Die Sprachenrede Gabe – ein ZEICHEN – für wen ?

Abbildung 1 „Mose redete, und Gott antwortete ihm mit einer lauten Stimme. Und der HERR stieg auf den Berg Sinai herab, auf den Gipfel des Berges, und der HERR rief Mose auf den Gipfel des Berges, und Mose stieg hinauf. Und der HERR sprach zu Mose“ (2Mose 19,19b-21a). Ein Berg aus schwarzem Basalt in der Sandwüste des Wadi Rum im Süden Jordaniens (Foto: P. Schüle 6. November 2014).

Eine 12-teilige Bibelstudie über die Gabe der Sprachenrede und deren Bestimmung

Einleitung

Es gibt kaum einen anderen Bereich in der Ausübung der Frömmigkeit unter den Christen, der mehr Aufsehen erregt, als die sogenannte `Zungenrede`. Warum ist die Äußerung dieser Geistes- und Gnadengabe für die einen ein Muss als Zeichen der Geistestaufe, während diese von anderen völlig abgelehnt wird? Während die Kontraste innerhalb der Gottesdienste oft nicht größer sein können, ist die Lebensführung im Alltag, sowohl bei den einen als auch bei den anderen, sehr ähnlich – von geistvoll bis geistleer. Die vorliegende Studie ist ein Versuch, die biblischen Texte und die damit verbundenen Geschichten sorgsam zu erforschen und wenn möglich Schlüsse daraus zu ziehen. Die Reihenfolge der einzelnen Textabschnitte ist grundsätzlich chronologisch, ebenso wie sie in den Schriften des Alten- und Neuen Testamentes aufgeschrieben wurden. Diese Bibelstudie erhebt nicht den Anspruch einer Forschungsarbeit zu dem genannten Thema.

Begriffe erklärt:

  • glössa – a) Zunge als Körperglied mit Mehrzweckbestimmung, b) Zunge als Sprache.

lalia – die Rede, Redensart, Sprache, Aussprache, das Gesagte, das Gesprochene.

  • eteroglössois – in/mit anderen Zungen/Sprachen (anderssprachig).
  • cheileön – (im Pl.) – Lippen (oft auch als Synonym für Sprache gebraucht).
  • etero – das andere.
  • dialektos – Dialekt – Mundart (der Begriff wird gebraucht, um eine deutlichere Unterscheidung oder Eingrenzung bei einer bestimmten Sprache auszudrücken. Z. B. `ebraidi dialektö – im hebräischen Dialekt).

Machen wir uns nun auf den Weg und erforschen die Bibel auf die oben gestellte Frage hin.

1. Teil: Die Sprache – Gottes Gabe an die Menschen und deren Verlust

Die Sprache und Sprechfähigkeit kommt von Gott (1Mose 1-4; 2Mose 4,11). Diese Sprache war vollkommen, verständlich und durch sie konnte der Mensch alles ausdrücken, was er dachte, empfand, sah und anderen mitteilen wollte. In dieser Sprache verständigte sich Gott mit Adam, Eva und auch deren Kindern und späteren Nachkommen (1Mose 2; 3; 4; 6-9). Noah und seine Familie verständigten sich in dieser Sprache auch noch Jahrzehnte wenn nicht gar Jahrhunderte nach der Sintflut.

Beim ersten Städte- und Turmbau hatten alle Menschen nur eine Sprache, so in 1Mose 11,1 nach LXX: „Und die ganze Erde war (und es hatte die ganze Erde) eine Lippe und eine Stimme überall“. Diese Tatsache eröffnete den Menschen fast grenzenlose Möglichkeiten zur schöpferischen Entfaltung. Und sie machten Gebrauch davon, indem sie beschlossen eine Stadt und einen Turm zu bauen um zusammenzubleiben, anstatt sich zu zerstreuen und die Erde in Besitz zu nehmen, wie Gott es angeordnet hatte (1Mose 1,22. 29; 9,1.7). Der Anführer war Nimrod, ein Enkel von Ham und Urenkel von Noah, der in der Bibel als erster Herrscher bezeichnet wird. Er hatte die Idee zum Städtebau verwirklicht (1Mose 10,6-10). Die Reaktion Gottes ließ nicht lange auf sich warten. So lesen wir in 1Mose 11,6 nach der LXX: „Und der Herr sprach: siehe, ein Geschlecht und eine Lippe bei allen.

Nach dieser Feststellung reagiert Gott mit einer Veränderung im Bereich der Sprache. 1Mose 11,7 nach  LXX: „Kommt (auf) und herabgefahren, verwirren wir dort ihre Zunge/Sprache, damit keiner die Stimme seines Nächsten höre (verstehe).“ Der griechische Begriff `syncheömen` wird meist mit `verwirren‘ übersetzt. Da dieser Begriff in dieser Schreibweise und grammatischen Form nur ein einziges Mal vorkommt, suchen wir des besseren Verständnisses wegen nach der gleichen Wortwurzel in anderen Texten. Wir finden im Propheten Joel (3,1-2) das Verb `ek-cheö – aus-gießen, aus-schütten`. Genau so bei der Erfüllung dieser Prophetie in Apostelgeschichte 2,17.18.33. Bemerkenswert ist, dass gerade an Pfingsten für die Ausgießung des Heiligen Geistes dieselbe Wortwurzel `ek-cheö ` gebraucht wird, wie bei der Verwirrung der Sprache zur Zeit des Nimrod. In der Geschichte mit dem Verschütten/Ausschütten des Wechselgeldes im Tempel durch Jesus, wird das gleiche Verb benutzt wie bei der Sprachverwirrung, nur im Singular und der Vergangenheitsform.

In Johannes 2,15 steht: `ex-echeen to kerma – er schüttete das Geld aus`. In 1Mose 11,9 steht: `ekei syn-echeen – dort verwirrte er` ebenfalls im Singular undVergangenheitsform. Bei dem Begriff `syn-cheö-men` (1Mose 11,7) deutet die Endung `men` auf den Plural des Verbes (auch Plural des Handelnden hin, hier ist es Gott und die Vorsilbe `syn` auf ein Zusammenschütten, also vermischen, verwirren. Auch das hebräische Verb `balal` bedeutet `durchmischen`. Gott hat also damals nicht viele verschiedene und neue Sprachen gegeben (wie ‚Neues Leben‘ übersetzt), sondern die eine, für alle Menschen verständliche Sprache verwirrt, vermischt, vermengt, unkenntlich unverständlich gemacht.

Vorstellbar wäre, dass er das grammatische Gerüst/System, die sprachliche und logische Gesetzmäßigkeit dieser einen Sprache entzogen hat. Vergleichbar mit: wie wenn ein großes, schönes zweckmäßig ausgestattetes, bewohnbares Gebäude durch Einsturz zu einem Schutthaufen zusammenfällt. Weil die Menschen in ihrem Hochmut, Größenwahn, Stolz und Überheblichkeit, Gottes Sprache-Gabe für ihre eigenen Ziele missbrauchten, entzog er ihnen diese Gabe der Verständigung. Daher wurde diese Stadt `Babel` genannt (1Mose 11,9), weil daselbst der Herr ihre Sprache/Lippe verwirrte (LXX: `syn-echeen kyrios ta cheil¢ `.

Nun formten die Menschen in ihren jeweiligen Wohngebieten neue Hilfsmittel zur Verständigung in Sprache und Schrift.

2. Teil: Die Entstehung der hebräischen Sprache und Schrift

Die Ausführungen in diesem Abschnitt beruhen nicht auf wissenschaftlichen Forschungen, sie sind lediglich Beobachtungen, welche aus den Texten des Alten Testamentes abgeleitet werden können. Sie tragen jedoch wesentlich dazu bei, die geistliche Dimension der von Gott geschaffenen und an die Menschen geschenkten Gabe der Sprache und Schrift, zu erkennen. Denn wie das Volk Israel selbst aus den Völkern herausgerufen wurde, so bildete/formte Gott für dieses Volk eine eigene Sprache/Dialekt, welche sich schon deutlich von den anderen abgrenzte. Diese Abgrenzung war nicht so sehr im Vokabular selbst (ist sie doch der Aramäischen und Arabischen verwandt), sondern vielmehr im Inhalt der Begriffe.

Der besondere kollektive, aber auch persönliche Gottesbezug durchdrang die Sprache der Israeliten. Denn wie die Schrift, die Gott Mose auf dem Sinai gab, heilig war, sollte auch die Sprache seines Volkes gereinigt werden, bzw. frei sein von Elementen, welche den Götzendienst, Aberglauben und die sittenlose Lebens- und Ausdrucksweise der Völker durchdrang. Natürlich blieb zwischen den Heiligen Schriften und der Sprache des Volkes Israel immer wieder eine gewisse Diskrepanz, doch bestand immerhin die Möglichkeit einer Rückbesinnung auf die Schrift und die daraus fließende Reinigung der Sprache im Alltag.

Abraham war Semit (Nachfahre Sems) und brachte aus Ur in Chaldäa die dortige Sprache (wahrscheinlich Chaldäisch) mit nach Haran (Nordwestmesopotamien). Da Abraham und seine Familie dort längere Zeit lebten (bis zum Tod seines Vaters Terach, Apg 7,4), lernten sie auch noch den ostaramäischen Dialekt. In Kanaan wohnte er mit seiner Familie unter den Nachkommen Hams. Und auch hier lernten sie noch aus örtlichen Dialekten dazu. Es fällt auf, dass sie sich relativ gut mit der einheimischen Bevölkerung verständigen konnten (1Mose 14,13. 18ff; 20,1ff). Sogar in Ägypten konnte Abraham sich mit Pharao und seinen Untertanen verständigen (1Mose 12,15-19).

Zur Zeit Josefs unterschied sich die hebräische Sprache eindeutig von der ägyptischen, denn Josef verständigte sich mit seinen Brüdern mittels eines Dolmetschers (1Mose 42,23). Die hebräische Sprache formte sich wohl erst richtig in der Wüste, fern von anderen Volksgruppen. Gott redete mit Mose in der für ihn bekannten Sprache. Natürlich verstand Mose außer Ägyptisch und Hebräisch auch noch andere Sprachen, war er doch gelehrt in aller Weisheit der Ägypter (Apg 7,22). Durch das Reden Gottes auf dem Berg Sinai und die von Gott selbst hergestellten und beschriebenen zwei steinernen Tafeln des Zeugnisses mit den Zehn Geboten formte sich die hebräische Sprache und Schrift weiter (2Mose 31,18; 5Mose 9,10).

Aber nicht nur die Zehn Gebote, sondern auch alle weiteren Gesetze und Anordnungen für den Gottesdienst und den Alltag, die Gott dem Mose in mündlicher Form mitteilte, schrieb dieser auf Anordnung Gottes in ein Buch (wahrscheinlich Papyri) – das Buch des Gesetzes (2Mose 17,14; 24,4; 34,1. 22; 4Mose 33,2; 5Mose 5,22; 10,4; 31,9. 24). Die direkte und aktive Einflussnahme Gottes auf Sprache und Schrift, trug wesentlich zu deren Reinigung und Abgrenzung von anderen Sprachen bei. Zeitgleich vollzog sich auch eine Klärung der Identität dieses Volkes:

  • Sie hatten Gottes Berufung in einen Sonderstatus unter den Völkern,
  • Sie hörten mit ihren Ohren Gottes Stimme vom Berg Sinai,
  • Sie hatten eine Sprache und Schrift, die sie mit Gottes Offenbarung am Sinai verband.

Die Berufung durch Gott aufgrund der Verheißungen an die Väter, die Schriftoffenbarung und die einheitliche Sprache begründeten ihre Identität. Auf diesem Hintergrund können wir die folgenden Geschichten im Zusammenhang unseres Themas besser verstehen. Zwei Beispiele:

  1. Der Verlust bzw. die Beeinträchtigung der hebräischen Sprache zum Beispiel durch Heirat mit ausländischen Frauen stellte für den Reformer Nehemia ein großes Problem dar (Neh 13,26-27). Er erinnert seine Landsleute an den Gesetzesbruch Salomos, der es liebte, ausländische Frauen nach Jerusalem in seinen Harem zu holen (1Kön 11,1-8). Diese Frauen brachten nicht nur ihre kulturellen und religiösen Elemente mit sich in die israelitische Oberschicht, sondern auch ihre Sprachen, welche mit vielen verderblichen Elementen durchsetzt waren.
  2. Als Rapschake, der syrische Feldherr, vor den Mauern Jerusalems den Gott Israels in hebräischer (jüdischer) Sprache verhöhnte, baten ihn die Verantwortlichen aus Juda: „Rede mit deinen Knechten Syrisch (Aramäisch), denn wir verstehen‘s und rede nicht Jüdisch (Hebräisch) vor den Ohren des Volks, das auf der Mauer ist.“ (2Kön 18,26; Jes 36,11).

Zum einen wird hier deutlich, dass die Oberschicht in Juda durchaus sprachgewandt war, denn sie verstand das Aramäische. Zum anderen war das Hebräische für das gemeine Volk die Muttersprache. In diesem Fall handelte es sich um Missbrauch der hebräischen Sprache gegen Gott und die Einwohner von Juda (Jerusalem) von Seiten der Assyrer.

Im Jahre 722/21 wurde das Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria durch Salmanassar nach dreijähriger Belagerung erobert (2Kön 18,9-12). Die Bewohner wurden nach Medien weggeführt und dort angesiedelt. In der Fremde verlor sich auch bald ihre Sprache. Der König von Assyrien aber ließ Leute von Babel kommen, von Kuta, von Awa, von Hamat und Sefarwajim und ließ sie wohnen in den Städten von Samarien an Israels statt. Und sie nahmen Samarien ein und wohnten in seinen Städten“  (2Kön 17,24). Von dort stammen die Samariter, welche unter Druck Teile des jüdischen Kultes übernommen hatten, gleichzeitig aber auch den Göttern ihrer Herkunftsländer opferten (2Kön 17,33). Diese Neusiedler sprachen natürlich ihre eigenen Sprachen oder Dialekte.

Im Jahr 586 wurde Jerusalem nach etwa zweijähriger Belagerung durch Nebukadnezar erobert. Dabei wurde insbesondere die Oberschicht aus Juda nach Babylon und Umgebung weggeführt und dort angesiedelt. Nach dem Edikt des Kyrus (539) sind rund 50 Tausend Judäer, Benjaminiten, Leviten und Priester (einschließlich deren Sklaven und Bediensteten) nach Jerusalem (Judäa) zurückgekehrt (Esra 2,64). Inzwischen setzte sich im Kanaanäischen Raum als Amtssprache das Aramäische durch (Esra 4,7). Doch das Hebräische hörte nicht auf, denn gerade in der Diaspora pflegten die frommen Juden die Schriftlesung und Schriftauslegung.

Auch im Heimatland konkurrierte das Hebräische mit dem Aramäischen. Als Esra, der Schriftgelehrte und Priester (ca. 458), aus dem Buch des Gesetzes Moses vor allem Volk vorlas, verstanden die Menschen, was gelesen und ausgelegt wurde (Neh 8,1-8). Es heißt im Text nicht, dass es übersetzt wurde, sondern dass es erklärt wurde. Natürlich kann man annehmen, dass nicht alle vom Volk die gleichen Sprachkenntnisse des Hebräischen besaßen.

Nehemia (444-433) stellt fest, dass sich einige Juden ausländische Frauen genommen hatten und die Hälfte ihrer Kinder die jüdische (hebräische) Sprache nicht mehr verstand oder sprach (Neh 13,24-27). Daraus geht hervor, dass der Großteil der jüdischen Bevölkerung um die Mitte des 5. Jh. v.Chr. immer noch Jüdisch (Hebräisch) verstand und sprach. Gerade in der nachexilischen Zeit strebten die Juden nach einer Rückkehr zu ihren Wurzeln, auch den sprachlichen.

3. Teil: Die Bedeutung der hebräischen Sprache und Schrift

Es ist erstaunlich, welchen Einfluss gerade die hebräische Sprache bzw. hebräische Schrift auf die Gesetzgebungen großer Teile der Welt hatte, sozusagen richtungsweisend für eine ganze Zivilisation wurde. Diese Popularität sagte Mose voraus, wie in 5Mose 4,5-8 geschrieben steht:

Sieh, ich habe euch gelehrt Gebote und Rechte, wie mir der HERR, mein Gott, geboten hat, dass ihr danach tun sollt im Lande, in das ihr kommen werdet, um es einzunehmen. So haltet sie nun und tut sie! Denn dadurch werdet ihr als weise und verständig gelten bei allen Völkern, dass, wenn sie alle diese Gebote hören, sie sagen müssen: Ei, was für weise und verständige Leute sind das, ein herrliches Volk! Denn wo ist so ein herrliches Volk, dem ein Gott so nahe ist wie uns der HERR, unser Gott, sooft wir ihn anrufen? Und wo ist so ein großes Volk, das so gerechte Ordnungen und Gebote hat wie dies ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege?“

Doch wie fand diese Schrift und Sprache solch eine Verbreitung und Einfluss unter den Völkern? Schon unter Salomo wusste man weit über die Grenzen des Landes hinaus von dem Gott Israels (1Kön 10,1-14). Durch die leidvolle Entwicklung des Abfalls von dem lebendigen Gott bereits unter Salomo und in größerem Ausmaß nach dessen Tod, wurde Israel zunächst im Gebiet des Zweistromlandes angesiedelt (721-538). Damit vollzog Gott, was er im Falle von Ungehorsam angedroht hatte. „Und der HERR wird euch zerstreuen unter die Völker, und es wird von euch nur eine geringe Zahl übrig bleiben unter den Heiden, zu denen euch der HERR wegführen wird. (5Mose 4,27). Mit der Expansion der Makedonier/Griechen unter Alexander dem Großen (333-322) und seiner Generäle nach ihm gingen weitere Juden in die Diaspora, diesmal auch in Richtung Westen (Ägypten, die Inseln des Mittelmeeres und in den griechisch-hellenistischen Raum). Natürlich nahmen sie Abschriften ihrer Heiligen Schriften mit sich. Schon in der Zeit des babylonischen Exils bildeten sich die sogenannten Synagogen (Zusammenkünfte/Versammlungen). Dies war ein Ersatz für den Gottesdienst im Tempel in Jerusalem, der damals längere Zeit nicht in Funktion war. Auch später hatte ein Großteil der Diasporajuden zum wiederaufgebautem Tempel in Jerusalem keinen Zugang mehr.

Mit der Ausbreitung der griechischen Sprache in Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Ägypten sowie der gleichzeitigen Entfremdung der jüdischen Sprache unter den Juden in der Diaspora, entstand das Bedürfnis nach einer griechischen Übersetzung der hebräischen Heiligen Schriften. So entstand in der Mitte des 3. Jh. v.Chr. die griechische Fassung des Alten Testamentes – Septuaginta genannt (die lateinische Abkürzung dafür ist LXX für `siebzig`). Diese fand rasche Verbreitung nicht nur unter den Exiljuden. Viele suchende Menschen aus den Völkern staunten über den Ein-Gott-Glauben der Juden, über die klaren Gesetze und Gebote für das Leben und den Gottesdienst. Es konvertierten viele zum Judentum, diese Konvertiten wurden griechisch Proselyten genannt, das heißt:  die Hinzugekommenen.

Zur Zeit von Jesus existierten im Kernland der Juden mehrere Versionen des hebräischen Alten Testamentes, die nur geringfügig voneinander abwichen. Es ist auffallend, dass Jesus auf dieses Thema in seinem Dienst nicht eingeht. Die Abweichungen müssen unwesentlich gewesen sein, der Hauptinhalt der Heiligen Schriften war übereinstimmend. Ungewöhnlich oft stützt Jesus sich auf die Schriften des Gesetzes, der Psalmen und Propheten. Und dies wirkte sich entsprechend nachhaltig auf die Abfassung, Verbreitung und Auswirkung der vier Evangelien aus. Auch der Heidenapostel Paulus scheint sich nicht an den geringen Unterschieden in den hebräischen Texten des Alten Testamentes oder den Abweichungen im griechischen Text zu stören. Als ausgezeichneter Theologe seiner Zeit benutzte er in seinen in Griechisch verfassten Briefen sogar die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (LXX), wenn er daraus zitierte (Röm 14,11 aus LXX Jes 45,23). Somit konnten ihn die griechischsprachigen Hörer und Leser in seinen Argumentationen prüfen bzw. die Zitate nachlesen.

Auf diese Weise breitete sich der Einfluss göttlicher Inhalte von der hebräischen Sprache und Schrift weiter über die griechische Sprache und Schrift im damaligen Orient und Mittelmeerraum rasch aus. Dazu kamen Übersetzungen der Heiligen Schriften ins Koptische, Syrische, Lateinische und andere Sprachen. Bis heute sind diese Heiligen Schriften weltweit verbreitet und haben reinigende Wirkung in verschiedenen Lebensbereichen.  Hier einige Begriffe und Namen, die aus dem hebräischen Sprachgebrauch unübersetzt in andere Sprachen übernommen wurden.

Namen: Adam, Eva, Henoch, Noah, Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob, Lea, Rahel, Josef, Benjamin, Ruben, Simon, Mose, Mirjam, Aaron, Joschua, Deborah, Jael, Samuel, Isai, Ruth (moabitisch), David, Jonathan, Nathan, Salomon, Elias, Elisej, Micha, Amos, Jonas, Joel, Josia, Jeremias, Nathanael, Zacharias, Elisabet, Johannes, Matthäus, Matthias, Thomas, Maria, Anna, Talita, Tabita.

Begriffe und Orte: Abba, Eli, Messias, Rabbi, Nehuschta, Eben-Ezer, Bethesda, Siloah, Gabbata, Golgatha, Amen, Halleluja, Hosianna, Maranata, Korban, Satan, Gehenna, Beelzebul, Cherubim, Seraphim, Thora, Sabbat, Passah, Schalom, Eben Ezer, Bet El, Bethesda.

Mit dem Gebrauch dieser Begriffe und Namen, werden mehr oder weniger auch die damit verbundenen biblischen Geschichten assoziiert.

Durch die Funde in Qumran haben die Schriftforscher die Möglichkeit, anhand hebräischer Texte aus den Jahrhunderten vor Christus dem Originaltext der Heiligen Schriften des Alten Testamentes sehr nahe zu kommen. Auch dies ist eine besondere Gabe Gottes an die Menschen. Kein Buch der Welt wird von so vielen Menschen gelesen wie die Bibel (die Schriften des Alten und Neuen Testamentes). Und keine Schriften der Antike haben solche Auswirkungen auf das Denken, Reden und Handeln der Menschen wie die Bibel. „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ (2Tim 3,16-17).

4. Teil: Warum wird Gott zu Israel in anderen Sprachen reden?

So wie die Überschrift sehr ungewöhnlich klingt, so ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass Gott sich dem Volk Israel in einer fremden Sprache bzw. Sprachen/Lippen mitteilen will. Diese Aussage lesen wir in dem Propheten Jesaja: „Ja, durch stammelnde (gr. φαυλισμὸνfaulismon – eigentlich: faule, unreine, verdorbene) Lippen (gr. χεcheileön) und durch eine fremde (andere) Sprache (glöss¢s eteros) wird er zu diesem Volk reden, er, der zu ihnen sprach: Das ist die Ruhe! Schafft Ruhe dem Erschöpften! Und das ist die Erquickung! Aber sie wollten nicht hören. Und das Wort des HERRN für sie wird sein: Zaw la zaw, zaw la zaw, kaw la kaw, kaw la kaw; hier ein wenig, da ein wenig; damit sie hingehen und rückwärts stürzen und zerschmettert werden, sich verstricken lassen und gefangen werden. Darum hört das Wort des HERRN, ihr Männer der Prahlerei, Beherrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist! (Jes 28,11-14).

Durch die Jahrhunderte redete Gott zu Israel durch die Propheten in der Klarheit und Verständlichkeit der von Gott gereinigten und geheiligten Hebräischen Sprache. Doch besonders die reiche, wohlhabende und regierende Oberschicht im Volk wollte nicht darauf hören. Deswegen kündigt Gott an, dass er ein Mittel der Verständigung gebrauchen wird, welches sehr ungewöhnlich ist. Der griechische Text in Jesaja 28,13-14 (eingeschlossen eine freie Übersetzung) lautet: „und sein wird an sie das Wort des Herrn des Gottes θλῖψις ἐπὶ θλῖψιν (Drangsal auf/über Drangsal) ἐλπὶς ἐπ‘ ἐλπίδι (Hoffnung auf/über Hoffnung) ἔτι μικρὸν ἔτι μικρόν (so ein kleinwenig, so ein kleinwenig) ἵνα πορευθῶσιν καὶ πέσωσιν εἰς τὰ ὀπίσω (dass sie hingehen und nach hinten fallen) καὶ κινδυνεύσουσιν καὶ συντριβήσονται καὶ ἁλώσονται (und zerschmettert werden, sich verstricken lassen und gefangen werden) διὰ τοῦτο ἀκούσατε λόγον κυρίου ἄνδρες τεθλιμμένοι καὶ ἄρχοντες τοῦ λαοῦ τούτου τοῦ ἐν ιερουσαλημ (deswegen hört dies Wort des Herrn, Männer der Prahlerei und Beherrscher dieses Volkes, welches in Jerusalem wohnt).

Da wo die deutschen Übersetzungen im Vers 13  „zaw la zaw, kaw  la kaw“ haben, übersetzt die LXX mit: „θλῖψις ἐπὶ θλῖψιν“ (Drangsal auf Drangsal) „ἐλπὶς ἐπ‘ ἐλπίδι“ (Hoffnung auf Hoffnung). Der Text im Griechischen lässt sich zwar leichter übersetzen, bleibt aber, wie auch der Hebräische, in seiner Deutung und Anwendung schwer verständlich. Eindeutig ist, dass Gott mit dieser boshaften Führung des Volkes ins Gericht gehen wird, denn er hört sehr wohl, was sie sagen, ja, er zitiert sogar ihre boshaften, frechen Aussagen (Jes 28,14-15). Doch worauf sie ihre Sicherheit bauen, wird einstürzen, sie werden fallen und gefangen weggeführt werden.

Lesen wir weiter, was Gott sagt: „So höret nun des HERRN Wort, ihr Spötter, die ihr herrscht über dies Volk, das in Jerusalem istIhr sprecht: Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht. Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht“ (Jes 28,14-16). Sicher ist, dass die Verheißung Gottes, in Zion einen auserwählten Eckstein zu legen, von den Aposteln auf den Christus bezogen wurde (Röm 9,33; 1Petr 2,6-7). Ja, selbst Jesus bezog ihn auf sich in der Diskussion mit den Juden in Jerusalem (Mt 21,42-44; Ps 118,22). Nicht von ungefähr steht diese Verheißung im Textzusammenhang unseres Themas.

Der Prophet Jesaja wurde etwa um das Jahr 770 geboren und 739 (im Todesjahr des Königs Asarja/Usija) also mit etwa 30 Jahren vom Herrn zum Propheten berufen (Jes 6,1). Er übte großen Einfluss auf die Königsfamilien aus, beriet und ermahnte die Könige und Oberen in Jerusalem. Mit zum Teil harten Worten brandmarkte er das ungerechte Handeln der reichen Oberschicht in Jerusalem, aber auch in Samaria, dem Nordreich, wo etwa zur gleichen Zeit der Prophet Hosea im Auftrag Gottes wirkte.

Der oben zitierte Text gibt Einblick in die Situation und den geistlichen bzw. sehr ungeistlichen Rede- und Lebensstil der regierenden Oberschicht in Juda und Jerusalem. Das Hauptproblem kann mit folgenden Worten beschrieben werden: „Sie wollten nicht hören, was Gott ihnen in ihrer, für sie sehr verständlichen hebräischen Sprache sagte“. Auf diesem Hintergrund stechen folgende Worte geradezu heraus: „Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine fremde Zunge wird er (der Herr) zu diesem Volk reden, … Aber sie wollten (oder werden) nicht hören.“

Der Apostel Paulus zitiert als Einziger im Neuen Testament dieses Prophetenwort, und zwar in einem ganz bestimmten thematischen wie auch praktischen Zusammenhang, auf den später noch im Detail eingegangen wird. Hier nur das Zitat aus 1Korinther 14,21 mit einer wesentlichen Wahrheit, die zum besseren Verstehen unseres Themas beitragen kann. „Im Gesetz steht geschrieben (Jesaja 28,11-12): »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch so nicht hören, (eis-akou-sontai) lalian – Rede) nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt!“ (Joh 8,43; nicht hören – 6,60: nicht verstehen – 10,20; was anderes verstehen als gesagt wurde – 12,37).

Nach der Aussage des Propheten Jesaja und auch dem Zitat des Paulus, geht es um Menschen, die nicht hören wollen, was Gott sagt (Jes 28,12b). Und das „nicht hören wollen“ ist einer der Gründe, warum Gott zu diesem Volk in anderen Sprachen reden wird. Sicher nicht um sie zu ärgern, sondern um sie aufzurütteln, um sie zum Staunen zu bringen und damit zum Hinhören. Doch gleichzeitig wird vorausgesagt, dass sie auch so nicht hören werden (Jes 28,12b; 1Kor 14,21b). Solch eine ablehnende Haltung gegenüber Gottes Reden wird besonders der führenden Schicht in Juda und Jerusalem zugeschrieben. Es gab jedoch immer eine Minderheit, welche auf Gott hörte und ihn suchte.

 Doch das „nicht hören wollen“ begann schon in Ägypten (2Mose 6,9: „aber sie hörten nicht auf ihn vor Kleinmut und harter Arbeit“).

– Im Rückblick der Geschichte Israels aus der Zeit der Wüstenwanderung, beklagt und bekennt Nehemia in seinem Gebet zu Gott (um die Mitte des 5. Jh.): „und weigerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und nahmen sich fest vor, zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren.“ (Neh 9,17).

– Durch den Propheten Jesaja hält Gott seinem Volk vor: „Denn ich rief und niemand antwortete, ich redete und sie hörten nicht und taten, was mir nicht gefiel, und hatten ihre Lust an dem, woran ich kein Wohlgefallen hatte.“ (66,4).

– Und auch durch den Propheten Jeremia beklagt Gott: „Aber sie wollten nicht hören noch ihre Ohren mir zukehren.“ (7,24). „Aber sie hörten nicht und kehrten mir ihre Ohren nicht zu, sondern blieben halsstarrig, dass sie ja nicht auf mich hörten noch Zucht annähmen.“ (Jer 17,23).

– Und Sacharia beklagt: „und machten ihre Herzen hart wie Diamant, damit sie nicht hörten das Gesetz und die Worte, die der HERR Zebaoth durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten. Daher ist so großer Zorn vom HERRN Zebaoth gekommen. Und es ist so ergangen: Gleichwie gepredigt wurde und sie nicht hörten, so wollte ich auch nicht hören, als sie riefen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Sach 7,12-13).

Diese Texte heben die Bedeutung des Hörens auf Gott hervor. Und sie machen deutlich, dass im Laufe der Geschichte des Volkes Israel, das „nicht hören auf Gott“ bei den meisten die Regel war und das „Hören auf Gott“ sich meistens nur auf eine Minderheit bezog. Der Apostel Paulus schreibt, dass der Glaube aus dem `Hören` (kommt), das Hören aber durch das Wort (die Aussprüche) Christi (kommt) (Röm 10,17). Das griechische Wort für hören ist `ako¢`, für die Verbform `ich höre – ακούω – akouö`. Das uns bekannte Wort `Akustik` kommt aus dem Griechischen – Hören.

Gott hat das Gehör, das Hörvermögen beim Menschen geschaffen und auf diesem Wege kommuniziert er mit dem Menschen. Dem Hören, Hinhören, Horchen, Aufhorchen folgt dann das Gehorchen. Das Annehmen oder Aufnehmen des Gehörten bezeichnet die Bibel als `glauben`. Weil jedoch die Israeliten so oft nicht hörten, blieb auch der Glaube aus. Weil sie nicht glaubten, verfielen sie in allerlei Arten von Aberglauben und Götzendienst.

Schon durch Mose ließ Gott sagen:

Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen. (in der LXX: akouseste – hört, Imp.) Ganz so wie du es von dem HERRN, deinem Gott, erbeten hast am Horeb am Tage der Versammlung und sprachst: Ich will hinfort nicht mehr hören die Stimme des HERRN, meines Gottes, und dies große Feuer nicht mehr sehen, damit ich nicht sterbe. Und der HERR sprach zu mir: Sie haben recht geredet. Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich’s fordern. (5Mose 18,15-19).

Der Hebräerbriefschreiber macht deutlich: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.“ (Hebr 1,1-2). Wird Israel auf diesen Propheten hören? Und es kam so, dass ein Großteil des Volkes unter der Führung der Priesterschaft und religiösen Elite, auf diesen von Gott gesandten und beauftragten Propheten Jesus nicht hörte. Dadurch erfüllte sich die Voraussage zum Fall, der Gefangenschaft und Zerstreuung (Jes 28,11-14; Lk 19,41-44). Doch dies kam später. Zuvor jedoch bekam Israel das Zeichen der fremden Sprachen von Gott und dies geschah am Pfingsttag, völlig unerwartet zum großen Erstaunen und zur Bestürzung des Volkes Israel.

5. Teil: Die Sprachen-Gabe am Pfingsttag – ein ZEICHEN für Israel?!

Einleitend zunächst folgende Fragen und Anmerkungen:

  • Das Sprachenwunder an Pfingsten ist nach den Worten von Petrus ausdrücklich die Erfüllung der Prophetie aus dem Propheten Joel Kapitel 3,1-3.
  • Ist das Sprachenwunder am Pfingsttag vielleicht auch die Erfüllung der Prophetie aus Jesaja 28,11-12, obwohl der Apostel Petrus keinen Bezug darauf nimmt?
  • Benutzt Gott nun als neuen Kommunikationsweg zu Israel am Pfingsttag fremde/andere Sprachen, um ihnen die Frohe Botschaft der Erlösung mitzuteilen?
  • Besteht da ein Zusammenhang zur Sprachverwirrung, indem er nun die bestehenden Sprachen zur Ausbreitung der Frohbotschaft unter alle Nationen einsetzt?
  • Oder ist es Gottes Antwort auf mehrere Fragen bzw. Verheißungen, die in seiner Heilsgeschichte bis dahin noch nicht erfüllt waren?
  • Was war der Inhalt der verschiedenen Sprachen am Pfingsttag?

Wir wollen die Inhalte des Textes aus der Apostelgeschichte 2,1-18 im großen Zusammenhang der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk kennenlernen. Dies trägt zum besseren Verständnis unseres Themas bei. Erst danach versuchen wir ,daraus bestimmte Schlüsse zu ziehen. Der deutsche Text ist der Elberfelder Bibelübersetzung entnommen. „Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen.“ (2,1). Wer war wann und wo einmütig beieinander? Durch Mose ordnete Gott an: „Dreimal im Jahr soll alles bei dir, was männlich ist, vor dem Angesicht des Herrn, HERRN, des Gottes Israels, erscheinen.“ (2Mose 34,23; vgl. 5Mose 16,16). Allerdings sind weit nicht alle diesem Gebot nachgekommen, sogar von Josef und Maria lesen wir, dass sie lediglich nur einmal jährlich nach Jerusalem pilgerten und zwar zum Passahfest (Lk 2,41).

Eins dieser drei Feste war das Wochenfest, oder auch Pfingstfest genannt, weil es sieben Wochen nach dem Passah bzw. am fünfzigsten Tag nach dem Passah gefeiert werden musste (5Mose 16,9).

In der Apostelgeschichte 1,13-14 listet Lukas die Namen der elf Jünger Jesu auf, dazu Frauen (im Plural) Maria, die Mutter Jesu und dessen Brüder. Nach dem Abschied von ihrem Herrn Jesus auf dem Ölberg bei Bethanien und auf dessen Anweisungen kehrten sie zurück nach Jerusalem. Sie stiegen hinauf in das Obergemach eines Hauses. Es kann sich um das Haus gehandelt haben, in dem sich die Jünger während des Todes und nach der Auferstehung von Jesus aufgehalten haben (Joh 20,19-24). Vielleicht oder wahrscheinlich ist es dasselbe Haus mit einem Oberzimmer (Saal) in dem die Jünger mit ihrem Herrn das letzte Passahlamm aßen und bei dem Jesus das Herrenmahl mit der neuen Bundesstiftung eingesetzt hatte (Mk 14,14; Lk 22,12), denn auch dort ist von einem großen und gepolsterten Raum im Obergeschoß des Hauses die Rede.

Die Formulierung des Lukas in Apostelgeschichte 1,13: „wo sie sich aufzuhalten pflegten“, verstärkt die oben erwähnte Annahme. In diesem Haus verbrachten sie die nächsten 10 Tage im Gebet (zwischendurch auch im Tempel). Gleich in Vers 15 des ersten Kapitels erwähnt Lukas fast nebenbei, dass die Zahl/Namen, der Jünger (wörtlich Menge) ungefähr 120 war. Bei dieser großen Versammlung erfolgte unter der Leitung des Petrus die Wahl des 12. Jüngers (Matthias) zum Apostel an Judas statt. Nirgendwo wird auch nur andeutungsweise dieses Vorgehen des Petrus vom Herrn oder anderen Autoritäten getadelt oder infrage gestellt. Von der Volksmenge werden die im Haus Versammelten später als Galiläer identifiziert (Apg 2,7). Gut möglich, dass die 70/72 Jünger aus Galiläa auch unter diesen Versammelten waren. Doch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Jesu Freunde aus Bethanien und andere Gläubige aus Judäa, wie Nikodemus und Josef aus Arimathea mit unter den etwa einhundertundzwanzig befanden. Es ist auffallend, dass sie sich an diesem vom Gesetz vorgeschriebenem Fest nicht im Tempel, sondern seit den frühen Morgenstunden in einem Privathaus aufhielten (Apg 2,1-2).

„Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen (¢chos – Schall, Hall) als (ösper – wie, sowie) führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen.“ (Apg 2,2).

Dem Kommen des Heiligen Geistes ging ein gewaltiges Rauschen voraus (vgl. dazu 2Mose 19,16 – Bundesschluss am Sinai). Dieses Rauschen wird mit dem Echo/Schall eines plötzlich daherfahrenden, gewaltigen Windes verglichen. Es ist also kein physischer realer Wind, sondern ein vom Himmel her kommendes Geräusch, das mit einem Wind verglichen wird. Jesus selbst vergleicht das Wirken des Geistes mit dem Wind (Joh 3,7-8). Dieses Geräusch erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen und es war in der Stadt Jerusalem zu hören (Apg 2,6). „Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen (diamerizomenai glössai) wie (ösei) von Feuer, und sie (die Zungen/Sprachen) setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen.“ (Apg 2,3). Die gemalten Bilder, welche das Pfingstgeschehen darstellen, zeigen aneinandergereihte feurige Zungen, die pfeilartig über den Häuptern schweben. Doch auch hier benutzt Lukas das vergleichende Wörtchen `ösei  – wie‘ vor dem Wort Feuer und macht damit deutlich, dass es sich nicht um physisches Feuer handelt.

Aber auch das Phänomen Feuer, wie auch der Wind hat seine Verwendung am Sinai gehabt (2Mose 3,2ff; 19,18). Auch ist hier von keinem Mischmasch oder Durcheinander der Sprachen die Rede, sondern wie das griechische Wort `diameri-zomenai gössai`‘ deutlich macht, wird die klare Trennung oder genauer gesagt Unterteilung der einzelnen Sprachen hervorgehoben. Es wird auch betont, dass sich diese klar differenzierten Sprachen auf einen jeden Einzelnen setzten/niederließen. Wenn wir davon ausgehen, dass sich in diesem Haus etwa hundertundzwanzig gläubige Menschen befanden, dann könnten es ebenso viele Sprachen gewesen sein. Gleichzeitig „wurden sie alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen (eterais glössais) zu reden (lalein) wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apg 2,4).

Das erfüllt werden mit dem Geist Gottes ist die Erfüllung der Zusage Gottes durch den Propheten Joel (Joel 3,1ff)

  • durch Johannes den Täufer (Mt 3,11; Lk 3,16) und
  • durch Jesus selbst (Joh 14,16. 26; 15,26; 16,7; Lk 24,49; Apg 1,5).

Die Notiz: „Wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ lässt offen, ob sie gleichzeitig oder nacheinander redeten. Fast unbegreiflich, doch jeder von ihnen redete in einem anderen Dialekt (Apg 2,6). Das griechische Wort `dialektos – Mundart` wird von der Wortwurzel `λlex`  für `Wort` und der die Worte oder Sprachen trennenden, bzw. teilenden Vorsilbe `dia – durch` gebildet und heißt im Deutschen `Mundart`. Dadurch wird die Differenzierung der einzelnen Sprachen bzw. Sprachuntergruppen noch genauer hervorgehoben. Aus dem Text ist nicht ersichtlich, ob die Redenden selbst verstanden, was der Geist sie aussprechen ließ. Doch sie redeten nicht in den Wind (1Kor 14,9), sondern sie wurden von den in Jerusalem anwesenden Menschen verstanden. Etwas noch nie Dagewesenes schafft Gott mit dem Kommen des Heiligen Geistes. Es war also ein Sprachen-Rede-Wunder oder Zeichen.

„Es wohnten (katoikountes) aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel.“ (Apg 2,5). Der Begriff  `katoikountes`, den Lukas an neun weiteren Stellen gebraucht, meint nicht Pilger oder Durchreisende, sondern in diesem Fall in Jerusalem `Wohnende, Ortsansässige` (vgl. dazu: Lk 13,4; Apg 2,9; 2,14; 9,22.32.35; 13,27; 19,10; 22,12). So lesen wir später in der Apostelgeschichte von Einzelnen, aber auch ganzen Gruppen von Menschen jüdischer Herkunft, die zwar im Ausland geboren und aufgewachsen sind, doch zu dem besagten Zeitpunkt ihren festen Wohnsitz in Jerusalem hatten. Als Beleg hier einige Beispiele:

  • Josef/Barnabas, der gebürtig von Zypern war, aber in Jerusalem wohnte und sogar einen Acker besaß (Apg 4,36).
  • In Apostelgeschichte 6,9 lesen wir von der Synagoge (einer jüdischen Versammlung) der Libertiner, Kyrenäer und Alexandriner und derer aus der Provinz Asien, die sich gegen Stefanus auflehnten. Diese alle waren in den jeweils genannten Provinzen oder Städten der Diaspora  geboren und aufgewachsen, wohnten `katoikountes` aber zur Zeit in Jerusalem.
  • Einige jüdische Zyprioten und Kyrenäer, die in Jerusalem wohnten `katoikountes`  und zum Glauben an Jesus Christus kamen, verließen wenige Jahre später ihren Wohnsitz Jerusalem und gingen bis Antiochia (Apg 11,20) und verkündigten dort das Evangelium von Jesus Christus.
  • Ein Jünger der ersten Generation namens Mnason, der ebenfalls Zypriot war, also als Jude auf Zypern geboren bzw. dort aufgewachsen war und später in Jerusalem wohnte und in seinem Haus Paulus mit dessen Begleitern gastlich aufnahm (Apg 21,16).
  • Selbst von Paulus wissen wir, dass er, obwohl in Tarsus (Kilikjen) geboren, als Jugendlicher viele Jahre in Jerusalem lebte und zu den Füßen Gamaliels studierte (Apg 22,3).
  • Auch die Schwester des Paulus ist mit Sicherheit in Tarsus geboren wie auch ihr Bruder Saul, doch sie lebte/wohnte mit ihrem Sohn ebenfalls in Jerusalem (Apg 23,16).

Daher wird der Begriff `katoikountes`  auch in unserem Zusammenhang das gleiche bedeuten. Der Bericht über die, bei der täglichen Brotverteilung vernachlässigten Witwen der `Helenisten`  gegenüber den Hebräischen, unterstreicht zusätzlich diese Annahme (Apg 6,1). Die Hellenisten (Ell¢nistön) waren Juden, die aber in der griechischen Kultur beheimatet waren, sozusagen hellenisierte Juden. Aus den oben angeführten Gründen können wir schließen, dass zur Zeit des Pfingstfestes, davor und auch danach, viele (ausländische) Juden in Jerusalem wohnten/lebten, die aus verschiedenen Ländern und vermutlich aus religiösen Gründen (Messiaserwartung) nach Jerusalem umgezogen waren und dort zur Zeit des Passah (Apg 2,23) und des Pfingstfestes des Jahres 33 n. Chr. ihren festen Wohnsitz hatten.

Dieser Tatbestand schließt selbstverständlich die Anwesenheit vieler Pilger beim Pfingstfest aus dem Kernland Israels und auch aus der Diaspora mit ein. Diese Pilger kann man hier voraussetzen, weil es auch durch folgende Aussage bestätigt wird: „und die hier weilenden (vorübergehend sich aufhaltenden) Römer, sowohl Juden als auch Proselyten.“ (Apg 2,10b; vgl. dazu Apg 17,21 – „dort weilenden Gästen/Fremden“). Es handelt sich hier um römische Bürger jüdischer Herkunft und um römische Bürger aus den Heiden, welche durch Beschneidung und Proselytentaufe zum Judentum konvertierten.

„Als aber dieses Geräusch entstand, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder Einzelne sie in seiner eigenen Mundart (idia dialektos) reden hörte.“ (Apg 2,6). So befanden sich in diesen Tagen viele Tausende Juden aus aller Welt in Jerusalem, einschließlich derer, die im Land geboren wurden und höchstwahrscheinlich auch Gäste aus dem Ausland. Viele von ihnen waren zu dieser frühen Vormittagszeit bereits im Tempel oder unterwegs dorthin. Man stelle sich die Volksbewegung vor, die sich auf einmal zu dem Haus beeilte, aus dem das laute Geräusch zu hören war. Während die Masse der Menschen dorthin eilte, traten anstelle des undefinierten lauten Geräusches klar vernehmbare und für alle verständliche Sprachen. Denn jeder, der hier wohnenden oder angereisten Juden, auch Proselyten, hörten aus der Sprachenvielzahl ihren eigenen Dialekt, bzw. die Sprache des Landes, in dem sie geboren wurden, deutlich heraus. Es war also ein Sprachen-Rede-Wunder-Zeichen.

Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind?“ (Apg 2,7-8). Die Liste der Volksgruppen, welche Lukas aufführt, ist sehr bunt, obwohl die Bemerkung „von jeder Nation unter dem Himmel“ erkennen lässt, dass sie weit nicht vollständig ist.

  1. Parther (Gebiet des Iran).
  2. und Meder (im Gebiet des Iran).
  3. und Elamiter (Südwesten des heutigen Iran).
  4. und die Bewohner von Mesopotamien (Gebiete im Zweistromland – Euphrat und Tigris).
  5. und von Judäa (also auch einheimische Juden hörten ihre hebräische/jüdische Sprache/Dialekt).
  6. und Kappadozien, (Gebiet in Mittelanatolien).
  7. Pontus (Gebiet am Südufer des Schwarzen Meeres).
  8. und Asien, (gemeint ist hier Kleinasien in der heutigen Westtürkei).
  9. und Phrygien (westlicher Teil des Hochplateaus Anatoliens).
  10. und Pamphylien, (Gebiet um das heutige Antalya in der Südtürkei).
  11. Ägypten (etwa in den gleichen Grenzen wie heute).
  12. und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin (das heutige Libyen in Nordafrika).
  13. und die hier weilenden (epidemountes – sich vorübergehend aufhaltenden) Römer, sowohl Juden als auch Proselyten, (gemeint sind hier römische Staatsbürger jüdischer Herkunft sowie römische Staatsbürger, die durch Beschneidung und die Proselytentaufe zum Judentum übertraten).
  14. Kreter (von der Insel Kreta).
  15. und Araber – (Sinai, Arabische Halbinsel).

wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden?  Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines.“ (2,9-13).

Von den Bemerkungen, die aus der Menge kamen, ist Folgendes abzuleiten:

  1. Der Inhalt der Sprachenrede ist uns nur unter der Überschrift überliefert und diese lautet: „Die Groß-Taten Gottes!“ Auch wenn wir nicht sagen können, was da im Detail geredet wurde, so sind doch die bekannten Kraftwirkungen Gottes aus der biblischen Überlieferung den meisten Juden bekannt gewesen und daher gaben sie den ausgesprochenen Inhalten diese Überschrift. Sicher redeten sie auch von den Großtaten Gottes durch Jesus Christus. Diese Proklamation der Taten Gottes in Redeform/Verkündigung war eine Ehrung und Verherrlichung Gottes auf der einen Seite und gleichzeitig ein inhaltsvolles Zeugnis und Zeichen für das Volk der Juden, die bis dahin im Unglauben verharrten. Ja, seit der gewaltigen und herrlichen Offenbarung Gottes am Berg Sinai, gab es nicht Desgleichen.
  2. Dieses Rede-Zeugnis ist auch deshalb bewundert worden, weil es von einfachen (nicht in Jerusalem theologisch ausgebildeten) Leuten kam – sie werden nämlich als Galiläer erkannt. Auch damit setzte Gott ein deutliches Zeichen – Er beruft und bevollmächtigt, wen Er will (1Kor 1,20).
  3. Aus der Menge wurde die Frage laut: „Was mag dies sein?“ Dies kam von Menschen, welche für Gottes Wirken offen waren. Ob jemand jedoch an die Prophetie aus Jesaja 28,11-12 dachte? Auch wenn in diesem Textzusammenhang nicht auf jene Prophetie Bezug genommen wird, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass gerade an diesem Tag in Jerusalem, der heiligsten Stätte der Juden, und vor Israel, durch das Wirken des Heiligen Geistes in anderen Sprachen gesprochen wurde. Das mag für viele nationalistisch und orthodox geprägte Juden ein Ärgernis gewesen sein. Die Vermutung liegt doch nahe, dass viele der nach Jerusalem umgesiedelten Juden sich aus guten und frommen Gründen von ihrer heidnischen Umgebung bewusst auch räumlich lösen wollten. Und was erleben sie in Jerusalem? In denen für sie verdorbenen, unreinen Sprachen der Heiden, von denen sie möglicherweise geflüchtet sind, werden die Heilsgeschichten Gottes in Jerusalem mit solch einer Begeisterung erzählt. Das bringt Staunen hervor und sie fragen: „Was soll das bedeuten“?
  4. Es gab, wie immer und überall auch die Ungläubigen, die über die heiligen Dinge spotteten. Ihre Aussage: „Sie sind voll süßen Weins“ spricht gegen sie und auch gegen die Wahrheit. Die Weintraubenernte begann in Israel einige Wochen später. Diese Aussage erinnert an die Menschen, welche sich einige Monate vorher und ebenfalls in Jerusalem mit ähnlich spöttischen Bemerkungen gegen Jesus stellten (Joh 10,20 – „Viele unter ihnen sprachen: Er hat einen bösen Geist und ist von Sinnen; was hört ihr ihm zu“). An ihnen (und der Mehrheit des Volkes) erfüllte sich, was Gott vorausgesagt hatte: „Aber sie wollen (werden) nicht hören.“ (Jes 28,12b; Paulus sagt dazu in 1Korinther 14,21-22: „Im Gesetz steht geschrieben: »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen (eteroglossois kai cheilesin eteron) reden zu diesem Volk, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« Darum ist die Zungenrede (glossai) ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.“ Aus der Prophetie durch Jesaja und das entsprechende Zitat durch Paulus könnte man schließen, dass dieses Sprachen-Rede-Wunder in Jerusalem am Pfingsttag als Zeichen für das bis dahin ungläubige Israel gegeben wurde.
  5. Interessant ist der Einstieg der Predigt des Petrus, bei dem er auf die spöttischen Bemerkungen der Ungläubigen Bezug nimmt. Damit widerlegt er mutig und auf logische Weise die unsinnige Behauptung der Ungläubigen. In seiner Predigt nimmt er zwar nicht Bezug auf Jesaja 28,11ff, zieht aber für das Pfingstgeschehen  eine weit positivere Verheißung aus dem Propheten Joel heran. Deutlich steht damit das Kommen des Heiligen Geistes im Vordergrund und erst dann seine Wirkungen in und durch Menschen – das Reden in anderen Sprachen.

Petrus aber stand auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: „Männer von Judäa und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund, und hört auf meine Worte!“ Warum Petrus in seiner Anrede die Bewohner Jerusalems und Judäas ausdrücklich nennt, die angereisten Pilger jedoch nicht erwähnt, mag darin liegen, dass der größere Pilgerstrom an Passah und im Herbst zum Laubhüttenfest nach Jerusalem kam, aber weniger zum Wochenfest.

„Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages“ (etwa 9h vormittags); sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen (ekcheö) werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen (prophetisch reden), und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden in Träumen Visionen haben; und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen (ekcheö) und sie werden weissagen (prophetisch reden). (Apg 2,14-18; Joel 3,1-2).

Das Reden in verschiedenen Sprachen/Dialekten am Pfingsttag war, wie Petrus es deutet, prophetisches Reden (Weissagen). Denn zu dem prophetischen Reden gehört nicht vordergründig oder zwingend eine Voraussage, sondern, wie hier deutlich wurde, die Proklamation, das Bekanntmachen, das Erinnern an die großen Taten Gottes in der Geschichte mit der Anwendung bzw. Bezugnahme auf die Gegenwart. Genau dies ist hier geschehen, zwar in verschiedenen Sprachen, aber für alle Zuhörer verständlich.

Schlussfolgerungen:

  1. Die größte Gabe Gottes an Pfingsten ist der Heilige Geist selbst.
  2. Der Heilige Geist kommt jedoch nicht leer, sondern bringt verschiedene Gaben mit sich, eine davon ist die Sprachen-Gabe. In diesem Fall diente diese Gabe als Werkzeug für die prophetische Rede. Mose wünschte schon in der Wüste, dass das ganze Volk weissagen könnte (4Mose 11,28-29). Es war auch später der Wunsch des Paulus an die Korinther (1Kor 14,5). Ausdrücklich werden auch Frauen mit dem prophetischen Reden ausgestattet, was sich später an verschiedenen Orten wiederholte (Apg 21,9; 1Kor 11,5).
  3. Diese Sprachen-Gabe, zunächst nur an Gläubige aus den Juden gegeben, soll auch als erstes für die noch ungläubigen Juden ein Zeichen sein. Denn sie haben im Großen und Ganzen durch ihre Führung Jesus nicht angenommen, sondern abgelehnt (so Petrus in Apg 2,23). Dadurch wurde diese Gabe zum Zeichen für die Ungläubigen in Israel (so die Erklärung des Paulus in 1Korinther 14,22, der sich auf Jesaja 28,12-13 bezieht).
  4. Weil Gott durch den Heiligen Geist alle Sprachen (pauschale Aussage) an Pfingsten einbezogen hat, erklärte er diese auch für rein bzw. als anerkannt und brauchbar für die Verbreitung des Evangeliums. Ähnliche Parallele in Apg 10,15.35 – allerdings dort auf alle Menschengruppen bezogen. Gott betreibt hier keine Wiederherstellung der einen ursprünglichen Sprache, die vor dem Turmbau zu Babel gesprochen und von allen verstanden wurde, sondern bezieht vorhandene Sprachen in seinen Plan einfach mit ein.
  5. Da Sprachen für konkrete Völker oder Kulturen stehen, sind damit auch alle Völker in das Heil Gottes einbezogen. Dies stimmt völlig mit dem Missionsauftrag Jesu in Matthäus 28,19 überein.
  6. Die Juden, insbesondere die aus der Diaspora nach Jerusalem umgesiedelten, sind damit, wenn auch indirekt, beauftragt, das Evangelium unter den jeweiligen Völkern, unter denen sie bereits gelebt hatten und deren Sprachen sie sprechen, zu bezeugen. Wer, wenn nicht gerade diese Juden, sind gut geeignet für die Völkermission in ihren Heimatländern, beginnend in den Synagogen der Juden. Erstaunlich, wie bald dies praktiziert wurde.
    • Apg 11,19: Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden.“
    • Apg 11,20-21: „Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen (Helenisten-Juden, die griechisch lebten) und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.“
    • Apg 9,1-2: „Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gebunden nach Jerusalem brächte.“ (Apg 9,21). Wer hat das Evangelium schon vor Aposteleinsatz nach Damaskus gebracht? Waren es nicht die Diasporajuden?
  7. Das Pfingstgeschehen in einem Haus außerhalb des Tempels macht auch deutlich, dass Gott in seinem Wirken von nun an nicht mehr an die heilige Stätte der Juden (den Tempel auf dem Zionsberg) gebunden ist. Jesus sagte dies bereits voraus (Joh 4,19-24).
  8. Das Pfingstwunder macht deutlich, dass Gott in seinen Mitteilungen grundsätzlich für eindeutige und verständliche Rede ist.

Ergänzung: Prophetisches Reden durch Männer und Frauen – Apg 2,4: „wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (vgl. auch Apg 2,15-18).

Das Sprechen in, für sie  fremden Sprachen – Apg 2,5-11: „Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“

6. Teil: Der Heilige Geist und seine Gaben in der Gemeinde Jerusalem

Gottes Geist ist vom Himmel herabgekommen wie es von Jesus vorausgesagt wurde. Sein Wirkungsbereich erstreckte sich über die ganze Erde (Joh 16,8-11; Offb 5,6). Doch zunächst wollen wir darauf achten, wo, wie und wodurch sich der Heilige Geist in der Gemeinde Jerusalem offenbarte. Es entsprach dem inneren Kreis, in dem die Evangelisation beginnen sollte (Apg 1,8c). Der Heilige Geist erfüllte die dort versammelten Gläubigen mit sich selbst und befähigte diese zum Zeugnis der wunderbaren Heilstaten Gottes und zwar in den verschiedensten Sprachen/Dialekten (Apg 2,4).

Diese besondere Äußerung des Heiligen Geistes in Jerusalem durch fremde Sprachen in dieser Fülle ist einzigartig und unwiederholbar. Zwar wird die Äußerung des Heiligen Geistes durch Sprachen-Rede noch an zwei anderen Orten beschrieben (Apg 10 und 19) wahrscheinlich mit ähnlichem Inhalt und zu ähnlichem Zweck, aber nicht mehr in der Fülle wie es am Pfingsttag in Jerusalem geschehen ist. Auf jeden Fall wird eine ähnliche Äußerung des Geistes in Jerusalem nicht mehr erwähnt. Petrus nimmt Bezug auf dieses besondere (und wohl auch einmalige) Ereignis, nachdem er von Cesaräa nach Jerusalem zurückkehrte (Apg 11,1ff).

So sagte er zu den Kritikern der Heidenmission: „Als ich aber anfing zu reden, fiel der Heilige Geist auf sie ebenso wie am Anfang auf uns“, d.h. als Begleiterscheinung äußerte sich der Heilige Geist durch die gläubig Gewordenen in Cesaräa in anderen Sprachen, ähnlich wie in Jerusalem am Pfingsttag (Apg 11,15; 10,44-46; 2,4). Dazu mehr in dem Abschnitt 8. Teil: „Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in der Hausgemeinde des Kornelius in Cesaräa“. Dieses „am Anfang“ lässt die Vermutung zu, dass sich der Heilige Geist bei den etwa 120 Versammelten am Pfingsttag einmalig war. Und das sich der Heilige Geist in den gläubig Gewordenen nach dem Pfinmgstgeschehen (Apg 2,40-41) durchaus auch anders als mit der Sprachen-Rede-Gabe manifestieren konnte. Bevor wir jedoch der Frage nachgehen: wie sich der Heilige Geist in den Gläubigen in Jerusalem äußerte, wollen wir festhalten, welche Gaben und Befähigungen die Apostel empfingen.  

  • Der Heilige Geist befähigte Petrus und die anderen Jünger zum mutigen und furchtlosen Auftreten in der Öffentlichkeit: „Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!“ (Apg 2,14).
  • Apostelgeschichte 2,29a: „Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden.“
  • Er befähigte den Petrus um Zusammenhänge zwischen alttestamentlicher Prophetie und neutestamentlicher Erfüllung herzustellen und diese auf die gegenwärtige Situation anzuwenden – Apg 2,16-21: „sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist“ (Joel 3,1-5); Oder Psalm 16,8-11: „Denn David spricht von ihm (dem Messias):Ich habe den Herrn allezeit vor mir“ (Apg 2,22-28; David hat „von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Reich des Todes überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen.“ Apg 2,29-31; Apg 2,32; „Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen. Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr seht und hört. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten.“ (Apg 2,32-36).
  • Der Heilige Geist wirkte Einsicht und Sündenerkenntnis bei den Zuhörern: „Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“ (Apg 2,37). Diese Wirksamkeit des Geistes Gottes hat Jesus vorausgesagt: „Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun (sie überführen) über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben.“ (Joh 16,8-11).
  • Er befähigte Petrus und die elf Apostel zu klaren Antworten auf die Fragen der Menschen: „Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße (metano¢sate – ändert eure Gesinnung, euer Denken, denkt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe (Geschenk) des Heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ (Apg 2,37-38).
  • Der Heilige Geist wirkte an diesem Tag eine Wiedergeburt (geistliche Geburt) bei etwa dreitausend Menschen (Apg 2,41; Joh 3,3.5.7) und erfüllte sie mit sich selbst (Apg 2,38; Hes 11,19; 36,25-27; Joel 3,1-2).
  • Der Heilige Geist wirkte bei den Gläubigen Verlangen nach Gemeinschaft mit Christus und untereinander (Herrenmahl), Verlangen nach Gebetsgemeinschaft, Hunger und Durst nach dem Wort Christi durch die Apostel (Apg 2,42).
  • Der Heilige Geist wirkte Wunder und Zeichen durch die Apostel, so dass die Menschen mit Furcht (Gottesfurcht) erfüllt wurden (Apg 2,43).
  • Er wirkte unter den Gläubigen sozialen Ausgleich (Apg 2,44-46).
  • Er wirkte Gastfreundschaft – Häuser wurden für Versammlungen zur Verfügung gestellt, Mahlzeiten wurden dort gemeinsam eingenommen (Apg 2,44-45).
  • Er wirkte Mut, Tragkraft und Freude in der Verfolgung und mutiges Bekennen vor der Obrigkeit (Apg 4,20).
  • Er wirkte Einheit im Gebet und frische Geistesfülle zum Zeugnis des Wortes Gottes (Apg 4,24-31).
  • Er wirkte Einheit: „Die Menge der Gläubigen waren ein Herz und eine Seele.“ (Apg 4,32; Joh 17,21).
  • Er befähigte die Apostel zu Lösungen von Problemen (Apg 6,1-6).
  • Der Heilige Geist erfüllte Stephanus und bevollmächtigte ihn zu wirken Wunder und Zeichen: „Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.“ (Apg 6,8.10). Der Heilige Geist rüstete ihn aus mit Weisheit, dadurch war er den theologisch versierten Gegnern weit überlegen. Danach befähigte ihn der Geist Gottes vor dem Hohen Rat zu einem detaillierten Zeugnis über die Geschichte Israels. Dies war eine prophetische Rede in der Rückblende mit der richtigen Anwendung auf die Zuhörer (Apg 6,11-7,53).
  • Der Geist Gottes befähigte die einen zum mutigen Zeugnis und Standhaftigkeit in der großen Verfolgung (Apg 8,3; 22,4), die anderen zum Verlassen der Stadt. Dadurch gelangte das Evangelium nach ganz Judäa und Samarien, die nächsten zwei Kreise, welche Jesus für die Evangelisation vorgegeben hatte (Apg 8,1; 1,8).

Wie wir sehen und erkennen, wirkt der Heilige Geist im Auftrag Jesu Christi souverän, überraschend und vielseitig. Die Gabe des Heiligen Geistes ist ein Geschenk Gottes an die Gläubigen, denn die Welt kann ihn nicht empfangen (Joh 14,17). Der Gläubig gewordene empfängt diese Gabe, wie der Text sagt: „Ihr werdet empfangen“. Um ein Missverständnis auszuräumen, hier geht es zunächst nicht um die Gaben (Charismata) des Heiligen Geistes, die er in Fülle mit sich bringt, sondern um DIE GABE – den Heiligen Geist selbst. Es ist auffällig, dass bei der Bekehrung von so vielen Menschen an diesem ersten Tag der Woche (dem Pfingsttag) von keinerlei direkten Auswirkung des Geistes (wie Reden in anderen Sprachen) die Rede ist.

Bei der nächsten Predigt forderte Petrus das Volk auf: „So tut nun Buße und bekehrt euch (denkt um und kehrt um), dass eure Sünden getilgt (juristischer Begriff) werden.“ (Apg 3,19). Das geistliche Ergebnis dieser Predigt war: „Aber viele von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.“ (Apg 4,4). Auch bei dieser zweiten großen Bekehrungswelle werden uns keine Auswirkungen des Heiligen Geistes (wie die Sprachen-Rede-Gabe) genannt, obwohl sicher ist, dass sie laut Verheißung die Gabe des Heiligen Geistes bei ihrem gläubig werden empfangen haben, wie auch bei der ersten Bekehrungswelle (Apg 2,38).

Nach der Freilassung des Petrus und Johannes aus dem Gefängnis wird von der Gemeinde ein öffentliches Lobpreis- und Anbetungsgebet angestimmt, und zwar als Prophetie. So heißt es in Apostelgeschichte 4,24-30: „Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht, du hast durch den Heiligen Geist, durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, gesagt (Psalm 2,1-2): »Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was umsonst ist? Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.« Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt hatten, dass es geschehen solle. Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort; strecke deine Hand aus, dass Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“

 Das Ergebnis war:  „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“ (Apg 4,31).

In diesem Zusammenhang sind die Auswirkungen des Heiligen Geistes in dreierlei Hinsicht zu erkennen:

  1. Die Stätte, wo sie versammelt waren, erbebte.
  2. Sie alle wurden (erneut) erfüllt mit Heiligem Geist (nicht zu verwechseln mit dem Empfang des Heiligen Geistes als Gabe /Geschenk bei dem gläubig werden).
  3. Sie redeten das Wort Gottes mit Freimut.
  4. Die prophetische Gabe kam hier schon im Gebet zum Vorschein, als sie aus Psalm 2 zitierten und es auf ihre Zeit anwendeten.
  5. Der Heilige Geist befähigte die Apostel zu Heilungen, Befreiungen von Dämonen und zu anderen Wundern (Gaben des Geistes Gottes), dadurch kamen noch viel mehr Menschen zum Glauben an Jesus Christus in Jerusalem und Umgebung. „Von den andern aber wagte keiner, ihnen zu nahe zu kommen; doch das Volk hielt viel von ihnen. Desto mehr aber wuchs die Zahl derer, die an den Herrn glaubten – eine Menge Männer und Frauen -, sodass sie die Kranken sogar auf die Straßen hinaustrugen und sie auf Betten und Bahren legten, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten auf einige von ihnen fiele. Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren; und alle wurden gesund.“ (Apg 4,13-16).   Welch wunderbare Auswirkungen durch das Wirken des Heiligen Geistes im Volk der Juden! Eine gnadenvolle Zuwendung Gottes an Israel, wie sie vorher nicht offenbart wurde, wird hier erkennbar (Hes 36,25-27; 37: die geistliche Auferstehung in Israel). Jesus sagte voraus: „Ihr werdet noch größere Werke tun“ (Joh 14,12). Ja, das großE Erlaßjahr (das fünfzigste Jahr), welches Verheißen war und Jesus ankündigte, war voll im Gange (Jes 61,1-2; Lk 4,16ff).  

In Apostelgeschichte 6,1-6 wird von der Erwählung und Berufung der sieben sogenannten Almosenpfleger berichtet. Als dies ausgerichtet war, heißt es: 

  1. Und das Wort Gottes breitete sich aus.“
  2. „und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem.“
  3. „Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.“ (Apg 6,7).

Auch hier sind keine konkreten Charismen bei den Gläubigen erwähnt. Hier liegt der Schwerpunkt auf der geistlichen Ernte, die eingefahren wurde.

So können wir sehen, dass der Heilige Geist die Gläubigen mit unterschiedlichen Gaben ausgerüstet hatte. Und diese Gaben kamen dort zum Einsatz, wo sie der Herr für notwendig erachtete. Daraus entnehmen wir, dass die Sprachen-Gabe, um die es in unserem Thema geht, nur eine von vielen Gaben ist, die Gott durch das Wirken des Heiligen Geistes bislang

  • an einem bestimmten Ort (Jerusalem),
  • zu bestimmter Zeit (Pfingsttag)
  • und für bestimmte Menschen (die Juden) zum Einsatz brachte.

7. Teil: Die Charismen des Geistes in Samaria

Alles, was bis jetzt durch die Kraft des Heiligen Geistes gewirkt wurde, geschah unter den Juden in Jerusalem und Judäa, das heißt im nationalen und sogar geographischen Kontext der Juden. Damit wurde erfüllt, was der Herr Jesus in seinem Auftrag an die Jünger angeordnet hatte, nämlich: „ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa.

Als nächster geographischer und kultureller Kreis war laut Jesus: „Samarien“ (Apg 1,8) an der Reihe. Das Mischvolk der später sogenannten Samariter brachte bei der Besiedlung des Nordreichs (722/721 v.Chr.) ihre Kulte mit. Zu dem übernahm es auch Teile des jüdischen Kultes einschließlich der Beschneidung. Da die Samariter die fünf Bücher Moses – die Thora – anerkannten, standen sie theologisch und kultmäßig den Juden nahe. Daher erklärt sich auch der nächste, von Jesus vorgegebene Missionskreis. Er selbst hatte während seiner Dienstzeit Samarien mehrmals besucht (Joh 4; Lk 9; 17; Joh 7).

Nun führt der Heilige Geist nicht die Apostel, sondern den Philippus hinab in die (Haupt)Stadt der Samariter. „Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.  Philippus aber kam hinab in die Hauptstadt Samariens und predigte ihnen von Christus. Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. Denn die unreinen Geister fuhren aus mit großem Geschrei aus vielen Besessenen, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht; und es entstand große Freude in dieser Stadt.“ (Apg 8,4-8).

Es handelte sich wahrscheinlich um Sebaste, die Hauptstadt Samarias. Diese lag unweit der biblischen Stadt Sichem (heute Nablus). Philippus wurde vom Heiligen Geist mit der Gabe des Evangelisten (evangelistou) befähigt, dazu Kraftwirkungen zur Heilung von Krankheiten und Befreiung von Dämonen. Lukas berichtet: „Als sie aber den Predigten (wörtlich: der Evangelisierung – Frohbotschaftsverkündigung) des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen.“ (Apg 8,12).

Diese auffallende Evangelisationstätigkeit des Philippus in Samaria ruft die Apostel in Jerusalem auf den Plan und sie senden Petrus und Johannes dort hin, um festzustellen, was der Evangelist durch die Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes und des Wortes ausgerichtet hat. Sie stellen unter anderem fest, dass die Gläubigen die Gabe des Heiligen Geistes noch nicht empfangen haben. Die große Freude in Samarien, die auch als Frucht des Geistes gesehen werden kann (Gal 5,22), ist verständlich und legitim für errettete Menschen, doch laut Kontext bezog sie sich mehr auf die Erfahrungen durch Wunderheilungen und Befreiungen von Dämonen (Apg 8,8). Erst durch Gebet und Händeauflegen der Apostel Petrus und Johannes empfangen die dortigen Gläubigen die Gabe des Heiligen Geistes, so lesen wir in Apostelgeschichte 8,15-17: „Die (Apostel) kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist.“

Spätestens hier entstehen bei uns eine Reihe von Fragen:

  1. Woran erkannte Philippus, dass die Gläubigen an Jesus Christus und auch Getauften auf seinen Namen, die Gabe des Heiligen Geistes nicht empfingen? Blieben sie stumm, gaben sie kein Zeugnis ihrer Erlösung?
  2. Und warum haben die gläubigen Samariter die Gabe des Heiligen Geistes nicht bei ihrem Gläubig werden empfangen? Hat Philippus ihnen in seiner Verkündigung nichts davon gesagt?
  3. War etwa Philippus als Evangelist nicht befähigt, die Echtheit des Glaubens bei den Samaritern zu durchschauen, wie das Beispiel von Simon dem Zauberer enthüllt?
  4. Oder war vielleicht gerade das noch Festhalten an diesem Zauberer Simon, der sie lange be- und verzauberte, der Grund dafür, dass der Heilige Geist bei den Gläubig gewordenen nicht einziehen konnte und wollte?
  5. Oder bedurfte es im Falle der Samariter (halbheidnisches Neuland, dazu Feinde der Juden) die Gegenwart und Autorität der Apostel, durch welche der Heilige Geist eindeutig die Annahme dieser Volksgruppe bestätigen und hervorheben wollte?

Es scheint klar zu sein, dass Philippus als `Einzelgänger` zwar einige für die Evangelisation wichtige und wunderbare Charismen hatte, dass er aber die Schalkheit/Falschheit des Zauberers Simon nicht durschaut hatte. Die Gabe zur Unterscheidung der Geister und zur Klärung der Echtheit des Glaubens unter den Samaritern war bei Petrus und Johannes offensichtlich vorhanden, wie auch folgende Bibelstellen bestätigen: Apg 5,1-11; 1Joh 4,1-4.

 Auch wenn es schwierig ist, auf all diese Fragen eine logische Antwort zu bekommen, so kann man Folgendes festhalten:

  1. Der Heilige Geist wirkt nicht immer nach dem gleichen Schema.
  2. Der Heilige Geist sorgte dafür, dass in Samarien eine feste und echte Glaubensgrundlage gelegt wurde.
  3. Der Heilige Geist sorgte dafür, dass die Anerkennung der Samariter durch die gläubig gewordenen Juden in Jerusalem sichergestellt wurde, denn dies hatte weitreichende Auswirkungen. Die an Jesus Christus gläubigen Samariter sind nun anerkannt als vollwertige Gotteskinder und gehören zu Gottes Volk.
  4. Sicher beschenkte der Heilige Geist die gläubig gewordenen Samariter mit Gaben, da diese jedoch nicht erwähnt werden, liegt auf ihnen auch nicht der Schwerpunkt, sondern die Erlösung und auch der Empfang des Heiligen Geistes stehen im Vordergrund der Erwähnung.

Praktische Anwendung:

– Gerade bei Evangelisationen durch begabte Mitarbeiter ist Überprüfung, Nacharbeit und Festigung der Gläubig gewordenen durch weiterführende Gaben (Begabte) unerlässlich.

– Auch wenn der Heilige Geist den Philippus in seinem Dienst segnete, bleibt doch das Prinzip der `zwei Zeugen`, wie Jesus es bei seinen Jüngern für den Missionsdienst eingeführt hatte, in Kraft und sollte auch heute noch eingehalten werden (Mk 6,7; Lk 10,1).

8. Teil: Die Sprachengabe im Haus des Kornelius in Cäsarea

Inzwischen sind nach dem Pfingstereignis (33 n.Chr.) einige Jahre vergangen. Das Evangelium ist bereits in Jerusalem, Judäa, Samaria und Galiläa ausgebreitet worden. Das sind die Gebiete, in welchen Jesus mit seinen Jüngern gewirkt hatte. Dadurch waren diese Menschen für die Evangelisation vorbereitet.

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Abbildung 2 Die Stadt Cäsarea wurde mit frischem Wasser aus dem etwa 8 km entfernten Karmelgebirge über dieses Aquadukt versorgt. (Foto:  April 1986)

 

Abbildung 3 Das gewaltige Bauwerk ist in Teilen noch sehr gut erhalten und zeugt von der einstigen Bedeutung der Stadt Cäsarea am Mittelmeer. (Foto:  April 1986)

Bei seinen Reisen durchs Land (die Provinz) Judäa kommt Petrus in die Städte am Mittelmeer – nach Lydda (heute Lod) und anschließend nach Joppe (heute Jaffa). Dort wirkt der Heilige Geist durch ihn Wunder und zu den bereits gläubig gewordenen Juden kommen noch viele Menschen hinzu – es ist eine landesweite Erweckung unter den Juden im Gange. Eines Tages wird Petrus von Joppe nach Cäsarea zu Kornelius gerufen, einem römischen Offizier der Kohorte `Die Italische`. Kurz zuvor war Petrus verzückt (gr. extasis) und hatte eine Vision (gr. örama – Gesicht, das Geschaute) in der Gott ihm zeigte, dass in seinen Augen und nach seiner Bewertung alle Menschen gleichwert sind (Apg 10,10-16). Die Abgesandten von Kornelius übernachten in Joppe im Haus des Gerbers Simon und am darauffolgenden Tag ging Petrus mit ihnen und in Begleitung von sechs weiteren Brüdern aus Joppe, zu der etwa 50 km nördlich gelegenen Hafenstadt Cäsarea.

Lukas schreibt: „Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch. Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren.“ (Apg 10,23-27).

Mit der Ankunft in Cäsarea und ganz konkret mit dem Betreten des Hauses des Kornelius überschreitet Petrus (nach jüdischer Tradition) eine rote Linie. Er selbst sagt dazu: „Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden (allofylö – andersstämmigen) umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll.“ (Apg 10,28). Hier betritt Petrus nun zum ersten Mal heidnisches Terrain. Doch Gott hatte ihn zur rechten Zeit darauf vorbereitet und er kann mit Überzeugung sagen: „Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen?“ (Apg 10,29). Demnach wusste Petrus nicht, was ihn in Cäsarea erwartete, es war für ihn ein Glaubensschritt.

Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde (15h) in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann (ein Engel) vor mir in einem leuchtenden Gewand und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.“ (Apg 10,30-33).

Schon lange vorher hat Gott diese Menschen für seine Heilsbotschaft vorbereitet. „Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“ (Apg 10,34-35). Eine fundamentale Wahrheit wird hier von Petrus erkannt und ausgesprochen! Und diese ist richtungsweisend für die weitere Mission unter Nichtjuden.

Und nun beginnt Petrus mit der Predigt: „Er (Gott) hat das Wort dem Volk (den Söhnen) Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.

  • Und er (Jesus) hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.

Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.“ (Apg 10,36-44).

Etwas ganz Unerwartetes und Ungewöhnliches geschieht während der Predigt des Petrus: in dem Augenblick, als er von der Vergebung der Sünden im Namen Jesu Christi spricht, erfüllt der Heilige Geist die Herzen der Anwesenden im Haus des Kornelius, und zwar gleichzeitig. Beachten wir, dass Petrus die Worte Buße und Bekehrung in seiner Predigt nicht erwähnt hatte, er betonte nur das Unentbehrliche, nämlich den Glauben an Jesus. Laut den einleitenden Worten des Kornelius waren sie alle von vornherein bereit, auf alles zu hören, was Petrus ihnen im Namen des Herrn sagen wird. Und sie waren laut der Aussage des Petrus: „Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist“ über die Geschichten von Johannes und Jesus wohl informiert. So konnte der Heilige Geist während der Verkündigung in ihnen Sinneswandlung, Umkehr und den Glauben an Jesus Christus bewirken. Dies alles und die persönliche innere Bereitschaft waren die Voraussetzungen für den Einzug des Geistes in ihre Herzen (Apg 2,37-38).

Die Wassertaufe, so dieser Bericht, ist jedoch keine Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Geistes. Selbst Petrus und insbesondere die sechs jüdischen Begleiter aus Joppe sind überrascht und erstaunt, dass auf Menschen nicht- jüdischer Herkunft die Gabe des Heiligen Geistes, also der Geist selbst, ausgegossen wurde. Zu erkennen war dies an der Äußerung des Geistes durch das Reden in anderen Sprachen. So lesen wir: „Und die gläubig gewordenen Juden (aus der Beschneidung), die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten, dass sie in Zungen (glössais – Sprachen) redeten und Gott hoch priesen (machten Gott groß).“ (Apg 10,45-46). Im Vergleich zu dem Sprachenwunder am Pfingsttag, ist hier die Herkunft der Sprachen nicht genannt, obwohl es sich auch hier nach dem gesamten Kontext um differenzierte menschliche Sprachen gehandelt hatte. Der Inhalt muss ähnlich gewesen sein, wie damals, weil es heißt: „sie machten Gott groß“. An Pfingsten hieß es: „sie redeten von den Großtaten Gottes“. In beiden Fällen ist diese Sprachenäußerung „Gott verherrlichend“, also zu Gott hingewandt, aber für die Anwesenden (Petrus und seine Begleiter) ist es ein Weissagen (prophetisches Reden – Joel 3,1ff).

Wir wollen an dieser Stelle auf folgende Bemerkung achtgeben: „Und die gläubig gewordenen Juden (aus der Beschneidung), die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.“ Bis dahin konnten die Gläubigen aus den Juden und bis vor kurzem sogar selbst Petrus nicht glauben, dass das Heil in Christus und die Verheißung des Heiligen Geistes auch für die Nichtjuden vorgesehen ist. So war auch hier die Sprachengabe des Geistes unter anderem ein Zeichen, ein Hinweis besonders für die anwesenden Juden, die bis dahin nicht glauben/wahrhaben wollten, dass Gott auch den Heiden Umdenken zum Leben gegeben hat (Apg 11,18). Als Petrus später nach Jerusalem zurückkehrte, konnten er und die sechs Brüder aus Joppe diese Heilstatsache glaubhaft begründen.

Schlussfolgerung:

  1. Die Gabe des Redens in anderen (menschlichen) Sprachen/Dialekten kann den Empfang des Heiligen Geistes bestätigen, wie diese Begebenheit zeigt. Der Heilige Geist grenzt sich jedoch nicht auf diese eine Gabe ein, sondern teilt einem jeden eine Gabe oder Gaben zu, wie er will und auch wann er will (Apg 8,17; 1Kor 12,11).
  2. Die Äußerung des Heiligen Geistes in anderen Sprachen/Dialekten, ist ein besonderes Zeichen für die Juden, denn dadurch bestätigt der Heilige Geist in deren Anwesenheit, dass das Heil Gottes in Jesus Christus allen Nationen gilt und dass die Juden sogar in der Pflicht sind, ihre geistlichen Güter mit den Heiden zu teilen (Mt 28,19; Röm 15,27).

Da antwortete Petrus: Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir? Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi.“ (Apg 10,37-38). Noch einige Tage blieb Petrus in Cäsarea und festigte die Gläubigen, so entstand die erste heidenchristliche Gemeinde in Judäa durch Mitwirkung eines Apostels. Im Jahre 48 bei der Apostelversammlung in Jerusalem erinnert Petrus daran: „Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisst, dass Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.

  • Und Gott, der die Herzen kennt, hat es bezeugt und ihnen den Heiligen Geist gegeben wie auch uns, und er hat keinen Unterschied gemacht zwischen uns und ihnen,
  • nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.“ (Apg 15,7-9).

Auf diese Weise benutzte Gott den Petrus, der als Säule (Autorität) in der Gemeinde angesehen wurde und machte ihn zum Bahnbrecher für die künftige Heidenmission.

9. Teil: Die Gaben des Geistes in der Gemeinde Antiochien

Wir verfolgen weiter die Spuren der Ausbreitung des Evangeliums über die Grenzen des Landes Israel. Es ist offensichtlich, dass der Heilige Geist für die sogenannte Außenmission gerade diejenigen Männer jüdischer Abstammung berief und beauftragte, die ausländische Wurzeln hatten, also in einer anderen Kultur geboren und aufgewachsen waren.

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Abbildung 4 Antiochien am Orontes (heute Antakya) war Provinzhauptstadt von Syrien mit weit über Hunderttausend Einwohnern. Im Februar 2023 wurde diese bedeutende Stadt durch ein gewaltiges Erdbeben größtenteils zerstört.    (Foto:  9. April 2011)

So schreibt Lukas: „Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden. Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen (genauer: Helenisten – griechisch sprechende und lebende Juden) und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.“ (Apg 11,19-21). Wir stellen Folgendes fest:

  • Juden mit ausländischem Hintergrund lösten sich schneller von ihrer zweiten Heimat in Israel und gingen in die Mission.
  • Weniger strenge Juden sind auch eher geeignet unter den Offeneren im Judentum zu sprechen.
  • Gott gebraucht und segnet die einen und auch die anderen.
  • Wenn Gottes Wort verkündigt wird, werden Menschen gläubig und bekehren sich zum Herrn.

Hier in Antiochien werden zum Empfang des Heiligen Geistes und dessen Auswirkungen keine Details genannt. Das heißt nicht, dass es diese nicht gab, aber ähnlich wie im Falle von Samaria, schicken die Apostel in Jerusalem begabte und befähigte Mitarbeiter, in diesem Fall den Barnabas (Sohn des Trostes) nach Antiochien, um die Glaubensgrundlage der neuen Jünger zu prüfen und die Gläubigen zu festigen. Seine Stärke war – voll Heiligen Geistes und Glaubens. „Es kam aber die Kunde davon der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren; und sie sandten Barnabas, dass er nach Antiochia ginge. Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh und ermahnte sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben; denn er war ein bewährter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens.“ Das Ergebnis dieses Dienstes war: „Und viel Volk wurde für den Herrn gewonnen.“ (Apg 11,22-24).

Neben all den geistlichen Gaben hatte Barnabas auch noch die Gabe der Integration von neuen Gläubigen und Mitarbeitern. „Barnabas aber zog aus nach Tarsus, Saulus zu suchen. Und als er ihn fand, brachte er ihn nach Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele. In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.“ (Apg 11,25-26; 9,27). Eine weitere Gabe des Geistes wird hier besonders hervorgehoben, die Gabe der Lehre. In Apg 13,1-2 wird neben der Lehrbegabung auch noch die prophetische Gabe betont und auch eingesetzt. „Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus.“ (Apg 13,1). Eine starke Gemeinde – solche Gaben und Begabten. „Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist (anscheinend durch diese Propheten): Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.“ (Apg 13,2).

Schlussfolgerungen:

  1. Auch hier wird die Sprachengabe nicht erwähnt, dafür aber andere für die Gemeinde wichtigen Gaben wie Prophetie und Lehre. Bei den Gläubigen wird die Umkehr zu Gott und der Glaube an Jesus Christus den Herrn hervorgehoben.
  2. Die Gabe der Barmherzigkeit und des Mitteilens ist besonders erwähnt: „Aber unter den Jüngern beschloss ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden.“ (Apg 11,27-30; Röm 12,8).
  3. Es steht fest, dass gerade die Gemeinde in Antiochien (neben Jerusalem) zu einer der stärksten Missionsgemeinden wurde (Apg 13,3; 15,40).

10. Teil: Die Sprachengabe des Geistes in Ephesus

Es ist auffällig, dass Lukas in den Berichten über die erste und zweite Missionsreise des Apostels Paulus auf Zypern, im pisidischen Antiochia, Ikonion, Lystra, Derbe, Philippi, Thessalonich, Beröa, Athen, keinen Hinweis auf die Sprachengabe bei gläubig gewordenen gibt. Auch nicht in der Gründungsphase der Gemeinde Korinth, obwohl gerade dort Jahre später die Diskussion über die Praxis der Sprachenrede ausbrach.

Erst bei der dritten Missionsreise, welche den Apostel Paulus vom syrischen Antiochia über Galatien in den äußersten Westen der römischen Provinz Asia, nach Ephesus führte, berichtet Lukas von einer Auswirkung des Heiligen Geistes durch Sprachenrede der dort in Ephesus  Gläubiggewordenen.Wir lesen in Apostelgeschichte 19,1-7: „Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die höher gelegenen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand einige Jünger und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist. Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, das ist an Jesus. Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen; und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer.“

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Abbildung 5 Das sehr gut erhaltene Taufbecken in der Marienkirche gibt Zeugnis, dass auch noch in den späteren Jahrhunderten Menschen auf den Namen Jesu getauft wurden (Foto:   6. März 2008).

Wir versuchen zunächst den Kontext dieser Geschichte zu beleuchten. Schon ein Jahr zuvor hatte Paulus zum Ende seiner zweiten Missionsreise hier in Ephesus kurz Halt gemacht. Bei seinem Abschied von den Juden versprach er wieder zu kommen, wenn Gott es zulässt (Apg 18,19-21). Das Ehepaar Priszilla und Aquila, welche ihn von Korinth bis hierher begleitet hatten, blieben in Ephesus mit ihrer Hausgemeinde. Beim Besuch des Apollos in Ephesus versahen die beiden den wichtigen Dienst der Nacharbeit und Vertiefung der Glaubensbeziehung zu Jesus bei Apollos (Apg 18,24-26). Dann reiste Apollos mit einem Empfehlungsschreiben weiter nach Korinth (Apg 18,27-28).

Es ist nicht leicht, die (etwa) zwölf Männer, welche Paulus in Ephesus (aufsuchte) und fand, zuzuordnen. Doch machen wir uns auf die Suche nach einer möglichen Antwort auf die Frage: wer waren die 12 Männer, aus welcher kulturellen und religiösen Gruppe kamen sie? Hatten sie Kontakt zu Aquila und Priszilla? Wenn ja, warum waren sie noch auf dem Stand der Johannes-Taufe?

  • Die eine mögliche Zuordnung wäre – sie sind Juden und gehören der örtlichen Synagoge an, Unter Juden gab es Johannesjünger auch über die Grenzen des Landes Israel hinaus. Paulus suchte auf seinen Missionsreisen in der Regel zuerst Juden auf und diese fand er in der Synagoge. Es ist wahrscheinlich, dass sich auch das Ehepaar Aqula und Priszilla, trotz der neuen Glaubensbeziehung, zur örtlichen Synagoge hielten.
  • Eine zweite Zuordnung wäre – sie sind Hellenisten, also gebürtige Juden, die aber wie Griechen lebten.
  • Die dritte Zuordnung wäre – sie sind Proselyten, also Menschen, welche aus den Heiden durch Beschneidung und Taufe zum Judentum konvertierten.
  • Eine vierte Zuordnung wäre – sie sind Heiden, die Gott fürchten. Diese standen ebenfalls der jüdischen Synagoge und dem Ein-Gott-Glauben nahe. Diese letztgenannten werden in der Apostelgeschichte als die `seboumenoi – Gottesfürchtige` genannt, ähnlich wie Kornelius in Cäsarea (Apg 10,1-2; 17,4; 18,7).

Da auch die Nachfolger des Täufers als `Jünger` bezeichnet werden, kann man diese 12 Männer dem Kreis der Johannesjünger zuordnen, die es auch in der Diaspora gab, wie das Beispiel von Apollos deutlich macht. Nach ihrem theologisch/geistlichem Stand zu urteilen gehörten die 12 Männer wohl nicht zu der Hausgemeinde von Aquila und Priszilla. Wären sie mit diesen in engerem Kontakt gewesen, hätten sie klare Informationen über Jesus und den Heiligen Geist erhalten. Halten wir also zunächst fest, dass es sich hier um die ersten Gläubigen in Ephesus handelt, welche durch den direkten Missionsdienst des Paulus zum wahren Glauben an Jesus Christus kamen. Meistens gehörten diese auch zu den späteren Gemeindeleitern oder auch überörtlichen Mitarbeitern des Apostels. Aus den späteren Texten der Apostelgeschichte des Lukas und den Briefen des Paulus werden uns einige Personen namentlich vorgestellt, die höchstwahrscheinlich zu den ersten in Ephesus gehörten.

  1. Epänetus – sein griechischer Name bedeutet `löblich`. Von ihm schreibt Paulus: „Grüßt Epänetus, meinen Lieben (Geliebten), der aus der Provinz Asien der Erstling für Christus ist.“ (Röm 16,5b).
  2. Tychikus, – die Wortwurzel seines Namens hat die Bedeutung von `Glück, Erfolg`. Möglicherweise dachten seine Eltern bei seiner Geburt an die griechische Göttin des Zufalls/Schicksals, des Glücks? Er ist aus der Provinz Asien – Ephesus (Apg 20,4; Eph 6,21; Kol 4,7; Tit 3,12; 2Tim 4,12).
  3.  Trophimus, – sein griechischer Name hat die Bedeutung von `nährend, ernährend`. Er war einer der treuen Mitarbeiter und Begleiter des Paulus und stammte aus Ephesus Stadt (Apg 20,4; 21,29;  2Tim 4,20).
  4. Onesiphorus, sein griechischer Name bedeutet `der Nutzbringende`; nach den Worten des Paulus hatte er eine Hausgemeinde in Ephesus. Er leistete viele Dienste in der Gemeinde und besuchte unter Lebensgefahr den Apostel Paulus im Gefängnis in Rom (2Tim 1,16-18; 2Tim 4,19).
  5. Artemas, – sein griechischer Name erinnert an die Artemis der Epheser. Auch er war einer der treuen Mitarbeiter des Paulus (Tit 3,12). Ein eindeutig heidnisch/griechischer Name, doch Paulus machte wohl keinerlei Anstalten, diesen zu ändern (übrigens auch nicht bei Apollos).

Dass alle diese fünf Männer und engste Mitarbeiter des Apostels Paulus griechische Namen trugen, ist zwar noch kein letzter Beweis dafür, dass es sich um Griechen, also Heiden handelte (es könnten auch Hellenisten gewesen sein), doch einiges spricht dafür, dass sie zu der vierten Gruppe, der sogenannten `seboumenoi – Gottesfürchtige` gehörten. Aus dem Text des Lukas erfahren wir, dass Paulus erst nach der Begegnung mit den 12 Männern in die Synagoge der Juden hineinging, wo er drei Monate lang predigte. Dies spräche dafür, dass er diese 12 außerhalb der Synagoge kennenlernte. Möglich, dass sie mit Apollos im Kontakt waren, noch bevor dieser mit Aquila und Priszilla zusammengekommen war. Diese Unklarheiten machen aber auch deutlich, dass der Dienst von Aquila und Priszilla nicht ausreichte für Gemeindegründung. Doch sicher scheint, dass Paulus bei ihnen gastliche Aufnahme fand (Apg 18,3; Röm 16,3-5a). Auf jeden Fall fand Paulus diese 12 Männer nicht irgendwo auf dem Marktplatz, sondern im großen Umfeld der jüdischen Synagoge.

Im Gespräch mit den 12 Jüngern stellt Paulus fest, dass ihnen etwas fehlt und deshalb fragt er sie: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig geworden seid?“ Anhand der Frage und der grammatischen Form macht Paulus klar, dass der Heilige Geist in der Regel zum Zeitpunkt des gläubig werden in den Menschen einzieht (Apg 2,38; Eph 1,13). Doch bei diesen Männern konnte der Heilige Geist nicht nur nicht einziehen, weil sie vom Heiligen Geist nichts wussten, sondern weil sie noch nicht an Jesus glaubten. Sie waren immer noch auf dem Stand der Johannestaufe, welche nur eine Taufe zum Umdenken war. Diese beinhaltete zwar den theoretischen, aber nicht den praktischen Glaubensbezug zu Jesus (Apg 19,4). Ihre Antwort hebt dies hervor: „Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist.“ Eine für uns schockierende Aussage, es sieht so aus, dass die Nachricht von dem Pfingstgeschehen noch nicht bis zu ihnen durchgedrungen war. Und Paulus klärt sie über den auf, auf den schon Johannes in seiner Predigt hingewiesen hatte. Sie sind bereit, sich auf den Namen von Jesus taufen zu lassen, das schließt ein, dass sie Jesus als den Messias/Retter im Glauben angenommen haben. Nun ist der Weg frei zum Empfang des Heiligen Geistes. In diesem Fall geschieht dies extra durch Händeauflegen, ähnlich wie in Samarien, auch dort legten die Apostel den Gläubigen die Hände zum Empfang des Heiligen Geistes auf. Die 12 Jünger empfangen den Heiligen Geist und nun erleben sie das Phänomen der Sprachen-Rede-Gabe und zwar mit prophetischem Inhalt – „und weissagten“, das heißt, sie redeten in verschiedenen Sprachen, ähnlich wie in Jerusalem am Pfingsttag und in Cäsarea im Haus des Kornelius.

Dieses Phänomen wird sich unter den Juden, aber auch anderen Bewohnern von Ephesus schnell herumgesprochen haben. Nun ist durch den Heiligen Geist erneut bestätigt worden, dass das Heil/Rettung anderen Nationen genauso angeboten wird wie den Juden. Damit wäre das Phänomen der Sprachen-Rede-Gabe in Ephesus mit prophetischem Inhalt auch als Zeichen für die ungläubigen Juden in der westlichen Diaspora zu werten. Ähnlich wie Petrus die Ausdrucksweise des Heiligen Geistes in Cäsarea als Beleg gegen die Kritiker aus den Juden in Jerusalem verwendete, so könnte Paulus den Juden der Diaspora (Ephesus/Asien) diese Bestätigung des Geistes bei den zwölf Männern als Beleg für die Annahme der Heiden zum Volk Gottes entgegenhalten. Schon im Pfingstgeschehen in Jerusalem konnten wir feststellen, dass die Sprachengabe nicht primär zur besseren Verständigung, sondern eher als Zeichen für die ungläubigen Juden gegeben wurde, die in Jerusalem wohnten und die aus der Diaspora nach Jerusalem umgesiedelt waren. Als Zeichen, dass Gott über die Grenzen des jüdischen Volkes und Landes hinaus allen Nationen das Heil in Christus anbietet und gerade die Juden für diese Aufgabe berufen worden sind. Davon musste Gott nicht die Heiden überzeugen, sondern die Juden, welche nicht wahrhaben wollten, dass das Heil auch den Heiden gilt (Apg 11,18; 22,21).

An dieser Stelle scheint es sinnvoll zu sein, einige Erfahrungen im Dienst der zwei namhaften Apostel – Petrus und Paulus – einander gegenüberzustellen.

– Aus dem Dienst des Petrus wird eine Befreiung aus dem Gefängnis berichtet, so auch aus dem Dienst des Paulus (Apg 4,7-11; 16,25-40).

– Aus dem Dienst des Petrus wird eine Totenerweckung berichtet, so auch aus dem Dienst des Paulus (Apg 9,39-42; 20,8-12).

– Aus dem Dienst des Petrus wird ein Gesicht (orama) berichtet, wodurch Petrus Neuland betreten sollte (Kornelius) so auch im Dienst des Paulus, als er in einem Gesicht (orama) den Mazedonierruf sieht und hört, der ihn zum Betreten des Neulandes Mazedonien auffordert (Apg 10,10-20; 16,9).

– Aus dem Dienst des Petrus wird ein Empfang des Heiligen Geistes mit Sprachengabe als Auswirkung in einem heidnischen Kontext in Cäsarea berichtet, so auch aus dem Dienst des Paulus in Ephesus (Apg 10,28-48; 19,1-7).

Diese Parallelen sind von Lukas nicht zufällig aufgeschrieben worden. Sie heben das herausragende Handeln des Heiligen Geistes durch besondere Vollmachten der beiden Apostel hervor. So schreibt Paulus in Galater 2,7-9: „da sie sahen, dass mir anvertraut war das Evangelium an die Heiden so wie Petrus das Evangelium an die Juden – denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden -, und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten.“ 

Die nächsten drei Monate predigte Paulus in der Synagoge der Juden. Auch nachdem er die Synagoge verlassen musste, kamen sehr viele Menschen durch seine vollmächtige Verkündigung zum Glauben, doch wird uns keine weitere derartige Erfahrung oder Auswirkung genannt. Es entsteht der starke Eindruck, dass es sich in den drei Fällen (Jerusalem, Cäsarea und Ephesus) in denen sich der Heilige Geist auf diese Weise kundgab, immer um den Beginn eines neuen Missionsfeldes handelte.

 Nirgendwo blieb der Apostel Paulus so lange an einem Ort wie in Ephesus und Umgebung. „Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus. So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen und die bösen Geister fuhren aus.“ (Apg 19,11-12).Von hier aus ist das Evangelium in der gesamten Provinz Asia ausgebreitet worden (Apg 19,10. 20; Offb 2-3). Die Auswirkungen des Heiligen Geistes bei vielen, die in Ephesus gläubig wurden, sind in folgenden Aussagen zusammengefasst: „Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten. Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen. So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig.“ (Apg 19,18-20).

11. Teil: Die Sprachengabe in der Gemeinde Korinth

Als der Apostel Paulus etwa im Jahre 55 n.Chr. von Ephesus aus den sogenannten 1Korintherbrief schrieb, war die Gemeinde Gottes in Korinth noch keine vier Jahre alt (Apg 18,1-18; 1Kor 16,7-9).

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Abbildung 6 Die griechische Aufschrift „Synagoge der Hebräer“ bestätigt das Vorhandensein eines jüdischen Versammlungshauses in Korinth (Foto:  23. Mai 2011).

Für den Apostel, der mit seinen Mitarbeitern Silvanus und Timotheus die Gemeinde in Korinth gründete, waren die Nachrichten und Fragen der Gemeinde Grund genug, um einen ausführlichen Brief zu schreiben. Dem Thema Gaben des Geistes widmet der Apostel in seinem Brief viel Raum und speziell der Prophetie- und Zungenrede, sowie deren Zweck und Praxis, ein ganzes Kapitel (1Kor 14,1-33). In der Gründungsphase der Gemeinde wird das Phänomen `Sprachenrede-Zungenrede` nicht erwähnt (Apg 18,1-18). Das Argument des Schweigens bedeutet natürlich nicht, dass es dieses Phänomen in den Anfängen nicht gegeben hat. Höchstwahrscheinlich gab es dort in der Zeit der Wirksamkeit des Apostels solche Äußerungen des Heiligen Geistes. Die Korinther machen jedoch von dieser Geistesgabe falschen Gebrauch. Darum erläutert der Apostel so detailliert die Zweckbestimmung und den rechten Gebrauch dieser Gabe in der Gemeinde.

Paulus leitet dieses Thema ein mit: „Strebt nach der Liebe (agap¢n).“ (14,1a). Die Liebe ist Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22) und als solche steht sie vor und über den Gaben und Werken (1Kor 13,1-13). An ihr soll erkannt und gemessen werden, ob jemand den Heiligen Geist hat (Röm 5,5b: „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist“). Weiter schreibt Paulus: „Strebt aber nach den geistlichen Gaben (pneumatika), besonders aber, dass ihr weissagt (prof¢teu¢te – prophetisch redet).“ (14,1b).  

Der Hauptkern der Prophetie ist die Verkündigung des Wortes Gottes auf verschiedene Weise, wie der Herr selbst durch den Propheten erklären ließ: „Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht.“ (Jer 23,28a). Und Mose wünschte: „Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe.“ (4Mose 11,29). Diese Gabe verhieß Gott, in reichem Maß unter seinen Kindern auszuteilen (Joel 3,1-2; Apg 2,17-18). Da liegt Paulus ganz auf der Linie, die Gott in Bezug auf die Mitteilung seines Willens festgelegt hatte.

Der Apostel fährt fort: „Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht (hört auf) es, im Geist aber redet er Geheimnisse.“ (14,2). Im Griechischen gibt es für `Zunge als Körperglied` (Ri 7,5; Mk 7,33) und `Zunge als Sprache` nur einen Begriff, nämlich `gloss¢ `. Mit dem griechischen Begriff `cheilos` für Lippe ist auch oft Sprache gemeint (1Mose 11,1-9; Jes 6,5; 28,11). In unserem Textzusammenhang handelt es sich um eine Sprache, welche der Redende von Natur aus nicht beherrscht und auch den Zuhörern unbekannt und daher auch unverständlich ist. Wahrscheinlich leiten einige Christen davon ab, dass es sich hier nicht um eine menschliche Sprache handelt. In 1Korinther 13,1 erwähnt der Apostel neben menschlichen Sprachen (im Plural) auch Sprachen der Engel (im Plural, allerdings im Konjuktiv).

Bekanntlich haben sich die himmlischen Boten bei ihren Mitteilungen an Menschen, immer in der für die betreffenden Menschen verständlicher Sprache geäußert. Da es sich aber am Pfingsttag in Jerusalem eindeutig um menschliche Sprachen/Dialekte handelte, ist es wahrscheinlich, dass es sich bei Kornelius in Cäsarea und auch in Ephesus um Äußerungen des Geistes in menschlichen Sprachen/Dialekte handelte. Was läge hier näher, auch für Korinth unter dem Begriff `γλόσση – gloss¢ ` das gleiche zu verstehen.

Was die Zungenrede-Gabe in Korinth betrifft, so ist kein einziger Inhalt einer solchen Sprachäußerung überliefert worden und daher auch keine Auslegung. Wir haben aus dem Korinthischen Kontext keine praktischen Beispiele von Zungenrede (mit konkreter Auslegung) und daher ist ein Vergleich mit der heutigen Praxis in den Gemeinden nicht möglich. In Jerusalem am Pfingsttag und in Cäsarea war das Reden in Sprachen unter der Überschrift „Die Großtaten Gottes“ den jeweiligen Zuhörern verständlich, eine Auslegung war nicht notwendig. Was aber ein Gemeindeglied in der Gemeinde Korinth im Geist redete, blieb den Versammelten verborgen.

Wer aber weissagt (prophetisch redet), redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung.“ (14,3). Es folgt eine Art Gegenüberstellung von Zungenrede und Prophetie, während Letztere sich an Menschen wendete und so die geistliche Auferbauung der Gemeinschaft im Auge hatte. „Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.“ (14,4). Hier geht es nicht mehr nur um eine Gegenüberstellung, sondern schon um eine Wertung. Das Wohl der Gemeinschaft steht über der subjektiven Erfahrung des Einzelnen.

Ich möchte aber, dass ihr alle in Sprachen redet, mehr aber noch, dass ihr weissagt. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, dass er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfange.“ (14,5).

Der Wunsch des Apostels, dass alle in Sprachen reden könnten, wird jedoch von ihm selber relativiert durch die Aussage in 1Kor 12,30: „Nicht alle reden in Sprachen“. Paulus ist zwar für die Sprachen-Rede-Gabe, hebt jedoch die für die Gemeinschaft verständliche und aufbauende Gabe der prophetischen Rede (in einer für alle verständlichen Landessprache/Volkssprache) deutlich hervor. Nur durch die Übersetzung/Auslegung der Sprachenrede wird ihr Wert für die Gemeinschaft anerkannt.

Jetzt aber, Brüder, wenn ich zu euch komme und in Sprachen rede, was werde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch rede in Offenbarung oder in Erkenntnis oder in Weissagung oder in Lehre.“ (14,6). Der Gemeinschaft nützt nach den Worten des Apostels die Sprachenrede (ohne Übersetzung) nichts. Dagegen sind Offenbarung, Erkenntnis, Weissagung (Prophetie) und Lehre die aufbauenden geistlichen Elemente für die Gemeinde vor Ort.

Und dann begründet er seine Argumentation: „Doch auch die tönenden leblosen Dinge, Flöte oder Harfe, wenn sie den Tönen keinen Unterschied geben, wie wird man erkennen, was geflötet oder geharft wird?  Denn auch wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten?  So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie soll man erkennen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.“ (14,7-9). Wie schon an Pfingsten, so macht der Apostel Paulus auch für Korinth deutlich, dass es sich bei der durch den Geist Gottes gewirkten Sprachenrede um eine klar definierte Sprache (Dialekt) handelt und keineswegs um ein undeutliches Gemisch von Lauten oder Wortfetzen aus verschiedenen Sprachen.

Schon in jungen Jahren empfand ich es als störend, wenn in einer Stubenversammlung gemeinsam (gleichzeitig) halblaut, leise oder sogar flüsternd gebetet wurde. Natürlich hat Gott alle gehört und verstanden, doch der Aufbaueffekt für die Gemeinschaft war verfehlt. Ich selber konnte mich nicht konzentrieren und hörte meist dem zu, der am lautesten betete. Dabei handelte es sich noch nicht um eine Art Zungenredegebet, sondern alle beteten in Deutsch. Das Ergebnis war das gleiche, keiner verstand so richtig, was der andere betete.  

Paulus fährt fort: „Es gibt zum Beispiel so viele Arten (gen¢) von Sprachen (hier: fönön – Stimmen/Töne) in der Welt, und nichts ist ohne Sprache (hier: afönön – unstimmig/tonlos). (14,10). Dieser Vergleich unterstützt zusätzlich die Annahme, dass es sich auch bei der Sprachenredegabe um eine in dieser Welt vorhandenen und gesprochenen Sprache/Dialekt handelt, die in sich stimmig ist.

Paulus weiter: „Wenn ich nun die Bedeutung (dynam¢n – Kraft) der Sprache (hier: φfön¢s – Stimme/Tones) nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar.“ (14,11). Jetzt wird Paulus ganz drastisch in seinen Vergleichen, denn als Barbaren wurden all die Völker bezeichnet, die außerhalb der damals zivilisierten und im Römischen Reich anerkannten und verstandenen Sprachen lebten. Obwohl auch die sogenannten Barbaren auf der Insel Melite (Apg 28,1ff) in sich stimmige Sprache benutzten. Damit ist für die Gemeinschaft das unverständliche Reden oder Beten in Sprachen zwecklos und nutzlos. 

So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben (pneumatön) eifert, so strebt danach, dass ihr überreich seid zur Erbauung der Gemeinde.“ (14,12). Der Hinweis hier ist: was zur Auferbauung der Gemeinde dient, diese Gaben sollen auch in der öffentlichen Versammlung in ihrer Vielfalt zum Zuge kommen.

Darum, wer in einer Sprache redet, bete, dass er es auch auslege! Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer.“ (14,13-14). Auslegen, bzw. übersetzen/dolmetschen ist unbedingte Voraussetzung für lautes, öffentliches beten oder reden in einer unbekannten Sprache. Hier fällt noch auf, dass Paulus von `seinem` Geist spricht, bzw. dem Geist des Redenden oder Betenden in einer anderen Sprache. Und dass in diesem Fall der Verstand (nous) des Redenden ausgeschaltet ist, so dass er selbst nicht kontrollieren oder beurteilen kann, was er sagt oder betet. Merken wir, dass sich hier auch eine Gefahr verbergen kann? Wenn schon beim prophetischen Reden von zwei oder drei Personen die Gemeinde beurteilen soll, wie viel mehr wenn nur einer eine Aussage macht?  

Was ist nun? Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand. Denn wenn du mit dem Geist preist, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er ja nicht weiß, was du sagst? Denn du sagst wohl gut Dank, aber der andere wird nicht erbaut.“ (14,15-17). Wieder und wieder betont Paulus den begrenzten Nutzen des Sprachen-Rede (Gebets) für die Gemeinschaft, die nichts davon hat und entsprechend nicht mit einem Amen als Bestätigung bekräftigen kann.

Ich danke Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle. Aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Worte mit meinem Verstand reden, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache.“ (14,18-19). Das ist die Kulmination der Auseinandersetzung mit der Thematik Sprachengabe in der Gemeinde – fünf zu zehntausend. Natürlich spitzt der Apostel stark zu, aber doch nur, um die Korinther wieder ins richtige Lot zu bringen. Und er bekräftigt seine Argumentation mit dem Aufruf: „Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene.“ (14,20)!

Nun folgt eine von der Schrift her abgeleitete Erklärung des Apostels über die Zweckbestimmung der Sprachenrede. „Im Gesetz steht geschrieben: »Ich will in andern Zungen  (eteroglössois – Anderssprachige) und mit andern Lippen (cheilesin eterön – Lippen anderer) reden zu diesem Volk, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« Und Paulus zieht daraus den Schluss: „Darum sind die Sprachen (glössai) ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.“ (14,21-22). Das Zitat, welches Paulus hier als Erklärung für die Sprachenrede anführt, ist aus dem Propheten Jesaja 28,11-12 entnommen.

Dort ist der Bezug zum Volk Israel (Juda und Jerusalem) deutlich erkennbar. Dazu nennt Paulus die Bestimmung dieser Sprachen-Rede-Gabe, bzw. das Phänomen dieser Ausdrucksweise Gottes – es ist ein ZEICHEN für die Ungläubigen, für die, die nicht hören wollten. Diese Verstockten im Herzen und den Ohren gab es zur Zeit des Propheten Jesaja, die gab es zur Zeit Jesu und der Apostel. Damals wollte die Mehrheit der Juden nicht hören und nicht glauben. Ein kleiner Teil der Gesamtheit der Juden in Korinth, (ähnlich wie auch in Jerusalem am Pfingsttag), nahm Jesus als den Messias an.

So schreibt Lukas: „Als aber Silas und Timotheus aus Mazedonien kamen, richtete sich Paulus ganz auf die Verkündigung des Wortes und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus ist. Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt; ohne Schuld gehe ich von nun an zu den Heiden. Und er machte sich auf von dort und kam in das Haus eines Mannes mit Namen Titius Justus, eines Gottesfürchtigen; dessen Haus war neben der Synagoge. Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause, und auch viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.“ (Apg 18,5-8).

Zwar wird in der Gründungsphase das Phänomen der Sprachenrede nicht erwähnt, doch die spätere Praxis dieser Gabe in der Gemeinde lässt zumindest den Schluss zu, dass es dieses Phänomen in der Anfangszeit als Zeichen für die Juden, die nicht hören und glauben wollten, gegeben haben könnte.

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Abbildung 7 Das Kreuz – für die Juden ein Ärgernis, für die Griechen eine Torheit (Foto:  23. Mai 2012).

Denn die Juden fordern Zeichen.“ (1Kor 1,22), Und wenn sie welche bekommen, glauben sie doch nicht (Joh 12,37: „Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn“).

Aber ist die Sprachenredegabe nicht auch ein Zeichen für die Ungläubigen aus den Heiden? Im Abschnitt 8 (Sprachengabe in Cäsarea) konnten wir sehr deutlich feststellen, dass der Empfang des Heiligen Geistes in Verbindung mit der Sprachen-Rede-Gabe bei den Heiden (Haus des Kornelius) von Petrus geradezu als Beweis ihrer Annahme bei Gott in Jerusalem (bei den Juden) vorgetragen wurde (Apg 11,18).

Für Heiden wäre solch ein Zeichen sinnlos und zwecklos, wie der Apostel im folgenden Text klar macht. „Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige (idiötai – Laien) oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid? Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist.“ (14,23-25). Aus dieser Erklärung des Paulus zur Bestimmung der Sprachenrede geht hervor, dass sie nicht für die Evangelisation von Laien (besonders der Unkundigen/Ungläubigen aus den Heiden) bestimmt ist. Für diesen Zweck ist die Gabe der prophetischen Rede viel geeigneter. 

Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.“ (14,23-26). Der Apostel ist für die Vielfalt der Gaben in einer Gemeinde, doch jede Ausdrucksform soll sich an einem Ziel orientieren – die Auferbauung der Gemeinde. Das Gemeinwohl steht im Vordergrund, nicht die subjektive Erbauung, oder gar Selbstdarstellung.

Wenn nun jemand in einer Sprache redet, so sei es zu zweien oder höchstens zu dritt und nacheinander, und einer lege aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Gemeinde, rede aber für sich und für Gott. Von den Propheten aber sollen zwei oder drei reden, und die anderen sollen urteilen. Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der Erste. Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden. Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (14,27-33). Es gibt Einschränkungen, was die Anzahl der Redenden betrifft und dazu auch noch der Reihe nach. Dies gilt auch für das Beten oder Psalmensingen. Und es gibt Sprachen-Rede Verbot bei Fehlen einer Auslegung/Übersetzung. Doch bei allem Streben nach Gaben und deren Anwendung in der Gemeinde soll der Friede Gottes gewahrt werden.

12. Teil: Der Stellenwert der Sprachen-Rede-Gabe

In den vorherigen Abschnitten versuchten wir festzustellen, wo, wann und wie diese Gabe in der ersten Gemeindegeneration zum Einsatz kam. In diesem letzten Abschnitt geht es nicht um eine detaillierte Studie aller Gnadengaben und deren Träger, sondern mehr um die Frage, welchen Stellenwert die Sprachen-Rede-Gabe unter den anderen Gnadengaben des Heiligen Geistes einnimmt. Und schließlich eine Zusammenfassung mit einigen Schlussfolgerungen.

Die Listen der Gnadengaben und die Ämter (Dienste).

Mit den Geistesgaben befasst sich systematisch nur der Apostel Paulus. Im ersten Korintherbrief und im Epheserbrief finden wir insgesamt drei Listen mit zum Teil ähnlicher Reihenfolge von Gaben und Gabenträgern.

1Korinther 12,28-30:

Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt:

  1. Erstens – Apostel
  2. Zweitens – Propheten
  3. Drittens – Lehrer
  4. Danach – Wunderkräfte
  5. Danach – Gnadengaben der Heilungen
  6. Hilfeleistungen
  7. Leitungen
  8. Arten von Sprachen
  • Sind etwa alle Apostel?
  • Alle Propheten?
  • Alle Lehrer?
  • Haben alle Wunderkräfte?
  • Haben alle Gnadengaben der Heilungen?
  • Reden alle in Sprachen?
  • Legen alle aus?

Epheser 4,11-13:

Und er hat gegeben die einen als

  1. Apostel,
  2. Propheten,
  3. Evangelisten,
  4. Hirten,
  5. Lehrer.

Zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi.

1Korinther 12,7-11:

In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller;

  1. Dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden;
  2. Dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist;
  3. Einem andern Glaube, in demselben Geist;
  4. Einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem „einen“ Geist;
  5. Einem andern die Kraft, Wunder zu tun;
  6. Einem andern prophetische Rede;
  7. Einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden;
  8. Einem andern mancherlei Zungenrede;
  9. Einem andern die Gabe, sie auszulegen.

Dies alles aber wirkt derselbe „eine“ Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will.

Kurze Bemerkungen zu dem, was in diesen Gabenlisten auffällt.

  • Die Träger der apostolischen Berufung und Begabung sind immer ganz vorne bzw. oben in den Listen.
  • Der prophetische Dienst ist in den ersten zwei Listen jeweils an zweiter Stelle.
  • Die Gabe der Sprachenrede ist in den zwei Listen, in denen diese genannt wird, immer an letzter Stelle.

Wie wir in den vorhergehenden Abschnitten feststellen konnten, hatte diese Gabe folgende Bestimmung:

  1. An Pfingsten war sie offensichtliche Begleiterscheinung beim Kommen des Heiligen Geistes.
  2. Ebenfalls am Pfingsttag diente sie der Verherrlichung Gottes, denn durch diese Gabe wurden die Großtaten Gottes gerühmt.
  3. Die Vielfalt der eindeutigen Sprachen/Dialekte am Pfingsttag diente als Zeichen für die ungläubigen Juden. Dadurch bestätigte Gott dem gesamten Volk Israel, dass alle Völker in Gottes Heilsplan eingeschlossen sind.
  4. In Cäsarea, im Haus des Kornelius, diente diese Gabe als Zeichen/Bestätigung für Petrus und seine sechs jüdischen Begleiter, dass auch Heiden durch Herzensumkehr und Glauben den Heiligen Geist empfangen haben wie auch die gläubig gewordenen Juden/Galiläer am Pfingsttag.
  5. Auch diente sie später als Beweis für die Judenchristen in Jerusalem, die nicht wahrhaben wollten, dass die Heiden auch Anteil an der Erlösung haben. Petrus begründet: „Sie haben den Heiligen Geist empfangen gleichwie wir am Anfang“ (gemeint ist am Pfingsttag).
  6. In Ephesus diente sie (wie auch das prophetische Reden) höchstwahrscheinlich zur Bestätigung des Empfangs des Heiligen Geistes bei gläubig gewordenen und Getauften aus den Heiden. Dieses hörbare Zeichen war grundlegend, nicht nur für die Heiden selbst, sondern auch für die Juden vor Ort.
  7. In Korinth diente diese Gabe der individuellen Auferbauung der Gläubigen.
  8. Sie diente der Auferbauung der Gemeinde nur, wenn sie in eine für alle bekannte und verständliche Sprache ausgelegt wurde. Sonst wurde sie von Paulus als hörbare Äußerung im öffentlichen Gottesdienst untersagt.
  9. Für keine andere Gnadengabe wird irgendwo eine Einschränkung gemacht, nur für die Gabe der Sprachenrede.
  10. Es ist ein legitimes und auch ehrliches Anliegen, dass diese Gabe nicht erzwungenermaßen gesucht und erlangt werden sollte.
  11. Jede Äußerung der Geistesgaben muss überprüfbar sein. Wenn sogar die Prophetie, welche in der landesüblichen Sprache ausgesprochen wurde, nach den Worten des Paulus von der Gemeinde beurteilt/geprüft werden sollte, wie viel mehr die Zungenrede, die häufig nicht ausgelegt wird, und wenn sie ausgelegt wird, dann beruht die Auslegung oft nur auf einem einzigen Zeugen.  
  12. Die Zungenredegabe (wie auch alle anderen Gaben) kann vom Herrn erbeten werden, doch der Heilige Geist teilt letztlich jedem die Gabe(n) zu, wie er will.
  13. Diese Gabe allein kann nicht als sichere Bestätigung für das Innewohnen des Heiligen Geistes (Geistestaufe) im Gläubigen angesehen werden. Die Äußerungen des Heiligen Geistes bei der Wiedergeburt eines Menschen sind unterschiedlich.  
  14. Diese Sprachengabe wurde nicht gegeben, um das natürliche Erlernen von Sprachen bei Gläubigen aufzuheben.
  15. Der Heilige Geist ist uneingeschränkt im Zuteilen von Gaben und Befähigungen. Er gibt sie und kann diese auch wieder zurückziehen. Er kann diese auf Lebenszeit oder auch nur für bestimmte Situationen zuteilen.
  16. Weil die Sprachengabe nach den Worten des Apostels in erster Linie der Selbstauferbauung dient, ist bei ihrem Gebrauch besonders behutsamer Umgang nötig. Jede Art von Stolz oder Überheblichkeit über andere Gabenträger, bei denen die Geistesgaben nicht so offensichtlich hervorstechen, sollte bekämpft werden (das gilt natürlich auch für alle anderen Gabenträger).
  17. In manch einer Situation, besonders bei der Mission, wäre diese Gabe auf den ersten Blick hilfreich zur verständlichen Weitergabe der Heilsbotschaft, doch gerade dafür ist sie in der Urgemeinde nicht eingesetzt worden. In der Regel benutzt Gott die menschlichen Sprachkenntnisse als natürliche Kanäle (irdene Gefäße) zur Verbreitung seines Evangeliums.

Aktualisiert am 10. Juni 2025

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Die TAUFE

Theologie und Praxis

Abbildung 1 Der Fluss Jordan vom Ostufer aus gesehen in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Betanien, wo Jesus von Johannes getauft wurde. Heute bildet der Jordan die Grenze zwischen Israel und Jordanien. An dieser Stelle und zu dieser Jahreszeit ist der Jordan nur etwa 8-9 Meter breit. In unmittelbarer Nähe am Ostufer befinden sich Überreste einiger antiker christlicher Kirchen (Foto am 7. November 2014).

Abbildung 2 Überreste einer von mehreren antiken christlichen Kirchen am Ostufer des Jordan in unmittelbarer Nähe der vermuteten Taufstelle bei Betanien. Trotz der Nähe zum Fluss wurden auch diesen Kirchen Taufbecken zugeordnet. Damit waren Taufen unabhängig von der Jahreszeit und dem Wasserstand des Jordans möglich. Dazu kam, dass die Kirchen und Baptisterien mit sauberem Quellwasser gespeist wurden (Foto am 7. November 2014).

Abbildung 3 Der Jordan in seinem Lauf oberhalb der Mündung des Jarmuk-Flusses (Foto am 14. Juni 2016). Von Johannes dem Täufer schreibt der Evangelist Lukas:Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden(Lk 3,3).

Johannes der Täufer setzte seine Tauftätigkeit noch etwa ein ¾ Jahr nach der Taufe Jesu fort, so lesen wir in Johannes 3,23 „Johannes aber taufte auch noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war da viel Wasser; und sie kamen und ließen sich taufen.“

Einleitung

Die Fragen zur christlichen Taufe waren und bleiben immer aktuell. Dieser Schritt des Gehorsams wird in allen christlichen Kirchen und Gemeinden praktiziert. In dieser Bibelstudie soll neben der äußeren Form besonders auf den Inhalt und die Bedeutung der Glaubenstaufe eingegangen werden.

Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte mit folgenden Worten ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!” (Mt 3,13-16).

In sieben Abschnitten soll hier das Thema `Taufe` erläutert werden.

1. Die Taufe von Jesus im Jordan und ihre Bedeutung

  • Jesus war knapp dreißig Jahre alt, als er sich im Jordan taufen ließ (so steht es in Lukas 3,23). Lukas beziffert das Alter von Jesus zu Beginn seines Dienstes mit `ungefähr oder knapp dreißig Jahren`, Johannes der Täufer war sechs Monate älter (Lk 1,26). Er hat also seinen Dienst nach dem Befehl Gottes auch mit etwa dreißig Jahren begonnen. Dieses Alter entspricht der Anordnung Gottes für den Beginn der amtlichen Priesterdienste in Israel (4Mose 4,1-47). Dass Jesus von einem Priestersohn, der dazu noch von Gott autorisiert war, getauft wird, ist auffallend, aber auch angemessen. Auch Jesus (der wahre Hohepriester) beginnt seinen Dienst in einem von Gott für die Priester vorgeschriebenem Alter.
  • Die angesprochene Taufstelle befand sich etwa 8 ½ km nördlich vom Nordende des Toten Meeres bei Betanien (Joh 1,28; 3,26) am Ostufer des Jordan und liegt ungefähr 380 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Taufe von Jesus im Jordan und das anschließende Zeugnis des Vaters sowie die Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist findet also nicht auf einer Höhe (Jerusalem, Tempelberg) statt, sondern an dem tiefsten Punkt unserer Erde. „Er erniedrigte sich selbst“ trifft somit auch hier bei den äußerlichen Umständen zu.
  • Jesus ist im Wasser des Jordan voll untergetaucht worden. Sowohl Matthäus als auch Markus berichten, dass Jesus nach der Taufe aus dem Wasser heraufgestiegen sei. Das griechische Wort `baptizo` bedeutet eintauchen, untertauchen, im Wasser begraben werden (es wird aber auch für rituelle Waschungen ohne Untertauchen verwendet). Wir lesen zum Beispiel in 2Könige 5,14 „Da stieg er (Naemann) ab und tauchte unter (ebaptisato) im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte.“
  • Mit dieser Taufe ordnet sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellt sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen.
  • Diese Wassertaufe zu Beginn seines öffentlichen Dienstes deutet symbolhaft auf seinen Tod und seine Auferstehung hin.

Wie auch in allen anderen Bereichen ist Jesus damit für seine Nachfolger Vorbild und Beispiel.

2. Die verschiedenen Taufen oder Taufarten im Neuen Testament

2.1 Die `Taufe des Johannes` oder auch `Taufe zur Buße, des Umdenkens` genannt.

Diese Taufe praktizierte Johannes der Täufer auf Befehl Gottes. Sie wurde noch Jahre später, als sich die Gemeinde schon längst unter den Heiden ausgebreitet hatte, von einigen Johannesjüngern weiterhin praktiziert (Mk 1,4;  Mt 21,25;  Lk 3,3;  Apg 19,1ff). Auch die späteren Jünger von Jesus wurden von Johannes getauft (Joh 1,37). Wir lesen nichts darüber, dass sie sich später noch einmal speziell auf den Namen Jesu taufen ließen, denn die Glaubensbeziehung zu Jesus war bei ihnen vorhanden.

2.2 Die Taufe, mit der die Jünger im Auftrag von Jesus zu seinen Lebzeiten tauften

Diese Taufpraxis ist nur am Rande erwähnt, doch handelt es sich dabei um Menschen, welche an Jesus glaubten (Joh 4,1ff).

2.3 Die Taufe mit oder im Heiligen Geist

Johannes der Täufer sagte von Jesus voraus, dass dieser mit dem Heiligen Geist taufen wird (Mk 1,8;  Joh 1,33;  Apg 1,5; 2,1-4). Ab hier verwenden die Apostel Umschreibungen wie: Empfang des Heiligen Geistes oder Versiegelung mit dem Heiligen Geist (Apg 2,38f;  Apg 8,15-16; 10,44; 11,16; 19,1-5; Röm 8,9;  Eph 1,13;  Tit 3,5).

2.4 Die Taufe in den einen Körper (Leib Christi)

Diese Taufe vollzieht sich in der Wiedergeburt eines Menschen. Es ist wie ein Eintauchen, eine Eingliederung in den Körper Christi, welcher ist die Gemeinde. „Denn in dem einen Geist sind wir alle in den einen Körper getauft: ob Juden oder Griechen, ob Sklaven oder Freie, wir sind alle mit dem einen Geist getränkt“ (1Kor 12,13).

2.5 Die `Leidenstaufe ` Jesu

Diese Taufe ist die schmerzlichste von allen, denn Jesus ist nicht symbolhaft, sondern real unter unendlich großen körperlichen und seelischen Schmerzen gestorben, als er die Schuld der ganzen Welt auf sich nahm (Mk 10,38;  Lk 12,50).

2.6 Die `rettende Taufe`

Noah und seine Familie wurden in der Arche durch das Wasser hindurch gerettet. Dieses Ereignis wird von Petrus als Vergleich oder Gegenbild unserer Rettung verwendet, so lesen wir in 1Petr 3,21: „Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

2.7 Die `Taufe mit dem Feuer`

Diese Taufe wird (aufgrund von Matthäus 3,11-12 und Lukas 3,16) oft mit der `Taufe des Heiligen Geistes` gleichgesetzt. Doch dies wird von Jesus und den Aposteln nicht bestätigt. Dass Jesus mit Feuer taufen wird, ist eher ein Hinweis auf seinen richterlichen Dienst, wenn Er kommt um “in Feuerflammen Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus“, so Paulus in 2Thes 1,8; vgl. auch Mt 25,46;  Mt 3,11-12;  Lk 3,16;  Offb 19,20; 20,14. 15).

2.8 Die `Taufe für die Toten`

Von dieser Art von Taufe (die nur an dieser Stelle erwähnt wird) schreibt Paulus, als er den Korinthern die Realität der leiblichen Auferstehung erklärt (1Kor 15,29). Sie war niemals Bestandteil der Apostellehre. Sie war genauso sinnlos wie die heute noch verbreitete Praxis der Fürbitte oder Messe für die Verstorbenen.

2.9 Die `Taufe auf den Namen ´Jesu` oder den `Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes`

Dabei geht es um die Taufe, welche Jesus für die Glaubenden angeordnet hatte (Mt 28,19). Diese Taufe praktizierten seine Jünger ab Pfingsten (Apg 2,38-40; 8,12; 8,38; 10,48; 22,16; 16,31ff; 18,8; 19,5). Darüber mehr im nächsten Abschnitt.

3.   Die Taufpraxis der Jünger von Jesus

Vor seiner Himmelfahrt ordnete Jesus seinen Jüngern an, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (Mt 28,19). Dieser Taufpraxis begegnen wir gleich bei der Predigt des Petrus am Pfingsttag. Die zentrale Aufforderung an die Zuhörer lautete dort: „Tut Buße (denkt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.” (Apg 2,38). In der Urgemeinde war die Taufe ein klares Bekenntnis zu Christus und seiner Gemeinde. Die Taufe auf den Namen Jesu war der erste öffentliche Schritt des Gehorsams eines Gläubigen und somit auch ein Glaubensschritt in der Nachfolge Jesu, denn in der ersten Gemeindegeneration wurde nach Sinnesveränderung und Umkehr sofort getauft: „Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.” (Apg 2,41). In Jerusalem gab es zwar keinen Fluss, dafür aber sind zwei Teiche namentlich genannt, der Bethesda-Teich und der Teich Siloah. Diese Wasserspeicher wurden auch für rituelle Waschungen benutzt (Joh 5,1ff; 9,7; 11,55). Dazu gab es auch in den privaten Haushalten Waschbecken für rituelle Reinigung, welche verständlicherweise für die Glaubenstaufe genutzt werden konnten.

In Samarien ließen sich Männer und Frauen von Philippus, dem Evangelisten, taufen, nachdem sie an Jesus gläubig geworden waren (Apg 8,12ff). Hier gibt es keine näheren Angaben zu einer Taufstelle, doch das samaritische Hochland hatte viele Quellen.

Der äthiopische Finanzminister bat Philippus gleich nach seinem Gläubigwerden an Jesus, getauft zu werden (Apg 8,26-40). „Sie kamen an ein Wasser“ dies könnte am Mittelmeer im Gazabereich gewesen sein, da der Weg des Äthiopiers dort vorbeiführte. In diesem Uferbereich ist das Meer flach abfallend und gut geeignet für eine Taufe.

Saulus/Paulus wird in Damaskus von dem Jünger Ananias im Haus des Judas in der Geraden Gasse aufgesucht und nach Gebet und Handauflegung aufgefordert, nicht zu zögern, sondern sich sofort taufen zu lassen (Apg 22,16). Das lässt sich Saulus nicht zweimal sagen, sondern folgt sofort dieser Aufforderung.

Abbildung 4 Der Fluss Barada, welcher seinen Ursprung im südöstlichen Antilibanongebirge nimmt, fließt in mehreren Armen und Kanälen mitten durch die Stadt Damaskus (Foto am 11. April 2011).

Im Alten Testament wird dieser wasserreiche Fluss Amana (Abana) genannt (2Kön 5,12). Hier sind höchstwahrscheinlich die ersten Gläubigen an Jesus Christus und auch Paulus getauft worden.

Die Jünger in Ephesus wurden ebenfalls sofort nach ihrem Gläubigwerden an Jesus von Paulus oder seinen Mitarbeitern getauft (Apg 19,3-5). Der Fluss Kaystros (kleiner Menderes) war geeignet für die Taufe im Wasser.

In Philippi wurde Lydia und ihr Haus, das heißt Familienangehörige und Dienerschaft, im Fluss getauft, gleich nachdem sie gläubig geworden waren (Apg 16,14-15).

Abbildung 5 Die Taufstelle am Fluss Gangites in Philippi ist in unmittelbarer Nähe des heutigen Dorfes Lydia und der antiken Stadt Krinides (kleine Quellen). Noch heute werden von der Orthodoxen Kirche an dieser Stelle Taufen durchgeführt. Die Taufstelle liegt im Nordwesten der Ausgrabungsstätte von Philippi. In unmittelbarer Nähe ist im Gedenken an die Taufe von Lydia und ihrem Haus eine Kirche errichtet worden (Foto am 31. Juli 2007).

Der Gefängniswärter in Philippi und seine Familienangehörigen wurden noch in der Nacht auf dem Gefängnisgelände getauft (Apg 16,31ff). Die wohlhabenden römischen Bürger hatten in ihren Häusern Bassins, die sich auch sehr gut für Taufen eigneten.

4.   Der Sinn und die Bedeutung der Taufe

Die Taufe ist eine sichtbare und symbolhafte Darstellung der Bekehrung eines Menschen zu Gott sowie seine Wiedergeburt durch den Glauben an Jesus Christus. Daher wurde die Taufe immer erst nach der Bekehrung vollzogen und sollte deshalb auch heute nicht vorweggenommen werden. So lesen wir in der Apostelgeschichte 18,8: „In der Folge kam kein Geringerer als Krispus, der Vorsteher der Synagoge, zum Glauben an den Herrn – er und alle, die in seinem Haus lebten. Auch viele andere Korinther, die Gottes Botschaft hörten, glaubten und ließen sich taufen.

  • Die Taufe versinnbildlicht das Abwaschen der Sünden. In Damaskus sprach Ananias zu Paulus: „Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst” (Apg 22,16).
  • In der Taufe verkündigen wir den Tod Jesu. “Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und sind daher auch mit ihm begraben worden.” (Röm 6,4). Es ist also eine Art Identifikation mit dem gekreuzigten Christus. Praktisch bedeutet es, den früheren sündigen Lebensstil aufzugeben. Die Aussage: „Wir sind Sünder und bleiben Sünder“ passt nicht zu diesem neuen Lebensstand. Denn womit man sich identifiziert, das tut man letztlich auch.
  • Sie ist ein Sinnbild für das Auferstehen mit Christus zu einem neuen Leben. Paulus schreibt: „Weil nun aber Christus durch die unvergleichlich herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, ist auch unser Leben neu geworden, und das bedeutet: Wir sollen jetzt ein neues Leben führen” (Röm 6,4).
  • In der Taufe bestätigen wir die Entscheidung, Jesus ganz praktisch nachzufolgen. Lukas schreibt von Lydia in Philippi: „Nachdem sie sich dann mit allen, die in ihrem Haus lebten, hatte taufen lassen, lud sie uns zu sich ein. »Wenn ihr überzeugt seid, dass ich jetzt eine Christin bin und an den Herrn glaube«, sagte sie, »dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste!« Sie drängte uns so, dass wir einwilligten” (Apg 16,15). Gute Werke, Taten der Liebe und Barmherzigkeit sind nicht Voraussetzung, sondern dankbare Folge des neuen Lebens in und durch Christus.
  • Die Taufe ist nicht nur ein klares Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Jesus, sondern auch ein Zeichen der Aufnahme in die Familie Gottes. Die Taufformel: „Auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ macht es deutlich (Mt 28,19). Die Zugehörigkeit zur Familie Gottes gibt nun auch das Recht, Kinder Gottes zu heißen (1Joh 3,1-2).
  • Durch die Taufe wird auch die Zuordnung zur lokalen Gemeinde sichtbar gemacht. „Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um etwa dreitausend Personen“ (Apg 2,41).

5.   Missverständnisse und Barrieren in Bezug auf die Taufe

Aus Angst, die kleinen Kinder könnten verloren gehen (wegen dem sogenannten Erbsünde-Verständnis des Augustinus), begann man in der christlichen Kirche der Spätantike, auch Säuglinge und Kleinkinder zu taufen. Doch finden wir im Neuen Testament zur Säuglingstaufe im Gegensatz zur Taufe der Glaubenden keinen eindeutigen Beleg. In den vielen vorliegenden Berichten wird kein einziges Mal ein Kind (direkt) bei der Taufe erwähnt. Wenn es heißt, dass ganze `Häuser` – also ganze Familien – getauft wurden, so heißt dies noch nicht, dass auch die Säuglinge der Familie mitgetauft wurden. Vielmehr wird betont, dass die, „welche das Wort Gottes gerne annahmen” (Apg 2,41) sich taufen ließen. Dies setzt eine bewusste Entscheidung voraus, was einem Säugling noch nicht möglich ist. Erfreulicherweise werden in neuerer Zeit vermehrt Kinder in einem Alter getauft, in dem sich das betreffende Kind schon bewusst entscheiden kann, an Jesus zu glauben und ihm nachzufolgen.

Wer als Kind getauft wurde, hat oft die Befürchtung, dass durch eine erneute bzw. bewusste Taufe die Kindertaufe außer Kraft gesetzt würde. Begründet wird das mit der Aussage von Paulus im Epheserbrief Kapitel 4,4: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, ein Gott und Vater“. Tatsächlich gibt es viele, die “Götter” genannt werden, doch nur einer ist der wahre Gott. Auch gibt es viele Arten von Glauben, doch nur der eine Glaube an Jesus Christus ist der rettende und wahre Glaube. Entsprechend gibt es verschiedene Taufen, doch nur die eine ist die richtige und wahre: die Glaubenstaufe. So wurde ab Pfingsten die Taufe des Johannes nicht mehr anerkannt (Apg 2,38; 19,1ff), sondern nur noch die Taufe auf den Namen Jesu, welcher der Glaube an Jesus Christus vorausging. Obwohl es sich bei der Johannestaufe um eine Erwachsenentaufe handelte, ließen sich diese Personen auf den Namen Jesu taufen (Apg 19,1-5).

Ein weiteres Missverständnis liegt vor, indem die Segnung der Kleinkinder durch Jesus als Begründung für die Säuglingstaufe herangezogen wird. So schreibt Markus: „Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“ (Mk 10,13-16). Die Wendungen “solchen“ und „wie ein Kind“, lassen auf die Haltung eines Menschen schließen. Ansonsten wären ja die Erwachsenen automatisch aus dem Reich Gottes ausgeschlossen. Dazu ist hier nichts von einer Taufe oder Besprengung die Rede. Daher ist diese Handlung von Jesus nicht stichhaltig als Begründung für eine Säuglingstaufe.

Es kam vor, dass erwachsene Menschen ohne echte Umkehr getauft wurden (Apg 8,20ff). Petrus fordert in Samarien den Magier Simon zur Umkehr auf. Ohne echte Buße (Sinnesänderung) ist die Taufe (auch für erwachsene Menschen) nicht nur sinnlos und zwecklos, sondern bildet ein Hindernis beim Wachstum im Glauben.

6.  Wo wurde getauft?

In den ersten zwei Jahrhunderten wurden die Christen in Flüssen, Teichen, Bade-Bassins oder im Meer getauft. Zu Beginn des 4. Jh. jedoch begann man Kirchen zu errichten oder römische Basiliken in Kirchengebäude umzuwandeln. Dabei baute man in den meisten Fällen kreuzförmige, oft mit Mosaiken verzierte oder mit Marmorplatten ausgelegte Taufbecken in Neben- bzw. Vorräume, die dann auch `baptisterion` genannt wurden. Dort wurden Menschen, die an Christus gläubig geworden waren, getauft und in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

Abbildung 6 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der Epiphania Kirche in Salamis auf Zypern, etwa 6 km nördlich der heutigen Hafenstadt Famagusta. Sie stammt aus dem 5. Jahrhundert. Die Ruinen der antiken Kirche liegen etwa 300 Meter nordwestlich der alten Hafenmole (Foto am 11. März 2008). Auf dem Ausgrabungsgelände von Salamis ist noch die größere Kirche `Kampanopetra` aus dem 5/6. Jahrhundert ausgegraben worden. Sie liegt weiter nördlich, direkt am Ufer der gleichnamigen Bucht. Diese Kirchenreste geben Zeugnis davon, dass die Predigt des Paulus und Barnabas (Apg 13,3-5) geistliche Frucht hervorbrachte.

Es fällt auf, dass diese Taufräume zweckmäßig und in der Regel außerhalb des Kircheninneren errichtet wurden. Es gab den Auskleide-Raum, dann den Raum mit dem eigentlichen Taufbecken (meist in Kreuzform); von dort gelangte der Getaufte in einen Raum, wo er mit Öl gesalbt und neu eingekleidet wurde. Erst danach betrat er das Innere der Kirche. Somit lassen sich auch in der Architektur bestimmte theologische Erkenntnisse der damaligen Epoche ablesen.

Abbildung 7 Ein sehr gut erhaltenes kreuzförmiges Taufbecken in der Marienkirche in Ephesus (Westtürkei). Die Ruinen der Kirche liegen in der Nähe der ehemaligen römischen Thermen und des alten Hafens. Die große Kirche stammt aus dem 5. Jahrhundert und ist auch bekannt wegen des Konzils aus dem Jahre 431 (Foto am 6. März 2008).

Abbildung 8 Das Taufbecken in der Bischofskirche in Stobi (Nähe der heutigen Stadt Veles in Makedonien)aus dem 4. Jh. ist außerordentlich gut erhalten und zählt mit seinen bunten Verkleidungen sowie seiner Form zu den schönsten Taufbecken aus der Antike. Auf dem gepflegten Ausgrabungsgelände ist eine weitere Kirche mit einem Taufbecken entdeckt und ausgegraben worden (Foto am 8. September 2009).

Obwohl das Ausgrabungsgelände an der Hauptstraße Thessaloniki – Skopje liegt und gut einsehbar ist, wird es nur von wenigen Besuchern aufgesucht.

Abbildung 9 Ein kreuzförmiges Taufbecken in der so genannten `Kleinen Basilika` in Plovdiv (Bulgarien). Diese christliche Basilika aus dem späten 5. Jahrhundert wurde bei Bauarbeiten in der Innenstadt im Jahre 1988 entdeckt und in den letzten Jahren ausgegraben und restauriert (Foto am 29. Mai 2016).

In der Spätantike und im Mittelalter setzte sich dann nach und nach die Kindertaufe durch (in der Westkirche durch Besprengen), daher sucht man oft vergeblich in den Kirchen aus jener Epoche ein richtiges tiefes Taufbecken.

In Teilen der Ostkirche ist bis heute die Taufe Erwachsener und Kinder (oft mit dreimaligem Untertauchen) in einem Fluss oder Bassin die übliche Taufform.

In vielen Gemeinden unserer Stadt werden heute Menschen, die eine bewusste Umkehr zu Gott und den Glauben an Jesus Christus bezeugen, in der Sommerzeit in den Fluss Nagold und in den kälteren Jahreszeiten in einem Bassin oder Taufbecken getauft.

7.  Schlussfolgerung

Daher wollen wir nichts anderes praktizieren als das, was die Apostel des Herrn auf seinen Befehl hin auch taten, indem sie die Gläubigen an Jesus Christus im Wasser auf den Namen Jesu tauften. Verständliche Erklärung über den Sinn und Zweck der Wassertaufe sollte schon in den evangelistischen Predigten erfolgen. Auch in Seelsorgegesprächen, bei denen es um Bekehrung zu Gott und den Glauben an Jesus Christus geht, ist der deutliche Hinweis auf die Taufe wichtig und sinnvoll.

Deshalb solltest du diesen Schritt in vollem Bewusstsein und der Überzeugung tun, dass Jesus Christus dir deine Sünden vergeben hat und du bereit bist, Ihm von ganzem Herzen nachzufolgen.

Abbildung 10 Die Taufstelle an der Nagold in Pforzheim-Dillweißenstein (Foto am 31. Juli 2007).

Ausgearbeitet von Paul Schüle

Aktualisiert am 3. Juni 2025

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Der Teufel und die Hölle

Diese Bibelstudie erhebt keineswegs den Anspruch einer vollständigen Lehre über den Satan, und seiner Dämonen. Trotzdem kann sie als Basis gelten für ein allgemeines Verständnis des Themenkomplexes über den Ursprung, sein Wirken und sein Ende mit samt denen, die ihm folgen.

Einleitung

Das Thema Teufel und Hölle stehen in engem Zusammenhang miteinander. Denn ohne den Teufel gäbe es auch keine Hölle. Daher sprechen wir über die Hölle erst im zweiten Teil dieser Bibelstudie. Dass heute viele Menschen die Existenz des Teufels leugnen, stört ihn keineswegs. Andererseits tut es auch keinerlei Abbruch der Tatsache für seine Existenz, da es an den Folgeerscheinungen seines Wirkens nicht mangelt. Doch die wichtigste Begründung für seine Existenz, sein boshaftes Wirken sowie sein Ende wird uns in den Heiligen Schriften beschrieben. Die Zeitgenossen von Jesus im Judentum zweifelten nicht an der Existenz des Teufels, den sie Beelzebul nannten, wenn auch ihre Vorstellung von seinem Wirken und die Zuordnung falsch war und von Jesus korrigiert wurde (Mk 3,22; Mt 10,25; 12,24; Lk 11,14-19). Um den vielen Fragen zu diesem Themenkomplex nachzugehen, wenden wir uns an Jesus. Denn wenn es jemand gibt, der Bescheid weiß, dann ist er es als ewiger Sohn Gottes, durch den alles geschaffen wurde (Joh 1,1-3; Kol 1,15-17). Und er gibt seinen Jüngern Einblick in den Ursprung des Satans, seinen Sturz, sein wirken so wie seine Entmachtung und Verdammnis mit samt seiner Gefolgschaft.

1. Teil: Die Realität der Existenz des Teufels, sein Wirken und Verdammnis im Feuersee

1.1 Das Ende des Teufels und seiner Gefolgschaft

Wir beginnen unsere Beobachtung vom Ende her. Dazu gibt Jesus in seinen Endzeitreden folgenden Einblick: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (Mt 25,41). Damit macht Jesus klar, dass für den Teufel und seine Engel der Ort (oder Zustand) bereits feststeht. Und alle, die unter das Verdammungsurteil Jesu fallen, ebenfalls in das ewige Feuer weggeschickt werden. Das ewige Feuer in Mt 25,41 und der Feuersee in Offb 20,10 sind identisch wie die Inhalte beider Verse deutlich machen. Doch nähere Details über diesen Ort oder Zustand im zweiten Teil dieser Studie.

Dann begründet er sein Urteil über die, welche ihrer Bestimmung nicht nachgekommen sind mit den Worten: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“ (Mt 25,42-46). Der künftige Verbleib des Teufels, seiner Engel und der Ungerechten Steht im offensichtlichen Kontrast zum Verbleib der Gerechten, denen Jesus sagen wird: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Mt 25,34).

Das Strafurteil gilt jedoch denen, welche die ihnen gebotenen Gelegenheiten versäumt haben zu nutzen. Über den Schalksknecht, der sein Talent vergraben hatte spricht Jesus: „Aber den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“ (Mt 25,30). Es geht um Menschen, welche ihrer Bestimmung nicht nachgekommen sind indem sie ihre von Gott gewährten Gaben und Möglichkeiten vergruben, anstatt sie einzusetzen. Damit haben sie sich selber disqualifiziert aus der Gemeinschaft mit Gott. (Mt 25,24-30). Es erstaunt, wie Jesus sachlich über den Verbleib und Zustand dieser Menschen spricht.

1.2 Der Ursprung des Satans und seiner Engel sowie sein Sturz

Jesus weiß nicht nur das Ende vom Teufel, er kennt auch dessen Anfänge sowie den Verlauf seines Wirkens. Und so lautet die Charakteristik über den Urheber alles Bösen: „Der ist ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Joh 8,44). Damit nimmt Jesus Bezug auf die Versuchung von Eva und Adam durch die Schlange, sowie den Tod als Folge der Übertretung (1Mose 3). Allein im Neuen Testament erwähnen Jesus und die Apostel etwa 40 Mal den Teufel / Satan und geben Einblick in das was er ist und tut. Doch der Satan ist nicht allein, ihm folgten eine große Anzahl von Engeln. Von diesen heißt es in Judas 1,6: „Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter (in) Dunkelheit verwahrt.“ Die Initiative ging von ihnen selbst aus. Sie wurden gebunden und damit in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Unter oder in „ewigen Fesseln der Dunkelheit verwahrt“ ist die Unumkehrbarkeit in das Reich des Lichtes hervorgehoben. Das Verlassen der von Gott zugewiesenen Stellung scheint Folge der Verführung durch Satan zu sein. Doch sie verließen ihre Stellung in dem Wissen um Gottes Willen. Auch der Apostel Petrus hat zu diesem Thema eine wichtige und ergänzende Aussage gemacht. So schreibt er in seinem zweiten Brief: „Denn wenn Gott Engel, die gesündigt hatten, nicht verschonte, sondern sie in dunklen Höhlen des Abgrundes gehalten und zur Aufbewahrung für das Gericht überliefert hat (…)“ (2Petr 2,4). Für Abgrund steht im Griechischen die Bezeichnung `tartaros` und dies war in der Vorstellung der Griechen der unterste Ort der Verbannung. Nach den Aussagen des Judas  und Petrus ist dieser Verbannungsort vorübergehend bis zum Gericht. Erst danach wird er mit samt seinen Engeln in den Feuersee geworfen, wie es in den Texten von Mt 25,41 und Offb 20,10 beschrieben wird. Wahrscheinlich stützten Petrus und Judas ihre Aussagen auf die Worte von Jesus aus Lukas 10,18: „Ich sah den Satanas vom Himmel fallen wie einen Blitz“. Auch wenn Jesus hier nur vom Satan spricht, wurden laut Kontext durch die siebzig viele Dämonen ausgetrieben, welche alle zu seinem Gefolge gehörten (Lk 10,18-20; ähnlich auch in 11,14-19). Sicher zu sein scheint, dass der Urteilsspruch über diese Engel bereits gefällt wurde, doch der Gerichtsvollzug über sie steht noch aus, wie auch die ängstliche Frage der Dämonen erahnen lässt, was auf sie noch zukommt (Mt 8,29).

Anmerkung: die Beschreibung des Sturzes des Königs von Tyrus in Hesekiel 28,12-19 scheint auch einen Einblick zu geben über den ursprünglichen Zustand des Satans und seinen Fall. Er ist sozusagen in den Text hineingewoben: „Du Menschenkind, stimm ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott der HERR: Du warst ein vollendet gestaltetes Siegel, voller Weisheit und über die Maßen schön. 13 In Eden warst du, im Garten Gottes, geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd. Von Gold war die Arbeit deiner Ohrringe und des Perlenschmucks, den du trugst; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. 14 Du warst ein glänzender, schirmender Cherub und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt; ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine. 15 Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde. 16 Durch deinen großen Handel wurdest du voll von Gewalttat und hast dich versündigt. Da verstieß ich dich vom Berge Gottes und tilgte dich, du schirmender Cherub, hinweg aus der Mitte der feurigen Steine. 17 Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt und ein Schauspiel aus dir gemacht vor den Königen. 18 Weil du mit deiner großen Missetat durch unrechten Handel dein Heiligtum entweiht hast, darum habe ich ein Feuer aus dir hervorbrechen lassen, das dich verzehrte und dich zu Asche gemacht hat auf der Erde vor aller Augen. 19 Alle, die dich kannten unter den Völkern, haben sich über dich entsetzt, dass du zum Schrecken geworden bist und es aus ist mit dir für immer.“

Es ist bekannt, dass Die Deutung dieses Textes über den König von Tyrus auf den Satan unter den Auslegern umstritten ist und so manche Frage aufwirft. Doch welcher Mensch wurde jemals „du schirmender Cherub“ genannt? Auch die Aussage in Vers 15: „Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde.“ Kann in keinem Fall auf den König von Tyrus zutreffen, denn er war keineswegs sündlos vom Tag seiner Erschaffung. Solcher Art ineinander verwobener Vergleich ist kein Einzelfall in der Bibel. Dazu gibt es auch im positiven Bereich irdische Abbilder von himmlischen Realitäten (2Mose 4,22: „Israel ist mein erstgeborener Sohn“ im Vergleich mit Ps 2,6-7; Kol 1,15 und Hebr 1,6).

Die bis dahin erforschten Texte sprechen von einem Fall Satans und seiner Engel, der sich in der Zeit vor dem Sündenfall zugetragen haben musste.

Anmerkung: Der Satan und seine Engel hatten eine einmalige Chance sich zu entscheiden ohne Umkehrmöglichkeit, dies gilt auch für Tyrus, welches nie wieder aufgebaut werden wird (Hes 26). Auch Adam und Eva wurden nur einmal vor eine Entscheidung gestellt, allerdings  mit der Möglichkeit zur Umkehr. Und dies gilt nun für alle Menschen, wenn sie in ihrer Lebenszeit zu Gott umkehren (Joh 3,16-19).

1.3 Der Satan im Bild eines feurigen Drachen

Obwohl der Satan seine hohe Stellung verlassen hatte und samt seinen Engeln aus dem Licht Gottes in die Finsternis verstoßen wurde, blieb er aktiv, nun aber auch gegen den Menschen (1Mose 3,1ff; 4,1ff; 6,1ff; Hiob 1-2 und in der gesamten Zeit von Abraham bis Christus). Am Ende des 1. Jahrhunderts gibt Jesus durch eine bildhafte Darstellung wichtige Informationen über den Teufel an Johannes weiter. „Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort, und er warf sie auf die Erde.“ (Offb 12,3-4).

Abbildung: Ein weiteres Zeichen erscheint im Himmel – ein großer feurige Drache mit sieben Köpfen gekrönt mit sieben Diademen. Die zehn Hörner waren laut Text auf den sieben Köpfen, doch aus Gründen der Platzierung sind sie auf der Zeichnung hinter den Köpfen angebracht. Mit seinem großen Schwanz zog er den dritten Teil der Sterne mit sich und warf sie auf die Erde. (Zeichnung von Joela Schüle Dez. 2022).

Ein ganz anderes Zeichen erscheint im Himmel, es ist ein feuriges Ungeheuer mit einem (großen) Schwanz. Die Bezeichnung `Drache, gr. drakön – Ungeheuer`, kommt in der Bibel mehr als 20 Mal vor. Ursprünglich bezog sich diese Bezeichnung auf große Land- und Meeresungeheuer. Hiob aus dem Lande Uz kannte diese riesengroßen Geschöpfe (Hiob 40). Und in Ps 74,13 wird in einer etwas rätselhaften Beschreibung vorausgesagt: „Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.“ Die Bezeichnung Drache wird auch auf bestimmte grausame Herrscher bezogen. In Hesekiel 29,3 sagt der Herr: „Rede und sprich: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großer Drache, der in seinem Strom liegt und spricht: »Der Nil ist mein und ich habe ihn mir gemacht (…).« (dazu auch Hes 32,2). Und Israel klagt: „Nebukadnezar, der König von Babel, hat mich gefressen und umgebracht, er hat aus mir ein leeres Gefäß gemacht. Er hat mich verschlungen wie ein Drache, er hat seinen Bauch gefüllt mit meinen Kostbarkeiten; er hat mich vertrieben.“ (Jer 51,34). Es ist keineswegs zufällig, dass gerade diese beiden Herrscher (die Könige von Ägypten und Babel als Erzfeinde des Volkes Israel) mit dem Drachen verglichen werden. Schon früh wird der Drache als Sinnbild des Bösen verwendet. So in 5Mose 32,33: „ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern.“ (vgl. auch 1Mose 3,1ff). Der Kampf gegen den Drachen, die Schlange begann seit Urzeiten im himmlischen Bereich (Offb 12,7ff) und er setzte sich fort in der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens so wie in der Befreiung des Volkes Gottes aus der Gefangenschaft in Babylon. Und der Sieg über ihn ist vorausgesagt (1Mose 3,15; 2Mose 4-15). Und in Psalm 91,13 wird verheißen: „Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.“ Wer sich zu Gott hält, bleibt bewahrt und unbeschadet (vgl. Lk 10,18-20).

In den Evangelien und den Briefen der Apostel kommt die Bezeichnung `Drache` nicht vor. Dort wird der Drache, die alte Schlange, direkt mit Teufel-Durcheinanderbringer und Satan-Gegner benannt (Mt 4,1-11; Lk 4,1-13; 10,18). Oder auch „Der Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30; 16,11; „Der Gott dieser Welt“ 2Kor 4,4). Als Gottes Widersacher und Angreifer der Gläubigen wird er auch mit einem brüllenden Löwen verglichen (1Petr 5,8).  Er wird ebenso als Ankläger der Gläubigen (gr. Kategoros) bezeichnet (Offb 12,10).

 Erst wieder im Buch der Offenbarung wird an die Bildersprache des AT angeknüpft (Offb 12,3.6.7.17; 13,2-4; 16,13; 20,2).

Die Darstellung mit sieben Köpfen und zehn Hörnern ist eine Anmaßung der Macht und Kraft (Dan 7,6-8). Die Zahlen sieben und zehn weisen eigentlich auf Vollkommenheit und Vollständigkeit hin. Aber auch die sieben Diademe (königliche Insignien) auf seinen sieben Köpfen trägt er zur Schau. Er maßt sich etwas an, was er angestrebt hatte, aber nicht erreichen konnte. Im himmlischen Bereich trägt (außer dem Sohn Gottes) niemand Diademe (Offb 19,12).

Anmerkung: Im biblischen Kontext zeigt sich der Teufel selbst nicht als Drache, sondern eher als ein Engel des Lichts (2Kor 11,14-15). Doch Christus offenbart und entlarvt ihn in bildhaftem Zeichen als solchen, wie er nicht ist, sondern was er sich anmaßt zu sein.

Und er hatte in seiner Stellung großen Einfluss und riss mit seinem Schwanz den dritten Teil der Sterne des Himmels mit sich und warf sie auf die Erde. Im Buch Hiob wird der Schwanz von solch einem Ungeheuer mit einem Zedernbaum verglichen (Hiob 40,17). Im biblischen Kontext steht `Schwanz` im übertragenen Sinne für Verführung durch falsche Propheten (Jes 9,13-15; Offb 9,10.19).    

Die Aussage im Text der Offenbarung birgt in sich auch, dass die Initiative zunächst vom Satan ausgegangen war und (durch Verführung) viele von den Engeln ihm folgten und somit unter seine Gewaltherrschaft gelangten. So wäre es zu verstehen, dass er mit seinem großen Schwanz den dritten Teil der Sterne (Engel) mit sich riss und auf die Erde warf.

Die vielen Befreiungen von Dämonen durch Jesus belegen, dass jene gefallenen Engel in der Welt wirksam waren.

Dies führt uns zu einer weiteren Frage.

1.4 Wie viel Macht blieb dem Teufel nach seinem Fall?

Diese Frage stellt sich wegen der Zunahme der Ungerechtigkeit in der Welt. Nach dem Äußeren zu urteilen, sieht es aus, als ob er an Macht zugenommen hätte (1Mose 3,1ff; Hiob 1-2; Sach 3,1ff; Lk 4,1-13; 22,30-31; 22,53: „Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.“ (Dazu auch Ps 2,1ff und Apg 4,25-29).

Wenn wir jedoch daraufhin die biblischen Aussagen aufmerksam lesen, kommen wir zu einem anderen Schluss. Denn Jesus hat den Satan besiegt, wie bereits in 1Mose 3,15 über den Nachkommen der Frau vorausgesagt wurde (dazu auch Mt 12,29; Mk 3,27). In der Tat ist Jesus als der Stärkere in den Bereich des Starken eingebrochen. Paulus zitiert die messianische Verheißung aus Psalm 68,19 und bezieht diese auf die Erniedrigung und Erhöhung von Christus sowie seinen gewaltigen Eingriff in das Reich des Feindes: „Darum heißt es: »Er ist aufgefahren zur Höhe, hat gefangengeführt die Gefangenschaft und den Menschen Gaben gegeben. Dass er aber hinaufgefahren ist, was ist das anders, als dass er auch hinabgefahren ist in die unteren Örter der Erde.“ (Eph 4,8-9; Phil 2,6-11). Jesus hat die Gefangenschaft – das Gesetz der Sünde und des Todes gefangen geführt, erobert (Röm 7,23-25; 8,2-3). Und in Hebr 2,14 wird erklärt, wodurch es möglich wurde: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.“ Und in Kol 2,15 schreibt der Apostel: „Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.“ Und diese Entmachtung des Satans und seines Gefolges (ähnlich wie bei einem Triumphzug) kann mit der Bindung des Drachen aus Offb 20,1-3 in Verbindung gebracht werden. Doch um das Geschehen mit der Bindung des Drachen (Teufel und Satan der alten Schlange) noch besser zu verstehen, müssen wir ein wenig zurückblenden.

1.5 Der Hinauswurf Satans samt seiner Gefolgschaft aus dem himmlischen Bereich

Erinnern wir uns noch daran, dass dieser Drache von dem Erzengel Michael aus dem himmlischen Bereich mit samt seinen Engeln hinaus und auf diese Erde hinabgeworfen wurde (Offb 12,7-9). Dies geschah im Zusammenhang mit dem Werk der Erlösung Christi und seiner Erhöhung zum Thron Gottes (Joh 12,29-31; Offb 12,5; Phil 2,6-11). Es erstaunt schon, dass Gott ihm noch so lange den Verbleib oder Zugang in seinen Bereich gestattete. Es bedurfte wohl zuerst der juristischen Grundlage durch den Sieg Jesu, um ihn rechtskräftig zu verurteilen (Joh 16,11). Ab dem Sieg Jesu wäre es jedoch nicht nachvollziehbar, wenn Gott ihn noch länger einfach so weiter machen ließe wie vorher. Und noch weniger nachvollziehbar wäre die Vorstellung, dass der Drache auf die Erde hinabgeworfen, noch mehr Macht ausüben könnte als vorher, als er noch Zugang hatte zu dem himmlischen Bereich (siehe die Hiobsgeschichte in Kapitel 1-2). Nun aber wird er noch mehr in seinem Wirken eingeschränkt, denn ihm wird bewusst, dass er wenig Zeit gr. (kairos) hat (Offb 12,11). 

Der Teufel verlor weiter an Macht nachdem Jesus gesiegt hatte: Kol 2,13-15; 1Petr 5,8; Jak 4,7; 2Kor 10,4-5; Eph 6,12; Röm 16,20. Darum fürchte dich nicht vor dem, der bereits samt seinen Dämonen besiegt wurde, der gerichtet ist und seinem Verderben entgegen geht (Joh 16,33; 1Joh 2,13-14; 5,4). Seine Verdammnis ist gewiss, doch erst nachdem er am Ende der Zeit alle feindlichen Mächte unter seiner Führung vereinigen wird, um gegen das Heerlager der Heiligen und der geliebten Stadt vorzugehen (Offb 16,12-14; 20,7-9). Doch diesen Kampf verliert er und wird in den Feuersee geworfen und zwar mit samt seinen Engeln (Offb 20,10; Mt 25,41). Nun ist es an der Zeit, um an die Texte über die Hölle nachzudenken, denn besonders in den letzten Jahrzehnten entwickelten sich unter den Theologen darüber verschiedene Sichtweisen.

2. Teil: Hölle – Fiction oder Realität?

Der in der deutschen Sprache verwendete Begriff `Hölle`, was ursprünglich den Sinn `verborgener Ort` hatte, ist allgemein und pauschal. Im Hebräischen  und auch im Griechischen gibt es hauptsächlich zwei ganz unterschiedliche Begriffe und einige Umschreibungen, die verschiedene Aspekte oder gar Abstufungen der `Hölle` beschreiben.

2.1 Der Begriff Hadesch

Der griechische Begriff `o ad¢s – Hadesch` ist im Neuen Testament durchweg als negativer Ort (oder Zustand) in dem die Ungerechten nach ihrem Tod bis zum Gericht aufbewahrt werden (Mt 11,23: „bis in den Hadesch wirst du hinuntergestoßen“ so auch in Lk 10,15; Mt 16,18: „die Tore des Hadesch werden die Gemeinde nicht überwältigen“; Lk 16,23: „als er sich im Hadesch befand“; Offb 1,18: „Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hadesch“ Offb 6,8 und 20,13.14: Tod und Hadesch in negativer Kombination. Im hebräischen gibt es eine Entsprechung durch den Begriff `scheol`. Damit wird der Ort der Verstorbenen beschrieben, welche sich gegen Gott aufgelehnt hatten (4Mose 16,33; Spr 1,12; 7,27; Jes 5,14; 14,11-15; 28,15.18). Nach den Worten von Jesus ist Hadesch ein Herrschaftsbereich der Finsternis (Mt 16,18).

  • Hadesch ist der krasse Gegensatz zu dem bildhaften Abrahams Schoß, wohin Lazarus von den Engeln hingebracht wurde (Lk 16,22). Nach den erklärenden Worten von Jesus befindet sich Abraham bei Gott (Lk 20,38: „Gott ist nicht der Toten Gott, sondern der Lebenden, denn ihm leben sie alle“).
  • Hadesch ist als Zustand (und Ort) unüberbrückbar zu dem Bereich, in dem sich Abraham und Lazarus befanden (Lk 16,26). Damit ist auch die verbreitete Irrlehre vom Aufenthalt im Fegefeuer hinfällig. Hier sollten die Infos genau betrachtet werden, welche Jesus gibt als er über den reichen Mann und den armen Lazarus spricht (Lk 16,19ff).
  • Hadesch ist auch der Gegensatz zu Paradies (Lk23,43). Jesus war im Tod, aber war er auch im Hades / Scheol? Ist es nicht in Psalm 16,10 (Apg 2,27-31) durch den Begriff `Scheol – Scheol` angedeutet? Und sagte Jesus nicht auch in Mt 12,40, dass „der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein wird“? Sein Körper wurde in eine Felsenhöhle gelegt, doch seinen Geist befahl er in die Hände des Vaters. Dem reumütigen Übeltäter sagte er: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Und Paradies ist nicht unten, sondern oben in Gottes Welt (2Kor 12,4; Offb 2,7). Nachdem Jesus in seinem letzten Ausruf seinen Geist in die Hände seines Vaters übergeben hatte, trat sein physischer Tod ein. Sein Leichnam wurde in eine Felsenhöhle gelegt, aus der er am dritten Tag auferstanden ist. Darin sieht Petrus die Erfüllung der Prophetie aus Ps 16,10 im Vergleich mit Apg 2,27-32: „hat er vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Reich des Todes überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen.“ Jesus war zwar Tod, aber nicht unter der Herrschaft des Todes (Totenreichs-Hadesch-Scheol.

Anmerkung: Es ist also müßig darüber zu spekulieren, ob er in dieser Zeit den Toten (Geistern im Gefängnis) das Evangelium gepredigt hätte, wie manchmal der Text  in 1Petr 3,19 ausgelegt wird. Den Sieg über den Tod und das Totenreich errang er ja erst mit seiner Auferstehung (Offb 1,18). Da der Hadesch am Ende in den Feuersee geworfen wird, kann er als vorläufiger Bereich für die Seelen und Geister der physisch verstorbenen Ungerechten bis zu deren Auferstehung und dem sich anschließenden Gericht angesehen werden (Offb 20,12-15). Jesus wird alle aus dem Tod herausrufen: Die Glaubenden im Paradies mit einem unvergänglichen Körper versehen, die noch Lebenden Gläubigen verwandeln (1Thes 4,13ff). Und die Ungerechten aus dem Hadesch für das Gericht auferstehen lassen (Joh 5,27-29; Offb 20,12-15; 11,18; Mt 13,36-43).

2.2 Der Begriff Gehenna

Der griechische Begriff `geenna – Gehenna` ist eine Übertragung des Hebräischen `Ben-Hinnom`. Es handelt sich um ein Tal, welches sich südlich von Jerusalem in Richtung Kidrontal erstreckte. Dort befand sich eine Kultstätte genannt Tofet. In kaananitischer Zeit wurden dort Kinder dem Moloch geopfert und verbrannt (Jos 18,16). Auch einige israelitische Könige pflegten jenen gräulichen heidnischen Brauch (2Chr 28,3; 33,6).

Und in Jeremia 7,31-32 heißt es: „und haben die Höhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist.32 Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man’s nicht mehr nennen wird »Tofet« und »Tal Ben-Hinnom«, sondern »Würgetal«. Und man wird im Tofet begraben müssen, weil sonst kein Raum mehr sein wird.“ Diese Ankündigung wird präzisiert mit den Worten: “und zu ihnen sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, dass es nicht wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt zerbrechen. Und man wird im Tofet begraben, weil sonst kein Raum dafür da sein wird. 12 So will ich’s mit dieser Stätte und ihren Bewohnern machen, spricht der HERR, dass diese Stadt wie das Tofet werden soll. 13 Und die Häuser Jerusalems und die Häuser der Könige von Juda sollen ebenso unrein werden wie die Stätte Tofet, alle Häuser, wo sie auf den Dächern dem ganzen Heer des Himmels geopfert und andern Göttern Trankopfer dargebracht haben.“ (Jer 19,11-13). Womit sich Israel im Tal Ben-Hinnom versündigt hatte, mussten sie bei der Zerstörung Jerusalems auskosten. Sie haben unschuldiges Blut von Kindern vergossen um Götzen zu besänftigen, anstatt ihre Kinder Gott zu weihen. Ihre Stadt wurde von den Babyloniern erobert, geplündert, verbrannt samt dem Tempel und ein Großteil der Bevölkerung starb durch Hunger, Pest und das Schwert. Der Ort Tofet im Tal Ben-Hinnom wurde mit Leichen gefüllt und somit wurde diese heidnische Kultstätte verunreinigt. Daher sollte es nun Würgetal genannt werden (Jer 7,32). Später wurde dieser Ort als Müllhalde benutzt.

2.3 Was meint Jesus mit ewiges Verderben?

Eine Frage lautet: Werden die Ungläubigen Menschen nach dem gerechten Urteil (Verurteilung), in einen Ort der immer andauernden Qual verbannt oder nach dem gerechten Strafmaß, welches sehr individuell ausfallen wird, vernichtet werden, also in eine Art Nichtexistent , ausgelöscht?

Jene Stelle, wo das Feuer immer wieder loderte, wird von Jesus genutzt, um den Ort und Zustand derer zu beschreiben, welche sich den Verführungen des Fleisches nicht zur Wehr setzen (Mt 5,22.29.30; 10,28; 18,9; 23,15.33; Mk 9,43.45.47-48; Lk 12,5; Jak 3,6). Es liegt nahe, dass die Umschreibungen `ewiges (oder unauslöschliches) Feuer` oder `Feuersee` denselben Ort meinen. Es wird in folgenden Texten verwendet: Mt 3,12: „Er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird die Spreu vom Weizen trennen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“ Für `unauslöschliches` steht im Griechischen der Begriff `asbest ö`, denn es brennt und verbrennt doch nicht (dazu auch Lk 3,17 und Mk 9,48: „ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt“). Und in Mt 25,41 sagt Jesus: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ Damit macht Jesus deutlich, dass für den Teufel mit seinen Engeln und all der Menschen, welche ihrer von Gott vorgesehenen Berufung nicht nachgekommen sind, derselbe Ort bestimmt ist. In Mt 25,46 ergänzt er: „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe aber die Gerechten in das ewige Leben.“ Für „ewige Strafe“ steht `aiönion kolasin – ewige Strafe oder Verdammnis, Züchtigung`. Und in Offb 14,11 steht: „Und der Rauch von ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild und wer das Zeichen seines Namens annimmt.“ Es klingt ähnlich wie „wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht“ (so auch Offb 20,10: „von Ewigkeit zu Ewigkeit“). Es steht im krassen Gegensatz zu der immerwährenden Ruhe derer, welche Überwunden haben und im Herrn gestorben sind, sowie deren ununterbrochenen Freude danach (Offb 14,14; Mt 25,21).

In 2Thess 1,9 schreibt Paulus: „Die werden Strafe erleiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht.“ Für Verderben steht hier der Begriff `olithros`, es kann auch mit Vernichtung übersetzt werden. Und in 1Thes 5,3 verwendet der Apostel denselben Begriff `olithros`: „Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen.“ In 2Thes 2,8 wird der Begriff ` katarg¢sei` verwendet, was mit Zunichtemachen übersetzt wird. In Offb 11,18 wird der Begriff `diaftheirai` verwendet, der mit Verderben übersetzt wird. Auch Petrus hat zum Gericht und dem anschließenden Verderben der Gottlosen etwas geschrieben: „Und aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten kaufen; denen das Gericht seit Langem schon nicht zögert, und ihr Verderben schlummert nicht. Hier wird Verderben durch `apoleia` wiedergegeben (auch das Tier fährt in das Verderben – apoleianOffb 17,16).

Doch das Maß der Strafe (Vergeltung) im Endgericht wird unterschiedlich ausfallen so Jesus in (Mt 11,20-24; Lk 12,24ff).

Es tut uns gut, unter das Wort Gottes zu stellen und doch mit gewisser Zurückhaltung mit unseren  eigenen Schlussfolgerungen. Es gibt sie die Hölle und sie ist heiß genug, wir brauchen sie nicht mit Details ausmalen, wie es im Laufe der Kirchengeschichte getan wurde.

Diese Ausarbeitung bedarf immer wieder der Aktualisierung. Jede Art von Anmerkungen, Kritik und Ergänzungen sind erwünscht.

Aktualisiert am 7. Februar 2025

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JESUS KOMMT WIEDER

JESUS KOMMT WIEDER

Abbildung 1  Kaum ein anderes Naturphänomen beeindruckt so stark wie der Blitz und der darauf folgende Donner.  Heftiges Gewitter über der Insel Thassos. Der Blitz leuchtet über der Ägäis. Der Mensch zuckt zusammen bei dem ohrenbetäubendem Donnerrollen und die Worte von Jesus kommen in Erinnerung: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“ (Lk 17,24). Foto von Joela Schüle August 2020

Bibelstudie über die Wiederkunft von Jesus in Macht und Herrlichkeit

Vorwort­

Für die Beschäftigung mit diesem Thema können folgende Gründe angeführt werden:

  • Jesus hat oft über sein Wiederkommen gesprochen und die Apostel haben sehr viel darüber geschrieben. Wie viel dringlicher ist diese Thematik heute, weil wir diesem Ereignis zeitlich näher stehen als je zuvor.
  • Die Gläubigen sollten wenigstens wissen, was es im Neuen Testament in Bezug auf die Wiederkunft Jesu eindeutig zu verstehen gibt. Es gibt zwar einige Stellen, über die es unterschiedliche Erkenntnisse gibt. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Bibelarbeit auf die spezifischen, unklaren Stellen einzugehen.
  • Damit die Gläubigen an Christus diese Zeit nutzen, um bei der Wiederkunft Jesu in einem guten, geistlichen Stand angetroffen zu werden.
  • Für die, welche an Christus noch nicht glauben, damit sie ihre Beziehung zu Gott rechtzeitig ordnen.
  • Nicht zuletzt auch aus emotionalen Empfindungen, damit ist gemeint die Vorfreude und die Sehnsucht, Jesus zu sehen und mit ihm als unserem Retter und Erlöser die Ewigkeit zu verbringen.

Einleitung

Jesus sprach sehr viel über die Tatsache sowie die Begleitumstände seines Wiederkommens. Dabei machte er oft direkte Aussagen, oder er beschrieb verschiedene Aspekte seines Kommens in Gleichnissen und Bildern. Die vier Evangelien sind eine wahre Fundgrube zur Erschließung dieses großen Themas. Auch in allen übrigen neutestamentlichen Schriften wird“ dieses Thema aufgegriffen und detailliert behandelt. Jesus versprach wiederzukommen. Am Vorabend seines Leidens sagte Jesus zu seinen Jüngern:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe euch die Stätte zu bereiten, so komme ich wieder, um euch zu mir zu nehmen, damit ihr seid, wo auch ich bin. (Joh 14,1-3).

Folgende Aspekte werden hier betont:

  • Im Hause Gottes gibt es viel Platz zum wohnen (bleiben). (Hebr 11,16:“ „denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet„).
  • Obwohl es im Vaterhaus genug Wohnraum gibt, geht Jesus hin um die Stätte für seine Jünger vorzubereiten, was er damit meinte ist nicht eindeutig zu verstehen.

Er kommt wieder und holt die Seinen zu sich (Joh 17,24: damit sie seine Herrlichkeit sehen).

1. Ein erster Überblick über die Ereignisse bis zum Ende der Weltzeit

In diesem Abschnitt gehen wir insbesondere auf die Texte der vier Evangelien ein, denn diese Aussagen stammen alle aus dem Munde von Jesus.

1.1 Faszination Tempel

In den Jahren 520-516 v.Chr. wurde unter der Leitung von Serubbabel, dem Statthalter von Judäa und Jeschua, dem Hohenpriester, der nachexilische Tempel aufgebaut. Unterstützt wurden sie durch die Propheten des Herrn Sacharia und Haggai.

Abbildung 2 Modell des so genannten Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holy Land Hotels in Jerusalem (Foto: April 1986).

Herodes der Große (37-1 v.Chr.) erweiterte diesen Tempel und baute ihn prachtvoll aus. Daher wird er auch als Herodianischer Tempel bezeichnet. Laut Aussage der Pharisäer wurde daran seit 46 Jahren gebaut (Joh 2,20). Er zählte zu den prachtvollsten Tempeln jener Zeit. Seit seinem zwölften Lebensjahr war Jesus mit diesem Tempel vertraut (Lk 2,47). Noch während der Passionswoche des Jahres 33, nachdem Jesus alle seine Reden an das Volk vollendet hatte, verließ er den Tempel (Mt 24,1; Mk 13,1). Diesen Tempel, den er als „das Haus meines Vaters“ bezeichnete und in dem er so oft und machtvoll lehrte, wird er wohl nicht mehr betreten. Während er sich nun von diesem prachtvollen Tempel distanziert, sind seine Jünger von der äußeren Pracht dieses Bauwerkes fasziniert.

So schreibt der Ev. Matthäus: „Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen.“

Der Ev. Lukas ergänzt: „Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei„.

Der Ev. Markus ergänzt: „Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude!“

Wie sehr waren die Jünger noch auf das Äußere gerichtet. Doch das, was vor Augen ist, verdeckt häufig den Blick in das Innere, den wahren Zustand der Herzen von Menschen. Aus den Worten von Jesus entnehmen wir, dass in der Führung Korruption herrschte (Joh 2,16).

Jesus nimmt die Hinweise der Jünger zum Anlass und eröffnet ein gewaltiges Thema. Lesen wir die Aufzeichnungen der drei synoptischen Evangelisten.

Matthäus: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Lukas: „Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird.“

Markus: „Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“

Wir können uns vorstellen, wie schockiert die Jünger sein mussten bei dieser Ankündigung. Dass es sie sehr beschäftigte und nicht mehr losließ, geht aus ihrem Nachfragen deutlich hervor. Dann folgt die berühmte ölbergrede von Jesus, die wiederum die drei Evangelisten festgehalten haben.

Matthäus: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“ (Mt 24,1-3).

Lukas: „Sie fragten ihn aber und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,5-7).

Markus: „Und als er auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersaß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles vollendet werden soll?“ (Mk 13,1-4).

Schauen wir uns die Fragen der Jünger genauer an. Sie wollen wissen:

  1. Frage: Wann die Zerstörung des Tempels (und der Stadt) sein wird und welche Zeichen diesem Ereignis vorangehen werden?
  2. Frage; Wann das Ende der Weltzeit sein wird und welche Zeichen seiner Ankunft vorangehen werden?

Zu beiden Ereignissen hat Jesus bereits bei  einer früheren Gelegenheit etwas gesagt. In Bezug auf das Weltende in zwei Gleichnissen (Mt 13,36-43; 44-49). In Bezug auf die Zerstörung Jerusalems (Tempel mit eingeschlossen) bei seinem Einzug in die Stadt (Lk 19,41-44).

1.2 Jesus gibt einen ersten Überblick bis zum Weltende

Beim Lesen der entsprechenden Texte  stellen wir fest, dass Jesus zunächst auf die zweite Frage der Jünger eingeht indem er einen ersten Überblick bis zum Weltende gibt (Mt 24,4-14; Mk 13,4-13; Lk 21,7-19).

Matthäus: „Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen“ (Mt 24,5; ähnlich auch Mk 13,6-7). Lukas: „Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin’s, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8).

Dieses Zeichen wird zunächst im jüdischen Kontext erkennbar sein. Denn die Verwerfung von Jesus als Messias Israels, rief viele selbsternannte Messiasse auf den Plan, wodurch viele aus dem jüdischen Volk ihnen anhingen. Bis zur Zerstörung der Stadt (70 n.Chr.) und auch noch nach dem Aufstand unter Bar-Kochba (135 n.Chr.) gab es einige (Apg 5,36). Und bis heute steigt die Zahl der falschen Messiasse nicht nur im Judentum. Durch deren Auftreten werden viele verführt. Es ist eine traurige Tatsache, dass gerade unter der jüdischen Bevölkerung ein großer Teil verführt wurde zum Leidwesen des Volkes. Die Aufforderung von Jesus an seine Nachfolger lautete: „Hört nicht auf sie, folgt ihnen nicht nach“. Dieses Verführungszeichen wird zunehmen bis zur Wiederkunft von Jesus.

Matthäus: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.“ (Mt 24,6; ähnlich auch Mk 13,8)). Lukas:  „Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hört, erschreckt nicht.“ Die Worte von Jesus fordern die Gläubigen auf, sich nicht erschüttern zu lassen, nicht in Panik zu geraten. Folgende Aussage will uns nicht so recht passen: „denn es muss geschehen„. Gut möglich, dass Jesus zunächst an die Aufstände der Juden denkt und an die darauf folgenden Kriege mit den Römern. Es kann sich aber auch um eine Aussage handeln, die allgemeine Gültigkeit hat. Worauf Jesus jedoch deutlich hinweist ist, wie sich dabei seine Jünger zu verhalten haben. Und noch eine bemerkenswerte Aussage macht er, die leicht übersehen wird: „aber das Ende ist noch nicht da“ . Der gr. Begriff `telos` meint in diesem Falle das Weltende, so auch in Mt 24,14; Mk 13,7; Lk 21,9; 1Kor 15,24; 1Petr 4,7. In anderen Texten weißt er auch auf das Lebensende eines Menschen hin. (Mt 24,13). Das griechische verneinende Wörtchen `oupo` meint: noch nicht, keineswegs. Mit dieser Aussage will Jesus seine Jünger zum geduldigen Ausharren ermutigen. (Mt 24,6; Mk 13,9; Lk 21,8).  Möglich ist auch, dass Jesus die Jünger vor einer euphorischen Naherwartung warnte, die sich trotzdem einstellte (Apg 1,6; 2Thes 2,1ff).

Matthäus: „Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich,“ (Mt 24,7; ähnlich auch Mk und Lk).

Was Jesus hier sagt, ist nicht einfach eine Wiederholung des Vorhergehenden, sondern eine Steigerung. Natürlich gab es dies auch schon zur  Zeit vor Christus, doch mit dem Bevölkerungswachstum nahmen diese Kriege sehr große Dimensionen an. Dazu setzen sich die Königreiche der Welt von vielen Nationen zusammen. Die zwei Weltkriege des 20. Jh. belegen die Worte von Jesus.

Matthäus: „Und es werden Hungersnöte (Lk ergänzt: und Seuchen) und Erdbeben (Lk: große Erdbeben) da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“ (Mt 24,7-8; ähnlich auch Mk).

Hungersnöte und Seuchen haben verschiedene Ursachen. Es können Naturereignisse sein wie Dürreperioden oder auch Erdbeben (1Mose 41,31; 1Kön 8,1.37; Amos 1,1; Sach 14,5)). Doch häufig sind sie Folgen von Kriegen. Ja, Erdbeben gab es schon vor Christus,  doch in unserer Zeit nehmen sie zu. Heute zählt man jährlich über einhunderttausend kleinere und größere Erdbeben weltweit. Ebenso nimmt die Zahl der Vulkanausbrüche zu mit verheerenden Folgen. Noch mal zieht Jesus Zwischenbilanz und beschreibt diese Entwicklungen mit den Worten: „Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“. Hier wird von Jesus der Vergleich zu den Geburtswehen einer Frau gebraucht, die wellenartig immer intensiver werden (1Thes 5,3).

Lukas: „Auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.“  (Lk 21,11).

Der gr. Begriff `fob¢thra` könnte man auch mit `fürchterliche, also `Furcht und Schrecken erregende Dinge` wiedergeben. Ob Jesus mit der Aussage “ vom Himmel her große Zeichen geschehen“ das Gleiche meint wie später in Matthäus 24,29: als gewaltige Naturereignisse?

Matthäus: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 24,9). Lk ergänzt: „Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können. Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen. Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben (gr. Psychas – Seelen) gewinnen.“ (Lk 21,12-19; 9,24).

Dies begann mit der Verfolgung der ersten Gemeindegeneration und setzt sich bis heute fort. Es kommt zu Verrat und Auslieferung in Bedrängnisse, ja sogar getötet werden Gläubige und gehasst von allen Völkern. Matthäus ergänzt: „Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen.“ (Mt 24,10). Alle diese Aussagen haben sich unzählige Male erfüllt.

Matthäus: „und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit (gr. anomia)  überhandnimmt, wird die Liebe der Vielen erkalten.“ (Mt 24,11-12).

Ist dies bereits Abfall vom Glauben? Etwa sechzig Jahre später macht Jesus der Gemeinde in Laodizäa diesen Vorwurf (Offb 3,17). Gesetzlosigkeit meint in ihrer Ausdehnung Anarchie. Und nun macht Jesus wieder eine wichtige Zwischenaussage: „wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“ (Mt 24,13). Hier kann `Ende-telos` sich auch auf das treue Ausharren bis zum Lebensende verstanden werden.

Matthäus: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis (gr. oikoumen¢ – bewohnte Erde), allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“ (Mt 24,14).

Welch eine Aussicht für die Völker! Alle bekommen die Möglichkeit zur Rettung. Aber auch welch ein Auftrag an die Nachfolger von Jesus, seine Gemeinde! Und nun gibt Jesus seinen Jüngern die Antwort auf die Frage nach dem wann? Das gr. `tote – dann`, hier als Zeitangabe, bedeutet: danach kommt das Ende (Mt 24,14; 24,3; 1Kor 15,24). Das Ende, die Vollendung von diesem  Zeitalter ist demnach nicht an ein Datum gebunden, sondern an den Umstand, bis das Evangelium vom Reich Gottes allen Nationen verkündigt sein würde. Damit hat Jesus seinen Jüngern in einem ersten einprägsamen überblick eine Antwort auf deren zweite Doppelfrage gegeben. Diese von Jesus beschriebenen Ereignisse sollten als Zeichen gesehen werden in der Zeitspanne bis zum Weltende, dem Abschluss des jetzigen Zeitalters.

1.3 Das Gericht am Hause Gottes

Ab Matthäus 24,15; Mk 13,14; Lk 21,20 geht Jesus auf die erste Frage der Jünger ein. „Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?“ (Lk 21,7). Diese erste Frage (die eigentlich eine Doppelfrage ist) bezog sich auf die Ankündigung von Jesus über die Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel. Dieses Thema ist so sehr verflochten mit dem Thema die Wiederkunft Jesu, dass es hier nicht ausgespart werden soll. Dazu enthält es deutliche Parallelen zum Thema die Wiederkunft Jesu. In seiner Antwort setzt Jesus den Schwerpunkt auf die Vorzeichen und beantwortet damit wenn auch indirekt die Frage nach dem: wann wird Jerusalem zerstört.

Matthäus: „Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,24-27; 11,31; 12,11) „wer das liest, der merke auf!“ (Mt 24,15; ähnlich auch Mk 13,14). Jesus verweist auf die Prophezeiung durch Daniel und fordert zum Nachlesen auf und darauf zu achten. Doch was meint er mit der Formulierung `Gräuel der Verwüstung`? Hier einige Beobachtungen:

Das Wort Gräuel kommt in den verschiedenen Textzusammenhängen mehr als 140 Mal vor. Und beschreibt immer eine negative Beurteilung einer Sache oder Handlung. Die Sache oder Handlung ist abscheulich oder ekelhaft, weil sie beschmutzt und entheiligt.

Die gr. Formulierung `bdelygma t¢s er¢moseös – Gräuel der Verwüstung` kommt sowohl in Mt 24,15 als auch in Mk 13,14 vor. Die gleiche Formulierung (Gräuel der Verwüstung) finden wir auch in Dan 11,31 und 12,11.  Dort seht geschrieben: „Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Bergfestung entweihen und werden das regelmäßige „‚Opfer“‚ abschaffen und den verwüstenden Gräuel (LXX: Gräuel der Verwüstung) aufstellen.“  ähnlich auch in Dan 12,11: „Und von der Zeit an, in der das regelmäßige „‚Opfer“‚ abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel(LXX: Gräuel der Verwüstung) einzusetzen, sind es 1 290 Tage.“

Oder weist Jesus auf die Prophezeiung in Dan 9,27 hin? Dort steht: „Überflutung; und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen. Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Gräueln „‚kommt“‚ ein Verwüster, bis fest beschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.“

Die Prophezeiungen in Dan 10 und 11 enthalten Detailinformationen, welche sich zunächst  auf die Periode der griechischen Herrschaft beziehen. Bereits unter Antiochus Epiphanes IV (167-164 v.Chr.) wurde der Tempel in Jerusalem entweiht  und das tägliche Opfer aufgehoben. Ob Jesus indirekt daran erinnert? Oder liegt es da nicht näher, dass er die im Jahre 70 eingetroffene Zerstörung des Tempels gemeint hat, immerhin haben seine Jünger danach gefragt. Um welche Gräuel der Verwüstung kann es sich handeln?

Anmerkung: Einige übersetzen mit „Gräuelbild der Verwüstung“, doch das Detail mit dem (Bild) fehlt in allen griechischen Texten. Gräuel ist der Verwüstung zugeordnet.

Doch auch die römischen Standarten (Banner) galten den Juden ebenfalls als Gräuel  im Umfeld der heiligen Stätten.

Im Jahre 66 kam es dann zum jüdischen Aufstand. Einer der Gründe war die Provokation seitens des römischen Statthalters Florus, der den Tempelschatz plünderte.

Im Text des Ev. Lukas (21,20) in dem Jesus auf  dieselbe Frage der Jünger eingeht, gibt er die Erklärung dazu. „Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.“ (Lk 21,20). Durch den Begriff `Verwüstung` ist der Bezug zu der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems samt dem Tempel deutlich erkennbar. Denken wir auch an die Schändung des Tempels durch die Römer, an die Entwendung der vorhandenen Tempelgeräte. Und damit ist auch der Tempelbetrieb zu Ende gegangen.

Doch die eigentlichen `Gräuel die zur Verwüstung  der Heiligen Stätten führten, sind die Gräuel in Israel selbst zu finden (Mt 21,13). Jesus wirft der Führung Israels vor: „Ihr aber habt es (das Haus meines Vaters) zu einer Räuberhöhle gemacht.“ (Mt 21,13). Parallelen zu der Verunreinigung des Heiligtums finden sich bereits in der Zeit vor der ersten Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 v.Chr. (Hes 8,1-9).

Verstärkt wird dies noch durch die Tatsache, dass auch nach dem Tod von Jesus das Blutvergießen der Heiligen in dieser Stadt fortgesetzt wurde (Lk 11,51; Apg 7,59; 12,2; 8,1). ähnliches geschah auch vor der ersten Zerstörung des Tempels (Jer 44,22; Hes 33,29). Das Gräuliche ging immer zuerst von den Bewohnern der Stadt Jerusalems aus ( (Mt 23,13-29; Lk 13,34). Doch auch der offene Kampf um die Macht der innerjüdischen Gruppierungen um den Tempelbezirk (66-70) kostete vielen im eigenen Volk das Leben.

Dann sagt Jesus im Detail, was die Jünger (die sich zu der Zeit in Jerusalem und Judäa befinden werden) zu tun haben.

Alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen.“ (Mt 24,16-18; ähnlich auch Mk 13,14ff). Lukas ergänzt: „Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.“ (Lk 21,22; vgl. dazu auch 5Mose 28,64; Dan 9,24-27;). Ebenso Lk 19,43-44: „Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.“

Beim Herannahen der feindlichen Heere flüchteten die Menschen zu ihrem Schutz in die befestigte Stadt Jerusalem. Jesus fordert seine Nachfolger auf das Umgekehrte zu tun.

„Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!“ (Mt 24,19).

Während der Belagerung Jerusalems durch die Römer herrschte große Hungersnot in der Stadt, dies bekamen Jene Frauen besonders zu spüren.

„Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“ (Mt 24,20).

Am Sabbat wegen Einschränkungen beim Reisen, im Winter musste mit ungünstigen Wetterbedingungen gerechnet werden. Durch Wachsamkeit und Bitte im Gebet zu Gott, können die Gläubigen auf den Fluchtverlauf Einfluss nehmen. Dies geschah auch, denn die politischen Veränderungen in Rom veranlassten den römischen Befehlshaber Vespasian im Jahre 68 n.Chr. die Belagerung Jerusalems vorübergehend aufzuheben. In der Zeit konnten die verbliebenen Gläubigen an Jesus aus der Stadt fliehen. Herodes Agrippa II (50-100 n.Chr.) gewährte ihnen in seinem Herrschaftsbereich östlich des Jordans Zuflucht (Apg 26,1ff).

Anmerkung: Einige Aspekte aus dieser Periode werden in ähnlicher Weise von Bedeutung sein am Tage des Menschensohnes (siehe Lk 17,29ff).

Und Jesus fährt fort: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“ (Mt 24,21; ähnlich auch Mk). Die Ergänzung bei Lukas bringt auch etwas mehr Licht in die verkürzte Aussage bei Matthäus und Markus. „Denn es wird große Not auf Erden (im Land) sein und Zorn über dies Volk kommen, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.“ (Lk 21,23-24; lies auch 1Thes 2,15-16). Offensichtlich hat der Ev. Lukas den Schwerpunkt auf die große Not, welche das jüdische Volk treffen wird,  gelegt. In den Texten der Ev. Matthäus und Markus steht die große Bedrängnis auch im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus.

Die große Bedrängnis, große Trübsal oder große Not von der Jesus hier spricht, erstreckte sich nach dem lukanischen Text zunächst auf das jüdische Volk im Lande. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und Umgebung (auch in Galiläa) hat es voll getroffen. Diese große Bedrängnis erstreckte sich aber nicht nur partiell auf die schrecklichen Ereignisse während der Belagerung und Eroberung der Stadt Jerusalem, sondern umfasste auch die nachfolgenden Leiden durch Schwert, Gefangenschaft, Versklavung und Zerstreuung unter den Völkern der Welt. Die schwerwiegende Aussage von Jesus, dass es solche Trübsal (im Volk Israel) noch nicht gegeben hat, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Dass es jedoch solche Trübsal nicht mehr geben wird, ist im Blick auf Holocaust schwer nachvollziehbar. Doch Jesus konnte sich nicht geirrt haben. Dazu folgende Überlegung: Man sehe die große Trübsal als eine lange Periode an, denn alle nachfolgenden Bedrängnisse des jüdischen Volkes in der Diaspora (einschließlich Holocaust) sind letztlich Folgen der Zerstörung Jerusalems. Dass seit der Rückkehr der Juden in das Land ihrer Väter 1882 und seit Staatsgründung im Jahre 1948 eine sichtbare und spürbare Erleichterung eingetreten ist, liegt auf der Hand. Ob jedoch damit die Zeiten der Nationen bereits erfüllt sind ist fraglich. Denn der Tempelbereich, die heiligste Stätte des Judentums, ist nach wie vor von einem anderen Volk mit einer antigöttlichen Religion und deren Heiligtümern besetzt.

Abbildung 3 Seit dem Jahre 70 n.Chr. ist der Tempel in Jerusalem nicht mehr existent. Nach dem Bar-Kochba Aufstand im Jahre 135 n.Chr. ließ Kaiser Hadrian auf dem zerstörtem Tempelgelände ein Zeus Heiligtum errichten. Damit entheiligte er diese Stätte zusätzlich. Seit dem 7.Jh. steht an dessen Stelle der so genannte Felsendom und im südlichen Teil des Tempelgeländes steht die große Al-Aqsa Moschee. Inzwischen wurde auf diesem Gelände  eine weitere Moschee gebaut. (Foto: Juli 1994).

Noch ein Hinweis zu der Aussage von Jesus:   „bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind“ (Lk 21,22b). Für `Zeiten steht im gr. Text nicht `chronous`, sondern `kairous`. Mit diesem Begriff werden nicht Zeitpunkte markiert, sondern auf Zeitinhalte hingewiesen. Und diese Inhalte und Prozesse scheinen noch nicht ganz erfüllt zu sein. Jesus fährt fort:

„Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (wörtl: Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ (Mt 24,22).

Dies ist eine der am schwierigsten zu verstehende Aussage von Jesus in diesem Text. Die Formulierung `wenn diese Tage (gemeint sind die Tage der großen Bedrängnis) nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (Fleisch) gerettet werden`. Natürlich kann man da zunächst an die Verkürzung der Not während der Belagerung von Jerusalem, die ja zu Gunsten der Gläubigen unterbrochen wurde, denken. Und ebenso auch an die Begrenzung der Bedrängnis vor seiner Wiederkunft. Was mit Sicherheit gemeint sein kann ist: Wegen der Auserwählten setzt Gott Grenzen. Eine Begrenzung des Ausmaßes und der Intensität der Bedrängnisse. Das kann sich sowohl auf das Globale als auch das individuelle beziehen (Hiob; 1Kor 10,13; 1Kor 10,13; Offb 3,10). Da Bedrängnisse allen Gläubigen verordnet sind, kann sich `große Bedrängnis` damals auf das gesamte jüdische Volk bezogen haben und am Ende der Zeit wird es über die gesamte noch lebende Generation ausgedehnt werden (Offb ; 20,7-9).

2. Begriffe und Bezeichnungen, mit denen das Kommen von Jesus beschrieben wird

Hier machen  wir uns mit Begriffen und Bezeichnungen vertraut, welche die Wiederkunft von Jesus beschreiben. Sie alle ergänzen einander.

2.1 Die Ankunft von Jesus Christus

Die Ankunft, gr. `parousia`. Dieser Begriff kommt mindestens 16 Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Der Begriff meint aber nicht nur den Punkt des Ankommens, sondern auch das anschließende `da sein`, die Anwesenheit, das gegenwärtig sein. So der Zusammenhang in 1Kor 16,17: „Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn diese haben eure Abwesenheit ersetzt.“ (ähnlich auch in 2Kor 7,6-7; 10,10; Phil 1,26; 2,12). Mit diesem Begriff wird auch das erste Ankommen und Anwesenheit von Jesus beschrieben (Apg 7,52; 2Petr 1,16). Der Kontext macht klar, von wessen Ankunft die Rede ist.

  1. Mt 24,3: „was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters (synteleias tou aiönos)?“ Meinten die Jünger mit dieser Doppelfrage, dass bei der Ankunft von Jesus auch das Ende dieses Zeitalters sein wird, oder dachten sie an zwei verschiedene Ereignisse? Wie auch immer ihr Verständnis bis dahin war, für Jesus gibt es das `Jetzige` und das `Zukünftige` Zeitalter` (Mt 12,32; Mk 10,30; Lk 18,30). Den Zugang zu den Fragen der Jünger finden wir meistens in den Antworten des Herrn selbst. Und in der Tat, Jesus geht sehr detailliert auf ihre Fragen ein (siehe 1. Abschnitt)
  2. Mt 24,27: „Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Es blitzt nur bei Gewitter. Beim Anblick des aufziehenden Gewitters ist Blitz zu erwarten. Doch niemand kann den Augenblick des Blitzes voraussagen. Durch diese Bildersprache aus der Natur macht Jesus deutlich, dass seine Ankunft plötzlich, unerwartet und schnell sein wird.

3+4. Mt 24,37-39“: „Aber wie die Tage Noahs waren, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wie sie in jenen Tagen vor der Flut waren: – sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte -, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Die Menschen zu Noahs Zeiten achteten nicht darauf, was Noah tat und sagte. Sie gingen den alltäglichen Beschäftigungen nach. So ähnlich sagt Jesus, wird es auch vor und bei seiner Ankunft sein. Das Interesse der Vielen ist auf alles Mögliche ausgerichtet, nur nicht auf Gott und die Zeichen der Zeit. Wie der Vergleich zur Zeit Noahs zeigt, werden auch die Gläubigen bei der Ankunft von Jesus gesichert sein

  1. 1Kor 15,23: „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft.“Durch den Kontext wird deutlich, dass der Ap. Paulus hier nur von der Auferweckung der verstorbenen Gläubigen schreibt. Dies nehmen manche Ausleger zum Anlass, dass die Auferweckung der nicht Gläubigen später beim Gericht stattfinden wird. Doch dann müsste Jesus noch zweimal kommen. Oder es müsste zwei voneinander getrennte Auferstehungen geben.
  2. 1Thes 2,19: „Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Ruhmeskranz – nicht auch ihr? – vor unserem Herrn Jesus bei seiner Ankunft?“ Der Ap. Paulus freut sich im voraus auf die Ankunft von Jesus, bei der die Auswirkungen seines Dienstes und die seiner Mitarbeiter offenbart werden. Indirekt ist dadurch auch ein Wiedererkennen angedeutet.
  3. 1Thes 3,13: „um eure Herzen zu stärken, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.“ Auch der Dienst des Apostels durch seine Briefe trägt zur Stärkung im Glauben und tadelloser Lebensführung der Gläubigen bei. Und dies alles im Hinblick auf das Kommen von Jesus. Doch was meint der Apostel: „mit allen seinen Heiligen“, sind es die bereits entschlafenen Gläubigen oder die Engel? An anderen neun Stellen sind es ausdrücklich Engel, die Jesus bei seiner Wiederkunft begleiten (Mt 13,41; 16,27; 24,31; 25,31; Mk 8,38; 13,27; Lk 9,26; 1Thes 4,16; 2Thes 1,7). Ihr Dienst besteht darin, die Gläubigen zu sammeln, auch die Entschlafenen.
  4. 1Thes 4,15: „Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.“ Auch hier spricht der Apostel nur von den Gläubigen, darum kann der Eindruck entstehen, dass die anderen zu einem späteren Zeitpunkt auferweckt werden. Doch dies würde der Aussage von Jesus aus Joh 5,28-29 klar entgegenstehen, wonach sowohl die Gutes getan haben und die das Böse verübt haben gleichzeitig auferstehen werden (ähnlich auch Mt 13,41; 13,48-49; 25,31ff).
  5. 1Thes 5,23: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“ Völlige Heiligung, Hingabe, ganz dem Herrn zu gehören, ist das Ziel Gottes in Jesus Christus. Und auch hier ist der Bezug zu der Ankunft von Jesus deutlich.
  6. 2Thes 2,1: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm,“ Hier ist der Gedanke der Vereinigung mit Jesus (Durch Auferweckung und Entrückung) bei seiner Ankunft hervorgehoben. Doch der Anlass zu folgendem Text ist, das falsche Verständnis der Thessalonicher in Bezug auf die Wiederkunft von Jesus zu korrigieren.
  7. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft:“ Bei der Ankunft, bzw. Erscheinung von Jesus wird der Gesetzlose (die gesamte feindliche Macht) durch Jesus siegreich und vollständig vernichtet werden.

12+13. Jak 5,7+8: „Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange. Habt auch ihr Geduld, stärkt eure Herzen! Denn die Ankunft des Herrn ist nahegekommen (hat sich genaht). (vgl. mit 1Petr 4,7).  Der Aufruf zur Geduld / Langmut ist immer im Kontext zu sehen: es hat alles seine Zeit. Der Schwerpunkt für die Gläubigen ist, dranbleiben, nicht mutlos oder matt werden, durchhalten und dabei das Wiederkommen von Jesus (bei der die Ernte eingefahren wird) im Auge behalten (Mt 13,37-43).

  1. 2Petr 3,4: „und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.“ Bereits in der Generation der Apostel gab es Kritiker, Zweifler, Skeptiker und auch Spötter. Petrus hat dadurch einen Anlass, um mehr auf dieses Thema einzugehen. Siehe den folgenden Text.
  2. 2Petr 3,12: „indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden!“ Dabei kann sich Petrus auf die Aussagen von Jesus aus Matthäus 24,35 stützen: „Himmel und Erde werden vergehen“. Die Auflösung der materiellen Schöpfung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ankunft von Jesus, bzw. sie geht der Ankunft voran. Man bedenke, was dies bedeutet in Bezug darauf, was kommt danach? Wie wir später sehen werden, ist „Der Tag Gottes“ auch der Tag des Herrn Jesu Christi.
  3. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Merken wir, bei seiner Ankunft sind die Gläubigen noch hier. Ankunft ist sozusagen die Überschrift des großen bevorstehenden Ereignisses bei dem Jesus offenbart werden wird. Bei diesem Begriff geht es also um die Enthüllung des Inhaltes, um Jesus selbst und was durch seine Person gewirkt wird. Johannes nennt die Adressaten Kinder, das spricht nicht nur für sein Alter, sondern für seine geistliche Reife und Verantwortung diesen Gläubigen gegenüber. Und die Aufforderung ist wie auch schon bei Jesus in Johannes 15,4-5: „bleibt in mir“. So können sie mit Freude der Ankunft von Jesus entgegen sehen.

2.2 Die Offenbarung von Jesus Christus

Die Offenbarung oder Enthüllung (apokalypsis) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor. Aber auch sein erstes Kommen ist eine Offenbarung (1Tim 3,16). Bei seinem ersten Kommen offenbarte er sich als Retter und Erlöser der Welt, obwohl er auch alle anderen Titel in sich trug. Bei seiner Wiederkunft wird er sich offenbaren als König aller Könige und Richter der Welt (Offb 17,14; 19,11-16).

  1. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“ Der Vergleich ist das Geschick von Sodom. Im Kontext beschreibt Jesus weitere Details über die Zeit vor und während seiner Offenbarung und warnt vor der Bindung an materielle Dinge.
  2. 1Kor 1,7-8: „Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet, der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“ Der Tag des Herrn Jesus Christus ist der Tag der Offenbarung Jesu Christi.
  3. 2Thes 1,7: „und euch, den Bedrängten, mit Ruhe, zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht,“ Jesus offenbart sich bei seinem Kommen vom Himmel her. Seine Offenbarung ist öffentlich, er wird von seinen Engeln (himmlische Geistwesen) begleitet.
  4. 1Petr 1,7: „damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi;“ Auch hier ist der Ausblick nach vorne gerichtet auf das offenbart werden von Jesus
  5. 1Petr 5,4: „Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ Eine Ermutigung für die treuen Mitarbeiter und Leiter, denn die Krönung ist öffentlich.
  6. 1Joh 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart werden wird, Freimütigkeit haben und nicht vor ihm beschämt werden bei seiner Ankunft!“ Offenbarung und Ankunft sind Begriffe, durch die verschiedene Aspekte desselben Ereignisses beschrieben werden.

2.3 Die Erscheinung von Jesus Christus

Die Erscheinung (epiphania) Jesu Christi. Dieser Begriff kommt mindestens sechs Mal im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 24,30: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen, sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“ Erscheinen meint sichtbar werden, aus der Verborgenheit heraustreten. Die Wahrnehmung der Realität (alle werden Ihn sehen) wird bei den Menschen, die Jesus abgelehnt hatten, Wehklagen hervorrufen. Das Erscheinen mit „Macht und Herrlichkeit“ sticht immer wieder hervor.
  2. 2Thes 2,8: „und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft;“ Hier sehen wir, dass die Begriffe Erscheinung und Ankunft von demselben Ereignis handeln, der Wiederkunft von Jesus. Und dabei wird die Macht des Feindes (aller feindlichen Mächte) vernichtet werden.
  3. 1Tim 6,14: „dass du das Gebot unbefleckt, untadelig bewahrst bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus!“ Die folgenden Verse machen deutlich, dass es zu seiner Zeit (von Gott) bestimmten Zeit geschehen wird. Doch die Aufforderung das Gebot zu bewahren, gilt auch allen weiteren Generationen.
  4. 2Tim 4,1-2: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich. Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; …“ Das Richten der Lebenden und Toten weist eindeutig auf den Gerichtstag hin, wenn Jesus Christus erscheinen wird.
  5. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“ Der Hinweis auf jenen Tag, den Tag des Gerichtes, löst bei dem Apostel Freude aus. Denn bei der Erscheinung Jesu erwartet die Treuen der Siegeskranz der Gerechtigkeit.

6. Tit 2,13: „indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.“ Was für ein Ausblick, was für eine Hoffnung und Erwartung. Eine Erscheinung die alles übertreffen wird, was heilige Menschen Gottes bis dahin sehen durften

2.4 Er kommt (Jesus kommt wieder)

Er kommt – erchetai. Dieses Verb kommt mindestens 20 Mal im Zusammenhang mit der Wiederkunft von Jesus vor.

  1. Mt 16,27: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.“ Jesus kommt wieder. Er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters. Er kommt in Begleitung seiner himmlischen Boten (Engel, Geistwesen). Er kommt und wird Gericht halten, bewerten, beurteilen und entsprechend vergelten. Der Kontext macht deutlich, dass es dabei um alle Menschen geht.
  2. Mt 24,30-31: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.“ Das Zeichen ist Jesus selbst, aber auch die Wolken des Himmels zeichnen das Kommen von Jesus aus (Mt 26,34; Apg 1,11; Offb 1,7). Die Engel versehen ihren Dienst und sammeln alle Auserwählten (Gläubigen). Niemand wird vergessen werden Das Wehklagen bezieht sich auf die, welche die Rettung durch Jesus nicht angenommen haben.
  3. Mt 24,44: „Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.“ (so auch Lk 12,40). Jesus kommt unerwartet, daher die Aufforderung zur Wachsamkeit.
  4. Mt 25,31-32: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken (Ziegen) scheidet.“ Jesus kommt in Begleitung aller Engel und ebenso wird betont, dass alle Nationen vor ihm versammelt werden. Er wird sie voneinander trennen nach seinen Kriterien. Der weitere Text spricht vom öffentlichen Gericht, nachdem die einen von den anderen getrennt worden sind (vgl. Mt 13,36-43).
  5. Mt 26,64: “ Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.“ (so auch Mk 14,62). Die Reihenfolge ist eindeutig. Die Erhöhung in einer Wolke zur Rechten Gottes (Dan 7,13-14; Apg 1,11), danach das Wiederkommen auf den Wolken des Himmels.
  6. Mk 13,26-27: „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Damit wird angedeutet, dass die entschlafenen Gläubigen, welche bereits im Paradies Gottes sind, in einem himmlischen Körper auferstehen werden und die hier noch lebenden gläubigen verwandelt und Jesus entgegen gerückt werden.
  7. Mk 13,35-36: „so wacht nun! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde.“ Jesus erzählt das Gleichnis, um die Bedeutung des Wachseins, der Bereitschaft auf sein Kommen hervorzuheben.
  8. Lk 9,26: „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ Hier ist das mutige Bekenntnis im Blick auf die Wiederkunft von Jesus hervorgehoben.
  9. Lk 18,8: „Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ Jesus sieht die Zukunft realistisch. Doch durch die Geschichte mit der bittenden Witwe, ermutigt er zum Glauben und Vertrauen (dazu 1Tim 6,10.21).
  10. Lk 21,26-27: „während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.“
  11. Joh 14,3: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“ Diese Aussage machte Jesus am letzten Abend seines irdischen Lebens. Wie trostvoll sind doch die Worte: „Ich komme wieder“, aber nicht um hier zu bleiben, sondern um die Seinen zu sich in seine Herrlichkeit abzuholen.
  12. Apg 1,11: „siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ Das ` so` ist kein geographischer Terminus, sondern der Art und Weise, eben sichtbar und in Wolken (so auch Mt 26,34; Offb 1,7).
  13. 1Kor 4,5: „So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbaren wird! Und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.” (ähnlich auch 1Kor 3,12-14).
  14. 2Thes 1,10: „wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  15. Offb 1,7: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.“ Alle werden ihn bei seinem Kommen sehen.
  16. Offb 2,25: „Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme!
  17. Offb 3,11: „Ich komme bald (schnell). Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!

18+19+20. Offb 22,7+12+20: „Und siehe, ich komme bald (schnell). Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! 12 Siehe, ich komme bald (schnell) und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist. 20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald (schnell). Amen[; komm, Herr Jesus!“

Die Bezeichnungen: `Die Ankunft von Jesus; Die Offenbarung von Jesus Christus; Die Erscheinung von Jesus Christus.

Sein Selbstzeugnis: `Ich komme bald / schnell`; `Ich komme wieder`; `Er kommt wieder`; `Wenn der Menschensohn kommt`, weisen auf ein und dasselbe Ereignis hin. Bis dahin haben wir 48 Texte kennen gelernt, in denen dieses große Ereignis unter verschiedenen Aspekten beschrieben wird.

2.5 Der Jüngste / letzte Tag

Der Jüngste / letzte Tag kommt sechs Mal vor und wird von Jesus meistens selbst verwendet. An diesem Tag wird Jesus die entschlafenen Gläubigen auferwecken.

1+2. Joh 6,39-40: „Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“

  1. Joh 6,44: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“
  2. Joh 6, 54: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ Diese Aussagen von Jesus machen unmissverständlich klar, dass die an Jesus Gläubigen Entschlafenen erst am letzten Tag auferweckt werden. Demnach werden die bis dahin noch lebenden Gläubigen zeitgleich mit jenen verwandelt und dem kommenden Herrn entgegengerückt werden.
  3. Joh 11,23-24: „Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.“ Martha hatte diese Hoffnung und Gewissheit.
  4. Joh 12,48: „Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“ Diese Aussage von Jesus macht deutlich, dass der letzte Tag auch er Gerichtstag ist. Gerichtet, bzw. verurteilt werden die Menschen, welche Jesus abgelehnt haben. Dazu müssen auch diese Menschen zuerst auferweckt werden. Das bedeutet, dass am letzten Tag alle Verstorbenen gleichzeitig auferweckt werden. Die Gläubigen zum ewigen Leben, die Ungläubigen zum Gericht (so auch nach Joh 5,28-29; Offb 11,18).

2.6 Der Tag des Menschensohnes

Der letzte Tag wird auch `Tag des Sohnes des Menschen` genannt und kommt mindestens drei Mal vor:

  1. Lk 17,24: „Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.“
  2. Lk 17,30: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.“
  3. Lk 17,26: „Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen.“ In „den Tagen“ (Plural) bedeutet: vor dem letzten Tag, so der Kontext.

2.7 Des Herrn Tag, der Tag Jesu Christi

Dieser letzte Tag wird auch `des Herrn Tag`, `der Tag Christi` oder: `Christi Jesu` genannt und kommt im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus mindestens sieben Mal vor:

  1. 1Kor 1,8: „“der euch auch festigen wird bis ans Ende, so dass ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.“
  2. 1Kor 5,5: „einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.“
  3. 2Kor 1,14: „wie ihr auch uns zum Teil erkannt habt, dass wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus.“
  4. Phil 1,6: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“
  5. Phil 1,10-11: „damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.“
  6. 1Thes 5,2-3: „denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“
  7. 2Thes 2,1-2: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.“ Die Ankunft von Jesus markiert auch den Tag des Herrn.

2.8 Der Tag, jener Tag, jene Stunde

Der letzte Tag wird auch `jener Tag` oder einfach `der Tag` oder `jene Stunde` genannt. Mindestens acht Mal kommt diese Bezeichnung vor;

  1. Mt 7,22: „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!
  2. Mt 24,36: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.“ (Mk 13,32).
  3. Lk 10,12: „Ich sage euch, dass es Sodom an jenem Tag erträglicher ergehen wird als jener Stadt.“
  4. Lk 17,30-32: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird. An jenem Tag – wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebenso wenig zurück. Gedenkt an Lots Frau!.“
  5. Röm 2,16: „an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Christus Jesus.“
  6. 1Thes 5,4: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“
  7. 2Thes 1,9-10: „sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 10 wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis an euch ist geglaubt worden.“
  8. 2Tim 4,8: „fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“

2.9 Der Tag des Gerichts (das Gericht)

Diese Bezeichnung kommt mindestens 12 Mal vor:

  1. Mt 10,14-15: „Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.“
  2. Mt 11,22: „Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch.“ (Mt 11,24).
  3. Mt 12,36: „Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts.“
  4. Apg 17,30-31: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle Überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten.“
  5. 2Tim 4,1: „Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich.“
  6. 2Tim 4,8: „Im Übrigen ist mir der Kranz der Gerechtigkeit aufbewahrt, den mir der Herr, der gerechte Richter geben wird an jenem Tag, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung geliebt haben.“
  7. 2Petr 2,9: „der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden.“
  8. Hebr 9,27: „Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“
  9. 2Petr 3,7: „Die jetzigen Himmel und die jetzige Erde aber sind durch dasselbe Wort aufbewahrt und für das Feuer aufgehoben zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.“
  10. 1Joh 4,17: „Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.“
  11. Judas 1,6: „und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt.“ (2Petr 2,4).

2.10 Der Richterstuhl Christi

  1. Röm 14,10: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“
  2. 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“
  3. Offb 6,15-16: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen? Der Tag des Zornes ist auch der Tag der Vergeltung und damit der Tag des Gerichtes.
  4. Offb 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.“ Dies ist die letzte Beschreibung des Gerichtes im Neuen Testament. Wie es im Detail und in welcher Reihenfolge das Gericht gehalten wird, können wir aus anderen Texten erkennen (Mt 13,36-43; 13,49; 25,31-46 u.a.m.).

In den mehr als achtzig Stellen wird durch viele verschiedene Begriffe und Bezeichnungen das eine große Ereignis des zweiten und damit auch letzten Kommens Jesu beschrieben.

3. Wann und wie kommt der Tag, der Tag des Herrn?

In Bezug auf das `wann` gibt es eine eindeutige und klare Antwort, die von Jesus und den Aposteln sehr oft gegeben wurde. „Aber von dem Tag und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein mein Vater“ (Mk 13,32). Alle menschliche Versuche, den Zeitpunkt zu ermitteln scheiterten. Und Gott lässt jeden zuschanden werden, der sich anmaßt darüber Auskunft geben zu können. „Denn des Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint“ (Lk 12,40). Er, der die Gedanken der Menschen sehen kann, muss es ja wissen.

Nach einer seiner evangelistischen Predigten und dem Aufruf zur Umkehr, macht Petrus eine weitreichende Aussage: „damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus. Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.“ (Apg 3,20-21). Beachten wir, was Petrus sagt: Jesus bleibt Solange im Himmel, bis alles geschehen (erfüllt) sein wird, was Gott durch die heiligen Propheten vorausgesagt hat.

Auch in Bezug auf das `wie` geben Jesus und die Apostel treffende Antworten: „Aber was die Zeiten und Fristen () betrifft, Brüder, so ist es gar nicht notwendig, dass euch geschrieben wird, denn ihr wisst selbst ganz genau, dass der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit, dann tritt das Verderben plötzlich an sie heran“ (1Thes“ 5,1-3a).

Ein Dieb meldet sich nicht an, er kommt überraschend, unerwartet unauffällig. Jesus verwendet sogar solch ein negatives Geschehen, um damit sein plötzliches Kommen zu veranschaulichen (Offb 3,3; 16,15). Doch für die, welche wachsam sind, wird es keine böse Überraschung werden.

Durch ein weiteres Naturphänomen beschreibt Jesus sein plötzliches Kommen: „Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein“ (Mt 24,27). Auch der Blitz meldet sich nicht vorher an. Den Blitz kann niemand voraussagen, es ist etwas Plötzliches, Unerwartetes.“ Die Vorentladungen benötigen etwa 0,01 s. Die Hauptentladung des Blitzes dauert nur etwa 0,00003 s.

Insgesamt ist es eine große Zahl an Aussagen, welche die Tatsache der plötzlichen, ja sogar unerwarteten Wiederkunft Jesu bezeugen. Auffallend und hilfreich zugleich ist die Aussage von Jesus in Matthäus 24,14: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“

Doch es gibt Hinweise, sogenannte Zeichen der Zeit, welche diesem Tag unmittelbar vorangehen werden, so zum Beispiel:

Die Zeichen an Sonne, Mond und Sternen (Mt 24,29).

in Mt 24,32-33 sagt Jesus: „An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.“ Oder Lk 21,28:

Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“

4. Die zwei Zeitalter

Es ist auffallend, dass Jesus von zwei Zeitaltern spricht, dem Jetzigen und dem Zukünftigen. Das gr. Wort dazu ist `aiönos`. Da Jesus `dieses Zeitalter`  immer in der Einzahl verwendet, ist es eingeschränkt auf die Zeitspanne zwischen seinem ersten und zweiten Kommen. Hier einige Beispiele:

  • Mt 12,32: „das wird nicht vergeben weder in diesem Zeitalter noch in dem Zukünftigem.
  • Mt 13,22: „die Sorgen der Welt (des Zeitalters ersticken das Wort“.
  • Mt 13,39-43: „aber die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters. Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten Leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.
  • So auch in Mt 13,48b-49: „So wird es auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden.“ In diesen beiden Gleichnissen macht Jesus klar: Erst am Ende werden die Ungerechten von den Gerechten getrennt.
  • In Matthäus 24,3 fragt Petrus: ;Was wird das Zeichen sein deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters.“
  • Und in Mt 28,20 verspricht Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“.

Jesus spricht auch von `in dieser Zeit` und für Zeit steht da `kairos`. So in Mk 10,30: „der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit (kairos) Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen – und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben (so auch in Lk 18,30; Eph 1,21).“ In diesem Textzusammenhang wird `in dieser Zeit (kairos)` als Synonym für `dieses Zeitalter` verwendet. (Röm 8,1; 2Kor 6,2).

Auch wenn die Apostel von früheren Zeitaltern in der Mehrzahl sprechen, dann können darunter die Zeitepochen vor der Flut, dann bis zum Bundesschluss am Sinai und die Epoche bis zum Beginn des Neuen Bundes gemeint sein (1Kor 10,11; 1Tim 1,17; Hebr 9,26 ). Doch mit dem Kommen von Jesus in diese Welt, seinem Dienst, seinem Leiden, Sterben und Auferstehung begann die neue Schöpfung. Es begann die Zeit (kairos) der Gnade, welche parallel zu diesem letzten irdischen Zeitalter verläuft. (Röm 3,26: „in dieser Zeit-kairos“; ;Röm 8,18: „dieser Zeit (kairos) Leiden“; Röm 11,5: „Zeit (kairos) der Gnade“;).

“2Kor 6,2: „jetzt ist die Zeit (kairos) der Gnade“;Hebr 9,26: „sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an –; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben. “

Demnach ist mit der Vollendung der vorhergehenden Zeitaltern das letzte (das jetzige) Zeitalter mit Jesus angebrochen. Das Kommende jedoch beginnt mit dem Ende des jetzigen Zeitalters. Sein Wiederkommen ist die Markierung zwischen diesen beiden `aiönen` (Zeitaltern).

Wenn Paulus in Eph 2,7 von den zukünftigen Zeitaltern (im Plural) spricht, dann kann es auf die Unendlichkeit hinweisen, ähnlich wie auch Jesus von seiner ewigen, immerwährenden Existenz spricht (Offb 1,17-18; dazu auch 22,5).

5. Reihenfolge der Ereignisse vor und bei der Wiederkunft Jesu

Jesus selbst gibt eine Reihenfolge der Geschehnisse kurz vor und während seiner Ankunft. Die neutestamentlichen Autoren haben in ihren Schriften darauf Bezug genommen und diese zum Teil detailliert beschrieben.

5.1 Der Wiederkunft von Jesus geht eine zeitlich begrenzte, jedoch große Bedrängnis voraus

In den deutschen Übersetzungen wird der griechische Begriff `thlypseös`, mit Trübsal, Drangsal oder Bedrängnis wiedergegeben. Es handelt sich dabei um Druck von außen, der ganz unterschiedliche Formen annehmen kann und in unterschiedlicher Intensität erlebt wird. Sehr viele Texte sprechen von Bedrängnis, doch für die Antwort auf unsere Frage suchen wir zunächst nach Texten, welche wörtlich und inhaltlich von großer Bedrängnis des Volkes Gottes sprechen.

  • In Daniel 12,1-2 wird gesagt: „Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelfürst, der für dein Volk einsteht. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. 2 Und viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“ Aus dieser Prophezeiung geht hervor, dass die Generation, welche vor der allgemeinen Auferstehung am Ende der Zeit noch hier auf Erden am Leben sein wird durch diese große Bedrängnis hindurch gehen wird. Für diese hat diese Bedrängnis den Zweck der Prüfung, Reinigung  und Läuterung (Dan 12,10). Von dieser allgemeinen Auferstehung spricht Jesus in Joh 5,28-29. Ebenfalls spricht Jesus von einer großen Bedrängnis.
  • Matthäus 24,21: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch (kein Fleisch) gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.“ Die Ähnlichkeit mit Daniel 12,1-2 scheint hier offensichtlich zu sein (so auch in Mk 13,19-24). Allerdings wird dort zunächst von der großen ‚Bedrängnis gesagt, die im Zusammenhang der Zerstörung Jerusalems beschrieben wird. Lukas beschreibt dies mit „große Not und Zorn über dies Volk`“. Die Ergänzungen bei Lukas machen deutlich, dass diese große Bedrängnis sich zunächst auf die jüdischen Menschen in der Stadt Jerusalem aber auch auf das gesamte jüdische Volk bezieht. Dass Jesus diese Bedrängnis auch mit der Bedrängnis vor seinem Kommen verbindet ist auffällig: „Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren.

Jesus scheint zu unterscheiden zwischen Bedrängnissen, welche seine Nachfolger in der Zwischenzeit treffen werden und der oben genannten großen Bedrängnis, welche über Israel gehen soll und am Ende der Zeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird.

Nun schauen wir nach Texten, die von Bedrängnissen sprechen, welche Gottes Volk in der gesamten Zeit treffen werden::

  • Mt 24,9: „Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.“ (Mt 10,22; Mk 13,13; Lk 21,12).
  • Joh 16,2: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.“
  • Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes ich habe die Welt besiegt.“
  • Apg 8,1: „An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde[1] in Jerusalem“ (dazu auch 11,19).
  • Apg 14,23: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und ⟨sagten⟩, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen
  • Röm 5,3: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,“ (dazu auch Röm 8,35; 12,12).
  •  2Kor 1,4: „der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.“ (2Kor 2,4; 4,17; 6,4).
  • 2Thes 1,4-6: „sodass wir selbst uns euer rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures Ausharrens und Glaubens in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet; 5 ⟨sie sind⟩ ein Anzeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr des Reiches Gottes gewürdigt werdet.“
  •  Offb 1,9: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“ (dazu auch Offb 2,10; 3,10; 6,9-11; 11,7; 12,11; 20,4-5) Dies kann bedeuten:
  1. Dass alle Gläubigen zu ihrer Zeit ein von Gott zugemessenes und begrenztes Maß an Bedrängnis erleiden werden (1Kor 10,13). Die große Bedrängnis in Offenbarung 7,13 umfasst damit alle gläubigen aller Zeiten.
  2. Die `große` Bedrängnis kann aber auch eine umfassende globale sein, welche am Ende der Weltzeit das gesamte noch lebende Volk Gottes treffen wird, ähnlich wie jene große Bedrängnis das gesamte jüdische Volk traf.

In der Schilderung der Ereignisse über Jerusalem, geht Jesus nahtlos über und schildert weitere Details als Zeichen im Zusammenhang seiner Wiederkunft. Und er beginnt wieder mit einer Warnung:

Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: Da!, so sollt ihr’s nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.„ (Mk: „Ich habe euch alles zuvor gesagt!“). Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. 27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.“ (Mt 24,23-28; (siehe auch Mk 13,21-22).

Gleich nach der Warnung vor falschen Christussen und falschen Propheten die offensichtlich sich melden werden, vergleicht Jesus sein Kommen mit dem Bild des Blitzes um sein plötzliches Kommen zu verdeutlichen.

Es lässt sich beobachten, dass gerade in Zeiten der Not Menschen nach Rettern Ausschau halten. Und umgekehrt ist auch zu beobachten, dass sich in solchen Zeiten die falschen Messiasse melden und Rettung versprechen.

5.2 Der materielle Kosmos wird aufgelöst

Nach dem Lukasbericht schildert Jesus die dramatischen Ereignisse kurz vor seinem Erscheinen.

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde.“ (Lk 21,25ff).

Das Sonnensystem (Sonnensysteme) brechen zusammen. Dies bedeutet das Ende der Weltzeit. Denn ohne Sonne kein Licht und physisches Leben und keine Zeit mehr.

Nach Matthäus sagte Jesus: „Aber gleich (gr. eutheös – sofort) nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“  Der gesamte materielle Kosmos kollabiert sozusagen.

Abbildung 4 Sonnenuntergang im Westen der Insel Zypern. Eines Tages wird die Sonne zum letzten Mal und für immer untergehen (Foto am 7. Januar 2006).

In Anlehnung an die Worte Jesu beschreibt Petrus die Begleiterscheinungen des Kommens des Herrn mit den Worten: „Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel mit großem Krachen vergehen werden, die Elemente aber vor Glut verzehrt, werden sich auflösen, die Erde und die Werke auf ihr werden (im Gericht) gefunden werden (oder heimgesucht werden).“ (2Petr 3,10). Und als ob er nicht genug diese Begleiterscheinungen beschrieben hätte, führt er 2 Verse weiter fort: „Indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, an dem die Himmel in Brand gesetzt werden und die Elemente in Glut schmelzen und sich auflösen werden. (2Petr 3,12).

Auch der Hebräerbriefschreiber betont, dass die erschaffene materielle Welt aufgelöst wird (Hebr 12,26-28). Dabei stützt er sich auf ein Prophetenwort: „Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert, jetzt aber verheißt er und spricht (Haggai 2,6): „Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.“ Dieses „Noch einmal“ aber zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit allein das bleibe, was nicht erschüttert werden kann. Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.“ Und  der Ap. Johannes schreibt in Offenbarung 20,11: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den der darauf saß vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel und es wurde ihnen keine Stätte mehr gefunden.“

Sehr gut erinnerten sich also die Jünger an die Worte ihres Herrn, der sagte: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 24,35). Dies ist eine deutliche Herausforderung an alle die diese Welt (Himmel und Erde) retten oder erobern wollen. Auch an die, welche meinen, dass diese Erde runderneuert wird.

Anmerkung: Laut diesen Textaussagen wird Jesus bei seiner Ankunft diese Erde nicht mehr betreten, denn sie wird es dann nicht mehr geben, siehe die Beschreibung des Petrus. (vgl. auch Jes 34,4; Offb 6,13-14; 20,10-11).

5.3 Dies Geschlecht wird nicht vergehen

Und nun macht Jesus eine Aussage, welche den Lesern Kopfzerbrechen bereiten kann: Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ (Mt 24,34). Die hier verwendete gr. Bezeichnung `genea`, kann mit Geschlecht, mit Generation, aber auch mit der qualitativen Bezeichnung `diese Art` übersetzt werden.  Diese Aussage finden wir auch bei Markus (Mk 13,30). Bereits schon früher verwendete Jesus diese harte Bezeichnung für eine Menschenart in Israel, die sich ihm offensichtlich widersetzte.

Mt 12,41: „Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona.“ (Lk 11,29-31).

Mt 12,42: „Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören“ (Lk 11,32-33).

Mt 12,45: „Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger, als es vorher war. So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“

Mk 8,12: „Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden!

Mk 8,38: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“ Diese Aussage bestätigt, dass es diese Menschenart bis zum Kommen von Jesus geben wird.

Lk 11,50: „damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist.

Lk 11,51: „von Abels Blut an bis zum Blut Sacharjas, der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.“

Lk 17,25: „Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.“

Apg 2,40: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht.“

Damit wird klar, dass diese Bezeichnung auf die Menschen und Menschengruppen fällt, die gleich Kain und einschließlich der Menschen in Israel, welche sich bewusst gegen Gott und seinen Christus auflehnten. (weitere Stellen dazu: 5Mose 1,35; Ps 37,28; Jes 57,4; Mt 11,16; 23,36; Hebr 3,10). Dem gegenüber steht das Geschlecht der Gerechten (Ps 24,6; 73,15; Jes 65,23; 1Petr 2,9; Offb 12,17;22,16).

5.4 Die Auferstehung der Toten zum Leben oder zum Gericht

Jesus fährt fort nach Lukas:Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,26-28). Im Text des Matthäus lesen wir: “Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen (großem Posaunenschall), und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ (Mt 24,29-31).

Abbildung 5 Eine Wolkendecke über Zypern erinnert an die wiederholten Aussagen von Jesus, dass er mit den Wolken des Himmels kommen wird. (Foto am 6. Januar 2006).

Wie gewaltig, wer kann es noch besser kommentieren? Mit dem Erscheinen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels in Macht und Herrlichkeit beginnt auch die Sammlung der Auserwählten durch den Dienst der Engel. Dies setzt deren Auferstehung voraus. Im Zusammenhang der Aussagen von Jesus in Matthäus 13,36-43 und 13,44-49 werden durch die Engel auch die Gottlosen eingesammelt. Dies setzt auch deren Auferstehung voraus. So sagt Jesus: „so wird’s auch am Ende der Welt (in der Vollendung des Zeitalters) gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die, die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.“ (so auch in Mt 13,49).

Auch hier werden die Gerechten und Ungerechten erst am Ende voneinander getrennt. Davon spricht Jesus auch in Joh 5,28-29; ähnlich auch Dan 12,1-2). Dass alle gleichzeitig auferstehen werden, macht die Aussage in Offb 11,18 deutlich: „Und die Nationen sind zornig gewesen; und es ist gekommen dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten – die Kleinen und die Großen –, und zu vernichten, die die Erde vernichten.“ Ebenso in detaillierter Ausführung in Matthäus 25,31-46. Es sieht so aus, dass die Gerechten erst eingesammelt werden. Dies könnte mit deren  Entrückung zu Jesus im Zusammenhang stehen.

Von den Aposteln hat Paulus am meisten das Thema Auferstehung beschrieben. Er beschreibt dort nur von der Auferweckung und Verwandlung der Gläubigen. „Denn er selbst der Herr wird mit dem Befehlsruf und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt (arpag¢sometha, wörtl.: geraubt, entrissen) werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander. (1Thes 4,16-18). Denken wir daran, dass Paulus in diesem Zusammenhang die Frage der Thessalonicher beantwortet. Er beschreibt nur, was mit den entschlafenen und den noch lebenden Gläubigen geschehen wird bei der Ankunft Jesu (vgl. dazu 1Thes 4,13). ähnlich schreibt er an die Korinther, die in dieser Frage auch so manche Unklarheit hatten: „Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;“ und das plötzlich, in einem Augenblick (in einem unteilbaren des Augenblicks), zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. „Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): „Der Tod ist verschlungen vom Sieg.“ Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.“ Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus.“ (1Kor 15,50-57).

Paulus konnte sich dabei auch auf die Aussage von Jesus stützen: „Und er wird seine Engel senden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern“ (Mt 24,31; Mk ).

Anmerkung: Die verstorbenen  Gläubigen aller Zeiten, deren Seelen (geist) bereits beim Herrn sind, bekommen als erste den auferstandenen Leib, dann im selben Augenblick die Verwandlung der noch Lebenden gläubigen und deren Entrückung dem Herrn entgegen in die Luft. Und so werden sie bei dem Herrn sein allezeit.

Paulus schreibt in 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“

Nach dieser Allgemeinen Auferstehung werden laut Mt 25,31 und folgenden alle Völker vor dem Menschensohn versammelt werden. Jesus erscheint als König in all seiner Herrlichkeit und in Begleitung der Engel und wird als Richter das Endgericht halten. „Und er wird sie voneinander trennen, wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt, die einen zur Rechten und die anderen zur Linken.“ Und diesen wird Jesus sagen: “Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.“ Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?“ Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was11 ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan.“ Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Mt 25,41-46). Denen zur Rechten wird der König antworten: „Kommt her, ihr Gesegneten von meinem Vater, empfangt das Reich, welches bereitet ist seit Grundlegung der Welt.“ (Mt 25,34).

In Offb 20,11 und folgenden sieht Johannes dass  im Gericht Bücher aufgetan werden:

Und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches ist das Buch des Lebens. Und wer nicht gefunden wurde in dem Buch des Lebens der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl„. Dies ist der andere, der zweite  und somit der ewige Tod.

Paulus hebt das gerechte Urteil des Herrn bei dessen Ankunft für Gerechte und Ungerechte in 2Thes 1,6-10 hervor:

Bei Gott ist es gerecht Vergeltung zu üben über die, so euch bedrängen, euch aber, die ihr e bedrängt werdet Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel mit den Engeln seiner Macht, im Feuer einer Flamme, zu bestrafen die, die Gott nicht kennen und die, die der Frohbotschaft von Jesus Christus nicht gehorchen, welche als Strafe zahlen werden ewiges Verderben, weg vom Angesicht des Herrn und weg von der Herrlichkeit seiner Stärke, wenn er kommt um verherrlicht zu werden unter seinen Heiligen und bewundert zu werden von allen, die zum Glauben gekommen sind.“ (2Thes 1,6-10).

Anmerkung: Bei der allgemeinen Auferstehung wird deutlich unterschieden zwischen denen in Christus und denen die ohne Christus sind. Die in Christus werden mit einem verherrlichten, d.h. unvergänglichen (unverweslichen) Leib auferstehen zum ewigen Leben.

Die ohne Christus sind, werden auferstehen zum Gericht und Verdammnis, d.h. zum ewigem Tod (zweiter Tod). Nirgendwo lesen wir etwas darüber mit welchem Leib die Ungerechten auferstehen werden.

Wenn also Paulus in einer Kurzfassung an die Korinther (1Kor 15) und an die Thessalonicher (1Thes 4) nur von der Auferstehung der entschlafenen Gläubigen und der Verwandlung (einschließlich der Entrückung) der noch lebenden Gläubigen spricht, dann ist dieses Geschehen im großen Rahmen der allgemeinen Auferstehung der Gerechten und Ungerechten zu erwarten wie es Jesus in Joh 5,28-29 grundlegend vorausgesagt hat. Die Texte sollten nicht isoliert voneinander ausgelegt werden, sie alle greifen ineinander, beschreiben die verschiedenen Aspekte des einen gewaltigen Ereignisses.

Nun schließt sich der Kreis, wenn wir noch mal die Worte Jesu aus Johannes 14,3 zitieren: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnstätten, wenn es nicht so wäre“ aber es ist so, die gibt es schon, die hat Gott vorbereitet. Und er kommt, um die Seinen nach Hause zu holen.

5.5 Der Sohn übergibt das Reich zurück in die Hände des Vaters

Diese Übergabe beschreibt der Ap. Paulus in 1Kor 15,2ß-:

Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“ (1Kor 15,20-28).

6. Der Neue Himmel und die Neue Erde

Dieser Abschnitt ist noch in Arbeit.

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Jesus Christus – seine menschliche und göttliche Abstammung.

Gott enthüllt sein größtes Geheimnis – Veronika Auinger und Paul Schüle – Predigt am 08.12.2024

1.1 Jesus – seine menschliche Abstammung

(Bibeltexte: Mt 1,1-17; Lk 3,23-38; 1Chr 1-3; 1Mose 5,1-32)

1.1.1 Der Stammbaum von Jesus

Der Evangelist Matthäus schreibt seinen Bericht an eine judenchristliche Leserschaft, passend mit einem Stammbaum der Hauptperson in der Form, wie wir sie auch im Alten Testament finden: von den Wurzeln hin zum Spross. Er beschreibt die Biografie über Jesus unter thematischen Gesichtspunkten. Der Evangelist Lukas dagegen ist mehr an einer chronologischen Reihenfolge interessiert. Dieser schreibt einen Stammbaum nach griechisch-römischer Tradition: vom jüngsten Namen zurück bis auf Adam; und „der war Gottes.“

Abbildung 4 Im Inneren dieses Bauwerkes in Hebron befindet sich laut jüdischer Tradition das Grab Abrahams (Foto: April 1986).

Der Evangelist Matthäus beginnt seinen Bericht mit den Worten: Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1,1).

Und er ordnet dann den Stammbaum in drei Reihen mit je 14 Namen, evtl. weil der Zahlwert der hebräischen Schreibweise von David „14“ ist. Der am Beginn des Matthäusevangeliums verwendete griechische Begriff  `gene,sewj – geneseös` enthält mehrere Aspekte: Die Entstehung, den Ursprung, die Abkunft, die Geburt, die Geschichte. Matthäus 1,1 kann in Anlehnung an 1Mose 2,4 und 5,1 auch mit „Das Buch der Abstammung” übersetzt werden. Durch diese Stammtafel werden folgende Aspekte unterstrichen:

  • Jesus ist der verheißene und damit wahre Nachkomme Abrahams, durch den alle Völker auf Erden gesegnet werden (vgl. 1Mose 22,18 mit Gal 3,16).

HINWEIS: Frauen und Ausländer werden eher schamvoll in einem Stammbaum verschwiegen. Während in früherer Zeit offenbar keine Bedenken bestanden, dass Israeliten Frauen aus anderen Völkern nahmen (1Mose 41,45 – Josef; 2Mose 2,21; 4Mose 12,1 – Mose; vgl. auch Ri 14,1; 2Sam 11,3), wobei sich diese Frauen selbstverständlich dem israelitischen Glauben anschlossen, wird später die Ehe mit fremdstämmigen und heidnischen Frauen wegen der Gefahr des Abfalls vom Glauben verboten (vgl. 5Mose 7,1-4; 20,16ff; 21,10ff;  Esra 9.)Bewusst nennt Matthäus im Stammbaum vier Frauen, davon drei Nichtjüdinnen.

– Rahab, eine Prostituierte aus Jericho;

– Ruth, eine gottesfürchtige Moabiterin;

– Tamar, von Judas geschwängert, da er seine Schwiegertochter für eine Prostituierte hielt;

– Bathseba, von König David zur Ehefrau genommen (Kontext: Ehebruch, List und Mord).

  • Als Davids Nachkomme ist Jesus der Gesalbte (hebr.: משיח mashiach: Χριστός – Christos, lat.: Christus; deutsch: Gesalbter), also der wahre und ewige König, dessen Reich ebenso ewig ist (vgl. 2Sam 7,11-16 mit Lk 1,31-33).

Diese Abstammungslinie führt Matthäus von Abraham über David bis Josef. Dabei nennt er insgesamt 42(41) Generationen. Der Evangelist Lukas wählt den umgekehrten Weg und führt die Abstammungslinie von Jesus zurück über David und Abraham bis Adam. Er nennt insgesamt 77 Generationen/Glieder.

Im Vergleich zu Matthäus (42) hat Lukas von Abraham bis Christus 57 Generationen genannt, also 15 mehr für den gleichen Zeitraum. Von Adam an bis Noah scheinen in den Stammeslisten keine Lücken zu sein. Von Noah bis Abraham gibt Lukas zusätzlich “Kenan” an, den Sohn des Arpachsad. Von Abraham bis zum König David lässt Lukas “Ram” aus, hat dafür zwei andere Namen (Admin und Arni), welche in den übrigen Stammeslisten nicht vorkommen. Von David an gibt es die Königslisten, wie in den Königs- und Chronikbüchern beschrieben. Auf diese stützt sich größtenteils Matthäus, wobei er einige Könige auslässt. Er folgt einem bestimmten Muster, bei dem dreimal je 14 Generationen von Abraham bis Jesus genannt werden.

Anmerkung: Bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass es nur 41 Generationen sind. Da wir jedoch dem Zöllner Matthäus nicht unterstellen können, dass er sich verrechnet hätte, suchen wir nach einer plausiblen Erklärung für diese mathematische Ungereimtheit. Die Lösung  könnte sein: David wird zweimal genannt, einmal am Ende der ersten Gruppe und das zweite Mal am Anfang der zweiten Gruppe (Mt 1,17). Die Zählung bei der ersten Vierzehnergruppe endet mit David und die zweite Vierzehnergruppe beginnt wieder mit David. Die zweite Vierzehnergruppe endet mit dem letzten rechtmäßigen König von Juda – Jechonia / Jojachin, der in die Babylonische Gefangenschaft kam (2Kön 24,8-15; 25,27-29). Die dritte Vierzehnergruppe beginnt mit Schealtiel dem Sohn Jojachins und endet mit Jesus. Dass in dieser Stammesliste einige Könige ausgelassen wurden, war wohl aus bestimmtem Grund so gewollt.

Lukas muss wohl eine uns unbekannte Stammesliste genutzt haben. Sie führt nicht über Salomo, den rechtmäßigen Thronfolger Davids, sondern über Nathan, einen wenig bekannten Sohn Davids. Nathan war ein leiblicher Bruder von Salomo (1Chr 3,5; 14,4), seine Mutter hieß Bathseba (Bath Sua). Im 1. Chronikbuch, in den Kapiteln 1-12 gibt es eine umfassende Stammesliste von Adam über die zwölf Stämme bis zur babylonischen Gefangenschaft. Die Stammesliste von Adam bis Noah ist in allen Aufzeichnungen gleich (1Mose 5; 1Chr 1,1; Lk 3,36-38). Mit allen Orts- und Zeitangaben vor 1Mose 12 ist vorsichtig umzugehen. In der folgenden Tabelle sind die verschiedenen Stammeslisten zum Teil parallel aufgelistet. Dabei stellen wir fest, dass die Bibel für die Anfangszeit genauere Angaben macht, als für den Zeitraum nach der babylonischen Gefangenschaft. Die Stammeslisten geben keine lückenlose Abfolge der Generationen und daher sind die Jahreszahlen auch nicht geeignet für eine genaue Datierung. Manche Fragen bleiben unbeantwortet in Bezug auf die Unterschiede und Auslassungen in den Stammeslisten. Die Tatsache jedoch, dass es sie überhaupt gibt, unterstreicht die Geschichtlichkeit der Verwirklichung des Heilsplans Gottes mit seinem Sohn Jesus Christus in Raum und Zeit.

HINWEIS: durch Adoption und durch Stamm- bzw. Erbtöchter, die evtl. nicht genannt werden und auch durch Leviratsehen (natürlicher Vater und gesetzlicher Vater differieren, da ein Bruder dem anderen Nachkommen „erweckt“ – 5Mose 25,5-6) werden Stammbäume recht kompliziert. Vaterschaft wurde im Judentum oft mehr unter gesetzlichen Gesichtspunkten und weniger nach der natürlichen Abstammung beurteilt. Dies trifft in besonderer Weise auf Jesus zu.

Solche Stammbäume erinnerten das Volk daran, dass es Gott selbst war der Ehen stiftete und Nachkommen schenkte.

1.1.2 Die Zuordnung der Stammbäume

Der Evangelist Matthäus formuliert in seinem Stammbaum: „Jakob aber zeugte (gr. εγέννησεν – egenn¢sen) Josef den Mann Marias, von welcher ist geboren (gr. εγεννήθη – egenn¢th¢) Jesus, der genannt wird Christus.“ (Mt 1,16). Während in allen Stammbäumen immer der Mann als aktiv Beteiligter/Zeugender hervorgehoben wird, betont Matthäus im Falle von Jesus, dass er von Maria geboren wurde und zwar ohne die Mitwirkung von Josef. Der Evangelist Lukas formuliert in seinem Stammbaum: „Er, Jesus war beginnend, etwa (ungefähr) dreißigjährig, (und) war Sohn, wie man dachte Josefs, des Eli, des Maththat, des Levi des Melchi (…).“ (Lk 3,23-24). Jesus wurde allgemein für einen Sohn Josefs gehalten (Joh 1,45; Lk 4,22), was rein formal-juristisch auch stimmte. Der klärende Einschub des Lukas: „(Jesus) war Sohn, wie man dachte Josefs“, macht jedoch  auch deutlich, dass Jesus de facto nicht Sohn des Josef, sondern Sohn der Maria war (vgl. dazu auch Lk 1,31-33). Da man jedoch Frauen (Töchter) in die Stammeslinie nicht einzufügen pflegte, liegt es nahe, dass Lukas die Stammeslinie von Jesus zurück, nicht über Maria, sondern über Josef, den gesetzlichen Vater von Jesus, mit Eli verbindet und weiter zurück über Nathan, den leiblichen Bruder von Salomo bis David  und schließlich bis Adam zurückführt (1Chr 3,5; 14,4; Lk 3,23-36). Nach Lukas 1,5 und 1,36 war Maria eine Verwandte von Elisabeth, der Frau des Priesters Zacharias und Mutter von Johannes dem Täufer. Da Elisabeth eine, wie es im Text heißt „aus den Töchtern Aarons“ war, kann angenommen werden, dass Maria ebenfalls aus priesterlichem Hause stammte. Aber müsste Maria nicht auch aus dem Hause Davids und dem Stamm Juda herkommen? Der Autor des Hebräerbriefes bestätigt die menschliche Herkunft von Jesus aus dem Stamm Juda, wenn er schreibt: „Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist“ (Hebr 7,14). Und der Apostel Paulus engt die menschliche Herkunft von Jesus noch mehr ein, wenn er in Römer 1,3 schreibt: „der geworden ist (γενομένου genomenou) aus dem Samen Davids nach dem Fleisch“. Damit wird (wenn auch nur indirekt) die blutsmäßige Herkunft von Maria aus dem Hause David hervorgehoben. So dass wir zum Ergebnis kommen, dass Maria auch aus dem Hause David stammte eben über die Stammeslinie ihres Vaters „Eli“.

Wir stellen fest, dass Lukas im Gegensatz zu Matthäus, den von ihm beschriebenen Stammbaum in umgekehrter Richtung aufschrieb. Er muss dabei nicht wie Matthäus formulieren: „Eli zeugte Josef (den Mann Marias)“, sondern nur: „der (Josef) des Eli, des Maththat (…)“. In der Regel wurde darunter auch die blutsmäßige Abstammung verstanden, doch bei der Formulierung des Lukas wird der Moment der ausdrücklichen Zeugung durch den Mann vermieden und sie bietet Raum zu einer nicht blutsmäßigen Zuordnung – von Josef (als Schwiegersohn) zum Vater der Maria (dem Eli). Auffallend ist auch, dass sich beide Stammeslinien um die Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft durch die Personen Schealtiel und Serubbabel kreuzen (Mt 1,12; Lk 3,27). Beide Linien liegen demnach eng beeinander und gehen auf David zurück.

Wir kommen daher zu dem Ergebnis, dass die Zuordnung der Lukanischen Stammesliste den Vorfahren der Maria, durch die oben genannten Textaussagen unterstützt wird. Somit war Jesus als `Mensch` leiblicher Sohn der Maria und gesetzlicher Sohn von Josef in jeder Hinsicht Nachkomme und Sohn Davids (Lk 1,31-33; Mt 1,1; 9,27; 12,23; 15,22; 20,30; 21,15).

1.2 Jesus Christus – sein göttlicher Ursprung

(Bibeltexte: Mt 1,18-25;  Lk 1,26-38;  Joh 1,1-18)

Nach dem Betrachten der `menschlichen` Abstammung von Jesus Christus machen wir uns auf die Suche nach Textaussagen über seinen göttlichen Ursprung. Dieser ist besonders in seiner Menschwerdung sowie in seinem besonderen Dienst durch Wort und Tat zu erkennen.

Schon der Prophet Micha sagt über den Ursprung des Messias folgendes:

Und du Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll, und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. (Micha 5,1).

Der Evangelist Lukas ist der Einzige, der die Botschaften des Engels Gabriel aufgeschrieben hat. Der Engel Gabriel wird außer in Lukas Kapitel 1 nur in Daniel 8,16-17; 9,21 erwähnt. Der Engel Gabriel erklärt dem Propheten Daniel die Visionen sowie deren Bedeutung und überbringt dem Priester Zacharias die Botschaft von der Geburt des Johannes (Lk 1,19). Zu Maria wird er von Gott gesandt, um ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes zu übermitteln.

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Abbildung 5 Die römisch-katholische Verkündigungskirche in Nazaret. Die Ursprünge des Kirchenbaus an dieser Stelle gehen in das 4. Jh. zurück in Erinnerung an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die früheren Kirchengebäude wurden durch Eroberungen und auch Erdbeben immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahre 1955 (Foto: Juli 1994).

Und so lesen wir in Lukas 1,31-32 von der Botschaft Gottes an Maria durch den Engel Gabriel:

Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.

Die verständliche Nachfrage der Maria: „Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß“ (Lk 1,34) gibt uns nicht nur einen Einblick in ihr korrektes Verhalten als Verlobte, sondern unterstreicht gleichzeitig, wenn auch nur indirekt, den göttlichen Ursprung von Jesus Christus. Natürlich kennt Maria Josef, ihren Verlobten, aber sie haben als Verlobte keinen geschlechtlichen Umgang miteinander. Aus der großen Perspektive Gottes ist es nicht vorgesehen, dass zwei junge Menschen, auch wenn sie schon verlobt sind, sexuell miteinander verkehren. Wenn Gott dies in die Beliebigkeit der Einzelnen gestellt hätte, wäre der biblische Hinweis auf die Jungfrauengeburt noch schwieriger nachzuvollziehen. Hier sollten wir die Hinweise Gottes aus 5Mose 22,16 kennenlernen (wir denken dabei  an den polygamen Hintergrund des Kapitels). Das Zeichen der Jungfräulichkeit der Frau war das Laken/Decke, das in der Hochzeitsnacht genutzt wurde. Wenige biblische Hinweise finden wir für die Jungfräulichkeit des Mannes vor der Ehe. Als Grundtext für dieses Thema gilt: Epheser 5,23f (der reine Christus und seine reine Braut = die Gemeinde).

Gott hatte von Beginn an die Geburt seines Sohnes durch eine Jungfrau geplant, so bekommt auch die Ordnung für Verlobte einen Sinn (siehe 5Mose 22,14).

Der Engel Gabriel lässt Maria natürlich nicht in Unwissenheit über die Art und Weise der Zeugung, er erklärt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten (= Gott) wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35)

Abbildung 6 Das unendliche Blau des Himmels, die Wolken und Berggipfel erinnern an die himmlische Sphäre, von der aus sich Gott im Laufe der Geschichte den Patriarchen, den Propheten Mose, Samuel, David, aber auch der Maria in Nazareth offenbart hat (Foto: Petra im Süden von Jordanien 5. November 2014).

P. Thiede bemerkt hierzu: „Sie (Maria) muss genauso verwirrt gewesen sein, wie die Leser es seither sind, und die Erklärung, die der Engel gibt, zielt nicht darauf ab, Gynäkologen zufrieden zu stellen.“

Ob Maria es verstanden hat, ist nicht sicher, geglaubt hat sie es, denn ihre Antwort lautet: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort.“ (Lk 1,38).

Kritiker des Neuen Testamentes behaupten, dass Götter und Söhne von Göttern in der heidnischen Antike auf ähnliche Weise geboren wurden. Doch wir weisen auf den unübersehbaren Unterschied zu den so genannten religionsgeschichtlichen „Parallelen“ hin. Der biblische Bericht ist zurückhaltend, nüchtern und beschreibt nicht den Vorgang der Empfängnis im Detail. Mit knappen Worten wird die Empfängnis aus der Gottesperspektive beschrieben. In der heidnischen Mythologie werden die Vorgänge aus menschlicher Perspektive, oft in pervertierter Ausschmückung beschrieben. Somit ist die Jungfrauengeburt tatsächlich ohne jegliche biblische oder gar religionsgeschichtliche Ähnlichkeit. Vergleichbar mit der jungfräulichen Empfängnis ist lediglich der alttestamentliche Gedanke des Wohnens (yTin>k;v;scha½anti ich wohne = Schechinah, die Einwohnung) Jahwes bei den Menschen z. B. in der Stiftshütte (2Mose 25,8-9).

Der Engel Gabriel hat noch eine wichtige Zusatzbotschaft an Maria zu verkünden, nämlich:

Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit und seines Königtums wird kein Ende sein. (Lk 1,32b-33).

Diese Prophezeiung ist nicht neu, sie wurde schon rund eintausend Jahre vorher dem König David gegeben (2Sam 7,13b-16) und sie lautet:

Und ich werde den Thron seines Königtums festigen für ewig.  Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. (…) Dein Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.

Gott hielt seine Zusage – „als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau (…).“ (Gal 4,4).

Der Evangelist Matthäus schreibt:

Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so; Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger gefunden von dem Heiligen Geist. (Mt 1,18).

Das Ungewöhnliche, das Besondere, das Einmalige wird hier betont. Maria wurde schwanger, „(…) ehe sie (Maria und Josef) zusammenkamen“. Hier betont auch der Evangelist Matthäus, dass Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht üblich war – Jesus also nicht natürlich gezeugt wurde. Für diese ungewöhnliche Zeugung fand er eine alttestamentliche Prophezeiung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen. (Jes 7,14).

Diese Prophezeiung ist, wie viele alttestamentliche Aussagen, mehrschichtig. Das Zeichen, dass eine junge Frau (auf natürliche Weise) schwanger würde, bezog sich zuerst auf Jesajas Zeitgenossen Ahas und das Volk Juda. Der hebräische Begriff `hm’l.[;h‘ ha±almah` bedeutet allgemein: die junge Frau im heiratsfähigen Alter, kann aber auch die weibliche Person bezeichnen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte (was in Israel die Regel war). Aber wie viele andere Verheißungen des Alten Testamentes barg auch diese eine noch in der Zukunft liegende Erfüllung. Bei der Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes in die griechische Sprache wurde an dieser Stelle der Begriff `parqe,noj parthenosJungfrau` gewählt.

HINWEIS: Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes aus dem 2. Jh. vor Chr. wird Septuaginta/LXX (=Siebzig/lateinische Zahlen für 70) genannt, da angeblich 72 Übersetzer nach 72 Tagen diese Übersetzung im 2Jhd. v. Chr. anfertigten (Aristeasbrief 9-11.41.46.50.121.301f.307-311).

Dieser griechische Begriff meint im Neuen Testament an den meisten Stellen eine junge Frau, die noch nie Geschlechtsverkehr hatte (wörtlich/buchstäblich Lk 1,27; 2,36; Apg 21,9; 1Kor 7,25.28.34.36.37.38; im übertragenen Sinne; 2Kor 11,2; Offb 14,3-4). Der Evangelist Matthäus (aber auch Lukas) heben mit diesem Begriff die Jungfräulichkeit Marias hervor. So wie damals der Herr durch eine junge Frau mit ihrem Sohn den Zeitgenossen Jesajas ein Zeichen gegeben hatte, so wurde Maria von Gott auserkoren als `Jungfrau` schwanger zu werden und einen Sohn zu gebären als Zeichen zu ihrer Zeit.

Der Evangelist Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” Johannes (der Täufer) zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich. (Joh 1,1.14-15). Johannes der Täufer ruft aus: „Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist. (Joh 1,34).

Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi (des Sohnes Gottes).“ (Mk 1,1).

Weitere Bibelstellen zum göttlichen Ursprung von Jesus Christus: vgl. Ps 110,1 mit Mt 22,42-44; Joh 1,18; 3,16; 5,17-19; 8,58; 10,30-36; 20,28; 1Joh 5,20; Röm 1,1-3; 9,5; vgl. Ps 2,7 und 2Sam 7,14 mit Hebr 1,3-5ff.

In den folgenden Abschnitten unserer Bibelstudien wollen wir die verschiedenen Details der Menschwerdung und Geburt von Jesus zeitlich-chronologisch betrachten und zwar in dem historischen, geographischen und kulturellen Kontext der damaligen Zeit.

Das war ein Auszug aus „Unterwegs mit Jesus“ Kapitel 1 – Die Geburt und Kindheit von Jesu.

Wer mehr über Jesus erfahren möchte – folge dem Link unten:

https://gottesgeheimnis.net/2017/01/08/unterwegs-mit-jesus-kapitel-1-die-kindheit-von-jesus/

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42. Frage: Herr, willst du, so wollen wir sagen dass Feuer vom Himmel falle?

Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass er in den Himmel aufgenommen werden sollte, da wandte er das Angesicht, entschlossen, nach Jerusalem zu wandern. Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten. Und sie nahmen ihn nicht auf.“ (Lk 9,51-53). Der Dienst von Jesus in Galiläa geht dem Ende zu und er macht sich auf den Weg nach Jerusalem  Dabei wählt er bewusst die kürzere aber auch  gefährlichere Route. Diese führte durch das Samaritische Hochland. Die Samariter und die Juden hatten grundsätzlich keine Gemeinschaft miteinander, doch hier lag ein anderer Grund vor.

Die ablehnende Haltung der Dorfbewohner begründeten sie mit: „weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern.“ (Lk 9,53b).

Und nun schaltet sich das Bruderpaar Jakobus und Johannes ein mit einem Vorschlag zur Vergeltung. Lukas berichtet weiter: „Als aber das die Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre, (wie Elia tat)?“ (Lk 9,54). Dieser Vergeltungsvorschlag erinnert an den Propheten Elia und seine Feueraktionen, die vor etwa achthundert Jahren in mittelbarer Umgebung stattfanden (2Kön 1,10-12). Was immer diese beiden Jünger mit dem Beinamen Donnersöhne motivierte, Jesus liegt es fern, sich selber zu rächen. Im Gegenteil, seine Reaktion gegenüber seinen Jüngern war heftig ablehnend und bedrohend. „Er aber wandte sich um und bedrohte sie.“  Als der Sohn des Menschen hat er sich NIE an jemandem gerächt. Und er zeigt seinen Jüngern, wie dieses Problem gelöst werden kann, nämlich: „Und sie gingen in ein anderes Dorf.“ Was für eine geniale Lösung! Die Bewohner des anderen Dorfes zeigten Jesus ihre Gastfreundschaft. Nein, nicht alle Samariter sind judenfeindlich. Denn wo immer Jesus Gastrecht gewährt wurde, hinterließ er seinen Segen, wie die Geschichte seiner Aufnahme in Sychar bestätigt (Joh 4). Vermutlich bereuten die Bewohner des ersten Dorfes spätestens am nächsten Tag ihr unüberlegtes Fehlverhalten.

Die  Begründung für sein Verhalten unterstreicht Jesus mit den Worten: „Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu retten.“ (Lk 9,56). Und entsprechend ist es seinen Nachfolgern niemals gestattet, sich selbst zu rächen (5Mose 32,35; Röm 12,19).

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41. Frage: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder vergeben?

Diese Frage kommt von Petrus und er fügt hinzu: „Ist’s genug siebenmal?“ (Mt 18,21). Mit dem zweiten Teil seiner Frage schätzt er sich als großzügig ein. Doch es ist gut, dass er diese Frage gestellt hatte. Das deutsche Verb `vergeben` bedeutet; was vorhanden war, gibt es nicht mehr, zum Beispiel: alle Gutscheine sind vergeben. Im Grunde handelt es sich um einen juristischen Vorgang, die Schuld wird nicht angerechnet, sondern erlassen.

Der erste Teil der Antwort von Jesus ist in symbolischen Zahlen zusammengefasst: „Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Mt 18,22). Durch diese Multiplikation wird die immerwährende Bereitschaft zur Vergebung unterstrichen.

Im zweiten Teil seiner Antwort erzählt Jesus ein Gleichnis, wodurch das Prinzip der Vergebungsbereitschaft anschaulich erklärt und begründet wird. „Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu zahlen. 26 Da fiel der Knecht nieder und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.“ “ (Mt 18,23-27). Wie großzügig! Doch bis heute ist bei den Menschen die Bereitschaft Schulden zu machen viel größer als die Schulden zu tilgen. „Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. Als nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. Da befahl ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.“ (Mt 18,28-35). Damit macht Jesus folgendes deutlich:

  1. Der Vater im Himmel ist der große Schuldentilger
  2. Unsere Schuld gegenüber Gott ist nicht nur die Größere, sondern auch die Unbezahlbare
  3. Gott vergibt uns, wenn wir unsere Schuld einsehen, bekennen und bei ihm von Herzen um Vergebung bitten
  4. Wir sind in der Pflicht unseren Nächsten ihre Verfehlungen zu vergeben
  5. Bei Zuwiderhandlung zieht Gott seine Vergebung zurück.

Jesus mutet Petrus nicht mehr zu, als er selbst als der größte Schuldentilger tat. Wie oft sagte er: „Dir sind deine Sünden vergeben“ oder in der Stunde größter Schmerzen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Schuldenerlass ist heute weltweit ein großes Thema. Zeigen wir Barmherzigkeit denen, die sich an uns schuldig machen? Wer seinem Nächsten die Schuld vergibt, entlastet  auch sich selbst.

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40. Frage: Wer ist der Größte im Himmelreich?

Den Hintergrund zu dieser Frage beschreibt der Evangelist Markus: „Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er im Haus war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg besprochen? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander besprochen, wer der Größte sei.“ (Mk 9,33-34). Und Lukas beschreibt wie alles anfing: „Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer von ihnen der Größte wäre“ (Lk 9,46). Wir sehen also, dass alles zunächst in den Gedanken bewegt wird, danach folgt die offene Diskussion darüber. Von Jesus daraufhin angesprochen, fühlen sich die Jünger ertappt und ihr anfängliches Schweigen macht deutlich, dass es ihnen peinlich ist mit Jesus darüber zu reden. Schließlich fragen sie ganz allgemein: „Wer ist nun der Größte im Himmelreich?“ (Mt 18,1). Die Jünger sind bald drei Jahre als Gruppe unterwegs mit Jesus. Seine Führungskompetenz stellt niemand von ihnen jemals in Frage, doch wie steht es mit ihren Kompetenzen? Ist es nicht an der Zeit Klarheit darüber zu schaffen, wer unter ihnen die Führung übernehmen soll? Die Antwort von Jesus stellt die Jünger vor zwei wichtige Entscheidungen:

  1. Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt 18,2-3). Jesus kann so reden, weil er ihr Denken  erkennt, was hinter ihrer Frage steckt. Die Jünger müssen von ihrem Streben nach Größe, Ansehen und Macht umkehren, sich davon abkehren. Andernfalls kommen sie nicht mal hinein ins Reich Gottes, geschweige denn zu einer hohen Position. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, kommt ihr nicht hinein. Dies führt uns zu der Erklärung von Jesus in Joh 3,5 „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasse und Geist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“. Geboren werden kann ein Mensch nur als Kind, so auch im Geistlichen Sinne (vgl. dazu auch 1Petr 1,23). 
  2. Wer nun sich selbst erniedrigt  und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Mt 18,4). Sich selbst zu erniedrigen, sich zu demütigen, bedeutet seine Schwachheit und Begrenztheit einzugestehen und zuzugeben. Es bedeutet, eine bewusste und freiwillige Unterordnung unter andere Autoritäten. Es bedeutet ein kindliches Vertrauen auf Gott, sowie eine Dienstbereitschaft an Nächsten. „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener“ (Mk 9,35). Und später wird Jesus ergänzend sagen: „und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht (wörtl: Sklave) sein.“ (Mk 10,44-45). Das einzigartigste Beispiel dafür ist Jesus selbst, der sich als Sohn Gottes bewusst und freiwillig erniedrigte in Knechtsgestalt des Menschen  (Phil 2,6-8). Darum hat ihn Gott erhöht.

Wer also nach oben will, steige hinab.

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39. Frage: Und sie fürchteten sich ihn zu fragen

Der Evangelist Markus schreibt: „Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand wissen sollte.“ (Mk 9,30).  Jesus sucht die Abgeschiedenheit, weil er seine Jünger in die bevorstehenden Ereignisse einweihen wollte. „Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen (nehmt mit zu Ohren): Der Sohn des Menschen wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen (und sie wurden sehr betrübt).“ (Mk 9,31; Mt 17,23). In der Vorstellung der Jünger hatte das Leiden und Sterben des Messias keinen Platz. Umso unverständlicher war für sie das Thema Auferstehung, obwohl Jesus bereits mehrmals darüber sprach. (Mt 12,39-40; 16,21; Mk 9,9-10). „Sie aber verstanden das Wort nicht“ (Mk 9,32a). Was läge da näher, als nachzufragen, doch „sie fürchteten sich, ihn zu fragen.“ (Mk 9,32b). Warum nur? Weil sie fürchteten zu hören bekommen, was sie nicht hören wollten. Denn bereits bei der ersten Leidensankündigung vor wenigen Wochen in Cäsarea Philippi stellte sich Simon Petrus Jesus in den Weg mit den Worten: „Gnade dir Gott, das widerfahre dir ja nicht“. Er wollte nicht wahrhaben, dass der Messias nach Gottes Plan leiden,  sterben und auch auferstehen sollte. Doch Jesus trat ihm mit den Worten entgegen: „Gehe hinter mich Satan, denn du meinst nicht was Göttlich, sondern was Menschlich ist.“ (Mt 16,22ff).

Was hätten sich doch die Jünger ersparen können an Enttäuschungen, wenn sie den Mut aufgebracht hätten nachzufragen und sich den Sachverhalt erklären zu lassen. Jesus wird noch zwei Mal seine Jünger mit diesem Thema konfrontieren (Mt 20,28; Mk 14,28) um sie damit auf seinen bevorstehenden Tod und Auferstehung vorzubereiten. Erst im nachhinein werden sie die Zusammenhänge verstehen.

Es fällt auch uns heute nicht leicht, lieb gewonnene Überzeugungen zugunsten der Wahrheit und Realität aufzugeben. Daher lohnt es sich immer wieder nachzufragen. Wer das tut, bekommt Antwort und erspart sich Zeit der Unsicherheit oder gar Enttäuschung.

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38. Frage: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme?

Die Zahlung der Doppeldrachme ging ursprünglich auf die Anordnung in 2Mose 38,26 zurück, worin eine Steuer für das Heiligtum von jedem Mann ab 20 Jahren gefordert wurde. Seit Alexander Jannäus (103-76 v.Chr.) wurde die Doppeldrachme jährlich an den Tempel entrichtet. Der Evangelist Matthäus schreibt: „Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus und sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme? Er sagt: Doch“ (Mt 17,24).  Petrus beantwortet diese Frage zwar mit JA, doch eigentlich war Jesus selbst zu einer Antwort herausgefordert worden. Hinter jeder Art von Steuernzahlen steht die Anerkennung der übergeordneten politischen oder religiösen Institution. Der eigentliche Gedanke hinter dieser Frage war: Anerkennt euer Lehrer den Tempeldienst an? Bekannt war, dass die Tempelbehörde korrupt war. „Und als er in das Haus eintrat, kam Jesus ihm zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem erheben die Könige der Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ (Mt 17,25). Jetzt ist Petrus mit seinem logischen Denken gefragt. „Da er aber sagte: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: Demnach sind die Söhne frei. Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt, öffne sein Maul, und du wirst einen Stater (Vierdrachmenstück) finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich.“ (Mt 17,26-27). Auf das Wort von Jesus geht Petrus hinab an den  See mit seiner Angel und erlebt das Wunder mit dem Fisch am Hacken und der Tetradrachme in dessen Maul. Als Messias / König des himmlischen Reiches Gottes weiß sich Jesus frei von dieser alttestamentlichen Verpflichtung, doch um den Juden keinen Anstoß zu geben, kommt er dieser Erwartung nach. Damit gibt Jesus allen seinen Nachfolgern ein wichtiges Beispiel auf den Weg. Wir haben die Freiheit, uns den traditionellen Gepflogenheiten unterzuordnen, um keine Barrieren für das Evangelium aufzubauen.

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37. Frage: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist mein einziger Sohn. Er ist taubstumm und mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser; und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht und sie konnten ihm nicht helfen. Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her! Und Jesus bedrohte ihn; und der Dämon fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde.“

Noch bevor die Jünger ihre Frage an Jesus richteten, wandte er sich an den Vater des Kindes und die umherstehenden Menschen mit den Worten: „O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht“. Damit stellt er ein denkbar schlechtes Zeugnis seinen Landsleuten aus. Was war der Grund dass es so viele dämonisch belasteten Menschen in Israel gab? Unreine Geister können nicht ohne weiteres von einem Menschen Besitz ergreifen. Dort wo der wahre Glaube an Gott aufgegeben wird, zieht der Aberglaube ein. Okkultismus jeder Art bringt Belastungen mit sich und beeinträchtigt auch die körperliche Verfassung des Menschen.

Auf die Frage der Jünger: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben“ antwortete Jesus mit zwei Begründungen.

Erstens: „Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ (Mt 17,19). Nach der Bewertung von Jesus gibt es den `Unglauben`, den `großen Glauben` und eben auch den `Kleinglauben (wörtl.: wenig Glauben)`. Die Einstellung: „Wir schaffen das schon“ bringt mangelnden Glauben (mangelndes Vertrauen auf Gott) zum Ausdruck. Kleinglaube ist demnach: den Blick auf sich selbst, auf die eigene Kraft oder gar auf das Problem zu lenken anstatt auf Jesus. (Ähnlich wie bei dem sinkenden Petrus der seinen Blick von Jesus weg auf die Wellen und den Wind richtete und von Jesus ebenfalls Kleingläubiger genannt wurde Mt 14,31). 

Zweitens: „Jesus sprach:  Diese Art (gr. genos) kann durch nichts ausfahren als durch Beten (und Fasten).“ (Mk 9,29). Diese Art von Dämonen fährt nur durch Gebet aus. Es sieht so aus, dass die neun Jünger (Petrus, Jakobus und Johannes waren nicht dabei) handelten ohne sich zuvor im Gebet an Gott zu wenden. Damit haben wir zwei sich ergänzende Begründungen von Jesus, welche das Versagen der Jünger erklären. Darum wende dich mit deinen Problemen gleich Bergen, vertrauensvoll an Jesus.

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