufform.

In vielen Gemeinden unserer Stadt werden heute Menschen, die eine bewusste Umkehr zu Gott und den Glauben an Jesus Christus bezeugen, in der Sommerzeit in den Fluss Nagold und in den kälteren Jahreszeiten in einem Bassin oder Taufbecken getauft.

7.  Schlussfolgerung

Daher wollen wir nichts anderes praktizieren als das, was die Apostel des Herrn auf seinen Befehl hin auch taten, indem sie die Gläubigen an Jesus Christus im Wasser auf den Namen Jesu tauften. Verständliche Erklärung über den Sinn und Zweck der Wassertaufe sollte schon in den evangelistischen Predigten erfolgen. Auch in Seelsorgegesprächen, bei denen es um Bekehrung zu Gott und den Glauben an Jesus Christus geht, ist der deutliche Hinweis auf die Taufe wichtig und sinnvoll.

Deshalb solltest du diesen Schritt in vollem Bewusstsein und der Überzeugung tun, dass Jesus Christus dir deine Sünden vergeben hat und du bereit bist, Ihm von ganzem Herzen nachzufolgen.

Abbildung 10 Die Taufstelle an der Nagold in Pforzheim-Dillweißenstein (Foto am 31. Juli 2007).

Ausgearbeitet von Paul Schüle

Aktualisiert am 3. Juni 2025

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Der Teufel und die Hölle

Diese Bibelstudie erhebt keineswegs den Anspruch einer vollständigen Lehre über den Satan, und seiner Dämonen. Trotzdem kann sie als Basis gelten für ein allgemeines Verständnis des Themenkomplexes über den Ursprung, sein Wirken und sein Ende mit samt denen, die ihm folgen.

Einleitung

Das Thema Teufel und Hölle stehen in engem Zusammenhang miteinander. Denn ohne den Teufel gäbe es auch keine Hölle. Daher sprechen wir über die Hölle erst im zweiten Teil dieser Bibelstudie. Dass heute viele Menschen die Existenz des Teufels leugnen, stört ihn keineswegs. Andererseits tut es auch keinerlei Abbruch der Tatsache für seine Existenz, da es an den Folgeerscheinungen seines Wirkens nicht mangelt. Doch die wichtigste Begründung für seine Existenz, sein boshaftes Wirken sowie sein Ende wird uns in den Heiligen Schriften beschrieben. Die Zeitgenossen von Jesus im Judentum zweifelten nicht an der Existenz des Teufels, den sie Beelzebul nannten, wenn auch ihre Vorstellung von seinem Wirken und die Zuordnung falsch war und von Jesus korrigiert wurde (Mk 3,22; Mt 10,25; 12,24; Lk 11,14-19). Um den vielen Fragen zu diesem Themenkomplex nachzugehen, wenden wir uns an Jesus. Denn wenn es jemand gibt, der Bescheid weiß, dann ist er es als ewiger Sohn Gottes, durch den alles geschaffen wurde (Joh 1,1-3; Kol 1,15-17). Und er gibt seinen Jüngern Einblick in den Ursprung des Satans, seinen Sturz, sein wirken so wie seine Entmachtung und Verdammnis mit samt seiner Gefolgschaft.

1. Teil: Die Realität der Existenz des Teufels, sein Wirken und Verdammnis im Feuersee

1.1 Das Ende des Teufels und seiner Gefolgschaft

Wir beginnen unsere Beobachtung vom Ende her. Dazu gibt Jesus in seinen Endzeitreden folgenden Einblick: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (Mt 25,41). Damit macht Jesus klar, dass für den Teufel und seine Engel der Ort (oder Zustand) bereits feststeht. Und alle, die unter das Verdammungsurteil Jesu fallen, ebenfalls in das ewige Feuer weggeschickt werden. Das ewige Feuer in Mt 25,41 und der Feuersee in Offb 20,10 sind identisch wie die Inhalte beider Verse deutlich machen. Doch nähere Details über diesen Ort oder Zustand im zweiten Teil dieser Studie.

Dann begründet er sein Urteil über die, welche ihrer Bestimmung nicht nachgekommen sind mit den Worten: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“ (Mt 25,42-46). Der künftige Verbleib des Teufels, seiner Engel und der Ungerechten Steht im offensichtlichen Kontrast zum Verbleib der Gerechten, denen Jesus sagen wird: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Mt 25,34).

Das Strafurteil gilt jedoch denen, welche die ihnen gebotenen Gelegenheiten versäumt haben zu nutzen. Über den Schalksknecht, der sein Talent vergraben hatte spricht Jesus: „Aber den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“ (Mt 25,30). Es geht um Menschen, welche ihrer Bestimmung nicht nachgekommen sind indem sie ihre von Gott gewährten Gaben und Möglichkeiten vergruben, anstatt sie einzusetzen. Damit haben sie sich selber disqualifiziert aus der Gemeinschaft mit Gott. (Mt 25,24-30). Es erstaunt, wie Jesus sachlich über den Verbleib und Zustand dieser Menschen spricht.

1.2 Der Ursprung des Satans und seiner Engel sowie sein Sturz

Jesus weiß nicht nur das Ende vom Teufel, er kennt auch dessen Anfänge sowie den Verlauf seines Wirkens. Und so lautet die Charakteristik über den Urheber alles Bösen: „Der ist ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Joh 8,44). Damit nimmt Jesus Bezug auf die Versuchung von Eva und Adam durch die Schlange, sowie den Tod als Folge der Übertretung (1Mose 3). Allein im Neuen Testament erwähnen Jesus und die Apostel etwa 40 Mal den Teufel / Satan und geben Einblick in das was er ist und tut. Doch der Satan ist nicht allein, ihm folgten eine große Anzahl von Engeln. Von diesen heißt es in Judas 1,6: „Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter (in) Dunkelheit verwahrt.“ Die Initiative ging von ihnen selbst aus. Sie wurden gebunden und damit in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Unter oder in „ewigen Fesseln der Dunkelheit verwahrt“ ist die Unumkehrbarkeit in das Reich des Lichtes hervorgehoben. Das Verlassen der von Gott zugewiesenen Stellung scheint Folge der Verführung durch Satan zu sein. Doch sie verließen ihre Stellung in dem Wissen um Gottes Willen. Auch der Apostel Petrus hat zu diesem Thema eine wichtige und ergänzende Aussage gemacht. So schreibt er in seinem zweiten Brief: „Denn wenn Gott Engel, die gesündigt hatten, nicht verschonte, sondern sie in dunklen Höhlen des Abgrundes gehalten und zur Aufbewahrung für das Gericht überliefert hat (…)“ (2Petr 2,4). Für Abgrund steht im Griechischen die Bezeichnung `tartaros` und dies war in der Vorstellung der Griechen der unterste Ort der Verbannung. Nach den Aussagen des Judas  und Petrus ist dieser Verbannungsort vorübergehend bis zum Gericht. Erst danach wird er mit samt seinen Engeln in den Feuersee geworfen, wie es in den Texten von Mt 25,41 und Offb 20,10 beschrieben wird. Wahrscheinlich stützten Petrus und Judas ihre Aussagen auf die Worte von Jesus aus Lukas 10,18: „Ich sah den Satanas vom Himmel fallen wie einen Blitz“. Auch wenn Jesus hier nur vom Satan spricht, wurden laut Kontext durch die siebzig viele Dämonen ausgetrieben, welche alle zu seinem Gefolge gehörten (Lk 10,18-20; ähnlich auch in 11,14-19). Sicher zu sein scheint, dass der Urteilsspruch über diese Engel bereits gefällt wurde, doch der Gerichtsvollzug über sie steht noch aus, wie auch die ängstliche Frage der Dämonen erahnen lässt, was auf sie noch zukommt (Mt 8,29).

Anmerkung: die Beschreibung des Sturzes des Königs von Tyrus in Hesekiel 28,12-19 scheint auch einen Einblick zu geben über den ursprünglichen Zustand des Satans und seinen Fall. Er ist sozusagen in den Text hineingewoben: „Du Menschenkind, stimm ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott der HERR: Du warst ein vollendet gestaltetes Siegel, voller Weisheit und über die Maßen schön. 13 In Eden warst du, im Garten Gottes, geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd. Von Gold war die Arbeit deiner Ohrringe und des Perlenschmucks, den du trugst; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. 14 Du warst ein glänzender, schirmender Cherub und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt; ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine. 15 Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde. 16 Durch deinen großen Handel wurdest du voll von Gewalttat und hast dich versündigt. Da verstieß ich dich vom Berge Gottes und tilgte dich, du schirmender Cherub, hinweg aus der Mitte der feurigen Steine. 17 Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt und ein Schauspiel aus dir gemacht vor den Königen. 18 Weil du mit deiner großen Missetat durch unrechten Handel dein Heiligtum entweiht hast, darum habe ich ein Feuer aus dir hervorbrechen lassen, das dich verzehrte und dich zu Asche gemacht hat auf der Erde vor aller Augen. 19 Alle, die dich kannten unter den Völkern, haben sich über dich entsetzt, dass du zum Schrecken geworden bist und es aus ist mit dir für immer.“

Es ist bekannt, dass Die Deutung dieses Textes über den König von Tyrus auf den Satan unter den Auslegern umstritten ist und so manche Frage aufwirft. Doch welcher Mensch wurde jemals „du schirmender Cherub“ genannt? Auch die Aussage in Vers 15: „Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde.“ Kann in keinem Fall auf den König von Tyrus zutreffen, denn er war keineswegs sündlos vom Tag seiner Erschaffung. Solcher Art ineinander verwobener Vergleich ist kein Einzelfall in der Bibel. Dazu gibt es auch im positiven Bereich irdische Abbilder von himmlischen Realitäten (2Mose 4,22: „Israel ist mein erstgeborener Sohn“ im Vergleich mit Ps 2,6-7; Kol 1,15 und Hebr 1,6).

Die bis dahin erforschten Texte sprechen von einem Fall Satans und seiner Engel, der sich in der Zeit vor dem Sündenfall zugetragen haben musste.

Anmerkung: Der Satan und seine Engel hatten eine einmalige Chance sich zu entscheiden ohne Umkehrmöglichkeit, dies gilt auch für Tyrus, welches nie wieder aufgebaut werden wird (Hes 26). Auch Adam und Eva wurden nur einmal vor eine Entscheidung gestellt, allerdings  mit der Möglichkeit zur Umkehr. Und dies gilt nun für alle Menschen, wenn sie in ihrer Lebenszeit zu Gott umkehren (Joh 3,16-19).

1.3 Der Satan im Bild eines feurigen Drachen

Obwohl der Satan seine hohe Stellung verlassen hatte und samt seinen Engeln aus dem Licht Gottes in die Finsternis verstoßen wurde, blieb er aktiv, nun aber auch gegen den Menschen (1Mose 3,1ff; 4,1ff; 6,1ff; Hiob 1-2 und in der gesamten Zeit von Abraham bis Christus). Am Ende des 1. Jahrhunderts gibt Jesus durch eine bildhafte Darstellung wichtige Informationen über den Teufel an Johannes weiter. „Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort, und er warf sie auf die Erde.“ (Offb 12,3-4).

Abbildung: Ein weiteres Zeichen erscheint im Himmel – ein großer feurige Drache mit sieben Köpfen gekrönt mit sieben Diademen. Die zehn Hörner waren laut Text auf den sieben Köpfen, doch aus Gründen der Platzierung sind sie auf der Zeichnung hinter den Köpfen angebracht. Mit seinem großen Schwanz zog er den dritten Teil der Sterne mit sich und warf sie auf die Erde. (Zeichnung von Joela Schüle Dez. 2022).

Ein ganz anderes Zeichen erscheint im Himmel, es ist ein feuriges Ungeheuer mit einem (großen) Schwanz. Die Bezeichnung `Drache, gr. drakön – Ungeheuer`, kommt in der Bibel mehr als 20 Mal vor. Ursprünglich bezog sich diese Bezeichnung auf große Land- und Meeresungeheuer. Hiob aus dem Lande Uz kannte diese riesengroßen Geschöpfe (Hiob 40). Und in Ps 74,13 wird in einer etwas rätselhaften Beschreibung vorausgesagt: „Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.“ Die Bezeichnung Drache wird auch auf bestimmte grausame Herrscher bezogen. In Hesekiel 29,3 sagt der Herr: „Rede und sprich: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großer Drache, der in seinem Strom liegt und spricht: »Der Nil ist mein und ich habe ihn mir gemacht (…).« (dazu auch Hes 32,2). Und Israel klagt: „Nebukadnezar, der König von Babel, hat mich gefressen und umgebracht, er hat aus mir ein leeres Gefäß gemacht. Er hat mich verschlungen wie ein Drache, er hat seinen Bauch gefüllt mit meinen Kostbarkeiten; er hat mich vertrieben.“ (Jer 51,34). Es ist keineswegs zufällig, dass gerade diese beiden Herrscher (die Könige von Ägypten und Babel als Erzfeinde des Volkes Israel) mit dem Drachen verglichen werden. Schon früh wird der Drache als Sinnbild des Bösen verwendet. So in 5Mose 32,33: „ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern.“ (vgl. auch 1Mose 3,1ff). Der Kampf gegen den Drachen, die Schlange begann seit Urzeiten im himmlischen Bereich (Offb 12,7ff) und er setzte sich fort in der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens so wie in der Befreiung des Volkes Gottes aus der Gefangenschaft in Babylon. Und der Sieg über ihn ist vorausgesagt (1Mose 3,15; 2Mose 4-15). Und in Psalm 91,13 wird verheißen: „Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.“ Wer sich zu Gott hält, bleibt bewahrt und unbeschadet (vgl. Lk 10,18-20).

In den Evangelien und den Briefen der Apostel kommt die Bezeichnung `Drache` nicht vor. Dort wird der Drache, die alte Schlange, direkt mit Teufel-Durcheinanderbringer und Satan-Gegner benannt (Mt 4,1-11; Lk 4,1-13; 10,18). Oder auch „Der Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30; 16,11; „Der Gott dieser Welt“ 2Kor 4,4). Als Gottes Widersacher und Angreifer der Gläubigen wird er auch mit einem brüllenden Löwen verglichen (1Petr 5,8).  Er wird ebenso als Ankläger der Gläubigen (gr. Kategoros) bezeichnet (Offb 12,10).

 Erst wieder im Buch der Offenbarung wird an die Bildersprache des AT angeknüpft (Offb 12,3.6.7.17; 13,2-4; 16,13; 20,2).

Die Darstellung mit sieben Köpfen und zehn Hörnern ist eine Anmaßung der Macht und Kraft (Dan 7,6-8). Die Zahlen sieben und zehn weisen eigentlich auf Vollkommenheit und Vollständigkeit hin. Aber auch die sieben Diademe (königliche Insignien) auf seinen sieben Köpfen trägt er zur Schau. Er maßt sich etwas an, was er angestrebt hatte, aber nicht erreichen konnte. Im himmlischen Bereich trägt (außer dem Sohn Gottes) niemand Diademe (Offb 19,12).

Anmerkung: Im biblischen Kontext zeigt sich der Teufel selbst nicht als Drache, sondern eher als ein Engel des Lichts (2Kor 11,14-15). Doch Christus offenbart und entlarvt ihn in bildhaftem Zeichen als solchen, wie er nicht ist, sondern was er sich anmaßt zu sein.

Und er hatte in seiner Stellung großen Einfluss und riss mit seinem Schwanz den dritten Teil der Sterne des Himmels mit sich und warf sie auf die Erde. Im Buch Hiob wird der Schwanz von solch einem Ungeheuer mit einem Zedernbaum verglichen (Hiob 40,17). Im biblischen Kontext steht `Schwanz` im übertragenen Sinne für Verführung durch falsche Propheten (Jes 9,13-15; Offb 9,10.19).    

Die Aussage im Text der Offenbarung birgt in sich auch, dass die Initiative zunächst vom Satan ausgegangen war und (durch Verführung) viele von den Engeln ihm folgten und somit unter seine Gewaltherrschaft gelangten. So wäre es zu verstehen, dass er mit seinem großen Schwanz den dritten Teil der Sterne (Engel) mit sich riss und auf die Erde warf.

Die vielen Befreiungen von Dämonen durch Jesus belegen, dass jene gefallenen Engel in der Welt wirksam waren.

Dies führt uns zu einer weiteren Frage.

1.4 Wie viel Macht blieb dem Teufel nach seinem Fall?

Diese Frage stellt sich wegen der Zunahme der Ungerechtigkeit in der Welt. Nach dem Äußeren zu urteilen, sieht es aus, als ob er an Macht zugenommen hätte (1Mose 3,1ff; Hiob 1-2; Sach 3,1ff; Lk 4,1-13; 22,30-31; 22,53: „Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.“ (Dazu auch Ps 2,1ff und Apg 4,25-29).

Wenn wir jedoch daraufhin die biblischen Aussagen aufmerksam lesen, kommen wir zu einem anderen Schluss. Denn Jesus hat den Satan besiegt, wie bereits in 1Mose 3,15 über den Nachkommen der Frau vorausgesagt wurde (dazu auch Mt 12,29; Mk 3,27). In der Tat ist Jesus als der Stärkere in den Bereich des Starken eingebrochen. Paulus zitiert die messianische Verheißung aus Psalm 68,19 und bezieht diese auf die Erniedrigung und Erhöhung von Christus sowie seinen gewaltigen Eingriff in das Reich des Feindes: „Darum heißt es: »Er ist aufgefahren zur Höhe, hat gefangengeführt die Gefangenschaft und den Menschen Gaben gegeben. Dass er aber hinaufgefahren ist, was ist das anders, als dass er auch hinabgefahren ist in die unteren Örter der Erde.“ (Eph 4,8-9; Phil 2,6-11). Jesus hat die Gefangenschaft – das Gesetz der Sünde und des Todes gefangen geführt, erobert (Röm 7,23-25; 8,2-3). Und in Hebr 2,14 wird erklärt, wodurch es möglich wurde: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.“ Und in Kol 2,15 schreibt der Apostel: „Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.“ Und diese Entmachtung des Satans und seines Gefolges (ähnlich wie bei einem Triumphzug) kann mit der Bindung des Drachen aus Offb 20,1-3 in Verbindung gebracht werden. Doch um das Geschehen mit der Bindung des Drachen (Teufel und Satan der alten Schlange) noch besser zu verstehen, müssen wir ein wenig zurückblenden.

1.5 Der Hinauswurf Satans samt seiner Gefolgschaft aus dem himmlischen Bereich

Erinnern wir uns noch daran, dass dieser Drache von dem Erzengel Michael aus dem himmlischen Bereich mit samt seinen Engeln hinaus und auf diese Erde hinabgeworfen wurde (Offb 12,7-9). Dies geschah im Zusammenhang mit dem Werk der Erlösung Christi und seiner Erhöhung zum Thron Gottes (Joh 12,29-31; Offb 12,5; Phil 2,6-11). Es erstaunt schon, dass Gott ihm noch so lange den Verbleib oder Zugang in seinen Bereich gestattete. Es bedurfte wohl zuerst der juristischen Grundlage durch den Sieg Jesu, um ihn rechtskräftig zu verurteilen (Joh 16,11). Ab dem Sieg Jesu wäre es jedoch nicht nachvollziehbar, wenn Gott ihn noch länger einfach so weiter machen ließe wie vorher. Und noch weniger nachvollziehbar wäre die Vorstellung, dass der Drache auf die Erde hinabgeworfen, noch mehr Macht ausüben könnte als vorher, als er noch Zugang hatte zu dem himmlischen Bereich (siehe die Hiobsgeschichte in Kapitel 1-2). Nun aber wird er noch mehr in seinem Wirken eingeschränkt, denn ihm wird bewusst, dass er wenig Zeit gr. (kairos) hat (Offb 12,11). 

Der Teufel verlor weiter an Macht nachdem Jesus gesiegt hatte: Kol 2,13-15; 1Petr 5,8; Jak 4,7; 2Kor 10,4-5; Eph 6,12; Röm 16,20. Darum fürchte dich nicht vor dem, der bereits samt seinen Dämonen besiegt wurde, der gerichtet ist und seinem Verderben entgegen geht (Joh 16,33; 1Joh 2,13-14; 5,4). Seine Verdammnis ist gewiss, doch erst nachdem er am Ende der Zeit alle feindlichen Mächte unter seiner Führung vereinigen wird, um gegen das Heerlager der Heiligen und der geliebten Stadt vorzugehen (Offb 16,12-14; 20,7-9). Doch diesen Kampf verliert er und wird in den Feuersee geworfen und zwar mit samt seinen Engeln (Offb 20,10; Mt 25,41). Nun ist es an der Zeit, um an die Texte über die Hölle nachzudenken, denn besonders in den letzten Jahrzehnten entwickelten sich unter den Theologen darüber verschiedene Sichtweisen.

2. Teil: Hölle – Fiction oder Realität?

Der in der deutschen Sprache verwendete Begriff `Hölle`, was ursprünglich den Sinn `verborgener Ort` hatte, ist allgemein und pauschal. Im Hebräischen  und auch im Griechischen gibt es hauptsächlich zwei ganz unterschiedliche Begriffe und einige Umschreibungen, die verschiedene Aspekte oder gar Abstufungen der `Hölle` beschreiben.

2.1 Der Begriff Hadesch

Der griechische Begriff `o ad¢s – Hadesch` ist im Neuen Testament durchweg als negativer Ort (oder Zustand) in dem die Ungerechten nach ihrem Tod bis zum Gericht aufbewahrt werden (Mt 11,23: „bis in den Hadesch wirst du hinuntergestoßen“ so auch in Lk 10,15; Mt 16,18: „die Tore des Hadesch werden die Gemeinde nicht überwältigen“; Lk 16,23: „als er sich im Hadesch befand“; Offb 1,18: „Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hadesch“ Offb 6,8 und 20,13.14: Tod und Hadesch in negativer Kombination. Im hebräischen gibt es eine Entsprechung durch den Begriff `scheol`. Damit wird der Ort der Verstorbenen beschrieben, welche sich gegen Gott aufgelehnt hatten (4Mose 16,33; Spr 1,12; 7,27; Jes 5,14; 14,11-15; 28,15.18). Nach den Worten von Jesus ist Hadesch ein Herrschaftsbereich der Finsternis (Mt 16,18).

  • Hadesch ist der krasse Gegensatz zu dem bildhaften Abrahams Schoß, wohin Lazarus von den Engeln hingebracht wurde (Lk 16,22). Nach den erklärenden Worten von Jesus befindet sich Abraham bei Gott (Lk 20,38: „Gott ist nicht der Toten Gott, sondern der Lebenden, denn ihm leben sie alle“).
  • Hadesch ist als Zustand (und Ort) unüberbrückbar zu dem Bereich, in dem sich Abraham und Lazarus befanden (Lk 16,26). Damit ist auch die verbreitete Irrlehre vom Aufenthalt im Fegefeuer hinfällig. Hier sollten die Infos genau betrachtet werden, welche Jesus gibt als er über den reichen Mann und den armen Lazarus spricht (Lk 16,19ff).
  • Hadesch ist auch der Gegensatz zu Paradies (Lk23,43). Jesus war im Tod, aber war er auch im Hades / Scheol? Ist es nicht in Psalm 16,10 (Apg 2,27-31) durch den Begriff `Scheol – Scheol` angedeutet? Und sagte Jesus nicht auch in Mt 12,40, dass „der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein wird“? Sein Körper wurde in eine Felsenhöhle gelegt, doch seinen Geist befahl er in die Hände des Vaters. Dem reumütigen Übeltäter sagte er: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Und Paradies ist nicht unten, sondern oben in Gottes Welt (2Kor 12,4; Offb 2,7). Nachdem Jesus in seinem letzten Ausruf seinen Geist in die Hände seines Vaters übergeben hatte, trat sein physischer Tod ein. Sein Leichnam wurde in eine Felsenhöhle gelegt, aus der er am dritten Tag auferstanden ist. Darin sieht Petrus die Erfüllung der Prophetie aus Ps 16,10 im Vergleich mit Apg 2,27-32: „hat er vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Reich des Todes überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen.“ Jesus war zwar Tod, aber nicht unter der Herrschaft des Todes (Totenreichs-Hadesch-Scheol.

Anmerkung: Es ist also müßig darüber zu spekulieren, ob er in dieser Zeit den Toten (Geistern im Gefängnis) das Evangelium gepredigt hätte, wie manchmal der Text  in 1Petr 3,19 ausgelegt wird. Den Sieg über den Tod und das Totenreich errang er ja erst mit seiner Auferstehung (Offb 1,18). Da der Hadesch am Ende in den Feuersee geworfen wird, kann er als vorläufiger Bereich für die Seelen und Geister der physisch verstorbenen Ungerechten bis zu deren Auferstehung und dem sich anschließenden Gericht angesehen werden (Offb 20,12-15). Jesus wird alle aus dem Tod herausrufen: Die Glaubenden im Paradies mit einem unvergänglichen Körper versehen, die noch Lebenden Gläubigen verwandeln (1Thes 4,13ff). Und die Ungerechten aus dem Hadesch für das Gericht auferstehen lassen (Joh 5,27-29; Offb 20,12-15; 11,18; Mt 13,36-43).

2.2 Der Begriff Gehenna

Der griechische Begriff `geenna – Gehenna` ist eine Übertragung des Hebräischen `Ben-Hinnom`. Es handelt sich um ein Tal, welches sich südlich von Jerusalem in Richtung Kidrontal erstreckte. Dort befand sich eine Kultstätte genannt Tofet. In kaananitischer Zeit wurden dort Kinder dem Moloch geopfert und verbrannt (Jos 18,16). Auch einige israelitische Könige pflegten jenen gräulichen heidnischen Brauch (2Chr 28,3; 33,6).

Und in Jeremia 7,31-32 heißt es: „und haben die Höhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist.32 Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man’s nicht mehr nennen wird »Tofet« und »Tal Ben-Hinnom«, sondern »Würgetal«. Und man wird im Tofet begraben müssen, weil sonst kein Raum mehr sein wird.“ Diese Ankündigung wird präzisiert mit den Worten: “und zu ihnen sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, dass es nicht wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt zerbrechen. Und man wird im Tofet begraben, weil sonst kein Raum dafür da sein wird. 12 So will ich’s mit dieser Stätte und ihren Bewohnern machen, spricht der HERR, dass diese Stadt wie das Tofet werden soll. 13 Und die Häuser Jerusalems und die Häuser der Könige von Juda sollen ebenso unrein werden wie die Stätte Tofet, alle Häuser, wo sie auf den Dächern dem ganzen Heer des Himmels geopfert und andern Göttern Trankopfer dargebracht haben.“ (Jer 19,11-13). Womit sich Israel im Tal Ben-Hinnom versündigt hatte, mussten sie bei der Zerstörung Jerusalems auskosten. Sie haben unschuldiges Blut von Kindern vergossen um Götzen zu besänftigen, anstatt ihre Kinder Gott zu weihen. Ihre Stadt wurde von den Babyloniern erobert, geplündert, verbrannt samt dem Tempel und ein Großteil der Bevölkerung starb durch Hunger, Pest und das Schwert. Der Ort Tofet im Tal Ben-Hinnom wurde mit Leichen gefüllt und somit wurde diese heidnische Kultstätte verunreinigt. Daher sollte es nun Würgetal genannt werden (Jer 7,32). Später wurde dieser Ort als Müllhalde benutzt.

2.3 Was meint Jesus mit ewiges Verderben?

Eine Frage lautet: Werden die Ungläubigen Menschen nach dem gerechten Urteil (Verurteilung), in einen Ort der immer andauernden Qual verbannt oder nach dem gerechten Strafmaß, welches sehr individuell ausfallen wird, vernichtet werden, also in eine Art Nichtexistent , ausgelöscht?

Jene Stelle, wo das Feuer immer wieder loderte, wird von Jesus genutzt, um den Ort und Zustand derer zu beschreiben, welche sich den Verführungen des Fleisches nicht zur Wehr setzen (Mt 5,22.29.30; 10,28; 18,9; 23,15.33; Mk 9,43.45.47-48; Lk 12,5; Jak 3,6). Es liegt nahe, dass die Umschreibungen `ewiges (oder unauslöschliches) Feuer` oder `Feuersee` denselben Ort meinen. Es wird in folgenden Texten verwendet: Mt 3,12: „Er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird die Spreu vom Weizen trennen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“ Für `unauslöschliches` steht im Griechischen der Begriff `asbest ö`, denn es brennt und verbrennt doch nicht (dazu auch Lk 3,17 und Mk 9,48: „ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt“). Und in Mt 25,41 sagt Jesus: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ Damit macht Jesus deutlich, dass für den Teufel mit seinen Engeln und all der Menschen, welche ihrer von Gott vorgesehenen Berufung nicht nachgekommen sind, derselbe Ort bestimmt ist. In Mt 25,46 ergänzt er: „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe aber die Gerechten in das ewige Leben.“ Für „ewige Strafe“ steht `aiönion kolasin – ewige Strafe oder Verdammnis, Züchtigung`. Und in Offb 14,11 steht: „Und der Rauch von ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild und wer das Zeichen seines Namens annimmt.“ Es klingt ähnlich wie „wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht“ (so auch Offb 20,10: „von Ewigkeit zu Ewigkeit“). Es steht im krassen Gegensatz zu der immerwährenden Ruhe derer, welche Überwunden haben und im Herrn gestorben sind, sowie deren ununterbrochenen Freude danach (Offb 14,14; Mt 25,21).

In 2Thess 1,9 schreibt Paulus: „Die werden Strafe erleiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht.“ Für Verderben steht hier der Begriff `olithros`, es kann auch mit Vernichtung übersetzt werden. Und in 1Thes 5,3 verwendet der Apostel denselben Begriff `olithros`: „Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen.“ In 2Thes 2,8 wird der Begriff ` katarg¢sei` verwendet, was mit Zunichtemachen übersetzt wird. In Offb 11,18 wird der Begriff `diaftheirai` verwendet, der mit Verderben übersetzt wird. Auch Petrus hat zum Gericht und dem anschließenden Verderben der Gottlosen etwas geschrieben: „Und aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten kaufen; denen das Gericht seit Langem schon nicht zögert, und ihr Verderben schlummert nicht. Hier wird Verderben durch `apoleia` wiedergegeben (auch das Tier fährt in das Verderben – apoleianOffb 17,16).

Doch das Maß der Strafe (Vergeltung) im Endgericht wird unterschiedlich ausfallen so Jesus in (Mt 11,20-24; Lk 12,24ff).

Es tut uns gut, unter das Wort Gottes zu stellen und doch mit gewisser Zurückhaltung mit unseren  eigenen Schlussfolgerungen. Es gibt sie die Hölle und sie ist heiß genug, wir brauchen sie nicht mit Details ausmalen, wie es im Laufe der Kirchengeschichte getan wurde.

Diese Ausarbeitung bedarf immer wieder der Aktualisierung. Jede Art von Anmerkungen, Kritik und Ergänzungen sind erwünscht.

Aktualisiert am 7. Februar 2025

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JESUS KOMMT WIEDER

JESUS KOMMT WIEDER

Abbildung 1  Kaum ein anderes Naturphänomen beeindruckt so stark wie der Blitz und der darauf folgende Donner.  Heftiges Gewitter über der Insel Thassos. Der Blitz leuchtet über der Ägäis. Der Mensch zuckt zusammen bei dem ohrenbetäubendem Donnerrollen und die Worte von Jesus kommen in Erinnerung: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“ (Lk 17,24). Foto von Joela Schüle August 2020

Bibelstudie über die Wiederkunft von Jesus in Macht und Herrlichkeit

Vorwort­

Für die Beschäftigung mit diesem Thema können folgende Gründe angeführt werden:

  • Jesus hat oft über sein Wiederkommen gesprochen und die Apostel haben sehr viel darüber geschrieben. Wie viel dringlicher ist diese Thematik heute, weil wir diesem Ereignis zeitlich näher stehen als je zuvor.
  • Die Gläubigen sollten wenigstens wissen, was es im Neuen Testament in Bezug auf die Wiederkunft Jesu eindeutig zu verstehen gibt. Es gibt zwar einige Stellen, über die es unterschiedliche Erkenntnisse gibt. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Bibelarbeit auf die spezifischen, unklaren Stellen einzugehen.
  • Damit die Gläubigen an Christus diese Zeit nutzen, um bei der Wiederkunft Jesu in einem guten, geistlichen Stand angetroffen zu werden.
  • Für die, welche an Christus noch nicht glauben, damit sie ihre Beziehung zu Gott rechtzeitig ordnen.
  • Nicht zuletzt auch aus emotionalen Empfindungen, damit ist gemeint die Vorfreude und die Sehnsucht, Jesus zu sehen und mit ihm als unserem Retter und Erlöser die Ewigkeit zu verbringen.

Einleitung

Jesus sprach sehr viel über die Tatsache sowie die Begleitumstände seines Wiederkommens. Dabei machte er oft direkte Aussagen, oder er beschrieb verschiedene Aspekte seines Kommens in Gleichnissen und Bildern. Die vier Evangelien sind eine wahre Fundgrube zur Erschließung dieses großen Themas. Auch in allen übrigen neutestamentlichen Schriften wird“ dieses Thema aufgegriffen und detailliert behandelt. Jesus versprach wiederzukommen. Am Vorabend seines Leidens sagte Jesus zu seinen Jüngern:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe euch die Stätte zu bereiten, so komme ich wieder, um euch zu mir zu nehmen, damit ihr seid, wo auch ich bin. (Joh 14,1-3).

Folgende Aspekte werden hier betont:

  • Im Hause Gottes gibt es viel Platz zum wohnen (bleiben). (Hebr 11,16:“ „denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet„).
  • Obwohl es im Vaterhaus genug Wohnraum gibt, geht Jesus hin um die Stätte für seine Jünger vorzubereiten, was er damit meinte ist nicht eindeutig zu verstehen.

Er kommt wieder und holt die Seinen zu sich (Joh 17,24: damit sie seine Herrlichkeit sehen).

1. Ein erster Überblick über die Ereignisse bis zum Ende der Weltzeit

In diesem Abschnitt gehen wir insbesondere auf die Texte der vier Evangelien ein, denn diese Aussagen stammen alle aus dem Munde von Jesus.

1.1 Faszination Tempel

In den Jahren 520-516 v.Chr. wurde unter der Leitung von Serubbabel, dem Statthalter von Judäa und Jeschua, dem Hohenpriester, der nachexilische Tempel aufgebaut. Unterstützt wurden sie durch die Propheten des Herrn Sacharia und Haggai.

Abbildung 2 Modell des so genannten Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holy Land Hotels in Jerusalem (Foto: April 1986).

Herodes der Große (37-1 v.Chr.) erweiterte diesen Tempel und baute ihn prachtvoll aus. Daher wird er auch als Herodianischer Tempel bezeichnet. Laut Aussage der Pharisäer wurde daran seit 46 Jahren gebaut (Joh 2,20). Er zählte zu den prachtvollsten Tempeln jener Zeit. Seit seinem zwölften Lebensjahr war Jesus mit diesem Tempel vertraut (Lk 2,47). Noch während der Passionswoche des Jahres 33, nachdem Jesus alle seine Reden an das Volk vollendet hatte, verließ er den Tempel (Mt 24,1; Mk 13,1). Diesen Tempel, den er als „das Haus meines Vaters“ bezeichnete und in dem er so oft und machtvoll lehrte, wird er wohl nicht mehr betreten. Während er sich nun von diesem prachtvollen Tempel distanziert, sind seine Jünger von der äußeren Pracht dieses Bauwerkes fasziniert.

So schreibt der Ev. Matthäus: „Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen.“

Der Ev. Lukas ergänzt: „Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei„.

Der Ev. Markus ergänzt: „Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude!“

Wie sehr waren die Jünger noch auf das Äußere gerichtet. Doch das, was vor Augen ist, verdeckt häufig den Blick in das Innere, den wahren Zustand der Herzen von Menschen. Aus den Worten von Jesus entnehmen wir, dass in der Führung Korruption herrschte (Joh 2,16).

Jesus nimmt die Hinweise der Jünger zum Anlass und eröffnet ein gewaltiges Thema. Lesen wir die Aufzeichnungen der drei synoptischen Evangelisten.

Matthäus: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Lukas: „Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird.“

Markus: „Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Wir können uns vorstellen, wie schockiert die Jünger sein mussten bei dieser Ankündigung. Dass es sie sehr beschäftigte und nicht mehr losließ, geht aus ihrem Nachfragen deutlich hervor. Dann folgt die berühmte ölbergrede von Jesus, die wiederum die drei Evangelisten festgehalten haben.

Matthäus: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ (Mt 24,1-3).

Lukas: „Sie fragten ihn aber und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,5-7).

Markus: „Und als er auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersaß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles vollendet werden soll?“ (Mk 13,1-4).

Schauen wir uns die Fragen der Jünger genauer an. Sie wollen wissen:

  1. Frage: Wann die Zerstörung des Tempels (und der Stadt) sein wird und welche Zeichen diesem Ereignis vorangehen werden?
  2. Frage; Wann das Ende der Weltzeit sein wird und welche Zeichen seiner Ankunft vorangehen werden?

Zu beiden Ereignissen hat Jesus bereits bei  einer früheren Gelegenheit etwas gesagt. In Bezug auf das Weltende in zwei Gleichnissen (Mt 13,36-43; 44-49). In Bezug auf die Zerstörung Jerusalems (Tempel mit eingeschlossen) bei seinem Einzug in die Stadt (Lk 19,41-44).

1.2 Jesus gibt einen ersten Überblick bis zum Weltende

Beim Lesen der entsprechenden Texte  stellen wir fest, dass Jesus zunächst auf die zweite Frage der Jünger eingeht indem er einen ersten Überblick bis zum Weltende gibt (Mt 24,4-14; Mk 13,4-13; Lk 21,7-19).

Matthäus: „Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen“ (Mt 24,5; ähnlich auch Mk 13,6-7). Lukas: „Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin’s, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8).

Dieses Zeichen wird zunächst im jüdischen Kontext erkennbar sein. Denn die Verwerfung von Jesus als Messias Israels, rief viele selbsternannte Messiasse auf den Plan, wodurch viele aus dem jüdischen Volk ihnen anhingen. Bis zur Zerstörung der Stadt (70 n.Chr.) und auch noch nach dem Aufstand unter Bar-Kochba (135 n.Chr.) gab es einige (Apg 5,36). Und bis heute steigt die Zahl der falschen Messiasse nicht nur im Judentum. Durch deren Auftreten werden viele verführt. Es ist eine traurige Tatsache, dass gerade unter der jüdischen Bevölkerung ein großer Teil verführt wurde zum Leidwesen des Volkes. Die Aufforderung von Jesus an seine Nachfolger lautete: „Hört nicht auf sie, folgt ihnen nicht nach“. Dieses Verführungszeichen wird zunehmen bis zur Wiederkunft von Jesus.

Matthäus: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.“ (Mt 24,6; ähnlich auch Mk 13,8)). Lukas:  „Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hört, erschreckt nicht.“ Die Worte von Jesus fordern die Gläubigen auf, sich nicht erschüttern zu lassen, nicht in Panik zu geraten. Folgende Aussage will uns nicht so recht passen: „denn es muss geschehen„. Gut möglich, dass Jesus zunächst an die Aufstände der Juden denkt und an die darauf folgenden Kriege mit den Römern. Es kann sich aber auch um eine Aussage handeln, die allgemeine Gültigkeit hat. Worauf Jesus jedoch deutlich hinweist ist, wie sich dabei seine Jünger zu verhalten haben. Und noch eine bemerkenswerte Aussage macht er, die leicht übersehen wird: „aber das Ende ist noch nicht da“ . Der gr. Begriff `telos` meint in diesem Falle das Weltende, so auch in Mt 24,14; Mk 13,7; Lk 21,9; 1Kor 15,24; 1Petr 4,7. In anderen Texten weißt er auch auf das Lebensende eines Menschen hin. (Mt 24,13). Das griechische verneinende Wörtchen `oupo` meint: noch nicht, keineswegs. Mit dieser Aussage will Jesus seine Jünger zum geduldigen Ausharren ermutigen. (Mt 24,6; Mk 13,9; Lk 21,8).  Möglich ist auch, dass Jesus die Jünger vor einer euphorischen Naherwartung warnte, die sich trotzdem einstellte (Apg 1,6; 2Thes 2,1ff).

Matthäus: „Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich,“ (Mt 24,7; ähnlich auch Mk und Lk).

Was Jesus hier sagt, ist nicht einfach eine Wiederholung des Vorhergehenden, sondern eine Steigerung. Natürlich gab es dies auch schon zur  Zeit vor Christus, doch mit dem Bevölkerungswachstum nahmen diese Kriege sehr große Dimensionen an. Dazu setzen sich die Königreiche der Welt von vielen Nationen zusammen. Die zwei Weltkriege des 20. Jh. belegen die Worte von Jesus.

Matthäus: „Und es werden Hungersnöte (Lk ergänzt: und Seuchen) und Erdbeben (Lk: große Erdbeben) da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“ (Mt 24,7-8; ähnlich auch Mk).

Hungersnöte und Seuchen haben verschiedene Ursachen. Es können Naturereignisse sein wie Dürreperioden oder auch Erdbeben (1Mose 41,31; 1Kön 8,1.37; Amos 1,1; Sach 14,5)). Doch häufig sind sie Folgen von Kriegen. Ja, Erdbeben gab es schon vor Christus,  doch in unserer Zeit nehmen sie zu. Heute zählt man jährlich über einhunderttausend kleinere und größere Erdbeben weltweit. Ebenso nimmt die Zahl der Vulkanausbrüche zu mit verheerenden Folgen. Noch mal zieht Jesus Zwischenbilanz und beschreibt diese Entwicklungen mit den Worten: „Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“. Hier wird von Jesus der Vergleich zu den Geburtswehen einer Frau gebraucht, die wellenartig immer intensiver werden (1Thes 5,3).

Lukas: „Auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.“  (Lk 21,11).

Der gr. Begriff `fob¢thra` könnte man auch mit `fürchterliche, also `Furcht und Schrecken erregende Dinge` wiedergeben. Ob Jesus mit der Aussage “ vom Himmel her große Zeichen geschehen“ das Gleiche meint wie später in Matthäus 24,29: als gewaltige Naturereignisse?

Matthäus: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 24,9). Lk ergänzt: „Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können. Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen. Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben (gr. Psychas – Seelen) gewinnen.“ (Lk 21,12-19; 9,24).

Dies begann mit der Verfolgung der ersten Gemeindegeneration und setzt sich bis heute fort. Es kommt zu Verrat und Auslieferung in Bedrängnisse, ja sogar getötet werden Gläubige und gehasst von allen Völkern. Matthäus ergänzt: „Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen.“ (Mt 24,10). Alle diese Aussagen haben sich unzählige Male erfüllt.

Matthäus: „und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit (gr. anomia)  überhandnimmt, wird die Liebe der Vielen erkalten.“ (Mt 24,11-12).

Ist dies bereits Abfall vom Glauben? Etwa sechzig Jahre später macht Jesus der Gemeinde in Laodizäa diesen Vorwurf (Offb 3,17). Gesetzlosigkeit meint in ihrer Ausdehnung Anarchie. Und nun macht Jesus wieder eine wichtige Zwischenaussage: „wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“ (Mt 24,13). Hier kann `Ende-telos` sich auch auf das treue Ausharren bis zum Lebensende verstanden werden.

Matthäus: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis (gr. oikoumen¢ – bewohnte Erde), allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“ (Mt 24,14).

Welch eine Aussicht für die Völker! Alle bekommen die Möglichkeit zur Rettung. Aber auch welch ein Auftrag an die Nachfolger von Jesus, seine Gemeinde! Und nun gibt Jesus seinen Jüngern die Antwort auf die Frage nach dem wann? Das gr. `tote – dann`, hier als Zeitangabe, bedeutet: danach kommt das Ende (Mt 24,14; 24,3; 1Kor 15,24). Das Ende, die Vollendung von diesem  Zeitalter ist demnach nicht an ein Datum gebunden, sondern an den Umstand, bis das Evangelium vom Reich Gottes allen Nationen verkündigt sein würde. Damit hat Jesus seinen Jüngern in einem ersten einprägsamen überblick eine Antwort auf deren zweite Doppelfrage gegeben. Diese von Jesus beschriebenen Ereignisse sollten als Zeichen gesehen werden in der Zeitspanne bis zum Weltende, dem Abschluss des jetzigen Zeitalters.

1.3 Das Gericht am Hause Gottes

Ab Matthäus 24,15; Mk 13,14; Lk 21,20 geht Jesus auf die erste Frage der Jünger ein. „Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,7). Diese erste Frage (die eigentlich eine Doppelfrage ist) bezog sich auf die Ankündigung von Jesus über die Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel. Dieses Thema ist so sehr verflochten mit dem Thema die Wiederkunft Jesu, dass es hier nicht ausgespart werden soll. Dazu enthält es deutliche Parallelen zum Thema die Wiederkunft Jesu. In seiner Antwort setzt Jesus den Schwerpunkt auf die Vorzeichen und beantwortet damit wenn auch indirekt die Frage nach dem: wann wird Jerusalem zerstört.

Matthäus: „Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,24-27; 11,31; 12,11) „wer das liest, der merke auf!“ (Mt 24,15; ähnlich auch Mk 13,14). Jesus verweist auf die Prophezeiung durch Daniel und fordert zum Nachlesen auf und darauf zu achten. Doch was meint er mit der Formulierung `Gräuel der Verwüstung`? Hier einige Beobachtungen:

Das Wort Gräuel kommt in den verschiedenen Textzusammenhängen mehr als 140 Mal vor. Und beschreibt immer eine negative Beurteilung einer Sache oder Handlung. Die Sache oder Handlung ist abscheulich oder ekelhaft, weil sie beschmutzt und entheiligt.

Die gr. Formulierung `bdelygma t¢s er¢moseös – Gräuel der Verwüstung` kommt sowohl in Mt 24,15 als auch in Mk 13,14 vor. Die gleiche Formulierung (Gräuel der Verwüstung) finden wir auch in Dan 11,31 und 12,11.  Dort seht geschrieben: „Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Bergfestung entweihen und werden das regelmäßige „‚Opfer“‚ abschaffen und den verwüstenden Gräuel (LXX: Gräuel der Verwüstung) aufstellen.“  ähnlich auch in Dan 12,11: „Und von der Zeit an, in der das regelmäßige „‚Opfer“‚ abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel(LXX: Gräuel der Verwüstung) einzusetzen, sind es 1 290 Tage.“

Oder weist Jesus auf die Prophezeiung in Dan 9,27 hin? Dort steht: „Überflutung; und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen. Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Gräueln „‚kommt“‚ ein Verwüster, bis fest beschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.“

Die Prophezeiungen in Dan 10 und 11 enthalten Detailinformationen, welche sich zunächst  auf die Periode der griechischen Herrschaft beziehen. Bereits unter Antiochus Epiphanes IV (167-164 v.Chr.) wurde der Tempel in Jerusalem entweiht  und das tägliche Opfer aufgehoben. Ob Jesus indirekt daran erinnert? Oder liegt es da nicht näher, dass er die im Jahre 70 eingetroffene Zerstörung des Tempels gemeint hat, immerhin haben seine Jünger danach gefragt. Um welche Gräuel der Verwüstung kann es sich handeln?

Anmerkung: Einige übersetzen mit „Gräuelbild der Verwüstung“, doch das Detail mit dem (Bild) fehlt in allen griechischen Texten. Gräuel ist der Verwüstung zugeordnet.

Doch auch die römischen Standarten (Banner) galten den Juden ebenfalls als Gräuel  im Umfeld der heiligen Stätten.

Im Jahre 66 kam es dann zum jüdischen Aufstand. Einer der Gründe war die Provokation seitens des römischen Statthalters Florus, der den Tempelschatz plünderte.

Im Text des Ev. Lukas (21,20) in dem Jesus auf  dieselbe Frage der Jünger eingeht, gibt er die Erklärung dazu. „Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.“ (Lk 21,20). Durch den Begriff `Verwüstung` ist der Bezug zu der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel deutlich erkennbar. Denken wir auch an die Schändung des Tempels durch die Römer, an die Entwendung der vorhandenen Tempelgeräte. Und damit ist auch der Tempelbetrieb zu Ende gegangen.

Doch die eigentlichen `Gräuel die zur Verwüstung  der Heiligen Stätten führten, sind die Gräuel in Israel selbst zu finden (Mt 21,13). Jesus wirft der Führung Israels vor: „Ihr aber habt es (das Haus meines Vaters) zu einer Räuberhöhle gemacht.“ (Mt 21,13). Parallelen zu der Verunreinigung des Heiligtums finden sich bereits in der Zeit vor der ersten Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 v.Chr. (Hes 8,1-9).

Verstärkt wird dies noch durch die Tatsache, dass auch nach dem Tod von Jesus das Blutvergießen der Heiligen in dieser Stadt fortgesetzt wurde (Lk 11,51; Apg 7,59; 12,2; 8,1). ähnliches geschah auch vor der ersten Zerstörung des Tempels (Jer 44,22; Hes 33,29). Das Gräuliche ging immer zuerst von den Bewohnern der Stadt Jerusalems aus ( (Mt 23,13-29; Lk 13,34). Doch auch der offene Kampf um die Macht der innerjüdischen Gruppierungen um den Tempelbezirk (66-70) kostete vielen im eigenen Volk das Leben.

Dann sagt Jesus im Detail, was die Jünger (die sich zu der Zeit in Jerusalem und Judäa befinden werden) zu tun haben.

Alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen.“ (Mt 24,16-18; ähnlich auch Mk 13,14ff). Lukas ergänzt: „Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“ (Lk 21,22; vgl. dazu auch 5Mose 28,64; Dan 9,24-27;). Ebenso Lk 19,43-44: „Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.“

Beim Herannahen der feindlichen Heere flüchteten die Menschen zu ihrem Schutz in die befestigte Stadt Jerusalem. Jesus fordert seine Nachfolger auf das Umgekehrte zu tun.

„Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!“ (Mt 24,19).

Während der Belagerung Jerusalems durch die Römer herrschte große Hungersnot in der Stadt, dies bekamen Jene Frauen besonders zu spüren.

„Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“ (Mt 24,20).

Am Sabbat wegen Einschränkungen beim Reisen, im Winter musste mit ungünstigen Wetterbedingungen gerechnet werden. Durch Wachsamkeit und Bitte im Gebet zu Gott, können die Gläubigen auf den Fluchtverlauf Einfluss nehmen. Dies geschah auch, denn die politischen Veränderungen in Rom veranlassten den römischen Befehlshaber Vespasian im Jahre 68 n.Chr. die Belagerung Jerusalems vorübergehend aufzuheben. In der Zeit konnten die verbliebenen Gläubigen an Jesus aus der Stadt fliehen. Herodes Agrippa II (50-100 n.Chr.) gewährte ihnen in seinem Herrschaftsbereich östlich des Jordans Zuflucht (Apg 26,1ff).

Anmerkung: Einige Aspekte aus dieser Periode werden in ähnlicher Weise von Bedeutung sein am Tage des Menschensohnes (siehe Lk 17,29ff).

Und Jesus fährt fort: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“ (Mt 24,21; ähnlich auch Mk). Die Ergänzung bei Lukas bringt auch etwas mehr Licht in die verkürzte Aussage bei Matthäus und Markus. „Denn es wird große Not auf Erden (im Land) sein und Zorn über dies Volk kommen, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.“ (Lk 21,23-24; lies auch 1Thes 2,15-16). Offensichtlich hat der Ev. Lukas den Schwerpunkt auf die große Not, welche das jüdische Volk treffen wird,  gelegt. In den Texten der Ev. Matthäus und Markus steht die große Bedrängnis auch im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus.

Die große Bedrängnis, große Trübsal oder große Not von der Jesus hier spricht, erstreckte sich nach dem lukanischen Text zunächst auf das jüdische Volk im Lande. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und Umgebung (auch in Galiläa) hat es voll getroffen. Diese große Bedrängnis erstreckte sich aber nicht nur partiell auf die schrecklichen Ereignisse während der Belagerung und Eroberung der Stadt Jerusalem, sondern umfasste auch die nachfolgenden Leiden durch Schwert, Gefangenschaft, Versklavung und Zerstreuung unter den Völkern der Welt. Die schwerwiegende Aussage von Jesus, dass es solche Trübsal (im Volk Israel) noch nicht gegeben hat, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Dass es jedoch solche Trübsal nicht mehr geben wird, ist im Blick auf Holocaust schwer nachvollziehbar. Doch Jesus konnte sich nicht geirrt haben. Dazu folgende Überlegung: Man sehe die große Trübsal als eine lange Periode an, denn alle nachfolgenden Bedrängnisse des jüdischen Volkes in der Diaspora (einschließlich Holocaust) sind letztlich Folgen der Zerstörung Jerusalems. Dass seit der Rückkehr der Juden in das Land ihrer Väter 1882 und seit Staatsgründung im Jahre 1948 eine sichtbare und spürbare Erleichterung eingetreten ist, liegt auf der Hand. Ob jedoch damit die Zeiten der Nationen bereits erfüllt sind ist fraglich. Denn der Tempelbereich, die heiligste Stätte des Judentums, ist nach wie vor von einem anderen Volk mit einer antigöttlichen Religion und deren Heiligtümern besetzt.

Abbildung 3 Seit dem Jahre 70 n.Chr. ist der Tempel in Jerusalem nicht mehr existent. Nach dem Bar-Kochba Aufstand im Jahre 135 n.Chr. ließ Kaiser Hadrian auf dem zerstörtem Tempelgelände ein Zeus Heiligtum errichten. Damit entheiligte er diese Stätte zusätzlich. Seit dem 7.Jh. steht an dessen Stelle der so genannte Felsendom und im südlichen Teil des Tempelgeländes steht die große Al-Aqsa Moschee. Inzwischen wurde auf diesem Gelände  eine weitere Moschee gebaut. (Foto: Juli 1994).

Noch ein Hinweis zu der Aussage von Jesus:   „bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind“ (Lk 21,22b). Für `Zeiten steht im gr. Text nicht `chronous`, sondern `kairous`. Mit diesem Begriff werden nicht Zeitpunkte markiert, sondern auf Zeitinhalte hingewiesen. Und diese Inhalte und Prozesse scheinen noch nicht ganz erfüllt zu sein. Jesus fährt fort:

„Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (wörtl: Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ (Mt 24,22).

Dies ist eine der am schwierigsten zu verstehende Aussage von Jesus in diesem Text. Die Formulierung `wenn diese Tage (gemeint sind die Tage der großen Bedrängnis) nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (Fleisch) gerettet werden`. Natürlich kann man da zunächst an die Verkürzung der Not während der Belagerung von Jerusalem, die ja zu Gunsten der Gläubigen unterbrochen wurde, denken. Und ebenso auch an die Begrenzung der Bedrängnis vor seiner Wiederkunft. Was mit Sicherheit gemeint sein kann ist: Wegen der Auserwählten setzt Gott Grenzen. Eine Begrenzung des Ausmaßes und der Intensität der Bedrängnisse. Das kann sich sowohl auf das Globale als auch das individuelle beziehen (Hiob; 1Kor 10,13; 1Kor 10,13; Offb 3,10). Da Bedrängnisse allen Gläubigen verordnet sind, kann sich `große Bedrängnis` damals auf das gesamte jüdische Volk bezogen haben und am Ende der Zeit wird es über die gesamte noch lebende Generation ausgedehnt werden (Offb ; 20,7-9).

2. Begriffe und Bezeichnungen, mit denen das Kommen von Jesus beschrieben wird

Hier machen  wir uns mit Begriffen und Bezeichnungen vertraut, welche die Wiederkunft von Jesus beschreiben. Sie alle ergänzen einander.

2.1 Die Ankunft von Jesus Christus

Die Ankunft, gr. `parousia`. Dieser Begriff kommt mindestens 16 Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Der Begriff meint aber nicht nur den Punkt des Ankommens, sondern auch das anschließende `da sein`, die Anwesenheit, das gegenwärtig sein. So der Zusammenhang in 1Kor 16,17: „Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn diese haben eure Abwesenheit ersetzt.“ (ähnlich auch in 2Kor 7,6-7; 10,10; Phil 1,26; 2,12). Mit diesem Begriff wird auch das erste Ankommen und Anwesenheit von Jesus beschrieben (Apg 7,52; 2Petr 1,16). Der Kontext macht klar, von wessen Ankunft die Rede ist.

  1. Mt 24,3: „was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters (synteleias tou aiönos)?“ Meinten die Jünger mit dieser Doppelfrage, dass bei der Ankunft von Jesus auch das Ende dieses Zeitalters sein wird, oder dachten sie an zwei verschiedene Ereignisse? Wie auch immer ihr Verständnis bis dahin war, für Jesus gibt es das `Jetzige` und das `Zukünftige` Zeitalter` (Mt 12,32; Mk 10,30; Lk 18,30). Den Zugang zu den Fragen der Jünger finden wir meistens in den Antworten des Herrn selbst. Und in der Tat, Jesus geht sehr detailliert auf ihre Fragen ein (siehe 1. Abschnitt)
  2. Mt 24,27: „Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Es blitzt nur bei Gewitter. Beim Anblick des aufziehenden Gewitters ist Blitz zu erwarten. Doch niemand kann den Augenblick des Blitzes voraussagen. Durch diese Bildersprache aus der Natur macht Jesus deutlich, dass seine Ankunft plötzlich, unerwartet und schnell sein wird.

3+4. Mt 24,37-39“: „Aber wie die Tage Noahs waren, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wie sie in jenen Tagen vor der Flut waren: – sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte -, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Die Menschen zu Noahs Zeiten achteten nicht darauf, was Noah tat und sagte. Sie gingen den alltäglichen Beschäftigungen nach. So ähnlich sagt Jesus, wird es auch vor und bei seiner Ankunft sein. Das Interesse der Vielen ist auf alles Mögliche ausgerichtet, nur nicht auf Gott und die Zeichen der Zeit. Wie der Vergleich zur Zeit Noahs zeigt, werden auch die Gläubigen bei der Ankunft von Jesus gesichert sein

  1. 1Kor 15,23: „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft.“Durch den Kontext wird deutlich, dass der Ap. Paulus hier nur von der Auferweckung der verstorbenen Gläubigen schreibt. Dies nehmen manche Ausleger zum Anlass, dass die Auferweckung der nicht Gläubigen später beim Gericht stattfinden wird. Doch dann müsste Jesus noch zweimal kommen. Oder es müsste zwei voneinander getrennte Auferstehungen geben.
  2. 1Thes 2,19: „Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Ruhmeskranz – nicht auch ihr? – vor unserem Herrn Jesus bei seiner Ankunft?“ Der Ap. Paulus freut sich im voraus auf die Ankunft von Jesus, bei der die Auswirkungen seines Dienstes und die seiner Mitarbeiter offenbart werden. Indirekt ist dadurch auch ein Wiedererkennen angedeutet.
  3. 1Thes 3,13: „um eure Herzen zu stärken, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.“ Auch der Dienst des Apostels durch seine Briefe trägt zur Stärkung im Glauben und tadelloser Lebensführung der Gläubigen bei. Und dies alles im Hinblick auf das Kommen von Jesus. Doch was meint der Apostel: „mit allen seinen Heiligen“, sind es die bereits entschlafenen Gläubigen oder die Engel? An anderen neun Stellen sind es ausdrücklich Engel, die Jesus bei seiner Wiederkunft begleiten (Mt 13,41; 16,27; 24,31; 25,31; Mk 8,38; 13,27; Lk 9,26; 1Thes 4,16; 2Thes 1,7). Ihr Dienst besteht darin, die Gläubigen zu sammeln, auch die Entschlafenen.
  4. 1Thes 4,15: „Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.“ Auch hier spricht der Apostel nur von den Gläubigen, darum kann der Eindruck entstehen, dass die anderen zu einem späteren Zeitpunkt auferweckt werden. Doch dies würde der Aussage von Jesus aus Joh 5,28-29 klar entgegenstehen, wonach sowohl die Gutes getan haben und die das Böse verübt haben gleichzeitig auferstehen werden (ähnlich auch Mt 13,41; 13,48-49; 25,31ff).
  5. 1Thes 5,23: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“ Völlige Heiligung, Hingabe, ganz dem Herrn zu gehören, ist das Ziel Gottes in Jesus Christus. Und auch hier ist der Bezug zu der Ankunft von Jesus deutlich.
  6. 2Thes 2,1: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm,“ Hier ist der Gedanke der Vereinigung mit Jesus (Durch Auferweckung und Entrückung) bei seiner Ankunft hervorgehoben. Doch der Anlass zu folgendem Text ist, das falsche Verständnis der Thessalonicher in Bezug auf die Wiederkunft von Jesus zu korrigieren.
  7. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft:“ Bei der Ankunft, bzw. Erscheinung von Jesus wird der Gesetzlose (die gesamte feindliche Macht) durch Jesus siegreich und vollständig vernichtet werden.

12+13. Jak 5,7+8: „Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange. Habt auch ihr Geduld, stärkt eure Herzen! Denn die Ankunft des Herrn ist nahegekommen (hat sich genaht). (vgl. mit 1Petr 4,7).  Der Aufruf zur Geduld / Langmut ist immer im Kontext zu sehen: es hat alles seine Zeit. Der Schwerpunkt für die Gläubigen ist, dranbleiben, nicht mutlos oder matt werden, durchhalten und dabei das Wiederkommen von Jesus (bei der die Ernte eingefahren wird) im Auge behalten (Mt 13,37-43).

  1. 2Petr 3,4: „und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.“ Bereits in der Generation der Apostel gab es Kritiker, Zweifler, Skeptiker und auch Spötter. Petrus hat dadurch einen Anlass, um mehr auf dieses Thema einzugehen. Siehe den folgenden Text.
  2. 2Petr 3,12: „indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden!“ Dabei kann sich Petrus auf die Aussagen von Jesus aus Matthäus 24,35 stützen: „Himmel und Erde werden vergehen“. Die Auflösung der materiellen Schöpfung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ankunft von Jesus, bzw. sie geht der Ankunft voran. Man bedenke, was dies bedeutet in Bezug darauf, was kommt danach? Wie wir später sehen werden, ist „Der Tag Gottes“ auch der Tag des Herrn Jesu Christi.
  3. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Merken wir, bei seiner Ankunft sind die Gläubigen noch hier. Ankunft ist sozusagen die Überschrift des großen bevorstehenden Ereignisses bei dem Jesus offenbart werden wird. Bei diesem Begriff geht es also um die Enthüllung des Inhaltes, um Jesus selbst und was durch seine Person gewirkt wird. Johannes nennt die Adressaten Kinder, das spricht nicht nur für sein Alter, sondern für seine geistliche Reife und Verantwortung diesen Gläubigen gegenüber. Und die Aufforderung ist wie auch schon bei Jesus in Johannes 15,4-5: „bleibt in mir“. So können sie mit Freude der Ankunft von Jesus entgegen sehen.

2.2 Die Offenbarung von Jesus Christus

Die Offenbarung oder Enthüllung (apokalypsis) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Aber auch sein erstes Kommen ist eine Offenbarung (1Tim 3,16). Bei seinem ersten Kommen offenbarte er sich als Retter und Erlöser der Welt, obwohl er auch alle anderen Titel in sich trug. Bei seiner Wiederkunft wird er sich offenbaren als König aller Könige und Richter der Welt (Offb 17,14; 19,11-16).

  1. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“ Der Vergleich ist das Geschick von Sodom. Im Kontext beschreibt Jesus weitere Details über die Zeit vor und während seiner Offenbarung und warnt vor der Bindung an materielle Dinge.
  2. 1Kor 1,7-8: „Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“ Der Tag des Herrn Jesus Christus ist der Tag der Offenbarung Jesu Christi.
  3. 2Thes 1,7: „und euch, den Bedrängten, mit Ruhe, zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht,“ Jesus offenbart sich bei seinem Kommen vom Himmel her. Seine Offenbarung ist öffentlich, er wird von seinen Engeln (himmlische Geistwesen) begleitet.
  4. 1Petr 1,7: „damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi;“ Auch hier ist der Ausblick nach vorne gerichtet auf das offenbart werden von Jesus
  5. 1Petr 5,4: „Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ Eine Ermutigung für die treuen Mitarbeiter und Leiter, denn die Krönung ist öffentlich.
  6. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Offenbarung und Ankunft sind Begriffe, durch die verschiedene Aspekte desselben Ereignisses beschrieben werden.

2.3 Die Erscheinung von Jesus Christus

Die Erscheinung (epiphania) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 24,30: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen, sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“ Erscheinen meint sichtbar werden, aus der Verborgenheit heraustreten. Die Wahrnehmung der Realität (alle werden Ihn sehen) wird bei den Menschen, die Jesus abgelehnt hatten, Wehklagen hervorrufen. Das Erscheinen mit „Macht und Herrlichkeit“ sticht immer wieder hervor.
  2. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft;“ Hier sehen wir, dass die Begriffe Erscheinung und Ankunft von demselben Ereignis handeln, der Wiederkunft von Jesus. Und dabei wird die Macht des Feindes (aller feindlichen Mächte) vernichtet werden.
  3. 1Tim 6,14: „dass du das Gebot unbefleckt, untadelig bewahrst bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus!“ Die folgenden Verse machen deutlich, dass es zu seiner Zeit (von Gott) bestimmten Zeit geschehen wird. Doch die Aufforderung das Gebot zu bewahren, gilt auch allen weiteren Generationen.
  4. 2Tim 4,1-2: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich. Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; …“ Das Richten der Lebenden und Toten weist eindeutig auf den Gerichtstag hin, wenn Jesus Christus erscheinen wird.
  5. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“ Der Hinweis auf jenen Tag, den Tag des Gerichtes, löst bei dem Apostel Freude aus. Denn bei der Erscheinung Jesu erwartet die Treuen der Siegeskranz der Gerechtigkeit.

6. Tit 2,13: „indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.“ Was für ein Ausblick, was für eine Hoffnung und Erwartung. Eine Erscheinung die alles übertreffen wird, was heilige Menschen Gottes bis dahin sehen durften

2.4 Er kommt (Jesus kommt wieder)

Er kommt – erchetai. Dieses Verb kommt mindestens 20 Mal im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 16,27: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.“ Jesus kommt wieder. Er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters. Er kommt in Begleitung seiner himmlischen Boten (Engel, Geistwesen). Er kommt und wird Gericht halten, bewerten, beurteilen und entsprechend vergelten. Der Kontext macht deutlich, dass es dabei um alle Menschen geht.
  2. Mt 24,30-31: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.“ Das Zeichen ist Jesus selbst, aber auch die Wolken des Himmels zeichnen das Kommen von Jesus aus (Mt 26,34; Apg 1,11; Offb 1,7). Die Engel versehen ihren Dienst und sammeln alle Auserwählten (Gläubigen). Niemand wird vergessen werden Das Wehklagen bezieht sich auf die, welche die Rettung durch Jesus nicht angenommen haben.
  3. Mt 24,44: „Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.“ (so auch Lk 12,40). Jesus kommt unerwartet, daher die Aufforderung zur Wachsamkeit.
  4. Mt 25,31-32: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken (Ziegen) scheidet.“ Jesus kommt in Begleitung aller Engel und ebenso wird betont, dass alle Nationen vor ihm versammelt werden. Er wird sie voneinander trennen nach seinen Kriterien. Der weitere Text spricht vom öffentlichen Gericht, nachdem die einen von den anderen getrennt worden sind (vgl. Mt 13,36-43).
  5. Mt 26,64: “ Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.“ (so auch Mk 14,62). Die Reihenfolge ist eindeutig. Die Erhöhung in einer Wolke zur Rechten Gottes (Dan 7,13-14; Apg 1,11), danach das Wiederkommen auf den Wolken des Himmels.
  6. Mk 13,26-27: „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Damit wird angedeutet, dass die entschlafenen Gläubigen, welche bereits im Paradies Gottes sind, in einem himmlischen Körper auferstehen werden und die hier noch lebenden gläubigen verwandelt und Jesus entgegen gerückt werden.
  7. Mk 13,35-36: „so wacht nun! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde.“ Jesus erzählt das Gleichnis, um die Bedeutung des Wachseins, der Bereitschaft auf sein Kommen hervorzuheben.
  8. Lk 9,26: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ Hier ist das mutige Bekenntnis im Blick auf die Wiederkunft von Jesus hervorgehoben.
  9. Lk 18,8: „Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ Jesus sieht die Zukunft realistisch. Doch durch die Geschichte mit der bittenden Witwe, ermutigt er zum Glauben und Vertrauen (dazu 1Tim 6,10.21).
  10. Lk 21,26-27: „während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.“
  11. Joh 14,3: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“ Diese Aussage machte Jesus am letzten Abend seines irdischen Lebens. Wie trostvoll sind doch die Worte: „Ich komme wieder“, aber nicht um hier zu bleiben, sondern um die Seinen zu sich in seine Herrlichkeit abzuholen.
  12. Apg 1,11: „siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ Das ` so` ist kein geographischer Terminus, sondern der Art und Weise, eben sichtbar und in Wolken (so auch Mt 26,34; Offb 1,7).
  13. 1Kor 4,5: „So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbaren wird! Und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.” (ähnlich auch 1Kor 3,12-14).
  14. 2Thes 1,10: „wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  15. Offb 1,7: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ Alle werden ihn bei seinem Kommen sehen.
  16. Offb 2,25: „Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme!
  17. Offb 3,11: „Ich komme bald (schnell). Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!

18+19+20. Offb 22,7+12+20: „Und siehe, ich komme bald (schnell). Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! 12 Siehe, ich komme bald (schnell) und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist. 20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald (schnell). Amen[; komm, Herr Jesus!“

Die Bezeichnungen: `Die Ankunft von Jesus; Die Offenbarung von Jesus Christus; Die Erscheinung von Jesus Christus.

Sein Selbstzeugnis: `Ich komme bald / schnell`; `Ich komme wieder`; `Er kommt wieder`; `Wenn der Menschensohn kommt`, weisen auf ein und dasselbe Ereignis hin. Bis dahin haben wir 48 Texte kennen gelernt, in denen dieses große Ereignis unter verschiedenen Aspekten beschrieben wird.

2.5 Der Jüngste / letzte Tag

Der Jüngste / letzte Tag kommt sechs Mal vor und wird von Jesus meistens selbst verwendet. An diesem Tag wird Jesus die entschlafenen Gläubigen auferwecken.

1+2. Joh 6,39-40: „Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“

  1. Joh 6,44: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“
  2. Joh 6, 54: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ Diese Aussagen von Jesus machen unmissverständlich klar, dass die an Jesus Gläubigen Entschlafenen erst am letzten Tag auferweckt werden. Demnach werden die bis dahin noch lebenden Gläubigen zeitgleich mit jenen verwandelt und dem kommenden Herrn entgegengerückt werden.
  3. Joh 11,23-24: „Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.“ Martha hatte diese Hoffnung und Gewissheit.
  4. Joh 12,48: „Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“ Diese Aussage von Jesus macht deutlich, dass der letzte Tag auch er Gerichtstag ist. Gerichtet, bzw. verurteilt werden die Menschen, welche Jesus abgelehnt haben. Dazu müssen auch diese Menschen zuerst auferweckt werden. Das bedeutet, dass am letzten Tag alle Verstorbenen gleichzeitig auferweckt werden. Die Gläubigen zum ewigen Leben, die Ungläubigen zum Gericht (so auch nach Joh 5,28-29; Offb 11,18).

2.6 Der Tag des Menschensohnes

Der letzte Tag wird auch `Tag des Sohnes des Menschen` genannt und kommt mindestens drei Mal vor:

  1. Lk 17,24: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“
  2. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“
  3. Lk 17,26: „Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen.“ In „den Tagen“ (Plural) bedeutet: vor dem letzten Tag, so der Kontext.

2.7 Des Herrn Tag, der Tag Jesu Christi

Dieser letzte Tag wird auch `des Herrn Tag`, `der Tag Christi` oder: `Christi Jesu` genannt und kommt im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus mindestens sieben Mal vor:

  1. 1Kor 1,8: „“der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“
  2. 1Kor 5,5: „einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.“
  3. 2Kor 1,14: „wie ihr auch uns zum Teil erkannt habt, dass wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus.“
  4. Phil 1,6: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“
  5. Phil 1,10-11: „damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.“
  6. 1Thes 5,2-3: „denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“
  7. 2Thes 2,1-2: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.“ Die Ankunft von Jesus markiert auch den Tag des Herrn.

2.8 Der Tag, jener Tag, jene Stunde

Der letzte Tag wird auch `jener Tag` oder einfach `der Tag` oder `jene Stunde` genannt. Mindestens acht Mal kommt diese Bezeichnung vor;

  1. Mt 7,22: „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!
  2. Mt 24,36: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.“ (Mk 13,32).
  3. Lk 10,12: „Ich sage euch, dass es Sodom an jenem Tag erträglicher ergehen wird als jener Stadt.“
  4. Lk 17,30-32: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird. An jenem Tag – wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebenso wenig zurück. Gedenkt an Lots Frau!.“
  5. Röm 2,16: „an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Christus Jesus.“
  6. 1Thes 5,4: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“
  7. 2Thes 1,9-10: „sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 10 wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  8. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“

2.9 Der Tag des Gerichts (das Gericht)

Diese Bezeichnung kommt mindestens 12 Mal vor:

  1. Mt 10,14-15: „Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.“
  2. Mt 11,22: „Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch.“ (Mt 11,24).
  3. Mt 12,36: „Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts.“
  4. Apg 17,30-31: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle Überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten.“
  5. 2Tim 4,1: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich.“
  6. 2Tim 4,8: „Im Übrigen ist mir der Kranz der Gerechtigkeit aufbewahrt, den mir der Herr, der gerechte Richter geben wird an jenem Tag, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung geliebt haben.“
  7. 2Petr 2,9: „der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden.“
  8. Hebr 9,27: „Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“
  9. 2Petr 3,7: „Die jetzigen Himmel und die jetzige Erde aber sind durch dasselbe Wort aufbewahrt und für das Feuer aufgehoben zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.“
  10. 1Joh 4,17: „Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.“
  11. Judas 1,6: „und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt.“ (2Petr 2,4).

2.10 Der Richterstuhl Christi

  1. Röm 14,10: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“
  2. 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“
  3. Offb 6,15-16: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen? Der Tag des Zornes ist auch der Tag der Vergeltung und damit der Tag des Gerichtes.
  4. Offb 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.“ Dies ist die letzte Beschreibung des Gerichtes im Neuen Testament. Wie es im Detail und in welcher Reihenfolge das Gericht gehalten wird, können wir aus anderen Texten erkennen (Mt 13,36-43; 13,49; 25,31-46 u.a.m.).

In den mehr als achtzig Stellen wird durch viele verschiedene Begriffe und Bezeichnungen das eine große Ereignis des zweiten und damit auch letzten Kommens Jesu beschrieben.

3. Wann und wie kommt der Tag, der Tag des Herrn?

In Bezug auf das `wann` gibt es eine eindeutige und klare Antwort, die von Jesus und den Aposteln sehr oft gegeben wurde. „Aber von dem Tag und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein mein Vater“ (Mk 13,32). Alle menschliche Versuche, den Zeitpunkt zu ermitteln scheiterten. Und Gott lässt jeden zuschanden werden, der sich anmaßt darüber Auskunft geben zu können. „Denn des Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint“ (Lk 12,40). Er, der die Gedanken der Menschen sehen kann, muss es ja wissen.

Nach einer seiner evangelistischen Predigten und dem Aufruf zur Umkehr, macht Petrus eine weitreichende Aussage: „damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus. Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.“ (Apg 3,20-21). Beachten wir, was Petrus sagt: Jesus bleibt Solange im Himmel, bis alles geschehen (erfüllt) sein wird, was Gott durch die heiligen Propheten vorausgesagt hat.

Auch in Bezug auf das `wie` geben Jesus und die Apostel treffende Antworten: „Aber was die Zeiten und Fristen () betrifft, Brüder, so ist es gar nicht notwendig, dass euch geschrieben wird, denn ihr wisst selbst ganz genau, dass der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit, dann tritt das Verderben plötzlich an sie heran“ (1Thes“ 5,1-3a).

Ein Dieb meldet sich nicht an, er kommt überraschend, unerwartet unauffällig. Jesus verwendet sogar solch ein negatives Geschehen, um damit sein plötzliches Kommen zu veranschaulichen (Offb 3,3; 16,15). Doch für die, welche wachsam sind, wird es keine böse Überraschung werden.

Durch ein weiteres Naturphänomen beschreibt Jesus sein plötzliches Kommen: „Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein“ (Mt 24,27). Auch der Blitz meldet sich nicht vorher an. Den Blitz kann niemand voraussagen, es ist etwas Plötzliches, Unerwartetes.“ Die Vorentladungen benötigen etwa 0,01 s. Die Hauptentladung des Blitzes dauert nur etwa 0,00003 s.

Insgesamt ist es eine große Zahl an Aussagen, welche die Tatsache der plötzlichen, ja sogar unerwarteten Wiederkunft Jesu bezeugen. Auffallend und hilfreich zugleich ist die Aussage von Jesus in Matthäus 24,14: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“

Doch es gibt Hinweise, sogenannte Zeichen der Zeit, welche diesem Tag unmittelbar vorangehen werden, so zum Beispiel:

Die Zeichen an Sonne, Mond und Sternen (Mt 24,29).

in Mt 24,32-33 sagt Jesus: „An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.“ Oder Lk 21,28:

Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“

4. Die zwei Zeitalter

Es ist auffallend, dass Jesus von zwei Zeitaltern spricht, dem Jetzigen und dem Zukünftigen. Das gr. Wort dazu ist `aiönos`. Da Jesus `dieses Zeitalter`  immer in der Einzahl verwendet, ist es eingeschränkt auf die Zeitspanne zwischen seinem ersten und zweiten Kommen. Hier einige Beispiele:

  • Mt 12,32: „das wird nicht vergeben weder in diesem Zeitalter noch in dem Zukünftigem.
  • Mt 13,22: „die Sorgen der Welt (des Zeitalters ersticken das Wort“.
  • Mt 13,39-43: „aber die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters. Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten Leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.
  • So auch in Mt 13,48b-49: „So wird es auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden.“ In diesen beiden Gleichnissen macht Jesus klar: Erst am Ende werden die Ungerechten von den Gerechten getrennt.
  • In Matthäus 24,3 fragt Petrus: ;Was wird das Zeichen sein deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters.“
  • Und in Mt 28,20 verspricht Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“.

Jesus spricht auch von `in dieser Zeit` und für Zeit steht da `kairos`. So in Mk 10,30: „der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit (kairos) Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen – und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben (so auch in Lk 18,30; Eph 1,21).“ In diesem Textzusammenhang wird `in dieser Zeit (kairos)` als Synonym für `dieses Zeitalter` verwendet. (Röm 8,1; 2Kor 6,2).

Auch wenn die Apostel von früheren Zeitaltern in der Mehrzahl sprechen, dann können darunter die Zeitepochen vor der Flut, dann bis zum Bundesschluss am Sinai und die Epoche bis zum Beginn des Neuen Bundes gemeint sein (1Kor 10,11; 1Tim 1,17; Hebr 9,26 ). Doch mit dem Kommen von Jesus in diese Welt, seinem Dienst, seinem Leiden, Sterben und Auferstehung begann die neue Schöpfung. Es begann die Zeit (kairos) der Gnade, welche parallel zu diesem letzten irdischen Zeitalter verläuft. (Röm 3,26: „in dieser Zeit-kairos“; ;Röm 8,18: „dieser Zeit (kairos) Leiden“; Röm 11,5: „Zeit (kairos) der Gnade“;).

“2Kor 6,2: „jetzt ist die Zeit (kairos) der Gnade“;Hebr 9,26: „sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an –; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben. “

Demnach ist mit der Vollendung der vorhergehenden Zeitaltern das letzte (das jetzige) Zeitalter mit Jesus angebrochen. Das Kommende jedoch beginnt mit dem Ende des jetzigen Zeitalters. Sein Wiederkommen ist die Markierung zwischen diesen beiden `aiönen` (Zeitaltern).

Wenn Paulus in Eph 2,7 von den zukünftigen Zeitaltern (im Plural) spricht, dann kann es auf die Unendlichkeit hinweisen, ähnlich wie auch Jesus von seiner ewigen, immerwährenden Existenz spricht (Offb 1,17-18; dazu auch 22,5).

5. Reihenfolge der Ereignisse vor und bei der Wiederkunft Jesu

Jesus selbst gibt eine Reihenfolge der Geschehnisse kurz vor und während seiner Ankunft. Die neutestamentlichen Autoren haben in ihren Schriften darauf Bezug genommen und diese zum Teil detailliert beschrieben.

5.1 Der Wiederkunft von Jesus geht eine zeitlich begrenzte, jedoch große Bedrängnis voraus

In den deutschen Übersetzungen wird der griechische Begriff `thlypseös`, mit Trübsal, Drangsal oder Bedrängnis wiedergegeben. Es handelt sich dabei um Druck von außen, der ganz unterschiedliche Formen annehmen kann und in unterschiedlicher Intensität erlebt wird. Sehr viele Texte sprechen von Bedrängnis, doch für die Antwort auf unsere Frage suchen wir zunächst nach Texten, welche wörtlich und inhaltlich von großer Bedrängnis des Volkes Gottes sprechen.

  • In Daniel 12,1-2 wird gesagt: „Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelfürst, der für dein Volk einsteht. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. 2 Und viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“ Aus dieser Prophezeiung geht hervor, dass die Generation, welche vor der allgemeinen Auferstehung am Ende der Zeit noch hier auf Erden am Leben sein wird durch diese große Bedrängnis hindurch gehen wird. Für diese hat diese Bedrängnis den Zweck der Prüfung, Reinigung  und Läuterung (Dan 12,10). Von dieser allgemeinen Auferstehung spricht Jesus in Joh 5,28-29. Ebenfalls spricht Jesus von einer großen Bedrängnis.
  • Matthäus 24,21: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (kein Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ Die Ähnlichkeit mit Daniel 12,1-2 scheint hier offensichtlich zu sein (so auch in Mk 13,19-24). Allerdings wird dort zunächst von der großen ‚Bedrängnis gesagt, die im Zusammenhang der Zerstörung Jerusalems beschrieben wird. Lukas beschreibt dies mit „große Not und Zorn über dies Volk`“. Die Ergänzungen bei Lukas machen deutlich, dass diese große Bedrängnis sich zunächst auf die jüdischen Menschen in der Stadt Jerusalem aber auch auf das gesamte jüdische Volk bezieht. Dass Jesus diese Bedrängnis auch mit der Bedrängnis vor seinem Kommen verbindet ist auffällig: „Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren.

Jesus scheint zu unterscheiden zwischen Bedrängnissen, welche seine Nachfolger in der Zwischenzeit treffen werden und der oben genannten großen Bedrängnis, welche über Israel gehen soll und am Ende der Zeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird.

Nun schauen wir nach Texten, die von Bedrängnissen sprechen, welche Gottes Volk in der gesamten Zeit treffen werden::

  • Mt 24,9: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 10,22; Mk 13,13; Lk 21,12).
  • Joh 16,2: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.“
  • Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes ich habe die Welt besiegt.“
  • Apg 8,1: „An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde[1] in Jerusalem“ (dazu auch 11,19).
  • Apg 14,23: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und ⟨sagten⟩, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen
  • Röm 5,3: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,“ (dazu auch Röm 8,35; 12,12).
  •  2Kor 1,4: „der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.“ (2Kor 2,4; 4,17; 6,4).
  • 2Thes 1,4-6: „sodass wir selbst uns euer rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures Ausharrens und Glaubens in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet; 5 ⟨sie sind⟩ ein Anzeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr des Reiches Gottes gewürdigt werdet.“
  •  Offb 1,9: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“ (dazu auch Offb 2,10; 3,10; 6,9-11; 11,7; 12,11; 20,4-5) Dies kann bedeuten:
  1. Dass alle Gläubigen zu ihrer Zeit ein von Gott zugemessenes und begrenztes Maß an Bedrängnis erleiden werden (1Kor 10,13). Die große Bedrängnis in Offenbarung 7,13 umfasst damit alle gläubigen aller Zeiten.
  2. Die `große` Bedrängnis kann aber auch eine umfassende globale sein, welche am Ende der Weltzeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird, ähnlich wie jene große Bedrängnis das gesamte jüdische Volk traf.

In der Schilderung der Ereignisse über Jerusalem, geht Jesus nahtlos über und schildert weitere Details als Zeichen im Zusammenhang seiner Wiederkunft. Und er beginnt wieder mit einer Warnung:

Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: Da!, so sollt ihr’s nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.„ (Mk: „Ich habe euch alles zuvor gesagt!“). Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. 27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.“ (Mt 24,23-28; (siehe auch Mk 13,21-22).

Gleich nach der Warnung vor falschen Christussen und falschen Propheten die offensichtlich sich melden werden, vergleicht Jesus sein Kommen mit dem Bild des Blitzes um sein plötzliches Kommen zu verdeutlichen.

Es lässt sich beobachten, dass gerade in Zeiten der Not Menschen nach Rettern Ausschau halten. Und umgekehrt ist auch zu beobachten, dass sich in solchen Zeiten die falschen Messiasse melden und Rettung versprechen.

5.2 Der materielle Kosmos wird aufgelöst

Nach dem Lukasbericht schildert Jesus die dramatischen Ereignisse kurz vor seinem Erscheinen.

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde.“ (Lk 21,25ff).

Das Sonnensystem (Sonnensysteme) brechen zusammen. Dies bedeutet das Ende der Weltzeit. Denn ohne Sonne kein Licht und physisches Leben und keine Zeit mehr.

Nach Matthäus sagte Jesus: „Aber gleich (gr. eutheös – sofort) nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“  Der gesamte materielle Kosmos kollabiert sozusagen.

Abbildung 4 Sonnenuntergang im Westen der Insel Zypern. Eines Tages wird die Sonne zum letzten Mal und für immer untergehen (Foto am 7. Januar 2006).

In Anlehnung an die Worte Jesu beschreibt Petrus die Begleiterscheinungen des Kommens des Herrn mit den Worten: „Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel mit großem Krachen vergehen werden, die Elemente aber vor Glut verzehrt, werden sich auflösen, die Erde und die Werke auf ihr werden (im Gericht) gefunden werden (oder heimgesucht werden).“ (2Petr 3,10). Und als ob er nicht genug diese Begleiterscheinungen beschrieben hätte, führt er 2 Verse weiter fort: „Indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, an dem die Himmel in Brand gesetzt werden und die Elemente in Glut schmelzen und sich auflösen werden. (2Petr 3,12).

Auch der Hebräerbriefschreiber betont, dass die erschaffene materielle Welt aufgelöst wird (Hebr 12,26-28). Dabei stützt er sich auf ein Prophetenwort: „Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert, jetzt aber verheißt er und spricht (Haggai 2,6): „Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.“ Dieses „Noch einmal“ aber zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit allein das bleibe, was nicht erschüttert werden kann. Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.“ Und  der Ap. Johannes schreibt in Offenbarung 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den der darauf saß vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel und es wurde ihnen keine Stätte mehr gefunden.“

Sehr gut erinnerten sich also die Jünger an die Worte ihres Herrn, der sagte: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 24,35). Dies ist eine deutliche Herausforderung an alle die diese Welt (Himmel und Erde) retten oder erobern wollen. Auch an die, welche meinen, dass diese Erde runderneuert wird.

Anmerkung: Laut diesen Textaussagen wird Jesus bei seiner Ankunft diese Erde nicht mehr betreten, denn sie wird es dann nicht mehr geben, siehe die Beschreibung des Petrus. (vgl. auch Jes 34,4; Offb 6,13-14; 20,10-11).

5.3 Dies Geschlecht wird nicht vergehen

Und nun macht Jesus eine Aussage, welche den Lesern Kopfzerbrechen bereiten kann: Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ (Mt 24,34). Die hier verwendete gr. Bezeichnung `genea`, kann mit Geschlecht, mit Generation, aber auch mit der qualitativen Bezeichnung `diese Art` übersetzt werden.  Diese Aussage finden wir auch bei Markus (Mk 13,30). Bereits schon früher verwendete Jesus diese harte Bezeichnung für eine Menschenart in Israel, die sich ihm offensichtlich widersetzte.

Mt 12,41: „Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona.“ (Lk 11,29-31).

Mt 12,42: „Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören“ (Lk 11,32-33).

Mt 12,45: „Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger, als es vorher war. So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“

Mk 8,12: „Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden!

Mk 8,38: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“ Diese Aussage bestätigt, dass es diese Menschenart bis zum Kommen von Jesus geben wird.

Lk 11,50: „damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist.

Lk 11,51: „von Abels Blut an bis zum Blut Sacharjas, der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.“

Lk 17,25: „Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.“

Apg 2,40: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht.“

Damit wird klar, dass diese Bezeichnung auf die Menschen und Menschengruppen fällt, die gleich Kain und einschließlich der Menschen in Israel, welche sich bewusst gegen Gott und seinen Christus auflehnten. (weitere Stellen dazu: 5Mose 1,35; Ps 37,28; Jes 57,4; Mt 11,16; 23,36; Hebr 3,10). Dem gegenüber steht das Geschlecht der Gerechten (Ps 24,6; 73,15; Jes 65,23; 1Petr 2,9; Offb 12,17;22,16).

5.4 Die Auferstehung der Toten zum Leben oder zum Gericht

Jesus fährt fort nach Lukas:Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,26-28). Im Text des Matthäus lesen wir: “Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen (großem Posaunenschall), und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ (Mt 24,29-31).

Abbildung 5 Eine Wolkendecke über Zypern erinnert an die wiederholten Aussagen von Jesus, dass er mit den Wolken des Himmels kommen wird. (Foto am 6. Januar 2006).

Wie gewaltig, wer kann es noch besser kommentieren? Mit dem Erscheinen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels in Macht und Herrlichkeit beginnt auch die Sammlung der Auserwählten durch den Dienst der Engel. Dies setzt deren Auferstehung voraus. Im Zusammenhang der Aussagen von Jesus in Matthäus 13,36-43 und 13,44-49 werden durch die Engel auch die Gottlosen eingesammelt. Dies setzt auch deren Auferstehung voraus. So sagt Jesus: „so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.“ (so auch in Mt 13,49).

Auch hier werden die Gerechten und Ungerechten erst am Ende voneinander getrennt. Davon spricht Jesus auch in Joh 5,28-29; ähnlich auch Dan 12,1-2). Dass alle gleichzeitig auferstehen werden, macht die Aussage in Offb 11,18 deutlich: „Und die Nationen sind zornig gewesen; und es ist gekommen dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten – die Kleinen und die Großen –, und zu vernichten, die die Erde vernichten.“ Ebenso in detaillierter Ausführung in Matthäus 25,31-46. Es sieht so aus, dass die Gerechten erst eingesammelt werden. Dies könnte mit deren  Entrückung zu Jesus im Zusammenhang stehen.

Von den Aposteln hat Paulus am meisten das Thema Auferstehung beschrieben. Er beschreibt dort nur von der Auferweckung und Verwandlung der Gläubigen. „Denn er selbst der Herr wird mit dem Befehlsruf und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt (arpag¢sometha, wörtl.: geraubt, entrissen) werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander. (1Thes 4,16-18). Denken wir daran, dass Paulus in diesem Zusammenhang die Frage der Thessalonicher beantwortet. Er beschreibt nur, was mit den entschlafenen und den noch lebenden Gläubigen geschehen wird bei der Ankunft Jesu (vgl. dazu 1Thes 4,13). ähnlich schreibt er an die Korinther, die in dieser Frage auch so manche Unklarheit hatten: „Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;“ und das plötzlich, in einem Augenblick (in einem unteilbaren des Augenblicks), zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. „Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): „Der Tod ist verschlungen vom Sieg.“ Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.“ Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“ (1Kor 15,50-57).

Paulus konnte sich dabei auch auf die Aussage von Jesus stützen: „Und er wird seine Engel senden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern“ (Mt 24,31; Mk ).

Anmerkung: Die verstorbenen  Gläubigen aller Zeiten, deren Seelen (geist) bereits beim Herrn sind, bekommen als erste den auferstandenen Leib, dann im selben Augenblick die Verwandlung der noch Lebenden gläubigen und deren Entrückung dem Herrn entgegen in die Luft. Und so werden sie bei dem Herrn sein allezeit.

Paulus schreibt in 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“

Nach dieser Allgemeinen Auferstehung werden laut Mt 25,31 und folgenden alle Völker vor dem Menschensohn versammelt werden. Jesus erscheint als König in all seiner Herrlichkeit und in Begleitung der Engel und wird als Richter das Endgericht halten. „Und er wird sie voneinander trennen, wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt, die einen zur Rechten und die anderen zur Linken.“ Und diesen wird Jesus sagen: “Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.“ Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?“ Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was11 ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan.“ Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Mt 25,41-46). Denen zur Rechten wird der König antworten: „Kommt her, ihr Gesegneten von meinem Vater, empfangt das Reich, welches bereitet ist seit Grundlegung der Welt.“ (Mt 25,34).

In Offb 20,11 und folgenden sieht Johannes dass  im Gericht Bücher aufgetan werden:

Und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches ist das Buch des Lebens. Und wer nicht gefunden wurde in dem Buch des Lebens der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl„. Dies ist der andere, der zweite  und somit der ewige Tod.

Paulus hebt das gerechte Urteil des Herrn bei dessen Ankunft für Gerechte und Ungerechte in 2Thes 1,6-10 hervor:

Bei Gott ist es gerecht Vergeltung zu üben über die, so euch bedrängen, euch aber, die ihr e bedrängt werdet Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel mit den Engeln seiner Macht, im Feuer einer Flamme, zu bestrafen die, die Gott nicht kennen und die, die der Frohbotschaft von Jesus Christus nicht gehorchen, welche als Strafe zahlen werden ewiges Verderben, weg vom Angesicht des Herrn und weg von der Herrlichkeit seiner Stärke, wenn er kommt um verherrlicht zu werden unter seinen Heiligen und bewundert zu werden von allen, die zum Glauben gekommen sind.“ (2Thes 1,6-10).

Anmerkung: Bei der allgemeinen Auferstehung wird deutlich unterschieden zwischen denen in Christus und denen die ohne Christus sind. Die in Christus werden mit einem verherrlichten, d.h. unvergänglichen (unverweslichen) Leib auferstehen zum ewigen Leben.

Die ohne Christus sind, werden auferstehen zum Gericht und Verdammnis, d.h. zum ewigem Tod (zweiter Tod). Nirgendwo lesen wir etwas darüber mit welchem Leib die Ungerechten auferstehen werden.

Wenn also Paulus in einer Kurzfassung an die Korinther (1Kor 15) und an die Thessalonicher (1Thes 4) nur von der Auferstehung der entschlafenen Gläubigen und der Verwandlung (einschließlich der Entrückung) der noch lebenden Gläubigen spricht, dann ist dieses Geschehen im großen Rahmen der allgemeinen Auferstehung der Gerechten und Ungerechten zu erwarten wie es Jesus in Joh 5,28-29 grundlegend vorausgesagt hat. Die Texte sollten nicht isoliert voneinander ausgelegt werden, sie alle greifen ineinander, beschreiben die verschiedenen Aspekte des einen gewaltigen Ereignisses.

Nun schließt sich der Kreis, wenn wir noch mal die Worte Jesu aus Johannes 14,3 zitieren: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnstätten, wenn es nicht so wäre“ aber es ist so, die gibt es schon, die hat Gott vorbereitet. Und er kommt, um die Seinen nach Hause zu holen.

5.5 Der Sohn übergibt das Reich zurück in die Hände des Vaters

Diese Übergabe beschreibt der Ap. Paulus in 1Kor 15,2ß-:

Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,20-28).

6. Der Neue Himmel und die Neue Erde

Dieser Abschnitt ist noch in Arbeit.

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Jesus Christus – seine menschliche und göttliche Abstammung.

Gott enthüllt sein größtes Geheimnis – Veronika Auinger und Paul Schüle – Predigt am 08.12.2024

1.1 Jesus – seine menschliche Abstammung

(Bibeltexte: Mt 1,1-17; Lk 3,23-38; 1Chr 1-3; 1Mose 5,1-32)

1.1.1 Der Stammbaum von Jesus

Der Evangelist Matthäus schreibt seinen Bericht an eine judenchristliche Leserschaft, passend mit einem Stammbaum der Hauptperson in der Form, wie wir sie auch im Alten Testament finden: von den Wurzeln hin zum Spross. Er beschreibt die Biografie über Jesus unter thematischen Gesichtspunkten. Der Evangelist Lukas dagegen ist mehr an einer chronologischen Reihenfolge interessiert. Dieser schreibt einen Stammbaum nach griechisch-römischer Tradition: vom jüngsten Namen zurück bis auf Adam; und „der war Gottes.“

Abbildung 4 Im Inneren dieses Bauwerkes in Hebron befindet sich laut jüdischer Tradition das Grab Abrahams (Foto: April 1986).

Der Evangelist Matthäus beginnt seinen Bericht mit den Worten: Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1,1).

Und er ordnet dann den Stammbaum in drei Reihen mit je 14 Namen, evtl. weil der Zahlwert der hebräischen Schreibweise von David „14“ ist. Der am Beginn des Matthäusevangeliums verwendete griechische Begriff  `gene,sewj – geneseös` enthält mehrere Aspekte: Die Entstehung, den Ursprung, die Abkunft, die Geburt, die Geschichte. Matthäus 1,1 kann in Anlehnung an 1Mose 2,4 und 5,1 auch mit „Das Buch der Abstammung” übersetzt werden. Durch diese Stammtafel werden folgende Aspekte unterstrichen:

  • Jesus ist der verheißene und damit wahre Nachkomme Abrahams, durch den alle Völker auf Erden gesegnet werden (vgl. 1Mose 22,18 mit Gal 3,16).

HINWEIS: Frauen und Ausländer werden eher schamvoll in einem Stammbaum verschwiegen. Während in früherer Zeit offenbar keine Bedenken bestanden, dass Israeliten Frauen aus anderen Völkern nahmen (1Mose 41,45 – Josef; 2Mose 2,21; 4Mose 12,1 – Mose; vgl. auch Ri 14,1; 2Sam 11,3), wobei sich diese Frauen selbstverständlich dem israelitischen Glauben anschlossen, wird später die Ehe mit fremdstämmigen und heidnischen Frauen wegen der Gefahr des Abfalls vom Glauben verboten (vgl. 5Mose 7,1-4; 20,16ff; 21,10ff;  Esra 9.)Bewusst nennt Matthäus im Stammbaum vier Frauen, davon drei Nichtjüdinnen.

– Rahab, eine Prostituierte aus Jericho;

– Ruth, eine gottesfürchtige Moabiterin;

– Tamar, von Judas geschwängert, da er seine Schwiegertochter für eine Prostituierte hielt;

– Bathseba, von König David zur Ehefrau genommen (Kontext: Ehebruch, List und Mord).

  • Als Davids Nachkomme ist Jesus der Gesalbte (hebr.: משיח mashiach: Χριστός – Christos, lat.: Christus; deutsch: Gesalbter), also der wahre und ewige König, dessen Reich ebenso ewig ist (vgl. 2Sam 7,11-16 mit Lk 1,31-33).

Diese Abstammungslinie führt Matthäus von Abraham über David bis Josef. Dabei nennt er insgesamt 42(41) Generationen. Der Evangelist Lukas wählt den umgekehrten Weg und führt die Abstammungslinie von Jesus zurück über David und Abraham bis Adam. Er nennt insgesamt 77 Generationen/Glieder.

Im Vergleich zu Matthäus (42) hat Lukas von Abraham bis Christus 57 Generationen genannt, also 15 mehr für den gleichen Zeitraum. Von Adam an bis Noah scheinen in den Stammeslisten keine Lücken zu sein. Von Noah bis Abraham gibt Lukas zusätzlich “Kenan” an, den Sohn des Arpachsad. Von Abraham bis zum König David lässt Lukas “Ram” aus, hat dafür zwei andere Namen (Admin und Arni), welche in den übrigen Stammeslisten nicht vorkommen. Von David an gibt es die Königslisten, wie in den Königs- und Chronikbüchern beschrieben. Auf diese stützt sich größtenteils Matthäus, wobei er einige Könige auslässt. Er folgt einem bestimmten Muster, bei dem dreimal je 14 Generationen von Abraham bis Jesus genannt werden.

Anmerkung: Bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass es nur 41 Generationen sind. Da wir jedoch dem Zöllner Matthäus nicht unterstellen können, dass er sich verrechnet hätte, suchen wir nach einer plausiblen Erklärung für diese mathematische Ungereimtheit. Die Lösung  könnte sein: David wird zweimal genannt, einmal am Ende der ersten Gruppe und das zweite Mal am Anfang der zweiten Gruppe (Mt 1,17). Die Zählung bei der ersten Vierzehnergruppe endet mit David und die zweite Vierzehnergruppe beginnt wieder mit David. Die zweite Vierzehnergruppe endet mit dem letzten rechtmäßigen König von Juda – Jechonia / Jojachin, der in die Babylonische Gefangenschaft kam (2Kön 24,8-15; 25,27-29). Die dritte Vierzehnergruppe beginnt mit Schealtiel dem Sohn Jojachins und endet mit Jesus. Dass in dieser Stammesliste einige Könige ausgelassen wurden, war wohl aus bestimmtem Grund so gewollt.

Lukas muss wohl eine uns unbekannte Stammesliste genutzt haben. Sie führt nicht über Salomo, den rechtmäßigen Thronfolger Davids, sondern über Nathan, einen wenig bekannten Sohn Davids. Nathan war ein leiblicher Bruder von Salomo (1Chr 3,5; 14,4), seine Mutter hieß Bathseba (Bath Sua). Im 1. Chronikbuch, in den Kapiteln 1-12 gibt es eine umfassende Stammesliste von Adam über die zwölf Stämme bis zur babylonischen Gefangenschaft. Die Stammesliste von Adam bis Noah ist in allen Aufzeichnungen gleich (1Mose 5; 1Chr 1,1; Lk 3,36-38). Mit allen Orts- und Zeitangaben vor 1Mose 12 ist vorsichtig umzugehen. In der folgenden Tabelle sind die verschiedenen Stammeslisten zum Teil parallel aufgelistet. Dabei stellen wir fest, dass die Bibel für die Anfangszeit genauere Angaben macht, als für den Zeitraum nach der babylonischen Gefangenschaft. Die Stammeslisten geben keine lückenlose Abfolge der Generationen und daher sind die Jahreszahlen auch nicht geeignet für eine genaue Datierung. Manche Fragen bleiben unbeantwortet in Bezug auf die Unterschiede und Auslassungen in den Stammeslisten. Die Tatsache jedoch, dass es sie überhaupt gibt, unterstreicht die Geschichtlichkeit der Verwirklichung des Heilsplans Gottes mit seinem Sohn Jesus Christus in Raum und Zeit.

HINWEIS: durch Adoption und durch Stamm- bzw. Erbtöchter, die evtl. nicht genannt werden und auch durch Leviratsehen (natürlicher Vater und gesetzlicher Vater differieren, da ein Bruder dem anderen Nachkommen „erweckt“ – 5Mose 25,5-6) werden Stammbäume recht kompliziert. Vaterschaft wurde im Judentum oft mehr unter gesetzlichen Gesichtspunkten und weniger nach der natürlichen Abstammung beurteilt. Dies trifft in besonderer Weise auf Jesus zu.

Solche Stammbäume erinnerten das Volk daran, dass es Gott selbst war der Ehen stiftete und Nachkommen schenkte.

1.1.2 Die Zuordnung der Stammbäume

Der Evangelist Matthäus formuliert in seinem Stammbaum: „Jakob aber zeugte (gr. εγέννησεν – egenn¢sen) Josef den Mann Marias, von welcher ist geboren (gr. εγεννήθη – egenn¢th¢) Jesus, der genannt wird Christus.“ (Mt 1,16). Während in allen Stammbäumen immer der Mann als aktiv Beteiligter/Zeugender hervorgehoben wird, betont Matthäus im Falle von Jesus, dass er von Maria geboren wurde und zwar ohne die Mitwirkung von Josef. Der Evangelist Lukas formuliert in seinem Stammbaum: „Er, Jesus war beginnend, etwa (ungefähr) dreißigjährig, (und) war Sohn, wie man dachte Josefs, des Eli, des Maththat, des Levi des Melchi (…).“ (Lk 3,23-24). Jesus wurde allgemein für einen Sohn Josefs gehalten (Joh 1,45; Lk 4,22), was rein formal-juristisch auch stimmte. Der klärende Einschub des Lukas: „(Jesus) war Sohn, wie man dachte Josefs“, macht jedoch  auch deutlich, dass Jesus de facto nicht Sohn des Josef, sondern Sohn der Maria war (vgl. dazu auch Lk 1,31-33). Da man jedoch Frauen (Töchter) in die Stammeslinie nicht einzufügen pflegte, liegt es nahe, dass Lukas die Stammeslinie von Jesus zurück, nicht über Maria, sondern über Josef, den gesetzlichen Vater von Jesus, mit Eli verbindet und weiter zurück über Nathan, den leiblichen Bruder von Salomo bis David  und schließlich bis Adam zurückführt (1Chr 3,5; 14,4; Lk 3,23-36). Nach Lukas 1,5 und 1,36 war Maria eine Verwandte von Elisabeth, der Frau des Priesters Zacharias und Mutter von Johannes dem Täufer. Da Elisabeth eine, wie es im Text heißt „aus den Töchtern Aarons“ war, kann angenommen werden, dass Maria ebenfalls aus priesterlichem Hause stammte. Aber müsste Maria nicht auch aus dem Hause Davids und dem Stamm Juda herkommen? Der Autor des Hebräerbriefes bestätigt die menschliche Herkunft von Jesus aus dem Stamm Juda, wenn er schreibt: „Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist“ (Hebr 7,14). Und der Apostel Paulus engt die menschliche Herkunft von Jesus noch mehr ein, wenn er in Römer 1,3 schreibt: „der geworden ist (γενομένου genomenou) aus dem Samen Davids nach dem Fleisch“. Damit wird (wenn auch nur indirekt) die blutsmäßige Herkunft von Maria aus dem Hause David hervorgehoben. So dass wir zum Ergebnis kommen, dass Maria auch aus dem Hause David stammte eben über die Stammeslinie ihres Vaters „Eli“.

Wir stellen fest, dass Lukas im Gegensatz zu Matthäus, den von ihm beschriebenen Stammbaum in umgekehrter Richtung aufschrieb. Er muss dabei nicht wie Matthäus formulieren: „Eli zeugte Josef (den Mann Marias)“, sondern nur: „der (Josef) des Eli, des Maththat (…)“. In der Regel wurde darunter auch die blutsmäßige Abstammung verstanden, doch bei der Formulierung des Lukas wird der Moment der ausdrücklichen Zeugung durch den Mann vermieden und sie bietet Raum zu einer nicht blutsmäßigen Zuordnung – von Josef (als Schwiegersohn) zum Vater der Maria (dem Eli). Auffallend ist auch, dass sich beide Stammeslinien um die Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft durch die Personen Schealtiel und Serubbabel kreuzen (Mt 1,12; Lk 3,27). Beide Linien liegen demnach eng beeinander und gehen auf David zurück.

Wir kommen daher zu dem Ergebnis, dass die Zuordnung der Lukanischen Stammesliste den Vorfahren der Maria, durch die oben genannten Textaussagen unterstützt wird. Somit war Jesus als `Mensch` leiblicher Sohn der Maria und gesetzlicher Sohn von Josef in jeder Hinsicht Nachkomme und Sohn Davids (Lk 1,31-33; Mt 1,1; 9,27; 12,23; 15,22; 20,30; 21,15).

1.2 Jesus Christus – sein göttlicher Ursprung

(Bibeltexte: Mt 1,18-25;  Lk 1,26-38;  Joh 1,1-18)

Nach dem Betrachten der `menschlichen` Abstammung von Jesus Christus machen wir uns auf die Suche nach Textaussagen über seinen göttlichen Ursprung. Dieser ist besonders in seiner Menschwerdung sowie in seinem besonderen Dienst durch Wort und Tat zu erkennen.

Schon der Prophet Micha sagt über den Ursprung des Messias folgendes:

Und du Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll, und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. (Micha 5,1).

Der Evangelist Lukas ist der Einzige, der die Botschaften des Engels Gabriel aufgeschrieben hat. Der Engel Gabriel wird außer in Lukas Kapitel 1 nur in Daniel 8,16-17; 9,21 erwähnt. Der Engel Gabriel erklärt dem Propheten Daniel die Visionen sowie deren Bedeutung und überbringt dem Priester Zacharias die Botschaft von der Geburt des Johannes (Lk 1,19). Zu Maria wird er von Gott gesandt, um ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes zu übermitteln.

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Abbildung 5 Die römisch-katholische Verkündigungskirche in Nazaret. Die Ursprünge des Kirchenbaus an dieser Stelle gehen in das 4. Jh. zurück in Erinnerung an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die früheren Kirchengebäude wurden durch Eroberungen und auch Erdbeben immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahre 1955 (Foto: Juli 1994).

Und so lesen wir in Lukas 1,31-32 von der Botschaft Gottes an Maria durch den Engel Gabriel:

Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.

Die verständliche Nachfrage der Maria: „Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß“ (Lk 1,34) gibt uns nicht nur einen Einblick in ihr korrektes Verhalten als Verlobte, sondern unterstreicht gleichzeitig, wenn auch nur indirekt, den göttlichen Ursprung von Jesus Christus. Natürlich kennt Maria Josef, ihren Verlobten, aber sie haben als Verlobte keinen geschlechtlichen Umgang miteinander. Aus der großen Perspektive Gottes ist es nicht vorgesehen, dass zwei junge Menschen, auch wenn sie schon verlobt sind, sexuell miteinander verkehren. Wenn Gott dies in die Beliebigkeit der Einzelnen gestellt hätte, wäre der biblische Hinweis auf die Jungfrauengeburt noch schwieriger nachzuvollziehen. Hier sollten wir die Hinweise Gottes aus 5Mose 22,16 kennenlernen (wir denken dabei  an den polygamen Hintergrund des Kapitels). Das Zeichen der Jungfräulichkeit der Frau war das Laken/Decke, das in der Hochzeitsnacht genutzt wurde. Wenige biblische Hinweise finden wir für die Jungfräulichkeit des Mannes vor der Ehe. Als Grundtext für dieses Thema gilt: Epheser 5,23f (der reine Christus und seine reine Braut = die Gemeinde).

Gott hatte von Beginn an die Geburt seines Sohnes durch eine Jungfrau geplant, so bekommt auch die Ordnung für Verlobte einen Sinn (siehe 5Mose 22,14).

Der Engel Gabriel lässt Maria natürlich nicht in Unwissenheit über die Art und Weise der Zeugung, er erklärt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten (= Gott) wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35)

Abbildung 6 Das unendliche Blau des Himmels, die Wolken und Berggipfel erinnern an die himmlische Sphäre, von der aus sich Gott im Laufe der Geschichte den Patriarchen, den Propheten Mose, Samuel, David, aber auch der Maria in Nazareth offenbart hat (Foto: Petra im Süden von Jordanien 5. November 2014).

P. Thiede bemerkt hierzu: „Sie (Maria) muss genauso verwirrt gewesen sein, wie die Leser es seither sind, und die Erklärung, die der Engel gibt, zielt nicht darauf ab, Gynäkologen zufrieden zu stellen.“

Ob Maria es verstanden hat, ist nicht sicher, geglaubt hat sie es, denn ihre Antwort lautet: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort.“ (Lk 1,38).

Kritiker des Neuen Testamentes behaupten, dass Götter und Söhne von Göttern in der heidnischen Antike auf ähnliche Weise geboren wurden. Doch wir weisen auf den unübersehbaren Unterschied zu den so genannten religionsgeschichtlichen „Parallelen“ hin. Der biblische Bericht ist zurückhaltend, nüchtern und beschreibt nicht den Vorgang der Empfängnis im Detail. Mit knappen Worten wird die Empfängnis aus der Gottesperspektive beschrieben. In der heidnischen Mythologie werden die Vorgänge aus menschlicher Perspektive, oft in pervertierter Ausschmückung beschrieben. Somit ist die Jungfrauengeburt tatsächlich ohne jegliche biblische oder gar religionsgeschichtliche Ähnlichkeit. Vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis ist lediglich der alttestamentliche Gedanke des Wohnens (yTin>k;v;scha½anti ich wohne = Schechinah, die Einwohnung) Jahwes bei den Menschen z. B. in der Stiftshütte (2Mose 25,8-9).

Der Engel Gabriel hat noch eine wichtige Zusatzbotschaft an Maria zu verkünden, nämlich:

Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit und seines Königtums wird kein Ende sein. (Lk 1,32b-33).

Diese Prophezeiung ist nicht neu, sie wurde schon rund eintausend Jahre vorher dem König David gegeben (2Sam 7,13b-16) und sie lautet:

Und ich werde den Thron seines Königtums festigen für ewig.  Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. (…) Dein Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.

Gott hielt seine Zusage – „als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau (…).“ (Gal 4,4).

Der Evangelist Matthäus schreibt:

Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so; Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger gefunden von dem Heiligen Geist. (Mt 1,18).

Das Ungewöhnliche, das Besondere, das Einmalige wird hier betont. Maria wurde schwanger, „(…) ehe sie (Maria und Josef) zusammenkamen“. Hier betont auch der Evangelist Matthäus, dass Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht üblich war – Jesus also nicht natürlich gezeugt wurde. Für diese ungewöhnliche Zeugung fand er eine alttestamentliche Prophezeiung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen. (Jes 7,14).

Diese Prophezeiung ist, wie viele alttestamentliche Aussagen, mehrschichtig. Das Zeichen, dass eine junge Frau (auf natürliche Weise) schwanger würde, bezog sich zuerst auf Jesajas Zeitgenossen Ahas und das Volk Juda. Der hebräische Begriff `hm’l.[;h‘ ha±almah` bedeutet allgemein: die junge Frau im heiratsfähigen Alter, kann aber auch die weibliche Person bezeichnen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte (was in Israel die Regel war). Aber wie viele andere Verheißungen des Alten Testamentes barg auch diese eine noch in der Zukunft liegende Erfüllung. Bei der Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes in die griechische Sprache wurde an dieser Stelle der Begriff `parqe,noj parthenosJungfrau` gewählt.

HINWEIS: Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes aus dem 2. Jh. vor Chr. wird Septuaginta/LXX (=Siebzig/lateinische Zahlen für 70) genannt, da angeblich 72 Übersetzer nach 72 Tagen diese Übersetzung im 2Jhd. v. Chr. anfertigten (Aristeasbrief 9-11.41.46.50.121.301f.307-311).

Dieser griechische Begriff meint im Neuen Testament an den meisten Stellen eine junge Frau, die noch nie Geschlechtsverkehr hatte (wörtlich/buchstäblich Lk 1,27; 2,36; Apg 21,9; 1Kor 7,25.28.34.36.37.38; im übertragenen Sinne; 2Kor 11,2; Offb 14,3-4). Der Evangelist Matthäus (aber auch Lukas) heben mit diesem Begriff die Jungfräulichkeit Marias hervor. So wie damals der Herr durch eine junge Frau mit ihrem Sohn den Zeitgenossen Jesajas ein Zeichen gegeben hatte, so wurde Maria von Gott auserkoren als `Jungfrau` schwanger zu werden und einen Sohn zu gebären als Zeichen zu ihrer Zeit.

Der Evangelist Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” Johannes (der Täufer) zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich. (Joh 1,1.14-15). Johannes der Täufer ruft aus: „Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist. (Joh 1,34).

Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi (des Sohnes Gottes).“ (Mk 1,1).

Weitere Bibelstellen zum göttlichen Ursprung von Jesus Christus: vgl. Ps 110,1 mit Mt 22,42-44; Joh 1,18; 3,16; 5,17-19; 8,58; 10,30-36; 20,28; 1Joh 5,20; Röm 1,1-3; 9,5; vgl. Ps 2,7 und 2Sam 7,14 mit Hebr 1,3-5ff.

In den folgenden Abschnitten unserer Bibelstudien wollen wir die verschiedenen Details der Menschwerdung und Geburt von Jesus zeitlich-chronologisch betrachten und zwar in dem historischen, geographischen und kulturellen Kontext der damaligen Zeit.

Das war ein Auszug aus „Unterwegs mit Jesus“ Kapitel 1 – Die Geburt und Kindheit von Jesu.

Wer mehr über Jesus erfahren möchte – folge dem Link unten:

https://gottesgeheimnis.net/2017/01/08/unterwegs-mit-jesus-kapitel-1-die-kindheit-von-jesus/

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42. Frage: Herr, willst du, so wollen wir sagen dass Feuer vom Himmel falle?

Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass er in den Himmel aufgenommen werden sollte, da wandte er das Angesicht, entschlossen, nach Jerusalem zu wandern. Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten. Und sie nahmen ihn nicht auf.“ (Lk 9,51-53). Der Dienst von Jesus in Galiläa geht dem Ende zu und er macht sich auf den Weg nach Jerusalem  Dabei wählt er bewusst die kürzere aber auch  gefährlichere Route. Diese führte durch das Samaritische Hochland. Die Samariter und die Juden hatten grundsätzlich keine Gemeinschaft miteinander, doch hier lag ein anderer Grund vor.

Die ablehnende Haltung der Dorfbewohner begründeten sie mit: „weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern.“ (Lk 9,53b).

Und nun schaltet sich das Bruderpaar Jakobus und Johannes ein mit einem Vorschlag zur Vergeltung. Lukas berichtet weiter: „Als aber das die Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre, (wie Elia tat)?“ (Lk 9,54). Dieser Vergeltungsvorschlag erinnert an den Propheten Elia und seine Feueraktionen, die vor etwa achthundert Jahren in mittelbarer Umgebung stattfanden (2Kön 1,10-12). Was immer diese beiden Jünger mit dem Beinamen Donnersöhne motivierte, Jesus liegt es fern, sich selber zu rächen. Im Gegenteil, seine Reaktion gegenüber seinen Jüngern war heftig ablehnend und bedrohend. „Er aber wandte sich um und bedrohte sie.“  Als der Sohn des Menschen hat er sich NIE an jemandem gerächt. Und er zeigt seinen Jüngern, wie dieses Problem gelöst werden kann, nämlich: „Und sie gingen in ein anderes Dorf.“ Was für eine geniale Lösung! Die Bewohner des anderen Dorfes zeigten Jesus ihre Gastfreundschaft. Nein, nicht alle Samariter sind judenfeindlich. Denn wo immer Jesus Gastrecht gewährt wurde, hinterließ er seinen Segen, wie die Geschichte seiner Aufnahme in Sychar bestätigt (Joh 4). Vermutlich bereuten die Bewohner des ersten Dorfes spätestens am nächsten Tag ihr unüberlegtes Fehlverhalten.

Die  Begründung für sein Verhalten unterstreicht Jesus mit den Worten: „Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu retten.“ (Lk 9,56). Und entsprechend ist es seinen Nachfolgern niemals gestattet, sich selbst zu rächen (5Mose 32,35; Röm 12,19).

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41. Frage: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder vergeben?

Diese Frage kommt von Petrus und er fügt hinzu: „Ist’s genug siebenmal?“ (Mt 18,21). Mit dem zweiten Teil seiner Frage schätzt er sich als großzügig ein. Doch es ist gut, dass er diese Frage gestellt hatte. Das deutsche Verb `vergeben` bedeutet; was vorhanden war, gibt es nicht mehr, zum Beispiel: alle Gutscheine sind vergeben. Im Grunde handelt es sich um einen juristischen Vorgang, die Schuld wird nicht angerechnet, sondern erlassen.

Der erste Teil der Antwort von Jesus ist in symbolischen Zahlen zusammengefasst: „Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Mt 18,22). Durch diese Multiplikation wird die immerwährende Bereitschaft zur Vergebung unterstrichen.

Im zweiten Teil seiner Antwort erzählt Jesus ein Gleichnis, wodurch das Prinzip der Vergebungsbereitschaft anschaulich erklärt und begründet wird. „Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu zahlen. 26 Da fiel der Knecht nieder und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.“ “ (Mt 18,23-27). Wie großzügig! Doch bis heute ist bei den Menschen die Bereitschaft Schulden zu machen viel größer als die Schulden zu tilgen. „Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. Als nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. Da befahl ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.“ (Mt 18,28-35). Damit macht Jesus folgendes deutlich:

  1. Der Vater im Himmel ist der große Schuldentilger
  2. Unsere Schuld gegenüber Gott ist nicht nur die Größere, sondern auch die Unbezahlbare
  3. Gott vergibt uns, wenn wir unsere Schuld einsehen, bekennen und bei ihm von Herzen um Vergebung bitten
  4. Wir sind in der Pflicht unseren Nächsten ihre Verfehlungen zu vergeben
  5. Bei Zuwiderhandlung zieht Gott seine Vergebung zurück.

Jesus mutet Petrus nicht mehr zu, als er selbst als der größte Schuldentilger tat. Wie oft sagte er: „Dir sind deine Sünden vergeben“ oder in der Stunde größter Schmerzen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Schuldenerlass ist heute weltweit ein großes Thema. Zeigen wir Barmherzigkeit denen, die sich an uns schuldig machen? Wer seinem Nächsten die Schuld vergibt, entlastet  auch sich selbst.

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40. Frage: Wer ist der Größte im Himmelreich?

Den Hintergrund zu dieser Frage beschreibt der Evangelist Markus: „Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er im Haus war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg besprochen? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander besprochen, wer der Größte sei.“ (Mk 9,33-34). Und Lukas beschreibt wie alles anfing: „Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer von ihnen der Größte wäre“ (Lk 9,46). Wir sehen also, dass alles zunächst in den Gedanken bewegt wird, danach folgt die offene Diskussion darüber. Von Jesus daraufhin angesprochen, fühlen sich die Jünger ertappt und ihr anfängliches Schweigen macht deutlich, dass es ihnen peinlich ist mit Jesus darüber zu reden. Schließlich fragen sie ganz allgemein: „Wer ist nun der Größte im Himmelreich?“ (Mt 18,1). Die Jünger sind bald drei Jahre als Gruppe unterwegs mit Jesus. Seine Führungskompetenz stellt niemand von ihnen jemals in Frage, doch wie steht es mit ihren Kompetenzen? Ist es nicht an der Zeit Klarheit darüber zu schaffen, wer unter ihnen die Führung übernehmen soll? Die Antwort von Jesus stellt die Jünger vor zwei wichtige Entscheidungen:

  1. Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt 18,2-3). Jesus kann so reden, weil er ihr Denken  erkennt, was hinter ihrer Frage steckt. Die Jünger müssen von ihrem Streben nach Größe, Ansehen und Macht umkehren, sich davon abkehren. Andernfalls kommen sie nicht mal hinein ins Reich Gottes, geschweige denn zu einer hohen Position. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, kommt ihr nicht hinein. Dies führt uns zu der Erklärung von Jesus in Joh 3,5 „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasse und Geist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“. Geboren werden kann ein Mensch nur als Kind, so auch im Geistlichen Sinne (vgl. dazu auch 1Petr 1,23). 
  2. Wer nun sich selbst erniedrigt  und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Mt 18,4). Sich selbst zu erniedrigen, sich zu demütigen, bedeutet seine Schwachheit und Begrenztheit einzugestehen und zuzugeben. Es bedeutet, eine bewusste und freiwillige Unterordnung unter andere Autoritäten. Es bedeutet ein kindliches Vertrauen auf Gott, sowie eine Dienstbereitschaft an Nächsten. „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener“ (Mk 9,35). Und später wird Jesus ergänzend sagen: „und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht (wörtl: Sklave) sein.“ (Mk 10,44-45). Das einzigartigste Beispiel dafür ist Jesus selbst, der sich als Sohn Gottes bewusst und freiwillig erniedrigte in Knechtsgestalt des Menschen  (Phil 2,6-8). Darum hat ihn Gott erhöht.

Wer also nach oben will, steige hinab.

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39. Frage: Und sie fürchteten sich ihn zu fragen

Der Evangelist Markus schreibt: „Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand wissen sollte.“ (Mk 9,30).  Jesus sucht die Abgeschiedenheit, weil er seine Jünger in die bevorstehenden Ereignisse einweihen wollte. „Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen (nehmt mit zu Ohren): Der Sohn des Menschen wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen (und sie wurden sehr betrübt).“ (Mk 9,31; Mt 17,23). In der Vorstellung der Jünger hatte das Leiden und Sterben des Messias keinen Platz. Umso unverständlicher war für sie das Thema Auferstehung, obwohl Jesus bereits mehrmals darüber sprach. (Mt 12,39-40; 16,21; Mk 9,9-10). „Sie aber verstanden das Wort nicht“ (Mk 9,32a). Was läge da näher, als nachzufragen, doch „sie fürchteten sich, ihn zu fragen.“ (Mk 9,32b). Warum nur? Weil sie fürchteten zu hören bekommen, was sie nicht hören wollten. Denn bereits bei der ersten Leidensankündigung vor wenigen Wochen in Cäsarea Philippi stellte sich Simon Petrus Jesus in den Weg mit den Worten: „Gnade dir Gott, das widerfahre dir ja nicht“. Er wollte nicht wahrhaben, dass der Messias nach Gottes Plan leiden,  sterben und auch auferstehen sollte. Doch Jesus trat ihm mit den Worten entgegen: „Gehe hinter mich Satan, denn du meinst nicht was Göttlich, sondern was Menschlich ist.“ (Mt 16,22ff).

Was hätten sich doch die Jünger ersparen können an Enttäuschungen, wenn sie den Mut aufgebracht hätten nachzufragen und sich den Sachverhalt erklären zu lassen. Jesus wird noch zwei Mal seine Jünger mit diesem Thema konfrontieren (Mt 20,28; Mk 14,28) um sie damit auf seinen bevorstehenden Tod und Auferstehung vorzubereiten. Erst im nachhinein werden sie die Zusammenhänge verstehen.

Es fällt auch uns heute nicht leicht, lieb gewonnene Überzeugungen zugunsten der Wahrheit und Realität aufzugeben. Daher lohnt es sich immer wieder nachzufragen. Wer das tut, bekommt Antwort und erspart sich Zeit der Unsicherheit oder gar Enttäuschung.

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38. Frage: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme?

Die Zahlung der Doppeldrachme ging ursprünglich auf die Anordnung in 2Mose 38,26 zurück, worin eine Steuer für das Heiligtum von jedem Mann ab 20 Jahren gefordert wurde. Seit Alexander Jannäus (103-76 v.Chr.) wurde die Doppeldrachme jährlich an den Tempel entrichtet. Der Evangelist Matthäus schreibt: „Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus und sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme? Er sagt: Doch“ (Mt 17,24).  Petrus beantwortet diese Frage zwar mit JA, doch eigentlich war Jesus selbst zu einer Antwort herausgefordert worden. Hinter jeder Art von Steuernzahlen steht die Anerkennung der übergeordneten politischen oder religiösen Institution. Der eigentliche Gedanke hinter dieser Frage war: Anerkennt euer Lehrer den Tempeldienst an? Bekannt war, dass die Tempelbehörde korrupt war. „Und als er in das Haus eintrat, kam Jesus ihm zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem erheben die Könige der Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ (Mt 17,25). Jetzt ist Petrus mit seinem logischen Denken gefragt. „Da er aber sagte: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: Demnach sind die Söhne frei. Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt, öffne sein Maul, und du wirst einen Stater (Vierdrachmenstück) finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich.“ (Mt 17,26-27). Auf das Wort von Jesus geht Petrus hinab an den  See mit seiner Angel und erlebt das Wunder mit dem Fisch am Hacken und der Tetradrachme in dessen Maul. Als Messias / König des himmlischen Reiches Gottes weiß sich Jesus frei von dieser alttestamentlichen Verpflichtung, doch um den Juden keinen Anstoß zu geben, kommt er dieser Erwartung nach. Damit gibt Jesus allen seinen Nachfolgern ein wichtiges Beispiel auf den Weg. Wir haben die Freiheit, uns den traditionellen Gepflogenheiten unterzuordnen, um keine Barrieren für das Evangelium aufzubauen.

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