Einleitung
Diese aktuelle Erforschung der Texte aus der Apostelgeschichte über das Wirken des Heiligen Geistes ist entstanden auf dem Hintergrund der Fragestellung in unserer Gemeinde nach den Gaben des Heiligen Geistes, wie sie später besonders durch Paulus in verschiedenen Gabenlisten beschrieben UND ERLÄUTERT werden. Gehen wir darum chronologisch vor und erkundigen wir uns zunächst, wie der Heilige Geist an Pfingsten in und durch die 120 (einschließlich der 12 Apostel) und danach in den gläubig gewordenen wirkte. Dabei stellen wir fest, dass Lukas die Bezeichnung `Gaben – Charismata` nicht verwendet, obwohl sie erkennbar sind. Denn Jesus sagte: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, Judäa, Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8; dazu auch Mt 28,18-19). Demnach liegt die Betonung auf dem Zeugnis der Jünger durch die Kraft des Heiligen Geistes, sowie der neuen Lebensgestaltung der Gläubigen unter der Leitung und Begleitung der Apostel.
Diese Bibelstudie umfasst vier Hauptteile:
1. Das Wirken des Heiligen Geistes an Pfingsten und in der Gemeinde Jerusalem;
2. Das Wirken des Heiligen Geistes in Judäa und Samarien;
3. Das Wirken des Heiligen Geistes in den Missionsgemeinden;
4. Die Gabenlisten des Paulus, deren Erklärung und Anwendung.
Am Ende von jedem Abschnitt gibt es Hinweise oder Anregungen zur Anwendung für die Gegenwart.
Erster Teil: Das Wirken des Heiligen Geistes an Pfingsten und in der Gemeinde Jerusalem
Die Grundlage und Voraussetzung für das Kommen und Wirken des Heiligen Geistes legte Jesus durch seinen einzigartigen Dienst als Retter und Erlöser. Und so begann alles in Jerusalem, entsprechend der Anweisung von Jesus.
1.1 Wie wirkte der Heilige Geist an Pfingsten in und durch die 120 ?
Lukas schreibt: „Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab“ (Apg 2,3-4). Jesus sagte das Kommen und das Wirken des Heiligen Geistes voraus(Joh 16,8-13; Lk 24,49-50). Bei seinem Abschied sagte er: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden“ (Apg 1,5). Die Bezeichnung: „Die Taufe mit dem Heiligen Geist“ ist identisch mit: Sie wurden alle erfüllt mit dem Heiligen Geist“ (Apg 2,4a). Überraschend ist die Wirkung des Heiligen Geistes durch die Zuteilung von Sprachen an die 120, denn es heißt: „sie (die Sprachen) setzten sich auf einen jeden von ihnen“. Die Sprachenredegabe kann als Werkzeug gesehen werden, welches der Heilige Geist einem jeden zuteilte und zwar zu einem bestimmten Zweck. Dieses Phänomen erwähnt Lukas auch bei der Gemeindegründung in Cesarea durch Petrus und in Ephesus durch Paulus (Apg 10,46; 19,6).
Ableitend davon kann festgestellt werden, dass die spätere Liste der Herkunftsländer mit den jeweiligen Sprachen nicht vollständig ist (Apg 2,7-11).
Dann wird der Fokus auf die Menge gelenkt, die vom Tempel her in Richtung dieses geräumigen Privathauses strömten. Das Staunen ist groß, denn viele der Anwesenden hörten ihren Dialekt heraus in dem sie geboren wurden. Diese Gruppe von Menschen hebt Lukas besonders hervor, denn es handelte sich um gottesfürchtige Juden die in der Diaspora geboren wurden, aber seiteiniger Zeit in Jerusalem wohnten (Apg 2,5). Der griechische Begriff `katoikountes` in Vers 5 ist keine Bezeichnung für einen vorübergehenden Aufenthalt in Jerusalem zu dem Pfingstfest, sondern er beschreibt die Niederlassung zum beständigen Wohnen wie folgende Stellen durchgehend bestätigen: in Jerusalem (Apg 2,14; 4,16; 13,27; Lk 13,4); in Judäa (11,29); in Damaskus (9,22 und 22,12); in Lydda (Apg 9,32.35); in Ephesus/Asien (19,10.17).
Anmerkung: Der Grund für solch eine Rückkehr ins Land der Väter kann in der Messias-Erwartung bereits seit Beginn des 1. Jh. gelegen haben (Lk 1,68; 2,25.38; 3,15; 7,17). Denn die Geschichten von der Geburt des Johannes und Jesus sind im Land öffentlich besprochen worden und gelangten auch zu den Diaspora Juden.
Der Inhalt der Verkündigung der 120 ist von Lukas nicht überliefert, wir kennen nur die Überschriftaus dem Munde der Zuhörer: „wie hören wir sie die Großtaten Gottes verkündigen“ (Apg 2,11). Das Reden in anderen Sprachen (Dialekten) war eine besondere Wirkung des Heiligen Geistes an diesem Tag als Zeichen für den ungläubigen Teil in Israel (1Kor 14,22 mit Bezug auf Jes 28,11ff) aber auch als Hinweis für den gläubigen Teil, denn ihnen gilt nun der Auftrag zur Evangelisation unter allen Nationen (Mt 28,17-20; Lk 24,46-47; Apg 1,8) .
Anmerkung: Es scheint eine unausgesprochene Verbindung zu geben zwischen dem einschneidenden Ereignis der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel und der Sprachenvielfalt, die an Pfingsten gegeben wurde. Dort wurde die Eine (für alle Menschen verständliche Sprache) verwirrt oder treffender: verschüttet (1Mose 11,7). Hier werden alle nach der Sprachverwirrung gebildeten Sprachen und Dialekte von Gott als gleichwertig anerkannt und damit den Evangelisationsauftrag an alle Nationen bestätigt (Mt 28,18-19; Lk 24,46-47; Apg 10,1ff).
Petrus betont den Inhalt der Sprachenrede und nennt es prophetisches reden indem er den Propheten Joel zitiert und wendet es auf die aktuelle Situation an: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“ (Apg 2,17-18 mit Bezug auf Joel 3,1ff). Beachten wir die Zeitangabe „in den letzten Tagen“, sie markiert den Beginn des letzten Zeitabschnitts, der mit dem Kommen von Jesus begann. In diesem Zeitalter steht das Wirken des Heiligen Geistes im Vordergrund (Joh 16,8-11). Im Auftrag des Vaters und des Sohnes gestaltet er die Geschichte des Reiches Gottes auf dieser Erde in Einbeziehung der Gläubigen an Jesus Christus.
Das prophetische Reden wird laut der Bestätigung von Petrus in seiner Grundausstattung allen Gläubigen zuteil, unabhängig vom Geschlecht, Alter und sozialem Stand, denn unter den etwa 120 befanden sich sowohl Maria, die Mutter Jesu als auch die anderen Frauen.
Anmerkung: Den Wunsch, dass doch das ganze Volk weissagen möge, äußerte bereits Mose (4Mose 11,29).
Für Weissagen steht im Griechischen „prophetisch reden“. Allerdings gibt es im Bereich der Prophetie verschiedene Ebenen (Apg 11,28; 13,1ff; 15,32; Eph 2,19; 4,11). Die 120 sprachen von den Großtaten Gottes aus der Geschichte Israels. Bei diesem Weissagen oder prophetischem Reden geht es grundsätzlich, um das zu bezeugen, was Gott gewirkt hat und dazu sind alle berufen und individuell befähigt (Apg 1,8; Offb 19,10).
1.2 Das Wirken des Heiligen Geistes durch die Predigt von Petrus
Die Predigt des Petrus hebt sich natürlich ab von dem allgemeinen Zeugnis geben für Christus. Ihn befähigt der Heilige Geist die Zusammenhänge der alttestamentlichen Prophetien mit deren Erfüllung in der Person von Jesus systematisch darzulegen und auf die aktuelle Situation anzuwenden. Damit folgt er dem Beispiel seines Lehrers (Lk 24,25ff; 45-47). Die Auswirkung ist unfassbar aber Wirklichkeit. Denn nach der Aufforderung des Petrus kommen an diesem Tag etwa dreitausend Seelen (Gr. psychas) zum Glauben an Jesus. Und durch Umdenken und Umkehr bekommen sie Vergebung der Sünden und das Geschenk des Heiligen Geistes. Ihren Glauben bezeugen sie durch die Taufe auf den Namen Jesu (Apg 2,37-38 und 41). Um einem Missverständnis vorzubeugen: In Apg 2,38 geht es nicht um eine Gabe (etwa das charisma der Zungenrede) sondern um den Heiligen Geist selbst. Daher verwendet Lukas das griechische Adverb `dorean-Geschenk`. Somit wird betont, wie der Heilige Geist gegeben wird, nämlich geschenkweise, ganz umsonst. Mit dem gleichen Wort `dorean` wird der Empfang des Heiligen Geistes neben Apg 2,38 an drei weiteren Stellen im Beisein des Petrus beschrieben (Apg 8,20; 10,45; 11,17). Damit ist es leichter zu unterscheiden zwischen dem Heiligen Geist selbst als Person und seinen vielseitigen Wirkungen (charismata) in den Gläubigen.
Anwendung: Wie gehen wir heute um mit prophetischem Reden? Helfen uns die Beispiele in der Apostelgeschichte und den Briefen in der Unterscheidung:
· von Prophetie als Zeugnis geben oder Verkündigung durch Predigt und Lehre (Apg 1,8; 4,31; 8,4)?
· Als Prophetie im Lokalen oder im Individuellen Bereich (Apg 11,28; 21,10)?
· Als Prophetie mit der Rückblende und Anwendung auf die Gegenwart oder sogar auf die Zukunft (Apg 2,16ff mit Bezug auf Joel 3,1ff; Apg 2,23-36 mit Bezug auf Ps 16,8-10; 110,1; Apg 2,37-38 mit Bezug auf Joh 7,37-38; Apg 13,33 mit Bezug auf Ps 2,6-7; Apg 15,15-17 mit Bezug auf Amos 9,11)?
· Wir können zwischen der Mündlichen und der schriftlich verfassten Prophetie unterscheiden (Eph 2,19; 1Kor 14,29;).
1.3 Das Wirken des Heiligen Geistes in der neuen Bewegung
Von den Gläubigen heißt es: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und den Gebeten“ (Apg 2,42). Dies waren die zentralen Elemente im Leben der jungen Gemeinde, die natürlich von den Aposteln eingeführt und auch gefördert wurden:
1. Der Heilige Geist wirkte den Hunger und Durst nach dem Wort Gottes, so dass sie jede Möglichkeit nutzten, um bei den Unterweisungen der Apostel teilzunehmen (Amos 8,11; Apg 2,46). Die Apostel lehrten nichts anderes als das, was Jesus ihnen aufgetragen hatte und das, woran sie durch den Heiligen Geist erinnert wurden (Mt 28,18-20; Joh 14,26). Diese Unterweisung der Gläubigen geschah durch die Apostel in den Häusern. Wo finden wir heute eine ähnliche Praxis in unserer Ortsgemeinde?
2. Die Beständigkeit in der Gemeinschaft (die wie eine Klammer) viele Bereiche des alltäglichen Lebens einschließlich der Gütergemeinschaft umfasste (Apg 4,33ff). Was ergibt sich auf natürliche Weise und was muss organisiert werden?
3. mit Brotbrechen ist das Herrenmahl gemeint. Im Rahmen der gemeinsamen Mahlzeiten in den Häusern brachen sie nach dem Vorbild von Jesus das Brot und teilten den Kelch aus in Erinnerung an den Tod des Herrn mit all seinen Auswirkungen wie Stiftung des neuen Testamentes, welches Vergebung der Sünden einschloss. Dabei betonten die Apostel die verschiedenen Aspekte, wie sie später in den drei synoptischen Evangelien schriftlich festgehalten wurden (Mt 26,26-28; Mk 14,22ff; Lk 22,19ff). Der Text über das Abendmahl von Paulus in 1 Kor 11,23ff kam erst Jahre später hinzu. Welchen Stellenwert hat bei uns heute das Herrenmahl und wie können die verschiedenen Aspekte des Todes von Jesus mit Erläuterungen der Symbolelemente (Brot und Kelch) verkündigt werden? Und wie kann gewährleistet werden, dass alle Gemeindeglieder teilbekommen am Abendmahl?
4. Sie blieben beständig in den Gebeten. Ein besonderer Ausdruck findet das Gebet der Gemeinde aus Apg 4,24-31 bei dem sie sich auf Psalm 2,1ff stützen und auf ihre aktuelle Situation anwenden: „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“ Dies kann man `schriftgemäßes beten` nennen. Dieses erfüllt werden mit dem Geist ist nicht zu verwechseln mit dem einmaligen Empfang des Heiligen Geistes zum Zeitpunkt der Wiedergeburt (Apg 2,38; Eph 1,13). Erwähnt ist auch eine Gebetsversammlung wegen einer Notsituation (Apg 12,5).
5. Der Heilige Geist wirkte Einheit: „Die Menge der Gläubigen waren ein Herz und eine Seele.“ (Apg 4,32). Eine Einheit, um die Jesus gebeten hatte und die nur in Jesus möglich ist.
6. In vielen bewirkte er, sich von ihren Häusern und Äckern zu lösen und den Erlös der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Lukas schreibt: „auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. 34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte 35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. 36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Apostel zu Füßen.“ (Apg 4,33-37). Man bedenke, dass Jesus auch von verlassen von Häusern und Äckern sprach, oder „verkauft was ihr habt und gebt Almosen“ (Mt 19,29; Lk 12,33). Obwohl diese besondere Aktion nur für diese erste Gemeinde in Jerusalem bezeugt, sollten wir fragen, was davon abgeleitet werden kann für uns heute? Motiviert konnten einige auch dadurch gewesen sein, weil Jesus (ohne eine Zeitangabe zu machen) die vollständige Zerstörung der Stadt Jerusalem vorausgesagt hatte (Mt 24,1-4.15ff; Lk 19,41ff; 21,20-22). Anmerkung: Nicht alle verkauften ihre Häuser, sondern stellten diese für Hausversammlungen zur Verfügung (Apg 2,46; 12,12). Vorstellbar wäre auch, dass das Haus in dem sich die 120 tagelang bis Pfingsten aufhielten, auch weiterhin als ein zentraler Versammlungsplatz genutzt wurde (Apg 1,13; Mk 14,14f). Wie sieht sozialer Ausgleich in unserer Gemeinde aus?
7. Der Heilige Geist wirkte Wunder und Zeichen (Heilungen und Befreiungen) durch die Apostel (Apg2,43; 3,1ff; 5,12-15). Diese Dienste werden in der Anfangszeit den Aposteln (und insbesondere) dem Petrus zugeschrieben (Apg 3,1ff; 5,15). Mit der Berufung der sieben Tischdiener wirkte der Heilige Geist auch Wundertaten durch Stephanus in Jerusalem und auch Phillipus in Samarien.
8. Der Heilige Geist befähigte die Apostel zu Lösungen von Problemen indem Diakone (Tischdiener) eingesetzt wurden (Apg 6,1-6). Diese waren mit der Fülle des Heiligen Geistes und mit Weisheit ausgestattet. „und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia„ (Apg 6,5). Die Namen dieser Sieben sind keineswegs Ur-Hebräisch, der Siebte ist Proseöyt. Der Umstand, dass sie für gerechten Ausgleich unter den jüdisch-hebräischen und Judisch-hellenistischen Witwen schaffen sollen, lässt den Schluss zu, dass sie in der hellenistischen Kultur aufgewachsen sind. „Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.“ (Apg 6,6-7). Aus Problemen können Ideen zur Strukturierung bestimmter Dienste entstehen. Lösungen, welche unter der Wirkung des Heiligen Geistes gefunden werden, fördern das Wachstum der Gemeinde.
9. Der Heilige Geist bewirkte besondere Berufungen und Bevollmächtigungen: „Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.“ (Apg 6,8.10). Der Heilige Geist rüstete ihn aus mit Weisheit, dadurch war er den theologisch versierten Gegnern weit überlegen. Danach befähigte ihn der Geist Gottes vor dem Hohen Rat zu einem detaillierten Zeugnis über die Geschichte Israels. Dies war eine prophetische Rede in der Rückblende mit der richtigen Anwendung und Hinweis auf Christus (Apg 6,11-7,53). Und er befähigte ihn den Märtyrertod in der Gesinnung Jesu zu erdulden (Apg 7,60).
10. Eine besondere Ausdrucksweise ihrer Nachfolge zeigte sich wirksam in der Zeit der großen Verfolgung, die nach der Steinigung von Stephanus einsetzte (Apg 8,1ff). Denn viele verließen die Stadt, dadurch gelangte das Evangelium nach ganz Judäa und Samarien, die nächsten zwei Kreise, welche Jesus für die Evangelisation vorgegeben hatte (Apg 8,1b.4; 1,8). Verfolgungen hatte Jesus vorausgesagt und in diesem Fall waren sie förderlich für die Ausbreitung des Reiches Gottes durch das Zeugnis der Verfolgten. Was können wir davon für uns ableiten?
11. Philippus wurde von seinem Tischdienst weggeholt und mit der Gabe des Evangelisten ausgestattet, wie Lukas nach vielen Jahren diesen Dienst betitelt (Apg 21,8). Er verkündigte das Evangelium in Samarien, so dass viele zum Glauben an Jesus kamen. Durch ihn wirkte der Heilige Geist Wunder, Heilungen und Befreiungen von Dämonen (Apg 8,5ff). Anschließend evangelisierte er den äthiopischen Kämmerer und predigte das Evangelium in den Städten am Mittelmeer und ließ sich schließlich in Cesarea nieder.
12. Viele in der Gemeinde (mit ausländischen Wurzeln) wurden vorbereitet und befähigt für die Evangelisation unter den Zerstreuten Juden in der Diaspora und ebenso unter den Nationen. Einige von ihnen gingen bis nach Phönizien, Zypern und Antiochien und verkündigten das Evangelium nur unter den Juden. Einige aus den heimgekehrten Juden aus Zypern und Kyrene gingen bis Antiochien und predigten auch unter den Helenisten (Apg 11,19-26; 13,1: Luzius aus Kyrene ist namentlich genannt). Und nun sandte die Gemeindeleitung in Jerusalem Barnabas (gebürtig aus Zypern) bis nach Antiochien. Er war ein guter Mann voll Heiligen Geistes und Glaubens (Apg 4,36; 11,22-27). Diese Männer waren aufgrund ihrer Herkunft für die Außenmission geeignet (Apg 11,20-26; 13,1). Beachten wir diese Aspekte in der Praxis bei Aussendungen in die Mission? Denn die Herkunft, kultureller Hintergrund in Sprache und Verhalten, sollten bei Missionseinsätzen mitbeachtet werden.
Auf der nächsten Etappe unserer Betrachtung begleiten wir Petrus/Johannes und Philippus durch Samarien und Judäa. Die übernächste Etappe der Betrachtung würde die Missionsgemeinden umfassen. Erst auf der vierten Ebene können wir die spezifischen Gabenlisten unter die Lupe nehmen. Dies scheint mir eine lohnende Aufgabe für unsere Ortsgemeinde zu sein, damit wir Sicherheit, Freude und Gewissheit bekommen für unseren Dienst unter der Leitung des Heiligen Geistes.
Anwendung:
Wenn du durch das Wirken des Heiligen Geistes durch Umdenken und Umkehren Vergebung aller deiner Sünden geschenkt bekamst und auf diese Weise die Geburt von oben durch den Vater, Sohn und Heiligen Geist erlebt hast, wird Letzterer dich erfüllen und nach seinem Ermessen in dir und durch dich wirken. Dabei sollte immer die Frucht des Geistes Gottes in deinem Leben im Vordergrund stehen, damit dein Charakter mehr und mehr in das Ebenbild Christi verwandelt wird (Gal 5,22: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Frieden …“; Röm 8,29: „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich (ähnlich) sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“). Das Wirken des Heiligen Geistes durch verschiedene Äußerungen, dient dem Aufbau der Gemeinde. Dadurch wird die Gemeinde befähigt ihren Dienst an und für diese Welt in der Gesinnung Christi zu tun (Mt 28,18-19). Daher frage nicht zu schnell, welche Gabe hast du, sondern: wie wirkt der Heilige Geist in dir und durch dich? Dies ehrt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, weil die Betonung auf deren Wirksamkeit und nicht auf der Gabe liegt.
Aktualisiert am 25. September 2026
Zweiter Teil: Das Wirken des Heiligen Geistes in Samarien und Judäa
Was bis jetzt durch die Kraft des Heiligen Geistes gewirkt wurde, geschah unter den Juden in Jerusalem und im Umfeld der Stadt. Nun erweitert sich der Wirkungskreis, entsprechend der Anweisung Jesu an seine Jünger.
2.1 Wie wirkte der Heilige Geist in Samaria und Judäa?
Das Mischvolk der später sogenannten Samariter brachte bei der Besiedlung des Nordreichs (722/721 v.Chr.) ihre Kulte mit. Zudem übernahm es auch Teile des jüdischen Kultes einschließlich der Beschneidung. Da die Samariter die fünf Bücher Moses – die Thora anerkannten, standen sie theologisch und kultmäßig den Juden nahe. Daher erklärt sich auch der nächste, von Jesus vorgegebene Missionskreis. Er selbst hatte während seiner Dienstzeit Samarien mehrmals besucht und damit den Boden für das Evangelium vorbereitet (Joh 4,4-45; Lk 9,50-56; 17,12-19).
So schreibt Lukas: „Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort“ (Apg 8,1). „Philippus aber kam hinab in die Hauptstadt Samariens und predigte ihnen von Christus. Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. Denn die unreinen Geister fuhren aus mit großem Geschrei aus vielen Besessenen, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht; und es entstand große Freude in dieser Stadt.“ (Apg 8,4-8).
Es handelte sich wahrscheinlich um Sebaste, die Hauptstadt Samarias. Diese lag unweit der biblischen Stadt Sichem (heute Nablus). Philippus wurde vom Heiligen Geist mit der Gabe des Evangelisten ausgestattet und befähigt mit Kraftwirkungen zur Heilung von Krankheiten und Befreiung von Dämonen. Lukas berichtet: „Als sie aber den Predigten (wörtlich: der Evangelisierung – Frohbotschaftsverkündigung) des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen.“ (Apg 8,12).
Diese auffallende Evangelisationstätigkeit des Philippus in Samaria ruft die Apostel in Jerusalem auf den Plan und sie senden Petrus und Johannes dort hin, um festzustellen, was der Evangelist durch die Kraft und Wirkung des Heiligen Geistes und des Wortes ausgerichtet hat. Sie stellen unter anderem fest, dass die Gläubigen das Geschenk des Heiligen Geistes noch nicht empfangen haben. Die große Freude in Samarien, die auch als Frucht des Geistes gesehen werden kann, ist verständlich für errettete Menschen, doch laut Kontext bezog sie sich mehr auf die Erfahrungen durch Wunderheilungen und Befreiungen von Dämonen (Apg 8,8).
Erst durch Gebet und Händeauflegen der Apostel Petrus und Johannes empfangen die dortigen Gläubigen das Geschenk des Heiligen Geistes, so lesen wir in Apostelgeschichte 8,15-17: „Die (Apostel) kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist.“
Spätestens hier entstehen bei uns eine Reihe von Fragen:
- Warum haben die gläubigen Samariter die Gabe des Heiligen Geistes nicht bei ihrem Gläubig werden empfangen?
- War Philippus als Evangelist nicht befähigt, die Unechtheit des Glaubens bei Simon dem Zauberer zu durchschauen?
- Oder war vielleicht gerade das noch Festhalten an diesem Zauberer Simon, der sie lange bezauberte, der Grund dafür, dass der Heilige Geist bei den Gläubig gewordenen nicht einziehen konnte und wollte?
- Oder bedurfte es im Falle der Samariter (halbheidnisches Neuland, dazu Feinde der Juden) die Gegenwart und Autorität der Apostel, durch welche der Heilige Geist eindeutig die Annahme dieser Volksgruppe bestätigen und hervorheben wollte?
Möglich, dass alle diese Aspekte eine Rolle gespielt hatten.
Auf was sollten wir achtgeben bei Neubekehrten oder Neugründungen von Gemeinden? Es scheint klar zu sein, dass Philippus als `Einzelgänger` zwar einige für die Evangelisation wichtige und wunderbare Charismen hatte, dass er aber die Schalkheit/Falschheit des Zauberers Simon nicht durchschaut hatte. Die Gabe zur Unterscheidung der Geister und zur Klärung der Echtheit des Glaubens unter den Samaritern war bei Petrus und Johannes offensichtlich vorhanden, wie auch folgende Bibelstellen bestätigen: Apg 5,1-11; 1Joh 4,1-4.
Folgendes kann festgehalten werden:
- Der Heilige Geist wirkt nicht immer nach dem gleichen Schema und dafür gibt es für ihn Gründe.
- Der Heilige Geist sorgte dafür, dass in Samarien eine feste und echte Glaubensgrundlage gelegt wurde.
- Der Heilige Geist sorgte dafür, dass die Anerkennung der Samariter durch die gläubig gewordenen Juden in Jerusalem sichergestellt wurde, denn dies hatte weitreichende Auswirkungen. Die an Jesus Christus gläubigen Samariter sind nun anerkannt als vollwertige Gotteskinder und gehören zu Gottes Volk dem geistlichen Israel.
- Sicher beschenkte der Heilige Geist die gläubig gewordenen Samariter mit Gaben, da diese jedoch nicht erwähnt werden, liegt auf ihnen auch nicht der Schwerpunkt, sondern die Erlösung und auch der Empfang des Heiligen Geistes stehen im Vordergrund.
Auf den ersten Blick scheint es, dass die Apostel und Philippus ihre Mission in Samaria abrupt beendet hätten, doch folgende kurze Bemerkung lässt nicht nur auf eine Nacharbeit schließen, sondern auch auf die Verkündigung des Evangeliums auf dem Rückweg nach Jerusalem: „Als sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie wieder um nach Jerusalem und predigten das Evangelium in vielen Dörfern Samarias“ (Apg 8,25). Noch Jahre später blühten die Gemeinden in Samarien (Apg 9,31; 15,3).
Sicher gaben die beiden Apostel Bericht der Gemeinde in Jerusalem und somit wurden die Gläubigen aus Samarien auch aufgenommen zum geistlichen Volk Gottes.
Praktische Anwendung:
· Gerade bei Evangelisationen durch begabte Mitarbeiter ist Überprüfung, Nacharbeit und Festigung der Gläubig gewordenen durch weiterführende Gaben (Begabte) unerlässlich (Apg 11,24-26).
· Auch wenn der Heilige Geist den Philippus in seinem Dienst segnete, bleibt doch das Prinzip der `zwei Zeugen`, wie Jesus es bei seinen Jüngern für den Missionsdienst eingeführt hatte, in Kraft und sollte auch heute noch eingehalten werden (Mk 6,7; Lk 10,1; Petrus und Johannes, Barnabas und Saulus).
2.2 Wie wirkte der Heilige Geist durch Philippus auf seiner Rundreise durch Judäa?
Nach großartigen Wirken des Heiligen Geistes in Samaria wird dem Evangelisten Philippus eine neue Aufgabe gegeben. Lukas schreibt: „Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. 27 Und er stand auf und ging hin“ (Apg 8,26-27a). Ungewöhnliches erlebt Philippus, ein Engel des Herrn gibt ihm Anweisung aufzustehen und nach Süden zu gehen. Damit ist sein Dienst in Samarien zu Ende. Gott wird andere Menschen berufen, die die neu gegründete Gemeinde versorgen werden.
Nun folgt eine längere Geschichte über einen einzelnen Mann, der aus einem fernen Land gekommen war um in Jerusalem Anzubeten und sich auf seinem Rückweg befand. Warum der Äthiopier diese einsame Route nach Gaza wählte, wird nicht begründet, doch bot diese Strecke neben Gefahren auch Ruhe nach den Erlebnissen in Jerusalem. Auf jeden Fall war dies die geeignetste Variante für das Studium der Schriftrolle des Propheten Jesaja und auch für das bevorstehende Gespräch.
„Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. 28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja“ (Apg 8,27b-28). Der Text, den er las ist identisch mit dem griechischen Text der LXX. Somit fand auch das folgende Gespräch zwischen Philippus und dem Kämmerer in der griechischen Sprache statt. Die hohen Regierungsbeamten jener Zeit außerhalb Israels besaßen zwar gute Bildung, waren jedoch sehr oft Eunuchen. Nach 5Mose 23,2 war es untersagt einem Entmanntem oder Verschnittenem (Eunuchen) in die Gemeinde des Herrn zu kommen.
Doch in Jesaja 56,3-5 lässt Gott sagen: „Und der Fremde, der sich dem HERRN zugewandt hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich scheiden von seinem Volk. Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum. 4 Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, 5 denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll. “ (dazu auch die Verse 6-8).
Auf diesem Hintergrund bekommt diese Geschichte einen besonderen Stellenwert und Lukas widmet ihr viel Raum.
Lukas fährt fort: „Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Jetzt bekommt Philippus eine Anweisung direkt vom Heiligen Geist. „Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? 31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.“ (Apg 8,29-31). Eine treffende Frage und er bekommt eine Mitfahrgelegenheit auf einer Luxuskarosse. „Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. 33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.« 34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?“ (Apg 8,32-34). Was für eine Vorlage für Philippus!
Dann folgt die Auslegung und Anwendung der Schriftstelle aus Jesaja 53,7-8. Dies ist Evangelisation von Mann zu Mann und es folgte eine detaillierte Verkündigung des Werkes der Erlösung durch Jesus Christus als dem Lamm Gottes (Lk 24,45-47; Mt 28,18-19). Es ist nicht Philippus, der auf eine Bekehrung und Taufe drängt, sondern der Kämmerer. Ja noch mehr: Philippus vergewissert sich, ob der Kämmerer auch alles begriffen hat und ob er von ganzem Herzen glaubt.
Anmerkungen:
· Es ist ein treffendes Beispiel, wie man mit Menschen aufgrund alttestamentlicher Texte das Evangelium erklären kann.
· Achten wir auch sorgsam auf das Wirken des Heiligen Geistes, denn nur er kann überzeugen und überführen, wir sind beauftragt zu bezeugen.
· Unterlassen wir es auch nicht über die Taufe zu sprechen, nachdem wir von der Notwendigkeit des Umdenkens und der Umkehr zur Vergebung der Sünden gesprochen haben, ebenso von dem Geschenk des Heiligen Geistes (Apg 2,37-38; 3,19; 8,12; 22,16).
Die Taufe wurde im Wasser des Mittelmeeres durchgeführt. Mindestens der Kutscher wurde Zeuge dieses Gesprächs und der Taufe (Apg 8,38). „Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich. 40 Philippus aber fand sich in Aschdod wieder und zog umher und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.“ (Apg 8,39-40). Die Bemerkung, dass der Geist Philippus entrückte, ist auffällig und nicht einfach zu verstehen. Das griechische Verb könnte in diesem Fall mit rückte hinweg übersetzt werden, so dass der Kämmerer ihn nicht mehr sah, doch dies minderte nichts an seiner Freude und er zog seine Straße auf der Via Maris fröhlich in Richtung Süden über Aschkelon, Gaza und weiter über Ägypten in sein Heimatland.
Ergebnis: Die frühchristlichen Zeugnisse in Äthiopien lassen den Schluss zu, dass das Evangelium durch diesen Kämmerer in Äthiopien Verbreitung fand.
Zwei Anmerkungen:
· Die geographische Bemerkung des Lukas: „Philippus aber fand sich in Aschdod wieder“, könnte Aufschluss darüber geben, wo in etwa die Taufe stattfand, nämlich südlich von Aschdod.
· Zu Beginn der Begegnung mit dem Kämmerer sprach der Geist zu Philippus und zum Abschluss seines evangelistischen Dienstes handelt der Geist des Herrn an ihm und weist ihm damit die weitere Richtung.
Das Philippus mit seiner evangelistischen Tätigkeit in Aschdod begann geht aus folgendem Text hervor: „und er fand sich in Aschdod und zog umher (durchziehend) und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.“ (Apg 8,40). Von Aschdod aus in nördlicher Richtung lag die in 2Chr 26,6 erwähnte Stadt Jabne (heute Jamnia) und weiter nördlich die Hafenstadt Joppe/Jaffa (Jona 1,3) in denen nach obigem Text Philippus ebenfalls evangelisierte, denn als Petrus nach einiger Zeit nach Joppe gerufen wurde, gab es dort bereits Jünger (Apg 9,38).
Nördlich von Joppe lag eine weitere Stadt Namens Apollonia, die er durchziehen musste, um nach Cesarea zu kommen. Denn es liegt in der Natur eines Evangelisten, jede sich ergebende Situation zu nutzen, um die Frohbotschaft zu verkündigen. In Cesarea ließ Philippus sich nieder, was aus dem Text in Apostelgeschichte 22,8 hervorgeht. Paulus erlebt viele Jahre später mit seinen Begleitern im Hause des Philippus gastliche Aufnahme. Vermutlich hatte er irgendwann nach seiner Ankunft in Cesarea geheiratet und zum Zeitpunkt des Besuches von Paulus (58) hatte er vier Töchter, die alle prophetisch redeten.
Damit veränderte sich der Dienst des Philippus von einem Tischdiener über einen Reiseevangelisten zum sesshaften Gemeindemitarbeiter (Ältesten), der seiner Familie gut vorstand (1Tim 3,4; Tit 1,6).
2.3 Wie wirkte der Heilige Geist in Damaskus vor und während des Aufenthaltes von Saulus?
Wir wollen nicht übersehen oder gar überspringen, was Christus im fernen Damaskus der Hauptstadt von Syrien gewirkt hat. Seit Jahrhunderten lebten dort viele Juden, was zusätzlich durch die Mehrzahl der genannten Synagogen begründet werden kann (Apg 9,20). Bereits in Matthäus 4,24 wird vermerkt, dass die Kunde von Jesus bis nach Syrien gedrungen war, dies schloss natürlich auch die Alte Stadt Damaskus ein. Diese stand zwar seit 64 v.Chr. unter römischer Oberhoheit, wurde jedoch zu dieser Zeit vom König der Nabatäer Aretas dem IV. verwaltet.
Wie kam das Evangelium in diese etwa 300 km entfernte Stadt Damaskus?
1. Möglich, dass die erste Informationswelle durch die jüdischen Pilger, welche das Pfingstwunder in Jerusalem erlebten, nach Damaskus kam.
2. Im Zuge der Verfolgung in Jerusalem durch Saulus, konnte das Evangelium entweder durch die Flüchtlinge oder andere Personen auch nach Damaskus gebracht und unter den dort lebenden Juden verkündigt worden sein (Apg 9,13).
In der Regel waren die jüdischen Synagogen dem Evangelium zunächst offen, doch erst als Saulus der Verfolger des Neuen Weges auch nach Damaskus kam, entstand Unruhe. Er selbst hielt sich im Gebet und Fasten drei Tage bei einem Judas in der sogenannten Geraden Straße auf, aber seine Begleiter verbreiteten in den Synagogen (unter den Synagogenvorstehern) den Verfolgungsplan. Dieser beinhaltete: „dass er Anhänger dieses Weges, Männer und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe.“ (Apg 9,2.14).
Diese Informationen gelangten auch zu dem Jünger Ananias, einem frommen Mann nach dem Gesetz, der hatte einen guten Ruf bei allen Juden die dort wohnten (Apg 22,12). So schreibt Lukas: „Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr (in einem Gesicht-orama) und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet und hat in einer Erscheinung (Gesicht-orama) einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und ihm die Hände auflegte, dass er wieder sehend werde. Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen. Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel.“ (Apg 9,10-15).
Hier erfüllte sich, was durch den Propheten Joel prophezeit wurde, nämlich „eure Jünglinge sollen Gesichte sehen“, was bei Hananias und auch bei Saulus zutraf. Der Begriff `orama` ist im Vergleich zu Panorama-Rundsicht, nur ein kleiner Blickwinkel, eine Einsicht in eine konkrete Situation wie es bei Ananias und Saulus der Fall war (Joel 3,1ff; Apg 2,17-18).
„Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: geliebter Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. 18 Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen“ (Apg 9,16-18; ergänzend dazu 22,16). Die Wiederherstellung des Sehvermögens durch Handauflegung des Ananias bei Saulus geschah Kraft des direkten Auftrages des Herrn .
Die genannten Aspekte bei seiner Umkehr aus allen drei Berichten in der Apostelgeschichte sind:
· Erkenntnis über seinen falschen Gottesdienst: „Als wir aber alle zu Boden stürzten, hörte ich eine Stimme zu mir reden, die sprach auf Hebräisch: Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ (Apg 26,14).
· Die Frage von Jesus bewirkte in ihm die Bereitschaft zum Umdenken und Umkehren: „Was soll ich tun Herr!“ (Apg 22,10).
· Durch Handauflegung des Ananias wurde er wieder sehend (Apg 9,12).
· Er kam der Aufforderung des Ananias nach: „Und nun was zögerst du; steh auf lass dich taufen und abwaschen deine Sünden, indem du den Namen des Herrn anrufst.“ (Apg 22,16).
· Er wurde erfüllt mit dem Heiligen Geist (Apg 9,17; Eph 1,13).
Und was macht Saulus nun? „Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus“, wahrscheinlich in Hausgemeinschaften. Dort konnte er durch die Vermittlung des Ananias Eingang finden und Vertrauen gewinnen. Denn zuerst schuldete er den Jüngern Rechenschaft und Erklärung über seine Umkehr.
„20 Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei. 21 Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hier hergekommen, dass er sie gefesselt zu den Hohenpriestern führe? 22 Saulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, dass dieser der Christus ist.“ (Apg 9,19-22). Lukas beschreibt das Entsetzen der Juden und hebt zwei zentrale Wahrheiten hervor:
1. Jesus ist Gottes Sohn (Ps 2,6f mit Apg 13,33; Ps 110,1; Spr 30,4).
2. Jesus ist der Christus/Gesalbte (Ps 16,8-10; Jes 42,1ff; 61,1-2).
Saulus kannte die Heiligen Schriften sehr gut und nun konnte er sie durch die Offenbarung von Jesus und das Wirken des Heiligen Geistes in seiner Verkündigung auf Jesus anwenden. Seine herausfordernde Art stieß auf Widerstand bei den Juden in den Synagogen. Vielleicht wurden auch einige der Synagogenbesucher für den neuen Glauben gewonnen, doch die Mehrheit stellte sich gegen ihn. Für die Gläubigen war das mutige und kraftvolle Auftreten des Saulus auf jeden Fall eine Ermutigung und auch Bestätigung für die Echtheit seiner Umkehr.
· Im Galaterbrief ergänzt Paulus, dass er von Damaskus aus zunächst nicht nach Jerusalem, sondern nach Arabien ging und wieder zurückkehrte nach Damaskus. Er setzte seine Verkündigungstätigkeit in der Stadt fort. Doch erst nach drei Jahren (gezählt von seiner Bekehrung) verließ er endgültig Damaskus durch eine seltsame Rettungsaktion, wie sie Lukas beschrieben hatte und Paulus Jahre später erwähnte. Die dortigen Jünger bildeten den Schutz-Kreis für Saulus in der Zeit seiner Aufenthalte in Damaskus.
Und so kam es: „ Und nach vielen Tagen hielten die Juden einen Rat, dass sie ihn töteten. Ihr Plan aber wurde Saulus bekannt. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten.Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab.“ (Apg 9,23-25; 2Kor 11,33).
Vorsichtig stellen wir die Frage: War Saulus im Eifer des Gefechts für Christus zu forsch vorgegangen, denn Lukas erwähnt keine Erweckung durch seine Verkündigung? Nein, sein Vorgehen entsprach seinem Eifer, mit dem er die Gläubigen zuvor in Jerusalem verfolgte. Hören wir die Vermittlungsbemühung des Barnabas an und seine Bewertung des Auftretens von Saulus in Damaskus: „Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, dass er ein Jünger wäre. 27 Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und dass der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt habe. 28 Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen.“ (Apg 9,26-28). Bemerkenswert ist die Haltung und Einsicht von Barnabas im Blick auf Saulus. Nicht ohne Grund gaben die Apostel ihm den Beinamen Bar-Nabas, was bedeutet: Sohn des Trostes.
Wie in Damaskus, so auch in Jerusalem schuldete er zunächst den Gläubigen Rechenschaft über seine Berufung und Umkehr durch Jesus. Erst danach trat er in die Öffentlichkeit: „Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten. 30 Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter nach Tarsus.“ (Apg 9,29-30).
Ergebnisse und Schlussfolgerungen:
· Von Bekehrungen in Damaskus durch den Verkündigungsdienst des Saulus gibt Lukas keinen Hinweis.
· Auch in Jerusalem stieß Saulus in der Auseinandersetzung mit den Hellenisten auf heftigen Widerstand, so dass diese ihn töten wollten. Sein öffentliches und mutiges auftreten machte jedoch allen klar, dass er die Fronten gewechselt hatte.
· Eine weise Entscheidung der Brüder in Jerusalem, den Saulus in seine Heimatstadt zu senden ist bemerkenswert, die spätere Entwicklung wird diese Handlungsweise bestätigen.
· Die Lebenswende des Saulus in Damaskus brachte zum einen die Verfolgung der Gläubigen zum Stillstand und zum anderen leitete sie die Heidenmission im großen Stil ein.
Lukas schließt diese Etappe der Gemeindeentwicklung ab mit der Zusammenfassung: „So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes.“ (Apg 9,31). Dieser letzte Satz ist bemerkenswert, denn nach der weisen Vorgehensweise der Apostel, ebbte die Verfolgung ab und die Gemeinde mehrte sich weiter durch den Beistand des Heiligen Geistes.
Anmerkung: Die Gemeinde (hier in der Einzahl) die alle Gläubigen umfasste und einschloss (Judäa, Galiläa und Samarien).
Diese Entwicklung im Land Israel kann nur auf dem Hintergrund der Ereignisse davor – Verfolgung durch Saulus und seine Umkehr, sowie seine Entsendung nach Tarsus richtig eingeordnet werden.
In Christus und durch den Heiligen Geist in Einbeziehung der Jünger, entfaltete Gott seinen Plan mit der Gemeinde. Er gewann an allen Fronten: Sowohl in den Zeiten der Verfolgung als auch in Zeiten des Friedens. Die summarische Nennung von Judäa, Galiläa und Samarien bildeten das Kernland Israel und so begann Gott sein Versprechen zu erfüllen, welches er durch den Propheten Hesekiel zugesagt hatte, nämlich das Nordreich und Südreich unter dem Einen Hirten und König (welcher ist Jesus Christus) zu vereinen, nachdem er eine geistliche Erweckung bewirkte (Hes 36,25-27; 37,1-15 und 16 bis Ende).
2.4 Wie wirkte der Heilige Geist durch Petrus in Lydda?
Nach seinem Dienst zusammen mit Johannes in Samarien, kehrte er zurück nach Jerusalem. Dort werden sie (nach üblicher Praxis) der Gemeinde erzählt haben, was sie erlebten. Sie erkannten auch, dass durch die Zerstreuung das Wort des Evangeliums sich überall in Judäa ausbreitete ((Apg 8,1b.4). Sicher wurde Petrus vom Geist geleitet und in Absprache mit den anderen Aposteln zog er los, um nach den neugewonnenen Gläubigen zu sehen. Bei seinen Reisen durchs Land (die Provinz Judäa) kommt Petrus hinab zu den Heiligen in die etwa 40 km nordwestlich von Jerusalem gelegene Stadt Lydda (heute Lod). So berichtet Lukas: „Es begab sich aber, als Petrus überall im Land umherzog, dass er auch zu den Heiligen kam, die in Lydda wohnten. 33 Dort fand er einen Mann mit Namen Äneas, der hatte acht Jahre auf dem Bett gelegen, er war gelähmt. 34 Und Petrus sprach zu ihm: Äneas, Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mach dir selber das Bett. Und sogleich stand er auf.“ (Apg 9,32-34). Lukas hebt ausdrücklich den einmaligen Namen `Äneas` hervor. Er ist griechischen Ursprungs und kann mit der Lobenswerte übersetzt werden. Und in der Tat wird er Gott gelobt haben und die Umkehr von so vielen ist ein wahrer Lobpreis für Gott. Das Heilungswunder wird im Namen von Jesus Christus gewirkt, ohne dass Petrus ihn an der Hand ergreift, – er spricht nur, welche Vollmacht.
„Da sahen ihn alle, die in Lydda und in Scharon wohnten, und bekehrten sich zu dem Herrn.“ (Apg 9,35). Sicher war dieses Heilungswunder ein wichtiger Auslöser für die Aufmerksamkeit auf das Evangelium, welches Petrus im Detail verkündigte. Und Lukas betont ihre Umkehr zum Herrn, Auch wenn er davon schreibt, dass alle Bewohner von Lydda und Scharon diesen geheilten Mann sahen. Wie war so etwas möglich? Wenn wir überlegen, dass er acht Jahre nicht laufen konnte, dann hatte er nun die Fähigkeit all die Nachbarorte zu besuchen und Zeugnis davon geben, was Jesus an ihm gewirkt hatte (vgl. dazu die Reaktion des Geheilten Geraseners in Mk 5,19-20). Es waren viele, die gläubig geworden sind und man kann von einer flächendeckenden geistlichen Erweckung zu jener Zeit ausgehen. Scharon bezeichnet die fruchtbare Ebene zwischen Lod und dem Mittelmeer. So kam die Kunde von dieser Heilung auch nach Joppe, der alten Hafenstadt (Jona 1,3).
2.5 Wie wirkte der Heilige Geist durch Petrus in Joppe?
„In Joppe war eine Jüngerin mit Namen Tabita, das heißt übersetzt: Gazelle. Sie tat viele gute Werke und gab reichlich Almosen.“ (Apg 9,36). Noch bevor ihr hebräische Name Tabita und die Übersetzung ins Griechische `Dorkas` genannt werden, bezeichnet sie Lukas als `Jüngerin`, was für eine Frau einmalig ist im Neuen Testament. Sie folgte Jesus nach in Wort und Tat. Gazelle ist ein Lehnwort aus dem Arabischen und meint `Rehe`.
Tabita bewohnt ein Haus mit einer Dachterrasse (Obergeschoß), eine übliche Bauweise im Nahen Osten, wie aus vielen Texten hervorgeht (5Mose 22,8; 1Kön 17,19.23; Dan 6,11; Mt 24,17; Lk 22,12; Apg 1,13; 10,9). Sie gehörte demnach nicht zu den Armen in Joppe. Sie nähte Kleider, eine sehr wertvolle Tätigkeit, damit diente sie den Armen. Der Zusatz: „sie gab reichlich Almosen“ Unterstreicht ihre Einstellung zum Dienst an den Heiligen und auch darüber hinaus.
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass sie krank wurde und starb. Da wuschen sie sie und legten sie in das Obergemach.“ (Apg 9,37). In der Regel bestattete man damals wie heute in Israel die Verstorbenen noch am gleichen Tag. Anscheinend machen die vielen Witwen-Frauen so viel Aufsehens, dass die dortigen Jünger, zwei Männer nach Lydda schicken um Petrus zu rufen. Denn das Wunder an Äneas hat sich schnell in der Scharonebene (zu der auch die Hafenstadt Joppe gehörte) herumgesprochen.
„Weil aber Lydda nahe bei Joppe ist, sandten die Jünger, als sie hörten, dass Petrus dort war, zwei Männer zu ihm und baten ihn: Säume nicht, zu uns zu kommen! 39 Petrus aber stand auf und ging mit ihnen. Die Distanz von Lydda nach Joppe betrug etwa 16-18 Kilometer und konnte in 4-5 Stunden bewältigt werden. Und als er hingekommen war, führten sie ihn hinauf in das Obergemach und es traten alle Witwen zu ihm, weinten und zeigten ihm die Röcke und Kleider, die Tabita gemacht hatte, als sie noch bei ihnen war.“ (Apg 9,38-39).
Es ist naheliegend, dass die zwei Abgesandten Petrus den Grund ihres Besuches mitgeteilt hatten und daher ist es auch verständlich, dass er sich sofort mit ihnen auf den Weg nach Joppe machte. Er wird also vorbereitet gewesen sein auf das, was ihn dort erwartete. Und er traf dort auf eine Gruppe Frauen/Witwen, die weinten, so war es üblich bei Todesfällen. Denn Verlust von Tabita unterstrichen sie mit dem Hinweis auf die Kleider und Röcke, welche sie gemacht hatte und die sie vielleicht auch selbst trugen. Die zwei Bezeichnungen für Kleider und Röcke stehen für ein Untergewand und einen Mantel, der darüber getragen wurde.
„Und als Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabita, steh auf! Und sie schlug ihre Augen auf; und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf. 41 Er aber gab ihr die Hand und ließ sie aufstehen und rief die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebendig vor sie.“ (Apg 9,41). Es fällt auf, wie kurz und ohne Ausschmückung Lukas dieses Wunder beschreibt. Nach dem Vorbild seines Herrn, treibt Petrus alle weinenden und klagenden Witwen aus dem Dachgeschoß hinaus (ähnlich handelte auch Jesus nach Mk 5,40 bei der Auferweckung der zwölfjährigen Tochter des Jairusf). Dann kniet Petrus hin und betet, doch was er betet, bleibt verborgen. Erst danach wendet er sich dem Leichnam zu und befiehlt: „Tabita, steh auf“! Sie öffnete ihre Augen und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf. Er gab ihr die Hand und sie stand auf. Dann rief er die Heiligen und Witwen und stellte sie ihnen lebend vor. Es ist der einzige Bericht über eine Totenerweckung durch Petrus.
Dass Lukas die Witwen ausdrücklich Heilige nennt, bestätigt, dass bereits vor dem Besuch des Petrus jemand in der Stadt evangelisiert hatte. Und warum konnte es nicht Philippus gewesen sein (Apg 8,40)? Ist doch Petrus ihm auch nach Samarien hinterher und wird ihm auch nach Cesarea folgen.
„Und es geschah, dass Petrus einige Zeit in Joppe blieb bei einem Simon, der ein Gerber war.“ (Apg 9,43). Der Beruf von Simon als Gerber war nicht einfach aber nützlich und sicherte ihm ein Einkommen, wodurch er ein Haus am Meer unterhalten konnte und seine Hausgenossen versorgen. Dazu stellte er sein Haus Petrus für eine unbestimmte Zeit zur Verfügung mit Vollverpflegung- dies ist Gastfreundschaft pur (Röm 12,13; Hebr 13,2). Nach den Worten seines Meisters bekam Petrus immer und überall eine Unterkunft und Verpflegung (Mt 19,27).
Schlussfolgerungen und Ergebnisse:
· Tabita hatte gute Werke getan, indem sie andere mit Kleidern versorgte, was damals einen viel höheren Stellenwert hatte als es heute der Fall ist. Sie hat ihre erworbenen Fähigkeiten in den Dienst für Bedürftige gestellt. Sicher hat sie dies in der Gesinnung des Christus getan und war damit eine treue Verwalterin (Mt 25,21). Bewusst lässt der Heilige Geist Lukas diese Wohltäterin in seinem Bericht einen festen Platz einnehmen.
· „Und das wurde in ganz Joppe bekannt und viele kamen zum Glauben an den Herrn.“ (Apg 9,42). Das Wunder an ihr geschehen bewirkte Glauben an Jesus Christus bei vielen Menschen.
· Das der Heilige Geist durch Petrus solche Kraftwirkungen vollbrachte, ist offenkundig. Doch diese Beispiele machen deutlich, dass Gott Werke und Dienste, die der Ausbreitung des Reiches Gottes zur Verfügung gestellt werden, ihren geistlichen Wert haben, wie auch besondere übernatürliche Kraftwirkungen durch den Heiligen Geist und Gabenträger.
· Der Umstand, dass Petrus noch eine geraume Zeit in Joppe verweilte, kann auf die viele Nacharbeit zurückgeführt werden und dass er erst wieder aufbrach als er den nächsten Ruf empfing, was auch der Fall war.
2.6 Wie wirkte der Heilige Geist im Hause des Kornelius in Cesarea?
Eines Tages wird Petrus von Joppe nach Cäsarea zu Kornelius gerufen, einem römischen Offizier der Kohorte `Die Italische`. Kornelius führt den Titel `gr. ekatontarches`, somit unterstanden ihm bis zu einhundert Soldaten, von denen einige seine Frömmigkeit teilten.
An einem Nachmittag stieg Petrus hinauf um zu beten Dabei war er verzückt (gr. extasis) und hatte eine Vision (gr. örama – Gesicht, das Geschaute) in der Gott ihm zeigte, dass in seinen Augen und nach seiner Bewertung alle Menschen gleichwert sind (Apg 10,10-16). Vom Heiligen Geist bekommt Petrus die Anweisung mit den Abgesandten von Kornelius nach Cesarea zu gehen (Apg 10,19f).
Die Abgesandten von Kornelius übernachten in Joppe im Haus des Gerbers Simon und am darauffolgenden Tag ging Petrus mit ihnen und in Begleitung von sechs weiteren Brüdern aus Joppe, zu der etwa 50 km nördlich gelegenen Hafenstadt Cäsarea (Apg 10,12). Lukas schreibt: „Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea“. Die Hafenstadt Cesarea war der Sitz des römischen Statthalters samt einer römischen Garnison. „Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch. Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren.“ (Apg 10,23-27).
Mit der Ankunft in Cäsarea und ganz konkret mit dem Betreten des Hauses des Kornelius überschreitet Petrus (nach jüdischer Tradition) eine rote Linie. Er selbst sagt dazu: „Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden (allofylö – andersstämmigen) umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll.“ (Apg 10,28). Hier betritt Petrus nun zum ersten Mal heidnisches Terrain. Doch Gott hatte ihn zur rechten Zeit darauf vorbereitet und er kann mit Überzeugung sagen: „Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen?“ (Apg 10,29). Demnach wusste Petrus nicht, was ihn in Cäsarea erwartete, es war für ihn ein Glaubens- und Gehorsamsschritt.
„Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann (ein Engel) vor mir in einem leuchtenden Gewand und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.“ (Apg 10,30-33).
Anmerkung: Zeitangaben sind (neben Ortsangaben) keine Nebensächlichkeit. Vor vier Tagen am Nachmittag(etwa 15h) beim Gebet, bekam Kornelius Besuch von einem Engel. Während die Abgesandten Joppe erreichten, war auch Petrus um die sechste Stunde im Gebet und nach der Vision sprach der Heilige Geist zu ihm (Apg 10,12).
Schon lange vorher hat Gott diese Menschen für seine Heilsbotschaft vorbereitet. „Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“ (Apg 10,34-35). Eine fundamentale Wahrheit wird hier von Petrus erkannt und ausgesprochen! Und diese ist richtungsweisend für die weitere Mission unter Nichtjuden (Apg 15,7ff).
Und nun beginnt Petrus mit der Predigt: „Er (Gott) hat das Wort dem Volk (den Söhnen) Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen (Jes 53,10-12; Jer 31,31-34; Joh 1,29). Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.“ (Apg 10,36-44).
Etwas ganz Unerwartetes und Ungewöhnliches geschieht während der Predigt des Petrus: in dem Augenblick, als er von der Vergebung der Sünden im Namen Jesu Christi spricht, erfüllt der Heilige Geist die Herzen der Anwesenden (die dem Wort zuhörten) im Haus des Kornelius, und zwar gleichzeitig. Beachten wir, dass Petrus die Worte `denkt um und kehrt um` in seiner Predigt nicht erwähnt hatte, er betonte nur das Unentbehrliche, nämlich den Glauben an Jesus. Laut den einleitenden Worten des Kornelius waren sie alle von vornherein bereit, auf alles zu hören, was Petrus ihnen im Namen des Herrn sagen wird. Hier erfüllte sich das Wort: „So kommt der Glaube durch das Hören“ auf Gottes Wort (Röm 10,17).
Und sie waren laut der Aussage des Petrus: „Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist“ über die Geschichten von Johannes und Jesus wohl informiert, vielleicht sogar über das Geschehen am Kreuz auf Golgatha durch jene römischen Soldaten und den Hauptmann, die dort dabei waren (Lk 23,47). So konnte der Heilige Geist während der Verkündigung in ihnen Sinneswandlung, Umkehr und den Glauben an Jesus Christus bewirken. Dies alles und die persönliche innere Bereitschaft waren die Voraussetzungen für die Reinigung ihrer Herzen durch den Glauben und den Einzug des Geistes in ihre Herzen (Apg 15,9; 2,37-38). Die Wassertaufe, so dieser Bericht, ist jedoch keine Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Geistes.
Selbst Petrus und insbesondere die sechs jüdischen Begleiter aus Joppe sind überrascht und erstaunt, dass für Menschen nicht- jüdischer Herkunft das Geschenk des Heiligen Geistes, also der Geist selbst, gegeben wurde. Zu erkennen war dies an der Äußerung des Geistes durch das Reden der gläubig gewordenen in anderen Sprachen. So lesen wir: „Und die Gläubigen aus den Juden (aus der Beschneidung), die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden das Geschenk des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten, dass sie in Zungen (glössais – Sprachen) redeten und Gott hoch priesen (machten Gott groß).“ (Apg 10,45-46).
Im Vergleich zu dem Sprachenwunder am Pfingsttag, ist hier die Herkunft der Sprachen nicht genannt, obwohl es sich auch hier nach dem gesamten Kontext um differenzierte menschliche Sprachen gehandelt hatte. Der Inhalt muss ähnlich gewesen sein, wie damals, weil es heißt: „sie machten Gott groß“. An Pfingsten hieß es: „sie redeten von den Großtaten Gottes“. In beiden Fällen ist diese Sprachenäußerung „Gott verherrlichend“, also zu Gott hingewandt, aber für die Anwesenden (Petrus und seine Begleiter) ist es ein Weissagen (prophetisches Reden – Joel 3,1ff; Apg 2,17-18).
Alle seine Verwandten und Freunde lud Kornelius zu diesem Treffen ein, Frauen, Jugendliche und Kinder nicht ausgeschlossen (Apg 10,24b; Mt 14,21; 15,38; 19,14; Joh 6,9).
Wir wollen an dieser Stelle auf folgende Bemerkung achtgeben: „Und die gläubig gewordenen Juden (aus der Beschneidung), die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden das Geschenk des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.“ Bis dahin konnten die Gläubigen aus den Juden und bis vor kurzem sogar selbst Petrus nicht glauben, dass das Heil in Christus und die Verheißung des Heiligen Geistes auch für die Nichtjuden vorgesehen ist. So war auch hier die Sprachengabe des Geistes unter anderem ein Zeichen, ein Hinweis besonders für die anwesenden Juden, die bis dahin nicht glauben/wahrhaben wollten, dass Gott auch den Heiden Umdenken zum Leben gegeben hat (Apg 11,18). Als Petrus später nach Jerusalem zurückkehrte, konnten er und die sechs Brüder, welche ihn begleiteten, diese Heilstatsache glaubhaft begründen (Apg 11,12).
„Da antwortete Petrus: Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir? Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi.“ (Apg 10,47-48). Petrus selbst taufte nicht, dies taten auf seine Anweisung seine jüdischen Begleiter. Getauft wurde entweder in dem hauseigenem Bassin oder im Meer. Auf Wunsch des Kornelius und der neu gewonnenen Gläubigen blieb Petrus und seine Begleiter noch einige Tage dort. Doch dann ging er mit seinen Begleitern wieder zurück nach Jerusalem, wohl ahnend, dass er dort sein Handeln in Cesarea erklären muss.
So entstand die erste heidenchristliche Gemeinde in Judäa durch Mitwirkung eines Apostels.
Jahre später (etwa 48) bei der Apostelversammlung in Jerusalem erinnert Petrus daran: „Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisst, dass Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten. Und Gott, der die Herzen kennt, hat es bezeugt und ihnen den Heiligen Geist gegeben wie auch uns, und er hat keinen Unterschied gemacht zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.“ (Apg 15,7-9). Auf diese Weise benutzte Gott den Petrus, der als Säule (Autorität) in der Gemeinde angesehen wurde und machte ihn zum Bahnbrecher für die künftige Heidenmission.
Schlussfolgerungen:
- Die Gabe des Redens in anderen (menschlichen) Sprachen/Dialekten kann den Empfang des Heiligen Geistes bestätigen, wie diese Begebenheit zeigt. Der Heilige Geist grenzt sich jedoch nicht auf diese eine Gabe ein, sondern teilt einem jeden eine Gabe oder Gaben zu, wie er will und auch wann er es für notwendig hält (Apg 8,17; 13,2; 1Kor 12,11).
- Die Äußerung des Heiligen Geistes in anderen Sprachen/Dialekten, ist ein besonderes Zeichen für die Juden, denn dadurch bestätigt der Heilige Geist in deren Anwesenheit, dass das Heil Gottes in Jesus Christus allen Nationen gilt und dass die Juden sogar in der Pflicht sind, ihre geistlichen Güter mit den Heiden zu teilen (Mt 28,18-19; Röm 15,27).
- Man kann davon ausgehen, dass es bereits in den dreißiger Jahren in Cesarea 2 Hausgemeinden gegeben hatte und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Philippus mit Kornelius Gemeinschaft hatten.
Aktualisiert am 11. September 2026