Die Begegnung mit dem Auferstandenen am 8. Tag

11.3 Die Begegnung mit dem Auferstandenen am 8. Tag

(Bibeltext: Joh 20,24-30)

 

Der Evangelist Lukas schreibt in seinem zweiten Bericht, der Apostelgeschichte: „Ihnen (den Jüngern) zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.“ (Apg 1,3).

Drei wichtige Punkte hebt der Evangelist hervor:

  1. Jesus zeigte sich seinen Nachfolgern vielmals, auf unterschiedliche Weise, und an verschiedenen Plätzen in einem Zeitraum von 40 Tagen.
  2. Er zeigte sich durch vielerlei Beweise als der Lebendige.
  3. Sein Thema war – das Reich Gottes.

Wir müssen uns jedoch auf die von den Evangelisten festgehaltenen Aufzeichnungen beschränken. Das zweite Treffen mit seinen Jüngern als Gruppe fand gerade eine Woche nach der Auferstehung statt. Wieder sind die Jünger in einem verschlossenen Raum zusammen, wahrscheinlich in Jerusalem. Diesmal ist auch Thomas der Zwilling dabei, der am Abend vor acht Tagen aus einem nicht genannten Grund fehlte. Auch diese Begegnung überliefert nur der Evangelist Johannes:

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20,24-30).

Es fällt geradezu auf, dass die Evangelisten ganz reale Erlebnisse mit Jesus aufgeschrieben haben. Die Begegnung mit Jesus wird nicht glorifiziert, die Aussagen nicht übertrieben, die Schwachpunkte der Jünger nicht verschwiegen.

Für die Jünger gilt wieder oder immer noch die höchste Sicherheitsstufe, sie befürchten, dass der Sanhedrin sie sucht, was höchstwahrscheinlich gar nicht der Fall war. Solange die Jünger sich nicht zeigten, galten sie in der offiziellen Stellungnahme der Hohenpriester als Flüchtig mit dem Leichnam Jesu. Den Hohenpriestern wäre es also gar nicht eingefallen, die Jünger bzw. den Leichnam Jesu bei den Jüngern zu suchen, wussten sie doch, dass diese ihn nicht entwendet haben konnten. Immerhin glaubten sie den Aussagen der Soldaten, welche von ungewöhnlichen Ereignissen berichteten:

  • Helles Licht, einem Blitz gleich leuchtete auf,
  • Erdbeben, das wie auch beim Tod von Jesus, die Felsengräber erschütterte,
  • Die sonst furchtlosen Soldaten fielen zu Boden und waren wie tot, – eine bestimmte Zeit Handlungsunfähig).

Thomas, der Zwilling genannt wurde, stellte die von seinen Mitjüngern gehörten Geschichten nicht nur in Frage. Er sagt ihnen: „ich werde es nicht glauben“. Er ist also nicht der Zweifler, der unsicher ist, sondern in diesem Fall der Ungläubige. Doch was tut Jesus nicht alles, um auch noch den Letzten von dessen Unglauben zu überführen und überzeugen? Er bekommt nun einen extra Beweis durch den plötzlichen Besuch von Jesus. Es scheint so, als ob Jesus gerade seinetwegen dieses Treffen vorgesehen hätte, da ja fast das gesamte nachfolgende Gespräch sich um diesen Jünger drehte.

Doch zuerst kommt der schon bekannte Gruß von Jesus: „Friede sei mit euch“. Welch ein Gruß! In ihm ist eigentlich alles enthalten, was die Jünger benötigten, ihnen in der gegenwärtigen Situation jedoch fehlte – Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit, Glaube, Mut, Gemeinschaft. Nun ist er wieder da unter ihnen und mit seiner Gegenwart ändert sich die Stimmung der Jünger schlagartig. Die Reaktion ist nicht mehr, wie bei der Begegnung am ersten Tag. Jetzt kommen nicht mehr Gefühle der Furcht und Gedanken des Zweifels in ihnen auf.

Dann wendet sich Jesus an Thomas und fordert ihn auf zu tun, was er als Beweiß erwartete und seinen Unglauben aufzugeben. Jesus hatte mitgehört, was Thomas aussprach.

Als aber Thomas die Nägelmale in den Händen und Füßen von Jesus sieht, auch die Narbe an seiner Seite, ist er so sehr überwältigt, ja, von dem stolzen ungläubigen Gehabe ist nichts mehr zu spüren und er ruft voller gläubigen Staunens aus: „Mein Herr und mein Gott“. Jesus nimmt diese Ehrung von Thomas an, denn er ist in Wahrheit HERR und er ist GOTT! Jesus liegt viel daran klarzustellen, wie Gott den Glauben bewertet, was er eigentlich erwarten könnte – einen Glauben ohne Beweise liefern zu müssen. Darum die Seligpreisung all derer, die ohne Bedingungen zu stellen kindlich glauben: „Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Dies gilt all den späteren Generationen von Menschen, welche ihren Glauben auf die mündliche und auch schriftliche Berichte der Augenzeugen gründen werden. Jesus fordert zum Glauben auf, er gibt eine eindeutige Grundlage dafür, doch die Entscheidung zu glauben nimmt er dem Thomas nicht ab. Der Mensch ist also fähig zu glauben und daher steht er in der Verantwortung.

Doch stellen wir fest, dass durch den Unglauben des Thomas die Nachwelt einen zusätzlichen Beweiss von dem Auferstandenen Jesus erhalten hat. Zum Schluß der Beschreibung dieser besonderen Begegnung schreibt Johannes: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30-31).

Natürlich würden uns auch die anderen Zeichen interessieren, doch Tatsache ist, dass der durchschnittliche Bibelleser weit nicht alle Wunder und Zeichen,  welche die Evangelisten überliefert haben, kennt. Auch hier gilt, nicht das Quantum der Berichte, sondern die Qualität der aufgezeichneten Geschichten über Jesus und seine Worte, sind für seinen Glauben ausschlaggebend.

 

Fragen / Aufgaben:

  1. Warum sind die Jünger nicht sofort nach Galiläa gegangen, wohin Jesus sie nach dem Matthäusbericht hingeschickt hatte? Statt dessen blieben sie in Jerusalem noch mindestens eine Woche (Joh.20,26).
  2. Von wie vielen Begegnungen mit dem Auferstandenen Jesus berichten die Evangelisten und Apostel in den Schriften des Neuen Testamentes?
  3. War die Furcht der Jünger vor den Juden begründet?
  4. Was war der Hauptgrund bei der Begegnung am Abend des achten Tages?
  5. Thomas wird allgemein als der Zweifler bezeichnet. Hatte er Grund nicht zu glauben?
  6. Wie nennt Jesus seine Einstellung? Welche Abstufungen gibt es zwischen dem Zweifel, dem Kleinglauben und dem Unglauben?
  7. Wie, auf welche Weise korrigiert Jesus den Thomas?
  8. Welchen Vorteil haben wir wegen dem Unglauben des Thomas?
  9. Warum beschränkten sich die Evangelisten auf eine Auswahl von Zeichen, Wundern und Worten von Jesus?
  10. Welche Identitätsbezeichnungen (Titel, Status oder Ämter) werden in diesem Abschnitt Jesus zugeschrieben – WER IST ER?
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