Gottes Volk – wer ist es und wer gehört dazu?

Abbildung 1 Abraham hat viele Kinder (Zeichnung von Joela Schüle am 4. Januar 2015).

1. Teil: Gottes Volk – Abraham und seine Nachkommen

Gottes Prinzip ist es, aus etwas Kleinem Großes zu machen, aus Wenigem Vieles, aus Schwachem Starkes, aus Niedrigem Hohes, ja aus Nichts Etwas. Um etwa 700 v. Chr. erinnert Gott Israel durch den Propheten Jesaja an die Anfänge der Geschichte mit seinem Volk: „Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den HERRN sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren.“ (Jes 51,1-2).

Als Gott den Abram aus dem Chaldäischen Ur (Nähe Basra im Südirak) berief,  führte er ihn zunächst nach Haran  (heute Südosttürkei) und nach dem Tod seines Vaters Terach weiter nach Kanaan.

Und der Herr sprach zu Abram: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen … und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ (1Mose 12,1-3). Gott gab ihm also mehrere Verheißungen, darunter die Verheißung eines zahlenmäßig großen Volkes. Nach der Trennung mit Lot, bereits im Lande Kanaan (in der Gegend von Beth-El), wiederholt Gott seine Verheißung zum zweiten Mal: „Und ich will deine Nachkommen machen wie den Staub der Erde.“ (1Mose 13,16). Nach weiteren Jahren des Aufenthaltes in Kanaan (diesmal in der Umgebung von Hebron) wiederholte Gott sein Versprechen an Abram zum dritten Mal: „Und er ließ ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!“ (1Mose 15,5). Hier wird die Unzählbarkeit der Nachkommen Abrams hervorgehoben. Dieser Gedanke wird auch durch den Vergleich `wie Sand am Meer und Staub der Erde` unterstrichen.

Abbildung 2 – Sternenhimmel

Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR (bereits zum vierten Mal) und sprach zu ihm: „Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. Und ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen und auch Könige sollen von dir kommen.“ (1Mose 17,1-6).

Im Zusammenhang dieser Verheißung änderte Gott den Namen Abram auf Abraham und erklärt die Bedeutung dieser Namenserweiterung, nämlich: „Vater vieler Völker“. Kurz darauf wurde Sara schwanger und gebar Abraham den lange vorher verheißenen und mit Sehnsucht erwarteten Sohn Isaak. Und als dieser gerade zu einem Jüngling heranwuchs, forderte Gott ihn in einer Art Prüfung wieder zurück – als Opfer. Und nachdem Abraham diese Prüfung bestanden hatte, sprach Gott zu ihm (jetzt nun zum fünften Mal): „Weil du solches getan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont, will ich dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen; und durch dein Geschlecht (wörtlich: „deinen Samen – Nachkommen – nach Gal 3,16welcher ist Christus“) sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast“. (1Mose 22,17-18).

Nach dem Tod Abrahams bestätigte Gott auch dem Isaak die Verheißung eines großen Volkes: „Es kam aber eine Hungersnot ins Land nach der früheren, die zu Abrahams Zeiten war. Und Isaak zog zu Abimelech, dem König der Philister, nach Gerar. Da erschien ihm der HERR und sprach: Zieh nicht hinab nach Ägypten, sondern bleibe in dem Lande, das ich dir sage. Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinen Nachkommen will ich alle diese Länder geben und will meinen Eid wahr machen, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe, und will deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und will deinen Nachkommen alle diese Länder geben. Und durch dein Geschlecht (gr. spermati sou – deinen Samen, deinen Nachkommen im Singular) sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und mein Gesetz.“ (1Mose 26,1-5).

Als Jakob sich noch zu Lebzeiten seiner Eltern aufmachte, um nach Mesopotamien zu reisen, erschien ihm Gott im Traum zu Bet- El: „Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.“ (1Mose 28,12-14). Die Patriarchen lebten mit diesem kostbarem Schatz der Gottesverheißung. Sie glaubten Gott, vertrauten ihm in geduldigem Erwarten der Erfüllung der göttlichen Verheißung.

Schon nach einigen Jahrhunderten vermehrten sich die Israeliten und wurden zahlenmäßig so stark, dass sie (aus der Sicht der Ägypter) für Ägypten eine Bedrohung darstellten, so lesen wir in 2Mose 1, 7-10: (…) wuchsen die Nachkommen Israels und zeugten Kinder und mehrten sich und wurden überaus stark, sodass von ihnen das Land voll ward. Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef  und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen.“

Wenn der Pharao mit seiner Schätzung auch sehr übertreibt (denn die Ägypter zählten damals mehrere Millionen Einwohner) so macht es doch deutlich, wie zahlenmäßig groß das Volk Israel schon vor dem Auszug war. Etwa einhundert Jahre später, bereits an der Grenze zum Lande Kanaan erinnert Mose das Volk an die Verheißung, wenn er sagt: „(…) denn der HERR, euer Gott, hat euch so zahlreich werden lassen, dass ihr heute seid wie die Menge der Sterne am Himmel.“ (5Mose 1,10). Doch Gott warnt das Volk vor Übermut mit den Worten: „Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ (5Mose 7,7-8).

Das Volk Israel sollte als Gesamtgemeinschaft Gottes heiliges Volk sein, doch schon zur Zeit der Wüstenwanderung unterscheidet Gott, wer eigentlich zu ihm gehört, es sind die, welche auf ihn hören, ihm glauben und ihm gehorchen. Paulus, der Kenner der alttestamentlichen Geschichte Israels bezeugt im Rückblick: „Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.“ (1Kor 10,5). Fassen wir vorerst zusammen – Gott löste sein Versprechen an Abraham ein und zwar auf der natürlichen (blutsmäßigen) Ebene – Abraham wurde Vater vieler Völker:

  • Ismaeliten,
  • Israeliten,
  • Edomiten,
  • Midianiter,
  • Dedaniter
  • und weitere vier Volksgruppen, die aus den Kindern der Ketura hervorgingen.

Doch die Erfüllung der Verheißung auf der tieferen und geistlichen Ebene „ein großes Volk zu werden“ und „Segen für alle Völker“ sollte sich erst mit dem Kommen des wahren Nachkommens – Christus – erfüllen (Gal 3,16). Bis dahin galt: Israel ist Gottes Volk – zeitweise ungehorsam, abtrünnig, halsstarrig, hartherzig, ja sogar dem Götzendienst verfallen. Aber Gott kannte und erkannte zu jeder Zeit diejenigen, welche glaubten und sich zu ihm hielten. Beispiel: Als der Prophet Elia dachte allein übriggeblieben zu sein (1Kön 19,14), klärte Gott ihn auf, dass er noch siebentausend Mann hatte, welche ihre Knie nicht gebeugt hatten vor dem Baal (1Kön 19,18; vgl. mit Röm 11,4). Eine der Bestimmungen des Volkes Israels war, Träger der göttlichen Verheißung zu sein, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt, nämlich Christus (Gal 3,19 – „bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt“).

1.1 Fragen:

  1. Wer ist Gottes Volk? Interessiert uns heute diese Frage? Wenn ja, warum?
  2. Gott hat dem Abraham verheißen, dass er ihn zu einem großen Volk machen wird. Dann versprach er ihm aber auch, dass von ihm viele Völker abstammen werden. Wie sind diese zwei Sichtweisen zu verstehen?
  3. Welche Völker stammen von Abraham ab?
  4. Sind alle Nachkommen Abrahams auch Gottes Volk?

2. Teil: Gottes Volk – Abraham und seine Glaubens-Nachkommen

Eine der wichtigen Fragen aus der Gesamtthematik lautet: Wie wurde damals die Zugehörigkeit zum Volk Gottes in der Zeit des Alten Testamentes definiert? Lassen wir zunächst einen Mann zu Wort kommen, der in der jüdischen Tradition geboren, aufgewachsen und durch sein theologisches Studium führend im Volk Israel wurde. Nach seiner Begegnung mit Jesus dem Christus vor den Toren Damaskus empfing er, unabhängig von den 12 Jesusjüngern, die gesamte Offenbarung des göttlichen Heilsplanes Gottes. Der Apostel Paulus ging gerade dieser Frage besonders intensiv nach. Im Brief an die Römer schrieb er: „Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen; auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern nur »was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden« (1.Mose 21,12), das heißt: nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt. Denn dies ist ein Wort der Verheißung, da er spricht (1.Mose 18,10): »Um diese Zeit will ich kommen und Sara soll einen Sohn haben.« (Röm 9,8). Die Zugehörigkeit zu Gottes Volk liegt zunächst in Gottes freier Wahl: „(…) nicht aus Verdienst der Werke, sondern durch die Gnade des Berufenden (…).“ (Röm 9,12). Weitere Kriterien sind – Glaube und Gehorsam. Hier einige Beispiele:

  • Abel – „Durch den Glauben hat „Abel“ Gott ein besseres Opfer dargebracht als Kain; deshalb wurde ihm bezeugt, dass er gerecht sei, da Gott selbst es über seinen Gaben bezeugte; und durch den Glauben redet er noch, obwohl er gestorben ist.“ (Hebr 11,4; vgl. 1Mose 4,1ff).
  • Noah – „Durch den Glauben hat „Noah“ Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.“ (Hebr 11,7; vgl. 1Mose 6).
  • Abraham – „Durch den Glauben wurde „Abraham“ gehorsam, als er (von Gott nach freier Wahl) berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ (Hebr 11,8-10).

Wir sehen also, dass Gott zur Definition seines Volkes die gleichen Prinzipien auch schon vor der Zeit Abrahams angewendet hatte. Für die Generation der Israeliten in Ägypten, an die sich Mose und Aaron wandten, war der Glaube an Gottes Verheißungswort ausschlaggebend für den Beginn einer neuen Gottesbeziehung. So lesen wir in 2Mose 4,29-31: „Und sie (Mose und Aaron) gingen hin und versammelten alle Ältesten der Israeliten. Und Aaron sagte alle Worte, die der HERR mit Mose geredet hatte, und Mose tat die Zeichen vor dem Volk. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, dass der HERR sich der Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen habe, neigten sie sich und beteten an.

Von Seiten des Menschen ist also Glaube die erste Voraussetzung, die zweite, welche dem Glauben folgen muß ist Gehorsam: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“ (2Mose 19,5-6). Und auch noch später in der Königszeit wiederholte Gott seine Erwartungen an das Volk:

„(…) sondern dies habe ich ihnen geboten: Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein.“ (Jer 7,23; vgl. auch mit Jer 11,4; 30,22; 3Mose 26,11-12; Hes 36,28). Seine Prinzipien ändert Gott nie! Der Apostel Paulus zitiert eine Zusammenfassung der Worte Gottes aus 2Mose 18,5-6 sowie der Paralleltexte aus 3Mose 26,11-12; Jer 7,23; Hes 36,28; Jes 52,11 und schreibt der Gemeinde in Korinth, die sich überwiegend aus ehemaligen Heiden zusammensetzte: „Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht (3.Mose 26,11-12; Hesekiel 37,27): »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.« Darum »geht aus von ihnen und sondert euch ab«, spricht der Herr; »und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein«, spricht der allmächtige Herr.“ (2Kor 6,16-18).

Wie hier deutlich wird, gelten die alttestamentlichen Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes auch in der Zeit des Neuen Testamentes. So schreibt Paulus im Brief an die  Römer: „Deshalb muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, damit sie aus Gnaden sei und die Verheißung festbleibe für alle Nachkommen, nicht allein für die, die unter dem Gesetz sind, (Israel) sondern auch für die, die wie Abraham aus dem Glauben leben (nicht Israeliten). Der (Abraham) ist unser aller Vater – wie geschrieben steht (1.Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat.

Verwirrend wäre daher die Unterscheidung zwischen dem sogenannten alttestamentlichen und neutestamentlichem Volk Gottes: Volk Israel auf der einen und die Gemeinde auf der anderen Seite. Gott hat ein Volk seit der ersten Menschengeneration, über Abel, Henoch, Noah, Hiob, Abraham, Isaak, Jakob, die Patriarchen, Mose, Josua, Kaleb, Rahab aus Jericho, Samuel, Ruth die Moabitin, David, Elia, Jeremia, das Haus Rechabs, Ebed Melech der Moor, alle seine Propheten und Gläubige, die im Hebräerbrief erwähnt und gedacht, über Zacharias und Elisabeth, Johannes den Täufer, Maria und Josef, Simeon,  Hanna und alle, die auf den Erlöser warteten. All die Gläubigen sammelte Gott schon im Vorfeld durch Jesus Christus zu seinem Volk. Doch seit Weltbeginn und auch in der Zeit der Geschichte des Volkes Israel, war Gottes Volk (die wahrhaft Gläubigen) immer eine Minderheit. So zitiert der Apostel Paulus den Propheten Jesaja: „Denn wäre auch dein Volk, o Israel, wie Sand am Meer, so soll doch nur ein Rest in ihm bekehrt werden.“ (Jes 10,22). Und in Jesaja 1,9 lesen wir:

Hätte uns der HERR Zebaoth nicht einen geringen Rest übriggelassen, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra.“ Wir fassen zusammen: Zu Gottes Volk zählen Menschen des Glaubens und des Gehorsams vor Abraham, unter den Nachkommen Isaaks und aller derer, die aus den Heiden im Laufe der Geschichte durch den Glaubensgehorsam zum Volk Gottes hinzugefügt wurden (jedoch nicht aufgrund von Eigenleistung). Im nächsten Abschnitt werden wir uns besonders mit der Erklärung von Jesus Christus beschäftigen, was er zu diesem Thema zu sagen hat.

2.1 Fragen:

  1. Was war der Grund für die Erwählung Israels?
  2. Was waren die zwei wichtigen Kriterien/Voraussetzungen für die Beziehung zu Gott? Oder wie wurde schon zur Zeit des AT die Zugehörigkeit zu Gottes Volk definiert?
  3. Warum spielt Abraham so eine wichtige Rolle in der Heilsgeschichte?
  4. Welche Vertiefung in der Gottesbeziehung ergibt sich aus der Tatsache, dass Jesus für uns gestorben und auferstanden ist?

3. Teil: Gottes Volk – Jesus und seine Gemeinde

Der Evangelist Matthäus beginnt seinen Evangeliumsbericht mit der Überschrift: „Buch der Geschichte Jesu Christi des Sohnes Davids des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1,1). Damit wird Jesus als Menschensohn in die Heilslinie der von Gott dafür ausgewählten Menschen eingefügt. Diese Linie (die nach der Genealogie im Lukasevangelium (Lk 3,23-36) von Jesus bis Adam zurückreicht) geht über Abraham/Sara  – Isaak/Rebekka – Jakob/Lea – Juda/Tamar – Nachschon/Rahab – Boas/Ruth – David/Bathseba – Nathan (Die Linie bei Matthäus geht über Salomo) – Sealtiel – Serubabel – Mathan – Josef/Maria – Jesus). Dabei ist Jesus der letzte in der heilsgeschichtlichen Stammeslinie. So wichtig die Aufzeichnung des Stammbaumes bis dahin war, so bedeutungslos wurde sie nach Jesus (1Tim 1,4; Tit 3,9). Jetzt war er da, der lang erwartete Nachkomme Abrahams (1Mose 22,18; Gal 3,16). Nun gibt Er und seine Apostel Aufschluss über die Frage der Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Wie wird die Bezeichnung `Volk Gottes` oder `mein Volk` im Neuen Testament definiert und gefüllt? Oder anders gefragt, wer ist nach dem Urteil Jesu und seiner Apostel das `Volk Gottes`? In den vorhergehenden Abschnitten haben wir festgestellt, dass Gott ein Volk hatte und zwar schon seit der ersten Menschengeneration. Es ist also deutlich eine Kontinuität zu erkennen, doch mit dem Kommen des Menschensohnes und mit der Stiftung des Neuen Bundes bekommt das Volk Gottes einen qualitativ neuen Status. Dieser neue Beziehungsstatus erfasst nun alle Gläubigen – „(…) wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes (…).“ (Lk 13,28; Hebr 12,23; 11,40; 1Petr 1,11).

Schon durch den Propheten Jeremia kündigte Gott an, mit dem Hause Israel einen neuen Bund zu schließen: „Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Hebr 8,10; Zitatauszug aus Jer 31,31-33).

Diesen Neuen Bund deutete Jesus während seines letzten Passahmahls (im Abendmahl) an und stiftete/besiegelte ihn am darauffolgenden Tag mit seinem Blut. „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,26-28). Nun ist der Weg frei und die Voraussetzung geschaffen, dass jeder durch den Glauben an Jesus (durch die Annahme seines Heilswerkes) in den Status der Kindschaft erhoben wird. So schreibt Johannes, der Jünger und Evangelist: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht (Vollmacht, das Recht), Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ (Joh 1,12-13). Die Beziehungsebene in diesem Neuen Bund Gottes mit jedem Einzelnen in seinem Volk wird nun auf eine geistliche Vater-Kind-Beziehung gehoben. Diese Beziehung ist zwar schon früher angedeutet worden durch die Aussage: „Israel ist mein erstgeborener Sohn“ (2Mose 4,22), doch erst mit Inkrafttreten des Neuen Bundes mit seinem Volk durch den Vermittler Jesus Christus, wird diese Beziehung zu einer persönlichen (gilt jedem Einzelnen). So zitiert  Paulus in 2Kor 6,18 mehrere alttestamentliche Aussagen Gottes (2Mose 6,7: Jes 52,11) und ändert dabei die Aussage „euer Gott sein“ in: „euer Vater seinund anstatt: „ihr sollt mein Volk sein“ verändert er in: „ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr.“

Dass dieses Privileg jetzt auch den übrigen Völkern angeboten wird, macht selbst Jesus deutlich durch die Aussage in Johannes 10,16:

„Und ich habe noch andere Schafe (aus den übrigen Nationen), die sind nicht aus diesem Stall (aus dem Gehege Israels); auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird „eine“ Herde und „ein“ Hirte werden.“

Auch Petrus verstand seinen Meister richtig, wenn er an die verschiedenen Volksgruppen in der Diaspora schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht,

die königliche Priesterschaft,

das heilige Volk,

das Volk des Eigentums,

dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.“ (1Petr 2,9-10; Zitate aus 2Mose 19,5-6 und Hosea 2,25). Beachten wir, dass Petrus aus dem Alten Testament zitiert, aber die Anwendung oder Zuordnung ist neu und auch sehr eindeutig – alle Menschen haben nun Zugang zur Gemeinschaft des  Gottes Volkes.

Abbildung 3 „Er hat aus Zweien Eins gemacht und abgebrochen den Zaun der dazwischen war“ (Eph 2,11-21). (Zeichnung von Joela Schüle …).

Eine Frage muss hier noch erörtert werden, und zwar: Hatte oder hat Israel (die Blutsmäßigen Nachkommen Abrahams 1Kor 10,18) einen Vorteil oder Vorzug in der Gottes-Volk-Gemeinschaft? Diese Frage stellte auch der Apostel Paulus: „Was haben dann die Juden für einen Vorzug oder was nützt die Beschneidung?“ (Röm 3,1). Und er antwortet: „Viel in jeder Weise! Zum Ersten: ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat. Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben?“ (Röm 3,2-3).

Israel war von Gott auserwählt und berufen worden, Träger der göttlichen Verheißung zu sein. Diese Erwählung und Berufung geschah nicht auf Grund von besonderen Vorzügen, sondern aus der Liebe und Treue Gottes (5Mose 7,6-9): „Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –  sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ Doch Gottes Gnade ist nicht billig, das Volk bekam damit auch die höchste Verantwortung. Und es gab von der Zeit Moses an bis Jesus (ja, bis heute) einen Teil in Israel, der Gott nicht glaubte, der Gott untreu wurde, der Gott nicht liebte und der schließlich auch den Messias Jesus Christus ablehnte.

Und von diesem Teil spricht Jesus in Matthäus 21,43: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt (…).“ (Mt 21,43). Damit schließt er keineswegs  Israel als Ganzes aus, sondern nur diejenigen aus Israel, welche ihn als Messias nicht angenommen haben, auch wenn es bis heute der zahlenmäßig größere Teil des gesamten Israels ist. Denn die Berichte aus den Evangelien machen ja sehr deutlich, dass es die Oberen, die Führenden der Juden in Jerusalem und deren Diener waren (Joh 7,49; Apg 13,27), welche die Entscheidung der Ablehnung des Christus getroffen haben samt der Verurteilung, mit all den Konsequenzen, die diese Entscheidung mit sich brachte – das gesamte Volk musste dadurch einen Leidensweg gehen (Zerstörung Jerusalems und des Tempels, Verlust der Autonomie und schließlich die Zerstreuung unter alle Völker wie sie Jesus selbst vorausgesagt hatte (Lk 19,41-44). Dieser ungläubige und verstockte Teil ist nach den Worten Jesu die Generation, das Geschlecht (gr. genea) „die nicht vergehen wird, bis das es alles geschehe“ (Mt 24,34). Denn an weiteren elf Stellen, in denen Jesus den Begriff `Genea` verwendet, meint er immer den Teil in Israel, der nicht glaubte, der gegen besseres Wissen ihn ablehnte. Damit hat sich dieser Teil Israels selbst aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes ausgeschlossen.

Und auch Paulus schließt sich Jesus an mit einem Zitat aus dem Propheten Jesaja (10,22-23): „Jesaja aber ruft aus über Israel: »Wenn die Zahl der Israeliten wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur ein Rest gerettet werden;den.“ (Röm 9,27). Dann klärt er weiter auf:  „Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil (einem Teil des Volkes) widerfahren, bis (zeitliche Angabe) die Vollzahl (Fülle) der Nationen hineingekommen sein wird; und so (gr, outos – auf diese Weise) wird ganz Israel (das Volk Gottes bestehend aus Juden und Heiden) gerettet werden, wie geschrieben steht: „Es wird aus Zion der Retter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“ (Röm 11,25-27). Das Zitat, welches Paulus in Römer 11,26-27 hier anfügt, ist keine Verheißung für die Zukunft Israels, sondern diese Verheißung aus Jesaja 59,20 und Jeremia 31,33 hat sich in der Person von Jesus Christus dem Retter und Gründer des Neuen Bundes, erfüllt. Und dadurch kommt Gott zu seinem Ziel und erfüllt die Verheißung – dass der Segen Abrahams zu allen Nationen kommen soll. Das Evangelium wurde durch den gläubigen Teil/Rest aus Israel (Jes 1,9; 10,22; Röm 9,27) zu den Völkern gebracht und so sammelte Gott sein Volk:

Wie er denn auch durch Hosea spricht (Hosea 2,25; 2,1): »Ich will das mein Volk nennen, das nicht mein Volk war, und meine Geliebte, die nicht meine Geliebte war.« Röm 9,25 »Und es soll geschehen: Anstatt dass zu ihnen gesagt wurde: „Ihr seid nicht mein Volk„, sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.« (Röm 9,25-26). Gott macht aus wenig viel – was Jesus begann, setzten seine 12 Jünger mit den 70 fort. Dann wirkte Gottes Geist durch die 120, die Zahl des Gottesvolkes wuchs in Jerusalem an auf etwa 3000, dann auf etwa 5000, dann wurden es Miriaden (Zehntausende) welche die Frohe Botschaft von dem Neuen Bund Gottes mit seinem Volk durch das Erlösungswerk Christi, zunächst in Judäa, Samarien, Galiläa, dann über die Grenzen des Landes und schließlich bis an das Ende der Welt trugen. In den ersten Jahrhunderten wuchs das Volk Gottes zahlenmäßig so stark an, bestehend aus den verschiedenen Kulturen und Sprachen, dass es bis zu Beginn des 4. Jh. zur größten Glaubensgemeinschaft der damaligen Welt wurde. In der Offenbarung, die Jesus seinem Jünger Johannes gezeigt hatte wird bereits das Volk Gottes in der Vollendung beschrieben:

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, (wie die Sterne, wie der Sand am Meer, wie der Staub auf Erden) aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil (Rettung) ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind’s, die gekommen sind aus der großen Trübsal (Bedrängnis) und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offb  7,9-17). Zu Gottes Volk gehören,

  • in seiner Familie Kind zu sein,
  • in seinem Reich das Bürgerrecht zu genießen,
  • in seiner Gemeinde Glied zu sein – was für ein Privileg!

3.1 Fragen:

  1. Welche Erweiterung und Vertiefung der Beziehung zu Gott ist durch das Heilswerk Jesu Christi Realität geworden?
  2. Welche wichtige Aufgabe erfüllte der gläubige Rest des natürlichen Israel bei der Vermittlung des Abraham-Segens an und für alle Völker?
  3. Kommt Gott mit seinem Volk seiner Gemeinde zu seinem Ziel? Wie sieht die Vollendung des Volkes Gottes aus?
  4. Welche Bedeutung hatten die Stammbäume in der Israelgeschichte? Spielt es für dich eine Rolle, den Stammbaum deiner Vorfahren weit zurück verfolgen zu können?

 Aktualisiert am 2. September 2025

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UNTERWEGS MIT JESUS

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Die Seligpreisungen von Jesus

Die Seligpreisungen von Jesus

Abbildung 1 Blick vom sogenannten Berg der Seligpreisungen auf den See Genezaret. Im Vordergrund am Nordufer die archäologische Stätte von Kapernaum (Foto: Juli 1994).

Einleitung

Matthäus berichtet über die Berglehre von Jesus ziemlich am Anfang seines Evangelienberichtes. Er beschreibt die Berufung der Jünger nicht wie die Evangelisten Markus und Lukas gesondert, sondern setzt sie einfach voraus. Es wäre schon ungewöhnlich, wenn Jesus seine Grundsatzrede nicht in der Gegenwart seines kompletten Jüngerteam gehalten hätte. „Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie (…).“ (Mt 5,1-2). Der Evangelist Lukas nennt erst die Details der Berufung der Zwölf und berichtet gleich danach einige Details aus der Berglehre. So kann die Berglehre von Jesus zeitlich ungefähr in die erste Hälfte der ersten Dienstperiode in Galiläa eingeordnet werden – das wäre ca. Herbst 29 n. Chr.

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Abbildung 2: Die Kirche der Seligpreisungen in der Nähe von Kapernaum (Foto:  April 1986)

Die lange kirchliche Tradition im Heiligen Land sieht den Ort der Berglehre im Nordwesten von Kapernaum, an der Stelle, wo heute die Kirche der Seligpreisungen steht. Dort finden wir weniger einen Berg mit Spitze, sondern eher eine flach abfallende Anhöhe, von der man über Kapernaum und dann weit über den See Gennezaret schauen kann. Der Evangelist Lukas nennt einen ebenen Platz, zu dem Jesus mit seinen Jüngern hinab steigt. Er merkt weiter an, dass Jesus vorher die ganze Nacht betete und am frühen Morgen aus der Vielzahl seiner Jünger, zwölf ausrählte und zu Aposteln berief. Es gibt einige Hinweise, dass Jesus viel mehr Jünger hatte, als uns bekannt sind (Joh 4,1;  Lk 6,17; 19,37). Es ist möglich, dass aus dieser Vielzahl später einige zu den siebzig gehörten.

Auf dem vom Evangelisten Lukas beschriebenen ebenem Platz, setzt sich Jesus in die Mitte seines Jüngerkreises und spricht zu ihnen. Doch offensichtlich konnte auch das ganze Volk mithören. Der Evangelist vermerkt auch, dass von verschiedenen Gegenden Menschen gekommen waren, um ihn zu hören und um von ihren Krankheiten geheilt zu werden.

Der Evangelist Matthäus unterbricht die anfängliche Reihenfolge der Taten von Jesus mit den Details aus der Berglehre. In ihr fasst er das geistliche Programm des anbrechenden Reiches Gottes zusammen.

Die Berglehre von Jesus bildet eine Schatzkammer von lauter kostbarer Perlen. Acht davon sind in den sogenannten Seligpreisungen eingefasst. Wir machen uns nun auf die Suche und Entdeckung dieser geistlichen Schätze.

In der folgenden Tabelle sind alle acht Seliogpreisungen aufgelistet wie sie uns die Evangelisten Matthäus und Lukas aufgeschrieben haben. Dabei werden wir feststellen, dass Lukas zu dem auch noch Weherufe aufgeschrieben hat und damit werden die Aussagen von Jesus vollständiger.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Suche in einem Bibelatlas, wo in etwa die sogenannte Bergpredigt von Jesus gehalten wurde.
  2. An wen richtet Jesus seine Berglehre?
  3. Welche Evangelisten haben in ihren Berichten die Berglehre aufgezeichnet?
  4. Warum beschreibt der Evangelist Matthäus die Zusammenfassung wichtiger Reichsgottesinhalte gleich am Anfang seines Evangelienberichtes?
  5. Aus welchen Lehrbereichen besteht die Berglehre?

 

 

Matthäus Lukas
1. Glückselig die Armen im Geiste, denn ihrer gehört das Reich der Himmel Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes

Aber wehe euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost dahin

2. Glückselig die Trauernden, denn sie sollen getröstet werden Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen

Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen

3. Glückselig die Sanftmütigen, denn sie sollen das Erdreich besitzen
4. Glückselig die Hungernden und Dürstenden nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden

Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern

5. Glückselig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen
6. Glückselig die Reinen im Herzen, denn sie werden Gott schauen
7. Glückselig die Friedfertigen, denn sie sollen Gottes Kinder heißen
8. Glückselig die Verfolgten wegen Gerechtigkeit, denn ihnen gehört das Reich der Himmel

Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen.

Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren

 

Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen.

Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten

 

Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten

In den nächsten Abschnitten werden wir die acht Seligpreisungen näher betrachten.

Fragen Aufgaben:

  1. Stelle die Ähnlichkeiten, bzw. Ergänzungen und Unterschiede bei den Evangelisten fest.
  2. Welche Seligpreisung fällt dir positiv und welche evtl. negativ auf?
  3. Bewerte die Verschiedenheit in den Berichten.
  4. Warum waren diese Seligpreisungen in jedem Kulturkreis immer irgendwie störend?
  5. Welche Seligpreisung würde in der Umsetzung deinen Alltag in Familie, Beruf und Gemeinde stark verändern?
  6. Welche Seligpreisung könnte für dich Priorität in der Umsetzung gewinnen?

1. Seligpreisung – Glückselig die Armen im Geist

Nach dem Text des Evangelisten Matthäus beginnt Jesus seine Lehre mit: Glückselig die Armen im Geiste, denn ihrer gehört das Reich der Himmel.“ (Mt 5,3).

Nach dem Text des Evangelisten Lukas: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.“ (Lk 6,20). „Aber wehe euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost dahin.“ (Lk 6,24).

Wir entdecken zunächst gewisse Unterschiede in den Vormulierungen der beiden Evangelisten. Während im Text des Evangelisten Lukas nur allgemein die `Armen` glückselig gepriesen werden, ergänzt der Text des Evangelisten Matthäus mit `Armen im Geist`. Nach der Formulierung des Lukas wendet sich Jesus direkt an seine Jünger. Nach Matthäus sind allgemein alle angesprochen, welche die Voraussetzungen für solche Seligpreisung erfüllen oder erfüllen werden. Nach dem Text des Evangelisten Lukas hat Jesus noch als deuitlichen Kontrast einen Weheruf über die Reichen ausgesprochen.

Hätten wir nur den Bericht des Lukas, würden wir einseitig an die materiell Armen und Reichen denken. Und diese Einseitigkeit würde auch verschiedenen Aussagen der Schrift widersprechen, denn weder sind die materiell Armen automatisch glückselig oder glücklich, noch sind die Reichen wegen ihres Reichseins automatisch unglückselig. Einige der Jünger konnte man keineswegs zu den materiell Armen zählen. Doch auch die vollständigere Aussage des Matthäus „Glückselig die Armen im Geiste“ meint auch nicht einfach die geistig Schwachen oder gar geistig behinderte Menschen. Waren doch auch die zwölf Jünger geistig gesehen weder hochintelligent, noch geistig unterentwickelt.

Der griechische Begriff `πνεύμα – pneuma` wird sowohl für den Geist Gottes, als auch den Geist des Menschen verwendet. Im Text des Matthäusevangeliums geht es eindeutig nicht um den Geist Gottes, denn arm sein im `Geiste Gottes`, oder `geistlich` arm sein, wäre nicht im Sinne von Jesus. Doch was meint Jesus denn mit `arm im Geiste`? Unserer Erkenntnis nach geht es hier um eine bewusste und reale, auf Gott bezogene oder von Gott her definierte Einschätzung des wahren Zustandes eines Menschen. Wie so oft, füllt Jesus ganz natürtliche Worte mit geistlichem Inhalt. (Joh 6,63: „Die Worte die ich zu euch rede sind Geist und sind Leben). Ein Blick in die Psalmen und Propheten, so wie neutestamentliche Aussagen und Beispiele aus dem Erleben mit Jesus, macht es uns leicht diese Seligpreisung zu verstehen.

Der Prophet Jesaja: Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.“ (Jesaja 57,15).

Der Psalmist David: Denn du hast keine Lust am Schlachtopfer, sonst gäbe ich es; Brandopfer gefällt dir nicht. Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist (pneuma); ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.“ (Psalm 51,18-19). Der König David erkannte, bekannte, beugte und demütigte sich vor Gott in seinem Herzen wegen seiner Sünden (Ehebruch, Mord). Im Gegensatz dazu war die religiöse Elite zur Zeit Jesu reich im Geiste – selbstbewusst, selbstgerecht, stolz auf ihre detailierten Kenntnisse der Überlieferungen der Ältesten.

Bei dieser Seligpreisung geht es um Menschen, von denen es heißt: „Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Mt 18,4).

 

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    Abbildung 3: Der See Genezaret bei Kapernaum in dessen Nähe Jesus die Bergpredigt mit den Seligpreisungen an seine Jünger und das Volk richtete (Foto:  April 1986).

     

Es geht also darum, sich vor Gott in seinem realen Zusatand (arm, bloß, ungelehrt, unmündig, unfähig, sündig) zu erkennen und es auch bekennen. Es geht auch darum, sich vor Gott zu demütigen und in der Gegenwart der Heilgkeit Gottes den eigenen Stolz und Besserwisserei zerbrechen zu lassen. Diesen Menschen spricht Jesus Glückseligkeit zu. Es geht dabei nicht um angenehme Befindlichkeit oder äußeres Wohlgefühl, sondern um eine Zusage, einen Zuspruch von Jesus – er nennt solche Menschen glückselig.
Es fällt auf, dass diese Armut im Geiste nicht mit Reichtum oder anderen irdischen Werten von Gott belohnt wird. Es geht um das Teilhaben am Reich Gottes. Matthäus verwendet mit Vorliebe die Bezeichnung `Reich der Himmel`, man kann auch übersetzen mit: Königreich der Himmel (gr. `βασιλεία των οθρανών – basileia tön ouranön`). Womöglich ist diese Bezeichnung eine Anlehnung an Daniel 7,14. Offensichtlich führt Jesus in seiner Verkündigung diese Bezeichnung bewusst ein um deutlich zu machen, dass es sich dabei nicht mehr um das alttestamentliche, irdische und zeitlich begrenzte Reich Israel oder Reich Juda geht.

Fragen / Aufgaben:
1. Jesus spricht eine Sprache, die sich von der, der Schriftgelehrten unterscheidet. Verstehen die Menschen ihn?
2. Suche selber nach Erklärungen zu der Aussage „Arme im Geiste“?
3. Jesus spricht oft vom Reich Gottes oder dem Reich der Himm. Was meint er damit?

 

2. Seligpreisung – glückselig die Trauernden

Während in der ersten Seligpreisung ganz konkret vom Geist des Menschen die Rede ist, liegt die Betonung in der zweiten Seligpreisung auf dem Gemüt des Menschen, auf seiner Empfindungsfähigkeit, der Fähigkeit bewusst emotional zu reagieren.

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Abbildung 4: Blick vom sogenannten Berg der Seligpreisungen auf das Nord und Ostufer des Sees Genezaret (Foto: Juli 1994).

Während in der ersten Seligpreisung ganz konkret vom Geist des Menschen die Rede ist, liegt die Betonung in der zweiten Seligpreisung auf dem Gemüt des Menschen, auf seiner Empfindungsfähigkeit. Auf der Fähigkeit bewusst emotional zu reagieren.

  • Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4).

Es ist geradzu auffällig, dass sowohl die erste als auch die zweite Seligpreisung in der messianischen Verheißung aus Jesaja 61,1-3 enthalten ist. Da lesen wir: „Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden1 (nach LXX Armen) frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, auszurufen das Gnadenjahr des HERRN3 und den Tag der Rache für unsern Gott, zu trösten alle Trauernden, den Trauernden Zions Frieden, ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt werden, eine Pflanzung des HERRN, dass er sich durch sie verherrlicht“ (Jes 61,1-3).

Der in Matthäus 5,4 werwendete griechische Begriff `πενθοῦντες – penthountes` wird mit Trauernde übersetzt (πενθος – penthos-Trauer). Jesus soricht hier von Menschen, die aktiv und nachhaltig Schmerz empfinden:

–       über ihr eigenes Versagen, ihre eigene Sünde, ihre eigens verursachte Ungerechtigkeit. Diesen Menschen wird Trost versprochen, Trost durch Vergebung der Schuld.

–       Es geht aber auch um Menschen, die aktiv Trauern über den Verlust der Gerechtigkeit, des Friedens, der Sicherheit, der Freiheit, so wie es viele aufrichtige Menschen zur Zeit des Alten Testamentes und auc zur Zeit Jesu empfanden.

–       Es geht auch um Menschen, die Trauern über die Not, das Elend und Leid anderer. Es geht um ein tiefes Mitgefühl und Anteilnahme über einen Verlust der schmerzlich ist.

In Markus 16,10 lesen wir von Maria Magdalena: „Die ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und trauerten und weinten.“

Paulus ahnte nichts Gutes, wenn er den Korinthern schrieb: Dass, wenn ich wiederkomme, mein Gott mich vor euch demütigt und ich über viele trauern muss, die vorher gesündigt und nicht Buße getan haben über die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben“ (2Kor 12,21). Er empfand tiefe Trauer über die Unbußvertigkeit vieler  Gläubigen in Korinth. Dagegen ist er empört über die Unempfindlichkeit (keine Trauer) vieler Korinther über das unordentliche Verhalten eines Gemeindegliedes. „Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht etwa Leid getragen (wörtlich: getrauert), damit der, der diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte entfernt würde“ (1Kor 5,2)!

Trauern ist sehr oft mit Weinen verbunden und bildet den Gegensatz zum Lachen. So ergänzt Lukas in seinm Text den Matthäus: „Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.  Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen“ (Lk 6,25 vgl. Hes 27,31). Die Stadtbekannte Frau, die sich Jesus näherte im Haus des Pharisäers Simon trauerte und weinte über ihr sündiges Leben. „Und siehe, da war eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war; und als sie erfahren hatte, dass er (Jesus) in dem Haus des Pharisäers zu Tisch lag, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salböl, trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. Dann küsste sie seine Füße und salbte sie mit dem Salböl“ (Lk 7,37-38). Der Trost blieb nicht aus, denn Jeesus nimmt sie in Schutz vor Simon wenn er sagt: „Denn ihre vielen Sünden sind ihr vergeben“ und zu der Frau gewandt: „Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden“ (Lk 7,50)!

Die Verheißung des `getröstet werden` löst Jesus also schon hier und jetzt ein, doch erst in der Neuen Welt wird sie vollkommene und ununterbrochene Realität werden, so die Aussagen in dem prophetischen Buch  des Jesaja und der Offenbarung des Johannes:

Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt“ (Jes 25,8). „… denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offb 7,17). „… und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid (wörtlich: Trauer) noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21,4).

Was für eine Aussicht !

3. Seligpreisung – Glückselig die Sanftmütigen

  • Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde besitzen“ (Mt 5,5).

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Abbildung 5: „Die Erde ist des Herrn und alles, was darinnen ist“ (Psalm 24,1). Blick von der Sinaihalbinsel bei Nuweiba über den Golf von Agaba nach Saudi Arabien-Sonnenaufgang (Foto: Februar 2013).

Es ist nicht einfach diese Seligpreisung zu verstehen, einmal wegen dem Begriff `Sanftmut` und wegen der Verheißung `die Erde zu erben`. Wir fangen hier einmal vom Ende an und fragen, was meint Jesus mit  „die Erde erben“?Wir fangen hier einmal vom Ende an und fragen, was meint Jesus mit  „die Erde erben“? In den meisten Stellen der Bibel ist mit Erde unser Planet gemeint, den Gott geschaffen hat mit allem was darinnen ist (1Mose 1,1-2,24) und diese Erde gehört Gott, wie aus Psalm 24,1 deutlich und eindeutig hervorgeht: „Ein Psalm Davids.“ Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“ Die Eigentumsrechte liegen also bei Gott, nicht bei dem Teufel, der sie unrechtsmäßig beansprucht (Lk 4,6). „Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben“ (Ps 115,16).

Doch es gibt einige Aussagen, auch schon durch den Propheten Jesaja über eine neue Erde, dort lesen wir: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird“ (Jes 65,17). „Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, spricht der HERR“ (Jes 66,22a). Gott hat also eine neue Weltschöpfung (Himmel und Erde) vorgesehen und vorausgesagt. Dies setzt die zeitweilige begrenzte Bestimmung dieser Erde voraus. Die Vergänglichkeit dieser Erde hat auch Jesus vorausgesagt: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 5,22; 24,35). Auch Petrus schreibt von einer neuen Schöpfung: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung (Jes 65,17; 66,22), in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2Petr 3,10-13).

Wir haben also die Wahl mit dem Begriff Erde (Mt 5,5) entweder an diese materielle, zeitlich begrenzte und vergängliche Erde zu denken, oder an die Erde, die Gott schaffen wird, in welcher Gerechtigkeit wohnen wird.

In der Seligpreisung heißt es: „Sie werden die Erde erben“. Es geht also um ein ewiges, auf die Zukunft ausgerichtetes unvergängliches Erbe, das uns Jesus durch sein Erlösungswerk erworben  hat.

Realität ist, dass die jetzige Erde von den Mächtigen in dieser Welt beansprucht und verwaltet (oder auch mißbraucht) wird. Wir fragen auch, welche Bestrebungen zeigte Jesus, als er hier war, nahm er etwas davon in Besitz? Er besitzte kein eigenes Haus, obwohl er Häusererbauer war; Er beanspruchte keinen Grundbesitz in Bethlehem, der Stadt seiner Vorfahren. Auf die Frage des Pilatus hinsichtlich seiner Königswürde, sagte Jesus; „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36).

Abbildung 6 Vom Berg Nebo aus reicht der Blick weit über den Jordangraben hinweg auf das Land der Verheißung (Foto: 7. November 2014).

Doch wenn Gott immer noch der rechtsmäßige Eigentümer dieser Erde ist, so bezieht er auch seine Kinder jetzt in die gottgewollte Verwaltung der Erde und dessen, was darinnen ist mit ein. Beispiele:

Auf der einen Seite verlassen seine Nachfolger ihre Häuser, ihre Heimat, ihre Boote, ihre Äcker um des Evangeliums willen (Mt 19,27-29). Auf der anderen Seite stellen sie ihre Häuser und Boote und Kleider und Lebensmittel und auch Geld, Gott und seinem Reich zur Verfügung (Mt 8,14; Lk 5,3; Lk 8,1-3; Joh 12,1-11; Mk 14,3; Apg 2,44. 46; 4,37) und gehören zu den wahren Verwaltern dieser Erde und der irdischen Dinge. So gewinnt die Seligpreisung Jesu auch eine Anwendung auf das jetzt und hier im Leben der Sanftmütigen. In Matthäus 19,29 hebt Jesus den Gedanken hervor, dass seine Nachfolger auch schon jetzt in dieser Zeit Anteil haben werden an all den materiell nutzbaren und erforderlichen Dingen.

Was ist Sanftmut, wie drückt sie sich aus? Es gibt sehr viel Stellen im Neuen Testament, in denen der Begriff Sanftmut als Geistesfrucht (Gal 5,23) und Chrakterzug eines Christen erwähnt werden (Eph 4,2; Kol 3,12; 1Petr 3,4 und andere). Am Beispiel von Jesus können wir deutlich erkennen, wie diese Frucht des Geistes sich ausdrückt. »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig (gr. πραυς – praus) und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen (Fohlen), dem Jungen eines Lasttiers« (Mt 21,5; Sach 9,9).

Sanftmut hat gar nichts mit vermeintlicher Schwäche zu tun. Jesus weiß um seine Berufung, seinen Stand und seinen Auftrag. Für den Einritt nach Jerusalem als König Israels benötigt er kein weißes Pferd, ein Zeichen eines Herrschers, sondern begnügt sich mit einem Fohlen einer Eselin. Er kommt um zu dienen, was durch das junge noch nicht benutzte und noch unerfahrene Lasttier deutlich wird, dies ist sanftmütiges Verhalten. Er selber beansprucht sanftmütig zu sein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig (πραυς) und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28-30).

Die Sanftmütigen (πραυς) in Matthäus 5,5 sind also Menschen, die in der Gesinnung und Haltung Jesu leben.

  • Sie sind keine Angeber,
  • Sie sind nicht stolz,
  • Sie sind nicht hochmütig,
  • Sie maßen sich nichts an, was sie nicht tatsächlich sind.

Es sind Menschen, die in rechter Art und Weise Schwachgewordene aufrichten (Gal 6,1-2),

Es sind mutige, besonnene, Auftrag – und Zielbewusste Menschen, die weder in Verzagtheit fallen, noch in einen gefühlsmäßigen Überschwang und Übermut in ihrem Verhalten (2Kor 10,1).

4. Seligpreisung – Glückselig die Hungernden und Dürstenden nach der Gerechtigkeit

In seinen Lehren benutzt Jesus sehr oft Bilder oder wie hier existenzielle Bedürfnisse eines Menschen, um dadurch eine göttliche Wahrheit deutlich zu machen.

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Abbildung 7 Wasserfall in der Schlucht von En Gedi am Westufer des Toten Meeres. Hier können Menschen und Tiere das ganze Jahr hindurch ihren Durst löschen (Foto:. Juli 1994).

 

Glückselig die Hungernden und Dürstenden nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden“ (Mt 5,6).

In Psalm 33,5 lesen wir: „Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN.“ Und von Jesus heißt es in Hebräer 1,9: „Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen

Doch um welchen Aspekt des geistlichen Lebens handelt es sich hier? Der Begriff Gerechtigkeit hat verschiedene Inhalte und wird je nach Grundgesetz unterschiedlich interpretiert und angewandt. Wie immer interressiert uns dieser Begriff im bibloischen Kontext. Der dafür verwendete griechische Begriff `δικαιοσύνη – dikaiosyne` kommt häufig sowohl im Alten als auch im Neuen Testament vor und beschreibt zum einen

  • die Gerechtigkeit, welche aus der Erfüllung des Gesetzes kommt, zum anderen aber auch
  • die Gerechtigkeit, welche aus dem Glauben kommt, bzw. dem Glaubenden an Gottes Verheißung zu,- oder angerechnet wird, ohne dass eine Vorleistung (Gesetzeserfüllung) erbracht werden muß.

Gerechtigkeit ist sozusagen ein Qualitätssiegel, so die Erklärung des Apostels Paulus in Römer 4,11: „Das Zeichen der Beschneidung aber empfing er (Abraham) als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er ein Vater werden aller, die glauben, ohne beschnitten zu sein, damit auch ihnen der Glaube gerechnet werde zur Gerechtigkeit.

Auf dem Apostelkonzil in Jerusalem um das Jahr 48 n. Chr. macht Petrus sehr deutlich, dass alle Bemühungen Israels die Gerechtigkeit (Rechtssprechung, Rechtfertigung) und die damit verbundene Errettung, durch das Gesetz zu erlangen, einem schweren Joch gleicht, dass niemand tragen konnte. „Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, dass ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können? Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus selig (gerettet) zu werden, ebenso wie auch sie“ (Apg 15,10-11). Der Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, von der Jesus in Matthäus 5,6 spricht war also die Sehnsucht vieler aufrichtiger und ehrlicher Israeliten, die einsahen, dass sie den Vorderungen des Gesetzes nicht gerecht werden konnten und sich daher nach einer Erlösung sehnten. Dies  bescheinigt der Apostel Paulus den Antiochenern in Pisidien  (Apg 13,38-39): „So sei euch nun kundgetan, liebe Brüder, dass euch durch ihn (Jesus) Vergebung der Sünden verkündigt wird; und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet, 39 ist der gerecht gemacht, der an ihn glaubt.“

Dieser Hunger und Durst also wird durch den Glauben an Jesus Christus völlig gestillt, denn er ist in Person das Brot und das Wasser des Lebens: „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“ (Joh 6,35; 4,14).

Wonach es Jesus selber wirklich verlangte (sein Hunger und Durst) und was ihn wirklich sättigte, war, den Willen seines Vaters zu tun (Gott in seinen Erwartungen gerecht zu werden, zu entsprechen), wie er selber zu seinen zweölf Jüngern sagte: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk“ (Joh 4,34).

  • Der Wille Gottes wird durch sein Gesetz erkennbar,
  • wenn Jesus den Willen Gottes tut, erfüllt er Gottes Gesetz,
  • wenn er Gottes Gesetz erfüllt, erwirbt er Gottes Gerechtigkeit.

Da er aber immer gerecht war, erwirbt er als wahrer Mensch, durch die Erfüllung des Gesetzes an unserer statt und für uns die Gerechtigkeit, die Gott akzeptiert. Daher spricht er jeden Glückselig, der nach dieser, von ihm erworbenen Gerechtigkeit, verlangt. Und in Jesaja 61,10 wird von der Freude des Gerechtfertigten vorausgesagt: „Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.“

In Titus 3,5 hebt Paulus den Urheber unserer Rettung hervor: „… machte er (Jesus) uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.

Doch ist Jesus auch dem äußeren Menschen zugewandt. Er kümmert sich

  • um die Schwachen (Wirwen (Lk 7) und deren Rechte,
  • um die Fremden (Ausländer, Migranten): 2Mose 23,9: „Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid“ (2Mose 23,9).

Er kümmert sich um das Rechtssystem: „Beim Richten sollt ihr die Person nicht ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen und vor niemand euch scheuen; denn das Gericht ist Gottes“ (5Mose 1,17). „Du sollst das Recht nicht beugen und sollst auch die Person nicht ansehen und keine Geschenke nehmen; denn Geschenke machen die Weisen blind und verdrehen die Sache der Gerechten“ (5Mose 16,19).

  • Er kümmert sich um den wirtschaftlichen Bereich: „Rechte Waage, rechtes Gewicht, rechter Scheffel und rechtes Maß sollen bei euch sein; ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat“ (3Mose 19,36). „Aber deine Augen und dein Herz sind auf nichts anderes aus als auf unrechten Gewinn und darauf, unschuldiges Blut zu vergießen, zu freveln und zu unterdrücken“ (Jer 22,17).
  • Er kümmert sich um die Verstoßenen (Behinderten, Aussätzigen),
  • um die Ausgegrenzten (Zöllner und Sünder Lk 15).

Gerade in seinem himmlischen, göttlichen Reich, im Bereich seiner Gemeinde lassen sich die genannten Auswirkungen seiner Gerechtigkeit gut praktizieren (Apg 2,42-4,37).

Wer sich Jesus zuwendet, geht nicht leer aus: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende (Vollendung, Ziel, Erfüllung); wer an den glaubt, der ist gerecht“ (Röm 10,4). „Sind wir denn Gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm 5,1).

 

5. Seligpreisung – Glückselig die Barmherzigen

„Glückselig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Mt 5,7).

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Abbildung 6: Sonnenaufgang am See Genezaret – Gottes Gnade und sein Erbarmen sind in der Tat jeden Morgen neu (Foto:  Juli 1994).

 

Zunächst wollen wir klären, welcher Begriff hier verwendet wird und was er beinhaltet?

Der griechische Begriff  `ελεημονές – eleimones` beschreibt Menschen `des Erbarmens, des Mitgefühls und Mitleids`. Unser deutsches Wort `Barmherzigkeit` wird zusammengesetzt von Herz und Erbarmen (herzliches Erbarmen). Glückselig werden von Jesus die Menschen genannt, welche beim  Anblick der Not und dem Elend der Menschen, nicht wegsehen, sich nicht abwenden, sondern sich ihrer in herzlicher, gütiger Zuwendung annehmen und nach ihren Möglichkeiten Hilfe leisten.

In dieser Einstellung kommen Mitleid, Mitgefühl, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft deutlich zum Ausdruck.

 

Beispiele für Gott als Erbarmer:

  • Jesaja 54,10 „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“

Eins der vielen Wesenszüge Gottes ist seine Barmherzigkeit und das was er ist, das tut er auch, so steht von ihm geschrieben: „Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke“ (Psalm 145,9).

Paulus spricht von der rettenden Tat Gottes wie folgt: „… rettete er uns – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit  (eleos) – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist“ (Titus 3,5). Und Jesus erinnert die kritischen und hartherzigen Pharisäer an die barmherzige Art Gottes und an die Wesenszüge der Liebe und  des Erbarmens, welche Gott den Opfern der Menschen, bevorzugt : „Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6 – „Denn ich habe Lust an der Liebe (eleos-Erbarmen) und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.“): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit (eleos) und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten“ (Mt 9,13). „Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit (eleos) und nicht am Opfer«, dann hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt“ (Mt 12,7).

Wie Gott ist, so zeigt er sich auch, so handelt er auch, denn sein Verhalten ist Ausdruck seines Seins.

Menschen, die das Erbarmen Jesu erfahren haben:

Die griechische Frau aus Syrophönizien appeliert an das Erbarmen Jesu und bittet um die Befreiung ihrer belasteten Tochter:

  • Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner“ (Mt 15,22).

Der Zöllner im Gleichnis aus Lk 18,13 wendet sich ebenfalls an Gott den Erbarmer mit seiner Sündenlast: „Gott, erbarme dich über mich Sünder“.

Der Blinde Barthimäus in der Nähe von Jericho ruft Jesus an mit den Worten: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner“ (Lk 18,38-39).

Im Kontrast zu der barmherzigen Zuwendung Gottes des Vaters und des Sohnes, stehen die hartherzigen Schriftgelehrten und Pharisäer und Jesus greift sie hart an und belegt sie mit einem Wehe:

  • Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit (eleos) und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen“ (Mt 23,23).

 

Gott gibt Erbarmen denen, die Erbarmen geübt haben:

Paulus erwähnt einen seiner Mitarbeiter, der bewusst und unter schwierigen Umständen Erbarmen übte: „Der Herr gebe Barmherzigkeit (eleos) dem Hause des Onesiphorus; denn er hat mich oft erquickt und hat sich meiner Ketten nicht geschämt, sondern als er in Rom war, suchte er mich eifrig und fand mich. Der Herr gebe ihm, dass er Barmherzigkeit finde bei dem Herrn an jenem Tage. Und welche Dienste er in Ephesus geleistet hat, weißt du am besten“. (2Tim 1,16-18).

Im Gericht wird Jesus die hervorheben, welche sich der Not und dem Elend der Menschen angenommen haben, ohne einen Vorteil daraus zu ziehen: „Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 

  • Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
  • Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
  • Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
  • Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
  • Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.
  • Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25,34-37).

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir

  • dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben,
  • oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?  
  • Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen,
  • oder nackt und haben dich gekleidet? 
  • Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,37-40).

Welch starke Motivation zum barmherzigen Lebensstil für die Nachfolger von Jesus !

6. Seligpreisung – Glückselig die Reinen im Herzen …

Glückselig die Reinen im Herzen, denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8).

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Abbildung 7: Im Oberlauf des Jordan ist das Wasser so klar, durchsichtig, dass man bis auf den Grund sehen kann. Jede Art von Verschmutzung des Wassers ist von der Naturschutzbehörde in Israel strengstens untersagt (Foto:  Juli 1994).

 

Jesus spricht immer noch über die verborgene innere Welt des Menschen. Jetzt ist er ganz tief innen angekommen – das Herz des Menschen. Was sich dort in jener, für das menschliche Auge verborgenen Welt, so alles abspielt? Auch der Apostel Paulus stellte diese Frage:: .„Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist“ (1Kor 2,11)? Im Herzen des Menschen entstehen Gedanken, werden erzeugt, vom Menschen geschaffen – als Produkt des menschlichen Denkvermögens (eine Fähigkeit die uns Gott ähnlich macht 1Mose 1,26).

  • Gedanken – die entstehen durch das Wahrnehmen von Menschen und Dingen über das Sehen, über das Hören über den Geruchsinn, ja, über alle Empfangsbereiche,
  • Gedanken – die entstehen durch Erinnerungen, durch Wünsche, Vorstellungen, Sehnsüchte, Planung der Gegenwart und Zukunft,
  • Im Herzen werden Überlegungen angestellt, sortiert, bewertet und ausgewertet,
  • Und nicht zuletzt werden im Herzen Entscheidungen gefällt, egal, ob sie ausführbar sind, oder nie tatsächlich zustande kommen.

Das Herz des Menschen ist ein Rechnerzentrum von unvorstellbarer Kapazität, die nie voll ausgeschöpft werden kann. Doch nur Gott kann das menschliche Herz vollkommen sehen und entsprechend auch richtig bewerten. Daher fragen wir nicht Menschen um die Beschreibung des Herzens, sondern Gott, der nach 1Samuel 16,7 das Herz ansieht. Und Jesus bestätigt Gottes Fähigkeit: „Ihr seid’s, die ihr euch selbst rechtfertigt vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen“ (Lk 16,15). Aber auch Jesus wusste, was die Menschen dachten und welche Motive sie hatten: „und bedurfte nicht, dass ihm jemand Zeugnis gab vom Menschen; denn er wusste, was im Menschen war“ (Joh 2,25; Mk 2,6-8).

 

Der Zustand des menschlichen Herzens

In 1Mose 8,21 sagt Gott über den Zustand des menschlichen Herzens: „Das Herz des Menschen ist böse von Jugend an.“ Und Jesus beschreibt den Zustand des Herzens mit den Worten: „Aus dem Herzen des Menschen kommen heraus arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt 15,19).

 

Die Verheißung eines neuen Herzens

Durch den Propheten Hesekiel verspricht Gott seinem Volk ein neues Herz zu geben: „Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut“ (Hes 36,26-27).

 

Bitte zu Gott um ein reines Herz

Schon David sehnte sich nach einem reinen Herzen wenn er in Psalm 51,12 betet: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in mir einen festen Geist.“

 

Wodurch werden die Herzen gereinigt?

  • In Johannes 15,3 sagt Jesus: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen das ich zu euch geredet habe.“
  • Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser: „Er (Jesus) reinigte sie (die Gemeinde) im Wasserbad des Wortes
  • Hebr 10,22 „so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen“.

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  • Petrus bestätigt bei der Apostelversammlung in Jerusalem: „Und (Gott) reinigte ihre Herzen durch den Glauben“ (Apg 15,9).
  • Und Johannes bezeugt Reinigung des Herzens: „…und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1Joh 1,7).

 

Was bedeutet es – Gott schauen ?

In 2Mose 24,11 steht geschrieben: „Und die Ältesten Israels schauten Gott“. Dem Mose wurde jedoch das Schauen von Gottes Angesicht nicht gestattet: „Mein Angesicht kann kein Mensch sehen“ (2Mose 33,17-23).

In Johannes 1,18 lesen wir: „Niemand hat Gott jemals gesehen

Und Paulus bestätigt in 1Tim 6,16: „welchen kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann

Doch wie ist es denn mit dem Gott schauen/sehen?

In Offenbarung 1,7 steht geschrieben: „Und es werden ihn (Jesus) sehen alle Augen“.

Auch in seinem ersten Brief schreibt Johannes: „Denn wir werden ihn (Jesus) sehen wie er ist…“Und in der Neuen Welt bei der  Vollendung heißt es: „Seine Knechte werden schauen sein Angesicht“ (Offb 22,4). Jesus selbst klärt einen seiner Jünger darüber auf, was und wie er es meint mit dem Gott sehen/schauen. „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.  Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn (den Vater) gesehen. Spricht zu ihm Philippus: „Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir“ (Joh 14,6-10)?

Wenn Jesus wiederkommt, dann werden ihn zunächst ALLE sehen.

In der Herrlichkeit werden die Gläubigen (die reines Herzens sind) Gott den Vater in und durch Jesus sehen, hören,  anbeten – alles nur durch Jesus.

7. Seligpreisung – Glückselig die Friedensstifter

Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen“ (Mt 5,9).

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Abbildung 8: Plitvicerseen mit Wasserfällen, über hölzerne Gehwege und Brücken leicht zu begehen – friedliche Landschaft – ein Hauch von Frieden (Foto: Juli 1986).

 

Das hebräische Wort für Frieden, welches Jesus ursprünglich verwendet hatte, lautet: `Schalom` , es ist sehr inhaltsvoll und umfasst alle Bereiche des menschlichen Wohlbefindens. Das griechische Wort für Frieden lautet: `ειρήνη – eirene` und ist in vielen Sprachen als Personenname bekannt (Irene, Irina, Irena). Dies unterstreicht den Wunsch und die Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit, Wohlbefinden, Geborgenheit.

Im Text wird aber ein Zusammengesetztes Wort gebraucht nämlich: `ειρηνηποιοι – eirenipoioi` und kann mit Friedensmacher, Friedenstäter, Friedensstifter übersetzt werden. Hier geht es nicht allein um Frieden zu halten, zu bewahren, sondern auch um zerstörte Beziehungen zu befrieden durch Vermittlung der Botschaft voin der Versöhnung.

 

Jede Art von Frieden hat eine bestimmte Qualität wie zum Beispiel:

  • Zwei zerstrittene Parteien einigen sich auf der Grundlage bestimmter akzeptabler Regeln,
  • Zwei Länder schließen einen freiwilligen oder auch erzwungenen Friedensvertrag und die Koexistenz ist für eine bestimmte Zeit gesichert.
  • Zwei Menschen klären ihre zerrissene Beziehung und schließen Frieden,

Die friedensstiftenden Maßnahmen unter Menschen in dieser Welt sind grundsätzlich zu begrüßen, abgesehen davon, dass sie oft auf die Kosten der Schwächeren erreicht werden, oder deutliche Tendenzen zu egoistischen, eigennützigen Motiven zeigen.

Jesus unterscheidet daher zwischen dem weltlichen (typisch menschlichem) und göttlichem Frieden wenn er zu seinen Jüngern sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch, nicht gebe ich euch wie die Welt gibt“ (Joh 14,17).

Frieden, wahren Frieden bekommt der Mensch, oder zu echtem Frieden gelangt der Mensch nur in der Person Jesu Christi: „Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt, in der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid getrost, ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Der Friede, den Jesus in diese Welt bringt, beruht auf der Versöhnung, die Gott den Menschen anbietet:

1. Versöhnung mit Gott durch Christus und dessen Heilswerk am Kreuz,

2. Versöhnung der Menschen untereinander wegen Christus.

  • Paulus hebt diesen göttlichen Frieden in seinem Brief an die Epheser heror: „Er (Jesus) machte Frieden“  (Eph 2,15). „Er (Jesus) ist gekommen und hat Frieden verkündigt den Nahen und den Fernen“ (Eph 2,17). Paulus wünscht den Gläubigen in Philippi: „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus“ (Phil 4,7).

Jesus preist nicht nur alle glückselig, die diesen von Gott gewollten und durch Christus erwirkten Frieden selbst erfahren haben, sondern sich aktiv durch Wort und Tat an der Verbreitung dieses Friedens beteiligen. Die Verheißung lautet: „Sie werden Söhne Gottes genannt werden“. Diese Ehrung bekommen sie natürlich von Gott selber zugesprochen, doch auch Menschen können sehen und erkennen, dass diese Friedensstifter ihrem Meister Jesus Christus, dem Sohne Gottes, sehr ähnlich sind im Sein und im Tun !

8. Seligpreisung – Glückselig die Verfolgten …

Die achte Seligpreisung ist die längste vom Text und Inhalt, durch sie fordert Jesus die Gläubigen bis aufs Äußerste heraus.

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Abbildung 9: Das Kolosseum in Rom, in dem neben Gladiatorenkämpfen, auch viele Christen wegen ihres Glaubens an Jesus Christus und ihrer Treue zu ihm den Tod erlitten (Foto: 8. Mai 2007).

 

Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,10).

„Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen“ (Mt 5,11).

Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Mt 5,12).

Und Lukas ergänzt mit den Worten von Jesus: „Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten“ (Lk 6,26).

 

Die Geschichte der Verfolgung

Die Verfolgung fing schon in der zweiten Menschen-Generation an:

  • Abel wurde von seinem Älteren Bruder Kain aus Neid umgebracht (1Mose  4,1ff).
  • Isaak wurde von Ismael, seinem älteren Bruder verfolgt (Gal 4,29).
  • Jakob wurde von seinem älteren Bruder Esau verfolgt (1Mose 27).
  • Josef  wurde von seinen älteren Brüdern verfolgt (Mordanschläge, Verkauf in die Sklaverei 1Mose 37).
  • Den Propheten ging es nicht besser (Mt 5,11).
  • Jesus wurde von den Ältesten des Volkes verfolgt und schließlich zu Tode verurteilt.
  • „…an diesem Tag erhob sich eine große Verfolgung wieder die Gemeinde in Jerusalem“ schreibt Lukas in der Apostelgeschichte 8,1.
  • Wir müssen durch viel Bedrängnisse (Trübsal) in das Reich Gottes hineingehen“ sagte der Apostel Paulus zum Abschied den Gläubigen im pisidischen Antiochia (Apg 14,22).

Jesus setzt Verfolgung voraus wie wir in Lukas 11,50-51 lesen: „Damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist seit Erschaffung der Welt; von Abels Blut an, bis hin zum Blut des Zacharija, der umkam zwischen Altar und Tempel, …“. Mit der Bezeichnung „von diesem Geschlecht“ meint Jesus nicht nur das zu seiner Zeit antigöttliche und antichristliche Lager, sondern ALLE Menschen aller Generationen, die sich gegen Gott und sein Volk auflehnen, (vgl. auch die Aussage in Offenbarung 18,24: „… und das Blut der Propheten und der Heiligen ist in ihr gefunden worden und das Blut aller derer, die auf Erden umgebracht worden sind).

 

Verfolgung, – eine unausweichliche Folge der gerechten Lebensführung?!

 

Die Verfolgung ist notwendig für die Bewährung des Glaubens: „Aber wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes Willen, so fallen sie ab“ (Mt 13,21). Oder mit einem positiven Ergebnis: „Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus“ (1Petr 1,6-7).

  • Durch Verfolgung werden die Fronten klar abgesteckt, so schreibt Paulus in 2Tim 3,12 „Und alle, die fromm (gottesfürchtig) leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden“ (vgl. 2Tim 3,11; 2Kor 4,9; Röm 8,35).

Die Zusage der Glückselichkeit gilt also all denen, die in irgendeiner Form, wegen ihrer Zugehörigkeit zu Christus und wegen ihrer gerechten Lebensführung, bedrängt, verfolgt, Mißhandelt, oder gar getötet werden. Auch üble und unwahre Nachrede, falsche, bewusste lügnerische Aussagen, sind in dem Verfolgungskatalog ebenso eingeschlossen. Jesus spricht all diesen Menschen, die solches erleiden und erdulden, schon jetzt Glückseligkeit zu, ja, er fordert sogar auf zum Jubeln, was die Apostel als Vorbilder später auch tun: „Sie gingen aber fröhlich (sich freuend) von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden“ (Apg 5,41).

Eines Tages wird sich das Blatt wenden, dann werden die hier Verfolgten im Reich Gottes ihren Trost bekommen. Doch auch schon hier sind die Verfolgten die eigentlichen Sieger –  Sieger über das Böse und bezeugen damit ihren Anteil am Reich Gottes und seiner Herrschaft!

 

 

 

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Jordanien – eine Oase im Nahen Osten

Einleitung

Eine Reise durch Jordanien (Text und Fotos von Paul Schüle)

Zu biblischen Zeiten bezeichnete man das Territorium des heutigen Landes Jordanien mit „Das Land Jenseits des Jordan gegen Osten hin“.

Es ist das Land in dem vor mehr als dreitausend Jahren

  • ein mächtiger Stamm der Amoriter wohnte und
  • in deren Land auch die Midianiter siedelten.
  • In diesem Land wohnte der Stamm der Edomiter (Esaus Nachkommen).
  • Es ist das Land der Moabiter und Ammoniter, den Nachkommen Lots. Noch heute heißt die Hauptstadt von Jordanien `Amman`.
  • Es ist das Land in dem sich die zweieinhalb Stämme Israels wegen günstigen Weideplätzen  niedeließen.
  • Es ist das Land von dem aus Mose das gelobte Land westlich des Jordan überblickte, das er aber nicht betreten durfte.
  • Es ist auch das Land in dem Gott den Propheten Elia gen Himmel holte, ohne das er den Tod erlitt.
  • Es ist das Land in dem Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan getauft wurde und das er später während seines Dienstes mehrmals besuchte (Speisung der vier,- und fünftausend).
  • Es ist das Land wohin viele Christen auf die prophetische Anweisung Jesu flüchteten in der Zeit der Zerstörung der Stadt Jerusalem durch den römischen Feldhauptmann Titus im Jahre 70 n.Chr.

Dieses Land will ich mit meiner Frau für zehn Tage bereisen, um vieles entdecken, was an alte Zeiten erinnert, aber auch Menschen kennenlernen, welche heute dieses einzigartige Land im Nahem Osten bewohnen. Lassen sie sich mitnehmen auf eine Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Jordanien – eine Oase im Nahen Osten

Diese Überschrift verdanke ich unserem jordanisch-arabischen Reiseleiter Auni aus Amman.

IMG_8916Amman – König Abdullah Moschee und dicht dahinter die Koptische Kirche (Foto: P.S. 2. November 2014).

Im April des Jahres 1985 reiste ich mit einer Gruppe durch Jordanien und Israel. Damals waren Weiterlesen

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Judas – eine zwielichtige Gestalt

Sein Name bedeutet `Lobpreis`.

Judas Sohn des Simon stammte aus Kerijot. Über diesen Ort ist bislang nichts weiteres bekannt Weiterlesen

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Sieben Edelsteine für den Aufbau und das Gelingen einer Ehe

Sieben Edelsteine für den Aufbau und das Gelingen einer Ehe

 

Abbildung 1 Kostbare Edelsteine faszinieren Menschen seit Jahrtausenden. Sie sind ein guter Hinweis für die Vielfalt und Schönheit von geordneten Beziehungen in Ehe und Familie (Foto: W. S. 30. Januar 2018).

Wenn eine Ehe im Rahmen des göttlichen Willens und Planes vorbereitet, begonnen und geführt wird, wird der Segen und das Wohlwollen Gottes darauf  ruhen. Dabei sollten bestimmte und sehr wichtige Prinzipien beachtet werden.

 

 

  1. Baustein: Einander annehmen

Alle Vorbehalte, sofern es welche gibt, sollten im Vorfeld der Eheschließung ausgeräumt

werden. „JA, ich will“, mit diesem Gelöbnis beziehen Ehepartner einander voll

und ganz in das eigene Leben ein.

  • Man ist nicht mehr allein,
  • Man entscheidet nicht mehr eigenständig, eigenmächtig  und eigenwillig.

Ab jetzt wird das Leben nicht einfach nur geteilt, sondern gemeinsam gestaltet.

Der Apostel Paulus schreibt an die Gläubigen in Rom folgendes: „Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat zu Gottes Herrlichkeit.“ (Röm 15,7).  Christus gestaltet die neue Beziehung mit seiner Gemeinde – diese Herausforderung gilt auch für die Ehe zwischen Mann und Frau.

 

  1. Baustein: Bereitschaft zur Veränderung

Nicht die Veränderung des anderen, sondern `sich selbst verändern` heißt nun die Devise. Die Mühe und der Aufwand, den anderen zu verändern, lohnt nicht, es ist nur Vergeudung der Kräfte, die anderweitig besser eingesetzt werden können. Jede Veränderung beginnt zunächst im Denken.

Auch zu diesem Bereich schreibt der Apostel Paulus: „Verwandelt euch durch das erneuern eures Denkens.“ (Römer 12,2).

 

  1. Baustein: Schuld einander nicht anrechnen

Dies heißt nicht, dass Schuld zugedeckt werden soll, sondern nachdem sie aufgedeckt wurde, vergeben oder um Vergebung bitten. Eine regelmäßige Mühlentsorgung tut auch der Ehe gut. Dazu schreibt der Völkerapostel an die Epheser: „Seid aber zueinander freundlich, mitfühlend und begnadend einander, wie auch Gott euch in Christus begnadet hat.“ (Epheser 4,32). Schuldtilgung macht den frei, der die Schuld trägt und auch den, der die Schuld nachträgt.

 

  1. Baustein: Die Schwächen des Partners tragen/ertragen, die Stärken fördern

In der Natur des Menschen liegt es, auf die Schwächen anderer hinzuweisen und die eigenen Stärken hervorzuheben. Jedoch der umgekehrte Weg, den uns die Bibel aufzeigt, fördert beide Partner.

Dazu schreibt der Apostel Paulus an die Epheser: „Mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, (Großmut) ertragend einer den andern in Liebe.“ (Epheser 4,2).

 

  1. Baustein: Einander helfen dle jeweilige Bestimmung zu finden

Dazu sollte man die Herkunft, die Lebensgeschichte, die Gaben und Fähigkeiten des Partners berücksichtigen.

Der Apostel Paulus, der die Ichbezogenheit des Menschen kannte, schrieb dazu: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern (auch) auf das, was dem andern dient.“ (Phil 2,3-4).

 

  1. Baustein: Schutz gegen Einmischung und Eingriffe Dritter

Gott räumt der Ehe eine Autonomie, also eine Eigenständigkeit/Selstständigkeit ein. Werden die territorialen Grenzen einer Ehe von Dritten überschritten, kommt es unweigerlich zu Konflikten. Gott selbst sah es für gut an, dass die junge Ehe sich eigenstämdig entfalten soll, getrennt von den Eltern. „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein „ein“ Fleisch.“ (1Mose 2,24;  Matthäus 19,5; Epheser 5,31). Es hat ein klarer Wechsel der Beziehungen und auch der Verhältnisse stattgefunden: weg von den Eltern und hin zu dem Ehepartner.

 

  1. Baustein: Gute Freundschaften stabilisieren eine Ehebeziehung

Sinnvoll ist eine gute Mischung von Freundschaften:

  • Freunde, im gleichen Alter und mit gleichen Interessen, mit denen man etwas gemeinsames unternehmen kann – Freunde also auf Augenhöhe.
  • Freunde, die älter sind, erfahrener, weiser, klüger, bei denen man lernen kann.
  • Freunde, die nicht nur jünger sind, sondern auch ärmer, schwächer, die Hilfe und Vorbilder brauchen.

Johannes, der Apostel, hatte viele gute Freunde und er kennt ihre Namen. So schreibt er in seinem dritten Brief an Gajus: „Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde, jeden mit Namen.“ (3Joh 15). Natürlich benötigen gute und lange  Freundschaften der Pflege, doch diese Investitionen zahlen sich aus. Ein stabiles Netzwerk von Freunden ist wertvoller als viele materiellen Güter.

 

Für die Stabilität und gute Entwicklung einer Ehebeziehung

sind alle sieben edle Bausteine gleichsam wichtig !

 

 

 

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Gottes Geheimnis – Jesus Christus

Einleitung

Das größte und umfassendste Geheimnis, welches es jemals gegeben hat, ist die Person von Jesus Christus. Dieses Geheimnis war von Ewigkeit her verborgen in Gott. Den Einstieg zu diesem 12-teiligen Bibelkurs bilden Aussagen der Schriften des Neuen Testaments, die deutlich machen, wie Gott der Vater nach und nach seinen Einziggeborenen Sohn Jesus Christus in seiner Vielfalt der unsichtbaren wie auch sichtbaren Welt offenbart und durch Ihn seinen Heilsplan verwirklicht. Weiterlesen

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Lasst die Kinder zu mir kommen

Lasst die Kinder zu mir kommen

 

Abbildung 1 Jesus liebt Kinder (Foto am 15. März 2018. Zeichnung: J. Kähm 1995).

Einleitung

Die Praxis der Kindersegnung in unserer Gemeinde geht zurück auf die Segnung der Kinder durch Jesus. Da wir zum segnen berufen sind, gilt dies auch in besonderer Weise den Kindern. In diesem Artikel wird sowohl auf die Bedeutung des Segnens von Kindern durch die Gemeinde als auch auf die Verantwortung der Eltern – ihre Kinder zu segnen – eingegangen. Weiterere Aspekte sind: Das Reich Gottes gehört den Kindern und was können und sollen Erwachsene von den Kindern lernen?

 

1. Die Texte von der Segnung der Kinder durch Jesus

Alle drei Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas) berichten von der Segnung der Kinder durch Jesus. Hier zunächst die Evangelientexte:

Matthäus 19,13 – 15                                                       

Darauf wurden Kinder (gr. παιδίαpaidia) zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete, aber seine Jünger fuhren sie an. Aber Jesus sagte: „Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen. Denn solchen gehört das Reich der Himmel. Und als er ihnen die Hände aufgelegt hatte, ging er weg von dort.

Der griechische Begriff  ´παιδία – paidia´ bezeichnet Kinder im Alter bis etwa 12 Jahren. Er wird jedoch auch im übertragenen Sinne auf erwachsene Kinder Gottes angewendet.

Markus 10,13 – 16                                                               

Und sie brachten Kinder (gr. παιδίαpaidia) zu ihm, damit er sie berühre; aber die Jünger fuhren sie an. Als Jesus aber dies hörte, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage Euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind (gr. παιδίonpaidion), der wird keinesfalls hineinkommen. Und er schloss sie in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.“

Lukas 18,15 – 17                                                                   

Sie brachten aber auch zu ihm die Kinder (gr. βρέφηbref¢),damit er sie berühre; als aber die Jünger dies sahen, fuhren sie sie an. Aber Jesus rief sie zu sich und sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage Euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind (gr. παιδίonpaidion), wird keinesfalls hineinkommen!“

Der griechische Begriff `βρέφη bref¢` ist die Bezeichnung für einen Säugling und ein noch ungeborenes Kind im Mutterleib.

 

2. Der Kontext dieser Geschichte

  • Diese Geschichte ereignete sich im Gebiet von Peräa, östlich des Jordan. Vorstellbar wäre die Gegend um den früheren Taufplatz bei Bethanien in der letzten Phase seines Dienstes, ungefähr drei Monate vor seiner Passion (ca. Januar 0033) (Mt 19,1; Mk 10,1; Joh 1,28; 10,40). Diese Gegend ist bekannt für mehrere heilsgeschichtliche Ereignisse.
  • In der Regel waren es die Mütter, die ihre Kinder oder Säuglinge zu Jesus brachten.
  • Es wurden mehrere Kinder und zwar in verschiedenem Alter zu Jesus gebracht.
  • Jesus war immer umringt von seinen Jüngern und weiteren männlichen Zuhörern, so dass der direkte Zugang zu ihm versperrt war.
  • Jesus befand sich im Gespräch oder Lehre über die Frage der Pharisäer zum Thema Ehe und Ehescheidung (Mt 19,2-12). Fällt uns der Kontrast auf – die frommen Männer bewegt die Möglichkeit einer Ehescheidung, die (Mütter) sorgen sich um ihre Kinder, damit diese von Jesus gesegnet werden.
  • Nach dem Thema, welches die Männer interessierte, dachten die Mütter wohl, dass jetzt sie an der Reihe wären. Doch weit gefehlt, die Jünger sind fest entschlossen, die Mütter mit ihren Kindern und Säuglingen abzuweisen. Die Aussage: „Die Jünger aber fuhren sie an“, ist schwerwiegend, ja sogar bedrohend. Das Verb (ἐπετίμησαν – epetim¢san) wird auch gebraucht, wenn Jesus die Dämonen bedrohte und zum ausfahren zwang. Die Reaktion der Jünger macht also deutlich, wie wenig damals Kleinkinder besonders von Männern, in der Öffentlichkeit beachtet wurden.

 

3. Die Kinder stehen unter besonderer Beachtung von Jesus

Verwehrt den Kindern nicht den Weg zu Jesus! Er hat nicht nur Interesse an Kindern, sondern er nimmt sich auch Zeit für sie. Er ist sogar heftig unwillig über das Verhalten seiner Jünger und weist diese scharf zurecht. Alles andere und auch alle anderen müssen warten – jetzt sind die Kinder dran. Eine wichtige Lektion für die Erwachsenen damals und heute. Aussagen wie: „Geh weg, lass mich jetzt in Ruhe, stöhre mich nicht, beschäftige dich selbst“, rächen sich zu einem späteren Zeitpunkt und decken sich nicht mit der Einstellung und dem Verhalten von Jesus. Beachten wir, was Jesus hier alles tut:

  • Er nimmt die Kinder (einzeln) in den Arm,
  • Er drückt sie an sein Herz;
  • Er legt ihnen die Hände auf:
  • Er betet und segnet sie.

Das deutsche Wort `segnen`  ist in kirchlichen Kreisen zwar sehr verbreitet, doch sagt es heute wenig Konkretes aus über seinen Inhalt. Da hilft uns wieder mal die griechische Sprache mit ihrem reichen Wortinhalt. Der griechische Begriff `ευλογία – eulogia`, wird von dem Wort `λόγος – logos` gebildet und die Vorsilbe `ευ – eu` hebt den positiven Sinn des Wortes oder der Aussage hervor. Dementsprechend liegt dem Wort `Segen` eine konkrete, in Worte gefasste Aussage zugrunde. Gut möglich, dass Jesus jedem Kind einen besonderen Segensspruch widmete.

Es konnte ein tröstender, ermutigender oder auch prophetischer Zuspruch gewesen sein. Jemand segnen kann man mit dem Zuspruch einer Verheißung oder eine in der Wunschform ausgesprochene Fürbitte an Gott für einen Menschen.

 

4. Das Reich Gottes gehört den Kindern

Jesus sagt: „Ihnen gehört das Reich der Himmel“. Bei Kindern, die noch nicht selbst zwischen Gut und Böse unterscheiden können und somit noch nicht für ihre Taten zur Verantwortung herangezogen werden können, die also selbst noch nicht fähig sind, ihre sündigen Neigungen zu erkennen, legt Jesus andere Maßstäbe an, als bei Erwachsenen (Jes 7,15-16; Joh 9,41; Röm 5,13). Demnach stehen Kinder unter der Gnade Gottes.

 

5. Erwachsene müssen werden wie Kinder wenn sie in das Reich Gottes kommen wollen

Kinder werden naturgemäß mit zunehmendem Alter wie Erwachsene. Jesus fordert die Erwachsenen auf gegen die menschliche Natur, wie Kinder zu werden. Sicher meint er dies nicht im physischen Sinne wenn er sagt: Wer das Reich Gottes nicht annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Wer das Reich Gottes sucht, soll nicht altersmäßig wie die Kinder werden, sondern nach deren Art und Weise (vgl. dazu auch das Missverständnis des Nikodemus´ mit dessen falschem Denkansatz in Johannes 3,4: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er zum zweiten Mal in seiner Mutter Leib hineingehen, um geboren zu werden?“) Zu werden wie ein Kind, heißt also: So klein, so niedrig, so hilflos, so abhängig, so führungsbedürftig, so schutzbedürftig und so vertrauensvoll zu werden.

Der Erwachsene jedoch lebt gewöhnlich in der Einstellung, er wüsste alles, er könne alles, er wäre jemand, er käme allein zurecht und bräuchte keine Hilfe, er schaffe es allein. Zu werden wie ein Kind heißt: Sich selbst erniedrigen, es bedeutet einen Zerbruch des stolzen menschlichen Geistes und das Bekenntnis, es doch nicht allein zu schaffen, sich nicht selbst retten zu können. Letztlich geht es um eine eigene Bankrott – Erklärung vor Gott.

Übrigens ist die Mahnung zur Selbsterniedrigung anhand der Darstellung durch ein Kind von Jesus noch an einer anderen Stelle hervorgehoben. In Matthäus 18,1-4 geben die Jünger mit ihrer Frage `wer ist der Größte im Himmelreich` eine passende Vorlage zu einer Bildpredigt. Der Evangelist schreibt:

Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses  Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

Die allgemein angewendete pädagogische Praxis ist: Kinder lernen von und durch die Erwachsenen. Jesus will diese wichtige Aufgabe und Verantwortung den Eltern keineswegs abnehmen. Doch durch das „Wahrlich ich sage euch“ macht Jesus seine Jünger auf Folgendes aufmerksam: Für den Eingang in das Reich Gottes sind Kinder als Anschauungssubjekte besser geeignet als die Erwachsenen. Und deswegen sollen Erwachsene von Kindern lernen. Kinder schauen von unten nach oben, sie wissen um ihr Kleinsein, um ihr Nidrigsein.  Die Erwachsenen schauen von oben nach unten. Es fällt ihnen schwer das festsitzende Widerstreben zur Selbsterniedrigung überwinden. Doch dies ist laut den Worten von Jesus die unbedingte Voraussetzung für den Eingang in das Reich Gottes.

 

6. Jesus freut sich an den Kindern

Jesus nimmt die Kinder ernst, er freut sich über ihren Lobpreis im Tempel und rügt die Hartherzigkeit und den Stolz der Schriftgelehrten und Elite des Tempels. Der Evangelist Matthäus schreibt: „Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«?“ (Mt 21,15-16). Die Kinder erfüllten mit ihrem Singen und Rufen damals im Tempel, die Prophetie über Jesus und sollten vermehrt auch heute in den Gottesdiensten der Gemeinde mit einbezogen werden. Kinderchöre gehören in die Gottesdienste der Erwachsenen.

 

7. Beispiele für Segnungen

  • 1Mose 1,28: Gott segnete Adam und Eva;
  • 1Mose 27,27: Isaak segnete den Jakob;
  • 4Mose 6,23-27: Der sogenannte Aaronitische Segen;
  • 1Sam 1,17-20; 2,20: Eli segnete Hanna und Elkana;
  • Lk 2,34: Simeon segnete Maria, Josef und das Kind Jesus;
  • Lk 1,76ff: Zacharias segnete das Kind Johannes.

8. Schlussfolgerung

Wir praktizieren die Kindersegnung im Gottesdienst und auch zu Hause einfach deshalb, weil Jesus dies auch getan hat und weil wir zum Segnen berufen und beauftragt sind. Bei solchen Handlungen werden besonders die Eltern in die Pflicht genommen. Altlasten wie Beschwörungen durch Wahrsagerei, magische Heilungen u.ä. müssen bei und von den Eltern offengelegt werden, damit die Kinder unter den Segen und Schutz Gottes kommen können. In Hebräer 7,7 wird ein uraltes biblisches Prinzip für das Segnen deutlich gemacht: das/der Geringere wird von dem Höheren gesegnet.

  • Melchisedek segnete Abraham,
  • Die Priester sollten im Auftrag Gottes das Volk segnen,
  • Die Eltern sollen die Kinder segnen.
  • Die Ältesten der Gemeinde sollen die Gläubigen segnen

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Abbildung 2 „Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“ – Ps 127,3 (Zeichnung von J.  S.).

Wenn das gesamte Volk Gottes beauftragt wird, seine Feinde zu segnen, wieviel mehr gilt dies dann für die eigenen Hausgenossen!

In der Regel legt ein Stellvertreter aus der Leiterschaft der Ortsgemeinde im Auftrag der Eltern dem Kind/Säugling die Hände auf, betet und segnet das Kind im Namen von Jesus Christus. Auf Wunsch der Eltern werden auch Freunde der Familie, bzw. Vertrauenspersonen in das Segnungsgebet mit einbezogen.

Wir sehen die Praxis der Kindersegnung als eine in sich eigenständige und sowohl von der Bibel als auch durch das Handeln von Jesus gedeckte Vorgehensweise an. Die Kinder gläubiger Eltern haben bestimmte Vorteile (siehe 1Kor 7,14: Der ungläubige Mann ist jedoch geheiligt durch die gläubige Frau und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Bruder, denn sonst wären ja Eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“) Was immer auch dieser Text genau aussagt und wie unterschiedlich er interpretiert werden kann, scheint eines sicher zu sein: In einer Ehe und Familie geht vom Gläubigen Reinheit, Heiligkeit, Licht, Wärme, Segen und göttliche Ausstrahlung aus. Das Gebet der Eltern, ihr Segen, ihr Vorbild und ihre Erziehung im Herrn sind wesentliche Elemente für den Schutz und das Gedeihen des Kindes (Eph 6,1-4; Kol 3,20-21).

 

 

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XII. Jesus – Richter der Welt

Den ersten Hinweiß zum Richteramt Christi finden wir im Judasbrief (V. 14-15), dort wird Bezug genommen auf die Zeit des Henoch und dessen Weissagung: „Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der Siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben“.   Weiterlesen

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XI. Jesus – HERR aller Herren

Das sogenannte Sch`ma (Gottesbekenntnis) Israels in 5Mose 6,4 lautet: „Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein !“ Hier ist das Zahlwort „eins“ verwendet. Weiterlesen

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