1. Frage: Mein Kind, was hast du uns angetan?

Diese Frage stellte Maria ihrem 12-jährigen Sohn Jesus. Denn drei Tage suchte sie (zusammen mit Josef)  ihren Sohn, sie fanden ihn schließlich im Tempel. Es ist der Eltern Alptraum, ihr Kind auf einem Festival im Gedränge aus den Augen zu verlieren. Es scheint auch wenig hilfreich zu sein, einem Kind Vorwürfe zu machen, denn bis zu einem gewissen Alter haften die Eltern für ihre Kinder.

Die erste Reaktion der Eltern war Entsetzen als sie ihn im Kreis der theologischen Elite im Tempel antrafen.

Abbildung 1 Modell des Herodianischen Tempels auf dem Gelände des Holyland Hotels in Jerusalem (Foto: April 1986 ).

Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, was hast du uns angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? (Lk 2,48-49).

Konflikte zwischen Eltern und Kindern, besonders im Teenageralter, sind unausweichlich. In dieser Geschichte bahnte sich ein Konflikt an, der ein bestimmtes Muster erkennen lässt. Beide Seiten sprechen ihren Standpunkt aus und begründen ihn. Es entsteht eine art Pattsituation, denn beide haben für sich Recht, bzw. jeder könnte dem anderen etwas vorwerfen. Die Eltern haben ihre Aufsichtspflicht verletzt, der Sohn hat sich nicht abgemeldet. Würden nun beide Seiten auf ihrer Position verharren, gäbe es so schnell keine Lösung des Konflikts. In diesem Fall aber nimmt der zwölfjährige Jesus Rücksicht auf den Standpunkt seiner Eltern Er unterordnet sich ihnen und lebt die nächsten 18 Jahre im Elternhaus in Nazareth zusammen mit weiteren sechs Geschwistern. In dieser Zeit erlernt er bei Josef den Beruf des Baumeisters und hilft mit, die Familie zu versorgen.

Abbildung 2:  Nazareth, bei den Ausgrabungen wurden verschiedene Werkzeuge gefunden (Foto am 24. Januar 2019).

Dies erweist sich für ihn als eine wertvolle Schule. So heißt es anschließend von ihm: „Er nahm zu an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen“. Damit war er auch in Nazareth auf eine besondere und praktische Weise im „Hause seines Vaters“.  Diese Erfahrungen bildeten eine gute Grundlage für seinen späteren Dienst in der Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes. Seine Predigten und Gleichnisreden widerspiegeln die vielseitigen praktischen Erfahrungen. Und er sollte noch oft genug im Tempel Gelegenheit bekommen mit der theologischen Elite ins Gespräch zu kommen. Mit seinem rücksichtsvollen Verhalten trug Jesus dazu bei, dass auch Maria, seine Mutter, ihrerseits über seinen Standpunkt nachgedacht hat und die Aussagen ihres Sohnes in ihrem Herzen bewegte und bewahrte.

Wie diese einzigartige Geschichte zeigt, sind Konflikte oft nicht zu vermeiden, sie sind jedoch lösbar.

Nächste Frage-Antwort folgt in wenigen Tagen

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1 Antwort zu 1. Frage: Mein Kind, was hast du uns angetan?

  1. Ernst Rudolf Schlamp sagt:

    Diese Frage „Mein Sohn, was hast du uns das getan“
    ist sehr gut mit Musik ausgedrückt worden durch Herrn Schütz

    https://www.youtube.com/watch?v=Y4M52V_YkWs

    Symphoniae sacrae III, Op. 12: No. 4, Mein Sohn, warum hast du uns das getan, SWV 401

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