Inhaltsverzeichnis
- 1 Teil 5: Die sieben Zornesschalen und das Gericht über Babylon das Tier und den falschen Propheten
- 1.1 5.1 Die Schar der Erlösten am gläsernen Meer
- 1.2 5.2 Die Ausstattung der sieben Engel mit den goldenen Schalen des Grimmes Gottes
- 1.2.1 5.2.1 Die erste Zornesschale: Geschwüre an Menschen
- 1.2.2 5.2.2 Die zweite Zornesschale: Das Meer wird zu Blut
- 1.2.3 5.2.3 Die dritte Zornesschale: Die Wasserströme werden zu Blut
- 1.2.4 5.2.4 Die vierte Zornesschale: Die Sonne versengt Menschen
- 1.2.5 5.2.5 Die fünfte Zornesschale: Das Reich des Tieres wird verfinstert
- 1.2.6 5.2.6 Die sechste Zornesschale: Der Fluss Euphrat trocknet aus
- 1.2.7 5.2.7 Die siebte Zornesschale: Es ist geschehen
- 1.3 5.3 Das Geheimnis der großen Hure und des Tieres welches sie trägt
- 1.4 5.4 Der Weltrichter auf weißem Pferd und seine Heere besiegen alle feindlichen Heere
Teil 5: Die sieben Zornesschalen und das Gericht über Babylon das Tier und den falschen Propheten
Dieser fünfte Teil erstreckt sich von Kapitel 15-19 und beinhaltet neue Aspekte von der Offenbarung Jesu Christi, aber auch ergänzendes zu dem bereits Offenbarten.
Das Hauptthema der Kapitel 15-16 bilden die sieben Schalen des Grimmes Gottes, welche durch sieben Engel ausgegossen werden. In Kapitel 17 wird dem Johannes in vielen Details erklärt, was unter der Hure Babylon und dem siebenköpfigen Tier sich verbirgt. In Kapitel 18 wird das Volk Gottes aus Babylon herausgerufen und danach die Große Stadt zur Wüste gemacht, verurteilt und gerichtet. Kapitel 19 beginnt mit dem Jubel über das gerichtete und verurteilte Babylon. Dem gegenüber wird ein Einblick gewährt in die zukünftige Hochzeit des Lammes. Im Anschluss daran die Vision von Christus auf dem weißen Pferd und der ihm nachfolgenden himmlischen Heere. Der fünfte Teil endet mit dem Kampf und Sieg des Christus über das Tier und den falschen Propheten samt ihren Heeren. Anschließend werden diese alle in den Feuersee geworfen.
Uns ist aufgefallen, dass das Doppelbild der Ernte aus Kapitel 14,14-20 nur einige Aspekte des Gerichtes enthält. Daher werden in den folgenden Kapiteln weitere Details des Gerichtes Gottes beschrieben. Kapitel 15,1 bildet sozusagen den Einstieg zu den letzten sieben Plagen des Grimmes Gottes durch sieben bevollmächtigte Engel. Und wieder beginnt die Schilderung der Ereignisse im himmlischen Bereich. So lesen wir: „Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: Sieben Engel, die sieben Plagen hatten, die letzten; denn in ihnen wurde der Grimm Gottes vollendet.“ (Offb 15,1).
Sieben Engel machen sich bereit mit einem ungewöhnlichen Auftrag, den sie zu erfüllen haben an dieser Schöpfung und an den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben, sondern das Malzeichen des Tieres tragen (Offb 16,1ff). Zunächst sieht es so aus, dass es sich um eine weitere Siebener-Gruppe von Engeln handeln würde. Doch die Aussage in Offb 8,2 „Und ich sah die sieben Engel die vor Gott stehen“, gibt auch Anlass zu der Annahme, dass es sich um dieselbe Siebener-Gruppe handeln könnte. Immerhin sind auch deutliche Parallelen zwischen den sieben Posaunen und den sieben Schalengerichten zu sehen. Und auch diese sieben Engel treten aus dem Heiligtum heraus (Offb 15,6).
Doch vor ihrem Einsatz wird dem Johannes ein seltsames Bild gezeigt.
5.1 Die Schar der Erlösten am gläsernen Meer
„Und ich sah ⟨etwas⟩ wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und ⟨sah⟩ die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes. 3 Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar ⟨sind⟩ deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig ⟨sind⟩ deine Wege, König der Nationen. 4 Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein ⟨bist⟩ heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.“ (Offb 15,2-4).
Nach der ersten erstaunlichen Vision, welche als Einleitung zu dem dominierenden Thema des 16. Kapitels gesehen werden kann, bekommt Johannes eine weitere Vision mit einem ungewöhnlichen Inhalt zu sehen und hören.
Dabei wird die erlöste Schar bereits in ihrer Vollendung beschrieben, als am Ziel vor dem Thron angekommen. Sie stehen an (auf) einem gläsernen Meer, welches mit Feuer vermengt war. Das Bild vom gläsernen Meer ist uns bereits bekannt aus Offb 4,6. Dort wird es wie folgt beschrieben: „Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“
Die Umschreibung mit `gläsern` oder ` gleich Kristall `, weist auf seine Durchsichtigkeit und Reinheit hin, wie die Texte aus Offenbarung 21,11 und 22,1 erkennen lassen. In Offb 15,2 wird ergänzt, dass es mit Feuer vermengt war. Doch sowohl das `gläserne Meer` als auch der Zusatz `mit Feuer vermengt` ist symbolhaft und keineswegs materiell zu deuten. Es kann sich um das Feuer handeln, welches vom Thron ausgeht und das gläserne bzw. kristallne Meer durch flutete (Dan 7,9; Jes 33,14b-17).
Für das gläserne Meer gibt es eine Entsprechung im Bereich der Stiftshütte und zwar in dem kupfernen Waschbecken zwischen dem Brandopferaltar und dem Eingang in das Heilige (2Mose 30,18-20; 38,8). Es kann als ein Abbild des gläsernen Meeres gesehen werden. Für die Priester war vorgeschrieben: „Wenn sie in die Stiftshütte gehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, dann werden sie nicht sterben, so soll es auch sein, wenn sie an den Altar treten, um zu dienen und ein Feueropfer zu verbrennen für den HERRN.“ (2Mose 30,18-20). Das kupferne Waschbecken, welches Salomo im Tempel anfertigen ließ, maß 10 Ellen im Durchmesser und 30 Ellen im Umfang (1Kön 7,23-24). Das dem Kristall ähnliche Meer erstreckt sich rund um den Thron. Das ist ein Hinweis dafür, wer dem Thron nahen will, muss durch dieses Meer hindurch, so wie der Priester, wenn er sich Gott im Heiligtum nahen wollte. Der Hebräerbriefschreiber greift diesen Gedanken auf: „So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in der Fülle des Glaubens , besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.“ (Hebr 10,22).
Ähnlich auch Paulus in Eph 5,26: „gereinigt im Wasserbad des Wortes“; oder Tit 3,5 „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung durch den Heiligen Geist“ (dazu auch 1Petr 1,23). Zu der grundsätzlichen Reinigung gehört aber auch die Reinigung von Sünden nach 1Joh 1,5-9 und 2,1-2; Mt 5,24; 6,12 um vor Gott mit reinem Gewissen treten zu können. Mit `Feuer vermengt` kann in diesem Zusammenhang als ein Mittel zur Läuterung der Gläubigen gesehen werden (Jes 48,10; 1Kor 3,13; 1Petr 1,7). Die Schar der Überwinder hatte den Prozess der Reinigung und Läuterung durchlaufen und nun stehen sie auf dem gläsernen Meer. Es sind dieselben, von denen gesagt wurde: „Diese sind’s, die aus der großen Trübsal kommen und haben ihre Kleider gewaschen und haben sie hell gemacht im Blut des Lammes. 15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel.“ (Offb 7,14-15).
Ausgestattet ist die Schar der Überwinder mit Harfen Gottes (so wie auch in 14,3 und 5,7).

Abbildung 1 Die Harfe zählt zu den schönsten, klangvollsten und anmutigsten Musikinstrumenten
Der gewaltige Chor singt zwei Lieder:
- Das Lied des Mose, welches uns zunächst an die wunderbare Befreiung des Volkes Israels aus der ägyptischen Sklaverei erinnert (2Mose 15,1-19). Dabei geht es nicht um den gleichen Wortlaut.
- Das Lied des Lammes ist uns bereits bekannt aus Offb 5,7-11. Dort singen es zunächst die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten in der grammatischen Form der 3. Person Plural. Danach stimmen die unzählbare Schar der Engel in den Lobpreis ein. Und Am Ende die gesamte Schöpfung. In Offb 14,3 singen das Lied des Lammes nur die 144000 Erkauften von den Menschen, denn sie haben die Erlösung durch das Lamm selbst erlebt, darum konnten nur sie dieses Lied lernen. In Kapitel 15,2 ist es dieselbe Schar der Erlösten und hier wird betont, dass sie den Sieg errungen haben über das Tier und den falschen Propheten, indem sie die Anbetung verweigerten und das Malzeichen ablehnten.
Der Wortlaut dieser Lieder im Text von Offb 15,2-4 gleicht einem Hymnus:
- „Groß und wunderbar ⟨sind⟩ deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger!“ Werke Gottes in der Schöpfung, in der Erlösung Israels und es gipfelt in der Erlösung durch Christus (Ps 33,6; 2Mose 13,14; 5Mose 7,8; Joh 4,34; Mk 10,45; 2Kor 5,19).
- „Gerecht und wahrhaftig ⟨sind⟩ deine Wege, König der Nationen!“ (5Mose 32,4).
- „Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein ⟨bist⟩ heilig.“ (Jes 6,3ff; Offb 4,8).
- „denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.“ (dazu auch Offb 5,13).
Gott sagte durch den Propheten Jesaja voraus: „Ich schwöre bei mir selbst, und Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören.“ (Jes 45,23). Und Paulus zitiert diese Voraussage Gottes in Röm 14,11 und ergänzend bezieht er sie auch auf den erhöhten Jesus Christus: „Darum hat Gott ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“(Phil 2,9-11).
5.2 Die Ausstattung der sieben Engel mit den goldenen Schalen des Grimmes Gottes
„Und nach diesem sah ich: Und der Tempel des Zeltes des Zeugnisses im Himmel wurde geöffnet. 6 Und die sieben Engel, welche die sieben Plagen hatten, kamen aus dem Tempel hervor, bekleidet mit reinem, glänzendem Leinen und um die Brust gegürtet mit goldenen Gürteln. 7 Und eines der vier lebendigen Wesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen, voll des Grimmes Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. 8 Und der Tempel wurde mit Rauch gefüllt von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Macht; und niemand konnte in den Tempel eintreten, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren.“ (Offb 15,5-8).
Auffallend, dass in diesem Text viermal der himmlische Tempel Gottes erwähnt wird. Bei seiner Öffnung als Tempel des Zeugnisses (die Bildersprache knüpft an die irdische Wohnung des Zeugnisses an und zwar als Abbild des himmlischen Heiligtums 4Mose 9,15; Hebr 9,24). Dann treten die sieben Engel aus dem Heiligtum heraus. Ihr Aussehen wird beschrieben: Sie sind mit reiner, glänzender Leinwand bekleidet und um ihre Brust mit einem goldenen Gürtel gegürtet. Diese Bekleidung erinnert uns zunächst an die Bekleidung der himmlischen Heerschar aus Offb 19,14 und Lk 24,4. Es erinnert uns auch an den Engel aus Daniel 10,5 der um seine Lenden mit einem goldenen Gürtel umgürtet war. Allerdings hatten jene Engel einen anderen Auftrag. Auch der Menschensohn ist um seine Brust mit einem goldenen Gürtel gegürtet (Offb 1,13). Damit weisen sie eine qualitative Ähnlichkeit zu Christus auf. Ihre reine und glänzende Bekleidung wird zusammengehalten mit dem goldenen Gürtel der Lauterkeit und Wahrheit. Paulus schreibt an die Gläubigen: „So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit.“ (Eph 6,14; auch Lk 12,35).
Eine weitere vermittelnde Handlung sieht Johannes. Eines der vier lebendigen Wesen, die unmittelbar um den Thron Gottes stehen, händigt den sieben Engeln sieben goldene Schalen aus, gefüllt mit dem Grimm Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Begriff Grimm Gottes wird nicht nur in diesem Text verwendet, sondern auch in Offb 14,10; 14,19; 15,1; 15,7; 16,1; 16,19; 19,15. Die Interlinear übersetzt diesen Begriff mit „die Aufwallung Gottes“. Das Maß seiner Geduld (Langmut) ist voll bzw. ist ausgeschöpft. Es ist weit mehr als ein heftiger Unmut über das Böse. Doch werden die Begriffe `thymos-Grimm und org¢s-Zorn` auch austauschbar verwendet und drücken die angemessene Empfindung und Vergeltung Gottes gegenüber seinen Feinden aus (Offb 6,16; 14,10; 16,19; 19,15 aber auch in Nahum 1,2; Röm 1,18; 2,5.8; 1Thes 1,10; Hebr 10,30).
Die Aussage in Vers acht erinnert an 2Mose 40,34-35: „Da erfüllte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung. 35 Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte hineingehen, weil die Wolke die Wohnung erfüllte.“ Dies kann bedeuten, dass es während der sieben letzten Plagen keinen Zugang zum Thron geben wird. Das Beschlossene wird ununterbrochen durchgeführt (Jes 14,26-27; Joh 9,4; Hebr 3,13). Nun geht das Geschehen nahtlos über zu Kapitel 16 in dem die Ausführung der vorbereiteten Schalen des Grimmes Gottes durchgeführt wird. Ob die Worte von Jesus in Offb 22,11 „Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein; aber wer gerecht ist, der übe weiterhin Gerechtigkeit, und wer heilig ist, der sei weiterhin heilig“ auf diese Zeit hin ausgesprochen wurden?
Johannes schreibt weiter: „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Geht hin und gießt die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde.“ (Offb 16,1). Der Befehl zur Ausführung kam von einer Stimme aus dem Heiligtum. Die Übermittlung der sieben Schalen des Grimmes Gottes erfolgte durch eines der vier lebendigen Wesen (Offb 15,7). Auch bei den sieben Schalengerichten lässt sich das System 4+2+1 erkennen, sie auch bei den Posaunengerichten.
1+2+3+4: Erde, Meer, Wasserquellen und Himmelskörper.
5+6: Die Sonne wird verfinstert – Das Reich des Tieres wird verfinstert. Die vier Engel am Fluss Euphrat werden losgebunden – Die Wasser im Euphrat vertrocknen.
7: Keine Zeit mehr – Es ist geschehen.
Dazu weisen ihre Inhalte viele Ähnlichkeiten auf. Im Vergleich zu dem Bild von `Becher mit dem Wein des Grimmes oder Zorns Gottes` sind es hier Schalen ebenfalls gefüllt mit dem Grimm des Zornes Gottes (Kelch oder Becher: Offb 16,6; 14,10; 16,19 mit Jer 25,15; Schalen: Offb 15,7 mit Hes 14,19; 30,15). Aus dem Becher oder Kelch muss getrunken werden, der Inhalt geht in den Menschen hinein. Die Schalen werden auf die Erde ausgeschüttet (gr. ekcheen), die Auswirkungen sind flächendeckend. Sie treffen Menschen, sind äußerlich erkennbar und physisch wahrnehmbar. Damit wird letztlich der Mensch in seiner Gesamtheit getroffen. Wie auch bei den Posaunengerichten, so wird auch hier auf die Plagen in Ägypten zurückgegriffen. Was damals im wörtlichen-physischen Sinne geschah, kann sich hier durchaus auch in einem übertragenen Sinne vollziehen. Uns ist bewusst, dass die Deutung eine große Herausforderung sein wird. Doch bereits die sorgfältige Betrachtung der Texte und der Verknüpfungen zu Parallelaussagen aus den übrigen Schriften werden für uns ein Gewinn sein.
5.2.1 Die erste Zornesschale: Geschwüre an Menschen
Was Johannes nun sieht fasst er in folgende Worte: „Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde; und es entstand ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und sein Bild anbeteten.“ (Offb 16,2).
Die erste Schale wird auf die Erde ausgegossen, betroffen ist hier der trockene Teil unseres Planeten und zwar in globaler Ausdehnung. Doch laut unserem Text sind von dieser Plage und zu diesem Zeitpunkt nur die Menschen betroffen, welche sich durch das Tier aus der Erde verführen ließen und dem Tier aus dem Völkermeer huldigten (Offb 13,1-18; 14,9-10; Mt 3,7; Joh 3,36; Röm 1,18; 2,8). Indirekt wird damit ausgesagt, dass die Versiegelten von dieser Plage verschont bleiben, denn sie fallen nicht unter den Zorn Gottes (Offb 6,17-7,18; Joh 5,24; 1Thes 1,10; 5,9).
Unter dem bösen und schlimmen Geschwür (gr. elkos, bzw. elk¢ i im Plural) kann man sich offene und schmerzliche Wunden vorstellen. Es erinnert an die sechste Plage in Ägypten durch Geschwüre aus 2Mose 9,9-11 wo der Herr Mose angewiesen hatte, Russ aus dem Ofen in seine Hand zu nehmen: „Und Mose werfe ihn vor dem Pharao gen Himmel, 9 dass er über ganz Ägyptenland staube und böse Blattern aufbrechen an den Menschen und am Vieh in ganz Ägyptenland. 10 Und sie nahmen Ruß aus dem Ofen und traten vor den Pharao, und Mose warf den Ruß gen Himmel. Da brachen auf böse Blattern an den Menschen und am Vieh. 11 Auch die Zauberer konnten nicht vor Mose treten wegen der bösen Blattern; denn es waren an den Zauberern ebenso böse Blattern wie an allen Ägyptern.“ Für Blattern steht im Text der LXX ebenfalls die Bezeichnung `elk¢`. Vom Kontext geht hervor, dass das Volk Israel nicht betroffen war von jener Plage und dies wird auch auf das Volk Gottes am Ende zutreffen (2Mose 8,18-19). Damit ist zwischen der sechsten Plage in Ägypten und der ersten Zornesschale eine deutliche Parallele erkennbar.
Anmerkung: Es ist auffallend, dass der Herr sogar seinem Volk jene ägyptische Plagen androhte im Falle von Ungehorsam gegenüber seinen Geboten. So lesen wir in 5Mose 28,27: „Der HERR wird dich schlagen mit ägyptischem Geschwür, Beulen, Krätze und Ausschlag, dass du nicht geheilt werden kannst.“ Doch auch fromme Männer erlebten unverschuldet ähnliche Plagen durch Geschwüre, allerdings nur von Gott zugelassen aber von ihm nicht aktiv bewirkt (Hiob 2,7; 2Kön 20,7 mit Jes 38,21; Lk 16,20-21. in all diesen Texten treffen wir auf den Begriff `elkos bzw. elk¢`. Doch welcher Art von Geschwüren, der Intensität und Dauer jene Menschen bei der Ausgießung der ersten Zornesschale erleiden werden, kann wohl niemand genau voraussagen.
Zu erwarten wäre, dass es eine Parallele zu dem ersten Posaunengericht geben müsste. Schauen wir uns jenen Text noch einmal an: „Und der erste blies seine Posaune; und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermengt, und wurde auf die Erde geschleudert; und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte.“ (Offb 8,7). In beiden Fällen ist die Erde, der trockene Teil des Planeten betroffen. Während dort die Vegetation zu Schaden kommt, sind es hier konkret Menschen. Doch wie wir bereits dort feststellen konnten, werden sowohl Bäume als auch das Gras als Bild für Menschen verwendet (Siehe die Begründungen im Teil 3.1). In jenem Posaunengericht wird auf die siebte Plage in Ägypten Bezug genommen – den Hagel mit all den zerstörerischen Begleiterscheinungen (2Mose 9,17ff).
Die Plage durch böse und schlimme Geschwüre wird durch die nächsten Schalengerichte keineswegs aufgehoben. Wir treffen diese Plage im fünften Schalengericht mit denselben Geschwüren wieder an (Offb 16,10-11). Dazu später mehr.
5.2.2 Die zweite Zornesschale: Das Meer wird zu Blut
„Und der zweite goss seine Schale aus auf das Meer; und es wurde ⟨zu⟩ Blut wie von einem Toten, und jede lebendige Seele starb, ⟨alles⟩ was im Meer war.“ (Offb 16,3).
Wie bereits weiter oben erwähnt, haben wir auch bei den Zornesschalen die uns bekannte Reihenfolge: Erde, Meer, Wasserquellen und Himmelskörper. Jetzt ist das Meer betroffen. Nach der biblischen Darstellung steht das Meer im übertragenen Sinne für Völkerscharen, es ist das Völkermeer (Offb 17,15; 13,1; Dan 7,1-8). Das Meer in seiner Bewegung mit den Stürmen passt zu der natürlichen Ruhelosigkeit der Menschen (Jes 57,20; Judas 1,13).
Die Aussage „Jede lebendige Seele im Meer starb“, umfasst bei wörtlicher Betrachtung verschiedene Arten von Meerestieren und fischen aller Art. Aber auch Landtiere und Vögel haben physisches Leben (psych¢ – 1Mose 1,24; 6,17; 3Mose 17,11). Und schaut man auf das erschreckend schnelle Aussterben von Meereslebewesen, bekommen diese geheimnisvollen und auch inhaltsvollen Bilder besonders in unserer Zeit hohe Aufmerksamkeit. Dass die Weltmeere im wörtlichen Sinne komplett zu Blut werden bei dem alles darin Lebendige ausstirbt, ist natürlich für uns schwer vorstellbar. Doch Blut steht im übertragenen Sinne nicht nur für Leben, sondern auch für Sterben und Tod (1Mose 4,10; Offb 14,20; 16,6).
Weiter schauen wir, welche Parallelen es zu dem zweiten Posaunengericht gibt. Hier noch einmal jener Text: “Und der zweite Engel blies seine Posaune; und etwas wie ein großer Berg wurde lichterloh brennend ins Meer gestürzt, und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut, 9 und der dritte Teil der lebendigen Geschöpfe im Meer starb, und der dritte Teil der Schiffe wurde vernichtet.“ (Offb 8,8-9). Dort wurde das Wasser zu Blut mit entsprechenden Folgen für Lebewesen und sogar Schiffe, wenn auch nur der dritte Teil betroffen war (Teil 3.2). Im Gericht durch die zweite Zornesschale wird das gesamte Meer betroffen sein und dabei werden alle Lebewesen sterben. Eine Entsprechung aus den Plagen in Ägypten gibt es insofern, dass Wasser zu Blut wird mit der Folge, dass die Fische im Nil starben. Doch jenes Geschehen in Ägypten ist vorbildhaft für die dritte Zornesschale, bei der wir auch die ersten Deutungen der bildhaften Darstellungen des Blutes aus himmlischer Perspektive mitgeteilt bekommen.
5.2.3 Die dritte Zornesschale: Die Wasserströme werden zu Blut
„Und der dritte goss seine Schale aus auf die Ströme und die Wasserquellen, und es wurde ⟨zu⟩ Blut.“ (Offb 16,4).
Wenn wir hier von einer physisch-materiellen Verwandlung aller Quellen, Flüssen und Süßwasserseen ausgehen, würde die Menschheit innerhalb kürzester Zeit verdursten und aussterben. Doch aus den Schilderungen der noch folgenden Schalen wird ersichtlich, dass es mit der Menschheit noch nicht aus sein wird. Und wenn wir bei der sechsten Zornesschale ankommen heißt es, dass die Wasser des großen Stromes euphrat vertrockneten (was durchaus in einem übertragenen Sinne gemeint sein kann), dann muss Blut in unserem Text nicht zwingend wörtlich gemeint sein (Offb 16,12).
Im folgenden Text dieses Schalengerichtes wird uns eine verblüffende Erklärung über das Blut gegeben, die in Übereinstimmung mit Gottes früheren Handlungsweise steht, denn er ist gerecht und seinem Wort treu. Der Lobpreis des Engels über die Wasser geht an den allmächtigen und gerechten Gott und Herrn: „Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Du bist gerecht, der ist und der war, der Heilige, dass du so gerichtet hast. 6 Denn Blut von Heiligen und Propheten haben sie vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind es wert.“ (Offb 16,5-6). Dies klingt nach einer Erklärung der für uns so dramatischen und rätselhaften Bilder. Gott vergilt den Schuldigen mit dem, was sie anderen angetan haben. Sie müssen (auf welche Weise auch immer) trinken, auskosten, erleiden, was es heißt Menschen das Leben zu nehmen. Auch hier passt der Spruch: „Was der Mensch sät, wird er auch ernten“ (Gal 6,7).
Schauen wir uns nun die Parallelaussagen aus dem dritten Posaunengericht an. Dort steht: „Und der dritte Engel blies seine Posaune; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und auf die Wasserquellen. 11 Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren.“ (Offb 8,10-11).
Während bei den Posaunengerichten durch die Verbitterung der Wasserquellen der dritte Teil der Menschen starb, ist bei der dritten Zornesschale die totale Verblutung der Wasserquellen die Folge, ohne konkreter Angaben der Auswirkungen auf die Menschen.
Wie bereits oben angedeutet, steht die dritte Zornesschale offensichtlich in einem Bezug zu der ersten Plage in Ägypten. Das Wasser im Nil wird zu Blut für sieben Tage, so dass es nicht nur nicht mehr trinkbar war, sondern dass auch die Fische darin starben. „Und der HERR sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Ströme und Kanäle und Sümpfe und über alle Wasserstellen, dass sie zu Blut werden, und es sei Blut in ganz Ägyptenland, selbst in den hölzernen und steinernen Gefäßen.“ (2Mose 7,19-25). Damit wurde der Pharao an die vielen ermordeten männlichen Kinder der Israeliten erinnert, welche auf seinen Befehl hin in den Nil geworfen wurden, wodurch das Wasser blutig wurde (2Mose 1,22). Bereits damals wurde der Zusammenhang von Blut-Leben-Tod deutlich. Und daher gibt Gott ihnen sozusagen sieben Tage lang Blut zu trinken. Dazu nimmt Gott den Ägyptern durch die zehnte Plage alle ihre Erstgeborenen von Menschen und sogar von ihrem Vieh. Gott vergilt den Menschen nach dem was sie getan haben. Daher spricht man auch von Blutschuld, die durch Blut gesühnt werden muss (1Mose 9,5). Allerdings behält sich Gott selbst diese Vergeltung nach seinem Ermessen zuzuteilen. Weitere Stellen zu dieser Vergeltung, welche die zu erwarten haben, die Blut vergießen: 1Mose 9,5-6; 41,22; Jos 2,19; 1Kön 2,33; 2Kön 9,7; Mt 27,25.
Jesus sagte der Führungsgeneration in Israel: „auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“ (Mt 23,35; Lk 11,50). Die Erklärung von Jesus macht klar, dass darin (in jener Menschenart) auch jene eingeschlossen sind, welche dem schlechten Beispiel von Kain folgten (Mt 23,36).
Danach erschallt eine Stimme aus dem Altar, hier ist es wieder der goldene Altar, welcher unmittelbar vor dem Thron Gottes steht und der nicht durch einen Vorhang vom Allerheiligsten getrennt ist. „Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, Gott, Allmächtiger, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte.“ (Offb 16,7). In Verbindung mit dem goldenen Altar stehen die Seelen der enthaupteten Heiligen. Erinnern wir uns noch an deren Frage, welche sie an Gott richteten: „Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ (Offb 6,9). Nun dürfen sie erleben, wie Gott zur rechten Zeit und mit gerechtem Maß Vergeltung übt. Aber auch aller anderen Heiligen, welche die Gerechtigkeit Gottes in ihrer Anbetung rühmen, können in dem Lobpreis des goldenen Altars miteinbezogen sein (Offb 8,3-5; Röm 11,33).
5.2.4 Die vierte Zornesschale: Die Sonne versengt Menschen
Für Johannes öffnet sich ein weiteres Panorama, diesmal wird sein Blick von der Erde nach oben gerichtet. „Und der vierte goss seine Schale aus auf die Sonne; und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen. 9 Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offb 16,8-9).
Der Vergleich mit der vierten Posaune macht uns aufmerksam, dass das Schalengericht zu einer umgekehrten Wirkung der Sonne führt. Sie vergrößert ihre Hitzeausstrahlung. Entsprechend schmerzhaft (brennend) wird dies von Menschen empfunden. Bei dem vierten Posaunengericht geht es um ein Drittel weniger Lichtausstrahlung der Himmelskörper (deutliche Abkühlung wäre die Folge). Hier mehr Hitzeausstrahlung der Sonne. Die Folge: „Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt“.
In der Bibel kommt `Sonne` etwa 145 Mal in direkter Nennung vor und wird neben dem natürlich-wörtlichem auch im übertragenen Sinne verwendet:
- Im natürlichen und wörtlichen Sinne (1Mose 1,14-18; Jer 31,35; Mt 5,45).
- In der Familiengeschichte von Jakob (1Mose 37,9).
- In Bezug auf Gott – Gott der Herr ist Sonne und Schild, Gerechtigkeit und Rettung (Ps 84,12; Mal 3,20).
- In Bezug auf Christus den Gottes Sohn und Menschensohn (Mt 17,2; Offb 1,16 aber auch Joh 8,12: „Ich bin das Licht der Welt“).
- In Bezug auf die Kinder Gottes, sie werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich (Mt 13,43; und: „Ihr seid das Licht der Welt“).
- Das Bild der Frau, die mit der Sonne bekleidet war und symbolhaft die Gemeinde darstellt (Offb 12,1).
Aufgrund der Analyse der Texte mit der Sonne, suchen wir nach der wahrscheinlicheren Bedeutung für den Text in Offb 16,8-9.
Würde diese Hitzeausstrahlung wörtlich-physisch geschehen, könnte der Mensch es nicht lange durchhalten, ähnlich wie bei der enormen Abkühlung bei dem vierten Posaunengericht. Dies gab es bereits vor dreitausend Jahren, wie wir es in Psalm 121,6 lesen: „Das dich die Sonne des Tages nicht steche“. Ja, Menschen erlitten oft schon bei normaler Ausstrahlung und längerem Aufenthalt in der Sonne einen Hitzeschlag (2Kön 4,18-19: „Mein Kopf, mein Kopf“, jammerte der Junge; Auch Jona beklagte sich bei Gott , weil die Sonne ihn stach und er fast ohnmächtig wurde. (Jona 4,8). Bis heute erleiden Menschen sogenannte Hitzeschläge.
Anmerkung: Nach heutigen Erkenntnissen wäre eine Erwärmung der Sonneneinstrahlung auf nur wenige Grad verheerend für Natur und Mensch.
Dass es in der Geschichte nachweißlich zu Abkühlungen auf der Erde kam mit entsprechenden Einschnitten für Natur und Mensch, ist nachgewiesen. Dass es zunehmend heißer wird, macht heute ebenfalls die Runde und die Folgen sind vielerorts erkennbar (siehe die Zunahme von Waldbränden weltweit). Doch wie viel natürliche Hitze durch die Sonne könnte der Mensch verkraften? Eine der bekannten kältesten Gegenden auf unserem Planeten, wo Menschen leben liegt in der Gegend von Nordostsibirien. Dort wurden Temperaturen in den Wintermonaten von mehr als 60 Grad unter den Gefrierpunkt gemessen. Die heißesten Gegenden dagegen sind die Wüstenregionen südlich des 30. Breitengrades (Sahara). Dort steigen die Tagestemperaturen in den Sommermonaten bis über 60 Grad in der Sonne.
Für das vierte Posaunengericht gibt es mehrere Texte, in denen die Verminderung der Leuchtkraft der Sonne beschrieben wird sowohl im wörtlichen als auch einem übertragenen Sinne (Siehe Teil 3.4). Doch für die vierte Zornesschale gibt es nur eine Textstelle in der die siebenfache Strahlkraft der Sonne verheißen wird (Jes 30,26). Und dort ist es im positiven Sinne gedeutet auf die ungewöhnliche Zuwendung Gottes seinem Volk gegenüber. Der Herr verheißt: „Und des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein, so wie das Licht von sieben Tagen, zu der Zeit, wenn der HERR den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird.“ Diese Verheißung begann sich zu erfüllen mit dem Kommen von Jesus und wird vollendet mit seinem zweiten Kommen und der Neuschöpfung (Jes 49,10 mit 53,5; 59,19; 60,19-20; 9,1 mit Mt 4,16; Lk 1,78; Joh 1,9 und 8,12; 2Kor 4,4; Offb 7,16; 21,23; 22,5). Der siebenfachen Strahlkraft der Sonne für das Volk Gottes steht die enorme Erhitzung der Sonne für die Feinde Gottes gegenüber.
Denn für eine Erhitzung der Sonne im wörtlichen Sinne als Ausdruck des Zornes Gottes gegenüber seinen Feinden gibt es keine direkte Parallele, außer der Tagesverlängerung unter Josua (Jos 10,12). Gerade deshalb scheint es sinnvoll zu sein, die Deutung dieses Schalengerichtes nicht im wörtlichen sondern übertragenem Sinne zu suchen. Die Hitze traf die Menschen durch dieses Schalengericht so stark, weil sie sich von Gott abgewendet hatten und dem Tier huldigten. Daher wird die Sonne Für Menschen ohne Verwurzelung in Gott, zur versengenden Hitze. So Jakobus durch einen Vergleich in 1,11: „Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras verdorren lassen, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben; so wird auch der Reiche in seinen Wegen dahinschwinden.“ (ähnliche Vergleiche hat bereits Jesus gemacht in Matthäus 13,6ff; 13,20ff: keine Verwurzelung im Glauben sowie Streben nach Reichtum führen zur Verdorrung). Auch die Aussage des Petrus für die Gläubigen über das Feuer (Hitze) in Form der Versuchung durch Verfolgung und sonstige Beschwernisse gibt ebenfalls Anlass, dass unser Text auch in einem übertragenen Sinne verstanden werden kann.
So lesen wir in 1Petr 4,12: “Ihr Lieben, lasst euch durch das Feuer (Feuersglut) nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas fremdes.“ Für die Gläubigen geschieht dies zur Läuterung und Festigung im Glauben. Diese Annahme wird auch durch folgende Voraussage in Offb 3,10 unterstützt: „Du hast mein Gebot bewahrt, standhaft zu bleiben; daher werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.“ Damit sagt Jesus voraus, dass es eine globale Versuchung geben wird, welche die Bewohner der gesamten Erde (oikoumen¢) treffen wird und bei der die Gläubigen bewahrt bleiben. Jesus bat seinen Vater: „dass du sie nicht aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen“ (Joh 17,15). Doch wie wird diese Bewahrung aussehen? Wir wissen, dass gläubige in dieser Zeit oft genauso Naturkatastrophen aber auch Versuchungen ausgesetzt sind, wie auch die anderen es sind.
Doch gelten den Gläubigen auch in dieser Zeit Aussagen Gottes wie sie in Psalm 121,6 zu lesen sind: „Das dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts“. Der gesamte Psalm spricht von Schutz, sei es im physischen oder geistigen Sinne (dazu die Fürbitte von Jesus für Simon Petrus in Lk 22,31-32). Aber Menschen welche den Verführungen des falschen Propheten unterliegen und nach der Gesinnung des Tieres ihr Leben ausrichten, richten sich selber zugrunde, sie werden sozusagen versengt. Von diesen schreibt der Apostel Paulus: „Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. 10 Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“ (1Tim 6,9-10).
Die Reaktion der Erdbewohner ist wie auch vorher: „Und die Menschen lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.“ (Offb 16,9). Gott würde geehrt wenn Menschen in ihrer Not ihr Denken ändern würden und sich vor ihm demütigen anstatt ihm Vorwürfe zu machen. Die Reaktion in diesem Schlusssatz kann auch auf die vorhergehende und folgende Plagen bezogen werden.
Was uns nicht zugänglich ist, betrifft den Beginn, die Dauer und die zeitlichen Abstände zwischen den Gerichten. Doch wenn sie in der geschilderten Reihenfolge ablaufen werden, dann kann von der Auslöschung aller Menschen nach den ersten vier Schalengerichten nicht ausgegangen werden.
Denn nach der Verfinsterung des Reiches des Tiers (fünfte Schale), sind die Menschen noch da (Offb 16,10-11). Und nach den Aussagen über die sechste Schale werden sich die Bewohner des Erdreichs samt ihren Königen durch den Einfluss des Drachen, des Tieres und des falschen Propheten zum Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen rüsten (Offb 16,12-14).
Die Gläubigen werden in dieser schwierigen Phase ihrer Existenz aufgefordert wachsam zu sein, sie sind demnach auch noch da (Offb 16,15). Dazu später mehr.
5.2.5 Die fünfte Zornesschale: Das Reich des Tieres wird verfinstert
Im Vergleich zu den Posaunengerichten gibt es zwischen der vierten und fünften Zornesschale keinen erklärenden Übergang (Offb 8,13). Und so beobachtet Johannes weiter das Geschehen durch den fünften Engel: „Und der fünfte goss seine Schale aus auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz 11 und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offb 16,10-11).
Die Parallele zu der fünften Posaune ist auffällig. Dort wird die Sonne durch den Rauch aus dem Abgrund verfinstert. Und jene Bilder weisen auf eine geistige Verdunkelung der Sinne, verbunden mit Qualen für Menschen dieser Welt hin, welche nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Ihre Qualen führen sie zur Verzweiflung am Leben, sie begehren zu sterben, doch der Tod flieht von ihnen (Offb 9,4-10; dazu die Kommentare in Teil 3.5).
Durch die fünfte Zornesschale ist der Thron des Tieres betroffen und Thron steht für Macht und Herrschaft. Erinnern wir uns noch daran, dass der Drache seinen Thron, seine Macht und große Kraft an das Tier übergeben hatte (Offb 13,1ff). Dieses grausame Tier mit den zehn Hörnern steht nach Daniel 7,7-8 zunächst und im engeren Sinne für das Römische Reich, umfasst aber durch seine sieben Köpfe im globalen Sinne alle Machtsysteme dieser Welt mit samt ihren Königen und Herrschern aller Art (Dan 7,7-8; 19-25; Offb 13,1ff; 17,3ff; 19,19; Siehe auch die Kommentare im Teil 4.3). Doch auch vom Tier aus der Erde heißt es, dass es alle Macht des ersten Tieres ausübt und ihm zuarbeitet (Offb 13,11ff; 19,19).
Nun machen wir uns auf die Suche nach Texten, welche den Sinn der Verfinsterung im Reich des Tieres aus dem Meer erhellen können.
Ägypten war das erste Weltreich in der Antike, welches das Volk Gottes unterdrückte und misshandelte. Zunächst denken wir an die Neunte Plage in Ägyptenland (2Mose 10,21ff). Diese natürliche Finsternis erstreckte sich nur auf das ägyptische Reich (ausgenommen die Landschaft Gosen). Sie dauerte drei Tage und während dieser Zeit stand im Pharaonenreich buchstäblich alles still (2Mose 10,23). Sie war eine Folge der Verstockung des Herzens bei Pharao. Ebenso zeigte Gott dem Pharao die Nichtigkeit ihrer Sonnenverehrung. Dem physischen Niedergang eines Reiches ging immer eine geistige Verfinsterung voraus, siehe auch die Beispiele der Weltreiche im Altertum (Babylon: Jer 51,8-64; Dan 2,21; 5,27ff). Sogar dem Volk Israel wird solche Verfinsterung und zeitweisen Niedergang vorausgesagt, wie in Jeremia 13,13-16-17 zu lesen ist: „Gebt dem HERRN, eurem Gott, die Ehre, ehe es finster wird und ehe eure Füße sich an den dunklen Bergen stoßen und ihr auf das Licht wartet, während er es doch finster und dunkel machen wird. 17 Wollt ihr das aber nicht hören, so muss ich heimlich weinen über solchen Hochmut; meine Augen müssen von Tränen überfließen, weil des HERRN Herde gefangen weggeführt wird.“ Und so wurde es in Juda und Jerusalem für etwa 70 Jahre Dunkel. ähnlich äußert sich auch Jesus zu seiner Zeit unter Tränen (nicht heimlich sondern öffentlich) über Jerusalem in Lukas 19,41-44. Die Folge der Verstockung war die Zerstreuung des Volkes Israels in aller Welt (Lk 21,20-22).
Und so kann auch die Verfinsterung im Reich des Tieres verstanden und erklärt werden. Eine andauernde Weigerung dem alleinigen Gott die Ehre zu geben führt zur Verstockung und schließlich zum Zerfall eines Reiches. Dass das große Römische Reich zu seiner Zeit einen gewaltigen politischen Einbruch mit Machtverlust erlebte, ist beispielhaft für alle Herrschaftssysteme dieser Welt. Dies könnte im Zusammenhang mit der Erklärung des Engels in Offenbarung 17,8 stehen. Nach seinen Worten steigt das Tier wieder aus dem Abgrund bevor es dann endgültig ins Verderben geht. Dieser Vorgang der Wiedererstarkung könnte mit der sechsten Zornesschale im Zusammenhang stehen. Denn dort ist dieses Tier zusammen mit dem Drachen und dem falschen Propheten beim Versammeln der Könige des bewohnten Erdkreises zum großen Tag Gottes des Allmächtigen wieder aktiv dabei (Offb 16,12-14.16ff). Doch am Ende werden alle Reiche dieser Welt durch das Reich Gottes zerstört, es selber aber wird als Reich des Lichts für alle Ewigkeit bestehen (Daniel 2,44; 7,16-17; Offb 19,19-21; 20,9-10; 11,15ff; 19,6).
Die Beobachtung des Paulus in 2Kor 4,4 beschreibt die Zusammenhänge der Verfinsterung der Sinne bei Menschen und deren sichtbare Folgen: „Den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“ Oder wie er den Kontrast zwischen der Lebensführung gottloser Menschen im Vergleich zu den Gläubigen beschreibt: „So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.“ (Eph 4,17-19). Was damals von Paulus beobachtet wurde, gab es bereits davor und gibt es noch heute. Diese Verfinsterung der Sinne wird sich zum Ende hin im globalen Umfang noch weiter verdichten und dies insbesondere in Bereichen der Machtzentren dieser Welt. Die Naturwissenschaften, welche Gottes Existenz leugnen und ihn als Schöpfer des Universums ablehnen, geraten in immer dunklere Sphären ihres Denkens. Diese Loslösung von Gott wirkt sich verheerend auf alle Bereiche des menschlichen Lebens aus. Solche Entwicklungen sind nicht neu und zu beobachten ist eine Abwärtsspirale.
Die Formulierung „und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen“ lässt uns aufhorchen. Bekannt ist die Redewendung „sich auf die Zunge beißen“, gemeint ist dabei: sich verantwortungsbewusst zurückhalten vor Äußerungen, welche andere verletzen oder gar sich selber schaden würden. Doch sogar sich aus Versehen auf die Zunge beißen verursacht immer einen Schmerz. Natürlich ist in unserem Text was anderes gemeint. Vom Wortlaut scheint diese Aussage in der Schrift einmalig zu sein. Annähernd wäre die Reaktion: „Sie knirschten mit den Zähnen“ vor Wut (Apg 7,54). Die Reaktion jener Menschen spricht für die Unfähigkeit normal/logisch zu denken und handeln, denn normalerweise fügt sich der Mensch nicht weitere Schmerzen zu. Diese Reaktion drückt nicht nur den empfundenen Schmerz durch die Geschwüre aus, sondern Schmerz wegen Machtverlust, Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit und Verzweiflung. Man denke dabei an den König Ahab, seine Frau Isebel und die von ihnen unterstützten Baalspriester. Sie ritzten sich am Körper bis aufs Blut und erlebten nicht nur ihren Machtverlust sondern verwirkten auch ihr Leben (1Kön 18,28). Weitere Beispiele:
- Der Niedergang von Westrom 4-5. Jahrhundert.
- Der Niedergang und Ende von Ostrom 1354.
- Der Niedergang des Osmanischen Reiches.
- Der Niedergang der Kaiserreiche in West und Ost.
- Der Niedergang der Machtsysteme während des 20. Jahrhunderts einschließlich des qualvollen Endes der jeweiligen Machthaber.
Und alle gegenwärtigen Reiche werden zu ihrer Zeit fallen (Offb 16,19). Doch kurz vor dem Ende scheint es noch einmal eine Sammlung aller Mächte des Bösen zu geben, welche sich gegen das Lamm und sein Volk auflehnen werden (siehe die sechste Zornesschale und Offb 17,14; 19,19; 20,7-9).
Eine weitere Reaktion der Verfinsterung des Reiches vom Tier ist: „und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offb 16,11).
Dass die Geschwüre immer noch da sind und schreckliche Schmerzen verursachen, unterstreicht die fortdauernde Wirkung der ersten Plage. Und obwohl sie ihre Zungen zerbissen vor Schmerzen, benutzten sie diese auch noch für Lästerungen, anstatt von ihren Werken Umzudenken und Gott die ihm gebührende Ehre zu geben (Ps 10,7; 109,12; Jak 3,5). Doch kein Hilferuf nach Erleichterung, kein Anzeichen der Demütigung vor Gott – ein trauriger Zustand der Hoffnungslosigkeit. Anstelle von Umdenken reagieren sie mit Lästerungen.
Es geht immer noch um den Machtbereich des Tieres. Bereits zu Beginn seiner Herrschaft wird gesagt: „Und es wurde ihm ein Maul gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate zu wirken. 6 Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, um seinen Namen und sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen, zu lästern“ (Offb 13,5-6).
Und wie das Tier, so lästern auch die, welche es beherrscht. Petrus schreibt dazu: „Am meisten aber die, die nach dem Fleisch leben in unreiner Begierde und die Macht des Herrn verachten. Frech und eigensinnig schrecken sie nicht davor zurück, himmlische Mächte zu lästern.“ (2Petr 2,10-11). Auch Jakobus macht diese Beobachtung: „Ebenso sind auch diese Träumer, die ihr Fleisch beflecken, die Macht des Herrn verachten und himmlische Mächte lästern.“ (Jak 1,8).
Hier einige Ausdrucksformen von Lästerung:
- Lästerungen sind bestimmte Aussagen von Menschen, durch die Verspottung, Verhöhnung, Schmähung ausgedrückt wird. Aussagen, die das Göttliche missbrauchen oder das Heilige ins Lächerliche ziehen (Mt 27,39-40; Mk 15,29; Lk 23,35).
- Lästerung ist dort, wo das Wort Gottes verachtend behandelt wird (Jes 5,24; Lk 16,14).
- Lästerungen sind typisch für Menschen die sich in ihrem Stolz und Hochmut gegen Gott und dessen autorisierte Diener auflehnen (4Mose 16,30: Korah).
- Lästerungen sind auch besonders bei Herrschern zu beobachten, denn gerade auf der Höhe ihrer Macht überhebt sich ihr Herz und rauben damit Gott die Ehre (2Kön 19,6.22 mit Jes 37,23; Dan 4,27f; Apg 12,23).
- Lästerung ist ausdrücklich mit Götzendienst verknüpft (Neh 9,18 mit 2Mose 32,4-8; 5Mose 9,16; 31,20).
- Jesus bezichtigt die religiösen Führer, weil diese bewusst das göttliche Wirken Dämonischen Mächten zuschrieben (Mt 12,24ff).
Anmerkung: Ganz anders das Verhalten des Gottesknechtes. In seinem größten Schmerz gebraucht er seine Zunge zur Fürbitte für seine Feinde (Ps 22,16; Lk 23,34).
5.2.6 Die sechste Zornesschale: Der Fluss Euphrat trocknet aus
Nun sieht Johannes einen Landstrich im Vorderen Orient mit dem größten Fluss Euphrat. „Und der sechste goss seine Schale aus auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit der Weg der Könige von Sonnenaufgang her bereitet wurde. 13 Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister ⟨kommen⟩, wie Frösche; 14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen.“ (Offb 16,12-14).
Der große Strom Euphrat ist wieder im Fokus als Bild in der Offenbarung. Im Altertum war der Euphrat die natürliche Grenze zu den Großmächten Assyrien und insbesondere Babylonien (1Mose 15,18; Jos 1,4; 1Kön 5,4). Die Kämpfe der Großmächte im Zweistromland und Ägypten um die Vorherrschaft brachten Israel immer wieder in Bedrängnis. Doch nun wird durch die Trockenlegung dieses großen Flusses diese natürliche Grenze aufgehoben.
Anmerkung: Auch im Altertum gab es immer wieder klimatische Schwankungen, die Auswirkungen auf den Lebenswichtigen Strom hatten und damit auf die Stabilität der dort ansässigen Großmächte. Und seit einigen Jahrzehnten führt dieser Fluss weniger Wasser wegen der vielen Staudämme im Oberlauf.
Doch im Text der Offenbarung hat er Symbolcharakter. Da Babylon in der Offenbarung ein großes Thema ist, könnte man zunächst an den Fall dieser einflussreichen Stadt denken. Immerhin ist der Fall Babylons bereits in Offb 14,8 angekündigt und in den Kapiteln 17-18 im Detail beschrieben. Und gewiss hat die Veränderung im Fluss Euphrat auch mit Babylon zu tun, doch erst bei der Ausgießung der siebten Schale trifft es die große Stadt in vollem Maße (Offb 16,17-21).
Ausdrücklich wird jedoch im Text gesagt, dass mit der Trockenlegung des Flusses der Weg freigemacht wird für die Könige vom Aufgang der Sonne. Es wird eine noch nie dagewesene Bewegung im Weltgeschehen angekündigt. Doch was bedeutet dies? Im folgenden Text wird uns die Erklärung gegeben: „Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister ⟨kommen⟩, wie Frösche; 14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen.“ (Offb 16,13-14). Als erstes fällt hier auf, dass der Drache wieder in Aktion tritt und zwar führend. Dies könnte mit seiner Freilassung aus dem Gefängnis zusammen gesehen werden (Offb 20,7f). Auch beide Tiere sind zusammen mit dem Drachen unterwegs um die Könige des gesamten Erdkreises zu sammeln, was später in Offb 19,19 zum Kampf gegen Christus führen wird. Damit wird nebenbei auch noch erklärt, dass unter den Königen vom Sonnenaufgang nicht nur Herrscher aus östlicher Richtung gemeint sind.
Wenn im Altertum der Euphrat in Richtung Westen überschritten wurde, bedeutete dies Gefahr für Israel. Überträgt man dies auf Offb 16,12-14 dann ist letztlich das Volk Gottes im Visier der feindlichen Heere. Die drei Machtsysteme – Drache, Tier und falscher Prophet treten in gemeinsame und gleichzeitige Aktion. Ihr Aussehen, bzw. was aus ihren Mäulern herausgeht ist ekelerregend. Johannes sieht drei unreine Geister von Dämonen, die äußerlich wie Frösche aussehen. Warum dieser Vergleich und an was erinnert er uns? In allen 14 Stellen der Bibel werden Frösche im negativen Sinne verwendet. Die Zusammenhänge der Texte in 2Mose 7,27-8,1ff und Offb 16,13 stehen sie in einem Bezug zu dämonischen Mächten. Wer das zweite Buch Moses gelesen hat, wird sich an die zweite Plage in Ägypten erinnern. Dort lies der Herr dem Pharao mitteilen: „Wenn du dich aber weigerst, siehe, so will ich dein ganzes Gebiet mit Fröschen plagen, 28 dass der Nil von Fröschen wimmeln soll. Die sollen heraufkriechen und in dein Haus kommen, in deine Schlafkammer, auf dein Bett, auch in die Häuser deiner Großen und deines Volks, in deine Backöfen und in deine Backtröge; 29 ja, die Frösche sollen auf dich selbst und auf dein Volk und auf alle deine Großen kriechen.“ (2Mose 7,27-29; Ps 105,45).
Jene fürchterliche Plage hatte ihren Grund in der Weigerung des Pharao die Kinder Israel ziehen zu lassen. Ein weiterer Grund wird erst später bei der zehnten Plage genannt. Er liegt in der ägyptischen Mythologie, in der Frösche als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens angesehen und verehrt wurden. Es stellte sich heraus: Das was sie verehrten brachte ihnen Unheil. Gott übte Gericht, indem er diese falsche Verehrung entlarvte (2Mose 12,12). In Psalm 78,45 wird im Rückblick vermerkt, dass das Ungeziefer und die Frösche den Ägyptern Verderben brachten (dazu auch Ps 105,30). In all den Texten gibt es keinen Hinweis, dass diese Plage auch die Israeliten getroffen hätte. Somit verstehen wir den Zusammenhang zwischen den Fröschen in Ägypten und den drei unreinen Geistern die in Offb 16,13 wie Frösche aussahen. Dieser dämonische Einfluss auf Menschen ist gleich einer verderblichen Plage (siehe auch die Parallelen in der sechsten Posaune). Denn auch dort geht es um den Fluss Euphrat und den Einfluss dämonischer Mächte auf die Menschen mit entsprechenden Folgen (Offb 9,12-21; dazu auch die Kommentare im Teil 3.6).
Das Unternehmen dieser drei Machtgrößen wird beschrieben mit den Worten: Sie gehen aus auf die gesamte bewohnte Erde (oikoumeni), um die Könige zum Krieg des großen Tages Gottes zu versammeln. Was hier gesagt wird, ist eine Vorbereitung auf das, was hernach in Offb 19,19 und 20,7-8 ausgeführt wird). Denn dort sind diese drei Machtgrößen in einer Art zweiteiligen und sich ergänzenden Beschreibung bei der Ausführung ihres Vorhabens.
Die Schilderung über die sechste Zornesschale ist noch nicht zu Ende. Ab Vers 16 wird dieses Thema unter dem Aspekt der letzte Kampf bei Harmagedon fortgesetzt.
Der Einschub: Glückseligpreisung der Wachsamen
Aus einem bestimmten Grund bekommt Johannes zwischendurch für die Gläubigen eine sehr wichtige Mitteilung, die als Einschub bezeichnet werden kann. Die Glückseligpreisung für die Wachsamen ist aber auch mit einer Warnung versehen: „Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt umhergeht und man nicht seine Schande sieht!“ (Offb 16,15).
Es ist die dritte der sieben Glückseligpreisungen im Buch der Offenbarung (1,3; 14,13; 16,15; 19,9; 20,6; 22,7.14). Diese Glückseligpreisung ist ein Zuspruch und sie gilt hier den Wachsamen bereits für das Leben hier unter Bedrängnissen (siehe die Seligpreisungen von Jesus und den Aposteln: Mt 5,1-11; 16,18; Lk 10,23; 11,28; 12,38; Röm 4,7-8; 1Petr 3,14).
Die Ankündigung von Jesus richtet sich hier an den Einzelnen. Die Warnung vor Nacktheit kann im Kontrast zur Kultur in Israel aber auch auf dem Hintergrund der Praxis im Sport der Griechen und Römer gesehen werden. Diese Spiele waren jedoch immer im Zusammenhang und zu Ehren von Göttern ausgetragen worden. Viele der Götterkulte waren für ihre sexuelle Perversion bekannt. Wenn die Gläubigen ihre Bekleidung der Glaubensgerechtigkeit ablegen, stehen sie im geistlichen Sinne Nackt da. Der Tag des Herrn kommt demnach nicht nur für die Ungläubigen überraschend, sondern auch für die schlafenden Christen. Denn niemand kennt den Zeitpunkt, den Tag oder die Stunde (Mt 24,43-44; 25,13).
Aber diese Ermahnung gilt auch Ortsgemeinden. So lässt er der Gemeinde in Sardes sagen: „So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und denke um! Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb 3,3). Ein Schlafender bekommt nichts mit, was in seinem Umfeld geschieht. Ein Wachender hat die Möglichkeit die Zeichen der Zeit zu bewerten. Aus diesem Text geht nicht eindeutig hervor, wie die Gemeinde auf Jesu Ermahnung reagierte. Doch der Aufruf aufzuwachen und das andere zu stärken wurde höchstwahrscheinlich von einigen ernst genommen. Die Fundamentreste christlicher Kirchen auf dem Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Sardes bezeugen den Fortbestand jener Gemeinde in den folgenden Jahrhunderten. Doch besonders enttäuschend wäre es für die, welche ähnlich vieler Christen in Sardes kein geistliches Leben mehr in sich haben (Offb 3,1). Das Bild mit dem `Dieb in der Nacht` gebrauchte Jesus bereits in seinen Endzeitreden an seine Jünger. So sagte er: „Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. 44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.“ (Mt 24,43-44).
Paulus folgt Jesus mit dieser Bildersprache und spricht gleich zweimal in 1Thes 5,2-4 etwa im Jahre 50 darüber: „denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.“ Und: „Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme“. Die Ergänzung bei Paulus macht den Wachsamen Mut, sie wissen zwar nicht um das `wann er kommt`, aber sie sind bereit wenn er kommt. Oder mit den Worten des Bildes: Sie sind bekleidet mit Gerechtigkeit des Glaubens (1Thes 5,8; Phil 1,11). Auch Petrus denkt an die Worte seines Meisters und sagt ergänzend etwas zum Verlauf jenes großen Tages des Menschensohnes in seinem zweiten Brief: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein.“ (2Petr 3,10).
Aus dem Textzusammenhang mit der sechsten Zornesschale und der Ermutigung zur Wachsamkeit geht hervor, dass die Gemeinde der Glaubenden an Christus in jener schwierigen Zeit immer noch hier auf der Erde ist und der Herr kümmert sich um sie, wie er auch seinen Jüngern beim Abschied zugesagt hatte (Mt 28,20: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende des Zeitalters“; dazu auch Offb 3,10: „Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“) Es liegt nahe, jene globale Versuchung mit den angekündigten Ereignissen der sechsten Zornesschale in Verbindung zu bringen.
Harmagedon: Der historische Hintergrund von Megiddo und seine Erfüllung in der Offenbarung
„Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Harmagedon heißt.“ (Offb 16,16).
Vom Drachen und den beiden Tieren (also von allen dreien) heißt es in den Versen 13-14, dass sie die Könige der Erde versammeln. Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob diese drei Machtgrößen die Regie führen würden. Doch letztlich geschehen auch feindliche Aktionen unter der Kontrolle Gottes. Daher ist Mit `er versammelte sie`, der vom Vater bevollmächtigte Christus gemeint (Offb 1,5; 17,14; 19,16; Mt 28,18; Kol 2,15). Im Laufe der Betrachtung dieser Texte (aber auch entsprechender Aussagen der Propheten) wird deutlich, dass letztlich der Herr selbst die feindlichen Heere zu einem bestimmten Zweck und Ort versammeln wird, wie er es bereits in der Geschichte Israels getan hat (Richter 4,7; Hes 38,8.22; 39,2-4; Joel 4,12). Bei kriegerischen Auseinandersetzungen spielte der Standort des Schlachtfeldes eine wichtige Rolle. Jede Seite versuchte für sich eine günstige Ausgangsposition zu sichern (Ri 7,1; 1Sam 17,2). Eine der strategischen Stellen war die Ebene von Megiddo (1Kön 9,15; 2Kön 23,29-30; 2Chr 35,22). Es erstaunt immer wieder, wie der Herr Jesus geistliche Wahrheiten und Realitäten in die Geschichten und Orte des Alten Testamentes einrahmt. Dadurch erleichtert er den Gläubigen den Zugang zum Inhalt der Bilder, welche er im Buch der Offenbarung verwendet.
Im Text heißt es, dass er sie an einem Ort (topon-Gegend) versammelte, der auf Hebräisch Harmagedon (Hügel von Megiddo) genannt wird. Die Stadt lag auf einem etwa 100 Meter hohen Hügel über der Ebene unweit der wichtigen Pass-Straße die von der Scharon Ebene in die Jesreel Ebene führte. Es handelt sich um die alttestamentliche und ehemalige kanaanitische Stadt Megiddo (Josua 12,21; 17,11; Richter 1,27). Dieser Ort lag etwa 30 km südöstlich der heutigen Hafenstadt Haifa und etwa 25 km südwestlich vom Berg Tabor, unweit von Nazareth. Sie lag an der Kreuzung der Handelswege: Ägypten-Mesopotamien sowie Akko-Jerusalem (2Chr 35,20ff). Bereits um 1500 v.Chr. wird sie in den ägyptischen Quellen erwähnt. An dieser strategisch wichtigen Stelle fanden viele entscheidende Schlachten statt, welche immer auch Auswirkungen auf das Land und Volk Israel hatten. Die Archäologen zählten mehr als 18 Schichten, die von wiederholten Zerstörungen und Wiederaufbau zeugen. Wer Megiddo beherrschte, der kontrollierte nicht nur Kanaan und später Israel, sondern hatte großen Einfluss auf den Handel zwischen Ägypten und Mesopotamien und den Küstenstädten Kanaans und Samariens (Richter 1,31).
In der Bibel wird dieser Ort zum ersten Mal in Josua 12,21 im Zusammenhang der Landverteilung genannt. Der Ort wurde von einem kananitischen Stadtkönig regiert. Aus Josua 17,11 erfahren wir, dass Megiddo mit seinen Ortschaften zum Stammesgebiet von Manasse gehörte (dazu auch Richter 1,27). Nach Josua 17,11 befand es sich im Dreihügelgebiet. Wahrscheinlich ist damit das Karmelgebirge im Westen, das Gilboagebirge im Süden und der Berg Tabor im Osten gemeint. Diese drei Gebirge umschlossen die fruchtbare Jesreel-Ebene.
Zur Zeit der Richterin Debora kam es zu einem entscheidendem Kampf zwischen Barak und Sisera aus Hazerot, dem Feldhauptmann des Kanaaniterkönigs Jabin in der Ebene von Megiddo am Bach Kischon. Gott gab den Sieg durch Vermittlung der Prophetin Debora, so dass das sehr große kaananitischeHeer, welches mit neunhundert eisernen Kriegswagen ausgerüstet war vollständig geschlagen wurde (Richter 4,3.13; 5,19). Im Lied der Deborah wird der 70 km lange reißende Bach Kischon mit als Grund für die Niederlage der Feinde hervorgehoben (Richter 5,21). Doch der eigentliche Sieg kam vom Herrn, der nicht nur den Ort bestimmte und die jahreszeitlichen Gegebenheiten nutzte, sondern auch einen Schrecken ins Feindesheer sandte (Richter 4,7.15; 5,20-21). Es ist die einzige im Detail beschriebene Schlacht und der ungewöhnliche Sieg über die Feinde Israels bei Megiddo. Dieser Sieg brachte für ganz Israel vierzig Jahre Ruhe. In der späteren Königszeiterlitt Israel unter dem König Josia eine Niederlage in der Gegend von Megiddo, was nicht nur eine große Klage in Jerusalem auslöste, sondern auch folgeschwer für den Fortbestand der Dynastie Davids wurde (2Kön 23,33; 2chr 35,20-25; Sach 12,11). Was auch immer in Megiddo geschah, hatte Auswirkungen für das gesamte Volk Israel.
Und diese Gegend wählt der Herr aus für den letzten Kampf, die Frage ist nur, in welchem Sinne diese Örtlichkeit zu deuten ist und um welcherlei Art Kampf es hier geht? in den theologischen Deutungen sind zwei im Gespräch – die wörtliche und die sinnbildliche.
Damals wurde das Volk Israel von ihren Feinden zwanzig Jahre lang sehr bedrängt. Auch für das Ende ist eine große Bedrängnis vorausgesagt, doch das Volk Gottes wird auf wunderbare Weise darin bewahrt und am Ende daraus gerettet werden (Mt 24,29; Mk 13,19; Offb 3,10; 20,9b).
Ob allerdings jene Verheißungsworte auch das natürliche Jerusalem betreffen wird, wie einige Ausleger es für die Zukunft des natürlichen Israel erkennen, wird sich zeigen. Für das geistliche Volk Gottes (bestehend aus Juden und Nationen) gilt es allemal.
5.2.7 Die siebte Zornesschale: Es ist geschehen
Im Text zur siebten Zornesschale heißt es weiter: „Und der siebente goss seine Schale aus in die Luft; und es kam eine laute Stimme aus dem Tempel vom Thron her, die sprach: Es ist geschehen. 18 Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner; und ein großes Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem ein Mensch auf der Erde war, ein so gewaltiges, so großes Erdbeben.“ (Offb 16,17-18).
Beim Ausgießen der siebten Zornesschale erschallt eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron her, von Gott selbst: „Es ist geschehen – gegonen“! Doch was bedeutet dieser Ausruf? Wir schauen einige Texte an, in denen dieses griechische Verb `gegonen` noch vorkommt und was damit ausgedrückt wird.
Offb 21,4b-7: „das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.“
Dieser besondere Ausruf erschallt ebenfalls vom Thron, von Gott selbst. In diesem Text wird das Verb `gegonan` (hier im Plural) ausgerufen und damit die von Gott vorgesehene Geschehnisse zum Abschluss kamen und neue Geschehnisse eingeleitet werden, welche seit langem verheißen waren und nun eingelöst werden (siehe auch Offb 7,15-17; Jes 65,17; 66,22; 2Petr 3,10-13; Jes 49,10).
Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen lesen wir: „Zu Mitternacht erscholl der Ruf (Schrei): `gegonen-es geschah, es ist soweit` Siehe, der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen.“ Hier wird mit diesem Verb bekannt gegeben, dass der Bräutigam nun alle Vorbereitungen abgeschlossen hat und gleichzeitig die Aufforderung an die Jungfrauen gemacht wird: geht ihm entgegen! (Mt 25,6).
Und auch Markus hat diesen Begriff in den Endzeitreden von Jesus verwendet: „Denn es wird dann eine so große Bedrängnis sein, wie beschaffene sie nicht gewesen ist (gr. ou gegonen – nicht geschehen war) „ (Mk 13,19). Hier das verneinende Verb: es kommt etwas, was es noch nie gegeben hat. Der blick wird von Jesus auf das noch ausstehende gerichtet, das bis dahin Geschehene bei weitem übertreffen wird. (ähnlich auch im Paralleltext von Mt 24,21).
Im Text von Offb 16,17 könnte das Verb `gegonen` eine Markierung bilden zu dem was abgeschlossen ist und die Endphase der Gerichte hier auf Erden über Babylon und die beiden Tiere eingeleitet wird. Dabei werden Abläufe in der letzten Zorngerichtsphase nur in groben Zügen beschrieben. Doch die Details über den Verlauf werden erst in Kapitel 17-18; 19,16-19; 20,7-9 geschildert. Ja, nach der gewaltigen Aussage vom Thron her kommt etwas noch nie dagewesenes in Bewegung: „Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner“. Beachten wir, dass diese Ausdrucksformen wieder etwas in Bewegung bringen, wie wir es bereits aus Offb 4,5; 8,5; 11,19 kennengelernt haben. Christus sitzt auf dem Thron und regiert ununterbrochen in der Vollmacht seines Vaters. Diese Ausdrucksweisen sind keineswegs nur materieller/physischer Natur, sondern sie beinhalten göttliche Botschaften und Wirkungen (Ps 18,14-15; Joh 12,29; Offb 10,3-4). Blitze: Unerwartet, Überraschend, schnell, plötzlich, treffsicher; Stimmen: Klarheit der Botschaft; Donner: Laut unüberhörbar.
Ein weiteres Phänomen: Erdbeben waren Begleiterscheinungen bei dem Tod und der Auferstehung von Jesus und auch bei Paulus und Silas im Gefängnis (Mt 27,54; 28,2; Apg 16,27). Man kann unterscheiden zwischen Erdbeben, welche das Wirken Gottes begleiteten und dabei keinerlei Zerstörung zur Folge hatten und den Erdbeben, von denen Jesus voraussagte und die als Mahnung an die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit dieser Welt erinnern sollen.
Das Naturgeschehen `Erdbeben` ist uns auch aus den Texten der Offenbarung bekannt (Offb 6,12-16; 11,19). In beiden Texten wird der Abschluss der Menschheitsgeschichte beschrieben und die Auflösung dieser materiellen Schöpfung. Auch die Auswirkungen des Erdbebens im Text von Offb 16,18 sind gewaltig. sie sind Folgen der Blitze, Stimmen und Donner aus dem Himmel vom Thron aus. Doch hier stellt sich die Frage, ob dieses Erdbeben nicht auch im übertragenen Sinne verstanden werden sollte? Besonders wenn wir die folgenden Aussagen verstehen wollen. „Und die große Stadt wurde in drei Teile ⟨gespalten⟩, und die Städte der Nationen fielen, und der großen ⟨Stadt⟩ Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben.“ (Offb 16,19). es ist die Stadt Babylon, von der hier die Rede ist. Erinnern wir uns noch an den Text aus Offb 11,13 (sechste Posaune) in dem ebenfalls ein großes Erdbeben beschrieben wurde, bei dem der zehnte Teil der großen Stadt einstürzte. Dabei wurden siebentausend Namen von Menschen getötet.
In Offb 16,19 wird (wie auch in Offb 11,13 und 14,8) bereits zum dritten Mal der Fall der großen Stadt Babylon im Detail genannt. Doch erst in Offb 17 und 18 wird ihre Vernichtung konkret beschrieben.
Was nun folgt ist eine flächendeckende Zerstörung aller heidnischen Machtzentren. „und die Städte der Nationen fielen“, – Es fällt auf, dass Babylon als Stadt oder Hure immer in der Einzahl genannt wird, während das siebenköpfige Tier auch noch durch die zehn Hörner (Könige) in der Mehrzahl auftritt. Aus Kapitel 17,18 erfahren wir, dass Babylon die Oberherrschaft über die Reiche dieser Welt innehat, denn sie reitet das Tier und zwar so lange, bis dieses zusammen mit den Königen und unter dem Einfluss Gottes sie zu Fall bringen werden (Offb 17,13.16-17).
Im Text heißt es weiter: „und der großen ⟨Stadt⟩ Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben.“ Bereits zum zweiten Mal wird mit ähnlichen Formulierungen das Gericht über Babylon ausgesprochen (siehe Offb 14,8). Dabei handelt es sich nicht um zwei voneinander getrennte Gerichte, sondern immer um das eine und dasselbe Gericht. Denn am Ende der sechsten und Beginn der siebten Posaune ist Weltende, ebenso wird in Kapitel 14,14-20 das Weltende mit dem Doppelbild der Ernte beschrieben. Erst am Ende von Kapitel 18 wird der Schlusspunkt für Babylon gesetzt. Gott rechnet demnach zuerst mit Babylon ab und gebraucht dabei das Tier mit den Königen (Offb 17,13.16-17). Über die beiden Tiere kommt das Gericht erst in Kapitel 19,19-20. Und als Letzter wird der Drache in den Feuersee geworfen (Offb 20,10). Und dann die Erscheinung des Menschensohnes auf dem weißen Thron vor dessen Angesicht der Himmel verschwindet und die Toten erscheinen müssen (Offb 20,11-15).
Die letzten Sätze dieses Textes beschreiben in kürze die Auflösung der Schöpfung und zeichnen ein ungewöhnliches Bild über einen zentnerschweren Hagel, wobei im griechischen Text die Bezeichnung Talent und nicht Zentner verwendet wird. „Und jede Insel verschwand, und Berge wurden nicht gefunden. 21 Und ein großer Hagel, wie zentnerschwer, fällt aus dem Himmel auf die Menschen nieder; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß.“ (Offb 16,20-21). Berge und Inseln verschwinden, wird damit die Grundlage für das Leben auf Erden entzogen? Ähnliches lesen wir auch in Offb 6,14. Dort wird eindeutig die Auflösung der materiellen Schöpfung beschrieben: „Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten.“
Was in unserem Text den Hagel betrifft, so finden wir dieses Naturereignis noch an weiteren zwei Stellen in der Offenbarung. In Kapitel 8,7 bei der ersten Posaune, dort ist die Vegetation betroffen. Und in Offb 11,19 fällt großer Hagel am Ende der Ereignisse, welche unter der siebten Posaune beschrieben werden. Der Hagel in Offb 16,20 von Gewicht eines Talents, fällt hier nicht auf die Erde sondern auf die Menschen. In Griechenland wog ein Talent etwa 26 Kilogramm.
Anmerkung: Im Juni 2014 richtete der Hagel im Durchmesser bis zu 8 cm erheblichen Sachschaden in Süddeutschland an Und im Jahre 2023 erreichte der Hagel in Norditalien bis zu 18 sm im Durchmesser
Hagel wird in der Bibel immer als Strafgericht Gottes beschrieben. Dabei galt er in erster Linie den Feinden Gottes (2Mose 9,18ff: Ägypten; Hes 38,22 über Gog und Magog am Ende der Zeit). Doch durch dasselbe Mittel reagierte Gott auf den Ungehorsam seines Volkes Israel (Hes 13,13: falsche Propheten; Hag 2,17: im Rückblick).
Doch niemand würde talentgroße Hagelsteine physisch überleben, wie die eindrucksvolle Beschreibung in 2Mose 9,24-25 belegt. Daher ist eine Deutung in einem übertragenen Sinne zu suchen.
In Jesaja 28,15-19 lesen wir von den stolzen in Jerusalem folgendes: Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut kommt, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht.“ (Jes 28,15). Und was sagt Gott dazu: „Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht. 17 Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die Zuflucht in der Lüge zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen, 18 dass hinfalle euer Bund mit dem Tode und euer Vertrag mit dem Totenreich nicht bestehen bleibe. Wenn die brausende Flut kommt, wird sie euch zermalmen; 19 sooft sie kommt, wird sie euch erfassen.“ (Jes 28,16-19; ähnlich auch in Hes 13,11ff; dazu auch die Erklärung von Jesus zu diesem Text in Mt 21,42-44). Damit wird Hagel im übertragenen Sinne als Strafmittel für die Zerstörung all des Lügenhaften verwendet. Ja, jede Lüge und Ungerechtigkeit wird ans Licht gebracht und entlarvt (Joh 8,44; Röm 1,25; 2,16; 1Tim 5,25). Und die in der Lüge verharren, landen am Ende im Feuersee (siehe Offb 21,8; 22,15).
Die Plage durch die siebte Zornesschale wird als `sehr groß` bezeichnet. Und trotz all dem Schweren, lästern die Menschen Gott im Himmel der Macht über diese Plagen hat (vgl. dazu auch Offb 9,20-21; 16,9 ).
5.3 Das Geheimnis der großen Hure und des Tieres welches sie trägt
Mit Kapitel 17,1 beginnt zwar ein neuer Abschnitt, doch ihn ihm werden viele Details genannt und erklärt, so dass wir ein besseres Verständnis über Babylon und das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern bekommen. Das Hauptthema in den Kapiteln 17-18 ist jedoch das Gericht über die Hure Babylon, welche auch durch das Bild der großen Stadt dargestellt wird. Der starke Kontrast dazu bildet die andere Frau als Braut des Lammes, die auch unter dem Bild der himmlischen Stadt Jerusalem beschrieben wird (Offb 19,7 mit 21,9ff).
5.3.1 Die Vision über die große Hure Babylon und das Tier welches sie Träg
Zunächst der erste Textabschnitt: „Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt.“ (Offb 17,1). Einer der sieben Engel ruft Johannes zu sich und klärt ihn über diese Frau und ihren Aufenthaltsort auf. Es könnte der siebte Engel gewesen sein, weil durch seine Zornesschale unter anderem die große Stadt Babylon getroffen wurde (Offb 16,17ff). Sie sitzt an vielen Wassern, dies erinnert zunächst an den geographischen Ort der Stadt Babylon, welche im Altertum am großen und wasserreichen Fluss Euphrat lag (1Mose 15,18; 5Mose 1,7). Den Gefangenen aus Juda waren jene Wasser vertraut, als sie dort saßen und an Zion gedachten (Ps 137,1). Wir denken aber auch an das Babylonische Reich, welches unter dem Bild des Löwen aus dem großen (Völker-Meer) entstieg (Dan 7,2-3). Und von Nebukadnezar sagt Daniel: „Du, König, König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat!“ (Dan 2,37-38; dazu auch Dan 5,19). Jetzt aber wird diese Frau als Metapher für eine weltbeherrschende Macht verwendet. Denn nun sitzt sie an vielen Wassern der Völkerwelt, wie der Engel in Vers 15 erläutert: „Und er spricht zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen, Nationen und Sprachen.“ (Offb 17,15).
Wie gut, dass uns einiges erklärt wird, so brauchen wir nicht spekulieren. Diese bildhafte Darstellung über die Hure Babylon globalisiert ihre Machtstellung.
Von dieser Frau heißt es: „mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht.“ (Offb 17,2). Es geht bei dieser Formulierung um Unzucht im übertragenen Sinne, natürlich auch immer mit gravierenden Folgen im Bereich des physischen Lebens der Menschen. Die Herrscher dieser Welt sind mit ihr Verträge eingegangen, ließen sich von ihren Prinzipien leiten:
- Götzendienst jeder Art, Zauberei (1Mose 11,1-10; Dan 3,1ff; 1Sam 15,23; Kol 3,5; Phil 3,19).
- Zuchtlosigkeit, allerlei Unreinheit und Mordlust (1Kön 21,5ff; Mk 7,22-23; Kol 3,5; Offb 2,14; 2,20).
- Stolz, Hochmut, Überheblichkeit, Machtstreben und Größenwahn (1Mose 10,8ff; 11,4f; Dan 4,27f; Jes 14,13; Apg 12,22; 1Joh 2,15-17; 3Joh 1,9; Offb 3,17).
- Gewaltherrschaft und Unterdrückung (1Mose 6,1ff; 10,10; Mt 20,25; Mk 10,42; Lk 22,25).
- Konsumstreben, gleichzeitig auch Habgier nach Reichtum (Mt 6,24; Lk 16,19; 1Tim 6,10).
- erbarmungsloser Konkurrenzkampf und Skrupellosigkeit (Jes 5,18; 1Kor 6,8f).
Dies sind markante Merkmale dieser Frau. Ja, Babylon macht die Vorgaben.
Und wie der König, so das Volk, – der Einfluss auf die Untertanen ist offensichtlich. Es sind die Erdbewohner, deren Namen nicht eingetragen sind im Buch des Lebens. Es geht um Menschen, welche irdisch gesinnt sind und keinen Anteil am himmlischen Bürgerrecht haben (Offb 17,8; dazu auch 8,13; 11,10; 13,8; 13,14; Phil 3,19). Diese Menschen sind trunken geworden vom Wein ihrer Unzucht. Viel Wein macht trunken und der Missbrauch der materiellen und geistigen Gaben führt zur Vernebelung in der Wahrnehmung und Bewertung der Denk- und Handlungsweise (2Kor 4,4).
Nun wechselt die Szene und der Aufenthaltsort der Frau: „Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte.“ (Offb 17,3). Das Umfeld, in dem der Engel Johannes diese Vision zeigt, ist ebenfalls bemerkenswert, es ist die Wüste. Auf der Insel Patmos gibt es keine Wüsten, Johannes wird vom Engel im Geist in eine Wüste geführt. Wüste ist in der Bibel ein wichtiges und oft vorkommendes Thema. Das Bild der Wüste wird in Offb 12,6 und 14 im positiven Sinne als ein Ort der Zuflucht für die Frau verwendet, die das männliche Kind geboren hatte. Und dort ist sie sicher von der Verfolgungsjagt des Drachen. Hier aber wird die Wüste für die üppig gekleidete und an Luxus gewöhnte Hure zur Falle, denn sie hat dort keine Chance zum Überleben. Aber noch sitzt die Hure nicht auf dem Sand, sondern auf dem siebenköpfigen scharlachroten Tier das voller Lästernamen ist. Es handelt sich um das Ungeheuer, welches dem Meere entstieg (Offb 13,1).
Wie sah diese Frau aus? „Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen“ (Offb 17,4a). Ihr Schmuck ist materieller Reichtum. Mit den aufgelisteten materiellen Kostbarkeiten schmücken sich die Herrscher dieser Welt. Ihr Äußeres täuscht hinweg von der inneren Bosheit und Leere.
Was hatte sie anzubieten? „und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voller Gräuel und Unreinheit ihrer Unzucht.“ (Offb 17,4b). Der Becher in ihrer Hand ist zwar aus Gold, aber der Inhalt ist voller Gräuel und Unreinheiten ihrer zuchtlosen Angebote.
Was wird über ihre Identität gesagt? „und sie hatte an ihrer Stirn einen Namen geschrieben, ein Geheimnis: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde.“ (Offb 17,5). Der Name ist ein Geheimnis, und er steht auf ihrer Stirn geschrieben, was auf ihre Denkweise und Zugehörigkeit zum Fürsten dieser Welt ausdrückt (Joh 12,31; 16,11; 1Joh 3,1; 1Tim 5,150). Und Christus entlarvt sie als Mutter der Huren, denn sie zerstört göttliche Ordnungen und richtet Chaos an. Sie zieht sozusagen im Hintergrund die Leinen, sie sitzt nicht nur auf dem Tier, sondern sie reitet es und bestimmt die Richtung. Was für eine verführerische Machtgröße. Damit steht sie im starken Kontrast zu der Sonnenfrau, welche mit ihren Nachkommen dem Lamm folgen und den Namen des Vaters an ihren Stirnen Tragen (Offb 12,1.17; mit 14,1-5).
Ein weiteres Detail fällt Johannes bei dieser Frau auf: „Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung.“ (Offb 17,6). Das Staunen von Johannes ist nicht zu übersehen, denn diese Frau taumelt vom Blut der Heiligen und der Zeugen von Jesus (ähnliches wird über sie in Kapitel 16,6 gesagt, obwohl dort ihr Name nicht ausdrücklich genannt wird). Und in Offb 18,24 wird sie auch verantwortlich gemacht für all das Blut, welches auf Erden vergossen wurde.
Aus den Aussagen von Jesus ist es aber eine konkrete Menschenart (genea), welche diese babylonischen Gedanken letztlich ausführt (1Mose 4,10.23; 2Mose 1,22; Spr 1,16 mit Röm 3,15; 1Kön 18,4; 19,10-14; Ps 79,3; Jes 1,21; Jer 20,17; Mt 23,35-37; Lk 11,50-51; Offb 11,7-8; 16,6; 19,2). „Und der Engel sprach zu mir: Warum wundertest du dich? Ich will dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt und die sieben Köpfe und die zehn Hörner hat.“ (Offb 17,7). Der Engel merkt das Staunen des Johannes und bietet eine Erklärung an. Und obwohl es vordergründig um die Frau (Hure Babylon) geht, fängt er mit seiner Erklärung über das Tier an, denn dieses ist auch ihr Werkzeug. Dadurch erfahren auch wir mehr Details über das Tier, welches bereits in Kapitel 13,1 dem Meer entstieg. „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, dass es war und nicht ist und da sein wird.“ (Offb 17,8). Der gesamte Existenzverlauf des Tieres wird mit diesen knappen Worten zusammengefasst. Der Beginn der Herrschaft dieses Tieres mit zehn Hörnern wurde bereits in Daniel 7,7-8 und den Versen 20-25 beschrieben. Das Römische Reich löste in den Jahren 148-30 v.Chr. das vierteilige Griechische Reich ab. In Offb 13,1ff wird dasselbe Tier dazu noch mit sieben Köpfen dargestellt, was auf die Erweiterung seines Einflussbereiches hindeutet. In Kapitel 19,19-20 wird das Tier in den Feuersee geworfen und damit ist es aus mit ihm.
Anmerkung: In der Blütezeit dieses vierten Reiches richtete Gott sein ewiges Reich auf, wie es in Dan 7,14 und 2,41-44 vorausgesagt und in Lk 1,31-33 bestätigt wurde.
Somit lässt sich der Beginn und das Ende der Wirksamkeit des Tieres markieren. Schwieriger ist es mit der Bemerkung „(das Tier) ist nicht“, was ja auf einen offensichtlichen Einbruch in seinem Machtbereich hindeutet. Ob damit der Umstand gemeint ist, dass eins der Häupter des Tieres durchs Schwert tödlich verwundet und wieder geheilt wurde wie in Offb 13,4.12.14beschrieben wurde oder handelt es sich dabei um einen globalen Einbruch im Reich des Tieres (siehe auch die Kommentare zu Offb 13,4)?
Aber wann gab es im Reich des Tieres solch einen Einbruch? s ist eine der am schwierigsten zu verstehenden Stelle, weil (neben der Erklärung des Engels) auch noch zwei wesentlichen Fähigkeiten erforderlich sind. „Hier ist der Verstand ⟨nötig⟩, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: Die fünf ⟨ersten⟩ sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kurze Zeit bleiben. Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben.“ (Offb 17,9-11; vgl. dazu auch die Erklärung des Engels in Daniel 7,8.24-25). Hier ein kurzer Auszug aus dem Abschnitt 4.2.2 zu der Zahl der achte: „Beachten wir, dass nach dem vertilgen der drei Hörner durch das kleine Horn in Dan 7,8.20 immer noch sieben von den ursprünglichen zehn vorhanden sind. Die drei Hörner wurden ausgebrochen, doch die sieben sind geblieben. Damit wäre Das hervorgewachsene kleine Horn als der achte zu zählen, was wiederum im Kontext von Offb 17,11 auf das Tier bezogen wird“. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass das Tier aus Offb 13,1-8 dasselbe tut, wie auch das kleine Horn aus Dan 7,8.24-25. Folgende Detailaussagen im Bereich der zehn Hörner aus Dan 7,24-25 sind identisch mit Offb 13,4-8 im Bereich der Köpfe:
- Jenes kleine Horn redete große Dinge und lästerte den Höchsten. Auch das Tier lästert Gott, seinen Namen, sein Zelt und die im Himmel wohnen.
- Jenes Horn kämpfte gegen die Heiligen des Höchsten und besiegte sie. Auch dem Tier wurde gegeben gegen die Heiligen zu kämpfen und sie zu besiegen.
- Die Heiligen wurden in die Hand des Horns gegeben für die Dauer von „eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“. Dem Tier wurde gegeben 42 Monate zu wirken. Diese Zeitangabe ist nicht nur identisch mit der aus Offb 12,14 sondern auch mit den 42 Monaten aus Offb 13,5 und 11,2. Ja, die Übereinstimmungen sind nicht von der Hand zu weisen. Damit können beide Visionen als einander ergänzend und auf einander aufbauend angesehen werden.
Die sieben Köpfe sind sieben Berge und auch sieben Könige. Nach Daniel 2,38 und 7,6 bedeuten Köpfe sowohl Reiche als auch Herrscherdynastien (ähnlich auch in 1Sam 15,17: Saul war das Haupt über die Stämme Israels; Jes 7,8-9: Rezin ist das Haupt von Damaskus und Damaskus ist das Haupt von Aram; der Sohn Remalias ist das Haupt von Samaria).
Nach der Erklärung des Engels aus dem obigen Text werden die sieben Köpfe auch mit sieben Bergen verglichen. In der Bibel haben Berge verschiedene Bedeutungen, sowohl im natürlichen als auch übertragenen Sinne:
- Als Orte der Offenbarung Gottes (2Mose 3,1; 18,5: Sinai/Horeb; 1Kön 18,19ff: Berg Karmel; Mt 17,1ff mit 2Petr 1,18: auf dem heiligen Berge).
- Berge können Orte der Anbetung sein (1Mose 22,1-18: Morija; 2Mose 24,1ff: Horeb; Jes 56,7:Joh 4,20: Berg Zion; Berg Garizim).
- Berge als Machtzentren (Ps 2,6; Mi 4,1-4; Joel 4,16-17: Jerusalem; Jer 49,16: Edom; 51,25-26: Babel im übertragenen Sinne; Hes 28,14: Tyrus im übertragenen Sinne).
Sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Hure sitzt. Denken da die ersten Leser möglicherweise an Rom, immerhin befand sich jene Stadt auf sieben Hügeln. Vielleicht deuteten sie auch die Bemerkung des Petrus: „Es grüßt euch aus Babylon die Gemeinde und mein Sohn Markus“ als Metapher auf die Stadt Rom, denn jener Brief müsste in der Provinz Asia bekannt gewesen sein (1Petr 1,1; 5,13). Im Vergleich dazu lag die natürliche Stadt Babylon im Flachland an den Ufern des Euphrat und Ende des 1. Jahrhunderts war sie so gut wie nicht mehr bewohnt.
Anmerkung: Auch Jerusalem zählt sieben Berge, von denen der Zionsberg die zentralste Bedeutung hatte, doch zur Zeit der Offenbarung lag der Tempel und die Stadt in Trümmern (Ps 125,2; 48,3; Mt 24,1-3; Lk 19,41-44; 21,22-24).
Der Engel fügt noch ergänzend hinzu, dass die sieben Häupter und die sieben Berge auch noch sieben Könige sind. Nach einer Sichtweise, welche das Tier und sein Reich in das 1. Jahrhundert verortet wird, werden darin die sieben (8) zeitgenössischen Kaiser gesehen, angefangen vom Augustus (30v.Chr. bis 14n.Chr.) über Tiberius (14-37), Caligula (37-41), Claudius (41-54), Nero (54-68), Vespasian (69-79), Titus (79-81). Domitian (81-96) war der letzte Flavier und regierte grausam (ähnlich wie Nero in seinen letzten Jahren). Domitian wurde von einigen seiner Zeitgenossen als der sogenannte wiedergekehrte Nero angesehen. Er ließ sich als Herr und Gott verehren, herrschte skrupellos und wurde schließlich ermordet. Damit wird er(nach dieser Sichtweise) als der achte angesehen und ist in gewissem Sinne von den sieben.
Anmerkung: Bei dieser Sichtweise werden Calba, Otto und Vitellius nicht mitgezählt, weil sie nur wenige Monate in den Jahren 68-69 an der Macht waren.
Natürlich schließt das siebenköpfige Tier auch die römischen Herrscher des 1. Jahrhunderts mit ein. Doch diese Zuordnung hat auch einen Schwachpunkt. In der Zeit der angenommenen Abfassung der Offenbarung (95) war Titus als siebter bereits tot, aber von dem siebten wird im Text gesagt, dass er noch nicht da ist. Wäre die Offenbarung bereits in den siebziger Jahren geschrieben worden, dann bekäme diese Sichtweise eine größere Unterstützung. Darum gehen wir der Überlegung nach, ob der Ausdruck `sieben Häupter, sieben Berge und sieben Könige` auch über eine lokale Zuordnung hinausgeht? Eine aufschlussreiche Beschreibung finden wir über die Stadt Babylon, welche mit einem Berg verglichen wird. in Jeremia 51,25-26wird über Babylon gesagt: „Siehe, ich will an dich, du Berg des Verderbens, der du Verderben gebracht hast über alle Welt, spricht der HERR. Ich will meine Hand wider dich ausstrecken und dich von den Felsen herabwälzen und will einen verbrannten Berg aus dir machen, 26 dass man weder Ecksteine noch Grundsteine aus dir nehmen kann, sondern eine ewige Wüste sollst du sein, spricht der HERR.“ Bekanntlich lag die Stadt Babylon nicht auf einem Berg.
Daher steht Berg in diesem Kontext für ein hohes und einflussreiches Machtzentrum mit globalem Einfluss, wird also im übertragenen Sinne verwendet. Ebenso aufschlussreich ist die Deutung über das goldene Haupt in Daniel 2,37-38: „Du, König, König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat 38 und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat! Du bist das goldene Haupt.“ Und wenn unter dem Bild des goldenen Hauptes Nebukadnezar und sein Reich dargestellt wird, wie viel mehr und umfassender kann der Einfluss des siebenköpfigen Tieres sein. Schließlich finden sich die babylonische, medopersische und griechische Charakterzüge im vierten Tier wieder, wie aus der Beschreibung in Offb 13,1 ersichtlich ist. Darum kann durch die Zahl sieben Häupter, sieben Berge und sieben Könige auch eine über die Stadt Rom und das Römische Reich hinausgehende Machtgröße gemeint sein. Mit den sieben Hügeln, auf denen Rom gegründet war, wird in der Tat eine Machtgröße im globalen Sinne dargestellt, so die Erklärung des Engels in Offb 17,18. Natürlich stellt Rom und das Römische Reich den Kern und Ausgangspunkt für das, was unter dem Tier dargestellt wird
Einige historische Fakten über Einbrüche im Römischen Reich:
- Mit dem Tod von Nero 68 n.Chr. endete die Julianische Dynastie. Das Reich drohte in einem blutigem Bürgerkrieg zu versinken. Etwa zeitgleich begann die Belagerung von Jerusalem. Vespasian überlies das Kommando seinem Sohn Titus und eilte nach Rom. Dort übernahm er die Macht und gründete die Flawische Dynastie, wodurch eine gewisse Stabilität im Reich hergestellt wurde. Jerusalem jedoch wurde im Jahre 70 durch Titus erobert und damit gerieten viele Juden wieder in Gefangenschaft, diesmal nach dem anderen Babylon (Lk 19,41-44).
- Einen offensichtlichen Einbruch im Römischen Reich gab es in der Epoche der Reichsteilung in Ost und West mit entsprechenden Folgen. Das Reich konnte sich nur schwer gegen Einfälle verschiedener Völker wehren.
- Auch der Arabische Sturm, der das Römische Reich beinahe überrannt hätte, brachte eine Schwächung des Reiches.
- Aber auch weit über die Grenzen des Römischen Reiches stiegen andere Reiche auf und ab. Bis heute reitet die Hure Babylon das Tier, obwohl die verschiedenen weltweiten Reichsysteme in einem erbarmungslosen Konkurrenzkampf zu einander stehen.
Kommen wir noch einmal zurück zu der Aussage „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben“ (Offb 17,7). Wird in diesem Text möglicherweise Bezug genommen auf die fünfte Zornesschale: „Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11 und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und taten nicht Buße für ihre Werke.“ (Offb 16,10-11). Immerhin ist es der einzige Text, welcher ausdrücklich von einem starken und globalen Einbruch in den Machtbereich des Tieres spricht (siehe auch die Kommentare im Abschnitt 5.2.5). Doch anschließend bei der sechsten Zornesschale ist es wieder in Aktion (Offb 16,13-14). Ähnliches wird über das Tier am Ende der sechsten Posaune in Offb 11,7 gesagt: „Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten.“ Dieser Umgang mit den zwei Zeugen kann sich erst gegen Ende der Geschichte ereignen.
Der Engel gibt Johannes weitere Hinweise: „Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.“ (Offb 17,12-13). Erinnern wir uns noch, dass die zehn Könige Diademe auf ihren Häuptern trugen (Offb 13,1f). Diademe sind Insignien der Macht und diese stellen sie für einem symbolischen Zeitabschnitt von `einer Stunde` ddem Tier zur Verfügung. Der Schulterschluss der Könige mit dem Tier richtet sich zunächst gegen die Hure Babylon, wie in den Versen 16-17 beschrieben wird: „und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen. 17 Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinn zu handeln und ihr Königreich dem Tier zu geben, bis die Worte Gottes vollendet sein werden.“ Das Gericht an Babel lässt Gott durch das Tier und die Könige vollstrecken. Bedenken wir, das diese die ganze Zeit über von der Frau geritten wurden (Offb 17,18). Sie bestimmte und die Herrscher dieser Welt machten mit. Nun aber wendet Gott selbst ihre Gedanken so dass diese gegen Babylon aufbegehren und sie vernichten. Durch fünf Ausdrücke wird die Vernichtung der Hure Babylon beschrieben:
- Die zehn Könige und das Tier werden die Hure hassen;
- Sie werden sie verwüsten und nackt machen;
- Sie werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen.
Was dies bedeutet und wie so etwas konkret vor sich gehen wird erfahren wir in der Beschreibung im nächsten Kapitel.
Diese Koalition wendet sich anschließend gegen das Lamm und seine Auserwählten. Was nun vom Engel in Vers 14 gesagt wird, könnte als eine visionäre Vorwegnahme angesehen werden von dem, was am Ende in Offb 19,19 vollzogen wird. So lesen wir: „Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm ⟨sind, sind⟩ Berufene und Auserwählte und Treue.“ (Offb 17,14). Es ist ein Grundsatz Gottes, etwas vorauszusagen, was zur bestimmten Zeit in Erfüllung geht. Damit wirkt Gott Ermutigung bei seinen Kindern und motiviert zum Durchhalten in der Prüfungszeit. Ja, das Lamm wird siegen –
Was für eine Aussicht für die Gemeinde, auch wenn sie durch Leid, Bedrängnis und sogar Tod hindurch muss!
Und nun kommt die letzte Erklärung des Engels, die auch als ein Scharnier zwischen den Kapiteln 17 und 18 gesehen werden kann. „Und die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden.“ (Offb 17,18). Acht Mal wird Babylon in der Offenbarung als die große Stadt bezeichnet: 11,8; 16,19; 17,18; 18,10.16.18.19.21. In Kapitel 17 wurde die Funktion der Frau als die große Hure vor ihrem Fall beschrieben. Nun besteht keine Unsicherheit mehr darüber, dass die Herrschaft der Hure Babylon eine globale ist und weit über Rom und das Römische Reich hinausgeht.
5.3.2 Die Details zum Fall Babylons und sein Gericht
Im Text heißt es weiter: „Nach diesem sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herabkommen, der große Macht hatte; und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet.“ (Offb 18,1). Nun sieht Johannes einen anderen Engel vom Himmel herabkommen. Er war ausgestattet mit großer Macht. Seine Herrlichkeit ist eine enorme Leuchtkraft, welche auf der ganzen Erde wahrgenommen wird. Und er hat eine gewaltige Botschaft zu verkünden: „Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels.“ (Offb 18,2). In Kapitel 14 wurde bereits der Fall Babylons angekündigt, ebenso in Kapitel 16 und 17. Hier werden nun weitere Details zum Fall dieser großen Stadt genannt.
Bereits Jesaja sprach von dem Glanz Babylons und prophezeite seinen Niedergang (Jes 13,19-22; 14,4-21).
Und in Jes 21,9 wird ausgerufen: „Und er fing an und sprach: Gefallen, gefallen ist Babel und alle Götzenbilder seiner Götter sind zu Boden geschmettert.“ Und in Kapitel 47,1 heißt es: „Herunter, setze dich in den Staub, Jungfrau, du Tochter Babel! Setze dich auf die Erde, du Tochter der Chaldäer, da ist kein Thron mehr. Man wird dich nicht mehr nennen »Zarte und Verwöhnte«.“
Text: „Denn von dem Wein der Wut ihrer Unzucht[4] haben alle Nationen getrunken, und die Könige der Erde haben Unzucht[5] mit ihr getrieben, und die Kaufleute der Erde sind durch die Kraft[6] ihrer Üppigkeit reich geworden.“ (Offb 18,3).
Hier kommt ein weiterer Aspekt hinzu, Babylon trieb Geschäfte mit den Kaufleuten der Erde. Sie vermittelte den Kaufleuten die Kunden, indem sie die Werbetrommel rührte. Beispiele: Apg 19;
5.3.3 Geht aus von ihr mein Volk
Eine große Herausforderung folgt nun: „Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! 5 Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.“ (Offb 18,4-5).
Ob die Geschichte uns da beim Verständnis helfen kann? Immerhin wurde damals Babylon vom Perserkönig Kyrus und seinem Verbündetem erobert und damit endete die Herrschaft Babylons und wurde nach und nach Wüste. Die Parallele ist erkennbar, den mit dem Fall Babylons rief Gott sein Volk ins gelobte Land zurück. Auch in Offb 18,4 ruft der von Gott bevollmächtigte Engel das Volk Gottes aus dem Babylon , bevor es gerichtet wird.
Geht aus von ihr mein Volk und sondert euch ab
Jeremia 51,6-10. 45/
Jes.48,20 / Jes.52,11
Apg.2,40 „Laßt euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht“
Kor.6,16-18 „Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit den Götzenbildern? Wir sind ja der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Deswegen geht heraus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und berührt nichts Unreines und ich will euch annehmen und euch Vater sein und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allherrscher“ / Offb. 18,4-5
1Kor.5,8-11
Kol3,5-8
3Mose 26,11-12
Joh.14,23
1Joh 2,15-17 Habt nich lieb die Welt.
Joh 17,15
Freundliche Gesinnung für Babylon hat schwerwiegende Folgen Jer.25,11-12
70 Jahre wird Israel Babel dienen, doch dann dürfen die Gefangenen frei werden Jes.39,6. Jes.43,14.
Offb188 / Joh.5,22 / Joh.3,18-19 / Joh.12,31 / Joh.16,11 / Joh.3,36 / Röm.1,18 / Judas 14-15
5.3.4 Vergeltet ihr, wie denn?
Vergeltet ihr, wer soll es tun?
„Vergeltet ihr, wie auch sie vergolten hat, und verdoppelt ⟨es ihr⟩ doppelt nach ihren Werken; mischt ihr den Kelch, den sie gemischt hat, doppelt! 7 Wie viel sie sich verherrlicht hat und üppig gewesen ist, so viel Qual und Trauer gebt ihr! Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze als Königin, und Witwe bin ich nicht, und Traurigkeit werde ich nicht sehen. 8 Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat.“ (Offb 18,6-8).
Die Könige der Erde werden trauern
„Und es werden um sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben haben und üppig gewesen sind, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen; 10 und sie werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen und sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! Denn in einer Stunde[7] ist dein Gericht gekommen.“ (Offb 18,9-10).
Trauern, warum?
Kaufleute der Erde
„Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern um sie, weil niemand mehr ihre Ware[8] kauft: 12 Ware von Gold und Silber und Edelgestein und Perlen und feiner Leinwand und Purpur und Seide und Scharlachstoff und alles Thujaholz und jedes Gerät von Elfenbein und jedes Gerät von kostbarstem Holz und von Erz und Eisen und Marmor 13 und Zimt und Haarbalsam und Räucherwerk und Salböl und Weihrauch und Wein und Öl und Feinmehl und Weizen und Rinder und Schafe und von Pferden und von Wagen und von Leibeigenen[9] und Menschenseelen. 14 Und die Früchte, nach denen deine Seele begehrte, sind[10] von dir gewichen, und alle Pracht und Glanz sind dir verloren[11], und man wird sie nie mehr finden.“
„15 Die Kaufleute dieser Dinge, die an ihr reich geworden sind, werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen, weinend und trauernd, 16 und werden sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, die bekleidet war mit feiner Leinwand und Purpur und Scharlachstoff und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen! 17 Denn in einer Stunde[12] ist der so große Reichtum verwüstet worden.“ ().
„ Und jeder Steuermann und jeder Küstenfahrer und Schiffsleute und alle, die auf dem Meere beschäftigt sind, standen weitab 18 und riefen, als sie den Rauch ihres Brandes sahen, und sprachen: Wer war der großen Stadt gleich? 19 Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und riefen weinend und trauernd und sprachen: Wehe, wehe! Die große Stadt, in der alle, die Schiffe auf dem Meere hatten, reich wurden von ihrer Kostbarkeit! Denn in einer Stunde[13] ist sie verwüstet worden. (Offb 18,11-19).
5.3.5 Der Triumph über Babel
Sei fröhlich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und Apostel und Propheten! Denn Gott hat für euch das Urteil[14] an ihr vollzogen. 21 Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein und warf ihn ins Meer und sprach: So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und nie mehr gefunden werden. 22 Und die Stimme der Harfensänger und Musiker und Flötenspieler und Trompeter wird nie mehr in dir gehört und nie mehr ein Künstler irgendeiner Kunst in dir gefunden und das Geräusch des Mühlsteins nie mehr in dir gehört werden, 23 und das Licht einer Lampe wird nie mehr in dir scheinen und die Stimme von Bräutigam und Braut nie mehr in dir gehört werden; denn deine Kaufleute waren die Großen der Erde; denn durch deine Zauberei sind alle Nationen verführt worden. 24 Und in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind. (Offb 18,20-24).
Dies it ds Ende von Babylon
Jesus sagte in Lk 11,29. 32: „Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es sucht ein Zeichen…die Männer von Ninive werden im Gericht aufstehen mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt des Jona, hier ist aber mehr als Jona“
„Dies habe ich euch gesagt, damit ihr euch nicht ärgert, sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja, es kommt sogar die Stunde, daß jeder, der euch tötet, wird meinen, er bringe Gott (damit) einen Dienst dar“ Joh.16,1-2
Mt 21, 38 „Auf, laßt uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen“
Mt 23,29 „Wehe euch Schriftgelehrte und Pharisäer ihr Heuchler, weil ihr die Gräber der Propheten baut und schmückt die Grabmähler der Gerechten und sagt:
Wenn wir in den Tagen unserer Väter gewesen wären, wären wir nicht Teilhaber gewesen am Blut der Propheten.
Daher bezeugt ihr euch selbst. Daß ihr Söhne derer seid, welche die Propheten getötet haben.
Und so erfüllt ihr nur das Maß eurer Väter! Schlangen, Brut von Giftschlangen, wie wollt ihr vor dem Gericht der Hölle entfliehen. Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise “?
Lobpreis und Anbetung im Himmel
Weiterer Jubel im Himmel über das Gericht an Babylon
Text Offb 19,1-10
Nach diesem hörte ich ⟨etwas⟩ wie eine laute Stimme einer großen Volksmenge im Himmel, die sprachen: Halleluja[1]! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht ⟨sind⟩ unseres Gottes! 2 Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte; denn er hat die große Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Unzucht[2] verdarb, und er hat das Blut seiner Knechte[3] an ihr[4] gerächt. 3 Und zum zweiten Mal sprachen sie: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit[5]. 4 Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron sitzt, und sagten: Amen[6], Halleluja! 5 Und eine Stimme kam vom Thron her, die sprach: Lobt unseren Gott, alle seine Knechte[7], die ihr ihn fürchtet, die Kleinen[8] und die Großen! (Offb 19,1-4).
Was für ein Lobpreis im Rückblick!
5.4 Die Ankündigung der Hochzeit des Lammes
“Und ich hörte ⟨etwas⟩ wie eine Stimme einer großen Volksmenge und wie ein Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, die sprachen: Halleluja[9]! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten. 7 Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitgemacht. 8 Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleidete in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen. 9 Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“ (Offb 19,6-9).
Welche Freude!
„Und ich fiel zu seinen Füßen nieder, ihn anzubeten. Und er spricht zu mir: Siehe zu, ⟨tu es⟩ nicht! Ich bin dein Mitknecht[10] und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung.“ (Offb 19,10).
Bete Gott an!
5.4 Der Weltrichter auf weißem Pferd und seine Heere besiegen alle feindlichen Heere
Wir werden immer näher herangeführt an das Ende
“Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. 12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst; 13 und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. 14 Und die Truppen, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand. 15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlägt; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. 16 Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“ (Offb 19,11-15).
5.4.1 Das Aussehen des Reiters auf dem weißen Pferd
Hier auf Erden trugen Diademe die von Gott berufenen Hohenpriester
Das Diadem – Insignium der Macht
Das Diadem war priesterlicher Schmuck und Zeichen der Würde von Gott verliehen.
erste Mal lesen wir von einem Diadem in 2Mo 29,6: „und setze den Kopfbund auf sein Haupt, und hefte das heilige Diadem an den Kopfbund.“ (ergänzend dazu auch 2Mo 39,30: „Sie fertigten auch das Stirnblatt, das heilige Diadem, aus reinem Gold an und schrieben darauf in Siegelgravur: »Heilig dem HERRN«.“ 3Mo 8,9).
Könige trugen sie: 2Sam 1,10 – Saul; Est 1,11 – Basti; Est 2,17-Ester;
Jes 62,3 Und du wirst eine Ehrenkrone in der Hand des HERRN sein und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes.
Sach 9,16 Und der HERR, ihr Gott, wird sie erretten an jenem Tag als die Herde seines Volkes, denn Edelsteine am Diadem sind sie, funkelnd über seinem Land.
Es gab auch Fäschungen, bzw. Mißbrauch Offb 12,3; Offb 13,1).
Offb 19,12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme
Womit kämpft der Weltrichter?
„15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlägt; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen.“ (Offb 19,15).
Prophetir aus: „Greift zur Sichel, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß! (Joel 4,13).
„Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“ (Offb 19,16).
Offb 17,14 nur in umgekehrter Reihenfolge.
5.4.2 Der Engel in der Sonne lädt zum Mahl ein
„17 Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit lauter Stimme und sprach zu allen Vögeln, die hoch oben am Himmel fliegen: Kommt her, versammelt euch zum großen Mahl[12] Gottes, 18 damit ihr Fleisch von Königen fresst und Fleisch von Obersten[13] und Fleisch von Mächtigen und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als auch Sklaven, sowohl von Kleinen[14] als auch Großen!“ (Offb 19,17-18).
Gog und Magoh
Hes 38,22:
4 Auf den Bergen Israels sollst du fallen, du mit deinem ganzen Heer und mit den Völkern, die bei dir sind. Ich will dich den Raubvögeln, allem was fliegt, und den Tieren auf dem Felde zum Fraß geben.
5 Du sollst auf freiem Felde fallen; denn ich habe es gesagt, spricht Gott der HERR. 6 Und ich will Feuer werfen auf Magog und auf die Bewohner der Inseln, die so sicher wohnen, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin. 7 Und ich will meinen heiligen Namen kundmachen unter meinem Volk Israel und will meinen heiligen Namen nicht länger schänden lassen, sondern die Völker sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der Heilige in Israel. 8 Siehe, es kommt und geschieht, spricht Gott der HERR; das ist der Tag, von dem ich geredet habe.
Wie ähnlich klingt doch diese Prophetie mit den Aussagen in Offb 19,17-19 und 20,9 (Feuer).
So auch die Aussagen von Hes 39,17-22
17 Du Menschenkind, so spricht Gott der HERR: Sage den Vögeln, allem was fliegt, und allen Tieren auf dem Felde: Sammelt euch und kommt herbei, findet euch zusammen von überall her zu meinem Schlachtopfer, das ich euch schlachte, einem großen Schlachtopfer auf den Bergen Israels, und fresst Fleisch und sauft Blut! 18 Fleisch der Starken sollt ihr fressen, und Blut der Fürsten auf Erden sollt ihr saufen, der Widder und Lämmer, der Böcke und Stiere, all des Mastviehs aus Baschan. 19 Und ihr sollt Fett fressen, bis ihr satt werdet, und Blut saufen, bis ihr trunken seid von dem Schlachtopfer, das ich euch schlachte. 20 Sättigt euch von Rossen und Reitern, von Starken und all den Kriegsleuten an meinem Tisch, spricht Gott der HERR. 21 Und ich will meine Herrlichkeit unter die Völker bringen, dass alle Völker mein Gericht sehen sollen, das ich gehalten habe, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe. 22 Und das Haus Israel soll erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott bin, von dem Tage an und fernerhin, 23 und die Völker sollen erfahren, dass das Haus Israel um seiner Missetat willen weggeführt worden ist. Weil sie sich an mir versündigt hatten, darum habe ich mein
5.4.3 Der letzte Kampf und Sieg über das Tier, den falschen Propheten und die Könige der Erde
Weiter lesen wir: „19 Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Truppen versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinen Truppen Krieg zu führen. 20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet – der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten –, lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 21 Und die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt.“ (Offb 19,21).
Foto
Abbildung 5
Foto
Doch Megiddo wurde für Israel auch zum Symbol der Trauer. Die dramatischste Geschichte ereignete sich dort in der späteren Königszeit. Es war Kriegszustand zwischen Ägypten und Assyrien. Pharao Necho befand sich auf dem Weg nach Karkemisch am Eufrath. Dabei musste er den Pass bei Megiddo überqueren das an der strategisch wichtigen Stelle lag (2Chr 35,20). und der sonst so fromme König Josia zog trotz Warnung, dem Pharao Necho entgegen nach Megiddo. Und in 2Chr 35,22 wird berichtet: „Aber Josia ließ nicht ab von ihm, sondern schickte sich an, mit ihm zu kämpfen, und hörte nicht auf die Worte Nechos, die aus dem Munde Gottes kamen, und zog hin, mit ihm zu kämpfen in der Ebene von Megiddo.“ Dort wurde er (wahrscheinlich durch einen feindlichen Pfeil) tödlich verletzt und von seinen Knechten nach Jerusalem gebracht und bestattet (2Chr 35,23; 2Kön 23,29-30). Damit wurde die Stadt Megiddo nicht zu einem Ort des Sieges für Josia, sondern zur tödlichen Falle. In 2Chr 35,24-25 lesen wir: „Und ganz Juda und Jerusalem trugen Leid um Josia. 25 Und Jeremia hielt die Klage über Josia, und alle Sänger und Sängerinnen sangen in ihren Klageliedern über Josia bis auf diesen Tag, und das wurde zum festen Brauch in Israel.“ (Siehe, sie stehen geschrieben unter den Klageliedern).
Megiddo in der Prophetie
Die letzte Erwähnung von Megiddo finden wir im Buch des Propheten Sacharia in der Zeit nach dem Exil und Wiederaufbau des Tempels. In jenem Text wird für die Zukunft an einem bestimmten Tag in Jerusalem eine große Klage vorausgesagt. „An jenem Tag wird die Wehklage in Jerusalem groß sein wie die Wehklage von Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo.“ (Sach 12,11; dazu auch 1Chr 6,62). Dieser Text stellt uns vor folgende Fragen. Erstens: Auf welche Klage in der Geschichte Israels wird hier Bezug genommen. Zweitens: An welchem Tag und in welchen Zusammenhang wird sie sich in Jerusalem wiederholen. Drittens: In welchem Bezug steht das historische Megiddo zu dem Ort Harmagedon in Offb 16,16?
Zum Ort `Hadad Rimmon` und der Tragödie, welche sich in der Ebene von Megiddo abspielte und mit einer großen Klage verbunden war, gibt es keine weiteren Texte. Naheliegend wäre da die Verbindung zu der Klage wegen dem Tod des Königs Josia, wie weiter oben beschrieben, denn sie ist die Einzige große Klage, welche einen so breiten Platz in der Geschichte Israels einnimmt (2Chr 35,25). Bei den vielen Ereignissen in und um Megiddo gab es nichts vergleichbar Leidvolles für Juda und Jerusalem. War er doch als gottesfürchtiger König und Reformer vom ganzen Volk beweint und beklagt worden. Doch die Prophetie in Sacharia 12,11a „an jenem Tag“ schließt die Verheißung in Sach 12,10 mit ein. Dort steht geschrieben: „Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint.„ (Sach 12,10).
Der zweite Teil dieser Prophetie in Vers 10 ist ein eindeutiger Hinweis auf den Tod von Jesus am Kreuz. So lesen wir in Joh 19,34: „sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.“ (mit Bezug auf Sach 12,10b). Nicht nur Johannes und die Frauen wurden Zeugen, was mit Jesus geschah, sondern auch das Volk, welches dabei war und zuschaute. Das Volk Israel (Freunde und Feinde) werden Zeugen der Hinrichtung des Messias. Den vielen nachfolgenden Frauen, welche um ihn weinten und klagten sagte Jesus: „Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (Lk 23,28). Und am späten Nachmittag als Jesus bereits gestorben war, beschreibt Lukas die Reaktion des Volkes, welche Zeugen einzigartiger Ereignisse wurden: „Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.“ Es war noch keine echte Buße als Umkehr, doch als Reue oder Bedauern kann es wohl bezeichnet werden. Und nicht zu vergessen die Reaktion all derer, welche bereits zu dieser Zeit Jesus als den Messias Gottes anerkannten. Von ihnen heißt es, dass sie weinten und Leid trugen (Joh 16,20; Mk 16,10). Hat nicht Maria geweint um ihren Erstgeborenen Sohn (Lk 2,35)? Die drei Stunden Finsternis über das Land wird ebenfalls einen starken bedrückenden Eindruck gemacht haben (Mk 15,33).
Ja, an jenem Tage war große Klage zu Jerusalem.
Doch durch die scheinbare Niederlage des Königs der Juden, errang Gott den größten Sieg aller Zeiten über die Macht des Feindes und seiner Heere (Joh 19,30; Apg 4,25-29 mit Bezug auf Psalm 2). In diesem Zusammenhang konnte Gott den Geist der Gnade und des Flehens über Juda und Jerusalem ausgießen. Dies geschah dann zu Pfingsten (Apg 2,1ff).
Denn nie zuvor hatte es in Jerusalem und Juda (Israel) solch eine gnädige Zuwendung Gottes gegeben. Und nie zuvor gab es solch eine geistliche Erweckung, wie sie mit dem Kommen von Jesus und mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten geschehen ist und in den Jahrzehnten danach (Joh 1,14-17; Apg 2-10,1ff; 21,20).
Folgende Überlegung lässt sich aus diesen Texten ableiten: Weil Megiddo in der israelitischen Geschichte eine solch bedeutende Rolle eingenommen hat, wird diese Stadt zum Symbol für weitere Ereignisse in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk, die sowohl Klage als auch Sieg beinhalten.
Daher kann Harmagedon sich bereits einmal erfüllt haben mit dem Schwerpunkt große Klage und verborgener Sieg Gottes durch seinen Messias über die Feinde. Beachten wir auch den Prophetischen Rahmen in dem diese große Klage und der damals noch verborgene Sieg zu sehen ist: Sach 6,12-15 mit Joh 2,16-21; Sach 9,9 mit Joh 12,11ff; Sach 11,12-13 mit Mt 27,3ff; Sach 13,7-9 mit Mt 26,31.
Aber der Kontext des 12. Kapitels im Buch des Propheten Sacharia gibt mehrere Hinweise, welche auch auf das Ende bezogen werden können.
„2 Siehe, ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale[1] für alle Völker ringsum. Und auch über Juda wird es kommen bei der Belagerung von Jerusalem[2]. 3 Und es wird geschehen an jenem Tag, da mache ich Jerusalem zu einem Stemmstein[3] für alle Völker; alle, die ihn hochstemmen[4] wollen, werden sich wund reißen. Und alle Nationen der Erde werden sich gegen es versammeln. 4 An jenem Tag, spricht der HERR[5], schlage ich alle Pferde mit Scheuwerden und ihre Reiter mit Wahnsinn. Über das Haus Juda aber halte ich meine Augen offen, während ich alle Pferde der Völker mit Blindheit schlage. 5 Und die Fürsten[6] von Juda werden in ihrem Herzen sagen:[7] Die Bewohner von Jerusalem ⟨sollen⟩ Stärke ⟨nur⟩ in dem HERRN der Heerscharen, ihrem Gott, haben.[8] 6 An jenem Tag mache ich die Fürsten[9] von Juda einem Feuerbecken unter Holzstücken und einer Feuerfackel unter Garben gleich; und sie werden zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsum verzehren. Und immer noch wird Jerusalem[10] an seiner Stätte bleiben in Jerusalem. 7 Der HERR aber wird die Zelte Judas zuerst retten, damit der Stolz des Hauses David und der Stolz der Bewohner von Jerusalem gegenüber Juda nicht zu groß wird. 8 An jenem Tag wird der HERR die Bewohner von Jerusalem beschirmen; und der Stürzende unter ihnen wird an jenem Tag wie David sein und das Haus David wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen her. 9 Und es wird geschehen an jenem Tag, da trachte ich danach, alle Nationen zu vernichten, die gegen Jerusalem herankommen. 10 Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken[11], den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint. 11 An jenem Tag wird die Wehklage in Jerusalem groß sein wie die Wehklage von Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. 12 Und wehklagen wird das L
- Über Juda und Jerusalem wird der Geist der Gnade und des Flehens ausgegossen werden (Sach 12,10: Johannes-der Herr ist gnädig; Jesus-aus seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade).
- Offenen Quell gegen Sünde (Sach 13,1). In Jesus gibt es Vergebung der Sünden.
- Keinen Bann mehr geben (Sach 14,11 mit Offb 22,3).
Denn dort geht es um eine globale Sammlung aller Könige der Erde durch den Drachen, das Tier und den falschen Propheten. Sie werden sich gegen das Lamm, gegen die geliebte Stadt (Jerusalem) und das Heerlager der Heiligen auflehnen. Doch der Sieg des Christus wird diesmal öffentlich sichtbar sein und alle feindlichen Mächte werden in den Feuersee geworfen (Offb 17,14; 19,19-21; 20,7-10).
und ein zweites Mal wird es erwähnt im Zusammenhang der Wiederkunft von Jesus in Offb 1,7: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde. Ja Amen!“
Erstens: Harmagedon erfüllte sich zum ersten Mal als Jesus auf Golgatha gelitten und gestorben ist. Dort in Jerusalem haben sich die Könige der Erde (Rom) mit der Führung Israels unter der Macht der Finsternis zusammengetan und gegen den Herrn und seinen Christus aufgelehnt, um ihn zu töten (Lk 22,53). So lesen wir in Apg 4,24-28 wie die Gemeinde betet, in dem sie Psalm 2 zitiert: „Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht, 25 du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: »Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was vergeblich ist? 26 Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.« 27 Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, 28 zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt haben, dass es geschehen sollte.“
Zweitens: Harmagedonn wird noch einmal am Ende der Zeit sich in einem globalen Umfang ereignen und zwar im Verlauf der Ereignisse wie sie unter der sechsten Zornesschale (Offb 16,12-14 und 16ff) angedeutet und in Kapitel 19,16-21 sowie 20,7-9 beschrieben werden.
Die Zusammenhänge zwischen unseren Offenbarungstexten und der prophetischen Voraussage aus Sacharia 12 sind offensichtlich.
Aktualisiert am 25. Mai 2025