22. Frage: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Diese Frage stellte Johannes der Täufer Jesus, nach etwa acht Monaten Gefängnisaufenthalt. Der Ev. Matthäus schreibt: „Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger und ließ ihm sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt. Und glückselig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ (Mt 11,2-6).

Wir erinnern uns daran, dass Johannes Jesus bei dessen Taufe als den Christus erkannte und vor dem ganzen Volk bezeugte. Umso mehr erstaunt es, dass er jetzt fragt: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Bekannt ist uns, dass manche Fragen das wahre Motiv verbergen. Aus der Antwort von Jesus können wir jedoch erkennen, was der eigentliche Grund für diese Frage war. Jesus lässt Johannes ausrichten: „Glückselig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“. Im Griechischen steht für `Anstoß` das Verb `σκανδαλισθῇskandalistth¢ `. Es bedeutet in diesem Zusammenhang: sich am Verhalten von Jesus (wie an einem Stein) stoßen, sich über Jesus ärgern, in Jesus enttäuscht sein, mit seinem Verhalten unzufrieden sein. Johannes ärgerte sich über Jesus, weil der seiner Erwartung nicht entsprach. Gerade weil er hört, dass Jesus allen anderen hilft, fühlt er sich von Jesus im Stich gelassen, Er bekommt keinen Besuch, keinen Gruß oder Zuspruch. Wer hält es lange durch? So kann seine Enttäuschung erklärt werden. Doch Jesus weis um das Geschick des Propheten.  Vor dem versammelten Volk hebt Jesus die herausragende Berufung  von Johannes hervor (Mt 11,7-19). Es ist anzunehmen, dass Johannes Jesus verstanden hat. Kurz danach erlitt er durch Herodes Antipas den Märtyrertod.

Die Aussage von Jesus an Johannes ist auch für uns heute eine Herausforderung zum Vertrauen und damit zum geduldigen Ausharren in schwierigen Lebenssituationen. Jesus lässt niemand im Stich, denn er versprach: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Darum, „Glückselig, wer sich nicht ärgert über Jesus“.

 

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