Inhaltsverzeichnis
- 1 6. Teil: Das binden des Drachen und die Herrschaft der Überwinder mit Christus, sowie der letzte Kampf und das Endgericht
6. Teil: Das binden des Drachen und die Herrschaft der Überwinder mit Christus, sowie der letzte Kampf und das Endgericht

Die dramatischen Ereignisse von Offenbarung 20 im Kontext der Heiligen Schrift
Einleitung und zeitliche Einordnung der Visionen
Das zwanzigste Kapitel der Offenbarung enthält vier Schwerpunkte mit einer Fülle an Ereignissen:
- Das Binden des Drachen für tausend Jahre;
- Die erste Auferstehung und das Regieren der Heiligen mit Christus tausend Jahre;
- Das Lösen des Drachen und der Aufmarsch aller antigöttlichen Mächte gegen das Heerlager der Heiligen und der geliebten Stadt;
- Die Auflösung der jetzigen Schöpfung, die Auferstehung der Toten und das Endgericht.
Dass es besonders für diese Texte unterschiedliche Sichtweisen gibt, ist bekannt. Dem Leser wird recht bald auffallen, welche Sichtweise hier entfaltet und auch begründet wird. Im Vordergrund des Versuches einer Deutung steht zunächst der Text selbst, danach aber auch der Kontext des Buches der Offenbarung und der übrigen Schriften der Bibel. Meiner eingeschränkten Erkenntnis bin ich mir bewusst und daher die Gelassenheit, weil es letztlich so kommen wird, wie Gott es sich in Christus vorgenommen hat zu tun. Da der zweite Teil in Offb 20,1-6 den gleichen Zeitraum umfasst, haben wir eine Art Kontrollfunktion was die zeitliche Einordnung betrifft. Und obwohl beide Ereignisse (der Drache im Gefängnis und das Regieren der Heiligen mit Christus) sich im gleichen Zeitraum abspielen, finden sie doch in zwei unterschiedlichen ja sogar gegensätzlichen geistigen Bereichen statt. Damit wird uns ein bestimmter Blick hinter die Kulissen des physisch materiellen Bereiches gewährt. Einblicke in jene Bereiche gab Gott zu verschiedenen Zeiten und bei bestimmten Anlässen:
- Einblicke in den himmlischen Bereich (Hiob 1-2; Jes 6,1-8; Hes 1,1-28; Mt 3,16; 17,2ff; Joh 12,29f; Apg 2,1f; 7,55-56; 22,6ff; 2Kor 12,1ff; einschließlich der Einblicke im Buch der Offenbarung).
- Einblicke in den Bereich der Finsternis (Jes 14,15ff; Mt 12,43ff; 25,46; Lk 8,31ff; 10,18; 16,23ff; Joh 12,31; 2Petr 2,4; Judas 1,6; einschließlich der Einblicke im Buch der Offenbarung).
Anders ist es bei dem dritten Abschnitt von Vers 7-9 in dem sich der Kampf offensichtlich im Erdbereich abspielt.
Der vierte Teil liegt schon außerhalb der irdischen Zeit (20,11-15).
Zu der zeitlichen Einordnung der beiden ersten Visionen aus Kapitel 20,1-15 gibt es folgende Beobachtung und daraus resultierenden Fragen mit Schlussfolgerungen.
Kapitel 19 schließt mit der Vernichtung der beiden Tiere im Feuersee und den Königen mit ihren Heerführern, der Reiterei, der Freien und Sklaven, der Kleinen und der Großen durch den, der auf dem weißen Pferd sitzt und dessen himmlischer Heeresmacht. Bei dem Feindesheer handelt es sich um dieselbe Gruppe von Menschen, welche durch den falschen Propheten verführt wurden (Offb 13,16). Und es ist dieselbe Gruppe, welche sich vor dem Zorn des Lammes fürchten werden (Offb 6,15). Es ist die erste Schilderung des Aufmarsches aller feindlichen Mächte am Tag Gottes des Allmächtigen, welche bereits bei der sechsten Zornesschale in Kapitel 16,12-14(+16-Ort Harmagedon) vorausgesagt wurde. Eine weitere Voraussage über denselben Kampf und dem Sieg des Lammes wird in Kapitel 17,12-14 gemacht. Die zweite ergänzende Schilderung desselben Aufmarsches wird in sehr kurzen Sätzen in Kapitel 20,7-10 beschrieben (hier mit der Betonung dass dahinter letztlich der Satan selber steht).
Würde man nun das geschehen in Kapitel 20,1-6 als chronologische Entwicklung nach Kapitel 19 ansehen, stellten sich folgende Fragen:
- Woher kommen Gog und Magog zusammen mit einer Menschenmenge wie Sand am Meer (Offb 20,8), wenn die Könige der Erde mit ihren Heeren samt allen Übrigen bereits in Kapitel 19,17-21 vollständig vernichtet wurden und im Feuersee endeten?
- Oder, wozu sollte der Drache in Offb 20,1-3 gefesselt werden, wenn es nach Kapitel 19,21 von den Nationen niemanden mehr zu verführen gäbe?
- Dazu käme bei der chronologischen Abfolge von Kapitel 19 zu 20 dass es zwei globale Aufmärsche am großen Tag Gottes des Allmächtigen sowie zwei Endgerichte gibt, die mit dem Feuersee enden und die zeitlich sehr weit auseinander liegen. Dies stünde aber im Widerspruch zu Offb 16,14 wonach der Krieg am großen Tag Gottes des Allmächtigen einmalig ist. Und ebenso stünde es im Widerspruch zu den Aussagen von Jesus und seiner Apostel, wonach es nur ein Endgericht gibt (Mt 10,15; 11,22; 12,36; 13,41; 25,31-46; Joh 12,48; Apg 17,30f; Röm 2,5; 2Petr 2,9; 3,7; Jud 1,6).
- Die zwei Schilderungen vom Gericht in den Kapiteln 19 und 20 sind nicht die Einzigen im Buch der Offenbarung welche sich ergänzen. Bereits in Kapitel 6,12-17 wird das Endgericht in mehreren Bildern beschrieben. Ebenso wird in 11,15-19 und 14,7-20 derselbe eine Tag des Gerichtes unter verschiedenen und sich ergänzenden Perspektiven beschrieben.
Fazit: Das Buch der Offenbarung hat zwar einen eindeutigen Anfang und Ende, doch innerhalb wird die Heils- und Weltgeschichte unter verschiedenen Perspektiven und mit Hilfe passender Symbole dargestellt. Daher können die geschilderten Abläufe in Offenbarung 20,1-6 nicht als chronologische Entwicklungen nach Kapitel 19,21 angesehen werden und daher auch nicht als erst noch in der Zukunft ausstehend. Sie können jedoch mit der Thronbesteigung, bzw. Machtübernahme von Jesus in einem zeitlichen Zusammenhang gesehen werden und münden schließlich in die Endphase ein wie in Offb 20,7-15beschrieben wird. Denn es ist logisch und belegbar, dass mit der Machtübernahme von Christus zeitgleich auch die Macht Abnahme des Drachen einherging. Dazu mehr im Teil 6.1.2 und 6.1.3.
6.1 Die Bindung des Drachen für tausend Jahre
Die dramatische Beschreibung über das Binden des Drachen beginnt mit den Worten: „Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. 2 Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre 3 und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführte, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muss er für kurze Zeit losgelassen werden.“ (Offb 20,1-3).
Der `Drache` und die `Alte Schlange` sind symbolhafte Bezeichnungen für den Teufel oder Satan. Dazu gibt es detaillierte Beschreibungen im Teil 4.2 (in Kapitel 12).
Es ist bekannt, dass die Textstelle in Offenbarung 20,1-6 eine am schwierigsten zu deutende ist, daher auch die große Vielfalt an Auslegungen. Im Folgenden werden wir anhand von drei Fragen dieser ersten Vision nachgehen.
6.1.1 Für welchen Zeitraum wird der Drache gebunden?
Zunächst versuchen wir die Frage zu klären, wie die Zeitangabe tausend Jahre zu deuten ist, da es dazu unterschiedliche Auslegungen gibt. Grundsätzlich werden zwei Sichtweisen vertreten – die wörtliche und symbolische. Für beide werden auch entsprechende Begründungen angeführt und je nach Deutung kommt man auch zu einem anderen Ergebnis.
Nach der einen Sichtweise geht es hier um chronologische tausend Jahre oder falls symbolisch, dann immer hin in der Zukunft liegende Periode. Diese Auffassung ist populär und wird mit dem so genannten tausendjährigem irdischen Friedensreich in Verbindung gesehen. Kurz vor der Himmelfahrt fragten die Jünger: „Herr, wirst du zu dieser Zeit das Reich für Israel wieder aufrichten?“ Und Jesus antwortete: „Es gebührt euch nicht zu wissen (chronos-wann und kairos-wie /was) der Vater in seiner Macht bestimmt hat.“ (Apg 1,6-7). Zum einen verschweigt Jesus, was sein Vater vorhat und zum anderen verschließt er ihnen den Zugang zu diesem verborgenen Handeln des Vaters. In diesem Fall gilt: „Das Verborgene ist des Herrn unseres Gottes, was aber offenbart wurde gilt uns und unseren Kindern“ (5Mose 29,28). Dagegen lenkt Jesus die Gedanken der Jünger auf das Kommen des Heiligen Geistes und ihren Zeugendienst. Etwa im Jahre 48 n.Chr. während der Apostelversammlung zitierte Jakobus den Propheten Amos: Danach will ich mich wieder umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten“ (Apg 15,15-17 mit Bezug auf Amos 9,11). Was Jakobus hier zitierte, wendete er auf seine Zeit an in der Jesus als der wahre König David und guter Hirte sein geistliches Reich mit dem gläubigen Rest Israels und den Nationen aufrichtete (Hes 37,24ff mit Joh 10,1-16). Bemerkenswert ist auch, dass in diesen zwei Visionen der Bezug zu einem irdischen Friedensreich und dem natürlichen Israel fehlt.
Die andere Sichtweise geht von einer symbolischen Deutung aus, das heißt: Die eintausend Jahre umfassen das neutestamentliche Zeitalter bis kurz vor der Wiederkunft von Jesus in Macht und Herrlichkeit. Da diese Sichtweise weniger populär ist, soll auf sie detaillierter eingegangen werden, wenn auch bei dieser Deutung einige Fragen offen bleiben.
Anmerkung: Die Zahl eintausend ist nicht die Einzige im Buch der Offenbarung, die für eine symbolische Zeitspanne stehen kann. Zum Beispiel Offb 2,10: „zehn Tage“; 3,10: „Stunde der Versuchung“; 9,5.10: „fünf Monate“; 11,1-3: „42 Monate oder 1260 Tage“; 12,6: „1260 Tage“ oder 12,14: „eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“; 13,5: „42 Monate“; 17,12: „für eine Stunde“; 18,10.17.19: „in einer Stunde“; dazu auch 1Joh 2,18: „es ist die letzte Stunde“.
Die Zahl eintausend Jahre` wird im Text von Offb 20,1-7 zwar sechs Mal genannt, doch lässt sich davon noch keine eindeutige Deutung ableiten. Übrigens ist diese Jahre-Zahl die größte im biblischen Kontext. An zweiter Stelle liegt Methusalem mit neunhundertneunundsechzig Jahren (1Mose 5,27). Glücklicherweise kommt diese Zahl in der Bibel noch an zwei weiteren Stellen vor und kann zum besseren Verständnis des Textes in Offb 20,1-7 beitragen. Damit halten wir uns auch an das Auslegungsprinzip: die Schrift muss durch die Schrift ausgelegt werden und die unklaren Stellen werden mit Hilfe von klaren Parallelstellen ausgelegt. So steht in Psalm 90,4: „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache“. Mose, der diese Worte betete, bekam von Gott Einblick in die Vergangenheit, die Zukunft und in das ewige Sein Gottes, das den Namen `Jahwe` ausmacht (Ps 90,1-3; 2Mose 3,6; 5Mose 18,15 mit Joh 5,46; 2Mose 3,14-15). Und Petrus zitiert diesen Psalm in 2Petr 3,8: „Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass „Ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag“. Der Zusammenhang in dem Petrustext ist dazu auch noch das Thema der Wiederkunft von Jesus und der sich (nach der Behauptung der Kritiker) angeblich in die Länge ziehenden Zeit davor. Doch Gott verzieht keineswegs seine Verheißung zu erfüllen, er geht nur nach seinem eigenen Kalender. Wegen seiner Geduld, Langmut, weil „er nicht will, dass jemand verloren gehe“.
Der Apostel erweitert die Aussage des Psalmisten, so dass klar wird: Tausend Jahre sind nach seiner Rechnung wie Ein Tag (oder gar wie eine Nachtwache), aber auch umgekehrt. Damit wird die göttliche Zeitrechnung über die menschliche/irdische gelegt. Bereits diese Erklärung aus der Schrift wäre gewichtig genug, um über die Verwendung der tausend Jahre in Offb 20,1-7 als einer symbolzahl nachzudenken. Aufschlussreich kann auch eine Aussage sein, welche Gott macht in Bezug auf die lange Periode der Geschichte Israels (Jes 65,2). Und Paulus zitiert diesen Text in Röm 10,21: „Zu Israel aber spricht er: »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach einem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht„. Dieser `ganze Tag` umfasst nach Gottes Sicht die lange Periode in der Israel immer wieder Gottes Rufen ignoriert hat. Auch wird die gnädige Zuwendung Gottes als ein Tag des Heils bezeichnet, so der Apostel in 2Kor 6,2: „Denn er spricht: »Ich habe dich zur willkommenen Zeit (kairos) erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen«. Und der Apostel bezieht dieses Zitat (diesen Tag) auf das Zeitalter des Evangeliums: „Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit (kairos), siehe, jetzt ist der Tag des Heils (der Rettung)“. So erkennen wir, dass Gott große Zeiträume hier auf Erden mit `einem Tag` beziffert (dazu auch Hebr 4,7: „Ein Tag“, als der Ruhetag- gr. sabbatismos, der das gesamte Zeitalter der Gnade umfasst ). Auch diese Texte sprechen für die Möglichkeit einer symbolischen Deutung der eintausend Jahre in Offb 20,1-7, die den neutestamentlichen Zeitraum umfassen.
Und noch ein Hinweis aus dem Buch der Offenbarung: Die Zeitspanne der Gemeinde wird mit 1260 Tagen bemessen. Ebenso wird die Zeitspanne der Herrschaft des Tieres über die Nationen mit 42 Monaten beziffert. Wörtlich genommen entspräche dies dreieinhalb Jahren. Faktum aber ist, dass das Tier seine Machtposition vom Drachen bereits am Anfang übertragen bekam und sein Ende im Feuersee markiert wird. Über den gleichen Zeitraum erstreckt sich die Existenz der Gemeinde. All diese Hinweise sprechen für den symbolischen Gebrauch der eintausend Jahren in Offb 20,3-7.
Während für das Alte Testament viele und präzise Zeitangaben gemacht werden (430 Jahre 2Mose 12,40; 480 Jahre 2Kön 6,1; 70 Jahre Dan 9,2), vermeidet Jesus und seine Apostel solche Zeitangaben für die Periode des Neuen Testaments mit den wiederholten Hinweisen zur Wachsamkeit und der Beachtung von den Zeichen der Zeit. Dies legitimiert zusätzlich zu einer symbolischen Verwendung dieser Jahre-Zahl in Offb 20,1-7a. Selbst in den Visionen im Buch der Offenbarung lassen sich die sieben Siegel und die sieben Posaunen nicht in zeitliche Perioden einfassen. Nur dass mit der siebten Posaune die chronologische Zeit abgelaufen sein wird (Offb 10,6). Und die sieben Zornesschalen werden als die letzten bezeichnet (Offb 21,9).
Fazit: Der Beginn des letzten Zeitabschnittes der Weltgeschichte lässt sich gut ausmachen, weil die heilsgeschichtlichen Aussagen sowie die historischen Berichte vorliegen (1Petr 1,20: „offenbart aber zur letzten Zeit (genauer: zur letzten der Zeiten-chronön“; Gal 4,4: „Als aber die Zeit (chronos) erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“; Lk 2,1ff; 3,1ff). Das Ende jedoch liegt allein im Wissen des Vaters (Mt 24,36). Und die Ereignisse dazwischen werden nicht mit chronologischen Zahlen zu ermitteln sein, dies betrifft sicher auch die Zahl tausend Jahre, wenn versucht wird diese wörtlich/mathematisch zu ermitteln.
Zu bemerken wäre auch, dass die Zeit des Wirkens für den Drachen nach den tausend Jahren ebenfalls nicht mathematisch festgelegt wird. Es heißt lediglich „eine kurze Zeit“ mikros Chronos. Im Gegensatz zu Offb 12,12 ist hier eine kurze chronologische Einheit gemeint. Klar wird aber auch, dass seine freie Wirksamkeit weit nicht in der Relation zu seinem relativ langem gebunden sein steht.
Dieser Ansatz zur Deutung scheint mir plausibel zu sein. Doch er führt zu einer weiteren herausfordernden Frage. Wenn die tausend Jahre sich auf den Zeitraum des Evangeliums beziehen, wie lässt sich dann die Bindung und Verschließung des Drachen erklären? Immerhin setzte er seine verführerischen Taktiken auch nach der Erhöhung des Christus fort (Offb 12,13-17).
6.1.2 In welchem Umfang und zu welchem Zweck wird der Drache gebunden?
Im Text wird dazu eine kurze Begründung gegeben: „Damit er nicht mehr die Nationen verführte bis die tausend Jahre vollendet sind.“ (20,3b). Sicher gibt es eine breite Übereinstimmung darüber, dass der Drache, im Zusammenhang der Thronbesteigung von Jesus (Offb 12,5), in seinem Wirkungsbereich stark eingeschränkt wurde. Denn in Offb 12,9 wird festgestellt: Und es wurde hinausgeworfen der Drache, die Alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan der die ganze Welt verführt und wurde auf die Erde geworfen und seine Engel wurden auch dahin geworfen“. Für die ganze `Welt` steht im Griechischen `oikoumen¢`. Dieser Begriff setzt sich aus den Worten `Haus und wohnen/bleiben` zusammen und damit ist die Wohnstätte der Menschen betont so auch in Offb 3,10; Apg 17,31. Vor seinem Hinauswurf hatte der Teufel mehr Macht und Bewegungsfreiheit, sodass er in größerem Umfang die Nationen verführen konnte. Dies wird durch die Bemerkung „damit er die Nationen nicht mehr verführte“ unterstrichen, denn der Umkehrschluss ist, dass er es vorher tun konnte (Apg 14,16; 17,29ff). Insbesondere stand in seinem Visier das Volk Gottes mit den Verheißungsträgern im Hinblick auf den kommenden Retter:
- Er verführte Esau, der seinen Bruder Jakob umbringen wollte und damit wäre der Träger der göttlichen Verheißung ausgelöscht worden (1Mose 27,41). Doch Gott bewahrte Jakob und machte aus ihm Israel.
- Er verführte Pharao, der die Knaben in Israel ermorden ließ und später den Israeliten nachjagte, um sie zu vernichten (2Mose 1,22ff; 15,9).
- Sein Bestreben war durch Haman den Judenfein das Volk Gottes auszurotten und damit das Kommen des verheißenen Retters (von dem er Kenntnis hatte) zu verhindern (Esther 9,24; 1Mose 3,15).
- Er verführte Herodes, der Jesus ermorden suchte, was ihm jedoch nicht gelang, weil Gott dem Satan immer einen Schritt voraus war (Mt 2).
Ja, sein Hauptangriffsziel war Jesus. Zu denen, welche ihn gefangen nehmen wollten sagte er: „Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis“ (Lk 22,53). Der Teufel ist nicht allwissend und konnte nicht erkennen oder mindestens nicht glauben, dass er gerade Durch den Tod Jesu gerichtet und entmachtet wird. Hätte er die Schrift richtig verstehen können, würde er alles daran gesetzt haben, damit Jesus nicht getötet worden wäre (Joh 8,44: „Er ist ein Menschenmörder und steht nicht in der Wahrheit“). Damit steht fest, er tat das, was er in seinem gefallenen Wesen war, nämlich Lügner und Menschenmörder. Und dies machte ihn blind für das, was danach kommt, nämlich, dass der Nachkomme der Frau ihm den Kopf zermalmen wird (1Mose 3,15).
Nach einer ungewöhnlichen Machtdemonstration bei denen Judas und die mit ihm waren zu Boden fielen, ergab Jesus sich freiwillig in ihre Hände. Bereits in Psalm 2,1-2 wurde über die Auflehnung der Mächtigen dieser Welt gegen Christus vorausgesagt: „Warum toben die Völker und murren die Nationen so vergeblich? 2 Die Könige der Erde lehnen sich auf, / und die Herren halten Rat miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten.“ Und die Gemeinde in Jerusalem betete diesen Psalm nach dem Verhör der Apostel und im Rückblick auf die Vereinigung der Mächtigen gegen Jesus: „ Du hast durch den Mund Davids, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: »Warum toben die Nationen, und die Völker nehmen sich vor, was vergeblich ist? 26 Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.« 27 Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Nationen und den Stämmen Israels, 28 zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt haben, dass es geschehen sollte.“ (Apg 4,25-29). Diese Stunde der umfangreichen Machtausübung des Satans durch die Vereinigung der Ungläubigen ging mit der Auferstehung von Jesus zu Ende (Mt 28,17-20). Und in Hebräer 2,14-15 wird von Jesus konkret gesagt: „Auf dass er durch (seinen) Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, 15 und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten“. Und Paulus schreibt im Rückblick von Jesus: „Der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“ (2Tim 1,10).
An Pfingsten begann der größte Siegeszug Gottes in dieser Welt (Apg 2-28). Christus begann sein Reich, seine Herrschaft unter den Nationen auszubreiten, beginnend in Israel (Apg 3,19ff; Röm 15,19; 1Kor 15,25).
Der Wuterfüllte Drache verfolgte auch nach seinem Sturz und Entmachtung weiterhin die Gemeinde, die Sonnenfrau und ihre Nachkommen (Offb 12,13-17; Apg 4,12; 7,58-8,1; 12,1f; Offb 2,10). Anschließend übergab er seinen Thron an das Tier, das seinerseits über alle Nationen zu herrschen Macht hatte (Offb 13,2-7). Ob der Drache freiwillig seinen Thron an das Tier abgetreten hatte, ist aus dem Text nicht eindeutig zu erkennen. Sicher ist jedoch dass er damit an Macht und Einfluss verlor. Denn danach und bis heute gab und gibt es nur lokale und periodische Angriffe auf das Volk Gottes. Doch gegen Ende der Zeit wird der Satan wieder losgelassen werden, um die Nationen im globalen Umfang gegen Christus und sein Volk zu versammeln (Offb 20,7-9a). Bei diesem letzten Kampf wird Christus ihn nicht im Gefängnis, sondern im Kampf vernichten (Offb 20,9b-10; Hes 39,1-6).
Nun wollen wir klären, auf wen sich die Bezeichnung `Nationen` in Offb 20,3b bezieht. Es handelt sich um eine Bezeichnung, welche in sich alle anderen Untergruppen einschließt (Nationen, Stämme, Völker und Sprachen). Diese Bezeichnung wird siebenmal in einer Vierergruppe verwendet (Offb 5,9; 7,9; 10,11(?); 11,9; 13,7b; 14,6; 17,15). Und zehnmal steht diese Bezeichnung für sich allein (Offb 11,2; 11,18; 15,3; 16,19; 18,3.23; 20,3.8; 21,24; 22,2). doch immer entscheidet der Kontext, ob es um Gläubige aus den Nationen geht wie in 5,9; 7,9; 21,24; 22,2 oder sind es Menschen aus dem Feindeslager, wie der Vergleich von Offb 20,3 mit 20,8 nahelegt. Noch einmal: Die dramatische Schilderung über das Binden des Drachen und verschließen im Abgrund samt der Versiegelung zum Zweck die Nationen nicht mehr zu verführen, wie es ihm gewährt wurde bei der Kreuzigung von Jesus, erweckt den Eindruck einer totalen Stilllegung aller seiner Tätigkeiten für den Zeitraum von tausend Jahren. im Neuen Testament gibt es jedoch keine Stelle, welche eine damit verbundene Friedenszeit andeuten würde.
Die Beschreibung des Ablaufs der Weltgeschichte durch Jesus sprechen eine andere Sprache (Mt 24; Mk 13; Lk 21). Auch gibt es keine Textstelle, die eine totale Untätigkeit des Satans im Zeitraum zwischen der Erhöhung des Christus und seiner Wiederkunft ausdrücklich belegen würde. Satans Einfluss durch direkte und auch indirekte Verführung ist nicht nur unter den Gläubigen, sondern auch unter den Ungläubigen durchgehend belegt. Die Liste enthält Aussagen, welche die Wirksamkeit Satans in der Zeit der Apostel belegen. Sie enthält Aussagen, welche die Wirksamkeit Satans im Allgemeinen belegen ohne zeitliche Einschränkung. Und sie enthält Aussagen, welche die Wirksamkeit Satans offensichtlich über den gesamten Zeitraum belegen.
- Die Gemeinde wird von innen angegriffen: „Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt“ (Apg 5,1ff).
- Die Gemeinde wird von außen durch Verfolgung angegriffen (Apg 7,58-8,1; 12,1f). Dies entspricht der Verfolgungsjagd des Drachen hinter der Frau und ihren Nachkommen in Offb 12,13-17.
- Im Versuch der Unterwanderung durch Simon den Zauberer in Samarien (Apg 8,19).
- Widerstand gegen das Evangelium durch Elymas in Apg 13,10: „Du Sohn des Teufels, voll aller List und Bosheit, Feind aller Gerechtigkeit, hörst nicht auf krumm zu machen die geraden Wege des Herrn“.
- Angriff auf das Evangelium und Verführung der Stadtbewohner von Philippi durch die Wahrsagerin (Apg 16,17ff).
- „Der Satan hat uns verhindert“ (1Thes 2,18).
- „Damit euch der Satan nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt“ (1Kor 7,5).
- „Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage“ (2Kor 12,7).
- „Er sei kein Neuling, damit er nicht falle ins Urteil des Teufels. Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.“ (1Tim 3,6-7).
- „Denn schon haben sich einige abgewandt und folgen dem Satan.“ (1Tim 5,15).
- „Und mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweist. Vielleicht hilft ihnen Gott zur Umkehr, die Wahrheit zu erkennen 26 und wieder nüchtern zu werden aus der Verstrickung des Teufels, von dem sie gefangen sind, zu tun seinen Willen.“ (2Tim 2,25-26).
Die Wirksamkeit Satans im Allgemeinen, ohne zeitliche Einschränkung:
- „Den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi“ (2Kor 4,4).
- „nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.“ (Eph 2,2).
- Bei seinem Zeugnis vor Agrippa und Berenike sprach Paulus von seinem Auftrag der Verkündigung des Evangeliums: „um ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott.“ (Apg 26,18).
- „Der Frevler aber wird kommen durch das Wirken des Satans mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern 10 und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden.“ (2Thes 2,9-10). Der Kontext hebt die Wirksamkeit Satans hervor in der Entwicklung des Abfalls, dessen Wirksamkeit bereits zur Zeit des Paulus erkennbar war und setzt sich fort in weiteren Verführungen durch Lüge und zwar im Verlauf der gesamten Zeit.
- „Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. 12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph 6,11-16).
- „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. 9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt kommen.“ (1Petr 5,8-9).
- „Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen damit ihr geprüft werdet und ihr werdet Bedrängnis haben zehn Tage.“ (Offb 2,10).
Auch Jesus sagte Verführungen durch falsche Propheten voraus ohne den Zeitraum einzuschränken (Mt 7,15; 24,4f; 24,12; 24,24ff).
- „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.. Daran wird offenbar, welche die Kinder Gottes und welche die Kinder des Teufels sind: Wer die Gerechtigkeit nicht tut, der ist nicht von Gott, und auch, wer seinen Bruder nicht lieb hat.“ (1Joh 3,8+10).
- „Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, sind jetzt viele Widersacher Christi aufgetreten; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.“ (1Joh 2,18); ergänzend dazu: „Denn viele falsche Propheten sind hinausgegangen in die Welt. Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; 3 und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.“ (1Joh 4,1-3).
- und: „die ganze Welt liegt im Argen“ (1Joh 5,19)
Diese Beobachtung klingt nicht nach einer totalen Einkerkerung zur völligen Untätigkeit des Drachen, egal welcher Sichtweise über die tausend Jahre man den Vorzug gibt. Seine Untätigkeit ist auch dann und dort nicht, wo dies durch seine Engel und sogar durch Menschen bewirkt oder beeinflusst wird. Daher müssen wir fragen, um welcher Art und in welchem Umfang von der Bindung des Drachen (die Nationen nicht mehr zu Verführen) in diesem Text die Rede ist? Um einer Antwort näher zu kommen, werden im Folgenden drei Argumente vorgestellt.
Erstes Argument: Man muss seine Tätigkeit während der kurzen Zeit seines Wirkens in Freiheit feststellen. Er wird nämlich aus dem Gefängnis freigelassen, um zu verführen die Nationen, den Gog und Magog mit einer Menschenmenge deren Zahl ist wie der Sand des Meeres (Offb 20,7-8; Hes 38,15-16). Nebenbei bemerkt, dass die Bezeichnung Nationen in 20,3 und 20,8 auf das Feindeslager bezogen wird, obwohl sie zwischenzeitlich weit voneinander liegen. Denn in 20,3 also zu Beginn seiner Bindung hieß es: „damit er nicht mehr die Nationen verführte“. Und 20,7-8 also nach seiner Freilassung heißt es: „um die Nationen zu verführen“. Zu welchem Zweck und Ziel wird er freigelassen? Die Antwort lautet: Um durch Verführung die Nationen aus den vier Ecken der Erde zu sammeln und mit diesem Heer gegen das Volk Gottes zu kämpfen. Der Text in Offb 20,9 lautet: „Und sie umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt“). Genau diese globale Verführung und Sammlung der Nationen zu einem einheitlichen Block und Ziel darf er im Zeitraum von tausend Jahren nicht durchführen. Daher kann sich die Bindung und Verschließung für tausend Jahre nur darauf beziehen.
Zweites Argument: Der Text in Offb 12,12 deutet etwas versteckt an, dass der Drache nach seinem Sturz (obwohl stark eingeschränkt) immer noch wirksam ist: „Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kam zu euch hinab und hat einen großen Zorn (Wut) und weiß, dass er wenig Zeit hat.“ Für „wenig Zeit“ steht hier im Griechischen der Begriff `oligon kairos` und damit ist keineswegs eine kurze chronologische Zeitspanne gemeint wie in Offb 20,3c: „mikros chronos“, sondern es wird betont, dass der Drache (im Vergleich zu vorher) in der Jetztzeit in seinem Wirken stark eingeschränkt ist und ab jetzt wenig Möglichkeiten, wenig Spielraum hat. Diese Einschränkung erklärt auch seine große Wut. Er konzentriert sich auf die Verfolgung der Frau und ihre Nachkommen (Offb 12,12-17). Doch auch die übrigen Erdbewohner bekommen seinen Zorn zu spüren, wie durch das nächste Argument bestätigt wird.
Drittes Argument: Schauen wir uns noch eine weitere Perspektive an, die auf indirekte Weise Licht auf die Schwächung und Einschränkung der Wirksamkeit des Drachen werfen kann. So könnte die Tausend Jahre lange Einschränkung in seiner Wirksamkeit im Zusammenhang mit der Übergabe seiner Vollmachten an das Tier aus dem Meer gesehen werden: „Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht“ (Offb 13,2). Wer seinen Thron abgibt, gesteht (wenn auch unausgesprochen) seine Ohnmacht und verliert selber an eigenem Einfluss. Das Tier stellt jedoch ein Machtsystem dar, in dem die ausführenden Herrscher (wie die Geschichte bis heute bestätigt) in einem harten Konkurrenzkampf zueinander stehen. Dadurch wird in dieser Zeit eine globale Versammlung und Vereinigung aller feindlichen Mächte unter der Führung des Drachen zurückgehalten. Ausdrücklich wird bereits am Anfang vom Tier gesagt: „und es wurde ihm gegeben Macht über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen. 8 Und alle, die auf Erden wohnen, werden ihn anbeten, alle, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist.“ (Offb 13,7-8). Hier wird die Vorrangstellung des Tieres gegenüber dem Drachen deutlich, denn alle Nationen, Völker, Stämme und Sprachen sind nun unter der Macht des Tieres.
Anmerkung: Im Gegensatz zum Drachen setzte sich Jesus zur Rechten des Vaters auf dessen Thron. Aber der Vater blieb selber auch auf seinem Thron sitzen. Und wenn Jesus den Überwindern verheißt auf seinem Thron zu sitzen, dann bleibt er selber auf dem Thron sitzen. Der Drache dagegen hat seine Kraft, seinen Thron und große Macht an das Tier abgetreten und dies erklärt zusätzlich seine Einschränkung, so dass er die Nationen in dieser Periode nicht mehr für sein Hauptziel verführen kann (Offb 20,3). Denn Thron steht für Aktive Machtausübung. Erst in der Endphase bei der sechsten zornesschale tritt er wieder im globalen Umfang auf und steht an erster Stelle, und zwar zum Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen (Offb 16,12-14 und 20,7-9). Bis dahin ist er sehr eingeschränkt
6.1.3 Durch wen und womit wird der Drache gebunden?
In den Texten der Offenbarung treten viele Engel in Aktion, doch nur einer wird namentlich genannt, es ist Michael der Erzengel. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass gerade dieser Erzengel bereits früher zweimal in Aktion mit dem Teufel getreten war (Judas 1,9; Offb 12,7). Es läge nahe, dass Michael auch für diese Aktion zuständig wäre. Trotzdem bleibt es offen, um welchen Engel es sich hier handelt. Doch die Tätigkeit des himmlischen Boten kann nicht losgelöst betrachtet werden von dem, der die Voraussetzungen für die Bindung des Drachen geschaffen hatte und das ist Christus selbst.
Es wird auch nichts darüber gesagt, ob die Anhänger des Drachen in ihrer Wirksamkeit auch miteingeschränkt worden wären, obwohl es dafür in den Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen der Apostel viele Anhaltspunkte gibt (zB: Apg 10,38: „Wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm“. Wir verstehen, dass es sich hier nicht um ein wörtliches Binden von einem physischen Drachen geht, denn hinter diesem Bild verbirgt sich eine geistige Realität. Der Satan ist ein Geistwesen und kann nicht mit einer materiellen Kette gefesselt werden. Dies funktionierte nicht mal auf die Dauer bei dem von Dämonen besessenem Menschen bei Gergesa (Mk 5,4).
Der von Christus bevollmächtigte Engel, welcher aus dem Himmel herabkommt hat in seiner Hand eine große Kette Und dazu den Schlüssel zum Abgrund. Er ist autorisiert den Drachen festzunehmen, zu fesseln und in dem Abgrund zu verschließen. Zur Sicherung wird der Verschluss auch noch versiegelt.
Die Bezeichnungen Abgrund (offb 20,2) und Gefängnis (Offb 20,7) beschreiben verschiedene Aspekte der Einschränkung des Drachen. Der Abgrund (abyssos) ist uns bereits aus Offb 9,1.10; 11,7 und 17,18 bekannt. Die Bedeutung des Wortes ist zwar `bodenlos`, doch die Offenbarungstexte machen deutlich, dass von dort Wiederkehr möglich ist, wenn Gott es zulässt (Offb 11,7; 17,16; vgl. 20,3 mit 20,7). Es handelt sich dabei um eine Vorübergehende Verwahrung.
Da der Drache, die alte Schlange als Teufel und Satan ein Geistwesen ist, muss auch die große Kette (auch der Schlüssel und das Siegel) ein geistliches Werkzeug darstellen. So kann unter dem Bild vom Binden mit der großen Kette und Verschließen im Abgrund, samt der Versiegelung das Wort des Evangeliums von Jesus Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes verstanden werden (Mt 4,23; Mk 1,14ff). Denn so wie dieses Wort die Kraft zum Lösen besitzt, so besitzt es die Kraft und Macht zum Binden. In Markus 1,39 heißt es über Jesus: „Und er predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.“ (ähnlich auch in Mk 1,23ff: die machtvolle Bindung des unreinen Geistes und die Befreiung jenes Menschen; 1,34: Jesus heilte Kranke, trieb viele Dämonen aus und ließ sie nicht reden; ähnlich auch in Lk 4,41; 10,18-20: in Jesu Namen sind die Dämonen auch den Jüngern untertan). Die Austreibungen von Dämonen durch den Heiligen Geist ist einer der Belege, dass das Reich Gottes angebrochen ist und der Einfluss des Satans verringert wird (Mt 10,1ff und 12,28; Apg 10,38). Die Schriftgelehrten und Pharisäer unterstellten Jesus gegen ihr besseres Wissen, dass er die Dämonen durch den Beelzebul (Teufel) austreibe. Und in diesem Zusammenhang argumentiert Jesus: „Oder wie kann jemand in das Haus des Starken eindringen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt? Und dann wird er sein Haus ausrauben.“ (Mt 12,24-29; vgl. dazu auch Mk 3,27). Dieses Bild oder Vergleich macht deutlich, dass Jesus als der Stärkere in den Bereich Satans eingebrochen ist und ihn gebunden hat. Wer die Vollmacht hat einzelne Dämonen auszutreiben oder ganze Legionen von unreinen Geistern in den Abgrund oder in die Säue zu schicken, hat auch die Vollmacht den Anführer der Dämonen zu binden (Lk 8,31). Wenn Jesus das Wort Gottes ist und die Schlüsselgewalt besitzt (Jes 22,22 mit Offb 3,7; 1,18), dann ist es nicht schwierig in der Versiegelung des Abgrundes die Mitwirkung des Heiligen Geistes zu erkennen, auch wenn in der Vision die Aktion durch einen Engel dargestellt wird.
Beachten wir dabei, dass die Engel immer im Auftrag und Bevollmächtigung durch Gott handelten (Dan 6,23; Apg 12,11; einschließlich der bevollmächtigten Engel im Buch der Offenbarung).
Paulus zitiert die messianische Verheißung aus Psalm 68,19 und bezieht diese auf die Erniedrigung und Erhöhung von Christus sowie seinen gewaltigen Eingriff in das Reich des Feindes: „Darum heißt es: »Er ist aufgefahren zur Höhe, hat gefangengeführt die Gefangenschaft und den Menschen Gaben gegeben. Dass er aber hinaufgefahren ist, was ist das anders als dass er auch hinabgefahren ist in die unteren Örter der Erde.“ (Eph 4,8-9; Phil 2,6-11).
Anmerkung: Jesus hat die Gefangenschaft – das Gesetz der Sünde und des Todes“ gefangen geführt, erobert. In Hebr 2,14 wird erklärt wodurch es möglich wurde: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.“ (dazu auch Offb 1,18). Ja, Jesus hat ihn seine Macht weggenommen und führt seitdem die Gefangenen in die Freiheit und die geistlich Toten in das Leben (Jes 61,1-2 mit Lk 4,18; Joh 8,36; 5,24-25; 2Tim 1,10).
Und in Epheser 1,20-23 schreibt der Apostel: „Mit ihr hat er an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (vgl. dazu auch Dan 7,13-14). Und in Kol 2,15 ergänzt er: „Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.“ Und Diese Entmachtung des Satans und seines Gefolges (ähnlich wie bei einem Triumphzug) kann sowohl die punktuelle und lokale Einschränkung der Wirksamkeit des Satans als auch seine globale Einschränkung für Tausend Jahre zum Zweck wie oben dargelegt begründen.
Erinnern wir uns noch daran, dass dieser Drache von dem Erzengel Michael aus dem himmlischen Bereich mit samt seinen Engeln hinaus und auf diese Erde hinabgeworfen wurde (Offb 12,7-9). Denn es ist logisch und belegbar, dass mit der Machtübernahme von Christus zeitgleich auch die Machtabnahme des Satans einherging:
- Die uneingeschränkte Macht von Jesus (Mt 28,17-20: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“; dazu auch Hebr 1,1-12; Phil 2,9-11; Offb 12,9-10: „Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Ankläger unserer Brüder ist gestürzt, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott“.
- Die Machtabnahme des Satans: „Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden nach draußen“ (Joh 12,31; „dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist“ (Joh 16,11). Diese veränderten Machtbefugnisse geschahen im Zusammenhang mit dem Werk der Erlösung Christi und seiner Erhöhung zum Thron Gottes (Offb 12,5; Phil 2,6-11).
Beachten wir auch, dass Jesus sich mit seinem Vater auf dessen Thron setzte, während der Drache seinen Thron dem Tier aus dem Meer übergab und damit ohne Thron blieb, also an Macht einbüßte (Offb 12,5; 13,2). Es wäre einfach nicht nachvollziehbar, wenn Gott den Satan nach diesem Gerichtsurteil so weiter machen ließe wie vorher. Nun aber wird er noch mehr in seinem Wirken eingeschränkt.
Erst gegen Ende bei der sechsten von den sieben letzten Zornesschalen tritt er wieder in den Vordergrund und wird an erster Stelle genannt (Offb 16,13-14).
Diese Argumentation mit den entsprechenden Begründungen aus dem Gesamtzeugnis der Schrift mag überraschen. Daher ist es dem Leser zur Prüfung überlassen.
Anmerkung als Fußnote: Die Bemerkungen von Jesus in Lk 10,18 sowie des Petrus und Judas über die Engel (einschließlich des Satans) welche gesündigt haben indem sie ihren Stand und Behausung verlassen haben, stehen mindestens in indirektem Zusammenhang mit dem Geschehen aus Offb 20,1 obwohl jenes Ereignis bereits vorher geschehen sein musste (2Petr 2,4; Jud 1,6).
6.2 Die erste Auferstehung und das Regieren der Heiligen mit Christus tausend Jahre
In der folgenden Vision bekommt Johannes Einblick in den geistlichen Bereich des Christus. So schreibt er: „Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 5 Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. 6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen (regieren) die tausend Jahre.“ (Offb 20,4-6).
Nun sieht Johannes ein weiteres Bild als Video und dazu bekommt er auch noch bestimmte Informationen. Vergleicht man diese Vision mit der Vorherigen, so könnte der Kontrast (abgesehen von der Zeitspanne) nicht größer sein. Der großen Einschränkung des Satans (samt seiner Engel)wird die Erweiterung des Einflussbereiches derer, welche ihrem Herrn die Treue hielten gegenübergestellt. Die im Glauben gestorbenen leben weiter und haben Teil am Regieren mit Christus. Die anderen sind tot und erwarten die Auferstehung zum Gericht. Wie bereits oben vermerkt, ereignen sich beide Realitäten nicht in physisch-Materiellen, sondern in gegensätzlichen geistigen Bereichen und zwar m gleichen Zeitraum. Im Text von Offb 20,4-6 kommen physisch/materielle Begriffe gar nicht vor. Wenn es gelingt für diese zweite Vision begründete Erklärungen zu finden, wird es auch zum besseren Verständnis der vorherigen Visionen in der Offenbarung beitragen. Wir stellen an diesen Text Fragen und suchen nach möglichen Antworten
6.2.1 Erste Frage: Wer sind die Seelen der Enthaupteten?
Gleich zu Beginn sieht Johannes Throne und Welche, die sich darauf setzten. Diesen wurde das Gericht (gr. krima) übergeben. Es kann sich hier keineswegs um das Endgericht handeln, weil jenes Gericht allein dem Sohn übergeben wurde (Joh 5,22.27). der Frage, worüber die Seelen richten werden, gehen wir später nach.
Die griechische Bezeichnung für unser deutsches Wort Seelen (im Plural) ist `psychas`. Der Begriff kommt weit mehr als 400 Mal in der Bibel vor und birgt in sich verschiedene Aspekte des Lebens. Zum Beispiel:
- Das Leben der Wesen in denen ein lebender Odem ist (das durch das Blut ermöglicht wird (1Mose 1,30; 9,4-5; 3Mose 17,11).
- Der Begriff wird auch gebraucht, um lebende Personen in ihrer gesamten Existenz zu beschreiben (1Mose 2,7; 46,15; 5Mose 10,22; Apg 2,41; 27,37; Röm 13,1; 1Petr 3,20).
- Mit diesem Begriff wird auch das (physische) Leben von Jesus beschrieben, dass er freiwillig hingegeben hat (Jes 53,12; Joh 6,54; 10,11.17-18; Mt 20,28; Mk 10,45).
- Mit diesem Begriff werden Menschen beschrieben, welche bereits jetzt zur Ruhe Gottes gekommen sind und die Rettung ihrer Seelen gesichert wurde (Mt 11,29; 10,28; Lk 21,19; Apg 14,22).
- Und mit diesem Begriff werden auch die Gläubigen beschrieben, welche bereits beim Herrn sind. Im Teil 2.2.5 wurde detailliert darauf eingegangen. Über jene Seelen lesen wir, dass sie im Glauben siegten und als Märtyrer starben (Offb 6,9-11). Doch sie waren keineswegs tot, sie schliefen auch nicht, sondern lebten, denn sie wandten sich im vollen Bewusstsein an Gott mit ihrem Rufen. Und aus jenem Text erfahren wir: „Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine gewisse Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten.“ Und von jenen Seelen heißt es: „Und sie haben ihn (den Drachen) überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben (psych¢ – irdisches / physisches Leben) nicht geliebt bis hin zum Tod.“ (Offb 12,11). Jesus sagte: „Wer sein Leben (Psych¢) lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben (Psych¢) auf dieser Welt hasst (Parallelaussage: „verliert“), der wird’s bewahren zum ewigen Leben (Zö¢ aiönion).„ (Joh 12,25; ähnlich auch in Mt 10,39; 16,25).
Und von den Seelen in Offb 20,4 heißt es: „und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten.“ Die Parallelen all dieser Texte sind offensichtlich. Zu dem Begriff Malzeichen siehe die Erklärungen im Teil 4.3 aus Kapitel 13,11-18. Diese Seelen zählen zu derselben Gruppe der Geister der vollendeten Gerechten (Hebr 12,23; Apg 7,59; Phil 1,23).
Bis dahin ist offengeblieben, ob diese Seelen dort beim Herrn bereits mit oder noch ohne den verklärten Leib sind. Diesem Aspekt gehen wir in der nächsten Fragestellung nach
6.2.2 Zweite Frage: Was ist unter der Ersten Auferstehung zu verstehen?
Durch die Bezeichnung `erste Auferstehung` wird der Begriff „ez¢san` erklärt., der wiederum mit „sie wurden lebendig“ übersetzt wird. Damit stehen wir vor der Aufgabe die beiden Bezeichnungen im Kontext der neutestamentlichen Schriften zu erforschen und danach die Anwendung vorzunehmen.
Die Bezeichnung `erste Auferstehung` kommt zweimal nur in diesem Text vor. Die Ordnungszahl `erste` wird in der Offenbarung (abgesehen von der Person Jesu) noch auf die Liebe und die Werke bezogen (Offb 2,4-5). Im Brief an Timotheus spricht Paulus von dem ersten Treue-Gelöbnis (1Tim 5,12). Dass der Beginn der ersten Liebe samt der und der ersten Treue an den Anfang des Glaubens denken lässt, ist wohl leicht nachvollziehbar. Aber wie ist es mit der ersten Auferstehung? In den Auslegungen zu dieser Frage, gibt es grundsätzlich zwei Sichtweisen. In der einen erkennt man eine leibliche Auferstehung der Gläubigen, welche verständlicherweise noch zukünftig ist und in der anderen den geistlichen Übergang vom Tod in der Sünde zum ewigen Leben durch den Glauben an Jesus Christus (geistliche Auferstehung oder Wiedergeburt). Dass die Lösung nicht einfach ist, erkennt man an der Festigkeit beider Positionen. Daher ist viel Sorgfalt bei der Suche nach einer begründeten Interpretation geboten.
Zunächst ist es wichtig, dass wir und mit folgenden griechischen Begriffen vertraut machen:
- Für das Substantiv Auferstehung wird der Begriff `anastasis` gebraucht (kommt etwa 36mal vor). Die Vorsilbe `ana` weist nach oben und die Wortwurzel `stas` hebt das Stehen hervor. Die Endungen ändern sich je nach Fall. Die Verbformen `auferstanden und auferstehen` kommen etwa 26mal vor (dabei geht es uns nicht um Texte, in denen ein natürliches aufstehen beschrieben wird). Dieser universelle Begriff beschreibt grundsätzlich den Übergang vom Tod zum Leben. Ausdrücklich werden durch diesen Begriff 3 Arten der Auferstehung beschrieben: Auferstehung in den früheren Körper; Auferstehung von Jesus; Auferstehung aller Toten am Ende der Zeit. Da jedoch der Auferstehungsbegriff in der Person von Jesus seinen wahren Grund hat und auch grundsätzlich für Beschreibung oder Überschrift dieses großartigen Geschehens verwendet wird, ist es legitim, diesen auch zuerst auf die geistliche Auferstehung zu beziehen, der später die leibliche Auferstehung folgen wird (Joh 5,24-25; 11,24; 1Kor 15,21-22; 1Petr 1,3).
- Für das Substantiv Auferweckung steht der Begriff `egerthis, (egersis)` und mit ihm wird auch die Auferstehung von Jesus beschrieben (Mt 27,53). Damit können diese beiden Substantive als Synonyme verwendet werden, nur dass im Auferweckungsbegriff das aktive Handeln von außen her (von Gott her) kommt. Da jedoch der Begriff `Auferweckung` als Verb mehr als 70mal vorkommt, erschließt sich daraus auch dessen vielfältiger Inhalt. Je nach Textzusammenhang oder der grammatischen Form, beschreiben sie alle vier Arten der Auferweckung: Die Auferweckung in den früheren Körper; Die Auferweckung von Jesus; Die Auferweckung aus dem Tod der Sünde und die Auferweckung am letzten Tag.
- In seiner Ankündigung der Auferweckung des Lazarus aus dem Todesschlaf verwendet Jesus sogar den Begriff `exhypnisö` – auf(er)wecke.
- Ebenso wird der Vorgang, bzw. Übergang vom Tode zum Leben mit `lebendig machen – Zöopoioi` beschrieben. Doch alle diese Begriffe ergänzen einander sowohl in der Substantivform als auch in den jeweiligen Verb Formen. Häufig werden sie auch synonym gebraucht. Während Auferstehung die allgemeine Bezeichnung dieses wunderbaren Ereignisses ist und den Übergang vom Tod zum Leben als Faktum beschreibt, wird durch die anderen Begriffe betont, wie und wodurch diese Auferstehung zustande kommt oder durch wen sie bewirkt wird. Hier einige Beispiele nach der Elberfelder Übersetzung:
- Auferstehung als Allgemeine Bezeichnung: Joh 11,25; Lk 20,27ff; Apg 17,18; 23,6-8; 24,21.
· Die leibliche Auferweckung oder Auferstehung auf Christus bezogen und zwar als Synonyme verwendet: „nach seiner Auferweckung“ (Mt 27,53). Und in Apg 1,22: „Zeuge seiner Auferstehung werden“. Weitere Stellen auch als Verben: Mt 20,19 mit Mk 10,34; Mt 27,63-64; Apg 2,31-32; 4,33). Oder in 1Kor 15,12-13: „Wenn aber gepredigt wird, dass Christus aus den Toten auferweckt ist, wie sagen einige unter euch, dass es keine Auferstehung der Toten gebe? Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt.“
· Die leibliche Auferweckung oder Auferstehung der gläubigen: Dan 12,13; Lk 14,14; Joh 6,39.40.44.54; 11,24; Röm 8,11; 1Kor 6,14; 15,35-44; 15,52; 2Kor 4,14; 1Thes 4,14-17.
· Die Auferstehung der Ungerechten zum Gericht: Dan 12,2; Joh 5,29b; Apg 24,15; indirekt: Offb 11,18b; 20,12-15. Sie werden auferstehen aber nicht zum (ewigen) Leben erweckt.
· Durch die geistliche Auferweckung wurden diejenigen lebendig gemacht, welche an Jesus Christus glauben: Joh 5,21; 5,24-25; 3,16.36a; Röm 6,4; Eph 2,1-6; 5,14; Kol 2,12-13; 3,1.
Anmerkung: Diese geistliche Auferstehung durch das auferweckt werden, wird in anderen Texten mit: „von Gott geboren“ (Joh 1,12-13); „von oben geboren“ (Joh 3,3-7); „Wiedergeboren“ (1Petr 1,3.23; Tit 3,5); „nach dem Ratschluss Gottes (gezeugt) hervorgegangen“ (Jak 1,18) beschrieben. Mit diesem Begriff wird sogar einmal die Auferstehung des Leibes der Glaubenden beschrieben (Mt 19,27).
Grundlage und Voraussetzung für die geistliche und später auch die leibliche Auferweckung der Gläubigen bildet die einzigartige Auferstehung / Auferweckung von Jesus Christus. Damit ist auch die Reihenfolge festgelegt.
Bereits aufgrund dieser Textbetrachtungen ist es wahrscheinlicher, dass mit der Bezeichnung „erste Auferstehung“ der Übergang vom Tod in der Sünde zum geistlichen ewigen Leben gemeint ist (siehe auch Röm 5,12ff).
Und nun kommen wir zu dem Text aus Offb 20,4c. Die Übersetzung: „sie wurden lebendig“ kann leicht zu einer Vorstellung führen, dass Johannes zugesehen hat wie diese Seelen lebendig wurden bzw. wie diese Seelen die leibliche Auferstehung erlebten. Zur Begründung könnte die Aussage in Offb 2,8 herangezogen werden. Denn dort wird derselbe Begriff `ez¢sen` für die leibliche Auferstehung von Jesus verwendet. Doch als er in Offb 2,8 von seinem gegenwärtigen Zustand als der Lebendige spricht, lag jenes Auferstehungswunder bereits etwa 60 Jahre zurück. Der Begriff `ez¢sen` in Offb 2,8 (im Aorist) betont sowohl den Akt der Auferstehung, als auch die Qualität seiner Auferweckung, er ist nun lebendig, er lebte seit seiner Auferweckung! (dazu auch Offb 1,16). Mit demselben Begriff wird die Auferweckung von Jesus auch in Röm 14,9 beschrieben. Man bedenke jedoch bei diesen Vergleichen, dass Jesus nie geistlich tot war, wie es bei allen Nachkommen Adams der Fall ist. Da Jesus die leibliche Auferweckung der Glaubenden für den letzten Tag vorgesehen hat, konnte Johannes dieselben nicht im zeitlichen Rahmen der tausend Jahre bei ihrer leiblichen Auferstehung gesehen haben (Joh 6,39.40.44.54; 11,24; 1Kor 15,52; 1Thes 4,12ff).
Doch schauen wir uns dieses seltene Verb `ez¢san` etwas genauer an. Die Elberfelder übersetzt in der Fußnote mit `sie lebten`, denn es steht im Aorist indikativ, damit liegt die Betonung auf dem lebendig sein. Oder anders ausgedrückt: Das lebendig werden fand statt und dieser Zustand hält an. Es gibt noch weitere Textstellen, in denen dieser seltene Begriff `ez¢sen` (hier im Singular) vorkommt und das lebendig werden aus dem Sündentod ausdrücklich beschreibt. So lesen wir in Lk 15,24: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig (anez¢sen) geworden, war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.“ Und in Vers 32 wendet sich der Vater an seinen ältesten Sohn mit den Worten: „Dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig (ez¢sen – er lebte oder jetzt lebt er)“. Bei dem verlorenen Sohn handelte es sich um die geistliche Auferstehung. Auch diese Stelle spräche dafür, dass Johannes nicht zugesehen hatte wie jene Seelen leiblich auferstanden sind, sondern sie waren in der Vergangenheit (jeder zu seinen Lebzeiten) geistlich auferweckt worden und nun sah er wie sie lebten.
Es ist unumstritten, dass im Vergleich zu Jesus, der leiblichen Auferstehung bei den Gläubigen eine geistliche Auferweckung voraus geht. Dabei handelt es sich um den Übergang vom Tod in der Sünde zum geistlichen Leben. Dieser Übergang wird mit dem gleichen Begriff beschrieben wie auch bei der leiblichen Auferstehung von Jesus und der leiblichen Auferstehung der Gläubigen. So sagte Jesus in Joh 5,21: “wie der Vater die Toten `eg¢rei` – auferweckt, aufrichtet, so macht auch der Sohn lebendig welche er will“. Das Auferwecken und lebendig machen sprechen von ein und demselben Vorgang. Und in Joh 5,24-25 erklärt Jesus wie und wodurch der Übergang vom Zustand des Todes in den neuen Zustand des Lebens zustande kommt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben“. Jesus kann hier nur von dem Tod sprechen, der durch die Übertretung Adams eingetreten war und sich auf alle Menschen erstreckt. Und er spricht hier von dem Leben, welches ein Mensch durch den Glauben an ihn bereits zu lebzeiten empfangen konnte (Joh 3,16; 3,36a; 6,40.47.54; 10,28; 17,2; 20,31). Die Vollmacht neues Leben durch Auferweckung zu vermitteln hat er vom Vater empfangen, denn er ist die Auferstehung und das Leben in Person (Joh 5,21.26; 11,25). Ähnlich schreibt auch Paulus in Eph 2,1-6: „Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gewandelt seid nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern. 4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel.“ ähnlich auch in Kol 2,13: „Und euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in dem Unbeschnittensein eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat“.Und in Kol 3,1 schreibt er: „Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“ (Röm 6,4). Unsere Auferweckung ist in der Auferweckung des Christus begründet. In 1Kor 15 spricht Paulus umfassend über die Auferweckung der Toten. Die geistliche Auferweckung ist als Voraussetzung darin inbegriffen, wie in Vers 21-22 deutlich wird. Dort lesen wir: „denn da ja d
urch einen Menschen ⟨der⟩ Tod ⟨kam⟩, so auch durch einen Menschen ⟨die⟩ Auferstehung⟨der⟩ Toten. 22 denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht.“ Das „in Christus lebendig gemacht“ beginnt mit der geistlichen Auferstehung (Joh 5,21-25; lies dazu auch Röm 5,12-18). Gott macht lebendig indem er auferweckt, oder durch das Auferwecken wird der Mensch lebendig gemacht. Und wie wir bereits gesehen haben, beginnt die Auferstehung mit dem Übergang vom Sünden-Tod zum geistlichen Leben welches von ewiger Dauer ist. Siehe auch die Aussage für Israel in Röm 11,15: „Was wird ihre Annahme anders sein als Leben aus den Toten. Nach dem ersten geistlich / leiblichem Tod durch Adams Übertretung folgt logischerweise die erste geistliche Auferweckung durch den Glauben an Jesus Christus. So sagte Jesus zu Martha: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“ (Joh 11,25). Die Seelen, von denen wir in Offb 20,4 lesen sind zwar körperlich gestorben bzw. getötet worden, doch gemäß dem geistlichen und ewigen Leben sind sie lebendig, sie sind ansprechbar und können auch selbst sprechen (Offb 6,9-11). Wie Jesus selbst bezeugt: „Gott ist nicht Gott der Toten, sondern der Lebenden; Denn ihm leben sie alle.“ (Lk 20,38. Damit nimmt Jesus Bezug auf die bereits verstorbenen Gläubigen des AT. Daher kann dieser geistliche Vorgang, er durch das Verb `auferweckt und lebendig gemacht` beschrieben wird, der `ersten Auferstehung` entsprechen.
Die leibliche Auferstehung der Gläubigen steht demnach noch aus. Und obwohl Jesus in Joh 6,39.40.44.54 die leibliche Auferstehung der Gläubigen mit dem Verb `anasteisö – ich werde aufrichten, aufstellen`„ beschreibt, impliziert es doch auch den Aspekt des Auferweckens, so die Elberfelder Übersetzung. In 1Kor 6,14 verwendet Paulus den Auferweckungsbegriff für die leibliche Auferstehung sowohl für Jesus als auch für die Gläubigen. „Gott aber hat den Herrn auferweckt (egeiron) und wird auch uns auferwecken (exegeirei) durch seine Kraft.“ so auch in 2Kor 4,14: „denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.“ Mit diesem Auferweckungsbegriff wird die Auferstehung der Gläubigen in 1Kor 15,35-44 und 15,52 beschrieben.
Zum Nachdenken:
- Wie dem zweiten Tod logischerweise der erste vorangeht, so wird auch der ersten/geistlichen Auferstehung die leibliche Auferweckung folgen.
- Wenn die Aussage „diese wurden lebendig“ (erste Auferstehung) in unserem Text auf die leibliche Auferstehung der Gläubigen gedeutet wird, dann wäre Die geistliche Auferweckung stillschweigend übersprungen und unbeachtet gelassen worden. Doch gerade diese geistliche Auferweckung bildet die Voraussetzung für die leibliche Auferstehung.
- Wenn Jesus mehrmals betont, dass er die Glaubenden an ihn am jüngsten (wörtlich: letzten ) Tag auferwecken wird, dann kann es keine leibliche Auferweckung vor oder im Zeitraum der tausend Jahre geben. Denn wie auch immer diese tausend Jahre verstanden oder gedeutet werden, nach diesen und vor dem letzten Tag wird dem Teufel gewährt eine kurze Zeit zu wirken (Offb 20,3.7-9).
- Es gibt einige Texte, in denen die Auferstehung der Gläubigen zum Thema gemacht wird, ohne dass die Nicht Glaubenden erwähnt werden (Joh 6,39.40.44.54; 11,24; 1Kor 6,14; 15,35-44; 50-52; 2Kor 4,14; 1Thes 4,14-17). Dies führte zu der Annahme, dass die Ungläubigen zeitlich viel später auferstehen werden. Dann gibt es auch Texte, in denen sowohl die Auferstehung der Gläubigen und Ungläubigen als zeitgleich beschrieben werden „Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 29 und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ (ähnlich auch in Dan 12,2; Apg 24,15; Offb 11,18). Dem Gericht geht logischerweise die Totenauferstehung voraus (Mt 13,49-43; 13,49; 25,31-46). Diese Texte geben keinen Anlass zu einer Vor-auferweckung der Gläubigen, der wiederum eine weitere Auferweckung von Gläubigen, die sich in einer späteren Periode bekehren werden folgen soll.
Wann und wodurch wird die Auferstehung eingeleitet? Wir lesen in 1Kor 15,50-52: „zur Zeit der letzten Posaune“ (dazu auch 1Thes 4,12ff. Diese Posaune Gottes ist identisch mit dem starken Posaunenschall aus Mt 24,29-31 bei der Wiederkunft des Menschensohnes um die Auserwählten durch den Dienst der Engel zu sammeln. Die letzte Posaune ist auch gleich die siebte aus Offb 11,15 bei der die chronologische Zeituhr abgelaufen sein wird und die Auferstehung aller Toten stattfinden wird (Offb 10,6-7; 11,18; 20,11-15).
Und nun kommt der Anwendungstext, der ausgeht von den lebenden Seelen, die bereits beim Herrn sind und den noch hier auf Erden lebenden Menschen, welche vom Tod zum Leben hindurchgedrungen sind. Diese alle werden als glückselig bezeichnet, es ist kein Wunsch, sondern Zuspruch! „Über die hat der zweite Tod keine Macht.“ (dazu auch Offb 2,11). Jesus sagte von denen, die an ihn glauben: „Sie werden nimmermehr sterben.“ (Joh 11,26).
Doch diese Seligpreisung ist auch eine freundliche Einladung an alle Menschen, die sich heute noch im geistlichen Tod befinden.
6.2.3 Dritte Frage: Was bedeutet das Regieren mit Christus und ihr Status als Priester Gottes und des Christus?
Was Johannes zu sehen bekommt ist sehr auffällig und auch beeindruckend: “Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben“. Für Gericht steht hier der gr. Begriff `krima`, allerdings geht es hier nicht um das Endgericht. Aber Thron bedeutet Macht und auf dem Thron sitzen ist gleichbedeutend mit Macht ausüben. Es handelt sich hier um die Seelen der Märtyrer, die in die richterliche Tätigkeit mit Christus einbezogen werden. Jesus versprach: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron“ (Offb 3,21). Bereits der Apostel Paulus schrieb: „dulden wir, so werden wir mit herrschen (mitregieren)„ (2Tim 2,12). Das Wort `basileusan` (im Aorist) kann auch mit Regieren übersetzt werden. Jenes Regieren deutet Jesus an mit den Worten: „Wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Völker, 27 und er soll sie weiden mit eisernem Stabe – wie die tönernen Gefäße werden sie zerschmissen –, 28 wie auch ich Macht empfangen habe von meinem Vater.“ (Offb 2,26-28). Ob die Aussage des Paulus in 1Kor 6,2-3 den Text in Offb 20,4 erhellen kann? Dort lesen wir: „Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr nicht gut genug über so geringe Sachen zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Wie viel mehr über Dinge des täglichen Lebens“.
Wer hier durch den glauben die Sünde und das Böse besiegt, wer im Alltag die Gerechtigkeit des Reiches Gottes verwirklicht, wird auch nach dem irdischen Leben in das Regieren mit Christus einbezogen, wie immer es auch aussehen mag.
Doch sagt der Text nichts über das Regieren der Seelen vom irdischen Jerusalem ausist im Text nicht die Rede vom Regieren auf dieser Erde und aus dem irdischen Jerusalem, denn sie regieren mit Christus und Christus befindet sich bis zu seiner Wiederkunft zum Endgericht im Himmel. Nach Psalm 110,1 bleibt Christus so lange zur Rechten Gottes auf dessen Thron bis alle seine Feinde unter seine Füße gelegt werden. Nach den Worten des Paulus ist der Tod `der letzte Feind (1Kor 15,26). Da nun dieser `letzte Feind` erst in Offb 20,11ff (durch die Auferstehung) aufgehoben und vernichtet wird, müssen alle anderen Ereignisse diesem vorangehen, einschließlich der Herrschaft der Märtyrer mit Christus diese tausend Jahre im Himmel sowie der letzte Kampf hier in dieser Welt (Offb 20,5; 7-9; vgl. auch Ps 110,1 mit Mt 22,44; Apg 2,34 mit 1Kor 15,25-26; ebenso Apg 3,20-21).
Schlussfolgerung: Natürlich erstreckt sich die Herrschaft des Christus auch über die Erde, allerdings vom himmlischen Thron aus (Mt 28,17ff; Apg 3,21).
Dass diese Seelen als Priester Gottes und des Christus bezeichnet werden fällt ebenso auf im Text, doch auch diese Funktion / Dienst ist Teil ihrer Berufung und wurde den Gläubigen bereits hier auf Erden zugesprochen und aufgetragen (1Petr 2,9 ausgehend von 2Mose 19,5-6; Offb 1,6; 5,10; 8,3). Natürlich werden die Zeugen Jesu ihren Status als Priester mit dem leiblichen Tod nicht verlieren, obwohl nur wenig Konkretes über ihre Tätigkeit gesagt wird. Daher kann von diesem ihrem Dienst die Anrufung der Heiligen nicht abgeleitet werden.
Doch der Hohepriesterdienst von Jesus ist im vollen Umfang in dem Himmel. So lesen wir in Hebr 8,1-4: „Das ist aber die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel 2 und ist ein Diener am Heiligtum und am wahrhaftigen Zelt, das der Herr aufgerichtet hat und nicht ein Mensch. 3 Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, das er opfert. 4 Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern“. Ist uns die Tragweite dieser Aussage bewusst? Seinen Priesterdienst versieht Jesus im himmlischen Heiligtum und zwar sitzend zur Rechten Gottes. Ein solcher Dienst auf Erden in einem irdischen Tempel ist nach obigem Text nicht vorgesehen. Denn jenes himmlische Heiligtum wird er nicht auf ein irdisches vertauschen. So lesen wir in Hebr 10,12-13: „Dieser aber hat ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht, das ewiglich gilt, und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt 13 und wartet hinfort, bis seine Feinde zum Schemel unter seine Füße gelegt werden“. Diese wunderbar majestätisch klingenden Texte verorten den Regierungssitz von Jesus einschließlich seines Priesterdienstes (mit Einbeziehung der lebendigen Seelen der Märtyrer) in den himmlischen Bereich.
Vierte Frage: Wer ist mit den übrigen Toten gemeint?
„Die übrigen Toten wurden nicht lebendig“. Auch hier wird das gleiche Verb `es¢san` nur als verneinend verwendet, so dass übersetzt werden kann mit:“ Und die übrigen Toten lebten nicht bis vollendet sind die tausend Jahre.“ Es geht dabei um die Menschen, welche keinen Teil hatten an der Ersten, das heißt an der geistlichen Auferstehung. Sie starben jeweils zu ihrer Zeit und waren tot. Es wird nicht gesagt, dass sie nach Vollendung der tausend Jahren auferweckt oder gar lebendig gemacht werden. Auch wenn sie zum Endgericht aus dem Tod und Totenreich herausgeholt werden, bedeutet es nicht, dass sie im geistlichen Sinne lebendig gemacht werden. Sie werden nur auferstehen zum Gericht, jedoch nicht zum Leben (Joh 5,28-29; Mt 13,37-43.49; 25,31-46; Apg 24,15; Offb 1,7; 11,18; 20,12-15). Merken wir den feinen Unterschied zwischen auferstehen und lebendig werden? Auferstehen werden alle, doch nur die bereits zum geistlichen Leben erweckt worden sind werden auch in einen neuen Körper zum ewigen Leben auferstehen.
Abschlussbemerkung: Obwohl diese Darstellung gut begründet erscheint, ist mir bewusst, dass unser aller Erkenntnis Stückwerk ist. Daher kann und soll diese Darlegung kritisch geprüft werden. Letztlich wird es so werden, wie Jesus Christus es sich vorgenommen hat zu tun.
6.3 Letzter großer Aufstand des Satans und seine Verdammnis im Feuer See
Der folgende Text knüpft an Vers 3 an und setzt das Thema vom Drachen fort:
“Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden 8 und wird hinausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, um sie zu dem Krieg zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand des Meeres. 9 Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam aus dem Himmel herab und verschlang sie. 10 Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offb 20,7-10).
6.3.1 Die zeitliche Einordnung dieser Ereignisse
Wann sind denn die tausend Jahre vollendet oder erfüllt? Wenn diese Zahl symbolhaft verwendet wurde, woran kann man denn das Ende dieser Periode und den Beginn der besonderen Wirksamkeit des Satans erkennen? Schauen wir uns Texte an, welche von den Tagen vor der Wiederkunft des Herrn sprechen.
- Jesus spricht von der Überhandnahme der Gesetzlosigkeit (Mt 24,12).
- Jesus spricht von der großen Bedrängnis und Verführung durch falsche Christusse und durch große Zeichen (Mt 24,21-29).Und werden viele verführen (Mt 24,24).
Eine Auffälligkeit ist, dass der Drache im folgenden Text nur noch mit Satan und Teufel benannt wird. Seine symbolhafte Bezeichnung wird nicht mehr benötigt. So heißt es im Vers 7 dass nach Vollendung der tausend Jahre der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden wird. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass er sich keineswegs selber befreit hatte. Er wird auch nicht wegen guter Führung in die Freiheit entlassen. Um bei den Bildern zu bleiben, die Versiegelung wird gebrochen, der Verschluss wird geöffnet und der Satan wird aus seinem Gefängnis freigelassen. Hier wird der Begriff `Gefängnis – fylaki` verwendet und steht ergänzend zum Begriff Abgrund (Abyssos). Damit bekommt er nun den Freiraum erneut weltweit zu agieren und zwar mit einem konkreten Ziel, die Nationen zu verführen um sie „zu dem Krieg“ zu versammeln, um gegen das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt vorzugehen. Er verführt die Nationen. Doch damit kommen die Gläubigen in große Bedrängnis (Mt 24,21-29). Geht es hier etwa um die Stunde der Versuchung, welche die ganze bewohnte Erde erfassen wird und von der Jesus verspricht die Gläubigen zu bewahren (Offb 2,10)? Und ist da eine Verbindung zu der fünften Und sechsten Posaune zu erkennen (Offb 9,1-22)?
Anmerkung: In Kapitel 19,17-21 sind es die beiden Tiere, welche die Könige der ganzen Erde versammeln gegen den, der auf dem Pferd sitzt und seinem Heer. In diesem Text ist es der Satan als Anführer, der gegen das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt vorgeht. Vergessen wir nicht, dass der Satan ein Geistwesen ist und daher die Machtsysteme dieser Welt für seine Ziele einsetzen wird.
Optisch scheint es, als ob es sich um zwei verschiedene Kämpfe handeln würde, die in weitem zeitlichen Abstand voneinander liegen. Doch wenn am Ende von Kapitel 19 die Könige der ganzen Erde mit ihren Heeren unter der Führung der beiden Tiere vollständig vernichtet sind, woher kann dann der Satan eine weitere globale Heeresmacht zusammen ziehen? Zur Klärung kann der Text aus Offb 16,12-14 beitragen.
Dort sind es alle drei Machtsysteme der Feinde Gottes, welche geschlossen auftreten zu dem Krieg am großen Tag Gottes des Allmächtigen. Es ist zweifellos der letzte und globale Auftritt, der auf jeden Fall im Text von Offb 19,17-21 und 20,7-9 beschrieben wird. Die Lösung zum Verständnis der beiden Schilderungen läge darin, dass es sich in beiden Beschreibungen um denselben letzten Kampf handelt, nur dass sie unter jeweils anderer Perspektive beschrieben werden.
6.3.2 Wer wird unter der Bezeichnung Gog und Magog gesehen?
Dazu müssen wir zunächst in die älteste Völkertafel der Menschheit schauen. So heißt es in 1Mose 10,2: „Die Söhne Jafets sind diese: Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und Tiras.“ (vgl. dazu auch Hes 39,1 mit 1Chr 1,5). Es sind Nachkommen von Jafet und mit ihren Namen bezeichnete man später auch Städte und Landschaften.
Die Lokalisierung ist nicht einfach für uns heute, trotzdem gibt es einige Anhaltspunkte in dem folgenden Text von Hes 38,1-7: „Und des HERRN Wort geschah zu mir: „Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen Gog, der im Lande Magog ist und der oberste Fürst von Meschech und Tubal, und weissage gegen ihn 3 und sprich: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an dich, Gog, der du der oberste Fürst bist von Meschech und Tubal! 4 Ich will dich herumlenken und dir Haken ins Maul legen und will dich herausführen mit deinem ganzen Heer, mit Ross und Mann, die alle voll gerüstet sind, ein großer Heerhaufe mit kleinen und großen Schilden; alle tragen sie Schwerter. 5 Du führst mit dir Perser, Kuschiter und Libyer, die alle Schild und Helm tragen, 6 dazu Gomer und sein ganzes Heer, die von Bet-Togarma, die im äußersten Norden wohnen, mit ihrem ganzen Heer; ja, du führst viele Völker mit dir. 7 Wohlan, rüste dich gut, du und alle deine Heerhaufen, die bei dir sind, und sei du ihr Heerführer!“
Gog im Lande Magog und Fürst über Mesech und Tubal.“ Gog ist der Name für den Obersten Fürsten jener Völker. Was die Geographische Lage dieser Völker betrifft, so handelt es sich um die Regionen im Norden von Israel gesehen und ebenso die Inseln des großen Meeres, bzw. nördlich davon gelegenen Landschaften. Wir merken, dass das große Heer auch unterstützt wird von östlichen Völkern (Persien) und auch von südwestlichen Völkern aus Nordostafrika. Ja, es handelt sich dabei um eine globale Koalition gegen das Volk Gottes. Und zwar unter der Kontrolle Gottes.
Seit dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten drohte die Gefahr aus dem Norden. Die Aramärt, die Assyrer und auch die Babylonier überfielen Israel von Norden her. Dies setzte sich sogar unter der griechischen Herrschaft fort (Dan 10-11).
Und auch der letzte entscheidende Aufmarsch kommt aus nördlicher Richtung, genauer aus dem äußersten Norden mit Einbeziehung vieler Völker.
Zeitlicher Aspekt
Hes 38,14: „Darum, so weissage, du Menschenkind, und sprich zu Gog: So spricht Gott der HERR: Ist’s nicht so? Wenn mein Volk Israel sicher wohnen wird, dann wirst du aufbrechen.“ Wann , in welcher Periode gab es solch eine Situation in der Geschichte Israels? Eine Art Ruhe vor dem Sturm. Aus alttestamentlicher Zeit gibt es dafür keine Hinweise. Israel war von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer wieder von Feindlich gesinnten Völkern bedroht worden. Doch auch in unserer Zeit (seit Staatsgründung) kommt das natürliche Israel nicht zur Ruhe. Folgende Aussage lenkt unseren Blick in die letzte Zeit: „Du wirst heraufziehen gegen mein Volk Israel wie eine Wolke, die das Land bedeckt. Am Ende der Zeit wird das geschehen. Ich will dich aber dazu über mein Land kommen lassen, dass die Völker mich erkennen, wenn ich an dir, Gog, vor ihren Augen zeige, dass ich heilig bin.“ (Hes 38,16). Hier wird vorausgesagt, wann es geschehen wird, nämlich: „Am Ende der Zeit wird das geschehen“ Gott wird sich verherrlichen. Doch was meint Gott mit dieser Zeitangabe?
Hes 38,18: „Und es wird geschehen zu der Zeit, an dem Tag, da Gog kommen wird über das Land Israels, spricht Gott der HERR, wird mein Zorn in mir aufsteigen.“
Gottes Zorn kommt über Gog (Offb 6,11-17). Da es in der israelitischen Geschichte keinen Hinweiß auf die Erfüllung dieser Prophetie gibt, scheint es so, dass die Erfüllung noch aussteht.
Betrachtet man die Texte aus Hesekiel, entsteht verständlicherweise zunächst der Eindruck, dass sich die Prophetien im lokalen und inhaltlichem Bereich des natürlichen Israels erfüllen werden.
Doch es gibt auch Hinweise, welche jene Prophetie im übertragenen Sinne deuten lassen, wie im Text von Offb 20,7-9 beschrieben ist.
folgende Aussage weißt auf Offb 20,9 hin: „Und ich will Feuer werfen auf Magog und auf die Bewohner der Inseln, die so sicher wohnen, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin.“ (Hes 38,6).
Dies klingt sehr ähnlich, wie auch in Offb 20,9 dazu auch Hes 38,22: „Und ich will ihn richten mit Pest und Blutvergießen und will regnen lassen Platzregen, Hagel wie Steine, Feuer und Schwefel über ihn und sein Heer und über die vielen Völker, die mit ihm sind.“
Es sind sogar parallel verlaufende Abläufe in Hesekiel 34-48 und Offenbarung 20-22 zu beobachten:
- Gott verhieß dem Volk Israel in der Zeit der Gefangenschaft den wahren Hirten und König David zu erwecken (Hes 34,23-24; 37,24-25). Und mit dem Kommen von Jesus erfüllt sich diese Verheißung (Lk 1,31-33).
Hes 36,24-27 Das Gesetz Gottes wird in erneuerte Herzen geschrieben. Dies geschah auf der Grundlage des Neuen Testamentes im Blut des Lammes (Mt 26,26).
- In Hes 37 wird die (geistliche) Auferstehung Israels bildhaft beschrieben. Unddiese Erweckung begann in Israel am Pfingsttag. Und sie setzt sich fort im Zeitraum der Gnade unter allen Nationen während der symbolischen tausend Jahren.
- Hes 38-39 wird der letzte und globale Kampf von Gog und Magog geschildert. Dieser entspricht dem globalen Kampf in Offb 20,7-9 und schließt ab mit dem Endgericht.
- Hes 40-48 entspricht der Neuschöpfung aus Offb 21-22.
Die Bezeichnung „im äußersten Norden“ (Hes 38,15) wird noch in Jesaja 14,13 gebraucht, wo das übermütige und stolze Bestreben des babylonischen Herrschers beschrieben wird. Dort lesen wir: „Du aber gedachtest in deinem Herzen: »Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden.“
Der Berg der Versammlung im fernsten Norden ist eine gedachte Höhe, von der man die höchste Macht ausüben kann. Dieses Denken entspringt ursprünglich aus dem Herzen des Satans und er pflanzte es dem Menschen ein. Die Großen dieser Welt streben danach. Es ist eine Haltung des Stolzes und unbegrenzten Übermutes.
Damit wäre Gog und Magog eine Symbolbezeichnung für die übermütigen Herrscher dieser Welt, welche auf eine besondere Weise in der letzten Phase vom Satan angeführt werden.
Deren Zahl ist wie Sand am Meer
Diese Bezeichnung wurde in alttestamentlicher Zeit gelegentlich für die Größe der Nachkommen Abrahams bezogen (1Mose 32,13; 2Sam 7,11; 1Kön 4,20; Hos 2,1 hier mit Bezug auf das gesamte Volk Gottes wie in Offb 7,9 beschrieben). Doch auch für Feindesheere wird diese Bezeichnung gebraucht (Jos 11,4; Ri 7,12; 1Sam 13,5). In Offb 20,8 wird dadurch das Feindesheer beschrieben.
Bemerkenswert ist auch die Ausdehnung auf die vier Enden (Ecken) der Erde, eben eine globale Sammlung aller Gott feindlich gesinnter Menschen.
6.3.3Wer oder was ist unter der Bezeichnung Das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt zu verstehen?
Wenn das gesamte Geschehen wörtlich gedeutet wird, kommt man natürlich zum Schluss, dass es sich um das natürliche Israel und die jetzige Stadt Jerusalem handelt. Bedenkt man jedoch, wer in der Offenbarung und den Schriften des NT mit „die Heiligen“ bezeichnet wird, der wird eher zu einer geistlichen Deutung neigen. Allein im Buch der Offenbarung werden die Gläubigen 5 Mal als Heilige bezeichnet (Offb 11,18; 17,6; 18,24; 19,8; 20,9). Und auch sonst spart Gott nicht mit dieser Bezeichnung für seine Kinder (Joh 17,19; Röm 15,26; 16,2; 1Kor 1,2; 6,2; 16,1.15; 2Kor 1,1; 8,4; 9,1; Eph 1,1.18; 2,19-21; 3,5.8.18; 4,12; 5,3; 6,18; Kol 1,2.4.26; 3,12; Phil 4,21-22; 2Thes 1,10; 1Tim 5,10; Phlm 1,5.7; 1Petr 1,12; 2,5.9-10; 2Petr 3,2; Hebr 3,1; 6,10; 13,24; Jud 1,3). Heilige sind von Gott gereinigte und abgesonderte Menschen für den Dienst im Heiligtum, welches ist die Gemeinde, bestehend aus Juden und Nichtjuden.
Ebenso weist die Bezeichnung `geliebte Stadt` auf die universale Gemeinde des Christus hin. Denn nach neutestamentlicher Deutung ist Jerusalem die Gemeinde des Herrn (Gal 4,20-26; Hebr 11,10.16; 12,23; Offb 21,10). Vergessen wir nicht, dass die gesamte Offenbarung an die Gemeinden geschrieben wurde (Offb 1-3; 22,16: 12 Mal in der Mehrzahl und 7 Mal in der Einzahl).
Und die Gemeinde des Herrn wird bis zum Ende weltweit bestehen bleiben und im globalen Umfang auf verschiedene Weise angegriffen werden. So schreibt Petrus: „Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, um sie zu strafen.“ (2Petr 2,9).
Wenn die Ereignisse von Kapitel 19 den Ereignissen aus Kapitel 20 vorausgingen, dann gäbe es ja weder das Tier, noch den falschen Propheten noch irgendeinen Menschen, den der Drache in Kapitel 20,7ff verführen und zu deme Kampf sammeln könnte. Denn bei der sechstenm Zornesschale sind alle drei Feindlichen Systeme miteinander tätig. Weil die beiden Tiere getrennt beschrieben werden in Kap. 19 ebenso der Drache in Kap. 20 liegt es nahe, dass diese Texte und deren Akteure sich ergänzen und keineswegs zwei zeitlich voneinander Kampfhandlungen sind.
Daher scheint es logischer zu sein, dass die tausend Jahre zeitlich früher einzuordnen sind
Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offb 20,10.)
Der Verursacher all des Bösen wird als letzter in die Verdammnis geworfen. So muss er mitbekommen, wie sein Reich (seine Herrschaft) nach und nach von Gott zerstört wird.
Feuersee ist gleich zweiter Tod und dieser dauert ewig. Es gibt kein zurück mehr. Was das gegquält werden betrifft, so entzieht es sich unserer Vorstellung, daher ist bei der Ausmalung derselben Zurückhaltung geboten.
Die Gläubigen können jedoch in den Chor derer miteinstimmen, welche sprachen: „Gerecht und wahrhaftig sind deine Gerichte …“ (Offb 16,; ).
6.4 Der weiße Thron – das Endgericht
(Bibeltext: Offb 20,11-15)